2. Mose 19,1-8a

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2. Mose 19,1-8a

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2. Mose 19,1-8a

Predigt – 25.08.2013 – Pastor Frank Mader

Ich habe euch für heute einen Bibeltext mitgebracht, der für das erwählte Volk der Juden,

bis auf den heutigen Tag eine superwichtige Bedeutung besitzt. Der Text handelt davon,

wie Israel zwei Monate nach dem Auszug aus Ägypten an den Sinai kommt. Es liegt eine

unvorstellbar spannende und auch schwierige Zeit hinter ihnen: Die Jahre der

Gefangenschaft und Versklavung hängen noch an ihren Kleidern. Ihr geschundener Körper

und die Schwielen an ihren Händen verraten, von woher sie kommen. Sie schauen zurück

auf die Berufung des Moses, auf Gottes mächtiges Handeln durch die 10 Plagen und

schließlich der Auszug aus dem Gefängnis der Sklaverei. Hinter ihnen liegt das Erlebnis

am Schilfmeer, durch das Gott sie vor den Ägyptern sensationell gerettet hat. - Und vor

ihnen liegt das Versprechen, dass Gott sie an einen Ort führt, wo Frieden herrscht; wo

Milch und Honig das verheißene, neue Leben ausmalen. Sie haben das Versprechen

bekommen, dass er sie in die Freiheit führt. Dass sie ein eigenes Land haben werden,

dass eine segensreiche Zeit auf sie wartet. – Doch zunächst führt sie der Weg in die

Wüste. Ich lese uns aus...

Text: 2.Mose 19,1-8a - hat jemand seine Bibel mitgebracht?-

1 Am ersten Tag des dritten Monats nach dem Auszug der Israeliten aus Ägyptenland,

genau auf den Tag, kamen sie in die Wüste Sinai. 2 Denn sie waren ausgezogen von

Refidim und kamen in die Wüste Sinai und lagerten sich dort in der Wüste gegenüber dem

Berge. 3 Und Mose stieg hinauf zu Gott. Und der Herr rief ihm vom Berge zu und sprach: So

sollst du sagen zu dem Hause Jakob und den Israeliten verkündigen: 4 Ihr habt gesehen,

was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und

euch zu mir gebracht. 5 Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten,

so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. 6 Und ihr

sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein. Das sind die Worte, die du

den Israeliten sagen sollst. 7 Mose kam und berief die Ältesten des Volks und legte ihnen

alle diese Worte vor, die ihm der Herr geboten hatte. 8 Und alles Volk antwortete einmütig

und sprach: Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun.

Ich habe euch heute den Kaufvertrag meines Autos mitgebracht, den ich vor acht Jahren

abgeschlossen hab. Das bringt der Zahn der Zeit mit sich, der auch an unseren Autos

knabbert, dass man solche Verträge von Zeit zu Zeit abschließen muss. Kaufverträge

funktionieren nach dem Grundsatz: „Etwas für etwas”. Das heißt: Ich erkläre mich damit

einverstanden, das ich für „etwas”, in diesem Fall einen Golf Variant 1,4l mit 55 kW, Farbe

perlblau, usw. … bekomme, und im Gegenzug dazu eine nicht unerhebliche Summe

Geldes zu bezahlen habe. Das gilt ist zu unterschreiben. Kommt die eine Seite ihren

Vertragspflichten nicht nach, ist die andere Seite automatisch von ihren Verpflichtungen

entbunden - denn schließlich gilt: „etwas für etwas” und nicht: „etwas für nichts”. Das kann


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man im Paragraphen über den „Eigentumsvorbehalt” nachlesen. Unter der Rubrik

„Kleingedrucktes” steht da: „Der Kaufgegenstand bleibt bis zum Ausgleich der dem

Verkäufer aufgrund des Kaufvertrages zustehenden Forderungen Eigentum des

Verkäufers.” Die Juristen drücken das immer etwas kompliziert aus. Wir wissen was

gemeint ist: Erst wenn ich vollständig bezahlt habe, gehört mir der blaue Flitzer.

Gott schließt mit seinem Volk am Sinai einen „Vertrag”. In der biblischen Sprache nennt

man das „Bund”. Wie ist das bei diesem Vertrag? Wie lauten die Vertragspflichten der

beiden Partner am Berge Sinai? Was bekommt das Volk Israel von Gott? Und was hat das

Volk Gott zu bringen? Wie ist das mit dem „Eigentumsvorbehalt” geregelt? Erfüllt die eine

Seite der Vertragspartner nicht die Verpflichtungen, ist dann die andere Seite von ihren

Verpflichtungen entbunden?

Vielleicht fällt euch auf, wenn ich so frage: Verträge solcher Art, wie ich mit meinem

Autohaus, schließt Gott nicht ab! Bei ihm gilt nicht der Grundsatz: „etwas für etwas”. Wenn

das so wäre, dann würde er seine Zuwendung, seine Hilfe, seine Nähe daran binden, ob

sein Volk seinen Verpflichtungen hinterherkommt. Wenn bei Gott gelten würde „etwas für

etwas”; dann könnte unser aller Vater im Himmel immer dann von seinen

Vertragsverpflichtungen zurücktreten, wenn wir die unseren nicht einhalten. Doch bei ihm

ist das anders. Gott sei Dank.

Die „Partnerschaft“ Gottes zu seinem Volk beginnt nicht mit einem Vertrag. Die

„Partnerschaft“ beginnt mit seiner Hilfe. Durch Mose lässt er dem Volk sagen: „Ihr habt

gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf

Adlerflügeln und euch zu mir gebracht.” – Vor dem Bund mit Gott steht seine Hilfe, seine

Rettung. Gottes Geschichte mit seinem Volk beginnt mit seinem freien Entschluss,

dass er sich diesem Volk annimmt.

Er sieht die Not ihrer Versklavung, er sieht ihr Elend, er sieht ihr Leben und das bewegt

ihn. „Er hat euch angenommen..., weil er euch geliebt hat”, heißt es an anderer Stelle

(5.Mose 7,7). „Er hat euch angenommen..., weil er euch geliebt hat” – Mit dem Annehmen,

wir können auch sagen, mit seinem Erwählen, beginnt es. Und er nimmt sein Herz auch

dann nicht zurück, als sein Volk seinem Bund nicht nachkommt. Auch dann nicht, als sein

Volk sich ihm aufgekündigt hat. Auch dann nicht, als sie ihn, wie es später der Prophet

Hosea sagt, vergessen haben. Der Bund Gottes mit seinem Volk ist kein Vertrag zwischen

gleichen Partnern.


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Liebe Schwestern und Brüder! - Wenn wir untreu sind, so ist er dennoch treu. Denn er

kann sich selbst nicht verleugnen. 1 Gott steigt nicht aus seinem Vertrag aus, auch wenn

wir ihn brechen. Was ist das für ein Gott!

Er wird mit einem Adler verglichen, der sein Nest aufstöbert, darüber hin und her schwebt,

um den Jungen das Fliegen zu lehren. Der große Adler breitet seine Flügel über die

Jungen aus. Er nimmt einen von ihnen, einen schüchternen und ermatteten auf und trägt

ihn auf seinen Schwingen. So lange, bis er selber den Flug wagt und seinem Vater folgen

kann. Der große Adler nimmt sich seinen Jungen an; längst bevor er fliegen kann. So ist

Gott. Er hat schon längst nach Dir geschaut, noch bevor du Augen für ihn hattest. Er hat

schon längst nach Dir gerufen, noch bevor Du eine Stimme hattest. Er hat sich schon lange

um dich gesorgt, noch bevor du für dich selber sorgen konntest.

Gott handelt an seinem Volk ohne Vorbedingungen, ohne Vertragsverhandlungen: Er

holt sie aus dem ägyptischen Schlamm. Er führte sie aus dem Land der Peitschen und

Striemen. Er versorgte sie mit Wachteln und Manna. Er macht ihnen seine Gegenwart

erkennbar in Wolken- und Feuersäule. Immer liebt und handelt er an seinem Volk ohne

Vorbedingungen, ohne Rückerstattungsansprüche zu erheben. Gott gibt sich für sein

Volk, ohne auf eigenen Vorteil bedacht zu sein, ohne danach zu fragen, ob es ihm gedankt

wird. „Er hat euch angenommen..., weil er euch geliebt hat”. - Das gilt mir. Das gilt Euch. –

Habt ihr das?

Gott ist ein Autohändler der besonderen Art. Stell Dir vor, Du geht ins Autohaus, um Dir

dort einen Vierrädrigen zu kaufen. Du findest, was dir gefällt. Der Autohändler druckt den

Vertrag aus und übergibt ihn Dir. Und Du schaust drauf und siehst einen großen Stempel

mit der Aufschrift: „Schon bezahlt”. Im Kleingedruckten steht: Die anfallenden Reparaturen

und Ersatzteile inbegriffen. - Verrückt, gell.

Bei Gott gilt nicht der Grundsatz: „etwas für etwas”, sondern „etwas für nichts”. Das ist

das, was wir Gnade nennen. Gnade ist das, was wir gratis bekommen. Es wird kein Auto

sein. Aber gratis ist die Vergebung unserer Schuld. Gratis der Frieden, wenn die Wellen in

unser Boot schlagen. Gratis ist seine Kraft, an jedem Tag neu, bis ans Ende unsere Tage.

Gratis ist der Sinn meines Lebens. Gratis ist heute Morgen die Luft, die durch unsere

Bronchien strömt, gratis ist das Schöne, über das wir uns freuen sollen, und ja, das auch:

Das Schwere um zu reifen. Das Angespannte um zu glauben und den Zweifel, um wieder

zu neuer Gewissheit durchzubrechen. Zuletzt bekommen wir das ewige Leben. Denn auch

den Himmel gibt es nur gratis.

1

2.Tim.2,13


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Und dann steigst du in dein neues Auto, den Kofferraum und die Rücksitze voller Gnade,

fährst Du nach Hause und weißt tief in Dir: Ich bin so was von beschenkt worden. Womit

habe ich das nur verdient? – Und Du wirst zu Dir sagen: Ich habe mir das nicht verdient.

Gott hat mich beschenkt.

Weißt Du noch, wie sich Gnade anfühlt? – Ich habe das einmal von einem lieben Bruder

lernen dürfen. Er litt viele Male in seinem Leben unter schweren Depressionen. Er erzählte

mir, wie sich ein Leben mit Depressionen anfühlt. Ich versuche so gut ich es konnte zu

verstehen: Das fühlt sich nämlich gar nicht mehr an. Du bist wie tot. Du empfindest nicht

mehr. Es ist, als ob Du an Deinem Leben unbeteiligt bist. - Und dann erzählte er mir, wie

es war, als es sich wieder zum Besseren gewendet hat. Wie er barfuß über das Gras

gelaufen ist. Und wieder empfinden konnte, wie sich das anfühlt. Er erzählte, wie schön

das für ihn war. Wie es sein Herz vor Glück fast zerrissen hat und er Gnade erleben durfte,

Gott dafür gepriesen hat. - Später habe ich ihn beerdigt. Er hatte mir aufgeschrieben, dass

ich über die Gnade Gottes predigen soll.

Weißt Du noch, wie sich die Gnade anfühlt, die Gott für uns hat? - Weißt Du noch, wie das

ist, wenn sich die Gnade mit der Freude paart. Du kommst mit dem Auto nach Hause und

erzählt den anderen, dass Du einem Autohändler der besonderen Art begegnet bist. Und

sie werden mit uns staunen und am anderen Tag in dieses Autohaus gehen und den

Autohändler sprechen wollen, der ihnen ihre alte Karre abnimmt und…

Ihr meint, einen solchen Autohändler gibt es nicht? – Pause – Oh doch, es gibt ihn.

Heute schließt man seine Kaufverträge immer häufiger übers Internet ab. Letztens hab ich

ein riesen Schnäppchen geschlagen. Wir haben uns ein neues Bett bestellt. Zuerst

natürlich überall informiert und verglichen, etc. … Dann sehe ich im Internet doch

tatsächlich, wie genau dieses Vollholz-Bett, das wir uns ausgesucht haben, für 347,-€ zu

kaufen ist. Das bis dahin billigste Angebot waren 629,-€. Mir war ein wenig mulmig dabei.

Man weiß ja nicht so genau. Schließlich bestellte ich es. Wenig später bekomme ich die

Auftragsbestätigung. Einen Tag später einen Anruf. „Jaaaaa, da sei ihnen ein Fehler

unterlaufen…“. - Ich dachte zuerst, der ruft mich an, um den Vertrag zu kündigen. Aber da

höre ich nicht recht….“aber selbstverständlich bekäme ich das Bett für den Preis aus dem

Kaufvertrag.“ - Ich denke: So schnell wie möglich auflegen, bevor er es sich nochmals

anders überlegt.

Ich hatte ein echtes Schnäppchen geschlagen. Ich war freudig aufgelegt. Das hatte etwas

von Gnade. Nicht ganz gratis, aber doch ein Ding. Nachdem ich allen erzählt habe, die das

wissen wollten, oder auch nicht, fiel mir ein: Wann hast Du Dich zuletzt so über die Gottes


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Gnade gefreut, die Dir gilt? Die doch viel größer und bedeutender ist, als das Bett aus

Wildeiche. Die viel sinnstiftender ist, als Deine Schlagunterlage.

Wann hast Du Dich zuletzt über die Vergebung deiner Schuld, über den Frieden trotz der

Wellen, über die Kraft zum Leben, über etwas Schönes, über die Nähe Gottes, über ein

Lied das Dir Gott aufgeschlossen hat, über das ewige Leben gefreut?

Die Frage, die hier für uns begraben liegt, heißt: Wie verhält sich der, der noch voller

Verblüffung nach diesem „Autohändler” besonderer Art steht und nicht weiß, wie ihm

geschehen ist? Wie verhält sich das Volk Israel, nachdem es erlebt hat, wie Gott ihnen

alles gratis gegeben hat, was sie zu einem neuen Leben in Freiheit gebraucht haben? Wie

verhalten wir uns, wenn uns klar wird, dass Jesus uns aus dem Schlamm eines

oberflächlichen Lebens gezogen hat und uns anbietet in seinem Weingarten zu arbeiten?

Bevor das Volk damals irgendetwas sagen konnte, sprach Gott zu ihnen: „Werdet ihr nun

meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor

allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein.”

Jetzt bietet Gott seinem Volk einen Bund an. Er möchte nichts lieber als mit seinem

erwählten Volk in einer dauerhaften und treuen Beziehung leben. Er möchte ihr Gott

sein. Und sie sollen sein Eigentum sein.

Das Volk steht vor einer immensen Entscheidung. Gottes Hilfe, seine Liebe möchte eine

Antwort. Er möchte Klarheit. Er möchte wissen, woran er mit ihnen ist. Er möchte ihre

Treue. Er wünscht sich, dass sie seiner Stimme vertrauen und den Bund Wert achten.

Liebe Schwestern und Brüder! Die Hilfe und die Gnade gibt es gratis. Doch wenn sie den

Bund eingehen, dann verpflichtet sie das. Ihr sollt mein Eigentum sein! Ihr sollt mir ein

Königreich von Priestern sein. Ihr sollt mir ein heiliges Volk sein. - Dieses Volk soll das ihm

Nächste sein. Es soll so leben, wie es dem heiligen Gott entspricht. Wollt ihr?

Sie müssen entscheiden. Sie müssen sich dazu verhalten. Willst Du?

Diese Frage Gottes, die uns gilt, ist nicht ein für alle Mal in „trockenen Tüchern”. Die Frage

an unsere Treue ist nicht ein für alle Mal beantwortet. Es ist wichtig, dass wir sie uns heute

Morgen vorlegen lassen: Will ich Gottes Eigentum sein? Will ich zu seinem heiligen Volk

gehören?


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Wie ging das damals in der Wüste aus? - ”Mose kam und berief die Ältesten des Volks und

legte ihnen alle diese Worte vor, die ihm der Herr geboten hatte. Und alles Volk antwortete

einmütig und sprach: Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun.”

Die Gnade Gottes hatte sie überzeugt. Die Hilfe Gottes hatte sie beeindruckt. Sie wollten

diesen Bund. Sie wollten ein Leben in Hingabe führen. - Dass ihre Zustimmung kein Leben

lang hielt, wissen wir. Und wir wissen das auch von uns. Willst Du diesen Bund mit Gott?

Willst Du?

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