Protestnote gegen Aufschluss neuer Tagebaue - Greenpeace

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Protestnote gegen Aufschluss neuer Tagebaue - Greenpeace

Greenpeace e.V., Große Elbstraße 39, 22767 Hamburg

Premiärminister Kungariket Sverige

An den Ministerpräsidenten des Königreichs

Schweden

Fredrik Reinfeldt

Statsrådsberedningen Schwedische Botschaft

Rosenbad 4 Rauchstraße 1

103 33 Stockholm 10787 Berlin

Stockholm / Hamburg, 29. Juli 2013

Protestnote gegen den Aufschluss neuer Braunkohle-Tagebaue

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

am vergangenen Dienstag, dem 23. Juli, hat der Geschäftsführer des schwedischen

Energiekonzerns Vattenfall AB, Øystein Løseth, in Stockholm angekündigt, das

Deutschland-Geschäft von Vattenfall komplett oder in Teilen zum Verkauf zu stellen.

Vattenfalls Aufsichtsratschef, Finanzmarkt-Minister Peter Normann, nannte in diesem

Zusammenhang das deutsche Kohlegeschäft eines von Vattenfalls größten Problemen.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat die Arbeit des Vattenfall-Konzerns gerade in

Deutschland seit vielen Jahren immer wieder scharf kritisiert. Die nuklearen Gefahren

die von den Vattenfall-Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel ausgegangen sind,

sind untragbar gewesen. Deshalb hat der Deutsche Bundestag im Juli 2011 in seiner

überwältigenden Mehrheit die gesetzlich verankerte sofortige Schließung dieser beiden

Kraftwerke beschlossen. Weiterhin geht Gefahr vom Atomkraftwerk Brokdorf aus, an

dem Vattenfall eine Beteiligung von 20% hält, und das erst 2021 geschlossen werden

soll. Greenpeace fordert die Schließung dieses Atomkraftwerks bis 2015.

Nicht weniger kritisch aber ist Vattenfalls aktive Rolle bei der Zerstörung des Klimas

durch die Verstromung von Stein- und Braunkohle in Deutschland. Die Braunkohle ist

der CO2-intensivste aller überhaupt verfügbaren Energieträger. Durch seine Förderung

im Osten Deutschlands wird großflächig Landschaft zerstört, werden Menschen ihrer

Heimat beraubt und wird das Klima schwer geschädigt. Aus diesen Gründen fordern

wir Vattenfall bereits seit Jahren dazu auf, auf einen Aufschluss neuer Braunkohle-

Tagebaue zu verzichten und aus der Verstromung der Braunkohle in Deutschland

schrittweise bis spätestens 2030 auszusteigen.

Vattenfall ist vollständig im Besitz der schwedischen Staates. Vor dem Hintergrund des

nun öffentlich erwogenen Rückzugs von Vattenfall aus dem Deutschland-Geschäft stellt

sich die Frage nach der politischen Verantwortung nun in besonders dringlicher Weise.


Wir fordern Sie daher dringend dazu auf, daraufhin zu wirken, dass Vattenfall seine

Anträge auf einen Aufschluss neuer Tagebaue in Deutschland zurückzieht.

Die von Vattenfall beantragten Aufschließungen neuer Tagebaue würde eine Festlegung

auf die Braunkohleverstromung weit über 2030 hinaus bis zur Mitte des Jahrhunderts

bedeuten. Das wäre weder mit europäischen, noch mit deutschen Klimaschutzzielen

vereinbar. Darüber hinaus würden weitere acht Ortschaften abgebaggert und würden

weitere 3000 Menschen ihre Heimat verlieren. Es wäre daher ein Zeichen von großer

politischer Verantwortungslosigkeit, wenn Sie und Ihre Regierung einerseits durch die

Erwägung des Ausstiegs Vattenfalls aus dem Deutschland-Geschäft die Problematik

der Braunkohle-Verstromung anerkennen würden und gleichzeitig aber nicht die

Konsequenzen daraus zögen, die Anträge für den Aufschluss zusätzlicher Tagebaue in

Deutschland zurückzuziehen.

Mit freundlichen Grüßen

Mads Flarup Christensen

Executive Director Greenpeace Nordic

Greenpeace Nordic

Roland Hipp

Kampagnen-Geschäftsführer

Greenpeace Deutschland

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