Juli 2013 Jahresgabe

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Juli 2013 Jahresgabe

Juli 2013

Jahresgabe


Fußmattenprojekt

Graswurzel

in Sri Lanka

Seit 1985 unterhält Graswurzel eine

kontinuierliche und auf Freundschaft

basierende Handelsbeziehung zu den

Produzentinnen von handgeknüpften

Kokosmatten.

Durch den unermüdlichen Einsatz von

Frau Fuchs-Gärtner ist es gelungen, eine

fast einzigartige robuste Qualität von

Kokosfaserfußmatten mit sehr ansprechenden

Modellen zu erzielen.

Große Probleme waren und

sind zu überwinden, sei es

die ständig hohe Inflation,

die Gefahren durch teils

bürgerkriegsähnliche Zustände,

die allgemeine

Armut oder der Mangel

an wichtigen Grundgütern

wie Wasser, Strom

oder funktionierender

Infrastruktur.

Heute können Frauen,

die im Mattenprojekt

beschäftigt sind, ein

besseres Einkommen

erzielen als Arbeiterinnen in der

Fabrik oder auf einer Teeplantage. Die

Abwanderung in die Städte wird gebremst,

die Frauen erwirtschaften ein

gutes Einkommen, das ihnen z.B. Strom

und Wasserversorgung zuhause ermöglicht.

Die Organisation Graswurzel hat einen

Sozialfond eingeführt, der Frauen in

Notsituationen Medikamente oder medizinische

Behandlungen für sie oder

nächste Angehörige ermöglicht.

Auch gibt es einen „Unemployment Social

Fund“, um Auftragsengpässe auszugleichen.

Ein von Graswurzel eingerichteter Kreditfond

wird von den Frauen als zinsfreier

Mikrokredit genutzt und über die Mattenproduktion

wieder zurückgezahlt.

Geregelte Arbeitszeiten, meist von 8:30

Uhr - 17 Uhr, und kurze Wege zur Arbeit

sind eine große Errungenschaft.

Das Mattenprojekt von Graswurzel ermöglicht

es den Frauen sowohl in Gemeinschaft

als auch in individueller

Heimarbeit tätig zu sein.

Sie sind eigentlich Selbständige, genießen

aber auch die großen Vorzüge von

Renten- und Krankenversicherung.

Seit mehr als 15 Jahren vertreibt die

Fair-Handel GmbH in der Abtei Münsterschwarzach

die Matten von Graswurzel.

Die Nachfrage steigt stetig, sodass neben

bekannten Motiven immer wieder

neue Kreationen entwickelt werden.

Derzeit sind etwa 18 Modelle in unserem

großen Fair-Handel MARKT verfügbar, darunter

so beliebte Motive wie „Regenbogen“,

„Katze“, „Blumenranke“ und andere.

Die Fußmatten sind ein Hingucker vor

jeder Haus- oder Wohnungstür und natürlich

ein praktischer Helfer bei schlechtem

Wetter!

Sie können alle Fußmatten im Internet

unter www.fair-handel-shop.de ansehen.

Gerne schicken wir Ihnen auch eine

Liste der Fußmatten mit Preisangabe zu.

Über unseren Versand erhalten Sie die

Matten (je nach Modell zwischen 19 €

und 24 €) zzgl. Versandkosten von 5 €.

Viel Spaß beim Stöbern in unserem Onlineshop

oder beim Besuch in unserem

großen Fair-Handel MARKT, gleich hinter

dem Egbert-Gymnasium auf dem Abteigelände!

Fair-Handel GmbH · 97359 Münsterschwarzach

Tel. 0 93 24/20-2 73 · Fax 0 93 24/20-4 93

e-mail: info@fair-handel-gmbh.de

www.fair-handel-gmbh.de

Öffnungszeiten:

Torhausladen: Mo

14.00–17.30 Uhr

Di.–Fr.

9.30–17.30 Uhr

Samstag 9.30–12.00 Uhr/13.00–17.00 Uhr

So-u.Feiertage 10.30–12.00 Uhr/13.00–17.00 Uhr

Markt: Mo.–Fr. 8.00–17.00 Uhr, Samstag 9.00–13.00 Uhr


eDitOriaL

3

iNhaLt

Seite

P. Richard Maria Kuchenbuch OSB

Vorwort .................................................................... 3

P. Anselm Grün OSB

Von Generation zu Generation .................................... 4

Bernhard Krauss

Die alten mit den Jungen…? ..................................... 6

Br. Ansgar Stüfe OSB

heutige Klöster leben die Zukunft ............................. 8

Pater Fidelis Ruppert OSB

Gegenseitiges Wahr-Nehmen .................................... 10

Anja Legge

Sieben Generationen unter einem Dach .................... 12

P. Bartholomäus Henneken OSB

Kein Stein ist auf dem anderen geblieben ................ 14

Abt Siegfried Hertlein OSB

eine abtei wird afrikanisch ..................................... 16

Br. Bakanja Mkenda OSB

alte menschen sind ein Segen.................................. 18

Anja Legge

100 Jahre – Wir feiern mit ...................................... 20

Betrieb: egbert Gymnasium ..................................... 24

Projekt handwerkerschulen ...................................... 26

Werbung .................................................................. 27

Namen/Nachrichten ............................................ 28-33

Dank ....................................................................... 34

Br. Thomas Morus Bertram OSB

aus dem Nähkästchen geplaudert ............................ 35

Zum Titelbild:

Abt Michael Reepen OSB und Pater Laurentius Hennemann

OSB – zwei verschiedene Generationen und doch

auf dem gemeinsamen Weg.

Portrait:

Pater Konrad Göpfert OSB

imPreSSUm

Ruf in die Zeit

AUSGABE JULI 2013, NR. 3/13

MISSIONSBENEDIKTINER

MÜNSTERSCHWARZACH

Das Magazin für Freunde, Förderer und Interessenten der Missionsarbeit

der Abtei Münsterschwarzach

Abonnement

Bestellung an prokura@abtei-muensterschwarzach.de

oder Telefon 09324/20-287 vierteljährlich, kostenfrei

Redaktion

P. Richard M. Kuchenbuch (verantw.), Br. Thomas Morus Bertram (verantw.),

Br. Alfred Engert, Br. Joachim Witt, Br. Manuel Witt

Herausgeber

Missionsprokura der Abtei Münsterschwarzach

97359 Münsterschwarzach Abtei

Tel.: 09324/20275 Fax: 09324/20270

E-Mail: prokura@abtei-muensterschwarzach.de

Internet: http://www.abtei-muensterschwarzach.de

Auslandsspenden

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Bildnachweis

Br. Thomas Morus (S. 1, 6, 7, 8, 9, 10, 15, 17, 18, 19, 33,

35, 46), Bildarchiv (S. 4, 11, 12, 14, 28, 29), P. Richard

(S. 16, 26), Anja Legge (S. 20, 21, 22, 23), EGM (S. 24, 25),

Br. Immanuel (S. 5, 30, 31), André Schösser (S. 34)

Gesamtherstellung:

Benedict Press, Vier-Türme GmbH, 97359 Münsterschwarzach Abtei

Konzeption: Klaus Gold

Liebe Leserinnen,

liebe Leser…

…. drei Monate haben wir Mönche in Münsterschwarzach

Sabbatzeit gehalten. Einkehr als

Vorbereitung auf unsere anstehenden Jubiläen.

Kaum war die Sabbatzeit zu Ende, erfüllte sich

Jesu Ruf aus dem Markusevangelium „Geht hinaus

in die ganze Welt“. Pater Anselm wurde zu

Vorträgen nach Taiwan gerufen, Bruder Julian

P. richarD m. KUcheNBUch OSB fuhr zu einem Schüleraustausch nach Russland

Missionsprokurator und ich trat meine erste Dienstreise als Missionsprokurator

nach Tansania an.

Das afrikanische Land hat mich tief beeindruckt: die Weite des Landes, die Schönheit

und Gewalt der Natur und vor allem seine Menschen. Ein großes Geschenk

war für mich die Gastfreundschaft und die Lebensfreude, die die Menschen dort

ausstrahlen, und das trotz der großen Armut. Entlang der Straße sieht man im

ganzen Land, dass die meisten Menschen immer noch in einfachen Lehmbauten

ohne Strom- und Wasseranschluss leben. Doch habe ich noch nie so viele fröhliche

und lachende Menschen gesehen. Selten ist jemand allein oder nicht im

Gespräch zu sehen. Überall sind Kinder jeden Alters, drei bis zehn pro Familie,

wie man mir sagte!

Aber ich sah auch die andere Seite, wo Not ist und unsere Hilfe gebraucht wird.

Die Regierung Tansanias ist noch lange nicht in der Lage, sich um die Grundbedürfnisse

ihrer Bürger selbstständig zu kümmern. Die Sorge um die Schwächsten,

um Kinder, Waisen, Arme und Kranke ist völlig unzureichend. Umso wertvoller

sind die Einrichtungen der Missionsbenediktiner vor Ort, die Schulen, Krankenhäuser

und Berufsausbildungsstätten. Seit Jahrzehnten leisten sie hervorragende Arbeit,

um das Land zu entwickeln, den Menschen zu dienen und so Zeuge der Liebe

Gottes sein – unterstützt von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. Gott sei Dank!

Im Europa der Neuzeit, wo Kirche und Orden mit ihren Krankenhäusern und

Schulen ein gutes Beispiel gaben und Standards setzten, dauerte es Jahrhunderte,

bis der Staat sich diese Aufgaben als selbstverständliche Pfl icht zu eigen gemacht

hat. So wird es auch in Afrika noch viele Generationen brauchen, bis unsere Hilfe

nicht mehr von Nöten ist.

Generationen – damit sind wir beim Thema des neuen Ruf in die Zeit. Der Begriff

ist schon lange nicht mehr neutral. Der demografi sche Wandel, die auf den

Kopf gestellte Alterspyramide beschäftigen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

gleichermaßen. Können die Renten noch bezahlt werden, reichen die Beiträge

zur Krankenversicherung aus, wer soll die alten Menschen pfl egen, wenn es keine

jungen Menschen mehr gibt? Die Konsequenzen für das Zusammenleben, den

Lebensstandard und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes gehen alle an.

Klöster sind davon nicht ausgenommen. Mehr noch, heutige Klöster leben

diese Zukunft bereits heute. Sieben Generationen unter einem Dach – so lautet

ein Artikel über das Leben, Beten und Arbeiten im Mehr-Generationen-Kloster

Münsterschwarzach. In diesem Ruf in die Zeit erzählen die Mönche, wo die

Herausforderungen liegen und was vielleicht Vorbild für unsere Gesellschaft von

morgen sein könnte. Dabei schauen wir aber auch über den Tellerrand in unsere

Missionsklöster in Asien und Afrika, wie sich dort die Generationenfrage stellt.

Dass die Alten Träume haben und die Jungen Visionen, wie es beim Propheten

Joel heißt, kann sicher nur gemeinsam in Solidarität und intensivem Miteinander

von Jung und Alt Zukunft werden. Was uns dabei wichtig ist, damit es gelingen

kann, lesen Sie in dieser Ausgabe.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr


ZUm thema

4

Von Generation

zu Generation

Vo n P. Anselm Grün

Seit mehr als 1500 Jahren leben die Benediktiner

nach der Regel des hl. Benedikt. In

dieser Zeit gab es ein ständiges Auf und

Ab. Immer wieder gab es Blütezeiten, dann

wieder Verfallszeiten. Dennoch haben die

Mönche über die Jahrhunderte nach der

Regel gelebt, die Benedikt zwischen 500

und 547 geschrieben hat. So möchte ich

das Geheimnis dieses benediktinischen Lebens

bedenken, das so viele Krisen überstanden

hat.

Benedikt hat das Mönchtum nicht erfunden.

Mönche gab es seit dem Jahr 270

– zuerst in der ägyptischen Wüste, dann

auch ab dem 4. Jahrhundert im Westen. Sie

waren fasziniert von der Botschaft Jesu und

wollten diese Botschaft radikal leben. Sie

protestierten gegen die Verbürgerlichung

und Verweltlichung des Christentums, wie

es durch die offi zielle Anerkennung des

Christentums unter Kaiser Konstantin im

Jahre 313 eingeleitet wurde. Benedikt

lebte aus dem Geist des Mönchtums. Er

wollte in seiner Gemeinschaft das Ideal

der Urkirche nach Apg 2,46f verwirklichen.

Es entwickelte eine Schreibstube, in der

wertvolle Handschriften entstanden. Doch

schon 100 Jahre nach der Gründung begann

die erste Krise. Die Abtei geriet in die

Hände von Kommendatar-Äbten, die das

Kloster nur als fi nanzielle Einnahmequelle

ansahen und sich nicht um das geistliche

Leben kümmerten. Das 10. Jahrhundert

war ein dunkles Jahrhundert, auch für

Münsterschwarzach. Doch schon nach der

Jahrtausendwende erholte sich die Abtei.

Bischof Heinrich von Würzburg leitete

die Reform ein, indem er das Kloster der

Gorzer Erneuerung anschloss. 200 Jahre

erlebte die Abtei eine spirituelle und wirtschaftliche

Blüte, gründete andere Klöster

wie Lambach und Melk in Österreich. Und

der selige Abt Egbert baute die Egbertbasilika,

die bis ins 18. Jahrhundert bestand.

Höhepunkt und Aus

Doch dann gab es ab 1300 wieder Krisen,

weil nur noch Adlige ins Kloster aufgenommen

wurden. Als das 1445 abgeschafft

worden war, ging es wieder aufwärts. Das

Kloster überstand die Reformation geistlich

gut. Die Mönche hielten am katholischen

Glauben fest. Doch es wurde in den

Bauernkriegen fast völlig zerstört. Kaum

war es wieder aufgebaut und zur Blüte

gebracht, kam der Dreißigjährige Krieg.

Wieder war die wirtschaftliche Lage hoffnunglos.

Ab 1650 gab es wieder eine neue

Blüte, die sich auch in den großartigen

Bauten der Klosteranlage und dann der

Basilika – von Balthasar Neumann 1741

errichtet – ausdrückte. Das war gleichsam

wieder ein Höhepunkt im klösterlichen Leben.

Und sogleich folgte die Krise durch

die Aufklärungszeit. Der Philosoph Immanuel

Kant sah die Religion nur noch als

moralische Verbesserungsanstalt. Für das

„nutzlose“ Chorgebet hatte er kein Verständnis.

Trotzdem hielten die Mönche

auch dieser Versuchung reiner Rationalisierung

stand. Die Politik erzwang dann

im Zuge der Säkularisation im Jahre 1803

das Aus der Abtei, für 110 Jahre.

Blüte und Krise

– und wieder Blüte

Der Gedanke des hl. Benedikt – verbunden

mit weiser Mäßigung und spiritueller

und psychologischer Weisheit – hat die

Mönche, die es seit dem 5. Jahrhundert

in Westeuropa gab, fasziniert. So breitete

sich die Regel Benedikts immer mehr aus.

Unter Karl dem Großen wurde die Regel

Benedikts gerade wegen ihrer Weisheit

zur alleinigen Regel für die Klöster vorgeschrieben.

In dieser Zeit entstand auch

die Abtei Münsterschwarzach. Es war

das Jahr 816, in dem der fränkische Graf

Megingaud dieses Männerkloster gründete

und es dem hl. Benedikt von Aniane

übergab. Schnell blühte das Kloster auf.

Nach dem Bau der Balthasar Neumann Basilika 1741 folgte 1803 das Aus


5

Altes stirbt, damit Neues

werden kann

Felicitas rediviva – Felizitas lebt immer wieder auf – immer wieder neu anfangen

Hunderte junge Mönche

– und die Schließung

durch die Gestapo

1913 wurde die Abtei von den Mönchen,

die von St. Ottilien aus zuerst 1901 nach

Franken – nach St. Ludwig bei Wipfeld –

kamen, wieder besiedelt. Es waren ärmliche

Anfänge, aber voller Gottvertrauen machte

man sich ans Werk. Doch kaum nach der

Neugründung kam der I. Weltkrieg, der von

der jungen Gemeinschaft zehn Todesopfer

forderte. Nach dem I. Weltkrieg erlebte die

Abtei trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten

einen enormen Aufschwung, der dann in

der Weihe der neuen Abteikirche im Jahre

1938 seinen Höhepunkt erlebte. Damals

zählte die Abtei 435 Mönche, größtenteils

junge dynamische Mönche. Doch dann kam

der II. Weltkrieg, in dem 56 Mönche ihr

Leben lassen mussten. Und die Abtei wurde

am 9. Mai 1941 von der Gestapo aufgehoben.

Unter großen Mühen wagte man 1945

den Neuaufbau. Bis jetzt wurde immer wieder

gebaut, die Schule und das Gästehaus

erweitert, die Werkstätten ausgebaut.

Wie hat die Gemeinschaft immer wieder

die Kraft gefunden, von Neuem anzufangen?

P. Burkard Bausch hat in seiner

Klosterchronik, die er zwischen 1700 und

1720 geschrieben hat, den Grund dafür

gegeben. Er hat als Überschrift das Wort

gewählt: „Felicitas rediviva – Felizitas lebt

immer wieder auf“. Die Gemeinschaft hat

sich nicht entmutigen lassen, weder durch

äußere noch durch innere Gefährdungen,

das Leben im Kloster, das gemeinsame

Gebet und die Arbeit immer wieder neu

anzufangen. Dabei wusste die Gemeinschaft,

dass sie sich nicht immer höher

entwickelt. Auf einen Höhepunkt folgt

auch ein Niedergang. Das hängt einmal

von den äußeren Zeitverhältnissen ab.

Die politische und gesellschaftliche Situation,

aber auch die philosophische und

weltanschauliche Einstellung prägen auch

die klösterliche Gemeinschaft. Sie muss in

jeder Zeit von neuem ihre Identität fi n-

den. Sie schöpft aus der Tradition, aber sie

muss die Tradition immer wieder anpassen

an die jeweilige Zeit, ohne dem Zeitgeist

zu verfallen.

Als ich die wechselhafte Geschichte der

Abtei studiert habe, habe ich mich immer

wieder gefragt: Wenn wir unsere momentane

Situation in der klösterlichen Gemeinschaft

im Licht der 1200-jährigen Geschichte

betrachten, wo stehen wir dann?

Sind wir auf einem Höhepunkt oder auf

einem Tiefpunkt? Ich denke, weder noch.

Wir dürfen dankbar sein, dass wir aus der

Kraft unserer Väter leben dürfen. Wir dürfen

aus dem Einsatz der alten Mitbrüder

leben, die nach dem ersten und nach dem

zweiten Weltkrieg mit großer Kraft die

Abtei ausgebaut haben. Wir dürfen von

der Erneuerung der Gemeinschaft leben,

wie sie unter Abt Fidelis nach dem Konzil

eingeleitet worden ist. Aber wir dürfen

uns nie ausruhen. Eine Gemeinschaft ist

ein lebendiges Gebilde. Da gibt es immer

Wachsen und Sterben, sowohl von der Zahl

her als auch vom Geist her. Altes stirbt ab,

damit Neues wachsen kann. Es braucht

– so sagen schon die alten Mönche – einen

wachsamen Geist, um den Ruf Gottes

in jeder Zeit neu zu hören. Im Hören auf

die Stimme Gottes und im Horchen auf

das Vermächtnis unserer Väter versuchen

wir heute die Abtei so zu formen und als

Mönche so zu leben, dass wir dem benediktinischen

Ideal heute folgen, indem wir mit

allem, was wir sind, was wir tun, was wir

denken, wahrhaft Gott suchen und so Gott

in unserer säkularisierten Welt in den Mittelpunkt

stellen, damit Gott hier an diesem

Ort die Herzen vieler Menschen berührt.

P. Anselm Grün OSB

Geboren 1945 in Junkershausen

• Profess 1965 • Priesterweihe

1971 • Seit 1977 Cellerar der Abtei

Münsterschwarzach • Geistlicher

Begleiter und Bestsellerautor

christ licher Spiritualität


ZUm thema

6

„Die Alten mit den Jungen ...?“

Generationenbeziehungen werden unübersichtlicher

Von Bernhard Kraus

Den Jungen wie den Alten wird es schwer

gemacht, ihre Rolle im gesellschaftlichen

Miteinander zu fi nden. „Alt sein“, zu seinem

Alter stehen, wer kann das schon?

Ganz nach dem Motto: „Alt sind immer nur

die anderen“. Altersverleugnung ist weit

verbreitet, genauso eine Verherrlichung

von Jugendlichkeit. Eines ist allerdings klar:

„Alter ist Zukunft“. Hoffentlich für die heute

Jungen genauso wie für die Gesellschaft

insgesamt. So gibt es viele gute Gründe

für Junge und Alte, voneinander zu lernen.

Älter, bunter, mehr: der demografische

Wandel. Eine entscheidende Zukunftsherausforderung

ist der „demografi sche

Wandel“. Gemeint ist damit, dass sich der

altersmäßige Aufbau der Bevölkerung in

einem Maße ändert und weiter ändern

wird, wie es bislang noch nicht vorkam.

Die wichtigsten Trends dabei sind:

Auf dem „Rentnerbänkle“

Die Menschen werden älter. Die durchschnittliche

Lebenserwartung nimmt zu.

Wer seinen 60. Geburtstag feiert, kann

noch mit einer weiteren Lebenszeit rechnen,

die länger ist als die Kindheit und

Jugendzeit.

Die Anzahl und der Anteil alter Menschen

an der Bevölkerung steigt. Mit

zunehmendem Alter wird der Frauenanteil

immer größer. Besonders stark nimmt die

Zahl der über 80-jährigen zu. Gleichzeitig

nimmt die „Entjugendlichung“ zu. 1970

gab es noch doppelt so viele Kinder und

Jugendliche wie Senioren – 2030 wird

es umgekehrt sein. Seit 1972 sterben in

Deutschland mehr Menschen, als geboren

werden. Die Stabilität der Bevölkerungszahl

wird nur durch eine hohe Zuwanderung

aufrecht erhalten.

Die Zahl der „fi tten“ alten Menschen

nimmt zu, gleichzeitig auch die Zahl der

betreuungs- und pfl egebedürftigen Menschen.

Vor allem Menschen mit Demenz,

die einen besonderen Betreuungsbedarf

haben, gibt es immer mehr.

„Die Familie ist der größte Pflegedienst

der Nation“. Mehr als zwei Drittel der Pfl e-

gebedürftigen werden zu Hause – meist

von der Ehefrau oder der (Schwieger-)

Tochter – versorgt, oft ohne Unterstützung

durch ambulante Pfl egedienste. Allerdings

bedeutet „alt“ nicht automatisch

auch „pfl egebedürftig“ zu sein. Selbst im

hohen Alter von 85 bis 90 Jahren sind zwei

von drei Menschen nicht pfl egebedürftig!

Was bedeutet diese Entwicklung? Nicht

wenige Kommentatoren dramatisieren sie

mit Titeln wie: „Sterben die Deutschen

aus?“, „Kommt es zum Generationenkrieg?“

Andere sehen den demografi schen

Wandel auch als Chance und verweisen

darauf, dass die riesigen Potentiale und

Kompetenzen ältergewordener Menschen

gesellschaftlich noch zu wenig wertgeschätzt

und einbezogen werden.

Altsein wird immer bunter. Gleichaltrige

unterscheiden sich immer stärker voneinander:

Ihre Lebenssituationen und

Lebensgeschichten mit differenzierten

historischen und gesellschaftlichen Hintergründen;

ihr Selbstbewusstsein; die gesundheitlichen,

materiellen (es gibt gleichzeitig

Altersreichtum und eine Zunahme

der Altersarmut!), kulturellen Situationen;

unterschiedliche Wertentscheidungen…

das gemeinsame Geburtsjahr verbindet

Menschen immer weniger. Die Möglichkeiten,

im Alter einen persönlichen Lebensstil

zu führen, waren noch nie so

vielfältig, wie heute. Die Kehrseite dieser

Individualisierung ist die Gefahr der Vereinzelung

und Vereinsamung.

Der demografische Wandel ist eine Herausforderung

auf allen Ebenen – für die

Gesellschaft, für die Familien und für jeden

einzelnen.


7

Der demografische Wandel in Zahlen

(immer bezogen auf Deutschland)

Weitere durchschnittliche Lebenserwartung

am 60. Geburtstag:

Jahr Frau Mann

1960 18,5 Jahre 15,5 Jahre

2012 25 Jahre 21 Jahre

Anteil der über 60jährigen

an der Gesellschaft:

1952 war jeder siebte über 60

2012 ist es jeder vierte

2030 wird es jeder dritte sein

Zahl hochaltriger Menschen

im Alter „80plus“:

1953: 0,8 Mio.

2000: 2,9 Mio.

2020: ca. 5,1 Mio.

Anteil der Pflegebedürftigen

(mit Pflegestufe) in Altersgruppen:

75-80 Jahre: 9,8%

80-85 Jahre: 20,5%

85-90 Jahre: 38% –

90J. und älter: 57,8%

Gut, dass es den Papa gibt

Menschen mit Demenz in Altersgruppen:

75-79 Jahre: 5,8%

80-84 Jahre: 13,3%

85-89 Jahre: 22,6%

90 J. und älter: 33,5%

(93 Jahre: 50%)

Zahl der Menschen mit Demenz:

2000: 934.000

2012: 1,2 Mio.

2030: ca. 2,5 Mio.

Zahl der Kinder und Jugendlichen bis

20 Jahren – Zahl der mind. 65jährigen:

Jahre bis 20j. 65plus

1970: 22,4 Mio. 10,8 Mio.,

2010: 15,2 Mio. 16,7 Mio

2030: ca. 12,9 Mio. 22,3 Mio.

Geburtendefizit und

Wanderungsgewinn (2011):

663.685 Geburten, 852.328 Sterbefälle.

Wanderungsgewinn: 279.000 Personen.

Die Politik hat für Gerechtigkeit

zwischen den

Generationen zu sorgen.

Das bedeutet etwa, dass

Menschen, die lebenslang

im Beruf oder in

der Familie tätig waren,

einen Anspruch auf eine

ausreichende Rente haben

und dass der Bereich

Pfl ege als Berufsfeld aufgewertet

wird.

Der Zusammenhalt in

der Familie steht bei alt

und jung hoch im Kurs,

die wechselseitigen materiellen

und ideellen Unterstützungen

sind sehr

hoch. Aber es ist absehbar, dass das soziale

Netz der Familie an Tragfähigkeit verlieren

wird. Mobilität, weniger Kinder, mehr Trennungen

sind einige Gründe dafür. Immer

mehr alte Menschen haben so gut wie keine

familiären Beziehungen. Immer mehr

Kinder und Jugendliche haben im Alltag

keine Kontakte zu alten Menschen. Für die

Lebenszufriedenheit aller sind außerfamiliäre

altersübergreifende Kontakte bis hin

zu „Wahlverwandtschaften“ sehr wichtig!

Für die und den einzelnen bedeutet es,

sich auf eine längere Altersphase einzustellen:

Geschenkte Zeit, die mit Sinn und

Leben zu erfüllen ist. Altern bedeutet heute

„lebenslang Lernen“, auch mit und von

jungen Leuten. Es gilt, rechtzeitig soziale

Netze zu knüpfen und zu überlegen, wie,

wo und mit wem ich leben will, um der

Gefahr der Vereinsamung zu entgehen.

Auch in der Bibel ist das Leben im Generationenzusammenhang

nicht selbstverständlich

und braucht immer wieder die

Ermahnung, etwa im „4. Gebot“ (Du sollst

deinen Vater und deine Mutter ehren, damit

es dir gut gehe) oder im Eintreten für

die Witwen und Waisen. Wenn Junge und

Alte miteinander „träumen“ (Joel 3,1) und

wenn sie „miteinander Gott loben“ (Psalm

148,12), beginnen sie die Vision, dass aus

dem Gegeneinander und Nebeneinander

von Jung und Alt ein Füreinander und Miteinander

werden kann.

Bernhard Kraus

Dipl. theol. Pastoralreferent • Leiter

des Seniorenreferates im Seelsorgeamt

der Erzdiözese Freiburg


ZUm thema

8

Heutige Klöster

leben die Zukunft

alterspyramide:

mönche sind schon so weit wie die deutsche Gesellschaft in 25 Jahren

Der Altersaufbau der deutschen Gesellschaft

beherrscht die sozialen Debatten

unserer Zeit. Können die Renten noch

bezahlt werden, reichen die Beiträge zur

Krankenversicherung aus, wer soll die

alten Menschen pfl egen, wenn es keine

jungen Menschen mehr gibt? Der kritische

Moment soll kommen, wenn der Anteil der

produzierenden Bevölkerung die Hälfte

unterschreitet. Diese Debatte ist an sich

schon bemerkenswert. Noch vor 40 bis 50

Jahren wurden soziale Probleme vor allem

durch die ungerechte Verteilung der Güter

beschrieben. Würde man nur eine gerechte

Gesellschaft schaffen, wären auch ihre

internen Gegensätze verschwunden, hieß

es damals. Heutzutage wird immer klarer,

dass die klassischen sozialen Probleme in

den Hintergrund treten, wenn die ungleiche

Verteilung des Alters in der Bevölkerung

wirksam wird.

Nun gibt es Modelle, in denen diese Zukunft

einer überalterten Gesellschaft schon

gelebt wird, nämlich die Klöster. In der Abtei

Münsterschwarzach und ihren abhängigen

Häusern leben 116 Mönche. Davon

sind 41 unter 65 Jahren alt. Nach den

Maßstäben unserer Gesellschaft beträgt

also der Anteil der noch „produzierenden“

Mönche 35 Prozent. Trotzdem wirkt die

Gemeinschaft lebendig und zukunftsfähig.

Wie geht eine klösterliche Gemeinschaft

mit dieser Altersstruktur um?

Ihren Kräften entsprechend

Wenn Mönche in Münsterschwarzach hier

lesen, dass die Mönche nur zu 35 Prozent

aktiv seien, werden sie überrascht sein.

Es sind doch wesentlich mehr produktiv

Professjubiläen zeigen: Wir sind älter geworden…


9

… und strahlende junge Mönche

und arbeiten voll mit! Das ist auch schon

die erste Erklärung der oben genannten

Fragen. In unseren Klöstern arbeiten die

Mönche ganz unabhängig vom Alter in

der Gemeinschaft mit. Der bestimmende

Faktor ist die Arbeitsfähigkeit. Die meisten

Mönche sind bereit, entsprechend

ihren Kräften auch andere Aufgaben

zu übernehmen als die, für die sie ausgebildet

wurden. So können Dienste an

der Pforte, bei der Gebäudereinigung,

im Speisesaal übernommen werden.

Andere sind aber auch noch lange im

angestammten Beruf tätig wie in der Verwaltung,

beim Schreiben von Büchern, in

der Leitung von Betrieben. Dabei gibt es

natürlich die Aufsicht des Abtes, der darauf

achten muss, dass der einzelne nicht

überfordert wird und der Verantwortung

in seinem Arbeitsbereich gerecht wird. So

können die Funktionen des Klosters voll

aufrechterhalten werden.

Kranke pflegen

in gewohnter Umgebung

Auch im Kloster bleiben nicht alle Mönche

arbeitsfähig, selbst für einfachste Arbeiten

nicht. Die klösterliche Gemeinschaft wird

von Demenz und Gebrechlichkeit nicht verschont.

Dies ist und bleibt eine große Herausforderung

der Gemeinschaft. In allen

unseren Klöstern wird es als eine wichtige

Aufgabe gesehen, die alten und kranken

Brüder zu pfl egen. Sie werden fast immer

im Kloster behalten. In den kommenden

zehn Jahren wird es besonders viele pfl e-

gebedürftige Mitbrüder geben, weil die

Jahrgänge alt werden, die besonders stark

vertreten sind. Dabei zeigt sich, dass die

meisten Mitbrüder im Kloster bleiben wollen,

auch wenn die Pfl ege nicht immer optimal

sein kann. Menschliche Wärme und

eine gewohnte Umgebung sind wichtiger

als rein pfl egerische Gesichtspunkte.

Die Alten müssen

auf die Jungen hören

Eine klösterliche Gemeinschaft kommt

gemeinsam zu Entscheidungen. Bei der

herrschenden Altersstruktur besteht die

Gefahr, dass Entscheidungen vor allem

aus dem Blickwinkel der Älteren getroffen

werden. Hier steht die Zukunftsfähigkeit

auf dem Spiel. So kommt es sehr darauf

an, Entscheidungsprozesse durch gemeinschaftliche

Gespräche zu fördern. Die jungen

Brüder müssen darauf aufmerksam

machen, was aus ihrer Sicht zukunftsfähig

ist und was nicht. Die jungen Mitbrüder

müssen die Konsequenzen von Entscheidungen

tragen und nicht die Alten. Daher

müssen die Älteren bereit sein, auf die

Jungen zu hören, auch wenn sie selbst in

der Mehrheitsposition sind. Hier kommen

demokratische Prozesse, die nur auf das

Mehrheitsprinzip bauen, an ihre Grenzen.

In häufi gen Gesprächen kann das Verständnis

zwischen Alt und Jung wachsen.

Dazu wurden von den Gemeinschaften

neue Methoden der Moderation und der

Diskussion gelernt. Bisher ist dieser Prozess

in unseren Klöstern ganz gut gelungen. Es

gibt aber immer neue Herausforderungen.

Es ist äußerst wichtig, dass junge Menschen

an den Entscheidungen beteiligt

werden, die wesentliche Aufgaben des Klosters

betreffen. Letztlich hängt davon auch

die Frage des klösterlichen Nachwuchses

ab. Gemeinschaften ziehen junge Leute

nur dann an, wenn sie Möglichkeiten zur

Lebensgestaltung bekommen.

Das Leben geht weiter

Diese Frage der Mitgestaltung wird für die

Gesellschaft insgesamt von ganz entscheidender

Bedeutung sein. Das Mehrheitsprinzip

bringt die Gefahr mit sich, dass

Entscheidungen aus der Sicht der Älteren

getroffen werden. Politiker wollen Wahlen

gewinnen. Ältere Menschen wollen nicht

mehr viele Veränderungen. Aber das Leben

geht weiter. Wer sich dem Fluss des Lebens

entgegen stemmt, ist schon verloren. Klöster

leben vor, wie Zukunft in einer solchen

Situation gestaltet werden kann. Auch hier

klappt das nicht immer und sicher auch

nicht ohne Reibungen. Modellhaft spiegelt

sich aber im Kloster, wie die Gesellschaft

in 25 Jahren auch in Deutschland zusammengesetzt

sein wird.

Br. Dr. Ansgar Stüfe OSB

Geboren 1952 in Bad Mergentheim

• Profess 1980 • Missionar

seit 1987 in Tansania • Direktor

des Krankenhauses Peramiho

• Kongregationsprokurator seit

2003


ZUm thema

10

Gegenseitiges Wahr-nehmen

Brüderliche Gemeinschaft aus Jung und alt

Von Pater Fidelis Ruppert OSB

Kürzlich stellte uns ein Referent, den wir

zu einer klosterinternen Tagung über Fragen

des Älterwerdens eingeladen hatten,

eine interessante Aufgabe: Wir sollten

mal überlegen, was es heißen könnte,

wenn wir folgenden Beschluss fassen

würden: „Unser Kloster übernimmt den

Generationenvertrag.“ Wir haben noch

nicht offi ziell darüber diskutiert, aber

mich beschäftigt diese Frage seither immer

wieder. Natürlich meinte der Referent

den „Generationenvertrag“ nicht in dem

Sinn, wie er sozialpolitisch als eine Art

gegenseitiger Verpfl ichtung zur Altersversorgung

verstanden wird. Er meinte wohl

Wie schön, wenn man im Alter ein Hoby hat.

die ausdrückliche Verantwortung jeder

Generation an einer guten Gestaltung

der gemeinsamen Zukunft. Was heißt

das, dass wir alle miteinander und jeder

auf seine Weise und an seinem Platz für

die gemeinsame Zukunft unseres Klosters

verantwortlich sind?

Mir kam dazu noch ein anderer Gedanke,

den ich in diese Diskussion einbringen

möchte. Als ich 1982 zum Abt gewählt

wurde, nahm ich als Wahlspruch ein Wort

aus Matthäus 23,8: „Ihr alle seid Brüder.“

Es war mir damals klar – und es hat sich

auch in der Praxis bestätigt –, dass wir

nur gemeinsam die Herausforderungen,

die vor uns liegen, meistern können. Dazu

braucht es einen guten Zusammenhalt

und die brüderliche

Gesinnung aller.

Jeder muss jeden anderen

als Bruder akzeptieren,

auch wenn er ihn niemals

als Freund wählen oder mit

ihm in Urlaub fahren wollte.

Als Bruder muss ich auch

den akzeptieren, der mir

nicht passt oder mir unsympathisch

ist. Wir müssen

also nicht alle von einander

begeistert sein, aber

wir brauchen eine ehrliche

Solidarität, die durch nichts

in Frage gestellt wird. Dann

können wir eine lebendige,

brüderliche Gemeinschaft

sein und werden auch viele

kritische Phasen durchstehen

können.

Im „Mehr-Generationen-Kloster“

Im Blick auf die weitere

Zukunft unserer Gemeinschaft

kam mir jetzt eine

ergänzende Formulierung

Lachen und sich-Freuen hält gesund

in den Sinn: „Ihr alle seid Brüder – im

Mehr-Generationen-Haus“ oder „Wir sind

brüderliche Gemeinschaft – im Mehr-

Generationen-Kloster.“ Das ist natürlich

nichts Neues. Es war schon immer klar,

dass die Brüderlichkeit auch zwischen

Alt und Jung gilt. Aber heute ist die

Generationenfrage weit brisanter als

vor 30 Jahren. Deshalb kann es für die

Praxis hilfreich sein, auch dieses inzwischen

so gewichtig gewordene demographische

Faktum der umgedrehten

Alterspyramide bei der Vision einer brüderlichen

Gemeinschaft ausdrücklich mitzudenken

und sich im konkreten Leben

darauf einzustellen.

Ähnlich ist ja auch für das Gelingen unserer

Demokratie nicht nur der multikulturelle

Aspekt oder die Zukunft der Einen

Welt von immer größerer Bedeutung; auch

das brisante Faktum des demographischen

Wandels hat enorme gesellschaftliche und

politische Folgen und es ist gut, nicht nur

um diese Themen zu wissen, sondern sie

immer auch laut mitzudenken und sie bei


11

Planungen und Entscheidungen zu

be rücksichtigen.

Was kann das für die Zukunft heißen?

Man muss diese Fragen jetzt

nicht gleich lösen können. Schnellschüsse

sind hier nicht möglich

und auch nicht sinnvoll. Es gibt

keine einfachen „Lösungen“. Es ist

schon viel, überhaupt die richtigen

Fragen zu stellen und zunächst mal

mit ihnen zu leben, nachdenklich

zu werden und achtsam die Fakten

zu betrachten.

Es geht um die Frage,

ob Zukunft ist

oder nicht

Entscheidend wird aber sein, dass

sich bei allen – im Kloster, wie in

der Kirche und in der Gesellschaft

überhaupt – immer mehr die Überzeugung

einwurzelt, dass die Fragen

der Zukunft nur in Solidarität

und intensivem Miteinander bewältigt

werden können. In diesem

Zusammenhang kommt mir immer wieder

das letzte Wort des Alten Testamentes in

den Sinn, ein Wort des Propheten Maleachi

3,23f: „Bevor aber der Tag des Herrn

kommt, der große und furchtbare Tag, seht,

da sende ich zu euch den Propheten Elija.

Er wird das Herz der Väter wieder den

Söhnen zuwenden und das Herz der Söhne

ihren Vätern, damit ich nicht kommen und

das Land dem Untergang weihen muss.“

Der Prophet Elija, einer der ganz großen

Propheten, wird geschickt, um die Herzen

der Väter und der Söhne, der Alten und der

Jungen wieder für einander zu öffnen, dass

sie „von Herzen“ miteinander umgehen lernen.

Es geht um Leben und Tod, es geht um

die Frage, ob Zukunft ist oder nicht. Nach

diesem Wort beginnt in unserer Bibel das

Neue Testament, wo die Botschaft Jesu mit

ganz neuer Dringlichkeit die gegenseitige

Liebe zur Grundlage des Lebens macht –

bis hin zur Feindesliebe.

Michelangelo brachte den Propheten Joel an die Decke der

sixtinischen Kapelle im Vatikan

Träume und Visionen

für die Zukunft

Ergänzend lässt sich hier noch ein anderes

Prophetenwort hinzufügen, nämlich aus

dem Propheten Joel 3,1: „Danach aber wird

es geschehen, dass ich meinen Geist ausgieße

über alles Fleisch. Eure Söhne und

Töchter werden Propheten sein, eure Alten

werden Träume haben, und eure jungen

Männer haben Visionen.“ Der Geist Gottes

wird reichlich ausgegossen über alle. Es

scheint kein Unterschied mehr zu sein zwischen

den Alten und den Jungen, Männern

und Frauen. Sie alle haben prophetische

Begabung, es werden ihnen Träume und

Visionen für die Zukunft geschenkt. Es wird

jetzt vor allem darum gehen, diese Träume

und Visionen auszutauschen, einander zuzuhören,

um herauszufi nden, welche Träume

und Visionen wohl zukunftsträchtig

sind. Mag es bei den Themen zwischen

Jüngeren und Älteren auch nicht immer um

die großen Visionen und die prophetischen

Träume für eine größere Zukunft gehen,

sondern oft auch „nur“ um alltägliche Herausforderungen

des gemeinsamen Lebens

und Überlebens – diese beiden prophetischen

Worte könnten als eine Art Hintergrundfolie

dienen, die uns jederzeit in Erinnerung

ruft, wie lebensnotwendig diese

Gegenseitigkeit von Jung und Alt ist, wie

sehr sie auf wertvolle Ressourcen auf beiden

Seiten zurückgreifen kann, wenn nur

das gegenseitige Wahr-nehmen und Annehmen

gewährleistet ist. Das ist im Kloster

so, aber auch in vielen anderen kirchlichen

und gesellschaftlichen Bereichen.

Fidelis Ruppert,

Älter werden –

weiterwachsen

ISBN 978-3-

89680-846-2

Erscheint am

20. August 2013

Vorbestellung unter

0 93 24/20 292

Wie fühlt es sich

an, älter werden und alt sein? Mit viel

Lebenserfahrung zeigt Pater Fidelis Ruppert,

selbst 75 Jahre alt, dass Alter nicht

nur vom Gefühl des Mangels geprägt sein

muss. Im Gegenteil: Wer rechtzeitig das Alter

entdeckt, kann auch in späten Lebensjahren

noch wachsen und neu aufblühen.

P. Fidelis Ruppert OSB

Geboren 1938 in Plankstadt • Profess

1960 • Priesterweihe 1964 • Von 1982

bis 2006 Abt der Abtei Münsterschwarzach

• Ab 2006 Kurse und geistliche

Begleitung


ZUm thema

12

Sieben Generationen

unter einem Dach

interview mit Prior Pascal herold

Eine Benediktiner-Abtei ist eine kleine

Welt für sich: Vom 90-jährigen Senior

bis zum 30-jährigen Novizen leben hier

Menschen unterschiedlichster Generationen

miteinander unter einem Dach.

Wie dieses Miteinander aussieht, welche

Unterschiede, Berührungspunkte

und Gemeinsamkeiten es gibt, darüber

berichtet Prior Pascal Herold (49), der

selbst sechs Jahre lang als Novizenmeister

für die Ausbildung der jungen Brüder

zuständig war.

Wie viele Generationen leben in der Abtei

Münsterschwarzach unter einem Dach?

Das sind sage und schreibe sieben Generationen:

Die Vorkriegs-, Kriegs- und

Nachkriegsgeneration, die Generation

Wirtschaftswunder, die Babyboom-Generation

der 1970er, die Generation Golf

und die moderne Multimedia-Generation.

Der jüngste Münsterschwarzacher Mönch

ist Bruder Jakob mit 30 Jahren, der älteste

ist Bruder Balduin mit 93 Jahren.

Mit welchen Voraussetzungen ging ein

junger Mann im Jahr 1940 ins Kloster?

Das Eintrittsalter war wesentlich niedriger.

Das liegt daran, dass viele Klosteranwärter

direkt über unser Ausbildungsseminar St.

Plazidus oder das Schulinternat St. Maurus

bei uns eingetreten sind. Die meisten

jungen Männer kamen zudem aus geschlossenen

Milieus, das heißt sie waren

kirchlich aufgewachsen und in eine Dorfgemeinschaft

integriert.

Und heute? Mit welcher Hintergrundfolie

klopft ein junger Mensch des 21. Jahrhunderts

an die Klosterpforte?

Der Klosteranwärter des 21. Jahrhunderts

kommt aus einer sehr offenen Gesellschaft.

Die meisten jungen Männer sind zwar noch

in einer klassischen Familie aufgewachsen

und kennen auch noch kirchliches Leben.

Beides beginnt jedoch bereits auseinander

zu brechen. Einige waren zwar in der

Jugend- oder Ministrantenarbeit aktiv,

andere hatten aber lange überhaupt keine

Berührungspunkte zur Kirche. Prägend

wirken heute sicherlich auch die modernen

Medien und Kommunikationstechnologien.

Welche Erwartungen an das Klosterleben

hatten die Menschen vor 70 Jahren?

Der missionarische Gedanke stand ganz

klar im Mittelpunkt. Die Mitbrüder kamen,

weil sie in die Mission wollten.

Ganz im Gegensatz zu heute…

Genau! Natürlich gibt es unter den jüngeren

Mitbrüdern immer noch solche, für

die der Missionsgedanke das Hauptmotiv

ist. Bei den meisten ist es aber die Suche

nach einem erfüllten Dasein und Sinn im

Leben. Ein wichtiges Motiv ist auch das

Leben in Gemeinschaft. So erleben uns

beispielsweise die jungen Männer, die an

unseren Kloster-auf-Zeit-Angeboten teilnehmen,

als eine sehr lebendige Gemeinschaft.

Das ist eben etwas Besonderes –

zumal man heute vielfach anonym und zu

individuell leben muss.

Zusammenleben im Generationenhaus macht froh


13

Hat sich das Eintrittsalter im Laufe der

Jahrzehnte verändert?

Das ist stark nach oben gegangen. Derzeit

sind unsere Postulanten um die 30 Jahre alt.

Warum ist das so?

Vor 60 Jahren hatte man einfach nicht so

viele Alternativen. Heute gehen die jungen

Menschen während ihrer Schulzeit zunächst

mal einen relativ vorgezeichneten

Weg. Mit dem Schulabschluss sind sie das

erste Mal gefordert, ihr Leben selbst in die

Hand zu nehmen. Die ersten Erfahrungen

werden gesammelt, Denkprozesse kommen

in Gang. Es gibt heute eine ungeheure Vielfalt

an Möglichkeiten, die herausfordernd,

aber auch verwirrend wirkt. Diese Fülle an

Optionen macht es so schwer, sich jetzt

konkret für etwas zu entscheiden.

Wie gestaltet sich das Zusammenleben

der Generationen im Klosteralltag?

Insgesamt erlebe ich unser Zusammenleben

als sehr homogen. Unser Leben ist

vor allem durch die gemeinsamen Gebetsund

Mahlzeiten geregelt. Hier kommen

die Generationen miteinander in Berührung.

Die Mahlzeiten werden zwar schweigend

eingenommen, doch ich bekomme

hier Fühlung mit den anderen. Von Zeit

zu Zeit wird in Konventsgesprächen über

Themen gesprochen, die das Leben in Kloster

und Welt betreffen. Dabei wird sehr

offen geredet und manchmal auch kontrovers

diskutiert, um nach tragfähigen

Lösungen zu suchen. Mehr individuellen

Kontakt gibt es im Leben der Dekanien;

das sind Kleingruppen von zehn bis 14

Mönchen. Während die jüngsten und die

ältesten Mitbrüder bewusst zusammenbleiben,

werden die anderen Dekanien

alle drei Jahre neu ausgelost. Gemeinsam

veranstaltet man Gesprächsrunden oder

gesellige Abende, feiert Namenstage oder

unternimmt Ausfl üge. Alles in allem ist das

sehr bereichernd, weil der Einzelne in dieser

kleineren Zelle der Gemeinschaft noch

einmal stärker vorkommt und sich persönlich

ausdrücken kann.

Was bringt ein „alter Mitbruder“ in die

Gemeinschaft ein, was trägt ein dreißig-

Jähriger bei?

Ganz egal, ob jung oder alt: Jeder, der hier

eintritt und bleibt, formt und prägt unsere

Gemeinschaft. Ein älterer Mitbruder bringt

natürlich eine Fülle an Erfahrungen mit.

Damit meine ich nicht nur die persönliche

Lebensgeschichte, sondern auch alle Höhen

und Tiefen auf dem geistlichen Weg. Diese

Erfahrungen sind ein kostbarer Schatz. Allein

die Tatsache, dass da jemand neben mir

und mit mir lebt, der einen ähnlichen Weg

geht, tut gut. Oft können die Erfahrungen

der Älteren mir auch in meinen eigenen

Fragen helfen. Bei ihnen kann ich mir abgucken,

etwas durchzutragen und nicht auszusteigen.

Ältere Mitbrüder sind Vorbilder und

Garanten für ein stabiles Dasein und ein

verlässliches Miteinander. Jüngere bringen

die Welt ins Kloster. Durch sie begegnen

wir allen Fragen und Themen, die sich die

Welt stellt, auch im Kloster. Die modernen

Kommunikationsmittel zum Beispiel berühren

sehr intensiv die Frage der Klausur: So

kann ich heute die Klausur zwar rein räumlich

halten, aber via Internet verlassen.

Hat die veränderte Lebenswelt Auswirkungen

auf das monastische Leben?

Auf jeden Fall. Die Welt ist übersichtlicher,

spannender und interessanter geworden.

Durch das Internet haben wir unerschöpfliche

Möglichkeiten, uns zu bilden und zu

informieren. Zugleich ist das Leben schneller

und hektischer geworden. Die Themen Stress

und Arbeitsbelastung betreffen auch uns.

Was verbindet die einzelnen Generationen

von Mönchen?

Unser rhythmisierter Tagesablauf. Die gemeinsamen

Gebets- und Mahlzeiten sind

P. Pascal Herold

wurde 1964 geboren

und wuchs

in Rothmannsthal

(Landkreis Lichtenfels)

auf. Nach dem

Abitur war er als

Panzerschütze bei

der Bundeswehr

und durchlief eine

Ausbildung zum Krankenpfl eger. 1991 trat

er in die Abtei Münsterschwarzach ein. Es

folgten Theologie-Studium an der Universität

Würzburg (1993 – 1998), Ewige Profess

(1998) und Priesterweihe (1999). Von

1999 bis 2002 war Pater Pascal als Missionar

in der Abtei Ndanda (Tansania) tätig,

von 2002 bis 2006 leitete er das Gästehaus

der Abtei Münsterschwarzach. Nach

sechs Jahren als Novizenmeister (2006 bis

2012) wurde Pater Pascal im Dezember

2012 zum Prior der Abtei ernannt.

ein gesunder Gegenpol zur modernen

Schnelllebigkeit und brechen den Alltag

auf. Sie sind Teil unserer Gemeinschaft und

sorgen für Kontinuität.

Wird der Spagat zwischen Welt und

Kloster damit größer?

Ich erlebe das nicht als Spagat. Der Spagat

besteht eher darin, sich verbindlich zu zeigen:

im persönlichen Engagement, im Mittun,

in der persönlichen Verfügbarkeit. Angesichts

der unglaublichen Möglichkeiten

und Freiheiten, die junge Menschen heute

haben, ist es nicht leicht, in ein Kloster

einzutreten, wo ich scheinbar auf so vieles

verzichten muss. Hier angekommen erleben

viele aber plötzlich, welche überraschenden

Möglichkeiten das monastische Leben bietet.

Hinter dem oberfl ächlichen Verzicht eröffnet

sich eine ungeahnte Tiefe und Weite.

Das Interview führte Anja Legge


ZUm thema

14

Kein Stein ist auf dem

anderen geblieben

Korea 1963 – 2013: Was sich verändert hat

Von P. Bartholomäus

Henneken OSB

In den vergangenen 50 Jahren hat sich

Korea wie auch die ganze Welt so stark verändert,

wie wohl nie zuvor in der Geschichte

der Menschheit. Diese Veränderungen

beziehen sich so ziemlich auf alles. Selbst

das Klima ist anders geworden. Nicht nur

das, auch die Berge, die Waegwan umgeben,

haben sich verändert. Damals waren

sie kahl, jetzt sind sie wieder bewaldet, und

zwar nicht nur in unserer Gegend, sondern

im ganzen Land. Wollte ich alles beschreiben,

was sich in dieser Zeit verändert hat,

käme ich an kein Ende. Ich werde mich

daher auf die “Generationen” beschränken,

das heißt auf Veränderungen, die die Familie

betreffen.

Früher gab es die Großfamilie, in der drei

Generationen zusammenwohnten. Ausnahmsweise

waren es auch schon einmal

vier. Wenn es zu eng wurde, war das in einer

von der Landwirtschaft geprägten Gesellschaft

nicht so schwierig. Man baute dann

einfach noch ein Zimmer oder einen Flügel

an. Heutzutage ist das nicht mehr so. Großfamilien

sind eine Seltenheit geworden. Die

Verstädterung, die Industrialisierung und

die Mobilität haben diese Veränderung

mit sich gebracht. Auch wollen die jungen

Leute für sich sein und selbst entscheiden,

was sie zu tun und zu lassen haben. Die

Mentalität ist also anders geworden. Wenn

die Eltern oder Großeltern das verstehen

und akzeptieren, herrscht Frieden, wenn

nicht, leidet die Atmosphäre darunter.

Es fehlt an Zeit

Die wichtigste Lehre des Konfuzianismus,

der zwar aus China kommt, aber in Korea

stärker verwurzelt ist als in irgendeinem anderen

Lande, ist, dass die Kinder die Eltern

Junge Koreanische Familie

ehren und für sie sorgen, wenn sie alt und

gebrechlich sind. An jedem Neujahrstag

wird diese Grundeinstellung erneuert und

bestärkt, indem die Kinder in festlichen

Kleidern vor ihren Eltern auf dem Boden

kniend und mit der Stirne den Boden berührend

ihnen ihre dankbare und liebende

Verbundenheit bekunden. Das ist heute

noch so, aber im Hinblick auf die Versorgung

der Eltern im Alter und bei Krankheit

hat sich viel geändert. Viele verbringen

jetzt ihre alten Tage in sogenannten ‘Silver

Towns’ – ‘betreutes Wohnen’ würde man

auf Deutsch sagen – oder eben in Pfl e-

geheimen. Es ist eine Situation, die man

gerne vermeiden würde, aber die Umstände

sind so, dass man nicht an ihnen vorbeikommt.

Das liegt vor allem daran, dass

die Frauen heutzutage erwerbstätig sind

und sein möchten, sodass einfach nicht

die Zeit da ist, um für die alten oder kranken

Eltern da zu sein. Hinzu kommt, dass

die Frauen beziehungsweise die Schwiegertöchter

auch nicht mehr gewillt sind,

diese Last zu tragen, zumal sie in unserer

Zeit größer ist als früher, weil die Eltern

viel länger leben. Das heißt nicht, dass die

alte Moral zusammengebrochen ist. Man

kann auch gut zu den Eltern sein, ohne

dass man gemeinsam in einem Haus lebt.

Zusammen leben’: früher lebten die Großeltern,

die Kinder und die Kindeskinder

zusammen, aber in gewisser Weise auch

nicht, zum Beispiel bei den Mahlzeiten.

Dabei war für jede Generation ein eigener

Tisch vorgesehen, einer für die Kinder,

einer für die Eltern und einer für die

Großeltern. Allerdings, wenn noch keine

Schwiegertochter im Haus war, die die

Küche besorgte, speiste die Mutter mit

den Kindern und der Vater saß alleine an

seinem Tisch, aber man befand sich in

einem Raum. Diese Sitzordnung war nicht

diskriminierend zu verstehen, sondern von

der Ehrfurcht gegenüber der älteren Generation

geboten.

Heutzutage muss man in einen Antiquitätenladen

gehen, wenn man diese kleinen

Tischchen sehen will. Alle sitzen an einem

Tisch, aber es sind nicht mehr viele, nur drei

bis vier Personen, das heißt die Eltern und

ein oder zwei Kinder. Wenn die Großeltern


15

zu Besuch kommen, sitzen sie mit am gemeinsamen

Tisch. Insofern sind sich also

die Generationen ein wenig näher gerückt.

Arm, aber nicht gehetzt

Allerdings ist ein anderes Problem hinzugekommen.

Aufgrund des Zeitdrucks, unter

dem heutzutage jedes Familienmitglied

auf seine Weise steht, ist es schwierig geworden,

bei den Mahlzeiten zusammenzukommen.

Das geht schon beim Frühstück

los und trifft dann erst recht auf das Mittagessen

und das Abendessen zu. Beide

Mahlzeiten werden von den Kindern in der

Schule eingenommen. Dementsprechend

ist es auch schwierig geworden, als Familie

gemeinsam zu beten, vor dem Essen oder

abends. Es ist ein krasser Gegensatz gegenüber

früher. Damals war man arm, aber

man war nicht gehetzt und hatte viel Zeit,

so viel, dass man nicht unbedingt pünktlich

zu sein brauchte. Im modernen Korea

wird man schief angeschaut, wenn man

zu spät kommt.

Als großer Segen für Korea hat sich dafür

die Fünftagewoche erwiesen, die ab 2004

schrittweise eingeführt wurde und sich inzwischen

auf allen Ebenen durchgesetzt

hat. Was ist das für ein Unterschied im

Vergleich zu 1963, als in vielen Fabriken

die Arbeiterinnen und Arbeiter nur einen

Tag im Monat frei hatten. Dadurch sind

Arbeitsplätze und vor allem Raum für das

Leben geschaffen worden. Die neue Freiheit

ist insbesondere ein Segen für die Familien,

die an den Wochenenden gemeinsam

etwas unternehmen können.

Br. Romano besucht einen Kindergarten

Auf dem Weg zum Glück

noch viel zu tun

‘Kein Stein ist auf dem anderen geblieben’

kommt einem in den Sinn, wenn man an

die vergangenen 50 Jahre denkt. Aber hat

diese umgreifende Veränderung den Menschen

auch gut getan? Vielen hat es gut

getan, aber vielen auch nicht. Man darf

nicht die Augen davor verschließen, dass

die Scheidungsrate und die Selbstmordrate

sehr hoch sind, die Geburtenrate sehr niedrig

und bei dem so genannten ‘Glücklichkeitsindex’,

den man neuerdings ermittelt,

ist es so, dass Korea unter den 34 OECD-

Ländern (Organisation für wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung) an 32.

Stelle steht.

Es gibt immens viel zu tun, – für die Regierung,

für alle Leute, die dieses Land lieben,

– und auch für uns Missionare!

Junges aufstrebendes Südkorea

P. Bartholomäus Henneken OSB

Geboren 1941 in Hamm • Profess

1961 • Priesterweihe 1966

• Missionsaussendung nach

Südkorea 1967 • Jetzt tätig als

Missionsprokurator in der Abtei

Waegwan


ZUm thema

16

Eine Abtei wird afrikanisch

Generationenwechsel in der mission – Beispiel Ndanda

Als im November 1975 Abtbischof Viktor

tödlich verunglückte, wurde in Ndanda die

Frage ganz akut: Wollen wir für Ndanda

eine Zukunft als Abtei und brauchen dafür

einen Abt, oder sollten wir nicht besser

systematisch abbauen? Der Konvent war

unsicher, mehrheitlich eher für Abbau. Da

griff der junge Erzabt Viktor Dammerts ein

und forderte defi nitiv eine Abtswahl. Aber

damit kam die Frage neu: Wollen wir auf

Dauer bleiben? Wenn Ja, dann müssen wir

– und zwar jetzt – Afrikaner als Novizen

aufnehmen. Es gab lange Debatten, aber

dann kam 1984 die entscheidende Abstimmung.

Mit großer Mehrheit beschloss

der Konvent: Wir haben hier eine bleibende

Aufgabe und deshalb wollen wir die Aufnahme

afrikanischer Novizen, und zwar

voll integriert in unsere Gemeinschaft.

Es gab nochmals lange Überlegungen,

welche Bedingungen wir für unsere Klosterkandidaten

stellen sollten. Nicht zuletzt

auf Rat des Bischofs verlangten wir

Br. Benedikt ist Förster und Schreinereileiter

der Abtei Ndanda

Arbeiter in der abteieigenen Schreinerei

ziemlich viel, nämlich: entweder Abitur

oder abgeschlossene Berufsausbildung.

Sehr hilfreich war, dass sich in P. Hildebert

ein geradezu idealer Novizenmeister fand,

der mit Liebe und Klugheit diese Aufgabe

übernahm. Die Frage blieb: Werden sich

entsprechende Kandidaten fi nden?

Ja, sie fanden sich, nicht große Scharen,

aber Jahr für Jahr kamen sie. Eine Reihe

verließ uns wieder, aber mehr und mehr

blieben. 1991 legte Br. Johannes als erster

seine Gelübde ab. 2001 wurden die ersten

vier zu Priestern geweiht. Heute haben wir

32 afrikanische Mitbrüder mit ewiger Profess,

14 mit zeitlicher Bindung und sechs

Novizen; 14 von ihnen sind Priester, einer

Arzt und vier Lehrer in der Sekundarschule;

die meisten anderen sind Handwerksmeister.

Und wir Missionare sind gerade noch

25 mit einem Durchschnittsalter von 75

Jahren. Es war also höchste Zeit, und das

gilt auch für einen nochmaligen Übergang.

Einheimische übernehmen

die Verantwortung

Auch dieser Übergang hat längst schon begonnen.

Prior und Subprior sind schon seit

einigen Jahren Afrikaner, auch der Chef

der Verwaltung und der Novizenmeister,

ebenso der Rektor der Mittel- und Handwerkerschule.

Die Leitung des Hospital

und der dazugehörigen Pfl egeschule liegt

ebenfalls ganz in afrikanischen Händen,

allerdings von Laien. In den Werkstätten

bleiben noch einige Lücken, aber auch

dafür sind einige gute junge Meister in

Vorbereitung. Garten und Landwirschaft

sind noch ein Problem, da mehrmals dafür

ausgebildete Novizen wieder ausgetreten

sind. Aber es sind wieder einige im Kommen.

Bleibt noch die Frage des Abtes.

Auch hier hat Abt Dionys schon verlauten

lassen, dass er selbst in absehbarer Zeit mit

einem Wechsel rechnet. Und es gibt unter

unseren afrikanischen Priestern sicher ei-


17

Auch im Kloster Ndanda findet der weiss-schwarze Generationswechsel statt.

nige gute Kandidaten für dieses Amt. So

können wir wirklich hoffen, dass die Abtei

ihre Aufgabe weiterführen wird. Und auch

die Idee einer möglichen Neugründung in

Mosambik wird von unseren jungen Mitbrüdern

ernsthaft diskutiert.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt, und es

bleiben auch bei uns in Ndanda so manche

Fragen. Bisher ist der Übergang von Alt

zu Jung allgemein friedlich verlaufen. Gewiss

gibt es Meinungsverschiedenheiten,

auch manche Kritik, aber kaum ernsthafte

Auseinandersetzungen. Schwierig ist für

manche unserer Jungen, von der Bindung

an ihre Sippe frei zu kommen. Und wir

Alten dürfen nicht alles nach unseren Maßstäben

messen.

Da gibt es die Frage der persönlichen

Reife und Verantwortung. Schulzeugnisse

allein genügen da nicht. Gerade in Führungspositionen

im Kloster braucht es gesunde

menschliche Reife.

Es gibt die Frage vom Dienst in der Gemeinschaft.

Grundsätzlich wollen wir eine

gute Ausbildung für unsere afrikanischen

Mitbrüder. Aber sie sollte in Beziehung stehen

zu den Aufgaben und Bedürfnissen

im Kloster. Die Frage ist nicht nur, was

der Einzelne möchte, sondern auch was

im Kloster nötig ist und wozu der Einzelne

taugt. Das zu lösen, ist nicht immer leicht.

Und dann bleibt die Frage der Finanzen.

Die Abtei hat viele und große soziale Aufgaben

und dafür all die Jahre hindurch

beträchtliche Hilfe durch die Wohltäter erhalten.

Viele Wohltäter hatten persönliche

Beziehungen zu einzelnen Missionaren und

ihre Spenden waren vor allem für diese

Missionare und deren Aufgaben. Die „Jungen“

fragen nun immer wieder: Was wird,

wenn ihr „Alten“ nicht mehr da seid? Wer

hilft uns dann?

Nun, ich bin sicher, dass viele Wohltäter

auch dann noch ihre Gaben geben, wenn

wir „Alten“ nicht mehr sind. Aber es muss

für sinnvolle Projekte sein und die Spender

müssen regelmäßig über die Verwendung

der Gaben informiert werden. Auf der anderen

Seite hoffen wir, dass es uns gelingt,

zum Beispiel für das Hospital mit der Regierung

ein entsprechendes Abkommen

auszuhandeln, das die Last dort wesentlich

verringert. Und warum denn nicht hoffen,

dass allmählich auch hier im Lande sich Leute

fi nden, die fähig und willig sind, für ein

gutes soziales Werk ihre Gabe zu spenden.

Auf gesunden Füßen

Trotz dieser Probleme, und es gibt sicher

noch einige mehr, wie beispielsweise der

Sinn für Stille und Schweigen im Kloster,

bin ich erstaunt und erfreut, dass der Generationenwechsel

in unserer Abtei sich

bisher so positiv entwickelt hat. Ndanda

steht augenblicklich auf gesunden Füßen,

und ich vertraue darauf, dass unsere jungen

afrikanischen Mitbrüder gut in der

Lage sind, die Abtei und ihre Aufgaben

unter eigener Leitung weiterzuführen.

Abt Siegfried Hertlein OSB

Geboren 1931 in Schwanfeld

• Profess 1953, Priesterweihe

1962, • Abt von 1976 bis 2001

der Abtei Ndanda/Tansania. •

Er verfasst zur Zeit die Geschichte

dieser Abtei.


ZUm thema

18

Alte Menschen sind ein Segen

in der afrikanischen Weltanschauung haben die alten die aufgabe, die Generationen

miteinander zu verbinden

Von Br. Bakanja Mkenda, OSB

Das Verhältnis der Generationen zueinander

hat sich nicht nur in Europa stark

verändert. Auch in Afrika klagen viele

Menschen darüber, dass das Wort der

Alten nichts mehr gelte. Die Gesellschaft

ist auch hier im Umbruch begriffen. Welche

Rolle haben die Menschen in der dritten

Lebensphase heute auf diesem Kontinent?

Sind die Alten unproduktiv und

altmodisch? Oder überlebensnotwendig

für die Jungen?

Als ich vor vier Jahren meine Forschungen

zum Thema „Die Rolle älterer Menschen

in der moralischen Entwicklung: Eine Fallstudie

der Agky (Kikuyu) von Kiambu/

Kenia“ betrieb, entdeckte ich, dass die

Massenmedien, westliche Bildung, Religion,

Verstädterung und Globalisierung

die afrikanischen Vorstellungen von der

dritten Lebensphase und dem Alter beeinfl

usst haben. Als ich mit einigen älteren

Menschen im Süden von Tansania sprach,

sagten sie alle, dass die junge Generation

das reiche kulturelle Erbe Afrikas ignoriere

und so Chaos verursache. Sie erzählten mir,

dass die Gesellschaft in einem moralischen

Dilemma stecke. Sie beklagten sich, dass

die Jugend von heute nicht mehr auf die

ältere Generation höre. Überall hört man

den Ausspruch “wazee wamepitwa na wakati”.

Das bedeutet, dass ältere Menschen

veraltet und altmodisch sind oder von der

Zeit überholt wurden. Die junge Generation

habe keine Lust, auf Ältere als Hüter

der Sitten und Bräuche zu hören.

Das geht gegen die traditionellen afrikanischen

Gesellschaften, in denen ältere

Menschen das tägliche Leben bestimmten.

Die Alten arrangierten und planten die Initiationsriten

junger Knaben und Mädchen.

Alte Menschen waren die Grundpfeiler der

Bildung, die sich hauptsächlich an den Sitten

und Gebräuchen orientierte. Selbst in

der Ehe waren es die älteren Menschen, die

Paaren während ihrer ganzen Ehe als Lehrer

und Beistand zur Seite standen. Und

jetzt? Hätten die Älteren nichts mehr zu

sagen, vor allem wenn es um moralische

Unterweisung geht.

Die Jungen sehen es positiver

Musik verbindet

Ich war dann beruhigt, als ich feststellte,

dass die Jugend Afrikas die Alten immer

noch in ihrem moralischen Leben respektiert.

Dies ist auch trotz des Generationsunterschieds

so, der von den Veränderungen

in der Gesellschaft verursacht wurde, seit

die westliche Bildung Einzug hielt. Die Jugendlichen,

die ich während meiner Forschungen

befragte, sagten, dass die Alten

auch heute noch eine wichtige Rolle in ihrer

moralischen Bildung haben. Sie werden

immer noch um Rat gefragt, wenn es um

die Familie und um moralische, kulturelle

oder spirituelle Fragen geht. Während der

Schulferien bringen Eltern ihre Kinder in

der Regel zu den Großeltern, damit sie in

die Bräuche eingewiesen werden. Kinder,

die in der Stadt wohnen, freuen sich darauf,

während der Schulferien ihre Großeltern

auf dem Land zu besuchen. Die Busse

aufs Land sind während der Schulferien

immer ausgebucht.

Im Herzen jung

Die Alten haben Zeit

Einige Familien holen ihre alten Eltern

in die Städte, damit sie bei den jungen

Familien leben. Die Anwesenheit älterer

Familienmitglieder wird in Afrika als Segen

betrachtet. Ich erinnere mich, als meine

Mutter alt und gebrechlich wurde, dass

meine Geschwister sie unbedingt zu sich

in die Stadt holen wollten. Wenn ich sie

besuchte, spielten die Enkel immer gerne

mit ihr, obwohl sie kränklich war und Pfl e-

ge benötigte. Obwohl sie körperlich alt und

gebrechlich war, war sie im Herzen jung.

Sie hatte Zeit, die sie mit den jungen Menschen

verbringen konnte. Durch ihr Wesen

gab sie ihre Weisheit an die jungen Menschen

weiter. Im Alter ist dieses Wesen

und Dasein besonders wichtig. Auch wenn


19

Von der Lebenserfahrung der Älteren lernen

die Beziehungen zwischen Alt und Jung

manchmal schwierig sind, werden die Alten

doch respektiert.

Ich erinnere mich zum Beispiel daran, als

Anna, die damals 18-jährige Tochter meiner

Schwester, schwanger wurde und niemand

es bemerkte. Es war ihre Großmutter, die

ihre Schwangerschaft als erste bemerkte

und es ihrer Mutter sagte. Als die Nachbarschaft

es mitbekam, begann das Mädchen

sich zu schämen und bekam Schuldgefühle.

Die Leute starrten sie an, redeten hinter

ihrem Rücken über sie und verbreiteten

Gerüchte. Das war eine schwierige Zeit für

Anna. Wieder war es die Großmutter, die

sie rettete, indem sie sie ermutigte, unterstützte

und sich um sie kümmerte, bis sie

einen gesunden Jungen zur Welt brachte.

Bindeglied zwischen

Jugend und Gott

In Afrika sind die Menschen vielfach immer

noch froh, wenn sie ältere Menschen

um sich haben, denn sie gelten als Hüter

der Bräuche, kultureller Werte und der

Weisheit, und sie sind ein Symbol für die

Einheit der Familie. Sie sind Menschen,

die Lebenserfahrung und Kenntnisse gesammelt

haben. Sie sind das Bindeglied

zwischen den jungen Menschen – der Zukunft

– und Gott. Sie haben eine heilige

Autorität, denn sie haben das Alter der

Besinnung erreicht. Die Jungen brauchen

die Alten, damit sie ihre Kultur und ihre

Bräuche kennenlernen und verstehen. Deswegen

sagt man: „Wenn ein alter Mensch

stirbt, verbrennt eine ganze Bibliothek“.

Die wichtigste Lebensphase

Während manche pragmatisch und praktisch

veranlagte Menschen das Alter als

unproduktive Zeit sehen, ist es doch die

wichtigste Lebensphase in der Gemeinschaft.

Das Alter gilt als positive Zeit im

Leben. Es hat eine respektierte Stellung.

Alt zu werden gilt als Segen. Eine Familie,

in der es keine alten Menschen gibt, gilt

Sich miteinander freuen

als unglückselig, und wenn Chaos oder

Schicksalsschläge sie treffen, kann es das

Ende der Einheit dieser Familie sein, denn

es gibt niemanden, der ihnen hilft.

Die Rolle der alten Menschen in der afrikanischen

Weltanschauung ist es, die Generationen

zu verbinden. Dadurch dass

sie den Jungen zur Verfügung zu stehen,

verbinden sie Vergangenheit, Gegenwart

und Zukunft. Sie sind die Mentoren; sie

sind für die Jungen da und unterstützen

sie, beraten sie, führen und leiten sie. Die

Alten brauchen die Pfl ege und Unterstützung

der Jungen, aber die Jungen brauchen

den Rat, die Führung und Leitung

und die Unterstützung der Alten.

Br. Bakanja Mkenda OSB

Geboren 1972 in Kilimanjaro/

Tansania • Profess 2004 • Philosophiestudium

und afrikanische

Studien in Langata/Nairobi

2004–2008 • Tätigkeiten in verschiedenen

Bereichen der Abtei Ndanda


JUBiLÄUm 2013

20

100 Jahre – wir feiern mit!

100 Jahre ist es her, dass die Missionsbenediktiner von St. Ottilien am jahrhundertealten Klosterort

Münsterschwarzach wieder klösterliches Leben begannen. Nach der Aufhebung der Abtei durch den

bay erischen Kurfürsten Maximilian im Zuge der Säkularisation (1803) kauften sie 1913 das alte Abteigelände

zurück und sorgten so für die zweite Wiederbegründung seit der Erstgründung der Abtei im Jahr 816.

Heute steht der Name Münsterschwarzach nicht nur für einen Ort klösterlichen Lebens, sondern die

Benediktinerabtei ist auch Arbeitgeber, Schulort, touristisches Ziel, Anlaufstelle für Gäste und Kursteilnehmer

sowie missionarisches Ausstrahlungszentrum. Unzählige Menschen sind so auf vielfältige

Weise mit der Abtei verbunden und können voller Dankbarkeit mit den Mönchen feiern.

schätzt die 62-Jährige auch die Gespräche

bei Tisch und die Begegnungen mit anderen

Besuchern, die ähnlich denken und

empfi nden wie sie. An den Mönchen mag

sie ihren ausgeglichenen und ehrlichen

Umgang und dass „auch Menschliches

sein darf – wie im wirklichen Leben“. Einen

Vorbildcharakter hat für sie das Vorgehen

des Abtes, auf die Talente der einzelnen

Mitbrüder zu sehen und sie dann dementsprechend

einzusetzen: „Das ist eine

große Wertschätzung der Fähigkeiten des

einzelnen, der sich auf diese Weise gut

entwickeln kann.“

Hier weht ein guter Geist

Eine ganz andere Verbindung zur Abtei

Münsterschwarzach pfl egt Eva Maria

Breitenstein (62) aus Hildesheim in Niedersachsen.

Der Kontakt nach Unterfranken

kam über Pater Mauritius Wilde

zustande, der ebenfalls aus Hildesheim

stammt. „Im Jahr 2002 sind wir mit

einem ganzen Bus hierher gefahren, um

die Priesterweihe von Pater Mauritius mitzuerleben“,

erzählt Frau Breitenstein. Bei

Sonnenschein, Blasmusik und Blechkuchen

im Garten habe sie nicht nur festgestellt,

„dass es im Kloster weltoffener zugeht

als gedacht“, sondern auch die Abtei als

„Oase der Ruhe“ für sich entdeckt. Seitdem

kommt die Grundschullehrerin regelmäßig

nach Münsterschwarzach, um zur Ruhe zu

kommen und Kraft zu tanken. Für vier bis

fünf Tage im Jahr wohnt Breitenstein als

Einzelgast im Gästehaus, nimmt an den

Gebetszeiten der Mönche teil und arbeitet

stundenweise in der Gärtnerei mit. Obwohl

es nicht immer leicht sei, mitten in der Arbeit

einen Schnitt zu machen und zu unterbrechen,

tut ihr die feste Tagesstruktur gut:

„Das lockert und entspannt“, sagt sie. Sehr

Warum sie Jahr für Jahr ausgerechnet

hierher kommt? „In der Abtei Münsterschwarzach

weht einfach ein guter Geist“,

meint Eva Maria Breitenstein: „Ich genieße

die Kombination aus Stille und Arbeit

und kann zugleich meine Gottesbeziehung

entwickeln. Ich habe hier einfach

ein gutes Gefühl, fühle mich getragen

vom Geist Gottes.“ Dass es immer weniger

Menschen gibt, die „das Leben in einer gewissen

Askese“ dem „weltlichen Leben mit

seinen Verlockungen“ vorziehen, fi ndet Eva

Maria Breitenstein schade, aber durchaus

nachvollziehbar. „Das Leben im Kloster ist

eine radikale Entscheidung, dafür braucht

es eine tiefe Überzeugung“, sagt sie. Und

doch ist ihr um die Zukunft der Abtei nicht

bange: „Es wird weiter gehen und auch

künftig Wege und Veränderungen geben,

die zum Guten führen.“ (ale)


21

Respekt und gegenseitige Wertschätzung

seien auch im Schulalltag spürbar. „Den

Mönchen verdanken wir unsere Schule

und deren ganz besondere Prägung“, resümiert

der Gymnasiast.

Wir verdanken Euch unsere Schule

Einer von ihnen ist Andreas Ruhsert. Für

den 16-Jährigen, der die 10. Klasse des

Egbert-Gymnasiums besucht, ist Münsterschwarzach

mehr als nur ein Schulort.

„Münsterschwarzach ist für mich Heimat“,

sagt der Schüler aus dem Nachbarort

Gerlachshausen. Obwohl er kein

Ganztagsschüler ist, verbringt er viel Zeit

am EGM und nimmt an so manchem Zusatzangebot

teil. Warum? „Weil ich mich

hier wohl fühle“, begründet Andreas. „Es

herrscht einfach ein gutes Miteinander,

Schüler und Lehrer bringen sich mit viel

Engagement und Freude in die Schulfamilie

ein.“ Der Grund für die ganz besondere

Atmosphäre liegt für ihn in der benediktinischen

Verwurzelung der Schule:

„Der benediktinische Geist strahlt auf alle

aus, die hier ein- und ausgehen“, meint

Andreas. Christliche Werte wie Toleranz,

Obwohl Lehrer aus dem Kloster mittlerweile

eher die Ausnahme sind, ist den

Schülern monastisches Leben durchaus

vertraut. Zwei Mal im Jahr begehen Schule

und Kloster die Feste der Heiligen Benedikt

und Felizitas mit einem gemeinsamen

Festgottesdienst. Darüber hinaus bekommt

jede 5. Klasse einen Mönch als Klassenpaten,

der die Schüler durch ihre Schulzeit

begleitet. Begegnungen mit den Mönchen

regen nicht nur Andreas zum Nachdenken

an: „Dieses Modell, in der Gemeinschaft

zu beten und zu arbeiten und zugleich in

der Welt und für die Welt da zu sein, ist

zwar ein krasser Lebensstil, aber er hat

auch etwas“, sinniert Andreas. Für ihn

ist der Entschluss, sein ganzes Leben für

Gott und andere Menschen da zu sein,

bewundernswert: „Das bedarf schon einer

großen Überzeugung!“ Für die Zukunft

wünscht der Zehntklässler der Abtei, „dass

sie trotz Nachwuchsmangels das bleiben

kann, was sie für so viele Menschen in der

Region ist und auch künftig ihre Wertevorstellungen

an junge Menschen weiter

geben kann“. (ale)

Ein Glücksfall für Schwarzach

Durchaus handfester Art sind die Aspekte,

die der Schwarzacher Bürgermeister Lothar

Nagel mit der Abtei Münsterschwarzach

verbindet. Seit nunmehr elf Jahren ist Na-

gel Bürgermeister der rund 3700 Einwohner

zählenden Marktgemeinde am Main.

Er bezeichnet die Abtei als einen „echten

Glücksfall für Schwarzach“. „Dies beginnt

bereits damit, dass der Markt Schwarzach

ohne die Abtei kaum bekannt wäre“, ist

sich Nagel bewusst. Oft sorge erst der

Namenszusatz „Münster“ für einen Aha-

Effekt und den überregionalen Bekanntheitsgrad.

Doch nicht nur das: Als touristischer

und kultureller Anziehungspunkt, der

das ganze Jahr über Besucher und Gäste

anlockt, ist die Benediktinerabtei auch

ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, von dem

viele Gastronomiebetriebe und Firmen profi

tieren. „Darüber hinaus ist die Abtei mit

ihren rund 300 Arbeitsplätzen der größte

Arbeitgeber in unserer Marktgemeinde“,

fährt Nagel fort. Als wichtige Bereicherung

und Standortfaktor für Schwarzach

bezeichnet er zudem das Egbert-Gymnasium,

das Schüler aus einem weiten Umkreis

anziehe. Und last but not least gewinnt der

Ort durch die Präsenz der Mönche auch in


JUBiLÄUm 2013

22

seelsorglicher Hinsicht: „Den Priestermangel

spüren wir hier nicht so stark“, stellt der

Bürgermeister erfreut fest.

Doch Lothar Nagel beobachtet die Mönche

beileibe nicht nur aus der Ferne. Die Benediktiner

sind für ihn „sehr offene Menschen,

die nicht nur ihr Klosterleben im

Blick haben, sondern auch in der Öffentlichkeit

stehen“. Lebendiger Beweis sind für

ihn Pater Franziskus Büll und Bruder Edmar

Schäfer, die sich im Schwarzacher Gemeinderat

engagieren. Feste Berührungspunkte

bilden auch die Oster- und Weihnachtsmärkte

des Gewerbevereins, die alljährlich

auf dem Platz vor der Abteikirche stattfi

nden. „Wir haben ein sehr offenes und

freundschaftliches Verhältnis“, sagt Nagel

und berichtet vom aktuellsten Gemeinschafts-Projekt,

nämlich der Umgestaltung

des Platzes vor dem Torhaus. „Da Grund

und Boden der Gemeinde gehören, ist dies

eine gemeindliche Aufgabe“, sagt Nagel.

Um jedoch eine gute Lösung für alle zu fi n-

den, soll ein Arbeitskreis gebildet werden,

dem nicht nur die Gemeinde und Bürger,

sondern auch Mönche angehören. Denn

schließlich ist die „Abtei ein prägender

Bestandteil der Marktgemeinde Schwarzach

und soll es auch künftig bleiben“. (ale)

Mehr als nur ein Arbeitgeber

„Weitaus mehr als nur ein Arbeitgeber“ ist

die Abtei Münsterschwarzach für Arnulf

Haubenreich (46), der seit über 30 Jahren

in der Verwaltung des Klosters angestellt

ist. Als Leiter des Rechnungswesens arbeitet

er Hand in Hand mit dem Cellerar der

Abtei, erledigt die Buchhaltung für Kloster-

Betriebe und Missionare, kümmert sich um

Erbschaften und Liegenschaften und erfüllt

hin und wieder kleine Wünsche aus

dem Konvent wie Adressaufkleber für die

Pforte oder Konzertkarten für Pater Dominikus.

Als Azubi kam Haubenreich 1982

nach Münsterschwarzach … und ist bis

heute geblieben. „Ich liebe meine Arbeit

und die Atmosphäre hier“, begründet er

ohne Umschweife und setzt hinzu: „Klar,

wo gehobelt wird, fallen Späne, doch alles

in allem herrscht hier ein sehr gutes und

menschliches Miteinander!“ Obwohl Haubenreich

keineswegs über Arbeitsmangel

klagen kann, empfi ndet er seinen Beruf

nicht als notwendiges Übel, sondern als

„Hobby“, bei dem er so manche persönliche

Idee verwirklichen kann. „EDV darf

nicht belasten, sondern muss bei der Arbeit

unterstützen“, lautet sein Credo und

so entwickelte er 1988 ein Buchführungssystem,

das heute in 36 Klöstern von Österreich

bis Israel Anwendung fi ndet. „In

einem anderen Betrieb wäre das vermutlich

nicht so möglich gewesen“, mutmaßt

Haubenreich und dankt im gleichen Atemzug

seinem Chef Pater Anselm Grün für

seine „wohlwollende Unterstützung“.

Was der langjährige Verwaltungsmitarbeiter

an seinen klösterlichen Arbeitgebern

bewundert, ist ihre Disziplin in puncto Gebetszeiten.

„Diese festen Zeiten bringen jedes

Mal eine Unterbrechung der Arbeit mit

sich. Unterbrechung bringt Klärung, Hochschauen

bringt Distanz“, sagt Haubenreich:

„Statt immerzu im eigenen Saft zu

schmoren, bekomme ich hier einen neuen

Blick auf dieselbe Sache.“ Was die Zukunft

der Abtei angeht, ist er der Überzeugung,

dass „das Auf und Ab dazugehört“. Die

jahrhundertelange Kontinuität, aber auch

der Mut zu neuen Weichenstellungen sind

für ihn Garanten dafür, „dass es in guter

Art und Weise weiter geht: Wir müssen

unser Möglichstes tun, dürfen aber auch

auf Gott vertrauen.“ (ale)


23

Unsere Hilfe ist absolut notwendig

Seit 58 Jahren lebt und arbeitet Pater

Konrad Göpfert (84) als Missionar in

Afrika – und doch ist und bleibt Münsterschwarzach

seine Heimat, denn: „Die

Abtei hat mich geprägt!“ 1947 trat der

gebürtige Rimparer in das Kloster ein.

1953 wurde er gemeinsam mit 41 weiteren

Kandidaten zum Priester geweiht,

kaum zwei Jahre später sandte ihn Abt

Burkhard Utz als Missionar nach Ndanda

in Tansania aus. Welch ein Glück für den

jungen Benediktiner – denn: „Ich hatte

sehr gehofft, in die Mission gehen und in

der Evangelisierung arbeiten zu dürfen“,

blickt Pater Konrad zurück. Dass Mission

weit mehr bedeutet als die Verkündigung

der Frohbotschaft, wurde ihm rasch klar:

Als Pfarrer war er nicht nur Seelsorger,

sondern schob den Bau von Kindergärten

und Schulen an und kümmerte sich um

die Gesundheitsversorgung. Die relativ

rasche Ausbreitung des christlichen Glaubens

in Tansania hat nach Ansicht Pater

Konrads ihre wesentliche Ursache im Bau

gut geführter Schulen und Krankenhäuser.

„In den Krankenhäusern spüren die

Menschen, dass Hilfe für alle da ist, und

die Schulen eröffnen den Weg in eine bessere

Zukunft.“ Zudem wirke der christliche

Glaube gerade in der stark von Furcht

und Aberglaube geprägten afrikanischen

Glaubenswelt „ungeheuer befreiend“.

Vier Abteien haben die Benediktiner in den

letzten 100 Jahren in Tansania aufgebaut.

Sie alle sind zu wichtigen Ausstrahlungszentren

geworden und können nun Stück

für Stück in einheimische Hände übergeben

werden. „Möglich war diese enorme Aufbauarbeit

nur dank der großen Unterstützung

durch unsere Abteien und unsere vielen

Wohltäter“, betont Pater Konrad. Doch mit

der Afrikanisierung der Konvente sind die

Aufgaben der Missionsbenediktiner für ihn

keineswegs beendet. Während die Abtei

Münsterschwarzach für bestehende Orte

als Rückhalt erhalten bleiben soll, müsse

man nun neue Aufgaben und Ziele angehen,

ermuntert Göpfert. Ein Herzensanliegen

ist dem 84-jährigen Vollblutmissionar

der Nachbarstaat Mozambique. Dort hatte

Benediktinerpater Ildefons Weigand im Jahr

1997 etwa 45 Kilometer südlich des Grenzfl

usses Ruvuma die Station Palma errichtet.

Die Station grenzt an die vor 75 Jahren

gegründete Pfarrei Imbuho, die jedoch seit

Beginn des Bürgerkrieges im Jahr 1964 verwaiste.

Seit vier Jahren leben nun wieder vier

afrikanische Benediktinerinnen von Ndanda

in der Pfarrei mit ihren 9000 Christen. Doch

der Zustand sei „katastrophal“, berichtet Pater

Konrad, von der Station seien praktisch

„nur noch Ruinen übrig“. Für die Zukunft

würde sich Pater Konrad deshalb nichts

sehnlicher wünschen als einen Einstieg in

die Seelsorgearbeit in Mozambique, denn

„unsere Hilfe ist absolut notwendig!“ (ale)

Anja Legge

Geboren 1973 in Würzburg •

Studium der Germanistik und

Romanistik (Französisch und Italienisch)

in Würzburg und Avignon

• 1998/1999 Staatsexamen für

Lehramt an Gymnasien • verheiratet, zwei Kinder

• seit 2000 als selbständige Journalistin

in Würzburg tätig.


BetrieB

24

EGM – Engel gehen mit

egbert-Gymnasium münsterschwarzach steht für eine

moderne ausbildung im Geiste Benedikts

„Du hältst die Regel – und die Regel hält

dich“, so lautete der Rat von Schulseelsorger

Pater Zacharias Heyes an den Schüler

Richard Stier. Die beiden wollten beim

Festgottesdienst zu Ehren des heiligen Benedikt

in einem Rollenspiel herausfi nden,

was die Regel Benedikts den Schülern von

heute noch zu sagen hat. Maß halten, das

rechte Maß fi nden, das ist eine Tugend, die

dem modernen Menschen immer schwerer

fällt. Der Überfl uss macht aber nicht satt.

Die Kunst des Auswählens und Unterscheidens

wird immer wichtiger. Gerade deshalb

kann die Regel des heiligen Benedikt heute

Orientierung und Lebenshilfe bieten. In

diesem Sinne bildet das Egbert-Gymnasium

Münsterschwarzach (EGM) seit Jahrzehnten

die Schüler zu Menschen mit Herz

und Verstand heran. Seit gut zehn Jahren

leitet mit Robert Scheller ein weltlicher Pädagoge

die Schule.

Mehr als Unterricht

Mit dem ganzheitlichen Bildungsangebot

versteht sich das EGM als Ort umfassenden

Lernens. Es vermittelt nicht nur die staatlich

geforderten Lerninhalte auf fachlich

und pädagogisch hohem Niveau, sondern

fordert und fördert die jungen Menschen

in einem christlich geprägten Klima, sodass

sie Zutrauen in ihre Fähigkeiten, ihre

Entwicklung und ihre geistig-spirituelle

Entfaltungskraft gewinnen. Zur Tradition

der benediktinischen Schulen gehören

auch die Pfl ege des religiösen Lebens,

Ob Musik…

EGM-Schüler im KZ-Dachau

des Theaters, der Musik und des Sports

ebenso wie die Entfaltung künstlerischer

Fähigkeiten und des Ausdrucksvermögens.

Sie bilden mit einer anerkannten

geistes- wie naturwissenschaftlichen Ausbildung

die Grundlage für die künftige

berufl iche Entscheidung.

Viele schulische Gruppen konnten in

den letzten Jahren zusammenwirken,

um Großprojekte im künstlerischen Bereich

zu stemmen, man denke hier an

die Musicals „Moses“, „Salto mortale“

oder das szenische Oratorium anlässlich

der Seligsprechung von Georg Häfner.

Beim diesjährigen Benediktsfest wurde

die von Markus Binzenhöfer komponierte

„Benedictusmesse“ aufgeführt, und zwar

zusammen mit Sängern und Sängerinnen

aus dem erzbischöfl ichen Gymnasium

Kremsier in Ostmähren. Wieder einmal

zeigte sich, dass es sich lohnt, eine eigene

Musikschule im Hause zu haben, in der

fast jedes Instrument erlernt werden kann.

Blick über den Tellerrand

Der Völker verbindende Gedanke steht

im Geiste der Missionsbenediktiner von

…Sport…

Sankt Ottilien. So gehören zahlreiche

Klassenfahrten innerhalb und außerhalb

Deutschlands zum erlebnispädagogischen

Profi l der Schule, angefangen von der Wanderwoche

in der 5. Klasse, dem Skikurs

ein Jahr später, der Küstenfahrt bis hin

zu den Studienfahrten der Oberstufe. Der

Schwerpunkt im Bereich des Sports zeigt

sich an dem angegliederten Sportverein

„DJK Egbert-Gymnasium“. Dabei spielen

bei den Mädchen Basketball und Voltigieren,

seit 2007 in der neuen Voltigierhalle,

eine herausragende Rolle. Bei den

Jungen wird Turnen und Volleyball großgeschrieben.

Zahlreiche Preise auf regionaler,

nationaler und sogar internationaler

Ebene zeugen von akribischer Arbeit und

großer Kreativität.


25

Auch die Nächstenliebe, die Barmherzigkeit

mit dem Mitmenschen in Not, gehört

zu den besonderen pädagogischen Anliegen.

Deshalb absolvieren alle Schülerinnen

und Schüler in der 11. Jahrgangsstufe ein

„Compassion“-Praktikum in einer sozialen

Einrichtung. Im Fachbereich Biologie hat

sich die Imkergruppe seit langem fest etabliert:

Die Schüler pfl egen eigene Bienenvölker,

produzieren Honig und lernen einen

sorgsamen Umgang mit Natur und Schöpfung.

Über all diese schulischen Gruppen

und ihre Arbeit berichtet die Schülerzeitung

„Peer“, die sich in den letzten Jahren

hervorragend entwickelt hat: Im laufenden

Schuljahr erhielt das Blatt aus den Händen

von Bundesratspräsident Winfried

Kretschmann in Berlin den Preis für die

drittbeste Schülerzeitung in Deutschland.

Die Medienerziehung wird schließlich

komplettiert durch einen Hörfunkkurs

und die Filmgruppe.

Offene und gebundene

Ganztagesschule

Um den Brückenschlag zum Gymnasium

zu erleichtern, können die Kinder in

der Unterstufe das Tagesheim oder die

…oder Gespräch, das EGM bietet alles!

…Theater…

gebundene Ganztagesklasse besuchen.

Auch Mittelstufenschüler und Externe

können an Tagen mit Nachmittagsunterricht

nach dem Mittagessen unter Aufsicht

ihre Hausaufgaben erledigen. Die

Hausaufgabenbetreuung und ein gezielter

Förderunterricht entsprechend den individuellen

Begabungen helfen den Schülern

bei der Entwicklung ihrer Fähigkeiten und

Talente. Angebote zur Freizeitgestaltung,

gemeinsame Mahlzeiten, Gespräche,

Feste und Feiern bringen die Schüler in

Beziehung miteinander.

Im Mittelpunkt des Schullebens steht die

Schulseelsorge. Sie hat nicht nur in der

Schulkapelle ihren Platz, sondern auch in

dem Gesprächsraum neben der Kapelle,

in dem neu gegründeten „Café problemlos“

und überall da, wo Sorgen und Nöte

auftreten. Die Schulseelsorge hat immer

ein offenes Ohr. Zu dem Programm des

fünfköpfi gen Teams gehören Monats- und

Stufengottesdienste, Abi-Vorbereitung im

Kloster, Vorbereitung auf die Firmung und

vieles mehr, nicht zuletzt auch die Gestaltung

des Gottesdienstes am Benediktsfest.

„Maß halten, verzichten, das hört sich nicht

gerade spaßig an“, meinte Richard in dem

eingangs erwähnten Rollenspiel. Darauf

gab ihm Pater Zacharias in der Rolle des

heiligen Benedikt den weisen Rat: „Es geht

auch nicht nur um einen fl üchtigen Spaß,

sondern um langfristige Freude.“


PrOJeKt

26

Bildung schafft Zukunft

Die Handwerkerschulen der Benediktiner in Tansania

Wie hilft man Afrika am besten?

Und zwar nachhaltig? Ohne kulturelle Überheblichkeit?

Als Hilfe zur Selbsthilfe?

Wir Benediktiner versuchen, die kommenden

Generationen durch Bildung

und Ausbildung selbständig und stark

zu machen. In unseren Handwerkerschulen

erhalten viele junge Afrikanerinnen

und Afrikaner einen guten

Ausbildungsplatz. Eine ganze Palette

von Lehrwerkstätten stehen für sie zur

Verfügung: für Schneider, Elektriker,

Kfz-Mechaniker, Installateure, Möbelund

Bauschreiner, Maurer, Drucker

und Buchbinder. Neuerdings gibt es

eine Ausbildung am Computer, wo

der Umgang mit Internet und E-Mail

vermittelt wird, sowie das Erlernen

der Büroprogramme Excel und Word.

Handwerk hat

goldenen Boden

Investieren Sie in eine

zukunftssichere Geldanlage

– in junge, gut ausgebildete

Handwerkerinnen und

Handwerker in Tansania!

Jährlicher Beitrag für einen

Auszubildenden: 120,00 €

Vierteljährliche Hilfe: 30,00 €

Monatliche Hilfe: 10,00 €

Vermerk:

„Handwerkerausbildung“

Herzlichen Dank

Verschiedene Nähtechniken werden erlernt

Nach der Ausbildung von vier Jahren

sind die Absolventen befähigt, entweder

als gut ausgebildete Gesellen

zu arbeiten oder einen eigenen

B e t rieb auf zubauen.

Solche Handwerkerschulen gibt es in

den Benediktiner-Abteien Peramiho,

Ndanda, Hanga und Mvimwa. Die

Auszubildenden leben während ihrer

Lehrzeit in einem Internat mit Unterkunft

und Verpflegung. Die jährlichen

Kosten für die Ausbildung und Unterkunft

betragen pro Person 480,00 €.

Vom Auszubildenden selbst müssen

120,00 € aufgebracht werden. Der

Rest wird von den Abteien finanziert.

Den Umgang mit Maschinen lernen

120 Euro im Jahr – viele Familien

können selbst diesen Betrag nicht

aufbringen, um ihren Jungen eine

solche Ausbildung zu ermöglichen.

Wer springt für sie ein und hilft?

Ein Azubi perfektioniert sein Maurerhandwerk


Richtig spannend wird`s erst…

…wenn alle genug zu Essen haben.

Ihre Spende hilft!

Wenn Sie auch so denken,

dann überweisen Sie …

Missionsprokura

Abtei Münsterschwarzach

Liga Bank eG

Konto-Nr. 30 150 33

BLZ 750 903 00


NameN/NachrichteN

28

P. Anselm Grün

auf Mission in Taiwan

Bei einer Podiumsdiskusion in Taiwan mit P. Anselm Grün

Nach dem Ende der Sabbatzeit in Münsterschwarzach

brach P. Anselm zu einer

zweiwöchigen Vortrags-Reise nach Taiwan

auf. Diesmal war es eine wirkliche

Missionsreise. P. Anselm sprach nicht

nur vor Christen, sondern auch vor Buddhisten.

Die buddhistische Vereinigung

hatte ihn eingeladen, vor buddhistischen

Zen-Meistern und Nonnen über den interreligiösen

Dialog zu sprechen. Die

Buddhisten nahmen ihn sehr freundlich

auf und waren sehr an einem Dialog interessiert.

Eine andere Veranstaltung war

dann auch dem interreligiösen Dialog gewidmet

zum Thema: „Was erwarten wir

nach dem Tod? Welche Bedeutung haben

unsere Rituale rund um die Beerdigung?

Und wie begleiten wir Trauernde?“ Vor

500 Christen und Buddhisten sprach

P. Anselm von katholischer Seite über

P. Anselm signiert seine Bücher in chinesischer Sprache

dieses Thema, während eine Zen-Meisterin

die buddhistische Sicht vertrat. Es war

ein sehr ehrlicher und offener Dialog. Zwei

andere Veranstaltungen waren von einem

großen Beerdigungsinstitut organisiert,

das mehrheitlich von Buddhisten geführt

wird. Auch hier ging es um Trauer und

Trauerbegleitung. Die Buddhisten waren

sehr offen. Sie sagten: „Die Worte haben

unser Herz berührt.“ Und manche ließen

sich auch von P. Anselm segnen. Andere

Veranstaltungen waren von christlichen

Krankenhäusern organisiert und gingen

über das Thema „Spiritueller Umgang

mit der Krankheit.“ Und: „Jesus als Therapeut“.

Dort waren sowohl evangelische

als auch katholische Christen die Zuhörer.

Und zwei Veranstaltungen wurden von

evangelischen Fakultäten über die beiden

Themen Umgang mit Trauer und Umgang

mit Krankheit durchgeführt. Die Vorträge

von P. Anselm wurden von der Verlegerin

Frau Wu ins Chinesische übersetzt. Am

Ende der Vorträge lud P. Anselm immer

zu einem Ritual ein, das die Teilnehmer

– Christen wie Buddhisten – bereitwillig

und mit großer Achtsamkeit mitmachten.

So waren es fruchtbare Begegnungen mit

Christen verschiedener Konfessionen und

mit Buddhisten, die sich auch in einem

regen Verkauf der Bücher von P. Anselm

– 20 Bücher sind schon ins Chinesische

übersetzt – ausdrückten.


NameN/NachrichteN

29

Benediktinische

Russlandkontakte

Zwar gibt es in Russland kein Benediktinerkloster,

aber seit einer Reise nach Moskau

vor vier Jahren, bei der eine Gottesmutterikone

im Rahmen eines feierlichen

Gottesdienstes an die Russisch-orthodoxe

Kirche zurückgegeben wurde, pfl egt Br.

Julian Glienke Kontakte zum Moskauer

Patriarchat. Voriges Jahr reiste er mit einer

Schüleraustauschgruppe nicht nur nach

Moskau, sondern auch nach Mzensk, ein

kleines Städtchen 300 Kilometer südlich

von Moskau, in das die in den Kriegswirren

von dort mitgenommene Ikone wieder zurückgekehrt

ist. Dort ist sie in einer liebevoll

hergerichteten Pfarrkirche zu „neuen alten“

Ehren gekommen, und in der dortigen Gemeinde

wurde die Gruppe aus Deutschland

mit echt russischer Gastfreundschaft

willkommen geheißen. Dieses Jahr gab es

wieder eine Schüleraustauschreise, gleich

nach Ostern machte sich eine Gruppe von

9 Schülerinnen und Schülern aus dem

Russisch-Wahlkurs des Egbert-Gymnasiums

zusammen mit Br. Julian auf den Weg nach

Moskau. Neben den üblichen Stadtrundgängen

und Besichtigungen gab es dabei

Erzbischof Hilarion von Moskau

wieder eine Begegnung mit der Russischorthodoxen

Kirche. Das von Br. Julian

aus dem Russischen übersetzte Büchlein

„Vom Gebet“ des Metropoliten Hilarion

Alfejev – Außenamtsleiter des Moskauer

Patriarchats – ist vor einigen Monaten

im Vier-Türme-Verlag erschienen, und die

vereinbarten Autorenexemplare konnten

nun persönlich übergeben werden. Nach

der vom Metropoliten zelebrierten Liturgie

am orthodoxen Fest der Verkündigung an

Maria in der überfüllten Kirche der Gottesmutterikone

„Freude der Betrübten“ war Br.

Julian zum Mittagessen mit dem Metropoliten

und seiner Entourage eingeladen und

konnte dabei auch die Grüße von Abt Michael

und Verlagsleiter Br. Linus überbringen.

Wieder einmal zeigte sich, dass gerade

die benediktinische Spiritualität geeignet

ist, Brücken zur Ostkirche zu bauen, geht

sie doch auf die Zeit vor der Trennung von

West- und Ostkirche zurück, und Benedikt

gilt auch in der orthodoxen Kirche als Heiliger.

„Im Herzen bin ich auch Benediktiner“

meinte einer der anwesenden orthodoxen

Geistlichen, und die Begegnungen waren

von einer Atmosphäre geschwisterlicher

Verbundenheit getragen.

Br. Julian und P. Fidelis in der Moskauer Kirche „Freude der Trauernden“


NameN/NachrichteN

30

Die Kraft des Gebetes erleben

Über das 2. Pfingstsymposion in der abtei münsterschwarzach

Referenten und Organisatoren des Pfingstsymposions 2013

Herr, lehre uns beten! Diese Bitte der

Jünger an Jesus gilt noch heute. Viele

Menschen sind fasziniert vom Gebet in

seinen vielfältigen Formen, nehmen an

Meditationen oder kontemplativen Seminaren

teil. Zugleich scheut man sich, dies

zuzugeben. Dahinter stehen häufi g eine

Unsicherheit und eine Unkenntnis darüber,

was denn „beten“ eigentlich bedeutet. Im

Pfi ngstsymposion 2013 ging es darum, das

Phänomen des Betens genauer zu betrachten,

christliche Formen des Gebetes zu beschreiben,

Möglichkeiten und Grenzen im

Gebet mit Menschen anderer Religionen

zu erkennen sowie konkrete Gebetserfahrungen

zu machen.

150 Teilnehmer und Gäste aus ganz

Deutschland hatten sich zu diesem Thema

angemeldet. Am Vormittag hielten vier

Hauptreferenten Vortragsimpulse mit anschließender

Möglichkeit zur Diskussion.

Am Nachmittag wurden in elf Workshops

einzelne Gebetsschulen vorgestellt und

praktisch eingeübt.

dissa Diodora aus Karditsa, Griechenland

führte in die Mystik und Hymnengesänge

des orthodoxen Christentums ein. Prof. Sabine

Bobert, evangelische Theologieprofessorin

aus Kiel sprach über die Zugänge zur

Mystik in den westlichen Kulturen. Pater

Dr. Fidelis Ruppert aus Münsterschwarzach

ging vor allem auf die leibliche Dimension

des Betens ein in Anbindung an die monastische

Tradition der Wüstenväter. Pater Dr.

Anselm Grün sprach am letzten Tag über

die therapeutischen Wirkungen des Gebets.

Besonders interessant war auch ein

biografi scher Abend über den persönlichen

Gebetsweg einzelner Referenten. Zum Programm

gehörte noch ein Abend der spirituellen

Lieder mit Vorführungen aus den unterschiedlichen

Traditionen von Ost und West.

Pater Sebastian Painadath SJ aus Kerala/

Indien führte in die mystische Gebets- und

Meditationstradition in den östlichen Religionen

ein. Die orthodoxe Äbtissin Geron-

Pater Sebastian Painadath SJ bei der Gabenbereitung


NameN/NachrichteN

31

7 Kerzen als Symbol der

7 Gaben des Heiligen Geistes

Begegnung mit der Orthodoxie

Das Symposion endete mit einem öffentlichen

Gottesdienst am Pfi ngstsonntag in

der übervollen Abteikirche. Die Eucharistiefeier

unter der Leitung von Abt Michael

Reepen war ein lebendiges und sinnenfreudiges

Miteinander mit Choralgesängen der

Mönche und liturgischen Elementen aus

der christlich-indischen Tradition. Unter anderem

wurden zum „Veni Sancte Spiritus“-

Gesang 7 Kerzen als Symbol der 7 Gaben

des Heiligen Geistes zum Altar getragen.

Am Ende des zweistündigen Gottesdienstes

war noch die Möglichkeit gegeben,

beim Ausgang der Kirche einen persönlichen

pfi ngstlichen Segen zu empfangen.

Das Symposion zeigte die große Vielfalt

der Zugänge zu einer lebendigen Gottesbeziehung,

wobei für den Einzelnen vieles

ein Geheimnis bleiben wird. Liturgie und

Spiritualität können nur von innen heraus

verstanden werden. So bleibt der Respekt

vor dem Unbekannten die größte Herausforderung.

Wenn Religionen und Konfessionen

hier mit gutem Beispiel vorangehen,

können sie etwas Wesentliches zur

Völkerverständigung und zum Frieden

zwischen den Nationen beitragen.

Im Herbst wird ein Buch zum Symposium im

klostereigenen Vier-Türme-Verlag erscheinen.

Unter dem Titel „Die Kraft des Gebetes“

finden sich über die Vorträge hinaus

weitere Beiträge, die das Thema vertiefen.

40 Jahre Priester am 22. Juli

Pater Dieter Held

geboren am 17. November 1935 in Hamburg. Nach kaufmännischer Ausbildung Tätigkeit in England und Dänemark

für das Weingut Pieroth. Studium am Spätberufenen-Seminar Ketteler-Kolleg in Mainz. Nach dem Abitur im Jahre 1967

Eintritt in die Abtei Münsterschwarzach. 1968 Zeitliche Profess. 1972 Feierliche Profess. Am 22. Juli 1973 Priesterweihe

durch Weihbischof Alfons Kempf von Würzburg. Sein Philosophiestudium absolvierte er in St. Ottilien und das Studium

der Theologie an der Universität Würzburg. Im Jahre 1974 erfolgte die Missionsaussendung in das Missionsgebiet der

Abtei Peramiho. Dort arbeitete er als Kaplan und Religionslehrer am „Vocational Training Centre Peramiho“ (= Handwerkerschule)

und an der Girls Secondary School Peramiho. Außerdem unterrichtet Pater Dieter die Novizen in Liturgie und

hilft in der Pfarr-Seelsorge in der Abtei Peramiho mit.

Pater Meinrad Dufner

geboren am 21. März 1946 in Elzach. 1966 Klostereintritt in Münsterschwarzach. 1967 Zeitliche Profess, 1972 Feierliche

Profess. 1973 Priesterweihe durch Weihbischof Alfons Kempf von Würzburg. Philosophiestudium in St. Ottilien, Theologiestudium

in Würzburg und Bonn. 1973 bis 1978 Präfekt im Studien-Seminar St. Maurus und Lehrer am Egbert-Gymnasium.

1978 bis 1982 Regens des Studienseminars St. Benedikt in Würzburg. Von 1982 bis 1994 Novizenmeister und Magister

der zeitlichen Professen. Seit 1990 Mitarbeit im Recollectio-Haus und seit 1995 im Fairhandel tätig. Von 1999 bis 2002

Leiter des Klosters St. Benedikt in Würzburg. Seit vielen Jahren ist Pater Meinrad künstlerisch tätig. Seine Kunstwerke

können in seinem Atelier in Münsterschwarzach besichtigt werden.


Namen/Nachrichten

32

50 Jahre Priester am 7. Juli

Pater Gregor Hucke

geboren am 10. November 1935 in Dingelstädt/Thüringen. Besuch der Gymnasien und Internate in Münsterschwarzach

und Würzburg. 1956, nach dem Abitur, Eintritt in die Abtei Münsterschwarzach. 1963 Priesterweihe. 1958 bis

1967 Philosophie- und Theologiestudium in der Benediktiner-Hochschule St. Anselmo in Rom, dort Promotion zum

Doktor der Philosophie.

1967 bis 1976 Regens des Münsterschwarzacher Spätberufenen-Seminars St. Egbert in Bamberg. 1976 bis 1989 Cantor

der Abteikirche, Religionslehrer am Egbert-Gymnasium und Sekretär bei Abt Fidelis, zugleich Mitarbeit bei wissenschaftlichen

Forschungen und monastischen Studien bei Prof. Pater Kassius Hallinger in Rom.

Seit 1989 bei den Tutzinger Schwestern in Karen/Nairobi als Hausgeistlicher tätig. Pater Gregor liebt die Liturgie und

ist ein Sprachgenie.

Pater Edmar Greif

geboren am 4. Januar 1936 in Mittelehrenbach (Kreis Forchheim). Besuch der Gymnasien und Internate in St. Ludwig,

Münsterschwarzach und Würzburg. 1957 Klostereintritt, zeitliche Profess am 16. September 1958. 1963 Priesterweihe.

Von 1967 bis 2011 war Pater Edmar Turn- und Sportlehrer am Egbert-Gymnasium und beim Eintritt in den „Ruhestand“

sicher der älteste Sportlehrer weltweit an einem Gymnasium. Viele Jahre war er auch Rektor des Lehrlingsheimes

St. Plazidus in Münsterschwarzach. Pater Edmar hat aus seinen Schülern hervorragende Spitzenturner hervorgebracht,

die es bis zum Deutschen Meister brachten. Seine Mannschaft, die DJK Münsterschwarzach ist schon seit

Jahrzehnten eine Spitzenmannschaft und „mischt“ im bayerischen und deutschen Turnsport mit. Bei DJK-Länderkämpfen

betreut Pater Edmar die deutsche DJK-Auswahl.

Mit viel Liebe und Einsatz betreut Pater Edmar den Münsterschwarzacher Kreis (MSK), eine Vereinigung ehemaliger

Schüler unseres Gymnasiums und Klosters. Pater Edmar hat für den Münsterschwarzacher Kreis Veranstaltungen in

Münsterschwarzach organisiert und hält in ganz Bayern „Regionaltreffen“ der ehemaligen Schüler ab. Höhepunkt sind

seine jährlichen Studienreisen. Seit Jahrzehnten fährt er mit den ehemaligen Schülern und deren Familienangehörigen

vor allem zu benediktinischen Stätten in ganz Europa. Kein zweiter von uns Mönchen kennt die Benediktinerklöster in

Europa so gut wie Pater Edmar, da er sich auch in die Geschichte dieser Klöster einarbeitet.

Pater Rhabanus Erbacher

geboren am 14. Juli 1937 in Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis). Besuch der Gymnasien und Seminare in Münsterschwarzach

und Würzburg. 1957, nach dem Abitur, Klostereintritt in Münsterschwarzach. Studium der Philosophie an der Ordenshochschule

in St. Ottilien. Studium der Theologie und Musikwissenschaft an der Universität Würzburg und München

und von1964 bis 1968 Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik in München in Schulmusik und Orgel. 1963

Priesterweihe. Ab 1971 Musik-Lehrer (Oberstudienrat) am Egbert-Gymnasium in Münsterschwarzach. Pater Rhabanus

ist maßgeblich an der Neu-Bearbeitung und Vertonung des Deutschen Stundengebetes beteiligt. Er ist seit Jahrzehnten

Abtei-Organist an der Klais-Orgel in der Abteikirche. Seit Jahrzehnten leitet und betreut er mit großem Einsatz die Musik-

Bibliothek unseres Klosters.

60 Jahre Priester am 18. Juli

Pater Konrad Göpfert

geboren am 16. Januar 1929 in Rimpar. Besuch von Seminar und Gymnasium in Würzburg. 1947 Klostereintritt, zeitliche

Profess am 6. September 1948, Priesterweihe am 18. Juli 1953 durch Julius Döpfner, dem damaligen Bischof von Würzburg.

1955 Missionsaussendung in das Missionsgebiet der Abtei Ndanda in Tansania. Pater Konrad war hauptsächlich in

der Pfarr-Seelsorge eingesetzt. So war er begeisterter und begeisternder Pfarrer in Lukuledi, Lindi, Kilangala, Nyangao und

Nangoo. Pater Konrad ist ein Missionar mit „Leib und Seele“. In den letzten Jahren war er in der Abtei im seelsorgerlichen

und klösterlichen Bereich tätig, u.a. war er geistlicher Begleiter der jungen Mitbrüder in der Abtei Ndanda. Ende des

Jahres 2012 ist Pater Konrad, nach 57jähriger segensreicher Missionstätigkeit, aus Altersgründen in sein Heimatkloster

Münsterschwarzach zurückgekehrt.


NameN/NachrichteN

33

Heute ist ein heiliger Tag

zur Ehre des Herrn

Feierliche Profess von Bruder thaddäus Beez

Lebens wandel und Gehorsam

und wurde anschließend

von allen

Mitbrüdern durch den

Austausch des Friedenskusses

auf Lebenszeit in

die brüderliche Gemeinschaft

aufgenommen.

„Suscipe me,

Domine“

Nimm mich auf, o Herr,…

Wir freuen uns, dass am 06. April 2013

unser Bruder Thaddäus Beez in der Abteikirche

seine ewigen Gelübte abgelegt

und sich so endgültig an die klösterliche

Gemeinschaft von Münsterschwarzach gebunden

hat. So war dieser Tag nicht nur

ein „heiliger Tag zur Ehre des Herrn“, wie

es in seinem Professspruch lautet, sondern

ein wirklich starker Tag der Freude, der

Gemeinschaft und des Bekenntnisses.

In einem feierlichen Gottesdienst mit Familie,

Verwandten, Freunden, Angestellten

des Klosters und den Mitbrüdern versprach

Br. Thaddäus vor Abt Michael und

dem Konvent Beständigkeit, klösterlichen

… und lass mich nicht Scheitern …

Prior Pascal hielt die

Festpredigt. In seiner

Zeit als Novizenmeister

war Br. Thaddäus sein

erster Novize. In der Predigt

nahm er das Motiv

des Professbildchens auf: „Du hast Dich

von der Hand Gottes ziehen lassen und erhebst

jetzt selber die Hände, wenn Du sie

mit den Worten: ‚Nimm mich auf, o Herr,

wie du verheißen hast und ich werde leben’

öffnest, um von Christus alles zu erwarten,

was unser klösterlich-gemeinschaftliches

Leben bieten will.“ Dieser Vers aus Psalm

119 (Suscipe me, Domine) – mit erhobenen

Armen gesprochen – ist bereits in der

Regel Benedikts die Professformel für die

Mönchsprofess.

Dem Suscipe voraus gehen bei einer Profess

die Anrufung des Heiligen Geistes im alten

Hymnus „Veni Creator Spiritus“ und die

Allerheiligenlitanei, mit der die Gemeinde

die Heiligen anruft, damit sie den Profi -

tenten auf seinem weiteren Lebensweg

begleiten und ihm zur Seite stehen. Während

der Litanei liegt der Profi tent lang

gestreckt auf dem Boden. Nachdem die

Professurkunde feierlich verlesen wurde,

wird sie allen Mitbrüdern gezeigt und auf

dem Altar unterschrieben. Mit ihr legt sich

der Profi tent selbst und sein ganzes Leben

auf den Altar. Sein Leben, das er ganz mit

Hingeben, um von Christus alles zu erwarten

seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

in die Worte der Profess hineinlegt.

Bruder

Thaddäus Beez

stammt aus Apfelbach

(Main-Tauber-Kreis). Nach

dem Besuch der Grundschule

und anschließender Realschule erlernte

er den Beruf des Krankenpfl egers.

Nach Tätigkeiten als Krankenpfl eger in

Kliniken in Heidelberg und München war

er als Entwicklungshelfer in einem Gesundheitszentrum

in Osttimor eingesetzt.

Im Juni 2006 trat er in die Abtei Münsterschwarzach

ein. Seine Liebe zur Natur

und den Menschen ließ ihn noch eine

Ausbildung zum Gärtner absolvieren. Seit

der abgeschlossenen Ausbildung arbeitet

er in der Klostergärtnerei, die er mittlerweile

auch leitet. Da die Gärtnerei auch

immer Anlaufstelle für viele Menschen ist,

kann er hier nicht nur seine Liebe zu den

Pfl anzen ausleben, sondern ist immer auch

seelsorglich tätig.


DaNK

34

Digos bedankt sich

Unsere Bitte um Hilfe für die St. Bene dict’s

Clinic in Digos hat offene Ohren und Herzen

gefunden. Auch ein Vierteljahr nach

dem Aufruf treffen noch kleinere und größere

Spenden ein. Dafür sagen wir von

Herzen “Vergelt’s Gott!” Mit diesen Gaben

bezahlen Sie die Medikamente, die wir für

das laufende Jahr von AKTION MEDEOR

in Deutschland bestellt haben.

Diese Bestellung ist jedes Jahr eine größere

Prozedur. Denn es ist nicht einfach,

Medikamente ins Land zu bringen. Zuerst

muß MEDEOR bei der Philippinischen Botschaft

in Berlin die Beglaubigung einholen,

dass wir die Medizin nicht verkaufen,

sondern für wohltätige Zwecke verwenden.

Die besiegelten Dokumente werden uns

dann zugeschickt.

Und wenn bis zu zwanzig große Pakete auf

dem Postamt in Davao ankommen, dürfen

wir erneut mit den Behörden verhandeln.

Dank Ihrer Hilfe kann nach der Untersuchung auch eine Behandlung erfolgen…

Es kostet Zeit und Nerven, ans Ziel zu gelangen.

Doch einmal im Jahr nehmen wir

diese Geduldsprobe gerne auf uns, wohl

wissend, dass ja Sie, liebe Freunde und

Wohltäter, die Sendung überhaupt erst

möglich gemacht haben. So arbeiten Sie

und die Mönche von Digos zusammen, um

den weniger bemittelten Menschen in diesem

Land ein Leben in besserer Gesundheit

zu ermöglichen.

Ihr dankbarer

P. Edgar in Digos

Betäubungsmittel erleichtern einiges…


Joseph aus Mtwara

Was war das für ein Krach, der aus dem Nähkästchenzimmer

kam? Tom öffnete die Tür und schaute

sprachlos auf das Nähkästchen. Da saßen Bahati, Kati

und Matata, jeder mit einer Trommel vor sich und spielten

mit Begeisterung wilde Rythmen. „He, was ist mit

den Briefen?“ fragte sie Tom. „Mann, ich habe doch

ganz viele mitgebracht, nicht nur die Trommeln“, rief

ihm Bahati zu und reichte Tom einen großen, weißen

Umschlag. Als er ihn schwungvoll öffnete, fielen

drei Bilder heraus. Matata schnappte sie sich

und meinte: „Mensch, sieht der cool aus“. Dabei

meinte er einen jungen Afrikaner auf den Fotos.

Auch ein Briefbogen kam zum Vorschein. Den

nahm Bahati und begann zu lesen: „Mtwara

2003. Liebe Kinder in Deutschland! Ich, Pater

Klaus, lebe in der Stadt Mtwara in Tansania,

direkt am Indischen Ozean. Zu unserer Pfarrei

Sankt Paul gehören auch viele Dörfer. In einem

lebt Joseph mit seiner Mutter, Tante und Geschwistern.

Der Vater starb vor einigen Jahren

und so muss Joseph als ältestes Kind für die Familie

sorgen. Seine vier Geschwister gehen noch zur

Schule, helfen aber bei der Hausarbeit mit. Joseph

ist für mich im Dorf wie ein „Hansdampf“, immer aktiv

und freundlich. Im Jugendchor singt er mit und ist ein

begeisterter Trommler. Ja, er schafft es sogar, drei

Trommeln gleichzeitig zu spielen und dabei noch zu

pfeifen. Für die Kinder im Dorf ist er ihr „großer

Bruder“, der ihnen Spiele zeigt und auch mal bei

den Schulaufgaben hilft. Er ist ein prima Kerl

und ich hoffe, dass er seinen Weg im Leben

gut geht. Diese Geschichte von Joseph aus

Mtwara soll Euch Mut machen, Euer Leben in

die Hand zu nehmen.

Euer Pater Klaus


DaS POrtrait

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STECKBRIEF:

Name: Pater Konrad Göpfert OSB

Geboren: 1929 in Rimpar, Landkreis Würzburg

1947: Abitur am Riemenschneider Gymnasium in Würzburg

1947: Eintritt in die Benediktinerabtei Münsterschwarzach

1948: Zeitliche Profess

1951: Ewige Profess

Studium der Philosophie in Sankt Ottilien und der Theologie in Würzburg

1953: Priesterweihe

1955: Aussendung in das Missionsgebiet der Abtei Ndanda in Tansania,

Pastoral- und Pfarrarbeit in verschiedenen Pfarreien.

Neugründung der Pfarrei Kilangala am Indischen Ozean

und viele Jahre Pfarrer in Nyangao mit dem Hospital.

2012: Rückkehr nach Münsterschwarzach. Hier noch tätig

in der „Fernhilfe“ für die Mission, vor allem in Mosambik

Meine Meinung zum Thema dieser Ruf-Ausgabe:

Wenn ich an die Generationen in unserem Kloster denke, so glaube ich, dass wir Alten den Jungen Vorbild sein können.

Mehr ist in unserem Alter nicht möglich, aber dafür reichen unsere Kräfte noch aus.

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