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Neue Forschergruppe<br />
mit DPZ-Beteiligung<br />
20 Jahre DPZ<br />
auf Madagaskar<br />
Eichel neuer<br />
Aufsichtsratsvorsitzender<br />
Ausgabe 4/2013
Editorial<br />
Liebe Leserinnen<br />
und Leser,<br />
wenn Sie jetzt beim Lesen<br />
die elektrische Aktivität Ihrer<br />
eigenen Hirnzellen (Neuronen)<br />
beobachten könnten,<br />
würden Sie kaum Regelmässigkeiten<br />
feststellen können.<br />
Unser Neurowissenschaftler Suresh Krishna kann<br />
zwar nicht in Ihren Kopf schauen, hat aber mit Hilfe<br />
elektrophysiologischer Messungen bei Rhesusaffen<br />
und mathematischer Modelle herausgefunden, dass<br />
doch eindeutige Regelmäßigkeiten in der Aktivität<br />
existieren: Wenn Primaten zielgerichtete Augenbewegungen<br />
vollführen, reduziert sich die neuronale<br />
Variabilität, das sogenannte „Rauschen“, in einer bestimmten<br />
Hirnregion deutlich (Seite 6). Noch deutlicher<br />
nimmt das Rauschen ab, wenn die Affen bei der<br />
Durchführung der Aufgaben besonders motiviert sind.<br />
Inhalt<br />
Highlights aus der Forschung. .................. 3<br />
Wissenschaftspolitik. .......................... 8<br />
Aus dem Freiland ............................. 10<br />
Veranstaltungen. ............................. 13<br />
Kongresse und Workshops. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15<br />
Im Porträt. ................................... 16<br />
DPZ intern. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18<br />
Preise und Auszeichnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22<br />
Drittmittel ....................................23<br />
Abschlüsse und Publikationen. . . . . . . . . . . . . . . . . . 25<br />
Aus der Leibnizgemeinschaft ...................27<br />
Termine .......................................32<br />
Hoffentlich rauscht es in Ihrem Kopf nach diesen recht<br />
komplexen Erklärungen nicht zu sehr, denn wir haben<br />
noch viele andere Neuigkeiten zu berichten – ganz neu<br />
ist das aDNA-Labor unserer Genetiker, die mit ihren Geräten<br />
nun die Möglichkeit haben, sehr altes Genmaterial<br />
zu untersuchen: historische Proben, die Aufschluss<br />
über die genetische Entwicklung von Arten geben<br />
könnten, zum Beispiel. Ein Bereich, der dem DPZ viele<br />
neue Forschungsmöglichkeiten verschafft (Seite 5).<br />
Eine Feldstation, die dem DPZ schon seit Jahren außergewöhnliche<br />
Forschungsmöglichkeiten verschafft,<br />
feiert in diesem Jahr „Geburtstag“: Die Feldstation Kirindy<br />
der Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie<br />
auf Madagaskar besteht seit 20 Jahren (Seite 10).<br />
Peter Kappeler und sein Team haben dort von Beginn<br />
an Ergebnisse gewonnen, die die Forschung zu Lemuren<br />
und anderen einzigartigen Arten auf Madagaskar<br />
weltweit immens vorangebracht und den guten Ruf<br />
des DPZ international deutlich gestärkt haben. Herzlichen<br />
Glückwunsch!<br />
Außerdem begrüßen wir Ministerialdirigent Rüdiger<br />
Eichel <strong>als</strong> neuen Aufsichtsratsvorsitzenden des Deutschen<br />
<strong>Primatenzentrum</strong>s, zu dem er am 13. Oktober<br />
bestellt wurde (Seite 18).<br />
Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit der neuen Ausgabe<br />
des Magazins,<br />
Ihr Christian Kiel<br />
Titelbild: Doktorand Stefan Schaffelhofer aus<br />
der Neurobiologie modelte beim großen Fotoshooting,<br />
das vom 28. bis 30. Oktober das<br />
DPZ auf Trab hielt, für den Profi-Fotografen<br />
Thomas Steuer. Die Stabsstelle Kommunikation<br />
bedankt sich recht herzlich bei allen Mitwirkenden<br />
für ihre Flexibilität und Gelassenheit<br />
in Angesicht des straffen Zeitplanes.<br />
Foto: Thomas Steuer
Highlights aus der Forschung<br />
Prof. Peter Thier (rechts) und Prof. Stefan Treue und sind Sprecher der neuen Forschergruppe. Foto: Karin Tilch<br />
Neue Forschergruppe untersucht komplexe<br />
Hirnleistung in Primaten<br />
Das DFG-Projekt mit DPZ-Beteiligung verbindet fünf Institute und Universitäten<br />
Zahlreiche Wissenschaftler des DPZ sind in leitender<br />
Rolle an einer neuen, deutschlandweiten Forschergruppe<br />
beteiligt: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft<br />
(DFG) fördert ein Netzwerk von fünf Einrichtungen,<br />
das sich der Erforschung höherer Hirnfunktionen<br />
von Primaten widmet. Innerhalb der kommenden<br />
drei Jahre erhält die Forschergruppe „Physiologische<br />
Grundlagen verteilter Informationsverarbeitung <strong>als</strong><br />
Grundlage höherer Hirnleistungen nicht-humaner<br />
Primaten“ dafür rund 3,4 Millionen Euro. In zwölf Arbeitsgruppen<br />
werden die Forscher die komplexe Informationsverarbeitung<br />
im Netzwerk der Hirnareale<br />
analysieren.<br />
Studien zu ethischen Fragen in biomedizinischer Forschung<br />
an Versuchstieren und Aktivitäten zur Untersuchung<br />
und Verbesserung des Wohlbefindens der<br />
Versuchstiere begleiten die Forschung. Die Gruppe<br />
führt Neurowissenschaftler aus Tübingen, Göttingen,<br />
Frankfurt und Marburg mit Ethikern, Tierärzten<br />
und Ethologen zusammen. Sprecher der Gruppe sind<br />
Prof. Peter Thier vom Hertie Institut für klinische Hirnforschung<br />
der Universität Tübingen und Prof. Stefan<br />
Treue vom Deutschen <strong>Primatenzentrum</strong>.<br />
Die ortsübergreifende Forschergruppe untersucht die<br />
Grundlagen kognitiver Leistungen wie Wahrnehmung,<br />
Verhalten, Entscheidungsfindung und Lernvorgänge.<br />
Die Informationsflüsse im Gehirn, die diesen Leistungen<br />
zugrunde liegen, werden dabei auf verschiedenen<br />
Ebenen untersucht: von der neuronalen und synaptischen<br />
Aktivität einzelner Hirnregionen bis zu Interaktionen<br />
zwischen weit voneinander entfernten Hirnarealen.<br />
Die Forscher wollen verstehen, wie Primaten Reize<br />
aus ihrer Umwelt mit den Augen aufnehmen und das<br />
Gehirn auf der Basis dieser Informationen Bewegungen<br />
der Arme und Hände plant und ausführt.<br />
Die Forschergruppe wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft<br />
(DFG) in der ersten Förderperiode<br />
von drei Jahren mit 3,36 Millionen Euro unterstützt.<br />
„Wir sind stolz darauf, dass die internationale Gutachtergruppe<br />
der DFG nicht nur die hohe Qualität der deutschen<br />
Forschung auf diesem Gebiet festgestellt hat,<br />
DPZ aktuell, November 2013<br />
3
Highlights aus der Forschung<br />
sondern auch die zentrale Bedeutung der Forschung<br />
an Primaten für langfristige Fortschritte im Verständnis<br />
der Grundlagen vieler neurologischer und psychischer<br />
Erkrankungen des Menschen“, sagt Prof. Dr. Peter<br />
Thier, der auch Aufsichtsratsmitglied des DPZ ist.<br />
Außer den beiden Sprechern leiten folgende Forscher<br />
Teilprojekte des Netzwerks: Prof. Frank Bremmer von<br />
der Philipps Universität Marburg, Prof. Andreas Nieder,<br />
Doktorand Stefan Schaffelhofer arbeitet im Labor der Forschergruppe Neurobiologie mit dem dort entwickelten<br />
Datenhandschuh. Die Forschergruppe um Hansjörg Scherberger wird im neuen DFG-finanzierten<br />
Netzwerk sowohl bei der Ausbildung von Forschernachwuchs <strong>als</strong> auch im Forschungsbereich B<br />
„Inter-Areal Communication“ beteiligt sein. Foto: Thomas Steuer<br />
In jedem der vier Arbeitsfelder der Forschergruppe sind<br />
Wissenschaftler des DPZ leitend beteiligt. Eine über<br />
die detaillierten neurowissenschaftlichen Fragen hinausgehende<br />
Bedeutung haben die beiden Bereiche<br />
„Tierwohl und Ethik“ und „Integrierte Forschungsbasierte<br />
Ausbildung“. Im ersten Bereich leitet Alexander<br />
Gail unter Beteiligung von Stefan Treue und<br />
Franz-Josef Kaup eine Studie zur Erfassung von<br />
Stress und Wohlbefinden der Tiere mittels kognitiver<br />
Untersuchungen der<br />
Tiere in ihren gewohnten<br />
Haltungsbereichen<br />
und mit nicht-invasiven<br />
physiologischen Messungen.<br />
Urban Wiesing<br />
und Jens Clausen, Professoren<br />
des Instituts<br />
für Ethik und Geschichte<br />
der Medizin an der<br />
Universität Tübingen,<br />
befassen sich in diesem<br />
Arbeitsfeld mit ethischen<br />
Fragen und Standards<br />
in der Forschung<br />
mit Primaten. Den für<br />
einen optimalen Umgang<br />
mit den Versuchstieren<br />
notwendigen<br />
hohen Ausbildungsstandard<br />
von Nachwuchswissenschaftlern<br />
stellt das standortübergreifende<br />
integrierte<br />
Trainingsprogramm unter<br />
Leitung von Hansjörg<br />
Scherberger und<br />
Stefan Treue sicher.<br />
Prof. Urban Wiesing, Dr. Jens Clausen und Dr. Takashi<br />
Sato von der Eberhard Karls Universität Tübingen, Prof.<br />
Pascal Fries vom Ernst Strüngmann Institut Frankfurt,<br />
Prof. Alexander Gail, Dr. Igor Kagan, Prof. Franz-Josef<br />
Kaup und Prof. Hansjörg Scherberger vom Deutschen<br />
<strong>Primatenzentrum</strong> sowie Prof. Melanie Wilke von der<br />
Universitätsmedizin Göttingen. Die Forscher kombinieren<br />
mit den verschiedenen Teilprojekten ein Spektrum<br />
modernster Methoden: von bildgebenden über<br />
elektrophysiologische bis zu neuropharmakologischen<br />
Verfahren. Eine zentrale Rolle spielt außerdem<br />
die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern.<br />
„Die DFG erkennt mit dem Projekt auch die Expertise<br />
des DPZ <strong>als</strong> Kompetenz- und Referenzzentrum<br />
für die Forschung an Primaten an und fördert unsere<br />
langjährigen Arbeiten zum optimalen Umgang<br />
mit Primaten in der Forschung“, unterstreicht<br />
Stefan Treue, Direktor des DPZ und stellvertretender<br />
Forschergruppensprecher. „Damit sind wir in der Lage,<br />
biomedizinische Forschung von essenzieller Bedeutung<br />
mit Tierschutz auf höchstem Niveau zu verbinden.“<br />
4 DPZ aktuell, November 2013
Highlights aus der Forschung<br />
Christiane Schwarz bei der Arbeit im neuen aDNA-Labor der Abteilung Primatengenetik. Foto: Karin Tilch<br />
Neues Labor für alte DNA am DPZ<br />
Die Genetiker des DPZ können nun auch Erbgut aus<br />
älteren Proben untersuchen<br />
Molekulargenetische Untersuchungen mit Museumsmaterial<br />
sind ein wichtiger Bestandteil vieler Forschungsprojekte<br />
der Abteilung Primatengenetik, aber<br />
auch der Abteilungen Kognitive Ethologie und Verhaltensökologie<br />
und Soziobiologie am DPZ. Um dem<br />
Rechnung zu tragen und neue, innovative Projekte angehen<br />
zu können, ist seit Anfang September eine neue<br />
„ancient“ DNA (aDNA) Laboreinheit am DPZ in Betrieb.<br />
Eines der größten Probleme bei der Analyse von „alter“<br />
DNA ist die Verunreinigung mit moderner Fremd-DNA.<br />
Aufgrund der geringen Mengen, die in Museumsmaterial<br />
(Felle, Knochen, Zähne) oder Fossilien vorhanden<br />
sind und der starken Fragmentierung kann „alte“<br />
DNA wesentlich schneller <strong>als</strong> „moderne“ DNA von<br />
Verunreinigungen überlagert werden. Deshalb gelten<br />
in aDNA- Laboren hohe Standards für Sauberkeit: Die<br />
aDNA-Labore des DPZ dürfen nur mit Schutzanzügen<br />
betreten werden, die verhindern sollen, dass Mitarbeiter<br />
die Proben selbst verunreinigen. Zudem werden<br />
die Labore sowie die einzelnen strikt voneinander getrennten<br />
Arbeitsbereiche vor und nach jeder Nutzung<br />
durch UV-Licht und Bleichmittel dekontaminiert.<br />
Die Analyse „alter“ DNA wurde erst durch die Entwicklung<br />
der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) ermöglicht.<br />
Bei diesem Verfahren wird die Erbinformation mit Hilfe<br />
eines Enzyms exponentiell vervielfältigt, was auch<br />
die Untersuchung von sehr kleinen DNA-Mengen<br />
ermöglicht. Neben dieser Standardmethode ist das<br />
neue aDNA-Labor am DPZ darüber hinaus auch für die<br />
erst kürzlich entwickelte Methode des „DNA fishing“<br />
ausgerüstet, bei dem neben geringen Mengen auch<br />
kleinste Bruchstück des Erbguts noch untersucht werden<br />
können.<br />
Aktuell analysieren die Wissenschaftler im neuen<br />
aDNA-Labor am DPZ gerade Proben asiatischer Primaten,<br />
die aus Museumsbeständen stammen. Aufgrund<br />
strenger Einfuhrbestimmungen oder kompletter Exportverbote<br />
stehen für viele Arten und Populationen<br />
zur Zeit nur bereits vor längerem archivierte Proben<br />
zur Verfügung. Im neuen aDNA-Labor sind solche Untersuchungen<br />
nach internationalen Standards nun<br />
kein Problem mehr.<br />
DPZ aktuell, November 2013<br />
5
Highlights aus der Forschung<br />
Die Abbildung zeigt ein sogenanntes LIP-Valley. Aus: Falkner et al., 2013<br />
Visuelle Verarbeitung im Gehirn wird durch<br />
reduziertes Rauschen verbessert<br />
Eine gemeinschaftliche Studie des DPZ hat Änderungen der Variabilität in der<br />
Hirnaktivität nachgewiesen, die die Verarbeitung wichtiger und für einen Organismus<br />
interessanter Signale in einer für visuelle Aufmerksamkeit wichtigen<br />
Hirnregion verbessert<br />
Neurowissenschaftler Suresh Krishna aus der Abteilung<br />
Kognitive Neurowissenschaften des Deutschen<br />
<strong>Primatenzentrum</strong>s hat in Zusammenarbeit<br />
mit Annegret Falkner und Michael Goldberg von<br />
der Columbia University, New York, nachgewiesen,<br />
in welchem Maße einzelne Neurone in einer wichtigen<br />
Hirnregion des Rhesusaffen weniger variabel<br />
reagieren, wenn sie wichtige visuelle Informationen<br />
verarbeiten, während die Tiere Augenbewegungen<br />
ausführen. Diese Rauschreduktion kann die Wahrnehmungsstärke<br />
von beobachteten oder wichtigen<br />
Aspekten unserer visuellen Umwelt verbessern und<br />
fällt noch stärker aus, je motivierter die Tiere sind,<br />
die Aufgabe auszuführen.<br />
Wenn ein Mensch das gleiche Objekt oft hintereinander<br />
sieht, zum Beispiel einen auf und ab hüpfenden<br />
Jojo, ist die Reaktion seiner Neuronen auf den optischen<br />
Reiz jedes Mal unterschiedlich; man nennt diese<br />
Variabilität „neuronales Rauschen“. Das Gleiche gilt<br />
für Rhesusaffen, deren visuelles System dem menschlichen<br />
sehr ähnlich ist. Diese Variabilität reduziert oft<br />
unsere Fähigkeit, ein schemenhaftes Objekt zu sehen<br />
oder einen undeutlichen Laut zu hören. Andererseits<br />
profitieren wir von variablen Nervenaktivitäten, weil<br />
sie ein essentieller Bestandteil entdeckenden Lernens<br />
sind und nötig für unvorhersagbares Verhalten beim<br />
körperlichen Wettbewerb.<br />
Trotz dieser Bedeutsamkeit ist die Variabilität der<br />
Neuronen noch kaum erforscht. Neurowissenschaftler<br />
Suresh Krishna vom DPZ und seine Kollegen Annegret<br />
Falkner und Michael Goldberg von der Columbia University<br />
in New York haben die Reaktionen einzelner<br />
Neuronen im lateralen intraparietalen Kortex (LIP)<br />
im Gehirn von Rhesusaffen untersucht, während die<br />
Tiere die Augen bewegten, um verschiedene Stellen<br />
eines Monitors zu fokussieren. LIP ist eine Hirnregi-<br />
6 DPZ aktuell, November 2013
Highlights aus der Forschung<br />
on, die eine große Rolle bei visueller Aufmerksamkeit<br />
und aktivem Erforschen mit den Augen spielt. Um die<br />
Hirnaktivität einzelner Neuronen zu messen, führten<br />
die Neurowissenschaftler haarfeine Elektroden in das<br />
Gehirn des Makaken ein und zeichneten die Aktivität<br />
auf. Da das Gehirn nicht schmerzempfindlich ist,<br />
verursachen die Elektroden den Rhesusaffen keine<br />
Schmerzen.<br />
Suresh Krishna und seine Kollegen konnten in der Studie<br />
zeigen, dass die Aktivität der LIP-Neuronen weniger<br />
variabel wird, wenn der Rhesusaffe eine Aufgabe<br />
plant und Augenbewegungen durchführt. Die Verringerung<br />
der Variabilität war besonders stark dort, wo<br />
der Affe genau hinzuschauen plante, und wenn er<br />
hoch motiviert war, die Aufgabe zu erfüllen. Die Neuronen<br />
produzieren <strong>als</strong>o eine „T<strong>als</strong>ohle“ reduzierter Variabilität,<br />
die sich um die relevanten und interessanten<br />
Aspekte einer visuellen Szene bildet. Dies dürfte dem<br />
Gehirn helfen, die wichtigsten Aspekte aus allen Sinneseindrücken,<br />
die über das Auge einströmen, zu filtern.<br />
Die Wissenschaftler haben ein einfaches, mathe-<br />
Neurowissenschaftler Dr. Suresh Krishna am DPZ.<br />
Foto: Kevin Windolph<br />
matisches Modell entwickelt, das diese Muster in den<br />
aufgezeichneten Daten beschreibt. Das Modell könnte<br />
sich auch <strong>als</strong> hilfreich für die Analyse von Daten aus<br />
anderen Hirnregionen erweisen.<br />
„Unsere Studie ist eine der detailliertesten Beschreibungen<br />
neuronaler Variabilität im Gehirn. Sie bietet<br />
interessante Einblicke in so faszinierende Hirnfunktionen<br />
wie die Fokussierung visueller Aufmerksamkeit<br />
und die Kontrolle der Augenbewegungen während<br />
des aktiven Beobachtens visueller Szenen. Diese T<strong>als</strong>ohle<br />
der Variabilität, die wir entdeckt haben, könnte<br />
Tieren und Menschen helfen, mit ihrer komplexen<br />
Umwelt zu interagieren“, erläutert Suresh Krishna die<br />
Ergebnisse.<br />
Dieses Bild zeigt einen Rhesusaffen bei einem neurowissenschaftlichen<br />
Versuch am DPZ. Foto: Lalitta Suriya-Arunroy<br />
Originalpublikation:<br />
Annegret L. Falkner, Michael E, Goldberg and B, Suresh<br />
Krishna: Spatial Representation and Cognitive Modulation<br />
of Response Variability in the Lateral Intraparietal<br />
Area Priority Map. The Journal of Neuroscience, 9<br />
October 2013, 33(41): 16117-16130;<br />
doi: 10.1523/JNEUROSCI.5269-12.2013<br />
DPZ aktuell, November 2013<br />
7
Wissenschaftspolitik<br />
Forscher des DPZ beobachten am Bildschirm einen Rhesusaffen im neurowissenschaftlichen Versuch. Experimente mit Affen sind in der<br />
tierexperimentellen Forschung insgesamt äußerst selten. Foto: Karin Tilch<br />
Weniger Tierversuche mit Affen in<br />
Deutschland im Jahr 2012<br />
Die Zahl ging zwischen 2011 und 2012 von 1796 auf 1686 zurück / Nur jedes<br />
tausendste Versuchstier in Deutschland ist ein Affe<br />
Die am 28. Oktober vom Bundeslandwirtschaftsministerium<br />
(BMELV) veröffentlichte Statistik zeigt: Im vergangenen<br />
Jahr wurden in Deutschland ca. 1,57 Millionen<br />
Tiere in Tierversuchen eingesetzt. Zählt man alle<br />
anderen wissenschaftlichen Nutzungen hinzu, waren<br />
es knapp über 3 Millionen Tiere. Im Vergleich zur anderen<br />
Nutzungen von Tieren, insbesondere für die Ernährung,<br />
ist die Zahl der in der Forschung in Deutschland<br />
verwendeten Tiere damit verschwindend gering.<br />
Die Zahl der nicht-menschlichen Primaten, die 2012 in<br />
der Wissenschaft zum Einsatz kamen, hat sich zudem<br />
um ca. 6 Prozent im Vergleich zu 2011 reduziert. Affen<br />
stellen nur ein Tausendstel aller Versuchstiere in<br />
Deutschland. Sie werden nur in Versuchen von großer<br />
wissenschaftlicher Bedeutung eingesetzt und wenn<br />
es weder eine Alternativmethode noch die Möglichkeit<br />
gibt, den Versuch mit einer geringer entwickelten<br />
Tierart durchzuführen.<br />
Das Landwirtschaftsministerium erfasst mit seinen<br />
Zahlen des Einsatzes von Wirbeltieren für wissenschaftliche<br />
Zwecke sowohl Tierversuche wie den<br />
Tiereinsatz für Ersatzmethoden, wie beispielsweise<br />
die Gewinnung von Zellkulturen. „Daher weist das<br />
Ministerium auf der eigenen Website zurecht darauf<br />
hin, dass 2012 für Tierversuche im Sinne des Tierschutzgesetzes<br />
etwa 1,57 Millionen Tiere eingesetzt<br />
wurden“, sagt Stefan Treue, Direktor des Deutschen<br />
<strong>Primatenzentrum</strong>s, das Primaten unter anderem für<br />
Infektionsforschung und neurowissenschaftliche<br />
Forschung einsetzt. Dies ist ein leichter Anstieg um<br />
etwa 4 Prozent, während die Zahl der Versuchstiere<br />
in den Vorjahren zweimal leicht gefallen war. Die<br />
Gesamtzahl gibt lediglich an, dass im Jahr 2012 gut<br />
3 Millionen wissenschaftliche Eingriffe (5,8 Prozent<br />
mehr <strong>als</strong> 2011) an Wirbeltieren vorgenommen wurden.<br />
Sie ist zudem nicht gleichzusetzen mit der Zahl<br />
8 DPZ aktuell, November 2013
Wissenschaftspolitik<br />
der eingeschläferten Tiere. So zählen Blutentnahmen<br />
und ähnliche Eingriffe für diese Statistik ebenso,<br />
obwohl eine Blutentnahme normalerweise ähnlich<br />
unkompliziert wie beim Menschen ist. Daher sagen<br />
die Zahlen des BMLEV auch nichts darüber aus, ob es<br />
mehr Leiden gegeben hat.<br />
Versuchstiere wurden in der Grundlagenforschung<br />
eingesetzt, um Krankheiten zu erforschen, für die medizinische<br />
Produktentwicklung oder um die Sicherheit<br />
von Medikamenten, Inhaltsstoffen oder medizinischen<br />
Produkten zu testen. Gerade in diesem letzten<br />
Punkt verlangt das Gesetz in Deutschland den Einsatz<br />
von Primaten: So wurden von den 1686 im letzten Jahr<br />
verwendeten Primaten 60 Prozent der Tiere für gesetzlich<br />
vorgeschriebene Giftigkeits- und Sicherheitsprüfungen<br />
zum Schutz von Patienten und Konsumenten<br />
eingesetzt. Insgesamt ist nur jedes tausendste Versuchstier<br />
ein Primat. Im Jahr 2012 wurden 110 nichtmenschliche<br />
Primaten weniger für wissenschaftliche<br />
Zwecke eingesetzt <strong>als</strong> 2011 (minus 6 Prozent). Bei fast<br />
allen Tierarten außer Nagern sind diese Zahlen rückläufig.<br />
Abgesehen von manchen landwirtschaftlichen Nutztieren<br />
und Fischen dürfen Tierversuche in Deutschland<br />
nur an Wirbeltieren durchgeführt werden, die für diesen<br />
Zweck gezüchtet wurden. Jeder Tierversuch muss<br />
beantragt werden und wird nur dann von der zuständigen<br />
Landesbehörde genehmigt, wenn der Wissenschaftler<br />
begründen kann, dass es keine alternative<br />
Methode gibt, mit der er den Forschungszweck erreichen<br />
kann. Außerdem muss der Tierversuch ethisch<br />
vertretbar sein. Das heißt, eine unabhängige Kommission,<br />
der auch Tierschutzvertreter angehören, prüft,<br />
ob der Zweck des Tierversuchs den Einsatz der Tiere<br />
rechtfertigt.<br />
Stellt man den 3 Millionen wissenschaftlichen Eingriffen<br />
an Wirbeltieren die jährliche Fleischproduktion in<br />
Deutschland gegenüber, so zeigt sich, dass diese unersetzliche<br />
Forschung nur einen sehr kleinen Anteil der<br />
Nutzung von Tieren durch den Menschen ausmacht.<br />
Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) wurden im<br />
Jahr 2012 in Deutschland etwa 58 Millionen Schweine,<br />
fast 4 Millionen Rinder und knapp 700 Millionen<br />
Geflügeltiere geschlachtet. Die Fleischproduktion hat<br />
2012 laut dem Bundesamt einen Wert von insgesamt<br />
über 6,7 Millionen Tonnen erreicht. Im Laufe eines Lebens<br />
werden so für jeden Deutschen im Durchschnitt<br />
mehr <strong>als</strong> 700 Hühnchen geschlachtet, aber nur zwei<br />
Mäuse für biomedizinische Forschung benötigt.<br />
Fotopreis 2013: Ausstellung hat begonnen – Abstimmung bis zum 17. Dezember<br />
Ende November hat die Ausstellung der ausgewählten Bildmotive des DPZ-Fotopreises 2013 begonnen.<br />
Aus allen Einsendungen hat eine Jury die 20 besten eingesandten Bilder nach den Kriterien Originalität,<br />
Ästhetik und technische Qualität ausgewählt. Diese Bilder zeigen<br />
wir nun bis zum 31. Januar im Foyer. Seit dem 25. November<br />
läuft auch die Wahl der Gewinner, die wir wieder von allen<br />
Mitarbeitern und unseren Besuchern wählen lassen. Die Wahl<br />
endet am 17. Dezember. Die Gewinner werden bei der Weihnachtsfeier<br />
am 19. Dezember bekanntgegeben und bekommen<br />
von der Geschäftsführung die Preise überreicht.<br />
Jeder Teilnehmer hat insgesamt drei Stimmen, die kumulativ<br />
vergeben werden dürfen. Das heißt, man kann die Stimmen sowohl<br />
auf einzelne Motive verteilen <strong>als</strong> auch gesammelt für ein<br />
oder zwei Bilder. Stimmzettel für die Wahl liegen am Empfang<br />
im Foyer aus, jeder darf nur einmal wählen.<br />
Die Stabsstelle Kommunikation wünscht Ihnen viel Vergnügen<br />
mit den tollen Motiven und bittet Sie herzlich darum, an der<br />
Wahl teilzunehmen.<br />
Astrid Slizewski betrachtet Motive der Fotopreisausstellung<br />
2013. Foto: Christian Kiel<br />
DPZ aktuell, November 2013<br />
9
Aus dem Freiland<br />
Die Feldstation in Kirindy wurde 1993 gebaut und umfasste zunächst nur wenige Hütten und Plattformen. Foto: Ulrike Walbaum<br />
20 Jahre DPZ auf Madagaskar<br />
Seit 1993 unterhält das DPZ eine permanente Forschungsstation im<br />
Westen der Insel<br />
Im Kirindy Wald wurden in den vergangenen 20 Jahren<br />
die sozialen, ökologischen und physiologischen<br />
Anpassungen von acht dort vorkommenden Lemurenarten<br />
untersucht. Kirindy war und ist auch Ziel<br />
von Forschungsprojekten mit Anwendung im lokalen<br />
Naturschutz und Ausgangspunkt von Expeditionen,<br />
bei denen bislang zehn neue Lemurenarten entdeckt<br />
wurden.<br />
Im Januar 1993 wurde am DPZ eine neue Arbeitsgruppe<br />
für Verhaltensforschung/Ökologie unter der Leitung<br />
von Jörg Ganzhorn eingerichtet. Damit verbunden war<br />
der Aufbau einer permanenten Feldforschungsstation,<br />
die eine Basis für die Untersuchung sozialer und<br />
ökologischer Anpassung freilebender Primaten darstellen<br />
sollte. Aufgrund der Vorarbeiten von Jörg<br />
Ganzhorn und seiner Studenten in den späten 1980er<br />
Jahren fiel die Wahl für den Bau der Forschungsstation<br />
auf eine Forstkonzession im Forêt de Kirindy. Der<br />
Forêt de Kirindy ist ein von Baobab-Bäumen dominierter<br />
Trockenwald im zentralen Westen Madagaskars.<br />
Im Frühjahr 1993 wurde mit dem Bau von zwei Hütten<br />
und fünf Zeltplattformen begonnen, und bereits im<br />
folgenden Herbst wurde die neue Station eingeweiht.<br />
Für die verhaltensökologischen Untersuchungen wurden<br />
in zwei je 25 Hektar großen Waldgebieten ein System<br />
von Fußpfaden angelegt, ein einheimischer Feldassistent<br />
eingestellt und im 60 Kilometer entfernten<br />
10 DPZ aktuell, November 2013
Aus dem Freiland<br />
Die Station nach der Renovierung 2013. Foto: Peter Kappeler<br />
Städtchen Morondava ein kleines Häuschen <strong>als</strong> Basislager<br />
angemietet.<br />
Schon 1994 wurde der erste Feldkurs für madagassische<br />
Studenten in Kirindy durchgeführt. Von dieser Einführung<br />
in die Praxis der Feldforschung haben seither<br />
jährlich Studierende der madagassischen Universität<br />
Anatananarivo profitiert; seit 2004 nehmen auch regelmäßig<br />
Studierende der Universität Göttingen an diesem<br />
Praktikum teil. Viele der Kursteilnehmer kamen nach Kirindy<br />
zurück, um ihre Diplom- oder Masterarbeit dort anzufertigen.<br />
Dabei kamen in den letzten 20 Jahren mehr<br />
<strong>als</strong> 25 madagassische, 35 deutsche und acht Abschlussarbeiten<br />
von Studierenden aus Drittländern zusammen.<br />
Als die erste Doktorandin der neuen Arbeitsgruppe<br />
- Jutta Schmid - 1997 promovierte, war Jörg Ganzhorn<br />
bereits an die Universität Hamburg berufen<br />
worden, und die Station wurde ab 1996 kommissarisch<br />
durch Peter Kappeler geleitet. Seither wurden<br />
insgesamt mehr <strong>als</strong> 20 Doktorarbeiten in Kirindy<br />
durchgeführt; aktuell laufen dort zehn weitere Promotionsarbeiten.<br />
Nach der erfolgreichen Evaluierung wurde die Arbeitsgruppe<br />
im Jahr 1997 verstetigt. 2003 wurde durch<br />
eine gemeinsame Berufung mit der Universität Göttingen<br />
eine erste Brückenprofessur am DPZ eingerichtet<br />
und die Abteilung wurde in „Verhaltensökologie<br />
und Soziobiologie“ umbenannt. Aus diesem Anlass<br />
wurde die Station in Kirindy erstm<strong>als</strong> gründlich renoviert.<br />
Es wurden dabei mehrere Steingebäude errichtet,<br />
inklusive eines eigenen Hauses in Morondava, die<br />
Infrastruktur für die Wasser- und Stromversorgung<br />
wesentlich verbessert, ein Feldlabor errichtet sowie<br />
zusätzliche Untersuchungsgebiete erschlossen. Eine<br />
zweite Komplett-Renovierung fand 2013 statt.<br />
Heute hält Kirindy Wohn- und Arbeitsplätze für zehn<br />
Wissenschaftler bereit. Mehr <strong>als</strong> 250 Hektar Wald werden<br />
durch über 150 Kilometer an Pfaden <strong>als</strong> Arbeitsgebiete<br />
erschlossen. Die Forschungsarbeiten werden<br />
DPZ aktuell, November 2013<br />
11
Aus dem Freiland<br />
durch insgesamt 16 einheimische Mitarbeiter unterstützt.<br />
Dabei sind besonders Léon Razafimanantsoa<br />
und Rodin Rasoloarison hervorzuheben, die sich seit<br />
1996 um die Verwaltung der Forschung und Infrastruktur<br />
vor Ort kümmern. Am DPZ gehört Ulrike Walbaum<br />
seit 1993 <strong>als</strong> technische Mitarbeiterin zu einer<br />
der Stützen der Forschung in Madagaskar und der Datenverwaltung<br />
in Göttingen.<br />
Die Grundlage der wissenschaftlichen Arbeiten in Kirindy<br />
ist eine Datenbasis mit der kompletten Lebensgeschichte<br />
von mehr <strong>als</strong> 1500 individuell markierten<br />
Tieren aus acht Lemurenarten. Seit einigen Jahren<br />
wurden die Untersuchungen auch auf andere Säugetiere,<br />
Vögel und Reptilien ausgedehnt. Basierend auf<br />
Beobachtungen, Experimenten und Probenanalysen<br />
dieser Tiere wurden seit 1993 mehr <strong>als</strong> 300 Publikationen<br />
veröffentlicht.<br />
Infolge einer inzwischen vier Jahre andauernden politischen<br />
Krise in Madagaskar hat der Druck durch<br />
menschliche Einwirkung auf Kirindy in letzter Zeit<br />
enorm zugenommen. Vor diesem Hintergrund ist es<br />
erfreulich, dass Kirindy seit wenigen Wochen einen<br />
offiziellen Schutzstatus besitzt. Die „Equipe DPZ“ unterstützt<br />
die Kontrollen der madagassischen Forstbehörden<br />
und hat zudem 2011 den gemeinnützigen<br />
Verein „Longon’i Kirindy“ gegründet (www.kirindy.de),<br />
der durch die Unterstützung der Anrainer der Station<br />
nachhaltig dazu beitragen möchte, Kirindy <strong>als</strong> den<br />
größten verbleibenden zusammenhängenden Trockenwald<br />
Madagaskars zu erhalten.<br />
<br />
Peter Kappeler<br />
Literaturhinweise<br />
Kappeler PM (2013). Studying lemurs on three continents.<br />
In: Strier KB (ed) Primate Ethnographies.<br />
Pearson/Prentice Hall, Upper Saddle River, New Jersey,<br />
pp. 132-138<br />
Kappeler PM, Fichtel C (2012). A 15-year perspective<br />
on the social organization and life history of sifaka<br />
in Kirindy Forest. In: Long-Term Field Studies of Primates.<br />
Springer Berlin Heidelberg, pp 101-121<br />
Rodin M. Rasoloarison (ganz links) mit dem aktuellen Team von Feldassistenten (2013). Foto: Luca Pozzi<br />
12 DPZ aktuell, November 2013
Veranstaltungen<br />
Mitarbeiter des DPZ beim Rückcoaching-Kurs während des Gesundheitstags 2013. Foto: Astrid Slizewski<br />
Viel los beim Gesundheitstag 2013<br />
Pilates, Computerspiele und Alterssimulationen<br />
brachten die DPZ-Mitarbeiter auf Trab<br />
Lars Washausen steckte in einem Alterssimulationsanzug<br />
samt getönter Brille und Kopfhörern, der ihm<br />
zeigen sollte, wie er sich in vierzig Jahren mal fühlen<br />
wird. „Das Schlimmste ist das mit dem Hören. Man<br />
kriegt kaum noch was mit,“ lachte der Leiter der IT-<br />
Abteilung. Neben ihm fluchte Kollege Daniel Reckel<br />
beim Wii-Fit Computerspiel: „Meine Tochter schafft<br />
hier hundert Punkte, ich bin schon wieder raus!“<br />
Was die beiden da ausprobierten, war Teil des Programms<br />
des ersten Gesundheitstags am DPZ am 22.<br />
August. Ralf Göltzer (Arbeitssicherheit) hatte den Tag<br />
organisiert, an dem die Mitarbeiter zwischen 9 und 17<br />
Uhr die Gelegenheit hatten, an verschiedenen Kursen,<br />
Vorträgen und Workshops teilzunehmen. Das Angebot<br />
wurde rege genutzt.<br />
Während Lars Washausen das Abenteuer Treppensteigen<br />
<strong>als</strong> „alter Mann“ anging, lernte eine andere Gruppe<br />
im ersten Stock, was ihrem Rücken gut tut. Gerade<br />
Mitarbeiter, die viel sitzen, leiden häufig unter Rückenproblemen.<br />
In den Workshops „Rückencoaching“ und<br />
„Bewegte Pause“ erfuhren sie, mit welchen einfach<br />
Übungen und Routinen sie Hexenschuss und Co. vorbeugen<br />
können.<br />
Auch ein Pilates-Kurs hilft besonders Schreibtisch-<br />
Tätern fit und gesund zu bleiben. Trainerin Christiane<br />
Christiansen erzählte den Teilnehmern des Kurses aus<br />
ihrer Berufspraxis: „Fast jeder, der meinen Kurs länger<br />
besucht, sagt mir irgendwann, dass er keine Rückenschmerzen<br />
mehr hat.“<br />
Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Hörsaal dann<br />
zum Vortrag der Agentur Hesse/Schrader. Deren Mitarbeiterin<br />
erklärte den DPZlern Methoden, die helfen<br />
sollen, Stress besser zu bewältigen und nicht alles<br />
gleich an sich persönlich heranzulassen. Die Referentin<br />
lebte vor, was sie predigte und blieb auch fröhlich<br />
und gelassen, <strong>als</strong> sich ein kleines Problem mit Powerpoint<br />
auftat, das die IT im Handumdrehen behob.<br />
Insgesamt kam der Gesundheitstag bei den DPZ-<br />
Mitarbeitern sehr gut an, am beliebtesten waren die<br />
Kurse „Die bewegte Pause“ und das „Rückencoaching“.<br />
Für eine noch fittere Zukunft wünschen sie sich eine<br />
Ernährungsberatung und einen Fitnessraum.<br />
DPZ aktuell, November 2013<br />
13
Veranstaltungen<br />
Das DPZ auf dem Weg zu noch mehr<br />
Familienbewusstsein<br />
Mitarbeiter diskutierten Ideen zur Verbesserung der<br />
Familienfreundlichkeit des Instituts<br />
Ein wenig fragte man sich zu Beginn des Workshops,<br />
ob am DPZ wirklich noch viel für die Verbesserung<br />
der Familienfreundlichkeit getan werden muss: Jens<br />
Gruber und Rüdiger Behr, die <strong>als</strong> letzte zur Diskussionsrunde<br />
an einem Montagmorgen Mitte Oktober<br />
stießen, waren beide gerade noch für ihre Familie<br />
unterwegs gewesen. „Ich musste etwas länger in<br />
der Kita bleiben, weil spontan gesungen wurde“, erklärte<br />
Jens Gruber Auditorin Gabriele Eylers, die das<br />
DPZ im Auftrag der berufundfamilie gGmbH berät.<br />
„Ich habe meine jugendliche Tochter zum Reisebus<br />
für die Urlaubsfahrt chauffiert“, schloss sich Rüdiger<br />
Behr an.<br />
Bei der anschließenden Bestandsaufnahme und Zukunftsplanung<br />
mit 15 Führungskräften des Instituts<br />
ergaben sich dann aber doch noch einige Ideen zur<br />
möglichen Verbesserung des familiengerechten Arbeitens<br />
am DPZ. Mit Hilfe von Auditorin Eylers will<br />
die Geschäftsführung des DPZ die erfolgreichen<br />
Maßnahmen in diesem Bereich fortsetzen und neue<br />
verfolgen. Dazu wird Geschäftsführer Michael Lankeit<br />
Ende November eine detaillierte Zielvereinbarung<br />
unterschreiben, die anschließend eine Kommission<br />
bei der berufundfamilie gGmbH prüft. Im März<br />
kommenden Jahres soll es bei einem positiven Urteil<br />
dieser Kommission erneut für drei Jahre des Zertifikat<br />
„berufundfamilie“ für das DPZ geben. Damit zeichnet<br />
die vom Bundesfamilien- und Bundeswirtschaftsministerium<br />
unterstützte Gesellschaft vorbildliche Einrichtungen<br />
und Unternehmen aus.<br />
Als maßgebliche Erfolge der vergangenen Zertifizierungsphase<br />
(seit November 2010) benannte Auditorin<br />
Eylers vor allem die guten Vereinbarungen zur<br />
Teilzeitarbeit und flexiblen Arbeitszeiten, die sehr<br />
unkompliziert am DPZ getroffen würden. Auch die<br />
Kinderferienbetreuung und die interne Kommunikation<br />
über die Möglichkeiten familienbewusster<br />
Arbeitsgestaltung am DPZ lobte sie. Aber sie entdeckte<br />
eben auch Verbesserungsmöglichkeiten. „Ist<br />
im Haus eigentlich jedem bekannt, dass der Familienbegriff<br />
des DPZ mehr einschließt, <strong>als</strong> nur Vater,<br />
Mutter und Kind?“,<br />
fragte sie in die Runde.<br />
Auditorin Gabriele Eylers beim Workshop zur Reauditierung des DPZ für „berufundfamilie“.<br />
Foto: Christian Kiel<br />
14 DPZ aktuell, November 2013<br />
Gemeinsam mit den<br />
Mitarbeitern des DPZ<br />
sammelte Eylers 45 Ideen,<br />
darunter so unterschiedliche<br />
Vorschläge<br />
wie einen Workshop für<br />
Führungskräfte des DPZ,<br />
in dem nochmal auf<br />
die Möglichkeiten und<br />
Erfordernisse familiengerechter<br />
Führung aufmerksam<br />
gemacht werden<br />
soll, eine akribische<br />
Recherche der Informationen<br />
und Angebote<br />
zur Pflege in und um<br />
Göttingen, die Fortführung<br />
des Gesundheitstages<br />
oder den Ausbau der<br />
Informationen zu „berufundfamilie“ im Intranet des<br />
DPZ. Geschäftsführer Michael Lankeit beendete den<br />
Workshop mit dem Urteil: „Wir brauchen die gute<br />
Vereinbarkeit von Beruf und Familie am DPZ in Zukunft<br />
sicher noch mehr, um die Konkurrenzfähigkeit<br />
des Institutes zu erhalten.“
Kongresse und Workshops<br />
Young Leaders in Science Reloaded<br />
Erstes „Science Cross Talks Symposium“ in Amsterdam<br />
Vom 17. bis 19. Oktober 2013 fand in Amsterdam das<br />
erste „Science Cross Talks“ Symposium statt. Dieses<br />
Treffen junger Arbeitsgruppen aus verschiedenen<br />
Bereichen der lebenswissenschaftlichen und unterschiedlichen<br />
Forschungseinrichtungen (<strong>Deutsches</strong> <strong>Primatenzentrum</strong>,<br />
Max-Planck-Institut für Kolloid- und<br />
Grenzflächenforschung, Leibniz Institut für Pflanzenbiochemie,<br />
Chemical Genome Center der Max-Planck-<br />
Gesellschaft, Bernhard-Nocht-Institut, Buchmann-<br />
Institut, Leibniz-Institut für Neurobiologie) baut auf<br />
den Vernetzungen junger Arbeitsgruppenleiter nach<br />
der Teilnahme am „Young Leaders in Science“ (YLS)<br />
Programm der Schering Stiftung auf. Ziel der „Science<br />
Cross Talks“ ist es, die guten Kontakte, die sich während<br />
der intensiven YLS-Schulung im Wissenschaftsmanagement<br />
gebildet haben, aufrecht zu erhalten<br />
und darüber hinaus den multidisziplinären wissenschaftlichen<br />
Austausch zwischen den Forschergruppen<br />
zu etablieren.<br />
Mehr <strong>als</strong> dreißig Nachwuchswissenschaftler, vom Doktoranden<br />
über Postdoktoranden und Forschungskoordinatoren<br />
bis zum Arbeitsgruppenleiter, nahmen aktiv<br />
teil und haben ihre aktuellen Arbeiten in Vorträgen und<br />
sogenannten „Short Stories“ – einem neuen, interaktiven<br />
Präsentationsformat – vorgestellt und intensiv diskutiert.<br />
Dank der finanziellen Unterstützung durch die<br />
Schering Stiftung konnten die Kosten für die Teilnahme<br />
auf ein Minimum begrenzt werden. Das überaus positive<br />
Feedback aller Teilnehmer und eine Reihe initiierter<br />
wissenschaftlicher Kooperationen der Arbeitsgruppen<br />
aus den verschiedenen Forschungszentren hinterlässt<br />
eine erfolgversprechende Perspektive für das nächste<br />
„Science Cross Talks Symposium 2014“.<br />
<br />
Jens Gruber<br />
Die Teilnehmer des „Science Cross Talks 2013“ vor dem Konferenzort in Amsterdam. Foto: Christoph Rademacher<br />
DPZ aktuell, November 2013<br />
15
Im Porträt<br />
Lisa is already busy working with her new collegues like Christof Neumann. Photo: Thomas Steuer<br />
The travelling scientist<br />
US-American Lisa Danish found a new scientific home at the DPZ<br />
There is a brand new face in the Junior Research<br />
Group “Sexual Selection” - an open and friendly one.<br />
That face belongs to Lisa Danish (31), who started<br />
her post-doc at the DPZ in October 2013. Lisa recently<br />
completed her PhD in Anthropology at Rutgers<br />
University in New Brunswick and is now part of Antje<br />
Engelhardt’s team.<br />
Hi Lisa, how was your start at the DPZ?<br />
Lisa Danish: It was fine, thank you. Everybody’s nice and<br />
friendly and I think I’m doing well getting into my research<br />
project. It is partially a comparison to data from<br />
my PhD and it’s fun to look at this from a whole new<br />
perspective. My research investigates why in some species<br />
the dominant males are pretty successful in monopolizing<br />
their females, while in others they aren’t.<br />
Why did you want to work at the DPZ?<br />
Lisa Danish: I first visited the institute in 2011 when I<br />
attended the Freilandtage. Back then, I thought it was<br />
a great institute with many interesting people and<br />
projects. I met members of Antje Engelhardt’s group<br />
there and we discovered that we are interested in the<br />
same questions. So, I got in touch with Antje as I was<br />
finishing my dissertation and the idea to start my<br />
post-doc here became manifest. That reminds me - I<br />
need to register for the Freilandtage 2013 (laughs).<br />
You have been awarded a Leibniz DAAD fellowship for<br />
your post-doc project at the DPZ. Did you find it hard<br />
to deal with the famous German bureaucracy?<br />
Lisa Danish: No, not at all. That’s what everybody<br />
keeps saying, but to be honest, I didn’t find the German<br />
paperwork any more complicated than bureaucracy<br />
in other countries. I will actually get even deeper<br />
into paperwork. I have funding for one year so far, but<br />
we wish to apply for a longer period.<br />
What are your hopes and go<strong>als</strong> for your time at the<br />
DPZ?<br />
Lisa Danish: I hope to learn new techniques here and<br />
<strong>als</strong>o to complete my project successfully, of course. I’m<br />
looking forward to some nice results. I’m especially<br />
excited to work with the Endocrinology Laboratory. I<br />
didn’t have a chance to combine my work with endocrine<br />
methods before.<br />
16 DPZ aktuell, November 2013
Im Porträt<br />
You have spent time a lot of time abroad, in Kenya and<br />
Panama for example. Now you’ll be in Göttingen for<br />
at least a year. How do you deal with being separated<br />
from your friends and family back home in the US for<br />
such long periods?<br />
Lisa Danish: By now, I’m used to it and I guess my family<br />
is, too. I just love to travel. And with all the new ways<br />
of communication it’s really easy to stay in touch. I<br />
have even been out in the field, watching anim<strong>als</strong><br />
right in front of me and getting a text message from<br />
a friend in the US. That’s <strong>als</strong>o bizarre in a way, but it<br />
makes it much easier to be away from home than back<br />
in the days when it took three weeks to send a letter.<br />
What do you do after a day in the office? What are<br />
your hobbies?<br />
Lisa Danish: I like photography. One of my brothers is<br />
a professional photographer and I have some fancy<br />
equipment. That <strong>als</strong>o matches really well with fieldwork,<br />
because I’m more of a landscape and animal<br />
photographer than a portrait photographer.<br />
Thank you Lisa!<br />
For her PhD project Lisa Danish studied olive baboons in Kenya.<br />
Photo: Emily Aronoff<br />
Fotoshooting am DPZ<br />
Ende Oktober besuchten die Fotografen<br />
Thomas Steuer und<br />
Thorsten kleine Holthaus für<br />
drei Tage das DPZ, um professionelle<br />
Aufnahmen sämtlicher<br />
Arbeitsbereiche des Zentrums zu<br />
machen. Die drei Arbeitstage der<br />
Fotoprofis waren lang und mit<br />
viel Aufwand für alle Beteiligten<br />
verbunden, aber die Ergebnisse<br />
beweisen, dass sich der Aufwand<br />
gelohnt hat. Viele Kollegen vom<br />
DPZ haben bei der Organisation<br />
und beim „Modell stehen“ ausgezeichnet<br />
mitgearbeitet und<br />
sind mit den immer mal wieder<br />
auftauchenden, spontanen Änderungen<br />
im Plan entspannt und<br />
konstruktiv umgegangen. Wir<br />
bedanken uns sehr für diese tolle<br />
Mitarbeit! In Kürze werden die<br />
entstandenen Fotos mit Motiven<br />
aus Laboren, Büros oder der Tierhaltung<br />
allen im Haus über unsere<br />
Bilddatenbank „Celum“ zur<br />
Verfügung stehen und in Zukunft<br />
die Website, unserer Printprodukte<br />
und sicher auch die eine oder<br />
andere Powerpoint-Präsentation<br />
bebildern.<br />
Fotograf Thomas Steuer (Mitte) und Assistent Thorsten kleine Holthaus (links) lichten<br />
Doktorand Philipp Schwedhelm im Physiologie-Labor der Kognitiven Neurowissenschaften<br />
ab. Foto: Stefan Treue<br />
DPZ aktuell, November 2013<br />
17
DPZ intern<br />
MDgt Rüdiger Eichel neuer<br />
Aufsichtsratsvorsitzender des DPZ<br />
Der neue Aufsichtsratsvorsitzende des Deutschen <strong>Primatenzentrum</strong>s<br />
steht seit dem 13. Oktober fest: Ministerialdirigent<br />
Rüdiger Eichel, Leiter der Abteilung<br />
für Forschung und Innovation des niedersächsischen<br />
Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK), hat<br />
am 23. Oktober bereits <strong>als</strong> neuer Vorsitzender an seiner<br />
ersten Sitzung des Gremiums teilgenommen. Ministerialdirigent<br />
Eichel (41) kennt sich nicht nur in der<br />
Niedersächsischen, sondern auch in der örtlichen Forschungslandschaft<br />
sehr gut aus. „Er ist nicht nur ein<br />
hervorragender Kenner des Göttingen Research Campus,<br />
sondern auch bundesweiter Wissenschaftsgremien“,<br />
beschreibt ihn Stefan Treue, der wissenschaftliche<br />
Direktor des DPZ.<br />
Eichel hat in Göttingen und Philadelphia studiert.<br />
Seit 2001 arbeitet er bereits für das MWK, unterbrochen<br />
von zwei Jahren <strong>als</strong> EU-Referent des Landes Niedersachsen<br />
für Wissenschaft, Bildung und Kultur in<br />
der Landesvertretung in Brüssel. Im November 2007<br />
wurde er Referatsleiter für Forschungspolitik und Forschungsförderung<br />
des MWK, im August 2011 Abteilungsleiter.<br />
Rüdiger Eichel ist verheiratet und hat zwei<br />
Kinder. „Wir wissen, dass wir mit Herrn Eichel einen<br />
sehr kompetenten neuen Aufsichtsratsvorsitzenden<br />
Ministerialdirigent Rüdiger Eichel im niedersächsischen Ministerium<br />
für Wissenschaft und Kultur. Foto: MWK<br />
bekommen haben“, sagt Michael Lankeit, administrativer<br />
Geschäftsführer des DPZ. „Wir hoffen sehr, dass<br />
wir mit ihm ein ähnlich konstruktives Arbeitsverhältnis<br />
wie mit seinem Vorgänger Dr. Axel Kollatschny<br />
aufbauen werden.“<br />
Tonnenschwere Betontreppe<br />
schwebte über die Baustelle<br />
Spezialkran für den Einbau des Fertigteils in das neue<br />
Multifunktionsgebäude nötig<br />
„Ist er das..?“ Getuschel unter den gespannten Zuschauern<br />
Anfang September auf der Terrasse vor<br />
dem DPZ-Haupteingang. „Ich glaub schon, der sieht<br />
auf jeden Fall schon riesig aus.“ Aber nein, das war<br />
er noch nicht, der riesige Kran. Ein kleinerer „Vetter“<br />
rollte zunächst auf die Baustelle – nur dazu, um den<br />
weichen Baustellenboden für den richtig großen<br />
Kran vorzubereiten.<br />
Knapp zwei Stunden später war es dann so weit und<br />
der Spezialkran, der bis zu 200 Tonnen heben kann,<br />
stand sicher auf den ausgelegten Spezialplatten auf<br />
der Baustelle für das Multifunktionsgebäude am Kell-<br />
nerweg. Zwei LKWs waren nötig, um ihn aufzubauen.<br />
Doch das riesige Fahrzeug war nicht mal die eigentliche<br />
Attraktion sondern die 14,5 Tonnen schwere Foyertreppe<br />
für das neue Multifunktionsgebäude, die er<br />
auf die Baustelle heben sollte.<br />
Das Multifunktionsgebäude wird voraussichtlich bis<br />
Ende 2014 fertig sein. Vor allem der gestiegene Platzbedarf<br />
durch die wachsenden Mitarbeiterzahlen am<br />
DPZ und der Wunsch nach einem Hörsaal waren ausschlaggebend<br />
für den Bau.<br />
Die Treppe, die in Zukunft in den ersten Stock des<br />
Multifunktionsgebäudes führen wird, kam bereits<br />
fertig in einem Stück am DPZ an. Gut 25 Meter hob<br />
der Kran die Treppe bei leichtem Nieselregen durch<br />
die Luft an ihren Bestimmungsort. Zuvor konnte ein<br />
kleines Grüppchen interessierter DPZ-Mitarbeiter<br />
jedoch erst einmal bestaunen, wie genau die Treppe<br />
18 DPZ aktuell, November 2013
DPZ intern<br />
Der Spezial-Kran bewegt die Treppe für das neue Multifunktionsgebäude vorsichtig an ihren Platz. Foto: Christian Kiel<br />
trotz ihrer großen Ausmaße in der Kranwinde ausgerichtet<br />
wurde. Immer wieder kraxelte ein Bauarbeiter<br />
mit Wasserwaage ausgerüstet auf die knapp über<br />
dem Boden schwebende Treppe um sicherzustellen,<br />
dass das Betongebilde auch genauso hängt, wie es<br />
nachher vor dem Multifunktionsgebäude stehen soll.<br />
Denn hinterher noch etwas verschieben geht bei solchen<br />
Arbeiten nicht.<br />
„Das ist schon ungewöhnlich,“ sagte der leitende Ingenieur<br />
Ulf Koch über den Baustellenlärm hinweg.<br />
„Aber so sparen wir viel Zeit. Wenn man die Treppe<br />
vor Ort schalt und betoniert, dauerte das gut anderthalb<br />
Wochen. So sind wir in einem Tag fertig.“ Die<br />
„Fertigtreppe“ hat noch weitere Vorteile: Sie ist stabiler<br />
<strong>als</strong> vor Ort zusammengebaute Treppen – und da<br />
der Kran schon einmal da war, konnte er gleich noch<br />
zwei kleinere Treppen an ihre vorgesehenen Plätze<br />
heben.<br />
Nach einem kurzen „Flug“ durch die Luft war die Foyertreppe<br />
dann gegen Mittag an ihrem Platz und sogar<br />
der bis dato graue Himmel klärte sich leicht auf.<br />
„Jetzt bauen wir noch ein Gerüst auf und betonieren<br />
eine Wand,“ so Ulf Koch. „Heute ist einiges los.“<br />
Die Treppe richtig einzupassen ist Millimeterarbeit, denn einmal<br />
abgesetzt, kann sie kaum noch verschoben werden.<br />
Foto: Christian Kiel<br />
DPZ aktuell, November 2013<br />
19
DPZ intern<br />
Botschafterin Margit Hellwig-Bötte vor den Pavian- und Katta-Gehegen am DPZ mit Franz-Josef Kaup (von links), ihrem Ehemann Gerd<br />
Bötte, Geschäftsführer Michael Lankeit und Direktor Stefan Treue. Foto: Christian Kiel<br />
Deutsche Botschafterin in Kenia<br />
besuchte das <strong>Primatenzentrum</strong><br />
Margit Hellwig-Bötte war während ihres Urlaubs in<br />
Göttingen<br />
Menschen wie Margit Hellwig-Bötte kommen mit Sicherheit<br />
zurecht im wuseligen Afrika. Die deutsche<br />
Botschafterin in Kenia besuchte Ende August in ihrem<br />
Heimaturlaub mit ihrem Mann Gerd Bötte das DPZ und<br />
begrüßte die Geschäftsführung und einige Wissenschaftler<br />
des Instituts mit dem lockeren Spruch: „Diplomaten<br />
sind zu nichts zu gebrauchen, aber zu allem<br />
fähig.“ Während ihres Besuchs bewies sie eher ihre Fähigkeiten<br />
und ihr echtes Interesse an den Forschungsthemen<br />
des Instituts. Zunächst stellten Direktor Stefan<br />
Treue und Geschäftsführer Michael Lankeit der Diplomatin<br />
das Institut im allgemeinen vor.<br />
Dann beschrieb Verhaltensforscher Dietmar Zinner aus<br />
der Abteilung Kognitive Ethologie ihr die Arbeit in den<br />
Feldstationen des DPZ, von denen zwei (Senegal, Madagaskar)<br />
in Afrika liegen. Die Botschafterin erkundigte<br />
sich nach der Zusammenarbeit vor Ort und lernte, dass<br />
die Forscher des DPZ immer vertraglich geregelt mit der<br />
wissenschaftlichen Community vor Ort kooperieren und<br />
in der Regel ein großer Arbeitgeber für die Region sind.<br />
Bei der Führung durch die Primatenhaltung, die die<br />
Botschafterin und ihr Mann bekamen, erläuterten<br />
Infektionspathologe Franz-Josef Kaup und Stefan<br />
Treue dann die Bereiche Infektionsforschung und<br />
Neurowissenschaften detaillierter. Margit Hellwig-<br />
Bötte fragte, woher die Tiere des DPZ stammen und<br />
erfuhr, dass das DPZ nicht nur die Tiere für seine Forschungsvorhaben<br />
züchtet, sondern dass die Zucht<br />
ausreicht, um auch die akademische deutsche Wissenschaftscommunity<br />
zu versorgen. Während sie Paviane,<br />
Rhesusaffen und Kattas in ihren Freigehegen<br />
sah, berichteten ihr die Forscher von Projekten zu<br />
HIV, Prionen oder der Hirnforschung und dem strengen<br />
deutschen Tierschutzgesetz, dass die Genehmigung<br />
der Vorhaben regelt.<br />
Nach ihrer umfangreichen Führung nahmen sich die<br />
Besucher anschließend noch Zeit, um sich ein Forschungsprojekt<br />
von Tierarzt Sascha Knauf im Detail<br />
erläutern zu lassen. Am Manyara-See, der in Tansania<br />
nicht weit von der kenianischen Grenze liegt, erforscht<br />
Knauf Erkrankungen bei Pavianen, die durch das Treponema-Bakterium<br />
verursacht werden. Wer sich im<br />
Urlaub wie die Botschafterin noch mehr <strong>als</strong> zwei Stunden<br />
Zeit für so viel neue Informationen über Primatenforschung<br />
nimmt, der ist mit Sicherheit für vieles zu<br />
gebrauchen und auch zu vielem fähig.<br />
20 DPZ aktuell, November 2013
DPZ intern<br />
Überraschungserfolg der Bad Baboons<br />
Welche Mannschaft kennt dieses Problem nicht:<br />
Kurz vor Turnierbeginn wurden die Bad Baboons<br />
von zahlreichen, meist verletzungsbedingten Ausfällen<br />
gebeutelt und mussten daher mit einer stark<br />
dezimierten, aber um so motivierteren Mannschaft<br />
antreten.<br />
Mit einer vor allem in der Defensive äußerst<br />
disziplinierten Leistung konnten die DPZ-Kicker<br />
dann dennoch einen überraschend guten 5. Platz<br />
unter den 21 angetretenen Teams erringen. Damit<br />
erreichten die Bad Baboons das bisher beste<br />
Ergebnis beim traditionellen Göttinger Fußball-<br />
Firmencup. Vielen Dank <strong>als</strong>o an alle Spieler des DPZ<br />
und an die Mitstreiter der befreundeten Institute<br />
(Universität Göttingen, Klinikum, MPI) für ihre unermüdliche<br />
Einsatzfreudigkeit unter schwierigen<br />
Bedingungen.<br />
Fazit: Training lohnt sich <strong>als</strong>o doch – und dazu laden<br />
wir natürlich wieder alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter<br />
ein, die sich auch körperlich fit halten wollen<br />
und Spaß am Kicken haben.<br />
Stehend von links: Hinrich Arnoldt (MPI), Adeelia Goffe (DPZ), Joachim<br />
Blocher (Uni-Klinikum), Nico Westphal (DPZ), Dietmar Zinner<br />
(DPZ ), Tanja Haus (DPZ), Greg Bubnis (MPI); Vorne: Thomas Ziegler<br />
(DPZ), Hasina Josuè Rakotoniaina (DPZ/Uni-Gö). Foto: privat<br />
Trainingszeit der Bad Baboons: Jeden Dienstag ab 18<br />
Uhr (jetzt im Winter wieder in der Soccer Arena, Reinhard-Rube-Straße<br />
27). Aktuelle Informationen unter<br />
Tel.: -129, D. Zinner oder -471, T. Ziegler<br />
<br />
Thomas Ziegler<br />
Tolle Ferien dank Sport und Natur<br />
Die Mitarbeiterkinder, die in diesem Sommer an der<br />
DPZ-Ferienbetreuung teilnahmen, hatten viel Spaß<br />
während des abwechslungsreichen Programmes.<br />
Neben den drei Sportwochen, die in Zusammenarbeit<br />
mit dem Hochschulsport der Universität Göttingen<br />
organisiert wurden, war die „Naturwoche“ eines der<br />
Highlights des Ferienprogramms. Unter dem Motto<br />
„Spannendes Göttingen“ erkundeten die Kinder unter<br />
Anleitung von Ronald Schuecker (freiberuflicher<br />
Biologe) vom Groner Nachbarschaftszentrum aus<br />
Bäche und Wiesen und betätigten sich <strong>als</strong> kleine Naturforscher.<br />
Mit auf dem Programm standen auch der<br />
Besuch des Geoparks mit der geowissenschaftlichen<br />
Sammlung und der Gewächshäuser des Botanischen<br />
Gartens. Am dritten Tag wanderten die Kinder zum<br />
Kehr, Bismarkturm und Kerstingeröder Feld. Dank<br />
des guten Wetters fand der Besuch des Groner Naturfreibades<br />
großen Anklang bei den Kindern.<br />
Die Sportangebote der Universität Göttingen waren in<br />
diesem Jahr Kanu fahren, Badespaß, Bogenschießen,<br />
Klettern, Riesen-Trampolin, Tischtennis, Wave- und<br />
Snakeboard, Slackline, Badminton, sowie Sport- und<br />
Teamspiele. Außerdem gab es die Möglichkeit, das Institut<br />
für Luft- und Raumfahrt zu besuchen.<br />
<br />
Simone Lüert<br />
Die Mitarbeiterkinder hatten viel Spaß bei der Natur- und Sportwoche.<br />
Foto: Ronald Schuecker<br />
DPZ aktuell, November 2013<br />
21
Preise und Auszeichnungen<br />
Julia Fischer hat den Grüter-Preis 2013 erhalten<br />
Der Preis für die Förderung der Wissenschaftsvermittlung ist mit 10.000 Euro dotiert<br />
Verhaltensforscherin Julia Fischer, Leiterin der Abteilung<br />
Kognitive Ethologie am DPZ, hat den Preis der<br />
Grüter-Stiftung zur Förderung der Wissenschaftsvermittlung<br />
2013 erhalten. Sie bekam ihn unter anderem<br />
für ihr populärwissenschaftliches Buch „Affengesellschaft“,<br />
das sie 2012 im Suhrkamp Verlag veröffentlicht<br />
hatte. Am 4. November wurde ihr in München<br />
auf Schloss Nymphenburg der Preis verliehen.<br />
Der jährlich ausgelobte Preis der Grüter-Stiftung zur<br />
Förderung der Wissenschaftsvermittlung geht in diesem<br />
Jahr an Julia Fischer, Leiterin der Abteilung für Kognitive<br />
Ethologie. Der Preis wurde ihr öffentlich am 4.<br />
November im Münchener Museum Mensch und Natur<br />
im Schloss Nymphenburg verliehen.<br />
„Frau Professor Fischer verknüpft hochkarätige wissenschaftliche<br />
Forschung mit dem Bestreben, Wissenschaftsvermittlung<br />
an breite Bevölkerungsschichten<br />
Primatenforscherin Julia Fischer erhält den Grüter-Preis 2013 vom<br />
Stiftungsrats-Vorsitzenden Prof. Dr. Jürke Grau übergeben.<br />
Foto: Werner und Inge Grüter-Stiftung<br />
<strong>als</strong> fundamentale Pflicht aktiver Forschung zu betreiben“,<br />
so begründete die Jury unter der Leitung des Biologen<br />
Professor Dr. Jürke Grau ihre einstimmige Entscheidung.<br />
Den Preis erhielt Julia Fischer für ihre populärwissenschaftlichen<br />
Aktivitäten, insbesondere ihr Buch „Affengesellschaft“<br />
(Suhrkamp Verlag) mit interessanten Einblicken<br />
in ihre Feldforschung sowie einer verständlichen<br />
Beschreibung der Sozi<strong>als</strong>trukturen, des Denkens und der<br />
Kommunikation bei unseren nächsten Verwandten. Evolution<br />
und Ökologie bleiben dabei immer im Blickfeld.<br />
Julia Fischer ist so eine ideale Preisträgerin im Sinne des<br />
Stiftungszwecks und ein Vorbild für jüngere Forscher.<br />
Den Grüter-Preis erhielt Julia Fischer für ihre populärwissenschaftlichen<br />
Aktivitäten, insbesondere ihr Buch „Affengesellschaft“, das<br />
2012 im Suhrkamp Verlag erschienen ist. Bild: Suhrkamp<br />
„Wir freuen uns sehr, dass Frau Fischer den Grüter-<br />
Preis erhält, denn mit ihrem außergewöhnlichen Engagement<br />
in der Wissenschaftsvermittlung ist sie<br />
nicht nur ein Vorbild für alle Wissenschaftler, sondern<br />
auch eine hervorragende Botschafterin der Forschung,<br />
die am Deutschen <strong>Primatenzentrum</strong> gemacht wird“,<br />
kommentierte Stefan Treue, wissenschaftlicher Direktor<br />
des DPZ, die Entscheidung der Jury.<br />
22 DPZ aktuell, November 2013
Drittmittel<br />
Die theoretischen Grundkenntnisse wurden von den Kursteilnehmern unter Anleitung der Tiertrainerin Sabrina Brando in Gruppenarbeit<br />
vertieft. Foto: Robert Teepe<br />
EUPRIM-Net intensiviert die Zusammenarbeit<br />
mit Kenia<br />
Workshop zum Thema Animal Welfare am Institute of Primate Research<br />
in der Hauptstadt Nairobi<br />
Ein leeres Zimmer, keine Möbel, keine Bilder an<br />
den Wänden, kein Radio, keine Ablenkung – jeder<br />
Mensch würde sich in solch einer Umgebung langweilen<br />
oder sogar erkranken. Nicht anders ergeht es<br />
unseren nächsten Verwandten, den nicht-menschlichen<br />
Primaten. In Gefangenschaft gehaltene Affen<br />
benötigen eine abwechslungsreiche Umgebung, die<br />
ihre natürlichen Aktivitäten und Instinkte fördert,<br />
um gesund zu bleiben. Dies ist nicht nur eine wesentliche<br />
ethische Verpflichtung den Tieren gegenüber,<br />
sondern auch eine wichtige Voraussetzung für<br />
die Aussagekraft der in Tierversuchen gewonnenen,<br />
wissenschaftlichen Erkenntnisse.<br />
Um Veterinäre und Tierpfleger des kenianischen Institute<br />
of Primate Research (IPR) in Fragen des „Animal<br />
Welfare“ zu schulen, organisierte das Netzwerk<br />
EUPRIM-Net einen einwöchigen Workshop in Nairobi.<br />
Die Haltungs- und Zuchtbedingungen für zu<br />
Versuchszwecken gehaltene, nicht-menschliche Primaten<br />
zu optimieren, ist ein wesentlicher Schwerpunkt<br />
der Arbeit des Netzwerks europäischer Primatenzentren<br />
EUPRIM-Net, dessen Koordination am<br />
DPZ angesiedelt ist. Ein Aspekt des EU-finanzierten<br />
Infrastrukturprojekts ist, dieses Thema auch über<br />
die Grenzen Europas hinaus in den Mittelpunkt zu<br />
stellen und gemeinsam mit den nicht-europäischen<br />
DPZ aktuell, November 2013<br />
23
Drittmittel<br />
Partnerinstituten, die ebenfalls Forschung an und<br />
mit Affen durchführen, anzugehen. Im Rahmen dieser<br />
Bestrebungen wurde das Institute of Primate<br />
Research (IPR) 2011 ein assoziiertes Mitglied des<br />
Netzwerks.<br />
Schon jetzt ist das einst von dem berühmten<br />
Paläoanthropologen Louis Leakey mitgegründete<br />
Institut in Nairobi das bedeutendste Zentrum<br />
für Primatenforschung auf dem afrikanischen<br />
Kontinent. Das IPR verfolgt ehrgeizige<br />
Auf praktische Trainingseinheiten am Tier legten die beiden Kursleiterinnen Sabrina Brando und Hannah<br />
Buchanan-Smith (links) besonders Wert. Foto: Robert Teepe<br />
Ziele: Seine Vision eines „führenden Zentrums<br />
im Bereich der biomedizinischen Forschung“ erfordert<br />
starke Partner. Die Zusammenarbeit mit<br />
EUPRIM-Net, welches die Kompetenz und Expertise<br />
von zehn bedeutenden europäischen Forschungsinstitutionen,<br />
die mit nicht-menschlichen Primaten<br />
arbeiten, bündelt, unterstreicht die intensiven<br />
Bestrebungen des IPR, dieses Ziel umzusetzen. Das<br />
Institut, zu dessen Kernforschungsgebieten „Animal<br />
Science, Conservation Biology, Reproductive<br />
Health and Tropical and Infectious Diseases“ zählen,<br />
hält etwa 500 Tiere zu Forschungszwecken. Bei den<br />
Haltungsbedingungen strebt das IPR europäischen<br />
Standard an.<br />
Der Frage, wie man durch verbesserte Haltungsbedingungen<br />
und gezieltes Training das Wohl der Tiere gewährleisten<br />
und dadurch die gewonnen Forschungsergebnisse<br />
verlässlicher machen kann, ging der<br />
24 DPZ aktuell, November 2013<br />
EUPRIM-Net Workshop am IPR nach. Geleitet wurde<br />
der Kurs von Prof. Hannah Buchanan-Smith (University<br />
of Stirling, Schottland), Expertin auf diesem Gebiet,<br />
sowie Sabrina Brando (Animal Concepts, Niederlande),<br />
einer erfahrenen Tiertrainerin. Dem eingespielten<br />
Team war vor allem daran gelegen, die Kursteilnehmer<br />
von den Vorteilen verbesserter Haltungsbedingungen<br />
und eines gezielten Trainings der Tiere zu überzeugen.<br />
Die beiden Kursleiter legten Wert auf eine spannende<br />
Mischung aus der Vermittlung theoretischer<br />
Grundkenntnisse und<br />
praktischer Lerneinheiten.<br />
Wichtig war dabei<br />
die Entwicklung eines<br />
Arbeitsprogramms sowie<br />
eines Monitorings,<br />
welches auf lange Sicht<br />
die Bewertung der erzielten<br />
Fortschritte<br />
zur Verbesserung der<br />
Haltungsbedingungen<br />
der Versuchstiere sichert.<br />
Als Vertreter des<br />
EUPRIM-Net Managements<br />
stellte Dr. Robert<br />
Teepe (Leiter der Forschungskoordination<br />
am DPZ) im Laufe der<br />
Kurswoche die Arbeit<br />
des Netzwerks vor und<br />
gab in einer Präsentation<br />
den Wissenschaftlern des IPR Auskunft über<br />
Möglichkeiten der Finanzierung europäisch-kenianischer<br />
Forschungsprojekte, um über die Aktivitäten<br />
mit EUPRIM-Net hinaus die Zusammenarbeit<br />
auszubauen.<br />
Am Ende des Workshops herrschte Aufbruchsstimmung.<br />
Die Kursleitung bekam von den Teilnehmern<br />
ein äußerst positives Feedback für ihre Arbeit. Zum<br />
Abschied nahmen die beiden Trainer den Teilnehmern<br />
des Workshops das Versprechen ab, das Erreichte<br />
fortzuführen und die vereinbarten Ziele umzusetzen.<br />
„Wir werden den Samen, der im Laufe der letzten Woche<br />
gesät wurde, pflegen und gedeihen lassen“ so Dr.<br />
Maina Ngotho, Leiter des Animal Sciences Department<br />
des IPR. EUPRIM-Net wird dieses Vorhaben auch<br />
weiterhin unterstützen.<br />
<br />
Katrin Prinz
Abschlüsse und Publikationen<br />
Abschlüsse<br />
Wir gratulieren unseren Absolventen<br />
zu ihren erfolgreich abgeschlossenen<br />
Arbeiten!<br />
Reproduktionsbiologie<br />
Duboscq J (2013): Social tolerance:<br />
novel insights from wild female<br />
crested macaques (Macaca nigra).<br />
Georg-August-Universität, Göttingen,<br />
Dissertation.<br />
Girard-Buttoz C (2013): Costs of<br />
mate-guarding in wild male longtailed<br />
macaques (Macaca fascicularis).<br />
Georg-August-Universität, Göttingen,<br />
Dissertation.<br />
Kognitive Ethologie<br />
Heinicke S (2013): Assessment of<br />
a semi-automated acoustic monitoring<br />
method and its potential<br />
for primate conservation. Georg-<br />
August-Universität, Göttingen und<br />
Lincoln University, Canterbury (New<br />
Zealand), Masterarbeit.<br />
Muxoll Nielsen L (2013): Validation<br />
of GEA CowView, a real time localisation<br />
system (RTLS) on radar basis,<br />
for indication of imminent calving in<br />
dairy cattle houses in a deep straw<br />
free-stall. Georg-August-Universität,<br />
Göttingen, Masterarbeit.<br />
Price T (2013): Vocal communication<br />
within the genus Chlorocebus:<br />
Insights into mechanisms of<br />
call production and call perception.<br />
Georg-August-Universität, Göttingen,<br />
Dissertation.<br />
Publikationen<br />
Sektion Infektionsforschung<br />
Beck J, Hennecke S, Bornemann-Kolatzki<br />
K, Urnovitz HB, Neumann S,<br />
Ströbel P, Kaup F-J, Brenig B, Schütz<br />
E (2013): Genome abberrations in<br />
canine mammary carcinomas and<br />
their detection in cell-free plasma<br />
DNA. PLoS ONE 8(9): e75485.<br />
Brameier M, Ibing W, Höfer K, Montag<br />
J, Stahl-Hennig C, Motzkus D<br />
(2013): Mapping the small RNA content<br />
of simian immunodeficiency<br />
virions (SIV). PLoS ONE 8 (9): e75063.<br />
Curths C, Wichmann J, Dunker S,<br />
Windt S, Hoymann HG, Lauenstein<br />
HD, Becker T, Kaup F-J, Braun A, Knauf<br />
S (2013): Airway hyperresponsivenes<br />
in lipopolysaccharide-challenged<br />
common marmosets (Callithrix jacchus).<br />
Clin Sci 126: 155-162.<br />
Gruber-Dujardin E, Jurczynski K,<br />
Kaup F-J, Mätz-Rensing K (2013): Oncocytic<br />
Adrenocortical Carcinoma in<br />
a Putty-Nosed Monkey (Cercopithecus<br />
nictitans) with Hyperadrenocorticism.<br />
J Comp Pathol 149: 509-513.<br />
Harper K, Knauf S (2013): Treponema<br />
pallidum infection in primates:<br />
clinical manifestations, epidemiology,<br />
and evolution of a stealthy pathogen.<br />
In: Brinkworth JF, Pechenkina<br />
K (ed.): Primates, Pathogens, and<br />
Evolution: Series: Developments<br />
in Primatology: Progress and Prospects,<br />
Vol. 38, Springer, New York: p.<br />
189-219.<br />
Hoffmann R, Kaup F-J, Bleyer M<br />
(2013): Atypical cilia in the respiratory<br />
tract of common marmosets<br />
(Callithrix jacchus) with and without<br />
concurrent lung disease. Exp<br />
Lung Res 39: 410-414.<br />
Lindemann D, Steffen I, Pöhlmann<br />
S (2013): Cellular entry of retroviruses.<br />
In: Pöhlmann, S, Simmons,<br />
G (ed.): Viral entry into host cells.<br />
Springer series: Advances in Experimental<br />
Medicine and Biology, Vol.<br />
790, New York: p. 128-149.<br />
Knauf S, Liu H, Harper KN (2013):<br />
Treponemal infection in nonhuman<br />
primates as possible reservoir for<br />
human yaws. Emerg Infect Dis 19:<br />
2058-2060.<br />
Sektion Organismische<br />
Primatenbiologie<br />
Barelli C, Matsudaira K, Wolf T, Roos<br />
C, Heistermann M, Hodges K, Ishida<br />
T, Malaivijitnond S, Reichard U<br />
(2013): Extra-pair paternity confirmed<br />
in wild white-handed gibbons.<br />
Am J Primatol (75): 1185–1195.<br />
Brameier M, Ibing W, Höfer K, Montag<br />
J, J, Stahl-Hennig C, Motzkus D<br />
(2013): Mapping the small RNA content<br />
of simian immunodeficiency<br />
virions (SIV). PLoS ONE 8 (9): e75063.<br />
Fürtbauer I, Heistermann M., Schülke<br />
O, Ostner O. (2013): Female fecal<br />
androgens prior to the mating<br />
season reflect readiness to conceive<br />
in reproductively quiescent wild<br />
macaques. Am J Phys Anthropol<br />
(151): 311–315.<br />
DPZ aktuell, November 2013<br />
25
Abschlüsse und Publikationen<br />
Haus T, Roos C, Zinner D (2013):<br />
Discordance between spatial distributions<br />
of Y-chromosomal and<br />
mitochondrial haplotypes in African<br />
green monkeys (Chlorocebus<br />
spp.): A result of introgressive hybridization<br />
or cryptic diversity? Int J<br />
Primatol 34 (5): 986-999.<br />
Huchard E, Pechouskova E (2013):<br />
The Major Histocompatibility<br />
Complex and Primat Behavioral<br />
Ecology: New Tolls and Future<br />
Questions. Int J Primatol: doi<br />
10.1007/s10764-013-9700-1.<br />
Kolleck J, Yang M, Zinner D, Roos C<br />
(2013): Genetic diversity in endangered<br />
Guizhou snub-nosed monkeys<br />
(Rhinopithecus brelichi): Contrasting<br />
results from microsatellite<br />
and mitochondrial DNA data. PLoS<br />
ONE 8 (8): e73647.<br />
Markolf M, Rakotonirina H, Fichtel<br />
C, Grumbkow P von, Brameier M,<br />
Kappeler P M (2013): True lemurs…<br />
true species - species delimitation<br />
using multiple data sources in the<br />
brown lemur complex. BMC Evol<br />
Biol 13 (233).<br />
McFarland R, MacLarnon A, Heistermann<br />
M, Semple S (2013): Physiological<br />
stress hormone levels<br />
and mating behaviour are negatively<br />
correlated in male rhesus<br />
macaques (Macaca mulatta). Anim<br />
Biol (63): 331–341.<br />
Rimbach R, Heymann E, Link A,<br />
Heistermann M (2013): Validation<br />
of an enzymeimmunoassay for assessing<br />
adrenocortical activity and<br />
evaluation of factors that affect<br />
levels of fecal glucocorticoid metabolites<br />
in two New World primates.<br />
Gen Comp Endocrinol (191):<br />
13–23.<br />
Roos C, Boonratana R, Supriatna J,<br />
Fellowes J R, Rylands A B, Mittermeier<br />
R A (2013): An updated taxonomy<br />
of primates in Vietnam,<br />
Laos, Cambodia and China. Vietn J<br />
Primatol 2 (2): 13–26.<br />
Salmi R, Hammerschmidt K, Doran-Sheehy<br />
DM (2013): Western<br />
Gorilla Vocal Repertoire and Contextual<br />
Use of Vocalizations. Ethology<br />
119 (10): 831–847.<br />
Schaumburg F, Mugisha L, Kappeler<br />
P M, Fichtel C, Köck R, Köndgen<br />
S, Becker K, Boesch C, Peters G,<br />
Leendertz F H (2013): Evaluation of<br />
Non-Invasive Biological Samples<br />
to Monitor Staphylococcus aureus<br />
Coluniazation in Great Apes and<br />
Lemurs. PLoS ONE 8 (10): e78046.<br />
Scheiner E, Fischer J (2013): Gefühlsausdruck<br />
- Das evolutionäre<br />
Erbe in der menschlichen Stimme.<br />
In: Fink H, Rosenzwei R (Hg.): Das<br />
Tier im Menschen. Triebe, Reize,<br />
Reaktionen. Münster, mentis Verlag:<br />
p. 67–92.<br />
Schmitt V, Kröger I, Zinner D, Call<br />
J, Fischer J (2013): Monkeys perform<br />
as well as apes and humans<br />
in a size discrimination task. Anim<br />
Cogn 16 (5): 829–838.<br />
Scheiber IBR, Weiß BM, Hemetsberger<br />
J, Kotrschal K (eds.): The Social<br />
Life of Greylag Geese. Patterns,<br />
Mechanisms and Evolutionary<br />
Functions in an Avian Model System.<br />
Cambridge, Cambridge University<br />
Press: 172–188.<br />
West KA, Heymann EW, Mueller<br />
B, Gillespie TR (2013): Patterns of<br />
Infection with Cryptosporidium sp.<br />
and Giardia sp. in Three Species of<br />
Free-Ranging Primates in the Peruvian<br />
Amazon. Int J Primatol 34 (5):<br />
939–945.<br />
Wheeler B, Tiddi B, Kalbitzer U,<br />
Visalberghi E, Heistermann M<br />
(2013): Methodological considertaions<br />
in the analysis of fecal glucocorticoid<br />
metabolites in tufted<br />
capuchin monkeys (Cebus apella).<br />
Int J Primatol (34): 879–898.<br />
Sektion Neurowissenschaften<br />
Ambeskovic M, Fuchs E, Beaumier P,<br />
Gerken M, Metz G A (2013): Hair trace<br />
elementary profiles in aging rodents<br />
and primates: links to altered<br />
cell homeodynamics and disease.<br />
Biogerontology 14 (5): 557–567.<br />
Falkner A, Goldberg M, Krishna B<br />
(2013): Spatial representation and<br />
cognitive modulation of response<br />
variability in the LIP priority map.<br />
J Neurosci Meth 33 (41): 16117–<br />
16130.<br />
Neumann C, Agil M, Widdig A, Engelhardt<br />
A (2013): Personality of<br />
wild male crested macaques (Macaca<br />
nigra). PLoS ONE: e69383.<br />
Tallet C, Linhart P, Policht R, Hammerschmidt<br />
K, Šimeček P, Kratinova<br />
P, Špinka M (2013): Encoding of<br />
Situations in the Vocal Repertoire<br />
of Piglets (Sus scrofa): A Comparison<br />
of Discrete and Graded Classifications.<br />
PLoS ONE 8 (8): e71841.<br />
Weiß BM, Schloegl C, Scheiber IBR<br />
(2013): How to tell friend from foe:<br />
cognition in a complex society. In:<br />
Kagan I, Hafed ZM (2013): Active<br />
Vision: Microsaccades direct the<br />
eye to where it matters most. Curr<br />
Biol 23 (17): R712-R714.<br />
Wilke M, Kagan I, Andersen RA<br />
(2013): Effects of pulvinar inactivation<br />
on spatial decision making<br />
between equal and asymmetric<br />
reward options. J Cognitive Neurosci<br />
25 (8): 1270–1283.<br />
26 DPZ aktuell, November 2013
Aus der Leibniz-Gemeinschaft<br />
Wie an vielen Leibniz-Instituten werden die Themen Gleichstellung und Familienförderung auch am DPZ groß geschrieben. Im Bild zu<br />
sehen sind einige der Kommunikationsmittel zu den Themen. Foto: Astrid Slizewski<br />
Chancengleich und familienfreundlich<br />
Fast zwei Drittel aller Leibniz-Institute sind inzwischen<br />
für ihre familienfreundlichen Arbeitsbedingungen<br />
zertifiziert. Bei der jüngsten Verleihung des Prädikats<br />
„Total-E-Quality“ erhielten fünf Leibniz-Institute die<br />
Auszeichnung zum ersten Mal, zwölf wurden erneut<br />
zertifiziert. Damit tragen insgesamt 25 Leibniz-Institute<br />
dieses Prädikat. Mit der Technischen Informationsbibliothek<br />
in Hannover erhielt ein Institut die Auszeichnung<br />
bereits zum vierten Mal in Folge.<br />
Beim zweiten gemeinhin anerkannten Zertifikat für<br />
Familienfreundlichkeit, dem Audit „berufundfamilie“,<br />
finden sich 29 Leibniz-Institute unter den Ausgezeichneten,<br />
so dass nunmehr 54 der 86 Leibniz-<br />
Einrichtungen formell zertifiziert sind. Auch das DPZ<br />
ist zertifiziert<br />
„Besonders in der Wissenschaft mit ihren sehr spezifischen<br />
und oft schwer planbaren Arbeitszeiten ist<br />
ein familienfreundliches Umfeld wichtig, um Beruf<br />
und Familie vereinbaren zu können“, betont Leibniz-<br />
Präsident Karl Ulrich Mayer. „Nur so können wir junge<br />
Frauen und Männer in einer besonders kreativen und<br />
wichtigen Phase ihrer wissenschaftlichen Karriere,<br />
die aber oft mit dem Lebensabschnitt der Familiengründung<br />
zusammenfällt, in der Forschung halten“,<br />
so Mayer.<br />
Die Chancengleichheit von Frauen und Männern in<br />
der Wissenschaft, die nur mit familienfreundlichen<br />
Rahmenbedingungen gewährleistet werden kann,<br />
ist ein zentrales Anliegen der Leibniz-Gemeinschaft,<br />
das sie seit 2008 in ihrer Satzung verankert<br />
hat. Mit verschiedenen Instrumenten unterstützt<br />
die Leibniz-Gemeinschaft die Institute bei ihren<br />
Bemühungen um die Verwirklichung dieses Ziels.<br />
Einen besonderen Stellenwert haben Maßnahmen<br />
zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie<br />
im Rahmen der „Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards“<br />
der Deutschen Forschungsgemeinschaft<br />
(DFG), die die Leibniz-Gemeinschaft<br />
2008 <strong>als</strong> erste nicht-universitäre Wissenschaftsorganisation<br />
beschlossen hat. In den Instituten der<br />
Leibniz-Gemeinschaft wird kontinuierlich an bestmöglichen<br />
Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit<br />
von Beruf und Familie gearbeitet. Gemäß einem<br />
Beschluss der Mitgliederversammlung sind die Institute<br />
zudem aufgefordert, ihre Bemühungen um<br />
die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zertifizieren<br />
zu lassen. Der Erfolg bei der diesjährigen Verleihung<br />
des Total-E-Quality-Zertifikats bestätigt diese<br />
Strategie der Leibniz- Gemeinschaft nachdrücklich.<br />
DPZ aktuell, November 2013<br />
27
Aus der Leibniz-Gemeinschaft<br />
Neuer Leibniz-Forschungsverbund „Medizintechnik:<br />
Diagnose, Monitoring und<br />
Therapie“<br />
Leibniz-Forschungsverbünde sind angelegt <strong>als</strong> fächergruppenübergreifende<br />
und für weitere Kooperationspartner<br />
offene, auf ein aktuelles Wissenschaftsproblem<br />
ausgerichtete, zeitlich befristete<br />
Zusammenschlüsse von Instituten.<br />
Eine hochwertige und bezahlbare medizinische Versorgung<br />
ist, auch vor dem Hintergrund einer alternden<br />
Bevölkerung, eine wichtige Herausforderung für<br />
unsere Gesellschaft und steht im Fokus des Leibniz-<br />
Forschungsverbunds „Medizintechnik: Diagnose, Monitoring<br />
und Therapie“.<br />
Innovative und schonende Verfahren sollen dabei<br />
helfen, Krankheiten frühzeitig zu erkennen, die Wirkung<br />
von Therapien genauer zu kontrollieren und<br />
besser an den einzelnen Patienten anzupassen. So<br />
können Belastungen für Erkrankte vermieden und<br />
Behandlungen verbessert werden. Methoden der<br />
Telemedizin spielen hier ebenso eine Rolle wie die<br />
Entwicklung von mobil einsetzbaren Schnelltests<br />
oder verbesserten bildgebenden Untersuchungsmethoden.<br />
Dabei arbeiten Mediziner, Naturwissenschaftler<br />
und Ingenieure intensiv zusammen, um<br />
sicherzustellen, dass die technische Lösung dem<br />
medizinischen Problem gerecht wird. Gesellschaftswissenschaftler<br />
erforschen Fragen der Marktfähigkeit<br />
und der gesellschaftlichen Akzeptanz der entwickelten<br />
Produkte.<br />
Buchtipp<br />
Thirteen Gold Monkeys<br />
Tatsächlich waren es 149 und<br />
nicht nur 13 goldene Löwenaffen,<br />
die zwischen 1983 und<br />
2005 im atlantischen Küstenregenwald<br />
Brasiliens ausgewildert<br />
wurden. Die Tiere stammten aus<br />
dem Erhaltungszuchtprogramm<br />
der nordamerikanischen zoologischen<br />
Gärten und sollten die<br />
stark bedrohte Population der<br />
Art in ihrem natürlichen Lebensraum<br />
vergrößern. Benjamin Beck,<br />
einer der Koordinatoren des Auswilderungsprogramms,<br />
erzählt<br />
in seinem Buch „Thirteen Gold<br />
Monkeys“ von den ersten Jahren<br />
dieses Projekts. Beck wählte<br />
für sein Buch die Romanform,<br />
die ihm erlaubte, etwas lockerer<br />
mit den wissenschaftlichen Fakten<br />
und Protagonisten umzugehen,<br />
und ihm darüber hinaus die<br />
Möglichkeit eröffnete aus der<br />
der fiktiven Perspektive der Löwenaffen<br />
selbst zu erzählen. Das<br />
Ergebnis ist sicherlich kein Meilenstein<br />
der Literaturgeschichte,<br />
aber es ist ein nett zu lesendes,<br />
kurzweiliges kleines Buch über<br />
all die Fehlschläge, glücklichen<br />
Fügungen, Dramen, Querelen<br />
und Glücksmomente, die ein solches<br />
Projekt mit sich bringt. Nostalgiker<br />
werden an eine Zeit erinnert,<br />
<strong>als</strong> es noch kein GPS, kein<br />
Mobiltelefon und keine E-mails<br />
gab. Dam<strong>als</strong> konnte man durchaus<br />
nur 100 Kilometer von Rio de<br />
Janeiro entfernt im Urwald schon<br />
„verloren“ sein. Die Population<br />
der goldenen Löwenaffen, die<br />
Anfang der 80er Jahre nur noch<br />
ca. 200 Individuen umfasste, ist<br />
mittlerweile auf ungefähr 1700<br />
Tiere angestiegen, von denen<br />
etwa ein Drittel Nachfahren der<br />
ausgewilderten Zootiere sind.<br />
Weitere Informationen über das<br />
Projekt und die heutige Situation<br />
der goldenen Löwenaffen findet<br />
man unter http://www.savetheliontamarin.org/.<br />
<br />
Stefanie Heiduck<br />
Benjamin Beck: Thirteen Gold<br />
Monkeys. Outskirtspress, 2013.<br />
ISBN 978-1-4787-0972-5. (Sprache:<br />
Englisch)<br />
© Outskirtspress<br />
28<br />
DPZ aktuell, August 2013
Impressum<br />
„DPZ aktuell“ wird herausgegeben von der <strong>Deutsches</strong> <strong>Primatenzentrum</strong><br />
GmbH – Leibniz-Institut für Primatenforschung.<br />
Stabsstelle Kommunikation<br />
Kellnerweg 4<br />
37077 Göttingen<br />
Telefon: 0551 3851-424<br />
E-Mail: presse@dpz.eu<br />
www.dpz.eu<br />
Redaktion: Christian Kiel (ViSdP), Astrid Slizewski, Karin Tilch<br />
An dieser Ausgabe haben mitgewirkt: Dr. Jens Gruber, Dr. Stefanie Heiduck,<br />
Dr. Gerrit Hennecke, Prof. Dr. Peter Kappeler, Simone Lürt, Dr. Katrin<br />
Prinz, Dr. Thomas Ziegler<br />
DPZ aktuell erscheint vier Mal im Jahr und kann kostenfrei abonniert<br />
werden. Bitte senden Sie dazu eine E-Mail mit Ihrer Postadresse<br />
an presse@dpz.eu. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet.<br />
Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 1. August 2013.<br />
Gestaltung: Heike Klensang<br />
Druck: Goltze Druck<br />
Auflage: 600 Stück<br />
Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit verwenden wir in unseren<br />
Texten oft nur die männliche Form, meinen jedoch ausdrücklich<br />
beide Geschlechter.
Termine<br />
28. bis 29. November<br />
13th Symposium “European Primate Veterinarians”<br />
2. bis 3. Dezember 2013<br />
First European Student Conference on Behaviour and<br />
Cognition<br />
3. bis 6. Dezember 2013<br />
Konferenz „IX. Göttinger Freilandtage“ der Abteilung<br />
Verhaltensökologie und Soziobiologie<br />
11. Dezember 2013<br />
Vortragsreihe Aging and Neurodegeneration<br />
Prof. Stefan Everling: „Monkey in the middle:<br />
resting-state fMRI in nonhuman primates“<br />
12. Dezember 2013<br />
DPZ Kolloquium: Dr. Yutaka Komura: „Sense of certainty<br />
emerges in the thalamus“<br />
19. Dezember 2013<br />
DPZ-Weihnachtsfeier<br />
9. Januar 2014<br />
DPZ Kolloquium: Prof. R.A. Barton: „Rethinking the<br />
brain: an evolutionary approach“<br />
30. Januar 2014<br />
Vortragsreihe Aging and Neurodegeneration<br />
Prof. Gerlinde Metz: „Stress Programming: How Experience<br />
Influences Brain Function and Healthy Aging“<br />
1. Februar<br />
Redaktionsschluss für die neue DPZ aktuell<br />
27. Februar 2014<br />
Vortragsreihe Aging and Neurodegeneration<br />
Dr. Ricki Colman: „Caloric Restriction and Aging in<br />
Rhesus Monkeys“<br />
Mehr Informationen zu unseren Veranstaltungen<br />
finden Sie unter: www.dpz.eu<br />
<strong>Deutsches</strong> <strong>Primatenzentrum</strong> GmbH<br />
Leibniz-Institut für Primatenforschung<br />
Kellnerweg 4 37077 Göttingen<br />
Tel: +49 551 3851-0<br />
E-Mail: info@dpz.eu<br />
www.dpz.eu