dimension 2/13 - Holcim Schweiz

holcim.ch

dimension 2/13 - Holcim Schweiz

Strength. Performance. Passion.

dimension

Bauen mit Beton – vielseitig und individuell | Dezember 2013, Nr. 28

Vor Ort dabei

Beton für die Grossbaustelle

KVA Perlen, Seite 14


EDITORIAL

Innovativ

vorangehen

Zugegeben, es wird manchmal gar viel von Innovation

gesprochen, denn «innovativ» wären wir ja alle gerne.

Doch wenn man es tatsächlich ist, darf man sehr wohl

ein paar Worte darüber verlieren.

So lassen sich einmal mehr Innovationen am Baustoff

Beton zeigen, und zwar im Grossen wie im Kleinen. Für

den Bau der neuen Zentralschweizer Kehrichtanlage, die

dem angelieferten Müll die Energie in Form von Wärme

und Strom entzieht, liefern wir sämtlichen Beton. Unsere

Anlage produziert dafür vor Ort sieben verschiedene Betonsorten,

die alle unsere neuen, umweltschonenden Zemente

Optimo 4 oder Robusto 4R-S enthalten. Die in die

Forschung und Entwicklung dieser Bindemittel gesteckte

Arbeit macht uns zum idealen Partner bei innovativen

Vorhaben wie diesem Abfallkraftwerk.

Laufend investieren wir auch in die Verbesserung unserer

Produktionsprozesse. Neustes Beispiel ist die Abwärme -

rückgewinnungsanlage im Zementwerk Untervaz, mit

der wir innerhalb des Holcim Konzerns weltweit eine Pionierleistung

erbringen. Innovation hat jedoch nicht ausschliesslich

mit energetischen oder ökologischen Fragen

zu tun. Auch neue Möglichkeiten im Betonbau, die sich

erst mit weiterentwickelten Materialien eröffnen, gehören

dazu. Unser diesbezügliches Bravourstück stellen

dabei sicher die Bushaltestellen aus Ultrahochleistungs-

Faserbeton in Genf dar. Es lassen sich aus Beton aber

auch hauchdünne Fassadenplatten herstellen oder Brücken

in einem Arbeitsgang dichten und verstärken. Die

Kurzberichte in der Rubrik «Aktuell» informieren Sie über

diese Anwendungen.

Dass wir indes nicht die Einzigen sind, die innovativ vorangehen

und ein grosses Gewicht auf die Entwicklung

unserer Produkte legen, erfahren Sie im Interview.

Von den vielen spannenden Beispielen aus der Welt des

Betonbaus, die wir Ihnen hier einmal mehr präsentieren,

möchte ich die neue Elefantenanlage im Zoo Zürich besonders

erwähnen. Deren spektakuläres Dach trägt eine

raffinierte Struktur aus Beton, die man allerdings kaum

sehen wird. Sehen werden Sie dafür die Felsen aus «Nagelfluh».

Doch woraus diese wirklich be stehen, haben Sie

wahrscheinlich schon erraten. Ich wünsche Ihnen eine

anregende und vergnügliche Lektüre.

Strength. Performance. Passion.

Kaspar E.A. Wenger

CEO Holcim (Schweiz) AG

Area Manager Central Europe

Impressum

Herausgeber:

Holcim (Schweiz) AG

Redaktion:

Thomas Batlogg, Sébastien

Follonier, Materne Guth,

Simona Kunz, Ingeborg

Spillmann, Matthias

Wieser, Martin Grether

Satz und Gestaltung:

Techkomm, Zürich

Druck:

Multicolor Print AG, Baar

Fotos: Wenn nichts anderes

vermerkt:

Holcim (Schweiz) AG

Titelbild

Baustelle der KVA Perlen

mit Ortbetonanlage

(Bild: Renergia)

2 dimension 28, Dezember 2013


INHALT

6 In Zürich bekommen die Elefanten ein

neues Zuhause.

12 In Genf laden Elektrobusse ihre Batterie

an Haltestellen auf (© TP Graindorge).

20 In Siders wird das Bad am Gerundensee

komplett erneuert (© Emery-Epiney SA).

Aktuell

4 Eierschale aus Beton

Innovation in Vorarlberg

Neu: UHFB auf Holz

Brückeninstandsetzung mit UHFB

5 Individuelle Schacht -

unterteile

Objektspezifische Vorfertigung

Dünne Betonelemente

mit textiler Bewehrung

Fassadenplatten aus Textilbeton

Beton nach SN EN 206-1

Neu Broschüre

Praxis

6 Wo Dickhäuter baden

gehen

Neuer Elefantenpark im Zürcher Zoo

12 Haltestelle als Auflade -

station

Innovative Materialisierung unterstreicht

Genfer Weltneuheit

14 Energie aus Abfall

Neue Zentralschweizer Kehricht -

verbrennungsanlage

18 Mit vollem Einsatz

Ästhetisch anspruchsvolles Einfamilienhaus

in Arlesheim

20 Sichtbeton für ein Seebad

Umbau des Bads am Gerundensee in Siders

Dialog

10 Unverwüstlich innovativ

Interview mit Hilti-Konzernleitungsmitglied

Dr. Stefan Nöken

Intern

17 Umweltprojekt in

Untervaz

Innovation ermöglicht Wärmerück -

gewinnung

22 Kleinod der Muse

Neues Kultur- und Kongresszentrum

«Montforthaus» in Feldkirch

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AKTUELL

Innovation in Vorarlberg

Eierschale aus Beton

Eine engagierte Gruppe «Werkraum Bregenzerwald»

möchte die Zukunft des Bregenzerwälder

Handwerks und Gewerbes

miteinander gestalten (vgl. «dimension» 26

vom Dezember 2012). Seit 1991 prägt dabei

der Wettbewerb Handwerk + Form das

regionale Kulturgeschehen im Dreijahresrhythmus.

Die Plattform sieht sich als

Impulsgeber für Innovationen, neue Technologien,

die Stärkung von Kooperationen

sowie für die Verbindung von Handwerk,

Architektur und Design. Dass der Wettbewerb

durchaus von Bedeutung ist, unterstreicht

die Preissumme von immerhin

15 000 Euro, die die Bregenzerwälder Raiffeisenbanken

stiften.

Die Firma Oberhauser & Schedler aus

Andelsbuch, ein regionaler Betonverarbeiter,

fiel als Wettbewerbsteilnehmer mit

einem riesigen Betonei auf. Eine pneumatische

Schalung wurde dazu bis zur ge -

wünschten Grösse aufgeblasen. Darüber

kam ein Hochleistungsspritzbeton und eine

textile bzw. eine Karbonbewehrung. Das

Exponat hat eine imposante Höhe von

5,75 Metern und einen Durchmesser von

4,5 Metern an der dicksten Stelle. Durch

eine seitliche Öffnung wird das riesige

Betonei begehbar und über eine weitere

Öffnung fällt Licht von oben hinein. Die

Wände des eiförmigen Gehäuses sind

extrem dünn und hart. Nur im Bereich des

Einstiegs und des Bodens beträgt ihre Stärke

mehr als 5 Zentimeter.

Brückeninstandsetzung mit UHFB

Neu: UHFB auf Holz

Eine einfache, befestigte Strasse erschliesst

die Maiensässen oberhalb von Klosters-Serneus.

Diese überquert dabei das Dros tobel

auf einer Holzbrücke, deren Abdichtung

schadhaft geworden war. Um die hölzerne

Tragkonstruktion vor der drohenden Vernässung

und Schädigung zu schützen,

musste die Abdichtung erneuert werden.

Dazu wurden in einem ersten Schritt der

Asphaltbelag der Fahrbahn und die Abdichtung

entfernt. Statt nun den Aufbau in der

alten Bauweise einfach zu erneuern, wurde

eine nur 80 mm starke Schicht aus Ultra -

hochleis tungs-Faserbeton (UHFB) mit 3%

Gefälle aufgebracht, der die Funk tion von

Abdichtung und Belag übernimmt. Mit dieser

Lösung liess sich nicht nur alles in einem

Arbeitsgang erledigen, sondern es konnte

auch das Eigengewicht der Brücke reduziert

und ihre Dauerhaftigkeit erhöht werden.

Zur Verbesserung der Griffigkeit wurde

nach dem Abziehen mit der Rüttelbohle

Splitt in den noch frischen UHFB eingestreut.

Bei der Instandsetzung der Drostobelbrücke

handelt es sich um den erstmaligen Einsatz

von UHFB auf einem Tragwerk aus Holz. Der

noch neue Baustoff wird sich aufgrund seiner

hohen Festigkeiten und Dichtigkeit be -

stimmt bald weitere Anwendungsgebiete

erschliessen.

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AKTUELL

Objektspezifische Vorfertigung

Individuelle

Schacht -

unterteile

Fassadenplatten aus Textilbeton

Dünne Betonelemente mit

textiler Bewehrung

Die Alphabeton AG hat den Büroneubau

ihres Fertigteilwerks mit einer hinterlüfteten

Fassade verkleidet, deren Platten aus

nur gerade 26 mm starkem Textilbeton

bestehen. Mit Textilbeton lassen sich so

dünne Bauteile herstellen, weil die Bewehrung

aus textilen Fasern – anders als eine

herkömmliche aus Stahl – nicht korrodieren

kann. Dies erlaubt es, die Betondeckung

massiv zu reduzieren und somit leichte und

materialsparende Elemente zu fertigen.

Besonders ist bei diesen Fassadenplatten

zudem, dass die Bewehrung nicht wie bei

bisherigen Textilbetonelementen aus zwei

einzelnen Lagen besteht, sondern aus einer

3D-Gitterstruktur. Die beiden drucksteif

miteinander verbundenen Textillagen, die

in einem Arbeitsgang in die Schalung eingelegt

werden, erlauben eine präzise Positionierung.

Dies ist bei der Herstellung dünner

Bauteile von zentraler Bedeutung. Der

Beton muss allerdings ein kleines Grösst -

korn aufweisen und selbstverdichtend sein,

um die engmaschige Bewehrung passieren

zu können, damit die gewünschte Qualität

erreicht wird.

Schachtbauwerke müssen zum Teil Zuläufe

mit einem extremen Gefälle von bis zu 40%

aufnehmen oder in ebenen Gebieten mit

flachen Verhältnissen zurande kommen.

Stets aber wird eine hohe Präzision bei der

Abwinkelung der Anschlüsse und dem

Gefälle im Gerinne und im Rohranschluss

gefordert. Um sowohl diesen Anforderungen

als auch den gewünschten kurzen Lieferzeiten

zu entsprechen, setzt das Dornbirner

Betonwerk Rhomberg ein besonderes

Fertigungsverfahren für die Schachtunterteile

ein. Dabei werden die einzelnen Gerinne

objektspezifisch aus expandiertem Polystyrol-Hartschaum

hergestellt und als verlorene

Schalung eingelegt. Danach wird das

Schachtunterteil mit selbstverdichtendem

Beton der Klasse C45/55 vergossen. Die

hohe Betonqualität ergibt eine makellose

und reibungsarme Oberfläche und erlaubt

es zudem, den Schacht schon am Folgetag

auszuliefern. Hergestellt werden Schachtunterteile

mit Nenndurchmessern von 625,

800, 1000, 1200 und 1500 mm mit allen

handelsüblichen Rohranschlüssen.

Neue Broschüre

Beton nach SN EN 206-1

Die neu aufgelegte Broschüre enthält die

wichtigsten Angaben zur SN EN 206-1 in -

klusive der Nationalen Elemente für Beton

nach Eigenschaften. Grundlegende Anforderungen

sind farblich hervorgehoben, die

Broschüre enthält aber auch zusätzliche An -

gaben zu Zusatzmitteln und Zusatzstoffen

sowie eine Liste der üblichen Betonsorten.

Die Broschüre kann in gedruckter Form

unter marketing-ch@holcim.com bestellt

oder von unserer Website heruntergeladen

werden.

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5


PRAXIS

Im Zentrum des neuen Elefantenparks Kaeng Krachan steht das Elefantenhaus

mit seiner auffälligen freigeformten Dachschale

Neuer Elefantenpark im Zürcher Zoo

Wo Dickhäuter bade

Und wieder lässt der Zoo Zürich ein kleines subtropisches Paradies entstehen. Mit dem

neuen Elefantenpark Kaeng Krachan, der im Frühjahr 2014 eröffnet wird, schreibt der

Zoo zehn Jahre nach dem Bau des Masoala-Regenwaldes die Geschichte spektakulärer

Bauten fort.

Seit rund zwanzig Jahren geht der Zoo bei seinen Anlagen

neue Wege. Die Zeiten, in denen man zuerst die Gehege

definierte und die Besucher dann noch irgendwie rundherum

anordnete, sind vorbei. Sie fungieren nicht mehr

länger nur als zahlende Zaungäste, heute werden sie in

den Lebensraum der Tiere mitgenommen. Am eindrücklichsten

zeigt sich dieses Konzept bislang beim Masoala-

Regenwald, einem Stück tropischen Waldes in der hiesigen

Voralpenlandschaft. Ähnliches plant der Zoo beim neuen

asiatischen Elefantenpark. Die Elefanten als die beliebtes -

ten Tiere sind das Herzstück eines jeden Zoos. «Das neue

Gehege muss ein Highlight sein», sagt Andreas Hohl, stellvertretender

Direktor und Leiter Entwicklung & Logistik

Zoo, «sechzig Teams bewarben sich bei dem Wettbewerb,

doch nur zehn Teams haben es geschafft, die Vorgaben des

Raum programms zu erfüllen.» Sich auf den ersten Blick

widersprechende Interessen, wie maximale Flexibilität für

die Tiere und beim Umgang mit ihnen, ein Mehr an Besuchererlebnis

sowie ein Managementtrakt mit Raum für

die technischen Anlagen, mussten unter einen Hut. Heraus

kamen eine 5400 Quadratmeter grosse Innenanlage

sowie eine Aussenanlage in derselben Grösse mit mehre-

6 dimension 28, Dezember 2013


PRAXIS

n gehen

ren Badepools für die Elefanten und einer zweigeschossigen

Lodge im thailändischen Stil für die Besucher. Letztlich

geht es dem Zoo Zürich neben einem nachhaltigen Erlebnis

auch darum, die Besucher für den Naturschutz zu sensibilisieren.

Mit dem Bau des Masoala-Regenwaldes ist die

Zahl der Touristen, die nach Madagaskar reisen, stark

gestiegen.

Kunstvolle Felsen

Mit einer Reise nach Thailand begann auch für den Landschaftsarchitekten

das neue Projekt. Fotos und Skizzen der

Vegetation und von Felspartien flossen in das vier Meter

grosse Modell ein. Einerseits sollen sich die Besucher nicht

gegenseitig sehen und andererseits sollen die Tiere ihr

natürliches Verhalten ausleben können.

Zu Recht stolz sind die Bauherren auf die Kunstfelsen, die

international betrachtet zu den handwerklich besten,

naturnahen Bauten zählen. Rund 2000 Kubikmeter Beton

bilden die Felswand. Sie begrenzt das Gehege zum Hang

hin und erinnert auf den ersten Blick an Nagelfluh. Diese

spezielle Optik erhält der Felsen in mühevoller Kleinarbeit.

Etappenweise werden 12 bis 18 Kubikmeter Beton mit

dimension 28, Dezember 2013

7


PRAXIS

Aufwendige Handarbeit verleiht den Kunstfelsen im Elefantenpark ihre lebendige Optik

Das Dach wurde in drei Lagen zusammengefügt. Die unters

der zweiten und dritten Lage waren die Oberlichter bereits

einer Korngrösse bis 45 mm in die Schalung eingebracht.

Nach gut zwei Stunden hat der Beton leicht angezogen,

sodass man ihn ausschalen kann. Für die Handwerker bleiben

ab diesem Augenblick nicht mehr als zwei Stunden

Zeit, die Betonhaut abzuschlagen, um die Gesteinskörner

freizulegen.

Das Verfahren wurde über mehrere Jahre entwickelt, und

die Rezeptur ist ein wohlgehütetes Geheimnis des Unternehmers.

Um die richtige Struktur und Patina kümmern

sich Bühnenbildner aus Berlin und eine Künstlerin aus

dem Aargau. Die fertige Felswand wirkt durch Farben,

Konturen und «Abrisse» erstaunlich echt und lebendig.

Und doch geht bei aller Kunst niemals vergessen, dass die

Anlage strenge statische Auflagen erfüllen muss: Elefantenbullen

entwickeln Druckkräfte von bis zu 15 Tonnen

und können mit dem Rüssel 5 Tonnen ziehen.

Nichts ist normal an dem Dach

Besonders augenfällig ist indes das Dach der Anlage. Es

wirkt trotz seines Gewichts von rund 1200 Tonnen, sprich

Baustellen-Besichtigungen

Unter www.zoo.ch bietet der Zoo Zürich

Baustellenführungen an. Sie ermöglichen

exklusive und einmalige Einblicke in später

für die Besucher nicht mehr einsehbare Teile

der Anlage. Treffpunkt vor dem Zoo-Haupteingang.

185 Elefantenbullen, sehr filigran. Es bedeckt die Innengehege,

die Stallungen und die Besucherlodge. Das 6800 Qua -

dratmeter grosse Dach mit einem Durchmesser von 80 Me -

tern wurde als flache, freigeformte Holzschale konzipiert

und ruht auf einem umlaufenden Ringbalken aus vorgespanntem

Stahlbeton, der sich wellenförmig der Dachform

anschmiegt. Unzählige Versuche in kalter Jahreszeit

waren nötig, bis die Ortbetonanlage die Produktion des

dazu verwendeten, selbstverdichtenden Betons aufnehmen

konnte. Dieser wurde in 15 Etappen durch Öffnungen

in der Schalung eingebracht. «Welche Kräfte bei Wind

oder Schneefall auf die Konstruktion wirken, kann man

schon an den rund 200 Kilogramm verbauten Bewehrungseisen

pro Kubikmeter Beton erkennen», sagt Jörg

Hürlimann, Verkaufsleiter Holcim Schweiz.

Nochmals 5000 Kubikmeter Beton benötigten der Mana -

gementtrakt und der Hochbau, eine Menge, die gewöhnlich

für eine Überbauung mit zehn Mehrfamilienhäusern

ausreicht.

271 Oberlichter aus UV-durchlässiger ETFE-Folie mit einer

Fläche von 2100 Quadratmetern lassen das Tageslicht

durch und sollen in der Halle den Eindruck eines luftigen

Blätterdachs erzeugen. Verglichen mit dem weit transparenteren

Masoala-Regenwald sind das aber nur dreissig

Prozent Licht. Deshalb gibt es noch Baumleuchten, um die

Photosynthese zu verstärken. Die Vegetation in der Halle

entspricht dem Regenwald im Heimatgebiet, in der Aussenanlage

wird Bambus angepflanzt, der sich gegenüber

den harschen Temperaturen, die im Winter auf dem

Zürichberg herrschen, erstaunlich widerstandsfähig zeigt.

Ein Jahr vor der Eröffnung fing die Bepflanzung des Geländes

an. Dabei kommt den Bauherren auch die Erfahrung

aus zehn Jahren Masoala-Regenwald zugute.

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PRAXIS

te Lage wurde vollflächig eingebracht, bei

ausgeschnitten

Ein Blick durch eine Kunstfelsen-Pforte auf die filigranen Betonstützen, die die Dachschale mit

dem umlaufenden Ringbalken tragen

Schwertransport mit Emotionen

Den Boden bildet ein sogenannter Leipziger Belag mit

einer Dicke von 80 cm. Darunter liegt die Drainageschicht,

die auf dem gewachsenen Boden aufgebracht wurde. Ob

diese Dicke reicht, wird sich zeigen. «Wir sind keine Propheten»,

sagt Andreas Hohl, «wir müssen immer damit

rechnen, dass unsere Elefanten etwas ausprobieren, was

keiner vorausgeahnt hat.» So hat Indi, ein ehemaliger Zirkuselefant,

gelernt, dass sie mit einem Stöckchen ihre

Reichweite vergrössern kann. Der Umzug der sieben Elefanten

ist aber von langer Hand geplant. Seit November

2012 trainieren die Pfleger mit den Tieren und dem Zügelcontainer.

Die Elefanten werden einzeln in der Box vom

alten zum neuen Gehege transportiert. Bis auf die Elefantendame

Druk, die aus Asien in einer kleinen Kiste in die

Schweiz kam, haben sich alle anderen mit der Box arrangiert.

Trotzdem dürfte es am Tag X laut werden. Elefanten

sind soziale Wesen, wenn ein Tier fehlt, wird lauthals trom -

petet und es werden Duftmarken gesetzt. Ein Spaziergang

durch das Betriebsgelände von einem Gehege zum anderen

ist keine Option, denn die Elefanten sind nicht trainiert

auf Spaziergänge. Ausserdem würde das dem neuen Be -

treuungskonzept «protected contact» zuwiderlaufen, bei

dem die Tierpfleger eben nicht mehr in direkten Kontakt

treten und sich gegenüber den Tieren als «ranghöher»

durchsetzen müssen.

Ungetrübter Badespass

Einen besonderen Spass versprechen die vier Wasserstellen

– nicht nur für die Elefanten, sondern auch für die

Besucher, die dank eines Unterwassereinblicks die Tiere

beim Schwimmen beobachten können. Elefanten pflegen

ihre Haut gerne mit Sand. Bevor sie ins Becken steigen dürfen,

müssen sie eine Dusche nehmen. Eine der Duschen

können sie sogar selber bedienen. Gereinigt werden muss

aber auch das Badewasser: Erwachsene Tiere vertilgen

täglich 150 bis 200 kg pflanzliche Nahrung. Da sie nur kleine

Mengen verdauen und den Rest unverdaut wieder ausscheiden,

dazu 100 bis 150 Liter Wasser trinken und rund

30 Liter Urin auf einmal ablassen, stehen die Filterpumpen

im Dauereinsatz. Die unterirdischen Filteranlagen in der

Grösse eines Hochseecontainers wälzen die 800 000 Liter

Badewasser sehr schnell um. Andernfalls hätten die Besucher

nur getrübte Sicht auf die schwimmenden Dickhäuter.

Der Elefantenpark Kaeng Krachan ist ein Leuchtturmprojekt

des Zoos Zürich. Mit einer Bausumme von 41 Millionen

Franken stösst das Projekt nicht nur architektonisch,

sondern auch finanziell in die Topliga vor. Einige Firmen

unterstützen den Bau, das restliche Budget trägt der Zoo

Zürich, Steuermittel fliessen nicht.

Bauträgerschaft

Zoo Zürich

Gesamtleitung

cga Consulting Group Aeberhard, Winterthur

Architekten

Fischer Architekten AG, Zürich

Markus Schietsch Architekten GmbH, Zürich

Landschaftsarchitekt

vetschpartner Landschaftsarchitekten AG, Zürich

Bauingenieure

Walt+Galmarini AG, Zürich, BlessHess AG, Luzern

Beton

Holcim Kies und Beton AG, Werk Schlieren

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DIALOG

Interview mit Hilti-Konzernleitungsmitglied Dr. Stefan Nöken

Unverwüstlich

innovativ

Der global tätige Konzern Hilti baut derzeit an seinem Hauptsitz in Schaan

ein Innovationszentrum. «dimension» befragte Konzernleitungsmitglied

Dr. Stefan Nöken zu den Gründen sowie zum Stellenwert der Innovation.

Sie erweitern Ihren Hauptsitz derzeit um

einen grossen Neubau, das Innovations -

zentrum. Was sind die Motive dafür?

Innovation ist die tragende Säule unseres

Unternehmens und unserer Strategie. Die

Kunden kommen wegen überlegener Produkte

und Serviceleistungen zu uns, das ist

unser Geschäft. Damit wir innovativ sein

können, brauchen unsere Mitarbeitenden

eine optimale Arbeitsumgebung, die im

bestehenden, schon etwas in die Jahre ge -

kommenen «Technischen Zentrum» nicht

mehr gegeben ist. Mit unserem neuen Inno -

vationszentrum schaffen wir ein Umfeld,

das die Innovationsprozesse schneller, effizienter

und effektiver macht.

Was sind denn die Hauptfaktoren eines

solchen Umfelds?

Innovation setzt eine funktionierende Interaktion

der Mitarbeitenden voraus. Einzel -

büros oder über verschiedene Orte verteilte

Abteilungen sind diesbezüglich hinderlich,

und es findet wenig Austausch statt. Es ist

wissenschaftlich erwiesen, dass die persönliche

Kommunikation mit zunehmender

Distanz enorm rasch abnimmt und sich

bereits ab fünf Metern Laufweg praktisch

auf null reduziert. Dann interagieren die

Menschen fast nur noch per E-Mail und

SMS statt in direktem Kontakt. Die Gebäude -

architektur des Innovationszentrums ist

deshalb räumlich offen gestaltet, um die

Interaktion zu erleichtern und zu fördern.

Gleichwohl gibt es Rückzugszonen für vertrauliche

Gespräche oder den informellen

Austausch.

Welche Bereiche müssen bei Ihnen kommunizieren,

um die Innovation anzutreiben?

Alle, die am Innovationsprozess beteiligt

sind. Wir bauen ein multifunktionales

Gebäude, das über kurze Wege Werkstattflächen,

Labors, Versuchsbereiche und

Büros verbindet. Im neuen Innovations -

zentrum schaffen wir Projekträume, in

denen die Projektleitung mit Entwicklern,

Konstrukteuren, Marketing, Einkauf und

den Produktionsspezialisten zusammen -

arbeitet.

Welches Gewicht hat die Nachhaltigkeit bei

Ihren Innovationen?

Dieses Thema hat wesentlich an Bedeutung

gewonnen und auch bei uns zu Veränderungen

geführt. Als Beispiel: Seit 2009 prüfen

wir jedes Produkt in einer Lebenszyklusanalyse

auf seine CO 2

-Bilanz und wir verzichten

wenn immer möglich auf gefährliche

Stoffe. So haben wir das Blei in den

Kartuschen für unsere Bolzensetzgeräte

durch ein unschädliches Material ersetzt.

Darüber hinaus achten wir sehr darauf,

weniger Material einzusetzen, um die graue

Energie zu reduzieren.

Wie reagieren Ihre Kunden auf diese Bestrebungen?

Das hängt unter anderem vom Reifegrad

des jeweiligen Markts ab. Es gibt Länder, in

denen ökologische Fragen noch keinen

besonders grossen Stellenwert haben. Ganz

anders ist die Lage beispielsweise in Skandinavien

oder Grossbritannien. Dort fragen

die Kunden nach der Herkunft der Materia-

10 dimension 28, Dezember 2013


DIALOG

lien, der CO 2

-Bilanz oder auch nach sicherheitsrelevanten

Aspekten wie zum Beispiel

der Vibrationsreduktion, bevor sie überhaupt

kaufen.

Heisst das, dass Sie je nach Land verschiedene

Produkte anbieten?

Wir bieten grundsätzlich das ganze Spektrum

an. Wir überlassen es den Kunden,

sich für das passende Produkt zu entscheiden.

Wenn sie sich zwischen einem deklarationsfreien

Dübel und einem mit Kennzeichnung

entscheiden können, wird auch

der Mehrwert, der in der Kennzeichnung

steckt, vermittelbar. Wir stellen aber fest,

dass der globale Trend hin zu sauber deklarierten

Produkten geht. Dadurch, dass wir

die Kundenbedürfnisse ernst nehmen und

ihnen gleichwohl ein umweltgerechteres

Produkt anbieten, nehmen wir auch unsere

unternehmerische Verantwortung wahr.

Sie sprechen damit eine Vorbildfunktion an,

die Sie so ausüben?

Genau. Wir wollen im Markt vorangehen

und gleichzeitig unsere Verantwortung

wahrnehmen. Das ist in meinen Augen sehr

wichtig.

Treibt das Bemühen um Nachhaltigkeit die

Innovation gar an?

Sicherlich auch. Man beschreitet dabei zwar

einen oft beschwerlichen und steinigen

Weg, nimmt aber künftige Entwicklungen

vorweg und vermeidet, von den Marktanforderungen

überholt zu werden.

Hilti ist nicht dafür bekannt, anderen hinterherzuhinken.

Das stimmt. Seit der Gründung des Unternehmens

gilt unverändert unser Kundenversprechen,

innovative Lösungen bereit -

zustellen, die effizient und qualitativ besser

sind und deshalb auch echten Mehrwert

bieten.

Wie pflegen Sie diesen Geist intern?

Darauf verwenden wir sehr viel Zeit. Bei uns

gibt es nicht einfach nur einen Corporate

Innovation Manager, sondern Innovation ist

in der Unternehmensstrategie fest verankert.

Zudem fliesst der Gedanke, dass Qualität

immer an erster Stelle kommt, in jeden

Prozess ein. Um ein solches Bewusstsein

schaffen und bewahren zu können, ist es

absolut zentral, die Unternehmenskultur

entsprechend zu gestalten. Diese wird bei

uns mit hohem Aufwand gepflegt. Ein Beispiel

dafür ist der interne Innovationspreis,

den wir alljährlich vergeben.

Vielleicht noch einige Fragen zum Bau -

wesen: Im Beton Ihres neuen Innovationszentrums

steckt der umweltschonende

Zement Optimo 4. War das ein bewusster

Entscheid?

Es ist unser Ziel, bei unseren Bauprojekten

ökologische Baustoffe zu verwenden. Davon

abgesehen haben wir eine langlebige Lö sung

in Sichtbeton gesucht, die den neusten

Stand der Technik abbilden soll. Diesen An -

forderungen genügt der Zement Optimo 4

in bester Weise.

Wenn wir die Zukunft betrachten, wo sehen

Sie Potenziale für Innovationen?

Ich denke, dass vor allem die kontinuierliche

Verbesserung des Bestehenden noch ein

riesiges Potenzial bietet. Unsere Bohrhämmer

zum Beispiel sind heute doppelt so

leis tungsfähig wie vor fünf Jahren, aber sie

wiegen ein Kilogramm weniger. Und auch

die Entwicklung des seit über hundert Jahren

eingesetzten Dübels ist noch lange

nicht zu Ende. So können wir nun auch erdbebensichere

Dübel anbieten und damit

Planern und Ausführenden mehr Sicherheit

geben. Als international tätiger Konzern

blicken wir selbstverständlich auch auf die

zukünftige Entwicklung in den Schwellenländern.

Dort wird es darum gehen, sich an

die Märkte anzupassen und den Fokus auf

robuste und einfachere Produkte zu legen.

Der promovierte Maschinenbauingenieur Dr. Stefan Nöken (rechts) ist seit 2007 Mitglied der Konzernleitung

von Hilti und verantwortet die Bereiche Befestigungstechnik, globale Logistik und

Patentwesen. Das Gespräch mit ihm führte Urs Kern, Commercial Director Schweiz und Süddeutschland

sowie Geschäftsführer Süddeutschland.

Welche Trends orten Sie in der hiesigen

Baubranche?

Neben Green Building und Smart Building

sind es vor allem die Industrialisierung und

Digitalisierung des Bauwesens. Es ist höchs -

te Zeit, dass die industrielle Revolution auch

im Bauwesen zu greifen beginnt und die

teilweise chaotischen Zustände beendet.

Diese Industrialisierung wird ergänzt um

die Digitalisierung, bei der Ihnen beispielsweise

der versetzte Dübel jederzeit Informa -

tionen zu seiner aktuellen Beanspruchung,

der bisherigen Höchstlast oder der Feuchtigkeit

seiner Umgebung liefert. Da werden

wir bei einer Vielzahl von Produkten noch

auf ein grosses und interessantes Feld für

hochwertige Innovationen stossen.

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PRAXIS

Innovative Materialisierung unterstreicht Genfer Weltneuheit

Haltestelle als Aufladestation

Auf einer Genfer Teststrecke bezieht ein Trolleybus den Strom nicht aus der Fahrleitung,

sondern lädt seine Batterien an den Haltestellen auf. Diese bestehen aus

monolithisch gegossenem, ultrahochfestem Faserbeton.

Am 26 Mai 2013 eröffnete Bundesrätin Doris Leuthard

anlässlich des 60. Kongresses des internationalen Verbands

für öffentliches Verkehrswesen eine weltweit einzigartige

Trolleybuslinie in Genf: Deren elektrisch betriebene

Busse kommen ohne Fahrleitung aus.

Konkurrenz für Dieselbusse

Das Projekt Tosa (vgl. Beteiligte) verfolgt das Ziel, die Batterien

elektrisch betriebener Busse an den Haltestellen in

kürzester Zeit aufzuladen und so auf eine permanente Einspeisung

zu verzichten. Ein solches System reduziert die

Infrastrukturkosten massiv und wäre damit auch auf

weniger frequentierten Strecken ein ökonomisch und ökologisch

interessanter Ersatz für Dieselbusse. An den Haltestellen

werden die Busbatterien in nur 15 Sekunden aufgeladen.

Diese verfügen dazu über eine Stromeinspeisevorrichtung,

an der sich der Bus mit einem mobilen

Abnehmer lasergesteuert andockt.

Projektpartner Tosa

TPG (Genfer Verkehrsbetriebe), OPI (Koordinator für Indus -

trieprojekte), SIG (Genfer Strom- und Wasserversorgung),

ABB Sécheron (Asea Brown Boveri)

Gestaltung Haltestellen

Haute école du paysage, de l’ingénierie et d’architecture

de Genève

Vorfabrikation

Prelco, Vernier

Beton (UHFB)

Holcim (Schweiz) AG, Werk Morges

Gestaltung widerspiegelt Innovation

Die für den Testbetrieb in Genf ausgewählte Strecke verbindet

den Flughafen mit dem Messegelände. Eine der

Haltestellen liegt auf einem Viadukt, weshalb ihr Gewicht

beschränkt werden musste. Die Haltestellen sollten

zudem mit ihrem Erscheinungsbild die innovative Technologie

widerspiegeln. Mit diesen Anforderungen wandte

sich Tosa an die Genfer Fachhochschule für Landschaft,

Ingenieurwesen und Architektur. Die Architekten präsentierten

in der Folge sechs verschiedene Vorschläge, von

denen einer die Auftraggeber mit seiner Formensprache

besonders überzeugte. Bei der Weiterbearbeitung zeigte

sich aber bald, dass eine herkömmliche Betonanfertigung

nicht infrage kam, weil sie viel zu schwer geworden wäre.

Und auf eine metallische Struktur wollten die Architekten

nicht ausweichen. Sie wandten sich daher an ihre Ingenieurkollegen

und baten um Unterstützung.

Möglich mit neuem Baustoff

Die Ingenieure hatten bald ausgerechnet, wie gross das

Betonvolumen sein durfte und erkannten, dass die Lösung

© hepia

Haltestelle mit Gegengewicht auf dem Viadukt zum Flughafen

12 dimension 28, Dezember 2013


PRAXIS

© hepia © hepia

Versetzen einer Haltestelle ohne Gegengewicht auf das vorbereitete

Fundament

Die Busse laden ihre Batterien an der Haltestelle in nur 15 Sekunden

wieder auf

nur in einer dünnwandigen Hohlkonstruktion liegen konnte.

Dazu eignet sich ein Normalbeton nicht, ein ultrahochfester

Faserbeton (UHFB) verfügt jedoch auch über die

dafür notwendigen Festigkeiten. Auf die Modellbildung

folgten die Berechnungen, die die statische Tauglichkeit

bestätigten. Problematisch schien den Ingenieuren indes,

dass die nur sechs Zentimeter starken UHFB-Teile des

einen Haltestellentyps bis zu zwei Meter lange Abwinkelungen

aufwiesen. Um zu prüfen, ob der UHFB auch solche

Teile sicher und ohne Lufteinschlüsse verfüllt, fertigten sie

ein L-förmiges Muster an – und erzielten trotz der hohen

Fasermengen sehr gute Resultate.

Schwierige Fertigung

Damit waren sämtliche Vorarbeiten abgeschlossen, es

mussten nun nur noch die tatsächlichen Haltestellen

gegossen werden. Dies war aus verschiedenen Gründen

aber nicht ganz einfach. Denn UHFB muss an eine Schalhaut

stossen, soll sich eine glatte Oberfläche bilden.

Andernfalls stehen Stahlfaserenden aus dem Beton, die

rosten, unschön aussehen und an denen man sich verletzen

kann. Zudem musste die Haltestelle mit ihrer asymmetrischen

Öffnung und – beim einen Typ mit dem unteren

Hohlkörper zur Aufnahme des Gegengewichts – in

einem Stück gegossen werden. Damit blieb nur die Möglichkeit,

sie stehend herzustellen, womit der hydrostatische

Druck des 4,3 Meter hohen Elements die Schalung

aber dermassen beanspruchte, dass sie mehrfach verstärkt

werden musste. Und letztlich waren Schwindrisse

zu verhindern, die bei derart schlanken Teilen rasch durchgehend

und damit gefährlich werden können.

Die vertikalen Teile boten dabei besonders im Bereich der

Öffnung grosse Schwierigkeiten, wo die Hohlkasten einen

konisch zulaufenden Raum zwischen den inneren Schalungen

aufweisen. Um diese verlässlich gegeneinander zu

stabilisieren, musste der ganze innere Hohlraum mit

einem Kernmaterial ausgefüllt werden. Dieses liess sich

beim Zusammenbau der Schalung wohl einlegen, aber

nicht mehr aus dem vollständig betonierten Element entfernen.

Um nicht jedesmal die ganze Schalung zu verlieren,

wurde ein Hartschaum verwendet, der sich nach dem

Betonieren mit einem Lösungsmittel soweit zersetzen

liess, dass er entfernt werden konnte und sich die ganze

Haltestelle ausschalen liess.

Gemeinsame Anstrengung

Die Elemente standen schliesslich inklusive der in ihnen

eingebauten LED-Beleuchtung rechtzeitig bereit für die

Weltpremiere mit dem neuen Bussystem. Dass sich derart

komplexe und grosse Bauteile aus einem neuen und überdies

noch mit Pigmenten eingefärbten Material überhaupt

anfertigen liessen, war nur darum möglich, weil alle

Beteiligten fest daran glaubten und alles unternahmen,

um den Erfolg zu ermöglichen.

«dimension» bedankt sich bei Prof. Claude Zuber, Prof. Michel Noverraz

und Prof. Bernd Domer (Genfer Fachhochschule) sowie bei Pierre-Alain

L’Hôte (Fertigteilwerk) für ihre Auskünfte.

dimension 28, Dezember 2013

13


PRAXIS

Neue Zentralschweizer Kehrichtverbrennungsanlage

Energie aus Abfall

Mit der Kehrichtverbrennungsanlage Perlen entsteht

in einem anspruchsvollen Terminplan das

grösste Kraftwerk des Kantons Luzern. Der dabei

verwendete Beton muss hohen technischen und

ökologischen Anforderungen genügen.

Lange Zeit wurde in der Schweiz Siedlungsabfall verbrannt,

um dessen Volumen zu reduzieren und Deponien

mit entsprechenden Umweltauswirkungen zu vermeiden.

Heute besteht ein Bewusstsein für einen effizienteren

Materialeinsatz und die Schonung natürlicher Ressourcen.

Wir nehmen Abfall glücklicherweise anders wahr, nämlich

als Wertstoff im Kreislauf unserer Materialflüsse. Er wird

heute daher getrennt, aufbereitet und verwertet. Dazu

gehört auch die Beachtung seiner energetischen Komponente.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Neubau der Kehrichtverbrennungsanlage

(KVA) Perlen bei Luzern, bei der

es sich ab ihrer Betriebsaufnahme im Jahr 2015 zudem um

das grösste Kraftwerk des Kantons Luzern und gleichzeitig

um eine der energieeffizientesten Anlagen der Schweiz

handeln wird.

Idealer Standort

Dieser Neubau drängte sich aus zwei Gründen auf: Zum

einen hat die bisherige KVA Luzern das Ende ihrer Lebensdauer

erreicht und zum andern kann sie mit ihrer bescheidenen

Kapazität nicht einmal die Hälfte des in der Zentralschweiz

anfallenden Abfalls bewältigen, sodass der Rest

seit Jahren zur Entsorgung in die Kantone Aargau, Zürich

und Glarus transportiert werden muss. Diese unbefriedigende

Situation versprach ein grosses, brachliegendes Po -

ten zial, das nun optimal genutzt wird. Wesentlicher Be -

stand teil der Projektidee war der Standort der neuen Anlage.

Denn ihre rund um die Uhr produzierte Abwärme sollte

möglichst in der Nähe und laufend verwendet werden,

will man einen hohen Wirkungsgrad erzielen. Mit der

Papierfabrik Perlen fand sich der ideale Partner, denn sie

benötigt eine permanente Wärmeversorgung mit Dampf.

Nach Inbetriebnahme der neuen KVA wird die Papierfabrik

daher pro Jahr rund 40 Millionen Liter Heizöl weniger brau -

chen und ihren CO 2

-Ausstoss um 90 000 Tonnen senken.

Aller Beton wird vor Ort produziert; zum Einsatz kommen

Die neue KVA Perlen wiederum wird nicht nur über die notwendige

Verbrennungskapazität verfügen, sie wird auch

einen sehr hohen Energiewirkungsgrad von rund 70 Prozent

aufweisen, die bisherigen Abfalltransporte deutlich

reduzieren und ausserdem Strom für 38 000 Haushalte

erzeugen.

Ungewöhnlich hohe Bauteile

Die neue Anlage besteht aus einer Anlieferungshalle, dem

Kehrichtbunker, der anschliessenden Feuerung mit zwei

Ofenlinien, der Rauchgasreinigung und den Installationen

14 dimension 28, Dezember 2013


PRAXIS

Bauherrschaft

Renergia Zentralschweiz AG, Perlen

Planung Bau

Ramboll AG, Zürich/Kopenhagen (Generalplaner),

Fiedler Beck Ingenieure AG, Hamburg (Gesamtplaner

Bau), Basler&Hofmann Innerschweiz

(Tragwerk)

Ausführung

Implenia Schweiz AG

Beton

Holcim (Schweiz) AG

die umweltschonenden Zemente Robusto 4R-S und Optimo 4 (Bild: Renergia)

zur Nutzung der Energie. Zusammen mit verschiedenen

Nebenanlagen ergeben sich totale Abmessungen von

rund 190 Metern Länge und 65 Metern Breite. Für den Bau

sehr bedeutend ist aber auch die dritte Dimension: Bis zu

43 Metern erhebt sich die neue KVA Perlen und die Sohle

ihrer Kehrichtbunker liegt zudem auf 8 Metern unter dem

Terrain. Damit sind Wandscheiben zu betonieren, deren

Höhe überaus ungewöhnlich ist. Der Gerüst- und Schalaufwand

wird damit sehr gross, während gleichzeitig auch

Arbeits- und Sicherheitsaspekte immer wichtiger werden.

Sowohl die Bauherrschaft wie die beteiligten Unternehmer

haben dazu spezialisierte Sicherheitsexperten beauftragt.

Selbstverdichtender Beton für die Wände

Der gesamte Riesenkörper wird rund 30 000 Kubikmeter

Beton benötigen, die in etwas mehr als einem Jahr verbaut

werden müssen, denn der Endtermin steht unverrückbar

fest. Das ausführende Unternehmen entschied sich für

eine externe Aufbereitung des Baustoffs und vergab dessen

Herstellung und Lieferung an die Holcim Schweiz, die

dazu eine Ortbetonanlage auf dem Baugelände errichtete.

dimension 28, Dezember 2013

15


PRAXIS

Die hohen Bauteile verlangen einen erheblichen Gerüst- und entsprechenden

Montageaufwand

Die Treppentürme werden voraus geklettert, dann folgen die hohen

Wandscheiben

Mit sechs Kies- und zwei Bindemittelsilos sowie fünf

Zusatzmitteltanks stellt die Anlage die verlangten sieben

Betonrezepturen her und beliefert mit zwei Fahrmischern

die Grossbaustelle mit ihren bis zu sieben Turmdrehkranen.

Dabei ist Flexibilität auf beiden Seiten gefragt, denn die

Kapazitätsspitzen lassen sich nicht immer optimal decken.

Umgekehrt musste für die Wände entgegen der ursprünglichen

Absicht sehr rasch auf selbstverdichtenden Beton

(SCC) umgestellt werden. Das Unternehmen musste wegen

der terminlichen Enge Beschleunigungsmöglichkeiten

suchen und nutzen. Mit SCC entfällt der Verdichtungsaufwand

und man kann so auch noch bis zum Ende einer

Schicht betonieren. Für die Wahl eines SCC sprachen aber

auch die hohen Bewehrungsgrade, welche die bis zu

einem halben Meter starken Wände aufweisen.

Umweltschonende Recycling- und Spezialbetone

Die ökologische Zielsetzung des Bauherrn, der ein Verwertungsunternehmen

betreibt, verlangt den Einsatz von

Recyclingbeton, wo dies technisch möglich ist. Beim Neubau

der KVA Perlen betrifft dies immerhin zwei Drittel des

geplanten Betonvolumens. Die Betonanlage stellte aber

auch einen Spezialbeton her, der für die besonders ausgesetzten

Bereiche der Kehrichtbunker zur Anwendung kam.

Verlangt waren die seltenen Expositionsklassen XA3 für

starken chemischen Angriff und XM3 für starken Verschleiss.

Der chemische Angriff resultiert aus der Zusammensetzung

der verschiedenartigen Abfälle. Diese Anforderung

liess sich mit dem neuen Zement Robusto 4R-S, der

einen entsprechend widerstandsfähigen Beton ergibt, gut

abdecken. Die wegen der Stahlklauen der Kehrichtgreifer

geforderte Verschleissfestigkeitsklasse hätte dagegen

eine von weit her zu beschaffende, spezielle Gesteinskörnung

bedingt. Mit dem Aufbringen einer 50 mm dicken

Opferschicht wurde dieser Anforderung ohne unerwünschte,

weite Transportwege Genüge getan. Schliesslich

sollen nicht nur rezyklierte Baustoffe eingesetzt werden,

die Bauherrschaft verfolgt auch klare Emissionsziele.

Auch dabei leistet der Robusto 4R-S aufgrund seiner stark

reduzierten CO 2

-Bilanz einen wichtigen Beitrag. Ebenso

gilt dies für den bei den weiteren Bauteilen verwendeten

Optimo 4. Die Zemente gelangen im Weiteren alle per

Bahn auf die Baustelle.

Zusammenarbeit ist ausschlaggebend

Neben allen diesen Anforderungen muss der Beton aber

noch weiteren genügen. Der Zeitdruck in Kombination mit

der Materiallogistik verlangt hohe Frühfestigkeiten, denn

am Tag nach dem Betonieren muss bereits ausgeschalt

werden. Diese Forderung ergab sich, weil die eingesetzten

Spriess-, Gerüst- und Schalmaterialien nur schon aus

Platzgründen zu minimieren waren, sodass sie laufend

umgesetzt werden. Um den Zeitplan einhalten zu können,

wurde von April bis Anfang Juli 2013 gar im Zweischichtbetrieb

gebaut.

Das Zusammenspiel der Materialien ist selbstverständlich

wichtig, noch mehr aber gilt dies für die Personen. Der Faktor

Mensch ist auf einer solchen Grossbaustelle mit über

hundert Mitarbeitern und verschiedenen involvierten Firmen

absolut ausschlaggebend. Denn die sich notwendigerweise

ergebenden Probleme lassen sich nur lösen,

solange sie von allen Beteiligten sachlich angegangen

werden. Dass dies trotz Termindruck und den Gefahren

einer solchen Baustelle sogar weitestgehend unfallfrei

gelingt, ist immer wieder erstaunlich.

«dimension» dankt Franz Stadelmann, zuständiger Projektleiter der

Implenia Schweiz AG, für seine Auskünfte.

16 dimension 28, Dezember 2013


INTERN

Innovation ermöglicht Wärmerückgewinnung

Umweltprojekt

in Untervaz

Moderne Anlagen verbrauchen nicht nur

Energie, sondern sie gewinnen einen be -

trächtlichen Teil davon auch wieder zurück.

Das Zementwerk Untervaz treibt mit Ofenwärme

eine Turbine an und erzeugt damit

Elektrizität.

In einem Zementofen herrschen konstant

1450 Grad Celsius Hitze. Beim Brennprozess

entsteht daher viel Abwärme – zum einen

direkt am Ofen, zum anderen beim Kühlen

des gebrannten Klinkers. Gelingt es, die freigesetzte

Wärme zurückzugewinnen und in

Strom umzuwandeln, trägt dies zu einer

besseren Energieeffizienz und Klimabilanz

des Werks bei. Das Zementwerk Untervaz

setzt nun als erstes Holcim Werk der Welt

ein neuartiges Verfahren zur Nutzung der

Abwärme ein. Es wird jährlich rund 15 Millionen

Kilowattstunden klimaneutrale elektrische

Energie erzeugen. Dies entspricht

dem Stromverbrauch von rund 2000 Schweizer

Haushalten. Das Zementwerk Untervaz

kann damit bis 20 Prozent seines gesamten

Elektrizitätsbedarfs decken.

Medium mit tiefem Siedepunkt

Abwärmenutzung ist nicht einfach. In

einem üblichen Verfahren wird mit der

Abwärme Wasser verdampft und mit dem

Dampf eine Turbine angetrieben. Dies funktioniert

jedoch nur in sehr grossen Werken.

Im Zementwerk Untervaz entsteht indes

nicht genügend Abwärme, um mit Wasserdampf

eine Turbine zu betreiben. Statt Wasser

setzen die Ingenieure in Untervaz daher

eine Flüssigkeit mit tieferem Siedepunkt

ein. So gelingt es, auch mit weniger Ab -

wärme die notwendige Dampfmenge zu

erzeugen, die für den Betrieb einer Turbine

erforderlich ist. Die Wärmerückgewinnung

funktioniert so: Im Vorwärmer wird das Roh -

mehl erhitzt, bevor es in den Ofen gelangt.

Das Abgas des Vorwärmers ist 370 Grad

heiss. Nun wird es auf 170 Grad abgekühlt.

Die dem Gas entzogene Wärme wird von

einem Wasserkreislauf aufgenommen –

und dieser bringt ein Flüssiggas zum Verdampfen.

Der Flüssiggasdampf wiederum

betreibt eine Turbine, die über einen Generator

Strom erzeugt. Speziell ist im Zementwerk

Untervaz, dass die Flüssigkeit bereits

bei minus 11 Grad verdampft. Dadurch ist

der Wirkungsgrad auch bei niedrigen Ab -

gastemperaturen viel höher als bei einer

herkömmlichen Anlage. Die hochmoderne

Technologie stammt von der ABB.

Langfristige Investition

Die Investition für die Wärmerückgewinnungsanlage

beträgt 15 Millionen Franken.

Die grosse Investition zeigt, dass das Zement -

werk seine Zukunft in Untervaz nachhaltig

angeht. Bei der Wärmerückgewinnungs -

anlage beträgt die Amortisierung beispielsweise

zehn Jahre. «Wir denken langfristig

und möchten bezüglich Energieeffizienz

und Nachhaltigkeit beispielgebend sein»

sagt Markus Hepberger, Werkleiter im

Zementwerk Untervaz.

Weil der innovative Ansatz von anderen

Werken übernommen werden kann, wird

das Pionierprojekt von einem Spezialfonds

des Mutterhauses finanziert. Der von Holcim

Ltd mit jährlich 100 Millionen Franken

gespiesene Fonds fördert weltweit Projekte,

welche die Energieeffizienz verbessern.

Die neue Anlage zur Wärmerückgewinnung steigert

die Energieeffizienz des Zementwerks Untervaz

dimension 28, Dezember 2013

17


PRAXIS

Ästhetisch anspruchsvolles Einfamilienhaus in Arlesheim

Mit vollem Einsatz

Beim Neubau eines Einfamilienhauses in Arlesheim bei Basel galten höchste Ansprüche

an Gestaltung, Material und Ausführung. Das perfekte Resultat war nur

mit Know-how und Sorgfalt, aber auch einem sehr hohen Aufwand zu erreichen.

Sichtbeton verlangt viel Einsatz und Engagement,

denn Gleichgültigkeit, Fehler und

Unaufmerksamkeit bestraft er gerne mit

Verfärbungen, hässlichen Fugen oder ausgebrochenen

Kanten. Kurz: Sichtbeton setzt

Leidenschaft voraus und will perfektionistische

Betonbauer. Genau das Richtige also

für ein Unternehmen, das sich seit Jahren

intensiv mit Sichtbetonbauten befasst und

gar ein internes Regelwerk verfasst hat, in

dem es die gemachten Erfahrungen dokumentiert,

um die erzielten Resultate weiter

zu perfektionieren.

Sorgsame Detailpflege

In Arlesheim sollte ein konsequent kubisches

Einfamilienhaus mit strukturellen

Ausschnitten als einzigen Öffnungen aus

weissem, scharfkantigem Sichtbeton entstehen.

Um diesen Eindruck noch zu verstärken,

sollten Umgebungsmauern und

Garage aus einem dunklen Kratzbeton

bestehen. Den Auftrag erhielt das ausführende

Unternehmen unter anderem, weil es

bereit war, die hohen, bereits in der Ausschreibung

formulierten Ansprüche der

Architekten bezüglich Qualität, Schalungsmaterial,

der definierten Arbeitsabläufe

und vorgesehenen Etappierungen mit

grossem Engagement umzusetzen.

Generell galten bei diesem Bau äusserst

hohe Ansprüche und die Masseinheit auch

im Betonbau war der Millimeter. Die Architekten

pflegten jedes Detail sehr sorgsam

und planten entsprechend minutiös, damit

während des Baus nichts dem Zufall überlassen

blieb. So schlug sich die angestrebte

Präzision des Ausbaus bereits im Rohbau

nieder. Die Wünsche und Anforderungen

wurden in intensiven Sitzungen vorab mit

den konstruktiven Einschränkungen abgeglichen,

wobei stets die Devise galt: «‹Geht

nicht› gibt's nicht.»

Anspruchsvolle Ausführung

Die tragende Sichtfassade ist auf ihrer Innen -

seite gedämmt, den raumseitigen Ab -

schluss bilden Gipsplatten. Um thermische

Brücken zu vermeiden, sind die Decken ausschliesslich

über Kragplattenanschlüsse

und Querkraftdorne mit den Fassaden verbunden.

Die Aussenwände in Weissbeton

wurden jeweils etappenweise bis über

Deckenniveau erstellt, bevor die Decke eingebaut

und an die Fassade angeschlossen

wurde. Auch in horizontaler Richtung

wurde bei den Fassaden etappenweise

gearbeitet, um die Schwindeffekte zu

minimieren.

Das Betonieren gestaltete sich dabei nicht

immer ganz einfach, denn der für den weissen

Sichtbeton verwendete Weisszement

Albaro 5 zieht rasch an. Diese Eigenschaft

führte im Sommer zu Erschwernissen,

wenn sich Schalung und Bewehrung durch

die Sonneneinstrahlung kräftig aufgeheizt

hatten. Dann konnte es vorkommen, dass

der Beton beim Einbringen sofort an der

warmen Bewehrung festzukleben drohte.

Im Bereich der Kragplattenanschlüsse, wo

der Bewehrungsgrad der Wände sehr hoch

ist, wurden Aussenrüttler eingesetzt, um

© Dorenbach AG © Dorenbach AG

Situation und Erdgeschoss

Ausführungsdetails bei einem Fenster

18 dimension 28, Dezember 2013


PRAXIS

Bauherrschaft

privat

Architektur und Bauleitung

Dorenbach AG Architekten ETH/SIA, Basel

Bauingenieur

Gruner AG, Basel

Ausführung

Implenia Schweiz AG

Beton

Holcim Kies und Beton AG, Werk Allschwil

den Beton auch an diesen Stellen sicher zu

verdichten und ein perfektes Resultat zu

erzielen.

Grosses Gewicht auf Ästhetik

Trotz minutiöser Planung fielen einige

ästhe tische Entscheide erst im Zuge der

Ausführung. So wurden die Bindstellen

genau nach Plan ausgemessen und ausgeführt,

bevor der Entscheid in Absprache mit

der Bauherrschaft fiel, diese von einem

Betonkosmetiker vollständig retuschieren

zu lassen.

Ein bewusster Entscheid war es hingegen,

dem Weissbeton kein Pigment beizumischen.

Damit wurde er aber nicht ganz

weiss und hätte bei Regennässe nachdunkeln

können. Daher wurde die gesamte

Fassade zum Schluss mit einer hellen Lasur

versehen und mit einer Tiefenhydrophobierung

versiegelt. So liess sich der gewünschte

Eindruck eines sehr weissen und homogenen

Betons auch ohne Pigmentbeigabe

erzeugen. Zudem wurde die Fassade kosmetisch

behandelt, das heisst, Lunker wurden

verfüllt und im Farbton dem Beton

angeglichen.

Kontrastprogramm

Als Kontrast zu diesem weissen, scharfkantigen

und glatten Sichtbeton der Haus -

fassade wurden Garage und Umgebungsmauern

in einem dunklen Kratzbeton

erstellt. Dabei handelte es sich um einen

«normalen» grauen Beton, der allerdings

bereits nach zwei bis drei Stunden ausgeschalt

wurde. Sechs bis sieben Arbeiter

behandelten ihn dann von unten nach oben

in möglichst hohem Tempo mit dem Maurerhammer,

um mit dem Abbindeprozess

© Dorenbach AG

Kontrastprogramm: Scharfkantig ausgeführter und glatter, weisser Sichtbeton beim Haupthaus

und dunkler Kratzbeton für die Nebenbauten

Schritt zu halten. Die unteren und zuerst

eingebrachten Wandteile durften noch

nicht zu hart sein, um die Bearbeitung noch

zuzulassen, während die obersten nicht zu

weich zu sein hatten, um ein Absacken zu

vermeiden. Der Zeitpunkt, zu dem ausgeschalt

wurde, war daher kritisch und entscheidend.

Darüber hinaus musste dieses

Vorgehen über sämtliche Etappen hinweg

identisch erfolgen, um ganzflächig denselben

Effekt zu erzielen.

Gut Ding will Weile haben

Die Ausführung ist perfekt gelungen, Haus

und Nebenbauten präsentieren sich in ihrer

gewünschten, je verschiedenen Materialisierung.

Die diesen Sommer eingezogenen

Bewohner sowie die Architekten sind mit

dem Resultat sehr zufrieden. Dass dafür ein

grosser Aufwand und Einsatz sowie hohe

Sorgfalt Bedingung waren, verdeutlicht am

besten die Tatsache, dass alleine der Rohbau

ein ganzes Jahr in Anspruch nahm.

«dimension» dankt Curdin Cathomen, dem Leiter der

Basler Geschäftsstelle des Geschäftsbereichs Buildings

von Implenia, für seine Ausführungen.

dimension 28, Dezember 2013

19


PRAXIS

Umbau des Bads am Gerundensee in Siders

Sichtbeton für ein Seeb

Ausser den zwei neuen Bassins bestehen alle Neubauten des Bads am

Gerundensee aus perfekt gelungenem Sichtbeton, der die Umgebung

mit einbezieht und gerade auch durch den Kontrast mit ihr harmoniert.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Siders liegen ein grösserer

und zwei kleine Seen, die vom Grundwasser gespeist werden.

Bereits in der Zwischenkriegszeit wurde am grössten

See, dem Gerundensee, an einem Sandstrand ein Garderobentrakt

errichtet, um das Baden an dieser idyllischen

Lage mit Blick auf Rebberge und in die Alpen zu ermöglichen.

1973 machte der Sandstrand dann einem vom See

durch einen Damm abgetrennten Bassin für Schwimmer

und Nichtschwimmer Platz.

Sicherheitsprobleme bedingten Neubau

Dieses Bassin sorgte in jüngerer Zeit allerdings für Probleme.

Zum einen war es so gross, dass die Badaufsicht nicht

alle darin Schwimmenden verlässlich im Auge behalten

konnte, womit sich die heutigen Sicherheitsauflagen nicht

mehr erfüllen liessen. Zum anderen zeigten sich statische

Schwierigkeiten. Denn der Baugrund besteht im Wesentlichen

und bis in grössere Tiefen aus siltigen Schwemmablagerungen

und ist entsprechend wenig stabil. Dies hatte

zur Folge, dass sich die ungenügend fundierte Bodenplatte

des Bassins bei hohem Grundwasserpegel zu heben

begann, was wiederum zu Rissen und Schäden an den

angrenzenden Bauteilen führte. Die Stadt Siders beschloss

daher, das Bad im Jahr 2011 zu schliessen und bis 2014

komplett umzubauen. Dazu schrieb sie einen Architekturwettbewerb

aus, dessen Siegerprojekt zwei Bassins –

eines für Nichtschwimmer und eines für Schwimmer –,

eine grosse Wasserrutsche, einen zusätzlichen Garderobentrakt

sowie einen Kiosk und der Wegführung dienende

Bauten vorsah. Die beiden neuen Bassins weisen zusammen

nur noch die Hälfte der alten Bassinfläche auf, sie

kompensieren dies aber durch eine bessere Trennung der

Nutzungen. Zudem bezieht das Projekt die Natur wieder

weitgehend in die Badeanlage ein. So wird auch der

Zugang zum eigentlichen See ermöglicht und ein kleiner

Abschnitt zur künftig überwachten Badezone werden.

Tieffundation der neuen Bassins

Der Spatenstich erfolgte im September 2012, wobei es

zuerst um den Rückbau bestehender Bauteile ging. Ausgenommen

vom Abbruch ist allerdings der halbkreisförmige

Garderobentrakt aus der Zwischenkriegszeit mit dem mittig

in ihm angeordneten Treppenabgang. Diese Bauteile

müssen während des Umbaus sorgfältig geschützt werden,

um sie möglichst in ihrem Originalzustand erhalten

zu können.

Zu den ersten Arbeiten gehörte danach das Abteufen der

Bohrpfähle, die den neuen Bassins eine sichere Fundation

bieten werden. Die Pfähle wurden durch die alte Bodenplatte

hindurch bis in eine Tiefe von maximal 24 Meter

gebohrt, wo sie auf einer etwas härteren Schicht aufliegen,

die die Lasten der neuen Bauten tragen kann. Diese

werden zudem so schwer sein, dass sie auch bei hohem

Grundwasserpegel nicht mehr auftreiben können.

Fast fugenloser Sichtbeton

Ganz besonderes Augenmerk verdienen die Sichtbetonteile,

die die künftige Anlage massgeblich prägen werden.

Ursprünglich waren sie in schwach weiss eingefärbtem

© Emery-Epiney SA

Im Hintergrund das alte halbkreisförmige Gebäude, rechts der neue

Garderobentrakt und vorne die beiden neuen Bassins im Bau

© Emery-Epiney SA

20 dimension 28, Dezember 2013


PRAXIS

ad

Der neue Garderobentarkt mit seinen schräg geneigten Stützen schliesst direkt am anstehenden Fels an

Beton ausgeschrieben, für den indes nur eine, dem Sichtbeton

nicht gerecht werdende Schalung des Typs 2 vorgesehen

war. Der Unternehmer schlug daher vor, einen Schalungstyp

4 zu verwenden und dessen höheren Preis durch

einen Verzicht auf die Einfärbung zu kompensieren. Die

bereits vorliegenden Resultate zeigen, dass sich der höhere

Schalaufwand sehr gelohnt hat. Denn mit der dadurch

möglich gewordenen Wahl grösserer Schaltafeln liess sich

auf viele Fugen, die das Bild der Sichtflächen empfindlich

gestört hätten, verzichten. So reihen sich nun beim neuen

Garderobentrakt perfekt scharfkantig ausgeformte

Schrägstützen aneinander und der Beton schwingt sich

elegant um den von ihm eingefassten Felsen – der Einbezug

der Natur wird hier direkt umgesetzt.

Schwierige Geometrien

Viele Bauteile weisen Rundungen und Winkel auf. Daraus

ergaben sich an manchen Stellen überaus schwierig zu

schalende Stellen, wo sich die Sichtfläche sukzessive verjüngt

und gleichzeitig krümmt. Diese Schwierigkeiten sind

indes zum grössten Teil bereits gemeistert. Sehr schwierig

in der Herstellung wird sich auch die künftige Umrandung

der neuen Bassins gestalten: Sie besteht aus einem gegen

aussen schräg abfallenden und strukturierten Element

unterschiedlicher Höhe. Verlässlich herstellen lassen wird

sie sich nur durch eine Vorfertigung und mit dem Einlegen

einer Schalungsmatrize. Bleibt nur noch die Frage zu klären,

welchen Einflüssen dieser Beton Widerstand leisten

Bauherrschaft

Stadt Siders

Architekt

Nau GmbH und Drexler Guinand Jauslin Architekten AG, Zürich

Bauleitung

Giorla & Trautmann Bureau d’architectes SA, Siders

Bauingenieur

Groupement GRB, vertreten durch J.-M. Viaccoz Sàrl, Siders

Bauunternehmer

Arge Emery-Epiney SA und Melly Construction SA, Siders

Beton

Holcim Praz SA, Siders

muss. Denn anders als der Bassinbeton, der durch ein eingelegtes

Inoxblech vor dem gegen Keime behandelten

Wasser geschützt ist, liegt die Umrandung frei. Neben den

Reinigungsmitteln, die zum Einsatz kommen, wird sie

auch Sonnencrèmes, Coca-Cola und vielen weiteren Substanzen

widerstehen müssen. Doch bei Cédric Epiney ist

der Beton in guten Händen. So, wie er durch sein durchdachtes

Vorgehen für ein Minimum an Fugen und perfekte

Sichtflächen gesorgt hat, wird er auch diese Problematik

lösen – pragmatisch und dauerhaft.

«dimension» dankt Cédric Epiney, dem für das Bauvorhaben Verantwortlichen

der Emery Epiney SA, für seine Erläuterungen.

dimension 28, Dezember 2013

21


M

PRAXIS

Neues Kultur- und Kongresszentrum «Montforthaus» in Feldkirch

Kleinod der Muse

Um die Attraktivität des Feldkircher Kulturangebots wieder zu steigern, schrieb

die Stadt einen Architekturwettbewerb aus. Der Neubau überzeugt durch seine

Einpassung ins Umfeld und die sorgfältige Detaillierung.

Die Bevölkerung Vorarlbergs ist kulturell

sehr aktiv. So verfügt jede Stadt über eine

überraschend grosse Infrastruktur für Konzerte,

Theater und Veranstaltungen unterschiedlichster

Art. Auch Feldkirch, die

«heimliche Landeshauptstadt», macht hier

keine Ausnahme. Sie errichtete bereits 1925

für diese Zwecke eine Volkshalle, die 1973

aber ein Raub der Flammen wurde.

Mit Rücksicht auf die Umgebung

Die darauf neu gebaute Stadthalle erfuhr

zwar eine Aufstockung und eine Namensänderung

in Montforthaus – zu Ehren des

alten Adelsgeschlechts –, der Zuspruch der

Bevölkerung blieb aber immer mehr aus.

Um den sinkenden Besucherzahlen ent -

gegenzutreten, musste etwas geschehen.

Die Evaluation der möglichen Massnahmen

zeigte, dass ein Neubau einer Sanierung

vorzuziehen war. So entstand das Konzept

für das neue Montforthaus in einem internationalen

Wettbewerb. Das Siegerprojekt

verschob und verdrehte dabei leicht den

Standort des Hauses und verlieh ihm eine

organische Form, um es optimal in die um -

liegende Altstadt einzupassen. Besonderes

Gewicht wurde auf die Wegführung um das

Haus herum und zu den Altstadtgassen ge -

legt sowie auf die Aufwertung der anstossenden

Plätze. Der Neubau ist daher auch

unterschiedlich hoch, um nach allen Seiten

angemessene Proportionen zu schaffen.

Konsequenterweise verfügt das neue Haus

zudem über keine Rückseite, sondern zeigt

sich rundum gleichwertig.

Ein- und Ausblicke

Die Offenheit und Zugänglichkeit setzt sich

im Inneren fort. Das unterzubringende

Raumprogramm mit einem Foyer, einem

grossen und einem kleinen Saal, einem

Seminarbereich und mit Mehrzweckräumen

wird von aussen umlaufenden, grosszügigen

Treppen und Gängen erschlossen. Diese

erlauben einen Einblick in die einzelnen

Räume und Säle und zugleich Ausblicke auf

die umgebende Altstadt und die über ihr

thronende Schattenburg. Auf diesen Bezug

zwischen innen und aussen legt die Architektur

grossen Wert und betont ihn darüber

hinaus mit der entsprechenden Anordnung

eines Oberlichts.

Gerundete Fassade

Die ursprüngliche Idee einer Fassade aus

weissem Sichtbeton wurde nicht weiter

verfolgt, weil sie im Vergleich zu den sie

umgebenden Altstadtbauten zu dominant

geworden wäre. Stattdessen wurde eine

vertikal strukturierte Fassade aus hellem

Naturstein gewählt. Deren relativ schmale

Elemente bilden optisch einen fallenden

Vorhang aus Stein und schmiegen sich

zudem problemlos an die Rundung der

dahinterliegenden, tragenden Wände aus

Beton. Für deren Erstellung wurden bieg -

bare Schalungselemente verwendet, die

unterschiedliche Radien zulassen: Die

metallische Schalhaut sitzt dabei auf einem

gerippten Träger, der sich dehnen oder

zusammenziehen lässt. Damit können

MARKTGASSE

JOHANNITERKIRCHE

SCHATTENBURG

GYMNASIUMHOF

MONTFORTHAUS

LEONHARDSPLATZ

RÖSSELPLATZ

RÖSSLEPARKR

a) b) c)

FELSENAU

Einpassung des neuen Montforthauses bezüglich a) der Plätze, b) der Wegführungen und c) der Ausblicke

(© Planungsgemeinschaft Hascher Jehle/Mitiska Wäger)

22 dimension 28, Dezember 2013


PRAXIS

Bauherrschaft

Amt der Stadt Feldkirch

Planung

Arbeitsgemeinschaft

Hascher Jehle Architektur, Berlin, und

Mitiska Wäger Architekten, Bludenz

Statik

Bernard & Brunnsteiner, Hall i. Tirol

Gesamtbauleitung

BM Ing. Michael Haßler, Dornbirn

Baumeister

Bietergemeinschaft Montforthaus Neu:

Hilti & Jehle GmbH, Jäger Bau GmbH,

Tomaselli Gabriel Bau GmbH

Beton

Transbeton, Werk Lorüns, und Normbeton,

Werk Koblach

Visualisierung des fertigen Montforthauses

(© Planungsgemeinschaft Hascher Jehle/Mitiska Wäger)

zweidimensional perfekt gerundete Betonwände

realisiert werden, wobei der Aufwand

gegenüber einer Polygonalschalung

nicht einmal grösser wird.

aufwand bedingt. Doch nicht nur die zur

Freude der Architekten exakt und zuver -

lässig arbeitenden Baumeister waren gefordert.

Auch der Statiker hatte die sichere

Kraftabtragung trotz verschobener Wandscheiben

zu gewährleisten und musste

innovative Lösungen für die teils weit auskragenden

Bauteile suchen, bei denen es

sich weitgehend um vorgespannte Konstruktionen

handelt.

Grund zur Vorfreude

Eine Besonderheit des Montforthauses liegt

in seiner polyvalenten Raumnutzung. So

muss der Konzertsaal auch für Messen zur

Verfügung stehen, weshalb zum Beispiel

bei der Lüftung eine optimale Lösung für

Sorgfältige Ausführung

Der Aufwand für den Betonbau war indes

anderweitig beträchtlich. Denn ein Konzertsaal

verlangt eine ganz andere Raumhöhe

als ein üblicher Hochbau. Damit waren sehr

hohe Gerüste einzusetzen, deren Auf- und

Abbau Zeit kostete und die zudem mit

Abspannungen zu sichern waren. Erschwerend

kam hinzu, dass die tragenden Wände

aufgrund der gewählten Raumanordnung

vielfach zueinander versetzt verlaufen, was

im Bauzustand einen zusätzlichen Gerüstalle

Ansprüche zu suchen war. Überhaupt

ist der Konzertsaal das eigentliche Prunkstück

des Neubaus. Seine von den Wänden

gerundet in die Decke übergehende Holzverkleidung

verbessert nicht nur die Akustik

und die Klangfarbe, sie schafft auch den

Eindruck, man befinde sich im Bauch eines

Instruments.

Die Prognose sei gewagt, dass sich Feldkirch

wieder auf hohe Besucherzahlen freuen

kann, wenn Ende 2014 das Montforthaus

eröffnet wird.

«dimension» dankt dem Architekten Rainer Hascher für

seine Ausführungen und den Gang über die Baustelle.

© Stadt Feldkirch

Das neue Montforthaus ist am Entstehen. Aufnahme vom Oktober 2013

dimension 28, Dezember 2013

23


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