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Arbeitsbericht des Deutsch-Kolumbianischen Forums in Bayreuth

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II. Teil <strong>des</strong> <strong>Deutsch</strong>-<strong>Kolumbianischen</strong> <strong>Forums</strong><br />

an der Universität <strong>Bayreuth</strong><br />

<strong>Arbeitsbericht</strong> der Sitzungen vom 29. bis 30. April 2013<br />

Vorbild <strong>Deutsch</strong>land – Aufstrebende Wirtschaftsmacht <strong>in</strong> Late<strong>in</strong>amerika<br />

Kolumbien will sich das deutsche Wirtschaftssystem zum Vorbild nehmen und künftig<br />

vor allem auf kle<strong>in</strong>e und mittlere Unternehmen als Grundlage für gesellschaftlichen<br />

Wohlstand setzen. Das hat der Kolumbianische Botschafter Juan Mayr Maldonado<br />

zum Auftakt <strong>des</strong> <strong>Deutsch</strong>-<strong>Kolumbianischen</strong> <strong>Forums</strong> an der Universität <strong>Bayreuth</strong><br />

verkündet. Se<strong>in</strong> Land sei <strong>in</strong> der Überw<strong>in</strong>dung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten<br />

bereits e<strong>in</strong>en großen Schritt vorangekommen, sagte Mayr Maldonado, der es als<br />

engagierter Umweltm<strong>in</strong>ister se<strong>in</strong>es Lan<strong>des</strong> zu weltweiter Bekanntheit gebracht hatte.<br />

Als Beleg führte er das Wirtschaftswachstum an, das im zurückliegenden Jahr<br />

erstmals um knapp fünf Prozent über dem Mittel der zurückliegenden Dekade lag.<br />

Die große Klammer für das zweiteilige <strong>Deutsch</strong>-Kolumbianische Forum, <strong>des</strong>sen<br />

erster Teil vor e<strong>in</strong>er Woche <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong> stattfand, ist der Universalgelehrte Alexander<br />

von Humboldt. Er hatte schon vor rund 200 Jahren erkannt, dass Kolumbien e<strong>in</strong>er<br />

der Länder mit dem größten Artenreichtum der Erde ist. Alexander von Humboldt<br />

habe diese Schätze erkannt und sie der Welt zugänglich gemacht, sagte der<br />

Botschafter. Die vielfältigen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen <strong>Deutsch</strong>land und<br />

Kolumbien seien das e<strong>in</strong>e wesentliche Element, das beide Länder verb<strong>in</strong>det, das<br />

Wirken <strong>des</strong> Naturforschers Alexander von Humboldt <strong>in</strong> Oberfranken und später <strong>in</strong><br />

Kolumbien seien das zweite wichtige Element, so der Parlamentarische<br />

F<strong>in</strong>anzstaatssekretär und <strong>Bayreuth</strong>er Bun<strong>des</strong>tagsabgeordnete Hartmut Koschyk. So<br />

stehe Alexander von Humboldt gerade durch se<strong>in</strong> engagiertes Wirken <strong>in</strong> Kolumbien


für e<strong>in</strong> neues, weltumspannen<strong>des</strong> Wissenschaftsbild, für das bereits <strong>in</strong> se<strong>in</strong>en fünf<br />

fränkischen Jahren die Grundlage gelegt wurde.<br />

Nach den Worten von Christian Hegemer, Leiter <strong>des</strong> Instituts für Internationale<br />

Begegnung und Zusammenarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung, sei <strong>Deutsch</strong>land mit<br />

rund vier Prozent an kolumbianischen Importen beteiligt. Das zeige bereits den<br />

wirtschaftlichen Aufschwung, den Kolumbien genommen habe, so Hegemer. Denn<br />

damit gehöre <strong>Deutsch</strong>land zu den wichtigen Handelspartnern Kolumbiens.<br />

Vizepräsident Stefan Leible von der Universität brachte mit der wissenschaftlichen<br />

Zusammenarbeit zwischen <strong>Deutsch</strong>land und Kolumbien neben Alexander von<br />

Humboldt und der wirtschaftlichen Situation noch e<strong>in</strong>en dritten Bereich für die<br />

Verb<strong>in</strong>dung beider Länder <strong>in</strong>s Spiel. Die Universität <strong>Bayreuth</strong> unterhalte bereits<br />

vielfältige Kontakte mit mehreren <strong>Kolumbianischen</strong> Hochschulen und sei bereits an<br />

deren Aufbau beteiligt gewesen. Denn nach 40 Jahren <strong>des</strong> bewaffneten Konflikts<br />

zwischen l<strong>in</strong>ksgerichteten Guerillagruppen, dem kolumbianischen Militär und<br />

rechtsgerichteter Paramilitärs sowie e<strong>in</strong>er Welle <strong>des</strong> Terrors und der Gewalt<br />

sche<strong>in</strong>en Rechtsstaatlichkeit, Frieden und Versöhnung derzeit zum Greifen nah. „Die<br />

Verhältnisse haben sich mittlerweile nicht nur stabilisiert, sondern deutlich<br />

verbessert“, so Prof. Leible.<br />

Den zentralen Vortrag <strong>des</strong> deutsch-kolumbianischen <strong>Forums</strong> <strong>in</strong> <strong>Bayreuth</strong> hielt der<br />

Historiker, Humboldt-Kenner und Leiter der Münchner Wissenschaftstage Frank Holl<br />

über Alexander von Humboldt als den Vordenker schlechth<strong>in</strong>. Humboldt habe<br />

während se<strong>in</strong>es Aufenthalts von März bis Dezember 1801 <strong>in</strong> Kolumbien nahezu<br />

unzählige physikalische und geographische Erkenntnisse zusammengetragen.<br />

Humboldts Ziel sei es von Anfang an gewesen, das Zusammenwirken aller<br />

Naturkräfte zu bewirken, womit er bereits vor mehr als 200 Jahren den damals noch<br />

unbekannten Begriff der Ökologie geprägt habe. Die Dimension <strong>des</strong> Humboldt´schen<br />

Werkes machte Alberto Gomez Guttierrez vom Institut für Humangenetik <strong>in</strong> Bogota<br />

an dem ungeheuren Erbe Humboldts fest. Dazu gehörten alle<strong>in</strong> 35000 Briefe.<br />

Alexander von Humboldt sei es auch gewesen, der wissenschaftliche Kooperation<br />

zwischen <strong>Deutsch</strong>land und Kolumbien begründet habe.<br />

Friedensdialog <strong>in</strong> Kolumbien: Rechtsstaatlichkeit, Versöhnung und<br />

Frieden<br />

Laut Padre Dario Etcheverri, Priester und Jurist, der im Friedensdialog <strong>in</strong> der<br />

Republik Kolumbien als Vertreter der Katholischen Bischofskonferenz maßgeblich<br />

engagiert ist, betonte, dass die Katholische Kirche Kolumbiens Friedensdialog<br />

vorbehaltlos unterstützt. Kirchlicherseits wurde bei beiden Seiten – Regierung und<br />

Rebellenbewegung – die Ernsthaftigkeit zur Friedensbereitschaft festgestellt. Dabei<br />

habe die Katholische Kirche nicht nur die Konfliktlösung, sondern auch die<br />

<strong>in</strong>nergesellschaftliche Versöhnung <strong>in</strong> Kolumbien im Blick. Auch wolle die Kirche das<br />

Augenmerk besonders auf die Opfer dieses e<strong>in</strong> halbes Jahrhundert währenden<br />

Konfliktes richten. Der Friedensdialog müsse schließlich auch zur Stärkung von<br />

Demokratie und Rechtsstaatlichkeit Kolumbiens beitragen.


Prof. Dr. Alejandro Aponte Cardona, Ord<strong>in</strong>arius für Strafrecht und Rechtsanwalt <strong>in</strong><br />

Kolumbiens Hauptstadt Bogotá, verwies auf die militärische, politische und<br />

staatsrechtliche Dimension <strong>des</strong> Konfliktes. Bei dem Friedensdialog gehe es um<br />

moralisch-ethische, aber auch um politisch-rechtliche Fragestellungen. Als Beispiel<br />

nannte er die Frage e<strong>in</strong>er Amnestie für Angehörige der Rebellenbewegung und die<br />

Integration ehemaliger Rebellenkämpfer <strong>in</strong> die kolumbianische Gesellschaft. Auch<br />

die Anerkennung der Leiden der Opfer <strong>des</strong> bewaffneten Konflikts und deren<br />

Entschädigung nehme e<strong>in</strong>en breiten Raum im Friedensdialog e<strong>in</strong>. Cardona forderte<br />

e<strong>in</strong>e “Ethik <strong>des</strong> Mitgefühls” auch der nicht vom Konflikt unmittelbar betroffenen Teile<br />

der kolumbianischen Bevölkerung.<br />

Alberto Almonacid, Sekretär der Friedens-Kommission <strong>des</strong> <strong>Kolumbianischen</strong><br />

Repräsentantenhauses, verwies auf die Bemühungen früherer kolumbianischer<br />

Regierungen zur Lösung <strong>des</strong> Konfliktes. Beim jetzigen Friedensdialog gebe es<br />

erstmals jedoch substanzielle Fortschritte, zum Beispiel <strong>in</strong> der Frage der<br />

Landverteilung. Auch sei der Friedensdialog durch die Tatsache belastet, dass Teile<br />

der kolumbianischen Politik, der Wirtschaft und <strong>des</strong> Militärs Gegner von direkten<br />

Gesprächen zwischen Regierung und Rebellenbewegung s<strong>in</strong>d und damit die<br />

Fortsetzung <strong>des</strong> Friedensdialoges abhängig vom Ausgang künftiger Wahlen <strong>in</strong><br />

Kolumbien se<strong>in</strong> wird. Auch die Dimension <strong>des</strong> Drogenhandels <strong>in</strong> Kolumbien belaste<br />

den Friedensdialog, da Teile der militanten Rebellenbewegung <strong>in</strong> den<br />

Drogenhandels verstrickt s<strong>in</strong>d. Almonacid nannte die Unterstützung <strong>des</strong><br />

Friedensdialoges durch die Internationale Geme<strong>in</strong>schaft, vor allem durch die<br />

regionalen Nachbarn von entscheidender Bedeutung für <strong>des</strong>sen Erfolg.<br />

Dr. Daniel Deckers, Redakteur der Frankfurter Allgeme<strong>in</strong>en Zeitung und Kenner der<br />

Situation Kolumbiens, verwies auf ähnliche Situationen <strong>in</strong> anderen Ländern<br />

Late<strong>in</strong>amerikas. Von diesen Erfahrungen könne auch Kolumbien profitieren. Auch<br />

habe die Guerilla Kolumbiens immer die Unterstützung von Nachbarländern gehabt.<br />

Zur Frage der Landverteilung <strong>in</strong> Kolumbien bemerkte der Journalist, dass diese<br />

teilweise auf die koloniale Vergangenheit <strong>des</strong> Lan<strong>des</strong> zurückgeht, aber auch das<br />

Ergebnis fehlender oder schwach ausgeprägter Zentralmacht <strong>in</strong> Kolumbien sei. Auch<br />

müsse diskutiert werden, welche Rolle e<strong>in</strong>e zunehmend extensive Landwirtschaft bei<br />

der Landverteilungsfrage wirklich spiele, gerade im H<strong>in</strong>blick auf die <strong>in</strong>ternationale<br />

Ausrichtung der kolumbianischen Wirtschaft. Die Bedeutung <strong>des</strong> Rauschgiftanbaus<br />

und -handels <strong>in</strong>nerhalb der Rebellenbewegung nannte Deckers zwar erheblich, aber<br />

lösbar, wobei auch andere Formen der organisierten Krim<strong>in</strong>alität <strong>in</strong> der<br />

Rebellenbewegung erheblich angestiegen s<strong>in</strong>d. Alle Diskussionsteilnehmer waren<br />

sich e<strong>in</strong>ig, dass die Nachbarländer Kolumbiens auch e<strong>in</strong>e Mitverantwortung für den<br />

Erfolg <strong>des</strong> Friedensdialoges tragen. E<strong>in</strong> erfolgreicher Verlauf <strong>des</strong> Friedensdialoges <strong>in</strong><br />

Kolumbien könne aber auch beispielgebend für andere Staaten Late<strong>in</strong>amerikas se<strong>in</strong>.<br />

Die Situation der <strong>in</strong>digenen und afrikastämmigen Bevölkerungsgruppen<br />

<strong>in</strong> Kolumbien<br />

Dr. Frank Holl hatte <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em Eröffnungsreferat im Rahmen <strong>des</strong> <strong>Deutsch</strong>-<br />

<strong>Kolumbianischen</strong> <strong>Forums</strong> an der Universität <strong>Bayreuth</strong> an den engagierten E<strong>in</strong>satz<br />

Alexander von Humboldts für die <strong>in</strong>digenen Völker Late<strong>in</strong>amerikas er<strong>in</strong>nert. Dieser


Bevölkerungsgruppe <strong>in</strong> Kolumbien war e<strong>in</strong> Podium gewidmet, an dem<br />

kolumbianische und deutsche Experten teilnahmen.<br />

Susanne Käss leitet für die Konrad-Adenauer-Stiftung von La Paz/Bolivien aus e<strong>in</strong><br />

Projekt, das die Partizipation <strong>in</strong>digener Bevölkerungsgruppen <strong>in</strong> Staaten<br />

Late<strong>in</strong>amerikas zum Ziel hat. Im Rahmen <strong>des</strong> Projektes werden Bemühungen<br />

unterstützt, die Teilhabe von Angehörigen <strong>in</strong>digener Völker an Politik, Wirtschafts –<br />

und Arbeitsleben, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft der Staaten Late<strong>in</strong>amerikas<br />

zu gewährleisten. Diese Maßnahmen können sich auf <strong>in</strong>ternationale Abkommen<br />

sowie die Verfassungs- und Rechtsordnungen <strong>in</strong> den Staaten Late<strong>in</strong>amerikas<br />

stützen. Dies gelte auch für Kolumbien, <strong>des</strong>sen Verfassungsgerichtshof <strong>in</strong> den<br />

letzten Jahren e<strong>in</strong>e für ganz Late<strong>in</strong>amerika und darüber h<strong>in</strong>ausgehende vorbildliche<br />

Rechtsprechung zur Umsetzung <strong>in</strong>ternationaler und <strong>in</strong>nerstaatlicher Verpflichtungen<br />

zur Teilhabe <strong>in</strong>digener Bevölkerungsgruppen entwickelt hat, gerade auch <strong>in</strong> der<br />

Landverteilungsfrage. In Kolumbien habe die <strong>in</strong>digenen Bevölkerungsgruppen<br />

besonders hart unter dem bewaffneten Konflikt gelitten.<br />

Gabriel Muyuy, selbst Angehöriger e<strong>in</strong>es <strong>in</strong>digenen Volkes Kolumbiens und<br />

ehemaliger Senator leitet e<strong>in</strong> staatliches Förderprogramm unter dem Patronat <strong>des</strong><br />

Staatspräsidenten für die <strong>in</strong>digenen Völker Kolumbiens. Er verwies auf die<br />

jahrtausendealte Geschichte und Kultur der <strong>in</strong>digenen Bevölkerung Late<strong>in</strong>amerikas,<br />

die unter der kolonialen Vergangenheit besonders gelitten habe. Viele <strong>in</strong>digenen<br />

Völker Late<strong>in</strong>amerikas hätten die damit e<strong>in</strong>hergehende Entrechtung und<br />

Unterdrückung nicht überlebt. Gabriel Muyuy würdigte die Teilnahme der Vertreter<br />

der <strong>in</strong>digenen Bevölkerungsteile Kolumbiens am <strong>in</strong>nerstaatlichen Friedens- und<br />

Versöhnungsprozess. Auch die Verfassung Kolumbiens würdige die <strong>in</strong>digenen<br />

Völker als gleichberechtigten und <strong>in</strong>tegralen Bestandteil <strong>des</strong> kolumbianischen<br />

Staatsvolkes. Heute verfüge Kolumbien über 100 <strong>in</strong>digene Völker und über 160<br />

<strong>in</strong>digene Sprachen. Neben se<strong>in</strong>em Reichtum an Biodiversität und Bodenschätzen<br />

verfüge Kolumbien auch über e<strong>in</strong>en beispielhaften Reichtum an <strong>in</strong>digenen Völkern,<br />

Sprachen und Kulturen. Der Dialog zwischen dem kolumbianischen Staat und se<strong>in</strong>en<br />

<strong>in</strong>digenen Völkern müsse gleichberechtigt und auf Augenhöhe erfolgen. Auch Gabriel<br />

Muyuy würdigte den E<strong>in</strong>satz Alexander von Humboldts für die <strong>in</strong>digenen Völker<br />

Late<strong>in</strong>amerikas. Die <strong>in</strong>digenen Völker Kolumbiens seien ke<strong>in</strong>e “armen, kle<strong>in</strong>en<br />

Indianerstämme”, sondern die Hüter besonders wertvoller Ressourcen Kolumbiens.<br />

Die Gleichberechtigung der <strong>in</strong>digenen Völker Kolumbiens sei <strong>in</strong> den letzten Jahren<br />

sehr weit fortgeschritten, auch wenn es <strong>in</strong> wichtigen Bereichen noch Defizite gebe.<br />

Besonders die <strong>in</strong>digenen Völker Kolumbiens seien auf den Erfolg <strong>des</strong><br />

Friedensprozesses angewiesen, da sie besonders unter dem jahrzehntelangen<br />

bewaffneten Konflikt gelitten haben. Die Interkulturalität <strong>in</strong> Kolumbien bef<strong>in</strong>de sich <strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong>em ständig fortschreitenden Entwicklungsprozess. Auch der Dialog zwischen den<br />

<strong>in</strong>digenen Völkern Kolumbiens und den Wirtschaftsvertretern <strong>des</strong> Lan<strong>des</strong> gestalte<br />

sich zunehmend positiv. Muyuy dankte <strong>Deutsch</strong>land für se<strong>in</strong>en Beitrag zur<br />

Unterstützung <strong>des</strong> Friedensdialoges <strong>in</strong> Kolumbien sowie zur Gleichberechtigung der<br />

<strong>in</strong>digenen Völker. <strong>Deutsch</strong>land erfülle dabei auch e<strong>in</strong> Vermächtnis Alexander von<br />

Humboldts.<br />

Carlos Salgado Araméndez von der Organisation “PLANETA PAZ” g<strong>in</strong>g auf die<br />

Diskussion <strong>in</strong> Kolumbien über die Beteiligung der <strong>in</strong>digenen Bevölkerung, der<br />

afrikastämmigen Bevölkerung und der armen Bauern an der Landverteilung e<strong>in</strong>.<br />

Dabei gehe es nicht nur um Fragen der Landrückgabe, sondern auch um die künftige


Nutzung der ländlichen Räume. Neben e<strong>in</strong>er extensiven landwirtschaftlichen<br />

Nutzung, gehe es auch um e<strong>in</strong>e nachhaltige energiewirtschaftliche Nutzung durch<br />

nachwachsende Rohstoffe sowie um den Natur- und Landschaftsschutz <strong>in</strong> Form von<br />

Biospährenreservate und Nationalparks. Gerade bei der alternativen Nutzung<br />

ländlicher Räume neben e<strong>in</strong>er extensiven Landwirtschaft komme den <strong>in</strong>digenen<br />

Völkern, der afrikastämmigen Bevölkerung und den Bauern e<strong>in</strong>e große Bedeutung<br />

zu. Auch bei der künftigen Entwicklung <strong>des</strong> Bergbaus, <strong>des</strong> Fischereiwesens, der<br />

Forstwirtschaft, <strong>des</strong> Tourismus aber auch der Infrastruktur <strong>in</strong> Kolumbien müssen die<br />

Rechte und Belange der <strong>in</strong>digenen Völker, der afrikastämmigen Bevölkerung und der<br />

Bauern gewahrt werden. Generell müsse bei der zivilisatorischen Entwicklung<br />

Kolumbiens auf die traditionellen Lebensweisen der <strong>in</strong>digenen Völker und der<br />

afrikastämmigen Bevölkerung Rücksicht genommen werden, um wirkliche<br />

Interkulturalität zu gewährleisten.<br />

Filmvorführung „Los viajes del viento“ <strong>des</strong> kolumbianischen Filmemachers<br />

Ciro Guerra an der Universität <strong>Bayreuth</strong><br />

Im Rahmen <strong>des</strong> <strong>Deutsch</strong>-<strong>Kolumbianischen</strong> <strong>Forums</strong> <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong> und <strong>Bayreuth</strong> wurde der<br />

Film „Los viajes del viento“ (Die Reisen <strong>des</strong> W<strong>in</strong><strong>des</strong>) <strong>des</strong> kolumbianischen<br />

Filmemachers Ciro Guerra gezeigt. Der Spielfilm entstand <strong>in</strong> Koproduktion mit Razor<br />

Film und ZDF/Das kle<strong>in</strong>e Fernsehspiel und <strong>in</strong> Zusammenarbeit mit ARTE. Ermöglicht<br />

wurde die Teilnahme <strong>des</strong> Regisseurs und die Filmvorführung im Rahmen <strong>des</strong><br />

<strong>Deutsch</strong>-<strong>Kolumbianischen</strong> <strong>Forums</strong> an der Universität <strong>Bayreuth</strong> durch das Goethe-<br />

Institut.<br />

Der stellvertretende Leiter der Kulturabteilung und Bereichsleiter Film, Fernsehen<br />

und Hörfunk <strong>des</strong> Goethe-Instituts, Dr. Christian Lüffe, erklärte die Arbeit <strong>des</strong> Goethe-<br />

Instituts <strong>in</strong> diesem Bereich. Im Anschluss stellte Frau Prof. Dr. Ute Fendler vom<br />

„Lehrstuhl für Romanische Literaturwissenschaft und Komparatistik unter besonderer<br />

Berücksichtigung Afrikas“ an der Universität <strong>Bayreuth</strong> Leben und Werk von Ciro<br />

Guerra vor. Dabei hob Prof. Dr. Fendler die großen Verdienste von Ciro Guerra<br />

hervor, die er sich um die late<strong>in</strong>amerikanische Filmlandschaft erworben hat. Mit<br />

se<strong>in</strong>er herausragenden Regiearbeit wurde e<strong>in</strong>e Plattform für den südamerikanischen<br />

Film geschaffen und se<strong>in</strong>e Preise bei zahlreichen Filmfestivals weltweit s<strong>in</strong>d Ansporn<br />

für junge Regisseure aus Kolumbien und ganz Südamerika. Regisseur Ciro Guerra<br />

selbst stellte sich den zahlreichen Fragen <strong>des</strong> Publikums und erklärte dabei auch,<br />

dass der Film das Ergebnis e<strong>in</strong>er vierjährigen Arbeit gewesen sei.<br />

Ciro Guerra wurde 1981 <strong>in</strong> Rio de Oro <strong>in</strong> Kolumbien geboren und studierte<br />

Fernsehen an der Nationalen Universität <strong>in</strong> Bogota. Bereits mit 20 Jahren produzierte<br />

er den Film La Sombra del Cam<strong>in</strong>ante (Der Schatten <strong>des</strong> Gehenden), bei dem er<br />

auch Regie führte und das Drehbuch schrieb. Der Film gewann Preise bei den<br />

Filmfestivals <strong>in</strong> San Sebastian, Toulouse, Mar del Plata, Triest, Havanna, Quito,<br />

Cartagena, Santiago und Warschau und war bei weiteren 32 Filmfestivals weltweit<br />

nom<strong>in</strong>iert. Mit dem “Los viajes del viento” betitelten Film, der von der Reise zweier<br />

Menschen und e<strong>in</strong>es Akkordeons erzählt, schuf der Kolumbianer Ciro Guerra e<strong>in</strong><br />

k<strong>in</strong>ematografisches Abbild se<strong>in</strong>er Heimat, <strong>des</strong>sen Geschichte und Bildkraft auf den<br />

Festivals der Welt begeisterten. “Los viajes del viento” (Die Reisen <strong>des</strong> W<strong>in</strong><strong>des</strong>)<br />

erschien 2009. Der Film feierte se<strong>in</strong>e Premiere beim Filmfestival Cannes 2009 <strong>in</strong> der


Sektion “Un Certa<strong>in</strong> Regard”. Zuschauer und Presse waren gleichermaßen begeistert<br />

von diesem visuell spektakulären, poetischen Roadmovie, für das der Regisseur Ciro<br />

Guerra <strong>in</strong> Cannes mit dem Preis der Stadt Rom ausgezeichnet wurde. Weitere<br />

Preise bekamen Film und Regisseur beim Filmfestival Bogotá (Bester<br />

Kolumbianischer Film, Beste Regie), beim Filmfestival Cartagena (Beste Regie,<br />

Bester Film, Bester kolumbianischer Film) und beim Internationalen Filmfestival <strong>in</strong><br />

Santa Barbara (Bester spanischsprachiger Film).<br />

Im Stile e<strong>in</strong>es Roadmovies wird erzählt, wie Ignacio Carrillo, zeitlebens reisender<br />

Akkordeonspieler, nach dem Tod se<strong>in</strong>er Frau beschlossen hat, das Instrument e<strong>in</strong>em<br />

alten Meister zurückzubr<strong>in</strong>gen und nie wieder zu spielen. Dieser Reise schließt sich<br />

Fermín Morales an, e<strong>in</strong> Jugendlicher, <strong>des</strong>sen großer Traum es ist, Musiker zu<br />

werden. Nur widerwillig gestattet der Alte es dem Jungen, ihn zu begleiten und zwei<br />

sehr ungleiche, gegensätzliche Figuren ziehen mit e<strong>in</strong>em Akkordeon durch<br />

Kolumbien. Immer wieder gelangen sie zu Menschen und an Orte, bei denen das<br />

Spiel <strong>des</strong> Akkordeons sich als schicksalhaft erweisen wird.<br />

Ausbau der Kooperation mittelständischer Wirtschaftsunternehmen<br />

<strong>Deutsch</strong>lands und Kolumbiens im S<strong>in</strong>ne e<strong>in</strong>er nachhaltigen Entwicklung<br />

Wirtschaften müsse heute so gestaltet werden, dass es auf ökologische<br />

Erfordernisse Rücksicht nimmt, schonend mit den Ressourcen umgeht und bilaterale<br />

Kooperationen nachhaltig angelegt s<strong>in</strong>d. Dr. Christian Ruck, stv. Vorsitzender der<br />

CDU/CSU-Bun<strong>des</strong>tagsfraktion, sieht Kolumbien auf dem Weg zu e<strong>in</strong>er guten<br />

Entwicklung im S<strong>in</strong>ne nachhaltigen Wirtschaftens. Die dynamische Entwicklung der<br />

Volkswirtschaft Kolumbiens sei eng mit dem Erfolg <strong>des</strong> Friedensdialoges verknüpft.<br />

Nachholbedarf habe Kolumbien im Bereich se<strong>in</strong>er Infrastruktur und der nachhaltigen<br />

Förderung se<strong>in</strong>es Rohstoffreichtums. Im Bereich von Forschung und Entwicklung<br />

sowie im Bereich der beruflichen Bildung ergeben sich vielfältige Ansätze für e<strong>in</strong>e<br />

<strong>in</strong>tensivere Zusammenarbeit <strong>in</strong> <strong>Deutsch</strong>land, so Ruck. Gerade auch im touristischen<br />

Bereich sieht der CSU-Entwicklungsexperte e<strong>in</strong> starkes Entwicklungspotenzial für<br />

mittelständische Unternehmer.<br />

Ruck begrüßte das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kolumbien sowie<br />

Peru. Daraus ergeben sich auch Entfaltungsmöglichkeiten für den deutschen<br />

Mittelstand <strong>in</strong> Kolumbien. Auch der Pazifik-Pakt zwischen Kolumbien und weiteren<br />

Nachbarstaaten der Region werden dem Mittelstand zugute kommen. Die<br />

geostrategische Lage Kolumbiens zwischen den Welten <strong>des</strong> Atlantik und <strong>des</strong> Pazifik<br />

könne das Land zu e<strong>in</strong>er Handelsdrehscheibe Late<strong>in</strong>amerikas entwickeln.<br />

Rosario Córdoba, Präsident<strong>in</strong> der Wettbewerbskommission Kolumbiens, machte<br />

deutlich, dass Kolumbien bei der Entwicklung se<strong>in</strong>er Wirtschaft auf das deutsche<br />

Mittelstandsmodell setzt. Die Regierung setze sehr auf die nachhaltige Entwicklung<br />

der regionalen Wirtschaft. Dazu wurden politische Kompetenzen von der<br />

Zentralregierung auf die regionalen Körperschaften verlagert. Die Regionen sollen<br />

eigenständig die aus ihrer Sicht förderungswürdigen Wirtschaftssektoren entwickeln.<br />

Dabei sollen besonders mittelständische Wirtschaftsstrukturen gestärkt werden. Zur<br />

Steigerung der Produktivität der kle<strong>in</strong>en und mittleren Unternehmen wolle die<br />

kolumbianische Regierung deren Innovationsfähigkeiten durch Forschung und


Entwicklung sowie deren F<strong>in</strong>anzierungsmöglichkeiten durch Förderbanken stärken.<br />

Auch der Aus- und Fortbildung im beruflichen Bereich räume die kolumbianische<br />

Regierung hohe Priorität e<strong>in</strong>.<br />

Prof. Dr. David Stadelmann von der Universität <strong>Bayreuth</strong> konstatierte der<br />

kolumbianischen Volkswirtschaft e<strong>in</strong>e dynamische Entwicklung <strong>in</strong> den letzten Jahren<br />

mit e<strong>in</strong>em erheblichen Wachstumspotenzial, wodurch sich auch die Exportchancen<br />

für die deutsche mittelständische Wirtschaft verbessert hätten. Die ökonomischen<br />

Rahmenbed<strong>in</strong>gungen <strong>in</strong> Kolumbien seien besser entwickelt als <strong>in</strong> anderen Staaten<br />

Late<strong>in</strong>amerikas. Dies gelte auch für Fragen der Rechtssicherheit.<br />

Cornelius Thor von der <strong>Deutsch</strong>en Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG),<br />

e<strong>in</strong> KfW-Tochterunternehmen, bestätigte ebenfalls der kolumbianischen Wirtschaft<br />

erhebliches Entwicklungspotenzial. Dies liege vor allem <strong>in</strong> der Rohstoffförderung, der<br />

gewerblichen Wirtschaft und der Konsumgüter<strong>in</strong>dustrie. Die politische und<br />

rechtsstaatliche Stabilität <strong>in</strong> Kolumbien habe sich hervorragend entwickelt. Der<br />

Pazifik-Pakt werde die Entwicklungsmöglichkeit für die mittelständische Wirtschaft<br />

weiter verbessern. Verbesserungsnotwendigkeit sieht Thor im Bereich e<strong>in</strong>er sicheren<br />

und preislich attraktiven Energieversorgung. Daher unterstütze die DEG auch<br />

Investitionen im Energiesektor <strong>in</strong> Kolumbien. Wenn deutsche Unternehmen bei<br />

Investitionen <strong>in</strong> Kolumbien auch Ausbildungskapazitäten im Bereich der beruflichen<br />

Bildung schaffen, könne dies ebenfalls durch die DEG gefördert werden.<br />

In der von Prof. Dr. Torsten Eymann, dem Direktor <strong>des</strong> Betriebswirtschaftlichen<br />

Forschungszentrums für Fragen der mittelständischen Wirtschaft an der Universität<br />

<strong>Bayreuth</strong> geleiteten Diskussion wurden auch Kooperationsmöglichkeiten gerade für<br />

oberfränkische Unternehmen mit der kolumbianischen Wirtschaft aufgezeigt.<br />

Konsequenzen <strong>in</strong> <strong>Deutsch</strong>land und Kolumbien aus der F<strong>in</strong>anzmarkt- und<br />

Wirtschaftskrise<br />

Prof. Dr. Bernhard Herz, Inhaber <strong>des</strong> Lehrstuhls für Geld und Internationale<br />

Wirtschaft an der Universität <strong>Bayreuth</strong>, machte deutlich, dass Europa derzeit nicht<br />

e<strong>in</strong>e Krise <strong>des</strong> EURO, sondern e<strong>in</strong>e Staatsschulden- sowie e<strong>in</strong>e Bankenkrise<br />

durchlebe. Die EU und ihre Mitgliedsstaaten haben darauf mit e<strong>in</strong>er Mischung aus<br />

neuer Ausrichtung <strong>des</strong> europäischen Regelwerkes und dem Aufspannen von<br />

Rettungsschirmen reagiert.<br />

Die Troika-Programme stellten dabei e<strong>in</strong>e Mischung aus Schuldenreduzierung und<br />

Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit dar. Dies bed<strong>in</strong>ge auch rezessive Phasen <strong>in</strong> den<br />

Volkswirtschaften der Länder unter den Rettungsschirmen. Dieser<br />

Anpassungsprozess erfordere Zeit und werde von der EZB durch geldpolitische<br />

Maßnahmen unterstützt. Die Reformprozesse zeigen erste Wirkung und stärken die<br />

Wettbewerbsfähigkeit der Programmländer. Was die Inflationsgefahr anbelangt, so<br />

sieht Professor Herz derzeit ke<strong>in</strong>e Anzeichen e<strong>in</strong>er <strong>in</strong>flationären Entwicklung <strong>in</strong><br />

Europa. Allerd<strong>in</strong>gs berge das lang anhaltende niedrige Z<strong>in</strong>sniveau auch Gefahren für<br />

die Volkswirtschaften <strong>des</strong> EURO-Raums. Der Ökonom forderte e<strong>in</strong>e strikte Rückkehr<br />

zum Haftungspr<strong>in</strong>zip. Das Anpassungsprogramm der Troika für Zypern wertete<br />

Professor Herz als Beg<strong>in</strong>n der Rückkehr zum Haftungspr<strong>in</strong>zip.


Im Zuge der Entschärfung der Staatsschulden- und Bankenkrise müsse die<br />

Geldpolitik wieder normalisiert werden. Die Entwicklung e<strong>in</strong>er e<strong>in</strong>heitlichen<br />

Bankenaufsicht <strong>in</strong> Europa mit der Möglichkeit e<strong>in</strong>er Bankenabwicklung sei e<strong>in</strong><br />

wichtiger Fortschritt für die Stabilisierung <strong>des</strong> Bankensektors <strong>in</strong> Europa. Professor<br />

Herz forderte die Politik <strong>in</strong> Europa zu e<strong>in</strong>er Stärkung der Reformkräfte <strong>in</strong> den<br />

Peripherieländern auf. Neben neuen verb<strong>in</strong>dlichen Regeln e<strong>in</strong>er e<strong>in</strong>heitlichen<br />

Fiskalpolitik müsse vor allem <strong>in</strong> nationaler Verantwortung die notwendige<br />

Haushaltskonsolidierung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit erfolgen.<br />

Prof. Dr. Hernán Muriel Ciceri von der St. Thomas Universität Bogotá machte <strong>in</strong><br />

se<strong>in</strong>em Beitrag deutlich, dass man von Seiten der late<strong>in</strong>amerikanischen Staaten die<br />

aktuelle Staatsschuldenkrise <strong>in</strong> Europa sehr aufmerksam verfolge. Gerade<br />

Kolumbien habe viele Elemente der deutschen und europäischen Rechtsordnungen<br />

übernommen, besonders im Bereich <strong>des</strong> Wirtschaftsrechts. Auch im F<strong>in</strong>anzsektor<br />

seien <strong>in</strong> Kolumbien wichtige Regulierungen vorgenommen werden, damit von dort<br />

ke<strong>in</strong>e Gefahren für die kolumbianische Volkswirtschaft ausgehen. Neben<br />

wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Regierung habe auch die Geldpolitik der<br />

Zentralbank Kolumbiens auf Inflationsgefahren und die Wachstumsschwäche<br />

erfolgreich reagiert. Insgesamt haben sich die Budget-Situation und die<br />

Wettbewerbsfähigkeit der kolumbianischen Wirtschaft <strong>in</strong> den letzten Jahren positiv<br />

entwickelt. Die verschiedenen Freihandelsabkommen, an denen Kolumbien beteiligt<br />

ist, haben sich ebenfalls positiv für die kolumbianische Volkswirtschaft ausgewirkt. In<br />

Kapitalmarktfragen arbeite Kolumbien mit se<strong>in</strong>en Nachbarn zunehmend enger<br />

zusammen und strebe Schritte für e<strong>in</strong>e weitere Kooperation und Integration an. Der<br />

OECD-Ausblick für Kolumbien für das Jahr 2913 sei überwiegend positiv, benenne<br />

jedoch auch Handlungsfelder für e<strong>in</strong>e weitere dynamische Entwicklung der<br />

kolumbianischen Wirtschaft, z. B. im makroökonomischen, rechtlichen und sozialen<br />

Bereich.<br />

Kommunale Klimapartnerschaften zwischen Kolumbien und <strong>Deutsch</strong>land<br />

Im Rahmen <strong>des</strong> <strong>Deutsch</strong>-<strong>Kolumbianischen</strong> <strong>Forums</strong> <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong> und <strong>Bayreuth</strong> wurde<br />

deutlich, dass es nicht nur auf politischer, wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und<br />

kultureller Ebene e<strong>in</strong> dichtes Beziehungsgeflecht gibt. Auch auf kommunaler Ebene<br />

haben sich Klimapartnerschaften entwickelt.<br />

Klaus Hecht vom AGENDA 21-Büro der niedersächsischen Lan<strong>des</strong>hauptstadt<br />

Hannover und Markus Temburg vom Amt für Entwicklung <strong>des</strong> Rhe<strong>in</strong>-Kreises Neuss<br />

berichteten über die Klimapartnerschaften mit den Geme<strong>in</strong>den Belén de los<br />

Andaquíes und Solano <strong>in</strong> der Prov<strong>in</strong>z Caquetá im Süden Kolumbiens. Auf deutscher<br />

Seite werden derartige Partnerschaften durch den Energie- und Klimafonds der<br />

Bun<strong>des</strong>regierung gefördert. Die kolumbianischen Partnergeme<strong>in</strong>den wurden<br />

aufgrund deren besonderer Biodiversität, der Existenz <strong>in</strong>digener Völker und der<br />

vorhandenen Nationalparks ausgewählt. Auch das Bun<strong>des</strong>m<strong>in</strong>isterium für<br />

wirtschaftliche Zusammenarbeit fördert die Klimazusammenarbeit zwischen<br />

Kommunen <strong>in</strong> <strong>Deutsch</strong>land und Late<strong>in</strong>amerika, z. B. den Kakaobohnen-Anbau durch<br />

<strong>in</strong>digene Völker <strong>in</strong> Genossenschaftsform im Bereich <strong>des</strong> Amazonas. Der Kakao soll<br />

dann gemäß “Fair-Trade-Kriterien” zertifiziert, <strong>in</strong> <strong>Deutsch</strong>land zu Schokolade<br />

verarbeitet und <strong>in</strong> den Mitgliedskommunen <strong>des</strong> Klimabündnisses vermarktet werden.


Das Motto dabei lautet: “Von der Kakaobohne am Amazonas bis zur<br />

Klimaschutzschokolade <strong>in</strong> <strong>Deutsch</strong>land!” Im Bereich der regenerativen<br />

Energieversorgung werden ebenfalls lokale Projekte mit <strong>in</strong>digener Beteiligung <strong>in</strong><br />

Kolumbien angestrebt.

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