Leseprobe (PDF) - Humboldt

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Inhalt

Danksagungen 5

Vorwort 9

Teil I Die Streitfälle 12

Kapitel A: Geben 13

Kapitel B: Reizen 19

Kapitel C: Spielansage 28

Kapitel D: Ausspielen 39

Kapitel E: Bedienen 47

Kapitel F: Spielabkürzung 60

Kapitel G: Sonstiges 72

Teil II

Die Entscheidungen des

Deutschen Skatgerichts 76

Entscheidungen zu Kapitel A 77

Entscheidungen zu Kapitel B 92

Entscheidungen zu Kapitel C 115


8 Inhalt

Entscheidungen zu Kapitel D 142

Entscheidungen zu Kapitel E 162

Entscheidungen zu Kapitel F 193

Entscheidungen zu Kapitel G 222

Abdruck der Internationalen Skatordnung 230


Teil I

Die Streitfälle


Kapitel A: Geben

Kapitel A: Geben 13

Was Sie beim Geben beachten sollten

Nach ordnungsgemäßem Geben muss ein gültiges (d. h. also z. B. auch ein

eingepasstes) Spiel zustande kommen (3.2.16 ISkO). Vor dem Geben und

nach gründlichem Mischen durch den Kartengeber (vgl. 3.2.2. ISkO) hat

dessen rechter Nachbar die Karten einmal abzuheben (3.2.4 S. 1 ISkO). Dabei

müssen mindestens vier Karten abgehoben werden und mindestens vier

Karten liegen bleiben (3.2.4 S. 2 ISkO). Der Kartengeber beginnt anschließend

mit dem Geben der Karten bei seinem linken Nachbarn und verteilt die

Karten im Uhrzeigersinn nach dem Muster 3–Skat–4–3(3.2.6 ISkO).

Einsprüche gegen jegliche Unkorrektheiten beim Mischen, Abheben und bei

der Art und Weise der Kartenverteilung müssen vor Kartenaufnahme geltend

gemacht werden (3.2.10 ISkO).

Neu gegeben werden muss zum einen, wenn der Kartengeber allein- oder

mitverschuldet eine Karte oder mehrere Karten aufwirft (3.2.8 ISkO). Zum

anderen müssen die Karten bei einer zahlenmäßig ungleichen Verteilung neu

gegeben werden, aber nur dann, wenn diese vor Beendigung des Reizens beanstandet

wird oder wenn beide Parteien eine fehlerhafte Kartenzahl haben

(3.2.9 ISkO). Vom Reizen ausgeschlossen wird derjenige, der während des

ordnungsgemäßen Gebens oder danach den Skat ansieht oder aufwirft

(3.2.14 ISkO) oder den Skat mit aufnimmt (3.2.15 S. 1 ISkO; beachte zu

weiteren, nicht mit dem Geben zusammenhängenden Ausschlussgründen

vom Reizen 3.3.9 ISkO). In letzterem Fall wird das Spiel nicht wiederholt,

sondern der Schuldige muss seine zwölf Handkarten mischen und vom Kartengeber

daraus zwei Karten verdeckt als Skat ziehen lassen (3.2.15 S. 2

ISkO). Zu wiederholen ist demgegenüber jedes vom falschen Mann gegebene

Spiel (3.2.11 S. 1, 3.2.12, 3.2.13 S. 2 ISkO) innerhalb einer noch nicht

abgeschlossenen Runde (vgl. 3.2.11 S. 2, 3.2.13 S. 1, 4.1.1 S. 1 ISkO).

Streitfall A1: Die »Mischung« macht’s

M. B. eröffnet die Skatrunde als Kartengeber (womit er zu seinem Leidwesen

auch Listenführer ist). Den zurückhaltend agierenden Meier und den

schwachen Schmidt empfindet er nicht als Bedrohung, aber der wild reizende

Müller mit seinem unerklärlichen »Glück« bereitet ihm Sorgen. Da M. B.


14 Die Streitfälle

beim Auspacken und Durchsehen des Kartenspiels festgestellt hat, dass die

»Buben« und »Vollen« im Blatt gut verteilt sind, mischt er die Karten lediglich

einmal durch, damit auch ja kein Spiel seiner Mitspieler zustande

kommt. Müller besteht allerdings darauf, dass »gründlich« durchgemischt

wird. Dem hält M. B. entgegen, dass seine berühmte »5-Phasen-einmal-

Mischmethode« nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen von promovierten

Skatspielern zu den gerechtesten Kartenverteilungen führe. Der

Beamte Meier, der promovierten Menschen nicht über den Weg traut und

M. B. ohnehin nicht, bezweifelt nun aber ebenfalls die Effektivität dieser

Mischmethode und verlangt ein gründliches Mischen der Karten. Muss

M. B. noch einmal mischen?

Wie würden Sie entscheiden?

Streitfall A2: Der »fingierte« Mischmasch

Meier macht die Arthrose in seinen Fingergelenken mehr und mehr zu schaffen.

Zur nächsten Skatrunde bringt er deshalb eine Kartenmischmaschine

mit, den »Mischomat 3000«. Diese soll anstelle von Meier mischen. Damit

ist Müller nicht einverstanden, denn er ist der – zutreffenden – Meinung,

dass Mischmaschinen gründlicher mischen als Menschen und deswegen weniger

hohe Spiele zustande kommen. Schmidt will schlichten und schlägt

vor, dass der links von Meier sitzende Müller für Meier geben könne, doch

Müller entgegnet, als Kartengeber dürfe er sich die Karten jedenfalls nicht

zuerst selbst geben. Deswegen sei es mit ihm als Kartengeber nicht möglich,

dass der rechts von Meier sitzende M. B. ordnungsgemäß als Letzter seine

restlichen Karten erhält. Als vorgeschlagen wird, dass dann doch M. B. für

Meier geben solle, weigert sich M. B. Zunächst erklärt er, dass er sich nach

3.2.7 S. 1 ISkO als Kartengeber selbst keine Karten geben dürfe, was er jedoch

tun müsse, da er das Spiel schließlich mitspiele. Aus diesem Grund könne

er das normalerweise von Meier zu gebende Spiel nicht geben. Außerdem

müsste er gemäß 3.2.6 S. 1 ISkO seinem linken Nachbarn – Meier – zuerst

Karten geben, obwohl dieser gar nicht mitspielt. Des Weiteren führt er an, er

müsse seine »Skatweltmeister«-Hände schonen; Pianisten würden diesbezüglich

nicht anders verfahren. Und nicht zuletzt wolle er gesundheitlich und

spielerisch nicht so enden wie Meier. Nach einigen hitzigen Wortgefechten

kehrt zwar wieder Ruhe ein, es besteht jedoch immer noch keine Einigkeit

über das weitere Vorgehen.

Wie würden Sie entscheiden?


Kapitel A: Geben 15

Streitfall A3: Wer hebt ab und wer ist abgehoben?

Inzwischen wird Meier von seiner Arthrose weniger schwer behindert und

mischt und verteilt die Karten selbst, wenn er an der Reihe ist. Sein Groll gegen

M. B. nach dessen Verhalten (siehe Streitfall A2) besteht aber nach wie

vor, weswegen M. B. von Meier, Müller und Schmidt für einen Skatabend

»gesperrt« wurde. Am Dreiertisch ist Schmidt – sozusagen symbolisch auf

Platz 3 sitzend – erwartungsgemäß und abgeschlagen Letzter. Schmidt sieht

nur einen Ausweg und sucht erst einmal die Toilette auf, damit es danach

»wieder läuft«. Müller, der als Listenführer auf Platz 1 und während der

Spiele links von Schmidt sitzt, dauert das natürlich zu lange. Er mischt inzwischen,

lässt von Meier, der dank Schmidts Abwesenheit nun Müllers

rechter Nachbar ist, abheben, und verteilt die Karten. Als Schmidt, der sich

die Hände selbstverständlich gründlich gewaschen hat, wieder zurückkommt,

findet er mit drei »Königen«, zwei »Neunen«, drei »Damen« und

zwei »Achten« ein – beim Skat leider unbrauchbares – doppeltes »Full House«

vor. Auch ohne M. B. am Tisch befürchtet Schmidt allmählich, dass sich

die restlichen Spieler gegen ihn verschworen haben und ihn betrügen. Deswegen

beruft er sich nun darauf, dass er nicht abheben konnte und deshalb

neu gegeben werden müsse. Müller, der sich selbst einen »dicken« »Grand«

gegeben hat, hält den Gebevorgang demgegenüber für korrekt, da Schmidt

sich das Abheben nicht ausdrücklich vorbehalten hat.

Wie würden Sie entscheiden?

Streitfall A4: Die Schuld des Kartengebers

Am nächsten Skatabend darf M. B. wieder mitspielen. Er muss bedauerlicherweise

die Liste führen und gleich das erste Spiel geben. Um wenigstens

dem Geben zu entgehen, bittet er den rechts neben ihm sitzenden Schmidt

darum, für ihn zu geben. M. B. begründet seine Bitte damit, dass er sich während

des letzten Skatabends, an dem er »gesperrt« war, am Sandsack abreagiert

habe und seine Hände daher Schonung benötigten. Die Bitte wird natürlich

zurückgewiesen, auch wenn der cholerische Müller seinen Erzfeind

M. B. ausnahmsweise anerkennend anschaut. Als M. B. nun entsprechend

demotiviert das erste Spiel gibt und Müller in Vorhand schon zehn Karten

erhalten hat, beschleicht ihn das Gefühl, er halte nur noch fünf statt sechs

Karten in der Hand. Unabhängig davon, dass Müller beim Betrachten seiner


16 Die Streitfälle

Karten freudig grinst, sagt M. B.: »Moment mal, ich habe mich vergeben.«

Daraufhin wirft Meier in Mittelhand seine sieben Karten sofort offen auf

den Tisch. Jetzt stellt M. B. beim Nachzählen allerdings fest, dass er doch

noch sechs Karten in der Hand hält, und korrigiert sich: »Die Karten stimmen

doch.« Während Schmidt wegen des Verhaltens von Meier verlangt,

dass neu gegeben wird, besteht Müller mit einem »unverlierbaren« »Grand«

in Vorhand darauf, dass die restlichen Karten verteilt werden; schließlich sei

korrekt gegeben worden. Dass der alte Wirrkopf Meier seine Karten voreilig

offen hinwirft, sei allein dessen Problem.

Wie würden Sie entscheiden?

Streitfall A5: Unberechenbare Fallsucht, Teil 1

Die Serie aus Streitfall A4 wird fortgesetzt. Vier Spiele später gibt M. B. das

erste Spiel der zweiten Runde. Diesmal verteilt er die Karten ordnungsgemäß.

Schmidts Augen beginnen wegen seines unerwartet guten Blatts bereits

nach sieben aufgenommenen Karten zu funkeln. Als Schmidt die letzten

drei Karten aufzunehmen versucht, lässt er vor Aufregung unabsichtlich alle

Karten auf einmal aus der Hand fallen, so dass sie für alle sichtbar werden.

Müller, der seit bzw. wegen des ihm »weggenommenen« »Grands« im ersten

Spiel überhaupt kein Spiel bekommen und auch jetzt wieder mit einem

schlechten Blatt zu kämpfen hat, findet den Fall eindeutig: Wenn im vorherigen

Fall (Streitfall A4) neu gegeben werden musste, dann doch jetzt wohl

auch. Es spiele dabei keine Rolle, ob jemand die Karten absichtlich offen hinwirft

oder unabsichtlich fallen lässt. M. B. hingegen findet, dass seine Finger

vom ganzen zusätzlichen Mischen schon ganz wund seien. Deswegen will er

das Spiel durchführen lassen, damit Müller nicht spielt und er selbst nicht

schon wieder neu geben muss.

Wie würden Sie entscheiden?

Streitfall A6: Der »übergewichtige« Skat

Als ob es doch einen Skatgott gäbe, bekommt Müller in der aus Streitfall

A4/A5 fortgesetzten Serie im ersten Spiel der dritten Runde nicht nur einen

»Grand« in Vorhand, sondern gleich einen »Grand-Hand«. Diesen sagt er


Kapitel A: Geben 17

nach einem kurzen Reizduell mit Meier auch sofort an. Nun bemerkt

Schmidt in Hinterhand, dass im Skat drei Karten liegen. Fast zeitgleich lässt

Meier verlauten, er habe nur neun Karten. Müller und Schmidt haben demgegenüber

jeweils zehn Karten auf der Hand. Daraufhin lächelt Kartengeber

M. B. süffisant und sagt, dass er neu geben müsse, weil die Karten zahlenmäßig

ungleich verteilt seien und dabei beide Parteien eine fehlerhafte Kartenanzahl

hätten. Müller regt sich fürchterlich auf, denn er will sich von M. B.

kein weiteres großes Spiel versauen lassen und seinen »Grand-Hand« durchführen.

Am liebsten wäre es ihm sogar, wenn er den »Grand-Hand« auf der

Stelle gutgeschrieben bekäme.

Wie würden Sie entscheiden?

Streitfall A7: Das gibt es doch gar nicht neu, oder?

An einem weiteren Skatabend von bislang zahllos verlebten erhält M. B. in

Mittelhand das 17. Spiel bei »18«. Seine Laune ist prächtig, da er im 16.

Spiel einen »Grand« von Müller umgebogen hat – schließlich könne Müller

doch nicht alle seine »Grands« automatisch gewinnen. Leider ist die Findung

miserabel, so dass M. B. mit nun weitaus weniger guter Laune einen »Null«

ansagt, den er zwar gleich abschenken, aber mit viel Glück auch gewinnen

könnte. Auf einmal bemerkt Listenführer Schmidt, dass das 16. Spiel vom

Spieler auf Platz 3 und das aktuelle 17. Spiel vom Spieler auf Platz 4 gegeben

wurde. Müller meint jetzt, dass sowohl das 16. als auch das 17. Spiel ungültig

seien und deshalb nun das 16. Spiel vom Spieler auf Platz 4 neu gegeben

werden müsse. Meier, der durch die ganze Aufregung unbemerkt einen Blick

in das schwache Blatt von M. B. werfen konnte, sieht das alles diesmal nicht

so eng und plädiert dafür weiterzuspielen. Demgegenüber ist M. B. der Auffassung,

dass das 16. Spiel gültig sei und nur das 17. Spiel neu vom Spieler

auf Platz 1 gegeben werden müsse.

Wie würden Sie entscheiden?


18 Die Streitfälle

Streitfall A8: Doppelte unerlaubte Skataufnahme

Nach einigen Runden spürt Müller, dass ihn eine Glückssträhne ereilen wird.

Hastig nimmt er alle Karten auf, die Kartengeber Schmidt – unbeholfen wie

immer – auch nur in seine Nähe wirft. M. B., der ein Näschen für Glückssträhnen

hat, gefällt dies überhaupt nicht. Um Müller zu verunsichern, tut er

es ihm gleich und schnappt sich alles, was irgendwie in seiner Umgebung

vom »Kartengeberhimmel« fällt. Erst nach Beendigung des Reizens, das

Müller für sich entscheiden konnte, fällt der Runde auf, dass sowohl M. B.

als auch Müller in ihrer Hektik trotz ordnungsgemäßen Gebens jeweils eine

Karte des Skats mit aufgenommen haben. Ein zur Klärung konsultierter

Schiedsrichter zeigt sich ratlos und spricht von einem »bislang unbekannten

Fall«, was zu einer Verhärtung der Fronten führt. Schmidt will das Spiel gemäß

3.2.9 ISkO noch einmal geben, da eine zahlenmäßig ungleiche Kartenverteilung

vorliege und beide Parteien eine fehlerhafte Kartenzahl hätten.

Das passt M. B. nicht, da er bei Müllers sich ankündigender Glückssträhne

vermeiden will, dass das Spiel noch einmal gegeben wird. Deswegen begnügt

er sich mit der Forderung, dass sowohl er als auch Müller gemäß 3.3.9 S. 1

ISkO vom Reizen ausgeschlossen werden, weil sie beide nach dem Geben den

Skat mit aufgenommen hätten. Nach einigen Kraftausdrücken fällt Müller

ein, was er entgegnen könnte. Er behauptet, 3.3.9 S. 1 ISkO gelte nur für den

Fall, dass jemand beide Karten des Skats mit aufnimmt. Wenn aber zwei

Spieler – darunter der »Alleinspieler« – jeweils eine Karte des Skats mit aufnehmen,

müsse trotz des Nichteingreifens von 3.3.9 S. 1 ISkO selbstverständlich

3.3.10 S. 1 ISkO zur Anwendung gelangen. Schließlich sei ordnungsgemäß

gegeben worden, und deshalb müsse gemäß 3.2.16 ISkO ein

gültiges Spiel zustande kommen. Kartengeber Schmidt hätte deswegen eine

Karte aus dem gemischten Blatt von M. B. zu ziehen, die dem »rechtmäßigen

Alleinspieler« Müller dann gegeben werde. Als Meier, der beim Reizen

zumindest »18« bieten konnte, das Argument mit 3.2.16 ISkO hört, schlägt

er vor, dass das Spiel als eingepasst behandelt werden sollte, da nach 3.2.16

ISkO auch ein eingepasstes Spiel ein gültiges Spiel ist. Nun wartet die Runde

auf den Skatregeln-Messias, der hoffentlich in ihrer Form, werter Leser, zu

einer Entscheidung gelangen und die Skatspieler von ihren Leiden erlösen

wird.

Wie würden Sie entscheiden?


Kapitel B: Reizen

Kapitel B: Reizen 19

Was Sie beim Reizen beachten sollten

Das Reizen läuft wie folgt ab (vgl. 3.3.2 – 3.3.4 ISkO): Mittelhand passt oder

gibt ein Reizgebot an Vorhand ab, bei dem Vorhand passen oder mitgehen kann.

Passt Mittelhand sofort oder während des Reizens, gibt Hinterhand ein höheres

als das zuletzt genannte Reizgebot an Vorhand ab oder passt. Das Gleiche macht

sie bei Mittelhand, falls Vorhand während des Reizens durch Mittelhand gepasst

hat. Wer den höchsten Reizwert geboten oder gehalten hat, wird Alleinspieler

(3.3.5 ISkO). Vorhand darf als Einzige den Skat aufnehmen, ohne ein Reizgebot

abgegeben zu haben, aber nur dann, wenn Mittel- und Hinterhand zuvor jeweils

gepasst haben (3.3.6 S. 1 ISkO). Demgegenüber darf Vorhand keinesfalls passen,

bevor nicht Mittel- und Hinterhand ein Reizgebot abgegeben oder gepasst

haben (3.3.6 S. 3 ISkO). Tut sie es dennoch, ist sie schlimmstenfalls zu verwarnen.

Ihr Passen ist und bleibt allerdings unwiderruflich (3.3.8 ISkO, s. u.).

Zum Reizausschluss führt das Ansehen, Aufwerfen (3.2.14 ISkO) und Aufnehmen

(3.2.15 ISkO) des Skats und das unberechtigte Einsehen der Karten

eines Mitspielers (3.3.9 S. 1 ISkO), und zwar sowohl während des ordnungsgemäßen

Gebens oder danach (3.2.14, 3.2.15 ISkO) als auch bis zur Beendigung

des Reizens (3.3.9 S. 1 ISkO). Liegt ein Verstoß gegen 3.3.9 S. 1 ISkO

vor, sind die Spieler, die sich regelkonform verhalten haben, von ihren Reizgeboten

entbunden und können neu reizen oder einpassen (3.3.9 S. 2, S. 3

ISkO). In diesen Fällen der unberechtigten Skataufnahme nach Beginn, aber

vor Beendigung des Reizens ist zwingend das Verfahren des 3.3.10 ISkO einzuhalten.

Das heißt: die Aushändigung des ursprünglichen Skats erfolgt nur,

wenn er von allen Spielern eindeutig ausgemacht werden kann. Ansonsten

mischt derjenige, der den Skat aufgenommen hat, seine Karten und lässt vom

Kartengeber (wie in den Fällen des 3.2.15 ISkO) zwei Karten verdeckt als

Skat ziehen. Es gibt wegen 3.2.16 ISkO keine Spielwiederholung. Wird der

Verstoß gegen 3.3.9 S. 1 ISkO vor Beendigung des Reizens begangen, aber erst

nach Beendigung des Reizens bemerkt, muss der Alleinspieler vor der Skataufnahme

entscheiden, ob er spielen oder einpassen will (3.3.10 S. 3 ISkO).

Die Erklärung des Passens sowie das Bieten und Halten eines Reizwertes sind

unwiderruflich (3.3.8 ISkO), es sei denn, es liegt ein Fall des Reizausschlusses

nach 3.3.9 ISkO vor (nicht nach 3.2.14, 3.2.15 ISkO, weil in diesen Fällen

noch gar nicht gereizt wurde).


20 Die Streitfälle

Streitfall B1: Die »gereizte« Spielansage, Teil 1

Nach mehreren Problemen beim Geben innerhalb von wenigen Skatabenden

(siehe Streitfälle A1 – A8) klappt das Geben, auch noch durch Schmidt, endlich

einmal problemlos. M. B. bekommt in Vorhand ein Traumblatt und will

es Müller und Meier wieder einmal so richtig zeigen. Ohne ein Reizgebot

von ihnen abzuwarten, fragt er: »Hat einer mehr als Grand-Hand-Schneider?«

Daraufhin äußert Müller in Mittelhand: »Ich hätte bis 24 gereizt«,

und Meier in Hinterhand ergänzt: »Ich hätte sogar 33 geboten.« Nun will

M. B. das Spiel sofort als gewonnen angeschrieben bekommen wegen gegenseitigen

Kartenverrats der Gegenspieler. Da von vornherein keiner mehr als

einen »Grand-Hand-Schneider« hat, dürften die Gegenspieler sich nicht

durch Reizwerte ihre langen Farben signalisieren. Müller und Meier hingegen

sind der Auffassung, dass M. B. zunächst die Reizgebote von Mittel- und

Hinterhand hätte abwarten müssen.

Wie würden Sie entscheiden?

Streitfall B2: Die »gereizte« Spielansage, Teil 2

Müller hat in Hinterhand mal wieder ein tolles Spiel bekommen, verliert

aber wegen seiner Ungeduld beim Reizen die Nerven. Als M. B. in Vorhand

seine »35« auch noch hält, sagt er daraufhin »Grand-Hand«,umM. B. in die

Knie zu zwingen. M. B. passt natürlich, aber Müller nimmt nun den Skat auf

und sagt einen »Kreuz« an. Meier, M. B. und Schmidt verlangen jetzt sofortigen

Spielverlust für Müller, da er nach seiner »Hand«-Ansage den Skat aufgenommen

und damit gegen 2.2.3 S. 1, 3.4.8 S. 1 ISkO verstoßen habe.

Demgegenüber behauptet Müller, er habe mit »Grand-Hand« lediglich einen

Reizwert von mindestens »72« geboten, aber keinesfalls ein Spiel angesagt.

Deswegen fühle er sich nur dazu verpflichtet, ein beliebiges Spiel

durchzuführen, das einen Reizwert von »72« erreicht. Dies müsse kein

»Grand-Hand« sein. Sein unverlierbarer »Kreuz« mit fünf Spitzen sei dafür

vollkommen ausreichend.

Wie würden Sie entscheiden?


Kapitel B: Reizen 21

Abwandlung von Streitfall B2: Die »gereizte«

Spielansage, Teil 3

Diesmal gewinnt Müller das Reizen mit der »Ansage« »Null-Ouvert-Hand«,

nur um nach Skataufnahme und ordnungsgemäßem Drücken doch wieder

seinen »Kreuz« mit fünf Spitzen zu spielen. Erneut verlangen Meier, M. B.

und Schmidt sofortigen Spielverlust für Müller wegen eines Verstoßes gegen

2.2.3 S. 1, 3.4.8 S. 1 ISkO durch Skataufnahme nach einer »Hand«-Ansage.

Müller beharrt jedoch darauf, vor der Ansage seines Kreuzspiels keine bindende

Spielansage vorgenommen zu haben.

Wie würden Sie entscheiden?

Streitfall B3: »Intrigantenstadl«

Schmidt will in Vorhand einen »Herz-Hand« ohne zwei Spitzen spielen,

doch als Müller in Mittelhand ihm »44« bietet, muss er zähneknirschend

passen. In Hinterhand denkt M. B., der seinen »Grand-Hand-Schneider«

(siehe Streitfall B1) gerade so mit 90 Augen gewonnen hat, darüber nach, ob

er höher geht. Sein Denkvorgang wird jäh unterbrochen, als Müller plötzlich

seine Karten offen auf den Tisch legt und einen »Null-Ouvert-Hand« ansagt.

In dem voreiligen Glauben, das Spiel sei »dicht«, dreht Kartengeber Meier

für alle sichtbar den Skat um. Nun verlangt Schmidt, dass Müller vom Reizen

ausgeschlossen wird, weil er ein Spiel angesagt hat, ohne ein Reizgebot

von M. B. abzuwarten. M. B. würde zwar eventuell einen wackligen »Kreuz-

Hand« mit zwei Spitzen spielen wollen, wenn Müller vom Reizen ausgeschlossen

wäre, aber dank des Skats sieht er, dass Müllers »Null-Ouvert-

Hand« zu knacken ist. Da er befürchtet, dass Müller die Spieldurchführung

wegen des aufgedeckten Skats ohnehin nicht zumutbar ist, will er das Reizen

wiederholen lassen, wobei Müller allerdings an einen Reizwert von »59« gebunden

sein soll. Müller hingegen will sein Spiel nun sofort als gewonnen

angeschrieben bekommen.

Wie würden Sie entscheiden?


22 Die Streitfälle

Erste Abwandlung von Streitfall B3: Die Macht des

Schiedsrichters, Teil 1

Nach der Entscheidung zu Streitfall B3 erhält Müller – immer noch beim

gleichen Spiel – den Skat diesmal bereits bei »33«: Schmidt reizt in Vorhand

seinen »Herz« ohne zwei Spitzen doch nicht auf »Hand«, und M. B. hat in

Hinterhand bekanntlich andere Pläne – er will Müllers Spiel umbiegen und

passt deswegen. Da Müller das Glitzern in den Augen von M. B. wahrgenommen

hat, überlegt er – ohne bislang den Skat aufgenommen oder ein

Spiel angesagt zu haben –, ob er nicht bloß einen »Null-Hand« spielen sollte.

Mit Schmidt als Gegenspieler, so seine Überlegung, könne er sein Spiel eher

gewinnen, da Schmidt sich die bereits in Streitfall B3 offen gelegten Karten

garantiert nicht merken konnte. Auf einmal deckt Kartengeber Meier den

Skat auf in der irrigen Annahme, Müller wolle weiterhin seinen »Null-Ouvert-Hand«

spielen und habe ihn bereits angesagt. Erneut will Müller sofort

ein Spiel als gewonnen angeschrieben bekommen – am liebsten den »Null-

Ouvert-Hand«. Schmidt und M. B. hingegen sind der Meinung, dass Müller

nicht spielen müsse, wenn er nicht wolle, aber automatisch ein Spiel gewonnen

habe er nicht. Wenn er sich doch dazu entschließe zu spielen, müsse

er auch die Konsequenzen tragen.

Wie würden Sie entscheiden?

Zweite Abwandlung von Streitfall B3: Die Macht des

Schiedsrichters, Teil 2

Müller wird mit gereizten »24« Alleinspieler in Mittelhand. Auf der Hand

hat er ¨ B, ♥ B, ♠ A, ♠ K, ♥ 10, ♥ K, ♥ D, ♥ 9, ♥ 8, ♦ A. Bevor Kartengeber

Meier den Skat zu Müller schiebt, schaut er interessehalber in den

Skat. Als Müller dies sieht, wirft er seine Karten offen auf den Tisch und will

sofort ein Spiel als gewonnen angeschrieben bekommen. Da er natürlich ein

besonders hohes Spiel gutgeschrieben bekommen möchte, sagt er einen

»Grand« an. Darüber kann M. B. in Vorhand nur lachen: Wenn Müller ein

Spiel ansage, habe er den Regelverstoß des Kartengebers gebilligt und müsse

das Spiel durchführen. Einen »Grand« könne er nicht gutgeschrieben bekommen,

weil er diesen nicht gewinnen könne: Er – M. B. – habe schließlich

die beiden anderen »Buben« sowie eine »Kreuz-Flöte« auf der Hand. Zudem

sei es Müllers eigene Schuld, dass er seine Karten offen auf den Tisch ge-


Kapitel B: Reizen 23

worfen habe, so dass auch nicht von einer Unzumutbarkeit der Spieldurchführung

die Rede sein könne. Schmidt in Hinterhand hingegen würde es

Müller zumindest gestatten, von seinem Reizgebot zurückzutreten und das

Spiel einpassen zu lassen. Und Meier, der beschämt schweigt, fragt sich, ob

M. B. sich das »Mauern« von ihm abgeschaut hat.

Wie würden Sie entscheiden?

Streitfall B4: Unberechenbare Fallsucht, Teil 2

M. B. schwant in Mittelhand nichts Gutes, als er seinen »Kreuz« mit zwei

Spitzen ausreizt und Müller in Vorhand auch »35« noch hält. Nachdem

M. B. »36« geboten hat, aber noch bevor Müller diesen Wert halten oder darauf

passen konnte, fallen dem ungeschickten Schmidt in Hinterhand fünf

Karten für alle sichtbar aus seinem Blatt, nämlich ª B, ♦ B, ♣ A, ♣ K, ♣ D.

Daraufhin passt Müller, der lieber das Spiel von M. B. umbiegen will, als einen

unsicheren »Null Ouvert« zu riskieren. Anschließend passt Schmidt

ebenfalls. Ohne den Skat aufzunehmen oder ein Spiel anzusagen meint

M. B. nun allerdings, dass er durch Schmidts Missgeschick nicht mehr an

sein Reizgebot gebunden sei und ebenfalls passen wolle. Meier behauptet,

dass es einen solchen Fall des Entbundenwerdens vom Reizgebot in der Internationalen

Skatordnung nicht gebe. Und für Müller ist ohnehin klar – was

er in einem entsprechenden Tonfall auch zur Sprache bringt –, dass M. B. nur

»Schiss« habe, sein Spiel zu verlieren. M. B. müsse sich aber laut Müller wie

ein Mann und nicht wie eine Memme benehmen, spielen und verlieren.

Wie würden Sie entscheiden?

Abwandlung von Streitfall B4:

Unberechenbare Fallsucht, Teil 3

Wie in Streitfall B4, nur diesmal hält Müller die »36« von M. B., obwohl

Schmidt nach dem Reizgebot von M. B. die zwei »Buben« und drei

»Kreuz«-Karten heruntergefallen sind. Jetzt passt M. B. natürlich, da er ein

Handspiel gegen fünf Trümpfe auf einer Hand erst recht nicht gewinnen

kann. Als Müller – nachdem auch Schmidt gepasst hat – den Skat aufnimmt,


24 Die Streitfälle

ist er entsetzt: Mit ª D, ♥ K zu seinem zuvor »blanken« ª A kann er seinen

»Null Ouvert« nicht mehr gewinnen. Deswegen behauptet er nach der

schlechten Findung umgehend, er sei durch Schmidts Fehlverhalten von seinem

Reizgebot entbunden. M. B. fragt sich, wer denn nun wirklich »Schiss«

habe, während Schmidt peinlich berührt die Löcher in der Decke zählt.

Wie würden Sie entscheiden?

Streitfall B5: Ein »Sprung« in der Reizung

Müller reizt in Mittelhand M. B. in Vorhand. Nachdem M. B. »18« und

»20« gehalten hat, dämmert es dem ungeduldigen Müller, dass das Reizduell

gegen seinen großen Konkurrenten viel zu lange dauern könnte. Er reizt deswegen

»40«, woraufhin erst M. B. und anschließend Schmidt in Hinterhand

passen. Während Müller den Skat aufnimmt, beschwert sich Schmidt über

Müllers unfaire Sprungreizung. Eine solche mache das Skatspiel weniger

strategisch und sei doch garantiert nicht erlaubt. Er kann sich nicht vorstellen,

dass die Internationale Skatordnung ungeduldige und chronische Spieler

von kaputten Spielen, wie Müller in seinen Augen einer ist, dermaßen bevorzugt

behandelt. Am schlimmsten sei aber – und das sagt er laut und deutlich

–, er habe M. B. nicht zeigen können, dass er bis »33« gereizt hätte. Daraufhin

wirft Müller die Karten verdeckt auf den Tisch und möchte sofort

ein Spiel als gewonnen angeschrieben bekommen, weil Schmidts Äußerung,

er hätte bis »33« gereizt, Kartenverrat sei. Schmidt hält dem entgegen, es

müsse ihm gestattet sein, seinen höchsten Reizwert zu nennen, wenn ihm

dies durch die seiner Meinung nach unerlaubte Sprungreizung zuvor nicht

möglich war.

Wie würden Sie entscheiden?

Streitfall B6: Der »Reiz« des Verbotenen

M. B. in Vorhand und Müller in Mittelhand bieten sich wieder einmal ein

schonungsloses Reizduell. Müller bietet erst »18«, die M. B. hält. Dann erhöht

er, um M. B. zu schocken, plötzlich auf »46«, doch M. B. gibt immer

noch nicht klein bei. Nun probiert Müller es mit einer Finte und bietet »47«,

die M. B., der das rechnerisch nicht existente Reizgebot nicht ernst nimmt,


Kapitel B: Reizen 25

ebenfalls hält. Schließlich erhöht Müller noch auf seinem ausgereizten Blatt

entsprechende »48«, bei denen M. B. auf einmal passt. Dies ist Müller nur

recht, doch Schmidt in Hinterhand behauptet, M. B. hätte bei »48« nicht

passen dürfen, da bereits das vorherige Gebot von »47« einem Reizwert von

»48« entspreche. Auf diese Diskussion will M. B. sich nicht einlassen. Er belehrt

das »Greenhorn« Schmidt und verdeutlicht ihm, dass »47« kein zulässiges

Reizgebot sei. Im Übrigen könne er »48« nicht halten. Daraufhin passen

Müller und Schmidt und behaupten, dass M. B. bei gehaltenen »47« Alleinspieler

geworden sei. Wer ist denn jetzt wirklich Alleinspieler geworden? Die

Skatkarriere von M. B. hängt am seidenen Faden, und Sie, sehr geehrter Leser,

werden mit ihrem Urteil über deren weiteren Verlauf bestimmen.

Wie würden Sie entscheiden?

Streitfall B7: »Billigeinkauf« für Hinterhand?

Müller, der in Vorhand kein gutes Blatt bekommen hat, sagt vorschnell »ich

passe«, bevor M. B. in Mittelhand mit dem Reizen beginnen kann. M. B.

hätte mit seinen Karten zwar »18« gesagt, würde aber demgegenüber keine

»18« oder mehr halten. Wegen des vorschnellen Passens von Vorhand will er

sein Spiel nun aber nicht bereits bei »18« weggeben müssen. Nach einer Weile

sagt Meier in Hinterhand schließlich »18« – sein in jedem Fall erstes und

letztes Gebot – zu M. B. Der wiederum behauptet, er wolle selbst spielen und

Meier müsse das Reizen mit »20« beginnen, da Hinterhand immer mindestens

»20« bieten müsse, wenn Mittelhand spielen wolle. Das kapiert Meier

überhaupt nicht und meint, dass er beim allerersten Reizgebot doch selbstverständlich

mit »18« beginnen könne. Muss das erste Reizgebot von Hinterhand

nun »18« oder »20« lauten?

Wie würden Sie entscheiden?

Streitfall B8: Beredtes Schweigen, Teil 1

Meier kriegt selbst in Vorhand beim besten Willen kein »Omaspiel« auf die

Hand und lässt sich, bevor Müller in Mittelhand reizen kann, zu einem vorschnellen

»weg« hinreißen. M. B. könnte in Hinterhand von seinem Blatt

her zwar »18« sagen, passt aber sicherheitshalber doch lieber. Da sowohl Vor-


26 Die Streitfälle

als auch Hinterhand gepasst haben, nimmt Müller den Skat, der über das

Schicksal seines wackligen Spiels entscheiden wird, kommentarlos auf. Seine

Miene erhellt sich, als er sieht, dass zwei »Buben« im Skat liegen. Natürlich

bemerkt M. B. Müllers freudiges Gesicht und geht von einem starken Spiel

aus, bedingt durch eine starke Findung. Es wäre ihm daher egal, welche beiden

Karten Kartengeber Schmidt aus Müllers Karten als Skat zöge. M. B.

will jetzt nämlich durchsetzen, dass Müller vom Reizen ausgeschlossen wird,

da dieser vor Beendigung des Reizens den Skat mit aufgenommen habe.

Müller versteht die Welt nicht mehr und regt sich dementsprechend laut und

lange auf, aber M. B. bleibt bei seiner Forderung. Sollte er sich durchsetzen

können, will er nun doch selbst ein Spiel reizen und spielen. Ist das Anliegen

von M. B. berechtigt?

Wie würden Sie entscheiden?

Abwandlung von Streitfall B8:

Beredtes Schweigen, Teil 2

Wie in Streitfall B8, nur legt Müller, nachdem er in Mittelhand ohne Reizgebot

den Skat aufgenommen hat, die beiden Skatkarten (diesmal zwei »Luschen«)

für alle sichtbar kurz auf den Tisch. Dann nimmt er den Skat wieder

auf, sortiert ihn in seine Karten ein und drückt blitzschnell und ordnungsgemäß,

ehe er einen »Null Ouvert« ansagt und seine Karten auflegt. Schmidt,

Meier und M. B. sind derart verwirrt wegen Müllers merkwürdigen Verhaltens,

dass sie bis hierhin nichts unternommen haben. Nun stellt M. B. fest,

dass Müller in Mittelhand kein Reizgebot abgegeben hat und somit auch

nicht habe Alleinspieler werden können. Er glaubt zudem, dass Müller nur

spielen wolle, weil der Skat gut in sein Blatt passe; ansonsten hätte er ebenfalls

eingepasst bzw. den Ausschluss vom Reizen geduldet. Müller will sich

das nicht bieten lassen und raunzt den neunmalklugen M. B. an, er hätte eher

etwas sagen müssen. Nun, da er sogar schon gedrückt und sein Spiel angesagt

hat, werde er, Müller, sich das Spiel nicht mehr aus der Hand nehmen lassen.

Wie würden Sie entscheiden?


Streitfall B9: Das Flüstern im Wind

Kapitel B: Reizen 27

In Mittelhand hat M. B. ein Blatt, mit dem er sowohl einen »einfachen«

»Pik« als auch einen »einfachen« »Kreuz« reizen kann. Als er dem unsicheren

Schmidt in Vorhand »22« sagt, passt dieser leise und deprimiert. Dies überhört

M. B. jedoch bzw. versteht es als Halten seines Reizgebotes, da der betrunkene

Müller sich nebenbei lautstark mit Meier unterhält. M. B. reizt anschließend

»24«, woraufhin auf einmal der wegen seines schlechten Blattes

desinteressierte Müller in Hinterhand passt. Im Skat liegen unglücklicherweise

zwei »Piken«, so dass M. B. »Pik« spielen muss. Zum »Schneider«

reicht es nicht, weswegen Meier dem geknickten M. B. das Spiel als verloren

anschreiben möchte. Dieser habe nämlich das Spiel bei »24« erhalten und

hätte daher seinen »einfachen« »Pik« »Schneider« spielen müssen, um sich

nicht überreizt zu haben. M. B. führt zu seiner Verteidigung an, Schmidt

habe bereits bei »22« gepasst, also habe er das Spiel auch schon bei »22« erhalten.

Ist M. B. bei »22« oder »24« Alleinspieler geworden?

Wie würden Sie entscheiden?

Streitfall B10: Kampfansage von Vorhand!

Nach der ellenlangen Diskussion um den maßgeblichen Reizwert (siehe

Streitfall B9) und einigen weiteren Bierchen denkt sich Müller eine Vorgehensweise

aus, die ihn in Vorhand schneller, vielleicht sogar überhaupt erst

ans Spiel bringt, ihn aber seiner Ansicht nach nicht zum Spielen verpflichtet.

Kaum hat M. B. die Karten verteilt, schmettert Müller in Vorhand ein

druckvolles »18« Richtung Meier in Mittelhand. Meier und Schmidt in

Hinterhand passen daraufhin, der eine mit gleichgültigem Blick, der andere

sichtlich eingeschüchtert. Anschließend nimmt Müller den Skat auf, in dem

jedoch so schlecht drin liegt – kein Wunder bei einem von M. B. gegebenen

Spiel –, dass er kein Spiel gewinnen kann. Deswegen fordert er nun seinen

Ausschluss vom Reizen und damit das Einpassen des Spiels als Ergebnis. Als

Begründung führt er an, er habe den Skat aufgenommen, obwohl er kein Alleinspieler

geworden sei, da er in Vorhand kein Reizgebot hätte abgeben dürfen.

Die anderen bestehen jedoch darauf, dass Müller ein Spiel durchführt.

Wie würden Sie entscheiden?

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