Audi Q5 2.0 TFSi Quattro und Mercedes GLK 300 4-Matic - Pass de ...

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Audi Q5 2.0 TFSi Quattro und Mercedes GLK 300 4-Matic - Pass de ...

doppeltest audi q5 2.0 TFSi quattro und mercedes glk 300 4-matic

60 22/2009


Pass

de deux

Audi Q5 und Mercedes GLK folgen dem Ruf der Berge.

Beim Gipfeltreffen 2000 Meter über Null wetteifern

die gut 200 PS starken Benziner um die Spitzenposition

bei den kompakten Premium-SUV. ▷

Der GLK 280 nennt sich nun GLK 300, doch unter seiner kantigen Motorhaube sitzt der gleiche, 231 PS starke

Dreiliter-V6. Der Q5 vertraut auf einen Turbo-Vierzylinder – 20 PS schwächer, aber mit 50 Nm mehr Drehmoment

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Wegen schmalerer Dachsäulen

und des steileren Hecks

lässt sich der GLK besser überschauen

als der Q5 mit

seiner geschwungenen Dachlinie

MERCEDES Das solide verarbeitete Cockpit ähnelt mit guter

Ergonomie und etwas trister Einrichtung dem der C-Klasse

AUDI Das makellos zusammengesetzte Cockpit überzeugt mit hochwertigen

Materialien. Umständlichere Bedienung von Radio und Navigation

Hohe Ladekante und 90 Liter

weniger Minimalvolumen beim

GLK. Die Fondlehne ist härter

gepolstert und stärker geneigt

Gegen 200 Euro Aufpreis lässt sich

die bequeme Rückbank asymmetrisch

verschieben und neigungsverstellen.

Größe Ladeöffnung

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Morgens kurz nach fünf zählen

Autobahn-Raststätten zu den

deprimierendsten Orten der

Welt. Wir sind schon lang genug unterwegs

für einen Kaffee- und Benzinstopp.

Im Tankshop trielt eine schwarz-weiße

Automatenbrühe, die sich selbstherrlich

Cappuccino nennt, in Pappbecher,

draußen wabern Nebelfetzen über den

schal beleuchteten Parkplatz. Dort stehen

auch Audi Q5 und Mercedes GLK,

mit knisternden Motoren. Knapp 300

Kilometer noch bis in die Berge.

Die lange Strecke, nicht das schroffe

Gelände, ist die Domäne der zwei SUV.

Das zeigt schon ihre leichte Offroad-

Ausrüstung ohne Getriebeuntersetzung.

Während der GLK zumindest ein Paket

mit Unterfahrschutz, spezieller ESPund

Gaspedalkennlinie, angepassten

Schaltpunkten der Automatik sowie

Bergabfahrhilfe anbietet, lässt sich für

den Audi zwar Nebensächliches wie

eine belederte Mittelarmlehne bestellen,

aber nichts zur Unterstützung des

permanenten Allradantriebs. Ihn legt

Audi zum Wohle der Fahrdynamik

heckbetont aus, 60 Prozent der Antriebskraft

fließen an die Hinterachse.

Bei der 4-Matic des GLK fällt das

Ungleichgewicht mit 45 zu 55 Prozent

etwas geringer aus, doch wenn er – wie

der Testwagen – mit dem Sportpaket

samt 20 Millimeter Karosserie-Tieferlegung

daherkommt, hat es sich mit

größeren Geländeambitionen erledigt.

Nicht aber mit dem Komfort. Trotz 19-

Zoll-Rädern – Teil des Sportpakets –

gibt er seine guten Federungsmanieren

nicht auf. Während der straff abgestimmte

Audi über Querfugen stuckert,

steckt das GLK-Fahrwerk mit selektiven

Dämpfern (soft bei Geradeausfahrt,

straff in Kurven) herbe Schläge sanft

weg, bügelt lange Wellen sauber aus.

Dem Komfort verpflichtet sich auch der

Antrieb des GLK. Im Mai änderte der 231

PS starke V6 seinen Namen von 280 in

300. Ansonsten unverändert, bleibt der

Dreiliter ein bei konstantem Tempo

kultivierter, aber zu durstiger und wenig

vehementer Motor. Deutlicher, als

es die geringen Unterschiede bei den

Messwerten annehmen lassen, fällt er

gegenüber dem Q5 ab. Der zögerliche

Durchzug stört wie das bei hohen Drehzahlen

heulende Laufgeräusch.

Mercedes zwangsverbandelt das

Triebwerk mit der Siebenstufenautomatik.

Das vielgerühmte Getriebe sorgt

auch hier für höchsten Schaltkomfort,

wechselt die Gänge sanft und besonnen.

Manuelle Eingriffe erübrigen sich,

die Automatik schätzt sie ohnehin

nicht sehr. Mitunter muss der Fahrer

selbst im manuellen Modus mehrfach

an den Schaltpaddeln ziehen, bis sie

dem Gangwechsel zustimmt.

Solche Eigensinnigkeit erlaubt sich

das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe

des Audi nicht. Schaltpaddelflippern

setzt sie ansatzlos und ruckfrei

Technische Daten und Messwerte

Fahrzeugtyp

Audi Q5

2.0 TFSI

Quattro

Mercedes

GLK 300

4-Matic

Motorbauart/Zylinderzahl Reihe/4 V/6

Hubraum cm 3 1984 2996

Leistung

kW (PS) 155 (211) 170 (231)


bei 1/min 4300

6000

max. Drehm. Nm bei 1/min 350 bei 1500 300 bei 2500

Schadstoffeinstufung Euro 5 Euro 5

CO2-Ausstoß g/km 197 239

Leergewicht/Zuladung kg 1827/493 1850/630

Länge × Breite

mm 4629 × 1880 4525 × 1840

× Höhe

× 1653 × 1689

Radstand mm 2807 2755

Wendekreis links/rechts m 11,6/11,9 11,8/11,3

Gepäckraum L/VDA 540/1560 450/1550

Anhängelast/gebr. kg 750/2000 750/2000

Tankinhalt L 75 66

Innenbreite vorn/hinten mm 1555/1485 1445/1440

Innenhöhe vorn/hinten mm 1035/990 1045/1010

Normsitzraum mm 745 690

Quadermaß

klein mm 400 × 1010 520 × 955 ×

L × B × H


groß mm

× 725

1325 × 1010

× 725

720

1440 × 955

× 720

Testwagenbereifung



Kraftübertragung

vorn

hinten

235/60 R 18 W

235/60 R 18 W

Goodyear

Excellence

Allradantrieb

Siebengang-

DSG

235/50 R 19 W

255/45 R 19 W

Pirelli

P Zero

Allradantrieb

Siebengang-

Automatik

Beschleunigung

s

0 – 80 km/h

0 – 100 km/h

0 – 120 km/h

0 – 140 km/h

0 – 160 km/h

0 – 180 km/h

5,4

8,0

11,1

14,8

20,1

28,4

5,8

8,2

11,2

14,9

19,7

28,4

Höchstgeschw. km/h 222 210

Bremsweg

m

aus 100 km/h kalt leer

aus 100 km/h kalt beladen

38

37

38

38

aus 100 km/h warm beladen

aus 160 km/h kalt leer

µ-split-Bremsweg

38

91

110

37

91

108

Testverbrauch L/100 km 10,8

12,9

min. (ams-Verbrauchsrunde)

maximal

Reichweite

km

8,7

14,1

694

9,7

15,5

512

ECE-Verbrauch L/100 km Superbenzin Superbenzin

Stadt

über Land

gesamt

10,4

7,3

8,5

13,6

8,3

10,2

Innengeräusch

dB(A)

bei 80 km/h

bei 100 km/h

bei 120 km/h

bei 130 km/h

bei 180 km/h

60

63

64

66

73

62

64

67

67

73

Fahrversuche leer/bel. km/h

Slalom 18 m

ISO-Wedeltest

VDA-Ausweichgasse

Einfahrgeschwindigkeit

Ausfahrgeschwindigkeit

63,3/62,8

125,6/122,8

70/70

49/48

61,4/60,7

124,5/121,1

71/69

46/45

Festkosten

Euro

Steuer

Haftpflicht

Teilkasko 1)

Vollkasko 2) 194,–

344,–

128,–

586,–

298,–

352,–

198,–

744,–

Unterhaltskosten im Monat 3) Euro

bei 15 000 km/Jahr

bei 30 000 km/Jahr

247,–

448,–

298,–

534,–

Grundpreis Euro 45 330,– 4) 46 470,– 5)

Einparkhilfe vorn und hinten 770,– 821,–

Metallic-Lackierung 770,– 893,–

Festplatten-Navigationssystem 2810,– 3046,–

el. Panorama-Schiebedach 1350,– 1666,–

Bi-Xenon mit Kurvenlicht 1400,– 1488,–

1)

ohne SB; 2) mit 150 Euro SB; 3) ohne Wertverlust; 4) inkl. Dynamiklenkung,

Drive Select und Sportsitze, 5) inkl. Sportpaket; ○ = Serie; – = nicht lieferbar

www.auto-motor-und-sport.de

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Ergebnisse

fazit

Fahrzeugtyp


(Maximalpunktzahl)

Audi Q5

2.0 TFSI

Quattro

Mercedes

GLK 300

4-Matic

▶ Karosserie

Innenmaße (10) 10 8

Raumgefühl (10) 9 8

Kofferraum (15) 14 14

Zuladung (10) 5 9

Anhänglast (5) 2 2

Funktionalität (10) 9 7

Instrumente (10) 9 8

Rundumsicht (15) 8 9

Zusatzausstattung (5) 5 4

Qualitätsanmutung (10) 10 9

Summe (100) 81 78

▶ Sicherheit

Passive Sicherheitsaustattung (15) 11 11

Aktive Sicherheit (15) 6 4

Licht (10) 9 8

Bedienbarkeit (15) 13 13

Bremsweg leer (100 km/h) (10) 7 7

Bremsweg kalt beladen (”) (5) 4 3

Bremsweg warm beladen (”) (10) 7 8

Verzögerung 160 km/h (5) 5 5

Pedalgefühl (5) 5 5

µ-Split-Stabilität (5) 4 4

µ-Split-Bremsweg (5) 3 3

Summe (100) 74 71

▶ Fahrkomfort

Federung leer (25) 20 23

Federung beladen (15) 11 13

Sitze vorn (20) 19 16

Sitze hinten (10) 9 7

Klimatisierung (10) 9 9

Innengeräusch-Messwerte* (10) 10 9

Geräuscheindruck (10) 8 8

Summe (100) 86 85

▶ Antrieb

Laufkultur (15) 13 13

Durchzugskraft (10) 10 6

Leistungsentfaltung (5) 5 3

Schaltung/Getriebeabstufung (25) 23 23

Beschl./Höchstgeschwind. (20) 17 16

Testverbrauch (20) 8 4

Reichweite (5) 4 2

Summe (100) 80 67

▶ Fahreigenschaften

Handling (10) 9 7

Lenkung (10) 9 7

Geländetauglichkeit (10) 6 7

Traktion/Wintertauglichkeit (5) 5 5

Geradeauslauf/Windempf. (5) 5 5

Wendekreis (10) 1 1

Fahrsicherheit leer (25) 23 22

Fahrsicherheit beladen (15) 13 12

Fahrdynamik (10) 10 9

Summe (100) 81 75

Eigenschaftswertung (500) 402 376

▶ Umwelt

Minimalverbrauch (20) 6 5

Emissionsverhalten (15) 7 5

Leergewicht (10) 4 4

Stand- und Fahrgeräusch* (5) 5 2

Summe (50) 22 16

▶ Kosten

Grundpreis* (25) 25 24

Ausstattung* (10) 7 8

Aufpreisgestaltung (5) 4 3

Wiederverkaufschancen (10) 6 6

Festkosten für 5 Jahre* (10) 10 9

Wart./Rep. 100 000 km* (15) 15 14

Kraftstoffkosten 100 000 km* (15) 15 12

Garantie (10) 5 5

Summe (100) 87 81

Gesamtwertung (650) 511 473

* Bester erhält volle Punktzahl

1. Audi

Sieg in allen

Kapiteln:

Vor allem

durch seinen

bulligen,

kultivierten,

zwar nicht

sparsamen,

aber weniger

durstigen

Motor kann

sich der geräumige

und

hervorragend

verarbeitete

Q5 so deutlich

vom GLK

absetzen.

Schwächen

leistet er sich

nur beim Federungskomfort,

den er

einer höheren

Fahrdynamik

opfert.

2.

Mercedes

Anders als

in früheren

Begegnungen

muss sich

der GLK als

300 geschlagen

geben.

Der Dreiliter-

V6 geht mit

dem SUV keine

glückliche

Beziehung

ein. Es mangelt

nicht an

Antriebskomfort,

aber an

Durchzugskraft

und vor

allem Zurückhaltung

beim

Kraftstoffkonsum.

Fahrkomfort

ist

eine große

GLK-Stärke.

Mehr Infos,

Fotoshows,

Videos und

Diskussionen

auf www.automotor-undsport.de

früher dem Untersteuern hin. Das konservativ

abgestimmte ESP regelt früh

und sorgsam. Alles ganz harmlos, aber

weil der GLK sich nicht so präzise navigieren

lässt wie der Q5, sondern mehr

Platz braucht, fällt er bei der Fahrsicherheitswertung

minimal zurück.

Die Punkte kann er auch in einer

typischen Mercedes-Domäne, dem Sicherheitskapitel,

nicht aufholen. Beide

Kontrahenten verzögern standfest auf

hohem Niveau und lassen sich bis auf

Kleinigkeiten ablenkungsfrei bedienen.

Anders als Audi bietet Mercedes seinen

kleinen Geländewagen aber selbst optional

nicht mit Sicherheitselementen

wie Spurhalte- und Spurwechselassistent

an – eine ungewöhnliche Entscheidung

einer Firma, die sich sonst als

Technologieführer im Bereich der Sicherheit

sieht.

Wenig zu feiern gibt es bei der Umweltwertung.

Wegen seines hohen Verbrauchs

und dem damit entsprechend

wenig zeitgemäßem CO 2-Ausstoß fällt

der Mercedes deutlich hinter den Audi

zurück. Wobei auch der nicht gerade zu

den umweltschonenden Autos gehört,

verbläst er doch pro Kilometer so viel

CO 2 wie zwei 99-Gramm-Golf.

Aber wer es bevorzugt, knapp 1,9

Tonnen schwere SUV nicht mit Diesel-,

sondern mit Benzinmotor zu bestellen,

wird sich dadurch ebenso wenig aufwühlen

lassen wie durch Grundpreise

um 45 000 Euro. Immerhin staffieren

beide Hersteller die SUV serienmäßig

angemessen aus, wobei sich der Audi

mit einer Vielzahl an Sonderausstattungen,

welche die Preisliste auf zehneinhalb

DIN A4-Seiten aufdröselt, noch

umfangreicher individualisieren und

verteuern lässt als der Mercedes.

Der Nebel zieht aus dem Tal bergauf

– Zeit heimzufahren. Vor uns liegen ein

paar hundert Kilometer, ein paar Becher

Automaten-Cappuccino und ein

paar Stunden Fahrt, während derer die

große Punktedifferenz zwischen Q5

und GLK auf eine Charakterfrage

schwindet: Der Audi-Fahrer kommt

schneller an, der im Mercedes entspannter.

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MERCEDES Die Laufkultur des durstigen

Dreiliter-V6 ist kaum besser als beim Q5

um. Nur beim Rangieren verhaspelt sie

sich zwischen dem Rückwärtsgang und

dem ersten. Im Automatikmodus reagiert

sie ruhiger, nutzt die Wucht der

350 Nm, die der bissig ansprechende

Turbo-Vierzylinder ab 1500/min bereithält,

lässt ihn im großen Gang durchziehen.

Selbst bei hohen Drehzahlen

bleibt der auch nicht gerade sparsame

Zweiliter kultiviert – kernig im Ton,

aber weder dröhnend noch vibrierend.

Dass der Audi auf der langen Fahrt

in die Berge trotz der straffen Federung

ein sehr talentierter Reisewagen ist,

liegt an seinen – optionalen – Sportsitzen.

Sie stützen den Rücken besser als

die schmal geschnittenen Mercedes-

Sitze, bei denen der Stopp für den

nervigen Pickerl-Kauf an der österreichischen

Grenze als gar nicht so unangenehme

Möglichkeit zum Muskeldehnen

erscheint.

Auch Fondpassagiere bringt der

Audi mit seiner breiten, angenehmer

gepolsterten Fondbank, dem besseren

Platzangebot und dem luftigeren Raumgefühl

bequemer unter. Zudem ist sein

Standardladeraum größer und durch

die gegen Aufpreis verschiebbare Rückbank

sowie die umklappbare Beifahrerlehne

variabler.

Öde sind die letzten 100 Kilometern

Tempo-130-Geschunkel, dann geht es auf

Passstraßen, deren Serpentinen sich

wie Wendeltreppen die Berge hinaufwinden.

Nun profitiert der Q5 von seiner

dynamischeren Fahrwerksabstimmung.

Seinen hohen Schwerpunkt und

die Trägheit seiner gehörigen Masse

kann er zwar nicht verbergen, fährt sich

ansonsten aber fast wie eine normale

Limousine. In Kurven lenkt er präzise

ein – im Sportprogramm der Dynamiklenkung

(1300 Euro inklusive drei abrufbarer

Modi) sogar übermäßig giftig

–, bleibt lange neutral. Das ESP greift

erst sportlich-spät mäßigend ein.

Der Mercedes ist vom Wesen her viel

entspannter, weniger hibbelig. Ein

Cruiser, kein Reißer. Er legt es trotz des

Sportpakets nicht auf wilde Kurvenkratzereien

an. Dazu spricht seine Lenkung

aus der Mittellage zu spät an und

untergräbt mit zu hoher Servounterstützung

die Rückmeldung. In Kurven neigt

sich der GLK stärker zur Seite, gibt sich

AUDI Der Turbobenziner dreht besser, zieht

nachdrücklicher und verbraucht weniger

Text: Sebastian Renz

Fotos: Hans-Dieter Seufert

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