Uwe Jens Lornsen „Dein Name wird nimmer verlöschen“ - Husum ...

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Uwe Jens Lornsen „Dein Name wird nimmer verlöschen“ - Husum ...

Rolf Kuschert: Uwe Jens Lornsen - „Dein Name wird nimmer verlöschen“

Rolf Kuschert: Uwe Jens Lornsen - „Dein Name wird nimmer verlöschen“

Als Student der Rechtswissenschaft

an der Christian-Albrechts-Universität in

Kiel fand Uwe Jens Lornsen Zugang zur

Burschenschaft und zu ihrer Ideenwelt,

in der das deutsche Nationalgefühl eine

wichtige Rolle zu spielen begann. Als er

dann ein Jahr lang (1818/19) seine Studien

in Jena fortsetzte, war er gleichsam

an der Quelle des Gedankengutes, das

die Burschenschaft entwickelt hat, und

er nahm es auf. Die Idee staatlicher

deutscher Einheit und Freiheit begeisterte

ihn ebenso wie der Einsatz

für die „so lange despotisch

unterdrückten Menschenrechte“,

also für die

Freiheit des einzelnen

Menschen. Hier in Jena

erlebte Lornsen auch die

Gründung der „Allgemeinen

Deutschen Burschenschaft“.

Als er ein

Jahr später mit dem juristischen

Staatsexamen

seine Studien beendete

und in Oldesloe als Advokat

tätig wurde, kam

mit Uwe Jens Lornsen

ein Mann in die Herzogtümer,

der die großen politischen

Ideen der Zeit

kennengelernt und zu

den seinen gemacht hatte.

Die verantwortlichen

Männer, die den jungen

begabten Juristen nach

Kopenhagen holten, um

ihn in der Schleswig-Holsteinisch-Lauenburgischen

Kanzlei zu beschäftigen,

haben wohl

kaum geahnt, daß sie mit

ihm auch einen kritischen Geist gewannen,

der es wagte, die überlieferten Einrichtungen

des Gesamtstaates im Lichte

der neuen Vorstellungen zu prüfen, um

sie - wenn es richtig und sinnvoll

sein sollte -schließlich auch zu verändern.

In Kopenhagen stieg er zum Kanzleirat

und Kontorchef seiner Behörde

auf.

Seine öffentliche politische Wirksamkeit

in den Herzogtümern begann erst,

als er 1830 mit seiner Ernennung zum

Landvogten der Insel Sylt in der Tasche

von Kopenhagen nach Kiel zurückkehrte.

Es war das Jahr der Julirevolution in

Paris, die in weiten Teilen Europas Unruhe

auslöste. Uwe Jens Lornsen bewegte

der Plan, die politischen Verhältnisse

durch eine breite Bewegung unter den

Menschen in Schleswig-Holstein, vor allem

natürlich denen mit besonderem

Einfluß, zu entfachen. Er wollte sie dazu

anregen, in einer Flut von Bittschriften

(„Petitionen“) an den König eine Änderung

der bestehenden Ordnung zu fordern.

Solche Petitionen galten auch in

der Zeit absolutistischer Herrschaft als

ein rechtlich einwandfreies Mittel, Wünsche

der „Untertanen“ an den Landesherrn

heranzutragen. Um was es ihm

ging, das hatte Lornsen in seiner kleinen

Schrift „Über das Verfassungswerk in

Schleswigholstein“ (er schrieb grundsätzlich

Schleswigholstein in einem

Wort!) dargestellt, die jetzt in vielen tausenden

von Exemplaren im Lande verbreitet

wurden:

1. die Berufung einer Vertretung des

Volkes, der die Teilnahme an der

gesamten Gesetzgebung einschließlich

der Steuerbewilligung zustehen

sollte,

2. die Verlegung aller „Landescollegien“,

d. h. der für die Herzogtümer zuständigen

Behörden, nach Schleswig-

Holstein, und zwar nach Kiel. Hier

sollten die tüchtigsten Männer und nur

die besten Kenner des Landes und

seiner Menschen in der Verwaltung

tätig werden. In Kopenhagen seien

die „Comptoire fortwährend zum

großen Theil mit Fremden angefüllt,

welchen weder die Kunde von unserem

Vaterlande noch die Liebe zu

demselben beiwohnt, welche bei

Schleswigholsteinern vorauszusetzen

ist“,

3. die Trennung von Justiz und Verwaltung,

d. h. den Aufbau von Gerichten,

die getrennt von allen anderen Behörden

allein und unabhängig nur der

Rechtspflege dienen sollten,

4. die Einrichtung einer obersten Gerichtsinstanz

für die Herzogtümer gemeinsam

in der Stadt Schleswig,

5. die Einsetzung von zwei Regierungskollegien,

je eines für Schleswig und

für Holstein, und

6. die Berufung eines obersten Staatsrates

für die Herzogtümer, dem sämtliche

Verwaltungskollegien unterzuordnen

wären. Dem Staatsrat sollte es

vorbehalten bleiben, Gesetzesentwürfe

und Verhandlungen mit den

Abgeordneten vorzubereiten.

Sollte der König diese Forderungen

erfüllen, dann sei damit - das sieht Lornsen

ganz klar, und er spricht es auch aus

- eine „gänzliche Trennung der Herzogthümer

von dem Königreiche Dänemark

in administrativer Hinsicht“ gegeben;

doch dieser Weg sei der zukunftweisende

und daher der richtige.

Die beiden Völker, die Dänen und die

Deutschen, lassen sich nach der festen

Überzeugung des Verfassers nicht in einem

Gesamtstaat verschmelzen. Solche

Ideen müssen genauso aufgegeben

werden wie die gemeinsame Verwaltung,

die auch nur Nachteile für beide

Seiten mit sich gebracht hat. Daher ruft

Lornsen die Dänen und die Deutschen in

Schleswig-Holstein auf: „Laßt uns Hand

in Hand als Brüder, jeder in freier, selbständiger

Entwicklung den König an

unserer Spitze, der Zukunft entgegenge-

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