Auf die Schiene gesetzt - To all 556 owners

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Auf die Schiene gesetzt - To all 556 owners

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ZUBEHÖR

Sechs mechanische Visierkombinationen für die SIG Sport 550 Gewehrbaureihe

Auf die

Schiene gesetzt

Während Schwaben Arms bei der Ausstattung seiner SIG 550 Modelle SAR Europa Sport Standard und Kurzgewehr auf den standardmäßigen

Systemkasten des Schweizer SIG 550 Armeegewehres mit aufgeschweißter Trommeldioptervisierung setzt, und auch Waffen

Hiendlmayer eine eigens modifizierte Version des original SIG-Diopters für die 11 mm Prismenschiene seiner SG 550 Zivil Match verwendet,

geht SIG Sauer als Dritter im Bunde bei den SIG Sport Modellen 550/551/552 einen neuen Weg.

Das Eckernförder Unternehmen stattet alle

drei Modelle mit einer Picatinny-

Schiene auf der Gehäuseoberseite aus.

Picatinny-Schienen sind standardisierte, gezahnte

Schienen für die schnelle Montage von

Zubehörteilen an Schußwaffen. Dieses Schienensystem

wurde vom Picatinny Arsenal, einer

Forschungseinrichtung des US-Militärs in New

Jersey, entwickelt und trägt den offiziellen Namen

MIL-STD-1913. In der NATO wurde es als

STANAG 2324 standardisiert. Der Querschnitt

der Schiene hat in etwa

die Form eines breiten

„T“ so daß Montagen

und Zubehörteile von einem Ende hinaufgeschoben

oder seitlich aufgekippt und befestigt

werden können. Die in regelmäßigen Abständen

angeordneten Quernuten sind standardisiert

und verhindern effektiv das Wandern der

Anbauteile durch die entstehenden Rückstoßkräfte.

Entwickelt als standardisierte Montageplattform

für optische Visiereinrichtungen und

Nachtsichtgeräte wurden Picatinny-Schienen

ursprünglich direkt auf der Oberseite des Verschlußgehäuses

angebracht. Mittlerweile werden

Picatinny-Schienen bei Langwaffen verstärkt

auch im Bereich des vorderen

Handschutzes eingesetzt, um beispielsweise Laser,

taktische Lampen oder Zweibeine zu mon-

tieren. Die Vorteile liegen auf der Hand: Zum einen

erlaubt das Picatinny-Schienensystem in

Verbindung mit Schnellspann-Montagen, wie

sie zum Beispiel von LaRue, A.RM.S oder Brügger

& Thomet gefertigt werden, die schnelle

und wiederholgenaue Montage und Demontage

eines Glases oder Rotpunktes. Darüber hinaus

hat der Schütze die größtmöglichste Flexibilität

bei der Positionierung der Optik auf der Waffe,

lediglich begrenzt durch Schienenlänge und optikbedingten

Augenabstand. Durch die internationale

Standardisierung hat der Schütze zudem

Zugriff auf eine breite Palette an Montagen und

einen gigantischen Zubehörmarkt.

Man kann also mit Fug und Recht behaupten,

daß die Picatinny-Schiene derzeit der "Goldstandard"

ist, wenn es um das Interface Langwaffe

und Optikmontage geht. Doch wie sieht es

für denjenigen aus, der nach wie vor eine mechanische

Visierung auf seiner Waffe bevorzugt

– sei es ausschließlich oder parallel zu einem

montierten Glas als so genanntes BUIS (Back

Up Iron Sight) oder um gemäß einer Sportordnung

in einer bestimmten Wertungsklasse starten

zu können (z.B. IPSC Rifle Standard)? caliber

ging dieser Frage nach und testete sechs

verschiedene mechanische Visierkombinationen

von SIG Sauer, LPA, Swiss Arms, Aurora und

Samson Mfg. auf einem SIG Sport 551

Selbstladegewehr in .223 Remington.

Klappwunder

Werkseitig ist das SIG Sport 551,

wie auch die Modelle SIG Sport 550

und 552, mit einem Klappkorn ohne

Korntunnel und einem aufklappbaren

Diopter ausgestattet. Das

Auf die Schiene gesetzt: caliber erprobte eine

ganze Reihe an mechanischen Visierungen für

die SIG Sport Selbstladegewehrbaureihe

550/551/552 im Kaliber .223 Remington.

Serienmäßiger Notvisier Standard: SIG 551 mit

aufgestelltem Klappkorn und Klappdiopter.

Zur Höhenverstellung des

Diopters wird die Schraube

gelockert und das Kimmenblatt

kann unter zur Hilfenahme

der seitlichen

Markierung verschoben

werden.

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Detailansicht des standardmäßigen Klappkorns

der SIG Sport Modelle.

Klappdiopter ist in die Picatinny-Schiene integriert

und liegt im zugeklappten Zustand plan innerhalb

der Schiene, so daß auch über dem Diopter

eine Montage aufgesetzt werden kann. Das

Diopter ist ausschließlich höhenverstellbar. Hierzu

muß eine Flachkopfschraube mittels Schraubendreher

gelöst werden, um das Visierblatt mit

der Lochkimme nach oben oder unten verschieben

zu können. Anders als bei einem Trommeldiopter

mit verschiedenen Lochkimmen kann also

hier nur für eine Entfernung genullt werden.

Die Seitenverstellung erfolgt über das Korn. Hierzu

muß die Kornschraube mittels eines Inbusschlüssels

gedreht werden. Bei Rechtsschuß im

Uhrzeigersinn, bei Linksschuß entsprechend dagegen.

Das Visierblatt liefert trotz seiner Einfachheit

ein erstaunlich gutes Visierbild. Als größtes

visierbedingtes Hindernis für das Ausschöpfen

der Präzisionsreserven der SIG erwies sich das

Fehlen eines Korntunnels. Denn dadurch wird

Sechs mechanische Visierkombinationen für die SIG Sport 550 Gewehrbaureihe

Die Bauhöhe von SIG Klappkorn und Klappdiopter

erlauben das gleichzeitige Anvisieren des Ziels in

Kombination mit bestimmten Leuchtpunktvisieren

– so genanntes "Co-Witness". Hier ein Aimpoint

Comp mit Brügger & Thomet Montage.

das Einhalten desselben Haltepunktes von Schuß

zu Schuß deutlich erschwert und eine stärkere

Höhenstreuung ist die Folge.

Dieses Phänomen wurde auch bei allen weiteren

Testvisierungen, bei denen ein Korntunnel

um das Korn fehlte, festgestellt.

Vor- & Nachteile der originalen SIG

Visierung

+einfache und robuste Konstruktion

+bis auf das Aufstellen des Diopters absolut

praxisgerecht

+gleichzeitige Zielbeobachtung mit niedrig

montiertem Aimpoint möglich

+nimmt keinen Platz auf der Picatinny-Schiene

weg.

-Höhen- und Seitenverstellung von Korn und

Diopter ist nur mit Werkzeug (Schraubendreher

und Inbusschlüssel) möglich.

-ein schnelles Aufstellen des Diopters, besonders

unter Streß, ist nahezu

unmöglich. Der Klappmechanismus ist

schwergängig und das Diopter

innerhalb der Schiene nur schlecht zu erreichen.

Ein Hilfsmittel ist für das Aufklappen fast

unumgänglich.

Fazit: Insgesamt eine praxistaugliche Visierung,

wenn auch nicht für maximale Präzision

ausgelegt.

Geisterhaft

Seit kurzem im Lieferprogramm von SIG Sauer

vertreten ist eine Dioptervisierung der italieni-

schen Firma LPA. Die Firma ist bekannt für verstellbare

Pistolen- und Revolvervisiere sowie

"Ghostring" Visiere für Repetier- und Selbstladeflinten,

wie sie z.B. auf den "Tactical" Versionen

der Benelli Flinten M1, M2, M4 und Nova zu finden

sind. Das von SIG Sauer angebotene Diopter

kann daher seine "geisterhafte" Herkunft auch

nicht wirklich verleugnen, ist es doch im Prinzip

nichts anderes als ein LPA BAR11W Ghostring-Vi-

SIG Sport 551 mit aufgestelltem Samson Korn und A.R.M.S

40 L Diopter. Die auf dem Hinterschaft geklemmte Backe von

Matthias Kreuz hat eine Höhe von einem Zentimeter.

Das lange Klappkorn wird einfach anstelle des

kürzeren Standardkorns in den Kornhalter gesetzt.

Es ist deutlich breiter als das Original,

der Dämmerungspunkt ist etwas fransig.

sier mit einer verkleinerten Lochkimme. Zur Installation

wird das LPA Diopter einfach auf die

Picatinny-Schiene aufgesetzt und mittels einer

Rändelschraube angezogen. Leider haben Rändelschrauben

die Tendenz sich im Laufe der Zeit

zu lösen, insbesondere wenn sie immer mal

wieder mit dem Körper in Kontakt kommen. Eine

zusätzliche Verstiftung der Rändelschraube

ist bei dem LPA Visier nicht vorgesehen. Mittels

eines Schraubendrehers oder eines kleinen

Geldstückes läßt sich das Diopter in Höhe und

Seite verstellen. Die Einstellrichtung ist bei beiden

Einstellschrauben gut gekennzeichnet und

die Verstellung rastet sauber klickend

ein. Das Diopter ist, wie man es von

LPA gewohnt ist, hochwertig verarbeitet.

Das Visierbild des LPA Diopters in

Verbindung mit dem serienmäßigen Klappkorn

der SIG Sport ist allerdings nach Meinung des

Autors suboptimal. Der vergleichsweise dünne

Ring der Lochkimme verschwimmt sehr stark

vor dem Auge und ohne Korntunnel oder Kornbacken

wird es sehr schwierig das Korn präzise

im Diopter zu zentrieren.

Vor- und Nachteile der LPA Visierung

+gute Verarbeitung und Verstellmöglichkeiten

-verschwommenes Visierbild

-Befestigung mit Rändelschraube

Fazit: Keine Verbesserung gegenüber dem serienmäßigen

Diopter.

Das Visierbild des LPA Diopters empfand der

Autor als schlechter im Vergleich zur Standardvisierung.

Preis: 99 Euro

Aufgebockt

Die dritte Visierkombination im Test war das

SWISS ARMS Sturmgewehr Diopter in Verbindung

mit einem mitgelieferten, verlängerten

Klappkorn. Das SWISS Arms Picatinny Diopter

basiert auf dem Originaldiopter des SIG Armeegewehres.

Anders als beim Original, bei dem

das Diopter direkt auf die Oberseite des Verschlußgehäuses

geschweißt wird, wurde beim

Picatinny Diopter ein Adapterstück an die Vorderseite

des Dioptergehäuses geschraubt. Hier

wird ein ähnlicher Ansatz verfolgt, wie ihn Waffen

Hiendlmayer bei seinem SIG-Diopter mit

dem angeschweißten Klemmadapter für die 11

mm Prismenschiene verfolgt hat. Wenn man das

SWISS ARMS Diopter in die Hand nimmt, ist

man zunächst einmal beeindruckt von der unglaublichen

Verarbeitungsqualität des Schweizer

Originals. Bis ins kleinste Detail ist dieses

Trommeldiopter sauber und präzise gefertigt.

Und die tiefschwarze Ilaflon Beschichtung kann

man nur als edel bezeichnen. Swiss Made eben.

Somit entscheidet das SWISS ARMS Diopter die

Kategorie Verarbeitungsqualität klar für sich.

Hier kann die Konkurrenz aus Deutschland, Italien

und den USA nicht mithalten. Die Montage

ist denkbar einfach. Das Diopter wird einfach

auf die Picatinny-Schiene gesetzt und durch Anziehen

einer Inbusschraube mit einer Klemm-

Der Swiss Arms Diopter überzeugt durch die

makellose Verarbeitung.

backe an der Schiene befestigt. Auch hier zeigt

sich wieder die Schweizer Liebe zum Detail: Die

Klemmbacke ist federnd gelagert.

Das Standardklappkorn der SIG Sport läßt

sich einfach gegen das im Set mitgelieferte verlängerte

Klappkorn tauschen. Wobei dieses einen

etwas improvisierten Eindruck macht. Es ist

sehr breit und der in der Spitze eingesetzte weiße

Kunststoffpunkt wirkt etwas fransig.

Bei der Montage des SWISS ARMS Sturmgewehr

Diopter Picatinny fällt zunächst positiv ins

Auge, daß man das Diopter über die beiden an

der Picatinny-Schiene geschweißten Riemenösen

setzen und damit die Länge der Visierlinie

voll ausschöpfen kann. Doch die ungetrübte

Freude währt nur kurz, denn sofort stellt man

fest, daß aufgrund der Picatinny Schiene und

des verwendeten Adapters die Bauhöhe des Diopters

deutlich angewachsen ist und dieses nun

einen guten Zentimeter oberhalb des Verschlußgehäuses

"schwebt". Was zunächst einmal

nur ein optisches Ärgernis ist, entpuppt

sich in der Schießpraxis als ein konstruktionsbedingter

Mangel mit Folgen. Zum einen ist es

das breite, tunnellose Korn, welches es schwierig

macht, die fertigungstechnische Akkuratesse

des Diopters in schießtechnische Präzision umzusetzen.

Zum anderen kann man die Auflage

der Wange am Hinterschaft aufgrund der um

mehr als einen Zentimeter angehobenen Visierlinie

nur als lose bezeichnen. Ist dies im aufgelegten,

liegenden oder sitzenden Anschlag noch

zu verkraften, so entwickelt es sich beim dynamischen

Schießen (IPSC Rifle) schnell zu einem

echten Problem. Beim schnellen Einziehen

der Waffe in die Schulter schaut man direkt gegen

die Wand der Dioptertrommel und nicht

durch die Lochkimme. Leider hilft auch das Anbringen

einer original SIG Schaftbackenerhöhung

hier nicht weiter, denn diese ist zu hoch.

Diese Klemmbacke wurde ursprünglich dazu

entwickelt, um durch ein oberhalb des aufgeschweißten

Diopters des Stgw 90 angebrachtes

Glas zu sehen. Abhilfe brachte hier eine Custom

Schaftbackenerhöhung von Matthias Kreuz.

Diese Klemmbacke, die einfach auf den Klappschaft

der SIG aufgesteckt werden kann, ist derzeit

in ein und zwei Zentimeter Höhe verfügbar.

Eine Veränderung des Schaftes ist dabei nicht

Frontansicht des LPA Diopters, der seine Herkunft

als Ghostring Flintenvisier nicht verleugnen

kann. Die große Rändelschraube erleichtert

die Montage, kann sich aber relativ leicht lokkern,

was zum Verlust des Treffpunktes oder

schlimmstenfalls des Visiers führen kann.

nötig. Eine festmontierbare, in Höhe und Neigung

verstellbare Version befindet sich in Vorbereitung.

Vor- und Nachteile der originalen Swiss

Arms Visierung

+Top Verarbeitungsqualität

+in seinen Einstellmöglichkeiten das variabelste

Trommeldiopter, z.B. Einbaumöglichkeit einer

Irisblende

-ungünstige Bauhöhe

-kein Korn mit Korntunnel verfügbar

Fazit: Dieses Diopter hätte ein Volltreffer

Links das Aurora Korn auf der SIG Sport 551, rechts daneben das originale SIG Korn

auf einer SIG Kempf von Hiendlmayer. Die Visierlinie der Aurora Kombination liegt mit

24 Millimeter etwa 4 Millimeter unter dem Original.

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werden können. Doch leider wurde hier nicht

zu Ende gedacht. Schade! Preis: 325 Euro. Setpreis

Diopter und langes Klappkorn, wird in

Deutschland von Sauer & Sohn vertrieben.

Name ist Programm

Der Name sagt eigentlich schon alles: Aurora!

Die römische Göttin der Morgenröte. Und tatsächlich

handelt es sich bei dem Aurora 55X Dioptervisier

um einen Lichtblick. Enttäuscht von

der serienmäßigen Visierung des SIG 556 entwickelte

und produzierte der Amerikaner Derek

Silvers ein eigenes Turmdiopter nebst passendem

Korn in Anlehnung an das original SIG Diopter

der 550er Reihe. Ähnlich wie die SIG Sport Version

von Sauer & Sohn verfügt auch das in USA gefertigte

SIG 556 über einen Systemkasten mit Pi-

Sechs mechanische Visierkombinationen für die SIG Sport 550 Gewehrbaureihe

catinny-Schiene und einen eingelassenen Klappdiopter.

Das Aurora Diopter ist wie eine Miniaturausgabe

des Originals.

Die Bedienelemente und die Markierungen

für Höhen- und Seitenverstellung sind identisch.

Der Diopterturm und das Dioptergehäuse sind

etwas flacher als beim Original. Dadurch wird

die Anhebung durch die Picatinny-Schiene ausgeglichen.

Kleine Unterschiede gibt es in den Details.

Beispielsweise fehlen in der 300 Meter

Lochkimme das Gewinde und der herausnehmbare

Lochkimmeneinsatz. Dadurch ist das Anbringen

einer Irisblende nicht machbar. Ebenso

läßt sich hier die Lochkimme durch das Entfernen

des Einsatzes nicht vergrößern. Anstelle einer

Ilaflon-Beschichtung wurden Diopter und

Korn erst parkeriziert und anschließend mit matt

schwarzem Diamondkote (Gunkote) beschichtet.

Die Montage ist etwas aufwendiger als bei

den bisher getesteten Dioptern. Das Aurora kann

nicht einfach auf die Schiene gesetzt oder gekippt

Von oben nach unten: SIG Schaftbackenerhöhung,

1 Zentimeter und 2 Zentimeter

Backe von Matthias Kreuz.

werden, sondern es muß aufgeschoben werden.

Zur Montage muß deshalb der Vorderschaft von

der Waffe abgenommen werden, ebenso eventuell

bereits auf der Picatinny-Schiene montierte

Optiken. Die Qualität der Aurora Visierung reicht

zwar nicht hundertprozentig an das Original

heran, so ist etwa die Höhenverstellung etwas

schwammig und rastet nicht so sauber wie beim

Original und auch die Oberflächenstruktur und

die Beschichtung sind nicht so fein und edel wie

beim Original, aber dennoch ist der praktische

Nutzwert der Kombination aus Aurora Diopter

und Aurora Korn beträchtlich größer als bei der

Swiss Arms Version. Zum einen liegt das daran,

daß sich die Visierlinie hier in passender Höhe

zum Hinterschaft befindet. Im Anschlag liegt die

Wange perfekt an und der Schütze ist so in der

Lage seine Waffe maximal zu stabilisieren.

Zum zweiten erhält der Schütze hier ein perfektes

Visierbild. Der Korntunnel des Aurora

Korns erlaubt eine schnelle und vor allem präzise

Zentrierung des Korns. Die Dioptertrommel

sorgt dafür, daß störende seitliche Elemente ausgeblendet

werden. Das Aurora Korn ist zudem

bald in einer neuen Ausführung erhältlich. Wie

bei einem AR Front Sight wird das Korn höhenverstellbar

und die Oberseite des Korntunnels

wird durchbrochen sein. Wer sich für das Aurora

Diopter als Hauptvisierung auf seinem SIG Sport

entscheidet, hat zudem die Möglichkeit durch

Entfernen der beiden Riemenösen an der Picatinny-Schiene

das Diopter bündig ans Ende der

Schiene zu setzen. Das verlängert die Visierlinie

auf das Maximum und verbessert das ästhetische

Erscheinungsbild der Waffe.

Vor- und Nachteile der Aurora Visierung

+erstklassiges Visierbild

+perfekte Höhe der Visierlinie

+hoher praktischer Nutzwert

+im Erscheinungsbild dem Original am Nächsten

Fazit: Die Aurora Visierung ist ein echter

Gewinn für die SIG Sport Modelle. Gute Qualität

und ausgezeichnete Praxistauglichkeit. Preis:

285 $ (Setpreis Diopter und Korn).

Grenzenlos

Statt dem Original nachzueifern ging die US-

Firma Samson Manufacturing ihren eigenen

Weg. Das Unternehmen, welches bekannt ist für

seine Free Float Picatinny Vorderschäfte und

Klappkörner für das AR 15 System, hat als eines

der ersten auf das Erscheinen der SIG 556 auf

dem amerikanischen Markt reagiert. Neben der

Entwicklung und Produktion eines Four Rail Picatinny

Vorderschaftes mit einer durchgehenden

Schiene über dem Verschlußgehäuse der 556

modifizierte Samson sein Quick Flip Folding

Front Sight für das AR-System dahingehend, daß

es in den Schwalbenschwanz des Standard SIG

Kornträgers paßt. Weil das Samson Quick Flip

FFS SIG die gleiche Bauhöhe hat wie seine AR

Verwandtschaft, eröffnet sich mit diesem Korn

die grenzenlose Welt der Picatinny kompatiblen

Montiert man das Swiss Arms Diopter so weit

wie möglich nach hinten, um maximale Visierlänge

zu erhalten, schwebt die Visierung förmlich

über dem Verschlußgehäuse. Eine Schaftbackenerhöhung

ist nahezu unumgänglich.

ren, was der Markt hergibt, vom einfachen BUIS

(Back Up Iron Sight) von ARMS, LaRue, Troy

oder Yankee Hill Machinery, über AR 15/M 16

A2 Diopter mit oder ohne Tragegriff bis hin zum

C4 Turmdiopter im HK-Stil von Centurion. Die

Vorteile des AR Visiersystems liegen klar auf der

Hand. Neben der Produktvielfalt, die eine wirkliche

individuelle Anpassung an die Bedürfnisse

des Schützen erlaubt, ist es aufgrund der größeren

Bauhöhe einfacher, mechanische und optische

Visiere miteinander in Einklang zu bringen.

Bei diesem "Absolute Co-Witness" genannten

Verfahren werden nicht vergrößernde Rotpunktoder

Reflexvisiere wie Aimpoint oder EOTech so

in der Visierlinie der mechanischen Visierung

montiert, daß der Rotpunkt direkt auf der Kornspitze

liegt. Beim EOTech geschieht dies automa-

Wie man sieht, ist die originale SIG Backe zu hoch.

den Vorteil, je nach Situation und Bedarf Visierelemente

aus der Visierlinie entfernen zu können.

So kann es auf einer dynamischen IPSC Stage

mit kurzen oder mittleren

Schießentfernungen durchaus sinnvoll sein, das

Korn stehen zu lassen, weil dadurch das Leuchtabsehen

des Aimpoint oder EOTech

schneller aufgenommen werden kann

und das Korn dabei hilft,

ein Verkanten der

Waffe zu vermeiden.

Auf

Die 1 Zentimeter Backe von

Matthias Kreuz paßt perfekt.

der anderen Seite kann man das Korn aus der

Visierlinie klappen, wenn man mit einem auf 50

Metern eingeschossenen Leuchtpunktvisier auf

ein 300 Meter entferntes Ziel schießt. Da man

dabei nun leicht über das Ziel halten muß, ist es

sehr hilfreich wenn die Scheibe nicht durch das

Korn verdeckt wird. In Verbindung mit einer optischen

Visierung ist die Kombination aus Klappkorn

und Klappkimme die bei weitem vielseitigste

und individuell anpassungsfähigste Lösung.

Die Höhe der Visierlinie erlaubt es zudem, den

Handschutz auch auf der Oberseite zu umfassen,

was bei einem aufgelegten oder seitlich angestrichenen

Anschlag überaus vorteilhaft sein kann.

Die Installation des Samson Klappkorns ist

denkbar einfach. Das Korn wird in den Schwalbenschwanz

des SIG Kornträgers geschoben und

mit Mutter und Schraube befestigt. Das Samson

tisch in Verbindung mit AR Visieren, beim Aimpoint

ist dies abhängig von der Montagehöhe.

Durch dieses Verfahren ist zum einen gewährleistet,

daß bei Ausfall der elektronischen Visierung

sofort ein mechanischer Back Up zur Verfügung

steht, zum anderen läßt sich so einfach

überprüfen, ob sich die Optik verstellt hat, insbesondere

wenn diese mittels einer Schnellspannmontage

auf- und abgesetzt wurde. Wenn

man dies in Verbindung mit einem Klappkorn

SIG Sport 551 mit montiertem EOTech sowie aufge-

AR15 Rear Sights. Nun läßt sich alles kombinie- und einem Klappdiopter macht, hat man zudem

stelltem Samson Korn und A.R.M.S 40 L Diopter.

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Das Aurora Diopter besticht durch gute Verarbeitung,

ansprechende Ästhetik und hohen

praktischen Wert. Die Arretierschraube läßt

sich zusätzlich verstiften.

Ganz nah am Original:

Detailansicht des Aurora Korns.

Detailansicht des neuen Korns für das SIG 556

USA. Dank Teilegleichheit in vielen Bereichen

paßt es auch perfekt auf die SIG Sport Modelle.

Anders als beim Originalkorn fehlt hier die

Montagemöglichkeit für das Nachtklappkorn.

Korn ist höhenverstellbar und gegen jedes AR

Korn austauschbar. Für die Montage des A.R.M.S

Diopters ist es wie beim Aurora erforderlich,

den Vorderschaft abzunehmen, um das Diopter

auf die Schiene aufschieben zu können. Sowohl

das Samson Klappkorn als auch das A.R.M.S Diopter

bestechen durch ihre hohe Fertigungsqua-

Sechs mechanische Visierkombinationen für die SIG Sport 550 Gewehrbaureihe

lität und ihr solides Erscheinungsbild. Wo viel

Licht ist, ist natürlich auch immer ein wenig

Schatten.

Zunächst mußte der Autor feststellen, daß

sich das von Samson Manufacturing mitgelieferte

A.R.M.S 40L-SP Diopter nicht auf die Picatinny-Schiene

des SIG Sport 551 schieben ließ.

Bei einem Besuch bei Pete Lincoln von Roedale

Precision war der Grund hierfür schnell

gefunden. Mittels Testlehren ermittelte Pete

Lincoln, daß die SIG Rail um 0,2 Millimeter

breiter ist als die MilSpec-Vorgabe. Ursache

hierfür ist höchstwahrscheinlich die SIG-typische

Ilaflon Beschichtung. Einige Striche mit

der Feile an dem A.R.M.S Diopter und das Problem

war gelöst. Ein weiterer, kleiner Wermutstropfen

ist, daß die AR-15 typische Bauhöhe

von Kimme und Korn in Verbindung mit

dem Klappschaft der SIG 550er Reihe die Verwendung

einer Schaftbackenerhöhung erforderlich

macht. Auch hier war die Schaftbacke

von Matthias Kreuz Gold wert. Um für die AR

Visierhöhe die optimale Höhe für die Wangenauflage

(Cheek Weld) zu haben, sollte der

Schaft um etwa 15 bis 20 Millimeter auf Höhe

der Oberseite des Verschlußgehäuses (ohne

Rail) angehoben werden. Die 1 Zentimeter

Klemmbacke von Matthias Kreuz war hier bereits

sehr hilfreich. Eine fest installierte und

höhenverstellbare Variante wäre dann ideal.

Vor- und Nachteile der Samson Visierung

+hohe Fertigungsqualität

+flexibelste und individuell anpassungsfähigste

Lösung für denjenigen,

der neben der mechanischen Visierung eine

Optik montieren oder mittels Schnellspannmontage

schnell zwischen beiden Welten

wechseln möchte.

+größtmögliche Auswahl an passenden Dioptern

- Schaftbackenerhöhung notwendig

Preis: 125 $ (für Samson Quick Flip FFS SIG

Klappkorn)

In letzter Minute

Auf der SHOT Show 2009 zeigte SIG Sauer

Inc. erstmals ein für das in den USA produzierte

SIG 556 CLASSIC SWAT entwickeltes Turmdiopter

nebst passendem Korn. Nach zum Teil

harscher Kritik in US-Waffenforen in Bezug auf

die ursprüngliche Visierung des 556 sah man

sich in Exeter, New Hampshire, wohl veranlaßt,

hier Abhilfe zu schaffen und konstruierte und

produzierte ein neues Diopter nebst Korn. Das

SIG Sauer Diopter ist dabei ein Schritt in die

richtige Richtung. Wie die LPA Visierung wird

auch dieses Diopter einfach auf die Picatinny-

Schiene gesetzt und mit einer Rändelschraube

angezogen. Leider kann man diese Schraube

nicht durch einen Splint sichern. Positiv fällt

sofort ins Auge, daß sowohl für die Höhen- als

auch die Seitenverstellung des Diopters kein

Werkzeug benötigt wird. Die gerändelten Einstellschrauben

können mit der Hand verstellt

werden und rasten sauber mit einem deutli-

SIG Sport 551 mit montiertem EOTech sowie

aufgestelltem Samson Korn und A.R.M.S 40 L

Diopter.

chen Klicken ein. Anders als beim Original rastet

auch der Diopterturm beim Einstellen der

Entfernung ein, was dem Schützen ein angenehmes

Gefühl von Präzision vermittelt. Ebenso

wie beim Aurora fehlt beim SIG Sauer Diopter

in der 300 Meter Lochkimme das Gewinde und

der herausnehmbare Lochkimmeneinsatz. Das

Fluchtvisier ist als reine V-Kimme ohne Dämmerungsmarkierung

gearbeitet. Bei dem uns

vorliegenden Muster des Diopters handelt es

sich um einen Prototypen, bei dem die Beschichtung

offensichtlich ein wenig zu kurz gekommen

ist. Während das Korn schön tiefschwarz

daher kommt, ist das Diopter

scheckig, fleckig und an manchen Stellen

schimmert der blanke Stahl durch. Es bleibt zu

hoffen, daß es SIG Sauer gelingt hier für Abhilfe

zu sorgen, denn das Diopter stellt eine wirkliche

Bereicherung der Visieroptionen für die

SIG Sport Gewehrfamilie 550/551/552 dar. Insgesamt

hat das Erscheinen des SIG 556 auf

dem US Markt die Zubehörvielfalt für die SIG

550er Modelle deutlich vergrößert, besteht

doch in vielen Bereichen (Verschluß, Abzugsgruppe,

Gasentnahme/Kornträger, etc.) eine

Gleichheit der Teile. Es bleibt zu hoffen, daß

die sprichwörtliche Schweizer Präzision dabei

nicht hinten rüber fällt.

Vor- und Nachteile der amerikanischen

SIG Sauer 556 Visierung

caliber-Kontakt

Weitere Informationen erhält man bei:

J.P. Sauer & Sohn GmbH, Sauerstraße 2-6,

24340 Eckernförde, Telefon: 04351-4710,

Fax: 04351-471160, www.sauer-waffen.de sowie Aurora

Industries LLC, Derek Silvers www.auroraind.net

Derek@AuroraInd.net, Samson Manufacturing

www.samson-mfg.com und Matthias Kreuz

Telefon: 0151-57566866, scoromongo@web.de

Aurora und SIG Diopter im Vergleich: Das eigentlich für das SIG 556 entwickelte Aurora ist eine

gelungene Synthese aus Altem und Neuem und paßt sich der Picatinny-Schiene perfekt an.

+gut konstruiertes, solides Trommeldiopter

mit einer präzise arbeitenden

Mechanik

+ausgezeichnetes Visierbild dank passenden

Korns mit Korntunnel

-beim Testmuster (Prototyp) war das Finish

des Diopters leider nicht in gewohnter Qualität.

Preis: 199 Euro (Setpreis Diopter und Korn)

Gesammelte Erfahrungswerte

Dank der Picatinny-Schiene auf dem Verschlußgehäuse

sind die SIG Sport Modelle

550/551/552 die vielseitigsten und flexibelsten

SIG Halbautomaten, welche derzeit auf dem

deutschen Markt erhältlich sind. Neben den bereits

erwähnten Vorzügen der Picatinny-Schiene

in Bezug auf die Montage von Optiken zeigt sich

auch im Bereich der mechanischen Visierungen

die unübertroffene Flexibilität dieser Schiene.

Durch sie kann der Schütze bei der Wahl seines

Diopters und Korns nicht nur sein Visierbild bestimmen,

sondern auch die Höhe seiner Visierlinie

maßgeblich beeinflussen. Die Höhe der Visierlinie

des klassischen Stgw 90 mit fest

angebrachtem Diopter auf dem Systemkasten beträgt

etwa 28 Millimeter – gemessen wurde von

der Mitte der Lochkimme bei Einstellung 200

Meter bis zur Oberseite des Verschlußgehäuses.

Mit gerade mal 18 Millimetern bietet das LPA Di-

opter die flachste Visierlinie, gefolgt vom Aurora

mit etwa 24 Millimetern. Das SIG Sauer Diopter

liegt mit 29 Millimetern leicht über dem Original.

Die Visierlinie des Swiss Arms Diopter liegt bei

etwa 37 Millimetern und die Kombination von

Samson Korn und A.R.M.S Diopter bringt es auf

eine Höhe von rund 44 Millimetern. Für denjenigen,

der ausschließlich eine mechanische Visierung

auf seiner SIG Sport nutzen möchte, bieten

die Korn-Diopter-Kombinationen von Aurora und

SIG Sauer eine mechanische Qualität, die dem

Original in Bezug auf den praktischen Nutzwert

in nichts nachsteht. Demjenigen der seine

"Irons" nur als Back Up sieht oder aber elegant

zwischen Glas und Stahl wechseln möchte, dem

sei das Samson Korn in Verbindung mit einem AR

kompatiblen Diopter empfohlen. Für die Montage

von Dioptern auf der Picatinny-Schiene der

SIG Sport Modelle wäre es wünschenswert, wenn

die beiden dort angeschweißten Riemenösen

entfernt würden. Nicht nur würde dies das Anbringen

von aufzuschiebenden Dioptern deutlich

vereinfachen, sondern es würde zudem die Visierlinie

maximieren und schlichtweg besser

ausschauen. Und wo wir schon beim Wünschen

sind: Ein originales Swiss Arms Diopter mit dem

praktischen Nutzwert eines Aurora oder SIG Sauer

Diopters wäre ein Wunschtraum, der in Erfüllung

gehen könnte.

Text und Fotos: Oliver Falk

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Detailansicht des neuen Trommeldiopters für das

SIG 556 USA. Während die Seitenverstellung dem

Original sehr ähnlich ist, wurde die Höhenverstellung

gänzlich neu konstruiert. Positiv hervorzuheben

ist hier die Beschaffenheit der Bedienelemente.

Dadurch, daß beide Justierräder mit einer

Rändelung versehen wurden, lassen sie sich ohne

Werkzeug verstellen. Das rauhe Finish ist dem

Prototypen-Status des Diopters zuzuschreiben.

angeschnitten

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