SemesterJournal 1/09 - MBA Programme der HWR Berlin

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SemesterJournal 1/09 - MBA Programme der HWR Berlin

SemesterJournal

International studieren

1/09


SemesterJournal 1/09 Inhaltsverzeichnis

3

Inhalt

Titelfoto:

Das Opernhaus in Sydney, Australien

Patricia Lichtenberg

Leitartikel

Titelthema: Internationalität

HWR Berlin

Theorie und Praxis

Forschung

Gleichstellung

Personalia

Rund um’s Studium

Vorgestellt

Alumni

Kurzmeldungen

Impressum

04 Internationale Hochschule – Ein Schlagwort?

05 Studium und Praktikum in Deutschland – „Ja, warum auch nicht?“

07 GO EAST! – Projekte in Mittel- und Osteuropa

08 Experts meet Experts: „Wohlfahrtsstaat auf dem Rückzug?“

09 Weltweit im Einsatz – Professor/innen sans frontières

10 Export des MBA-Studiengangs HCM

11 Zuwachs in Downunder

12 A New Passage to India

13 Nah an der Wirtschaft – mit Mehrwert für MBA-Studierende und

Unternehmen im transatlantischen Verbund

14 B… wie Business School, Baltimore und Berlin

15 Deutsches Duales System – bald auch in China?

16 Das Team des International Office

17 Buddy-Service INAktion: Schutzengel für Gaststudierende

18 Der Wind der ganzen Welt weht durch die HWR Berlin

20 Bericht aus Bilbao

21 Die HWR Berlin – Das Heute und Morgen

22 Grußwort

24 Zwei in Einem – Herzlich Willkommen, HWR Berlin!

26 E(r)lernen: E-Learning zum Lehren und Studieren

27 Wer suchet, der findet... jetzt leichter

28 Studierende lernen von Gründern – und umgekehrt

29 Bahnhof 2020 – Master-Student/innen erforschen Bahnhofswelten

30 Größte HGB-Bilanzrechtsreform auf der Zielgeraden

31 Embedded Analytics – Datenanalysen im operativen Tagesgeschäft

32 Mozart, Falko & die HWR Berlin

33 Noch lange nicht am Ziel

35 Fachhochschulprofessorinnen Dank Stipendienprogramm

36 Harriet Taylor Mill-Institut vermittelt zwischen Wissenschaft und Praxis

37 „Nur keine falsche Bescheidenheit!“

38 Neuberufungen

40 Neues Prüfungsrecht für Bachelor-Studiengänge

40 Internationalisierung bei Spedition und Logistik

41 Leben und Studieren in zwei Kulturen

42 Nach dem Studium ist vor dem Studium – Option Master

43 Fachbereich Berufsakademie goes UK

44 Diese zwei Jahre haben mich viel über andere und über mich selbst gelehrt

45 Ein produktiver Rahmen

45 Stichwort „Networking“

46 Get-together mit großem Hallo

47 Institut für Logistik gegründet

47 Prof. Jutta Allmendinger, Präsidentin des WZB, am Fachbereich Berufsakademie

48 Japanische Partner der HWR Berlin

48 Chinesische Wirtschaftsdelegation

49 Studieren Sie gern hier?

49 Evaluation von Studium und Lehre

50 Was bleibt? Was wird?

50 Berlin International Summer School

50 DAAD-Preis für ausländische Studierende

51


4 Leitartikel

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09

Titelthema: Internationalität

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Internationale Hochschule –

Ein Schlagwort?

Die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin verfolgt eine Internationalisierungsstrategie, die sich durch alle

Bereiche und Programme zieht – zum Nutzen der Studierenden, Lehrenden und Mitarbeiter/innen.

Text: Michael Tolksdorf

Studium und Praktikum in Deutschland

– „Ja, warum auch nicht?“

Der Verbund aus sieben deutschen Hochschulen für angewandte Wissenschaften (UAS7) und der DAAD bieten gemeinsam das

Study & Internship Program (SIP) an. Teilnehmer/innen studieren ein Semester an einer der UAS7-Hochschulen und absolvieren

ein sechsmonatiges Praktikum. Steve Ahn und Delcho Ivanov hat SIP an die HWR Berlin gebracht.

ausländischen Partneruniversitäten:

Zwei Drittel sind in Europa, ein Drittel

in Amerika, Asien, Australien und Afrika.

Um es offen zu sagen: Der Standort

Berlin erweist sich zunehmend als

Merkmal der Attraktivität – auch für

den Lehrkräfteaustausch, der noch ein

zartes Pflänzchen ist.

Einführung von Leistungspunkten für

den grenzüberschreitenden Transfer

von Studienleistungen, die durchgängige

Akkreditierung der Studiengänge

und die damit öffentlich gemachten

Qualitätsansprüche und -sicherungen.

Es gehört auch die Rekrutierung

ausländischer Lehrkräfte dazu.

Beide Vorgängerhochschulen der HWR

Berlin bekannten sich in ihrem Selbstverständnis

zur Internationalität ihrer

Einrichtungen. Die damalige FHW

Berlin sprach sich bereits 1998 für die

„Internationalisierung als durchgängiges

Prinzip“ aus und reklamierte damit

in gewissem Umfang ein Alleinstellungsmerkmal

für sich. Man erinnere

sich: Der „Bologna-Prozess“ wurde erst

1999 in Gang gesetzt.

Mittlerweile gibt es – der Geduld des

Papiers sei gedankt – kein Mission

Statement einer deutschen Hochschule

mehr, das ohne die Beschwörung der

Internationalität auskommt. Aber stimmen

Etikett und Inhalt jeweils überein?

Für die HWR Berlin mache ich diesen

Anspruch für die verschiedensten Ebenen

unseres Handelns geltend:

■ Zuerst ist Internationalität der kontinuierliche

und wachsende Austausch

von Studierenden mit unseren hundert

■ Wir sehen die Internationalisierung

auch als inhaltliche Erweiterung bei

der Entwicklung unserer Curricula

und der Offenheit für überlegene Formen

der Lehre und ihrer technischen

Unterstützung. Besonders ausgeprägt

erscheint das bei den international

konzipierten, vielfach englischsprachigen

Bachelor- und Masterstudiengängen,

die in Absprache mit den

ausländischen Universitäten entwickelt

wurden. Als Partner weltweit akzeptiert

zu werden, ist auch ein Indiz, dass

die HWR Berlin gut aufgestellt ist.

■ Wichtig ist ebenso die Herstellung

international transparenter und

kompatibler Strukturen – der Bologna-Prozess

als Angebot global vergleichbarer

Hochschulabschlüsse, die

■ Die Organisation der Hochschule

muss uns international handlungsund

vertragsfähig machen: Das

Auslandsamt wird zum International

Office mit ausgeprägter Servicefunktion,

in der Hochschulleitung ist der

Erste Prorektor verantwortlich für

die internationalen Dinge. Die HWR

Berlin ist im Rahmen von Gesetz und

Haushalt frei, sich mit den Partnerhochschulen

vertraglich zu binden,

somit die Vorteile internationaler

Beziehungen zu schaffen und zu

sichern.

Prof. Dr. Michael Tolksdorf ist Erster

Prorektor der HWR Berlin und in dieser

Funktion u. a. zuständig für die Internationalen

Beziehungen der Hochschule.

Welchen Nutzen der Internationalisierung haben die Hochschulmitglieder?

■ Für die Studierenden ein Studienangebot, das sie für eine zunehmend globale Welt

beschäftigungsfähig macht (die „Employability“ des Bologna-Prozesses).

■ Für die Lehrenden und Forschenden das Angebot von Lehraustausch und Forschungskooperation

und damit ein erfülltes Berufsleben.

■ Für die sonstigen Mitarbeiter/innen ein Arbeitsumfeld, das je nach der Einbindung in

diesen Austausch von Menschen und Meinungen vielfältig und spannend ist.

Die Teilnehmer des Study & Internship Program an der HWR Berlin im Gespräch mit Esther Jahns. Delcho Ivanov (Mitte) studiert in den

USA an der Drexel University Business, Steve Ahn (rechts) hat gerade seinen Bachelor in Geschichte der Naturwissenschaften in Harvard

abgeschlossen.

Semester Journal (SJ): Weshalb haben

Sie sich für SIP entschieden?

D. Ivanov: Ich wollte ins Ausland, nach

Europa. Der ‚study abroad advisor‘ an

meiner Universität erzählte mir von SIP.

Das Programm deckte sich genau mit

meinen Vorstellungen.

S. Ahn: Ich studierte Deutsch im Nebenfach

und wollte gern nach Deutschland.

Ich habe mich für SIP wegen der

vergleichsweise guten Finanzierungsmöglichkeiten

entschieden.

SJ: Was hat Sie an Berlin besonders

überrascht?

S. Ahn: Es gibt sehr viele Jugendliche

in Berlin, sehr viel Energie. Das hatte

ich nicht erwartet. Alles andere schon.

Ich hatte in den USA einige Kurse in

Deutscher Geschichte belegt und mich

vor allem für Berlin nach der Wende

interessiert.

D. Ivanov: Ich finde Berlin sehr touristisch.

Man hört kaum Deutsch in der

U-Bahn. Ich hielt die Deutschen erst für

reserviert oder kühl, aber wenn man sich

mit ihrer Kultur beschäftigt und sie besser

kennen lernt, mit ihnen feiert, dann

schmilzt das Eis. Zu den deutschen Studenten

bekommt man schnell Kontakt.

S. Ahn: Das stimmt. Es ist eher schwierig,

Deutsche kennen zu lernen, wenn

man die Sprache nicht gut spricht. Erst

hatte ich das Gefühl, die Leute wären

unhöflich, aber sie sind einfach nur sehr

direkt. In den USA sagt man nie, was

man denkt.


6 Titelthema: Internationalität

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Titelthema: Internationalität

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aufgenommen und ihm erzählt, dass ich

mich für Biotechnologie interessiere.

Er half mir, das Praktikum bei Bayer-

Schering zu bekommen.

D. Ivanov: Ich habe mehrmals mit

Professor Hellmann meine Praktikumswünsche

durchgesprochen. Er schlug

mir Firmen vor, bei denen ich mich

bewerben könnte. Bei Enertrag arbeite

ich jetzt auf Deutsch, Englisch und in

meiner Muttersprache Bulgarisch –

und zudem in meinem Wunschgebiet

Finanzen.

GO EAST! – Projekte in Mittelund

Osteuropa

Die Demokratiebewegungen und der nachfolgende Zusammenbruch des kommunistischen Blocks in Mittel- und Osteuropa

haben seit Beginn der 90er Jahre zu einem wachsenden Bedarf an Beratung und Kooperation in Themenfeldern wie Rechtsstaat,

Verwaltungsreform, Zivilgesellschaft und Korruptionsbekämpfung geführt. Dem tragen vor allem die Fachbereiche 3–5

der HWR Berlin im Rahmen der internationalen Hochschulzusammenarbeit Rechnung.

Text: Oesten Baller, Brigitte Thiem-Schräder

Das Deutsche Haus in New York. Hier unterhält der Verbund deutscher Hochschulen für

angewandte Wissenschaften (UAS7) ein Büro.

SJ: Gibt es große Unterschiede zwischen

dem Studienalltag hier und in

den USA?

S. Ahn: Die Studenten kommunizieren

hier mehr miteinander. Es gibt auch

viel mehr Teamarbeit als in Harvard.

Dabei liegt die Verantwortung für das

Lernen hier allein bei den Studenten, sie

müssen selbst die Initiative ergreifen. In

den USA kümmern sich die Professoren

mehr darum.

D. Ivanov: Ich finde es nicht so gut,

dass es hier nur am Ende des Semesters

Prüfungen gibt. Wenn man erst kurz

vor den Prüfungen anfängt zu lernen,

vergisst man doch alles wieder viel zu

schnell. In Drexel dauert das Semester

nur 10 Wochen. Dadurch ist das Studium

intensiver. Gut ist, dass man hier die

Materialien vor dem Kurs bekommt und

sich dadurch besser vorbereitet kann.

SJ: Wie haben Sie Ihre Praktikumsstelle

gefunden?

S. Ahn: Ich hatte schon vor der Ankunft

Kontakt zu Professor Bruche

SJ: Werden Sie nach dem Abschluss

von SIP wiederkommen nach Deutschland?

D. Ivanov: Ja, für ein Masterstudium

oder zum Promovieren. Und vielleicht

bleibe ich dann fürs ganze Leben.

S. Ahn: Ja, warum auch nicht?

SJ: Was werden Sie vermissen, zurück

in den USA?

S. Ahn: Die Kultur, die Atmosphäre...

und die Bäckereien.

D. Ivanov: Ja, die Bäckereien! Vielleicht

werde ich auch das System der Hausnummern

vermissen.

SJ: Würden Sie sich wieder für SIP

entscheiden und das Programm weiterempfehlen?

D. Ivanov: Ja! Auf jeden Fall. Ich

wünschte, ich könnte noch den ganzen

Sommer hier bleiben.

S. Ahn: Es ist ein gutes Programm, aber

eben nur für Studierende, die selbst die

Initiative ergreifen. Für mich war SIP

genau richtig.

SJ: Ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Gespräch führte Esther Jahns. Sie

leitet die gemeinsame Geschäftsstelle des

UAS7 e. V. in Berlin.

Sieben Hochschulen für angewandte Wissenschaften (Universities of Applied

Sciences) aus Berlin, Bremen, Hamburg, Köln, München, Münster und Osnabrück

bilden unter der Dachmarke UAS7 diese strategische Allianz zur Förderung

von Lehr- und Forschungsaktivitäten. Das Netzwerk mit Repräsentanzen

in Berlin und New York wirbt vor allem im Ausland für den Studienstandort

Deutschland und das Studium an den im Verbund zusammengeschlossenen

Hochschulen. http://www.uas7.org

Finanziert durch die deutsche Gesellschaft

für Technische Zusammenarbeit

(GTZ) GmbH stehen Wissenschaftler/

innen der HWR Berlin bei der Entwicklung

und Implementierung eines

Masterstudiengangs für die öffentliche

Verwaltung (MPA) den Dozent/innen

an der Nationalen Akademie für

staatliche Verwaltung (NAPA) beim

Präsidenten der Ukraine in Kiev seit

2007 beratend zur Seite. 12 Berliner

Hochschullehrer/innen sind regelmäßig

in der ukrainischen Hauptstadt

und erarbeiten mit den dortigen Kolleg/innen

Curricula nach europäischen

Standards in den Themengebieten

Demokratische Verwaltung, Europäische

Zusammenarbeit und Regionalentwicklung,

vermitteln moderne

Formen der Unterrichtsdidaktik. Sie

unterstützen zudem bei der europäischen

Akkreditierung des Masterstudiengangs.

Das Projekt ist in der Trägerschaft des

Instituts für Verwaltungsmodernisierung

und Polizeireform in Mittel- und

Osteuropa (IMO), jüngstes Zentralinstitut

der HWR Berlin. Ziel dieses interdisziplinären

Kompetenzzentrums ist

es, Akteure und Aktivitäten zu bündeln,

um Programme wie derzeit vorwiegend

in den Bereichen Verwaltungsmodernisierung

und Polizeireform durchzuführen

und gemeinsam Reformstudiengänge

mit Partnern in den Ländern

Mittel- und Osteuropas aufzubauen.

Bereits seit 17 Jahren besteht ein

deutsch-polnisches Hochschul-Netzwerk,

das 2000 als „Forum deutscher

Im Rahmen des von der EU-Kommission initiierten Programms zur Hochschulzusammenarbeit

TEMPUS IV hat das HWR-Institut für Verwaltungsmodernisierung und Polizeireform

in Mittel- und Osteuropa (IMO) die Entwicklung eines gemeinsamen englischsprachigen

Bachelorstudiengangs „International Public Administration (IPA)“ beantragt. Dem Konsortium

gehören die Staatliche Moskauer Lomonosov Universität (MSU), die Nord-West Akademie

für öffentliche Verwaltung in St. Petersburg, die Taras Ševčenko Universität und die NAPA

in Kiew, das Regionalinstitut für öffentliche Verwaltung in Lviv sowie die Mykolas Romeris

Universität in Vilnius, das University College Ghent und die Università di Bologna an.

und polnischer Verwaltungshochschulen“

auf fünf polnische und vier

deutsche Mitglieder erweitert wurde.

Mehr als 200 polnische Studierende

haben seitdem Praktika in Berliner

Verwaltungen absolviert. Die Studienangebote

dieser Hochschulen sind auf

den Erwerb von Kompetenz konzentriert,

die es den Absolvent/innen

ermöglicht, den engen Bezug zwischen

europäischen Verwaltungsvorgaben

und lokalen Verwaltungsstrukturen

reformorientiert umzusetzen.

Im Rahmen des DAAD-Programms

„Ostpartnerschaften“ erfolgt darüber

hinaus seit 2006 ein intensiver fachwissenschaftlicher

Austausch z. B. über E-

Government oder Risikomanagement

auf gemeinsamen Tagungen in Berlin

oder an den Partnerinstitutionen in

Budapest, Vilnius, Tallinn und Lviv.

Prof. Dr. Oesten Baller ist Mittel- und

Osteuropabeauftragter und Direktor des

Instituts für Verwaltungsmodernisierung

und Polizeireform in Mittel und

Osteuropa. Dr. Brigitte Thiem-Schräder

fungiert als Leiterin des International

Office am Campus Lichtenberg.


8 Titelthema: Internationalität

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Titelthema: Internationalität

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Experts meet Experts: „Wohlfahrtsstaat

auf dem Rückzug?“

Studierende der HWR Berlin und von Partnerhochschulen in Polen, Belgien und Schweden treffen sich jährlich zu thematischen

Intensiv-Seminaren. Neben den fachlichen Diskussionen bieten diese Projekte im Rahmen des vom DAAD initiierten

Erasmus-Programms den Teilnehmer/innen Einblicke in die länderspezifischen akademischen Gepflogenheiten und Standards

und liefern Anregungen für die eigene Hochschule.

Text: Heinrich Bücker-Gärtner

Weltweit im Einsatz – Professor/innen

sans frontières

Globale Kontakte über das Internet sind eine Sache – sie reichen jedoch oft allein nicht aus, um gemeinsam erfolgreich

an wissenschaftlichen Projekten zu arbeiten und nachhaltige Verbindungen zu schaffen. Menschen müssen sich begegnen

können, nicht nur virtuell.

Text: Michael Tolksdorf

Bereits zum elften Mal nahmen im März

2009 Studierende des Fachbereiches

Verwaltung und Recht der HWR Berlin

an einem internationalen Seminar unter

dem Motto „Experts meet Experts“ teil.

Je acht Studierende und ein Dozent

der Hogeschool Gent (Belgien), der

Universität Växjö (Schweden) und der

HWR Berlin trafen sich an der Adam

Mickiewicz Universität in Posen (Polen)

zum Thema „Wohlfahrtsstaat auf dem

Rückzug? – Ein Ländervergleich zur

staatlichen Absicherung von Lebensrisiken

in Europa“ und genossen die sprichwörtliche

polnische Gastfreundschaft.

Seit 1998 treffen sich regelmäßig im

Frühjahr Studierende und Dozent/innen

von HWR Berlin und Partnerhochschulen

zu diesem mindestens 10-tägigen

Intensiv-Programm, jedes Mal

an einem anderen Standort in Europa.

In Vorbereitungskursen erarbeiten die

Teilnehmer/innen vorab wesentliche

Aspekte des Seminarthemas und bereiten

Präsentationen vor. Während des

Seminars werden die unterschiedlichen

Perspektiven der Beteiligten aus dem

Blickwinkel ihres jeweiligen Herkunftslandes

und ihrer Hochschule zusammen

getragen. In international zusammen

„Experts meet Experts“: In international zusammen gesetzten Arbeitsgruppen diskutieren

Studierende und Dozent/innen über Problemlösungen, erstellen einen gemeinsamen Ergebnisbericht

zum Seminarthema. Diesmal zum Thema „Wohlfahrtsstaat auf dem Rückzug? –

Ein Ländervergleich zur staatlichen Absicherung von Lebensrisiken in Europa“.

gesetzten Arbeitsgruppen diskutieren

Studierende und Dozent/innen über

Problemlösungen, erstellen einen gemeinsamen

Ergebnisbericht.

Das Spektrum der Themen reicht von

Problemen der Gleichstellung über Korruptionsprävention

bis hin zu Strategien

gegen Politikverdrossenheit. Das Konzept

des Programms bietet sehr gute Bedingungen

für den intensiven Austausch

zwischen Lehrenden und Studierenden

aus verschiedenen Ländern. Neben den

fachlichen Diskussionen sind insbesondere

die Einblicke in die spezifischen

akademischen Gepflogenheiten wie

Studierenden-Dozent/innen-Verhältnis

und Standards beispielsweise hinsichtlich

der Präsentations- und Kommunikationskompetenzen

sowie der Breite

und Tiefe der fachlichen Kenntnisse der

Studierenden aufschlussreich. Ein weiteres

Ziel ist es, den Seminar-Teilnehmer/

innen die Kultur des jeweiligen Gastlandes

nahe zu bringen.

Im kommenden Jahr wird das Seminar

zum Thema „Politische Meinungsbildung

in BLOG und Twitter – Akteure,

Standards und Webkompetenz im europäischen

Vergleich“ ausgerichtet. Dann

auch dabei die Universität Wien, die als

weiterer Partner für das Programm „Experts

meet Experts“ gewonnen werden

konnte.

Prof. Dr. Heinrich Bücker-Gärtner ist

Studiengangsbeauftragter Verwaltungsinformatik

und leitet die Seminare

„Experts meet Experts“ am Fachbereich 3

der HWR Berlin.

Die Hochschule für Wirtschaft (HWR)

Berlin verfügt mittlerweile über mehr

als 100 aktive Hochschulpartnerschaften,

ist in zahlreiche internationale Wissenschafts-

und Forschungsnetzwerke

eingebunden, Dozent/innen arbeiten

mit Wissenschaftler/innen rund um

den Erdball zusammen. Um Einblick

in die länderübergreifende Tatkraft zu

geben, skizziert dieser Beitrag exemplarisch

internationale Aktivitäten der

letzten Wochen vor der Gründung der

HWR Berlin am 1. April 2009. Wer traf

wen und hat was, wo und mit welchem

Ergebnis unternommen?

Lehre und Forschung in Philadelphia

(Drexel University) und in Seoul,

Südkorea, meldete Peter Ries, während

Miriam Beblo ein arbeitsmarktpolitisches

Seminar an der Kobe Universität

in Japan durchführte. Martin Kronauer

leitete einen Workshop an der Witwatersrand

Universität in Johannesburg,

Südafrika, für den Masterstudiengang

„Labour Policies and Globalisation“.

Lehrtätigkeit in Chengdu, China, absolvierten

Hansjörg Herr, Axel Hellmann

und Michael Tolksdorf im Rahmen

des Studiengangs CEEBS, während

die Kollegen Breinlinger-O’Reilly und

Hellmann in Peking, Gouangzhou und

Wuhan für den Studiengang „International

Leadership Training – Hospital

Management“ tätig waren. Joachim

Scholz-Ligma bereitete eine MBA-

Zusammenarbeit mit der Hong Kong

Baptist University vor.

Gert Bruche, Laila Hofmann und

Manfred Soeffky nutzten die DAADgeförderte

„New Passage to India“

für Vereinbarungen mit der Alliance

Business School in Bangalore und der

Symbiosis Universität in Pune. Unterstützt

von DAAD und Hochschulrektorenkonferenz

(HRK) repräsentierten die

Kollegen Hellmann und Tolksdorf sowie

die Koordinatorin des International

Office, Ingrid Sperber, die Hochschule

auf der European Career Fair am MIT

in Boston, USA. Danach brachten sie

den Partnerschaftsvertrag vom hoch

renommierten Mt. Holyoke College aus

Upstate Massachusetts mit nach Hause.

Intensiv gefordert wurden Ingo Fischer

und Katja Zühlsdorf vom International

Office: Sie besuchten die drei

australischen Partneruniversitäten und

warben für das Studienangebot der

HWR Berlin, insbesondere beim neuesten

Partner, La Trobe in Melbourne.

Axel Hellmann wiederum bereitete in

New York City die Auswahl der USA-

Studierenden vor, die am „Study-and-

Internship“-Programm der UAS7 teilnehmen

werden. Vor Ort festigte er den

Austausch mit dem Baruch College der

New York City University. Zuvor hatten

Sven Ripsas und Bettina Barenscheer

vom Institute of Management Berlin

(IMB) die gemeinsamen Projekte mit

MBA-Studierenden der Wichita State

University in Kansas, USA, betreut.

Ein möglicher neuer Masterstudiengang

veranlasste Martin Kronauer und

Hansjörg Herr sowie Susanne Fürstenberg

vom International Office zu einem

Arbeitstreffen in St. Petersburg bei der

Staatlichen Universität für Finanzen

und Ökonomie (FINEC), während

Heinz Naegler an der Peoples᾽ Friendship

University of Russia in Moskau

(PFUR) das TEMPUS-Projekt zur

Entwicklung eines Health Care Masterstudiengangs

vorantrieb. Weiter südlich,

in Kiev, Ukraine, verhandelte Oesten

Baller über die Projekte des Instituts

für Verwaltungsreform in Osteuropa

(IMO); Erwin Seyfried forcierte in

Westeuropa ein Forschungsprojekt über

Qualitätssicherung im Finanzsektor.

Andreas Zaby vertrat die HWR Berlin

auf dem Internationalen Treffen der

Hanzehogeschool Groningen in den

Niederlanden. An die ESC Rennes,

Frankreich, reisten Susanne Fürstenberg

und Michael Tolksdorf, um die seit

1997 bestehende Zusammenarbeit um

eine Vereinbarung über ein Doppelabschlussprogramm

zu erweitern.

Unerwähnt bleiben alle Besuche ausländischer

Hochschulvertreter/innen an

der HWR Berlin. Das Bild wäre dann

noch bedeutend vielfältiger. Und es soll

kein Hochschulmitglied ausgeschlossen

sein, sich an den weltweiten Kontakten

zu beteiligen.

Prof. Dr. Michael Tolksdorf ist Erster

Prorektor der HWR Berlin und in dieser

Funktion u. a. zuständig für die Internationalen

Beziehungen der Hochschule.


10 Titelthema: Internationalität

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Titelthema: Internationalität

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Export des MBA-Studiengangs HCM

Der an der HWR Berlin entwickelte MBA-Studiengang Health Care Management (HCM) wird nun auch an der Peoples’ Friendship

University of Russia in Moskau (PFUR) angeboten. 20 Studierende haben sich für den ersten Durchgang eingeschrieben.

Der Transfer des Studienprogramms wurde von der EU finanziert.

Zuwachs in Downunder

Die Internationalität der HWR Berlin kommt auch in der Vielfalt und Anzahl der Partnerhochschulen zum Ausdruck.

Australien ist darunter ein zwar etwas ferneres Land, erfreut sich aber unter den Studierenden großer Beliebtheit. Zu den

beiden Partnerhochschulen in Sidney und Townsville ist jüngst eine dritte in Melbourne hinzugekommen.

Text: Heinz Naegler

Text: Ingo Fischer

Müssen kulturelle, strukturelle und

gesellschaftliche Unterschiede zwischen

Deutschland und Russland bei der

Konzeptionierung von Studiengängen

zwingend Hindernisse darstellen? Für

beide Seiten fast ein wenig überraschend,

konnten die Kolleg/innen der

Partneruniversität in Moskau den Entwurf

eines Curriculums, das ursprünglich

für den deutschsprachigen Raum

entwickelt worden war, ohne große

Korrekturen akzeptieren. Anpassungen

waren lediglich in den Modulen

zum Gesundheitswesenrecht und beim

Strategischen und Krisenmanagement

notwendig, denn sie setzen spezifische

Kenntnisse der Bedingungen voraus,

unter denen Einrichtungen des Gesundheitswesens

in der Russischen

Förderation gemanagt werden.

Ein Jahr arbeiteten Wissenschafter/

innen beider Hochschulen an dem Programm,

feilten an Inhalten. Dann ging

der aus Berlin nach Moskau exportierte

Studiengang im Februar 2009 an den

Start. Der Rektor der PFUR Moskau,

Professor Dr. Vladimir M. Filippov, hieß

im Beisein vieler hochrangiger Gäste

und Vertreter des Projekt-Konsortiums

die ersten Studierenden aus Moskau

und anderen Regionen der Russischen

deration zum Beginn ihres MBA-

Studiums Health Care Management

willkommen.

Die weitgehende Übereinstimmung der

in Moskau und in Berlin angebotenen

Curricula ermöglicht den beiden Hochschulen

die gegenseitige Anerkennung

der in Berlin und Moskau erbrachten

Deutschland ist laut offiziellen Angaben Russlands Wissenschaftspartner „Nr. Eins.“ Auch

die PFUR in Moskau unterhält zahlreiche Kooperationen mit deutschen Hochschulen, eine

von ihnen: die HWR Berlin.

Der Rektor der Peoples’ Friendship University

of Russia, Prof. Dr. Vladimir M. Filippov (stehend),

begrüßt die ersten Studierenden des

MBA-Studiengangs Health Care Management

in Moskau. Prof. Dr. Heinz Naegler (links) hat

diesen Programmexport von der HWR Berlin

nach Russland verantwortlich organisiert.

Studienleistungen. Die Studierenden können

– eine entsprechende Vereinbarung

zwischen den beiden Partnern vorausgesetzt

– einen Teil der von ihnen benötigten

Credit Points in der jeweils anderen

Hochschule erwerben. Mit der PFUR in

Moskau ist nun ein weiterer Partner zur

Medizinischen Universität Wien hinzu

gekommen, mit der die HWR Berlin

im Rahmen dieses MBA-Studiengangs

Health Care Management seit 2005 eine

Kooperation unterhält. Denn Teil des

zweijährigen Programms ist eine gemeinsame

Studienreise ins Ausland.

Das Studium in der russischen Hauptstadt

ist ähnlich wie in Berlin und in

Wien berufsbegleitend organisiert. In

Moskau gibt es jedoch weniger, dafür

aber längere Präsenzphasen. Denn viele

Studierende müssen von weit her nach

Moskau anreisen.

Prof. Dr. Heinz Naegler ist Honorarprofessor

an der HWR Berlin und verantwortlich

für dieses Projekt.

Kennzeichen der Internationalisierungsstrategie

mit Blick auf ausländische

Partner ist auch der gegenseitige Studierendenaustausch

unter Vermeidung der

teilweise sehr hohen Semestergebühren,

die an ausländischen Hochschulen oft

anfallen. Dieser Ansatz trägt aber nur

dauerhaft, wenn beide Partnerhochschulen

bei den jeweils anderen Studierenden

attraktiv genug sind – und Attraktivität

muss gestützt und gefördert werden.

Aktive Kooperationen bestehen bereits

seit mehreren Jahren mit der australischen

James Cook University (JCU) in

Townsville an der Ostküste des Landes

und weiter südlich gelegen mit der

Macquarie University (MQU) in Sidney.

Townsville ist eine lebhafte Küstenstadt

mit ca. 130 000 Einwohnern, nicht fern

gelegen vom Weltkulturerbe Great

Barrier Reef und teilweise umgeben

von tropischem Regenwald. Die James

Cook University hält vielfältige Studienmöglichkeiten

für Undergraduates und

Postgraduates bereit. Neben Business

Studies reicht das Angebot von Arts bis

Social Sciences. Innerhalb der Top

100 Hochschulen in der Asia-Pacific Region

rangiert die JCU auf einem guten

Mittelfeldplatz, Tendenz steigend.

Die Macquarie University ist in einem

parkähnlichen Gebiet im Nordwesten

Sidneys angesiedelt, umgeben von einem

High-Tec Korridor mit vielen weltweit

agierenden Unternehmen, zu denen enge

Beziehungen gepflegt werden. Die MQU

charakterisiert sich selbst als “ambitious,

contemporary, friendly” und ist spezialisiert

auf Arts, Business and Economics,

Human Sciences und Science. In 2008 waren

ca. 33 000 Studierende eingeschrieben.

Seit vielen Jahren besteht eine erfolgreiche Kooperation mit der Macquarie University in

Sidney, Australien (Foto). Nun sind weitere Partner in „Down Under“ hinzu gekommen.

Marketing und „Impression Management“ lassen sich am besten durch Menschen

gestalten. Broschüren und andere Mittel sind hilfreich; die persönliche

Kommunikation ist am wirksamsten. Persönliche Kontakte spielen aber auch

bei der Pflege der Kooperation u. a. für die operativen Prozesse eine Rolle.

Über Kontinente hinweg zu kommunizieren ist effektiver, wenn die Partner

sich persönlich kennen. Deswegen war die Fortführung der persönlichen

Begegnungen zwischen den Vertreter/innen der HWR Berlin und der australischen

Partner am Rande der Messen ein ebenso wichtiger Aspekt wie die

Werbung bei den Studierenden.

Beide Hochschulen führen zur Förderung

der Attraktivität von Auslandssemestern

u. a. Student Exchange Fairs

durch, auf denen sich die Partnerhochschulen

vorstellen. Die HWR Berlin war

im März 2009 an beiden Hochschulen

vertreten und konnte im Konzert der

MQU-Partner durch ein profiliertes

Angebot aufgrund fachlicher Konzentration,

Praxisnähe und der Breite an

englischsprachigen Lehrveranstaltungen

positive Resonanz verzeichnen.

Das war letztendlich auch der Schlüssel

zur Ausweitung des australischen

Netzwerkes um die La Trobe University

in Melbourne. Von den rund

26 000 Studierenden kommen 3 500

aus dem Ausland, aus 90 Ländern.

Universitätsmotto ist: „Qui cherche

trouve“ [Wer suchet, der findet.] Im

Rahmen eines ersten Antrittsbesuchs

der HWR Berlin konnte der unterschriebene

Kooperationsvertrag zur

Gegenzeichnung mit nach Deutschland

genommen werden. Ein Gegenbesuch

von La Trobe-Vertreter/innen

fand bereits im Mai 2009 statt.

Prof. Dr. Ingo Fischer ist spezialisiert auf

Personalmanagement und lehrt u. a.

Strategisches Management und Organisation

am FB Wirtschaftswissenschaften der

HWR Berlin.


12 Titelthema: Internationalität

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Titelthema: Internationalität

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A New Passage to India

Ab Juli 2009 gehen die ersten fünf HWR-Studierenden aus den Studiengängen Business Administration, International Business

Management und Wirtschaftsinformatik für ein bzw. zwei Austauschsemester an die Alliance Business School (ABS)

nach Bangalore. Ermöglicht wird das durch die neue Hochschulpartnerschaft und Stipendien des Deutschen Akademischen

Austauschdienstes (DAAD) e. V.

Text: Gert Bruche

Nah an der Wirtschaft – mit Mehrwert

für MBA-Studierende und Unternehmen

im transatlantischen Verbund

Seit fünf Jahren besteht das deutsch-amerikanische Beratungsprojekt im MBA-Programm Entrepreneurship. „... to give U.S. and German

students a real-world international work team experience“, so beschreibt Dorothy Harpool, Director of Graduate Studies Barton

School of Business der Wichita State University (WSU) in Kansas das Ziel dieser international wohl einmaligen Zusammenarbeit.

Text: Sven Ripsas

Prof. Gert Bruche und Prof. Laila Maija

Hofmann auf dem Weg zur nächsten Sitzung.

Sie bereiteten in Bangalore (Indien) das

Fundament für den künftigen Studierendenaustausch

und knüpften Kontakte zu

potentiellen Partnern für Praktika oder

Abschlussarbeiten.

Bengaluru, wie die Hauptstadt des

südindischen Bundesstaates Karnataka

in der Landessprache Kannada heißt, ist

eine rasant wachsende Metropole und

zur Zeit die fünftgrößte indische Stadt.

Sie hat sich als „IT-Hauptstadt der Welt“

einen Namen gemacht, in der Softwareund

IT-outsourcing Unternehmen wie

IBM, Accenture, SAP oder Wipro als

Außenstelle für internationale Unternehmen

fast aller Branchen Software

programmieren, IT-Systeme integrieren

und betreiben oder diverse Geschäftsprozesse

ausführen.

Als Ergebnis einer durch den DAAD

unterstützten „Erkundungstour“ durch

Ingrid Sperber vom International Office

und Prof. Gert Bruche zu einer Vielzahl

indischer Business Schools konnte ein

Kooperationsabkommen zwischen der

FHW Berlin – die Hochschule fungiert

nach der Fusion seit 1. April 2009 als

Hochschule für Wirtschaft und Recht

(HWR) Berlin – und der indischen

Alliance Business School unterzeichnet

werden. Im März 2009 besuchten die

Professor/innen Bruche, Hofmann und

Soeffky die ABS, die inzwischen ihren

beeindruckenden neuen Hauptcampus

im Süden von Bangalore bezogen hatte.

In Gesprächen mit der Hochschulleitung

der ABS und über 30 weiteren

Fakultätsmitgliedern wurden die Bedingungen

für den Austausch von jährlich

bis zu sieben Studierenden (10 Semesterplätze)

und die Chancen für weitergehende

Kooperationsmöglichkeiten

sondiert. Die HWR-Professor/innen

knüpften in Bangalore außerdem erste

Kontakte zu den Firmen CapGemini,

Wipro Technologies und Tata Consulting

Services, potentielle Partner für

Praktika oder Abschlussarbeiten.

Die ABS gehört nach verschiedenen

Rankings zu den ersten 20 bis 30 der

insgesamt rund 1 500 offiziell anerkannten

Wirtschaftshochschulen bzw.

-fakultäten Indiens. Sie betreibt ein

zweijähriges PGD-Programm (Postgraduate

Diploma: die indische Version des

MBA) mit mehr als 1 000 Studierenden,

auf das sich – wie bei allen bekannteren

indischen MBA-Programmen üblich –

jährlich 40 000 bis 100 000 Interessent/

innen bewerben. Darüber hinaus hat

ABS verschiedene Bachelor- und Masterprogramme

in Management, Information

Science und Computer Sciences

bzw. Computer Applications.

Das i-Tüpfelchen für ausgewählte

HWR-Studierende, die 2009 und 2010

an die ABS gehen, ist ein großzügiges

DAAD-Stipendium von über 600 Euro

monatlich (bzw. über 800 Euro für

Master-Studierende) zuzüglich Reisekosten

und Krankenversicherung. Die

FHW Berlin war bereits in der ersten

Antragsrunde des neuen DAAD-

Programms „A new passage to India“

erfolgreich, und die HWR Berlin gehört

nun zu der ersten Gruppe von Hochschulen

in Deutschland, die Mobilitätsförderung

aus diesem Programm

anbieten können. Die Stipendien für

HWR-Studierende, die an die ABS gehen

möchten (und im übrigen auch für

die ersten indischen Stipendiat/innen,

die 2010 an die HWR Berlin kommen),

werden direkt durch die HWR Berlin

in einem internen Wettbewerbsverfahren

vergeben und nicht wie sonst

durch individuelle Bewerbungen an

den DAAD. Die ersten vier indischen

Studierenden der ABS nehmen an der

Berlin International Summer School“

der HWR Berlin teil.

Prof. Dr. Gert Bruche ist Projektverantwortlicher

für das DAAD-Programm

„A new passage to India“ an der HWR

Berlin.

Eingebettet ist das deutsch-amerikanische

Projekt in den berufsbegleitenden

Studiengang MBA Entrepreneurship an

der HWR Berlin. Es verbindet für die

Studierenden alle im Studium erlernten

Inhalte und fördert die interkulturelle

Kompetenz der Teilnehmer/innen.

Während des einwöchigen Study Visit

der amerikanischen MBA-Studierenden

in Berlin zum Auftakt analysieren die

gemischten Quartetts Chancen von

amerikanischen und deutschen Unternehmen,

um in das jeweils andere

Land zu expandieren. Ein einwöchiger

Studienaufenthalt der deutschen MBA-

Studierenden in den USA beschließt den

Austausch und gewährt den Studierenden

Einblick in die Managementausbildung

des Gastlandes. Die MBAler nehmen

an Unternehmenspräsentationen

und Gastvorträgen teil und entwickeln

ihre interkulturellen Erfahrungen und

sprachlichen Kompetenzen weiter.

Das „International MBA Experience

Project“ ist ein inhaltlich und methodisch

herausragendes Projekt, denn in

dem gemeinsamen Kurs werden die Studierenden

nach einheitlichen Standards

benotet. Auf der zentralen Conference

der MBA Anbieter (GMAT Council

2006) in den USA wurde es als besonders

innovatives Projekt im Bereich

der berufsbegleitenden Studiengänge

vorgestellt. Außerdem berichteten das

amerikanische Magazin „MBA Innovation“,

der Berliner Tagesspiegel und die

Financial Times Deutschland.

Das Projekt ist nah an der Wirtschaft. 20

Unternehmen aus Berlin/Brandenburg

und dem US-Bundesstaat Kansas haben

bisher gemeinsam mit den Studierenden

und Hochschulen ihre Internationalisierungspläne

konkretisiert. So wurde

analysiert, ob und wie ein Softwareunternehmen

sein Videoconferencing System

auf dem US-Markt vertreiben kann

oder wie sich der Markt in den USA für

Bio-Diesel oder Windenergie gestaltet.

Teilnehmer/innen des International

MBA Experience Project beim Unternehmen

Cessna Aircraft in Wichita, USA.

Darin liegt für Initiator Prof. Dr. Sven

Ripsas der konkrete Mehrwert für die

teilnehmenden Firmen. Sie erhalten

Daten und Fakten über den US-Markt

und direkte Ansprechpartner. Gemeinsam

mit Bettina Barenscheer vom

MBA Office der HWR Berlin sowie

Dorothy Harpool und Prof. Tim Pett

von der WSU, deren Center for Entrepreneurship

jüngst in die TOP 12 der

US gerankt wurde, entwickelte er das

Projekt– das über die reine Managementausbildung

hinaus geht. „Das internationale

Beratungsprojekt bietet die

einmalige Möglichkeit, in einem transatlantischen

Team ein Internationalisierungskonzept

praxisorientiert zu erstellen.

Die jeweiligen Studienaufenthalte

vor Ort schaffen dazu die persönliche

Basis für die erfolgreiche Projektinitialisierung

und eine Cross-Culture-Zusammenarbeit

in internationalen Gruppen“,

bestätigten Frank Külich und Friedhelm

Keil vom Projektteam 2007.

Prof. Dr. Sven Ripsas ist Direktor des

Institute of Management (IMB) der

HWR Berlin.

„Das Projekt... hat der Semperlux AG wichtige neue Informationen über unseren

amerikanischen Zielmarkt gebracht. Die Vorschläge waren gut durchdacht

und man merkte die Berufserfahrung der Teilnehmer eines MBA-Programms.

Obwohl die Semperlux AG als traditionsreiches Berliner Unternehmen bereits

über ein etabliertes US-Geschäft verfügt, war das internationale Beratungsprojekt

mit dem IMB Institute of Management Berlin der FHW Berlin eine

wirkliche Bereicherung.“

Ulrich Misgeld,

Vorstand der Semperlux AG


14 Titelthema: Internationalität

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Titelthema: Internationalität

15

B… wie Business School,

Baltimore und Berlin

„Knowledge that works“ ist das Motto der University of Baltimore, einer der derzeit elf amerikanischen Partneruniversitäten

der HWR Berlin. Zum wiederholten Mal ließen MBA-Studierende der Merrick School of Business während ihres Studienbesuchs

am Institute of Management Berlin (IMB) dieses Wissen arbeiten.

Text: Andreas Zaby

Deutsches Duales System –

bald auch in China?

Das chinesische Shenzhen Institute of Information Technology (SZIT) ist eine Berufsschule mit einem gewaltigen Campus,

Internaten und eigenem Stadion. Aber nicht nur das unterscheidet diese Art von Bildungsstätten von denen in Deutschland.

Das Reich der Mitte schaut über den gewaltigen Tellerrand und lud Dozenten aus Berlin ein, um über das duale Studiensystem

„Made in Germany“ zu informieren.

Text: Klaus Ringhand

Nicht nur die Anfangsbuchstaben sind

identisch. Berlin und Baltimore weisen

eine Reihe von strukturellen Ähnlichkeiten

auf: In beiden Städten sind überdurchschnittlich

viele Menschen in der

Forschung und Entwicklung, insbesondere

im medizinischen und pharmazeutischen

Bereich tätig. Zu diesem Ergebnis

kamen die 12 Gäste aus dem US-Bundesstaat

Maryland und die 20 Studierenden

des MBA European Management vom

IMB zum Auftakt des gemeinsamen

Studienabschnitts in Berlin.

Allerdings spielt in der Wirtschaftsregion,

die eng mit dem Großraum Washington

D.C. verflochten ist, die Luft- und

Raumfahrttechnik eine dominante

ökonomische Rolle, während in Berlin

die „Kreativ-Branche“ als besonders

ausgeprägt identifiziert wurde. Die amerikanischen

und Berliner Studierenden

stellten Branchen und Unternehmen des

jeweiligen Studienortes vor, analysierten

und verglichen Internationalisierungspotentiale

der beiden Standorte.

Ähnlich wie das IMB an der Hochschule

für Wirtschaft (HWR) Berlin, so ist

die Merrick School of Business Teil der

University of Baltimore. Beide verbindet

eine erfolgreiche transatlantische

Kooperation im Rahmen der Managementausbildung.

Der einwöchige

Studienaufenthalt bot den amerikanischen

Studierenden die Möglichkeit, das

Seminar Internationales Management,

einen Fachvortrag über die aktuelle

makroökonomische Situation in der

EU und Praxisvorträge von Unternehmensvertretern

gemeinsam mit den

MBA-Studierende aus Baltimore und Berlin bearbeiten gemeinsam Fallstudien zu Internationalisierungsthemen.

Teilnehmer/innen der Merrick School of Business und des Institute

of Management Berlin (IMB) absolvieren gemeinsam das Seminar International Management

im Rahmen des MBA-Programms European Management.

Studierenden des IMB zu besuchen. Die

verschiedenen, auch kulturell geprägten

wirtschaftlichen Ansätze kamen vor

allem bei der Bearbeitung von Fallstudien

zu Internationalisierungsfragen zum

Tragen. In den gemischten Teams trafen

die Baltimore-Teilnehmer/innen aus

fünf verschiedenen Herkunftsländern

zusammen mit IMB-Studierenden aus

mehr als 10 Ländern. Der amerikanische

Kursleiter Prof. Alan Randolph

lobte die Gastfreundschaft der Berliner

MBAler, die ihren amerikanischen

Kommiliton/innen nach dem Unterricht

Kultur und Studentenleben in der deutschen

Hauptstadt nahe brachten.

Die Seminarverantwortlichen hatten im

Vorfeld Lehrinhalte und zeitliche Abfolge

der Seminare abgestimmt, so dass die

Studierenden auf das gleiche Management-Methoden-Wissen

zurückgreifen

konnten. Die praktische Erfahrung,

immer wieder in neu zusammengesetzten

internationalen Teams betriebswirtschaftliche

Probleme unter Zeitdruck

lösen zu müssen, ist für MBA-Studierende

besonders wertvoll – auf beiden

Kontinenten. So sind die Berliner Partner

des IMB eingeladen, das Programm

zukünftig auch an der Merrick School in

Baltimore fortzuführen. Und dies nicht

nur auf Master-Ebene. Ein Studierendenaustausch

besteht auch in den Bachelor-

Programmen an der HWR Berlin.

Prof. Dr. Andreas Zaby lehrt an der HWR

Berlin Internationales Management und

leitete das gleichnamige Seminar im Rahmen

dieses Kooperationsprojektes.

Unterstützt durch die Gesellschaft für

Personalentwicklung und Bildung mbH

(GPB Berlin) wurde ein Schulungsprojekt

in der VR China gestartet mit dem Ziel,

chinesische Berufsschullehrer/innen über

das duale Bildungssystem in Deutschland

zu unterrichten, das so ganz anders

ist als im Land der aufgehenden Sonne.

Denn bisher bieten berufsbildende

Schulen wie das SZIT eine Vollzeitausbildung

ohne betriebliche Praxis an. Es

gibt keine unabhängigen Zeugnisse wie

von der IHK. Der Wert der Abschlüsse

misst sich allein an der Bekanntheit und

Qualität der Schule. Diese werden nicht

zuletzt durch die erfolgreiche Vermittlung

von Absolvent/innen in lukrative

Jobs determiniert. Mit der öffentlichen

Wertschätzung steigt auch das Schulgeld,

womit Ausstattung und gutes

Lehrpersonal bezahlt werden.

Die Kurse für die 5 000 Schüler/innen

am SZIT finden überwiegend im

„Frontalunterricht“ mit 40 Teilnehmer/

innen statt. Lehrer/innen und Schüler/

innen arbeiten hier auf einem sehr

hohen Niveau. Die Schulbibliothek ist

ausgestattet mit Titeln zu VBA, Java,

LINUX, PhotoShop, DreamWeaver –

diese Begriffe stehen übrigens auch auf

chinesischen Lehrbüchern in lateinischer

Schrift. Die Anwendungen von

Informationstechnologien werden in

China eher im technischen Bereich und

in der grafischen Gestaltung verortet.

Daher das besondere Interesse an Mediengestaltung.

In Deutschland dagegen

steht die Wirtschaftsinformatik im

Mittelpunkt der Informatikausbildung.

Die Kenntnisse zur Informatik werden

zudem mit einem Anwendungsbezug

zur Wirtschaft vermittelt, beim dualen

Prof. Dr. Ringhand (Bildmitte) vom Fachbereich Berufsakademie unterrichtete Berufsschullehrer/innen

des Shenzhen Institute of Information Technology (SZIT) über das duale

Bildungssystem in Deutschland. Gruppenfotos gehören unbedingt zur Kultur der chinesischen

Gastfreundschaft.

Ausbildungssystem unmittelbar praktiziert

im Ausbildungsbetrieb.

Defizite hinsichtlich des Anwendungsbezugs

erkannten auch die Verantwortlichen

an den chinesischen Berufsschulen.

An Fachwissen besteht kein Mangel,

es fehlt das Anwendungswissen, die

Verbindung von Theorie und Praxis in

der Ausbildung. Die chinesischen Berufsschulen

können kein duales System

„von unten“ aufbauen, sie suchen aber

die Zusammenarbeit mit Industrieunternehmen.

Und hier gibt es Potential

für eine weitere Zusammenarbeit,

denn bezüglich der Abstimmung von

Lerninhalten und Ausbildungsabschnitten

zwischen Unternehmen und Schule

kann vor allem der Fachbereich Berufsakademie

auf eine langjährige und gute

Erfahrung zurück greifen.

An zwei Institutionen in Shenzhen boten

Prof. Klaus Ringhand und Daniel Gräfen,

Dozent für Mediendesign, Schulungen für

Berufsschullehrer/innen über die duale

Ausbildung in IT- und Medienberufen in

Deutschland an. Neben der GPB Berlin erhielt

das Projektteam Unterstützung durch

die InWEnt GmbH (Internationale Weiterbildung

und Entwicklung), eine private

Sprachschule vor Ort und eine sprach- und

landeskundige Mitarbeiterin in Berlin.

Shenzhen ist nach Peking und Shanghai

die drittgrößte Stadt. Kaum 30 Jahre alt,

ist sie modern und lebendig, geprägt

durch Wolkenkratzer und enge Bebauung.

Prof. Dr. Klaus Ringhand ist Gastprofessor

an der Berufsakademie.


16 Titelthema: Internationalität

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Titelthema: Internationalität

17

Das Team des International Office

Mit der Fusion von FHW Berlin und FHVR Berlin am 1. April 2009 wuchsen auch die International Offices zusammen.

Insgesamt sieben Kolleginnen gehören zum neuen Team des International Office der HWR Berlin.

Text: Andreas Zaby

Buddy-Service INAktion: Schutzengel

für Gaststudierende

What is a Anschlussfahrschein? Donde está la biblioteca más grande en Berlin? Où est-ce qu´on peut faire la fête le mercredi soir?

Das sind nur einige der möglichen Fragen von Gaststudierenden nach der Ankunft in Berlin. Aller Anfang ist schwer. Gerade

eine Großstadt wie Berlin und eine noch fremde Kultur können zu Beginn eines Auslandsaufenthalts viele, viele, viele Fragen

aufwerfen. Deshalb stehen Buddys den Gästen zur Seite.

Text: Andreas Thienert, Ulrich Hasselmann

Standort Schöneberg: Ingrid Sperber, Susanne Fürstenberg, Katja Zühlsdorf, Dörthe Kuhlmey (v. l. n. r.)

Das International Office der HWR Berlin

koordiniert die weltweite Mobilität von

Studierenden und Lehrenden sowohl ins

Ausland als auch an die HWR Berlin.

Rund 100 internationale Hochschulpartnerschaften

und die dazu passenden

Austauschprogramme werden vom Team

gepflegt und betreut. Die Mitarbeiterinnen

unterstützen internationale Gaststudierende,

organisieren Studienbesuche

und Exkursionen, internationale Seminare,

Workshops und Gastdozenturen im

Ausland. Dazu kommt die Koordination

des Internationalisierungsprogramms

der HWR Berlin und des ERASMUS-

Programms, die Beantragung von

Zuschüssen und Stipendien im Rahmen

europäischer Hochschulprogramme,

die Betreuung ausländischer Gäste und

Gastdozent/innen sowie die Erstellung

der ECTS-Broschüre. Die jährlich stattfindende

Berlin International Summer

School wird durch das International Office

am Campus Schöneberg organisiert.

Standort Lichtenberg: Dr. Brigitte Thiem-Schräder, Ingrid Schröder, Mechthild Bonnen (v. l. n. r.).

Vergangenes Semester empfing das International

Office 140 Austauschstudierende

aus aller Welt. Jeder von ihnen soll

einen HWR Studierenden als konstanten

Ansprechpartner haben – einen Buddy.

Zu den Aufgaben eines Buddys gehören

neben der Abholung vom Flughafen, die

Begleitung zum Wohnheim oder Hilfe bei

Behördengängen sowie die Unterstützung

bei alltäglichen Kleinigkeiten, die Integration

in das soziale Leben der HWR Berlin

und natürlich auch Hilfe beim Einstieg in

das aufregende Berliner Studentenleben.

Buddys berichten

Es begann mit einem Flyer, der für das

Buddyprogramm der HWR Berlin warb.

Ich dachte mir, warum eigentlich nicht?

Schließlich hatte ich schon seit jeher

großes Interesse an anderen Kulturen.

Ein Gaststudent könnte mein Leben sicherlich

bereichern. Also entschloss ich,

mich beim International Office für das

Buddyprogramm anzumelden. Ich konnte

einen Wunsch für das Herkunftsland

meines Buddys angeben. Welches sollte

ich wählen? Vielleicht ein Spanisch sprechender

Gaststudent, damit ich meine

Sprachkenntnisse verbessern kann oder

doch eher ein Student aus einem Land, in

dem ich selber vielleicht ein Auslandsstudium

absolvieren möchte? Ich entschied

mich für Letzteres und gab Asien an.

Etwa einen Monat später bekam ich vom

International Office den Name meines

Buddys, Herkunftsland, Anreisedatum

und E-Mailadresse mitgeteilt. So schrieb

ich denn auch gleich und stellte mich

kurz vor. Ich versicherte, wie sehr ich

mich auf seine Ankunft freue und dass

ich durch mein eigenes Auslandsjahr

wisse, wie enorm wichtig eine Bezugsperson

sei. Schon am gleichen Abend

bekam ich Antwort. Es folgten viele

E-Mails bis zu seiner Ankunft.

Dann traf „mein“ japanischer Gaststudent

endlich ein. Wir hatten keine

Anlaufschwierigkeiten, fanden gleich

Gesprächsstoff. Er stellte viele Fragen

und war sehr interessiert. Über das

Straßenverkehrssystem bis hin zur

politischen Situation in Deutschland

presste er mich aus. Ich erfuhr viel

Neues über Japan und fand die Vergleiche

faszinierend.

Nach seiner Ankunft steuerten wir

zunächst das Wohnheim an. Ich

hatte mich vorab um die Modalitäten

zwecks Mietvertragsunterzeichnung

und Schlüsselabholung informiert. So

lief alles reibungslos ab. Das war gut,

denn nach 20 Stunden Anreise war der

Gaststudent ziemlich ausgelaugt. Beim

ersten Einkauf zeigte ich ihm trotzdem

gleich noch kurz die Umgebung.

Am nächsten Tag ging es zur Hochschule

ins International Office. Hier bekam er

sein Semesterticket und Informationsmaterial

und gleich eine Einladung zum

Welcome Day. Die Uni war schnell gezeigt

und auch eine Kopier- und Mensakarte

erstanden. Wir machten uns auf zur

ersten Sightseeing-Tour durch Berlin.

Fasziniert streifte er mit mir durch Regierungsviertel,

um den Alexander- und den

Potsdamer Platz. Ich erzählte ihm mehr

über Deutschland. Unterwegs besorgten

wir weitere wichtige „Accessoires“

wie ein Mobiltelefon und aßen noch in

einem Restaurant gemeinsam zu Abend.

Für die nächsten Tage standen z. B. noch

eine Kontoeröffnung und die offizielle

Anmeldung auf dem Programm. Daneben

auch Clubbesuche, Biertrinken und

Grillen mit Freunden, Familie und anderen

Austauschstudierenden. Irgendwann

musste ich mich aber wieder mehr auf

mein Studium konzentrieren. Doch keine

Sorge, für gewöhnlich akklimatisieren sich

Gaststudierende schnell, knüpfen selbst

Kontakte und kommen gut allein zurecht.

Austausch macht Spaß. Man unternimmt

viel gemeinsam und es können sich echte

Freundschaften entwickeln. Auch bei

meiner Familie war „mein“ Austauschstudent

stets ein willkommener Gast.

Die Autoren Andreas Thienert und

Ulrich Hasselmann studieren an der

HWR Berlin und betreuten als Buddys

ausländische Gaststudierende.

Austauschstudierende beim Welcome Day

an der Hochschule. Damit sie sich im Alltag

zurechtfinden und bald nicht mehr fremd

fühlen, bekommen sie Buddys zur Seite gestellt,

deutsche Studierende der HWR Berlin.


18 Titelthema: Internationalität

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Titelthema: Internationalität

19

Der Wind der ganzen Welt weht durch

die HWR Berlin

Internationalität in der täglichen Praxis – Einsichten in die Arbeit des International Office

Text: Susanne Fürstenberg

Where are you from? „Singapur“, „Paris“,

„New York“, „Amsterdam”, „Istanbul”,

„Buenos Aires” – so antworteten einige

der rund 175 Gaststudierenden, die im

Sommersemester 2009 an die HWR

Berlin gekommen sind. Monatelange

elektronische Kontakte sind zu Personen

geworden. Im Vorfeld hat das International

Office ihnen Wohnheimplätze und

vorbereitende Deutschkurse organisiert,

sie eingeschrieben und Termine für

Krankenversicherung und Behördengänge

vereinbart. In Berlin sind sie für

ein bis zwei Semester Studierende der

HWR Berlin. Einige werden sogar einen

Abschluss mit nach Hause nehmen können,

vorausgesetzt sie studieren in einem

Doppelabschlussprogramm.

Mit den Gaststudierenden wird die

zunehmende Internationalisierung

von Lehre und Forschung, die zu den

wesentlichen Kennzeichen der HWR

Berlin gehört, an der Hochschule

erlebbar.

Internationalisierung als Prozess spielt

sich nicht nur im Ausland ab, sondern

ebenso an der einheimischen Hochschule.

So sammelt ein Großteil der Studierenden

internationale Erfahrungen.

Gute Betreuung, ein angenehmes

Studienklima und ein erfolgreiches

Semester sind wesentliche Voraussetzungen

für den Fortbestand

der Kooperationsbeziehungen mit

Hochschulen in aller Welt, die ihre

Studierenden an die HWR Berlin

schicken.

In der Regel gilt: Je mehr Studierende

wir empfangen, umso mehr kostenfreie

Auslandsstudienplätze an den knapp

100 attraktiven Partnerhochschulen im

Ausland können wir unseren eigenen

Studierenden anbieten. Basis dafür ist

der ständige Ausbau und die Pflege

dieser Beziehungen mit den dortigen

Kollegen/innen und Fakultäten, ein

Prinzip, das in allen Aspekten vom

International Office in Zusammenarbeit

mit der Hochschulleitung, den

Lehrenden wie auch den Studierenden

verfolgt werden muss. Dabei sind die

Bedingungen erstaunlich ähnlich zu

denen der Wirtschaftswelt. Wer zuerst

kommt, mahlt zuerst – das gilt auch bei

der Eroberung neuer „Märkte“ im internationalen

Hochschulgeschäft. So hat

die HWR Berlin beispielsweise als erste

Hochschule in Berlin engere Kontakte

zu türkischen und indischen Universitäten

aufgebaut.

Innovative Projekte werden nicht nur

mit Imagegewinn und dem Zulauf

talentierter Studierender belohnt.

Drittmittelgeber, mit denen internationale

Partnerschaftsprojekte und vielfach

auch die Mobilität unserer Studierenden

unterstützt werden, schätzen Innovativität.

Das International Office der HWR

Berlin ist verantwortlich für die Beantragung

und Durchführung von Stipendien-

und Mobilitätsprogrammen und

ist dadurch in der Lage, direkt Beihilfen

und Stipendien für Auslandspraktika

und Auslandsstudienaufenthalte in der

gesamten EU, Norwegen, Island, Türkei,

Russland, Indien, Brasilien und Japan

zu vergeben. Zusätzlich dazu erhält eine

jährlich steigende Anzahl von Studierenden

ein Individualstipendium des

DAAD – damit wird ein Teil der im Jahr

fast 300 über das International Office

realisierten Auslandssemester finanziell

unterstützt.

Seit vielen Jahren bietet das International

Office darüber hinaus die Möglichkeit,

sich um ein Jahresstipendium für

ein Studium in den USA zu bewerben.

Das Zauberwort heißt Fulbright-Kommission

und die Idee dahinter klingt

bestechend einfach. Seit 1946 setzt sich

die Kommission für „die Förderung von

gegenseitigem Verständnis zwischen

den USA und Deutschland durch akademischen

und kulturellen Austausch“

ein. Sie bietet neben gut ausgestatteten

Jahresstipendien, das Studiengebühren

plus Lebenshaltungskosten für eine gewählte

Universität in den USA abdeckt,

auch Reisestipendien für Studienaufenthalte

an einer Hochschule in den USA.

Doch auch wer hierbei kein Glück hatte,

dem bietet das Austauschprogramm des

International Office mit seinen derzeit

11 Partnerhochschulen in den USA sehr

gute Chancen, im Land der unbegrenzten

Möglichkeiten zu studieren. Davon

profitieren jährlich knapp 20 Studierende

der HWR Berlin, die sich erfolgreich

um einen der begehrten studiengebührenbefreiten

Auslandsstudienplätze in

Amerika bewerben.

Strategisch hatte sich die ehemalige

FHW Berlin ab dem Jahr 2000 auf die

Ausweitung der bis dahin fast nur auf

Europa beschränkten internationalen

Partnerschaften nach Nord- und Südamerika

und Asien ausgerichtet. Stetiges

Networking mit sichtbarer Präsenz und

Präsentation der HWR Berlin waren

und sind einige der Voraussetzungen

für den Aufbau dieser Kooperationen.

So ist es gelungen, bis dato neben den

transatlantische Kooperationen auch

Beziehungen zu drei australischen, sechs

lateinamerikanischen, einer kanadischen

und acht asiatischen Partnern aufzubauen.

Gleichzeitig konnten in ganz Europa

weitere Partner gewonnen werden. Im

Zuge dieser Ausweitung hat sich die

Zahl der mobilen Studierenden der

HWR Berlin seit 2000 etwa vervierfacht.

Eines der wichtigsten Förderprogramme

und Motor der Internationalisierung

ist das ERASMUS-

Programm der EU-Kommission.

Neben der finanziellen Förderung

während des Auslandsaufenthaltes

bietet das Programm seit 1997 standardisierte

Rahmenbedingungen für

internationale Kooperationen innerhalb

der EU sowie Norwegen, Island und

Türkei. Geregelt sind dabei bestimmte

Betreuungsleistungen der Gasthochschule

und die Rechte der Studierenden

bezüglich Information, Kurswahl und

Anerkennung sowie Leistungen für Dozentenmobilität.

Seit 2007 werden auch

Auslandspraktika und die Mobilität von

Verwaltungspersonal gefördert. An der

HWR Berlin stehen für das laufende

Hochschuljahr insgesamt rund 250 000

Euro für die Zusammenarbeit mit den

61 ERASMUS-Partnern zur Verfügung.

Damit nimmt die HWR Berlin im Bereich

der Ausgaben in EU-Programmen

Platz 1 unter den Berliner Fachhochschulen

ein.

Der Austausch von Lehrenden zu Forschungs-

und Lehraufenthalten sowie

die Betreuung ausländischer Gäste

gehört ebenfalls zum Alltag im International

Office. Dabei steigt die Anzahl

von Delegationsbesuchen ausländischer

Universitäten und mobilen Dozent/

innen seit Jahren ebenfalls stetig. Diese

Vielfalt an Kontakten erweitert nicht

nur das Lehrangebot des jeweiligen

Gastgebers, sondern sie bereichern die

beteiligten Hochschulen generell mit

dem Transfer von Wissen und Erfahrungen.

Sie leisten außerdem einen

Das International Office der HWR Berlin berät in allen Fragen rund um das Auslandsstudium

und pflegt die Kooperationen mit derzeit rund 100 Partnerhochschulen in aller Welt. Neben

den Gaststudierenden erhalten auch Gastdozent/innen Unterstützung sowie Mitarbeiter/

innen, die im Rahmen des Mobilitätsprogramms der EU-Kommission am internationalen

Austausch teilnehmen wollen.

wichtigen Beitrag zum Networking,

das zur Gewinnung und Sicherung der

Kooperationen ungemein wichtig ist.

Besonders intensiv sind die Beziehungen

zu ausgewählten Kooperationshochschulen

mit speziellen Partnerschaftsprogrammen.

Unter dem Motto „Ein Studium –

zwei Abschlüsse“ werden sieben

Doppelabschlussprogramme der

HWR Berlin mit Partnern in England,

Frankreich, den Niederlanden,

Spanien und der Türkei angeboten.

Mit einem einjährigen Auslandsstudium

ermöglicht es die Hochschule Studierenden

bestimmter Studienrichtungen,

zusätzlich zum heimischen Bachelor

of Arts einen ausländischen Abschluss

in Bristol, Rennes, Amsterdam, Groningen,

Haarlem, Bilbao oder Izmir zu

erwerben.

Alles in allem weht der Wind der ganzen

Welt durch die Räume des International

Office und damit durch die HWR

Berlin. Alle Gäste und Studierenden

sind immer gern gesehen und hinterlassen

bleibende Eindrücke. Aber auch die

Rückkehrer/innen, die sich nach einem

Auslandsaufenthalt mit neuen Perspektiven

und gestärktem Selbstbewusstsein

bei uns zurück melden und ihren

Bericht über ihr Studium in Hong Kong,

Athen, Hawaii, Warschau oder Sydney

abgeben, bestätigen uns, dass sich die

Arbeit täglich aufs Neue lohnt.

Die Autorin ist Mitarbeiterin im International

Office der HWR Berlin.

Nützliche Links:

www.hwr-berlin.de

(Rubrik „Internationales“)

www.daad.de

www.fulbright.de

http://ec.europa.eu/education/lifelonglearning-programme/doc80_en.htm


20 Titelthema: Internationalität

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 HWR Berlin

21

Bericht aus Bilbao

Freunde, angesehener Universitätsabschluss,

Sprachkenntnisse, kulturelle

Ausflugsziele – dies alles trägt

dazu bei, dass ich mehr als froh bin,

die Chance für das Studium in diesem

Doppelabschlussprogramm bekommen

zu haben. Vielen Dank!

Text: Jennifer Warner

Die HWR Berlin

Das Heute und Morgen

Nach mehrjähriger Vorbereitungszeit war es am 31. März 2009 soweit: Mit einem Festakt wurden die Fachhochschule für Wirtschaft

Berlin und die Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin verabschiedet – gleichzeitig wurde die aus der

Fusion hervorgehende „Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin“ willkommen geheißen.

Text: Franz Herbert Rieger

Während meines 5. Studiensemesters

hatte ich bereits einen Auslandsaufenthalt

an der ESC Rennes absolviert,

zum Abschluss meines Studiums an der

HWR Berlin fehlte mir letzten Sommer

eigentlich nur noch ein Semester. Als ich

jedoch das Angebot sah, den spanischen

Abschluss Licenciatura im Rahmen meines

Studiums noch zusätzlich erwerben

zu können, war ich sofort entschlossen,

mein Studium dafür zu verlängern.

Die Entscheidung fiel mir leicht, da ich

bereits mein Praktikum in Barcelona

absolviert und mich in die Stadt verliebt

hatte und deshalb nach Ende meines

Studiums dort leben und arbeiten

möchte. Mit guten Englisch-, Deutschund

Spanischkenntnissen (bestenfalls

auch Katalanisch) ist es in Barcelona

relativ einfach, eine gute Arbeitsstelle zu

finden. Momentan bewerten potenzielle

spanische Arbeitgeber die Licenciatura

als Qualifikation noch höher als den

Bachelorabschluss. Deshalb bin ich

überzeugt, dass dieser Abschluss von der

Universität des Baskenlandes für meine

Karriere von großem Vorteil sein wird.

Um den Doppelabschluss erzielen zu können,

gibt es einen auf dem Vertrag zwischen

den beiden Hochschulen basierenden

Kursplan mit neun zu bestehenden

Kursen zuzüglich zweier Spanischkurse.

Die Kurse sind, wie an einer Universität

zu erwarten, eher theoretisch ausgerichtet.

Mit elf Kursen ist man doch recht

beschäftigt. Wer fleißig studiert, kann

die Anforderung jedoch gut meistern.

Täglich verbessere ich mein Spanisch

und nach acht Monaten beschleicht mich

manchmal das Gefühl, dass sich zugleich

meine Deutschkenntnisse verschlechtern.

Die Betreuung an der Fakultät in

Puente de Calatrava mit Glasboden

Bilbao-Sarriko (ca. 4 000 Studierende)

ist sehr freundlich. Der ganze Umgang

zwischen Professor/innen, Studierenden

und sogar mit dem Dekan ist zudem

sehr viel lockerer als an der HWR Berlin.

Die Stadt selbst hat sich in den letzten

Jahren unglaublich verändert. Es wird

viel Geld in die Verschönerung gesteckt.

Besonders in der Gegend um das

berühmte Guggenheim-Museum wird

dies sichtbar. Trotzdem ist Bilbao nicht

wirklich eine schöne Stadt, sondern

eher modern. Sie ist jedoch ein guter

Ausgangspunkt, um sehr schöne Städte

zu besuchen (San Sebastian, Santander,

Victoria, Barcelona). Das zentrale Bilbao

hat mit ca. 350 000 Einwohnern eine

überschaubare Größe, fast alles ist zu

Fuß oder per Metro erreichbar. Damit

kann man sogar zum Strand fahren (Sopelana)

und nette Dörfer erreichen (Gexto,

Plentzia). Aber auch der Casco Viejo

(Altstadt) von Bilbao sollte erkundet werden,

besonders wegen den einfallsreichen

Pintxos, die es dort an jeder Ecke gibt. Es

hat mich etwas Zeit gekostet, mit meinen

Mitstudierenden in Kontakt zu kommen

und es ist auch schwer, diesen außerhalb

der Universität weiter auszubauen. Allerdings

habe ich eine 4-Raumwohnung

gemietet und über das Aussuchen meiner

Mitbewohner/innen auch Kontakt zu

Basken bekommen, woraus sich richtige

Freundschaften entwickelt haben.

Jennifer Warner ist die erste Studentin der

HWR Berlin, die am 2008 unterzeichneten

Doppelabschlussprogramm mit der Universidad

del Pais Vasco, Bilbao teilnimmt.

Die neue Hochschule hat eine beachtliche

Größe: Knapp 8 000 Studierende sind in

50 Studiengängen an fünf Fachbereichen

und drei Zentralinstituten immatrikuliert.

In der Lehre engagieren sich ca. 160 Professorinnen

und Professoren und rund

500 Lehrbeauftragte; verwaltungsseitig

werden sie von ca. 230 Mitarbeiter/innen

unterstützt. Insgesamt acht Forschungsinstitute

sorgen für den Wissenstransfer aus

der Theorie in die Praxis.

Zeitgleich mit der Fusion wurden alle

Fachhochschulen Berlins in Hochschulen

umbenannt. Für die HWR Berlin ist

dies in mehrfacher Hinsicht von programmatischer

Bedeutung. Von einer

Hochschule wird man billigerweise eine

gewisse disziplinäre Vielfalt des Angebots

erwarten dürfen. Diesem Erfordernis

sind wir mit dem Zusammenschluss

ein merkliches Stück näher gekommen,

weil sich nun die Schwerpunkte des

Angebots auf Wirtschaftswissenschaften,

Verwaltungswissenschaften, auf

Rechtswissenschaften und zu einem

nicht zu vernachlässigenden Teil sogar

auf Ingenieurwissenschaften erstrecken.

Eine sinnvolle Ergänzung ergibt sich

ebenso im Bereich Internationalität – zu

den Partnerschaften der FHW Berlin,

die stark auf Westeuropa, Übersee und

Asien ausgerichtet sind, sind die stärker

osteuropäisch fokussierten Kooperationen

der FHVR Berlin hinzugekommen.

Eine weitere Folge aus dem Zusammenschluss

der beiden Hochschulen ist die

konsequente Entwicklung innovativer

Angebote auf allen drei Stufen des

Bolognaprozesses. Im Bachelorbereich,

Dieses Schild weist die nunmehr drei Standorte der Hochschule für Wirtschaft und Recht

Berlin aus: Schöneberg, Lichtenberg und Alt-Friedrichsfelde.

der ersten Stufe des Bolognaprozesses,

sollen nicht nur die klassischen Angebote

der Fachhochschulen zu finden

sein, sondern Angebote eines neuen

Zuschnitts. So gibt es zum Beispiel an

der HWR Berlin außer den herkömmlichen

betriebswirtschaftlichen und

verwaltungswissenschaftlichen Studiengängen

auch einen volkswirtschaftlichen

Studiengang, rechtswissenschaftliche

Studiengänge, und geplant ist ein

grundständiger Studiengang auf dem

Gebiet der politischen Ökonomie.

Im Masterbereich, der zweiten Stufe des

Bolognaprozesses, war die FHW Berlin

vor allem für ihre MBA-Studiengänge

bekannt, an der FHVR Berlin gab es

vergleichbare Angebote, zum Beispiel

den MPA „Public Administration“ und

den M. A. „Europäisches Verwaltungsmanagement“.

Hier sind insbesondere

hinsichtlich der Angebotsform Synergien

zu erwarten, da die FHVR über

Erfahrungen im Bereich der Fernstudiengänge

verfügt.

Bei der dritten Phase des Bolognaprozesses,

der Promotion, ist die Handlungsfähigkeit

der Fachhochschulen

eingeschränkt. Daher haben wir ein

Abkommen mit einer langjährigen britischen

Partneruniversität getroffen, in

das nicht nur die FHW Berlin, sondern

auch die FHVR Berlin von vorneherein

mit einbezogen wurde.

Stillstand wird es aber auch jetzt nicht

geben. Durch Hochschulpakt und

Masterplan ist weiterhin ein deutliches

Wachstum der Hochschule zu erwarten,

sowohl in quantitativer als auch in

qualitativer Hinsicht. Lösen wir diese

Punkte ein, wird im Ergebnis eine Einrichtung

entstehen, der für das private

und das öffentliche Management eine

überregionale Bedeutung zukommt.

Prof. Dr. Franz Herbert Rieger ist Rektor

der Hochschule für Wirtschaft und Recht

(HWR) Berlin.


22 HWR Berlin

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 HWR Berlin

23

Grußwort

Berlins Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner, sprach auf der Festveranstaltung

zur Fusion der beiden Fachhochschulen, aus der am 1. April 2009 die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin hervorgegangen

ist.

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Was lange währt, wird endlich gut

möchte man sagen. Und so gratuliere

“,

ich Ihnen – auch im Namen des Senats

von Berlin – zur Fusion von zwei

Fachhochschulen zur Hochschule für

Wirtschaft und Recht.

Unser Dank geht an alle, die in den

vergangenen Monaten und Jahren

dieses Projekt angestoßen, bewegt und

geduldig gefördert haben. Ausdrücklich

schließt mein Dank auch jene ein, die

in der Vergangenheit ihre Skepsis und

Bedenken vorgetragen haben. Denn das

Streiten um der Sache willen ist für das

Finden fruchtbarer Lösungen unverzichtbar.

Ich meine, dass wir heute vor einer

guten Lösung stehen. Lassen Sie uns

gemeinsam daran arbeiten, dass sich

die großen Hoffnungen der Optimisten

erfüllen und schließlich auch die

Skeptiker von den Erfolgen der neuen

Hochschule für Wirtschaft und Recht

überzeugt werden.

Wie in der Wirtschaft, sind auch im

öffentlichen Bereich Fusionen geeignet,

Misstrauen und Sorgen zu wecken.

Wie Sie wissen, stehe ich ja selbst einer

Senatsverwaltung vor, die erst zu Beginn

dieser Legislaturperiode aus der Bildungs-

und Jugendverwaltung einerseits

und der Wissenschaftsverwaltung

andererseits neu formiert wurde.

Da hat es am Anfang auch etwas geknirscht.

Altbekanntes und Gewohntes

will immer nur ungern aufgegeben werden

und der Aufbruch zu neuen Ufern

ist stets mit Risiken behaftet. Die Liste

der vermeintlichen Schrecken ist lang:

Eine neuer Name, ein schrecklich-neues

Design, politisch veränderte Mehrheitsverhältnisse

in den Gremien, eventuell

räumliche Veränderung, umgelenkte

Ressourcenströme oder gar neue Kollegen…

Die Liste der Grausamkeiten

ließe sich noch fortsetzen.

Ich habe das Projekt dieser Fusion

immer unterstützt. Denn das Neue

beinhaltet immer auch Chancen, neue

Spielräume und neue Optionen. Deshalb

ist klar zu sagen: Diese Fusion der

Fachhochschule für Wirtschaft und der

Fachhochschule für Verwaltung und

Rechtspflege ist keine Sparmaßnahme,

kein Rationalisierungskonzept und erst

recht keine feindliche Übernahme. Wirtschaftlich

gesprochen ist es aus meiner

Sicht ein „Merger of Equals“, ein Zusammenschluss

auf gleicher Augenhöhe, der

versucht, ein neues, zukunftsträchtiges

Geschäftsmodell in der Berliner Wissenschaftslandschaft

zu etablieren.

Dabei bitte ich auch zu bedenken, dass

die Institution einer öffentlichen akademischen

Körperschaft den Beteiligten

wohl die größten Spielräume einräumt,

den Prozess zum Wohle aller zu nutzen.

In kaum einer anderen öffentlichen Einrichtung

wird Selbstverwaltung so groß

geschrieben, wie in unseren Hochschulen.

Ich denke deshalb, dass Sie, liebe

Anwesende, und überhaupt alle Mitglieder

der neuen Hochschule, die Möglichkeit

haben, diese neue Hochschule für

Wirtschaft und Recht mit Engagement,

innovativen Ideen und einem kooperativen

Umgang neu voran zu bringen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese neue

Chance mit Elan zu ergreifen vermögen.

Aber selbstverständlich sage ich Ihnen

hiermit auch gerne meine Unterstützung

und die Hilfe meines Hauses zu, sollten

einmal Fragen auftauchen, die aus eigener

Kraft nicht beantwortet werden können.

Wie Sie wissen, ist der Anstoß zu

diesem Zusammenschluss von einer

Empfehlung des Wissenschaftsrates ausgegangen.

Dieser hatte sich dafür ausgesprochen,

„Ein-Fach-Hochschulen“

in ihrem Fächerspektrum auszubauen.

Dem lag die Einsicht zugrunde, dass ein

zu schmales fachliches Profil den heutigen

beruflichen Anforderungen kaum

mehr gerecht wird. Für die Fachhochschule

für Verwaltung und Rechtspflege

trifft die Begründung zu, dass die strikte

Trennung der Ausbildung für den öffentlichen

Dienst von anderen akademischen

Ausbildungswegen nicht mehr

zeitgemäß ist.

Und aus heutiger Sicht kann man

hinzufügen, dass sich die neue Hochschule

für Wirtschaft und Recht noch

erfolgreicher gegen die relativ kleinen

privaten Hochschulen wird abgrenzen

können, die heute doch nur einen

vergleichsweise kleinen Ausschnitt

betriebswirtschaftlicher Gelehrsamkeit

anbieten können. Also auch aus dieser

Marktperspektive sehe ich Ihre Hochschule

gut positioniert.

Und natürlich waren die Argumente

des Wissenschaftsrates aus meiner

Sicht richtig! Denn wir erleben in

vielen Fächern, auch bedingt durch die

Einführung der Masterstudiengänge,

nicht nur eine weitere Spezialisierung,

sondern auch die neue Verknüpfung

von Disziplinen. Die beruflichen

Lebenswege sind heute deutlich

flexibler, die Anforderungen vielseitiger

geworden. In der öffentlichen

Verwaltung erleben wir immer häufiger

die Übernahme marktförmiger

Steuerungsmodelle und in der freien

Wirtschaft erleben wir gerade, wenn

mich nicht alles täuscht, die Rückkehr

ordnungspolitischer Standards in einen

Markt, dessen Selbstregulierung gerade

katastrophal gescheitert ist.

„Ich glaube deshalb, dass die neue

Hochschule für Wirtschaft und Recht

die besten Chancen hat, sich sichtbar

in der Berliner Wissenschaftslandschaft

zu platzieren. “

Durch die Fusion kann sich das

Profil in Richtung einer Hochschule

für „privates und öffentliches Wirtschaftsmanagement“

erweitern und

schärfen.

Die Qualifikationen der Professorenschaft

ergänzen sich auf hervorragende

Weise. Für die eine Seite

ist die wirtschaftswissenschaftliche

Qualifikation der anderen Seite von

Vorteil, umgekehrt profitiert man

von den rechts-, verwaltungs- und

politikwissenschaftlichen Qualifikationen.

Beide werden gewinnen.

Die Studierenden erhalten eine

zeitgemäße, hochwertige Ausbildung,

die sie befähigt, in unterschiedlichen

Berufs- und Aufgabenfeldern unserer

Gesellschaft erfolgreich zu wirken.

Mit diesem Zusammenschluss wird

sich für Sie, liebe Studierende, in

Ihrem Studienverlauf nicht viel

ändern. Sie werden Ihre Studienangebote

am Campus Lichtenberg, in

Schöneberg oder am Fachbereich Berufsakademie

besuchen, Sie werden

hier weiterhin die für Sie wichtigen

Ansprechpartner und -partnerinnen

vorfinden sowie Arbeitsmöglichkeiten

und die Bibliothek.

Aber Sie werden jetzt Studierende

dieser neuen und größeren Hochschule

in Berlin sein mit einem

erweiterten Spektrum an Studiengängen

und einer gewachsenen

Bedeutung Ihrer Hochschule im

Rahmen der Hochschullandschaft

Berlins. Profitieren Sie von den

Chancen, die diese neue Entwicklung

mit sich bringt, lernen Sie Studierende

aus anderen Studiengängen

kennen, die z. B. Erfahrungen

aus der Berufswelt mitbringen oder

am Standort Schöneberg studieren.

Nutzen Sie die vielfältigen Angebote

dieser neuen Hochschule!

Und für die Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter bedeutet dies, einer

Einrichtung anzugehören, auf die

man stolz sein kann, an der gerne

geforscht, gelehrt und gearbeitet

wird und die sich selbstbewusst in

der hervorragenden Berliner Wissenschaftslandschaft

zu Wort meldet.

In diesem Sinne, meine Damen und

Herren, bin ich zuversichtlich und überzeugt,

dass wir einen Grund zu feiern

haben. Mein Dank und meine besten

Wünsche gehen an alle diejenigen, die

in den nächsten Monaten das alltägliche

Zusammenwachsen managen müssen.

Ich wünsche Ihnen dabei Fortune und

allen Mitgliedern der neuen Hochschule

die Kraft und den Optimismus, der neuen

Hochschule für Wirtschaft und Recht

ein unverwechselbares und erfolgreiches

Gepräge zu verleihen.


24 HWR Berlin

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 HWR Berlin

25

Zwei in Einem –

Herzlich Willkommen, HWR Berlin!

Endlich ist es klar: Das Gesetz zur

Zusammenführung der FHW Berlin und

der FHVR Berlin wird nach langer Zeit

im Sommer 2008 durch das Berliner

Abgeordnetenhaus beschlossen. Für

alle Bereiche der Hochschule ist damit

das Startsignal gefallen: Innerhalb

eines Dreivierteljahres müssen alle

Vorbereitungen für die Umsetzung der

Fusion zum 1. April 2009 abgeschlossen

sein. Ein wichtiger Baustein dabei ist

die Kommunikation.

Text: Sylvia Katenkamp

Fotos der Student/innen, Mitarbeiter/innen und Professor/innen der beiden Hochschulen ergeben in einer Animation das neue Logo der HWR Berlin.

Dies war sicherlich einer der Höhepunkte der Fusionsfeier.

November 2008 Dezember 2008 Januar 2009 Februar/März 2009 31. März 2009 1. April 2009

Die Basis –

das neue Corporate Design (CD)

Die neue Hochschule für Wirtschaft

und Recht Berlin braucht ein neues

Gesicht. Es ist Grundlage für die

Kommunikation nach innen und nach

außen. Drei sehr unterschiedliche

Gestaltungsansätze werden den beiden

Hochschulleitungen im Dezember 2008

vorgestellt. Sie entscheiden sich für das

Erscheinungsbild, das an das bisherige

CD der FHW Berlin angelehnt ist. Die

Bekanntheit und das positive Image

sind ausschlaggebend – der Bär bleibt

der zukünftigen Hochschule erhalten,

das Farbspektrum wird erweitert.

Die Umsetzung – viele Schritte

Damit die neue Hochschule ihr neues

Gesicht auch pünktlich zum Stichtag

zeigen kann, gilt es, innerhalb

von drei Monaten über 300 Medien

neu zu gestalten und zu produzieren.

Ob Türschild, Visitenkarte, Stempel,

Studiengangsfaltblätter, Internetauftritt

oder Imagebroschüre: Die Mails fliegen

zwischen den Abteilungen und den

Marketing-Stellen nur so hin und her,

um alles so gut wie möglich abzustimmen.

Kommunikation nach außen –

jeder soll es wissen

Im Januar 2009 beginnt die Kommunikation

über die neue Hochschule.

Gezielt werden über individuelle Kanäle

wie Standardbriefe, Pressemitteilungen

und Mails die einzelnen Zielgruppen

angesprochen. Eine eigene Rubrik in

beiden Internetauftritten informiert

über die Hintergründe des Zusammenschlusses.

Der Countdown läuft. Den

Höhepunkt bildet die Pressekonferenz

mit allen Leitern der Berliner Fachhochschulen,

bei der im Blitzlichtgewitter aus

einem großen Kuchen, der ein F bildet,

gemeinsam ein H geformt wird.

Werbekampagne – kein Aprilscherz

Zur Unterstützung wird im Februar

und März 2009 mit einer abgestuften

Kampagne geworben, die das Ziel hat,

auf die neue Hochschule aufmerksam

zu machen. Die Plakate und Postkarten

mit dem roten Bär als Eyecatcher finden

besondere Beachtung. Die überdimensionale

Bärfigur, die durch die Standorte

gereist ist, hat schnell Freunde gefunden

und viele haben sich gerne mit ihm

fotografieren lassen. Er soll auch schon

auf vielen Handys als Hintergrundbild

zu finden sein.

Die Fusionsfeier – Zeit zu feiern

Der 31. März 2008 ist für alle der

Höhepunkt. Nach der langen Vorbereitungszeit

ist es jetzt endlich soweit.

Die Fusionsfeier bietet viel Raum, um

die beiden Hochschulen noch einmal

Revue passieren zu lassen. Nach dem

offiziellen Teil, der von Prof. Dr. Zöllner,

Prof. Dr. Rieger und Prof. Dr. Prümm

gestaltet wurde, bleiben die Angehörigen

der beiden Hochschulen noch lange

zusammen und werfen einen Blick in

die gemeinsame Zukunft.

1. April 2009

Herzlich Willkommen, HWR Berlin!

Die Autorin ist für die interne und

externe Kommunikation der HWR Berlin

zuständig.


26 Theorie und Praxis

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Theorie und Praxis

27

E(r)lernen: E-Learning zum

Lehren und Studieren

Der Umgang mit veränderlichen wachsenden Wissensquellen muss geübt sein. Die Arbeit mit Web 2.0 bzw. kooperativen Lernmanagementsystemen

und Werkzeugen erfordert von Lehrenden und Lernenden neue Qualifikationen. Der didaktische Ansatz

ändert sich, wenn Lernen als aktiver und konstruktiver Prozess verstanden wird. Durch Kooperation entsteht neues gemeinsames

Wissen, Lernen und Wissensmanagement wird zunehmend zum sozialen Prozess.

Wer suchet, der findet... jetzt leichter

Bundesweite Datenbank für Wissenschaftler/innen und Unternehmer/innen ist online. Die erste Lehr- und Forschungsdatenbank

für Mittelstand und Familienunternehmen (MiFa) ist im Rahmen eines Forschungsprojektes des neu gegründeten

Instituts für Entrepreneurship, Mittelstand und Familienunternehmen (EMF) der HWR Berlin entstanden.

Text: Birgit Felden

Text: Marcus Birkenkrahe

In der besonderen Situation unserer

Hochschule – durch die Integration der

verschiedenen Fachbereiche mit vielfältigen

inhaltlichen Verknüpfungen bei

räumlicher Trennung – ist es sinnvoll,

neue Kommunikationswege in Verwaltung

und im täglichen Umgang zu etablieren.

Die Zusammenarbeit mit den

Partnerhochschulen und der Einsatz

in hochschulübergreifenden Projekten

bekommt durch die neuen Medien neue

Dynamik.

Kooperative Lern- und Arbeitsformen

sollen ein fester Bestandteil der Lehre

und der täglichen Arbeit werden. Unser

erst kürzlich bewilligtes ESF 1 -Projekt:

„E(r)lernen: Kompetenzvermittlung

zum Einsatz neuer Medien und Web

2.0 in Studium und Beruf “ soll im

Rahmen eines zu gründenden „Center

of Teaching Excellence“ innerhalb der

nächsten vier Jahre die Grundlage dafür

schaffen.

Mit finanzierten Werkaufträgen können

wir Professor/innen bei der Gestaltung

eigener Lerneinheiten beraten

und unterstützen. Unser Projekt der

Podcastaufnahmen soll mit hochwertiger

Technik weiter forciert werden.

In attraktiven Schulungen wollen wir

auf die neuen didaktischen Anforderungen

eingehen. Zentrales Element

ist hierbei ein Blended-Learning-Kurs

mit Zertifikat für alle wissbegierigen

Lehrkräfte.

“Experience has long been the best teacher of knowledge. Since we cannot experience

everything, other people´s experiences, and hence other people, become

the surrogate for knowledge. I store my knowledge in my friends is an axiom for

collecting knowledge through collecting people.”

Stephenson, Karen in “Connectivism, A Learning Theory for the Digital Age”

Ein weiterer zentraler Schritt unserer

Planung ist der Aufbau einer breiten

Basis von Innovator/innen und

Entscheider/innen. In einem Kompetenzzentrum

sollen sich interessierte

Lehrkräfte und Mitarbeiter/innen treffen,

um sich regelmäßig auszutauschen

und an strategischen Planungen zu

beteiligen. Die Projektmittel beinhalten

jährlich 15 000 Euro für Personal- und/

oder Sachmittel, um innovative Ideen

zu unterstützen. Nach unserer Vorstellung

wird dieses Geld durch eine

gemeinsame, fachbereichsübergreifende

Jury verteilt. Auch für den Aufbau

einer internen Qualitätssicherung, zur

Einrichtung eines virtuellen Hochschulstandorts

zum Beispiel in SecondLife 2 ,

zur Planung von Schulungen und Workshops

und bei der Auswahl von Referent/innen

hoffen wir auf entscheidende

Impulse von den Beteiligten.

Wenn Sie an Einzelheiten interessiert

sind, und die Hochschule gemeinsam

mit uns voranbringen möchten,

kontaktieren Sie bitte Susanne Mey

(susanne.mey@hwr-berlin.de) oder

Katja Drasdo (katja.drasdo@hwr-berlin.

de), die E-Learning Koordinatorinnen

der HWR Berlin. Wir freuen uns auf

Ihre Mitarbeit!

Prof. Dr. Marcus Birkenkrahe lehrt Wirtschaftsinformatik

an der HWR Berlin

und ist Beauftragter für E-Learning.

1

ESF steht für Europäischer Sozialfond und ist der älteste Strukturfond der EU zur wissensbasierten Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit

2

SecondLife ist eine virtuelle 3D-Umgebung, die verstärkt auch zur Lehre genutzt wird, z.B. von der Uni Hamburg; online http://www.secondlife.com

Diese einmalige Datenbank bietet

Interessierten einen effizienten Zugang

zu Lehrstühlen, Studiengängen und

Forschungsinstituten, die sich mit den

Themen Entrepreneurship, Mittelstand

und Familienunternehmen beschäftigen.

Ausgewählte Suchkriterien sowie

umfangreiche Datensätze erleichtern

das wissenschaftliche Arbeiten im

deutschsprachigen Raum. Wissenschaftler/innen

und Praktiker/innen können

sich so austauschen und ihre Aktivitäten

in den jeweiligen Forschungsgebieten

ausbauen und optimieren. Ergänzt wird

die Datenbank durch das „Literaturverzeichnis

Mittelstand und Familienunternehmen“.

Kernidee des Projektes ist die stärkere

Fokussierung der betriebswirtschaftlichen

Forschung auf kleine und mittlere

Unternehmen. Ziel ist es auch, Forschungslücken

zu schließen. Das EMF-

Institut ist Träger dieser Datenbank.

Ziel des Institutes ist es, neue Forschungsfragen

zu entwickeln. Forschungsergebnisse

und Themenfelder

sollen verstärkt in Fachwelt und

Öffentlichkeit transportiert werden.

Dabei sollen die Akteur/innen aus

Praxis und Theorie so vernetzt werden,

dass Synergieeffekte für alle Beteiligten

entstehen. Das EMF soll als innovatives

Forschungszentrum einen Platz in der

deutschsprachigen Forschungslandschaft

besetzen.

Die EMF-Themen haben erst in jüngerer

Zeit Aufmerksamkeit in Forschung

und Öffentlichkeit erhalten. Noch bis

Komfortable Masken und vielfältige Auswahlmöglichkeiten

erleichtern die Suche

Mitte der 90er Jahre herrschte das Bild

„Betriebswirtschaftslehre ist eine Lehre

für den Betrieb von Großunternehmen“

vor. Vor dem Hindergrund der wirtschaftlichen

Entwicklungen hat sich

diese Einstellung erheblich geändert.

Der Mittelstand und damit auch das

Familienunternehmen rücken immer

mehr in den Mittelpunkt von Forschung

und Praxis.

Die HWR Berlin und das EMF zollen

dieser Entwicklung Rechnung. Das

Lehrangebot sowie die Forschungsaktivitäten

sind auf die Bedürfnisse des

Mittelstandes abgestimmt und werden

regelmäßig aktualisiert.

Link: www.emf-berlin.org

Die Autorin ist Professorin für Mittelstand

und Unternehmensnachfolge an

der HWR Berlin.


28 Theorie und Praxis

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Theorie und Praxis

29

Studierende lernen von Gründern –

und umgekehrt

Studieren geht weit über die Theorie hinaus. Die Bachelor-Studiengänge an der HWR Berlin sind praxisorientiert konzipiert.

So werden „Live Cases“ in den Entrepreneurship-Unterricht integriert. Zum ersten Mal unterstützten dabei Studierende in

Zusammenarbeit mit dem Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) Unternehmensgründer/innen bei der Umsetzung

ihrer Businesspläne.

Text: Sven Ripsas

Bahnhof 2020 – Master-Student/

innen erforschen Bahnhofswelten

Ungewöhnlich, aber sehr produktiv und für alle Seiten nutzbringend war die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Marktforschungsinstitut

und Hochschule. Studierende der HWR Berlin stellten der Deutschen Bahn AG ihre Visionen zum Bahnhof

der Zukunft vor.

Text: Dirk-Mario Boltz

„Die praktische Zusammenarbeit mit

den Gründern war eine enorme Bereicherung

für das Themenfeld und für

mich privat“, resümierte ein Teilnehmer

des Kurses. Im Rahmen des

studiengangsübergreifenden Themenfelds

„Innovation, Unternehmenswachstum

und Entrepreneurship“

analysierten im vergangenen Semester

mehr als 40 Bachelor-Studierende

reale Geschäftsmodelle und Businesspläne

von Gründer/innen, recherchierten

die historische und aktuelle

Entwicklung der Branche und erarbeiteten

Vorschläge für die erfolgreiche

Umsetzung der Ideen.

Die Vorbereitungen zu diesem Pilotprojekt,

das es den HWR-Studierenden

ermöglichte, an konkreten Managementsituationen

im Gründungsprozess

beteiligt zu sein, begann bereits drei

Monate vor dem Semester. Gemeinsam

mit dem Projektmanagement des

Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg

wurde das Projekt strukturiert.

Zu Beginn des Semesters stellten sich

die Gründerteams aus dem BPW in der

Hochschule vor.

Die Vielfalt war groß und teilweise

exotisch: Kokoswasser im Direktvertrieb,

innovative Getränkeautomaten

mit Hightech-Bedienelementen

und ayurvedische Bettwäsche

waren nur drei der insgesamt

15 Businessplan-Ideen, die zur

Auswahl standen.

Während einer speziell für dieses

Programm organisierten Kontaktmesse

erhielten die Studierenden Gelegenheit,

mit den beteiligten Gründer/innen

erste Gespräche zu führen. Es bildeten

sich schließlich zwölf Projektgruppen,

die gemeinsam bestehende Geschäftsmodelle

evaluieren wollten. Der Arbeitsauftrag

lautete, die Businesspläne

zu überarbeiten und basierend auf den

Kenntnissen aus den Lehrveranstaltungen

des Themenfelds Verbesserungsvorschläge

zu entwickeln.

Mit dieser Form des Unterrichts waren

die meisten Studierenden hochzufrieden

und quotierten und notierten das

auf den Evaluationsbögen zum Themenfeld:

■ „Engagement der Lehrenden

super! Themenfeld uneingeschränkt

empfehlenswert!“

Aber natürlich gab es, wie bei jedem Pilotprojekt,

auch konstruktive Kritik, die

bei der Weiterentwicklung des Kurses

aufgegriffen wird:

■ „Mehr Abstimmung unter den

Dozenten mit Blick auf die

Prüfungsleistungen wäre sinnvoll.

Sehr lehrreiche und inhaltlich

interessante Veranstaltung.“

Auch Unternehmensvertreter/innen

gaben dem Projekt gute Noten:

■ „Die Studierenden haben uns

auch die ausführliche Branchenanalyse

vorgelegt, und sie hat

uns beeindruckt. Es hat uns hier

nicht nur Spaß gemacht mit Studenten

zusammen zu arbeiten, sondern

wir haben wirklich das Gefühl, einen

frischen externen Einblick bekommen

zu haben.“

Bei diesem Piloten soll es nicht bleiben.

Der Businessplan-Wettbewerb und die

HWR Berlin planen, das Projekt inhaltlich

weiter zu entwickeln und wieder

anzubieten.

Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften

der HWR Berlin hat einen

seiner Schwerpunkte im Bereich

Entrepreneurship / Unternehmensgründung.

Seit 2001 gibt es eine

Professur für Entrepreneurship, seit

2006 eine Professur für Mittelstand

und Unternehmensnachfolge sowie

den Studiengang „Unternehmensgründung

und Unternehmensnachfolge“.

Im Jahr 2008 wurden die

Forschungsaktivitäten zu diesem

Themenkreis im Institut für Entrepreneurship,

Mittelstand und Familienunternehmen

(EMF-Institut)

gebündelt.

Der Autor ist Professor für Entrepreneurship

an der HWR Berlin.

Berlin. Potsdamer Platz 2. 14.00 Uhr.

Miriam Schwarz, Frederick Röpke und

ihre 14 Kommiliton/innen aus dem

Masterstudiengang Business Administration

mit dem Schwerpunkt Marketing

können den atemberaubenden Blick über

Berlin gerade schlecht genießen. Sie sind

aufgeregt, müssen sie doch den Damen

und Herren aus dem Management der

Deutschen Bahn, Dr. Oliver Nickel vom

Forschungs- und Beratungsunternehmen

Icon Added Value und ihrem Kursleiter

Professor Boltz ihre Ergebnisse zum

Projekt „Bahnhof 2020“ vorstellen. Diese

drei Parteien hatten gemeinsam eine

höchst praxisrelevante Aufgabenstellung

formuliert: Wie werden Bahnhöfe

heute von den verschiedenen Menschen

erlebt? Was suchen und erwarten die

verschiedenen Bahnhofsnutzer: Reisende

und Besucher/innen, Einkäufer/innen

und Touristen/innen, alte und junge

Menschen? Welche Produkte, Leistungen

und Services– physisch und virtuell

– könnten die Kommunikation und das

Verständnis zwischen Unternehmen und

Kund/innen für beide Seiten verbessern?

Zum Projektstart hatte Dr. Nickel über

die innovativen Methoden der qualitativen

Marktforschung referiert und die

Teilnehmer/innen zum eigenständigen

Forschen motiviert. In den Lehrveranstaltungen

wurden die theoretischen

Perspektiven vertieft und immer wieder

direkt in Bezug zur praktischen Problemstellung

gesetzt. Dazwischen: Forschung

vor Ort. Die fünf Teams analysierten die

Bahnhöfe Dresden, Hannover und Berlin

Alexanderplatz. Sie befragten verschiedene

Personengruppen, fotografierten

Raumsituationen, produzierten Videos

zu Besucherströmen und diskutierten mit

verschiedenen Experten/innen ihre Ideen.

Dann wurden die Informationen analysiert

und interpretiert, ein tragfähiges

Konzept entwickelt. Schließlich mussten

Forschungsergebnisse und Handlungsempfehlungen

in eine spannende, 30-minütige

Präsentation und einen ausführlichen

Bericht übersetzt werden.

14.15 Uhr. Dr. Bastian Grunberg, Leiter

Markenmanagement und Konzernmarketing

International der DB Mobility

Logistics AG, begrüßt die Anwesenden.

Miriam Schwarz, Anvita Mudkani und

Frederick Röpke beginnen mit ihrem

Vortrag und präsentieren flüssig, fundiert

und spannungsreich die Ergebnisse

ihrer Analyse und die Empfehlungen.

Insgesamt fünf Teams offerieren der

Deutschen Bahn kreative Anregungen

für die Bahnhöfe der Zukunft aber auch

unangenehme Forschungsergebnisse.

18.30 Uhr. Beim abschließenden Buffet

können die Teilnehmer/innen doch

noch den Ausblick aus dem BahnTower

genießen. „Tolle Präsentationen. Sehr

professionell. Viele wertvolle Impulse“,

lobt Dr. Grunberg die Teams. „Eine

beeindruckende Leistung. Kreativ und

theoretisch fundiert“, kommentiert

Dr. Nickel die Ergebnisse. „Das war unglaublich

viel Arbeit, aber es hat auch viel

Spaß gemacht und richtig was gebracht“,

meint Nadine Baker stellvertretend für

die gesamte Gruppe der Student/innen.

Die positiven Projektergebnisse haben

erfreuliche Nebenwirkungen: Julia Frank

beginnt mit einem Praktikum im Marken-Management

der Deutschen Bahn.

Miriam Schwarz zieht nach Nürnberg,

um bei Icon Added Value ihre Master

Thesis zu schreiben. Und Dr. Bastian

Grunberg stellt im Marketing-Forum

der HWR Berlin die Markenarchitektur

der Deutschen Bahn einer breiteren Öffentlichkeit

vor. Ziel(bahnhof) erreicht.

Prof. Dr. Dirk-Mario Boltz lehrt Marketing

und ist Mitinitiator des Marketing-

Forums an der HWR Berlin.

Das Team „DB Oase“: Petr Brusilovskij, Julia Onyshchenko, Emanuele Blettner, Andrew Michalak


30 Theorie und Praxis

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Forschung

31

Größte HGB-Bilanzrechtsreform auf

der Zielgeraden

Nichts bewegt die Fachwelt mehr als das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), das ab 2010 zur Anwendung kommen

wird. Auf 254 Seiten findet die größte HGB-Bilanzrechtsreform seit mehr als 20 Jahren statt. Damit wagt der Gesetzgeber den

Spagat, dem handelsrechtlichen Jahresabschluss einen internationalen Anstrich mit Blickrichtung auf die International Financial

Reporting Standards (IFRS) zu verleihen, ohne dessen Ausschüttungs- und indirekte Steuerbemessungsfunktion aufzugeben.

Embedded Analytics – Datenanalysen

im operativen Tagesgeschäft

Am Fachbereich Berufsakademie entstand eine Bachelor Thesis, die ein innovatives Konzept für Datenanalysen in täglichen

Unternehmensprozessen entwirft. Erik Nijkamp weist mit seiner softwaretechnischen Realisierung nach, dass unterbrechungsfreie

Arbeitsflüsse mit einer hohen Informationsversorgung möglich sind. Diese „Embedded Analytics“ sorgt im

Bereich der Business Intelligence (BI) für Dynamik.

Text: Peter Sorg

Text: Erik Nijkamp, Gert Faustmann

Der Bundesrat hat am 3. April 2009

das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz

(kurz: BilMoG) mit kleineren Anpassungen

endgültig verabschiedet. Mit

Verkündung im Bundesgesetzblatt am

28. Mai 2009 tritt verpflichtend zum

1. Januar 2010 die größte Reform seit

dem Bilanzrichtliniengesetz von 1985

in Kraft. Mit dem BilMoG wird hauptsächlich

das Ziel verfolgt, das bewährte

HGB-Bilanzrecht zu einer dauerhaften

und im Verhältnis zu den IFRS

vollwertigen, aber kostengünstigeren

und einfacheren Alternative weiter zu

entwickeln. Die bisherigen Eckpunkte

des HGB-Bilanzrechts sollen allerdings

weiter bestehen bleiben. Insgesamt

werden mit dem BilMoG folgende drei

anspruchsvolle Unterziele verfolgt:

1.

Deregulierung und Kostensenkung;

Stärkung der Informations-

2. funktion des handelsrechtlichen

Jahresabschlusses;

Annäherung des handelsrecht-

3. lichen Jahresabschlusses an die

IFRS.

Erreicht werden sollen diese Unterziele

insbesondere durch folgende Maßnahmen:

■ Befreiung von der Pflicht zur Buchführung,

zur Erstellung eines Inventars

und zur Aufstellung eines

Jahresabschlusses für Einzelkaufleute,

die an den Abschlussstichtagen von

zwei aufeinander folgenden Ge-

§

schäftsjahren nicht mehr als 500 000

Euro Umsatzerlöse und 50 000 Euro

Jahresüberschuss aufweisen. Diese

Unternehmen sollen künftig ihren

Gewinn auf der Basis einer Einnahmen-

Überschussrechnung ermitteln

dürfen;

■ Neuumschreibung der Größenklassen

für Kapitalgesellschaften durch Anhebung

der Schwellenwerte „Bilanzsumme“

und „Umsatzerlöse“ um 20 % mit

den damit verbundenen zahlreichen

Erleichterungen bei Prüfung und

Offenlegung;

■ Reduzierung der vielen handelsrechtlichen

Wahlrechte bei Ansatz, Ausweis

und Bewertung;

■ Abschaffung der umgekehrten Maßgeblichkeit

mit der damit verbundenen

Verzerrung der Handelsbilanz durch

das Bilanzsteuerrecht.

Die Details dieses Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes

werden schon jetzt in

der Lehre an der HWR Berlin diskutiert,

denn es ist unerlässlich, sich bereits im

Vorfeld mit dieser komplexen Materie

intensiv auseinander zu setzen.

Prof. Dr. Peter Sorg lehrt an der HWR

Berlin Betriebliches Rechnungswesen.

Problemstellung

Die heutige Unternehmenswelt steht vor

einer enormen Herausforderung: eine

sich immer schneller verändernde Marktsituation

erfordert die kontinuierliche

Anpassung der Unternehmensprozesse

zur Entscheidungsfindung. Nach dem

Menschenbild des rationalen Entscheiders

(Homo Oeconomicus) basiert die

Wahl einer Handlungsalternative auf der

Menge an relevanten Informationen. In

schnelllebigen Märkten sollten deshalb

die Informationsflüsse im Unternehmen

ebenso schnell sein. Die BI bietet dafür

Methoden zur Sammlung, Auswertung

und Präsentation von Daten. Bisher unterstützten

die aus der „Geschäftsanalytik“

gewonnenen Informationen nur strategische

Unternehmensentscheidungen.

BI-Lösungen können mithin eine

adäquate Informationsversorgung im

operativen Bereich nur bedingt gewährleisten

– es fehlt ein geeigneter Informationskanal.

Im Tagesgeschäft fehlen

den Akteuren zunächst die Kenntnisse

zur Datenanalyse. Außerdem kann

aus zeitlichen Gründen nicht für jede

Entscheidung ein aufwändiger Wechsel

zwischen operativen und analytischen

Anwendungen durchgeführt werden.

Konzept

Abhilfe schafft hier Embedded Analytics

(EA) mit der gezielten Einbindung von

analytischen Informationen in eine

operative Arbeitsumgebung.

Definition: Embedded Analytics

bezeichnet eine Verarbeitungsumgebung,

in der ein operativer

Geschäftsprozess zur Unterstützung

von realtime, near-real-time oder tagesaktuellen

Entscheidungen einen

BI Service verwendet [White 2006].

Als Beispiel könnte ein Sachbearbeiter

im Customer Relationship Management

(CRM) seine Serviceleistungen entsprechend

der bisherigen Auftragsvolumina

eines anfragenden Kunden gestalten.

Kunden mit einem hohen Wert für das

Unternehmen würden in diesem Fall

priorisiert behandelt werden oder zusätzliche

Leistungen erhalten. Um einen

zeitaufwändigen Wechsel zu Analysetools

zu vermeiden, sollten die Analyseergebnisse

nahtlos in die bestehende

Arbeitsumgebung (in diesem Fall die

CRM-Applikation) integriert werden

und die benötigten Informationen anzeigen

(Abbildung).

Umsetzung

Die hierfür entworfene Softwarearchitektur

greift eine Vielzahl an zu berücksichtigenden

Aspekten auf und definiert

die Komponenten einer serviceorientierten

EA-Lösung. Der Sachbearbeiter

verwendet eine Arbeitsumgebung,

die mithilfe analytischer Services auf

BI-Informationen Zugriff erhält. Die

in der Benutzeroberfläche angezeigten

[White 2006] White, C.; Davis, J.: Using Embedded Business Intelligence and Analytics for Near-Real-Time Decisions and Actions,

URL: http://www.beyeresearch.com/study/7561, Oct 08.

Entitäten (z. B. Produkte, Kunden)

werden bei Bedarf durch einen Lookup

und entsprechend vordefinierter

Logik mit analytischen Informationen

angereichert. Schließlich liefert ein Data

Warehouse die angeforderten Informationen

und es erfolgt eine eingebettete

Darstellung.

Analytische Services können Informationen

aus strukturierten (z. B. berechneten

Kennzahlen) und unstrukturierten

(z. B. verfassten Berichten) Datenquellen

liefern. Durch EA lassen sich diese

Informationen in Prozesse und Anwendungen

einbetten – BI-Funktionalität

kann somit als Dienst in einer serviceorientierten

Architektur bereitgestellt

und effektiv ins operative Tagesgeschäft

integriert werden.

Erik Nijkamp ist Absolvent des Fachbereiches

Berufsakademie. Prof. Dr. Gert

Faustmann lehrt Wirtschaftsinformatik

an der HWR Berlin.

SAP CRM mit analytischen Erweiterungen


32 Forschung

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Forschung

33

Mozart, Falko & die HWR Berlin

Die deutsch-österreichischen Beziehungen erleben einen weiteren Meilenstein auf Forschungsebene. Die HWR Berlin startet

gemeinsam mit der österreichischen Johannes Kepler Universität Linz ein neues Projekt: „Familienunternehmen – sozioökonomische

Dimensionen und empirische Aspekte im Bereich Controlling, Finanzmanagement und Unternehmensentwicklung“.

Text: Birgit Felden

Noch lange nicht am Ziel

Die Situation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und die Entwicklung der Gleichstellungspolitik sind Forschungsgegenstand

eines internationalen Netzwerkes von Expertinnen, die dazu im Auftrag der Europäischen Kommission wissenschaftliche

Gutachten erstellen. Prof. Dr. Friederike Maier und Dr. Andrea-Hilla Carl von der HWR Berlin gehören zum Pool der Wissenschaftlerinnen,

die Empfehlungen für gleichstellungspolitische Maßnahmen entwickeln.

Text: Friederike Maier

Mittelständische Familienbetriebe sind

die wichtigste Ressource der deutschen

Wirtschaft. Ihr Innovationspotenzial

sowie ihre Rolle als Arbeitgeber

verleihen ihnen eine einmalige Stellung

im deutschen Wirtschaftssystem. Ein

ähnliches Bild zeigt sich auch in der

Alpenrepublik Österreich. Auch hier

bilden Familienunternehmen das Rückrat

der Wirtschaft.

Die einschlägige Literatur bezeichnet die

Familienunternehmen als eine besondere

Unternehmensform, in dem eine Familie

einen bestimmten sozioökonomischen

Einfluss auf die Geschäftspolitik des

Unternehmens ausübt. Das spannende

Forschungsmoment ergibt sich dabei

aus der Überlappung von familiärer und

unternehmerischer Logik. Familienunternehmen

verfügen daher über ein

besonderes Chancen- und Risikoprofil.

Während der letzen Dekade haben

Forscher/innen das Phänomen „Familienunternehmen“

umfangreich untersucht–

jedoch gibt es immer noch eine Reihe von

ungeklärten Fragen auch in den Bereichen

Controlling und Finanzmanagement.

Hier setzt das neue Forschungsprojekt

an. Welche Unterscheidungsmerkmale

gibt es im Bereich Controlling zwischen

Familienunternehmen und Nicht-Familienunternehmen?

Die Klärung dieses

Fragenkomplexes ist erklärtes Forschungsziel,

das Prof. Birgit Felden von

der HWR Berlin und ihre Forschungsassistentin

Yasemin Kural mit ihrer Linzer

Kollegin Prof. Birgit Feldbauer-Durstmüller

sowie weiteren Professor/innen

Die Johannes Kepler Universität Linz setzt auf eine enge interdisziplinäre Verknüpfung wirtschafts-,

sozial-, rechts-, naturwissenschaftlicher und technischer Fächer sowie eine klare

Orientierung auf aktuelle Anforderungen von Wirtschaft und Gesellschaft. Im Mittelpunkt

steht neben der Grundlagen- die anwendungsorientierte Forschung. Am Campus der Landeshauptstadt

Linz studieren derzeit rund 14 000 Bachelor- und Masteraspirant/innen.

aus Linz, Ulm und Aalen verfolgen.

Auch finanzwirtschaftliche Forschungsfragen

finden sich im Forschungsprojekt

wieder: Welche Strukturen zeigt das

Beziehungsmanagement zu den Banken

auf? Gibt es eine unternehmensformbedingte

Kapitalstruktur?

Ein weiterer wichtiger Forschungsaspekt

ist die Nachfolge in Familienunternehmen:

Welche Auswirklungen hat

die Unternehmensnachfolge auf das

Controlling und das Finanzmanagement?

Findet eine betriebswirtschaftliche

Neupositionierung im Zuge der

Unternehmensübertragung statt?

Die beteiligten Forschungsinstitute

werden im Herbst 2009 den gemeinsam

erarbeiteten achtseitigen Fragebogen an

rund 6 000 Unternehmen verschicken.

Adressaten sind Unternehmen, die

mehr als 50 Beschäftigte haben. Teilstrukturierte

Interviews mit Share- und

Stakeholdern von Familienunternehmen

sollen die Forschungserkenntnisse

ergänzen.

Die Autorin ist Professorin für Mittelstand

und Unternehmensnachfolge an

der HWR Berlin.

Im Netzwerk Expert Group on Gender

and Employment (EGGE) arbeiten Wissenschaftlerinnen

aus den 27 EU-Mitgliedsländern

sowie aus Island, Norwegen

und Liechtenstein mit. Sie forschen

zur Beschäftigungssituation von Frauen

in 30 europäischen Staaten. Koordiniert

wird die Gruppe durch Prof. Francesca

Bettio (Universität Siena), Prof. Janneke

Plantenga (Universität Utrecht) und

Prof. Paola Villa (Universität Trento) sowie

der Fondazione Giacomo Brodolini

in Rom.

In den Anfängen der Europäischen

Gemeinschaften kam die ökonomische

Gleichstellung der Frauen nur

als Randthema vor. Dies änderte

sich – nicht zuletzt forciert durch die

politischen und gesellschaftlichen

Entwicklungen – Anfang der 1970er

Jahre. Aufbauend auf dem Lohngleichheitsgebot,

das seinen Eingang aus

wettbewerbspolitischen Gründen in

die Römischen Verträge fand, baute die

Europäische Kommission zusammen

mit dem Europäischen Gerichtshof

in den 1970er und 1980er Jahren eine

bemerkenswerte Gleichstellungspolitik

auf, die in vielen Punkten über den

Stand einzelner Länder hinausging.

Auch in den aktuellen Verträgen findet

sich die Forderung nach Gleichstellung

der Geschlechter.

Dennoch gingen in den 1990er Jahren

die Initiativen zurück. In der jüngsten

Vergangenheit wurde der Gleichstellung

der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt

immer weniger Bedeutung

zugemessen. So enthält die Europäische

Beschäftigungsstrategie (EES) keine

explizite Leitlinie mehr zur Chancengleichheit

auf dem Beschäftigungsmarkt.

Das Prinzip des gender mainstreaming,

d. h. die Berücksichtigung

von Gender-Effekten in allen Politikfeldern

und -maßnahmen, ist nur noch als

schwacher Appell an die Mitgliedsstaaten

formuliert. Gleichzeitig konstatiert

die Kommission in ihren jährlichen

Gleichstellungsberichten, dass die

Entwicklungen auf den europäischen

Arbeitsmärkten schon vor der Finanzund

Wirtschaftskrise keineswegs eine

Erfolgsgeschichte der Gleichstellungspolitik

sind:

„Die Beschäftigungsquote der Frauen

nimmt zu, liegt aber nach wie

vor unter der Beschäftigungsquote

der Männer, und dies obwohl mehr

Frauen als Männer ein Universitätsstudium

absolvieren. Frauen

verdienen pro Arbeitsstunde immer

noch durchschnittlich 17.4 % weniger

als Männer. In wirtschaftlichen

und politischen Entscheidungspositionen

sind Frauen nach wie vor

in der Minderzahl, allerdings hat

sich diese Situation in den letzten

zehn Jahren verbessert. Bei der

Aufteilung der familiären Pflichten

zwischen Frauen und Männern

bestehen weiterhin große Ungleichheiten.

Das Armutsrisiko ist für

Frauen höher als für Männer.“

(EU 2009: http://ec.europa.eu/social/

main.jsp?catId=418&langId=de).

Die Expertinnen erarbeiten basierend

auf einer Analyse der Situation in den

Mitgliedsstaaten für die Kommission

einen Gesamtbericht, der Empfehlungen

für gleichstellungspolitische

Maßnahmen enthält. Dazu wurden

2008 drei wissenschaftliche Reports

veröffentlicht, die unter der Adresse

http://ec.europa.eu/social/main.jsp?ca

tId=748&langId=de&moreDocuments=

yes abrufbar sind.

Bericht zur Umsetzung der Ziele

der europäischen Beschäftigungsstrategie

Dabei geht es zum einen darum, wie die

Mitgliedsländer die selbst vereinbarten

Ziele erfüllen und zum zweiten, wie

weit sie in ihren Politiken dem gender

mainstreaming Prinzip folgen. Gerade

hier fallen die Ergebnisse wenig positiv

aus. Nur vereinzelt wird dieses Prinzip

angewandt. Selbst wenn Maßnahmen

offensichtlich nicht zur Gleichstellung

der Geschlechter beitragen, werden sie

dennoch umgesetzt, wenn es der Logik

der jeweiligen nationalen Beschäftigungspolitik

entspricht. Zwei quantitative

Ziele wurden vereinbart: die Steigerung

der Frauenbeschäftigungsquote

auf 60 % und der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen

für 90 % der

3- bis 6-jährigen und für 33 % der unter

3-jährigen Kinder.

Die Graphik zeigt, in welchen Ländern

das Beschäftigungsziel 2007 erreicht

worden ist.

Die Mehrheit der Länder hat die Quote

von 60 % nicht erreicht. Auch in den

Ländern, die über der 60 % Quote


34 Forschung

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Gleichstellung

35

Graphik 1: Frauenbeschäftigungsquote über/unter der 60 % Quote

Graphik 2: Anteil der Kinder unter 3 Jahren in formeller oder informeller Kinderbetreuung

liegen, wird die tatsächliche Beschäftigungssituation

von Frauen durch diesen

Indikator wenig aussagekräftig gemessen.

Berücksichtigt man, wie viele der

Arbeitsplätze nur Teilzeitbeschäftigung

sind und errechnet so genannte Vollzeitäquivalente,

dann wird deutlich, dass

z. B. Deutschland oder die Niederlande

weit entfernt von den selbst gesteckten

Zielen sind. Dazu kommt, dass die

Qualität der Beschäftigungsverhältnisse

in fast allen Ländern eher abgenommen

hat, d. h. in vielen Ländern ist eine

Zunahme prekärer und unsicherer Arbeitsplätze

mit relativ niedrigem Lohn

zu beobachten.

Die Zielvorgaben zur Kinderbetreuung

waren Anlass für den Bericht zur

Entwicklung der Kinderbetreuung. Eine

quantitativ und qualitativ gute Verfügbarkeit

von bezahlbaren Kinderbetreuungsmöglichkeiten

ist eine zentrale

Voraussetzung für die Erwerbsintegration

von Müttern (und Vätern). Allerdings

ist in den meisten Ländern eine Quote

von 33 % für die unter 3- jährigen bei

weitem nicht erreicht. Graphik 2 zeigt,

Grafik 1 Quelle: EGGE (2009): Gender and the European Employment Strategy 2008, S. 14

Grafik 2 Quelle: EGGE (2008); The provision of child-care services, S. 36

welche Formen für Eltern in den untersuchten

Ländern relevant sind: entweder

formelle Betreuung, d. h. in einer

staatlich anerkannten Einrichtung oder

informelle Betreuung durch Nachbar/

innen, Großeltern oder Verwandte.

Nur in Dänemark, den Niederlanden,

Schweden, Belgien und Spanien sind

mehr als 33 % der Kinder in formellen

Einrichtungen; einige Länder haben ihre

Plätze erhöht und kommen bei weiterem

Ausbau bald auf die Zielquote (z. B.

Island, Portugal, Großbritannien, Norwegen,

Frankreich oder Luxemburg).

Bei Deutschland und anderen Staaten

ist fraglich, wie sie das Ziel tatsächlich

bis 2013 erreicht werden soll.

Im dritten Bericht wurde die geschlechtsspezifische

Segregation des

Arbeitsmarktes, d. h. die Spaltung

des Arbeitsmarktes in Männer- und

Frauenberufe (horizontale Segregation)

und die Verteilung von Männern und

Frauen auf Hierarchiestufen (vertikale

Segregation) analysiert. Vor allem letztere

ist relativ konstant und dies, obwohl

der Anteil der Frauen mit akademischer

Ausbildung in allen Ländern deutlich

zugenommen hat. Die Segregation des

Arbeitsmarktes ist ein Erklärungsfaktor

für die anhaltenden Lohnunterschiede

zwischen Männern und Frauen – auch

hier ist Deutschland mit einem Lohnunterschied

von 23 % kein „gutes Beispiel“.

Prof. Dr. Friederike Maier lehrt im Fachgebiet

Verteilung und Sozialpolitik an

der HWR Berlin und ist Direktorin des

Harriet Taylor Mill-Institut für Ökonomie

und Geschlechterforschung.

Fachhochschulprofessorinnen Dank

Stipendienprogramm

Seit 2000 unterstützt die HWR Berlin wirtschaftswissenschaftliche Promotionen von Berliner Fachhochschulabsolventinnen

im Rahmen des Berliner Programms zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen in der Lehre und Forschung. Zwei ehemalige

Stipendiatinnen wurden bereits zur Professorin an einer Fachhochschule berufen.

Text: Viola Philipp

Pro Jahr werden bis zu drei Stipendiatinnen

in das auf je 24 Monate angelegte

Förderprogramm aufgenommen. So

konnten bisher insgesamt 16 Frauen

gefördert werden. Es liegen mehrere

abgeschlossene Promotionen sowie

Dissertationsschriften vor. Alle Stipendiatinnen

konnten ihre Qualifikation gewinnbringend

in ihre neue Berufstätigkeit

einbringen, sie arbeiten weiterhin in der

Wissenschaft oder werden von Stiftungen

weitergefördert. Die Wissenschaftlerinnen

arbeiten in Forschungsprojekten, als

wissenschaftliche Assistentin, vertreten

Professuren oder konnten reguläre Professuren

an einer Fachhochschule annehmen.

Neben dem generellen Beitrag zur

Qualitätssicherung von Forschung

an Fachhochschulen konnte damit

eine langfristig gestellte Hoffnung

des Programms erfüllt werden,

herausragende Absolventinnen auf

ihrem Weg in eine Fachhochschulprofessur

zu unterstützen.

Zugleich hat das Programm einen

erwünschten Nebeneffekt: Es werden

wissenschaftsinteressierte Mütter

unterstützt. Auch Personen, die bei einer

Stiftung keine Chance auf ein Stipendium

mehr hätten, weil sie die Altersgrenzen

für eine Regelförderung überschritten

hätten, werden aufgenommen. Unterstützt

wurden die Promovierenden neben

der finanziellen Förderung durch die

regelmäßige Teilnahme an einem

Promotionskolloquium, das von Professorin

Dorothea Schmidt und seit 2008 von

Professorin Claudia Gather betreut wird.

Die erste Doktorin, Frau Budilov-Nettelmann,

hat ihre Promotion zu Grundfragen

der internationalen Unternehmensbesteuerung

in russischer Sprache

an der Partnerhochschule der HWR

Berlin in St. Petersburg verfasst. Heute

lehrt Professorin Budilov-Nettelmann

Betriebliche Steuerlehre an der Technischen

Fachhochschule Wildau.

Auch Dr. Birgit Wiese, die in diesem Jahr

eine Professur an der Hochschule der

Bundesagentur für Arbeit in Schwerin

angetreten hat, betont die positiven

Effekte des Promotionskolloquiums,

in dem sich alle Stipendiatinnen und

die kooptierten Mitglieder regelmäßig

wissenschaftlich austauschen und gegenseitig

motivieren. Denn die Erstellung

einer Dissertation erfordert einen langen

Atem. Gerade extern Promovierende

ohne eine regelmäßige Anbindung an

die Universität z. B. durch eine Arbeitsbeziehung

als wissenschaftliche Mitarbeiterin

laufen Gefahr, den regelmäßigen

wissenschaftlichen Austausch vermissen

zu müssen. Frau Wiese promovierte an

der Humboldt-Universität zu Berlin im

Bereich der Stadtsoziologie und wurde

dabei von Professor Martin Kronauer

von der HWR Berlin unterstützt.

Weil aber die strukturell bedingten

Umstände weiterhin schwierig bleiben–

Promotionsrecht ausschließlich an Universitäten

– hat die HWR Berlin gerade

ein Kooperationsabkommen mit ihrer

Partnerhochschule, der London South

Bank University, abgeschlossen. Diese

Übereinkunft ermöglicht den Promotionsinteressierten

(Diplom-, Master-

und MBA-Abschluss der HWR Berlin)

die Teilnahme an einem PhD-Programm.

Ansprechpartner in der HWR Berlin ist

Prorektor Professor Michael Tolksdorf.

Perspektivisch stellt sich für unsere

Hochschule die Frage, ob der Fächerkanon

der förderungswürdigen Absolventinnen

im Stipendienprogramm erweitert

werden soll, um dem Spektrum der

fusionierten Hochschule für Wirtschaft

und Recht Berlin Rechnung zu tragen.

Aktuell in der wissenschaftspolitischen

Debatte wird die Frage des

Promotionsrechtes für Fachhochschulen

erneut diskutiert: So fordert

die Wissenschaftsministerin von

Sachsen, Dr. Eva-Maria Stange, für

die Fachhochschulen ein eigenes

Promotionsrecht.

Vielfältige Aspekte rund um das „Promovieren

als Fachhochschulabsolvent/in und

Perspektiven für die Forschung an Fachhochschulen“

eröffnet auch die Tagung

der Bukof-Kommission „Gleichstellung in

Lehre und Forschung an Fachhochschulen“

im Juni 2009 an der FH Nürtingen,

die von der Autorin mitorganisiert wird.

(Link im Internet www.bukof.de)

Einstiegsliteratur: „Promotionsleitfaden

für Absolventinnen und Absolventen von

Fachhochschulen“ mit weiterführenden

Hinweisen und Internetadressen, hrsg.

von Viola Philipp, erhältlich im Frauenbüro

der HWR Berlin, Badensche Straße.

Die Autorin ist Frauenbeauftragte an der

HWR Berlin.


36 Gleichstellung

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Gleichstellung

37

Harriet Taylor Mill-Institut vermittelt

zwischen Wissenschaft und Praxis

Die HWR Berlin kann mit dem Harriet Taylor Mill-Institut als einzige Hochschule in Deutschland eine Forschungseinrichtung

für Ökonomie und Geschlechterforschung vorweisen. Das Harriet Taylor Mill-Institut leistet den Transfer der Genderthemen in

das Studienangebot und organisiert Veranstaltungen zum Austausch zwischen Wissenschaft und Berufspraxis.

„Nur keine falsche Bescheidenheit!“

Seit dem Jahr 2000 vergibt die FHVR Berlin – inzwischen integriert in die HWR Berlin – gemeinsam mit der Evangelischen

Akademie zu Berlin alljährlich den POLITEIA-Preis. Geehrt werden herausragende Abschlussarbeiten von Studentinnen zur

Frauen- und Geschlechterforschung.

Text: Ursula Fuhrich-Grubert

Text: Christiane Krämer

Workshop: Gender und Diversity

Management in der Logistik

Das Harriet Taylor Mill-Institut veranstaltete

im Sommersemester 2009

gemeinsam mit dem Institut für Logistik

der HWR Berlin und der Bundesvereinigung

Logistik e. V. (BVL) einen

Workshop bei der Deutschen Bahn:

Studierende, Lehrende und Vertreter/

innen der Berufsgruppe diskutierten

mit Expertinnen Fragen zu Gender und

Diversity in der Logistik.

Prof. Dr. Gertraude Krell stellte

das Konzept von Diversity vor und

veranschaulichte, wie durch Gender

und Diversity Management Benachteiligungen

auf Grund von Geschlecht

und weiterer Dimensionen wie Alter

oder Herkunft abgebaut und Potenziale

gefördert werden können. Gudrun

Gaus betonte, dass in der Logistikbranche

mit einem Frauenanteil

von 20 % die Karriereförderung von

Frauen ebenso notwendig ist, wie eine

gendergerechte, nicht stereotypisierende

Selbstdarstellung und Kommunikation

der Unternehmen und

Verbände, um Personal zu gewinnen.

Die Studierenden machten deutlich,

dass Flexibilität nicht nur von Arbeitnehmer/innen

zu leisten ist, sondern

die Vereinbarkeit von Beruf- und Privatleben

für Männer wie Frauen eine

wichtige Rolle bei der Entscheidung

für das Berufsfeld oder ein Unternehmen

spielt. Die Diskussion von

Genderfragen stößt bereits während

des Studiums auf großes Interesse – in

dem weibliche und männliche Studierende

zahlenmäßig oft gleichberechtigt

vertreten sind.

Werkstattgespräch: Was macht

selbstständige Frauen erfolgreich?

Für die berufliche Selbstständigkeit

entscheiden sich zunehmend mehr

Frauen– jede dritte Unternehmensgründung

erfolgt heute durch eine Frau

–, so dass sich das Werkstattgespräch

des Harriet Taylor Mill-Instituts in

diesem Semester mit diesem Thema

befasste. Im Mittelpunkt stand die Frage

nach der Motivation und den Erfolgsfaktoren

hochqualifizierter Gründerinnen,

welcher Prof. Claudia Gather

und Susan Ulbricht in ihrem aktuellen

Forschungsprojekt nachgehen, dessen

Ergebnisse mit Unternehmerinnen und

Expertinnen diskutiert wurden.

Statt ökonomischer Kriterien wie Umsatzzuwachs

stehen für viele Gründerinnen

die Realisierung eigener Ideen

sowie Autonomie und persönliche

Entwicklung im Vordergrund. Die

Erfolgsfaktoren sind so unterschiedlich

wie die Unternehmerinnen und die

Branchen, in denen sie gründen. So

gründete die Theaterwissenschaftlerin

Cynthia Barcomi ohne Branchenerfahrung

ein florierendes Cafè-Geschäft,

während die 29-jährige Katja Heppe

auf dem Markt der Biotechnologie mit

einem neuartigen Wirkstoff expandiert,

der sie bereits während des Studiums

faszinierte. Eine gute Idee allein reicht

jedoch nicht aus: gründliche Vorbereitung

und professionelle Beratung,

welche die Projektpartnerin und europaweit

größte Gründerinnenzentrale

WeiberWirtschaft eG anbietet, tragen

entscheidend zum Erfolg bei.

Weitere Informationen und Downloads

zu den Veranstaltungen finden Sie auf

unserer Homepage unter www.harriettaylor-mill.de

Die Autorin ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin

und stellvertretende Geschäftsführerin

des Harriet Taylor Mill-Instituts.

Zahlreiche Selbständige und Studierende nahmen an der Diskussion teil und konnten in

den Fotografien der Wanderausstellung der bundesweiten Gründerinnenagentur „Unternehmensnachfolgerinnen

in Deutschland“ erfolgreiche Vorbilder finden. Zur Vernetzung

und zum Informationsaustausch bot das Harriet Taylor Mill-Institut der HWR Berlin nicht

nur an diesem Abend viel Raum.

Im stilvollen Ambiente des Französischen

Doms am Gendarmenmarkt

wurden in diesem Jahr erneut fünf junge

Frauen für ihre exzellenten Studien-

Abschlussarbeiten über Themen aus der

Frauen- und Geschlechterforschung mit

dem POLITEIA-Preis ausgezeichnet.

Claudia Roth, Bundesvorsitzende von

BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN, würdigte

die jungen Wissenschaftlerinnen.

Die Frage nach der Verfassungswidrigkeit

einer Frauenquote (Andrea

Mewaldt) und nach der Steuerbarkeit

von strukturellen Rahmenbedingungen

für die Vereinbarkeit von Beruf und

Familie (Bettina von Plotho) genauso

wie die Frage nach der Gewaltbereitschaft

von Mädchen mit Migrationshintergrund

(Kira Homola) waren und

sind aus Sicht der Politikerin „Dauerbrenner“,

die immer wieder auf der

frauenpolitischen Agenda stünden.

„Viel habe ich gelernt aus der Arbeit,

die sich mit der Definition von Mutterschaft

im internationalen Recht und vor

allem den Konsequenzen für die Kinder

– etwa bei Leihmutterschaft – auseinandergesetzt

hat“, resümierte Claudia

Roth mit Blick auf die Arbeit von Karen

Müller. „Auch wenn schon alles über

die Auswirkungen von Familienpolitik

und Berufstätigkeit von Frauen auf die

Geburtenrate gesagt worden zu sein

scheint“, betonte Roth, „hat die Arbeit

von Michal Karlik doch noch einige

neue und wichtige Aspekte zu diesem

Thema herausgearbeitet.“

„Machen Sie weiter so! Seien Sie nicht

bescheiden! Dann bin ich sicher, dass

Sie in spätestens zwanzig Jahren ebenfalls

Ehrengast bei dieser oder einer

ähnlichen Preisverleihung sein werden“,

ermutigte die Bundesvorsitzende der

Grünen die Preisträgerinnen.

Ehrengast Claudia Roth, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/ Die Grünen, überreichte in diesem

Jahr die Urkunden an die fünf Preisträgerinnen des POLITEIA-Preises.

Der POLITEIA-Preis fördert bisher

die Frauen- und Geschlechterforschung

sowie zugleich den weiblichen

Führungsnachwuchs in der

Öffentlichen Verwaltung, der Rechtspflege

und im Polizeivollzugsdienst.

Damit ist er ein in der Bundesrepublik

Deutschland einzigartiger

Preis. Anregung für den Preis und

für dessen Namensgebung ist das

POLITEIA-Projekt, das sich eine

Förderung der Geschlechterdemokratie

zum Ziel gesetzt und die Patenschaft

übernommen hat. Der Titel

„POLITEIA“ nimmt Bezug auf das

bedeutendste Werk Platons, in dem

Frauen explizit aus der Politik ausgeschlossen

werden. Durch Anwendung

der so genannten „Antiphrase“

wird POLITEIA als historischpolitisches

Vermögen schlussendlich doch

zur Frauenangelegenheit.

In der Bundesrepublik Deutschland

wurde der Verfassungsgrundsatz „Männer

und Frauen sind gleichberechtigt“

Die diesjährigen Preisträgerinnen

im Januar 1949 nach vorheriger Ablehnung

im Grundsatzausschuss des Parlamentarischen

Rates aufgrund intensiven

Drucks vor allem der weiblichen Öffentlichkeit

in das Grundgesetz der Bundesrepublik

Deutschland aufgenommen.

Der POLITEIA-Preisverleihung erhöht

die Visibilität der Leistung von Frauen

und steht für die Würdigung der Gleichstellungspolitik

in der Hochschule.

Dr. Ursula Fuhrich-Grubert ist Frauenbeauftragte

an der HWR Berlin.


38 Personalia

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Personalia

39

Neuberufungen

Fachbereich I Wirtschaftswissenschaften

Sigrid Betzelt – Professur für Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Arbeits- und

Organisationssoziologie

Sigrid Betzelt studierte Soziologie an der

Freien Universität Berlin und war danach

zehn Jahre außerhalb der Hochschule tätig,

u. a. als Referentin in Non-Profit-Organisationen

und als Fraktionsmitarbeiterin

in der Bremischen Bürgerschaft. Ab

1998 lehrte sie an der Universität Bremen

und arbeitete in drittmittelfinanzierten

Forschungsprojekten, seit 2000 am Zentrum

für Sozialpolitik. Sie promovierte

über die Beschäftigungspotenziale und

rechtlichen Rahmenbedingungen des

„Dritten Sektors“ (NPOs). Ihre jüngeren

Forschungsschwerpunkte lagen in der

gendersensiblen Untersuchung neuer

Erwerbsformen und ihrer sozial- und

arbeitspolitischen Regulation sowie der

Wirkungen Aktivierender Arbeitsmarktpolitik

(BMFSFJ-Projekt mit dem Deutschen

Juristinnenbund; Ländervergleich

innerhalb des EU-Exzellenznetzwerks

RECWOWE). Wichtig ist ihr dabei der

Wissenstransfer aus der Forschung in

Lehre und Politikberatung.

Dagmar Lück-Schneider – Professur für Informationstechnik mit dem Schwerpunkt Verwaltungsinformatik

Fachbereich V Polizei und Sicherheitsmanagement

Dagmar Lück-Schneider lehrt im Studiengang

Verwaltungsinformatik und hier

insbesondere die Gebiete Datenbanken

und Geschäftsprozessmanagement.

Nach ihrem Studium (Mathematik

und Sport) entwickelte sie zunächst

als wissenschaftliche Mitarbeiterin

eines Forschungsteams der Universität

Düsseldorf Software für Gehirndurchblutungsbilder.

Nach Referendariat und

einigen Jahren als Studienrätin wechselte

sie an den Fachbereich Arbeitsverwaltung

der Fachhochschule des Bundes.

Dort vermittelte sie informationstechnologische

Grundlagen. Zugleich

schloss sie in dieser Zeit nebenberuflich

ihr Diplom in Informatik an der Fernuniversität

Hagen und ihre Dissertation

an der Universität Potsdam ab. Hierfür

wertete sie DataWarehouse-Daten der

Bundesagentur für Arbeit zu Fragen der

Arbeitsmarktforschung aus.

Hartmut Aden – Professur für Öffentliches Recht unter besonderer Berücksichtigung

des Europarechts

Fachbereich III Allgemeine Verwaltung

Eckhard Hein – Professur für Volkswirtschaftslehre, insbesondere europäische Wirtschaftspolitik

Eckhard Hein studierte Wirtschaftswissenschaft

an der Universität Bremen und

der New School for Social Research New

York. Er promovierte 1996 an der Freien

Universität Berlin und habilitierte sich

2005 an der Carl von Ossietzky Universität

Oldenburg. Bis zu seiner Berufung

an die HWR Berlin war er Referatsleiter

für Allgemeine Wirtschaftspolitik im

Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung

(IMK) in der Hans-

Böckler-Stiftung, Düsseldorf. Zudem hat

er als Vertretungs- und Gastprofessor

an der Universität Hamburg und der

Wirtschaftsuniversität Wien gelehrt und

geforscht. Zu seinen Forschungsschwerpunkten

gehören: Finanzsystem und

wirtschaftliche Entwicklung, europäische

Wirtschaftspolitik, Einkommensverteilung

und Wirtschaftswachstum, Geldtheorie

und -politik sowie post-keynesianische

Makroökonomie.

Hartmut Aden studierte Rechts- und

Sozialwissenschaften (Schwerpunkt

Politik- und Verwaltungswissenschaften)

sowie französische Literaturwissenschaft

in Göttingen, Hannover und Paris. Seine

juristischen Staatsprüfungen legte er 1991

in Niedersachsen und 1997 in Hamburg ab.

1993 erwarb er ein Diplôme d’Études Approfondies

en Sciences Sociales der École

des Hautes Études en Sciences Sociales

(EHESS), Paris. Vor seiner Berufung an

die HWR Berlin war er Prüfer im höheren

Dienst beim Bundesrechnungshof in Bonn

(2005 – 2009) und Wissenschaftlicher Mitarbeiter

bzw. Assistent an der Leibniz Universität

Hannover (1997 – 2005), wo er 1997

promovierte. In der Forschung beschäftigt

er sich mit Schnittstellenfragen zwischen

Politik, Verwaltung und Recht. Zu seinen

wissenschaftlichen Arbeitsgebieten gehören

insbesondere die Themenfelder Polizei / Innere

Sicherheit, Umwelt, Menschenrechte,

die externe Finanzkontrolle und Verantwortungsstrukturen

in Verwaltungen. Sein

besonderes Interesse gilt der europäischen

und international vergleichenden Forschungsperspektive,

u. a. im Hinblick auf

Steuerungs- und Governance-Strukturen.

Margarita Elkina – Professur für Verwaltungsinformatik mit dem Schwerpunkt Programmierung

und Softwareentwicklung

Tanja Hollmann – Professur für Rechtsmedizin / Kriminaltechnik

Margarita Elkina studierte angewandte

Mathematik und promovierte im Fach

„Numerische Verfahren“ an der Staatlichen

Lomonossov-Universität Moskau. Nach

mehrjähriger Tätigkeit als Hochschuldozentin

wechselte sie in die Industrie,

um ihre theoretischen Kenntnisse in die

Praxis umzusetzen. Über zehn Jahre hat

sie sich als wissenschaftliche Mitarbeiterin

der Entwicklung von Softwarelösungen

für Prozesssteuerung, Überwachung und

Datenerfassung gewidmet und dabei in

verschiedenen deutschen sowie internationalen

Projekten in Konzeptions-, Entwurfsund

Implementierungsphasen maßgeblich

mitgearbeitet. Der Schwerpunkt ihrer

Tätigkeit lag bei der Verwaltung personenbezogener

Daten sowie Informationsdaten.

Im März 2009 folgte Frau Elkina dem Ruf

als Professorin an die Fachhochschule für

Verwaltung und Rechtspflege, die inzwischen

in die HWR Berlin integriert wurde.

Tanja Hollmann studierte an der Freien

Universität Berlin Humanmedizin und war

anschließend als Ärztin im Praktikum in

der Pathologie am Städtischen Klinikum

Braunschweig tätig. Danach nahm sie nach

einer kurzen Zeit als freie Mitarbeiterin in

der Rechtsmedizin an der Ernst-August-

Universität in Göttingen als Wissenschaftliche

Mitarbeiterin ihre Tätigkeit im Institut

für Rechtsmedizin der Freien Universität

Berlin auf. 1999 erfolgte die Promotion (Experimentelle

Art im Fach Rechtsmedizin).

2001 wechselte sie zum Landesinstitut für

gerichtliche und soziale Medizin Berlin. Die

Arbeit an der HWR Berlin hat vornehmlich

zum Ziel, die Ausbildung der Student/innen

des Fachbereiches V im Fach Rechtsmedizin

zu intensivieren, wobei insbesondere

auf eine praxisorientierte Ausrichtung

mit entsprechenden Übungen Wert gelegt

werden soll. Gleichzeitig soll eine noch

engere Verzahnung von kriminalistischen,

kriminaltechnischen und rechtsmedizinischen

Lehrinhalten stattfinden.


40 Rund um’s Studium

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Rund um’s Studium

41

Neues Prüfungsrecht für Bachelor-

Studiengänge

Text: Nicolai Preuße

Leben und Studieren in zwei Kulturen

Die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin hält ein breites international orientiertes Studienangebot bereit – der

Studiengang International Business besteht seit 1990 und ist somit der älteste in dieser Kategorie. Dieses deutsch-britische

Programm wurde ursprünglich als Diplom-Studiengang geführt; seit 2007 schließt er mit dem Bachelor of Arts (B.A.) ab und

wurde im letzten Jahr erfolgreich akkreditiert.

Nach dem seit 1. April 2009 am Fachbereich

I Wirtschaftswissenschaften

geltenden neuen Prüfungsrecht für

die Bachelor-Studiengänge müssen

Studierende ihr Studium ohne größere

Verzögerungen absolvieren. Wird zu

stark vom Musterstudienplan abgewichen

bzw. nicht innerhalb vorgegebener

Zeiten eine bestimmte Anzahl an

Leistungspunkten erworben, droht die

Exmatrikulation.

Neu ist auch, dass für alle Bachelor-

Studiengänge nun eine gemeinsame

Rahmenprüfungsordnung und eine

(Einzel-)Prüfungsordnung für den jeweiligen

Studiengang greifen. Durch die

Belegung eines Moduls sind Studierende

automatisch zur dazugehörenden Prüfung

angemeldet und müssen an dieser

teilnehmen. Von dieser Anmeldung

kann nicht zurückgetreten werden. Es

Der offizielle Startschuss zur Einrichtung

eines englischsprachige Studien-angebots

der Fachrichtung BWL / Spedition und

Logistik ist gefallen. Prorektor der HWR

Berlin und Dekan des Fachbereichs Berufsakademie,

Prof. Dr. Thorsten Kurzawa,

und Vertreter der Dachser GmbH & Co. KG

präsentierten den unterzeichneten Kooperationsvertrag.

Der Logistikdienstleister,

einer der führenden Europas, unterstützt

den Aufbau und die Einrichtung dieses internationalen

Studienangebotes durch die

Finanzierung einer Stiftungsprofessur für

fünf Jahre. Neben Dachser haben weitere

besteht nur die Möglichkeit, die Modulbelegung

innerhalb einer Löschfrist

rückgängig zu machen. Es gibt grundsätzlich

keinen Ersatztermin. Sollte

eine Prüfung (z. B. krankheitsbedingt)

versäumt werden, muss gegenüber dem

Studienbüro innerhalb einer Woche

glaubhaft gemacht werden, weshalb

die Nichtteilnahme unverschuldet war.

Anderenfalls gilt man als unentschuldigt

und die Prüfung – ohne Nachprüfungsmöglichkeit

– als nicht bestanden.

Befristet bis zum Sommersemester

2011 können Studierende, die sich in

der Regelstudienzeit befinden, Kurse

zur Notenverbesserung im Folgesemester

noch einmal belegen. Wird eine

Prüfung auch im letztmaligen Versuch

nicht bestanden, wird die Kompensationsmöglichkeit,

die bislang nur für

den Ersten Studienabschnitt bestand,

Unternehmen der Logistikdienstleistungsbranche

ihre Bereitschaft signalisiert, das

Vorhaben ebenfalls durch Stiftungsmittel

zu unterstützen.

auf den Zweiten Studienabschnitt

ausgeweitet.

Ergänzt wird das Prüfungsrecht durch

Beschlüsse von Fachbereichsrat und

Prüfungsausschuss. Die Ordnungen und

eine Zusammenfassung des Prüfungsrechts

ist im Internet auf der Homepage

der HWR Berlin zu finden (Fachbereich

Wirtschaftswissenschaften ▶ Studienorganisation

/ Arbeitsmittel ▶ Prüfungsdokumente

für Bachelor).

Das neue Prüfungsrecht soll der

gewachsenen Zahl von Bachelor-Studiengängen

am Fachbereich Rechnung

tragen. Alle Verantwortlichen hoffen auf

eine reibungslose Umsetzung und natürlich

auf viele erfolgreiche Prüfungen.

Der Autor ist Referent des Dekanats des

Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften.

Internationalisierung bei Spedition

und Logistik

Text: Harald Gleißner

Der Bedarf an einem solchen Programm

resultiert aus der starken Internationalisierung

des Geschäftes deutscher Logistikunternehmen,

die eine wichtige Rolle

im weltweiten Wettbewerb auf dem Logistikdienstleistungssektor

spielen. Den

Unternehmen liegt dabei insbesondere

daran, die bewährten deutschen Ausbildungsinhalte

und -konzepte zu internationalisieren

und auch für (angehende)

Mitarbeiter/innen in Partnerländern

nutzbar zu machen.

Die Internationalisierung deutscher

Studienangebote ist darüber hinaus eine

Maßnahme im Rahmen des Masterplans

Güterverkehr und Logistik, den die deutsche

Bundesregierung im Herbst 2008 zur

Förderung des Wirtschafts- und Logistikstandortes

Deutschland verabschiedet hat.

Prof. Dr. Harald Gleißner lehrt Spedition

und Logistik an der HWR Berlin.

Text: Dorothea Schmidt

Seine Besonderheit: Das Studium findet

zum Teil in Berlin am Fachbereich

Wirtschaftswissenschaften, zum Teil in

Cambridge an der Anglia Ruskin University

statt. Die Studierenden verbringen

die ersten beiden Semester entweder

in Berlin oder in Cambridge, dann

folgen zwei Semester Praktikum (davon

mindestens eines im englischsprachigen

Ausland) und schließlich noch

einmal zwei Semester in Berlin oder in

Cambridge. Das Ziel des Studiengangs

besteht darin, die Absolvent/innen

auf Einstiegspositionen in Fach- oder

Managementfunktionen internationaler

Unternehmen oder Organisationen

vorzubereiten. Es ist aber auch möglich,

mit einem deutschen oder englischen

Masterstudium fort zu fahren.

Internationalität heißt: Die Studierenden

müssen sich an zwei Lernorten

zurecht finden, sich in zwei Lernkulturen

bewähren, zwei studentische

Lebenskulturen kennen lernen und

mindestens eines ihrer Praktika weit

weg vom gewohnten Zuhause absolvieren.

Was anderen Studierenden in

Seminaren mittels „Trockenübungen“

an Interkulturalität beigebracht wird,

ist für sie lebendige Herausforderung.

Auf der einen Seite eine Stadt mit

3,4 Mio. Einwohnern, relativ günstigen

Mieten, einem ausgedehnten Nahverkehrsnetz

und Döner-Buden an jeder

Ecke – Berlin. Auf der anderen Seite

eine Stadt von 100 000 Einwohnern,

weniger günstigen Mieten, zahllosen

Fahrradfahrern und Fish & Chips-Imbissen

allerorten – Cambridge. Doch

manches ist auch ähnlich: Da wie dort

Impressionen aus Cambridge

finden sich Parks und Grünflächen,

auf denen die Studierenden sich von

Vorlesungen und Seminaren erholen

oder kleine Cafés, in denen sie mit

ihren Kommiliton/innen über die zu

schreibenden Hausarbeiten diskutieren

können.

Das Leben und Lernen in wechselndem

Umfeld ist gelegentlich

anstrengend, aber gerade

diese Erfahrung befähigt die

Studierenden, sich später auch

anderswo zurecht zu finden –

ob in Singapur oder Beijing, in

New York oder in Edinburgh.

Das führt dazu, dass die Absolvent/innen

gute Berufschancen

haben, da viele Firmen gerade

diese vielfältigen internationalen

Erfahrungen zu schätzen wissen.

Manche Studierenden profilieren

sich sogar bereits vor ihrem

Abschluss, wie Stefan Münch,

Daniel Kunert, Philipp Gotter

und Felix Richter, die 2008 an

der Anglia Ruskin University studierten

und beim großem IBM-

College in Cambridge

Planspiel als Sieger hervorgingen.

An diesem Planspiel waren Teams

von allen großen britischen Universitäten

beteiligt. Also auf nach

England!

Prof. Dr. Dorothea Schmidt lehrt Wirtschafts-

und Sozialgeschichte an der

HWR Berlin.


42 Rund um’s Studium

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Rund um’s Studium

43

Nach dem Studium ist vor dem

Studium – Option Master

Was kommt nach dem Examen zum Bachelor in BWL oder VWL? Früher mit dem Diplom war für die meisten alles klar, jetzt

kommt der Praxisschock bei Industrieunternehmen, Banken, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften oder in der öffentlichen

Verwaltung. Bachelor-Absolvent/innen stehen heute vor der Option, direkt in den Beruf einzusteigen oder ein Masterstudium

anzuschließen. Die HWR Berlin bietet eine große Auswahl.

Fachbereich Berufsakademie goes UK

Für den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften bereits gängige Praxis. Nun fiel auch für die Studierenden des Fachbereichs

Berufsakademie der Startschuss zum Auslandssemester an der Partnerhochschule Anglia Ruskin University (ARU) in Cambridge,

UK. 16 Studierende der Fachrichtungen Industrie und International Business Administration wagten während ihres

fünften Semesters das „Pilotprojekt Cambridge“.

Text: Kristin Hinrichs, Anne Röder

Text: Thomas Gruber

Für welchen Weg sich frisch Graduierte

entscheiden, hängt von vielen Faktoren

ab: der Lust oder Unlust am weiteren

Studium, dem Wunsch schnell Geld zu

verdienen oder nach einem vertieften

Studium später vielleicht dafür mehr.

Auch von der eher praktischen oder

theoretischen Neigung. Und schließlich

kann man auch erst mal ein paar Jahre

Praxiserfahrung sammeln und dann ein

Masterstudium anstreben.

Wem generell ein Bachelorstudium zu

kurz oder oberflächlich erscheint und

wer Interesse an einer vertiefenden

akademischen Qualifikation hat, für

den gilt: Nach dem Studium ist vor

dem Studium. Mit einem konsekutiven

Masterstudium können die Kenntnisse

und Fähigkeiten aus dem Erststudium

vertieft und ergänzt werden. Ein

Masterabschluss verbessert dadurch die

beruflichen Einstiegsmöglichkeiten für

den Fach- und Führungsnachwuchs in

der privaten Wirtschaft und eröffnet

den Zugang zum höheren Dienst in der

öffentlichen Verwaltung.

Die HWR Berlin bietet seit vielen

Jahren Masterstudiengänge an. Mit dem

Auslaufen der Diplomstudiengänge wird

dieses Angebot wesentlich erweitert. Ab

dem Wintersemester 2009/2010 besteht

die Auswahl zwischen drei betriebswirtschaftlichen

Masterstudiengängen

International Marketing, International

Finance und Financial and Managerial

Accounting sowie einem volkswirtschaftlichen

Studiengang, International Economics.

Das bedeutet mehr Wahlmöglichkeiten

– und mehr Studienplätze.

Die Studierenden erwartet im Normalfall

ein dreisemestriges Aufbaustudium mit

durchweg englischsprachigen Veranstaltungen

in kleinen internationalen Gruppen

von bis zu 35 Teilnehmer/innen. Das

erste Semester ist dem fachspezifischen

Basisstudium gewidmet, im zweiten

erfolgt ein fachspezifisches Vertiefungsund

Spezialisierungsstudium, und im

dritten Semester wird die Abschlussprüfung

(Masterarbeit und mündliche

Prüfung) absolviert. Ein zusätzliches

Praxissemester (i. d. R. freiwillig) kann in

das Masterstudium eingebunden werden.

Durch das Masterstudium sollen zum

einen vertiefende Kenntnisse und

Kompetenzen in den Spezialgebieten

erworben und zum anderen durch ein

Modul Studium Generale und Wahlmöglichkeiten

im zweiten Semester

auch der Blick über den Tellerrand

hinaus geschult werden. Betreuungsseminare

stellen mit Hilfe von Einzel- und

Gruppencoachings eine zielorientierte

Studienorganisation sicher. Anhand von

Case Studies und Forschungsprojekten

trainieren Studierende ihre praktische

Problemlösungskompetenz. Generell

gelten für alle Studiengänge die Zielrichtungen

Praxisorientierung, Internationalität

und Interdisziplinarität.

Ab dem Wintersemester 2010/2011 beginnen

an der HWR Berlin fünf weitere

Masterstudiengänge: Business Processand

Performance Management, Strategic

and Human Resource Management

and Consulting, Political Economy of

European Integration, Unternehmensrecht

im internationalen Kontext und

Nachhaltiges Umwelt- und Energieressourcenmanagement.

Der Autor ist Professor für Rechnungswesen/Controlling

an der HWR Berlin.

Die HWR Berlin bietet eine breite Palette an Masterstudiengängen an. Bachelor-Absolvent/innen

mit Interesse an einer vertiefenden akademischen Qualifikation nutzen diese Möglichkeit.

Für die Student/innen des Fachbereichs

Berufsakademie hieß dies einmal

„echtes Studentenleben schnuppern“.

Statt eines vorgegebenen Vorlesungsplans

mit durchschnittlich 30 Semesterwochenstunden

in der Theoriephase

des dualen Studiums, konnten sich

die Studenten/innen an der britischen

Partnerhochschule ARU vier Module zu

je zwei Wochenstunden auswählen. Die

verbleibende Zeit sollte genutzt werden,

um sich vertiefend mit den behandelten

Themen zu befassen. Damit nahm das

Selbststudium eine sehr wichtige Stellung

ein, wie sie die Studierenden bisher

nicht gewohnt waren. Neue Erfahrungen

bereiteten auch die internationalen

Kurse mit teils weit über 100 Teilnehmer/innen,

die Unterteilung in Vorlesungen

und Seminare sowie der hohe

Anteil von Hausarbeiten als Prüfungsleistung.

Dies war zugegebenermaßen

ungewohnt für die Studierenden der

Berufsakademie, die sonst lange Blockkurse

mit maximal 30 Teilnehmer/innen

im klassenähnlichen Verband und fast

ausschließlich Klausuren als Semesterabschluss

kannten. Aus vorherigen

Semestern in Berlin vertraut war jedoch

die hohe Praxisorientierung der ARU

im Vergleich zu anderen Universitäten.

Neben dem Fakt, dass man in der

renommierten Universitätsstadt Cambridge

lebte und lernte, bekam das

Studium durch das Campusleben eine

ganz neue Bedeutung. So wurden zum

Beispiel viele Berührungspunkte mit den

Student/innen der ARU geboten – sei

es in der universitätseigenen Bar, dem

Fitnessstudio oder bei diversen anderen

Stadt- und Uni-Ansichten aus Cambridge. Die Anglia Ruskin University (ARU) in Cambridge,

UK, ist eine der Partnerhochschulen der HWR Berlin, mit der seit vielen Jahren ein reger

Studierendenaustausch gepflegt wird.

Sportaktivitäten. Nicht zu vergessen sind

die Vorlesungen und Seminare an sich.

Obwohl die Wohnungssuche für nur

ein Semester einige Studierende vor

eine echte Herausforderung gestellt

hatte und die Studiengebühren, anders

als am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften,

von den Student/innen selbst

getragen werden mussten, so haben sich

diese Kosten und Mühen in jedem Fall

bezahlt gemacht. Alle Berufsakademie-

Student/innen, die dieses eine Semester

in Cambridge verbracht haben, waren

durchweg begeistert und möchten diese

einmalige Erfahrung nicht missen. Zu

hoffen bleibt nun, dass dieses Auslandssemester

in Zukunft integrierter

Bestandteil des Studienplans am Fachbereich

II wird. Wie auch Christine Kunert,

Teilnehmerin aus dem Industrie-

Kurs, bestätigt: „Eine tolle Erfahrung.

Ich würde es jedem empfehlen!“

Die Autorinnen studieren am Fachbereich

Berufsakademie und gehörten zu

den ersten Austauschstudierenden, die

im Rahmen ihres dualen Studiums ein

Semester an der APU in Cambridge

absolvierten.


44 Vorgestellt

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Alumni

45

Diese Jahre haben mich viel über

andere und über mich selbst gelehrt

Die Mitarbeit im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) bringt neben Einblicken, Durchblick und einen Rundumblick viel

für die eigene Persönlichkeitsentwicklung. Der AStA-Vorsitz in Zeiten einer Hochschulfusion stellt eine ganz besondere Herausforderung

dar. Karin Setzpfand hat sie gemeistert.

Text: Karin Setzpfand

Rückblick: Meine Zeit im AStA begann

2007 eher zufällig. Eine gute Freundin

berichtete mir von ihrer Bewerbung auf

den Posten der Hochschulpolitischen Referentin.

Mein Interesse war geweckt, ich

wollte mehr wissen! Was ist der AStA,

was macht er und wie könnte ich meine

Interessen und Fähigkeiten einbringen?

Neu zu besetzen waren einige Stellen –

ich entschied mich für das Referat Presse

& Öffentlichkeitsarbeit, immerhin hatte

ich gerade sechs Monate Praktikum in

einer PR-Agentur beendet. Am Tag der

entscheidenden StuPa-Sitzung – hier

sollten die neuen Referent/innen gewählt

werden – rief mich der damals noch amtierende

Vorsitzende an und fragte mich,

ob ich mir auch den Vorsitz als „meine“

Aufgabe vorstellen könnte. Völlig überrascht

und in absoluter Unwissenheit

sagte ich zu, mich damit bis zum Abend

auseinander zu setzen. Das Team leiten

und organisieren, Aufgaben zuweisen,

Sitzungen und Sprechstunden abhalten –

das klang alles „machbar“. Ich stellte

mich zur Wahl…und wurde gewählt!

Nun war das Ziel der nächsten Wochen

klar: den Durchblick bekommen. Die

Organisation eines 12-köpfigen Teams

stellte mich vor ganz neue Herausforderungen!

Alle unter den sprichwörtlichen

„einen Hut“ zu bekommen und dabei das

eigene Studium nicht zu vernachlässigen,

ist eine Gradwanderung. Ich hätte sicher

einige Aufgabe gern selbst übernommen

– zeitlich war das nicht möglich. Ich

musste mich daran gewöhnen, andere

machen zu lassen und mir bis dato

unbekannten Menschen mein Vertrauen

zu schenken. Einige Projekte betreute

Die AStA-Vorsitzende Karin Setzpfand bei der Begrüßung der Erstsemester. Das ließ sie sich

nicht nehmen.

ich dennoch selber. Ich organisierte

jedes Semester die Begrüßung der neuen

Studierenden und den Tag der offenen

Tür. Aber meine wichtigste Aufgabe war

die nun vollzogene Fusion zwischen der

FHW Berlin und der FHVR.

Die Fusion hat mir einen Einblick

weit über die Hochschulpolitik hinaus

ermöglicht. Neben zahlreichen

Gesprächen mit den Hochschulleitungen,

Sitzungen und Debatten mit

den Mitgliedern des eigenen und des

anderen AStA standen auch Termine in

der Senatsverwaltung auf dem Plan. Die

politische Bühne ist eine ganz andere

und zugegebener Maßen fühle ich mich

dort nicht unbedingt zuhause. Lehrreich

war es allemal. Seinen Standpunkt vertreten

und dabei möglichst niemandem

ungewollt auf den Schlips zu treten will

geübt sein. Die „heiße Phase“ der Fusion

begann nach meiner Wiederwahl 2008.

Im Sommer wurde das Fusionsgesetz beschlossen

und somit endlich die Grundlage

für die gemeinsame Arbeit gelegt.

Die Arbeit im gemeinsamen Ausschuss

zur Festlegung der wichtigsten Regelungen

der Studierendenschaft erlaubte einen

juristischen Rundumblick von der Satzung

über die Geschäftsordnung bis hin

zum Haushaltsplan. Auch hier sind wieder

einmal die unterschiedlichsten Arbeitsweisen,

Ansichten und Charaktere aufeinander

gestoßen. Dennoch gestaltete sich die

Zusammenarbeit sehr konstruktiv und

im Endeffekt erfolgreich. Zum 1. 4. 2009

konnten auch wir unser neues „Gesetzeswerk“

vorlegen. Damit war meine Arbeit

und auch meine Zeit im AStA beendet.

Diese zwei Jahre haben mich vieles über

andere, aber auch über mich selbst gelehrt.

Ausblick: Zurzeit absolviere ich mein

Pflichtpraktikum in Düsseldorf. Ab Oktober

werde ich meine Bachelor-Arbeit

schreiben. Ich freue mich, dann die ersten

Wirkungen der Fusion sehen und spüren

zu können und damit den Erfolg der

Arbeit der letzten Jahre. Nach meinem

Bachelor möchte ich gern ein Masterstudium

in Australien beginnen. Bei den

Vorbereitungen und auch vor Ort werden

mir die vielen Erfahrungen, die ich im

AStA sammeln durfte, sicher helfen.

Die Autorin ist Studierende der HWR

Berlin und war von 2007–2009 Vorsitzende

des AStA.

Ein produktiver Rahmen

Das Mentor/innenprogramm für die dualen Studiengänge am Fachbereich II ist erfolgreich gestartet

Text: Magret Goldhammer

Die Alumni-Arbeit für die Absolvent/

innen der dualen Studiengänge am

Fachbereich Berufsakademie macht

gewaltige Fortschritte. Inzwischen sind

nicht nur die Netzwerke und Instrumente

der Kommunikation ausgebaut,

sondern ganz neue Methoden der

Alumni-Arbeit entwickelt worden.

Unter dem Motto „Praxis und Lehre“ wurde

ein Mentor/innenprogramm aufgelegt,

das die Kenntnisse und Erfahrungen der

Alumni für den Studienfortschritt und

-erfolg der Nachkommenden nutzbar

machen möchte. In jedem Studienjahr

werden mehrere Teams mit drei bis vier

Student/innen gebildet, die einen Alumnus

oder eine Alumna als Mentor/in

Ehemalige unterschiedlichster Studiengänge

und Abschlussjahre, Studierende

und Professoren waren aus ganz Deutschland

angereist, um sich auf dem Homecoming

Day 2009 neue Anregungen zu

holen – aber vor allem, um alte Kontakte

aufzufrischen und neue zu knüpfen.

Auf dem Programm standen Vorträge

zur (alten) FHW Berlin und neuen HWR

Berlin, aber auch zu Wirtschaftsthemen.

Werbe-Profi Johannes Krempl von der

Agentur glow erläuterte, wie ein Unternehmensbudget

durch Kreativiät kompensiert

werden kann. Trainer und Coach Markus

Luther erklärte in einem Start-up Workshop,

was beim Gründen zu beachten

sei. Daneben informierte das Institute of

Management Berlin (IMB) über die MBA-

Programme und Fördermöglichkeiten

sowie das Career Service über Mentoring

und Weiterbildung.

haben, der oder die die Studierenden „betreut“,

also einen regelmäßigen Austausch

möglich macht, Besuche bei Unternehmen

organisiert, Anregungen für Praxistransferarbeiten

gibt oder auch hilft, Themen

für die Bachelor Thesis zu erarbeiten.

Die Zusammensetzung der Teams erfolgt

nach einem Matching der verschiedenen

Profilbögen. Dabei müssen die

Ehemaligen, die eine Mentor/innenaufgabe

übernehmen, nicht unbedingt aus

derselben Fachrichtung stammen wie

die zu betreuenden Studierenden. Auch

müssen nicht alle Mitglieder der Teams

aus dem selben Studienjahrgang kommen.

Mentor/innen können beispielsweise

Banker sein, die Studienanfänger

Stichwort „Networking“

Der Kontakte e. V., das Ehemaligen-

Netzwerk der HWR Berlin, sponserte

ein Fotostudio für professionelle

Business- und Bewerbungsbilder. Bei

„Musik & More“ trafen sich Ehemalige

(Alumni), Studierende und Professoren

schließlich zur After Work Party unter

dem Motto: Networking!

Funktionierende Netzwerke sind auch

im Berufsleben unerlässlich. Deshalb

lohnt es sich, mit ehemaligen Kommiliton/innen

in Kontakt zu bleiben– und

mit der Hochschule. Denn die Erfahrungspotenziale

der Alumni geben

neue Impulse zur Verbesserung von

Forschung, Lehre und Hochschulkultur,

die HWR Berlin erweitert ständig

ihr Angebot an Weiterbildungs- und

Aufbaustudiengängen. Darüber hinaus

profitieren die Studierenden maßgeblich

vom Knowhow und den Beziehungen

im Handel und Examenskandidaten

im Tourismus betreuen. Die Mischung

kann durchaus produktiv sein.

Jedes Team wird ein Jahr lang zusammen

bleiben, sich austauschen und

dafür Arbeitsformen entwickeln. Dafür

gibt es Anregungen und Vorschläge,

aber die Hochschule wird sich nicht

weiter „einmischen“. Auch hier gilt: Wir

bieten den Rahmen, nicht den Inhalt.

Am Ende gibt es für die erfolgreichen

Teams „Ehrenamtszertifikate“, die auch

nur einen Rahmen wert sind, wenn der

Inhalt gestimmt hat.

Die Autorin ist Projektleiterin Alumni

am Fachbereich II der HWR Berlin und

Initiatorin des Mentor/innenprogramms.

Alumni, Studierende und Professor/innen der HWR Berlin kamen zum hochschulweiten Ehemaligentreffen

Text: Sylke Schumann

der Absolvent/innen und die Ehemaligen

ihrerseits vom neuen Wissen und

den Ideen der Studierenden.

Alumni sind alle ehemaligen Studierenden

der HWR Berlin. Das Alumni-

Netzwerk, mit dem Kontakte e. V. als

Träger und Dachverband, steht auch

allen jetzigen Studierenden sowie

ehemaligen und jetzigen Professor/

innen der Hochschule offen. Für den

Austausch, die Suche nach Kommiliton/

innen und als Informationsplattform

steht im Internet ein Alumni- und Karriereportal

zur Verfügung.

www.hwr-berlin.de/alumni

Die Autorin ist Referentin der Hochschulleitung

an der HWR Berlin und Zentrale

Alumni Managerin.


46 Alumni

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Kurzmeldungen

47

Get-together mit großem Hallo

Zehn Jahre MBA, das musste gebührend

gefeiert werden – mit einer Jubiläumsfeier

der „Class of ’99“. Auf dem Homecoming

Day 2008 der ehemaligen FHW Berlin

formierte sich das dreiköpfige

Festkomitee. Zehn Alumni trafen

sich nun fast genau ein Jahr später.

Text: Christina Arend

London, 15. April, früher Nachmittag: Die

Sonne lacht wie selten in London durch

die Fenster der St. George’s Cathedral.

Schwarze Robe und Mortarboard sitzen.

Angehörige fiebern mit. Wohl selten haben

wir so gern Schlange gestanden. Dann

werden wir in alphabetischer Reihenfolge

aufgerufen, um an den Würdenträgern

der London South Bank University „vorbeizusalutieren“.

Jetzt ist es offiziell: Wir

sind „MBA European Management“. Wir,

das ist der MBA-Jahrgang 1997–1999.

Und die „Presentation of Awards Ceremony“

in London ist zehn Jahre her.

Nach einigen anekdotenreichen und

vergnüglichen Planungstreffen, intensiven

Internetrecherchen und demokratischen

E-Mail-Korrespondenzen waren die

meisten des Jahrgangs ausfindig gemacht,

ein Termin für die Feier gefunden und ein

dreitägiges Festprogramm zusammengestellt.

Ein erstes Get-together mit großem

Hallo leitete das gemeinsame Wochenende

ein. Zehn Alumni, eine beachtliche

Zahl, waren am Campus Schöneberg

zusammen gekommen. Auch die Dozenten

Prof. Tolksdorf, seinerzeit Leiter der

MBA-Studiengänge, Prof. Bruche und

Prof. Pfeiffer sind unserer Einladung gefolgt,

ebenso Petra Jepsen, Beauftragte für

Career Services & Coaching des Institute

of Management Berlin (IMB). Selbst aus

London reiste Besuch an, um mit uns zu

feiern: Leslie Gadman, MBA-Betreuerin

an der South Bank University.

Nach einer Vorstellungsrunde – immerhin

hatten wir uns eine ganze Dekade

nicht mehr gesehen – ging es zu einer

Führung durch unsere alte Wirkungsstätte

mit obligatorischem Gruppenfoto.

Für viel Spaß sorgte eine Fotoshow nach

Absolvent/innen des MBA European Management, 1999 .... und als Alumni 10 Jahre danach.

Unter diesem Eindruck von Zusammenhalt und Verbundenheit erscheint es äußerst lohnenswert,

dass solche Jahrgangstreffen an der HWR Berlin Schule machen und auch die Vereinsarbeit

von Kontakte e. V. / MBAkit bereichern.

„Dalli Click“-Art, bei der es typische

Orte und Personen unseres Londonaufenthalts

zu erraten gab, sowie unsere

„Going International“-Videos, die wir im

Rahmen unseres Kurses „International

Management Skills“ in London gedreht

hatten. Beim abschließenden Abendessen,

natürlich im London-Stil „beim Inder“,

wurde noch bis spät erzählt und gelacht.

Resümee nach zehn Jahren MBA? Eine

Blitz-Umfrage ergab, dass sich das Studium

zum Master of Business Administration

(MBA) persönlich wie beruflich für

alle gelohnt hat. Für diejenigen mit naturoder

geisteswissenschaftlichem Hintergrund

war es die gewünschte betriebswirtschaftliche

Zusatzqualifikation und für die

„Wirtschaftler“ eine praxisorientierte und

international ausgerichtete Vertiefung. Die

beiden Studienorte, mit je einem Semester

in Berlin und London, und das gute Preis-

Leistungsverhältnis des Studiengangs

sprachen klar für den „MBA European

Management“ an der jetzigen HWR

Berlin. Zu den besten Erfahrungen zählte

vor allem der interkulturelle Austausch

mit den internationalen Kommilito/innen

des MBA-Partnerprogramms. Natürlich

gab es auch stressgeladene Anekdoten,

die sich insbesondere um Feueralarm und

die Dissertation ranken. Doch auch darin

sind wir uns einig: Wissend, dass sich die

MBA-Studiengänge in den letzten zehn

Jahren gewandelt haben, würden wir, die

Alumni von 1999, ein MBA-Studium an

der HWR Berlin weiterempfehlen.

Unser besonderer Dank gilt Prof. Tolksdorf

und dem Team des IMB, insbesondere

Sylke Schumann und Petra Jepsen für

ihre Unterstützung bei der Planung und

Durchführung des Treffens von Alumni

und Dozent/innen in der HWR Berlin.

Wir freuen uns schon auf das 15-jährige!

Die Autorin ist Absolventin des MBA

European Management, Jahrgang 1999.

Institut für Logistik gegründet

Das Institut für Logistik der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin hat unter der Geschäftsführung von

Prof. Dr. Harald Gleißner seine Arbeit aufgenommen. Ziel ist es, die Forschungs- und Lehrtätigkeiten im Bereich Logistik

und verbundener Gebiete zu systematisieren und zu intensivieren.

Text: Harald Gleißner

Es ist geplant, an der HWR Berlin ein

Kompetenzzentrum für praxisorientierte

logistische Themenstellungen zu schaffen.

Unternehmen sollen praxisrelevante Projektarbeiten

zum Beispiel im Rahmen von

Praxistransfer-, Studien- und Abschlussarbeiten

beauftragen können. Arbeitsschwerpunkte

des Instituts beziehen sich

auf die Analyse, Planung und Gestaltung

von Prozessen und interdisziplinären

Clustern in unterschiedlichen Feldern.

Die zehn Gründungsmitglieder des

Instituts aus den Fachbereichen Wirtschaftswissenschaften

und Berufsakademie

der HWR Berlin decken das gesamte

Spektrum des Logistikwesens ab. Die

Expertise reicht von den logistischen

Gründungsmitglieder des Instituts für Logistik, Professor/innen der HWR Berlin:

Silke Bustamante Axel Hellmann Harald Gleißner

■ Joachim Daduna Karin Krüger Olaf Resch

Klaus Deimer

Susanne Meyer

■ Frank Giesa

■ Andrea Pelzeter

Kernleistungen mit unterschiedlichster

Branchenausrichtung über das Facility

Management, internationale Rechtsfragen

und Vertragsgestaltung bis hin zum

Komplex Verkehrspolitik und dem Einsatz

quantitativer und mathematischer

Methoden für logistische Problemanalysen

und Standortfragen. Dieses

Themenspektrum trägt in Zeiten der

Globalisierung dem Hauptstadtstandort

Berlin sowie der grenznahen Region

Berlin/Brandenburg als wirtschaftliche

und logistische Schnittstelle zu Osteuropa

besonders Rechnung.

Prof. Jutta Allmendinger, Präsidentin des

WZB, am Fachbereich Berufsakademie

Text und Fotos: Helmut Lück

„Die Liebe und das liebe Geld“ – so das Motto eines Vortrags der Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB),

Frau Professorin Jutta Allmendinger Ph. D. (Foto r.) am Fachbereichs II der HWR Berlin. Die renommierte Sozialwissenschaftlerin war von der

Vorsitzenden der Vereins „Freunde und Förderer der Berufsakademie Berlin e. V.“ Juliane Freifrau von Friesen (Foto l.) eingeladen worden, um

über soziale Aspekte der Geschlechterungleichheit im Spannungsfeld von Beruf und Familie zu referieren. Frau Allmendinger zeigte, dass die

überkommenen Rollenaufteilungen zwischen Mann und Frau in der Gesellschaft obsolet geworden sind („falsche Typisierung“!) und die gesetzliche

Begünstigung des „Ein-Verdiener-Familienernährermodells“ seine soziale Angemessenheit und Begründung weithin verloren hat.


48 Kurzmeldungen

SemesterJournal 1/09 SemesterJournal 1/09 Kurzmeldungen

49

Japanische Partner der HWR Berlin

Text: Michael Tolksdorf, Fotos: Sylke Schumann

Studieren Sie gern hier?

Überwältigende 85 Prozent aller in 2008 befragten Wirtschaftsstudierenden der Hochschule antworteten mit Ja.

Text: Sylke Schumann

HIS- Studienqualitätsmonitor Fachhochschulen 2008

Zufriedenheit mit:

alle FHs

Insgesamt

FHW Berlin

Insgesamt Wirtschaft Informatik*

Betreuung 62,20% 61,10% 62,70% 59,20%

Qualität der Lehrverstaltungen 67,70% 73,50% 78,20% 62,90%

Teilnehmerzahlen in den Veranstaltungen 67,70% 79,40% 76,40% 96,30%

sachlich-räumliche Ausstattung 62,10% 71,90% 74,50% 74,00%

Studieren Sie gern an Ihrer Hochschule 71,20% 82,20% 85,50% 73,10%

*) im Studienqualitätsmonitor als Naturwissenschaften ausgewiesen, der einzige zu dieser Fachrichtung zählende FHW-Studiengang ist die Informatik

Besuch aus Hokkaido, Japans Norden: Die Professoren Eguchi und Yokota und die Leiterin des International Office der Otaru University of

Commerce, Frau Katsuko Hanada, kamen zur Vertragserneuerung nach Berlin. Ein halbes Jahrzehnt guter Zusammenarbeit um den halben

Globus fand seine Bekräftigung. Die Universität Otaru – eine Hafenstadt in S-Bahnentfernung von Sapporo, dem Austragungsort olympischer

Winterspiele, entfernt – ist der erste Partner der HWR Berlin im Land der aufgehenden Sonne, der unseren Studierenden regelmäßig Vollstipendien

anbietet. Neben Sprach- und Kulturkursen bietet Otaru auch englischsprachigen Managementunterricht in englischer Sprache

an. An der HWR Berlin informierten sich die Gäste detailliert über das Studienangebot und die Studienbedingungen, wie hier beim Rundgang

durch die Bibliothek (Foto links).

Chinesische Wirtschaftsdelegation

Chinesische Wirtschaftsfachleute aus der Provinz Guangxi informierten sich am Fachbereich Berufsakademie über duale Lehrangebote

allgemein und insbesondere über den Studiengang BWL / Fachrichtung Spedition und Logistik.

Text: Harald Gleißner, Sylke Schumann

Eine Delegation mit 29 Vertretern aus

Wirtschaft, Bildung und Politik aus

dem autonomen Gebiet Guangxi waren

in Deutschland unterwegs, um sich

umfassend über logistische Themen

zu erkundigen und Anregungen und

Impulse für die Entwicklung der

wirtschaftlich bedeutenden Region im

Süden der Volksrepublik China zu gewinnen.

Im Mittelpunkt der Reise stand

die Akquirierung von Projekten und

Kooperationen sowie der Informationsaustausch

mit Hochschulen, Verbänden

und Unternehmen in Deutschland. So

stieß auch das internationale Studienangebot

der HWR Berlin unter den

chinesischen Wirtschaftsfachleuten auf

großes Interesse.

Das Autonome Gebiet der Zhuang-

Nationalität Guangxi mit der Hauptstadt

Nanning zählt rund 50 Millionen

Einwohner. Die Wirtschaft Guangxis ist

in den letzten Jahren schneller gewachsen

als die Wirtschaft Gesamt-Chinas.

Das Gebiet soll zum Tor Chinas für

den Handel mit den Boomregionen in

Südostasien ausgebaut werden. Es gilt

schon heute als erfolgreiches Beispiel

der ökonomischen Entwicklung und

wird zum logistischen Zentrum der

Regiont. Noch immer ist in der Provinz

die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig.

Die Ökonomie Guangxis

profitiert von der Anbindung ans Meer,

den reichen Vorkommen an Mineralien,

den Wasserreserven und dem günstigen

Klima für die Landwirtschaft. Als Bodenschätze

werden Kupfererze und Bauxit

abgebaut. Darüber hinaus nimmt der

Tourismus in der Entwicklungsstrategie

Guangxis eine wichtige Stellung ein.

Befragt nach verschiedenen Aspekten der

Studiensituation zeigten sich die FHW-

Student/innen deutlich zufriedener als

der deutschlandweite Durchschnitt der

Studierenden an Fachhochschulen. Der

Studienqualitätsmonitor (SQM), erstellt

von der HIS Hochschul-Informations-

Neben der Befragung sämtlicher

Studierender aus allen Präsenzstudiengängen

und Studienjahrgängen

wurden ergänzend erstmals auch alle

haupt- und nebenamtlichen Lehrenden

sowie Verwaltungsmitarbeiter/innen

angeschrieben. Mittels eines standardisierten

Fragebogens bewerteten sie

ihre Zufriedenheit und zufriedenheitsrelevante

Ausstattungsmerkmale sowie

Serviceleistungen der Hochschule. Der

Rücklauf war bei allen Befragungsgruppen

gut. Besonders erfreulich: Auch bei

der als online-Befragung realisierten

Studierendenbefragung lag die Rücklaufquote

insgesamt bei rund 50 %.

Die detaillierte Gesamtauswertung des

Befragungsprojekts, die auch eine nach

System GmbH in Hannover und der

AG Hochschulforschung der Universität

Konstanz, holte in einer repräsentativen

Online-Befragung von knapp 30 000 Studierenden

an mehr als 150 Hochschulen

Auskunft ein zu Studienbedingungen

und –qualität. Die Ergebnisse geben im

Studiengängen bzw. Fachbereichen

differenzierte Analyse enthält, wird

nach Abschluss der Erörterungen in den

zuständigen Gremien und Bereichen

als Bericht hochschulintern veröffentlicht.

Für die konsequente Umsetzung

der ermittelten qualitätsverbessernden

Maßnahmen sorgt ein eigens

eingerichteter „Qualitätszirkel“ unter

Federführung des Prorektors Prof. Dr.

Henning Spinti. Eine Zusammenfassung

der Befragungsergebnisse ist auf der

HWR-Homepage unter „Evaluation &

Qualitätsmanagement“ abrufbar.

Vergleich mit den im Vorjahr erhobenen

Daten zum Beispiel darüber Aufschluss,

wie sich die Studienbedingungen in

Deutschland durch die Einführung von

Studiengebühren und die Umstellung

auf die Abschlüsse Bachelor und Master

verändert haben.

Evaluation von Studium und Lehre

Wie bewerten Studierende, Lehrende und Verwaltungskräfte die Rahmenbedingungen an ihrer Hochschule?

Dieser Frage ging noch vor der Fusion ein Befragungsprojekt an der ehemaligen FHVR Berlin auf den Grund.

Text: Simone Will


50 Kurzmeldungen

SemesterJournal 1/09 51

Was bleibt? Was wird?

Unter dem Motto "Familienunternehmen - Was bleibt? Was wird?" stand die erste Konferenz des Instituts für Entrepreneurship,

Mittelstand und Familienunternehmen (EMF) der HWR Berlin

Text: Birgit Felden

Welche Chancen und Risiken sich hinter

dem „Wirtschaftsmodell“ Familienunternehmen

verbergen diskutierten

Vertreter/innen aus Politik, Wirtschaft

und Wissenschaft während der Tagung.

Die Experten waren sich einig: Familienunternehmen

sind immer noch ein

wichtiger Impulsgeber für die deutsche

Wirtschaft. Aber auch fernab der Wirtschaft

spielen sie eine wichtige Rolle.

Gesellschaftlich und politisch nehmen

sie auf die zukünftige Entwicklung des

Landes einen großen Einfluss.

Berlin International Summer School

Bereits zum sechsten Mal findet im Juni/Juli 2009 die Berlin International Summer School der HWR Berlin statt. Die Angebote bestehen

aus drei- bis vierwöchigen Intensivkursen, die speziell für internationale Studierende der HWR-Partnerhochschulen entwickelt wurden.

Text: Katja Zühlsdorf

DAAD-Preis für ausländische Studierende

Bewerbungen bis zum 10. November 2009

Zentrales Gesprächsthema der Konferenz:

die Finanz- und Wirtschaftskrise.

Wissenschaftler/innen und Unternehmer/innen

sahen die gegenwärtige Lage

als eine große Herausforderung, da viele

Firmen mit Umsatzeinbrüchen und Finanzierungsschwierigkeiten

zu kämpfen

hätten. Dadurch würden politische und

wirtschaftliche Herausforderungen in ihrer

Wirkung noch verschärft. Das bestätigten

gestandene Unternehmer wie der

Berliner Hans Wall, Karsten Schulze sowie

der Schwabe Walter Lindenmaier. Der

In diesem Jahr kommen etwa 90

Studierende aus aller Welt nach Berlin.

Teilnehmer/innen können zwischen

drei interdisziplinären, englischsprachigen

Wirtschaftsfachkursen und zwei

Sprachkursen entscheiden. Alle drei

Kurse wurden vom DAAD als „exzellente

Sommerakademien“ ausgezeichnet.

Der Fachunterricht wird durch ein

interessantes Begleitprogramm ergänzt,

das inhaltlich auf die jeweiligen Module

abgestimmt ist. Dazu gehören Besuche

in der VW Autostadt, bei Daimler

Financial Services, der Vertretung der

EU in Berlin oder dem Reichstag. Zusätzlich

erhalten die Teilnehmer/innen

einige Stunden Deutschunterricht als

„Überlebenstraining“ und ein breites

Angebot an kulturellen Aktivitäten.

tägliche Kampf um Aufträge, bisweilen

gegen die Politik, mache das Unternehmertum

ebenso aus wie Innovationsgeist

und Wirtschaftsethik. Referent/innen

aus der Wissenschaft beleuchteten diese

aus theoretischer Sicht. In verschiedenen

Foren diskutierten sie mit Bankern,

Unternehmer/innen und Studierenden

über die Facetten des Unternehmertums.

„Kreativität gepaart mit Durchhaltewillen“

– dies sind die Schlagwörter für die

Student/innen und vielleicht künftigen

Unternehmer/innen.

Durch diesen Studierendenaustausch

im Sommer bietet sich die Möglichkeit,

freie Austauschplätze für HWR-Studierende

an internationalen Partneruniversitäten

zu erwerben. Im Gegenzug

schicken die Partner ihre Studierenden

entgeltfrei in die Sommerkurse. Und die

Zahl von Partnerhochschulen wächst.

Kurse 2009

■ Markets and Management in Europe

■ European Business and Economics

Programme

■ The European Union in a Global World

■ German Language & Culture Courses

(A1+A2)

Impressum

Das SemesterJournal ist die Hochschulzeitschrift

der HWR Berlin. Es erscheint

zweimal jährlich. Namentlich gekennzeichnete

Beiträge stellen die Meinung

der jeweiligen Autorin bzw. des jeweiligen

Autors dar. Die Redaktion behält

sich sinnvolle Kürzungen vor.

Herausgeber

Der Rektor der HWR Berlin

Badensche Straße 50–51

10825 Berlin

Redaktion

Sylke Schumann

Telefon: +49 (0)30 85789-220

E-Mail: sylke.schumann@hwr-berlin.de

Gestaltung

Meike Lorenz, Berlin

Bildnachweis

Seite 05 Christian Kretke

Seite 08 Christian Kretke

Seite 10 Alexander M. Vyborov

Seite 16 Christian Kretke

Seite 17 Christian Kretke

Seite 32 Johannes Kepler

Universität Linz

Seite 37 Manja Lade

Seite 48 Sylke Schumann

Seite 46 Christine Arend

Seite 47 Helmut Lück

Druck

Mercedes-Druck, Berlin

chlorfrei gebleichtes Papier

Auflage

2 800 Stück

Redaktionschluss

Juni 2009

ISSN 0945-7933

Der HWR Berlin werden in diesem Jahr

erneut vom DAAD 1 000 Euro Preisgeld

zur Verfügung gestellt, um ausländische

Studierende für sehr gute Leistungen

auszuzeichnen. Bewerben können sich

Jung-Examinierte oder Studierende

im zweiten Studienabschnitt, die sich

durch gesellschaftliches, insbesondere

interkulturelles Engagement hervorgetan

haben. Die Hochschulzugangsberechtigung

muss im Ausland erworben

worden sein. Zum Bewerbungsschluss

müssen im International Office folgende

Unterlagen vorliegen: CV, Anschreiben

mit Begründung im Sinne der Ausschreibung,

Empfehlungsschreiben von

einer/m Hochschullehrer/in, Zeugnisse,

Nachweise und Referenzen zum Engagement.

Kontakt: Susanne Fürstenberg

International Office

Tel: 85789-261

E-Mail: fuerstenberg@hwr-berlin.de

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