Materialien zur Vorlesung 3 -Massenmedien

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Materialien zur Vorlesung 3 -Massenmedien

3. Massenmedien: Parsons – Luhmann - McLuhan

Leitfragen: Was sind nach Parsons ‚generalized symbolic media of interchange‘?

- Warum ist nach Luhmann Kommunikation unwahrscheinlich?

- Was sind heiße und kalte Medien? Erläutern Sie dies an einem Beispiel.

- Zu welchem Medientyp gehört das Internet in diesem Kontext?

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Nach Parsons bilden moderne Gesellschaften funktionale Handlungssysteme aus. Diese

Systeme erfüllen die Funktion der Problemlösung für den je speziellen gesellschaftlichen

Bereich. Deshalb wird hier von Ausdifferenzierung gesprochen: also nicht der Versuch der

universellen Problemlösung vorgenommen, sondern die Spezialisierung auf bestimmte

Bereiche und Strategien. Jedes System muss in sich alle vier Funktionen erfüllen, um

lebensfähig und leistungsfähig zu sein. Somit bildet jedes System Subsysteme aus und ist

wiederum ein Subsystem innerhalb eines Systems.

Beispiel: Wissenschaft

Leitdifferenz: Wahr – nicht war

Subsysteme mit je eigenen Leitdifferenzen: einzelne Disziplinen

System Kunst

Subsysteme: Literatur, Bildende Kunst, Musik usw.

Tauschmedien stellt Parsons in den Zusammenhang seiner soziologischen Theorie, als

Medien in Sozialen Systemen und Handlungssystemen im weitesten Sinne. D. h. Medien sind

für ihn insofern von Interesse beziehungsweise werden daraufhin untersucht, ob und wie sie

den Austausch, die Tauschprozesse (wir können auch sagen die Kommunikation im

erweiterten Sinne) zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Systemen – von

ausdifferenzierten Teilsystemen – ermöglichen und regeln. Umgekehrt formuliert: hier muss

von einem erweiterten Medienbegriff ausgegangen werden, also nicht nur von

Speichermedien oder Medien der sprachlichen Kommunikation, sondern von Medien im

weitesten Sinne als Mittler, als vermittelnde Instanzen.

Eines der wichtigsten gesellschaftlichen Medien in diesem erweiterten Spektrum – und

natürlich besonders wichtig im sozialen Kontext und der soziologischen Forschung – ist das

Medium Geld.

Parsons beschreibt die drei Funktionen von Geld:

1. Geld ist Tauschmittel mit Tauschwert, aber ohne Gebrauchswert.

Das heißt: ein fünfhundert Euro-Schein ist vom Material her oder wenn Sie versuchen, etwas

anderes damit zu machen als etwas zu kaufen, niemals 500 Euro wert. Statt dessen ist sein


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Gebrauchswert der eines Notizzettels oder eines Taschentuchs – also eines beliebigen

Papierstücks gleicher Größe.

2. Geld dient als Wertmaßstab, weil es heterogene Güter und Dienstleistungen sowie

Produktionsfaktoren durch den Bezug auf eine dritte Größe, auf eine ökonomische Größe,

vergleichbar macht. (Beispiel: Äpfel mit Birnen vergleichen –drittes Medium erzeugt

Kompatibilität des Tauschsgegenstands)

3. Geld dient als Wertaufbewahrungsmittel

Unter der Vorraussetzung, dass keine gravierende Inflation eintritt, dient Geld dazu,

zeitunabhängig von seinem Erhalt einen Gegenwert zu besitzen. Wenn also Geld für etwas

erhalten wird, kann es ohne Wertverlust zu einem anderen Zeitpunkt gegen etwas anderes

eingetauscht werden.

Weiter nennt Parsons mehrere Eigenschaften von symbolischen Tauschmedien:

1. die spezifische Sinnbedeutung und Wirkungsweise oder den Symbolcharakter von

Medien: Ihr Tauschwert wird gesellschaftlich durch Konvention festgesetzt und

bezieht sich auf einen dritten Wert. Beim Medium Geld bedeutet dies: Es gibt noch

andere Tauschvorgänge innerhalb einer Gesellschaft, für den ökonomischen

Tauschvorgang wurde kontingent (also auswechselbar oder zufällig) Geld gesetzt – es

wären auch andere ökonomische Tauschprozesse denkbar.

2. eine weitere Eigenschaft ist die Institutionalisierung der Tauschmedien: Geld wird

der sozialen Institution ‚Eigentum’ zugeordnet, ein weiteres Beispiel wäre z.B. Macht

als Tauschmedium, die gesellschaftlich der Institution Recht zugeordnet wird oder

Wissen, das den Bildungsinstitution wie z.B. der Universität zugeordnet wird.

3. die dritte Eigenschaft – Zirkulationsfähigkeit – ist schnell erklärt: sie sichert die

Zugänglichkeit zum Medium und verhindert dessen hermetische Besetzung oder

seinen Ausschluss – in dem Moment wäre ein Medium kein Medium mehr, da es, um

gesellschaftlich seine Funktion erfüllen zu können, einen Kommunikations- oder

Tauschprozess regelt.

4. Keine Nullsummen-Eigenschaft (Kreditschöpfung): Wenn eine Gruppe Geld hat, geht

dies einer anderen Gruppe nicht verloren.

Parsons verweist auf den institutionellen Kontext von Tauschmedien und definiert


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Institutionen als „Komplexe von normativen Regeln, die per Gesetz oder andere soziale

Vereinbarungen der Steuerung sozialen Handelns und sozialer Beziehungen dienen.“

Beispiele für Institutionen im Sinne Parsons wären Eigentum, Verträge, Herrschaft und noch

mehr

Ergänzung zu Luhmann aus ‚Realität der Massenmedien‘:

„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir

durch die Massenmedien.“ Luhmann spricht damit der Erscheinung der Massenmedien eine

derart gravierende und einflussreiche Präsenz zu, dass er von einer Verdopplung unserer

Realität durch die Massenmedien spricht.

Wie definiert Luhmann Massenmedien? „Mit dem Begriff der Massenmedien sollen im

Folgenden alle Einrichtungen der Gesellschaft erfasst werden, die sich zur Verbreitung von

Kommunikation technischer Mittel der Vervielfältigung bedienen.“ Dies alles sofern sie

Produkte in großer Zahl mit noch unbestimmten Adressaten erzeugen. Also zählen dazu

Bücher, Funkmitteilungen wie Radiosendungen und Fernsehen, aber nicht das Telefon oder

die Manuskriptproduktion in mittelalterlichen Schreibwerkstätten aber auch nicht Vorträge,

Theater, insofern ihre Inhalte nicht technisch gespeichert und vervielfältigt werden."

Daraus wird der einseitige Kommunikationsvorgang bei Massenmedien ersichtlich. Bei

Luhmann heißt es dazu:

Innerhalb der massenmedialen Kommunikation kann keine Interaktion unter Anwesenden

zwischen Sender und Empfängern stattfinden.

Interaktion wird durch Zwischenschaltung von Technik ausgeschlossen.

Bei der These Luhmanns, dass Kommunikation unwahrscheinlich sei, spielen Medien eine

zentrale Rolle der Ermöglichung, der Wahrscheinlichmachung von Kommunikation. Medien

– und hier jetzt nicht lediglich Massenmedien – erfüllen die Funktion, die

Unwahrscheinlichkeit in Wahrscheinlichkeit zu transformieren.

Mehrere Faktoren spielen hier so stark in Kommunikationsakte hinein, dass im Normalfall

mehr von einer Unwahrscheinlichkeit als von einer Wahrscheinlichkeit eines geglückten

Kommunikationsprozess ausgegangen werden muss. Luhmann nennt das an anderer Stelle

auch, das Verstehen des Miss – also der Vorgang des Missverstehens lenkt die

Kommunikation.

Welche Faktoren werden für das Scheitern von Kommunikation genannt?

Zum ersten die Kontextgebundenheit – d. h. jedes Individuum hat unterschiedliche Kontexte


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vor Augen, in die es seine Äußerungen platziert. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei –

geschweige den noch mehr Personen den exakt selben Kontext vor Augen haben ist extrem

unwahrscheinlich – hier wird von der Nicht-Existenz oder der Unmöglichkeit der

Intersubjektivität gesprochen. Zum zweiten ist ein weiteres Hindernis die Ort und Zeit

Überwindung. Denn ohne mediale Unterstützung wird es über direkte – also Face-to-face-

Kontake hinaus – schwierig die Aufmerksamkeit auf sich zu richten und einen Empfänger für

die eigenen Äußerungen zu erreichen.

Zum dritten ist es äußerst schwierig – auch mit Medieneinsatz – die Zeichen für eine

geglückte Kommunikation – also einen Verstehensprozess zu erkennen.

Kommunikation ist dann geglückt, wenn ein Empfänger sein Verhalten auf die vom Sender

mitgeteilte Information abgestimmt hat und sich in erkennbarer Weise an ihr orientiert. Das

Eintreffen einer von Ihnen erwarteten Reaktion zeigt also, dass Ihre Nachricht sowohl

wahrgenommen als auch begriffen wurde. Aber selbst hier besteht noch die Möglichkeit, dass

Sie die Reaktionen des Empfängers in ihrem Sinne als ‚richtig’ interpretieren, die Reaktion

aber eigentlich auf andere Inhalte antwortet oder anders gemeint ist.

Also geglückte Kommunikation zeigt sich erst über mehrere Kommunikationsakte hinweg

oder ist einfach Zufall.

Dass wir von zumindest manchmal gelingender Kommunikation ausgehen können, also von

einem Sinnhaften Verhalten als Reaktion, ist ein medialer Verdienst.

Welche Medien tragen besonders dazu bei?

Zum einen eben das symbolisch generalisierte Medium schlechthin, die Sprache.

Sprache benutzt symbolische Generalisierungen, um Wahrnehmungen zu ersetzen, zu

vertreten, zu aggregieren und die damit anfallenden Probleme des übereinstimmenden

Verstehens zu lösen. Die Sprache ist darauf spezialisiert, den Eindruck des

übereinstimmenden Verstehens als Basis weiteren Kommunizierens verfügbar zu machen –

wie brüchig auch immer dieser Eindruck zustande gekommen sein mag.

Die Schrift – als ein weiteres Medium – ermöglicht in diesem Zusammenhang den zuvor

erwähnten kritischen Punkt der nicht ständig möglichen Face-to-Face-Kommunikation.

Luhmann stellt die fragile Basis der Kommunikation heraus: im Prinzip können seine Thesen

so interpretiert werden, dass Massenmediale Kommunikation nicht in ihren Funktionsweisen

untersucht werden kann, sondern auf einen hohen und vor allem subjektiven Grad an

individueller und kaum vergleichbarer Entschlüsselung angewiesen ist, die nicht eindeutig

benannt werden kann.

Luhmann kritisiert in seinem Text außerdem die Bezeichnung ‚Massenmedium’ für die Art


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von Medien, die die Kommunikation über raum-zeitliche-Distanzen ermöglichen. Er plädiert

vielmehr für den Begriff Verbreitungsmedien. Seine Kritik ist, dass der Begriff der Masse

suggeriert, es würde nach den Wirkungen der Medien auf individuelles Verhalten von vielen

Menschen gefragt, was jedoch seiner Ansicht nach überhaupt nicht der Fall ist.

Vielmehr wird von Massenmedien gesprochen, wenn damit der Charakter der Medien und

nicht der Rezeption erwähnt werden soll.

Marshall MacLuhans ‚Heiße und kalte Medien’.

Als heiße Medien bezeichnet er solche die Passivität in der Rezeption erfordern, die

detailreich sind und studiert werden müssen und einsinnlich sind –also nur einen oder sehr

wenige Sinneswahrnehmungen fordern.

Kalte erfordern Aktivität, eine hohe persönliche Beteiligung. Sie sind hingegen detailarm,

also weisen wenige Elemente auf, die studiert werden müssen. Genau das hängt besonders

zusammen: in dem Moment in dem ich mich persönlich einbringen muss oder kann, solltedamit

dies erfolgreich gelingt- der Kraft- oder intellektuelle Aufwand eher niedrig sein. dafür

sind sie jedoch, so MacLuhan, mehrsinnlich angelegt.

Detailreich hängt mit einsinnlich insofern zusammen, dass die Intensivierung des einen

Sinnes soweit geht bis ein Detailreichtum mit vielen Daten und Einzelheiten eintritt.

Kalte Medien

Heiße Medien

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