Magazin 196006

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Magazin 196006

ZIVILER BEVÖlKERUNGSSCHUTZ

Unser Titelbild: Die Stoßwelle trlftt, von links

kommend, auf den Modellbau und wird an Dach

und Seltenwand reflektiert. An jeder Kante bilden

sich Wirbel, die sich, wie z. B. am Dachfirst sicht.

bar, ablösen. (Zu dem großen Forschungsbericht

des Ernst.Mach.lnstltuts,Frelburg, In diesem Heft.)

Herausgegeben im Auftrag des

Bundesministeriums des Innern

vom Bundesluftschutzverband

Nr.6/60. Kennziffer G7448 E

5. Jahrgang. Einzelpreis DM 1.50


10. für 20 kt

37. für 1 Mt

nach der Detonation

Steiggeschwi ndigkeit

20 kt 90 m/.

1 Mt 110 m/.

~r(.:-'t ,;,--, Rad ioaktive

~(( ... (~-. ~ J 'J Zerfallsprodukte

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16

Mach.che

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0,07 atü

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5 km

18 km

Eine "Atombomben"-Explosi on in der Retorte haben die Physiker des Ernst-Mach-Institutes

in Freiburg ausgelöst (oberes Bild )_ In einem Druckstoßrohr wurde die Sprengstoffmenge

von einem Gramm Bleiazid über einer PlaHe zur Detonation gebracht und wenige

Mikrosekunden später in durchfallendem licht photographiert. Oi e darunter abgebildete

schematische Darstellung der Stoßwellenkonfiguration einer nuklearen Explosion (entnommen

dem amerikanischen Standardwerk "The Effects of Nudear Weapons") zeigt

- obwohl die Pha sen nicht genau übereinstimmen - eine verblüffende Ähnlichkeit mit

den charakteristischen Stoßwelleneffekten, wie sie bei einer wirklichen Atombombenexplosion

auftreten, Oie Analogie bei diesem genau durchdachten Experiment läßt sich

sogar so weit treiben, daß man auch die Detonationsschwaden des Modells mit der

bei der Bombe freiwerdenden Wolke radioaktiver Zerfallsprodukte vergleichen könnte.

11


S.oO""ellen,

Druckf'ron.en

und Wirbel

Freiburger WI •• en.chanler

... achan die Druckwwlrk":ung " nuklaarer

E_ploalonen" elch.bar

von H. Reichenbach

Während des letzten Krieges war auch die Zivilbevölkerung

der Einwirkung herkömmlicher Waffen ausgesetzt. 50 daß Erfahrungen

über die Ausmaße der oft verheerenden Waffenwirkung

in weiten Kreisen als bekannt vorausgesetzt werden können.

Die an Bauten angerichteten Beschädigungen waren trotz

der für heutige Maßstäbe relativ geringen Zp.rstörungswirkung

dieser Waffen dom so groß, daß selbst jetzt nom viele Großstädte

schwierige Probleme bezüglich des Aufbaus kriegszerstörter

Stadtbezirke zu lösen haben. Als UrsadIen für die zerstörende

Wirkung konventioneller Waffen kann man angeben:

1. Die kinetische Energie (Bewegungsenergie) des Aufschlags

2. Den Detonationsdruck einschließlich der Luftstoßwelle

3. Das Auftreten von Splittern

4. Die Auslösung von Bränden

Beim Aufschlag wird durro die Bewegungsenergie (kinetische

Energie) des Geschosses oder der Bombe am Zielobjekt Arbeit

geleistet. War die Auftreffgeschwindigkeit genügend groß, so

kann das Geschoß Decken und Wände durmschlagen und allein

dadurch schon schwere Zerstörungen an einem Bauwerk anrim·

ten. SchlieBt sich nun an den Aufschlag eine Detonation an, so

kommt zusätzlidl. noch die Wirkung des Detonationsdruckes hinzu.

Erfolgt die Detonation in unmittelbarer Nähe eines Bauwerkes,

so können je nach Abstand Drücke bis zu etwa 700 atü auf·

treten. Detoniert jedoch die Ladung in einiger Entfernung vom

Objekt, so erfolgt die Druckübertragung durm Vermittlung eines

Zwismcnmediums z. B. über das umgebende Erdreim oder über

die Luft. Im Erdreich wird je nam dessen Beschaffenheit die

Intensität des Druckstoßes meist gedämpft. In Luft bildet sich

eine charakteristische Stoßwelle aus, über deren Eigenschaften

noch einiges zu sagen sein wird. Die Splitterwirkung von Bomben

und Gesmossen bleibt als Ursache für eine Zerstörung von

Bauwerken von nebensächlicher Bedeutung. Dagegen können

ganze Stadtteile durch von Brandbomben verursachte Feuersbrünste

vernidttet werden. Allerdings kommt diese Wirkung

erst sekundär zustande, da die Bauten selbst das nötige Brennmaterial,

hauptsädtlich durdt ihre Inneneinrichtungen, liefern.

Von all diesen Ursamen wollen wir uns im folgenden nur mit

der Druckroirkung etwas ausführlicher befassen. Die herkömm·

lidlen Waffen lassen sich dann allgemein dadurch c:harakterisieren,

daß die bei Drücken von einigen atü erziel bare positive

Druckdauer relativ klein ist und in der Größenordnung von

einigen tausendstel Sekunden (Millisekunden) liegt. Als positive

Druckdauer bezeichnet man diejenige Zeit, die vergeht, bis

der plötzlich einsetzende Spitzendruck wieder auf den ursprünglich

vorhandenen Ausgangsdruck abgesunken ist. Die

Entfernungen vom Explosionsort, in denen bestimmte Maximaldrücke

(0,1 atü; 1 atü; 5 atü) auftreten, sowie die zugehörigen

positiven Druckdauern finden sic:h in Abb.2 (Tabellen Seite 2) _

Für konventionelle Waffen wurden Sprengstoffmengen bis zu

1 Tonne angenommen und der Einfachheit halber eine Druckausbreitung

in Luft ohne Reflexion zugrunde gelegt. Die Angaben

beziehen siro auf den Sprengstoff Trinitrotoluol (TNT),

der als Pioniersprengstoff bekannt wurde. Aus den Diagrammen

der Abb. 2 geht hervor, daß der Druck bei gleicher Sprengstoffmenge

mit zunehmender Entfernung vom Detonalionszen·

trum abnimmt, während die positive Druckdauer zunimmt. Im

Bereich konventioneller Waffen treten Gebäudesdtäden nur in

Entfernungen auf, die maximal einige 10 Meter vom Detona·


Honsort entfernt sind. Die Wirkung bleibt

demnach lokal begrenzt.

Durch die Möglichkeit, a tomare Energie

freizusetzen und damit Angriffswaffen

mit ei ner um mehrere Zehnerpotenzen

gesteigerten Wirkung herzustellen, sind

nun völlig neue physikalische Gegeben·

heilen eingetreten. Beschränkt man sich

audl hierbei nur auf die Deobachtung der

Druckwirkung, so ergibt sich, daß jetzt

der Zerstörungsbereich einige Kilometer

im Durchmesser mißt und die Druckzei·

ten bei einigen Sekunden liegen (vergl.

nebenstehende Tabelle .. atomare Waffen").

Dies führt zu einer völlig anderenBelastung

der Bauwerke. Das Verhalten der Baustoffe

bei einer durch eine atomare Explosion

ausgelösten Druckstoßbelastung ist neuerdings

Gegenstand umfangreicher Versuche,

denn es ist ein prinzipieller Unter·

schied, ob ein Baukörper durch einen heftigen,

aher kurzen Druckstoß wie bei

einer konventionellen Waffe, oder durch

einen plötzlich auftretenden aber lang

anhaltenden Druck beansprucht wird.

Bevor diese Dinge besprochen werden.

seien zunächst einige allge mei ne Angaben

über den Energieinhalt atomarer Waffen

vorausgeschickt.

Radioaktive

Initiallfrahlung

5%

Strahlung der

radioaktiven

Zerfallsprodukte

10%

Energieinhalt atomarer Waffen

Atomare Energie kann grundsätzlich sowohl

durch Kernspaltung als auch durch

Kernverschmelzung freigesetzt werden,

weshalb es auch zwei prinzipiell verscbiedene

Typen atomarer Waffen gibt;

die Uran· bzw. Plutonium bomben, die

auf dem Prinzip der Kernspaltung beruhen,

und die Wasserstoffbombe, deren

Energie der Vereinigung von Wasserstoff·Atomkernen

zu l-Ielium·Atomkernen

entstammt. Aus physikalischen Gründen

kann - wegen der kritischen Masse - die

Menge des spaltbaren Materials einer

Abb. 2. Aus den oben abgebildeten Diagrammen

geht hervor, daß der Druck, bei glei ~

eher Sprengsfoffmenge, mit zunehmender Entfernung

vom Detonationszentrum abnimmt,

während die positive Druckdauer zunimmt.

Als positive Drudcdauer gilt dabei die

Zeit in we lcher der Spitzend ruck wieder

auf ' den Ausgangsdruck zurückgesunken ist.

~ Abb. 3. Bei Luftexplosionen atomare r Waffen

werden rund 50'/, der freiwe rdenden

Gesamtenergie in mechanische Energie um·

gesetzt. Die übrigen 50'/. verteilen sieh auf

die sogenannten Strahlungsenergien. Dieser

Befund gewinnt um so mehr Bedeutung,

als die neuesten statistischen Auswertungen

über die Tödlichkeitsursachen der Bomben~

abwürfe über Hiroshima und Nagasaki

eine praktisch völlige Ubereinstimmung

mit dem abgebildeten Diagramm ergaben.

Abb. 4. Ausbreitung einer Stoßwelle bei der

elektrischen Entladung eines Kondensators

über eine Funkenstrecke, die senkrecht zur

Bildebene steht. Die Zuleitungsdröhte uichnen

sich als dünne, schwarze Linien im

oberen Blickfeld ob. Die expandierenden

Gase schieben die umgebende Luft derart

heftig zusammen, daß sich eine kugelförmige

Stoßwelle ausbildet. Der völlig gleiche Vorgang

spielt sich auch in der Natur ab, wenn

~ es zur Entstehung eines Blitzes kommt.

Kernspaltungsbombe nicht beliebig gesteigert

werden. Wird diese überschrit ~

ten, so komm t es zur Selbstzündung; die

ganze Ladung explodiert ohne äußere

Einwirkung. Bei den Waffentypen dagegen,

die ihre Energie der thermonuklearen

Wasserstoff-Helium·Reaktion

verdanken (Wasserstoffbomben), besteht

eine derartige Begrenzung der an der

Atom-Versmmelzung teilnehmenden Materie

nicht. Dies geht schon daraus hervor,

daß sich auf der Sonne und den

anderen selbstleucbtenden Sternen der

gleicbe Kernumwandlungs-Prozeß abspielt.

Daher kann die bei einer Wasserstoffbombenexplosion

freigesetzte Ener·

giemenge - ganz abgesehen von der

höheren Reaktionsausbeule - um ein

Vielfaches größer sein eis diejenige bei

einer Kernspaltungs-Explosion. Um eine

Vergleichsmöglimkeit mit herkömmlichen

Sprengstoffen zu haben, rechnet man

üblicherweise die bei einer atomaren

Explosion freiwerdende Energiemenge in

diejenige Menge an Trinitrotoluol (TNT)

um, bei deren Detonation der gleiche

Energiebetrag frei wird. Diese sogenannte

Äquioolent·Sprengstoffmengc liegt bei

den Kernspaltungsbomben {A-Bomben}

bei einigen Zehntausend Tonnen TNT

(Kilotonnenbereicb), bei Wasserstoffbomben

(H-Bomben) bei einigen Millionen Tonnen

TNT (Megatonnenbereich). Tabelle 1,

Seite 8, gibt eine übersicht über die Grö·

Benordnung. Zum Vergleich wurde auch

die Äquivalent·Sprengstoffmenge einer

Minenbombe aufgeführt. einer Bomben-


• ,,11"

•• ••••

Abb. S. Aufbau eines Stoßwellenrohres. Am rechten Rohrende erkennt man die Druckkamme r, in de r MiHe di e runde Meßkammer mit dem

angeflanschten Auslaufrohr. Im Vordergrund ist die Bedienungs- und Abbildungseinrichtung aufgebaut. Im Bilde links ist der Hochspannung.­

gleichrichte r für die funkenlichtquelle. deren Blitzdauer die Belichtung bestimmt, und de r auf einer Säule aufgebaute Hohlspiege l sichtbar.

type, die zu den smwersten des letzten

Krieges zählt.

Ober die angegebenen Zahlenwerte kann

man sich nur schlecht eine Vorstellung

machen, aber vielleicht wird die Größe

der Sprengstoffmenge etwas ansmaulicher,

wenn man sich das Transportproblem

vor Augen hält, das zu bewältigen

wäre, wenn man die aufgeführten Menge

n an den Explosionsort zu transportieren

hätte. Nimm t man an, daß ein normaler

Güterwagen der Bundesbahn eine

Ladefähigkeit von 20 Tonnen besitzt, so

reicht zum Transport der Äquivalent­

Sprengstoffmenge einer Minenbombe I/ !O

Güterwagen aus. Die Äquivalent-Sprengstoffmenge

für eine A-Bombe benötigt

dagegen den Laderaum von 10 Güterzügen,

bestehend aus je 50 Wagen mit je

20 t Ladefähigkeit. Für eine H-Bombe

sind dann ganz analog 10000 Güterzüge

notwendig. Würde man die einzelnen

Waggons aneinanderreihen, so ergäbe

sich eine Zuglänge von über 5000 km.

Obwohl der Energiebetrag, der hier als

typisch herausgestellten A- und H-Bomben

um Größenordnungen verschieden

ist, bleibt doch die prozentuale Energieverteilung

bei einer Luftdetonation im

großen und ganzen konstant. Nach amerikanismen

Angaben· findet man eine

Aufspaltung der Gesamtenergie in die in

Abb. 3 angegebenen Anteile. Bei dieser

• Glasstone, S.: .. The Effekt of Nuclear

Weapons" United States Atomic Energy

Commission 1957.

hier gezeigten Energieverteilung handelt

es sim um eine Luftdetonation. Mit einem

solmen Fall ist aber bei einem Angriff

auf zivile Objekte in erster Linie zu rechnen,

einfach deswegen, weil dabei die

intensitätssteigernde Wirkung des sogenannten

Mach-Effektes ausgenutzt werden

kann; das der Zerstörung anheimfallende

Gebiet wird durm diesen Effekt

beträmtlim vergrößert.

Aus dem Diagramm liest man ab, daß

rund 50 11 / 0 der bei der Luftdetonation

einer nuklearen Waffe freiwerdenden

Gesamtenergie in memanische Energie

umgesetzt wird, sim also als Stoßwellenenergie

wiederfindet. Die übrigen 50 t / t

verteilen sim auf die sogenannten Strahlungsenergien,

wobei auf di e Wärmestrahlung

mit 35% der Hauptanteil entfällt

und die radioaktiven Strahlungen

nur mit 15 % an der Gesamtenergie beteiligt

sind. Diese lassen sich aufspalten

in 5% Initialstrahlung (spontane radio·

aktive Ausstrahlung) und in 10 11 /0 Strah·

lung der Zerfallsprodukte, die man aum

als Reststrahlung bezeichnet. Recht aufschlußreich

ist es, daß nur insgesamt 15 %

der bei einer atomaren Explosion freiwerdenden

Energie in radioaktive Strahlung

umgesetzt wird. Dieser Befund hat

um so mehr Bedeutung, als sich nach

neuesten statistismen Auswertungen der

Bombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki

gegen Ende des letzten Krieges

herausgestellt hat, daß sich für die Töd­

Iimkeitsursamen ein Diagramm angeben

läßt, das praktism völlig mit dem in

Abb. 3 gezeigten übereinstimmt. Rund

500/0 der während dieser Angriffe eingetretenen

Gesamtverluste an Toten und

Verwundeten lassen sich auf die Wirkung

der Stoßwelle, rund 35 % der Verluste auf

di e Wärmeeinstrahlung und nur etwa

150/0 auf die Einwirkung der radioaktiven

Strahlung zurückführen. Wenn anfangs

die Wirkung der radioaktiven Strahlung

übersmätzt wurde, so liegt dies wohl

zum großen Teil in dem heimtüddsmen

Verlauf der Strahlenschädigungen begründet.

Allgemein kann man feststellen,

daß die prozentuale Verteilung der Verluste

mit der Energieverteilung proportional

verläuft, eine Beobamtung, die

man aum bei klassisrnen Waffen gemacht

hat.

Wirkung der versdtiedenen Energieanteile

auf Bauwerke

Wir haben die Energieverteilung atomarer

Waffen im Falle einer Luftexplosion

kurz skizziert. Wie wirken aber nun diese

Anteile auf Bauwerke? Die radioaktive

Strahlung vermag zwar die mechanischen.

Eigenschaften der Materie zu beeinflussen,

eine Tatsame, die vor allem im Reaktorbau

nirnt nur wissenschaftliche, sondern

auch wirtschaftliche Bedeutung hat,

doch sind di e Strahlungsdosen, die bei

einer atomaren Explosion frei werden,

vi el zu gering, um merkliche Festigkeitseinbußen

an Bauwerken zu verursachen.

Für eine Zerstörung von Bauwerken

kommt daher der radioaktive Strahlungsanteil

nimt in Frage. Die Möglichkeit

J


Abb. 6. Ei ne ebene Stoß front - im Bild a ls

dunkle, senk rechte Lin ie sichtbar - triff t,

von links kommend, auf ein Modellhäuschen.

Um 'tu zeigen, wie di e Stoßwellen auch in s Inn ere

eindri ngen können, wurden an der Sei ten wand

des Modellhäuschens drei Bohrungen angebracht.

Oie Stoßwell en flie ßen durch diese ö ffnungen

hindurch. Es kommt 'tu r Bildung

kräfliger Wirbel ri nge, die relativ stabil sind.

einer temporären radioaktiven Verseuchung bleibt von dieser Feststellung

selbstverständlidt unberührt.

Die Wärmestrahlung, die sehr kurzzeitig auflritt und aum als Hitzeblitz

bezeidtnet wird, wirkt hauptsädtlich dadurch, daß oberflächig

getroffene Bauteile diese Strahlung absorbieren und dadurdt plötzlich

stark aufge heizt werden. Brennbare MateriAlien können dabei

momentan entflammt werden und so zu ausgedehnten Bränden

Anlaß geben. Will man also lultsdtutzgerecht bauen. so sind möglidtst

am ganzen Baukörper. zumindest aber an den Außenfronten.

brennbare Werkstoffe zu vermeiden. Diese Forderung ist relativ

einfach zu erfüllen gegenüber den Bedingungen, die eingehalten

werden müssen, wenn ein Bauwerk einer auftreffenden Druckstoßwelle

vorgegebener Stärke standhalten soll.

Von den einzelnen Energieanteilen (vergleiche Abb. 3J bleibt daher

hinsidttlich der Einwirkung auf Bauwerke nur der in der Stoß­

\vellc vorhandene Anteil besonders wirksam; die Strahlungsanteil

e si nd dagegen vernachlässigbar. Dies ist schließlich aurn

der Grund, weshalb wir uns des weiteren nur mit der Druckwirkung.

insbesondere von Luftstoßwelien, auseinandersetzen

wollen.

Einiges über Luftstoßwellen

Luftstoßwellen entstehen immer dann, wenn eine Luftmasse in

Bewegung versetzt und damit beschleunigt wird. Es ist dabei

völlig gleirngültig, woher die En ergie stammt. die den Bewegungs·

vorgang auslöste, also gleichgültig, ob es sich um eine atomare

Explosion oder vereinfacht um das Entspannen eines komprimier.

ten Gases handelt. Immer wird bei diesen Vorgängen die umgebende

Luft so heftig zusammengedrückt, daß eine sogenannte

Stoßfront entsteht, eine außerordentlich schmale Zone, in w elcher

der Druck vom Ausgangszustand auf einen hohen Betrag springt.

Dieser Drucksprung breitet sich mit ü berschallgeschwindigkeit

aus. Man bezeichnet diesen ganzen Vorgang als Stoßwelle. Zwischen

der Stoßwellengesrnwindigkeit und dem DrucXsprung an

der Sloßfront existiert ein strenger mathematischer Zusammenhang,

der es ermöglicht, bei Kenntnis der ei nen dieser Größen di e

andere zu berechnen.

Einen Eindruck von der Entstehung und der Ausbreitung einer

Stoßwelle vermittelt Abb.4 Seite2, welche die elektriscRe Entladung

eines Kondensators in Form eines Luftfunkens zeigt. Der Funke

s pringt zwischen zwei durch ei nen Luftspalt getrennten Metall·

s pitzen über. die senkrecht zur Bildebene angeordnet sind. Im

Augenblick des Funkenüberschlages wird di e Luft im Funkenkanal

sehr stark aufgeheizt und steht dadurdt unter hohem Druck. Deshalb

kommt es zu einer heftigen Expansion des hei ßen Gases, das

man an der durdt Turbulenz verursachten wolkigen Struktur erkennen

kann. Die expandierenden Gase schieben die umgebende

Luft derart hefti g zusammen, daß sich eine kugelförmige Stoßwelle

ausbildet. Der völlig gleiche Vorgang spielt sich in der Natur übrige

ns dann ab, wenn es zur Bildung eines Blitzes kommt. Der

den Blitz begleitende Donner ist nichts anderes als die akustische

Wa hrnehmung der sich ausbreitenden Stoßwelle.

Die Bemerkung, daß es für die Ent stehung einer Stoßwelle gleichgültig

ist, woher die Energie zu ihre r Erzeugung stammt, (verg!.

Abb. 4) ist experimentell gesehen von grundsätzlicher Wichtigkeit.

Will man die Phänomene der Ausbreitung und der Wirkung

von Stoßwellen bei atomaren Explosionen untersuch en, so braumt

man keinesfalls Original versuche mit nuklearen Waffen ansteUen.

Vielmehr reichen, wenn es nur auf die Stoßwelleneffekte ankommt,

Modellversuche völlig aus, wobei die Stoßwellen auf eine

beliebige andere Weise erzeugt werden. Oie Modellversuche

fü hren dabei zu durchaus einwandfreien und exakten Ergebnissen

der mechanischen Wirkung atomarer Explosionen. Dies hat selbstverständlich

zur Voraussetzung, daß ein gesimcrtes Modellgesetz

7.lIr Verfügung steht. das es erlaubt, die an einem Modell gemesseno

n Werte auf das Original zu übertragen. Deshalb scheint es an

dieser Stelle angebracht, aum darüber ei ni ges zu sagen.

Das Modellverhalten von Stoßwellen

SdlOn Mitte der 300r Jahre veröffentlich te Grunz in seinem Lehrbum

übe r Ballistik ein zunächst auf das Verhalten von Sprengstoffen

zugeschnittenes Gesetz mit fol gender Aussage: Kennt man

für eine bestimmte Sprengstoffmenge die En tfernung, in der bei

Detonation ein bestimmter Spitzend ruck aurtritt. so lä ßt sich durm

eine einfache Proportion J) angeben, in welcher En tfernung bei der

Detonation einer zweiten, von der ersten versmiedenen Ladung.

.) XI : Xl

CI ; G~

, ,

VCo , {G;"; Xo , X,

S p rcngsto ffg cwic:h tc.

Longe hält die Stabilität der Wirbel ringe

jedoch nicht on. Sie werden durch die re~

.... fl ektierte Welle zerschlagen und aufgelöst.

Entrernu ngen:


der gleiche Spitzendrude auftritt. Hat man also bei einem bestimm·

ten Modell beispielsweise die Drudee vermessen, so ist es über

das Cranzsche Ähnlichkeitsgesetz sofort möglich, die Orte am Ori·

ginal mit gleichem Drude anzugeben. Die Voraussetzungen für

dieses recht allgemeine Gesetz sind sehr gering und besagen im

wesentlichen nur, daß das Modell und das Original einander geo·

metrisch ähnlich sein müssen, d. h. alle Längendimensionen des

Modells ergeben sich aus denen des Originals durch Multiplikation

mit einem einzigen Maßstabsfaktor. Weiter ist vorauszusetzen,

daß das Modell und das Original aus dem gleichen Material be·

stehen, also z. B. gleiche Dichte, gleiche Festigkeit usw. auf·

weisen soll.

Dieses Xhnlimkeitsgesetz ist bei herkömmlichen Sprengstoffen

sehr streng erfüllt, was durch eine Vielzahl von Versuchen immer

wieder bestätigt wurde. Die Cranzsche Modellgesetzmüßigkcit gilt

aber, wie man leicht nachweisen kann, nicht nur für die Drudeaus·

breitung bei herkömmlichen Sprengstoffen, sondern für olle elasti·

schen und hydrodynamismen Vorgänge sowie für die Stoßwellen·

ausbreitung. Der praktische Gültigkeitsbereich ist derart aus·

gedehnt, daß Rum die Stoßwellenvorgänge atomarer Explosionen

erfaßt werden. Die überragende Bedeutung dieser Tatsache geht

daraus hervor, daß es das Cranzsme Gesetz im Prinzip ermöglicht,

durch Versuche im Laboratorium mit ein paar Gramm Sprengstoff

all die z. T. recht komplizierten Stoßwellenvorgänge messend zu

untersuchen, die sich bei der Explosion einer Atombombe abspielen.

An einem einfachen Beispiel soll dies demonstriert wer·

den (Abb. Seite Il).

Eine Sprengstoffmenge von etwa 1 Gramm Bleiazid wurde über

ei ner Platte zur Detonation gebracht, um ähnliche Bedingungen zu

schaffen, wie sie bei der Explosion einer Atombombe in optimaler

Höhe gegeben sind. Wenige Mikrosekunden nach der Detonation

wurde der Vorgang in durchfallendem Licht photographiert.

Deutlich erkennt man die sim kugelförmig um den Deto·

nationsursprung ausbreitende Stoßwelle. Diese primäre Welle

wird zunächst an der Bodenplatte reflektiert, sobald aber ihr Ein·

fallswinkel 4G-45° überschreitet, kommt es zu einem völlig neuen,

nur bei Stoßwellen vorhandenen Effekt. Der Reflexionsort der

Welle löst sich von der Bodenplatte, es tritt eine Mornsrne Welle

auf. In einem sogenannten Tripelpunkt vereinigen sich primäre

Welle, reflektierte Welle und senkrecht zur Unterlage stehende

Machsche Welle. Außer diesen Wellen fronten kann man auch

noch eine weitere Linie erkennen, die in den Tripelpunkt einmündet

und als Kontaktfront bzw. Mediengrenze bezeirnnct wird.

Der Druck hinter der Machschen Welle liegt bei beträchtlidl höhe·

ren Werten als derjenige hinter der primären Welle.

Wird nun eine Atombombe in optimaler Höhe über dem Erdboden

zur Explo6ion gebracht, so tritt genau die gleiche Stoßwellenkonfiguration

auf, wie man der schematischen Darstellung Abb. S. Ir unten

entnehmen kann, die aus dem schon zitierten amerikanischen Stan·

dardwerk .. Tbe Effects of Nuclear Weapons" übernommen wurde.

Audt hier findet man primäre Welle, reflektierte Welle, Machsche

Welle und Kontaktfläche. Wenngleidt die bei den Abbildungen 1 a

und 1b in ihrer zeitlichen Phase nicht gen au übereinstimmen, so

erkennt man doch ohne weiteres, daß das Modell die gleichen

charakteristischen Stoßwelleneffekte zeigt wie sie auch beim

Original auftreten. Die Analogie läßt sich sogar so weit treiben.

daß man aum die Detonationsschwaden des Modells mit der

Wolke der radioaktiven Zerfallsprodukte vergleichen kann. Die in

der Abb. auf S.1I gezeigte Stoßwellenkonfiguration tritt 10 Sekunden

nam Explosion einer Atombombe mit einer Äquivalent·Ladung von

20 kt auf, also derselben Bombentype, die in Japan Ende des letz·

ten Krieges zur Anwendung gelangte. Den gleichen Verlauf der

Stoßfronten findet man aum 37 sec nach der Explosion einer

Atombombe mit einem Äquivalentgewicht von 1 Mt. Es hat sich

hier entsprechend dem Cranzschen Modellgesetz lediglich der

Längenmaßstab geändert. Die Drücke an den Stoßfronten sind in

beiden Fällen die gleichen, dem liegt die Voraussetzung zugrunde,

daß beide Explosionen in optimaler Höhe ausgelöst wurden.

fn diesem Falle herrscht in Bodennullpunkt ein Maximaldrude von

etwa 2,75 atü.

Eine besondere Eigensrnaft von Stoßwellen wurde noch nirnt besprochen,

nämlich das Auftreten einer sogenannten Nachströmgesmwindigkeit.

Die von einer Stoßwelle erfaßte Luft wird beschleunigt und

strömt in gleicher Richtung wie die Stoßfronl. Diese Strömungsgeschwindigkeit

hängt von der Intensität der primären Stoßwelle ab

und beträgt in dem auf der unteren Abb. S. J[ angegebenen Abstand

der Machschen Welle vom Bodennullpunkt immerhin noch 18 rn/sec

Abb. 7. Trifft die Stoßwelle ouf mehrere hinte

reinander stehende Modellhäusche n, wird

die primäre Stoßwelle teilweise reflektiert.

Beide, die reflektie rte und die primäre Stoßwelle,

krümme n sich um die Konten des Modells,

wobei die Intensität der We lle abnimmt.

Das zweite Modell wird von einer Stoßwelle

getroffen, di e an Kraft verloren hat,

d. h. sie hat einen geringe ren Drucksprung.

Es kommt in der Folge zwischen den Modellen

zu mehrfachenWeIlenreflexionen, wodurch der

primären Stoßwelle Energie entzogen wird. ....


Abb. 8. Auftreffen einer ebenen Stoßwelle

auf zwei gegeneinander versetzte Wände.

Die Geschwindigkeit dieser Stoßwelle beträgt

dabei rund 415,8 Meter in der Sekunde.

Der Druck hinter der prtmaren Stoßfront

miBt 0,55 atü (5,S Tonnen/Quadratmeter).

Der Zeitabstand zwischen di esen einzelnen

Bilde m liegt be i 70 millionstel Sekunden.

Diese Anordnung zweier

versetzter Wände, wie sie

die nebenstehenden Abbildungen

zeigen, wird in

ähnlicher Form wohl immer

bei Schutzbaulen anzutreffen

sein. Ganz interessant

ist es nun, zu sehen,

wie sich dia auf ein derartiges

Hindernis auftreffend.

StoßweII. fortpflanzt

und es allmählich

wieder zu einer senkrechten

Stoßfront kommt. Die

auf die Wände fallenden

Wellenanteile werden reflektiert

und um die Kant.

herumgebeugt; an jeder

Kante entsteht ein sich

spiralenähnlich aufrollender

kräftiger Wirbel.

Schließlich erkennt man,

wie sich in Teilbild 3 eine

neue StoOfront, ein sogenannter

Verdichtungutoß,

quer zur DurchlaßöRnung

legt, der mit dafür verantwortlich

ist, daß die über

das Hindernis hinweggelaufene

Stoßwelle gedämpft

wird. Die Entstehung

eines derartigen VerdichtungutoBes

ist darauf

zurückzuführen, daß die

Einströmung in dia ORnung

mit Uberschallgeschwindigkeit

erfolgt, jedoch

die Nachströmung

hinter der ersten Stoßwelle

nur UnterschalIgeschwindigkeit

besitzt. Der

stetige Ubergang von

Uberschall zu Unterschall

ist aber nicht möglich,

denn zwei derartige Gebiete

können nur über

eine Luft-Staßfront miteinander

verbunden sein.

oder, in anderen Einheiten ausgedrüd


dort das Druckverhältnis an der Stoßfront

und die Stoßwellengeschwindigkeit in

Einheiten der Schallgeschwindigkeit angegeben.

Herrscht in der Expansionskammer

ein Druck von 1 ata (1 Atmosphäre

absolut) und möchte man eine Stoßwelle

mit einem Drucksprung auf 5 ata erzeugen,

so benötigt man in der Druckkammer

einen Ausgangsdruck von 46,17 ata. Die

Stoßwellengeschwindigkeit liegt dann bei

der 2,lfachen Schallgeschwindigkeit, also

rund 700 mJsec.

Um das Auftreffen einer Stoßwelle auf

ein Modell beobachten zu können, benötigt

man eine Meßkammer mit planparallelen

Scheiben, die jedoch so angebracht werden

müssen, daß der Strömungsvorgang

im Stoßwellenrohr nicht gestört wird. Daher

ist es zweckmäßig, dem Rohr von

vornherein Rcchteckquerschnitt zu geben.

Bei der Beaufsch1agung eines Bauwerkes

durch eine Stoßwelle kommt es nun nirnt

allein auf die Intensität des Druckstoßes

an, sondern auch auf den Druckverlaul.

Dieser ist im Stoßwellen rohr definiert

vorgegeben und interessiert vor allem arn

Ort der Meßkammer. Es folgen daher

einige Angaben über die vC'fschiedenen

Wellen, die sich im Rohr ausbilden. Hinter

der ungehindert sich ausbreitenden

Stoßfront bleibt der Druck absolut konstant,

und zwar so lange, bis in der Mcßkammer

eine der an den Enden des Stoßwellenrohres

reOektierten Wellen ankommt.

Beim Platzen der Membran läuft

nämlich eine Verdünnungswelle in die Kompressionskammer

und wird an deren Rückwand

wiederum als Verdünnungswelle renektiert,

die jetzt der primären Stoßwelle

nacheilt und diese, wenn die geometrischen

Rohrabmessungen entsprechend gewählt

sind, einzuholen vermag. Die Stoßwelle

wird in diesem Falle sozusagen von

hinten her abgebaut. Damit hat man nun

experimentell eine Möglichkeit, den zeitlichen

Druckverlauf durch Verändern des

Abstandes Membran-Meßkammer und der

Lünge der Druckkammer zu beeinflussen.

Am Ort der Meßkammer trifft aber auch

die beim Auftreffen der primären Stoßwelle

am Ende der Expansionskammer

reOektierte Welle ein, und zwar als Stoßwelle

bei geschlossenem Kammerende.

dagegen als Verdünnungswelle, wenn das

Rohr offen war. Bei fest vorgegebenem

Ausgangsdruckverhältnis bedingen es lediglich.

die geometrischen Abmessungen

des Stoßwellenrohres, welche der bei den

reflektierten Wellen als erste in der Meßkammer

eintrifft und damit den zeitlidl

konstanten Druckverlauf beendet.

Bei den üblichen Stoßwellenrohren mit

einer Gesamtlänge von etwa 10 mund

einer lichten Weite von etwa 10 cm liegt

die maximale Zeitdauer konstanten Drukkes

in der Größenordnung von einigen

10 Millisekunden. Diese Druckdauern erscheinen

zunächst sehr kurz im Vergleich

zu denen bei einer atomaren Explosion,

die bei einigen Sekunden liegen. Wie

schon ausgeführt, gilt aber für Stoßwellen-Ausbreitungs

vorgänge das Cranzsche

Gesetz, aus dem leicht abgeleitet

werden kann, daß bei einer Änderung

des geometrischen Abbildungsmaßstabes

auch die Zeit um den gleichen Faktor

zu ändern ist. Da bei den Modellen im

Stoßwellenrohr oftmals ein Maßstabsfaktor

von (/ 11)f) und noch kleiner auftritt.

müssen auch die Zeiten des Originals mit

dem gleichen Faktor multipliziert werden.

Das bedeutet aber gerade, daß man zu

den für das Stoßwellenrohr angegebenen

Werten kommt.

Eine Vorstellung von dem äußeren Aufbau

eines Stoßwellenrohres gibt die

Obersichtsaufnahme (Abb. 5). Diese Apparatur

besitzt folgende Abmessungen:

Länge der Druckkammer

1 m

Länge der Expansionskammer 6.80 m

Innenquerschnitt 110 mm X125 mm

Beobach.tungsfenster

180 mm fZJ

Das gezeigte Stoßwellen rohr kann mit

Drücken in der Druckkammer bis zu 100

atü betrieben werden, während die Expansionskammer

bis auf einige mm

Quecksilbersäule evakuiert werden kann.

Kurzzeitphotographie-Methoden

Die Vorgänge laufen in einem Stoßwellenrohr

in äußerst kurzen Zeiten ab; man ist

daher gezwungen. Verfahren zu benutzen,

die den interessierenden Vorgang speichern

und registrierend festhalten. Zweckmäßigerweise

bedient man sich hierzu der

photogra phiscnen Aufnah metechnik, wobei

aber verschiedene Schwierigkeiten zu

überwinden sind. Da sich bekanntlich

Stoßwellen mit ObersrnaJlgesrnwindigkeit

ausbreiten, muß die Belidllungszeit,

um Bewegungsunschärfe zu vermeiden,

außerordentlich kurz sein und nur eine

Größenordnung von etwa 1 ,usec {millionstel

Sekunde} besitzen. Mechanische Photoverschlüsse

lassen sich hierbei nicht

mehr einsetzen. Außerdem erfordert eine

derartig kurze Belichtungszeit eine äußerst

intensive Beleuchtung des aufzunehmenden

Vorganges. Weiterhin ist es erforderlich,

die Aufnahmen dann auszulösen,

wenn sich die Stoßwelle in der Meßkammer

befindet, und zwar so exakt, daß

sich nom verschiedene zeitlidle Phasen

der Beaufschlagung des Modells einstellen

lassen. Schließlich muß die sich um

ein Modell einstellende Stoßwellen-Konfiguration

durm geeignete optische Verfahren

erst sidltbar gemacht werden, wofür

es eine Reihe von Methoden gibt. Dazu

gehören das Schatten-, die Smlierenund

die Interferenzverfahren. Es würde

aber im Rahmen dieses Aufsatzes zu weit

führen, auf spezielle Einzelheiten einzugehen.

Nur soviel sei gesagt, daß beim

einfachsten dieser Verfahren, dem Schattenverfahren,

der Trick, eine Stoßwelle

abzubilden, darin besteht, daß man den

aufzunehmenden Vorgang mit Hilfe einer

punktförmigen Lichtquelle auf eine Photoplatte

projiziert. Der das Objekt bei A

durchsetzende Lichtstrahl wird aus seiner

ursprünglichen Richtung abgelenkt, da

sich an dieser Stelle eine Störung befindet.

Dadurrn trifft dieser Strahl an dem

ihm geometrisch. vorgeschriebenen Ort n

auf der Photoplatte ein; d. h. diese Stelle

wird nicht belichtet. An einer anderen

Stelle C, die vom Abstand Objekt-Photoplatte

abhängt, tritt dagegen p.i ne Steigerung

der Lichtintensität ein. Dies ist

der Grund für die weißen Linien in den

Bildserien. die allerdings nach einem

leicht abgewandelten Schattenverfahren

gewonnen wurden.

Wesentlich aufwendiger, dafür aber für

quantitative Auswertungen ergiebiger, ist

das Interferenzverfahren, das es ermöglicht,

in jedem Punkt des Gesichtsfeldes

die im Augenblick der Aufnahme vorhandene

Dichte zu bestimmen und daraus

den Druck zu beremnen. Damit gewinnt

Abb. 9. Modell eines Schwingers, gegen den

von rechts eine Stoßwe lle anlä uft (Pfeile).

man also bedeutend mehr an Information

als nur die Lage der Stoßfronten.

Nachdem nun Möglichkeiten angedeutet

wurden, wie Stoßwellen sichtbar gemacht

werden können, sei nur kurz erwähnt.

auf welche Weise es gelingt, auch die

übrigen Schwierigkeiten zu überwinden.

Man bedient sich des elektrischen Funkens

als Lichtquelle. Die Belichtungsdauer

ist dabei durch die äußerst intensive

Lichtquelle selbst und nicht durch

einen mechanismen Photoverschluß gegeben.

Von diesem Prinzip wird heute ja

weitgehend bei den Elektronenblitzgeräten

Gebrauch gemacht, doch werden bei

den Stoßwellenrohren speziell entwikkelte

punktförmige Funkenlichtquellen

eingesetzt. die bei wesentlidl höheren

elektrischen Spannungen betrieben werden

und effektive Belichtungszeiten von

unter einer millionstel Sekunde liefern.

Bei dieser Art der Lichtquelle kann aueb

leidlt eine Synchronisierung mit dem Vorgang

vorgenommen werden. Im Prinzip

genügt es, das Eintreffen der Stoßwelle

mit Hilfe eines Mikrophons festzustellen

und den elektrischen Spannungsstoß zur

Zündung des Beleuchtungsfunkens zu benutzen.

Elektronische Schaltungen ermöglichen es,

mehrere getrennt aufgestellte Funkenstrecken

in definiert einstellbaren Zeitabständen

zu zünden. Durch geeignete optisrne

Abbildung kann erreicht werden,

daß jedem Funken eine Kamera zugeordnet

ist. Auf diese Weise gelingt es, von

ein und demselben Vorgang in der Regel

bis zu etwa 48 Einzelbilder anzufertigen

und so eine Hochfrequenz-Kinematographie

durchzuführen mit Bildfrequenzen

bis zu 1 Million Bilder pro Sekunde. Da

der Zeitabstand von Bild zu Bild einer

Serie sehr gen au bekannt ist und die

7


Wellenausbreitungsvorgänge auf den Aufnahmen

geometrisch vermessen werden

können, läßt sich auch die Geschwindigkeit,

etwa einer Stoßwelle, angeben. Damit

kennt man aber dann auch den Drucksprung

an der Stoßfront und die anderen

Zustandsgrößen.

Beispiele zur Stoßwellenbeaufsdllagung

Nachdem Aufbau und experimentelle

Möglichkeiten eines Stoßwellenrohres besprochen

sind, sollen einige Beispiele vorgeführt

werden, die zunächst einen Eindruck

von der BeaufschJagung von Modell-Baukörpern

vermitteln und zeigen

sollen, welche Vielzahl komplizierter Einzelvorgänge

sich dabei einstellt.

Die erste Bildserie (Abb. 6, Seite 4) gibt

das Auftreffen einer ebenen Stoß front auf

ein Modell-Häuschen wieder. Die Stoßwelle,

auf dem ersten Teilbild als dunkle,

senkrechte Linie sichtbar, läuft von links

nach remts, und zwar mit einer Ceschwindigkeit

von 415,8 m/sec (Obersc:hallgeschwindigkeit),

was einem Drucksprung innerhalb

der Front von 0,55 atü entspricht.

Remnet man dies auf eine atomare Explosion

um, so wäre dieser Spitzend ruck

bei einer 20-kt-Bombe, die in optimaler

Höhe detoniert, in 1,37 km Entfernung

vom Bodennullpunkt vorhanden. Sobald

nun die Stoßwelle auf das Haus auftrifft

(Teilbild 2), wird sie am Dach und an der

Seitenwand renektiert. so daß sich Stoßwellen

mit gekrümmten Fronten entgegen

der mit der Nac:hströmgeschwindigkeit bewegten

Luft von rechts nach links ausbreiten.

An jeder Kante setzen sich Wirbel

an, die auf Grund des Abbildungsverfahrcns

hier schwarz erscheinen. Die weiteren

Teilbilder zeigen das Fortsdlfeiten

der einzelnen. WellenIronten und das

Aufrollen und Ablösen der versc:hiedenen

Wirbel. Um zu zeigen, wie Stoßwellen

auch ins Innere eindringen können, wurden

an der Seitenwand des Modell-Häuschens

drei Bohrungen angebramt. die man

als Fenster bzw. Türöffnung ansprechen

kann. Ohne weiteres tritt die Stoßwelle

durch diese öffnungen hindurm (Teil~

bild 2). (Fottl etxung Seite 31)

...... ~ I ..J.~.::n::'~":.~=::!r::

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oderner

Schlagkräftiger

Von J. von Bommel, Den Haag

Neuordnung in Hollands

"Bescherming Bevolking"

Am Sthluß des in der Augustnummer dieser

Zeitsdlrift {ZB 8/59) ersmienenen Artikels

über die niederländische Zivilschutzorganisation

"Bescherming Bevolking"

hieß es, daß sidt in ihr künftig auf organisatorischem

. Gebiet wohl norn Änderungen

ergeben würden.

Inzwismen ist tatsächlich eine Änderung

eingetreten. Sie brachte die erforderliche

Anpassung an die heutige Situation, die

sich in vielerlei Hinsimt von der des

Jahres 1953, als mit dem Aufbau der BB

begonnen wurde. unterscheidet.

Diese Neuordnung gilt zunächst lediglich

für die Block- und Stadtteil-Organisation

der A-Gebiete, also besonders gefährdeten

Gebiete mit großer Bevölkerungsdichte,

Industriegebiete, Hafenstädte usw.

Es ist jedoch damit zu redlnen, daß für

die B-Gebiete (im allgemeinen ländliche

Gebiete) eine ähnlidle Neuornnung durchgeführt

wird.

Die Neuordnung betrifft, wie aus dem

nachfolgenden Vergleich zwisdlen der Organisation

"alten" und "neuen" Stils für

die A-Gebiete ersichtlich ist, sowohl die

Stärke des organisierten Selbstschutzes

wie auch den Aufbau und die Gliederung

dieser Unterabteilung des "Bescherming

Bevolking".

Die Blod


Int S'Irahlungs'feld der Spal'lproduk'le

Die Untersuchung atomar er Gefahrenherde

Von Ing.-Chem. Hein. Anders

Sc.hon im letzten Jahr hatte der Direktor

der britismen Atomforsmungsanstalt in

Harwell, Sir J ohn Cockroft, dem parlamentarisch-wissenschaftlichen

Aussmuß

einen Berimt eingereicht, der sich mit der

Strahlungsintensität bei Atomexplosioneo,

den genetischen Wirkungen der

Strahlung und der Strahlung bei der

Nutzbarmachung der Atomkraft befaßt.

Das größte Interesse wendet sich heute

der Frage zu, in welchem Ausmaß die

Radioaktivität der Luft durch die bekannten

Atomversuche zugenommen hat,

insbesondere, ob die Radioaktivität der

Luft das für den menschlichen Organismus

zuträgliche Maß nicht übersdueite.

Die bedeutendste Quelle für eine stärkere

Anreicherung der Luft mit radioaktiven

Partikeln ist die Wasserstoffbombe.

welche 100- bis 1000mal mehr radioaktive

Teildlen in die Atmosphäre bringt als

eine Atombombe. Der Vorgang bleibt

jedoch der gleiche. Es werden die gleichen

radioaktiven Spaltprodukte erzeugt. deren

Strahlungsfähigkeit in gleicher Weise

abklingt. So vermindert sich die Intensität

von y-Strahlen um das 50fache in

der Zeit zwischen einer Stunde und einem

Tag nach der Explosion. Nach Verlauf

von 10 Tagen vermindert sie sich nochmals

um das 20fache, und nach 100 Tagen

nodlmals um das 10fache.

Die Explosion einer Wasserstoffbombe

am Boden infiziert Millionen Tonnen Erde

mit radioaktiven Teilchen. Die kleinsten

dieser Teilchen werden rund um die Erde

getragen. zerstreuen sich und fallen im

Verlauf von Jahren langsam auf die Erde

zurück. Bei einer Wasserstoffbombenexplosion

in der Luft: liegen die Verhältnisse

insofern etwas anders. als praktisch

die ganze Radioaktivität in die Luft geht.

In England hat man z. B. die Sättigung

der Luft mit radioaktiven Teilchen mit

Hilfe von Flugzeugen zu messen versucht,

die bestimmte Filtrierapparate mit sich

rührten. sowie durch die Untersuchung

von Regenwasser. Daraus ergab sich. daß

sich die Intensität der von den Atomversudlen

entwickelnden radioaktiven Strahlung

in die Atmosphäre bzw. Stratosphäre

sehr viel stärker ausbreitet als

auf dem Boden. Die durmschnittlidle

radioaktive Konzentration in der Luft

direkt über dem Boden kann für die seit

Beginn der Versuche vergangenen 3 Jahre

mit 1% des natürlichen Mittelwertes an

radioaktivem Staub angegeben werden.

Aber auch die normale Sättigung der Luft

mit radioaktiven Partikeln ist nimt konstant;

sie kann vielmehr bis zum 15fachen

des Durchschnittes ansteigen.

Was die radioaktiven Strahlungswirkungen

der Atomexplosionen auf den mensdt­

Iimen Körper betrifft, so beträgt in England

der Niederschlag bei max. Wirkungsmöglidlkeit

etwa 0.01 r. In den USA beträgt

die Dosis etwa 0.1 r. Für bestimmte

Gebiete kann sidl dieser Wert unter Umständen

verdoppeln.

Backsteinhäuser und der Aufenthalt in

den unteren Geschossen der Häuser ver·

mindert die radioaktive Strahlungswir·

kung etwa um das 20fache. Die durchsdtnittliche,

in England vorhandene radioaktive

Dosis beträgt 0.003 rinnerhalb

eines Zeitraumes von 30 Jahren. Wie

klein diese Menge ist, geht daraus hervor,

daß die natürliche radioaktive Strahlung

des Bodens. die kosmische Strahlung

und die natürlidle Radioaktivität des

menschlidlen Körpers eine Menge von 3 r

in 30 Jahren ergibt und daß diese Konzentration

in gewissen Gebieten der Erde.

z. B. in Tibet, das der Beschießung mit

kosmismen Strahlen aus dem Weltall besonders

ausgesetzt ist. auf 5 r ansteigt.

Demnach beträgt die zusätzliche. durch

die Atomversurn.e erzeugte Verstärkung

der Radioaktivität etwa 1/1000 der in

unserer Umgebung in der Natur vorhandenen

Strahlung.

Die biologischen Wirkungen erhöhter

radioaktiver Strahlung zeigen sich. an

einer verstärkten Mutationsfreudigkeit

der Gene, die für die übertragung der

Erbmerkmale verantwortlich sind. Diese

auf Strahlungseffekte zurückgehenden

Mutationen sind ihrer Art nam identism

mit den natürlichen Mutationen. Die Wirkungen

sind ganz verschieden und reichen

vom pränatalen (vorgeburtlimen) Tod bis

zu leichten Gesundheitssmäden, kleinen

geistigen Störungen und Anfälligkeiten.

Bedeutende Wissenschaftler sind der Auffassung.

daß eine Verdopplung des natürlichen

Mutationsanteils im Verlauf von

Generationen eine verheerende Wirkung

auf die zivilisierte Bevölkerung haben

müßte. Die Meinungen der Genetiker

über den hörnstzulässigen radioaktiven

Spiegel gehen allerdings sehr auseinander.

Im Laboratorium von Oak Ridge

werden z. B. im Auftrage der US-Atomenergiekommission

Versuche mit Mäusen

gemacht, deren Ergebnisse selbstverständlidt

für den Menschen nom nimt

ohne weiteres schlüssig sind. Bei dem

oben angegebenen Effekt von 0,003 r innerhalb

von 30 Jahren bleibt die derzeitige

Wirkung immer noch mehrtausendfarn

unter dem vieIfadt noch als zuträglich

angegebenen Spiegel.

Am meisten wird heute vom Einfluß der

Atomexplosionen auf das Weiter gesprochen.

Beim Vulkanausbruch des Krakatau

im Jahre 1883 wurde eine Verminderung

der Sonnenstrahlung auf der Erde um

10% festgestellt als Folge der in die

Atmosphäre zerstreuten Staubteilchen.

Die Angaben über das mutmaßlidle Gewidlt

des in die Atmosphäre geschleuderten

Staubes sdlwanken zwisdlen 100

Millionen Tonnen und einer Zahl. die das

200fache davon beträgt. Diese Menge

halte keinen Einfluß auf das Wetter. Vermutlich

ist der Einfluß des durm die

Atomexplosionen in die Atmosphäre gelangten

zusätzlidten Staubes auf die Sonnenstrahlung

und das Wetter äußerst gering.

Auch andere auftretende Nebenwirkungen,

etwa die der radioaktiven Kohle,

sind unbedeutend. Der britisrne Atomphysiker

Sir John Cockroft teilt demnach

di e Befürchtung vieler. daß die Atomversuche

das Weller beeinflussen könnten,

n:rnl.

In jeder Hinsicht gefährlicher sind die

Wirkungen von Wasserstoffbombenexplosionen.

So betrug auf dem Rongelap

Atoll. 110 Meilen vom Explosionsherd

entfernt. die Strahlungsmenge in 36 Stunden

2000 r. Auf der Adtse der um den

Explosionsherd entstandenen Elipse betrug

die Strahlungsmenge innerhalb der

ersten 36 Stunden 500 r.

Bezüglich der Schutzmöglichkeiten gegen

radioaktive Strahlungen bei Atom- und

Wasserstoffbombenexplosionen hat man

in Harwell Messungen durmgeführt. die

ergaben, daß ein normales Backsteinhaus

die Wirkung um das 20fache vermindert.

Die alten Cyclon-Smutzkeller in den USA

mit ihrer Erdschutzdecke von ca. 1 m vermögen

die Strahlungswirkung auf 1/5000

zu reduzieren. Unter Umständen müssen

die Kellerinsassen allerdings 8 Tage im

Keller aushalten, bevor sie sim wieder

an die "frisme" Luft wagen dürfen. Immerhin

bedürfe es etwa einer Zahl von

ca. 1000 Wasserstoffbomben, um den Sättigungsgrad

der Luft auf 25 r ansteigen

zu lassen. Diese Luftsättigung würde anhalten,

wenn das Experiment alle 30 Jahre

wiederholt würde.

Was endlidl die Strahlungen bei der Gewinnung

von Atomenergie im großen

Maßstab betrifft, so treten sie vor allem

bei den Atomreaktoren auf und bei der

Verarbeitung der radioaktiven Abfälle.

Der Sicherheitsfaktor in der Nähe der

Reaktoren ist heute groß. Die durchschnittliche

Strahlungsdosis pro Jahr beträgt

bei einem Arbeiter z. B. in Harwell

0.25 r. Das ist ein Sechzigstel des international

noch zugestandenen Sidterheilsfaktors

und liegt in Harwell weit unter

der internationalen Unfallquote.

Die Gefahrenherde liegen in der Hauptsache

in den Anlagen, in denen die Abfallprodukte

chemisch verarbeitet werden.

Es handelt sich dabei hauptsächlidl

um radioaktive Gase wie Radiokrypton

und Xenon. Vorläufig läßt man diese

Gase noch in die Luft entweimen. Man

beabSichtigt aber, sie in Zukunft in Flaschen

abzufüllen und industriell zu verwerten.

Unter den festen Abfällen gibt

es von drei versdliedenen Gruppen nur

eine. die Schwierigkeiten bereitet. Die

erste Gruppe enthält Isotope, die nur

eine geringe Radioaktivität besitzen. Die

zweite Gruppe besteht zum großen Teil

aus Spaltmaterial. das rasch zerfällt und

nach ca. zehn Jahren völlig gefahrlos ist.

Die dritte Gruppe von Abfällen besteht

in der Hauptsache aus Strontium und Cäsium.

Beide Elemente bilden ein Isotop,

das seine Radioaktivität sehr langsam

verliert. d. h. erst nach mindestens hundert

Jahren. Diese beiden Isotope werden

in steigendem Maße in der Industrie und

in der Medizin verwendet, so daß anzunehmen

ist, daß alle vorhandenen Mengen

in den nädlsten Jahren untergebracht

werden können. Zur Zeit übersteigt der

Anfall von Strontium und Cäsium die

Nadtfrage. so daß es notwendig geworden

ist. nach Verfahren zu suchen, die

eine Lagerung der bei den Elemente ermöglichen.

11


Schau-Übungen zur !i

Als Absdlluß ei ner Rei he vo n Werbeveransta

ltungcn w urde Im Stadtzentrum von

DBrmsladt. kaum 100 m vom verkehrsreichen

Luisenplatz entfernt, auf einem

nodl aus dem Kriege vorhandenen Trümmcrgelände

eine schulmäßige Einsatzübung

eines Ausbildungstrupps und vieler

freiwilliger Helfer der Ortsstelle

durchgeführt.

Folgende Lage war angenommen: Ein

Ernstfall ist eingetreten. Das Haus r. 1

ist zusammengestürzt, jedoch ist der Bingang

zum SdlUtzraum nicht verschüttet.

lIaus Nr. 2 ist ebenfalls eingestürzt, und

alle Zugänge zum Schutzraum sind verschüttet.

- Kurz nam der Katastrophe

verläßt der IlausselbstsdlUtzwart des

Ein Hausbewohne r wird vcrmiBt. Angehörige

der RettungsstaRel haben in den Trümmern

Hilferufe gehört. Sorgsam suchen sie das

Gelände ab. Aber ihre Mühe ist vergebens.

Die Männer de r Rettungss taffel greifen mit geübter Hand zu und schaffen die Trümmer

beiseite. Bald haben sie den Verschütteten ohnmächtig, ober immerhin lebend geborgen.

Da kann nur die feine Nase eines Rettungshundes

he lfen. Als er nach kurzer Suche an

ei ner bestimmten Stelle zu scharren beginnt

und Laut gibt, ist der Vermi8te gefunden.

Hauses Nr. 1 den Schutzraum. prüft die

Lage und stellt keine radioaktive Strahlung

fest. An einigen Stellen lodern kleinere

Brände auf. Er begibt sich sofort zurück

in den Schulzraum, um die HausselbstsdlUtzkräfte

und die einsatdähigcn

Hausbewohner zu holen. Einige Hausbewohner

werden nom vermißt und liegen

wahrsdlcinlich unter den Trümmern.

Nach Einteilung durch den Hausselbstsdwtzwart

wird sorort mit der Rettungsaktion

begonnen. Die Trümmer werden

nach Vcrsmüttctcn abgesucht und aum

zwei Ilausbewohner verletzt geborgen.

Die Laienhelrer leisten Erste IIme. Inzwismen

versumen die Hausreuerwehrleute

die Brände, die größer geworden

sind, mit einer Einstellspritze zu lösmen.

Das Wasser wird mit Eimerkette aus

einem in der Nähe befindlimen Löschwasserbehölter

entnommen. Trotz eifrigen

Bemühens der Hausreuerwehrleute

werden die Brände immer größer. Der

Hausselbstsmutzwart sieht, daß die

Selbstsmutzkröfte allein nimt mehr ausreimen

und smickt seinen Melder zur

Blockgruppe zurück, da diese bereits an

einer a nderen Smadensstelle eingesetzt

ist. Sofort wird der Melder zum Führer

des Selbstsmutzgemeinsmaft;;zuges gesmickt

und von dort Hilfe erbeten. Es

dauert aum nicht lange, und der Melder

kommt mit dem gesamten Selbstschutzgemeinschaflszug

zur Schadensstelle zurück.

Nach kurzer LagcbespredlUng teiJt

der Führer des Se.-Gemeinschaftszuges

seine Leute ein.

Die KraftsprilzenstalTel bringt die TS 2

in Stellung und verlegt zwei Schia umleitungen.

Währenddessen suchen die

Rettungs- und LaienhelferstalTel das

Trümmerfeld nach Versmütleten ab, da

noch ein Ilausbewohner vermißt wird.

Die Suche Ist jedoch vergebens. Einige

Leute der RcttungsstalTel haben beim

Absudlen der Trümmer aus sdteinbar

verschütleten Räumen des Hauses Nr. 2

Hilferufe gehörl. Sofort läßt sidt der

Führer der Retlungsstafrei von dem

Hauswart des Hauses Nr. 1 die Lage der

Smutzräumc des J lauses Nr. 2 erklären.

Ein Freiräumen der Ausgänge des Schutzraumes

würde zu lange Zeit beansprumen,

daher soll versucht werden, durch

einen Mauerdurchbruch in den Scnutzraum

zu gelangen. Mit dem Durmbruch

wird sorort begonnen.

Der nom vermißte Bewohner des Hauses

Nr. 1 ist immer noch nicht gefunden. Es

muß angenommen werden, daß er unter

den Trümmern liegt. In einem Nachbarblock

wohnt ein Hundebesitzer, dessen

Hund als Retlungshund ausgebildet wurde.

Der Melder wird zu diesem Hunde-


Au"fklörung

besitzer geschickt. um ihn mit seinem

Hund an die Schadens stelle zu bitten.

SoCort wird der Hund auf dem Trümmergelände

eingesetzt. An einer bestimmten

Stelle fängt er an, zu scharren und Laut zu

geben. Gleich beginnen an dieser Stelle

Leute des Rettungstrupps mit dem Wegräumen

von Trümmern. Nadt einiger Zeit

wird der Vermißte hier aurn. tatsächlim

gefunden und kann geborgen werden. Er

lebt, ist jedoch ohnmächtig und wird von

der Laienhelferstaffel betreut.

Der Mauerdurchbruch ist nun auch gelungen,

und die ersten verletzten Bewohner

des Hauses Nr. 2 werden durch den

Durchbcmn mit Tragetüchern und Behelfstragen

geborgen und von der LaienhelCerSlaITel

übernommen.

Trotz des Einsatzes von 2 D-Rohren ist

es der Kraftspritzenstaffel nicht gelungen,

ein überspringen des Brandes auf die

Trümmer des Hauses Nr. 2 zu verhindern.

Darum wird nun noch ein C-Schlauch an

die TS 2 angeschlossen. Mit vereinten

Kräften gelingt es schließlich, das Feuer

••. i n PirD'lusens

Nach mehr als fünf Jahren intensivster

Kleinarbeit auf dem Gebiet der Unterweisung

der freiwilligen Helfer und der

Selbstschutzkräfte und einer aktiven

öffentlichkeitsarbeit im Winterhalbjahr

1959/60 befolgte die Ortsstelle Pirmasens/

Pfalz eine Anregung ihrer Landesstelle.

Sie führte eine großzügig angelegte

Werbe- und Aufklärungsaktion durch, die

trotz der erkannten Män gel und Unzulänglichkeiten

als ein guter Erfolg bezeichnet

werden muß.

Die Aufklärungs- und Werbetage in der

deutschen Schuhmetropole standen unter

dem Leitwort:

.. Es wird immer Schutz- und überlebensmöglichkeiten

geben!"

In einer Stadt, die im 2. Weltkrieg fünf

Luftangriffe innerhalb eines Jahres über

sich ergehen lassen mußte, dabei 800/0

ihres Wohnraumbestandes verloren hatte,

in der die Arbeitsstätten der Bevölkerung

(meist Mittel- und Kleinbetriebe der

Schuherzeugung) fast restlos vernichtet

wurden, weil über 1000 Tonnen Sprengund

Brandbomben fielen, und die, bedingt

durch ihre Grenzlage, im 1. Weltkrieg

bereits Luftkriegstote und Häuserschäden

hatte, ist Luftschutzarbeit außerordentlich

sdlwer.

In der Vorwerbung wurde deswegen besonderer

Wert darauf gelegt, den Menschen

immer wieder zu sagen, daß der

zivile Bevölkeruns;:sschutz mögliche Lufteinzudämmen

und ganz zu löschen. - Die

Verletzten wurden dem Luftschutzsanitätsdienst

übergeben und der Selbstschutzgemeinschaftszug

konnte, nachdem

die Geräte wieder verpad


DIE

DYNAMIK

DES

BRANDES

"Le lcht w ird ein kleine. Feuer ausgetreten,

das, .nt geduldet, FlUsse nicht mehr lösche n'.

Lehren für den Selbstschutz

Von Brandingenieur W. Frankl, Waldbröl

(Sha kespeare, Heinrich VI.)

Jede Katastrophe läßt drei Seiten erkennen:

die tragisthe Seite der oft zahllosen

Opfer. die heroische Seite des HeIfens -

vielfach unter Einsatz des Lebens der

Retter - die belehrende Seite.

on finden sich diese drei Seiten zusammen:

So löste vor 100 Jahren die ungeheure

Tragik der 40000 unversorgten

Opfer der Schlacht von Solfcrino eine

heroische Tat aus, den Ritt Henri Dunants

über das Schlachtfeld direkt zum Kaiser

der Franzosen und ansdtließend die

lIilfeleistung bei den Verletzten. Als

große Lehre folgte die Gründung d es Rotcn

Kreuzes.

Wenn in diesem Artikel nun das Brandgeschehen

behandelt werden soll, sei zunöchst

aus einigen wenigen Brandkatastrophen

neuerer Zeit - im Frieden. wie

im Krieg - die Bilanz gezogen:

28. 12. 1908 - Erdbeben auf Sizilien. Von

den 178000 Einwohnern von

Messina und Reggio kamen

103000 - fast alle - in den

Flammen des Sekundärbrandes

um,

I. 9. 1923 - das große Erdbebenfeuer

von Tokio und Yokohama

forderte 200000 Todesopfer,

von denen 180000 verbrannten,

27. 7. 1943 - dem Brandgescheh en in

Harnburg fielen 55000 Personen

- größtenteils verbrannt

- zum Opfer,

14. 2. 1945 - bei der Vernichtung Dresdens

fanden etwa ebensoviel

Menschen - genaue

amtliche Zahlen fehlen -

den Feuertod,

10.3.1945 - der Feuersturm in Tokio

kostete über 80000 Japanern

das Leben und am

6. 8. 1945 - kamen am ersten Tag

nach dem 1. Atombombenabwurf

in Hiroshima - zum

großen Teil im Feuersturm

- 45000 Menschen ums Leben.

Die Zahl der Todesopfer

erhöhte sich in den

nächsten 4 Wochen auf

64000, darunter bestimmt

auch viele Opfer der Strahleneinwirkung.

Darüber hinaus

wurden nam 4 Wochen

noch 72000 Brandverletzte,

Strahlenkranke und durch

mechanisdte Einwirkungen

Geschädigte gezählt.

Im Reichsgebiet waren etwa 75% der gesamten

Luftkriegsschäden Brandsdläden.

Allerdings darf die s tatisdl wirkende

Sprengbombe als Wegbereiterin für die

dynami sdle Kra ft brandstiftender AngrifTsmittel

nicht übersehen werden. Die

Sprengbombe hat durch die Zerstörung

der strukturellen Hindernisse, wie Brandmauern,

durdl Vertrümmerung der Straßen

und durdl Vernichtung der Löschwasserleitungen

ei nen erheblichen Anteil

an d em grausamen Erfolg der Brandbomben.

Und etwa 80% der Toten des Luftkrieges

- bei ähnlich gelagerten Katastrophen des

Friedens werden es noch mehr sein -

fi elen den Bränden und deren Folgeerscheinungen,

wie Rauch, Kohlenoxyd,

Sauerstoffmangel und Gebäudeeinstürzen

als Brandfolgen zum Opfer.

Sollte der eine oder andere Leser aus

eigener Anschauung andere Zahlen kennen

- die Tatsache aber, daß Hunderttausende

bei den Brandkatastrophen des

Krieges wie des Friedens den Tod in den

Flammen fanden, läßt sich nidtt erschüttern!

14


-,.---'-

(Bild oben) Dieses massive Gebäude, das

keine strukturellen Schäden erkennen täßt,

wurde durch den auf das Erdbeben vom

1. 9. 1923 folgenden großen Brand zerstört.

(Bild links, Seite 18) Dem Erdbebenfeuer vom

1.9.1923 in de, japanischen Stadt Yokohoma

fielen sogar brandresistente Massivbauten,

die dem ErdstoB standgehalten hoHen, der

dynamischen Wucht des Brandes zum Opfer.

Tokio am 1. 9. 1923: Trotzdem die Wasserleitungen

zerstört waren, versuchte die Feuerwehr

46 Stunden lang durch Wosserontnahme

aus Tümpeln und Teichen die Gewalt des

Brandes zu brechen. Vergeblich! 88 Feuerwehr-

und Polizei beamte kamen bei diesem

Einsatz um s Leben, übet 100 wurden verletzt.

15


Oie Grundkonzeption des Selbstsmutzes.

daß nur das Einfamste im Ernstfall gelingt,

darf nicht durmbromen werden. Die

zur Verfügung stehenden Kräfte, Geräte

und Lösmmittel dürfen nimt überfordert

werden.

Oie den Erfolg des Brandschutzes aus der

Sicht des Selbstschutzes gesehenen Faktoren

lassen sim etwa so gliedern:

1. Bewältigung des Zeitproblems.

2. Vorbeugender Brandsmutz,

3. Organisation des abwehrenden Brandschutzes

einschließlidt der überlagernden

Lösmhilfe,

4. Ausbildung,

5. Ausrüstung,

6. Löschmittel.

Wird auch nur einer dieser Faktoren ungenügend

oder überhaupt nimt berücksimtigt

und fällt nur ein Glied der Kette

aus, zerreißt sie. Der Erfolg der Brandbekämpfung

ist in Frage gestellt oder

bleibt aus.

Das Zeitproblem

Die BrandbekämpfUlJg stellt einen Weltlauf

mit der Zeit dar. Gelingt es beispielsweise

den drei Brandsmutzhelfern des

Hauses, unter Mitführung einiger Eimer

Lösmwasser einen Brand noch im Zustand

der Entstehung anzugreifen, ist mit

einem sicheren Löscherfolg zu remnen.

Hat sim der Entstehungsbrand zum Kleinbrand

ausgeweitet. Ist er nur noch mit

mehreren Einstellspritzen zu lösdwn;

kommt die überlagernde JUICe des Namborn

oder der Blockgruppe zu spät, ist

der Wettlauf mit der Zeit verloren! Trifft

die löschkräftige Kraftspritzenstaffel remtzeitig

ein, kann sie den Mittelbrand

smwarz machen und kann hierdurm vielleicht

eine Feuerwehrbereilschafi an dieser

Stelle zugunsten eines größeren Brandes

einsparen helfen.

Die Bewältigung des Zeitproblems klingt

besonders bei der Ausbildung an. Um Zeit

einzusparen, müssen die Brandsdtutzhelfer

des Hauses beim Vorgehen an die

BrandsteIle sofort einige Eimer mit Löschwasser

mitnehmen, muß bei Insteilungbringen

der TS 2/5 sofort der Motor gestartet

werden, muß beim Vorgehen

Rmon bei der geringston Rnuchbelöstigung

die Schutzmaske aufgesetzt werden. Nur

zur Beschleunigung des Löschangriffes

lassen wir die Halteleine am Saugkorb

weg und ersetzen die früheren vier (kurzen)

durdt zwei längere Saugschläuche

und nutzen die Zeit, die der Staffelführer

zur Erkundung der BrandsteIle benötigt,

zur Verlegung der Schlauchleitung bis

zum Verteiler aus. Bei der Betrachtung

des Zeitproblems erscheint es auch wimtig,

darauf zu achten, daß das Lösmwasser

innerhalb der kürzesten Zeit in ausreimender

Menge greifbar ist.

In löndlichen Gebieten ist infolge der

vordringlidten Rettung des Viehes und

der höheren Brandbelastung der Gebäude

mit Ersmwerungen zu rechnen.

Vorbeugender Brandsmutz

Die Tätigkeit des abwehrenden Brandschutzes

wird erleichtert, wenn sich aHe

Kräfte - von den Brandschutzhe1!ern des

Hauses bis zur Feuerwehrbereitschafi -

auf einen sinnvoll durchgeführten vorbeugenden

BrandsdlUtz abstützen können.

Hierunter fallen alle Maßnahmen,

die geeignet sind, das Entstehen eines

Brandes zu verhindern, seine Ausweitung

zu erscDweren oder zeitlich zu verzögern.

Der sorgfältig durmgeführte vorbeugende

Brandschutz trägt wesentlich dazu bei,

der dynamischen Wumt des Brandes Einhalt

zu gebieten. Die meisten Faktoren

der Brandverhütung liegen auf dem Bausektor:

Stadtplanung mit breiten Straßen

(Brandschneisen ersler Ordnung), geringer

Baudichte, geringer Brandempfindlicbkeil

durdl holzarme Baukonstruktion,

Schaffung von Brandabsmnitten und

Brandmauern sowie großzügige Löschwasserbevorrntung.

Die Boachtung dieser

Faktoren kann durchaus die zur Entstehung

von Flämenbränden und Feuerstürmen

erforderlichen Grundlagen beseitigen

oder einschränken.

Die Kräfte des Selbstschutzes haben kel·

nerlei Einfluß auf die Durmführung dieser

Maßnahmen. Sie können jedoch bei

der Herabsetzung der Brandbelastung des

Wohnhauses zur wertvollen Ergänzung

der Brandverhütung beitragen. Die Brandbelastung

eines Gebäudes setzt sich aus

der brennboren Baukonstruktion und der

Brandladung, also den Möbeln, Teppimen,

Einrimtungen und dem sonstigen

brennbaren Gut zusammen. Und hier

kann der pflidttbewußte, gut ausgebildete

Selbstsmutzwart den Hebel ansetzen.

Aucb im Zeitalter der Kernwaffen kann

da, wo nichts Brennbares vorhanden ist.

kein Feuer entstehen. Nur mit der .. Ent·

rümpelung" des Dambodens, wie im zweiten

Weltkrieg, ist es jedom nicht mehr getan.

Die weitreidtende Wirkung der

Wärmestrahlung moderner Angriffsmittel

zwingt zu wesentlich weitergehenden Vorkehrungen.

Beseitigen von Feuerbrücken

im Haus und um das Haus, wie Entfernen

der Vorhänge, Einrollen der Teppidte,

Beseitigen von Holzställen und

Mopedschuppen im Hof, Umstellen von

Polstermöbeln und Möbeln aus der Nähe

der Fenster, Umlagern brennbarer Einrichtungsgegenstände

jeder Art aus jeder

Licht- und damit WärmeeintrittsöO'nung

und selbstverständlim auch die Entrümpelung

des Dachbodens, das Präparieren

der Fensterscheiben und viele andere

Maßnahmen im Haus selbst können den

Brandsmutz wirkungsvoll ergänzen. Nimt

zuletzt sei di e Bereitstellung von Lösch ­

geräten und Lösmmitteln erwähnt.

Organisation des Brandsmulzcs

Gewollt oder ungewollt, beabSichtigt oder

unbeabsichtigt - jede militärische Brandstiftung

wird eine Vielzahl gleicbzeitig

auftretender Brände zur Folge haben. Soll

eine ganze Stadt gegen Brand geschützt

werden, muß man beim Einzelhaus, ja bei

der einzelnen Wohnung beginnen, denn

.,hat ein Brand eine gewisse Ausdehnung

erreicht, ist er mit keinen, wenn aum

noch so starken Kräften zu löschen". Daher

die unabdingbare Forderung: Jedes

Haus muß durch mindestens drei Brandsmutzhelfer,

die mit dem einfachsten

Kleinlöschgerät, der verbesserten Einstellspritze,

einen Enlstehungsbrand löschen

können, gesmützt werden. Sämtliche einsatzfähigen

Hausbewohner sind in deren

Gebraum zu unterwr.isen.

In der Nacht zum 8. Juli 1941 , um 1.45 Uhr, wurde die Ortschaft Wicker, die im Rhein-Main­

Gebiet liegt, während eines Nach'angriffs alliierter Bomber mit Stabbrandbomben eingedeckt.

16


Die Löschkraft einer Einstellspritze ist jedoch

überfordert, wenn sich der Entstehungsbrand

zum Kleinbrand ausweitet.

Hierzu sind mehrere Einstellspritzen nötig.

Als erste und wertvollste überlagerung

ist die Löschhilfe durch den oder die

Nachbarn - soweit sie nimt selbst betroffen

sind - zu betrachten. Da es sim um

eine Hilfe auf Gegenseitigkeit handelt,

bringen die Brandschutzhelfer der Nachbarschaft,

die auch am schnellsten zur

Stelle sind, die größte Einsatzbereitschaft

mit und entlasten die Blockgruppe zu anderen

Einsätzen. Sind die Nachbarn im

eigenen Haus in Anspruch genommen,

muß die überlagernde Löschhilfe durch

die vier BrandsdlUtzhelfer der Blockgruppe

beim Leiter des Selbstsmutzblokkes

angefordert werden. Sie sind mit zwei

Einstellspritzen, Einreißhaken, Axt, Fangleine,

Eimern und Lampen ausgerüstet.

Dehnt sich der Kleinbrand aus und wird

zum Mittelbrand, der nur DOm durch Einsatz

von zwei bis drei Strahlrohren zu bewältigen

ist, sind die Kleinlöschgeräte

überfordert.

Mit der Tatsache, daß sich Kleinbrände zu

Mittelbränden ausdehnen, muß jedoch geredmet

werden. Es ist daher vorgesehen,

bei der Selbstschutzgemeinschaft im Rahmen

des Selbstschut~gemeinschafts-Zuges

eine Kraftspritzenstaffel aufzustellen, die

das Rückgrat der Brandschutzkräfte des

Selbstschutzes bildet, mit der sehr leistungsfähigen

Tragkraftspritze "TS 2/5"

und sonstigem feuerwehrtechnismen Gerät

ausgestattet ist. Außer der Kraftspritzenstaffel

verfügt der Selbstschutzgemeinsdlaftszug

über eine Rettungsstaffel und

eine Laienhelferstaffel, er wird von einem

Zugführer geführt und untersteht dem

Leiter der Selbstschutzgemeinschaft.

Die Kraftspritzenstaffel in Stärke von 1/5

kann drei Strahlrohre sowohl mit dem

löschkräftigen Voll- als auch mit dem wirkungsvollen

Sprühstrahl einsetzen. Sie

ist, da sie ja im Sdladensgebiet anwesend

ist. von größtem Wert und stellt gleichzeitig

als letzte und lösch kräftigste Einheit

des Selbstschutzes die wirkungsvollste

überlagerung zwismen dem Selbstschutz

und dem LS-Brandsmutzdienst dar.

Löschtemnisch rimtig eingesetzt, muß die

Kraftspritzenstaffel die Zeit überbrücken,

bis die LS-Feuerwehrbereitschaften her­

-angeführt sind und wirksam werden. Unter

Umständen kann die Kraftspritzenstaffel,

da sie ja rechtzeitig eingesetzt

werden kann und keinen zeitraubenden

Anmarschweg hat, durch Verhinderung

einer Brandausweitung eine ganze LS­

Feuerwehrbereitschaft entlasten und zu

einem wichtigeren Großeinsatz an anderer

Stelle bereit erhalten.

Dem Brandschutz in den Betrieben des

erweiterten Selbstschutzes kommt ebenfalls

eine große Bedeutung zu. Die Grundtendenz

muß auch hier sein, durch sinnvolle

vorbeugende Maßnahmen und sofort

einsetzende Brandbekämpfung die

dynamische Kraft des Brandes aufzuhalten.

Bei der unterschiedlichen Größe und

Verschiedenheit der Betriebe des erweiterten

Selbstschutzes würde eine nähere

Behandlung der Frage des Brandschutzes

den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Die Aufzeimnung der einzelnen Glieder

des Brandschutzes im Selbstschutz ist

zwar damit beendet. Da aber der Brand

an den Abgrenzungen der dem Selbstschutz

und erweiterten Selbstschutz zur

Betreuung überantworteten Schutzobjekte

nicht haltmacht, seien auch die. ebenfalls

im Smadensgebiet anwesenden Brandschutzorganisationen

des Industrie-Luft-

Hier hat sich der Selbstschutz bewährt. Nach 55 Minuten, um 2.40 Uhr, war die Gewalt des

Brandes bereits gebrochen. Die bei den Aufnahmen wurden aus 4 km Entfernung aufgenommen.

schutzes und des Luftschutzes der besonderen

Verwaltungen genannt. Sie zählen

zusammen mit dem Selbstsmutz und dem

erweiterten Selbstschutz zur Selbsthilfe.

Gelingt es den Brandsmutzkräften der

Selbsthilfe nimt, die Ausweitung eines

Brandes zu verhindern, und droht er zu

einer Allgemeingefahr zu werden. greift

als nächste überlagerung der Feuerwehr­

Schnelltrupp ein. Diese aus 1/2 bestehende

niederste Einheit des LS~Brandschutzdienstes

ist mit einem geländegängigen

Fahrzeug an sidlerer Stelle in oder in unmittelbarer

Nähe des ihr zugewiesenen

Schutzgebietes stationiert. Sie wartet

keine Erkundung und keinen Einsatzbefehl

ab, sondern fährt nach Smadenseintritt

sofort auf "freie Jagd", um nach eigener

Anschauung in freier Brandwahl dort

unterstützend einzugreifen, wo die Brandschutzkräfte

der Selbsthilfe überfordert

sind. Gleichzeitig gibt der Feuerwehr­

Schnelltrupp durch das eingebaute Funkgerät

wichtige Lagemeldungen an die

Führung. Durch Stationierung nahe dem

Einsatzbereich, durch Mitführen von 800 I

Löschwasser und durm Einbau einer

Schnellangriffseinrichtung u. a. m. kann

der Feuerwehr-Schnelltrupp das Zeitproblem

in erfolgversprechender Weise

lösen.

Die nächste Hilfe bringen nun die Feuerwehr-Bereitsdlaften

des örtlichen Brandschutzdienstes.

Sie haben eine Stärke von

90 Mann und besitzen 22 Fahrzeuge, es

können 21 Rohre zum Einsatz gebracht

werden. Die Bereitschaften sind außerhalb

der Städte stationiert und müssen

erst herangeführt werden. Durch die

außerordentliche Geländegängigkeit der

Löschfahrzeuge können auch vertrümmerte

Anmarschwege überwunden werden.

Zur weiteren überlagerung der Hilfe wird

der überörtliche Brandschutzdienst

ebenfalls in Feuerwehr-Bereitschaften gegliedert

- aufgestellt. Dieser wird in die

Nahhilfe und die Fernhilfe unterteilt. Je

nach den örtlichen Verhältnissen ist die

Aufstellung von Wasserversorgungs-Bereitschaften

geplant.

Die Feuerwehr-Schnelltrupps und Feuerwehr-Bereitschaften

sind zunächst nur für

die Städte, die LS-Hilfsdienst erhalten.

vorgesehen. In kleineren Städten und auf

dem Lande müssen durm den örtlichen

Luftschutzleiter Einrichtungen ähnlicher

Art aus den dort bestehenden Organisationen,

wie Bundesluftschutzverband,

Freiwillige Feuerwehr, Deutsches Rotes

Kreuz. Arbeiter-Samariter-Bund, Technisches

Hilfswerk, aufgebaut werden.

Ausbildung der Selbstschutz·

Brandsmutzhclfer

Die Ausbildung ist bestimmend für den

Erfolg; von ihrem Stand hängt es ab, ob

die Kräfte in der Lage sind, die dynamische

Gewalt des Brandes zu brechen. Sie

is t in Grundausbildung und Verbandsausbildung

zu unterteilen und ohne überfor-

17


derung der Brandschulzhelfer stufenweise

zu erschweren. Die im Ernstfall zu erwar·

tenden Erschwerungen, wie Rauch, Dunkelheit,

Vertrümmerung, Arbeit unter

Maskenschutz, sind bis zur übung am

brennenden Objekt wirklichkeitsnah in

die Verbandsausbildung einzubauen. Die

Obungsbriinde dürfen nicht zu klein angelegt

werden, sonst würde ein Löscherfolg

nur vorgetäuscht, im Ernstfall wären

die Kräfte dann überfordert.

Oie richtige Löschtaktik, die gerade bei

den Kräften des Selbstschutzes eine wesentliche

Rolle spielt, muß bei der Ausbildung

berückshhtigt werden. Hierunter

ist die Fähigkeit zu verstehen, den Löschangriff

so zu lenken, daß mit geringstem

Kraftaufwand, einfachsten Geräten und

geringstem Löschmitteleinsatz innerhalb

der kürzesten Zeit der größte Erfolg erzielt

wird.

Löschgeräte des Selbsuuhulzes

Für das Haus kommt nach dem jetzigen

Stand die verbesserte und genormte Einstellspritze

in Betracht. Sie kann bequem

von dem Brandschutzhelfer Nr. 1 mit

einem Sdllauchhalter oder einer kurzen

Leine auf dem Rücken getragen werden,

um die Jlände frei zu behalten. Weitere

unentbehrlidle Ausrüstungsstücke für die

BrondsdlUtzhelfer des Hauses sind: ebenfalls

von Nr. 1 zu tragen: Einreißhaken

und Beleuchtung - möglidtst nom ein

Eimer; Nr. 2 ist ausgerüstet mit der mit

einer kurzen Leine auf dem Rücken zu

tragenden Axt und zwei Eimern in den

Iländen; Nr. 3 hat die Fangleine sowie

zwei Eimer. Sämtliche Eimer müssen mit

Löschwasser gefüllt mit zur Einsatzstelle

genommen werden.

Die vier Brandschutzhelfer der Blockgruppe

sind mit zwei Einstellspritzen und

zwei Einreißhaken, sechs Eimern, einer

Axt und einer Fangleine ausgerüstet.

Hnuptmerkmal der Geräteausrüstung der

stärksten Einheit des Selbstschutzes,

nömlich der Kraftspritzenstaffel im Rahmen

des Selbstschutzgemeinschafts-Zuges,

ist die neuerdings wescntlidt verbesserte

Tragkraftspritze "TS 2/5". Mit ihr können

drei Strahlrohre (zwei D·Rohre und ein

C-Rohr), die sowohl Voll- als auch Sprühstrahl

abgeben können, gleichzeitig gespeist

werden. Die Löschkraft reicht aus,

um ein Ereignis, das den Charakter eines

Mittelbrandes trägt, zu bekämpfen oder

auf seinen Herd zu besduänken. Hier

darf wohl unterstellt werden, daß dem sofort

zum Einsatz kommenden D-Rohr des

Selbstschutzes mindestens die gleiche Bedeutung

beizumessen ist wie dem erst

später verfügbaren C-Rohr des erst heranzuführenden

Drandschutzdienstcs. Das

zur Brandbekümpfung und zur Menschenrettung

für den ersten Einsatz erprobte

Sdllauchmaterial und Gerät wird auf

einem kleinen Löschkarren mitgeführt,

dessen Fahreigenschaften der zu erwartenden

Slraßenvertrümmerung angepaßt

und gegen früher wesentlidl verbessert

wurden. Bei Totalvertrümmerung kann

die gesamte Bestückung durch die zahlreim

mitgeführten Schlauchhalter rückentragbar

transportiert werden, ohne die

Einsatzfähigkeit erheblich zu beeintrümligen.

In den Betrieben des erweiterten Selbstschutzes

sind in großer Zahl und außerordentlicher

Vielfaltigkeit Handfeuerlöscher,

Wandhydranten, Sprinkler- und

Kohlensäurelöschantagen. Diese Einrichtungen

- meist behördlich vorgeschrieben

- sind durmweg auf die Belange des

Friedens abgestimmt und hier hervorragend

geeignet, die dynamische Wirkung

eines Brandes schon im Keim zu ersticken.

Selbstverständlich sind die vorhandenen

Löschgeräte auch für den Ernstfall einzuplanen.

Dabei muß jedoch die sehr kurze

Löschzeit der Hnndfeuerlöscher und der

Ausfall der Hydrantenleitung berücksimtigt

werden. So wöre die Ergänzung durm

Einstellspritzen und - für größere Betriebe

des erweiterten Selbstschutzes -

die Besmaffung eines Löschkarrens mit

TS 2/5 dringend zu empfehlen. Für gewisse

Sonderbetriebe des erweiterten

Selbstschutzes, nie jedoch zur allgemeinen

Einführung, kann die TS 2/5 mit einem

einfamen Zusatzgerät (Zumischer und

Smaumrohr) zur Abgabe von Luftschaum

verwendet werden.

Als kleinstes Motorlöschgerät sei - für

kleinere Betriebe des erweiterten Selbstschutzes,

Werkstötten, Heime und Anstalten,

Gutsbetriebe - auch für den friedensmäßigen

Brandsmutz hervorragend geeignet

- die neu entwickelte Tragkraftspritze"

TS 0,5" erwähnt. Sie wiegt nur

12 kg, hat eine Nennlieferung von 50 IImin

und kann zwei D-Rohre speisen. Im Notfall

kann sie von zwei bis drei Personen

bedient werden.

Lösmmittel im Selbstschutz

Wir müssen bei jeder Brandbekämpfung

im Löschmittel und niemals im Löschgerät

das Entscheidende sehen. Notfalls

kann man Wasser - wie unsere Altvorderen

noch - mit Eimern in die Flammen

gießen. Die von bestens ausgebildeten

Kräften bediente vorzüglichste Kraftspritze

ist völlig wertlos, wenn das wichtigste

Löschmittel, das Wasser, fehlt! So

mußte im April 1908 die Stadt San Franzisko

abbrennen, weil trotz unzähliger

einsatzbereiter, modernster Dampfspritzen

die Wasserleitung durch das Erdbeben

ausfiel und es eine unabhängige

Löschwasserbevorratung nimt gab. Und

wieviel tausendmal hat sich diese Erkenntnis

bei dem größten Brandgeschehen

aller Zeiten bestätigt? Ohne Wasser - in

ausreichender Menge und ohne Zeitverlust

erreichbar - ist kaum ein Brand zu

lösenen. Da wir uns aber nicht darauf verlassen

können, daß wir der Leitung im

Ernstfall aum nur die geringste Menge

Wasser entnehmen können, müssen wir

es in geeigneter Weise bevorraten.

Diese Bevorratung muß durch rechtzeitiges

Füllen aller irgend wie geeigneten Gefäße

und Behälter, wie Badewannen,

Wasmzuber, Waschkessel, Mülltonnen.

Eimer, erfolgen. Soweit beweglidl, sind

die Gefäße unter Erdgleiche, am besten

im Keller als dem sidlersten Smutzelement

des Hauses, aufzustellen. Darüber

hinaus ist anzustreben, zur Speisung der

Motoriösmgeräte, sowohl der TS 2/5 als

auch der Spritzen des Feuerwehr-Schnelltrupps,

je Haus eine zusätzliche Bevorratung

von 1-3 m l anzulegen. Am zweckmäßigsten

geschieht dies durch Aufmauern

einer Hauszisterne unter der

Kellertreppe, dem friedensmiißig am wenigsten

benutzten Raum im simeren Bauteil

des Kellers unter dem Treppenhaus.

Durch Aufstellen von zusammenlegbaren

Löschwasserbehältern aus Kunststoff,

durch leere Fässer, durch Einbau von

Ringbehältern im Garten und durch wasserdicht

gemachte Reparaturgruben in

Garagen lassen sich ebenfalls dernrtige

Behälter smaffen, die jedoch remtzeitig

einzuspeisen wären. Eine gleldlzeitig einsetzende

zusätzliche Wasserentnahme

würde In vielen Fällen die Kapazität des

Wasserwerkes wie des Netzes überfordern.

Das Füllen der Löschwasserbehälter

kann dann so gesteuert werden, daß nam

Aufruf des Luftschutzes zunämst die

brandgefährdetsten Stadtteile und in

einem gewissen Zeitabstand die übrigen

Gebiete die zusätzlichen Wasservorräte

dem Netz entnehmen.

Bei günstigen Grundwasserverhöltnissen

ist unbedingt darauf zurückzugreifen

(Brunnen, Flachspiegelbrunnen).

Als weiteres Löschmittel käme vielleicht

Sand in Betramt; mit ihm wurde im

zweiten Weltkrieg manche Stabbrandbombe

abgedeckt. Allerdings ist dem

Sand keine abkühlende Wirkung beizumessen,

und bei den neuartigen brandstiftenden

Mitteln und ihren Folgen erscheint

der Rückgriff auf das Wasser er·

folgreicher. Außerdem werden zur Beschickung

der Grobsandfilter unvorstellbare

Sandmengen viel dringender benötigt.

Luftschaum als Löschmittel scheidet trotz

der vielen Vorteile zur allgemeinen Verwendung

aus, da die Bevorratung und

vor allem die Nachspeisung des Schaumbildners

für den Selbstschutz unmöglidt

ist. In besonders gelagerten Einzelfällen

des erweiterten Selbstschutzes, wie

Großtankstellen, Farbenhandlungen, Farben-

und Ollager, die einen genügenden

Vorrat von Smaumbildner lagern können,

wäre der Luftsdlaumeinsatz zu empfehlen.

Dem im Schadensgebiet anwesenden, gul

organisierten Selbstschutz wird von allen

FachSleHen der größte Wert besonders

bezüglich der Brandbekämpfung beigemessen.

Er hat wichtige Glieder in der

Kette der Abwehrmaßnahmen gegen die

Dynamik der Brände zu schmieden, Die

dem Bundesluftschutzverband hierdurch

erwadlsende Aufgabe ist nicht leidtt, wir

dürfen aber aus Gründen der Menschlidlkeit

vor ihrer Schwere oidlt kapitulieren.


...

Wirklichkeil'snah ...

I

Gedanken zur Ausbildungsaufgabe

des BLSV von Walter Mackle

Unter der überschrift .. Wirklidtkeitsnahe

Ausbilduns" gab Walter Haag in der Nummer

211960 dieser Zeitschrift eine Reihe grund·

sätzlicher Hinweise und Ratschläge. die vom

Standpunkt der Selbstsmutzpraxis in vollem

Umfang bejaht werden müssen.

Zu den wichtigsten Erfahrungen des vergangenen

Krieges gehört die Erkenntnis, daß

eine wirklicb erfolgreidle Hilfeleistung und

Schadenbekämprung nach Luftangriffen nur

mit gulausgcbildeten Kräften möglich ist. Dies

gilt nicht nur für die EInsatzkräfte größerer

Einheiten, sondern ganz besonders für die

SclbstsdlUtzkräfte. Von ihrem entschlossenen

Einsatz innerhalb der ersten Stunde nach dem

Angriff hin~ damals weitgehend der Erfolg

der gesamten Schaden bekämpfung ab.

Diese Erfahrung dürfte auch für die Zukunh

In allen denjenigen Fällen Gültigkeit be·

halten, wo ein Einsatz überlebender Selbst·

schutzkräfte überhaupt möglich ist.

Gründliche praktische Ausbildung gibt den

Männern und Frauen Vertrauen in die eigene

Kraft und in die Leistungsfähigkeit ihrer Ge·

räte: sie verleiht ihnen innere Sicherheit und

Entschlußkraft.

ManAelnde Ausbildung dagegen erzeugt ein

Gefühl der Unsicherheit und Ohnmacht und

führt letzten Endes - unter dem unerhörten

seelischen Druck des Ernstfalleriebens - zu

Verwirrung und Panik.

Besonders nachteilig wirkte sich im zweiten

Weltkrieg die teilweise unzulängliche Ausbildung

der Führungskrähe im richtigen Erkennen

der Lage und in der Beurteilung der bei der

Hilfeleistung drohenden Gefahren gerade im

Selbstschutz aus. Durch überschätzung der

Gefahr scheute man sich z. B. vielfam, in

brennende Gebäude einzudringen, obwohl

dies noch gut mögl1m gewesen wäre, und

versäumte so eine rechtzeitige Smaden·

bekämpfung, wenn diese nicht überhaupt

unterlassen wurde. Andererseits führte die

Unterschätzung der Gefahr in manchen Fällen

tU zusätzlichen Verlusten.

Die Voraussetzung für einen wirkungsvollen

Einsatz im Katastrophenfall ist demnach -

neben der notwendigen Ausrüstung - die

gründliche Ausbildung der hierfür vorgesehenen

Kräfte. insbesondere der Führungskräfte

bis hinunter zum SelbstsdlUtzwart.

übertragen wir diese Erkenntnis auf die

Tätigkeit des Bundesluftschutzverbandes als

Betreuungsorganisation des künftigen Selbst·

schutzes, 80 ergibt sich die Folgerung, daß

eine seiner wichtigsten Aufgaben eben diese

Ausbildung Im Hinblick auf den möglichen

Ernstfall in allen seinen Konsequenzen ist.

Hierbei ist das angestrebte Endziel:

1. die planmäßige praktische Ausbildung aller

Kräfte des Selbstschutzes (einschließlich

des erweiterten Selbstschutzes) für ihren

Einsatz und

2. die Unterweisung der gesamten übrigen

Bevölkerung im richtigen Verhalten vor,

bei und nach Felndangriflen.

Dabei ist zu bedenken, daß die so erworbe·

nen Kenntnisse sich auch im Frieden bei Unfällen

und Katastrophen aller Art segensreich

auswirken werden.

Voraussetzung für die Bewältigung dieser

Aufgabe ist jedoch, daß zunächst die leitenden

Helfer und Ausbildungskräfte des Bundesluftschutzverbandes

so gründlich ausgebildet

werden, daß sie den an sie zu stellenden

Anforderungen in ledern Falle gerecht werden

können.

Man täusche sich nicht darüber, daß durch

eine Reihe von Faktoren diese den Helfern

des BLSV gestellte Aufgabe gegenüber der

Ausbildungsaufgabe des früheren RLB wesentlich

schwieriger geworden ist. Die Weiterentwicklung

der Kriegstechnik in den letzten

15 Jahren führte zu einer immensen Steigerung

der Waffenwirkung. Die Obertragung

zusätzlicher Aufgaben an den Selbstschutz

(Aufstellung von Selbstschutzeinheiten zur

Bekämpfung größerer Brände und zur Rettung

Verschütteter, Mitwirkung beim Erkennen

von Vergiftung durch radioaktive oder

chemische Stoffe u. a.) bedingen eine Erwei·

lerung des gesamten Ausbildungsvorhabens.

Nimt zuletzt aber ist nach wie vor zu be·

rücksichtigen, daß ein großer Teil der deutschen

Bevölkerung als "Erfahrungsträger"

anzusprechen ist. Diese Tatsache verlangt von

den;t Luftschutzlehrer einerseits ein sehr gesducktes

psychologisches Einfühlungsvermögen

und andererseits eine durch keinen Einwand

zu erschütternde Sachkenntnis in

Theorie und Praxis.

Unter den vorgenannten Voraussetzungen

ergibt sich folgendes Nahziel:

1. Umfassende Grundausbildung aller HeIrer

des BLSV und aller "selbstschutzbereiten"

Mitbürger.

2. Ergänzende Ausbildung der BLSV-Helfer

im Hinblick auf die verschiedenen Sachgebiete.

wobei naturgemäß das Schwer·

gewicht auf die intensive Ausbildung der

Ausbildungsleiter, Luftschutzlehrer und

Ausbildungshelfer zu legen ist.

3. Ausbildung dieser und anderer geeigneter

Personen als Selbstschutz-FührungskräCte.

Anfang 1952 begann zunächst auf Bundesebene

die Unterweisung der leitenden Helfer

in Arbeitstagungen, mit dem Ziel, ihnen

einen umfassenden überblick über die organi·

satorischen, fachlichen und psychologischen

Probleme zu vermitteln.

Vom gleichen Zeitpunkt an begann die Aus·

bildung der Ausbildungsleiter und Sachbearbeiter

"Erweiterter Selbstschutz" der Landes·

stellen in einer Reihe von Sonderlehrgängen

mit einer Zwischenprüfung und Abschlußprü·

fung.

Etwa ein Jahr später begann die Verlagerung

der Grundausbildung der leitenden Helfer auf

Landesebene in Arbeitstagungen und Lehrgängen.

Die AusbildungsleIter und ein Teil der Luftschutzlehrer

der wichtigsten Ortsstellen wur·

den nach einheitlichen Lehrplänen für ihre

Aufgabe herangebildet.

Damit war gegen Ende 1954 die Grundlage

für den Beginn der Helferausbildung auf Orts·

ebene (zunächst in den Orten der damaligen

Stufe I) geschaffen. Unter Leitung der Auf

Landes· und Bundesebene vorgebildeten Mit·

arbeiter wurden Arbeitsgemeinschaften gebi!·

det. in denen die Helfer der Orts stellen als

Vorbereitung auf dIe eigentlime Ausbildung

über die Grundfragen der Selbstschutzarbeit

unterwiesen wurden.

Um den theoretischen Unterricht möglichst lebendig

und anschaulich gestalten zu können,

erhielten die Landesstellen eine Reihe von

Lehrmitteln und Lehrgeräten. Von der Bun·

deshauptstelle entwld


VERKEHR UND LUFTSCHUTZ

Drucksache 298

Das Projekt des Dorlmunder Ingenieurs

aHo Zweig sieht vor, im Rhein-Ruhr-Gebiet

ein ausgedehntes Tiefstollen-U-Bahnnetz

zu erstellen. Die TiefslaUen sollen

von vornherein so ausgebaut werden. daß

sie im Ernstfall aum als LuftsdlUtzräume

Verwendung finden können.

Ocr Plan ist nicht mehr ganz neu - er

wurde bereits 1954 von OUo Zweig. der

u. B. Ratsherr und Versil:tender des Verkehrsaussmusses

der Stadt Dortmund ist.

im kleinen Kreis erörtert. Am 14.2.1956

brachte die .. Neue Ruhr-Zeitung" unter

der überschrift "U-Bahntunnel sollen BevöLkerung

schülzen" die erste Pressenotiz.

Seitdem ist das Thema von der Tagespresse

des In- und Auslandes immer wieder

aufgegriffen worden.

Ende 1958 hat der Mülheimer Industrielle

und Inhaber eines der größten Lebensmittelfilialbetriebe

Westdeutschlands -

Karl Schmitz-Scholl - unabhängig und

ohne Kenntnis der älteren Zweig'schen

Vorsmläge ein ganz ähnlühes Projekt entwickelt,

welmes er erstmalig nm 5. Januar

1959 in einem Vortrag vor dem Rotary­

Club in MüUleim/Ruhr publizierte.

Privatmann stiftet 500 000 DM

Karl Sdunitz-Smoll regte an, eine .. Stud1engesellschaft"

auf privater Basis zu

gründen, und erklärte sich bereit, für diesen

Zweck bis zu 500000 D-Mark zu stiften.

Er mamte allerdings zur Auflage, daß

sich die übrige Industrie in einem solchen

Umfange beteiligen müsse, daß der von

ihm gestiftete Betrag 1 Prozent des der

"StudiengesellschaIt" zur Verfügung stehenden

Gesamtkapitals nicht überschreiten

würde. Mit anderen Worten; es mü ß­

ten mindestens 50 Millionen D-Mark Gesamtkapital

gezeichnet werden, bevor die

llndtlll Nordrhein·Westialen - 4. Wahlperiode - Bind 1

Antrag

der Abgeordneten Kienblum (FDP). Fellmann (CDU)

Michel (5PD). Dr. Kohlha,e (FDP)

und Inderer Abgeordneter

Betr. : Projekt dei Dortmunder Inllenieurs Dito Zweig

• Verk


Der Landtag Nordrhein-Westfalens

prüft das Projekt "U-Bahn Ruhrgebiet"

Von Kurt Hünninghaus

für den Verkehr arbeitet und vom Verkehr

lebt.

Für die menscblidle GesellsmaIt hat der

Verkehr etwa die gleiche Bedeutung wie

das Blut für den mensc:h.lichen Körper.

Der "Pfahlbürger" von früher kam mit

der Postkutsche aus, er baute seinen Kohl,

und was er sonst zum Leben brauchte.

selber und lebte mehr oder weniger

dumpf dahin.

Parallel mit der Entwiddung des Verkehrs

stieg auch die geistige Potenz der

Völker. Heute ist der Entwid


Arbeitsplatz gelangen. Heute braumt er

dazu u. U. drei Stunden.

Die Rentabilität

Die Steuerung und Simerung der Zügr

kann weitgehend elektronisch erfolgen.

Das bedeutet eine Einsparung an Personalkosten.

Bis jetzt ist eine V-Bahn nur

dort rentabel, wo mindestens 700000

Menschen zusammen wohnen. Die Renta·

bilitätsgrenze läßt sich durch Automat!·

sierung so weit drücken, daß die moderne

U-Bahn für das Ruhrgebiet als Ganzes

akzeptabel wird.

Um die Rentabilität weiter zu steigern,

will man nicht nur Personen befördern.

Die U-Bahn Ruhrgebiet soll so attraktiv

gemacht werden, da ß der Autofahrer, der

z. B. von Düsseldorf nam Dortmund will,

gern darauf verzichtet, über den mit Sicherheit

amD in Zukunft verstopften Ruhrsdmellweg

zu smleichen. Er föhrt in Düsseldorf

in den Tunnelbahnhof. wird von

20 bis SO Meter tief unter die Erde soll die

U-Bahn gebaut werden. Sie könnte so alle

Gebäude, Venorgungsleitungen, Flüsse, Kanäle

usw. unterfahren. Ent auf freiem Felde

würde sie wieder ans Tageslicht steigon.

einem Schnellbahnwagen "Huckepack" genommen,

bezahlt eine Gebühr, die etwa

den Benzinkosten entspricht und ist in

30 Minuten in Dortmund. Er spart Zf'it.

föhrt billiger und - kann unterwegs schlafen.

Ungelöst ist noch das Problem, wie Menschen

und Güter schnell und simer von

der Straße zu den - bis 50 Meter tief liegenden

- Bahnhöfen gelangen können.

Man wird hier ganz neue Wege finden

müssen; normale Aufzüge. Paternoster

oder Rolltreppen genügen nicht.

Der Fassungsraum der modernen U-Bahnwagen

soll erheblim größer sein als der·

jenige der normalen Eisenbahnwaggons.

Dadurch wird es möglich. große Trnnsport

behälter, die etwa das Dreifame eines

heutigen normalen Güterwagens fa ssen.

direkt - gewissermaßen von Haus zu

Ilaus - zu befördern. Die Anschlußbahnhöfe

der großen Kaufhäuser, llüttenwerkl'

und Fabriken Iiegrn im Keller. Auf diesr


Weise können die Transportkosten er·

heblim gesenkt werden. Die Konkurrenz·

fähigkeit der deutschen Industrie würde

steigen.

Keine Utopie

Daß diese Gedanken keine Utopie sind.

beweist die seit Jahrzehnten existierende

große unterirdisme Güterbahn in Chicago.

Dort ist es ganz ähnlim. die Bahn arbeitet

mit Profit.

Es steht zu erwarten. daß die Eisenbahn

Einwände gegen das Projekt erhebt. Be·

kannt ist, daß schon einmal - 1929 - das

Projekt einer "Schnellbahn Ruhrgebiet"

am Widerstand der Eisenbahn gesmei·

tert isf. Die günstigste Lösung wäre viel·

leimt. die Eisenbahn zum Träger der

neuen Verkehrsverbindung zu mamen.

Dis jetzt ist also die Resonanz der maß·

gebenden Stellen - sowohl der Legisla·

tive als aurn. der Exekutive - überraschend

positiv. Im Landtag Nordrhein­

Westfalens haben alle drei Parteien gemeinsam

für die Förderung des Projektes

gestimmt.

Am 17. Mai 1960 haben sich die verantwortlimen

Stellen der Exekutive - die

Vertreter der betroffenen Ministerien -

für eine Förderung und Beteiligung an der

von Smmitz·Scholl angeregten .. Studiengesellsmaft

zur Förderung des Projektes

U·Bahn Ruhrgebiet" ausgesproeben.

Die Verwirklimung des Projektes wird

jedom. entscheidend davon abhängen. ob

im größeren Umfange Luftschutzgelder

zur Finanzierung freigemadtt werden können.

d. h. davon. ob dic U·Bahn aurn luftsmutzmäßig

zweck voll ist.

U-BAHNNETZ ____ _

ALS GROSS-SCHUTZRAUM?

Von Erwin Oehme

Da8 Schutzpotential

Ein Projekt wie das vorstehend diskutierte.

das darauf hinzielt. auf eine Länge von

mehr als 100 km sich unter die Erde zu

bohren. muß geradezu zwangsläufig auf

die überlegung hinführen. in welmem

Umfang die hier geplante Tunnelstrecke

in einem etwaigen Kriegsfall auch dem

Schutz der Bevölkerung dienen könnte. Es

wäre nicht zu verantworten. wollte man

die in einem salmen Groß-Bauvorhaben

enthaltenen Schutzpotentiale niebt bereits

im Planungsstadium sorgfältig untersumen

und, soweit die Antwort positiv

ausfiele. mit aller Energie nutzen. Die Unterlassungen

des deutsmen Nachkriegswohnungsbaues.

der allen Mahnungen

der Luftschutztechniker zum Trotz die po·

tentiellen Sdtutzmöglidtkeiten seiner

Neubaukeller Haus um Haus seit Jahren

ungenutzt verspielt. sollten nicht zur

Nadtahmung verlocken. Versumen wir

einen ersten überblick:

Fernziele und Nahziele

Es handelt sich um ein Projekt auf weite.

ja auf sehr weite Sidtt. Selbst unter günstigsten

Bedingungen verginge voraus·

sidttlidt ein Jahrzehnt. wenn niebt eine

Dom längere Zeitspanne bis zur Verwirk·

limung erster nennenswerter Teilab·

sdlOitte. Der Faktor .. Zeit" aber. smon

dem Verkehrsplaner ein Gegenstand ständiger

Sorge. lastet neben dem Faktor

Geld in Dom weit stärkerem Maß als

Alpdruck über aller baulimen Luftschutz·

planung. Je großartiger im tedtnismen

Sinne ein Schutzprojekt sim darbietet. je

attraktiver es die Phantasie beschäftigt.

um so beunruhigender meldet sich die

Frage: Wann kann es fertig sein? Dahinter

aber wetterleudtten die Sorgen. die

kein Orakel zu beantworten vennag: Bis

wann müßte es fertig sein? Wann ist Ter·

min? Was aber den Termin eines Krieges

betrifft. so ist bekanntlich zwischen den

Zeitangaben "morgen" und "niemals"

alles möglich.

Die große Unbekannte "Zeit" hindert also

neben den Kosten den baulidten Luftsm.utz

daran. sim mit Haut und Haaren

irgendwelmen teebnism optimalen Zukunftslösungen

zu versdtreiben. Ihm

brennt von Jahr zu Jahr stärker das Hier

und Heute auf den Nägeln. Es zwingt ihn

zu Vorab· und überbrückungsmaßnahmen.

die illusionslos das baulidte .. Ist" unserer

Städte und ihre ersmreckende Smutr;·

losigkeit Haus um Haus. Straßenzug um

Straßenzug zum Ausgangspunkt nehmen.

Das ist zwar weniger attraktiv und weniger

populär. aber es ist unumgänglidt.

Sonderfall Ruhrgebiet

Es ist denkbar. daß ein Ballungsraum wie

das Ruhrgebiet hier eine gewisse Aus·

nahmesteIlung beansprurnen könnte. So

könnte man ihm eine soldte Massierung

von Zerstörungskräften prophezeien. daß

dagegen alle Vorkehrungen eines über·

brückungssdtutzes als trügerisdt abzuleh·

nen wären. Allerdings wäre damit nom

keine Antwort gegeben auf die nidtt

wegzudiskutierende Frage. wie denn die

smutzlose Phase bis zur Fertigstellung

eines optimalen Smutzes bewältigt werden

soll. Und weiter: Ist ein Großangriff

mit atomaren Waffen maximalen Kalibers

wirklidt die einzig mögliche Form

für Kampfhandlungen in diesem Raum?

Ist nimt audt dort ein Hin· und Herfluten

konventionell kämpfender Truppen eine

Möglimkeit unter vielen anderen? Könnten

aber in einem salmen Falle. ähnlich

wie in vielen anderen. die Verluste der

Zivilbevölkerung nimt bereits durm Maß·

nahmen verringert werden. die weit un·

ter dem technischen Optimum einer gigantischen

Untertunnelung liegen?

Man möge di ese überlegungen nimt

mißverstehen. Nichts liegt hier ferner. als

die Sdtutzbedürftigkeit des Ruhrgebietes

bagatellisieren zu wollen. Aber man

wird sich hüten müssen. den fundamenta·

Ien Untersmied zwischen Nahzielen. Fernzielen

und Utopien zu verwismen. Darauf

hinzuweisen, scheint angesidtts der

immer nom weit verbreiteten Tendenz

"Alles ~der gar nim.ts" dringend nötig.

wenn DIcht von vornherein die Akzente

falsch gesetzt werden sollen.

Rationeller Luftscbutzbau?

Für die Lösung des Verkehrsproblems ist

es gleichgültig. wie tief in die Erde hinein

d~~ geplante Trasse .sim wühlt. Dafür genugt

es. wenn sie em .. Stockwerk" tiefer

(oder höher) liegt als die Verkehrsfläche

der normalen Straße. Es genügt die Ent·

lastung der normalen Verkehrsebene

durm eine zusätzlime weitere. Jeder

Smritt darüber hinaus in Tiefen. die nimt

durdt das Unterfahren von Gebäudefundamenten

und Versorgungsleitungen erzwungen

sind - das PrOjekt Zweig redtnet

mit 20 bis 30 Metern -. geht auf das

Konto Luftsdtutz. Wobei unter Konto

zweifellos auch die Höhe der entsprechenden

finanziellen Beteiligung verstanden

werden dürfte. Rechnet man dazu die spe·

zifism für den Luftschutz erforderlimen

zusätzlimen Einrichtungen. wie Zugänge,

Smott·Tore. Pumpanlagen. Notstrumaggregate

(um nur einiges zu nennen). so

zwingt das nicht nur den Verkehr. son·

dern auch den Luftsmutz zu Rentabilitätsberechnungen.

Ähnlich gelagert ist die Frage nam dem

Durdtmesser und den Kosten der geplanten

Verkehrsröhre. Sehr zu Remt weist

bereits Schmitz·Smoll in seinen "Ergän·

zenden Gedanken" darauf hin. daß narn

der einfachen Röhren·Quersdtnittsformel

sich zwar die Ummantelungsarbeilen nur

verdoppeln, \Vcnn man den licht en Durch·

23


messer verdoppelt, daß dabei aber die

Aufwendungen für die Kernausbohrungen

sich vervierfachen. "Mit anderen Worten,

zwei Röhren von je 5 1 /t m si nd unter allen

Umständen erhebli m billiger zu bauen als

eine Röhre von 11 m." Ist aber die Wahl

salm kleiner Durchmesser für den Ver·

kehr das rationellere Verfahren, so sieht

sich der Luftschutz vor die Frage gestellt,

ob ihm denn in solchen besmeiden di·

mensionierten Röhren überhaupt noch ge-

• hau •• "

nügend Raum (Kopfhöhe) für seine

Zwecke bleibt. Die skeptische überlegung

drängt sich auf: Wenn der Durchmesser

nur aus Gründen des LuftsdlUtzes größer

gewühlt werden müßte, als ihn der Verkehr

von sich aus erfordert, wäre es dann

abermals der Luftschutz, dem die Mehrkosten

angelastet würden?

Oder aber will man dem Luftschutz statt

der Zwickel die Verkehrsröhre selbst zu·

teilen, den Verkehr im Ernstfall also stilllegen?

Dann stünde man vor dem Problem.

den Verkehrsweg mindestens alle 30 Me·

ter, wenn nicht noch hiiufiger, durch technisch

anspruchsvolle und kostspielige

Schotten zu unterteilen und darüber hinaus

jeden der so entstehenden Räume

mit eigenen Zugängen, eigener Belüftung .

eigener Notstromversorgung und vielem

anderem mehr auszustatlC'n.

Der Einzugsbereim

Die schulzbedürftige Zivilbevölkerung

besiedelt das Ruhrgebiet weithin in sei·

ner ganzen Fläche. Der Verkehrsweg

durchschneidet diese Flüche nur als Linie.

Frage: Wie steht es um den Schutz abseits

von dieser Linie? Unterstellt man

- optimistisch - einen Ablauf von Flieger·

alarmen etwa in der früher erlebten Art.

so mag der Einzugsbereich der Trasse bis

etwa einen halben Kilometer nach jeder

Seite reichen. Wer mehr als fünf Minuten

[ür den Anmarsch braucht, läuft wahrscheinlich

in den Angriff mitten hinein.

Unterstellt man kürzere Alarmzeiten, so

wird das Bild noch schlechter.

Anders wäre die Lage. wenn ein Luftkrieg

die Bevölkerung für Tage oder Wochen

in die Stollen zwänge. Vielleicht könnten

Für die Streckenführung li egen unterschiedliche

Pläne vor. In jedem Falle sind es

Schleifen, die das Ruhrgebiet umfahren

und durchschneiden. Der luftschutz wird

untersuchen müssen, erstens wie er si.

als Schutz.Raum, zweitens wie er sie als

geschützten Räumungs-Weg auswerten kann.

dann in den allerersten Stunden, wenn

auch bei erheblichem Risiko, einmalige

Anmarschwege und Anmarschzeiten verantwortet

werden, die sich - wiederum

sehr optimistisch - bis auf einen Streifen

von etwa 5 km nach jeder Seite erstrekken.

Darüber hinaus wird man (Fußmärsehe

mit Gepäck!) kaum gehen können.

ohne die Gefahr zu laufen, daß ein An·

griff in eine solche Völkerwanderung hineinschlüge.

Es sei denn, man entschlösse

sich zum Bau eines weitverzweigten Netzes

unterirdischer Zubringer.

Ist man aber bei diesem Punkt der Untersuchung

angelangt. so bedarf es nur noch

eines Schrittes bis zu jener fundamenta·

len Forderung des Luftschutzes, die da

lautet: Auflockerung. Viel lieber als eine

gigantische Super·Kaverne sähe er nach

wie vor vi ele kleine und mittlere Sdmtz·

räume entstehen, die schnell erreidlbar

sind, die bf'i Treffern die Verluste in Gren·

zen halten und die nidlt zuletzt Zusam·

menballungen von Menschenmassen unterbinden

und damit die Gefahr von Paniken

verringern.

Smutzraum oder Räumungsweg?

Grundsätzlich bieten sich der Ruhrbevölkerung

wie letztlich überall im Luftschutz

zwei Methoden zur Rettung an: Deckung

oder Abstand. Anders gesagt: Schutzbau·

ten oder Räumung. Eines schließt das

andere nicht aus. Die größte überlebens·

chance errechnet sich, wo man beides

wahlweise zur Verfügung hat.

Betrachtet man den Verlauf der vorgeschlagenen

Trasse, so erkennt man eine

weitgesmwungene Schleife.

Denkt man sidt im Verglcidt dazu ein

Schema, das die Strömungsrichtung einer

Räumung wiedergibt, so erhielte man

etwa einen Stern, ausstrahlend nach allpn

Richtungen, mit dem Zentrum etwa im

Raume Essen. Es wäre zu untersuchen,

wie weit die vom Verkehr geforderte

Schleife wenigstens in Teilstrecken Fun k.

lianen ausüben könnte, zu denen es

eigentlich des Sternes bedürfte.

Das smeint in nicht unerheblidtem Grade

tatsächlidl möglich. insbesondere dann,

wenn auch die Querverbindungen nutz-


" Ein neu es Stockwerk für .den Schnellverkeh

.... ·, das ist der leitgedanke des Projekts.

Dafür genügt schon eine Unterpflasterbahn.

Geht ma n tiefer (30 Meter sind geplant).

trägt das Mehr an Kosten dann der

luftschutz oder übemimmt es der Verkehr?

Zwei Fahrbohnen sind erforderlich. Baut

mon sie als zwei getrennte Röhren. kostet

das zwar weniger ols eine groBe, bietet

aber in den "Zwi ckeln" kaum noch Platz

für luftschutzräume. Bout man aber eine

groBe Röhre, wer bezahlt di e Differenz?

LSA

bar gemamt werden könnten. Dann

vermöchte sie zumindest zwei Aufnahmegebiete

zu erschließen: das linksrheinisme

Flamland im An!lchluß an die Kurve beiderseits

von Krefeld und als zweites das

rechtsrheinisme Bergisme Land ostwärts

der Wupperstrecke. Bedarf es dazu aber

einer Dreißig-Meter-Tiefe der Trassen?

Und die Städteplanung?

Bei aller Iuftsmutzmäßigen Aurn-Nutzbarkeit

ist und bleibt nam allem Gesagten

das vorliegende Projekt in erster Linie

dom wohl eine Angelegenheit des Verkehrs.

Als Verkehrsmaßnahme trägt es

Bum den Akzent der Auflockerung, mindestens

aber den der Entkrampfung in die

Riesenstadt Ruhrgebiet. Aum bei Nutzung

als Smutzweg im Falle einer Räumung

bliebe dieser Charakter erhalten.

Als gigantismer Smutzraum dagegen

trüge es einen Akzent genau der gegenteiligen

Art, nämlidI den der Ballung.

Daran änderte sidI aum nichts, wenn

man, was selbstverständlich wäre, das

Ganze perlsmnurartig in Einzelanlagen

unterteilte.

Damit ist an den Konflikt zwischen Zentralisation

und Dezentralisation gerührt.

Der Luftschutzplaner von heute ist alles

andere als ein Freund von Großzielen.

Auflockerung, Verringerung der Trefferwahrsmeinlimkeit

ebenso wie der Trefferfolgen,

diese Parole steht über allen

schutzbautemnischen Richtlinien, ganz

gleich ob es siro um Landesplanung handelt

oder um Städteplanung oder um die

Planung von einzdnen Schutzbauten.

Damit liegt aber, diese Feststellung ist

nicht neu, der Luftsdtutzplaner durchaus

auf der gleichen Linie wie der Städte- und

Landesplaner, wie der Soziologe und der

Biologe. Soll er aus diesem Gleichgerichtetsein

gerade an einem so entsmeidenden

Punkte, wie die bauHche Bewältigung

der Riesenstadt Ruhrgebiet ihn darstellt,

seinerseits ausbrechen, indem er

gerade dort sich zu SdlUtzunternehmungen

verlocken läßt, die alle Kennzeimen

der Ballung trügen?

Eine Studiengesellsdtaft

Die vorstehenden Ausführungen können

nicht mehr geben als ein paar erste Gedanken

zum angeschntttenen Thema kurz

vor Redaktionsschluß. Es wird der eingehenden

Prüfung des Projektes durch

einen Kreis ausgewählter Fachleute aller

berührten Sachgebiete bedürfen, bevor

ein bündiges Urteil möglich ist. Die Landesregierung

Nordrhein-Westfalen hat

nach einem einstimmigen Besmluß, den

der Landtag in seiner Sitzung am 4. Mai

faßte, die Errimtung einer Studiengesellschaft

für unterirdisdte Verkehrsanlagen

(insbesondere im Rhein-Ruhr-Gebiet) befürwortet,

die den gesamten Fragenkomplex

durcharbeiten soll. Man wird die

Arbeit dieser Gesellschaft mit größtem

Interesse verfolgen. Mögen die Fragen

und Vorbehalte des LuftsdIutzes, von

denen einige hier angedeutet wurden, bei

einer solmen Studienarbeit nidtt als

Störungsfeuer gewertet werden, sondern

als das, was allein sie sein wollen: Beiträge

zu einem Handeln ohne Illusionen.

25


Wissenschaftler erarbeiten Uberraschungsmethoden

Schwweder

I

Schluß

Neben anderen bekannten Methoden zur Feststellung

von unlerlrdismcn Kernexplosionen

führten die korrespondierenden Mitglieder der

Akademie der Wissensmarten der UdSSR,

lowgcni Fjodorow, Mlmail Sadowski und an·

dere In einem in der Moskaucr Prowda veröffentlichten

Artikel auch die Benutzung der

Oberflächenwellen zu diesem Zwcdt an. Darin

heißt es unter anderem: ftBeobamtungcn

haben erwiesen, daß die seismisdten Obernac:hcnwellcn

der Explosionen eine bedeutend

kleinere - in Bruchteilen aUSlud rückende -

Periode hoben als die Erdbebenwellen. Es

zeichnen sich Möglidlkciten ab, auch andere Besonderheiten

von sei sm ismen Schwingungen

zur Unlcrsdleidung zwischen Explosionen und

Erdbeben zu verwenden ..... Demgegenüber

schlug Präsident Eisenhower \'or. die - nach

Ansicht der amerikanismen Wissensdtaftlernicht

exakt kontroilierbaren Kernexplosionen

im Weltraum und unter der Erde aus dem

Versuchsverbot herauszunehmen. Der ameTi·

kanisdto VorschltlR snh weiter ein von Groß·

brllnnnien, der Sowjet union und den USA

durchHIhrendes gemeinsames Forschungs- und

Versumsprogramm vor, um die Entded


'" Großevakuierung

Die Stadt Västeräs trifft Vorsorge

Von W. HoffschIld, Köln

Västeräs. eine Stadt mit 77000 Einwohnern,

in Mittelsmweden sm Mälarsee gelegen, war

der Ort, in dem am 23. April die bisher

größte Evakuierungsübung Schwedens durdJ.·

Rcführt werden sollte.

Der seit Jahren bestehende enge Erfahrungsaus

tau sm auf dem Gebiete der Selbstschutz·

ausbildung führte den Verfasser auf Grund

einer Einladung des Schwedischen Zivilverteidi

gungs verbandes (Ci vii fö rs v a rs fö rbu nd es)

nach Stockholm. Ansdtließend hatte er als

Vertreter des Bundesluftschutzverbandes Gelegenheit,

an dieser übung teilzunehmen.

Västeräs Hegt rund 100 Kilometer von Stod


Die lottos-Angehörige des weiblichen Hilfsdienstes

der landesverteidigung - waren

bei der Verpflegungsausgabe und der Betreuung

der aus Vösterös Evakuierten eingenbt.

Im Ankunftsort erhielt jeder Evakuierte Erfrisdlungen

und einen Berechtigungssdlein für

eine Mahlzeit. Wer das eigene Fahrr.eug benutzt

hatte, bekam außerdem Benzinscheine.

dem 5000 Mcnschen beheHsmäßig Platz finden

oder 1400 Personen bequem wohnen und

schlafen können. - Vor einigen Tagen wurden

die Dlenstpnidttigen. die als HilCskriHte

Dienst tun sollen. einberufen. Sie wurden

ausgerüstet und dann wieder beurlaubt.

leder weiß. was er zu tun hat. Kraftfahrzeuge.

besonders Omnibusse mit ihren Fahrern.

wurden auf Grund eines Geset!:es für

diese Obuna notverpßichtet. Die Polizei und

die Feuerwehr bekomm on einige Stunden vor

Obungsbeginn ihren Einsatzbefehl und müssen

dann weitere dienslverpnichtete Kräfte

einberufen. Aufgabe der Feuerwehr ist es.

die Ausfallstraßen mit Schildern zu kennzeidtnen.

Der Bevölkerung ist bekannt. daß

sie bei übungsbeginn durdt Lautsprecher. die

auf Krartfahrzeugen montiert sind, aufgefordert

wird, auf die Rundfunkdurchsagen zu

achten. Auf diesem Wege und durdt 200 Plakate,

die dann angesdtlagen werden sollen.

wird der Obungsbeginn bekanntgemacht.

*

Kranke. alte und gehunfähige Personen nehmen

an der Obung nur dadurch teil. daß sie.

wie es der Plan vorsieht. sich zur Abholung

anmelden lassen. Statt ihrer werden jugendliche

Helfer transportiert.

Die Evakuierten werden bel ihrer Ankunft

in der Gemeinde auf einem Sammelplatz

empfangen und auf die kleineren Orte oder

Häusergruppen verteilt. Dort werden sie in

einem sogcnannten .. Rotelokal". es ist meistens

die Schule. registriert und erhalten

einen Einwelsungsschcin für das Quartier.

Damit hört fUr sie die übung auf. Jeder Evakuierte

erhält einen Bcrechtigungssdteln für

eine elnfadte Mahlzeit. Wer sein eigenes Kraftfn

hrzeug benu tzt, erhält Benzinscheine. die

bel ledor Tankstelle ein gelöst werden kö n-

nen. *

Am nächsten Morgen. Sonntag. 24. April :

Wir stehcn auf der Plattform des Wasserturmes.

Es Ist sieben Uhr. Au f die Minute

genau fahren die Lau tsprecherwagen durdt

die Teile der Stadt, die an der Obung teilnehmen

sollen. Sie fordern die Menscben

auf, die Rundfunkgeräte einzuschalten. Wenige

Minuten später. etwa um 7.05. können

wir aus dem Lautspreeber. der neben uns

steht. die ersten AuHorderungen zur Evakuierung

hören. Diese Durchsage der übungsleitung

wird ständig wiederholt. Ein Hubsdtraubcr

der übungs leitung ersdteint. Flugzeuge

der Wehrmadtt fotografieren den

übungs verlauf aus der Luft. Sie ziehen

während der ganzen übung ihre Kreise. Etw~

SO Minuten nadt Bekanntgabe des Evakuierungsbefehls

sehen wir Familien zu Fuß

auf dem Weg zu einem Sammelplatz; viele

mit kleinen Kindern. Alle sind zwedc.mäßig

gekleidet und führen nur das notwendigste

In den Hotelz.immem lag eine reidlillustrierte mehrfarbige Evakuierungsanleitung, wie

sie auch on alle Haushaltungen verteilt worden war. Eine Karte (siehe unten) zeigte

die Ausfallstraßen und die Orte, in die sich die :tu Evakuierenden begeben sallten.

Handgepäck mit sich. Von hier aus werden

sie mit Omnibussen weitertransportiert.

In der Zwischenzeit verlassen aueb die ersten

Personenkraftwagen die Stadt. leder

sechste Einwohner besitzt in Västeräs einen

eigenen Kraftwagen. Verkehrssto


Die nachfolgende Aufstellung gibt Auskunft.

wieviel Lehrgänge im einzelnen durchgeführt

wurden:

1. Grundausbildung für Selbstschutzkräfte

(10 Stunden)

88 Lehrgänge mit 1328 Teilnehmern

2. Grundausbildung für BLSV-HeHer und

Selbstschutzfübrungskrähe (28 Stunden)

110 Lebrgänge mit 1220 Teilnehmern

3. Ausbildung Erste Hilfe (16 Stunden)

18 Lebrgänge mit 296 Teilnehmern

4. Fachlehrgang .Strahlennachweis" (8 Stunden)

17 Lehrgange mit 232 Teilnehmern.

Die Landesstelle wird bemüht bleiben. die

Ausbildungsarbeit in gleith.er Weise weiterzuführen.

vor allem für die Heranbildung

von Selbstschutzführungskräften.

Landessl"ellen

berichl"en

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Seibsismutzmä6iges Verhallen

der Bevölkerung

In der BLSV-ModellortssleUe Neumünsler

wurde im Herhst 1959 damit begonnen, die

Bevölkerung der Stadt rar eine Teilnahme

an der kostenlosen Unterridttung über selbstschutzmäßiges

Verhalten zu interessieren.

Di es geschah durch immer wiederkehrende

Hinweise in den Tageszeitungen über den

Stand der Selbstsmutzertas8ung sowie durch

mündliche Werbung der Hauserfassungen

durch BLSV·Helfer. Gleichzeitig gelang es der

Ortsstelle. in engster Zusammenarbeit mit

dem Oberbürgermeister und den städtischen

Schulbehörden. alle Sdtüler der jeweiligen

Abgangsklassen der Volks-. Mittel- und höheren

Smulen sowie der Berufsschulen während

deren Sdmlzelt für die Unterrichtung

im selbstschutmläßigen Verhalten in den

Räumen der OrtssdlUle zu gewinnen. Die

Unterrichtung erfolgte jeweils in den Vormittags-

und Nachmitlagsstunden und umfaßte

2 Doppelstunden. Während in der ersten

Doppelstunde das selbstschutzmäßige Verhalten

theoretisdl erklärt wurde. mußten sich

die Teilnehmer in der zweiten Doppelstunde

mit der Handhabung einfadler Selbstschutzf,lerä

tschaften praktisch vertraut machen.

Insgesamt wurden in diesem Verfahren in

Neumünster ab Oktober 1959 bis heute 1500

Personen im selbstschutzmäßigen Verhalten

unterrichtet.

Aus dem Kreis dieser Personen konnten 80

neue HeIrer rür die Ortsstelle gewonnen werden.

NORDRHEIN-WESTFALEN

3000 Helfer ausgebildet

In der Märznummer der ZB berichtete die

Landesstelle über Vorbereitungen zu einer

Lehrgangsreihe .. Grundausbildung" für die

Monate Februar und Mürz 1960. Es wurde geschätzt,

daß etwa 2000 Personen an den vorj;lesehenen

Lehrgängen teilnehmen würden.

Nach Abschluß dieser Aktion und nach Auswertung

der von den Orts- und Kreisstellen

vorgelegten Lehrgangsunterlagen kann die

Landesstelle nunmehr über das Ergebnis der

Lehrgänge berichten:

Insgesamt haben 3076 Helfer und Selbstschutzkräfte

die Lehrgiinge bis zum Abschluß

besucht. Besonders erfreulich ist die Tatsache.

daß der Anteil der Lehrgangsteilnehmer, die

einen Lehrgang nicht abgesdliossen haben.

Außerord entlich gering ist. Ein großer Teil der

I.ehrf,ltinge wurde in den Selbstschutzbezirken.

Ortsstellen (kal. Amtsbezirks- und Gemeindestellen

durchgeführt. Als bemerkenswert darf

festf,lcstellt werden. daß besonders die Lehrgänge

erfolgreich waren. welche als ganztäf,lige

Veranstaltun~en abli efen.

Luftsmutzausstellung in Wesel

In der Zeit vom 23. 4. bis 2. 5. 1960 führte

die Landesstelle eine Ausstellung im Lichthof

des Rathauses zu Wesel durch. Mit dieser

Ausstellung waren drei Vortragsveranstnltungen

vor Behördenvertretern. vor Bauschaffenden

und vor Lehrern verbunden.

Auf der Ausstellung wurden gezeigt:

10 Ausstellungstarein der Bundeshauptstolle

mit allgemeinen Aussogen zum

Luftschutz;

17 Ausstellungstafeln der Landesstelle.

welche die Luftschutzarbeit des BLSV

in NRW behandelten. Diese Tareln

wurden in eigener Regie entwickelt

und von einer Arbeitsgruppe gefertif,lt;

Geräte des Selbstschutzes.

Strahlen nachweis- und -meßgeräte. Modelle;

Großrotos der Stadt Wesei: vor der Zerstörung.

Wes el als zerstörte Stadt. der

Wiederaufbau der Stadt;

Transparente wiesen auf die Aufgaben

des BLSV hin und forderten zur tätigen

Mithilfe auf.

Die Ausstellung wurde von der öffentlich~

keil stark beachtet. Die tägliche Besumerzahl

lag zwischen 300 und 400 Personen. Auf die

Einwohnerzahl der Stadt Wesel umgerechnet.

haben etwa 10 G /, der Bevölk erung die Ausstellung

besucht.

Nach dem Urteil der Besucher und der Presse

gefiel die Ausstellung durch ihre sachlichen

und überzeugenden Aussagen, aber auch

durch ihre gelungene graphische Ausdrucksform.

Es soll niebt unenvähnt bleiben. daß der

Lichthof des Ratbauses zu Wesel durdl seine

armitektonisch schöne Bauweise und seine

f,leschmackvolle Ausstattung wesentlich zum

guten Gesamteindruck. der Ausstellung beigetragen

bat.

NIEDERSACHSEN

Erfolgrehh e Strablenschutzlehrgänge

Als im Herbst des Jahres 1959 Strahlenmeßgeräte

und Remenrnethoden zur Ermittlung

der Strahlenbelastung in dem follout-Gebiet

einer Atombombenexplosion auch im Lande

NIedersachsen durch das Bundesamt für zivilen

Bevölkerungsschutz zur Verteilung gelangten.

wurde in der Landesstelle erkannt.

daß die Helferausbildung auf diesem Gebiet

in dem bisher üblichen Rahmen nicht rortge·

setzt werden durfte. Die Landesschule wurde

daher beauftragt. sich mit diesen Fragen zu

befossen und kurzfristig einen Lehrgang zu

starten, in dem diese nellen Erkenntnisse

verwertet wurden. Dieser Lehrgang li ef an

der Landessmulc in Voldagsen. Es waren

Einladungen zunächst nur [lil Dienststell enleiter

und Helfer mit Lchrbcremtigung bzw.

vorläufiger Lehrberechtigung ergangen. In

diesem Ausbildungsvorhaben stellte sich

dann heraus. daß der Fragenkomplex in sei-


Her ... unn

Bulke

In der Nacht zum 18. Mai 1960 erlag

der Leiter der Landesstelle Groß­

Hamburg des Bundesluftsdmtzverbandes,

Hermann Balke, im fast

vollendeten 67. Lebensjahr einem

langen Leiden. das ihn bereits im

September vorigen Jahres ins Krankenhaus

zwang.

Nam vorübergehender smeinbarer

Besserung um die Weihnachtszeit

wurde sein neu erwachter Lebensmut

durm einen ernsten Rückfall

bitter enttäusmt. Die Ärzte vermomten

trotz mehrerer Blutübertragungen

keine Besserung seines

Zustandes zu erzielen.

Mit Hermann Balke verschied einer

der treuesten Mitarbeiter in leitender

Stellung des Bundesluftsmutzverbandes.

Hermann Balke trat 1919 in die

Sdtutzpolizei ein, in der er zunädlst

in seiner Heimatstadt Breslsu. später

in Berlin und Umgebung als

Sportlehrer eingesetzt war. Während

des zweiten Weltkrieges war er

Kommandeur der Schutzpolizei und

hat sich besonders bei Luftangriffen

in Magdeburg und anderen

ner Lösung gar nicht so große Smwierigkeiten

bereitete. wie zunächst angenommen worden

war.

Voraussetzung für die Teilnahme an einem

salmen Ausbildungsvorhaben, in dem die

Handhabung von Strahlenmeßgeräten und

deren Funktion erläutert wird sowie die Remenmethoden

zur Ermittlung der Strahlenbelastung

geübt werden, ist weder die endgültige

nom die vorläufige Lehrberechtigung.

Wichtig ist vielmehr, daß der Teilnehmer die

vier Grundrechenarten beherrscht, was von

iedem Volkssmülcr im 8. Sdtuljohr gefordert

und erreicht wird. Häufig wird es in einem

solchen Ausbildungsvorhaben notwendig werden,

daß der Lehrer mit gutem Einfühlungsvermögen

in seine Zuhörerschaft die Scheu

vor der Beschäftigung mit den Zahlen beseitigt

und es versteht. seinen Schülern klarzumamen,

daß erst die Verwendung der Zahlen

uns in die Lage versetzt. tiefer und verständnisvoller

in die Materie einzudringen

und die Zusammenhänge zu erfassen, deren

Kenntnis zur Beurteilung der Samlage im

Ernstfall notwendig ist. Im übrigen laufen

diese Ausbildungsvorhaben nach den vom

BzB herausgegebenen Rechenmethoden, die

für den Gebrauch auf der Landesschule geringfügige

Abänderungen erfahren haben

und deren Ablauf dergestalt in eine feste

Form gebracht wurde, daß dem Lernenden

ein Ausweichen und damit falsche Rechnungen

nidtt mehr möglich sind. Es sind dann

im Laufe des letzten Halbjahres eine Anzahl

t

Städten um das Wohl der Bevölkerung

verdient gemacht. Sein letzter

Dienstgrad war Oberst der Schutzpolizei.

Nach dem zweiten Weltkrieg gründete

er eine Finna für Bürobedarf.

Im Jahre 1956 wurde er auf Beschluß

des BLSV-Vorstandes mit

Erlaß des Bundesministers des Innern

zum Landesstellenleiter in

Hamburg bestellt.

Sein offener Charakter und sein

beruflimer Werdegang boten Gewähr

für Pflichttreue und Zuverlässigkeit.

Seine stets hilfsbereite

Einstellung zu den ehrenamtlichen

Mitarbeitern des BLSV kam ihm

bei dem smwierigen Aufbau der

Organisation in seinem Dienststellenbereich

zugute.

Nicht nur seine Vorgesetzten und

engeren Mitarbeiter, sondern auch

die Helferschaft, die er in Hamburg

um sich gesmart hat, verlieren in

ihm einen allseits geachteten und

liebenswerten Kameraden und werden

seiner stets in tiefer Verbundenheit

gedenken.

Strahlenmeßlehrgänge auf der Landessmule

gehalten worden, in deren Verlauf den Teilnehmern

nicht nur die Handhabung von Meßgeräten

vermittelt wurde, sondern auch einfache

Methoden für die Auswertung von

Meßergebnissen gelehrt und eingeübt worden,

so daß die Landesstelle auf eine stattliche

Anzahl von HeUern zurü&greifen kann.

die zur Besetzung von einzuridttenden Meßstellen

in Vorschlag gebracht werden können.

da sie über die notwendigen Kenntnisse

verfügen.

BADEN-WURTTEMBERG

"Tage des Selbstsdmtzcs"

im Lande Baden-Würtlcmberg

Ober die Aufgeschlossenheit der Stadtverwaltung

KarJsruhe, in sonderheit ihres örtlichen

Luftschutzleiters, gegenüber Fragen des

zivilen Bevölkerungsschutzes ist anläßlich

der Einweihung und übergabe eines Obungsplatzes

mit seinen verschiedenen Ausbildungsmöglimkeiten

für die Luftsdtutz-Hilfsdienste

und des Selbstschutzes im Sommer

des vergangenen Jahres ausführlim an dieser

Stelle berichtet worden.

Auch einem erneuten Anliegen des Bundesluftschutzverbandes,

gerade in dieser Stadt

wieder unter dem Protektorat des Bürgermeisters

Dr. Ball R Tage der Werbung" für

die Aufstellung des SelbstsdlUtzes abzuhalten,

hat sich die Stadtverwaltung nicht versmlossen

und dieses Bemühen unterstützt.

So wurde mit bestem Erfolg eine gut besuchte

öffentliche Aufklürungs- und Werbeveranstaltung

in der Stadthalle durdlgcführt.

die vor allem die Beachtung der Behörden

fond.

Es spromen der Bürgermeister, der Londtlsstellenleiter,

der Leiter der BLSV·Ortsstellt'

Karlsruhe sowie der Hnuptsadlgebietsleiter VI

und wiesen mit entsprechenden Beitrügen

und Referaten auf die Bedeutung der Selbst·

hilfe der Bevölkerung hin.

Gleichzeitig wurde im Vortragssaal eine Ausstellung

gezeigt, die den Besuchern in Wort

und Bild die Organisation des Selbstschutzes.

seinen Einsntz sowie seine Ausrüstung und

Geräte - durm BLSV-Helfer erklärt - nüherbringen

sollte.

Die Presse hat diese Tage in jeder Hinsicht

gewürdigt und damit nicht nur die Aufgaben

der zu organisierenden Selbsthilfe einer Stadt

ihrerseits unterstrichen, sondern darüber hinaus

der hierfür geleisteten Arbeit der Ortsstelle

und Ihrer freiwilligen Helrer Anerkennung

gezollt.

Der ~ Tag des Selbstschutzes" in Karlsruhe

war der erste diesjährige Auftakt einer laufenden

Reihe ähnlicher Werbeveranstaltun­

Ren für den Selbstschutz und die Helfergewinnung.

So folgte die Stadt Mannheim mit einer

~eihe größer~r Aundärungsveranstaltungen

10 den verschiedensten Stadtbezirken. Auch

hier hat die BLSV-Arbeit die notwendige

Unterstützung der stüdtismen Behörden finden

können und wird zur Zeit noch weiter

fortgesetzt werden, um so mehr. als die Ge­

~ebenhei~en für Aufklärung und Werbung

Immer Wieder In ledem Ort verschieden sind.

In Ulm z. B. warb die BLSV-Ortsstclle mit

einer besonderen SchaufensternussteIlung für

den gleichen Zwedc. - den Aufbau des Selbstschutzes

- und hat mit ihrer guten AusJlestallung

besonderen Widerhall in Wort und

Bild in der örtlichen Presse gefunden.

BAYERN

Regensburg organisiert seinen LurtsdJUlz

In Zusammenarbeit mit dem örtlichen Lufts~utzlei.ter

wurde die Stadt Regensburg zu ­

nachst In 6 Selbstschutzbezirke eingeteilt.

Diese Einteilung bot sich an einmal durch

die vorhandenen, natürliche~ Hindernisse

(Flüsse Donau und Regen) und zweitens durch

die städtebauliche Beschaffenheit. Die Bereiche

der 6 Selbstschutzbezirke des BundeslurtsdlUtzverbandes

de&cn sich mit den 6

Luftschutzbezirken des öffentlichen Luftschutzes.

Auch die Polizeireviere wurden

weitgehend dieser Organisation angepaßt

und von früher 11 auf z. Z. 7 verringert. Nur

in einem Se-Bezirk befinden sich noch 2 Polizeireviere.

Von den 6 Se-Bezirken sind vier personell so

besetzt, daß sie selbständig arbeiten können.

Sie führen ihre Aufklärungsveranstaltungen

und Helferunterweisungen weitgehend allein

durch. Die restlichen belden Bezirke werden

in absehbarer Zeit dieses Ziel ebenfalls erreichen.

Zur Durchführung einer zweckmößigcn Organisation

wurde von der Orlsstelle Regcnsburg

ein Se-Bezirk als Versuchsbezirk bestimmt.

Mit verstärkter Unterstützung wird dieser

Versuchsbezirk in der Organisation gewissermaßen

vorausgeschi&t. Die hierbei gemachten

Erfahrungen werden ausgewertet und

daraus eine brauchbare Arbeitsunterlage für

die übrigen Bezirke gesmafien. Dieses .. Vorausschi&en"

eines Bezirks hat sien als sehr

förderlich erwiesen. Sind diese Erfahrungen

ausgewertet, so ziehen die übrigen Bezirke

nam.

Der Versuchsbezirk der Ortsstelle hat z. Z.

58 tätige Helfer. In diesem Bezirk sind die

Selbslschutzgemeinschaften und die Hälfte

der Selbstschutzblo&s mit Leitern besetzt.

Die "Organisation" Ist als eine der wichtigsten

Aufgaben im Selbstschutz erkannt worden.

Sie hat aber nur dann einen Sinn, wenn

die erarbeiteten theoretischen Unterlagen

sofort in der Praxis verwirklicht werden.

30


51'00""ellen, Druckf'ronl'en

und Wirbel

Fort.etzung von Seite 8

Es kommt zur Ausbildung kräftiger Wirbeiringe,

die sien als relativ stabile Gebilde

ausbreiten. bis sie durch die reflektierte

Welle zersmlagen werden und sich

auflösen (Teilbild 3, Seite 4).

Bei interferenzoptismen Aufnahmen, das

sei hi er nur erwähnt, läßt sich das ganze

Dimt- und damit das Druddeld, das sim

um das Bauwerk aufbaut in Abhängigkeit

von der Zeit ermitteln. In jedem Raumpunkt,

also z. B. an den ModelI-Wandungen,

kann auf diese Weise der zeitliche

Druckverlauf und somit die zeitabhängige

Belastung angegeben werden.

Eine weitere Bildserie (Abb. 7, Seite 5) gibt

nun die Verhältnisse beim Auftreffen auf

mehrere hintereinanders tehende. diesmal

etwas einfacher gehaltene Modell-Häuschen

wieder. Die primäre Stoßwelle wird

teilweise reflektiert, wobei sich sowohl

die reflektierte als auch die über das Mo·

deli hinweglaufende Stoßwelle um die

Kanten krümmen (Teil bild 1) . Die Krüm·

mung einer Stoß front zeigt an, daß die

Intensität der Welle abnimmt, denn zwi·

schen Stoßwellengeschwindigkeit und

Drucksprung besteht ja ein enger Zusam·

menhang. Das zweite Modell·Häuschen

wird also etwas anders beaufschlagt als

das erste Modell (Teilbild 2); die auftref·

fende Stoßwelle ist gekrümmt und besitzt

einen geringcren Drucksprung. Die am

zweiten Bauwerk reflektierte Stoßwelle

trifft smließlim wieder auf das erste

Haus auf und in der Folge kommt es zu

mehrfachen Reflexionen. Durm Anwesen·

heil des ersten Modellkörpers wird die

am zweiten Objekt angreifende Stoßwelle

gedämpft, aber aum das erste Modell·

Bauwerk wird durrn das Vorhandensein

des zweiten einer anderen Beansprumung

ausgesetzt, als wenn es frei stünde. Die

Energie, welche in den Wellenanteilen

steckt, die mehrfach zwischen den Häuschen

hin und her reflektiert werden,

wurde der primären Stoßwelle entzogen,

so daß diese sich notwendigerweise ab·

schwächen muß. An der zunehmenden

Krümmung dieser über die Modelle hin·

weglaufenden Stoßwelle läßt sich dieses

Verhalten deutlidl feststellen.

Bei derartigen Untersuchungen inter·

essiert vorwiegend der Abminderungs·

faktor bezüglich der Stoßstärke einer

auftreffenden Stoßwelle. Di ese Frage ist

selbstverständlich von einiger Wichtigkeit

zur Beurteilung der notwendigen bau·

lichen Schutzmaßnahmen bei dimter Be·

'iiedlung, etwa in Großstädten. W enn

diese Versume aum nom nicht abge·

smlossen sind, 50 erkennt man aber dom

smon rein qualitativ (vergl. Abb. 7), daß

Baukörper, die im "Stoßwellen·Smatten"

mehrerer Bauwerke stehen, eine wesent·

tim geringere Beansprumung erfahren.

Auf eine Smwierigkeit sei aber hier nom

hingewiesen, wenn man die aus Modellversumen

im Stoßwellenrohr gewonnenen

Ergebnisse auf ein Originalbauwerk

übertragen mömte. Di e Meßkammer

eines Sloßwellenrohres ist notwen·

digerweise durch eine Wand in ihrer

Ausdehnung nam oben begrenzt. In der

Natur fehlt jedoch diese Begrenzung. All e

diejenigen Wellen, die an dieser oberen

Begrenzungswand der Meßkammer refl

ektiert werden, kommen in der Natur

nimt vor. Sie können das Bild der Stoß·

wellenkonfiguration, vor allem zu späteren

zeitlichen Phasen, sehr stören (vergl.

Abb. 7 und 8, Seite 5 und 6). Bei der Aus·

wertung der Modellaufnahmen muß dar·

auf Rücksient genommen werden. Mit die·

ser Einschränkung lassen sim aber die

Meßergebnisse auf Originalbauwerke, wie

früher ausgeführt, ohne weiteres über·

tragen.

Selbstverständlim kann man nicht nur

Modelle ganzer Bauwerke, sondern auen

Bauelemente im Stoßwellen rohr untersuchen,

wie etwa die in Bildserie Abb. 8

gezeigte Anordnung zweier versetzter

Wände erkennen läßt.

Dynamisdles Verhalten von Bauwerken

Die wenigen angeführten Beispiele geben

schon einen reent guten Eindruck

von den komplizierten und komplexen

Vorgängen. die sim allein smon bei der

Stoßwellen-Beaufsmlagung ergeben. Auch

ohne umfangreiches Zahlenmaterial wird

man aus dem bisherigen verstehen, wie

schwierig die quantitative Erfassung der

Belastung eines von der Stoßwelle getroffenen

Bauwerkes ist. Noch verwickelter

werden die Probleme, wcnn auf Grund

der zeitabhängigen Belastung die Reaktion

des Baukörpers angegeben werden soll.

Will man daher theoretische Aussagen

über die Zerstörung eines Bauwerkes

mamen, so müssen hierbei all die bis

heute noch nicht restlos erfaßten Eigenschaften

der Baustoffe bei Kurzzeitbeanspruchung

berücksimtigt werden. So ist

es beispielsweise bekannt, daß bei kurzdauerndem

Zugversum bei Stahl die Festigkeit

wesentlich zunimmt, d. h. dip

Fließgrenze rückt zu höheren Werten.

Bei zeitlich kurzen Beanspruchungen

kommt es auen auf die Massenträgheit

eines Baukörpers an. Es spielt dann nicht

mehr der Druck bzw. die auf den Bauteil

einwirkende Last allein für die Zerstörung

eine Rolle, sondern ganz entscheidend

komm,t die Zeitdauer der Belastung

mit ins Spiel. In diesem Fall, der sogenannten

ballistischen Beanspruchung, ist

der Impuls (Zeitintegral über dem positi

ven Druck) , der auf das Bauwerk übertragen

wird, maßgebend. Dieses Verhalten

spiegelt die Tabelle 3 (Seite 8) zahlenmäßig

wieder. Ein Modellbauwerk wurde

einer plötzlimen Belastung mit verschiede·

nen Spitzendrücken ausgesetzt. Die Zeit,

bis der Spitzendruck wieder auf den Ausgangsdruck

abgesunken ist, die sogenannte

positioe Druckdauer, find et man

dort ebenfalls. Bei jeder der hier vermerkten

Druck-Zeit·Kombination zeigte

der untersuchte Modellbautyp den gleichen

Zerstörungsgrad. Bei einer Druckdauer

von 0,2 Millisekunden mußte immerhin

ein Spitzendruck von 100 atü aufse

wendet werden, um die gleiche Zer·

störung zu erzielen wie bei einem Spitzendruck

von 10 atü, der aber länger als

10 Millisekunden auf das Bauwerk einwirkte.

Das Kriterium dafür, ob für ei n bestimmtes

Bauwerk eine Stoßwellenbeanspruchung

als kurz oder als lang zu bezeichnen

ist, stellt die Eigenschwingdauer

des Objektes da r. Bei einer Druckbelastung

mit einer gegenüber der Eigenschwingdauer

sehr kleinen Zeitdauer

spricht man von baliislisdlCf Beansprumungo

Für die Zerstörung ist der Impuls

ausschlaggebend. Im umgekehrten Falle

hat man es bei einer Stoßwellenbelastung

mit einer quasistotischen Beanspruchung

zu tun. Hierbei springt der Druck plötzlich

auf seinen Spitzenwert und sinkt

dann im Vergleich zur Eigenschwingdauer

langsam auf seinen Ausgangswert zurück.

Bei dieser Belastungsart ist im wesentlichen

der Spitzendruck für eine Zer·

störung maßgebend. Im Gegensatz dazu

spricht man von rein s tatischer BeansprudlUng

dann, wenn auch das Ansteigen

des Druckes sehr langsam bezüglim der

Eigenschwingdauer des Objektes erfolgt.

Hierbei is t für die Zerstörung eines Baukörpers

lediglich der Maximaldruck von

Bedeutung. Man könnte nun der Meinung

sein, daß der bei einer rein statischen und

einer quasistatischen Belastung für eine

Zerstörung verantwortliche Druck iden·

tism sei. Dem ist aber nicht so. Vielmehr

liegt bei ei n und demselben Baukörper

der maximale quasistatische Druck stets

bei kleineren Werten als etwa der maximale

rein statische Druck. Im Idealfall

verhalten sich beide wie 1:2.

Dieses zunächst nur schwer verständlime

Verhalt en ei nes Bauwerkes läßt sich aber

an einem sehr einfachen Modell eines

Schwingers erklären. Dieses Modell

(Abb. 9, Seite 7) bestehe nur aus ei ner

Masse m und einer Feder. Wir wollen noch

zusätzlich verabreden, daß dieses Modell

dann als zerstört gelte, wenn der Aus·

schlag der Masse m ei nen vorgegebenen

Wert a überschreitet.

Eine Auslenkung der Masse des Schwingers

läßt sim nun auf versmiedene Weise

vornehmen. Es laufe beispiel weise eine

Welle gegen die Masse m a, wobei die

positive Druckdauer wesentlich kleiner

sei, als die auf Grund von Masse und

Federkonstanten bestimmten Eigensmwingdauer

des Systems. Dabei wird

die Masse angestoßen und schwingt nun

völlig frei aus, denn die Druckübertragungsdauer

war ja kurz gegen di e Schwingungsdauer

vorausgesetzt. Maßgebend für

die Auslenkung ist dabei der auf das Sys

tem übertragene Impuls, wie es z. B.

aum der Fall ist, wenn mit einem Hammer

gegen die Masse geschlagen wird.

Ist nun die Druckdauer einer Stoßwelle,

die auf die als Platte ausgebildete Masse

m auftrifft, groß gegen die Schwingungsdauer

des Systems, so kommt es wegen

des plötzlimen Druckanstiegs nach wie

vor zu einem Einschwingvorgang. Der wesentlime

Unterschied besteht aber darin,

daß jetzt der Drude anhält und die

durch den Schwingungsvorgang sich ein·

stell ende Auslenkung s ieb derjenigen

überlagert, die durch den anhaltenden

Druck erzielt wird. Wenn das System,

\vie gezeimnet, ungedämpft schwingen

kann, so ergibt sich ein durch die Schwingung

periodisch sich einstellender Maximalausschlag

von doppelter Größe als der

durm den a nhaltenden Druck verursachte.

Im Falle der rein statismen Belastung

wird der Druck so langsam aufgebracht,

daß das System nicht ins Schwingen ge·

rä t. Die Auslenkung der Masse m stellt

sieb dabei so ein, daß die Feder so weit

zusammengedrückt wird, bis ihre Gegenkraft

der durch den Druck auf die Platte

hervorgerufenen Last gleim ist.

Schluß im nächsten Heft

31


Neue Bücher

Der unsichtbare Angriff

von J. Schubert und R. E. la pp, e rschi enen

im. He nry ~overts Verlag, StuHgarf. 282 Seifen,

l einen, Preis : DM 18.50.

Immer wieder ist von der Strahlengefahr die

Rede. der die Menschheit des Atomzeitalters

ausgesetzt ist. Wie groß ist sie nun wirklich.

diese Strahlengefahr? Und vor allem: wen

$!crährdet sie und wann und wo? Kann man

sich vor ihr schützen? - Wie?

Zwei hervorragende amcrikanisdte Fachleute.

der Chemiker und Biologe lack Schubert und

der Atomphysiker Ralph E. Lapp (den Lesern

der ZB als Verfasser der Fortsetzungsserie

~Die Reise des Glüddichcn Drachen" in Hert

4-9 und 11/59 bekannt), sind auf diesem Gebiet

sroon lange forsmend und publizierend

tätig. Sie haben es unternommen, in ihrem

Oum .. Der unsichtbare Angriff" (Titel der

amerikanischen Originalausgabe .. RADIA­

TION") auf die oben angeführten und zahlreiche

weitere Fragen Antworten zu finden.

Sie beschreiben u. a. das Wesen der Strahlung,

die Quellen ihrer Entstehung und die

bekannten sowie die vermuteten Wirkungen

auf den Menschen. Sie schlogen schließlich

Sicherheits- und Schutzmaßnahmen vor. die,

wie sie sagen, "zum Teil jeder selbst durchführen

kann".

Dem Bemühen der bei den Forscher waren

von vornherein Grenzen gezogen. Sie werden

von Pror. Dr. Boris Rajewski, dem Direktor

des Max-Planck-Instituts für Diophysik in

F'rankfurt und Vorsitzendem des Sonderausschusses

Radioaktivität, der das Vorwort zu

dem im übrigen leichtverständlich und klar

~eschriebe nen Werk verfaßte, deutlich aufgezeigt.

Er stellt fest: M'" Der Um fang des

Problemkreises der biologischen und strah­

If'nbiologischen Forschung ist... so enorm

groß, daß man noch viel Zeit brauchen wird,

um hierbei zu e ntscheidenden Erkenntnissen

gelangen zu können ..." Und weiter: "... Wir

können heute die Auswirkungen der neu ein­

~e führt en Strahlungen und radioaktiven Substanzen

für die Dauer von mehr als einer

Generation noch nicht beurteilen, ja nicht einmal

abschätzen ..."

Beruhigend aber ist nach der Lektüre des

Duches dies: die Dinge sind im Fluß. überall

sind die besten Köpfe dabei, die Strahlen­

$Ie fahr .. einzukreisen" und dem Muns ichtbaren

Angriff" möglichst die Gefährlichkeit zu

nehmen. Manches von dem, was das vorliegende

Werk enthält, wird Inach Raje\Vski)

in den nächsten Jahren schon überholt sein.

Das, was aber nicht überholt sein kann. sind

die sadtlichen Darlegungen und die mutige

Bereitschaft der Autoren, die Konsequenzen

aus diesen Darlegungen zu ziehen. Und darum

ist das Buch lesens- und empfehlenswert

Helfen will gelernt sein!

Ne ue r l e istungsbildbericht d es Technische n

Hilfswe rks

Soeben ist das 1·left 6 der THW-Sdtriftenreihe

erschienen. Es trägt den Titel _Helfen will

Relernt sein!" Wie seine Vorgänger stellt das

lieft einen Leistungsbildbericht des Techni­

.. chen Hilfswerks dar. Es hat sich, wie sein

Titel schon aussagt, zur besonderen Aufgabe

)(emacht, dem Betrachter vor Augen zu führen

doß nur derjenige im Stande ist, kundig und

sinnvoll zu helfen. der von Grund auf gelernt

hat. wie man Werkzeug und Ceriit handhabt

und anwendet. der aber auch weiß, wie man

improvisieren kann, wenn es nollun sollie.

Dovon geben die eindrucksvollen Bilder von

der Ausbildun~, von übungen und vom Einsatz

der freiwilligen Helfer beredtes Zeuj:lnis.

Sie vermitteln einen Einblick in die Viellwiligkeit

der Ausbildungstäligkeit, dip in

df'n Ortsverbänden des Temnischf'n Hilfswerks

betrieben wird. Diese Ausbildung soll

den THW-Helfer befähigen, mit jeder Lage

fertig zu werden, vor die er im Katastropheneinsatz

oder bei tedmischen Hilfeleistungen

irgendwelcher Art gestellt wird, seien diese

Ereignisse durch entfesselte Naturgewalten

oder durch technische Ursachen ausgelöst.

Die SchrHt verzichtet bewußt auf ausführliche

schriftliche Darlegungen über Wesen und

Aufgaben des Technischen Hilfswerks. Sie

läßt statt dessen das Bild sprechen, desse n

Wert als Zeitdokument unbestritten ist und

das zudem gerade im technischen Bereich den

Vorzug der besonders sinnfälligen Aussage

für sich in Anspruch nehmen kann. Bilder

können freilich nur flüchtige Sekundenbruchteile

festhalten. Dennoch vermittelt die reimhaltige

Bildauswahl aus den verschiedensten

Ausbildungs- und Einsatzsparten einen umfassenden

Eindruck von dem bunten und vielfältigen

Leben in den Ortsverbänden des

Technischen Hilfswerks, vor allem von der

vielfach bewährten technischen Leistungsfiihi$lkeit

seiner Helrer in ihrer zweckmäßigen

Ausrüstung. Die Aufnahmen von Katastropheneinsätze

n und technischen Hilfeleistungen,

die darunter zu finden sind, lassen in ihrer

packenden Wirklichkeitsnähe keinen Zweifel

daran, daß die Helfer des Technismen Hilfswerks.

wo immer auch Not am Mann oder

Gefahr im Verzuge sein sollten, sch nell und

tatkräftig zupacken, um dem Unheil zu

wehren.

Das gilt besonders für die Aufgaben des

Technischen Hilfswerks als Hilfsorganisation

für den Bergungsdienst im Rahmen des Luftschutzhilfsdienstes.

denen breiter Raum gewidmet

ist.

Darum sollte die Schrift ihrem Zweck gerecht

werden, dem Temnischen Hilfswerk neue

Helfer und Freunde zu gewinnen.

Die Zeitschrift "Ziviler Luflsd1Ulz", Koblenz,

brachte in ihre r Maiausgabe:

Beyer : Führungsprobleme im System der

Landesverteidigung

Von Zitzewitz: Der vergessene Landrat

Ha mpe: Der Luftrettungsdienst

Hey: Entwurf zu einem Notdienstgesetz

Ba uliche r Luftschutz:

Löfken : überleben in Schutzraumbauten

Schülzsadc: Bau eines Schutzbau-Demonstrationsobjektes

unter der Feuerwache West

in Karlsruhe

Industrieluflschutz: Der Industrieluftschutz

im Rahmen eines zivilen Bevölkerungsschutzes

Lurlkr iegsprobleme: Neue Taktik bei strategischen

Luftangriffen

Ferne r di e Rubrike n : Wehrpolitik und Landesverteidigung,

Aktueller Rundblick. Patentschau,

Schrifttum

Auslandsnachrichl'en

öSTERREICH

Zivilschutz in österreich

Durch einen Beschluß des Ministerrates vom

Januar 1958 ist das österreichische Verteidigungsministerium

beauftragt worden, gemeinsam

mit dem Innenministerium den Aufbau

des Zivilschutzes zu planen und ein Zivilschutzgesetz

auszuarbeiten.

Seit einem Jahr besteht eine Luftschutztruppe

des Heeres mit einer Schule, welche bisher

etwa 600 Soldaten und zugleidt Zivilpersonen

ausgebildet hat. In letzter Zeit ist die Truppe

auch mit den nötigen Geräten ausgerüstet

worden. Dabei soll die neuzeitliche Erkenntnis

verwirklicht werden, militärische und

zivile Formationen mit einer aufeinander abgestimmten

Ausrüstung zu versehen.

Die zivilen Schutzmaßnahmen werden durch

das Sozialministerium getroffen. Dem Innenministerium

obliegt der Aufbau des zivilen

Strahlenschutzes. Das Landwirtschaftsministerium

organisiert einen Dienst zur überwachung

der Gewässer hinsichtlich der Radioaktivität.

Im Zusammenhang mit dieser Planung waren

bckanntlidt Sludiendelegationen nach Deutschland

und der Schweiz entsandt worden.

Schweiz

Staat und Industrie Hand in Hand

Ein neues Millionenproiekt für den Zivilschutz

wird gegenwärtig in Basel vorangetriehen,

wo sich ein willkommenes Zusammenwirken

öffentlicher Erfordernisse mit deu

Wünschen eines Privatbetriebes e rgab. Eines

der größten Chemieunternehmen wird in

allernächster Zeit eine mehrstöckige Autoeinstell

halle oberirdisch erstellen. In diesem

Gebäude sollen gleichzeitig öffentliche Schutzräume

unterirdisch eingebaut werden. Die

allein für die Sd1Utzanlage entstehenden

Kosten sind auf Fr. 1 240500.- berechnet wor·

den. Davon übernimmt die Firma die Auf·

wendungen für Fundation, KeUermauern und

Unterkonstruktion der unter Erdgleiche liegenden

Bauteile ihrer geplanten Garage, also

iener Teile, die sie auch ohne die gleichzeitige

Erstellung von Schutzräumen zu ihren

Lasten übernehmen müßte. Für die öffentliche

Hand ergibt sich daraus der Vorteil einer

Einsparung von etwa 15 Pro:lent der Kosten

für Sdtutzanlagen.

Mohrzwedcprojekt in Bem

Der Umbau des Berner Hauptbahnhofes hat

die Errich.tung mehrerer Hodtbauten zur Folge.

Dazu kommt die Planung weiterer unterirdischer

Großgaragen, um der zunehmenden

Verstopfung der Straßen durch parkende Motorfahrzeugo

entgcgenzuwirkon. Forner Bteht

ein großer Spitalneubau bevor. Alle diesp

Gebiiudekomplexe werden einen großen Zusatzbedarf

on Energie für Heiz-, Lüftungsund

Beleuchtungszwecke erfordern. Zur Dekkung

dieses vermehrten Energiebedarfes ist

bereits eine Projektstudie für die Erstellung

einer unterirdischen Reaktoranlage ausgcarbeitet

worden. Dank günstiger Voraussetzungen

könnte diese Anlage in der Nähe des

neuen Verbrauchszentrums in einem Hügel

untergebracht werden und das ebenfalls in

der Nähe zur Verfügung stehende Wasser

des Aareflusses nutzen. Damit könnte gleichzeitig

das Problem der demniimst ohnehin

nicht mehr genügenden Fernheizanlnge der

sliidtischen Kehrichtverbrennungsanstalt gelöst

werden, und überdies würde eine im

Kriegsfall gut geschützte Kraftwerkanlage ent·

stehen. Es würde sich also um eine ausS/esprochene

Mehrzwed;anlage handeln. welche

auch df'm Zivilschutz dien!.

32


Der Berner ZivilsdlUt7.plan

Die Stadt regierung von Bern hat soeben

ihrem Parlament die Richtlinien unterbreitet,

nam denen schon jetzt bzw. sobald wie möglich

im wesentlichen die folgenden Maßnahmen

zu treffen sind:

1. Die Zivilschutzunterlagen (Planmaterial,

Tabellen usw. über die Gesamtorganisation

und die verschiedenen Dienstzweige, über

Personal, Material, Bevölkerungszahlen tags

und nachts, Verkehrszentren, Brücken, Schutz.­

bauten, Gas, Wasser, El ektrizität u. a. m.l si nd

als Grundlage für die Führung im Katast rophenfall

unentbehrlich und daher in erster

Linie auszuarbeiten und zum Abschluß zu

bringen.

2. Die Ausbildung der Kader und Spezialisten

der versdliedenen Dienstzweige ist vor

allem bei den Hauswehren (Gebi.iudechefs)

und beim Alarm-, Beobachtungs- und Vorbindungsdienst

(Bedienungspersonal der r\la rmzentralen)

zu fördern. Di e Bevölkerunf.! ist

sodann zur Verstärkung des Sanitätsdienstes

ganz allgemein zum Besuch der Samariterund

Kam eradenhilfskurse aufzurufen. Bei den

übrigen Oi enstzweigen kann man sich vorläufig

auf die Ausbildung der höheren Kader

und Spezialisten beschränken.

3. Di e Grundlage des Schutzes Hir das überleben

einer Katastrophe und die Durdlführung

von Rettungsaktionen liegt nnch wie vor

bei den Schutzbaul en (privater Schutzrnum,

öffentliche allgemeine Zivilschutzräume usw.).

Ohne di ese mit den notwendigen ei nfadlO n

Betriebseinridllungen vorgesehenen Bauten.

die nach Möglich keit als Meh rzweckriiume erstellt

und ein gerichtet werden können, stehen

alle noch so gut vorbereit eten übrige n

SdlUtzmaßnabmen auf schwamen Füßen; es

würde das notwendi ge Rüd


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