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EANM-PRESSEMITTEILUNG

Hirntumor: Radioaktive Aminosäure verbessert Diagnose und

Therapie

(Wien, 23. April 2013) Das zerebrale Gliom ist ein lebensbedrohlicher Hirntumor. Dank

eines neuartigen bildgebenden Verfahrens, das mit radioaktiv markierten

Aminosäuren arbeitet, kann das Tumorgewebe jetzt früher entdeckt und viel präziser

verortet werden. Das erhöht die Chancen im Kampf gegen den Krebs. „Zahlreiche

Studien zeigen, dass diese Methode äußerst verlässlich ist und damit reif für die

flächendeckende Anwendung in der Praxis“, sagt Professor Karl-Josef Langen,

Experte der Europäischen Gesellschaft für Nuklearmedizin (EANM – European

Association of Nuclear Medicine).

Zerebrale Gliome sind die häufigsten primären Hirntumore. Auf 100.000 Personen kommen

durchschnittlich fünf bis sechs Neuerkrankungen pro Jahr. Für die meisten Patienten verläuft

diese Krankheit tödlich. Der Krebs, der aus den Glia-Zellen entsteht – sie bilden die

stützende Struktur des Nervensystems – wird normalerweise mit Hilfe der Magnet-

Resonanz-Tomographie (MRT) diagnostiziert. Aber diese Technik, die auf dem Einsatz

elektromagnetischer Felder beruht, kann nur begrenzt zwischen Tumorgewebe und anderen

Gewebeveränderungen, die nicht durch Krebs verursacht sind, unterscheiden. Eine genaue

Verortung des Tumors ist aber entscheidend für die Biopsie, für die Planung der Operation

und für eine maßgeschneiderte Strahlentherapie, die den Tumor zerstört und zugleich das

gesunde Gewebe in der Umgebung soweit wie möglich schont.

Mit vereinten Kräften: MRT und FET-PET

Schon seit längerem nutzen Ärzte zusätzlich die Positronen-Emissions-Tomographie (PET),

um die diagnostischen Ergebnisse der MRT zu verbessern. PET lokalisiert Krebszellen

dadurch, dass ihr Stoffwechsel mit Hilfe von Tracern (radioaktiv markierten Substanzen, die

dem Patienten injiziert werden) sichtbar gemacht wird. Diese wichtigen Informationen lassen

sich mit den mehr anatomisch ausgerichteten Bildern der MRT zusammenfügen. Für die

PET-Untersuchung von Hirntumoren wird bislang normalerweise die Kohlenstoff-11-

markierte Aminosäure Methyl-L-Methionin (MET) verwendet. MET kann das zerebrale Gliom

klar abgrenzen, da dieser Tracer vom Tumor deutlich stärker aufgenommen wird als vom

umgebenden Gewebe. Deshalb ist er leistungsfähiger als andere häufig verwendete Tracer

wie Traubenzucker (Fluorodeoxydglukose/FDG), das im Fall des Glioms niedrig-gradige

Tumoren nicht hinreichend von gesundem Gewebe abgrenzen kann.

Allerdings hat auch MET gewisse Nachteile: Seine Produktion ist aufwendig und seine

Halbwertzeit beträgt nur 20 Minuten. Das beschränkt den Einsatz von MET-basierten

Methoden auf die wenigen diagnostischen Zentren, die über ein eigenes Zyklotron verfügen

und so den Tracer an Ort und Stelle produzieren und umgehend einsetzen können. Prof.

Langen und seine Kollegen setzen nun einen Tracer ein, mit dem sich diese Schwierigkeiten

vermeiden lassen: Es handelt sich um eine Fluor-18-markierte Aminosäure, kurz FET. Die

Halbwertzeit dieses Tracers von 109 Minuten erlaubt einen Transport vom Produktionsort zu

externen PET-Zentren, so dass Patienten, die sich einer FET-PET-Untersuchung


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unterziehen müssen, keine langen Anreisen auf sich zu nehmen haben. Weitere Vorteile:

Anders als MET wird FET von entzündeten Zellen oder Lymphknoten nicht aufgenommen

und liefert dadurch keine irreführenden Daten. Darüber hinaus kann es rezidivierende

Gliome besser von gutartigen Gewebeveränderungen unterscheiden, was ihm beim

Aufspüren von Tumorzellen eine insgesamt höhere Präzision verleiht.

Treffergenauigkeit von über 90 Prozent

Prof. Langen und sein Team haben die diagnostischen Ergebnisse des alleinigen MRT-

Einsatzes wie auch des kombinierten FET-PET/MRT-Einsatzes mit den Resultaten von

Tumorbiopsien verglichen, die als „Goldstandard“ dienen. Die Ärzte konnten zeigen, dass

FET-PET und MRT in Kombination bedeutend bessere Ergebnisse bringen als die

Anwendung von MRT allein. „Die Zusammenführung beider Methoden erlaubt uns, Ort und

Ausdehnung des Tumors mit einer Genauigkeit von über 90 Prozent zu bestimmen, während

die Beschränkung auf MRT viel ungenauere Ergebnisse brachte: Nur die Hälfte der durch

MRT entdeckten Gewebeveränderungen erwies sich auch als krebsbedingt“, so Prof.

Langen. „Dagegen hat FET-PET die Diagnose von Hirntumoren geradezu revolutioniert. Die

Möglichkeit, diese Methode mit jeder der unterschiedlichen MRT-Varianten in einer einzigen

Untersuchung zu verschmelzen, verbessert die Operationsplanung ebenso wie die

Strahlentherapie. Dadurch dass sich jetzt die Zielmenge auf die tatsächliche Ausdehnung

des Tumors begrenzen lässt, kann man die negativen Nebenwirkungen der Strahlentherapie

wirksam reduzieren und zugleich den Tumor selbst mit einer höheren Dosis als bisher

möglich bekämpfen. Außerdem lassen sich die Behandlungsergebnisse schon zu einem

frühen Zeitpunkt verlässlich beurteilen.“

Prof. Langen zufolge haben bereits 20 Universitätskliniken in Deutschland sowie eine Reihe

von Zentren in Österreich, Dänemark, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Polen diese

Methode eingeführt. 10.000 FET-PET-Scans haben nach seinen Schätzungen in den

vergangenen fünf Jahren stattgefunden. Nebenwirkungen sind bislang nicht bekannt

geworden. Die Strahlenbelastung, der die Patienten dabei ausgesetzt sind, ist nicht größer

als die einer normalen Röntgenuntersuchung. „Es spricht alles dafür, dass die

fortschreitende Verankerung dieser Methode in der klinischen Praxis die Therapie dieser

äußerst schweren Erkrankung verbessern wird. Abgesehen vom Nutzen, den die Patienten

daraus ziehen werden, sind die Kosten auch dadurch gerechtfertigt, dass dieses Verfahren

dazu beiträgt, Ausgaben einzusparen, die durch die wiederholte Anwendung weniger

verlässlicher Diagnosemethoden entstehen“, sagt Prof. Langen.

Eine animierte Einführung in die Nuklearmedizin finden Sie auf der Website

www.whatisnuclearmedicine.com/langDeutsch

Pressekontakt

impressum health & science communication

Robin Jeganathan

Haus der Seefahrt, Hohe Brücke 1

20459 Hamburg, Deutschland

E-Mail: jeganathan@impressum.de

Tel.: +49 (0)40 – 31 78 64 10

Fax: +49 (0)40 – 31 78 64 64


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