Naturschutzkonzept für den Forstbetrieb Flossenbürg - Bayerische ...

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Naturschutzkonzept für den Forstbetrieb Flossenbürg - Bayerische ...

Naturschutzkonzept

für den

Forstbetrieb Flossenbürg

Stand: Oktober 2013


Verantwortlich für die Erstellung:

Bayerische Staatsforsten

Forstbetrieb Flossenbürg

Floßer Straße 1

92696 Flossenbürg

Bayerische Staatsforsten

Zentrale - Bereich Waldbau, Naturschutz, Jagd

und Fischerei

Naturschutzspezialist Nord Axel Reichert

Gartenstraße 2

97852 Schollbrunn

Hinweis

Alle Inhalte dieses Naturschutzkonzeptes, insbesondere Texte, Tabellen und Abbildungen sind urheberrechtlich

geschützt (Copyright). Das Urheberrecht liegt, soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, bei den

Bayerischen Staatsforsten. Nachdruck, Vervielfältigung, Veröffentlichung und jede andere Nutzung bedürfen der

vorherigen Zustimmung des Urhebers.

Wer das Urheberrecht verletzt, unterliegt der zivilrechtlichen Haftung gem. §§ 97 ff. Urheberrechtsgesetz und

kann sich gem. §§ 106 ff. Urheberrechtsgesetz strafbar machen.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 2


Inhaltsverzeichnis

1 ZUSAMMENFASSUNG ................................................................................................................. 5

2 ALLGEMEINES ZUM FORSTBETRIEB FLOSSENBÜRG ........................................................... 7

2.1 Kurzcharakteristik für Naturraum und Geschichte ................................. 7

2.1.1 Naturraum ................................................................................................. 7

2.1.2 Geschichte ................................................................................................ 9

2.2 Ziele der Waldbewirtschaftung ............................................................... 10

3 NATURSCHUTZFACHLICHER TEIL .......................................................................................... 12

3.1.1 Einteilung der Wälder nach ihrer naturschutzfachlichen Bedeutung .. 12

3.1.2 Alte naturnahe und seltene Waldbestände (Klasse 1) ............................ 13

3.1.3 Ältere naturnahe Waldbestände (Klasse 2) ............................................ 14

3.1.4 Jüngere naturnahe Waldbestände (Klasse 3) ......................................... 16

3.1.5 Übrige Waldbestände (Klasse 4) ............................................................ 18

3.2 Management von Totholz und Biotopbäumen ....................................... 18

3.2.1 Definitionen und Situation im Forstbetrieb .............................................. 19

3.2.2 Ziele ........................................................................................................ 22

3.2.3 Maßnahmen............................................................................................ 22

3.2.4 Zielkonflikte ............................................................................................. 23

3.3 Naturschutz bei der Waldbewirtschaftung ............................................. 24

3.3.1 Bestandsbegründung .............................................................................. 24

3.3.2 Jungbestandspflege ................................................................................ 25

3.3.3 Holznutzung ............................................................................................ 25

3.3.4 Waldschutz ............................................................................................. 26

3.3.5 Wegepflege ............................................................................................ 26

3.3.6 Waldrandgestaltung ................................................................................ 27

3.3.7 Kronenrestholz und Kleinselbstwerbereinsatz ........................................ 27

3.4 Schutz der Feuchtstandorte, Quellen und Gewässer ........................... 28

3.4.1 Quellen und Quellstandorte .................................................................... 28

3.4.2 Moore ..................................................................................................... 30

3.4.3 Fließgewässer (Bäche und Rinnsale) ..................................................... 32

3.4.4 Stehende Gewässer (Weiher und Waldtümpel) ...................................... 33

3.5 Schutz der Blockfelder ............................................................................ 35

3.5.1 Blockfelder .............................................................................................. 35

3.6 Management von Offenlandflächen ........................................................ 36

3.7 Ausgewiesene Schutzgebiete und geschützte Einzelobjekte .............. 39

3.7.1 Schutzgebiete ......................................................................................... 39

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 3


3.7.2 Geschützte Einzelobjekte ....................................................................... 47

3.8 Spezielles Artenschutzmanagement ...................................................... 50

3.8.1 Flora ....................................................................................................... 50

3.8.2 Pilze, Moose und Flechten ..................................................................... 51

3.8.3 Fauna ..................................................................................................... 51

3.8.4 Zusammenfassende Ziele und Maßnahmen .......................................... 61

3.9 Kooperationen .......................................................................................... 62

3.9.1 Zusammenarbeit ..................................................................................... 62

3.9.2 Öffentlichkeitsarbeit ................................................................................ 62

3.9.3 Modellgemeinde Tännesberg ................................................................. 63

3.10 Interne Umsetzung ................................................................................... 64

Glossar ................................................................................................................. 66

IMPRESSUM ........................................................................................................ 68

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 4


1 Zusammenfassung

Im Zuge ihres Nachhaltigkeitskonzepts haben die Bayerischen Staatsforsten Ziele für den

Naturschutz im Wald festgelegt. Das Naturschutzkonzept enthält bereits detaillierte

Aussagen zum Natur- und Artenschutz in den Staatswäldern des Freistaats Bayern und

wurde in einem 10-Punkte-Programm veröffentlicht. Im Regionalen Naturschutzkonzept

werden aus diesen Vorgaben konkrete Handlungsanweisungen auf Forstbetriebsebene

abgeleitet. Regionale Besonderheiten des Naturschutzes werden dabei herausgearbeitet.

Der Forstbetrieb Flossenbürg erstreckt sich mit einer Fläche von ca. 16.000 ha über drei

Wuchsbezirke. Die Waldgeschichte hat zu einem großflächigen Bestockungswandel hin zu

fast reinen Nadelholzbeständen geführt. Der Umbau dieser Bestände zu Mischbeständen ist

das wichtigste waldbauliche Ziel.

Auf insgesamt 20 % der Forstbetriebsfläche finden sich Moore und sonstige

nässebeeinflusste Standorte. Vorrangiges Ziel ist neben dem Artenschutz daher die

Erhaltung und Weiterentwicklung derartiger Flächen.

Durch einen integrativen Schutzansatz werden mit dem Erhalt von alten Waldbeständen und

dem Totholz- und Biotopbaumprogramm die Bedürfnisse des Artenschutzes zu einem

wesentlichen Teil abgedeckt. Darüber hinaus sind besonders wertvolle Flächen komplett

oder weitestgehend aus der forstlichen Nutzung genommen.

Wälder auf Feucht-, Trocken- und Sonderstandorten wurden im Forstbetrieb erfasst und

erfahren eine gesonderte, angepasste Waldbehandlung. Die großflächig vorhandenen

Offenlandflächen werden weiterhin gepflegt und z. T. entgegen der natürlichen Sukzession

vom Wald frei gehalten.

Auf nennenswerten Flächen haben naturschutzfachliche Ziele eine übergeordnete

Bedeutung. In den auf großen Flächen ausgewiesenen Schutzgebieten (Natura 2000,

Naturschutzgebiete, Naturwaldreservate, Landschaftsschutzgebiete, etc.) werden die

Schutzziele in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden (Ämter für Ernährung,

Landwirtschaft und Forsten, Naturschutzbehörden) konsequent umgesetzt.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 5


Die Waldfunktionsplanung (WFP) nach Art. 6 BayWaldG weist im Staatswald des

Forstbetriebes Flossenbürg unter anderem Flächen mit besonderer Bedeutung für den

Biotopschutz (1.919 ha), Bodenschutz (625 ha) und Wasserschutz (38 ha) aus.

In zahlreichen Programmen, Projekten und Untersuchungen wird am Artenschutzmanagement

gearbeitet. Durch eine naturnahe und rücksichtsvolle Waldbewirtschaftung

kann den Ansprüchen besonders seltener und sensibler Arten Rechnung getragen werden.

Die dynamischen Entwicklungen im Ökosystem Wald werden dabei stets im Auge behalten

und genießen den Vorrang vor einem statisch konservierenden Schutzansatz.

Dazu werden die bestehenden sehr guten Verbindungen zu den regionalen Gruppen der

Naturschutzverbände, dem amtlichen Naturschutz, der Forstverwaltung und der

Wissenschaft sowie zu Artenspezialisten weiter gepflegt und ausgebaut. Dies trägt auch zur

notwendigen Vertrauensbildung gegenüber der Waldbewirtschaftung bei.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 6


2 Allgemeines zum Forstbetrieb Flossenbürg

2.1 Kurzcharakteristik für Naturraum und Geschichte

2.1.1 Naturraum

Die Waldflächen im Forstbetriebsbereich verteilen sich über die folgenden drei forstlichen

Wuchsbezirke (WB):

WB 9.1 Oberpfälzer Becken- und Hügelland 1 %

WB 10.3 Vorderer Oberpfälzer Wald 25 %

WB 10.4 Innerer Oberpfälzer Wald 74 %

Der vorwiegend aus geschlossenen Waldgebieten bestehende Forstbetrieb reicht über drei

Landkreise von Bärnau im Norden bis Oberviechtach im Süden. In der Breite wird er von der

Autobahn A 93 im Westen und der Landesgrenze zu Tschechien im Osten eingefasst.

Die Höhenlage dieser Waldungen reicht von 350 m im Pfreimdtal bis 934 m am Entenbühl,

mit dem Schwerpunkt zwischen 550 bis 800 m.

Das raue und feuchte, teilweise von Starkregenereignissen gezeichnete Mittelgebirgsklima

mit 800 – 1.000 mm Niederschlägen pro Jahr und die niedrige Jahresdurchschnittstemperatur

von 6,5 Grad Celsius sind typisch für diese Landschaft.

Geologisch besteht der Forstbetriebsbereich im Wesentlichen aus der einheitlichen

Gneismasse des Oberpfälzer Waldes mit großen eingesprengten Granitstöcken. Der

flächenmäßig überwiegend nährstoffreiche Gneis bildet stabile, lockere, feinerdereiche und

grusige Braunerden. Aus Granit hingegen entstehen blockreiche, grobkörnige und oft

podsolige Böden, teilweise auch Podsole. Die Zeitspanne der Entstehung dieser

Gesteinsbildungen liegt maßgeblich im Erdaltertum.

Nur rund 1 % der Forstbetriebsfläche liegt im Oberpfälzer Becken- und Hügelland. Hier

dominieren Sedimente der Oberkreide, größtenteils treten sie als quarzreiche Sande, z. T.

auch als glimmer- und feldspatreiche, nährstoffkräftige Feinsande auf.

Das von Kreidesandsedimenten gestaltete Oberpfälzer Becken- und Hügelland wird vom

schroffen Wechsel der trockenen und anmoorigen Standortsvarianten charakterisiert. Hier

stocken überwiegend Kiefernreinbestände. Die nassen Böden zeigen zumindest in der

Jugendphase eine Vielfalt an sonstigen Laubhölzern (Schwarzerle, Weide, Aspe, Moorbirke).

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 7


Rund 80 % der Standorte sind als relativ stabil zu bezeichnen. Die meisten Standorte haben

für die wichtigsten Baumarten eine ausreichende Wasserversorgung (70 % mäßig frisch und

frisch bis ziemlich frisch). Bedeutende Einschränkungen für die Baumarteneignung treten nur

hinsichtlich der Nährstoffversorgung und der klimatischen Grenzen auf.

Die Moore (3 %) und die stark vernässten Standorte (12 %) spielen eine bedeutende Rolle.

Die geregelte Forstwirtschaft ist hier nur unter erschwerten Bedingungen möglich.

Bezüglich der natürlichen Waldgesellschaften stellt sich die Situation folgendermaßen dar:

In den Hügellagen des „Oberpfälzer Waldes“ dominiert natürlicherweise die Buche, in

Berglagen der Bergmischwald. In den Bergmischwäldern bestimmt v. a. die Klimatönung

(Luv- und Leelagen) die Konkurrenzkraft der Buche. Typisch ist dort der Dreiklang Buche-

Tanne-Fichte (AUGUSTIN 1991 1 ). Ähnlich wie bei den angrenzenden Wuchsgebieten

Frankenwald/Fichtelgebirge/Steinwald und Oberpfälzer Becken- und Hügelland ist die

Nadelbaumkomponente nutzungsbedingt stark überrepräsentiert (der aktuelle

Nadelholzanteil des Staatswaldes in diesem Wuchsgebiet beträgt zur Zeit ca. 87 %). Im

Vergleich zum Fichtelgebirge und zum Bayerischen Wald fallen deutlich geringere

Niederschlagsmengen und es fehlt die hochmontane Höhenstufe.

Die natürliche Waldzusammensetzung besteht vorwiegend aus Hainsimsen-Buchenwäldern

(Luzulo-Fagetum). Auf weniger frischen Standorten sind diese von Natur aus mit einem

höheren Nadelholz- und Eichenanteil ausgestattet. Der submontanen Höhenform ist v. a. die

Tanne beigemischt. Die montane Höhenform im „Inneren Oberpfälzer Wald“ entspricht dem

Bergmischwaldtyp mit Tanne und Fichte. Vereinzelt sind auf basenreicheren Böden

Waldmeister-Buchenwälder (Galio odorati-Fagetum) vorhanden.

Im Wuchsbezirk „Vorderer Oberpfälzer Wald“ existieren vermehrt Flächen mit

Pseudovergleyung. Auf diesen Standorten findet man verbreitet Preiselbeer-Fichten-Tannen-

Kiefernwälder (Vaccinio vitis-idaeae-Abietetum). Ganzjährig nasse Böden sind in dieser

Region von Natur aus mit Fichten-Schwarzerlen-Sumpfwäldern (Circaeo alpinae-Alnetum

glutinosae) bestockt. Moorwaldgesellschaften (Spirken- oder Fichtenmoorwald) kommen in

einem geringen Umfang vor.

1 AUGUSTIN, H. (1991): Die Waldgesellschaften des Oberpfälzer Waldes.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 8


Auf skelettreichen Böden mit saurer Humusauflage sind Silikatblockwälder mit Fichte,

Vogelbeere und Birke (Betula pubescens-Sorbus aucuparia-Gesellschaft) verbreitet. Blockund

Hangschuttwälder werden von Natur aus in den kühleren bis montanen Lagen vom

Eschen-Bergahorn-Block- und Hangschuttwald (Fraxino excelsioris-Aceretum pseudoplatani)

bestockt.

Im Bereich des Wuchsgebietes „Oberpfälzer Becken- und Hügelland“ werden die

Waldgesellschaften auf trockeneren Böden von Kiefer und Eiche, ansonsten von der Buche

dominiert. Die Waldgesellschaft mit der höchsten Flächenverbreitung ist der bodensaure,

zwergstrauch- und moosreiche Nordöstliche Waldreitgras-Traubeneichenwald

(Calamagrostio aurundinaceae –Quercetum petraeae).

Der Vergleich der durchschnittlichen Baumartenverteilungen über alle Altersklassen mit jener

in der jüngsten Altersklasse lässt bereits einen deutlichen Bestockungswandel erkennen:

Tab. 1: Baumartenverteilung am Forstbetrieb Flossenbürg

Baumart ø bis 20 J Baumart ø bis 20 J

Fichte 64 % 52 % Buche 12 % 17 %

Kiefer 9 % 1 % Edellaubholz 1 % 2 %

Tanne 1 % 2 % Sonst. Laubholz 7 % 23 %

Lärche 5 % 1 % Summe Lbh 20 % 42 %

Summe Ndh 80 % 58 %

Zu Gunsten der Laubbaumarten und der Tanne nimmt der Fichtenanteil ab. Die verstärkte

Einbringung von Laubbäumen und Tannen in den letzten 15 – 20 Jahre ist in den

planmäßigen Maßnahmen zum Waldumbau aufgrund des Klimawandels und der

notwendigen Stabilisierung der Bestände begründet. Beschleunigt wurde der Waldumbau

durch den Baumartenwechsel infolge von Schadereignissen wie Sturmwürfen oder

Borkenkäferkalamitäten.

2.1.2 Geschichte

Prägenden Einfluss auf die ursprüngliche Waldzusammensetzung hatten die

Besiedlungsgeschichte und die nachfolgende Industrialisierung im Mittelalter. Der für die

Besiedlung an sich schon große Holzverbrauch wurde nochmals übertroffen vom Bedarf der

aufkommenden Eisenindustrie. Entlang der Bäche und Flüsse siedelte sich eine Vielzahl von

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 9


Glashütten und Eisenhämmern an, welche zur Glasherstellung und Eisenverhüttung

waldverwüstend große Holzmengen benötigten. Da kam das damals dominierende

Buchenholz mit seinem exzellenten Brennwert gerade recht. Die Eisenindustrie boomte

damals derart, dass man von der Oberpfalz als dem Ruhrgebiet des Mittelalters spricht.

Noch heute belegen zahlreiche erhaltene Hammerschlösser die Aktivitäten der alten Zeit.

Folge der Eisen- und Glasindustrie war mancherorts eine vollkommene Zerstörung der

ursprünglichen Waldbilder. Mangels fehlender Wiederaufforstungsgesinnung blieben die

kahlgeschlagenen Flächen jahrelang brach liegen. Die freiliegenden Waldböden

degradierten. Erst die folgerichtig erlassenen Wald- und Forstordnungen der Territorialherren

setzten dem ungeregelten Treiben ein Ende. Dies war gleichzeitig, sozusagen aus der Not

heraus geboren, der Beginn einer geregelten, dann über Planvorgaben nachhaltigen

Forstwirtschaft.

Hinzu kam, dass die arme Oberpfälzer Landbevölkerung mangels Getreideeinstreu für ihre

Viehhaltung ersatzweise die Laub- und Nadelstreu aus dem Wald kehrte. Für die Waldböden

bedeutete dies einen Jahrhunderte langen Nährstoffentzug, da sämtlicher Humus förmlich

abgetragen und damit der im Lebensraum Wald so wichtige Nährstoffkreislauf unterbrochen

bzw. gekappt wurde. Die Streunutzung wurde bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts

ausgeübt. Dies wiederum begünstigte langfristig die weniger anspruchsvollen Baumarten

Fichte und Kiefer.

Somit erklärt sich die heutige nadelholzgeprägte Waldzusammensetzung in diesem Raum.

Die ursprüngliche laubholzreiche Waldzusammensetzung verblieb nur in wenigen schwer

bringbaren Hang– und Gipfellagen. Hier befinden sich die Hauptanteile der heutigen

Buchenbestockung.

2.2 Ziele der Waldbewirtschaftung

Bei der forstlichen Nutzung ist es einerseits ein Gebot, den nachwachsenden Rohstoff Holz

der einheimischen Wirtschaft im nachhaltig möglichen Umfang zur Verfügung zu stellen, vom

hochwertigen Stammholz über Industriehölzer (Zellstoff, Papier, Spanholz) bis hin zum

Brennholz (z.B. auch als Rechtholz). Andererseits ist die Bedeutung des Lebensraumes

Wald für die Erhaltung der Artenvielfalt gerade für den Bereich der mitteleuropäischen

Buchenwälder zu sichern.

Der scheinbare Interessenskonflikt zwischen Holzproduktion und Bewahrung oder

Wiederherstellung des Naturerbes (Naturschutz) lässt sich mit konsequenter naturnaher

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 10


Waldbewirtschaftung weitgehend lösen. Aufgabe des Forstbetriebes ist es, alle Belange

konzeptionell und operational in Einklang zu bringen.

Der derzeitige Buchenanteil von 12 % soll langfristig (Allgemeines Bestockungsziel, Zeitraum

rund 50 Jahre) zu Lasten der Nadelbaumarten auf rd. 23 % verdoppelt und den natürlichen

Waldgesellschaften weiter angenähert werden. Dabei sind keine reinen Buchenbestände das

Ziel, sondern strukturierte Mischbestände. Der Tannenanteil von gerade einmal 1 % soll auf

4 % erhöht werden. Diese Zielsetzung wird auch den derzeitigen Ansprüchen des FFH-

Gebietsmanagements sowie den Vorstellungen des amtlichen und des Verbands-

Naturschutzes gerecht.

Die nachfolgenden Maßnahmen konkretisieren die Naturschutzziele im Forstbetrieb

Flossenbürg:

Wald:

Rücksichtnahme auf seltene Arten bei der Bewirtschaftung

Ruhezonen für geschützte Vogelarten (Schwarzstorch, Kranich, Fischadler) mit

Einstellung jeglicher Hiebsmaßnahmen (ggf. auch der Jagd, je nach Empfindlichkeit

der Art) zur Balz-, Brut- und Aufzuchtzeit im Horstbereich (Horstschutzzone)

Wiederherstellung auwaldähnlicher Strukturen an Bachläufen

Schaffung ausreichender Mengen an stehendem und liegendem Totholz durch

konsequentes Belassen von stärkeren Laubhölzern in Nadelholzreinbeständen

Erhaltung bzw. Aufbau von strukturierten Waldrändern (mit Innen- und

Außensäumen) mit möglichst zahlreichen verschiedenartigen Laubgehölzen

Größtmögliche Schonung aller Ressourcen (v. a. Boden und Wasser) bei allen

Waldbewirtschaftungsmaßnahmen

Intensivierung des Waldumbaus (Pflanzung v. a. von Buche, Tanne, Edellaubholz)

und Schaffung von strukturreichen Waldbeständen

Konsequente Förderung der Naturverjüngung aus standortsgemäßen Vorbeständen

Erhalt und Förderung von unterschiedlichsten Habitaten für viele Waldarten

Offenland:




Renaturierung bedeutender Moorvorkommen (z. B. Niedermoor bei Georgenberg im

„NSG Hagenlohe“)

Pflege von offenen Trocken- und Feuchtstandorten

Entbuschung ehemaliger Steinbrüche, Sandgruben und Felsformationen zur

Verbesserung des Lebensraumes wärmeliebender Arten

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 11


3 Naturschutzfachlicher Teil

3.1.1 Einteilung der Wälder nach ihrer naturschutzfachlichen Bedeutung

Die Sicherung und Verbesserung der biologischen Vielfalt im Staatswald ist der zentrale

Ansatz in der Naturschutzstrategie der Bayerischen Staatsforsten. Auf Grund der

historischen Entwicklung gibt es jedoch große Unterschiede in den Strukturen und deshalb

auch in der Vollständigkeit der Artengemeinschaften.

Alte, naturnahe Wälder beherbergen meist noch ein recht umfangreiches Inventar an

seltenen, totholzgebundenen Spezies und sind die wichtigsten Spenderflächen für die

umliegenden Wälder. Diese Flächen gilt es vordringlich zu identifizieren und entsprechend

zu sichern oder zu behandeln.

Zu diesem Zweck werden die Waldbestände im Staatswald nach ihrer naturschutzfachlichen

Bedeutung in 4 Klassen eingeteilt. Auf dieser Grundlage werden künftig naturschutzfachliche

Ziele und Leistungen der Bayerischen Staatsforsten formuliert und dokumentiert.

Insbesondere die Umsetzung des Schutzes der alten Wälder sowie das Totholz- und

Biotopbaummanagement erfolgen daher flächendifferenziert. Die Kriterien zur Festlegung

der Klassen stellen keinen starren Rahmen dar und können je nach fachlicher Notwendigkeit

den örtlichen Verhältnissen des jeweiligen Forstbetriebs angepasst werden.

Die nachfolgende Tabelle 2 zeigt die von den Ergebnissen der Forsteinrichtung 2008

abgeleiteten Ergebnisse der Erhebung der Klasse-1- bis 3-Waldbestände im Forstbetrieb

Flossenbürg.

Tabelle 2: Anteil der Waldklassen im Forstbetrieb Flossenbürg

Waldklasse

Beschreibung

Fläche

(ha)

Anteil an der HB

Fläche (%)

Alte naturnahe Waldbestände

12,9

< 1

1

Seltene Waldbestände

5,3

< 1

Naturwaldreservate

67,1

< 1

2 Ältere naturnahe Waldbestände 140-180 j. 58,1 < 1

3

Jüngere naturnahe Waldbestände > 100 j.

Jüngere naturnahe Waldbestände < 100 j.

83,4

1.180

< 1

8

Summe 1.406,8 9

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 12


Mit 330 ha bzw. 2 % der Betriebsfläche weist der Forstbetrieb nur wenige Bestände mit

einem Alter von über 140 Jahren auf, was die geringe Ausstattung mit Klasse-1- und 2-

Waldbeständen erklärt. Hierbei dominieren die Fichte mit 143 ha sowie die Buche mit knapp

97 ha.

3.1.2 Alte naturnahe und seltene Waldbestände (Klasse 1)

Waldbestände, die aufgrund ihres hohen Alters oder wegen ihrer Besonderheit eine

naturschutzfachliche Ausnahmestellung einnehmen, werden der Klasse 1 zugeordnet. Der

Schwerpunkt liegt auf den naturnahen alten Beständen, am Forstbetrieb zumeist

Buchenbestände mit einem Alter von über 180 Jahren. Weniger naturnah, aber bedingt

durch eine hohe Strukturvielfalt naturschutzfachlich sehr wertvoll sind die seltenen

Waldbestände. Sie gehen zumeist auf historische Waldnutzungsformen wie Hutewälder

zurück und sind zumeist mit Eiche bestockt. Naturwaldreservate gehören grundsätzlich der

Klasse 1 an und stellen den Schwerpunkt der Klasse-1-Waldbestände am Forstbetrieb dar.

Noch verbliebene alte naturnahe Waldbestände und auch einzelne Altbäume sind das

Bindeglied zwischen dem früheren Urwald und dem heutigen Wirtschaftswald. Alte

Buchenwälder zählen zu den großen Raritäten Mitteleuropas. Sie sind außerordentlich

artenreich und beherbergen zahlreiche Arten, die an Altwaldstandorte (seit der

nacheiszeitlichen Waldentwicklung immer mit naturnahem Wald bestockt) gebunden sind,

darunter auch einige Urwaldreliktarten. Diese Wälder können daher wichtige Spenderflächen

für die Wiederbesiedlung spezialisierter Faunenelemente auf anderen Waldflächen sein.

Ihrem Erhalt kommt bezüglich der Sicherung der Biodiversität eine hohe

naturschutzfachliche Bedeutung zu. Daher werden diese Waldbestände im Rahmen der

Forsteinrichtung eigens ausgeschieden und entsprechend beplant.

Erfassung der alten naturnahen und seltenen Waldbestände

Lediglich fünf alte naturnahe oder seltene Waldbestände (z. T. Bestandsteile) mit zusammen

18,2 ha sind auf der Forstbetriebsfläche zu finden. Daneben gehören die beiden

Naturwaldreservate mit zusammen 67 ha definitionsgemäß zu den Klasse-1-Bestände.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 13


Abb. 1: Alter naturnaher (Klasse 1) Waldbestand mit im Mittel 180-jähriger führender Buche

Ziele und Maßnahmen

Ziel ist der Erhalt der derzeit ältesten naturnahen Bestockungen in ihrer gegenwärtigen

Flächenausdehnung mit einer sich unbeeinflusst entwickelnden Totholz- und

Biotopbaumausstattung. Diese Bestände werden wie die Naturwaldreservate weiter in die

Alters- und Zerfallsphase einwachsen. Deshalb werden in den naturnahen alten

Waldbeständen grundsätzlich keine regulären forstlichen Bewirtschaftungsmaßnahmen

durchgeführt. Sie sind wie die Naturwaldreservate in Hiebsruhe gestellt.

3.1.3 Ältere naturnahe Waldbestände (Klasse 2)

Ältere Waldbestände, die noch nicht das Mindestalter der Klasse-1-Bestände erreicht haben

und die gleichzeitig eine naturnahe Baumartenzusammensetzung aufweisen, werden der

Klasse 2 zugeordnet. Bei Buchen- und Eichenbeständen sowie bei Edellaubholz-,

Bergmischwald- oder autochthonen Fichtenbeständen beträgt das Mindestalter in der Regel

140 Jahre. Naturnahe Bestände auf Sonderstandorten (Bruchwälder, Weichholzaue,

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 14


Trockenstandorte) können je nach Waldgesellschaftstyp bereits ab einem Alter von 80

Jahren in die Klasse 2 eingestuft werden.

Eine naturnahe Baumartenzusammensetzung

liegt vor, wenn mindestens 70 % der

Bestandesfläche von Baumarten der natürlichen

Waldgesellschaft eingenommen wird. In diesem

Naturschutzkonzept galten Bestände im Bereich

der Bergmischwaldzone mit einem Fichtenanteil

von mehr als 70 % in der Regel nicht als

naturnah.

Abbildung 2: 150-jähriger Eichen-Buchen-

Bestand im Revier Flossenbürg

Erfassung naturnaher Waldbestände > 140 jährig

Durch die Forsteinrichtung wurden 12 Bestände der Klasse 2 zugeordnet. Diese nehmen mit

einer Fläche von 58 ha einen Anteil von gerade einmal 0,4 % an der Waldfläche des

Forstbetriebs Flossenbürg ein. Es sind ebenfalls überwiegend Fichten- und

Buchenbestände.

Ziele und Maßnahmen

In den Beständen der Klasse 2 werden langfristig durchschnittlich 40 m 3 Totholz [2] und zehn

Biotopbäume je Hektar angestrebt. Durch das Belassen von Totholz- und Biotopbäumen

sollen die natürlicherweise entstehenden Strukturen von Alters- und Zerfallsphasen

zugelassen werden.

[2] Der Vorrat von 40 m 3 /ha bezieht sich auf liegendes und stehendes Totholz ab Kluppschwelle 7 cm,

einschließlich einer Pauschale von 5 m 3 /ha für Stockholz

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 15


Um die Schwelle von 40 m 3 /ha Totholz erreichen zu können, werden die Bestände zusätzlich

durch das Belassen von nicht zur Borkenkäferbrut geeignetem Kronenmaterial (Kiefer,

Laubholz), das im Zuge der Holzernte anfällt, mit liegendem Totholz angereichert. Weiterhin

verbleiben einzelne Windwürfe (Laubholz) unaufgearbeitet zur Anreicherung von starkem

Totholz liegen. Hinsichtlich des biotischen Waldschutzes gibt es lediglich bei der Baumart

Fichte im Forstbetriebsbereich Probleme.

3.1.4 Jüngere naturnahe Waldbestände (Klasse 3)

Waldbestände, die eine naturnahe Baumartenzusammensetzung aufweisen, aber nicht das

Mindestalter der Klasse 2 erreichen, gehören zur Klasse 3.

Erfassung naturnaher Waldbestände 100- bis 140-jährig

Jüngere naturnahe Waldbestände über 100 Jahre mit führendem Laubholz (Klasse 3)

stocken im Forstbetrieb auf einer Fläche von rund 83 ha, was 0,5 % der aktuellen

Waldbestockung entspricht. Es handelt sich um sieben Bestände, vorrangig Buchenwälder.

Abbildung 3: Jüngerer naturnaher Waldbestand (Klasse 3) - mit Buche, Fichte und Tanne in

Verjüngung stehender 128-jähriger Buchen-Fichtenbestand des Reviers Waidhaus

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 16


Erfassung naturnaher Waldbestände unter 100 Jahre

Bestände mit naturnaher Baumartenzusammensetzung und einem Bestandesalter unter 100

Jahren gehören ebenfalls zur Klasse 3.

Die Datenbankauswertung ergab eine Fläche von ca. 1.180 ha naturnah

zusammengesetzter Wälder unter 100 Jahre. Aufgrund des geringeren Bestandesalters sind

wertgebende Biotopstrukturen hier seltener vertreten. Der naturschutzfachliche Wert dieser

Bestände besteht in der Vernetzungsfunktion und der Erhaltung der Biotoptradition. Sie

sichern die Nachhaltigkeit an naturnahen Wäldern und ermöglichen in absehbaren

Zeiträumen eine Vergrößerung der Kulisse an Klassewäldern am Forstbetrieb Flossenbürg.

In den jüngeren Altersklassen unter 60 Jahren kommen neben Buchenbeständen auch

zunehmend Edellaubholzbestockungen vor.

Ziele und Maßnahmen

Auch in den Beständen der Klasse 3 (< 100 Jahre) findet das Biotopbaumkonzept

Anwendung. Bereits in den jüngeren Beständen werden gezielt Biotopbäume mit Initialen wie

Brüchen oder Faulstellen (Faulästen) erhalten. Die modernen waldbaulichen Pflegekonzepte

unterstützen diese Entwicklung, da nicht mehr wie früher flächig vom schlechten Ende her

genutzt wird (negative Auslese), sondern sehr frühzeitig eine positive Auslese mit

Augenmerk auf eher in weitem Abstand stehende Zuwachsträger stattfindet. Somit bleiben

i. d. R. immer genügend Biotopbäume in den Zwischenfeldern erhalten.

Darüber hinaus wird in über 100–jährigen führenden Laubholzbeständen ein Totholzvorrat

von 20 m 3 /ha [3] angestrebt. Realisiert wird dies v. a. durch Belassen von Hiebsresten. Hierbei

gehen eine qualitätsbedingt schlechte Holzverwertungsmöglichkeit und ein i. d. R. damit

verbundenes gutes Biotopbaumpotential Hand in Hand. Totholz- und Biotopbäume aus der

Verjüngungsnutzung werden in die nachfolgende Waldgeneration übernommen.

[3] Der Vorrat von 20 m 3 /ha bezieht sich auf liegendes und stehendes Totholz ab Kluppschwelle 7 cm,

einschließlich einer Pauschale von 5 m 3 /ha für Stockholz.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 17


3.1.5 Übrige Waldbestände (Klasse 4)

Waldbestände, die nicht in die Klassen 1 bis 3 fallen,

werden den Klasse-4-Beständen zugeordnet.

Waldbestände mit führendem Nadelholz nehmen an der

gesamten Forstbetriebsfläche den Großteil ein (vgl.

Tab. 2). Die insgesamt dominierenden Fichtenbestände

werden in jüngeren Jahren zunehmend von

Mischbeständen abgelöst.

Ziele und Maßnahmen

Abbildung 4: Klasse-4-Waldbestand

mit führender Fichte, in Verjüngung

stehend mit Buche, Fichte und Tanne

(Revier Waidhaus)

Auch in diesen Beständen sollen die Aspekte des

Naturschutzes weitestgehend Berücksichtigung finden.

Allerdings sind dem Anreichern von Nadelbaum-Totholz

und dem Belassen von Biotopbäumen oftmals Grenzen

durch die Waldschutzsituation gesetzt (Borkenkäfer wie

Buchdrucker und Kupferstecher).

Aus naturschutzfachlicher Sicht ist das Arteninventar in den naturfernen Nadelholzbeständen

nicht annähernd so wertvoll und erhaltenswert wie die ursprüngliche Fauna und Flora der

naturnahen laubholzreichen Bestockungen. Selbstverständlich werden jedoch auch in den

Klasse-4-Wäldern wertvolle Biotopbäume und wertvolles Totholz besonders geschützt und

erhalten.

Die allgemeinen waldbaulichen Vorgaben, wie z. B. der Umbau von Nadelholzbeständen in

Mischbestände oder die Pflegegrundsätze, die ein Belassen von Pionier- und

Weichlaubbäumen vorsehen, gelten unabhängig davon.

3.2 Management von Totholz und Biotopbäumen

Totholz und Biotopbäume sind die herausragenden Strukturen für die Artenvielfalt in

Wäldern. Sie bieten Nahrungs- und Nistmöglichkeiten für Waldvogelarten, Insekten und

Wirbeltiere. Pilze, Flechten und andere Pflanzenarten besiedeln oder zersetzen totes Holz

und sind gleichzeitig wiederum Nahrungsgrundlage für andere Arten. Die Biotopqualität von

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 18


Bäumen verhält sich meist umgekehrt proportional zu deren Nutzwert, so dass der direkte

wirtschaftliche Wertverlust i. d. R. gering ist.

3.2.1 Definitionen und Situation im Forstbetrieb

Totholz

Totholz ist abgestorbenes Holz. Es unterliegt dem Verrottungs- und Zersetzungsprozess und

bietet in jeder Phase der Zersetzung Lebensraum für zahlreiche charakteristische Arten.

Dazu zählen insbesondere Käfer, Pilze und Moose. Totholz dient aber auch als

Nahrungsbasis für Vogelarten und ist Deckungsraum für Kleinsäuger, Amphibien und

Schnecken. Viele gefährdete Arten sind zwingend auf Totholz angewiesen. Die für die

biologische Vielfalt unserer Wälder charakteristische Fülle an Arten und Lebensräumen wird

durch die Bereitstellung und Anreicherung von Totholz auf einfache Weise erhalten und

gefördert.

Stehendes Totholz hat infolge seiner längeren Haltbarkeit und zahlreicheren Nischen i. d. R.

ein höheres ökologisches Potenzial als liegendes Totholz. Besonders wertvoll sind Tothölzer

über 25 cm Durchmesser. Laubhölzer haben dabei den höheren Artenschutzwert.

Abbildung 5: Liegendes Totholz mit Zunderschwammkonsolen im

Naturwaldreservat Schlosshänge

Bei der FE-Inventur von 2008 wurden im Forstbetrieb 56.109 m 3 Totholz (3,6 m 3 /ha

Holzboden) ermittelt. Dies entspricht gut 1% des lebenden Holzvorrates. Die aktuelle

Bestockung spiegelt sich auch in der Baumartenzusammensetzung des Totholzes wider, das

zu 86 % aus Nadelholz besteht.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 19


Bezieht man das Stockholz mit etwa 5 m 3 /ha Holzboden (lt. BWI II) mit ein und rechnet den

aufgenommenen Totholzvorrat auf die Kluppschwelle 7 cm hoch (Umrechnungsfaktor 1,35

nach CHRISTENSEN et. al 2005 2 ) beläuft sich der gesamte Totholzvorrat auf rund

10,1 m 3 /ha Holzboden. Das meiste Totholz gehört zur Stärkeklasse I (20-35 cm ø) mit 54 %

(30.323 m 3 ). Defizite bestehen beim wertvollen Laub-Starkholz (≥ 48 cm ø = 4 %) (s. Abb. 6).

Ungefähr die Hälfte ist stehendes Totholz.

Der überwiegende Teil (77 %) des Totholzes ≥ 20 cm Durchmesser ist bereits leicht bis

deutlich zersetzt. Frisches und vermodertes Totholz weisen 17 % bzw. 5 % auf (vgl. Tabelle

3).

Tabelle 3: Totholzvorrat nach Zersetzungsgrad getrennt in Laub- und Nadelholz

Zersetzungsgrad

noch nicht zersetzt

leicht bis deutlich

Summe

vermodert

zersetzt

m 3 % m 3 % m 3 % m 3 %

Nadelholz 8.426 86,1% 37.257 85,9% 2.360 79,4% 48.043 85,6%

Laubholz 1.359 13,8% 6.096 14,1% 611 19,9% 8.066 14,4%

Summe 9.785 17,4% 43.353 77,3% 2.971 5,3% 56.109 100,0%

100%

90%

80%

70%

60%

50%

40%

30%

20%

10%

0%

fmm fmm fmm I (20-35 cm) II (36-47 cm) III (ab 48 cm)

liegendes Totholz Lbh 3.027 768 1.147

liegendes Totholz Ndh 14.781 5.672 2.261

stehendes Totholz Lbh 934 874 1.314

stehendes Totholz Ndh 11.581 8.412 5.338

Abbildung 6: Totholz nach Stärkeklassen getrennt nach Laub- und Nadelholz (liegend, stehend);

2 CHRISTENSEN ET AL. (2005): Dead wood in European beech (Fagus sylvatica) forest reserves. For Ecol

Manage 210: 267–282.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 20


Die natürliche Bestockung würde im Forstbetriebsbereich überwiegend aus buchenreichen

Waldgesellschaften bestehen. Für den Erhalt der an die Buchenwälder gebundenen

Lebensgemeinschaften ist vor allem ein ausreichendes Angebot an Totholz von

Laubbäumen (insbesondere Buche) entscheidend. Der insgesamt sehr geringe Laub-

Totholzwert im Forstbetrieb Flossenbürg ist unbefriedigend. Bezieht man die

Baumartenverteilung mit ein, so zeigt sich aber, dass der Anteil am Laubtotholz dem Anteil

des Laubholzes am Gesamtvorrat entspricht. Gerade aber bei einer Ausgangslage von

relativ wenig Laubholz wäre insgesamt deutlich mehr Buchentotholz wünschenswert.

Abbildung 7: Totholznest aus stehender/liegender Buche

und Fichte im NWR Schlosshänge

Biotopbäume

Jeder Baum bietet selbstverständlich einen Lebensraum für verschiedene Tier- und

Pflanzenarten und stellt so ein Biotop für unterschiedlichste Arten dar. Im

Biotopbaumkonzept werden jedoch nur die ökologisch besonders wertvollen Bäume als

Biotopbäume bezeichnet. Entscheidend für die Eigenschaft eines Biotopbaumes ist das

Auftreten bestimmter Strukturmerkmale, die eine besondere Bedeutung für die biologische

Vielfalt haben. Zu den wichtigsten Typen von Biotopbäumen gehören vor allem:

Bäume mit Spechthöhlen oder Faulhöhlen

Horstbäume

Hohle Bäume und „Mulmhöhlen-Bäume“

teilweise abgestorbene Bäume

lebende Baumstümpfe

Bäume mit abgebrochenen Kronen oder Zwieseln

Bäume mit Pilzbefall (vgl. Titelbild)

besonders seltene Bäume

Blitzbäume

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 21


Besondere Altbäume (Methusaleme) werden grundsätzlich nicht mehr genutzt. Tanne,

Lärche, Eiche, Douglasie und Fichte gelten in der Regel ab einem Brusthöhendurchmesser

(BHD) von über 100 cm und alle übrigen naturschutzfachlich wertvollen Baumarten ab 80 cm

BHD als Methusaleme.

3.2.2 Ziele

In den naturnahen Beständen über 100 Jahre werden durchschnittlich zehn Biotopbäume je

ha dauerhaft angestrebt. Hierdurch sollen wertvolle Requisiten für Käfer, Pilze, Vögel,

Fledermäuse, Flechten etc. geschützt und gefördert werden. Damit werden

Voraussetzungen geschaffen, die die Weitergabe von Arttraditionen an den nachfolgenden

Bestand ermöglichen. In Buchen- und Kiefernverjüngungsflächen ist dies durch die

langfristigen Verjüngungszeiträume i. d. R. problemlos möglich.

Neben den Biodiversitätsaspekten ist das Belassen von Totholz und Feinreisig auch für die

nachhaltige Sicherung der Bodenfruchtbarkeit von Belang. Insbesondere auf nährstoffarmen

Standorten ist die Menge und Qualität der nicht genutzten organischen Substanz für die

Humusbildung und damit für die Nährstoffversorgung der Böden entscheidend. Die im

Forstbetrieb vorhandenen grusigen Granitverwitterungsböden weisen oftmals eine geringe

Basensättigung auf. Ein permanenter Entzug der nahezu gesamten aufstockenden

Biomasse, z. B. durch dauerhaft flächige Kleinselbstwerbung und Gipfelhäckselung (aus

Waldschutzgründen) kann die Bodenfruchtbarkeit langfristig erheblich beeinträchtigen.

Durchgeführte Forschungsarbeiten bestätigen die Sensibilität unterschiedlicher

Waldstandorte gegenüber Nährstoffentzügen durch Biomassenutzung (z. B. KÖLLING, 2010 3 ).

Die Bayerischen Staatsforsten haben in einem eigenen Biomasse-Nutzungskonzept die

kritischen Standorte für eine Feinreisignutzung lokalisiert, um negative Nährstoffbilanzen

tunlichst zu verhindern.

3.2.3 Maßnahmen

Die wichtigsten innerbetrieblichen Umsetzungshinweise zum Totholz- und

Biotopbaumkonzept im Forstbetrieb Flossenbürg sind:

3 KÖLLING (2010): Maß halten: Biomassenutzung kann Produktionskapital verzehren. LWF Aktuell 78/2010

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 22


Biotopbäume werden im Rahmen der Hiebsvorbereitung markiert (bei Horstbäumen

erfolgt eine Abwägung hinsichtlich möglicher „Ruhestörung“ durch die Öffentlichkeit)

bei der Hiebsvorbereitung ist grundsätzlich zwischen Holzwert, ökologischem Wert

und waldbaulicher Wirkung auf Nachbarbäume sowie Verjüngung abzuwägen

Biotopbäume und wertvolles stehendes Totholz bleiben grundsätzlich bis zum

natürlichen Zerfall erhalten (Ausnahme Arbeits- und Verkehrssicherheit)

Höhlen- und Horstbäume sind besonders geschützt:

o Kennzeichnung

o Keine Eingriffe in unmittelbarer Umgebung

o Bei seltenen und störungsempfindlichen Arten wie Schwarzstorch und

Fischadler finden während der Balz-, Brut- und Aufzuchtzeiten im Umkreis

von 300 m keine forstlichen Maßnahmen und keine Jagd statt (gemäß

Arbeitsanweisung zur Erfassung und Bewertung von Waldvogelarten in

Natura 2000-Vogelschutzgebieten (SPA))

Minderheitenschutz für seltene Begleitbaumarten in der Pflege

Gezieltes Ausweichen mit Kleinselbstwerbern in jüngere Bestände, um Druck auf

ältere und naturschutzfachlich wertvollere Bestände zu mindern

Lenkung der Aufarbeitung von Hiebsresten durch Kleinstselbstwerber in „begeh- und

befahrbare“ Lagen (unmittelbare Nähe zu Forststraßen) und bevorzugte Anreicherung

von Totholz in schlechter erschlossenen Bereichen oder Hanglagen

Sollten trotz aller Bemühungen Biotopbäume, die besonders wertvolle Strukturmerkmale

aufweisen, als solche nicht erkannt und versehentlich gefällt werden (z. B. weil vom Boden

aus die entsprechenden Strukturmerkmale nicht ersichtlich sind), werden die vom

Strukturmerkmal betroffenen Stammteile als liegendes Totholz im Bestand belassen.

3.2.4 Zielkonflikte

Insbesondere länger stehendes Totholz kann durch seine Brüchigkeit ein hohes

Gefährdungspotential hinsichtlich der Verkehrssicherung darstellen. Im Baumfallkorridor viel

begangener Forststraßen und Wanderwege empfiehlt es sich von daher, auf eine

Anreicherung stehenden Totholzes zu verzichten. Die Verkehrssicherheit besitzt Priorität,

d. h. im Bereich öffentlicher Straßen, Wanderwege, Erholungseinrichtungen o. ä. werden

stehendes Totholz und Biotopbäume, von denen eine Gefahr ausgeht, gefällt und als

liegendes Totholz belassen.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 23


Es bieten sich i. d. R. genügend hinterliegende Waldflächen für eine Totholzanreicherung an.

Zur Konfliktvermeidung soll insbesondere auch an eine inselartige Konzentration gedacht

werden. Diese hat gleichzeitig Vorteile für Waldbewirtschaftung und Arbeitssicherheit.

Der Sicherheit bei der Waldarbeit gebührt der Vorrang. Der Umgang mit Totholz und

Biotopbäumen ist im Hinblick auf die Arbeitssicherheit in Betriebsanweisungen mit den

Waldarbeitern geregelt. Die Entscheidung zur präventiven Beseitigung unterliegt immer

einem Abwägungsprozess.

3.3 Naturschutz bei der Waldbewirtschaftung

Die Holznutzung, aber auch andere Maßnahmen im Zuge der Forstwirtschaft beeinflussen

den Naturschutz und die Artenvielfalt im Wald. Bei überlegtem Vorgehen und guter Planung

lassen sich ohne übermäßigen Aufwand Nutzung und Schutz verbinden. Die

Rücksichtnahme auf die Belange des Naturschutzes, der Landschaftspflege und der

Wasserwirtschaft ist gesetzlicher Auftrag bei der Staatswaldbewirtschaftung. Das Konzept

der naturnahen Forstwirtschaft bildet die Grundlage für die Waldbewirtschaftung im

Forstbetrieb Flossenbürg. Hierzu zählt die permanente Berücksichtigung von

Naturschutzaspekten auf der gesamten Wirtschaftsfläche (integrierter Naturschutz). In

besonders schützenswerten Teilflächen kann die Naturschutzfunktion auch Vorrang erhalten.

Neben der Berücksichtigung des Natur- und Artenschutzes wird bei der Waldbewirtschaftung

ebenso auf die Erhaltung kulturhistorischer Schätze wie Burgen und denkmalgeschützte

Bunker Wert gelegt.

3.3.1 Bestandsbegründung

Pflanzmaßnahmen werden neben der waldbaulichen Zielsetzung auch zur Erhöhung der

Artenvielfalt genutzt. Dies trifft besonders auf die im Betriebsbereich eher seltenen

Baumarten zu. Diese Mischelemente der natürlichen Waldgesellschaft werden auf

Sonderstandorten gezielt bei Pflanzmaßnahmen mit berücksichtigt. Auf der gesamten

Forstbetriebsfläche werden v. a. die Buche, die Tanne und andere Laubhölzer wie

Schwarzerle und Moorbirke eingebracht. Fremdländische Baumarten (z. B. Douglasie) und

Arten, die nicht zur natürlichen Waldgesellschaft gehören (z. B. Europäische Lärche),

werden grundsätzlich nur gruppenweise beigemischt.

Des Weiteren lassen sich waldklimatische und waldstabilisierende Zielsetzungen bestens mit

Naturschutzbelangen verbinden. Klassische Waldinnen- und -außensäume aus

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 24


standortsheimischen Sträuchern (z. B. Weißdorn, Wolliger Schneeball, Pfaffenhütchen) und

Baumarten zweiter und dritter Ordnung (z. B. Kirsche und Feldahorn auf Sonnseiten) geben

nicht nur Kleintierarten einen vielfältigeren Lebensraum, sondern verschönern vor allem in

der Blütezeit auch noch das Landschaftsbild. Gerade gut strukturierte Waldränder an der

Wald-Feld-Grenze bereichern durch den Randlinien-Effekt die Artenvielfalt.

3.3.2 Jungbestandspflege

In der Jugendphase entscheiden sich Mischungsart und Mischungsform sowie die zukünftige

Bestandsqualität. Aus Naturschutzsicht gilt es, die seltenen Mischbaumarten konsequent

über Pflegeeingriffe zu begünstigen.

Besondere Bedeutung haben dabei die Weichlaubhölzer, da sie die Nahrungsgrundlage für

viele Insekten bilden (z. B. Weidenarten für Großen Schillerfalter oder Aspe für Kleinen

Schillerfalter). Eine vollständige Entnahme aller Weichlaubhölzer würde auch den

waldbaulichen und betriebswirtschaftlichen Interessen widersprechen. Gerade an den

Bestandsaußenrändern sollten die Pflegeaufträge auf einen gestuften 5-10 m breiten

Waldinnentrauf (z. B. an Forstwegen) mit zahlreichen Weichlaubhölzern und Sträuchern

abgestellt sein.

In den Behandlungsrichtlinien der BaySF wird der Blick in allen Nutzungsarten auf die

Zukunftsbäume gelenkt (Z-Baum-Konzepte), eine gezielte Entnahme schlecht geformter

Bäume unterbleibt. Dadurch werden in den Zwischenräumen, welche bis auf eine

Mischungsregulierung oder spätere Z-2-Auswahl unbehandelt bleiben, die Bäume erhalten,

die sich von schlecht geformten Bäumen hin zu echten Biotopbäumen entwickeln können.

3.3.3 Holznutzung

Auch bei Holzerntemaßnahmen werden die seltenen Mischbaumarten begünstigt.

Biotopbäume werden beim Auszeichnen der Bestände zu ihrem Schutz mit einer auf

Forstbetriebsebene einheitlichen Markierung versehen. Totholz bleibt unberührt stehen, es

sei denn die Arbeitssicherheit hat den Vorrang. Im Gefahrenbereich um sehr wertvolles

Totholz erfolgt keine Auszeichnung und Fällung. Ziel ist die Schaffung eines größeren

Totholzreichtums sowie der Aufbau von (inselartigen) dauerhaft verbleibenden Altholzresten

(im Durchschnitt zehn Biotopbäume pro ha).

Hiebs- und Durchforstungsmaßnahmen werden in der Nähe besetzter Horstbäume während

der Balz-, Brut- und Aufzuchtzeit räumlich abgegrenzt und ausgespart.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 25


Auf schützenswerte Pflanzenstandorte wird in Bezug auf die Hiebsführung und den

Belichtungsgrad (Durchforstungsstärke) besondere Rücksicht genommen. Dies wird bereits

in der Planungsphase bei der Anlage des Feinerschließungsnetzes und bei der

nachfolgenden Holzrückung berücksichtigt.

Bei der Rückung hat der Schutz des Bodens größte Priorität. Die Armierung der

Rückegassen mit Gipfel- und Reisigmaterial zur Vermeidung tiefer Gleise gehört zum

Standard. Das Feinerschließungsnetz soll schließlich dauerhaft befahrbar bleiben. Hierbei

helfen auch technische Standards wie Breitreifen, Gleisketten oder

Gewichtsbeschränkungen für die Rückemaschinen. All diese Maßnahmen sind im

Bodenschutzkonzept der BaySF detailliert dargestellt.

3.3.4 Waldschutz

Die Fichte ist aus Waldschutzsicht die Baumart mit den größten Problemen. Befallene

Fichten können jedoch dann bedenkenlos stehen bleiben, wenn der Borkenkäfer bereits

ausgeflogen ist. Abgestorbene Fichten mit Höhlen oder Rindentaschen bilden wichtige

Biotopstrukturen und sollen erhalten werden. Ist die Borkenkäferbrut noch im Baum, ist

zwischen Biotopwert und Waldschutzsituation abzuwägen. Alle anderen Baumarten können

momentan aus Waldschutzsicht vollkommen problemlos als Biotopbaum und späteres

Totholz in den Beständen verbleiben.

Der Verzicht auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (einschließlich der Polterspritzung

gegen Nutzholzborkenkäfer) ist ein weiterer wichtiger Beitrag zum Schutz der Natur und

Umwelt.

3.3.5 Wegepflege

Die neue Forstwegegeneration benötigt zum Abtrocknen Licht sowie Holzlagerstreifen. Die

dadurch entstehenden breiteren Bankette sind oftmals Aufwuchsstandort für allerlei

Pioniergehölze wie Weiden, Birken, Aspen und verschiedenste Straucharten. Für einen

langfristig stabilen Wegekörper gilt es die Bankette von Bewuchs freizuhalten. Dies muss

jedoch nicht überall gleichzeitig geschehen, sondern wird wegeabschnittsweise in einem

gewissen durchlaufenden Turnus abgewickelt (alle 3-5 Jahre). Dadurch ist gewährleistet,

dass in jedem Walddistrikt die für viele Insekten (Schmetterlinge) notwendige

Nahrungsgrundlage im Wechsel vorhanden bleibt. Seltene Strauch- und Baumarten werden

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 26


selbstverständlich auch zur optischen Abwechslung und Landschaftsgestaltung am Wegrand

belassen. Ebenso bereichert ein 2-4 m breiter Gras- und Krautbewuchs die Flora.

Zuwachsende wasserführende Wegegräben sind u. U. Lebensräume für Molche, Frösche

und auch Feuersalamander. Eine Grabenpflege mittels Grabenfräse ist nach

Naturschutzgesetz ausgeschlossen. Gräben werden allenfalls mit dem Grabenbagger wieder

hergestellt. Dabei werden auch wieder neue Lebensräume geschaffen.

Der Zeitpunkt der Wegepflege findet einschließlich des Wiederherstellens der Gräben

außerhalb der Brut- bzw. Laichzeiten im Spätsommer und Herbst statt.

Unter Umständen ist es ökologisch sinnvoll, bei der Beseitigung des Hangbewuchses in

Südlagen auch Rohböden zu schaffen.

3.3.6 Waldrandgestaltung

Die Waldrandbegründung wurde bereits unter Kapitel 3.3.1 angesprochen. Intakte

Waldränder bedürfen mit der Zielsetzung eines reichhaltigen Lebensraums der

wiederkehrenden Pflege. Dabei spielen Auslichtungs- und Strukturmaßnahmen die

entscheidende Rolle. Je seltener und farbenfroher das Element ist, umso höher ist sein

Erhaltungs- und Pflegewert. Wirksame Waldaußenränder haben eine Tiefe von etwa 10-15

m. Der Pflegezeitpunkt orientiert sich an Vogelbrutzeit und Blühzeitpunkt. Pflegeschwerpunkt

ist damit der Herbst. Die Maßnahmen werden vorrangig gezielt händisch ausgeführt.

3.3.7 Kronenrestholz und Kleinselbstwerbereinsatz

Der Kleinselbstwerbereinsatz wird konsequent in jüngere, insbesondere

Durchforstungsbestände umgeleitet. Ebenso fällt die Totholzanreicherung in Hieben über

vorhandener Vorausverjüngung leicht, da erfahrungsgemäß Kleinselbstwerber und Rechtler

die Aufarbeitung in höherer Vorausverjüngung scheuen. Zusätzlich erfolgt im Forstbetrieb

Flossenbürg kein Einsatz von Kleinselbstwerbern in älteren und naturschutzfachlich

wertvollen Beständen, um mögliche Konflikte in Bezug auf die Anreicherung mit Laubtotholz

zu minimieren. Weiterhin werden Kleinselbstwerber meist in unmittelbarer Nähe zu

Forststraßen eingesetzt, um in schlechter erschlossenen Gebieten bevorzugt Totholz

anzureichern.

Kronenrestholz fällt v. a. in Waldarbeiterhieben an, welche auf nährstoffreicheren und

frischeren Standorten durchgeführt werden (vgl. auch Kapitel 3.2.2).

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 27


3.4 Schutz der Feuchtstandorte, Quellen und Gewässer

Die im Forstbetrieb vorkommenden naturnahen Quellen, Gewässer und Feuchtstandorte

sind allesamt gesetzlich geschützte Biotope nach § 30 BNatschG i. V. m. Art. 23

BayNatSchG.

Ziel ist eine Verhinderung von Beeinträchtigungen dieser besonders wertvollen Biotope. Dort

wo es standörtlich sinnvoll und möglich ist, sollen weitere naturnahe Feuchtflächen

entstehen (z. B. Feuchtbiotope auf stauendem Untergrund).

3.4.1 Quellen und Quellstandorte

Quellen und Quellbereiche (Quellhorizonte) haben im Waldlebensraum eine besondere

Bedeutung, da sie Trittsteine für wasserliebende Pflanzen- und Tierarten (z. B.

Feuersalamander) sind.

Vorkommen, Entwicklung und Zustand

Im Forstbetrieb Flossenbürg sind im Jahr 2010 im Bereich Tännesberg 65 Quellstandorte im

Rahmen des Kooperationsprojektes „Quellschutz im Staatswald“ durch den LANDESBUND FÜR

VOGELSCHUTZ IN BAYERN e. V. kartiert worden. Diese orientierte sich an einer Erstkartierung

von 1996.

Die Auswertung der Kartierung hinsichtlich der morphologischen sowie flächigen

Veränderungen zeigt, dass an 38 % der Quellen Strukturveränderungen festgestellt wurden.

Diese sind hauptsächlich durch Ausräumungen, Verrohrungen, Fassungen und Umleitungen

hervorgerufen. Hierbei ist der Anteil von gefassten Quellen deutlich geringer als der BaySF-

Durchschnitt.

Mit fast 97 % (63 Quellen) weist fast jede Quelle eine flächige Beeinträchtigung auf. Der

Grund hierfür ist vorrangig ein nicht standortgerechter Baumbestand aus führender Fichte.

Insgesamt 33 Quellen konnten im Jahr 2010 in ihrem Zustand mit den Aufnahmen aus dem

Jahr 1996 verglichen werden. Hierbei zeigt sich, dass etwa drei Viertel der kartierten Quellen

sich in ihrem Zustand verbessert oder zumindest nicht verschlechtert haben. Zur

Verbesserung des Zustandes haben v. a. die Entnahme von Fichten sowie die Erhöhung des

Laubholzanteils geführt.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 28


6%

3%

18%

24%

49%

starke Verbesserung

gleichbleibend

starke Verschlechterung

leichte Verbesserung

leichte Verschelchterung

Abbildung 8: Veränderung des ökologischen Zustandes von 33 Quellen zwischen 1996 und 2010

(QUELLSCHUTZ IM STAATSFORST – KARTIERUNG TÄNNESBERGER FORST 2010)

Zusammenfassend wird in der Erhebung aufgeführt, dass im Vergleich mit dem BaySF-

Durchschnitt ein deutlich geringerer Anteil an vollständig zerstörten Quellen (i. d. R. gefasste

Quellen; 6 %) vorkommt. Allerdings ist der Anteil der natürlichen und naturnahen

Quellbereiche durch den überdurchschnittlich hohen Anteil an teilbeeinträchtigten Quellen

(72 %) im Vergleich zu den restlichen Staatswaldflächen der BaySF (52 %) mit einem Anteil

von nur 6 % aller kartierten Quellen zu gering. Insgesamt erfolgte die Einschätzung, dass die

Quellen im Tännesberger Forst in einem relativ schlechten Zustand sind.

Die im Folgenden aufgeführten Maßnahmen und Ziele gelten selbstverständlich auch für alle

übrigen Quellen im Forstbetriebsbereich.

Ziele und Maßnahmen

Ziel ist es, die Quellen in einen naturnäheren Zustand zu überführen. Dazu werden folgende

Haupt- und Begleitmaßnahmen zur Verbesserung vorgeschlagen:

Entnahme von einzelnen Fichten

strikte Einhaltung des Befahrungsverbotes von Quellbereichen (§ 30 BNatSchG)

Entnahme von aufkommender Fichtennaturverjüngung

Entfernung von Kronenmaterial

Unterlassen der Grabenräumung

Anlage von Durchlässen mit Sohlsubstrat

Rückbau von verrohrten Quellaustritten

Stoppen von Wasserentnahmen aus den Quellen

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 29


Ziel des Forstbetriebs Flossenbürg ist die Wiederherstellung naturnaher Bestockungen rund

um die Quellen, entlang der Quellbäche sowie in den großflächigen Quellbereichen selbst.

Ein etwa 20 m breiter Streifen zu beiden Seiten des Fließgewässers oder der Quelle ist

i. d. R. ausreichend. Permanenter Schattenwurf und Eintrag von Nadelstreu und

Kronenmaterial durch Pflege- oder Hiebsmaßnahmen soll dadurch vermindert werden.

Weiterhin zählt hierzu der Rückbau von Quellfassungen, Rohrleitungen, Stauanlagen etc.

Aber auch die Erhöhung der Naturnähe von Durchlässen durch integrierte Gewässersohlen,

in denen sich zusätzlich feines Substrat ablagern kann, zählt zu den Zielen.

Bei verbauten Quellen ist im Vorfeld jeder Maßnahme abzuklären, ob eventuell ein

Schutzstatus auf der Quelle liegt (z. B. Kultur- oder Naturdenkmal), oder ob wasserrechtliche

Gründe gegen eine Renaturierungsmaßnahme sprechen. Dies erfordert eine intensive

Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Wasserwirtschaftsamt.

3.4.2 Moore

Vorkommen

Bei den Mooren sind vor allem das Niedermoor in der Hagenlohe bei Waidhaus und das

Pfrentschweihergebiet erwähnenswert. In allen Mooren ist eine sehr enge Zusammenarbeit

mit den Naturschutzbehörden (auch international), den Wasserwirtschaftsämtern sowie der

LWF (Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft) gefragt.

Ein bisher wenig dokumentiertes Übergangs- bis Hochmoor befindet sich in der Abteilung

Schellentradt des Distriktes Flossenbürger Wald (Abb. 9). Dieser etwa 20 ha große

Moorkomplex stellt für das Gebiet der Oberpfalz einen höchst seltenen und schützenswerten

Lebensraum dar. Neben dem Status als gesetzlich geschütztes Biotop (nach § 30 BNatSchG

i. V. m. Art. 23 BayNatSchG) ist das Gebiet als Landschaftsschutzgebiet innerhalb des

Naturparks Nördlicher Oberpfälzer Wald geschützt. Auf Teilflächen kommt der aus

naturschutzfachlicher Sicht wertvolle Peitschenmoos-Fichten-Moorwald vor, welcher einen

seltenen Lebensraumtyp darstellt.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 30


Abbildung 9: Übergangsmoor in der Abteilung Schellentradt des Reviers Flossenbürg

Ziele und Maßnahmen

Ziel ist es, die im Forstbetrieb vorkommenden Moore in Ihrem Zustand zu erhalten und

gegebenenfalls zu verbessern.

Im Übergangs- bis Hochmoor im Schellentradt werden die noch etwa 30 Spirken im

Altbestand sowie deren Naturverjüngung gefördert. Vom Käfer befallene Fichten werden,

soweit keine Gefahr für umliegende Bestände zu erwarten ist, im Moor belassen. Sollte eine

Bringung des befallenen Holzes aus Waldschutzgründen notwendig sein, so käme eine

bodenschonende Rückung mit Pferd (auf Teilflächen) oder Seilanlage zum Zuge, um

Schäden durch eine maschinelle Befahrung zu vermeiden.

Seit 1991 wurden für die Wiedervernässung 15 Stauwerke errichtet. Im Jahr 1994 wurde

ankommende Fichtenverjüngung im Moorbereich ausgerissen, und im Herbst 2005 wurden

durch den Forstbetrieb Flossenbürg auf Teilbereichen Maßnahmen zur Wiedervernässung

und zur Anlage von Moorgewässern unterschiedlicher Größe und Tiefe durchgeführt.

In der Hagenlohe handelt es sich um ein grenzüberschreitendes Objekt, dessen Entwicklung

über einen Maßnahmenkatalog gesteuert wird. In Zusammenarbeit mit dem

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 31


Wasserwirtschaftsamt und der Höheren Naturschutzbehörde wurden 2011 schon

Maßnahmen zur Wiedervernässung durchgeführt.

Abbildung 10: Niedermoor "NSG Hagenlohe" bei Georgenberg

In der Naturverjüngung kommt neben Moorbirken u. a. wohl auch Spirkennaturverjüngung

vor, welche mit Sicherheit aber erst im höheren Alter bestimmt werden kann. In den

folgenden Jahren werden große jagdliche Anstrengungen notwendig sein, um die stark

verbissenen Moorbirken in ihrem Bestand zu sichern.

3.4.3 Fließgewässer (Bäche und Rinnsale)

Vorkommen

Permanent wasserführende Bächlein oder Rinnsale kommen im Forstbetriebsbereich in

großem Umfang vor.

Ganzjährige Wasserführung haben ebenso alte Grabensysteme in den Lohbereichen wie

beispielsweise im Pfrentschweihergebiet.

Natürlicherweise würden sich entlang dieser Fließgewässer Sternmieren-Schwarzerlen-

Bachauewälder befinden. Momentan handelt es sich vor Ort überwiegend um fichtenreiche

Bestockungen, in Einzelfällen mit Schwarzerlen- oder Edellaubholzbeteiligungen. Die Fichte

ist standortsbedingt i. d. R. äußerst instabil.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 32


Problematisch ist, dass sich bei einer Auflichtung entlang von Bachläufen sofort wieder

üppige Fichtennaturverjüngung einstellt.

Der Biber hat nahezu sämtliche stehende und langsam fließende Wasserflächen im

Betriebsbereich besiedelt. Sein Vorkommen im Bereich der Fließgewässer wird

grundsätzlich begrüßt und akzeptiert. Die hierdurch entstehenden Veränderungen am

Gewässer und im unmittelbaren Umfeld werden toleriert.

Ziele und Maßnahmen

Hauptaugenmerk wird auf die schrittweise Rücknahme der Fichte um die wasserführenden

Bäche und Rinnsale gelegt. Jede Schwarzerlen- und Edellaubholzbeimischung wird im Zuge

der Pflege begünstigt. Ziel soll die Rückführung in die ursprünglich natürliche Bestockung

sein. Dies wird mittelfristig ebenso über die aktive Rücknahme der standortswidrigen

Bestockung durch einen kleinflächigen abrupten Baumartenwechsel (Ausstockung der Fichte

und Wiederaufforstung mit Schwarzerle) geschehen. Alternativ sind in Wiesentälchen

(Kainzbachtal) und kleinstandörtlich auch entlang der Grabensysteme kleinere und größere

dauerhafte Ausstockungen zu Offenland geplant. Die natürliche Dynamik der Bachläufe

(Mäanderbildung) kann sich somit frei entwickeln. Verbauungen, Verrohrungen o. ä. sind

glücklicherweise nicht vorhanden.

3.4.4 Stehende Gewässer (Weiher und Waldtümpel)

Vorkommen

Abbildung 11: Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula)

im Pfrentschweihergebiet

Im Forstbetrieb sind flächendeckend

zahlreiche Weiher, Waldtümpel und

kleinere Feuchtbiotope vorhanden.

Sie dienen sowohl als

Laichgewässer und Nahrungshabitate

für Amphibien als auch

gleichzeitig als Lebensraum für

zahlreiche Libellenarten (u. a. Große

Moosjungfer, Nordische Moosjungfer,

Frühe Adonislibelle; vgl.

Abb. 11), für Wasserfledermaus,

Eisvogel und Graureiher. In vielen

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 33


Weihern ist von einem sauren pH-Wert auszugehen, sodass sich in diesen Weihern auch

keine Kleinfische oder zu viel Plankton entwickeln können.

Viele Weiherflächen sind fischereiwirtschaftlich verpachtet, werden jedoch überwiegend

extensiv im Sinne der Erhaltung eines ökologisch wertvollen Umgriffs bewirtschaftet. Ebenso

sind Fischbesatz, Kalkungs- und Fütterungsmaßnahmen sowie der Abfischzyklus in den

meisten Verpachtungsverträgen beschränkt. Überwiegend stehen damit ökologische

Gesichtspunkte im Vordergrund.

Daneben existieren rein ökologisch (auch für den Biber) gehaltene Weiherflächen, die keiner

Fischereinutzung dienen.

Ziele und Maßnahmen

In den vorhandenen Weihern

wird keine intensive Fischzucht

betrieben. Die Besatzdichte des

Fischvorkommens orientiert

sich am natürlich möglichen

Potenzial. Weder Futter-,

Dünger- noch sonstige

chemische Gaben werden zur

Steigerung des Fischbesatzes

eingesetzt. Eine leichte

Bewirtschaftung der stehenden

Abbildung 12: 7-Insel-Weiher im Revier Neuenhammer

Gewässer ist zum Schutz vor

Verlandung eher günstig. Die vorhandenen Tümpel werden periodisch gepflegt, d. h. auf

Teilflächen ausgehoben, um die Verlandung zu verhindern. Des Weiteren werden sie von

Nadelbaumbewuchs (insbesondere von Fichte) befreit, um eine bessere Besonnung und

somit Erwärmung der Flachwasserbereiche zu ermöglichen. Dort, wo die örtlichen

Voraussetzungen es zulassen, werden verlandende Tümpel und auch flach ausstreichende

Weiherzonen der weiteren Sukzession überlassen. Wo es sich standörtlich problemlos

ergibt, werden neue Feuchtbiotope angelegt. Sukzessive sollen auslaufende Pachtverträge

an ökologisch interessanten Flächen nicht mehr verlängert werden. Weiterhin wird in einer

beginnenden Kooperation mit dem Bund Naturschutz geprüft, ob bei ehemals genutzten

Weihern ein Besatz mit gefährdeten Kleinfischarten erfolgen kann.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 34


3.5 Schutz der Blockfelder

3.5.1 Blockfelder

Vorkommen

Blockfelder finden sich im Forstbetriebsbereich als lokal begrenzte Sonderstandorte sowohl

im Granit- als auch im Gneisbereich.

Die meisten Wälder auf diesen Blockstandorten erfüllen nicht die Kriterien für gesetzlich

geschützte Biotope nach §30 BNatSchG bzw. Art. 23 BayNatSchG. Dennoch nimmt die

BaySF auf diese Sonderstandorte besondere Rücksicht.

Abbildung 13: Block-Hangschuttwald im Revier Plößberg – 120-jähriger Edellaubholz-Buchen-

Fichten Bestand

Im Bereich der südexponierten Lagen bilden die Blockfelder durch ihr Kluftsystem einen

bevorzugten Lebensraum für Reptilien. Die nordexponierten Lagen hingegen haben eine

besondere Bedeutung für den Schutz von Moosen, Farnen und Flechten (Kryptogamen).

Aufgrund fehlenden Wurzelraums werden die Moose, Farne und Flechten hier besonders

konkurrenzkräftig.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 35


Ziele und Maßnahmen

Ziel bei der Bewirtschaftung der Blockstandorte ist die Erhaltung der naturnah bestockten

Flächen sowie eine möglichst schonende Entwicklung der Bestände vom Nadelholz in

Richtung der potenziellen natürlichen Vegetation (Buche, Traubeneiche, Spitzahorn, Kirsche,

Vogelbeere).

Blockstandorte sind waldbaulich schwer erschließbar. Der Rückewegebau scheidet aufgrund

zu starker Geländeeingriffe nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem aus Natur- und

Bodenschutzaspekten aus.

Aktive Felsfreistellungen beschränken sich auf wenige landschaftsästhetische Situationen in

stark frequentierten Erholungsbereichen (z. B. Brotfelsen bei der Schellenburg, Leo-

Maduschka-Felsen). Ansonsten bleiben Felspartien im Wald zum Erhalt der typischen

Flechten- und Moosflora mehr oder weniger dicht von Waldbäumen umgeben. Felsbereiche

werden daher von starken Auflichtungsmaßnahmen verschont.

3.6 Management von Offenlandflächen

Im großflächigen Waldverbund liegen eine ganze Reihe kleinerer und größerer unbestockter

Blößen. Dies sind i. d. R. unbewirtschaftete Ödlandflächen, ehemalige Scharwiesen, Trassen

von Versorgungsleitungen (Strom und Gas), Holzlagerplätze bis hin zu Wildwiesen und

Feuchtbiotopen.

Im Forstbetrieb Flossenbürg wurden 2009 von der Forsteinrichtung etwa 304 ha als SPE-

Flächen (Schützen – Pflegen – Entwickeln) kartiert. Ca. 64 % davon wurden gleichzeitig als

gesetzlich geschützte Biotope nach § 30 BNatSchG i. V. m. Art. 23 BayNatSchG

eingewertet. Folgende Kategorien von SPE-Flächen wurden unterschieden:

Gewässerflächen (mit Umgriff) 33,1 ha

Moorflächen 116,0 ha

Waldfreie Feuchtflächen 21,3 ha

Waldfreie Trockenflächen 20,1 ha

Potentielle Sukzessionsflächen (Aufgelassene Abbauflächen, nicht

bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen)

48,4 ha

Feldgehölze und Gebüsche 0,7 ha

Extensive Grünlandflächen 64,1 ha

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 36


Neben der Kartierung des Zustandes wurde auch - wenn erforderlich - ein Pflege- und

Entwicklungsziel (=Schützen – Pflegen – Entwickeln) vorgegeben. Als Beispiele für die

situationsangepassten Behandlungsziele seien genannt:

Freiflächencharakter durch Entbuschung zu wahren,

bestimmte schützenswerte Elemente gezielt durch pflegende Eingriffe zu fördern,

oder der Sukzession freien Lauf zu lassen.

So werden jährlich ca. 30 ha gemäht und entbuscht.

Tabelle 4: Naturschutzrelevante Offenlandflächen nach Art. 23 BayNatSchG i. V. m. § 30 BNatSchG

(NACH FE 2009)

Revier

Gewässerflächen

Moorflächen

waldfreie

Feuchtflächen

waldfreie

Trockenflächen

Potenzielle

Sukzessionsflächen

extensive

Grünlandflächen

Summe

Revier

ha ha ha ha ha ha ha

Plößberg 4,8 0,9 1,0 1,2 1,5 9,4

Flossenbürg 2,6 1,2 0,2 0,4 1,6 6,0

Neuenhammer 2,8 4,1 0,1 0,4 7,4

Pleystein 0,3 0,2 4,9 1,0 6,4

Waidhaus 2,5 109,4 7,4 119,3

Schönsee 5,3 4,5 5,9 0,6 2,8 1,9 21,0

Pull.-Schwarzach 1,4 0,9 0,6 2,9

Tännesberg-

Wildeppenried

8,9 7,1 0,2 5,6 21,8

Summe

Forstbetrieb

28,6 116,0 14,1 6,5 24,2 4,8 194,2

Aufgrund ihrer standörtlichen Besonderheiten können diese Flächen wertvolle

Sekundärbiotope oder gar Rückzugsräume für seltene und bedrohte Tier- (z. B.

Schwarzstorch) und Pflanzenarten (z. B. Orchideen) darstellen. Zahlreiche

Schmetterlingsarten wie z. B. der Dukatenfalter profitieren davon. Diese Habitate sind im

Biotopnetzverbund wertvolle Ergänzungen zu den Waldflächen sowie wichtige Trittsteine

zum Offenland.

Offenlandflächen sind auf eine extensive, pestizid- und dünger- bzw. güllefreie

Bewirtschaftung abgestellt. Gleichzeitig sind für Wiesenbrüter oder Insekten die ersten

Mahdzeitpunkte in den Juli verschoben sowie bis Mitte September auf maximal zwei

Mähschnitte beschränkt. Entlang der Waldränder und Bachläufe soll ein unbewirtschafteter

Streifen verbleiben. Entsprechende Klauseln sind in den Pachtverträgen auf verpachteten

Offenlandflächen vorgesehen.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 37


Abbildung 14: Offenlandfläche im Revier Flossenbürg – zeitlich versetzte Mahd auf ganzer Fläche

Sämtliche Wildwiesen sollen als Dauergrünland mit einmaliger Mahd erhalten bleiben. Eine

Mähgutentfernung fördert seltene Blütenpflanzen und Gräser (Untergräser). Zudem eignen

sie sich für einen Aufbau von Waldmänteln.

Abbildung 15: Dukatenfalter (Lycaena virgaureae) – Rote Liste 3 Art auf einer SPE Fläche des

Forstbetriebs Flossenbürg in der Nähe der Burgruine Schellenberg

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 38


3.7 Ausgewiesene Schutzgebiete und geschützte Einzelobjekte

3.7.1 Schutzgebiete

Tabelle 5 gibt eine Übersicht über die ausgewiesenen Schutzgebiete im Forstbetrieb.

Tabelle 5: Schutzgebiete im Forstbetrieb Flossenbürg (GIS-Auswertung)

Art des Schutzgebiets Bezeichnung Größe (ha)

Naturschutzgebiete

Naturwaldreservate

FFH- Gebiete

Niedermoorgebiet bei

Georgenberg

Torflohe und Pfrentschwiese

Stückberg

Schlosshänge

Bergwiesengebiet

Altglashütte

Blockschuttwälder am

Pleysteiner Sulzberg

Pfreimd und Lois-Bach

Torflohe

Fahrbachtal

Pfreimdtal und Kainzbachtal

Gesamt

63

172

46

21

Fläche

Forstbetrieb

31

172

46

21

Amtliche

Nummer

300.057

300.036

Naturwaldreservat

83 83 6441-302

Stückstein

SPA- Gebiet Torflohe 172 172 6341-301

Landschaftsschutzgebiete

Naturparke

72

109

243

172

444

334

4

109

1

172

376

Schutzzonen der Naturparke 15.194

Oberpfälzer Wald

Nördlicher Oberpfälzer Wald

82.000

138.000

17

1.506

14.157

111

146

6240-301

6340-301

6340-371

6341-301

6441-301

6439-371

NP-00008

NP-00010

Nahezu die gesamte Fläche des Forstbetriebes Flossenbürg ist als Landschaftsschutzgebiet

geschützt und Bestandteil der Naturparke Oberpfälzer Wald und Nördlicher Oberpfälzer

Wald.

Das Naturschutzgebiet „Torflohe und Pfrentschwiese“ ist gleichzeitig auch als FFH- und

SPA-Gebiet ausgewiesen.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 39


Die Vorgaben aus den Schutzgebietsverordnungen sowie Pflege- und Entwicklungs- oder

Managementplänen haben im Einzelfall Einfluss auf die Waldbewirtschaftung. Deren Inhalte

werden daher im Folgenden detaillierter beleuchtet.

Naturschutzgebiete

NSG „Torflohe und Pfrentschwiese“

Das NSG liegt mit einer Fläche von 172,6 ha komplett im Staatswald. Es wurde 1987 als

NSG ausgewiesen und befindet sich direkt an der Deutsch/Tschechischen Grenze in den

Gemeindegebieten Eslarn und Pfrentsch (Revier Waidhaus).

NSG

Torflohe

Abb. 16: NSG, FFH- und SPA-Gebiet „Torflohe und Pfrentschwiese“

Schutzzweck sind u. a. die vorkommenden Vegetationseinheiten, insbesondere Mädesüß-

Hochstaudenfluren, Borstgraswiesen, Übergangsmoore und Bruchwälder mit den dort

typischen Floren- und Faunenelementen.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 40


Die detaillierten Verbotstatbestände sowie die Forstwirtschaft und Jagd betreffenden

Ausnahmen sind in der VO vom 7.4.1987, RABl der Regierung der Oberpfalz, Seite 35,

ausführlich dargestellt.

Abbildung 17: NSG Pfrentschweiher mit stark vernässten und moorigen Standorten, Revier Waidhaus

NSG „Niedermoorgebiet bei Georgenberg“

Das NSG liegt mit einer Fläche von 30,7 ha zur Hälfte im Staatswald. Es wurde 1994 als

NSG ausgewiesen und befindet sich direkt an der Deutsch/Tschechischen Grenze in der

Gemarkung Reinhardsrieth und im gemeindefreien Gebiet Sulzberg, Revier Waidhaus.

Schutzzweck sind u. a. die Feuchtgebietskomplexe mit Nasswiesen, Borstgrasrasen,

Kleinseggensümpfe und Moorwaldbereiche mit den dort typischen Floren- und

Faunenelementen.

Die detaillierten Verbotstatbestände sowie die Forstwirtschaft und Jagd betreffenden

Ausnahmen sind in der VO vom 5.9.1994, RABl der Regierung der Oberpfalz, Seite 91,

ausführlich dargestellt.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 41


NSG

Niedermoorgebiet bei

Georgenberg

Abb. 18: NSG „Niedermoorgebiet bei Georgenberg“

Natura 2000 Gebiete

Ziele und Maßnahmen

Im BNatSchG Abschnitt 2 (§§ 31-36) sowie im BayNatSchG Teil 4 (Art. 20-22) ist die

europäische Natura 2000-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt. Alle Maßnahmen, die zur

erheblichen Verschlechterung der Lebensräume und Arten im Gesamtgebiet führen, sind

verboten („Verschlechterungsverbot“). Rechtsgrundlage hierfür ist der § 33 BNatSchG.

Derzeit liegen die Managementpläne für die FFH-Gebiete „Blockschuttwälder am Sulzberg“,

„Naturwaldreservat Stückstein“ und „Pfreimdtal und Kainzbachtal“ vor. Für die anderen

Gebiete liegen Kurzinformationen sowie abgestimmte Erhaltungsziele vor. Die

gebietsbezogenen konkretisierten Erhaltungsziele für die FFH- und SPA-Gebiete können

beim Bayerischen Landesamt für Umwelt eingesehen werden unter:

http://www.lfu.bayern.de/natur/natura_2000_erhaltungsziele/index.htm

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 42


Hauptziel im FFH-Gebiet „Blockschuttwälder am Pleysteiner Sulzberg“ ist der Erhalt des

sehr gut ausgeprägten Edellaubholz-Blockschuttwaldes des Oberpfälzer Waldes. Weiterhin

sind die Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Hainsimsen-Buchenwälder, der Schlucht- und

Hangmischwälder und weitgehend störungsarmer Bereiche ohne Infrastruktureinrichtungen

genannt. Der Forstwegebau unterliegt einer strengen Prüfung. Die naturnahe

standortheimische Baumartenzusammensetzung und die typischen Elemente der Alters- und

Zerfallsphase sollen ebenso erhalten werden wie vorkommende Höhlenbäume,

Sonderstandorte, Randstrukturen (z. B. Waldmäntel, Säume, Felsen) sowie die für den

Lebensraum charakteristischen Habitatstrukturen. Die natürliche Standortsdynamik und das

charakteristische Klein- und Geländeklima (Luftfeuchtigkeit, Beschattung) in den Schluchtund

Hangmischwäldern zählt ebenso dazu.

Als Maßnahmen sieht der Managementplan vor, dass im Staatswald auf die Einbringung

gesellschaftsfremder Baumarten verzichtet wird und ein strukturreicher naturnaher

Waldaufbau erhalten wird. Zusätzlich regt der Plan an, die Weißtannenanteile im Gebiet des

Hainsimsen-Buchenwaldes zu erhöhen. Weitere Schutzmaßnahmen im Gebiet sind nicht

notwendig, da wesentliche Teile des Gebietes seit 1992 als Naturwaldreservat ausgewiesen

sind.

Hauptziel im FFH-Gebiet „Naturwaldreservat Stückstein“ ist Erhaltung des Naturwaldreservates

(mit dem damit verbundenen Ziel der ungestörten natürlichen Waldentwicklung)

sowie auf den Flächen außerhalb des Naturwaldreservates die Fortführung der naturnahen

Forstwirtschaft.

Der Managementplan stellt heraus, dass in den Lebensraumtypen bereits ein guter bis sehr

guter Zustand hinsichtlich Totholz, Biotopbäumen und Entwicklungsstadien vorherrscht.

Außerhalb des Naturwaldreservates ist die Anreicherung der Waldbestände mit Weißtanne

und Bergahorn vorgesehen.

Das aus acht Teilflächen bestehende FFH-Gebiet „Pfreimdtal und Kainzbachtal“ umfasst

nur in geringem Umfang Staatswald. Diese Bereiche liegen vor allem im Quellbereich des

Kainzbaches und dessen Oberlauf.

Hauptziel ist hier der Erhalt und die Wiederherstellung der naturraumtypischen Struktur- und

Vegetationselemente eines Mittelgebirgstales. Hierzu zählen neben dem eigentlichen

Kainzbach mit der typischen Wasservegetation auch Vermoorungen, Nass- und

Feuchtwiesen mit Hochstaudenfluren mit Übergang zu gewässerbegleitenden

Auwaldgebieten und Hangwäldern.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 43


Als wesentliche Ziele, die den Bereich des Staatswaldes betreffen, sind genannt:

Erhalt des naturnahen Bestandes der bachbegleitenden Wälder

Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Population der Kreuzotter, des Bibers,

der Bachmuschel, der Mühlkoppe und der Gelbbauchmuschel

jährliche Mahd der Feuchtwiesen entlang des Kainzbaches

regelmäßige Zurücknahme der aufkommenden Gehölze in den

Offenlandbiotopen zur Erhaltung der Kreuzotterlebensräume

Naturwaldreservate

Das Waldgesetz für Bayern (BayWaldG) sieht in Art. 12a die Einrichtung von

Naturwaldreservaten in natürlichen oder weitgehend naturnahen Waldflächen vor. Ihre

Einrichtung ist gemäß Art. 28 Abs. 2 Nr. 2 BayWaldG Aufgabe der Forstbehörden. Gemäß

Art. 12a Satz 3 BayWaldG sind in Naturwaldreservaten, abgesehen von notwendigen

Maßnahmen des Waldschutzes und der Verkehrssicherung, keine Bewirtschaftung und

Holzentnahme erlaubt. Die FE im Jahre 2009 hat die zwei im Forstbetrieb Flossenbürg

ausgewiesenen Naturwaldreservate in außerregelmäßigen Betrieb (a. r. B.) und Hiebsruhe

gestellt.

Abbildung 19: Blick vom Stückberger Aussichtsturm über das

Naturwaldreservat Stückberg – Fichtentotholzinsel

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 44


In der aktuellen Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung,

Landwirtschaft und Forsten vom August 2013 wird dies konkretisiert. Insbesondere sind

untersagt:

jegliche Nutzung oder Holzaufarbeitung

alle Veränderungen der Bestockung durch Saat oder Pflanzung

Maßnahmen zur Beeinflussung der Böden sowie Tier- und Pflanzenwelt

Neuanlage von Wegen

Ausnahmen können in dringenden Fällen

aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht oder

zur Abwendung größerer Beeinträchtigungen benachbarter Waldflächen

(z. B. bei einer Borkenkäferkalamität)

von der LWF (Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft) unter Einschalten des zuständigen

Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) genehmigt werden.

NWR Stückberg

Abb. 20: Naturwaldreservat Stückberg

Das NWR Stückberg liegt mit einer Größe von 44,5 ha im Revier Schönsee. Es wurde im

Jahr 1978 als Reservat ausgewiesen. Laut der damaligen Beschreibung handelt es sich um

Wälder der natürlichen Waldgesellschaft des Preiselbeer-Fichten-Tannen-Kiefernwaldes

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 45


(Vaccinio vitis-idaeae-Abietetum). Tatsächlich dürfte eine Berglandform des Hainsimsen-

Buchenwaldes vorliegen. Die Bestockung besteht vor allem aus Fichte, Buche und Lärche.

NWR Schlosshänge

Das NWR Schloßhänge liegt mit einer Größe von 20,7 ha im Revier Waidhaus. Es wurde im

Jahr 1992 als Reservat ausgewiesen. Es handelt sich um Wälder der natürlichen

Waldgesellschaften des Bergland-Hainsimen-Buchenwaldes (Luzulo luzuloides-Fagetum)

und des Eschen-Bergahorn-Block- und Steinschuttwaldes (Fraxino excelsioris-Aceretum

pseudoplatani).

Abb. 21: Naturwaldreservat Schlosshänge

Landschaftsschutzgebiete

Nahezu der gesamte Forstbetriebsbereich (über 94 %) ist als Landschaftsschutzgebiet

(LSG) ausgewiesen.

Der Zweck der LSG ist laut Verordnungen der Landkreise, „die Leistungsfähigkeit des

Naturhaushalts zu erhalten und erhebliche oder nachteilige Beeinträchtigungen von Natur

und Landschaft zu verhindern“. Daraus ergeben sich einige für die Bewirtschaftung relevante

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 46


Ge- und Verbote. Die ordnungsgemäße Forstwirtschaft und fischereiwirtschaftliche Nutzung

bleibt von den Bestimmungen der Verordnungen jedoch weitgehend ausgenommen. Der

Bau von Forstwegen bis zu einer Fahrbahnbreite von 3,50 m und das Errichten von

Wildschutzzäunen gängiger Bauart sind ohne Erlaubnis möglich. Ebenso unberührt von

etwaigen Restriktionen bleibt die Ausübung der Jagd. Verboten sind lediglich Kahlschläge

über einer Größe von 0,25 ha.

Generell sind jedoch die Anlage von Straßen und Wegen oder deren Veränderung,

Rodungen und das Beseitigen von Horst- und Höhlenbäumen verboten. In den Bruchwäldern

ist auch die Anlage von Rückewegen und -gassen untersagt.

Naturparke „Nördlicher Oberpfälzer Wald“ und „Oberpfälzer Wald“

Beim Naturpark „Nördlicher Oberpfälzer Wald“ handelt es sich um ein ca. 138.000 ha großes

Gebiet im Landkreis Neustadt an der Waldnaab mit der Stadt Weiden und dem südlichen

Bereich des Landkreises Tirschenreuth. Der Naturpark „Oberpfälzer Wald“ umfasst eine

Fläche von ca. 82.000 ha. Die gesamte Forstbetriebsfläche liegt in diesen beiden

Naturparken.

Durch die Ausweisung als Naturpark entstehen keine weiteren Restriktionen hinsichtlich

einer forstwirtschaftlichen Nutzung der enthaltenen Staatswaldflächen, da die Naturparke im

Wesentlichen auf Landschaftsschutzgebiets-Verordnungen basieren.

3.7.2 Geschützte Einzelobjekte

Gesetzlich geschützte Biotope

Manche Waldbestände sind aufgrund ihres Standortes, ihrer Seltenheit, ihres Alters oder

anderer ortsspezifischer Aspekte über das normale Maß der naturnahen

Waldbewirtschaftung hinaus von besonderer Bedeutung für den Naturschutz. Insgesamt

wurden durch die FE 2009 am Forstbetrieb Flossenbürg 338,1 ha als gesetzlich geschützte

Biotope (§ 30 BNatSchG und Art. 23 BayNatSchG) ausgeschieden. Von den insgesamt

271,5 ha an naturschutzrelevanten Waldflächen haben 140,9 ha den Charakter von

gesetzlich geschützten Wald-Biotopen (vgl. Tab. 6).

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 47


Tabelle 6: gesetzlich geschützte Waldbiotope nach § 30 BNatSchG i. V. m. Art. 23 BayNatSchG in

den Revieren (FE 2009)

Revier

Spirkenfilz/-

Moorwald

Block-

Hangschuttwald

Schlucht/-

wald

Sumpfwald

Summe Art.

23/§30-

Wälder

ha ha ha ha ha

Plößberg 2,7 2,7

Flossenbürg 31,9 31,9

Neuenhammer 20,5 7,8 28,3

Pleystein 3,6 3,6

Waidhaus 59,2 6,3 65,5

Schönsee 0,0

Pull.-Schwarzach 1,3 0,4 3,2 4,9

Tännesberg-

Wildeppenried

2,2 1,8 4,0

Summe Forstbetrieb 113,8 4,0 2,2 20,9 140,9

Geotope

Im Forstbetrieb kommen über die Fläche verteilt viele Geotope vor. Charakteristisch ist die

für den Oberpfälzer Wald bekannte „Wollsackverwitterung“. Markantes Beispiel dafür ist z. B.

der Brotlaib in unmittelbarer Nähe zur Burgruine Schellenberg.

Liste der Geotope (alphabetisch):
















Ehemalige Steinbrüche nordwestlich von Ödmiesbach

Ehemaliger Steinbruch am Brückelranken

Felsturm "Brotlaib" nördlich der Ruine Schellenberg

Gipfel des Eulenberges

Gipfel des Schellenbergs

Gipfel des Stücksteins

Gneisfelsen "Drei Felsen"

Gneisfelsen Hutstein

Granitfelsen am Eibelberg

Granitfelsen am Schleiderberg

Grosser Stein, SW-Hang des Vorderberges

Grubenfeld südlich von Gaisheim

Leo-Maduschka-Felsen im Zottbachtal

Schuesselstein nördlich von Neudorf

Teufelsfelsen am Huettenberg

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 48


Abbildung 22: geologische Besonderheiten im Forstbetrieb Flossenbürg: der "Brotfelsen" (links), der

„Leo-Maduschka-Felsen“ (rechts) und die „Burgruine Schellenberg“ (unten)

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 49


3.8 Spezielles Artenschutzmanagement

3.8.1 Flora

Arnika (Arnica montana)

Die Arnika bevorzugt saure und magere

Wiesen und meidet Kalk, womit sie im

Forstbetriebsbereich ideale Bedingungen

findet. Vorkommen sind z. B. die

Offenlandflächen im Revier Neuenhammer,

die Biotopwiese in der Abteilung Lengfelder

des Reviers Flossenbürg und auf den

Forstwiesen im Kainzbachtal und um

Eslarn.

In Deutschland gilt die Art als gefährdet und

steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten

auf Stufe 3.

Abbildung 23: Arnika (Arnica montana)

Keulen-Bärlapp (Lycopodium clavatum)

Diese Art ist bevorzugt auf kalkfreien kargen Böden in Nadelwäldern zu finden, welche im

Forstbetriebsbereich vorherrschen. Sie meidet tiefen Schatten und große Feuchtigkeit. Der

Keulen-Bärlapp ist in Deutschland und Bayern gefährdet (jeweils Rote-Liste 3; in den

ostbayerischen Grenzgebirgen: Vorwarnstufe). Ebenso kommen der Sprossende Bärlapp

(Lycopodium annotinum) und der Tannen-Bärlapp (Lycopodium selago), z. B. am Stückberg,

vor.

Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia)

Die Weiße Waldhyazinthe, Orchidee des Jahres 2011, besiedelt in der Regel basenarme,

leicht saure Standorte. Sie hat einen Verbreitungsschwerpunkt im Tännesberger Wald.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 50


Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris)

Die Echte Sumpfstendelwurz bevorzugt feuchtere Standorte und ist im Oberpfälzer Wald

sehr selten (Rote-Liste 3 Bayern). Sie benötigt viel Licht und ist daher auf eine niedrige

Vegetation oder auf Mahd angewiesen.

Niedrige Schwarzwurzel (Scorzonera humilis)

Die niedrige Schwarzwurzel bevorzugt mehr oder weniger feuchte, nährstoffarme, kalkfreie,

saure, sandige oder torfige Böden. Sie ist nach der Roten-Liste als gefährdete Art (3)

eingestuft.

Weitere besondere Pflanzenarten sind das Gewöhnliche Fettkraut (Pinguicula vulgaris),

das gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza maculata) oder auch der Moor-Klee (Trifolium

spadiceum).

Seltene Baumarten

In den durch die Fichte geprägten Mittelgebirgslagen des Forstbetriebes Flossenbürg

kommen als seltene Baumarten Eibe (Taxus baccata), Spirke (Pinus mugo subsp.

rotundata), Moorbirke (Betula pubescens) sowie Karpaten-Moor-Birke (Betula pubescens

subsp. carpatica) vor. Sie werden bei der Waldbewirtschaftung besonders berücksichtigt und

ggf. auch gefördert.

3.8.2 Pilze, Moose und Flechten

Der Lebensraum Wald beherbergt eine Vielzahl an verschiedenen Pilzen, Moosen und

Flechten. Die selteneren Arten hängen meist von unterschiedlichen Zersetzungsphasen

absterbender und toter Hölzer ab. Deshalb gilt es Strukturreichtum und Totholzformen aller

Art zu belassen und zu fördern.

3.8.3 Fauna

Die vielfältigen Lebensräume im Forstbetrieb bieten einer ganzen Reihe seltener und

schützenswerter Tierarten eine Heimat. Die folgenden Kapitel beschreiben die regionalen

Vorkommen einiger ausgewählter Tierarten.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 51


Vögel

Schwarzstorch (Cigonia nigra)

Der Schwarzstorch gilt als besondere Waldart und kann im Gegensatz zum Weißstorch als

Kulturflüchter bezeichnet werden. Er benötigt zur Nahrungsaufnahme naturbelassene

Feuchtgebiete mit Flachtümpeln (Hauptnahrung: Fische, Rundmäuler, Amphibien und

Wirbellose), und als Brutplatz große geschlossene, reich strukturierte Waldgebiete mit

kräftigen Altbäumen mit lichter Krone und starken Seitenästen, die das bis zu 300 kg

schwere Nest tragen können. Diese Voraussetzungen sind am Forstbetrieb Flossenbürg auf

großen Flächen gegeben.

In den Roten Listen der Deutschland und Bayern ist der Schwarzstorch unter den

„gefährdeten" Tierarten geführt. Weiterhin ist er im Anhang I der EU-Vogelschutz-Richtlinie

aufgeführt.

Fischadler (Pandion haliaetus)

Der Fischadler ist in den Forstbetriebsflächen bisher nur als Gast anzutreffen. Die vielen

kleinen Weiherflächen bilden einen idealen beruhigten Jagdbereich.

Seeadler (Haliaeetus albicilla)

Seit einigen Jahren besucht uns der Seeadler für mehrere Wochen und wird in diesem

Zeitraum regelmäßig gesichtet. Es wird vermutet, dass er im nahegelegenen Tschechien

horstet, da er vorwiegend zur Brutzeit beobachtet werden kann.

Uhu (Bubo bubo)

Die weltweit größte Eule bevorzugt als Bodenbrüter offenes, felsiges Gelände (vgl. Abb. 24).

Dieses findet sich im Betriebsbereich natürlicherweise in den Blockstandorten sowie in alten,

aufgelassenen Steinbrüchen (z.B. Nachweis im Steinbruch in der Zeinriederlohe). Auch in

den Wäldern rund um Flossenbürg wurde er mehrfach gesichtet.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 52


Abbildung 24: Uhu (Bubo bubo) im Forstbetrieb Flossenbürg

Sperlingskauz (Glaucidium passerinum ) und Rauhfußkauz (Aegolius funereus)

Die Käuze sind Bewohner eher borealer Nadelwälder und derzeit insbesondere in den

großen nadelholzdominierten Walddistrikten des Forstbetriebs häufig anzutreffen. Sie gelten

letztlich als Weiser für strukturreiche Waldbestände. Hat man früher versucht, über ein

Nistkastenprogramm die Populationen zu stärken, so finden sich heute genügend

beziehbare Bunt- und Schwarzspechthöhlen im Wald. Von dem gezielten Erhalt von

Höhlenbäumen profitieren auch diese Waldbewohner kräftig. Jedenfalls ist es immer wieder

ein Erlebnis beim abendlichen Ansitz das sich steigernde „Huh-Huh-Huh“ des

Sperlingskauzes zu vernehmen.

Spechte

Hohe Brutpaardichten bei Spechten sind ein Weiser für eine naturnahe Waldwirtschaft und

spiegeln den Reichtum an Biotop- und Totholzbäumen wider. Im Forstbetriebsbereich kommt

der Schwarzspecht (Dryocopus martius) häufig in allen Waldgesellschaftstypen, der

Grauspecht (Picus canus) und Grünspecht (Picus viridis) überwiegend in

Laubwaldgebieten sowie in geringer Zahl auch der Mittelspecht (Dendrocopus medius) in

den Laubholzbeständen des Sulzberges bei Waidhaus vor. Als Lebensraum ist ein

biotopbaum-, totholz- und altholzreicher Waldaufbau notwendig, der neben Nistmöglichkeiten

in seinen Zerfallsstadien auch genügend Insektennahrung bietet.

In den lichten Moorwaldbereichen und Moorrandwäldern gibt es Bruthinweise für den

Wendehals. Als nicht selbst höhlenbauende Spechtart ist der Wendehals auf alte

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 53


Spechthöhlen angewiesen, als Nahrung ist er auf Ameisen spezialisiert und bevorzugt daher

lichte Waldstrukturen und Streuobstwiesen.

Weitere Vogelarten wie Kolkrabe (nahezu in allen großen Walddistrikten hörbar), Habicht,

Sperber, Waldohreule, Waldkauz, Waldschnepfe, Kuckuck, etc. sind verbreitet in den

Wäldern des Forstbetriebes zu Hause. Als ornithologische Besonderheit kommt im

Naturwaldreservat „Schloßhänge am Pleysteiner Sulzberg“ der Zwergschnäpper vor.

In Zusammenarbeit mit Mitgliedern des LANDESBUND FÜR VOGELSCHUTZ IN BAYERN (LBV)

wurden im Pfrentschweihergebiet u. a. folgende Rote Listen Arten erhoben:

Braun- und Blaukehlchen, Waldwasserläufer, Bekassine, Kiebitz, Zwergtaucher, Krick- und

Knäkente, Rohrweihe, Baumfalke, Tüpfelsumpfhuhn, Wasserralle, Hohl- und Turteltaube,

Sperlings-, Rauhfuß- und Waldkauz, Feldlerche, Neuntöter sowie Grau-, Gold- und

Rohrammer.

Ebenfalls im Gebiet gesichtet wurde mehrmals ein Kranichpaar.

Im Niedermoor bei Georgenberg hat sich zudem die Wachtel fest etabliert.

Ziele und Maßnahmen

Grundsätzlich wird bei allen sensiblen Arten (z. B. Schwarzstorch) während der Brut- und

Aufzuchtphase auf jede Maßnahme in Horstnähe verzichtet.

Bei potenziellen Brutvorhaben des Fischadlers wird um die Weiherflächen besonders auf

das Belassen von potenziellen Horstbäumen mit guten Anflugmöglichkeiten (evtl. Freistellen)

aus markanten Überhältern bzw. großen Totholzstämmen geachtet. Aufgrund positiver

Erfahrungen mit künstlichen Nisthilfen im Nachbarforstbetrieb Schnaittenbach wurden 2011

vier Nisthilfen auf geeigneten Standorten installiert.

Für den Uhu und auch den Schwarzstorch ist die störungsfreie Brut und Aufzucht (Februar

bis August) unter Verzicht auf jedwede forstliche Maßnahme im Umkreis von 300 m für die

erfolgreiche Aufzucht entscheidend. Der Uhu gilt als außerordentlich revier- und

brutplatztreu. Auch die Schaffung natürlicher Brutplätze durch gezielte Freistellung von

Felspartien steht im forstbetrieblichen Fokus. Für den Schwarzstorch werden die

zahlreichen, vom Wald freigehaltenen Offenlandflächen und Kleingewässer gepflegt.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 54


Die Spechtarten werden wie viele andere Tier- und Insektenarten auch über die im

bayerischen Staatswald praktizierte naturnahe Waldwirtschaft einschließlich dem

dazugehörigen Biotopbaum- und Totholzkonzept gefördert. Gleichzeitig spielt im Verbund

der Erhalt und Schutz von Ameisenlebensräumen eine Rolle (s. unten).

Maßnahmen wie z. B. die Errichtung von Nisthilfen für den Eisvogel am Zankeltratweiher

durch den Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald werden auf den Flächen des

Forstbetriebes Flossenbürg gerne aktiv unterstützt.

Auf den Abschuss von jagdbaren Eichelhähern, Krähenvögeln und Waldschnepfen wird

grundsätzlich verzichtet.

Säugetiere

Wildkatze (Felis silvestris)

Die Mittelgebirge waren nach den Rodungsperioden des Mittelalters vielfach die letzten

Rückzugsräume für die Wildkatze. In Deutschland kommen Wildkatzen heute vor allem in

der Mitte und im Südwesten vor. In Bayern gibt es aktuell Nachweise im Spessart, den

Haßbergen, der Rhön, im Fichtelgebirge und am Großen Teichelberg im Forstbetrieb

Waldsassen.

Zurzeit läuft eine Erhebung des „Natura2000-Kartierteam“ in der Region Amberg.

Da auch aus anderen

angrenzenden Forstbetrieben

Sichtungen gemeldet werden,

ist mittelfristig mit der

Etablierung der Wildkatze im

Forstbetrieb Flossenbürg zu

rechnen.

Abbildung 25: Wildkatze (Felis silvestris)

Im Rahmen der naturnahen Waldbewirtschaftung kann davon ausgegangen werden, dass

die Habitatvoraussetzungen für eine Ansiedelung vorhanden sind.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 55


Wenn Wildkatzen im Forstbetriebsbereich bestätigt wurden, ist folgendes zu beachten:

Jagdgäste haben grundsätzlich keine Jagdschutzbefugnis

Soweit Fallenjagd ausgeübt wird, geschieht dies ausschließlich mit

Lebendfangfallen

Keine Baujagd in der Aufzuchtzeit von Jungkatzen

Revierpächter von Staatsjagdrevieren werden auf das mögliche Vorkommen von

Wildkatzen hingewiesen

Bei Gesellschaftsjagden und Sammelansitzen werden alle Beteiligten auf das

mögliche Vorkommen von Wildkatzen hingewiesen

Alle Beschäftigten werden darauf hingewiesen, dass wildfarbene Katzen von

Jagdschutzmaßnahmen ausgenommen sind

Luchs (Lynx lynx)

Anfang der siebziger Jahre wurde im

Gebiet des Nationalparks

Bayerischer Wald eine bislang

unbekannte Zahl an Luchsen

freigelassen. Auf böhmischer Seite

wurden ebenfalls in den Jahren 1982

bis 1989 zahlreiche Luchse

ausgewildert. Mittlerweile hat sich

der Luchs wieder im gesamten

Abbildung 26: Luchs (Lynx lynx)

Grenzgebiet etabliert und pflanzt

sich dort regelmäßig fort. Der

Gesamtbestand im böhmisch-bayerischen Grenzgebiet wird auf ca. 70 erwachsene Tiere

geschätzt, davon leben ca. 20 in Bayern.

Im Forstbetrieb Flossenbürg wird der Luchs regelmäßig gespürt, akustisch vernommen und

wurde auch schon durch mehrfache Sichtung bestätigt. Die naturnahe Waldbewirtschaftung

am Forstbetrieb Flossenbürg, die einen strukturreichen, gemischten und stabilen Wald als

Ziel hat, bietet dem Luchs gute Grundvoraussetzungen für einen geeigneten Lebensraum

durch ausreichend Nahrung (vor allem Rehwild) und die großen geschlossenen

Waldkomplexe.

Der Luchs ist im Anhang II und IV der FFH-Richtlinie aufgeführt.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 56


Biber (Castor fiber)

Der Biber ist die Erfolgsart bei den Wiederansiedlungen bedrohter Arten in Deutschland.

Keine Art hat es geschafft, sich nach ihrer Ausrottung wieder so gut zu etablieren. Dies

verdankt der Biber seiner sehr guten Anpassungsfähigkeit. So reichen ihm bereits 50 cm

Wassertiefe, um sich dauerhaft anzusiedeln. Dabei ist er nicht wählerisch und besiedelt

sowohl fließende als auch stehende Gewässer. Die Gewässerqualität bereitet ihm dabei

keine Probleme.

Die Biberpopulation im Forstbetrieb

hat ihren Schwerpunkt im Gebiet des

ehemaligen Pfrentschweihers. Im

dortigen Naturschutzgebiet hat der

Biber im Bereich der ausgedehnten,

alten Entwässerungsgräben die

Möglichkeit, auf großer Fläche

Vernässungen auf seine Art zu

gestalten. Dadurch unterliegt dieses

Abbildung 27: Biber (Castor fiber)

wichtige Naturschutzgebiet einer

enormen Dynamik, die hauptsächlich durch den Biber vorgegeben wird.

Daneben kommt der Biber auch auf der restlichen Fläche des Forstbetriebes vor, selbst in

Kleinstgewässern. Dabei kann es natürlich auch Probleme mit dem Biber geben. Meist sind

es Belange Dritter oder Verkehrssicherungsprobleme.

Wenn Probleme auftauchen, werden diese in Zusammenarbeit mit der unteren

Naturschutzbehörde besprochen und angepackt.

Lediglich die üblichen Schutzmaßnahmen für vorhandene standortsangepasste Laubhölzer

(Drahthosen) werden ergriffen. Ferner setzt der Forstbetrieb Flossenbürg die Maßnahmen im

Sinne des seit 1998 in Bayern geltenden Bibermanagements um. Durch die

Artenschutzrechtliche Ausnahmeverordnung steht dazu seit 15.07.2008 ein neues

rechtliches Instrumentarium zur Verfügung. Der Biber ist im Anhang II und IV der FFH-

Richtlinie aufgeführt.

Fischotter

Nachdem in den 1970er Jahren der Fischotter in Bayern fast völlig verschwunden war,

kommt er heute auf den Flächen des Forstbetriebs nahezu flächendeckend vor.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 57


Fledermäuse

Bei einer intensiven Kartierung von Fledermäusen in Zusammenarbeit mit dem

OBERPFÄLZER WALDVEREIN konnten im Raum Georgenberg die Arten Zwerg-, Mücken-,

Brandt-, Wasser-, Fransenfledermaus und das Braune Langohr festgestellt werden. Im

Tännesberger Raum kommen die Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii), die Mopsfledermaus

(Barbastella barbastellus), die Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus), die

Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) sowie der nur sehr selten vorkommende Große

Abendsegler (Nyctalus noctula) vor.

Als Überwinterungsgäste wurden in einem Stollen eines Granitsteinbruches die FFH-

Anhangarten Bechsteinfledermaus und Großes Mausohr festgestellt.

Gerade bei Fledermäusen gilt es, über Höhlen- und Totholzbäume sowie natürliche Spalten

genügend Sommerquartiere zur Verfügung zu stellen. Ein Problem könnte für die

Fledermäuse die geringe Anzahl der zur Verfügung stehenden Winterquartiere sein.

Der Forstbetrieb Flossenbürg hängt in Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden spezielle

Fledermauskästen auf, um Tagesquartiere zu ergänzen. Geeignete Jagdhabitate sind bei

einer naturnahen Waldwirtschaft mit strukturiertem Bestandsaufbau immer vorhanden.

Auf Hiebsmaßnahmen in Buchenbeständen wird nicht nur in den FFH-Gebieten zur

Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit (Mai bis August) bewusst verzichtet.

Folgende Maßnahmen wirken sich günstig auf Fledermausarten aus:

Vermeidung von Pestizideinsatz

Schaffung frostfreier Überwinterungsmöglichkeiten (freie Zugänge in Höhlen, Keller

von Betriebsgebäuden/-hütten und alte Futtersilos)

Schaffung von Einflugmöglichkeiten zu Tagesquartieren an Betriebsgebäuden

(Dachstühle)

Anbringung von Fledermauskästen an Jagdkanzeln

Haselmaus (Muscardinus avellanarius)

Im Revier Tännesberg-Wildeppenried wird in Zusammenarbeit mit dem AELF Amberg eine

Haselmauskartierung durchgeführt. Dazu wurden in der Abteilung Maschen

Haselmauskästen aufgehängt, welche dem nachtaktiven Kletterer als Kobelersatz dienen

sollen. Der Bestand im Tännesberger Forst wird als sehr gut beurteilt.

Gartenschläfer (Eliomys quercinus)

Im Flossenbürg-Georgenberger Raum wurden im Jahr 2010 erstmals für den Nördlichen

Oberpfälzer Wald in Raufußkauzkästen Gartenschläfer nachgewiesen.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 58


Amphibien und Reptilien

Kammmolch (Triturus cristatus)

Im Schleißbachtal sowie im Kainzbachtal kann in Kleinwässern und Tümpeln ohne

Raubfischbesatz der Kammmolch vorkommen. In jedem Fall ist starke Beschattung zu

verhindern. Pflegemaßnahmen werden nicht zu abrupt und möglichst spät im Jahr geführt.

Bei der Neuanlage von Feuchtbiotopen wird besonders darauf geachtet, dass

unterschiedliche Wassertiefen (ausgedehnte Flachwasserzonen und frostfreie

Tiefwasserzonen) und möglichst lange, geschwungene Uferzonen geschaffen werden.

Strukturelemente wie beispielsweise Steinhaufen oder Totholz, die als Versteck-,

Besonnungs- oder Überwinterungsplätze für Amphibien und Reptilien dienen, werden im

Umfeld der Feuchtbiotope neu angelegt oder erhalten.

Feuersalamander (Salamandra salamandra)

Vor allem im Tännesberger Wald kommt der Feuersalamander in hoher Dichte vor. Als

ausgeprägte Waldart bevorzugt er Laubwälder. Quellen, Quellbäche und andere naturnahe

Gewässer sind für seine Fortpflanzung geeignet.

Zauneidechse (Lacerta agilis)

Für die Zauneidechse liegt ein Nachweis aus der Artenschutzkartierung des LfU vor. Die Art

dürfte aber weitaus häufiger vorkommen. Zauneidechsen bevorzugen trockenwarme Säume

und Waldränder mit ausreichend Versteckmöglichkeiten und aufgelassene Steinbrüche.

Kreuzotter (Vipera berus)

Die Kreuzotter bevorzugt Habitate mit starker Tag-Nacht-Temperaturschwankung und hoher

Luftfeuchtigkeit. Besiedelt werden im Forstbetrieb zwergstrauchreiche Waldschneisen und

Waldränder sowie Moore und feuchte Niederungen.

Gefördert wird die Verbreitung der Kreuzotter im Forstbetrieb Flossenbürg durch das

„Artenhilfsprogramm Kreuzotter“ in Zusammenarbeit mit der Modellgemeinde Tännesberg

(vgl. Kapitel 3.9.3).

Die Kreuzotter kann durch die nachfolgend genannten Maßnahmen gefördert werden:

Offenhalten von Sonnenplätzen und Schaffung von gut besonnten Waldinnenrändern

als Wanderkorridore und Jahreslebensraum (ideal sind buchtige Ränder)

Erhalt der feuchten Moorbereiche

Erhalt oder Schaffung von Reisighaufen/Steinhaufen als Tagesverstecke

Schaffung von größeren Totholzhaufen als potentielle Winterquartiere

Belassen von aufgestellten Wurzeltellern als Kleinstruktur (exponierter Sonnenplatz)

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 59


Verzicht auf Auspflanzung von kleinen Bestandeslücken

Auflichten des Waldes an Sonderstandorten wie Feuchtflächen oder Felsbereichen

Entbuschung der Forststraßen an südexponierten Straßenböschungen, bzw.

Bestandsrändern

Periodische Freistellung von Feuchtbiotopen durch Beseitigung des Baum- und

Strauchbewuchses, um vermehrt Licht und Wärme an die Wasser- und Uferflächen

zu bringen.

Hohe Einstellung des Mäh-/Mulchgerätes bei Arbeiten entlang der Forstwege, um

das direkte Mortalitätsrisiko für die Kreuzotter zu verringern

Sonstige

Groppe (Cottus gobio)

Die Groppe ist eine Art des Anhangs II der FFH-Richtlinie. Sie kommt in Flüssen und Bächen

ganz Europas sowie den Brackwasserregionen der Ostsee vor. Sie lebt meist auf kiesigem

Untergrund, in der Forellen- und Äschenregion von Fließgewässern sowie in sommerkühlen

Seen. Im Forstbetrieb kommt sie im Fahrbachtal sowie im Kainzbachtal vor.

Da die Groppe eine hohe Sauerstoffkonzentration sowie hohe Ansprüche an die

Gewässerqualität stellt, ist sie eine Indikatorart für ein intaktes Gewässersystem.

Durch das Fehlen einer Schwimmblase bewegt sich die Art eher hüpfend fort. Zudem wird

durch die Männchen der Groppe Brutpflege betrieben, da die unter den Steinen abgelegten

Eier bewacht werden.

Für die benötigten niedrigen Gewässertemperaturen sind vor allem strukturreiche

beschattete Gewässer Voraussetzung. Zusätzlich verhindern selbst kleine Verbauungen

einen Austausch innerhalb der Population.

Edelkrebs

Eine ältere Meldung eines Edelkrebses existiert aus dem oberen Kainzbach.

Rote Waldameise (Formica rufa)

Die Waldameise hat im Ökosystem Wald eine bedeutende hygienische Funktion.

Gleichzeitig dient sie als Nahrungsquelle für andere Waldbewohner (Grauspecht).

Die meisten Nester sind durch den Ameisenschutzbund Hirschberg kartiert. Sollte einmal

aus betrieblichen Gründen eine Versetzung von Nestern erforderlich sein, geschieht dies nur

in Zusammenarbeit mit dem Ameisenschutzbund.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 60


3.8.4 Zusammenfassende Ziele und Maßnahmen

Ziel des Artenschutzes ist es, im Gesamtlebensraum Wald optimale und vielfältige

Standorts-, Brut- und Nahrungshabitate zu erhalten bzw. zu entwickeln.

Durch eine konsequente Umsetzung des Biotopbaum- und Totholzkonzepts sowie durch den

Schutz der alten und älter werdenden Waldbestände wird langfristig das Vorkommen von

strukturreichen, alten und totholzreichen Misch- und Laubwäldern gesichert. Hiervon

profitieren v. a. die Höhlenbrüter und xylobionten Arten. Ebenfalls werden Feucht- und

Trockenstandorte gemäß dem Schutzziel von § 30 BNatschG gezielt erhalten.

Wo immer möglich, ist der Lebensraum für alle Nischenspezialisten durch aktive Pflege- oder

Pflanzmaßnahmen anzureichern und besser zu strukturieren (Waldinnen- und –außenränder).

Geschützte Einzelvorkommen unterliegen dem besonderen Objektschutz. Auch

seltene Baum- und Straucharten sollen die Bestockung bereichern.

Eine Gefährdung der genannten anspruchsvollen Arten ist durch die fachgerechte

Waldbewirtschaftung im Forstbetrieb infolge des vielfältigen strukturierten Waldaufbaus

derzeit nicht zu befürchten.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 61


3.9 Kooperationen

3.9.1 Zusammenarbeit

Der Forstbetrieb ist für alle am Natur- und Artenschutz Interessierten offen. Die konstruktive

Zusammenarbeit wird fortgesetzt mit






der Bayerischen Forstverwaltung, explizit den drei für die Landkreise zuständigen ÄELF

Pressath, Schwandorf/Neunburg v. W. und Kemnath, insbesondere über

Naturschutzprojekte, die mit besonderen Gemeinwohlleistungen gefördert werden

dem amtlichen Naturschutz, unteren Naturschutzbehörden an den Landratsämtern

Neustadt, Schwandorf und Tirschenreuth sowie der höheren Naturschutzbehörde an der

Regierung der Oberpfalz

mit Vertretern aus Lehre und Forschung sowie der LWF Freising

mit lokalen und regionalen Verbänden (z. B. Landesbund für Vogelschutz (LBV), Bund

Naturschutz (BN), Oberpfälzer Waldverein (OWV) und Wildland-Stiftung)

interessierten Einzelpersonen mit Spezialwissen.

Im Rahmen von BayernNetz Natur sind die Projekte Kainzbachtal und Schleißbachtal zu

erwähnen. Diese werden in enger Abstimmung mit den Naturschutzbehörden und

Verbänden durch den Forstbetrieb begleitet.

Ziel ist weiterhin der integrative Ansatz, um mit den vorgenannten Gruppen bzw. Personen

möglichst sinnvolle Projektarbeiten für den Naturschutz zu realisieren.

Die bestehenden Kontakte zu Vertretern der vorgenannten Institutionen werden deshalb

weiterhin gepflegt und ggf. intensiviert. Es besteht auch künftig die Bereitschaft zu

gemeinsamen Projekten. Notwendige Forschungsflächen werden grundsätzlich im

allgemeinen wissenschaftlichen Interesse vom Forstbetrieb bereitgestellt.

3.9.2 Öffentlichkeitsarbeit

Es werden vielfältige Möglichkeiten genutzt, um das allgemeine Verständnis für die Tier- und

Pflanzenwelt, für das Ökosystem Wald und seine schützenswerten Besonderheiten durch

eigene Öffentlichkeitsarbeit (Führungen, Exkursionen etc.) und durch enge Kooperation mit

spezialisierten Verbandsvertretern über die Medien zu stärken.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 62


Es bestehen dafür nützliche Verbindungen zu Printmedien, Rundfunk und auch Fernsehen.

Diese greifen Naturschutzthemen immer wieder gerne auf und berichten bei guter

Vorinformation i. d. R. sehr kompetent.

3.9.3 Modellgemeinde Tännesberg

Der Forstbetrieb Flossenbürg wirkt aktiv als Partner des Leuchtturmprojektes der

Bayerischen Modellgemeinde Biodiversität Tännesberg“ mit. Übergeordnetes Ziel ist seit

2009, auf kommunaler Ebene die Biodiversität durch gezielte Maßnahmen zu erhöhen, die

Kulturlandschaft zu erhalten sowie in der Bevölkerung und bei Besuchern das Bewusstsein

für die biologische Vielfalt zu erhöhen. Dazu soll ein Netzwerk Biodiversität für die

nachhaltige Entwicklung des Gemeindegebietes im Sinne eines innovativen Modellprojektes

aufgebaut werden. Das Besondere des Projektes ist das ressortübergreifende

Zusammenwirken zwischen Naturschutz, Forst-, Wasser- und Landwirtschaft, Wirtschaft und

Bildung.

Als größter Waldbesitzer der Region nimmt der Forstbetrieb Flossenbürg seine

Vorbildfunktion für die Region bezüglich der Biodiversität in besonderem Maße wahr, indem

der Umbau des Waldes zu stabilen und standortgerechten Wäldern forciert wird. Zudem

beteiligt er sich u. a. an der Errichtung von Lehrpfaden („Themenweg Biodiversität“,

Geologischer Lehrpfad), Förderung von seltenen Tierarten (z. B. „Kreuzotterprogramm“)

sowie eines Nordic-Walking-Zentrums.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 63


3.10 Interne Umsetzung

Ziele

Weitere Etablierung der BaySF und regional des Forstbetriebs Flossenbürg als

kompetenter Partner im Natur- und Artenschutz

Hohe Sensibilität aller Beschäftigten für Belange des Natur- und Artenschutzes

Vorbildliche Einhaltung der gesetzlichen Regelungen zum Natur- und Artenschutz

sowie der selbst gesetzten Standards (Naturschutzkonzept der BaySF sowie des

regionalen Naturschutzkonzeptes)

Praktische Umsetzung

Verbesserung der Kenntnisse von Lebensräumen und Arten bei den Beschäftigten

durch „training on the job“

Förderung von Mitarbeitern mit besonderen Natur- und Artenkenntnissen

Entwicklung von Monitoring-Systemen durch die forstliche Planung und Überprüfung

einzelner Naturschutzziele im Zuge des „Natural-Controlling“

Intensive Zusammenarbeit mit dem Naturschutzspezialisten der Bayerischen

Staatsforsten

Alle Mitarbeiter des Forstbetriebes sind bei der Umsetzung der Naturschutzziele gefordert.

Die Handlungsverantwortung bei konkreten Maßnahmen liegt bei den jeweils planenden

oder ausführenden Beschäftigten, vom Forstbetriebsleiter bis zum Waldarbeiter.

Die Schulung aller Mitarbeiter einhergehend mit der Sensibilisierung für Naturschutzthemen

unter Berücksichtigung der örtlichen Besonderheiten und Schwerpunkte muss zentrales

Anliegen bleiben. Inhalte sollten dabei sein:

Information der Mitarbeiter über das Naturschutzkonzept der BaySF sowie das

weiterführende regionale Konzept des Forstbetriebes

Konkrete Wissensvermittlung über heimische Arten und deren ökologische

Zusammenhänge

Konkrete Hinweise zur praktischen Umsetzung der Konzepte bei der täglichen Arbeit

(„training on the job“, Biotopbaumerkennung und -markierung bei der

Hiebsvorbereitung)

Im Rahmen der regelmäßigen Mitarbeiterbesprechungen werden die Revierleiter und

Forstwirtschaftsmeister ständig über aktuelle Themen im Bereich Naturschutz im

Forstbetrieb informiert.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 64


Finanzierungsbedarf

In ökonomischer Hinsicht sind vor allem die Nutzungs- und Verwertungsverzichte (im

Wesentlichen Belassen von Totholz und Biotopbäumen) von Bedeutung. Daneben entsteht

ein Mehraufwand für planerische bzw. organisatorische Maßnahmen, um die

naturschutzfachlichen Belange im Zuge der integrativen Waldbewirtschaftung zu

berücksichtigen. Die ökonomischen Auswirkungen vorstehender Aspekte tragen

ausschließlich die Bayerischen Staatsforsten.

Für spezielle Naturschutzprojekte, die aktive Maßnahmen erfordern und die über die

Anforderungen einer naturnahen vorbildlichen Waldbewirtschaftung hinausgehen, werden

finanzielle Mittel aus dem Budget der Bayerischen Staatsforsten und Zuwendungen des

Freistaats Bayern im Rahmen der „Besonderen Gemeinwohlleistungen (bGWL)“ oder

sonstige Fördermittel und Zuschüsse eingesetzt.

Auswirkungen des regionalen Naturschutzkonzepts auf Betriebsablauf

Um die Ziele des Naturschutzkonzepts zu erreichen, müssen sich alle Mitarbeiter damit

identifizieren und diese bei der täglichen Arbeit im Forstbetrieb berücksichtigen und

umsetzen.

Die Arbeiten im Starkholz in Beständen mit einem hohen Anteil stehenden Totholzes und zu

schonender Biotopbäume bergen erhöhte Gefahren. Die größte Gefahr geht dabei vom

Kronentotholz aus. Der Forstbetrieb nutzt alle Möglichkeiten, um diese Gefahren zu

vermindern.

Die große Herausforderung für den Forstbetrieb ist, die Synthese von Ökonomie und

Ökologie bei der Waldbewirtschaftung zu finden. Bei den derzeitigen Rahmenbedingungen

ist es dem Forstbetrieb möglich, die Maßnahmen für die anspruchsvollen Ziele im

Naturschutz umzusetzen und gleichzeitig ein positives Betriebsergebnis zu erreichen.

Der Wald und seine Bewirtschaftung darf sich dabei aber nicht allein auf eine reine

Deckungsbeitragsrechnung reduzieren, da viele wertvolle Parameter des Ökosystems Wald

(z. B. Trinkwasserspender, CO 2 -Senke, Biotopbäume etc.) nicht oder nur sehr schwer in

ihrem Wert quantifiziert werden können.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 65


Glossar

Auszeichnen

Das Markieren von Bäumen, die bei einer

Durchforstung entnommen werden sollen.

Autochthon

Als autochthon wird eine Art bezeichnet, die in

ihrem derzeitigen Verbreitungsgebiet

entstanden ist bzw. selbstständig

eingewandert ist.

Besondere Gemeinwohlleistungen (bGWL)

Die BaySF haben die gesetzliche

Verpflichtung, über ihre vorbildliche

Bewirtschaftung hinaus besondere

Gemeinwohlleistungen, kurz bGWL, im

Bereich der Erholung wie auch des

Naturschutzes zu erbringen. Die Kosten

dieser Maßnahmen werden zu 90 % staatlich

bezuschusst, den Rest trägt die BaySF.

Bestand

Ist die Bezeichnung für einen homogenen

Waldteil, der sich hinsichtlich Form, Alter und

Baumart von seiner Umgebung abhebt. Er

stellt zugleich die kleinste Einheit des

waldbaulichen Handelns für einen längeren

Zeitraum dar. Man unterscheidet

Reinbestände (nur eine Baumart) und

Mischbestände (mehrere Baumarten).

Biozide

Sind Mittel zur Schädlingsbekämpfung oder

auch Holzschutzmittel.

Borkenkäfer

Eine weltweit verbreitete Käferfamilie mit

4.600 Arten, wovon etwa 95 in Deutschland

vorkommen. Einige Arten neigen zur

Massenvermehrung und können forstlich

große Schäden anrichten. Von forstlicher

Bedeutung sind in Bayern vor allem

Kupferstecher und Buchdrucker.

Brusthöhendurchmesser (BHD)

Der Brusthöhendurchmesser ist der

Durchmesser eines Baumes in 1,30 Meter

Höhe. Er wird zur Berechnung des

Holzvolumens des jeweiligen Baumes

benötigt.

Durchforstung

Die Durchforstung ist eine waldbauliche

Pflegemaßnahme, bei der aus einem Bestand

eine bestimmte Anzahl von Bäumen

entnommen wird, um den besten Bäumen im

Bestand mehr Standraum zu geben. Dadurch

wird der Wertzuwachs auf die Besten gelenkt.

Vor allem im Nadelholz ist die Durchforstung

auch für die Stabilität des Bestandes äußerst

wichtig.

Forsteinrichtung

Die mittelfristige, in der Regel 10-jährige

Beplanung des Waldes. Dazu werden

zunächst über eine Inventur im Wald

Holzvorrat und Zuwachs nach Beständen und

Baumarten ermittelt. Danach werden die

betrieblichen sowie waldbaulichen Ziele

geplant und der Hiebssatz festgelegt. Der

Hiebssatz gibt die flächenbezogene

nachhaltige jährlich einschlagbare Holzmenge

an.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 66


Festmeter (Fm)

Eine Maßeinheit für Holz. Ein Festmeter ohne

Rinde entspricht einem Kubikmeter reiner

Holzmasse.

Naturwaldreservat

Naturwaldreservate sind Waldbestände, die

der natürlichen Entwicklung überlassen

werden. In ihnen finden keine regulären

forstlichen Nutzungen mehr statt.

Jungbestandspflege

So wird die Behandlung junger Waldflächen

bis zum Eintritt in das Stangenholzalter

bezeichnet. In dieser Phase geht es vor allem

darum, Mischbaumarten zu sichern und

Konkurrenzpflanzen zurückzuhalten.

Kalamität

Als Kalamität werden massive Forstschäden,

welche z. B. durch Witterungsextreme,

Waldbrand oder Insekten hervorgerufen

werden, bezeichnet.

Pestizide

Ist die Bezeichnung für Pflanzenschutzmittel.

Sie sollten nur im äußersten Notfall eingesetzt

werden.

Potentielle natürliche Vegetation (pnV)

Als pnV wird die Pflanzengesellschaft

bezeichnet, die sich ohne menschlichen

Einfluss, nachdem der Mensch die

Bewirtschaftung einer Fläche aufgegeben hat,

entwickeln würde. In großen Teilen Bayerns

wären das Buchenwaldgesellschaften.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft bedeutet,

dass nicht mehr Holz genutzt wird, als

nachwächst. Aber auch im Bereich

Naturschutz setzt sich der Forstbetrieb

Rothenburg für den nachhaltigen Erhalt

unserer Tier- und Pflanzenwelt ein.

Natura 2000

Natura 2000 ist ein europäisches Netz von

Schutzgebieten zum länderübergreifenden

Schutz wildlebender heimischer Pflanzen und

Tierarten und deren Lebensräume. Die

Natura-2000-Gebiete setzen sich aus den

Fauna-Flora-Habitat-Gebieten (FFH) und den

Vogelschutzgebieten (SPA) zusammen.

Standort

Die Gesamtheit der Umwelteinflüsse am

Wuchsort einer Pflanze, wie Klima, Boden und

Relief.

Totholz

Unter Totholz versteht man Holz stehender

und liegender abgestorbener Bäume, Äste

oder Baumkronen. Totholz hat erhebliche

Bedeutung als Lebensraum und

Nährstoffquelle.

Naturschutzkonzept Forstbetrieb Flossenbürg 67


IMPRESSUM

Herausgeber

Bayerische Staatsforsten AöR

Tillystrasse 2

D-93047 Regensburg

Tel.: 0049 (0) 941 6909-0

Fax: 0049 (0) 941 6909-495

E-mail: info@baysf.de

Internet: www.baysf.de

Rechtsform

Anstalt des öffentlichen Rechts (Sitz in Regenburg)

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer

DE 24 22 71 997

Vertretungsberechtigter

Dr. Rudolf Freidhager, Vorsitzender des Vorstandes

Verantwortliche Redaktion und Gestaltung

Markus Kölbel (mailto: markus.koelbel@baysf.de)

Hinweis

Alle Inhalte dieses Naturschutzkonzeptes, insbesondere Texte, Tabellen und Abbildungen sind urheberrechtlich

geschützt (Copyright). Das Urheberrecht liegt, soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, bei den

Bayerischen Staatsforsten. Nachdruck, Vervielfältigung, Veröffentlichung und jede andere Nutzung bedürfen der

vorherigen Zustimmung des Urhebers.

Wer das Urheberrecht verletzt, unterliegt der zivilrechtlichen Haftung gem. §§ 97 ff. Urheberrechtsgesetz und

kann sich gem. §§ 106 ff. Urheberrechtsgesetz strafbar machen.

Bildnachweis

Forstbetrieb Flossenbürg: 1, 2, 3, 4, 5, 7, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 17, 19, 23

LBV: 24

Grüner: 22, 25, 26, 27

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