November 2013 - Der Monat

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November 2013 - Der Monat

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NOVEMBER 13

VORSORGE: Morgen ohne Sorgen? Die Zukunft der Renten

ENERGIE: Kraftwerk Samina wird Pumpspeicherkraftwerk

MOBILITÄT: Ausgaben und Kosten für unsere Mobilität


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INHALT | EDITORIAL

Noch mehr ÖV-Förderung?

Zahlt der Verkehr zuviel?

3

Der private Motorfahrzeugverkehr ist in den vergangenen

zehn Jahren schneller gewachsen als die Bevölkerung

PANORAMA 4

VORSORGE

Morgen ohne Sorgen? Die Zukunft der Renten 6

VERKEHR

Deckt der Privatverkehr die realen Kosten? 9

MOBILITÄT 1

Ausgaben und Kosten für unsere Mobilität 10

MOBILITÄT 2

Verursacherprinzip auch für Mobilität 12

BIOGAS

Heizen und fahren mit Klärschlamm 14

PORTRÄT

Luzia Nipp: auf dem Weg zur Sommelière 16

ENERGIE

Kraftwerk Samina wird Pumpspeicherkraftwerk18

OLYMPIADE

Bobsport: Der Pilot im Eiskanal 20

FORSCHUNG

«Grünes» Unternehmertum zahlt sich aus 22

VOR 40 JAHREN

25. November 1973: Erster autofreier Sonntag 24

KUNSTDENKMÄLER

Ein Standardwerk zu Kunst und Geschichte 26

RATGEBER

Pensionsplanung: Rente, Kapital, Mischform?27

Vorsorge und Verkehr – das sind zwei Themen, die

unsere Generation mit Blick auf die Zukunft beschäftigen.

Der private Motorfahrzeugverkehr ist

in den vergangenen zehn Jahren

schneller gewachsen als die Bevölkerung,

was auf den Wohlstand

wie auf die Bestrebungen

nach möglichst unbegrenzter persönlicher Mobilität

hinweist. Auf der anderen Seite wurde das Bus-

System laufend verfeinert, was

sich aber nicht ohne Subventionierung

verwirklichen liess. Bei

den Kosten scheiden sich die

Geister. Während die Vertreter

des Umweltschutzes und Befürworter

des öffentlichen Verkehrs

eine noch stärkere Subventionierung

fordern und den Privatverkehr

noch mehr zur Kasse bitten

wollen, argumentieren die Vertreter

des privaten Motorfahr-

Chefredaktor «Der Monat»

Günther Meier

zeugverkehrs umgekehrt. In diesem

Magazin finden Sie zwei Beiträge, die sich mit

den Kosten des Verkehrs befassen – zwei Meinungen,

zwei Argumentationen, nicht ganz kontrovers,

aber auch nicht ganz deckungsgleich!

IMPRESSUM: 7. Jahrgang, Nr. 82, November 2013, 18 750 Exemplare

HERAUSGEBER: Alpenland Verlag AG, Feld kircher Strasse 13, FL-9494 Schaan,

Tel. +423 239 50 30, Fax +423 239 50 31, office@alpenlandverlag.li

REDAKTION: Günther Meier, Tel. +423 380 09 30, redaktion@dermonat.li

VERLAGSLEITUNG: Max Meinherz, Tel. +423 239 50 20, m.meinherz@gutenberg.li

SEKRETARIAT: Eva Rubin, Tel. +423 239 50 30, office@gutenberg.li

ANZEIGEN: Tel. +423 239 50 30, Fax +423 239 50 31, office@gutenberg.li

GESTALTUNG: Barbara Schmed, Gutenberg AG

SATZ UND DRUCK: Gutenberg AG, FL-9494 Schaan

PAPIER: PlanoJet, 100 g/m²

ONLINE: «Der Monat» im Internet: www.dermonat.li

TITELBILD: Der Verkehr und die Kosten des Verkehrs sorgen auch

in unserem Land für Diskussionen. (Foto: Günther Meier)

RÄTSEL 28

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NOVEMBER 2013


PANORAMA

4

5

Projekte für Siedlung

und Entwicklung

Liechtenstein beteiligt sich am Agglomerationsprogramm

Werdenberg-Liechtenstein, das der

grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Bereich

der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung

dient. Ziel der Zusammenarbeit über die Landesgrenzen

hinweg ist die langfristige Sicherung der

Attraktivität der Region als Lebens-

und Arbeitsort. Das Agglomerationsprogramm,

das 38 verschiedene

Massnahmen umfasst,

wird nach Auskunft von Regierungsrätin

Marlies Amann-Marxer

derzeit vom Schweizer Bundesamt

für Raumentwicklung

geprüft. Von den 38 Massnahmen

betreffen 8 Projekte ausschliesslich

den Raum Liechtenstein,

23 Massnahmen werden

gemeinsam in Angriff genommen, 7 Massnahmen

konzentrieren sich auf Werdenberg. Vorgesehen ist,

dass ab 2015 mit der Umsetzung der Massnahmen

begonnen wird. Die grösseren Infrastrukturprojekte

sollen ab 2018 in die Phase der Realisierung

kommen. Zu den zentralen Massnahmen zählen

die S-Bahnen Buchs – Feldkirch und im Schweizer

Rheintal, die Optimierung der Rheinübergänge

und der Ausbau der Infrastruktur für den Langsamverkehr.

Foto: Günther Meier

Arbeitsplätze und Beschäftigte

Liechtenstein verzeichnete im Jahre 2012 einen Zuwachs an Einwohnern,

Arbeitsplätzen und Beschäftigten. Nachstehend die Entwicklung

in den vergangenen zehn Jahren.

2002 2012 Zunahme

Einwohner 34'414 37'182 2'768 = 8,0 %

Beschäftigte 28'814 35'829 7'015 = 24,3 %

Zupendler Schweiz 5'742 9'702 3'960 = 69,0 %

Zupendler Österreich 6'844 8'268 1'424 = 20,8 %

Zupendler Deutschland 354 591 237 = 67,0 %

Quelle: Steuerstatistik/Amt für Statistik

Foto: Alpenland Verlag Schaan

Strubilemutz und Joggilema

Zweite Auflage Kinderbuch

Das Kinderbuch «Strubilemutz und Joggilema»

mit «Liader und Vers us am Liachtasta» hat

grossen Anklang gefunden. Für das von Rahel Malin

gestaltete Buch war die Nachfrage so gross, dass

eine zweite Auflage gedruckt werden musste. Nun

ist das Buch wieder erhältlich, im Buchzentrum

(www.buchzentrum.li) und im Buchhandel. Das

Buch, dessen Illustrationen Rahel Malin mit Papierreisstechnik

selbst machte, ist für alt und jung geeignet.

Ältere Semester erinnern sich an die Lieder und

Verse aus ihrer Kinder- und Jugendzeit, Kinder können

die Reime und Liedchen ihrer Vorfahren nachsprechen

und singen.

Gütertransporte

leicht rückläufig

Ein erheblicher Teil der Gütertransporte wird

über die Strasse abgewickelt. Laut Gütertransport-

Statistik 2012 wurden die Waren von 37 in Liechtenstein

ansässigen Unternehmen durchgeführt, die

265 Fahrzeuge bei ihren internationalen Transporten

im Einsatz hatten. Im Berichtsjahr wurden von

den Lastwagen fast 550'000 Tonnen Güter transportiert,

wobei die Transportfahrten innerhalb des

Wirtschaftsraums Liechtenstein – Schweiz nicht berücksichtigt

sind. Die Unternehmen führten vor allem

internationale Transporte durch: Rund zwei

Drittel der Transporte erfolgten zwischen zwei ausländischen

Staaten. Mit Liechtenstein kamen nur

gut ein Viertel in Berührung: 14,6 % Beladungen

und 12,8 % Entladungen. Die Wirtschaftskrise

scheint auch Einfluss auf die Transporte zu haben,

denn die Transportleistungen reduzierten sich um

10,1 % auf 281 Millionen Tonnenkilometer.

NOVEMBER 2013


Regierung positiv

zu Jufa-Projekt Malbun

Die Bergbahnen Malbun haben beschlossen, das Projekt «Jufa

Gästehaus Malbun» zu verwirklichen. Die Regierung als Hauptaktionär

wird sich laut Regierungschef-Stellvertreter Thomas Zwiefelhofer

bei der Beschlussfassung durch die Aktionäre positiv dazu äussern.

Wie Zwiefelhofer gegenüber dem Landtag erklärte, sind die Bergbahnen

überzeugt, dass die Geschäftsidee der Jufa-Jugend- und Familiengästehäuser

sehr gut zur Marketing- und Entwicklungsstrategie

eines familienfreundlichen Malbun passe. Jufa habe sich im Bereich

«Ferien für junge Familien mit Kindern» etabliert und sei in den Bereichen

Sport und Kultur weit vernetzt. Bei 220 neuen Betten könne

von einem Mehrerlös aus dem Skikarten-Verkauf von jährlich 300'000

Franken gerechnet werden.

Mutige Schritte

in unbekannte Berufe

Junge Menschen beschränken sich bei der Berufswahl oft auf

wenige Berufe, meist sogar auf geschlechtstypische Ausbildungen.

Dabei stehen klassische Rollenbilder von Mann und Frau mehr im

Vordergrund als persönliche Interessen und Talente. Um diese Rollenbilder

aufzuweichen, wird am 14. November 2013 ein Nationaler

Zukunftstag durchgeführt, mit dem Ziel, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Der Zukunftstag soll Schülerinnen und Schüler, die

sich mit der Berufswahl beschäftigen, dazu anleiten, mutige Schritte

in unbekannte Berufe zu wagen. Informationen: www.nationalerzukunftstag.ch

Weisser Würfel mit

dem schwarzen verbunden

Das Kunstmuseum Liechtenstein schliesst für

rund ein halbes Jahr. Am 16. Dezember 2013 wird

geschlossen, am 15. Mai 2014 soll wieder geöffnet

werden. Grund für die Schliessung ist die bauliche

Anbindung des neuen weissen Würfels (Museum

der Hilti Art Foundation) mit dem Kunstmuseum,

des schwarzen Würfels. Ganz

müssen Kunstfreunde in der

Schliessungszeit nicht auf Kunstbetrachtungen

verzichten. Im

Gasometer Triesen, in der Stein

Egerta Schaan und im Küefer-

Martis-Huus Ruggell werden

Teile der Sammlung des Kunstmuseums

ausgestellt.

Foto: Günther Meier

Foto: Philatelie Liechtenstein

Aus Stein gemahlen

Olympia-Briefmarken 2014

Liechtenstein gibt schon seit langer Zeit

Sonderbriefmarken zu den Olympischen Spielen

im Sommer und im Winter heraus. Für die

Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi hat

sich die Philatelie Liechtenstein eine Besonderheit

einfallen lassen, die wahrscheinlich weltweit

einzigartig ist. Zwei Künstler aus Russland

sind mit der Gestaltung der Olympia-Briefmarke

beauftragt worden. Die Künstler Natalia

Brovko und Alexander Doll wurden in Orenburg,

in der Nähe der Grenze zu Kasachstan geboren.

Während Alexander Doll als freischaffender

Künstler zwischen Moskau und Bern

pendelt, lebt Natalia Brovko in ihrer Heimatstadt,

wo sie an der staatlichen Universität Kunst

unterrichtet. Für die Sonderbriefmarke zu den

Olympischen Winterspielen wurde ein aus Sotschi

stammender Stein gemahlen, mit Farbe gemischt

und mittels Thermographie auf die Marke

aufgebracht. Die Besonderheit daran ist nicht

nur das Verfahren, sondern auch die Fühlbarkeit

dieses speziellen Briefmarkendrucks: Streicht

man mit dem Finger über die Briefmarke, so ist

der gemahlene Stein deutlich spürbar.

Bei Olympischen Winterspielen waren

liechtensteinische Sportler in der Vergangenheit

sehr erfolgreich. Liechtensteinische Sportler

nehmen seit 1936 an Olympischen Winterspielen

teil. Am erfolgreichsten schnitten bisher die

Skifahrer ab, die insgesamt 9 Olympia-Medaillen

gewannen. Zu den Medaillen-Gewinnern

zwischen 1976 in Innsbruck und 1988 in Calgary

gehörten Willi Frommelt, Hanni und Andi

Wenzel, Ursula Konzett und Paul Frommelt.


VORSORGE

6

7

Morgen ohne Sorgen?

Die Zukunft der Renten

Von Günther Meier

Die geltenden Rentensysteme, die auf einem Umlageverfahren aufgebaut

sind, stehen vor einer bedeutenden Herausforderung. Je älter die Menschen

werden und je länger Renten bezogen werden, um so dringender wird das

Problem. Die Sozialpolitik gehört zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben.

Die Diskussionen um die Pensionskasse der Staatsangestellten

zeigen auf, dass die Vorsorge ein äusserst

wichtiges Zukunftsproblem ist. Noch scheint

diese Botschaft nicht durchwegs in der liechtensteinischen

Bevölkerung angekommen zu sein, wenn

eine Meinungsumfrage der Regierung als Massstab

genommen wird: Bei dem 2007 erstellten «Zukunftsbarometer

Liechtenstein» rangiert die Sozialpolitik

nämlich im Mittelfeld der «wichtigsten

Probleme in 10 Jahren», die Soziale Sicherheit gar

nur im letzten Drittel, weit hinter Verkehrsproblemen,

Ausländer- und Flüchtlingsproblemen, Umwelt,

Arbeitslosigkeit und Wohnungspolitik. Die

heutige Rentengeneration hat gut gelebt mit dem

«Drei-Säulen-System» für die Altersvorsorge, das

Liechtenstein aus der Schweiz

übernommen hat. Wer erst in

Die Jugend, die erst ins ungefähr zwanzig Jahren das

Erwerbsleben eintritt, stellt

Rentenalter erreichen wird, kann

sich ebenfalls noch auf mehr

die berechtigte Frage, ob dereinst

noch etwas übrig bleibt

oder weniger volle Töpfe freuen.

Doch die Jugend, die erst ins Erwerbsleben

eintritt, stellt die berechtigte

Frage, ob dereinst noch

etwas übrig bleibt. Die Aussichten scheinen nicht

gerade rosig zu sein, wenn man bedenkt, dass die

Reserven der AHV jedes Jahr leicht schwinden und

dass aus dem Bereich der Pensionsversicherungen

nicht nur frohe Botschaften das junge Publikum erreichen.

Sowohl der «Zukunftsbarometer Liechtenstein»

als auch die «Analyse Sozialstaat Liechtenstein»

wiesen darauf hin, dass Reformen nötig sein

werden, wenn Liechtenstein ein Land mit Wohlstand

und Sozialer Sicherheit bleiben möchte. Regierungschef

Otmar Hasler, der Zukunftsbarometer

und die Analyse des Sozialstaates in Auftrag ge-

geben hat, deutete die Marschrichtung der Reformen

in einem Vorwort an: «Eine solidarische Gesellschaft

muss darauf achten, dass alle von der

wirtschaftlichen Entwicklung profitieren und keine

und keiner zurückgelassen wird.»

Mehr Rentenempfänger und

weniger Beitragszahler

Der Staat Liechtenstein, der das

«Drei-Säulen-System» der Schweiz übernommen

hat, leistet der AHV aus den allgemeinen Staatsmitteln

einen Beitrag von 20 Prozent der jährlichen

Ausgaben. Schon seit einiger Zeit hat sich bei Land

und AHV die Erkenntnis durchgesetzt, dass die demografische

Entwicklung auch für Liechtenstein

eine grosse Herausforderung für die Finanzierbarkeit

der ersten Säule, der Alters- und Hinterlassenenversicherung,

darstellt. So hielt ein Regierungsbericht

2011 fest: «Aufgrund der demografischen

Entwicklung wird in Zukunft eine grössere Anzahl

von Rentenempfängern auf eine immer geringer

werdende Anzahl an Beitragszahlern treffen.» Nun

kommen die Auswirkungen der Finanzplatz- und

Wirtschaftskrise dazu, womit Regierung und Landtag

bereits Überlegungen anstellten, ob in Zukunft

die AHV im bisherigen Rahmen finanziert werden

könne. «Das ursprüngliche Ziel, ein auf lange Sicht

stabiles Rentensystem zu gewährleisten», schrieb

die Regierung in einem Bericht an den Landtag,

«hat sich im Zuge der Sanierung des Staatshaushalts

relativiert.» Ursprünglich hatte die Regierung 2011

geplant, den Staatsbeitrag an die AHV nicht mehr

in Prozenten der Ausgaben zu leisten, sondern mit

einem fixierten Beitrag von 50 Millionen Franken

im Jahre 2015, der dann jedes Jahr weiter gekürzt

werden sollte. Bis ins Jahr 2020 würden sich die Ein-


Foto: iStock.com

Eine ganzheitliche, umfassende sparungen für den Staat auf 19

Reform ist erforderlich, um die Millionen Franken belaufen,

Altersvorsorge für die Zukunft zu rechnete die Regierung dem

sichern.

Landtag vor, und bemerkte trocken

dazu: «Diese Mittel wiederum

fehlen der AHV als Einnahmen.» Dieser Plan

der Regierung ist nicht ganz aufgegangen, weil der

Landtag den AHV-Beitrag bis 2018 befristete, was

zweierlei bedeuten kann: Entweder erhält die AHV

ab diesem Datum keinen Staatsbeitrag mehr oder

der Staat arbeitet bis zu diesem Datum eine Rentenreform

aus, die massgeblich von finanziellen Aspekten

diktiert wird.

Noch legen alle Verantwortlichen

eine gewisse Gelassenheit an den Tag, weil die

AHV über erhebliche Reserven verfügt. «Mittelfristig

kann man davon ausgehen, dass die Auszahlung

der Renten gesichert ist», heisst es im AHV-Geschäftsbericht

2011. Die Reserven betrugen per

Ende 2011 noch etwas über 10 Jahresausgaben, zeigen

aber Jahr für Jahr einen leichten Rückgang.

Wenig erfreut über den Beschluss

des Landtags äussert sich AHV-Präsident Peter

Wolff: «Nach Ansicht des Verwaltungsrates ist dies

eine wenig verantwortungsvolle Vorgangsweise,

was auch nicht durch die Erwartung gemildert

wird, dass der Gesetzgeber bis zum Jahr 2018 wohl

in der einen oder anderen Form wieder einen

Staatsbeitrag für die AHV in Kraft setzen dürfte.»

Kann sich das gut ausgebaute

soziale Netz halten?

Die Lehren aus der Finanz- und

Wirtschaftskrise sowie der Bevölkerungsentwicklung

liegen vor und müssen bei einer Reform des

Rentensystems berücksichtigt werden: Die AHV

reagiert aufgrund der Umlagefinanzierung empfindlich

auf demografische Entwicklungen, während

die berufliche Vorsorge anfällig auf die Auswirkungen

von Finanzmarktkrisen reagiert, ebenso

wie die private Vorsorge. Daraus lässt sich die

Schlussfolgerung ableiten, dass sich unser gut ausgebautes

soziales Netz nur halten lässt, wenn die

Wirtschaft funktioniert.

Ohne Wachstum der Wirtschaft

und ohne weitere Massnahmen der Beitragszahler

werden sich die bisherigen AHV-Leistungen nicht

finanzieren lassen, womit angedeutet ist, dass bald

einmal Rentenkürzungen (oder zumindest die

13. Rente), Beitragserhöhungen oder das Hinausschieben

des Rentenalters zur Diskussion stehen

werden. Vielleicht kommt uns die Schweiz zu Hilfe,

die eine schrittweise Erhöhung der Mehrwertsteuer

plant, deren Einnahmen für die AHV-Finanzierung

verwendet werden sollen – was bei uns

auch gemacht werden könnte.

Auch bei den betrieblichen Vorsorgeeinrichtungen

zeichnen sich Veränderungen

ab. Der Umwandlungssatz, der für die Festlegung

NOVEMBER 2013


VORSORGE

8

der Rentenbezüge massgeblich ist, dürfte bei den

meisten Versicherungen gesenkt werden. Vorsorgeeinrichtungen,

die noch das Leistungsprimat hoch

halten, wie die Pensionsversicherung des Staates,

werden wohl auf das Beitragsprimat umstellen

müssen, weil die Finanzierbarkeit im Leistungsprimat

nicht mehr möglich ist.

Umfassende Reform der Altersvorsorge

notwendig

Weil der Landtag den Staatsbeitrag

an die AHV nur bis 2018 bewilligt hat, drängt

sich eine Diskussion und Lösung für die zukünftige

Altersvorsorge auf. Nachdem einzelne Pensionskassen

in Schwierigkeiten geraten sind, wird es

auch in diesem Bereich zu Reformen kommen

müssen. Vor dem Hintergrund, dass das «Drei-

Säulen-System» für die Altersvorsorge bisher die

Bewährungsprobe bestanden hat, wird es für die

Zukunft und die nachfolgenden Rentengenerationen

wichtig sein, die Probleme mit Blick auf die Gesamtsituation

anzugehen und nach Lösungen zu

suchen, die dieses sorgfältig austarierte System

nicht in eine Schieflage bringt. Schön wäre es, wenn

wir auch in Zukunft noch sagen könnten, was in der

«Generationenbilanz» steht: «Das Fürstentum

Liechtenstein stellt im europäischen Vergleich eine

bemerkenswerte Ausnahme dar.» |

Rente oder Grundeinkommen?

Über die Frage, wie Renten in Zukunft finanziert werden können, gehen die Antworten auseinander. Dabei gibt es auch

unkonventionelle Antworten, wie etwa die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen für alle.

Acht Millionen «Fünfräppler» schütteten die Urheber der Volksinitiative auf den Platz vor dem Bundeshaus in Bern. Die spektakuläre

Aktion bildete den Rahmen für die Übergabe von 126'000 Unterschriften an den Bundesrat, die ausreichen für das

Zustandekommen der Volksinitiative und für die Weiterbearbeitung durch Bundesrat und Parlament. Die Volksinitiative verlangt,

dass jeder Erwachsene in der Schweiz vom Staat jeden Monat 2500 Franken erhalten soll, für «ein menschenwürdiges

Dasein und die Teilnahme am öffentlichen Leben».

Ein Grundeinkommen ohne Bedingungen für alle – anstelle von Renten. Wer mehr verdienen möchte, soll dafür arbeiten. Finanziert

werden soll das Grundeinkommen durch die Milliarden für die AHV sowie durch eine neue Konsumsteuer. Die Initiative

für ein bedingungsloses Grundeinkommen ist nicht auf Schweizer Mist gewachsen, sondern die Idee gibt es schon in

verschiedenen Varianten rund um den Erdball. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis ein ähnlicher Vorschlag auch in

Liechtenstein die Öffentlichkeit beschäftigen wird.

Die weltweit vorhandenen Modelle für ein bedingungsloses Einkommen unterscheiden sich zwar im Detail, aber gehen vom

Grundsatz aus, dass vieles vereinfacht werde, weil Renten, Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und andere Sozialleistungen wegfallen

würden. Zur Finanzierung werden Neuordnungen der Steuersysteme als notwendig erachtet und neue Konsumsteuern vorgeschlagen.

Wenn der Staat jedem Erwachsenen ein Grundeinkommen ohne Bedingungen garantiert, gibt es dann noch Anreize, etwas

zu arbeiten? Auch zu dieser Frage gehen die Meinungen auseinander.

Die Befürworter vertreten die Ansicht, dass die Menschen aus eigenem Antrieb freiwillig arbeiten würden, um ein höheres

Einkommen zu erzielen. Und überdies müssten viele Menschen auch arbeiten, damit Güter produziert und Dienstleistungen

angeboten werden könnten. Demgegenüber befürchten die Gegner, ein bedingungsloses Grundeinkommen würde mehr

Menschen zur Untätigkeit verleiten, insbesondere solche, die niedrig entlöhnte Arbeiten ausführten. Manche verbreiten auch

die Befürchtung, ein «Grundeinkommen für alle» könnte zu einer verstärkten Zuwanderung aus Ländern führen, die nicht viel

Arbeit und Verdienst bieten würden.

NOVEMBER 2013


VERKEHR

Deckt der Privatverkehr

die realen Kosten?

9

Benutzer von Privatautos zahlen Motorfahrzeugsteuern

und Abgaben für den Treibstoff. Zu viel,

rechnet die eine Seite vor. Zu wenig, argumentiert

die andere Seite mit Blick auf den öffentlichen

Verkehr.

In der Schweiz wollen Bundesrat und Parlament die

Autobahn-Vignette von 40 auf 100 Franken erhöhen.

Dagegen wurde das Referendum ergriffen. Die

Abstimmung findet am 24. November 2013 statt.

Die Befürworter der Erhöhung argumentieren, die

Erhöhung um 60 Franken entspreche kaum einer

Tankfüllung Benzin und zudem sei der Preis der

Vignette letztmals 1995 angepasst worden, die Erhöhung

der Mineralsteuer gehe schon auf 1993 zurück

und der Mineralölsteuerzuschlag habe letztmals

1974 eine Anpassung erfahren. Die Gegner

rechnen demgegenüber vor, der Strassenverkehr finanziere

in der Schweiz nicht nur den Strassenverkehr

selbst, sondern auch noch einen erheblichen

Teil des Schienenverkehrs. Im Unterschied zur ursprünglichen

Idee, die Einnahmen aus dem Strassenverkehr

ausschliesslich für den Bau und Unterhalt

der Strassen zu verwenden, würde heute nicht

einmal jeder dritte Franken direkt dem Strassenverkehr

zugute kommen.

Schon vor dieser aktuellen Vignetten-Diskussion

kreuzten Vertreter der Autobranche und ÖV-

Befürworter die Klingen über die Kostenwahrheit

im Verkehr. Aufnahme fand die Debatte über Verkehrskosten,

Förderung des öffentlichen Verkehrs

und stärkere Belastungen des privaten Motorfahrzeugverkehrs

auch in Liechtenstein. LGU und VCL

traten im Sommer gemeinsam an die Öffentlichkeit

und legten ihre Sicht über die Kostenwahrheit

im Verkehr dar. Der Verkehrsclub Liechtenstein

forderte, dass eine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung

die externen Kosten ebenfalls berücksichtigen

müsse: «Für die Volkswirtschaft Liechtensteins

betragen die totalen ungedeckten Kosten

des öffentlichen Verkehrs etwa 18 Millionen Franken

pro Jahr, diejenigen des Autoverkehrs etwa 30

Millionen.» Die Schlussfolgerung daraus heisst laut

Foto: Günther Meier

VCL: «Aus volkswirtschaftlicher

Öffentliche Verkehrsmittel

Sicht soll also der Autoverkehr erfordern Subventionen des

im Sinn des Verursacherprinzips Staates. Trägt der private Verkehr

deutlich verteuert, die Tarife des genug oder zu wenig an die

öffentlichen Verkehrs sollen hingegen

nur massvoll erhöht wer-

Verkehrskosten bei?

den.» Die Reaktionen liessen nicht auf sich warten.

Der Vorstand des Automobilclubs des Fürstentums

Liechtenstein (ACFL) stellte fest, dass die Behauptungen

von LGU und VCL unrichtig seien: «Der

Strassenverkehr deckt, im Gegensatz zum öffentlichen

Verkehr, welcher zum überwiegenden Teil von

der öffentlichen Hand finanziert wird, die von ihm

verursachten Kosten zu 100 Prozent selbst.» Wenn

die Einnahmen aus dem Verkehr mit den Ausgaben

für den Verkehr verglichen würden, argumentierte

der ACFL, resultiere ein hoher Überschuss für die

Landeskasse. Es bestehe also überhaupt kein Anlass,

die Autofahrer noch mehr zur Kasse zu bitten.

Schon gar nicht mit der von LGU und VCL beabsichtigten

Erhöhung der Motorfahrzeugsteuer.

Auf den folgenden Seiten stellt Georg Sele,

Präsident des Verkehrsclubs Liechtenstein, seine

Sicht des Nebeneinanders von privatem und öffentlichem

Verkehr dar. Andere Überlegungen stellt

Othmar Züger an, der die Kosten des öffentlichen

Verkehrs und des privaten Verkehrs einander gegenüberstellt.

|

NOVEMBER 2013


MOBILITÄT 1

10

11

Ausgaben und Kosten

für unsere Mobilität

Von Othmar Züger

Für Arbeitswege, Freizeitaktivitäten und persönliche Verrichtungen ist die

ständige Verfügbarkeit des Privatautos und des öffentlichen Verkehrs zur

Selbstverständlichkeit geworden. Was sind die wirklichen Kosten für diese

Mobilitätsansprüche?

Im täglichen Leben begegnen uns die Kosten für

den Verkehr regelmässig beim Auftanken des Autos

oder beim Kauf eines Billets im Bus. Jährlich

zahlen wir Bus-Abos und Rechnungen für Strassensteuern

und für Autoversicherungen sowie für

den Unterhalt des Privatautos. Wie weit decken

diese Ausgaben die tatsächlichen Kosten für die

Mobilität ab? Ausgehend von einem durchschnittlichen

Mittelklasseauto mit 14'000 km Jahresfahrstrecke

teilen sich die Gesamtkosten

für das Privatauto folgendermassen

auf: für Treibstoff

Wie weit decken die

Ausgaben für den Verkehr

fallen ca. 1600 Fr. an, für Versicherungen

1400, für die Motorfahrzeugsteuer

400, für Unter-

die tatsächlichen Kosten

halt und Reparaturen rund 1200

der Mobilität?

und für die Abschreibung weitere

3200, in Summe ergibt dies ca.

7800 Fr. Ausgaben pro Jahr. Ein oft verwendetes

Mass für die Verkehrsleistung stellen die Personen-

Kilometer dar, die sich aus den gefahrenen Kilometern

multipliziert mit der Anzahl dabei beförderter

Personen ergibt. Ein Privatauto mit 14'000 km Jahresfahrleistung

und einer mittleren Insassenzahl

von 1,3 Personen erbringt demnach eine Mobilitätsleistung

von 18'000 Personen-Kilometer pro

Jahr. Mit den Kosten von 7800 Fr. dafür ergibt sich

damit für das Privatauto ein Mobilitätspreis von

Zur Person

Dr. Othmar Züger, Physiker ETH, ist in der industriellen Hochtechnologie

tätig und lebte bisher in Liechtenstein, der Schweiz und den

USA. Er ist regelmässiger Nutzer des öffentlichen Busverkehrs, des

Privatautos und des Fahrrads.

0,43 Fr. pro Personen-Kilometer. Beim öffentlichen

Verkehr bezahlten die Fahrgäste gemäss Geschäftsbericht

2012 der LieMobil in Summe 3,5 Mio. Fr.

für Einzelfahrten und Abonnements. Die LieMobil-Busse

legten ungefähr 3 Millionen Kilometer

zurück und leisteten 31 Millionen Personen-Kilometer.

Daraus abgeleitet beträgt der Mobilitätspreis

pro Fahrgast durchschnittlich nur 0,11 Fr pro Personen-Kilometer,

also weit weniger wie demjenigen

des Autos. Dieser Preis widerspiegelt jedoch in keiner

Weise die realen Kosten der Busse. Die Gesamtausgaben

2012 der LieMobil betrugen 19,8 Mio. Fr.

Basierend auf dieser Zahl lagen die realen Mobilitätskosten

beim Busverkehr bei ca. 0,65 Fr. pro Personen-Kilometer.

Einnahmenüberschuss aus dem

Autoverkehr

Inwieweit deckt der Mobilitätspreis

des Autoverkehrs die tatsächlichen Kosten?

Von den Ausgaben für das Auto geht ein beträchtlicher

Anteil als Steuern und Abgaben an den Staat.

Neben der Motorfahrzeugsteuer von 10 Mio. Fr.

jährlich fallen Treibstoff- und Neuwagenzölle von

ca. 20 Mio. Fr. an, sowie weitere 20 Mio. Fr. an

Mehrwertsteuern. In Summe kommen so Staatseinnahmen

von ca. 50 Mio. Fr. pro Jahr aus dem Autoverkehr

zusammen. Für Bau und Unterhalt der

Landstrassen wurden im 2012 rund 21 Mio. Fr. ausgegeben,

für Gemeindestrassen fielen ca. 26 Mio.

Fr. an. Diese Strassen werden von allen Verkehrsteilnehmern,

d. h. Fussgänger, Fahrrad, Motorrad,

Auto, Bus, Lastwagen und Traktor benutzt. Dem

Autoverkehr kann rund zwei Drittel der Gesamtkosten

oder 31 Mio. Fr. angerechnet werden. Aus

dem Privatverkehr fallen auch Kosten für die Poli-


Die Abgaben des Autoverkehrs

decken die tatsächlichen Gesamtkosten

weitestgehend ab.

zei an. Rechnet man 50% der Gesamtkosten

der Landespolizei

von 19 Mio. Fr. dem Strassenverkehr

zu, ergibt dies für den Autoverkehr ca. 8 Mio.

Fr., wovon aber die Verkehrsbussen von 1 Mio. Fr.

als Ertrag abzogen werden können. Mit dem Saldo

von ca. 7 Mio. Fr. und den Strassenkosten betragen

die öffentlichen Kosten für den Autoverkehr rund

38 Mio. Fr. pro Jahr. Diesen stehen die Einnahmen

von 50 Mio. Fr. entgegen, woraus ein Einnahmenüberschusses

von 12 Mio. Fr. resultiert. Rechnet

man dies in den Mobilitätspreis ein, reduzieren sich

die realen Mobilitätskosten des Autoverkehrs auf

rund 0,40 Fr. pro Personen-Kilometer. Dem Privatverkehr

kritische Kreise führen an, dass der Autoverkehr

weitere 1000 Fr. pro Auto und Jahr an ungedeckten

Gemeinkosten hinterlasse. Die kausale

Ursächlichkeit dieser Kosten ist aber stark umstritten

und teilweise wenig nachvollziehbar. Unter Einbezug

dieser angeblichen Zusatzkosten würden

sich die Personen-Kilometer Kosten auf rund 0,45

Fr. erhöhen, sie bleiben aber deutlich niedriger wie

diejenigen des öffentlichen Busverkehrs.

Foto: Günther Meier

S-Bahn hat Mobilitätskosten

wie der Busverkehr

Mit der geplanten S-Bahn

FL.A.CH. soll das Angebot des öffentlichen Verkehrs

auf der Achse Buchs-Feldkirch stark ausgeweitet

werden. Wie hoch würden die Mobilitätskosten

bei dieser S-Bahn zu liegen kommen? Laut Lie-

Mobil benutzen werktags 250 – 300 Personen die

heute auf die Stosszeiten beschränkten Bahnverbindungen.

Mit der neuen S-Bahn soll dieses Angebot

auf einen ganztägigen Halbstunden-Takt erhöht

und so rund vervierfacht werden. In den Planungen

für die S-Bahn wird von 1200 – 1500 Bahnpendlern

täglich ausgegangen, was einer Verfünffachung

der Nutzerzahlen gleichkommen

würde. Vor dem Hintergrund des bestehenden

Halbstunden-Takts der LieMobil-Busse zwischen

Buchs und Feldkirch, die mit Eschen und Mauren

ein wesentlich grösseres Einzugsgebiet bedienen,

erscheinen diese projektierten Nutzungszahlen als

sehr optimistisch. Mit der realistischeren, aber immer

noch positiven Annahme einer Verdreifachung

der Pendlerzahlen würden in Summe ca. 4–5 Mio.

Personen-Kilometer pro Jahr geleistet. Ausgehend

von einem jährlichen Betriebskostenanteil von 1,5

Mio. Fr. und Abschreibungen von 1,5 Mio. Fr. auf

den 50 Mio. Fr. Investitionsanteil für Liechtenstein,

ergäben sich für die S-Bahn Mobilitätskosten von

0,60 – 0,70 Fr. pro Personen-Kilometer, was in etwa

denjenigen des Busverkehrs entspricht.

Privater Autoverkehr ökonomischer

als öffentlicher Verkehr

Unter Einbezug der Gesamtkosten

zeigt sich im Vergleich, dass die Mobilität des

privaten Autoverkehrs, entgegen oft gehörten Aussagen,

keineswegs teurer, sondern ökonomischer

abschneidet als der öffentliche Verkehr. Während

die Abgaben des Autoverkehrs die tatsächlichen

Gesamtkosten weitestgehend voll abdecken, lag im

öffentlichen Verkehr der Kostendeckungsgrad

durch Billete und Abos im Jahr 2012 bei ca. 18 %.

Mit der beschlossenen Reduktion der Staatsbeiträge

und den Tariferhöhungen könnte dieser neu auf

rund 24 % zu liegen kommen. |

NOVEMBER 2013


MOBILITÄT 2

12

13

Verursacherprinzip

auch für Mobilität

Von Georg Sele

Wer eine Dienstleistung in Anspruch nimmt, soll dafür einen

fairen Preis bezahlen. Vor Jahren wurde das Verursacherprinzip

im Abfallwesen eingeführt. Warum soll das Verursacherprinzip

nicht auch im Verkehrswesen gelten?

Zwar bezahlt der Strassenverkehr hohe Beiträge via

Treibstoff und Verkehrssteuern. Doch diese Beiträge

reichen nicht, um die realen Kosten zu decken.

Denn bei der Betrachtung der Kostenwahrheit im

Sinn einer volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung

müssen auch die externen Kosten

des Verkehrswesens berücksichtigt

werden; also Kosten, die

Nicht weniger mobil sein,

sondern anders mobil sein:

weder vom Verkehrsteilnehmenden

noch von einer Versicherung

gesünder, energieeffizienter, bezahlt werden. Im Bericht «Externe

Kosten 2005 – 2009, Berechnung

der externen Kosten

umweltfreundlicher

des Strassen- und Schienenverkehrs

in der Schweiz» meint die Direktorin des

Bundesamtes für Raumentwicklung im Vorwort:

«Die Bewertung der externen Kosten des Verkehrs

ist kein leichtes Unterfangen. Sie ist indessen unerlässlich,

soll die Transparenz der Mobilitätskosten

verbessert und eine nachhaltige Verkehrspolitik ermöglicht

werden.»

Die Hauptverursacher der externen

Verkehrs-Kosten in der Schweiz sind:
Folgekosten

von Unfällen etwa 2 Mrd. Franken;
Gesundheitskosten

etwa 2 Mrd. Franken;
Klima und

Lärm je 1,2 Mrd. Franken.
Bei den Gesundheitskosten

wurde nur die verkehrsbedingte Luftverschmutzung

berücksichtigt, nicht aber Gesundheitskosten

infolge mangelnder körperlicher Aktivität

wegen Auto-Einsatz auch für kurze Wege –

Zur Person

Georg Sele ist Präsident des Verkehrsclub Liechtenstein.

www.vcl.li

etwa die Hälfte der Auto-Wege

sind bis fünf Kilometer kurz. In

der Taschenstatistik 2012 «Mobilität

und Verkehr» des Schweizer

Bundesamtes für Statistik

findet sich eine übersichtliche

Darstellung. Die totalen externen

Kosten des Verkehrs in der Schweiz betragen

8074 Millionen Franken für die Strasse und 455

Millionen Franken für die Schiene; also 95 %

Strasse, 5 % Schiene. Bei den Strassenkosten werden

4,6 Mrd. Franken dem Auto zugeordnet. Daraus

ergeben sich neun Rappen pro Auto-Fahrzeugkilometer.

Im Durchschnitt betragen die

nicht von den Fahrzeughaltern oder Versicherungen

getragenen Kosten also etwa 1000 Franken

pro Jahr und Auto.

Der Autoverkehr wird mit 30

Millionen subventioniert

Die für die Schweiz berechneten

externen Kosten gelten in etwa auch für unser Land.

Bei 28'000 Personenwagen ergeben sich für Liechtenstein

also etwa 28 Millionen Franken an externen,

ungedeckten – also von der gesamten Gesellschaft

getragenen – Kosten. Zusätzlich sind die relevanten

Ausgaben und Einnahmen von Gemeinden

und Land zu berücksichtigen. Daraus ergibt

sich ein weiterer Fehlbetrag von etwa 3 Millionen

Franken. Total wird der Autoverkehr bei uns also

mit etwa 30 Millionen Franken pro Jahr subventioniert.

Die gleichen Überlegungen zeigen, dass wir

unseren öffentlichen Verkehr total nur mit etwa 18

Millionen Franken pro Jahr subventionieren. Natürlich

kommen Aufwendungen für Strassen auch

dem Fussverkehr, Radverkehr und Busverkehr zu-


Heute legen 65 – 70 % der

Leute ihre Arbeitswege in und

nach Liechtenstein allein im

Auto zurück.

gute. Doch die Belastung unserer Strassen erfolgt

laut Fahrzeugzählungen zu etwa 95 % durch den

Autoverkehr. Also sind auch die Kosten entsprechend

anzurechnen.

Diskussion anstossen für eine

enkeltaugliche Verkehrpolitik

Der VCL hat zur Problematik der

Kostenwahrheit im Verkehrswesen unter Berücksichtigung

der externen Kosten und des Nutzens

ein Diskussionspapier erarbeitet. Es ist publiziert

auf www.vcl.li unter Fachthemen «Volkswirtschaftliche

Gesamtkostenrechnung des Verkehrs». Dort

befindet sich auch ein Link zum LGU-Diskussionspapier

«Der Preis der Strasse». Diese Diskussionspapiere

wurden erarbeitet, um im Sinn der Direktorin

des Bundesamtes für Raumentwicklung die

Diskussion für eine nachhaltige, enkeltaugliche

Verkehrspolitik anzustossen. Die Transparenz der

Mobilitätskosten ist ein wesentliches Element dazu.

Enkeltauglich ist nur ein Verkehrswesen

mit einer deutlich anderen Verkehrsmittelwahl

als heute: mehr zu Fuss gehen, mehr

Rad fahren, mehr öffentlichen Verkehr benutzen,

mehr Fahrgemeinschaften bilden und das bequeme

Auto überlegt einsetzen. Nicht weniger mobil

sein, sondern anders mobil sein: gesünder, energieeffizienter,

umweltfreundlicher und dazu preiswerter

für Individuum und Gesellschaft. Dies gilt

ganz besonders für Arbeitswege.

Denn diese stellen die Spitzenbelastungen

unseres Verkehrssystems

dar. Um weiteres Wachstum

zu ermöglichen und dabei

die Erreichbarkeit unseres Wirtschaftsraums

sicherzustellen,

müssen wir auch den Flächenbedarf der Verkehrsmittel

berücksichtigen. Bei mittlerer Auslastung

und Geschwindigkeit der Verkehrsmittel beansprucht

eine Person per Auto 115 m 2 (bei 40 km/h;

bei 50 km/h sind es über 200 m 2 pro Person), per

öffentlichen Verkehr oder Fahrrad beträgt der Flächenbedarf

nur etwa 10 m 2 . Nur mit einer anderen

Verkehrsmittelwahl als heute können wir unsere

Naherholungsräume im Talraum und unsere Lebensqualität

erhalten bei guter Erreichbarkeit.

Foto: Günther Meier

Verbesserungswürdige Infrastruktur

öffentlicher Verkehr

Heute legen 65 – 70 % der Leute

ihre Arbeitswege in und nach Liechtenstein allein

im Auto zurück. In Vorarlberg sind es nur 50 – 55 %.

Bei der Inficon AG in Balzers nur etwa 50 % dank

konsequentem Betrieblichem Mobilitätsmanagement

mit Parkplatzbewirtschaftung und gestaffeltem

Mobilitätsbeitrag sowie vielen zusätzlichen

Anreizen. So ist es nicht erstaunlich, dass Inficon

als einziger von 11 Bewerbern für einen fahrradfreundlichen

Betrieb das Gold-Zertifikat erhalten

hat. Bei der heutigen noch deutlich verbesserungswürdigen

Infrastruktur für den Radverkehr und

den öffentlichen Verkehr ist ein Anteil von nur 50 %

Allein-im-Auto-Arbeitswege auch für andere Arbeitgeber

erreichbar. Wenn sie nur wollen. Dies ist

auch ganz im Sinn der Kostenwahrheit. |

NOVEMBER 2013


BIOGAS

14

15

Heizen und fahren

mit Klärschlamm

Von Günther Meier

Die Gasversorgung Liechtenstein bietet den Kunden schon

seit einiger Zeit Biogas aus Schweizer Produktion an. Mit

einer Biogas-Aufbereitungsanlage, die im November ihren

Betrieb aufnimmt, kann nun selbst Biogas hergestellt werden.

Aus ökologischer Sicht gehört Biogas zu den besten

erneuerbaren Energieträgern. Die Nachfrage nach

Biogas ist vorhanden, denn seit die Gasversorgung

vor zwei Jahren das Biogas in das Lieferangebot

aufgenommen hat, entschied sich fast jeder zehnte

Erdgas-Kunde für die umweltfreundlichere Variante.

«Wenn die Kunden Biogas

beziehen», betont Dietmar Sartor,

Geschäftsleiter der Gasver-

Das Biogas aus der neuen

Anlage fliesst über das

sorgung Liechtenstein, «kaufen

sie mit einem Aufpreis auf den

gleiche Transport- und Verteilnetz

wie Erdgas

Erdgas-Preis einen ökologischen

Mehrwert, nämlich erneuerbare

und CO2-neutrale Energie.» Die

LGV bietet ihren Kunden drei

Biogas-Bezugsvarianten an: Erdgas mit einem Biogas-Anteil

von 5 %, 20 % oder 100 %. Biogas kann

aus Grüngut, organischen Abfallstoffen und Klärschlamm

hergestellt werden. Weil solcher Abfall

laufend anfällt und entsorgt werden muss oder

verwertet werden kann, gehört Biogas zu den erneuerbaren

Energieträgern. Die Gasversorgung

Fotos: Gasversorgung (LGV)

wirbt nicht nur mit der Verbesserung

der Ökobilanz bei der

Verwendung von Biogas, sondern

auch mit der problemlosen

Handhabung: «Das CO2-neutrale Biogas verfügt

über die gleichen Vorteile wie Erdgas: hoher Anwendungskomfort,

wartungsarme und rückstandfreie

Verbrennung und keine Beanspruchung von

zusätzlichem Lagerraum.» Im Unterschied zur

Nutzung von anderen erneuerbaren Energien

müssten keine zusätzlichen Investitionen in die

Heizungsanlage getätigt werden, denn Biogas fliesse

über das gleiche Transport- und Verteilnetz wie

Erdgas. In Kooperation mit dem Abwasserzweckverband

der Gemeinden Liechtenstein (AZW) hat

die Gasversorgung eine Biogas-Aufbereitungsanlage

gebaut, die ihren Betrieb im November aufnehmen

wird. Das Biogas wird aus dem Gärungsprozess

des Klärschlamms gewonnen, der bei der

Abwasserreinigung anfällt. Damit werden für die

Gewinnung des Biogases keine nachwachsenden

Rohstoffe verwendet, die anderswo genutzt werden

könnten. Die Aufbereitungsanlage direkt bei der

ARA, der Abwasserreinigungsanlage in Bendern,

besitzt überdies den Vorteil, dass keine Transportkosten

wie bei anderen Biogas-Anlagen entstehen,

weil der Rohstoff Klärschlamm direkt vor Ort anfällt.

Das Biogas muss nach dem Vergärungsprozess

lediglich noch aufbereitet werden, damit es

als sauberes Biogas dem Erdgasnetz der Gasversorgung

zugeführt werden kann. Weil Klärschlamm

praktisch unerschöpflich zur Verfügung steht,

zählt dieses Abfallprodukt zu den erneuerbaren

Energiequellen, was vor dem Hintergrund der

Energiediskussionen und Schonung der natürlichen

Energieressourcen von hoher Bedeutung ist.


Die Biogas-Produktionsanlage

wurde in Zusammenarbeit

der Gasversorgung und dem

Abwasserzweckverband der

Gemeinden erstellt.

Erneuerbare Energiequellen gelten, neben der höherer

Energieeffizienz, als wichtigste Säule einer

nachhaltigen Energiepolitik.

Verbesserung der Ökobilanz

durch Biogas-Produktion

Schon vor der Eigenproduktion

hat die Gasversorgung rund 3500 Megawattstunden

(MWh) Biogas pro Jahr bei umweltbewussten

Gaskunden abgesetzt. Damit konnten nach Berechnungen

der Gasversorgung rund 700'000 kg

CO2 eingespart werden. Es ist anzunehmen, dass

mit der Eigenproduktion der Absatz von Biogas

ansteigen und damit der Ausstoss von Schadstoffen

weiter reduziert wird. Der bisherige Absatz von Biogas

entspricht ungefähr der Hälfte der Biogas-Produktion

durch die neue Anlage. Oder anders ausgedrückt:

Bei Vollauslastung der Biogas-Produk-

Was ist Biogas

Biogas entsteht durch die Vergärung von biogenem Material. Dabei

wird Biomasse verwertet. Wesentlicher Bestandteil des Biogases bildet

Methan, das auch Hauptbestandteil des Erdgases ist. Ökologisch

besonders sinnvoll ist die Herstellung von Biogas aus biogenen Abfallstoffen,

beispielsweise Grüngut oder Klärschlamm. Je nach der

Zusammensetzung vom Bioabfall werden zwischen 105 bis 130 m 3

Biogas pro Tonne gewonnen. Biogas ist praktisch CO2-neutral und

erneuerbar. Biogas kann auf Erdgas-Qualität aufbereitet und dann

ins Erdgas-Netz eingespeist werden. Biogas kann als Treibstoff und

als Brennstoff verwendet werden.

tionsanlage kann die Gasversorgung

die jährliche Erdgas-Einfuhr

um etwa 3 Prozent reduzieren.

Biogas lässt sich – wie Erdgas

allgemein – gut mit anderen erneuerbaren Energien

kombinieren, etwa mit Holz oder Sonnenenergie.

Solche Kombinationen tragen zur weiteren Verbesserung

der Öko-Bilanz bei und leisten einen

Beitrag zur Reduktion von Treibhausgas-Emissionen,

zu der sich Liechtenstein im Kyoto-Protokoll

2004 verpflichtet hat. Im Jahr 2008 betrug der Anteil

der erneuerbaren, einheimischen Energieträger

am Gesamt-Endenergiebedarf 8,2 % oder 114 Gigawattstunden

(GWh). Dieser Anteil soll laut der

Energiestrategie der Regierung bis im Jahr 2020 auf

20 % gesteigert werden. Zu den Zielen der Energiestrategie

2020 zählt neben anderen Massnahmen

auch die Erweiterung der Biogas-Produktion, die

mit der Biogas-Aufbereitungsanlage der Liechtensteinischen

Gasversorgung einen erfolgversprechenden

Anfang nimmt.

Weitere Projekte der Gasversorgung

für die Zukunft

Die Liechtensteinische Gasversorgung

(LGV) produziert neuerdings nicht nur

Biogas, sondern befasst sich im Sinne der neuen

Eignerstrategie mit weiteren Möglichkeiten zur Diversifizierung

des Geschäftsangebotes. Der Einsatz

alternativer Energieträger und die Nutzung von

Wärme stehen im Vordergrund. Die Gasversorgung

ist an einer Kooperation mit der Kehrichtverbrennungsanlage

Buchs zur weiteren Nutzung der

Wärme durch den Betrieb von Fernwärmenetzen

interessiert und hat entsprechende Projekte angestossen.

|

NOVEMBER 2013


KOPF PORTRÄT DES MONATS

16

Luzia Nipp – auf dem

Weg zur Sommelière

Luzia Nipp

Getränkeoase Triesen

Unser Bild einer Oase wird von Geschichten aus

Tausend-und-einer-Nacht geprägt, in denen die

Oase inmitten einer unwirtlichen Wüste einer

Märchenwelt gleicht, die alles bietet, was Gaumen

und Magen begehrt. Die Getränkeoase

in Triesen kommt

dieser Traumwelt nahe, denn

hier türmen sich Wein, Bier und

Spirituosen aus aller Welt zu einer

bunten Mischung, die kaum noch Wünsche

offen lässt. Das ist auch das Reich von Luzia Nipp,

die zusammen mit Philippe Hefti seit 1998 die

Getränkeoase führt. Im Laufe der Zeit hat sie sich

reiche Kenntnisse über Weine und deren Herkunft,

über Bier und dessen Geschmacksrichtungen

sowie über die Besonderheiten von Spirituosen

zugelegt. Die Informationen von Produzenten

und Händlern, das Studium von Weinmagazinen

und die Kostproben aus dem

Foto: Günther Meier

reichhaltigen Angebot reichen

ihr aber nicht mehr aus, sie

möchte den Kunden noch mehr,

umfangreichere und gezieltere

Beratung bieten können – und

auch ihr persönliches Wissen

erweitern. Luzia Nipp steckt

mitten in einer Sommelier-Ausbildung

und möchte den Abschluss

als diplomierte Sommelière

erreichen. Eine Weinkennerin,

die über umfassendere

Kenntnisse verfügt und diesen

Wissensschatz bei der Beratung

weitergeben möchte. «Die

Weinwelt hat mich immer

schon fasziniert», betont Luzia

Nipp, «doch über die Ausbildung

im Sommelier-Studiengang

erschliesst sich mir ein

breiteres Feld, das die Faszination

für dieses Naturprodukt weiter

steigert.» Die Ausbildung,

neben der Arbeit in der Ge-

Eine Weinkennerin, die ihren Wissensschatz

bei der Beratung weitergeben möchte

tränkeoase, ist anspruchsvoll. Schwerpunkt des

Studienprogramms ist das Erarbeiten eines soliden

Weinfachwissens, das sowohl in der Gastronomie

wie auch im Handel eingesetzt werden

kann. Angefangen von den Geografie-Kenntnissen

der bedeutendsten Weinanbaugebiete der Welt

über die Einflüsse von Klima und Bodenbeschaffenheit

bis zur Kelterung des Weins ist alles dabei,

was man über Wein und Weinbau wissen muss.

«Wir lernen natürlich auch Weine und die

verschiedenen Traubensorten durch Degustieren

kennen und unterscheiden», erzählt Luzia Nipp

aus dem Studiengang. Die Ausbildung beschränkt

sich aber nicht auf Wein, sondern umfasst auch

Grundkenntnisse über Bier und Spirituosen, Sekt

und Champagner.

«Oft kommen Kunden in die Getränkeoase

und fragen, zu welchem Essen welcher Wein am

besten passen würde», weiss Luzia Nipp aus Erfahrung.

Als Sommelière wird sie in der Lage sein, ein

paar passende Weine aus unterschiedlichen Gegenden

vorzuschlagen. Auch wenn es darum geht,

für ein Festessen zu jedem Gang einen eleganten

Tropfen auszusuchen, kann sie auf ihr erweitertes

Fachwissen über Wein und Spirituosen zurückgreifen.

Das Fachwissen kann auch eingesetzt werden,

wenn es um den Einkauf für das umfangreiche

Sortiment der Getränkeoase geht, das vom

Schwerpunkt Italien über hundert verschiedene

Weine umfasst. Mit den Kenntnissen einer Sommelière,

blickt Luzia Nipp in die Zukunft, könne

sie auch eher die Wünsche von Kunden erfassen,

die noch nicht zu den Weinkennern zählen – aber

sich für gute Tropfen begeistern lassen. |

NOVEMBER 2013


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ENERGIE

18

19

Kraftwerk Samina wird

Pumpspeicherkraftwerk

Von Günther Meier

Das Kraftwerk Samina, der derzeit wichtigste Stromproduzent Liechtensteins,

wird in ein Pumpspeicherkraftwerk umgebaut. Damit kann die Eigenproduktion

an Strom erhöht werden. Die Inbetriebnahme ist auf anfangs 2015 vorgesehen.

Mit über 2000 Sprengungen ist Raum für den unterirdischen

Speicher des Samina-Kraftwerks geschaffen

worden. Wenn alles weiterhin planmässig

verläuft, kann das Pumpspeicherkraftwerk 2015 in

Betrieb genommen werden. Nach

der Ausschaffung von ungefähr

Nachts wird das Wasser

60'000 Kubikmeter Gestein aus

wieder in den Stausee Steg dem Felsen ist ein Unterwasserbecken

mit einem Volumen von

zurückgepumpt, um es

40'000 Kubikmetern in Form eines

Stollens mit 750 Metern Län-

erneut für die Stromproduktion

zu verwenden

ge entstanden. Sobald das Pumpspeicherkraftwerk

in Betrieb genommen

wird, fliesst das Wasser,

das die Turbinen antreibt, nicht mehr in den Giessen

ab, sondern wird im Unterwasserbecken gespeichert.

Wenn der Stromverbrauch niedrig und das

Stromangebot hoch ist, wird dieses Wasser in den

Stausee Steg zurückgepumpt, um

es erneut für die Stromproduktion

zur Verfügung zu stellen. Die

Liechtensteinischen Kraftwerke

(LKW) haben sich für den Ausbau

des Samina-Kraftwerks und

den Bau des Pumpspeicherkraftwerks

entschieden, damit künftig

die Energieabgabe besser auf

die Stromnachfrage ausgerichtet

werden kann. Mit einem

Pumpspeicherkraftwerk kann

ein grundlegendes Problem der

Stromproduktion etwas in Bahnen

gelenkt werden: Strom ist in

grossen Mengen nicht speicherbar,

was für die Stromerzeuger

bedeutet, Angebot und Nach-

Fotos: LKW

frage möglichst im Gleichgewicht zu halten.

Ein Pumpspeicherkraftwerk erleichtert diese anspruchsvolle

Aufgabe, weil es die Wasserkraftkapazitäten

durch das Zurückpumpen des schon einmal

die Turbinen betriebenen Wassers erhöht. Während

den Zeiten mit hohem Energiebedarf erzeugt

das Kraftwerk Samina Strom mit Wasser aus dem

Stausee Steg. In Zukunft wird ein Teil des Wassers

nicht mehr in den Vaduzer Giessen und den Binnenkanal

geleitet, sondern in die unterirdische Kaverne.

Wenn des Stromangebot hoch und der Preis

niedrig ist, wird dieses Wasser in den Stausee zurückgepumpt,

wo es für eine zweite Nutzung bei

hoher Stromnachfrage mit entsprechend höheren

Strompreisen wieder zur Verfügung steht.

Bessere Ausnützung der einheimischen

Wasserkraft

Für die Liechtensteinischen

Kraftwerke (LKW) ist das neue Pumpspeicherkraftwerk

ein wichtiger Pfeiler für die Stromversorgung

in Liechtenstein: «Die Bedeutung der ab 2015

neu möglichen Pumpspeicherung wird aufgrund

des wachsenden Anteils an nicht steuerbaren erneuerbaren

Energien immer wichtiger.» Auf dem

internationalen Strommarkt in Europa steigt der

Anteil des Stroms aus Windanlagen, der mangels

Speichermöglichkeiten gebraucht werden muss.

Mit Wasserkraftwerken, die eine sehr kurze Einschaltzeit

haben, kann dringend benötigter Strom

zu Spitzenzeiten produziert werden. Aber auch bei

der Steigerung der Eigenerzeugung von Strom werde

das Pumpspeicherkraftwerk Samina eine wichtige

Rolle spielen, betonen die LKW: Bis ins Jahr

2020 soll der Anteil des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren

Energien im In- und Ausland erheblich


gesteigert werden. Ausserdem führen die LKW für

das Projekt Pumpspeicherkraftwerk, das rund 50

Millionen Franken kostet, ökologische Gründe an.

Die Lärmbelästigung im Umfeld des Kraftwerks in

Vaduz könne reduziert werden und auch die Abflussverhältnisse

im Vaduzer Giessen und im Binnenkanal

würden durch die teilweise Speicherung

des Wassers verbessert. Hingewiesen wird auch darauf,

dass für die in Zukunft erhöhte Stromproduktion

nicht mehr Wasser aus dem Einzugsgebiet des

Saminabachs entnommen werden muss, weil das

Wasser mehrfach genutzt werden kann.

Geschichte der Wasserkraftnutzung

in Liechtenstein

Mit dem Bau des Pumpspeicherkraftwerks

fügen die LKW der Eigenstromversorgung

ein weiteres Kapitel hinzu. Die Geschichte der

Stromproduktion aus Wasserkraft in Liechtenstein

hängt eng mit der Industrialisierung des Landes

zusammen. Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts,

als die Webereien und Spinnereien ihren Betrieb

aufnahmen, wurden kleine Kraftwerke gebaut. Das

erste öffentliche Elektrizitätswerk entstand jedoch

erst 1901 in Vaduz, das bis 1927 betrieben wurde.

Die anderen Gemeinden bezogen den Strom von

den Stadtwerken Feldkirch, zuerst Mauren und

Eschen, ab 1920 nach dem Aufbau des landesweiten

Stromnetzes auch die übrigen Gemeinden. Um

eine eigene Stromversorgung aufzubauen, wurde

im Jahr 1923 das «Landeswerk

Lawena» gegründet, nachdem

erste Versuche zum Bau des «Lawena-Werks»

wegen finanziellen

Die Druckleitung von Masescha

nach Vaduz wird erneuert,

die Zentrale und ein Unterwasserspeicher

neu gebaut.

Schwierigkeiten während des

Ersten Weltkriegs gescheitert waren. Mit Volksabstimmung

wurde das «Lawena-Werk» 1925 bewilligt.

Schon 1927 konnte das Kraftwerk seinen Betrieb

aufnehmen. Das Samina-Kraftwerk wurde als

Folge der steigenden Stromnachfrage, die vom Lawena-Werk

nicht befriedigt werden konnte, in den

Jahren 1947 – 1949 gebaut. Auch das Samina-Kraftwerk

wurde mit Volksabstimmung beschlossen, die

1947 abgehalten wurde. |

Stromproduktion – Stromverbrauch

Zu den wichtigsten Energieträgern in Liechtenstein zählen Erdgas,

Elektrizität, Heizöl und Benzin. Der Energieverbrauch wird zu 30,3 %

durch Elektrizität und 22,5 % durch Erdgas abgedeckt. Heizöl macht

12,8 % aus und 6,6 % stammen aus Fernwärme. Holz erreicht einen

Anteil von 4,4 % am Energieverbrauch, die Sonnenkollektoren kommen

auf 0,7 %. Die Eigenversorgungsquote liegt bei knapp 10 %.

Der Verbrauch an Elektrizität betrug 2011 knapp 400 Millionen Kilowattstunden.

Die Eigenproduktion beträgt etwa 18 %. Rund 82 %

des Stroms muss importiert werden. Die Energiepolitik der Liechtensteinischen

Kraftwerke (LKW) sieht vor, bis ins Jahr 2020 den in- und

ausländischen Eigenproduktionsanteil auf 50 – 60 % zu steigern.

(Quelle: Liechtenstein in Zahlen 2013)

NOVEMBER 2013


OLYMPIADE

20

21

Bobsport

Der Pilot im Eiskanal

Von Kornelia Pfeiffer

Der Zweier und der Vierer aus Liechtenstein zählen eher zu den Exoten im

Bobsport. Das schmälert ihren Ehrgeiz nicht, mit dem sie sich auf die Olympischen

Winterspiele 2014 in Sotschi vorbereiten. Michael Klingler ist der

Pilot der Nationalmannschaft.

Ob er in Sotschi die schnellen, empfindlichen Kufen

unters Bett legt? «Zumindest werden wir sie

über Nacht im Zimmer aufbewahren – der Sicherheit

und der Wärme wegen», sagt Michael Klingler.

Stundenlang polieren die Athleten die Kufen zuvor

mit Schleifpapier, blanker Stahl

muss ins Eis beissen. Während

Stundenlang polieren Bobfahrer

die schnellen und

das Olympische Feuer 2900 Städte

in Russland passiert, will sich

das Bobteam aus Liechtenstein

empfindlichen Kufen mit qualifizieren. «Um uns für die

Olympischen Winterspiele fit zu

Schleifpapier, blanker Stahl

machen, haben wir täglich trainiert,

abwechselnd Kraft und

muss ins Eis beissen

Leichtathletik», erzählt Klingler.

Am Wochenende ging es dazu

auf die Anschubbahn nach Andermatt, wo die

Liechtensteiner mit den Schweizer Teams zusammentrafen.

Anfang Oktober stieg das Bobteam im

französischen La Plagne wieder ins Bahntraining

auf Eis ein. Der Bob- und Skeleton-Club

Liechtenstein hat dafür

den erfahrenen deutschen Trainer

Roland Stephan engagiert. In

den Monaten davor machte der

weltweit körperlich stärkste Pilot

im Bob-Zirkus, der Schweizer

Vollprofi Beat Hefti, den liechtensteinischen

Bobathleten schnelle

Beine. Denn je höher die Geschwindigkeit

beim Anschub,

desto höher ist das Tempo im Kanal.

Und wer am Start eine Zehntelsekunde

verliert, hat am Ziel

zwei bis drei Zehntelsekunden

Rückstand. Das mit den Beinen

Fotos: Bobverband

scheint nun zu klappen. Bei der Schweizer Anschubmeisterschaft

im September 2013 in Andermatt

fuhren der Liechtensteiner Zweier auf Platz 4

und der Vierer auf Platz 5.

Die entscheidenden Hundertstel

beim Start

Beim Wettkampf entscheiden

drei Dinge: der Start von Kraftpaketen mit Sprinterqualität;

die Fahrt, eine Kombination von Geschwindigkeit

und der Fähigkeit, sie optimal zu

kontrollieren; die zwanzig- bis fünfzigtausendfränkigen

Bobs mit der filigranen Technik. «Technische

Vorteile können die entscheidenden Hundertstel

ausmachen», weiss Michael Klingler aus

zehn Jahren Erfahrung. Nicht ohne Grund nutzen

deutsche Bobkonstrukteure das Wissen von BMW-

Aerodynamikern und den Windkanal der Bayern.

Die Engländer kooperieren mit der Formel-

1-Schmiede McLaren, die Italiener finden Hilfe bei

Ferrari und die Schweizer – was über den Schweizer

Bobverband auch für die Liechtensteiner gilt – bei

der ETH Zürich.

Tücken der Olympia-Bahn in

den Kurven 11 bis 14

Beim Europacup in St. Moritz

2004 stieg Michael Klingler zum ersten Mal bei

einem Wettkampf in den Schlitten. 2012 kam er

schliesslich mit dem Schaanwalder Bruno Meyerhans

im Zweier auf Platz drei und im Weltcup

an. Bei der Weltmeisterschaft im Februar 2013 in

St. Moritz-Celerina fielen der Zweier wie der Vierer

jedoch weit zurück. Obwohl die Natureisbahn –

1904 erbaut, gilt sie als Wiege des Bobsports – eigentlich

die Hausbahn der Liechtensteiner ist. «Ein


«Technische Vorteile können die

entscheidenden Hundertstel ausmachen»,

weiss Michael Klingler

aus zehn Jahren Erfahrung.

Platz unter den Top 20 hätte drin

gelegen», sinnt der Athlet nach.

Doch auch zwei Wochen später

beim Weltcup in Sotschi brachte

ein Fahrfehler den Zweier schon

im ersten Lauf zum Stürzen.

Prellungen und Verbrennungen,

die sich Michael Klingler und

sein Anschieber Jürgen Berginz

zuzogen, inbegriffen. «Die Bahn

ist anspruchsvoll, was Tempo

und Kurven angeht», analysieren

die beiden Liechtensteiner die verpatzte Generalprobe

für die Olympischen Spiele. Nicht die Geschwindigkeit

sei das Problem, sondern wie man

bei hoher Geschwindigkeit die engen Kurven fährt.

70 Kilometer östlich von Sotschi wurde die Bobund

Rodelbahn für die Winterspiele im März 2012

eröffnet. Die grössten Tücken hat die 1814 Meter

lange olympische Strecke in den Kurven 11 bis 14.

Die Höchstgeschwindigkeit auf der neuen Bobund

Rodelbahn von Sotschi ist für den Viererbob

auf rund 138 Kilometer pro Stunde begrenzt.

«Mit meinen 95 Kilo bin ich ein

Leichtgewicht», vergleicht Michael Klingler und

verschlingt einen Müsli-Riegel. Für Bobsportler

spielt das Gewicht eine grosse Rolle – die Fahrt im

Eiskanal hat viel mit Physik zu tun. Je schwerer ein

Team ist, desto schneller kann der Bob werden.

Denn dieser gleitet auf einem dünnen Wasserfilm,

der sich durch den Druck und die Reibung der Metallkufen

auf der Eisoberfläche bildet. Je höher der

Druck, um so dicker der Wasserfilm. Der athletische

und agile Pilot der liechtensteinischen Nationalmannschaft

muss sich also sputen, um noch ein

paar Kilos draufzupacken.

Bobsport in Liechtenstein

58 Jahre lang unerwünscht

Der Fairness wegen darf heute

eine Besatzung inklusiv Bob im Zweier übrigens

nur noch 390 Kilo und die im Vierer nur 630 Kilo

wiegen. Und 400 Einzelregelungen gelten für Fahrwerk,

Verkleidung und Kufen eines Bobs. Auch die

Bahnen sind heute sicherer als früher, dennoch

wurden die Olympischen Spiele, zu deren Programm

der Bobsport seit 1924 gehört, immer wieder

überschattet von tödlichen Unfällen.

Liechtenstein verlor so Moritz

Heidegger, der 1956 in Cortina d'Ampezzo an den

Olympischen Winterspielen teilgenommen hatte.

Ein Jahr später krachte sein Schlitten beim Training

in St. Moritz in die Seitenwand, sein Anschieber

brach sich ein Bein, Heidegger starb an einer

schweren Kopfverletzung. Danach war der Bobsport

in Liechtenstein 58 Jahre lang unerwünscht.

Erst 1989 bekam er neue Anschieber: Sponsoren,

Gönner und Athleten gründeten den Bob- und

Skeleton-Club Liechtenstein. Sie drücken die Daumen,

dass sich die Jungs aus Liechtenstein qualifizieren

und die Bahn in Sotschi ihnen liegt. |

NOVEMBER 2013


FORSCHUNG

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«Grünes» Abenteuerspielplatz Unternehmertum

zahlt rund sich um den aus

Von Kornelia Pfeiffer

Im Rheintal sitzt eine geballte Kraft «grüner» Unternehmen. Sie setzen sich

für Umwelt und Gesellschaft ein – und machen Gewinn. Das Institut für Entrepreneurship

der Universität Liechtenstein bestätigt der Region in einer Studie

Modellcharakter.

«Sie ist erst 16 Jahre alt und hat schon etwas geleistet,

was die Welt verändert. Elif Bilgin kann aus Bananenschalen

Bio-Kunststoff herstellen», erzählt

Dominic Hödl. Der Wissenschaftler am Institut

für Entrepreneurship der Universität Liechtenstein

spricht von einer Schüle-rin aus Istanbul, die

mit ihrem Forschungsprojekt im Juli beim Google-

Wissenschaftswettbewerb «Science Fair» den ersten

Preis gewonnen hat. Sie hat

das Zeug zum Green Entrepreneur.

Im Rheintal gibt es bereits

Green Entrepreneurs verändern

die Welt, indem sie

eine ganze Reihe kleiner und

mittelgrosser «grüner» Unternehmen,

die beweisen, dass sich

Marktchancen für Wachstum

mit alternativ innovativen Produkten

auch Gewinn erzielen

nutzen und die Mitarbeiter,

Geschäftspartner und den lässt. Acht von ihnen hat Dominic

Hödl unter Leitung von Professor

Sascha Kraus unter die

Endverbraucher beeinflussen

Lupe genommen. Jedes zweite

hat es mit überraschenden Ideen zum Marktführer

gebracht. Sei es in der IT, im Umwelt-Consulting,

der Drucktechnik oder im Bereich Soziale Dienste.

Alle Unternehmen verfolgen das Ziel, Lebensqualität

oder Umweltsituation zu verbessern.

Unternehmen verändern die

Welt

«Das Motiv dieser Green Entrepreneurs

ist eine Mischung aus Unternehmergeist,

Leidenschaft, Menschlichkeit und Interesse an

Umwelt und Gesellschaft», fasst Dominic Hödl zusammen.

Für Sascha Kraus hat die Region Rheintal

gar das Zeug, Vorreiter in Sachen zukunftsfähiger

Unternehmenskonzepte zu sein. Mit ihrer Studie

haben die Wissenschaftler der Universität Liechtenstein

für die deutschsprachigen Länder Forschungsneuland

betreten. Sie haben eine Messlatte

entwickelt, an der sich ablesen lässt, wie erfolgreich

«grünes» Unternehmertum in einer Region oder in

einem Land wirtschaftet. Im Rheintal, so das Fazit

der Analyse, treibt Green Entrepreneurship nachhaltige

Lösungen für zahlreiche gesellschaftliche

und ökologische Probleme an. Liegt es also in der

Hand der Unternehmen, die gegenwärtige Lebensund

Wirtschaftsweise zu ändern? «Wir gehen davon

aus, dass es die Akteure in den Unternehmen

sind, die Veränderungen herbeiführen», sagt Dominic

Hödl. Allein die acht untersuchten Unternehmen

beschäftigen insgesamt 800 Mitarbeiter

und erwirtschaften einen Umsatz von über 150

Millionen Franken. Green Entrepreneurship sei im

Rheintal bereits ein beachtenswerter Wirtschaftzweig.

«Wenn die Unternehmen ihre Arbeitsweise

umstellen, werden die Verbraucher automatisch

davon überzeugt, nachhaltige Produkte zu konsumieren»,

so Hödl.

Zukunftsthema mit Luft nach

oben

Manches Unternehmen, das

noch vor zehn Jahren für Investitionen zur Schonung

der Umwelt milde belächelt wurde, heimst

heute dafür Preise und Auszeichnungen ein. Studien

belegen, dass für immer mehr Unternehmen

neben Wachstum und Profit Kennzahlen wie Umweltverträglichkeit,

zufriedene Mitarbeiter und

faire Arbeitsbedingungen zählen. Diese Unternehmen

sind keine Getriebenen ethisch korrekter

Kunden, wie es oft heisst. Hinter diesem Wandel

stehen Menschen, die entscheiden, anders zu wirtschaften.

Für Dominic Hödl ist «grünes» Unter-


Foto: Universität Liechtenstein

Professor Sascha Kraus und nehmertum ein Zukunftsthema

Dominic Hödl (von rechts) sehen mit «noch viel Luft nach oben».

im Rheintal eine Modellregion für Er ist überzeugt, dass jedes Unternehmen

Potenzial hat, positi-

Green Entrepreneurship.

ve Akzente für Umwelt und Gesellschaft

zu setzen – und damit erfolgreicher denn

je zu sein. Ein Umdenken von Gesellschaftern und

Aktionären vorausgesetzt. Denn noch sind die in

der Minderheit, die sich in Richtung nachhaltige

Zukunft bewegen. Noch lebt unsere Gesellschaft

vom Statuswettbewerb, der mit erhöhtem Ressourcenverbrauch

einhergeht.

Ein echtes Differenzierungsmerkmal

«Manchmal braucht es Extrembeispiele,

um wachzurütteln», ist sich Sascha Kraus

bewusst. So habe etwa erst die Atomkatastrophe in

Zu den Personen

Professor Dr. Dr. Sascha Kraus ist Assoziierter Professor am Institut

für Entrepreneurship der Universität Liechtenstein. Seit 2013 ist er

auch Gastprofessor für International Small Businessmanagement an

der Universität St. Gallen sowie an der Technischen Universität Lappeenranta

in Finnland.

Dominic Hödl, M.Sc., hat 2012 seinen Master in Entrepreneurship

an der Universität Liechtenstein gemacht. Seitdem arbeitet er bei der

Buchdruckerei Lustenau als Verantwortlicher für Controlling, Buchhaltung

und Personal.

Fukushima den Ausstieg aus der Atomenergie angestossen.

Immer wieder jedoch seien es die Wirtschaftsakteure

selbst, die etwas veränderten. Wie

etwa die Automobilindustrie, die die Weiterentwicklung

von Hybrid- oder Elektroautos vorantreibe.

Und die acht im Rheintal untersuchten Unternehmen

beeinflussten die Umwelt allein schon dadurch,

dass ihre Mitarbeiter mit dem Fahrrad oder

dem Bus zur Arbeit kämen. Manche führten eine

CO2-Bilanz, alle verlangten von ihren Lieferanten

umweltfreundliches Wirtschaften.

Und was sagen die Mitarbeiter?

«Sie betonen durchweg, dass sie viel motivierter seien,

weil sie mit ihrer Arbeit etwas Positives bewirken»,

sagt der Professor. Green Entrepreneurs verändern

die Welt nicht nur, indem sie Marktchancen

für Wachstum nutzen, sondern auch, indem sie

Mitarbeiter, Geschäftspartner und den Endverbraucher

beeinflussen. «Wir orten in Green Entrepreneurship

ein echtes Differenzierungsmerkmal

im Wettbewerb – regional, national und global»,

betont Kraus.

Mit der länderübergreifenden

Studie des Instituts für Entrepreneurship in Vaduz

ist die internationale wissenschaftliche Diskussion

über die Kraft der Green Entrepreneurs eröffnet.

Eine neue Vergleichsstudie der Universität Liechtenstein,

die «grüne» Unternehmen in Mittel- und

Osteuropa analysiert, erhärtet den Modellcharakter

des Rheintals als Tal gelebten «grünen» Unternehmertums.

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NOVEMBER 2013


VOR 40 JAHREN

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25. November 1973

Erster autofreier Sonntag

Die Strassen gehörten am «Mit beispielhafter Disziplin, mit

25. November 1973 nicht mehr Humor und mit Gelassenheit

den Autos, sondern anderen reagierte unsere Bevölkerung auf

Verkehrsteilnehmern.

den ersten autofreien Sonntag»,

berichtete das Liechtensteiner

Volksblatt anerkennend. Fotos zeigten Spaziergängergruppen,

Pferdegespanne und Radfahrer, die

sich mitten auf den Strassen bewegten. Während

die Autos auf den Strassen weitgehend fehlten, weil

nur Einsatzfahrzeuge der Polizei, Feuerwehren und

Rettung sowie Taxis und Transporte mit Nahrungsmitteln

zugelassen waren, hatten die Postautos

einen grösseren Ansturm als sonst zu bewältigen.

Liechtenstein hatte sich im Gefolge der Ölkrise

im Herbst 1973 den Aufrufen vieler europäischer

Staaten angeschlossen, zur Senkung des Erdölverbrauchs

während drei oder vier Sonntagen auf die

privaten Motorfahrzeuge zu verzichten. Auslöser

für die Ölkrise war der Jom-Kippur-Krieg, der bisher

letzte Krieg zwischen Israel und seinen arabischen

Nachbarn. Die OPEC, die Organisation der

Erdöl exportierenden Länder, drosselte die Erdöl-

Fördermengen, um die westlichen Staaten wegen

deren Unterstützung Israels unter Druck zu setzen.

Die Folge waren ein erheblicher Anstieg des Ölpreises

sowie autofreie Sonntage. Zusätzlich führten

verschiedene Staaten noch andere Massnahmen ein,

beispielsweise erhielten die Österreicher Schulkin-

Foto: Landesarchiv

der mehr Ferien, in Deutschland wurden teilweise

Tempolimits eingeführt und in Italien wurden verbilligte

Benzingutscheine ausgegeben, um Touristen

nicht von einer Fahrt nach Italien abzuhalten.

Der Ölpreis kletterte nach der Ölkrise 1973

weiter nach oben und verlangte von den Ländern

andere Massnahmen als autofreie Sonntage, um

die Abhängigkeit vom Erdöl zu verringern. Der Gedanke

von autofreien Sonntagen aber blieb erhalten,

so dass es in den 1980er-Jahren nochmals zu autofreien

Aktionen kam. Eine Klasse des Liechtensteinischen

Gymnasiums sammelte 1984 Unterschriften

und brachte für die Forderung an die Regierung,

erneut autofreie Sonntage einzuführen, fast 5000

Unterschriften zusammen. Die Meinungen gingen

allerdings weit auseinander: Die Gymnasiasten

hatten drei autofreie Sonntage gefordert, andere

wollten noch mehr Sonntage ohne Autos, wieder

andere stellten solche Aktionen grundsätzlich in

Frage.

Die Regierung beschloss aufgrund der Unterschriftensammlung,

aktiv zu werden. Der 21. April

1985 wurde unter dem Motto «Autofreies Liechtenstein»

zum autofreien Sonntag auf freiwilliger Basis

erkoren. Wiederum hatte ein Grossteil der Bevölkerung

Spass an der Aktion, doch ganz verkehrsfrei

blieben die Strassen dennoch nicht. Vor allem der

Durchgangsverkehr konnte nicht gestoppt werden,

zudem hatten nicht alle Autofahrer aus Österreich

und der Schweiz von der liechtensteinischen «Autofrei-Aktion»

gehört. Aber auch einheimische Autofahrer

setzten sich über die Aufrufe hinweg und benützten

ihr Auto wie üblich.

Der Vergleich der Verkehrszählungen am Vorsonntag

und am autofreien Sonntag zeigte, dass fast

zwei Drittel weniger Autos die verkehrsreichsten

Kreuzungen passierten. Dieser Anfangserfolg liess

sich aber nicht durchhalten, die folgenden Aufrufe

zum freiwilligen Verzicht auf das Auto erreichten

immer weniger Leute. Somit blieb nicht nur der

erste autofreie Sonntag 1973 eine Episode der Geschichte,

auch die nachfolgenden freiwilligen Aktionen

brachten nicht den erhofften Erfolg. |

NOVEMBER 2013


Lebensraum ist Kulturraum

Kulturforum am 9. November 2013

Einblick in die Sicht- und Arbeitsweise der teilnehmenden

Expertinnen und Experten geben und darüber

hinaus auch die direkte Beteiligung der Teilnehmerinnen

und Teilnehmer ermöglichen.

Das Kulturforum ist eine Veranstaltung des

Ministeriums für Äusseres, Bildung und Kultur

in Zusammenarbeit mit der Universität Liechtenstein.

Es startet um 15.30 Uhr im Auditorium

der Universität Liechtenstein. Abgerundet werden

die Podiumsgespräche mit einem Apéro riche und

künstlerischen Interventionen zu Kultur und

Raum. |

Kulturministerin Aurelia Frick eröffnet das Kulturforum 2013.

Egal ob wir früh am Morgen zur Arbeit fahren oder am Wochenende

auf einer Fahrradtour neue Kraft schöpfen, wir bewegen uns im

öffentlichen Raum. Dabei nehmen wir unweigerlich wahr, dass sich

dieser Raum dauernd und immer rasanter verändert. Gerade in den

Siedlungsgebieten wird die gebaute Umwelt allerorten greifbar. Die

Menschen hinterlassen ihre Spuren.

Im gestalteten Raum treffen sich Vergangenheit und Zukunft,

Altes und Neues, aber auch private und öffentliche Interessen. Dieses

Spannungsfeld verlangt nach Verantwortung und Qualitätsbewusstsein,

in erster Linie natürlich von den Fachleuten, letztendlich aber

von der ganzen Gesellschaft. Wir müssen gemeinsam an unserer Zukunft

arbeiten, denn was Mein und Dein ist, findet sich in unserem

gemeinsamen Lebensraum wieder. Zahlreiche Gespräche haben bestätigt,

dass dies ein Anliegen von vielen Einwohnerinnen und Einwohnern

unserer Region ist.

Die Kultur kann einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung unserer

Umwelt leisten und ist auch gerne bereit, dies zu tun. So trägt beispielsweise

gute Baukultur zur Umwelt Sorge. Sie geht über die blosse

Planung von Gebäuden weit hinaus und umfasst auch die Gestaltung

von Lebensräumen. Der Staat trägt mit rechtlichen und finanziellen

Mitteln zum Schutz und zum Erhalt des gebauten Erbes bei

und besondere Bedeutung aus der Sicht von Kunst und Kultur erhalten

die Kunst am Bau und die Kunst im öffentlichen Raum. So wird

Baukultur zu einer umfassenden Disziplin, welche sich dem öffentlichen

Interesse nicht entziehen kann und mit der Gestaltung des

Raumes letztendlich eine identitätsstiftende Funktion übernimmt.

Architektur, Raum und Kultur stehen im Fokus des Kulturforums

vom 9. November 2013. Zwei Podiumsrunden werden einen

Kulturforum 2013

Samstag, 9. November 2013

Universität Liechtenstein, Vaduz

n 15.30 Begrüssung

Dr. Aurelia Frick, Ministerin für Äusseres, Bildung

und Kultur

n 15.45 Podiumsgespräche I «Raumkultur»

Dr. Claudia Schwalfenberg, Verantwortliche für

Baukultur beim Schweizerischen Ingenieur- und

Architektenverein

Jon Ritter, Präsident der Liechtensteinischen Ingenieur-

und Architektenvereinigung

Dr. Verena Konrad, Direktorin des Vorarlberger

Architektur Instituts

n 17.30 Podiumsgespräche II «Kulturraum»

Prof. Dr. Hans-Jörg Rheinberger, Molekularbiologe

und Wissenschaftshistoriker

Beate Frommelt, Kunstschaffende

Sandi Paucic, Projekteiter Biennalen bei der

Schweizerischen Kulturstiftung Pro Helvetia

n 18.30 Kulinarik und Kultur

Apéro riche, Verein Vielfalt

Ausstellung, Forschungsprojekt PARK

Interventionen Kultur-Raum, Kulturschaffende

www.kulturforum.li


KUNSTDENKMÄLER

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Ein Standardwerk

zu Kunst und Geschichte

Nun ist der Rundgang durch die

Denkmäler Liechtenstein –

denkmalgeschützte Bauwerke,

kirchliche Bauten und architektonisch

interessante Privathäuser

– vollständig. Der zweite Band

«Die Kunstdenkmäler des Fürstentums

Liechtenstein», der dem

Liechtensteiner Unterland gewidmet

ist, wird der Öffentlichkeit

vorgestellt und zum Verkauf

angeboten. Vom zweibändigen

Werk, das im Rahmen der Reihe

über die «Kunstdenkmäler der

Schweiz» von der Historikerin

Die Kapelle Heiligkreuz auf Rofenberg

in Eschen.

wurde, ist schon 2007 der Band

Cornelia Hermann erarbeitet

über die Kunstdenkmäler des

Oberlandes erschienen. Beim Standardwerk zu Geschichte

und Kunst in Liechtenstein wurde interessanterweise

zuerst der Oberländer-Band als Band 2

herausgegeben, bevor nun der erste Band folgte.

In der Gesamtreihe stellen die beiden Bände

eine Besonderheit dar, unterstreicht der Präsident

der Gesellschaft für Schweizer Kunstgeschichte,

Benno Schubiger, weil sie das gesamte Gebiet eines

autonomen Staates umfassten. Der Text sei deshalb

auf die eigenständigen Verhältnisse in Liechtenstein

zugeschnitten und gehe bisweilen über den

klassischen Inhalt der Kunstdenkmälerbände hinaus.

Beispielsweise würde der Archäologie mehr

Raum zugemessen, was unter anderem mit der

mehr als hundertjährigen Tradition und der aussergewöhnlich

guten Kenntnislage der früheren

Epochen in der Geschichte des Landes Liechtenstein

zu tun habe.

Der erste Band mit den Kunstdenkmälern des

Unterlandes umfasst nicht nur die Bauwerke, sondern

auch einen Überblick über Landestopografie

und Geschichte, das Siedlungswesen, die Sprache

sowie einen kunsthistorischen Überblick. Die Landesgeschichte,

betont Benno Schubiger, führe die

Leser bis in die Gegenwart. Die kunsthistorische

Foto: GSK – Paul Trummer

Zusammenschau zeige dabei eine Landschaft, die

bis ins 19. Jahrhundert in besonderem Mass von

Künstlern aus den grenzüberschreitenden Regionen

geprägt worden sei.

Im Vorwort weist Kulturministerin Aurelia

Frick darauf hin, dass Liechtenstein ein Kulturland

und reich an Kulturdenkmälern sei: «Die wissenschaftliche

Aufarbeitung unseres Kulturgutes ist

aus diesem Grund von grosser Wichtigkeit.» Autorin

Cornelia Hermann gibt in ihrem Vorwort einen

Überblick über die Erarbeitung dieses Bandes und

befasst sich mit der Bezeichnung «Unterland» für

den nördlichen Landesteil, der ehemaligen Herrschaft

Schellenberg, die 1699 von den Fürsten von

Liechtenstein gekauft worden ist. Wie Cornelia

Hermann herausgefunden hat, scheinen die Begriffe

Unterland und Oberland erstmals im Wahlgesetz

von 1878 auf, den seither unveränderten Wahlkreisen.

Vorher wurden diese Bezeichnungen nicht verwendet.

Landvogt Josef Schuppler schreibe in seiner

«Landbeschreibung» nur von einer unteren und

oberen Landschaft, ebenso scheine in Peter Kaisers

«Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein» weder

Unterland noch Oberland auf: Die Unterländer

benenne Kaiser als die Bewohner vom Eschnerberg.

Der Streifzug durch die Geschichte des Unterlandes

und die Auflistung der Bauten in den fünf

Unterländer Gemeinden wird wiederum geschichtlich

und architektonisch interessierte Leserinnen

und Leser zweifellos faszinieren, wie das schon

beim Oberländer Band der Fall war. Zwei Bücher,

die man nicht einfach liest, sondern immer wieder

gerne zur Hand nimmt, um Historisches zu erfahren,

Gesehenes in Erinnerung zu rufen und die unterschiedliche

Architektur einordnen zu lernen. |

Kunstdenkmäler Unterland

Das Buch «Die Kunstdenkmäler des Fürstentums

Liechtenstein – Das Unterland» wird am

13. November 2013 um 17 Uhr im Rittersaal der

Pfrundbauten in Eschen vorgestellt.

NOVEMBER 2013


RATGEBER

Pensionsplanung:

Rente, Kapital, Mischform?

27

Jede und jeder Beschäftigte steht kurz vor der

Pensionierung vor der Frage: Wie soll ich das Vorsorgeguthaben

beziehen – als Rente, als Kapital

oder als Mischform? Die Beantwortung dieser

Frage hängt von der persönlichen Ausgangslage

und den eigenen Zielsetzungen ab.

Alle drei Bezugsformen des eigenen Vorsorgeguthabens

bei einer Pensionskasse charakterisieren sich

durch Vor- und Nachteile. Je nach persönlicher

Ausgangslage muss abgewogen werden, ob beim gesamten

Kapitalbezug, bei einer monatlichen Rente

oder bei einer Mischform aus beiden die Vorteile

überwiegen. Den Grundsatz, dass feste monatliche

Verpflichtungen mit sicherem Einkommen gedeckt

werden sollten, gilt es aber in jedem Fall zu berücksichtigen.

Mit einer Pensionsplanung kann dies

überprüft werden. Bei dieser Planung gilt: Je früher,

desto besser. Eine Grobplanung sollte daher mehrere

Jahre vor der eigentlichen Pensionierung erfolgen.

Wenige Jahre vor der Pensionierung sollte es

nur noch um die Feinplanung gehen. Zu diesen

Fragen gehört auch jene nach der Bezugsform.

Drei Schritte der Pensionsplanung

Eine Pensionsplanung sollte in drei Schritten vorgenommen

werden:

1. Ermittlung Einkommensträger in der Pension

Zuerst gilt es abzuklären, welche Institutionen

(AHV, Pensionskasse, usw.) Altersleistungen erbringen,

wie hoch diese ausfallen und ab wann

diese ausbezahlt werden. Aber nicht nur die genannten

Vorsorgewerke sind Einkommensträger in

der Pension, sondern z.B. auch Vermögen und dessen

Erträge können wichtige Einkommenseckpfeiler

in der Pension darstellen.

2. Ermittlung Einkommensbedarf

In der Folge gilt es, den Einkommensbedarf in der

Pension zu ermitteln. Personen mit einem Einkommen

unter 100'000 Fr. benötigen erfahrungsgemäss

80 – 90 % vom bisherigen Einkommen, damit sie

Foto: Sozialfonds

ihren Lebensstandard aufrechterhalten

können. Die Einkommensklasse

über 100'000 Fr. benötigt

etwa 70 %.

3. Bilanz ziehen – Vorsorgesituation in Ordnung?

Kapital- oder Rentenbezug?

Sobald die Einkommensträger sowie der Einkommensbedarf

im Alter ermittelt wurden, kann festgestellt

werden, ob die aktuelle Vorsorgesituation

im Alter ausreicht. Zurückkommend zur Entscheidungsfindung

betreffend der Bezugsform Rente,

Kapital oder Mischform ist es möglich, durch diese

Planung abzuschätzen, ob zum Beispiel beim Kapitalbezug

das übriggebliebene «sichere Einkommen»

in der Pension ausreicht, um die fixen Lebenskosten

zu decken.

Bitte beachten sie, dass die Bezugsmöglichkeiten

aus der Pensionskasse vom jeweiligen Vorsorgereglement

abhängig sind. Informieren Sie sich rechtzeitig

über die Möglichkeiten sowie eventuelle Anmeldefristen.

Durch die Einhaltung dieses Grundsatzes wird

sichergestellt, dass auch das «Langleberisiko», welches

ja ein erfreuliches Risiko darstellen soll, in

finanzieller Hinsicht auch erfreulich bleibt. |

Walter Fehr

Geschäftsführer Stiftung

Sozialfonds

NOVEMBER 2013


RÄTSEL-SPASS

28

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Kreuzworträtsel November 2013

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Der Gewinner / die Gewinnerin wird durch den Alpenland

Verlag schriftlich benachrichtigt. Der Name des Gewinners / der

Gewinnerin wird unter www.dermonat.li sowie in der nächsten

Ausgabe von «der Monat» auf der Rätselseite veröffentlicht.

Einsendeschluss ist der 18. November 2013

Kreuzworträtsel Oktober 2013

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NOVEMBER 2013


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im Online-ShOp

November 2013

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Von Monet bis Picasso

Aus der Sammlung Batliner – Albertina Wien

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TIPP: Öffentliche Führungen jeden Sonntag um 15 Uhr

Aus der Sammlung: Rational – Emotional

4. Oktober bis 1. Dezember 2013

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bis 15. Dezember 2013

Veranstaltungen

Dienstag, 5. November 2013, 14 – 16 Uhr

Kunst 60 plus Von Monet bis Picasso

Wiederholung vom 8. Oktober

Dienstag, 5. November 2013, 18 Uhr

Konzert mit Lesung und Musik

Russische Avantgarde-Dichtung und Musik 1900 – 1920

mit Gudrun Lehmann und Alexander Ghindin

Donnerstag, 7. November 2013, 18 Uhr

Gespräch und Führung Ilja Tschaschnik und Keramik

mit Philipp Eigenmann, Keramik Werkstatt Schädler

und Friedemann Malsch

Sonntag, 10. November 2013, 14 – 17 Uhr

Familien Familien-Nachmittag

Ein Sonntagsausflug in die Welt der Kunst

ohne Anmeldung

Donnerstag, 21. November 2013, 18 Uhr

Vortrag Die Sammlung Batliner

von Dr. Klaus Albrecht Schröder

in Kooperation mit der Liechtensteinischen

Kunstgesellschaft

Weitere Veranstaltungen

unter www.kunstmuseum.li

Städtle 32, 9490 Vaduz

Tel +423 235 03 00

www.kunstmuseum.li

Alpenland Verlag AG Telefon +423 239 50 30

Feldkircher Strasse 13 Fax +423 239 50 31

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KUNSTMUSEUM

LIECHTENSTEIN


SCHLUSSPUNKT

30

Oliver von Wurmbrand-Stuppach

Fundamentales Umdenken nötig

In meinen Augen müssen wir dringend Wege finden, die Industrieproduktion

und Umweltverschmutzung zu entkoppeln. Dafür ist es

aber nicht ausreichend, lediglich einige Produktionsketten umzubauen

– hier ist ein fundamentales Umdenken nötig und zwar global. Für

die Bewältigung der Klimaerwärmung

und die Eindämmung Für die Eindämmung des weltweiten Raubbaus

des weltweiten Raubbaus an der

Natur brauchen wir vor allem internationale

Regeln. Wenn es um

an der Natur brauchen wir internationale Regeln

den globalen Footprint geht, reicht es nicht, national ein Vorbild zu

sein wie Liechtenstein. Es braucht eine Gesamtbetrachtung und globale

Massnahmen. Aus diesem Grund unterstütze ich als Mitbegründer

des WNO Liechtenstein Fördervereins die «World Nature Organization»

(WNO), die erste internationale, zwischenstaatliche

Organisation im Umweltschutzbereich.

Das Modell der WNO als globale Plattform

mit nationalen Fördervereinen ist eine Struktur,

die den komplexen Umweltproblemen Rechnung

tragen soll. Denn die sich abzeichnenden Folgen

sind verheerend: so rechnet zum Beispiel die NATO

mit 200 Millionen Klimaflüchtlingen. Ein Problem,

das uns vor allem in Westeuropa vor grosse Herausforderungen

stellen wird. Ich denke, auch ohne solche

Hiobsbotschaften ist klar, dass wir etwas ändern

sollten – gerade im Hinblick auf die Zerstö-

Oliver von Wurmbrand-

Stuppach

rung von Lebensgrundlagen in Entwicklungsländern.

Trotz Klimakonvention und Kyoto-Protokoll

Gründer des WNO-Fördervereins

Liechtenstein

ist es bisher leider nicht gelungen, den globalen Anstieg

der Treibhausgas-Emissionen einzudämmen.

Abfälle, Luftverschmutzung oder die Abholzung von Regenwäldern

untergraben die nationalen und regionalen Bemühungen. Alle Länder

müssen daher gemeinsam einen Beitrag leisten. Auf diesem Weg

sind solide Wissensgrundlagen wichtig, um die Auswirkungen und

Bedrohungen realistisch einschätzen zu können. Und wir brauchen

eine Plattform, um die Bemühungen zu koordinieren und brachliegende

Synergien zu nutzen – auch im engen Dialog mit der Wirtschaft.

Die Transformation zu einem nachhaltigen Wachstum ist für

die Wirtschaft sicher nicht einfach. Dem steigenden Konsum steht

jedoch ein zunehmendes Bewusstsein für Umweltfragen gegenüber.

Das birgt grosse Chancen für Wirtschaft und Gesellschaft.

Falls wir Ihr Interesse geweckt haben, können Sie sich gerne auf www.

wno.li weiter informieren. |

Foto: WNO

NOVEMBER 2013


EINE INNOVATION

EROBERT DIE

DRUCKBRANCHE:

DRUCKFARBE WIRD MIT LICHT GEHÄRTET

Neueste Technologien erobern auch die Druckindustrie.

Das Druck- und Medienunternehmen

Gutenberg AG hat die erste neue Druckmaschine

in Liechtenstein in Betrieb genommen, die mit

Licht die Druckfarben härtet. Zu den Gewinnern

zählen vor allem die Umwelt und die Kunden.

Die neue Technologie der Lichthärtung

bringt erhebliche Vorteile

gegenüber den bisherigen Druckverfahren.

Die Druckbogen können

direkt weiterverarbeitet werden,

weil die Farbe sofort härtet.

Die weiteren Vorteile dieses Verfahrens,

von denen Sie als Kunde profitieren,

sind:

■ Die Farben sind mineralöl- und

geruchsfrei.

■ Höhere Scheuerfestigkeit, dadurch

ist kein Schutzlack mehr nötig.

■ Reinere Farben, bessere Detailzeichnung

beim Druck auf Naturpapier.

Gutenberg AG

Feldkircher Strasse 13

FL-9494 Schaan

Tel. +423 239 50 50

www.gutenberg.li

■ Hochwertige Veredelungsmöglichkeiten,

die sich bisher nur

eingeschränkt realisieren liessen

wie Matt-/Glanz-Effekte.

Nutzen Sie mit uns die neuen Möglichkeiten

des Drucks, wir beraten

Sie gerne bei der Umsetzung Ihrer

Ideen!


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