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FONDATION BEYELER

Medienmitteilung, 26. November 2013

Fondation Beyeler: Neue Präsentation der Sammlung bis 12.01.2014

Mit ca. 250 Werken gewährt die Sammlung Beyeler einen besonderen Blick in das Kunstschaffen

moderner und zeitgenössischer Künstler. Durch Neuakquisitionen wächst die Sammlung Fondation

Beyeler stetig weiter. Drei Präsentationen im Jahr begleiten die temporären Ausstellungen und setzen

wiederum neue Schwerpunkte, welche die Inhalte und Epochen der Sammlungswerke erweitern und

ergänzen.

In diesem Herbst setzt die Präsentation sämtlicher Scherenschnitte von Henri Matisse in der

Sammlung Beyeler, den „papiers découpés“, ebenso einen Glanzpunkt wie ein Raum mit Werken von

Louise Bourgeois.

Ausserdem gibt es nach langer Abwesenheit wegen der Ausstellung im Kunstmuseum eine

Wiederbegegnung mit den Picassos der Sammlung Beyeler, spannende Begegnungen zwischen Klee

und Mondrian sowie Cézanne und den Kubisten, einen Raum mit Werken von Giacometti und einen,

in dem das Gemälde Le passage du commerce Saint-André von Balthus Skulpturen von Fautrier

gegenübergestellt werden. Im Souterrain wird amerikanische Kunst aus der Sammlung ausgestellt:

Von Lichtenstein zu Kelly und Warhol. Weiterhin zu sehen ist die zweite Präsentation der Calder

Gallery mit der Ausstellung Alexander Calder / Bäume - Abstraktion benennen.

Alexander Calder

Die Fondation Beyeler präsentiert die zweite Calder Gallery, die in Zusammenarbeit mit der Calder

Foundation eingerichtet und sich einem weiteren, noch nicht untersuchten Aspekt im Schaffen des

Künstlers widmet. Als Alexander Calder 1933 im Zuge der weltpolitischen Lage von Paris in seine

Heimat Nordamerika umsiedelt, lässt er sich mit seiner Frau Louisa James dauerhaft in Roxbury,

Connecticut, in einem alten Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert nieder. Dort entfaltet die Umgebung

eine unmittelbare Wirkung auf den Künstler und ein neuer Abschnitt in der Entwicklung seiner Arbeit

zeichnet sich ab. Der Aussenraum tritt als zusehends werkbestimmende Komponente in Erscheinung.

In jener entscheidenden Zeit entstehen erste Aussenskulpturen, entfernt an Turmreiter oder

Wetterfahnen erinnernd, die sich diese neuen künstlerischen Möglichkeiten erschliessen und den

Ausgangspunkt für die monumentalen Aussenarbeiten der Nachkriegszeit legen.


Obwohl es sich bei den Werken stets um Abstraktionen im Raum handelt, bezeichnen die gewählten

Titel besondere Momente der Bewegung, gestaffelter Formwiederholungen oder ausgeklügelter

Gleichgewichtverhältnisse. Die Abstraktion wird hier in greifbarer Form benannt, was an zwei

ausgesuchten Einzelwerken erfahrbar wird. Organische Assoziationen bestimmen die formalen

Strukturen wie Laubkronen, Ast-Kaskaden, Blatt-Abfolgen. Das freie Spiel der präsentierten Werke im

dicht bespielten Innenraum des Museums schliesst sich zu einem regelrechten „Calder-Wald“

zusammen. Die dadurch entstehende Verbindung von Innen- und Aussenraum nimmt auf ein für die

Fondation Beyeler wichtiges Thema Bezug, das die Sammlung in einem harmonischen Miteinander

von Architektur und Landschaft einbettet.

Eine zweite Werkgruppe beleuchtet schliesslich die Entstehung des Werks Tree in der Sammlung der

Fondation Beyeler, mit der ursprünglichen Maquette und formal verwandten Werken und

Zwischenstufen. Tree, das monumentale Stabile-Mobile der Sammlung Ernst und Hildy Beyeler wird

bald an seinen angestammten Platz im Berower Park auf dem Gelände der Fondation Beyeler

zurückkehren.

Neben Leihgaben der Calder Foundation werden auch selten ausgeliehene Werke aus Privatbesitz

sowie aus der Fundació Joan Miró, Barcelona und dem Moderna Museet, Stockholm, zu sehen sein.

Die Fondation Beyeler startete 2012 eine auf mehrere Jahre angelegte Kooperation mit der Calder

Foundation in New York. Werke aus den Sammlungen beider Stiftungen werden vereint und in einer

Serie von kuratierten Präsentationen, der «Calder Gallery», ausgestellt. Ziel ist es, in der Fondation

Beyeler eine permanente Präsenz von Werken des bedeutenden amerikanischen Künstlers Alexander

Calder (1898–1976) zu ermöglichen, wie sie in Europa einzigartig ist, und einen Beitrag zur

Erforschung seines Œuvre zu leisten.

Louise Bourgeois

Die Fondation Beyeler widmete Louise Bourgeois 2011/12 eine Ausstellung und zeigte bei dieser

Gelegenheit ihr vielseitiges Werk im Dialog mit der Sammlung, wobei mannigfaltige Bezüge zu so

unterschiedlichen Künstlern wie Fernand Léger, Pablo Picasso, Alberto Giacometti oder Francis

Bacon hergestellt werden konnten. Inzwischen sind zwei Werke der Künstlerin für die Fondation

Beyeler angekauft worden, die nun, ergänzt aus weiteren Arbeiten aus ihren Nachlass, in diesem Saal

präsentiert werden. Wie virtuos Künstlerin Louise Bourgeois (1911-2010) mit grundlegend

unterschiedlichen Materialien umzugehen wusste, zeigt der ihr gewidmeter Raum mittels einer

kleinen, feinen Auswahl an Skulpturen und einer Ritzzeichnung, Untitled, 2002. Ein Leitmotiv von

Bourgeois vielschichtigem Werk, die Verarbeitung von Textilien und Fäden, verdeutlicht die Arbeit In

Respite, 1992 mit ihrem Gerüst, den Fadenspulen und dem tropfenförmigen Latexelement. Seit den

1960er Jahren widmete sich Louise Bourgeois einer Reihe von verschlungenen, spiralförmigen oder

ausgehöhlten Plastiken, die auf Sockeln ruhen oder von der Decke herabhängen. Aus der Serie, die

unter dem Oberbegriff „Lair“ (Bau, Höhle, Zuflucht, Lager) steht, werden insgesamt drei Arbeiten

präsentiert: Ein subtiles Spiel der Formen präsentieren die weissbemalten Arbeiten aus Bronze Fée

couturière, 1963 und Amoeba, 1963-65. Wie löchrige, verlassene Verpuppungen von der Decke

hängend, wie ein leerer Tierpanzer oder eine gänzlich verschlossene Maske scheinen deren

biomorphe Formen mit dem Weiss des Raums zu verschmelzen. Mit der bemalten Gipsarbeit Lair,

1962, fand übrigens das erste Werk einer Künstlerin Eintritt in die Sammlung Fondation Beyeler. Die

archaisch anmutende spiralförmige Arbeit „Lair“, deren poröse Oberfläche ebenfalls etwas Naturhaftes

suggeriert, erinnert aufgrund ihrer geometrischen Formgebung an antike Architekturen und zugleich

an die formal strengen Objekte der Minimal Art. Die Plastik entzieht sich einer klaren stilistischen

Zuordnung, wobei in der Präsentation die Zeichnung Untitled, 2002 das Motiv der Spirale wieder

aufgreift.

Die Spannung zwischen Intimität, Struktur und Zerbrechlichkeit, welche den Blick des Betrachters

anzieht und wieder verunsichert, birgt auch die Skulptur Untitled, 1954, eine der berühmten von

Louise Bourgeois als „Personnages“ bezeichneten stelenartigen Skulpturen, die mit fingergleichen

Versatzstücken aus Gips wie eine sehr fragile Wirbelsäule oder Antenne in den Raum ragt.


Henri Matisse: Scherenschnittwerke und Gemälde

Zum ersten Mal seit 2006 werden Scherenschnittwerke und Gemälde von Henri Matisse aus der

Sammlung Beyeler bis zum 12. Januar 2014 in einer besonderen Präsentation nach langer Zeit wieder

ausgestellt. Die Präsentation ermöglicht ein Wiedersehen mit den blauen Akten, Matisse‘

berühmtesten Scherenschnitten sowie mit Acanthes, wahren Ikonen der Sammlung Beyeler. Sehr

deutlich wird wie Henri Matisse (1869 – 1954), dessen Werk sich gleichermassen zu einer

puristischen Reduktion der Form wie auch zu einem innovativen Umgang mit Farbe entwickelte,

gerade durch seine Arbeit an den Scherenschnitten die europäische Moderne wie auch die Vertreter

des abstrakten Expressionismus in den USA geprägt hat. Alle Scherenschnitte aus der Sammlung

Beyeler werden nach der Präsentation in unserem Museum nach London in die Tate Modern und

danach ans Museum of Modern Art nach New York reisen, wo in den Jahren 2014/15 eine grosse

Ausstellung der Scherenschnitte von Henri Matisse stattfindet.

Ergänzt wird die Präsentation durch die beiden Ölgemälde und die Skulptur Jeannette IV der

Sammlung sowie die grossformatige Tuschezeichnung Nature morte aux grenades, die hier zum

ersten Mal als Teil der Sammlung gezeigt wird. Die Zeichnung war eine der letzten Erwerbungen Ernst

Beyelers.

Nu bleu I ist das Bild einer Kauernden, ein wunderbar in sich geschlossenes Werk, das wie aus einem

Guss zu sein scheint. In seinen Formen spielt es mit „innen“ und „aussen“ und vermittelt dadurch eine

Art von von körperlicher Kontemplation, von in sich ruhender Erotik. Ganz anders Nu bleu, la

grenouille: Die wie Meeresbuchten anmutenden, auf dem leuchtend gelben Untergrund verteilten,

blauen Formen des Körpers strahlen Aktivität und explizite Erotik aus. Der Titel La grenouille („der

Frosch“) bezieht sich nicht nur auf das Aussehen des Körpers, sondern verweist auch auf den Frosch

als traditionelles Fruchtbarkeitssymbol. Auch die beiden Granatäpfel links haben diese symbolische

Bedeutung. Am Ende seines Lebens fand Matisse zu einer völlig neuen Ausdrucksform, die man als

Summe seiner Bemühungen um ein harmonisches Bild, um seine Idee einer „grande décoration“

sehen kann: Er reduzierte Figur, Farbe und Raum auf eine Art System von Zeichen, die er aus

eingefärbtem Papier mit der Schere schnitt und zu Bildern arrangierte, welche zunächst die Wände

seines Ateliers schmückten. Und endlich ist auch er wieder zu sehen: Henri Matisse‘ grossformatiger

Scherenschnitt „Acanthes“. Drei Jahre dauerten die Restaurierungsarbeiten an dem Werk, die

grosszügig von der Versicherung National Suisse unterstützt worden sind. Drei Jahre, in denen

„Acanthes“ nicht nur ausführlich untersucht, sondern auch für künftige Generationen erhalten wurde.

Aus Sicht von Matisse entsprach das Ausschneiden der Papierstücke dem Arbeiten mit

dreidimensionalen Körpern: „Mit der Schere zeichnen. – Direkt in die Farbe hineinschneiden erinnert

mich an den direkten Meisselschlag des Bildhauers“. So bedeuten die „papiers découpés“, jene

Verbindung aus Malerei und Plastik, für Matisse die Erfüllung seines künstlerischen Schaffens.

Die dazu komponierten Gemälden, unter ihnen Jardin à Issy, 1917 zeigen, dass Matisse auch in der

Malerei nach der perfekten Balance zwischen Form, Farbe, Fläche und Raum suchte.

Balthus und Jean Fautrier

Perspektivisch angelegt öffnet sich der Raum auf die berühmte Strassenszene, die Balthus (1908-

2001) in Le Passage du Commerce Saint-André festhielt. Auf dem Weg dorthin begegnen dem

Besucher drei Skulpturen des französischen Malers und Bildhauers Jean Fautrier (1898-1964), die

über die Schenkung der Collection Renard durch das gleichnamige Ehepaar ihren Weg in die

Sammlung der Fondation Beyeler fanden. Sowohl Grand torse, 1928, als auch die Büsten, nehmen

die rohe Geste des Informel vorweg, das den weiblichen Körper in seiner skizzenhaften Wiedergabe

im zeitlichen Kontext der Versehrtheit der Nachkriegszeit verankert.


Bildlegende:

Installationsansicht der aktuellen Sammlungspräsentation (bis 12.01.2014) mit den Werken: Louise

Bourgeois, In Respite, 1992, und Untitled, 2002; Courtesy Galerie Karsten Greve SRL, Paris,

Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Fondation Beyeler, © 2013, ProLitteris, Zürich;

Henri Matisse, Intérieur à la fougère noire, 1948, Jardin à Issy (L’atelier à Clamart), um 1917, und

Acanthes, 1953; Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler, © Succession Henri Matisse /

2013, ProLitteris, Zürich

Foto: Serge Hasenböhler

Pressebilder: Pressebilder sind auf Anfrage erhältlich

Weitere Auskünfte:

Elena DelCarlo, M.A.

Head of PR / Media Relations

Tel. + 41 (0)61 645 97 21, presse@fondationbeyeler.ch, www.fondationbeyeler.ch

Fondation Beyeler, Beyeler Museum AG, Baselstrasse 77, CH-4125 Riehen

Öffnungszeiten der Fondation Beyeler: täglich 10.00–18.00 Uhr, mittwochs bis 20.00 Uhr

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