Taschenkarte zur Geschichte – Mali - Militärgeschichtliches ...

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Taschenkarte zur Geschichte – Mali - Militärgeschichtliches ...

Taschenkarte zur Geschichte

Mali


Umschlagabbildung: Straßenszene in der Hauptstadt

Bamako, Mali

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Wo liegt Mali?

Mali liegt in Westafrika und ist ein Binnenland, hat also

keinen direkten Zugang zum Meer. Seine Nachbarn

sind im Norden Algerien, im Osten Niger, im Südosten

Burkina Faso, im Süden Elfenbeinküste und Guinea, im

Westen Senegal und im Nordwesten Mauretanien. Mit

rund 1,24 Millionen Quadratkilometern ist Mali einer

der größten Staaten in Afrika und rund dreieinhalbmal

so groß wie die Bundesrepublik Deutschland.

Wie gliedert sich seine Landschaft?

Im Süden wird Mali vom Hochland der Oberguineaschwelle

begrenzt. Es folgt als zentrale Achse der Fluss

Niger, der vom Westen des Landes kommend in einem

weiten Bogen die südlichen Landesteile von Mali durchfließt.

In dieser südlichen Region, oft entlang des Nigers,

befinden sich die großen Städte des Landes wie Bamako,

Ségou, Sikasso, Koutiala, Mopti, Timbuktu oder Gao.

Über die Sahelzone folgt nach Norden hin die Sahara.

Die Sahara-Wüste nimmt rund 60 % der Landesfläche

ein. Im Nord-Osten wird Mali von den Ausläufern des

algerischen Ahaggar-Gebirges begrenzt. Dort steigen die

Erhöhungen bis auf knapp 1000 m an.

Mali ist ein warmes Land, was sich auch in seiner Landschaft

widerspiegelt. Rund 60 % der Fläche werden von der Sahara-

Wüste bedeckt.

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Wie ist das Klima?

Im Süden herrscht insgesamt ein feucht-heißes Klima, im

Norden ein trocken-heißes Wüstenklima.

Es gibt drei Jahreszeiten. Trocken und mäßig warm ist

es von November bis Februar. Von März bis Mai ist es


trocken und heiß. Besonders im Norden des Landes (Sahara)

können heftige Staubstürmen auftreten. Von Juni

bis Oktober ist es, vor allem im Süden, feuchtwarm und

schwül, mit teils heftigen Regenfällen.

Die jährlichen Niederschläge, die vor allem im Juli und

August niedergehen, verteilen sich sehr ungleich auf

das Land. Am höchsten sind sie im Süden, nach Norden

nehmen sie kontinuierlich ab. In den nördlichen Landesteilen

kommen teils mehrjährige Dürreperioden vor. Sie

bringen gravierende Folgen für die dort lebende Bevölkerung.

In der Sahara-Wüste sind Regenfällen generell

sehr selten.

Mali ist insgesamt ein sehr warmes Land. In der Hauptstadt

Bamako beträgt die mittlere Tagestemperatur im

Jahresdurchschnitt 27,8 °C. Die Spitzenwerte liegen im

Süden bei 45 °C, im Norden (Sahara) teilweise über

50 °C. Eine gewisse Vorsicht hinsichtlich der Temperaturen

ist aber angebracht. So können zwischen Dezember

und Februar in den Wüstengebieten des Nordens die

Temperaturen in der Nacht auch auf unter 5 °C sinken.

Was bedeutet Mali?

In der Nationalsprache Bambara, die neben der Amtssprache

Französisch die am häufigsten gesprochene

Sprache im Land ist, bedeutet »Mali« so viel wie Nilpferd.

Seit wann gibt es menschliche Besiedlung

in der Region?

Erste Spuren einer Besiedlung durch den Menschen lassen

sich bis rund 33 000 v.Chr. zurückverfolgen. Eine Kultur

von Viehzüchtern findet sich dann ab ca. 4000 v.Chr.

Ab 2000 v.Chr. beginnt der Ackerbau in Mali, während

die Herausbildung von Städten ab 300 v.Chr. datiert.

Was war das Königreich Mali?

Das Königreich Mali war ein westafrikanisches Großreich,

das seine Blütezeit von 1235 n.Chr. bis rund 1400 n.Chr.

hatte und als das bedeutendste in der gesamten Region

gilt.

Seinen Ursprung hatte das Reich Mali in dem kleinen

Staat Kangaba, der in der Nähe des oberen Niger-Flusses

lag. Kangaba hatte ursprünglich verschiedene fremde

Herren, zuletzt den Kriegerfürsten Sumanguru. Im Jahre

1235 schlug Sundjata Keita (1235‐1255), ein berühmter

Fürst aus Kangaba, Sumanguru und legte so den Grundstein

für den Aufstieg Malis. In den folgenden 20 Jahren

seiner Regierung eroberte Sundjata Keita selbst mehrere

benachbarte Gebiete, in denen unter anderem auch

wichtige Handelszentren, Bergbaureviere und Goldfelder

lagen. Dadurch förderte er den wirtschaftlichen


Aufschwung in seinem Reich und baute eine wirksame

Verwaltung aus. Als Volksheld und Reichsgründer gefeiert

nahm er den Titel Mansa an, was so viel wie König

bedeutet.

Um das Jahr 1312 bestieg Mansa Musa (ca. 1312‐1337)

den Thron. Während seiner Regierung stieg Mali auf den

Höhepunkt seiner Macht. Er kontrollierte effektiv sein

Reich, sorgte sich um den Aufbau staatlicher Strukturen

und förderte den Handel. Unter seiner Herrschaft wurden

auch heute noch existierende Städte wie Timbuktu,

Gao und Djenné berühmt. Auch außenpolitisch engagierte

er sich und pflegte Kontakte zu den nordafrikanischen

Staaten. Außerdem förderte er die Verbreitung des

Islam. Als Moslem begab er sich selbst zwischen 1324

und 1326 auf eine Pilgerreise nach Mekka. Dabei erregte

er international wegen seines verschwenderischen und

prunkvollen Auftretens Aufsehen.

In Mali gibt es bedeutende Kulturschätze wie z.B. die Moschee

in Timbuktu.

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In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts begann der

Niedergang des Königreichs, bis sich sein Einflussgebiet

im 15. Jahrhundert nur noch auf das ursprüngliche Gebiet

Kangaba beschränkte. Die Gründe hierfür waren vielfältig:

Aufstände in den eigenen Provinzen, Angriffe der Tuareg

aus dem Norden und der Mossi aus dem Süden und

nicht zuletzt der Aufschwung des neuen Reiches Songhay.

Was war das Königreich Songhay?

Songhay war ein westafrikanisches Reich, das im Wesentlichen

zwischen 1464 und 1591 bestand. Während

seiner größten Ausdehnung zu Beginn des 16. Jahrhunderts

umfasste es nicht nur den größten Teil des heutigen

Mali, sondern reichte nach Osten und Westen deutlich

darüber hinaus.

Der wichtigste Grund für seinen Untergang 1591 war

eine Invasion marokkanischer Truppen. Daraufhin

Mali, Timbuktu Timbuktu Mosque

Mali, Timbuktu Timbuktu Mosque

Bildnummer:

30667948

Aufnahme:

Rechte: picture alliance / CHROMORANGE Urheber: TipsImages / Andrea Pistolesi


ach das Reich auseinander, Chaos und Instabilität in

der gesamten Region waren die Folge. Mehrere kleine

Herr schafts gebiete, die daraus entstanden, rangen in

der Zukunft um die Vorherrschaft. Dieser Zustand hielt

grundsätzlich bis zum 19. Jahrhundert an.

Welche Rolle spielte Frankreich in

der Geschichte von Mali?

Ende des 19. Jahrhunderts drangen französische Kolonialtruppen

aus dem Senegal, also von Westen, auf das Gebiet

des heutigen Mali und besetzten es. 1892 gründeten

die Franzosen die Kolonie Soudan. 1895 gliederte sie diese

in das Generalgouvernement Französisch-Westafrika

ein. Nach einer erneuten Verwaltungsumstellung blieb

das Gebiet des heutigen Mali bis zu seiner Unabhängigkeit

am 22. September 1960 unter der Bezeichnung Französisch-Sudan

Teil des französischen Kolonialreichs.

Die Eroberung der Region durch französische Truppen

erfolgte nicht ohne Blutvergießen. Anfangs gab es eine

einheimische Widerstandsbewegung gegen die Fremdherrschaft.

Nachdem aber bereits 1894 Timbuktu von

den Franzosen unterworfen wurde, endete der Widerstand

vier Jahre später 1898.

Wie vollzog sich die Unabhängigkeit

Malis 1960?

In den 1950er Jahren verstärkte sich die Unabhängigkeitsbewegung,

um eine Loslösung von Frankreich zu

erreichen. Der Zusammenschluss mehrerer westafrikanischer

Unabhängigkeitsparteien zur sogenannten RDA

(Rassemblement Démocratique Africain = Afrikanische

Demokratische Sammlung) trieb dieses Ziel voran. Bestimmend

wurde die malische Sektion des RDA unter

Mamadou Konaté. Nach dessen Tod 1956 folgte ihm als

führende Kraft Modibo Keita (* 1915 † 1977). Nachdem

eine kurzfristige Föderation mit Senegal, die sogenannte

Mali-Föderation, gescheitert war, erklärte Mali am

22. September 1960 seine Unabhängigkeit.

Erster Präsident war Modibo Keita, der eine sozialistisch

orientierte Politik betrieb. Die Landwirtschaft wurde

kollektiviert und die Gründung von industriellen Staatsbetrieben

gefördert. Gegner des Regimes wurden ausgeschaltet

und teilweise als Zwangsarbeiter deportiert.

Was waren die weiteren historischen

Stationen zwischen den Staatsstreichen

1968 und 1991?

Letzten Endes scheiterte die Politik Keitas. 1968 kam es

zu einem Staatsstreich des Militärs unter Führung von


General Moussa Traoré. Er richtete ein Militärregime ein

und baute die staatliche Wirtschaft weiter aus. Aufgrund

innenpolitischer Probleme suchte er eine verstärkte

Anlehnung an Frankreich, also die ehemalige Kolonialmacht,

und die Europäische Union (EU). Nach Massenkundgebungen

und blutigen Unruhen, die vor allem

in der Hauptstadt Bamako zahlreiche Opfer forderten,

wurde Traoré 1991 durch reformwillige Soldaten unter

Führung von Oberstleutnant Amadou Toumani Touré

gestürzt.

Warum galt Mali zwischen 1992 und 2012

als politische »Vorzeigedemokratie« in

Afrika?

In den folgenden beiden Jahrzehnten entwickelte sich

Mali zu einem weitgehend politisch stabilen Land. Dafür

spricht, dass 1992 mit der Wahl Alpha Oumar Konarés

die erste freie und demokratische Präsidentschaftswahl

stattfand. Und zehn Jahre später, 2002 erfolgte der erste

demokratische Führungswechsel mit der Wahl von

Amadou Toumani Touré. Er wurde 2007 wieder gewählt

und blieb bis zum Putsch 2012 im Amt.

Was sind die Ursachen für den aktuellen

Konflikt in Mali 2012/2013?

Erstens: Einer der Auslöser war der Libyen-Krieg 2011

und der damit einhergehende Zusammenbruch des

Gaddafi-Regimes. Angehörige der Tuareg hatten als

Söldner für Gaddafi gekämpft. In seinen Camps waren

sie zu Wüstenkrieg und Guerillakampf ausgebildet worden.

Während des politischen Zusammenbruchs gelangten

sie an libysche Waffen wie Panzerabwehrminen oder

Raketenwerfer. Mit dem Tod Gaddafis verloren die Tuareg

gleichzeitig ihren Gönner und Arbeitgeber. Daher

schlossen sie sich der Unabhängigkeitsbewegung der

Tuareg im Norden von Mali an.

Zweitens: Die Tuareg im Norden von Mali gründeten

im Oktober 2011 die Unabhängigkeitsbewegung

MNLA (Mouvement National

de Libération de l‘Az

= Natio nale Bewegung für

die Befreiung des Azawad).

Ihr Ziel ist die Schaffung

eines unabhängigen Staates

Azawad in der nördlichen

Hälfte von Mali. Diese Bewegung

erhielt wesentliche

Verstärkung durch die

Flagge Azawad

schwer bewaffneten und gut ausgebildeten Tuareg aus

Libyen.


Wenige Monate später, im Januar 2012 kam es zum

Aufstand gegen die malische Regierung. Bis Anfang April

konnten die Rebellen weite Teile des Nordens unter

ihre Kontrolle bringen. Am 6. April proklamierten sie

den autonomen Staat Azawad mit Gao als Hauptstadt.

International wurde diese Unabhängigkeitserklärung

nicht anerkannt.

Drittens: Während im Norden von Mali um die Unabhängigkeit

gekämpft wurde, kam es im Süden des Landes

im März 2012 zum Militärputsch. Der amtierende

Präsident Amadou Toumani Touré wurde abgesetzt und

eine Gruppe von Offizieren unter Hauptmann Amadou

Sanogo übernahm die Macht. Als Grund gaben die Putschisten

an, dass der Präsident zu wenig energisch gegen

die Rebellion im Norden vorgegangen sei und der Entwicklung

weitgehend tatenlos zugesehen habe.

Übergangspräsident wurde Dioncounda Traoré, die

Übergangsregierung bildete Modibo Diarra. Die Situation

im Süden des Landes wurde weiter destabilisiert

durch einen Gegenputsch von Anhängern des abgesetzten

Präsidenten Touré Ende April 2012. Die Unruhen in

der Hauptstadt Bamako hielten auch in den folgenden

Wochen an.

Brücke über den Niger in der Hauptstadt Bamako.


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Viertens: Um ihr Ziel eines unabhängigen Azawad

im Norden von Mali zu erreichen, verbündeten sich die

weitgehend säkular eingestellten Tuareg mit verschiedenen,

mehr oder weniger radikalen islamistischen Gruppen.

Diese stammten nicht nur aus dem Norden von

Mali, sondern auch aus Algerien oder Mauretanien und

verfügten über zum Teil beste Beziehungen zu Al Kaida.

Zu nennen sind Ansar Dine (= Helfer des Glaubens bzw.

Verteidiger des Islam), Al Kaida im islamischen Maghreb

(AQIM), die Bewegung für Einheit und Dschihad in

Westafrika (MUJAO) und Al Muwaqiun bi-l Dam (= Die

mit dem Blut unterschreiben). Die Bewertung dieser

High angle view of a bridge across a river, Niger River, Bamako, Mali

High angle view of a bridge across a river, Niger River, Bamako, Mali

Bildnummer:

24975953

Aufnahme:

Rechte: picture alliance / United Archives/DEA Urheber:


Gruppen im Einzelnen ist komplex. Es bestehen zwischen

ihnen teilweise erhebliche Unterschiede hinsichtlich

der ethnischen Zusammensetzung, ihrer politischen

Ziele sowie ihrer ideologischen Ausrichtung. Auch gibt

es immer wieder Neugründungen, so zum Beispiel die

Splittergruppe Al Muwaqiun bi-l Dam, die sich erst im

Dezember 2012 von der AQIM abgespalten hat und für

das Geiseldrama in Algerien Mitte Januar 2013 verantwortlich

ist. Allen Gruppen gemeinsam ist ihre Feindschaft

gegenüber der Regierung in Bamako.

Nachdem nun die säkularen Tuareg der MNLA vom

Beginn des Aufstands im Januar 2012 bis April 2012 weite

Teile des Nordens erobert hatten, wurden sie in den

folgenden Monaten von den, zuvor verbündeten, islamistischen

Gruppierungen verdrängt und u.a. aus den

Städten Timbuktu, Gao und Kidal vertrieben. Die Islamisten

wollen einen fundamentalistischen Gottesstaat

errichten, nach dem Modell der Taliban in Afghanistan.

Die Tuareg kontrollierten zum Jahreswechsel 2012/13

nur mehr ein kleines Gebiet im äußersten Norden des

Landes. Zuletzt boten sie sogar an, als Verbündete auf

der Seite Frankreichs gegen die islamistischen Gruppierungen

zu kämpfen.

Wer sind die Tuareg?

Im Gegensatz zur mehrheitlichen schwarzafrikanischen

Bevölkerung im Süden von Mali gehören die hellhäutigen

Tuareg im Norden zur Gruppe der Berber. Ihr Anteil

an der Gesamtbevölkerung ist von rund 10 % um 1960

auf heute nur mehr ca. 5 % geschrumpft. Damit wurden

sie immer mehr zur Minderheit. Ihr Siedlungsgebiet erstreckt

sich vom Süden Algeriens und Libyens über die

Zentralsahara bis nach Niger, in den Norden von Mali

und in Teile des Tschad.

Die Grenzziehungen zur Zeit der französischen Kolonialherrschaft

Ende des 19. Jahrhunderts und deren Beibehaltung

im Zuge der Unabhängigkeit 1960 brachte es

mit sich, dass das Siedlungsgebiet der Tuareg heute über

mehrere Staaten verteilt ist.

In der Vergangenheit versuchten die Tuareg immer

wieder, mehr Autonomie zu erhalten und sich gegen

eine jahrzehntelange Benachteiligung zu wehren. Dazu

griffen sie auch zu gewaltsamen Mitteln. Neben dem

Aufstand 2012 war es z.B. bereits 2007/2008 zu einer Rebellion

der Tuareg gekommen. Nachdem ein Abkommen

vom April 2008 zur Beendigung der Kämpfe gescheitert

war, startete die Regierung Malis 2009 eine Militäroffensive

gegen die Rebellen. Ein weiterer bedeutender Tuareg-Aufstand

fand ab 1990 in Mali und Niger statt. Er

konnte erst 1996 mit Hilfe Algeriens und der westlichen

Staatengemeinschaft beigelegt werden. Nach ihrer Ent­


waffnung wurden die Rebellen in die Armee integriert.

Außerdem gestand man ihnen mehr politische Mitspracherechte

und eine eigene administrative Region zu.

Wie entwickelte sich die politische Lage

zur Jahreswende 2012/2013?

In der Nacht vom 10. zum 11. Dezember 2012 setzte der

in den USA ausgebildete Hauptmann Amadou Sanogo

den Premierminister Modibo Diarra fest und zwang ihn

zum Rücktritt. Diarra, erst seit März 2012 von Sanogo ins

Amt gebracht, verlor seine Unterstützung, da er u.a. zur

Bekämpfung der Islamisten im Norden einen internationalen

Militäreinsatz befürwortet hatte. Sanogo, Präsident

Traoré und das Militär setzten dagegen auf eine

innerstaatliche Lösung. Nicht einmal einen Tag später

(11. Dezember) ernannte Staatspräsident Traoré Django

Sissoko zum neuen Regierungschef. Der Beamte war seit

den siebziger Jahren im Staatsapparat tätig, in den letzten

Jahren bis 2011 Generalsekretär des damaligen Präsidenten

Touré und zuletzt Ombudsmann der Republik.

In der Zwischenzeit bereitete die westafrikanische

Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas einen Militäreinsatz

mit rund 3300 Soldaten vor. Ziel dieses Einsatzes ist die

Vertreibung der Islamisten aus dem Norden des Landes.

Auch die EU will Mali militärisch unterstützen. Rund

200 bis 250 Militärausbilder sollen in die Hauptstadt Bamako

entsandt werden.

Am 11. Januar 2013 trat Frankreich aktiv in den Kampf

gegen die vorrückenden islamistischen Rebellen im Norden

von Mali ein (Operation »Serval«). Die französische

Luftwaffe flog Angriffe auf Ziele im Norden des Landes.

Bis zu 2500 französische Soldaten sollten ins Land gebracht

werden.

Seit dem 11. Januar 2013 kämpfen französiche und malische

Truppen gemeinsam.

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French and Malian soldiers on patrol

epa03551810 French soldiers drive ahead of Malian soldiers in a convoy on a patrol in the

recently liberated town of Diabaly, Mali, 23 January 2013. French forces continue their advance

northwards in Mali with over 2,000 troops assisting Malian forces in the fight against Islamic

militants linked to al-Qaeda in the Islamic Maghreb. EPA/NIC BOTHMA

Bildnummer:

36392355

Aufnahme: 20130123

Rechte: picture alliance / dpa Urheber: Nic Bothma


Warum griff Frankreich militärisch

in diesen Konflikt ein?

Als ehemalige Kolonialmacht unterhält Frankreich nach

wie vor intensive Beziehungen zu Mali. Rund 7000 Franzosen

leben dort. Frankreich fürchtet um die Sicherheit

der eigenen Landsleute dort. Außerdem befürchtet man

Terroranschläge und die Bildung neuer Terrorzellen in

Frankreich, wenn der Norden von Mali durch die Islamisten

erobert und sich dort dauerhaft Trainingslager

von Al Kaida etablieren würden.

Wie steht es um die Wirtschaft in Mali?

Mali gehört zu den ärmsten Ländern der Erde. Rund

59 % der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze.

Das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner lag 2011 gerade

einmal bei rund 650 US-$, das sind ca. 500 €. Im Vergleich

dazu lag der Wert in Deutschland bei rund 44 000 US-$,

also ca. 34 000 €. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen

belegt Mali im Index der menschlichen Entwicklung

für das Jahr 2011 lediglich den Platz 175 von 187.

Auf die wirtschaftliche Situation wirken sich die geografischen

Gegebenheiten massiv aus. Die fehlende

Meeresanbindung macht sich negativ auf den Handel

bemerkbar. Eklatant ist auch die ungleiche Regenverteilung

zwischen Nord und Süd. Die großen Wüstengebiete

der Sahara im Norden, in denen vornehmlich die Tuareg

beheimatet sind, lassen eine geregelte Landwirtschaft

zur Selbstversorgung aus dem Land praktisch nicht zu.

Zu gering sind die jährlichen Niederschlagsmengen. Die

sich daraus ergebende ungleiche Verteilung der Nahrungsmittel

innerhalb des Landes bringt immer wieder

innenpolitische Probleme und fördert bei den Tuareg

das Gefühl, von der Regierung im Süden benachteiligt

zu werden.

Devisen bringen vor allem der Export von Gold und

Baumwolle ein. Die anhaltend hohen Preise für Gold

und Baumwolle auf den Weltmärkten wirkten sich in

den letzten Jahren positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung

aus. Hauptdevisenbringer ist dabei Baumwolle.

Rund 50 % der Erlöse werden hier erwirtschaftet.

Schließlich gehört Mali zu den größten Baumwollexporteuren

Afrikas.

Langfristig sind die Uranvorkommen in Mali von Interesse.

Das Nachbarland Niger, wo sich ebenfalls umfangreiche

Uranlagerstätten befinden, ist bereits heute

größter Uranproduzent Afrikas. Vor allem Frankreich,

das für seine zahlreichen Atomkraftwerke Uran benötigt,

werden auf diesem Gebiet wirtschaftspolitische Interessen

nachgesagt. Weitere Bodenschätze in Mali sind

zum großen Teil noch unerschlossen.


Zahlen, Daten, Fakten:

Landesname:

Größe:

Bevölkerung:

Hauptstadt:

Republik Mali/République du Mali

1 240 000 km² (im Vergleich Bundesrepublik

Deutschland: 357 000 km²)

ca. 15 Millionen Einwohner

Bamako ( ca. 1,8 Millionen Einwohner)

Weitere Städte: Sikasso (ca. 230 000),

Kalabancoro (ca. 170 000),

Koutiala (ca. 140 000),

Ségou (ca. 130 000),

Timbuktu (ca. 55 000),

Gao (ca. 90 000),

Kidal (ca. 26 000)

Amtssprache: Französisch. Daneben mehrere

Nationalsprachen, unter denen Bambara

die bedeutendste ist.

Religionen:

ca. 90 % Muslime, 5 % Christen, Anhänger

diverser indigener

(ursprünglicher) Religionen

Staats- und Regierungsform:

Staatspräsident:

Premierminister:

Unabhängigkeit (von

Frankreich):

Nationalfeiertag:

laizistische Republik,

Präsidialdemokratie nach

französischem Vorbild

(Übergangspräsident) Dioncounda

Traoré (seit 12. April 2012)

Django Sissoko

(seit 12. Dezember 2012)

22. September 1960 (Auflösung der

bereits im April 1960 unabhängig

gewordenen Föderation mit Senegal)

22. September, Unabhängigkeitstag

Bruttoinlands produkt

(2011): ca. 10,5 Milliarden US-$

Bruttoinlands produkt

je Einwohner (2011): ca. 650 US-$ (ca. 500 €)

Aids-Rate: unter 2 %


Übersichtskarte Mali

W

E

S

T

S

A

H

BAMAKO

A

R Timbuktu

A

Niger

Zouerat

Staatsgrenze

Straßen und andere Wege

Eisenbahn

Flughafen

Hauptstadt

Stadt

See

Fluss

Fluss, periodisch

Fläche Azawad

Taoudenni

0

100 200 300

ALGERIEN

400

500 km

S A H A R A

MALI

Kidal

S A H E L

Seneg al

S E N E G A L

Gambia

Kayes

MAURETANIEN

Timbuktu

Goundam

Léré

Nioro du Sahel Nara

Yélimané

Mopti

Bafing

Kenieba

Niger

Didiéni

Ségou

Kita

Koulikoro

Kalabancoro BAMAKO

Baoule

Bagoe

Niger

Sikasso

GUINEA

Bougouni

Bani

Djenné

Koutiala

San

Mouhoun

Niger

Gao

Gossi

Ansongo

BURKINA FASO

QUAGADOUGOU

Naka moe

In Talak

Ménaka

NIGER

NIAMEY

Nig er

BENIN

N I G E R

I A

GHANA

SIERRA

LEONE

C Ô TE D‘IVOIRE

Oti

TOGO

© MGFA

06889-02


Stand: Februar 2013


Anregungen und Nachfragen richten Sie bitte an:

Zentrum für Militärgeschichte

und Sozialwissenschaften der

Bundeswehr (ZMSBw)

(vormals MGFA)

Bereich Einsatzunterstützung

Oberstleutnant i.G. Dr. Martin Hofbauer

Zeppelinstraße 127/128

14471 Potsdam

Telefon: (0331) 9714 551

BwKz: (90) 8529 551

Fax: (0331) 9714 507

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www.ZMSBw.de

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