Vorschau 2013_2.pdf - Chronos Verlag

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Vorschau 2013_2.pdf - Chronos Verlag

Herbst 2013

+++ kulturgeschichte +++ zeitgeschichte +++ Sozial- und

wirtschafts geschichte +++ technikgeschichte +++

Biografien +++ philosophie +++ literatur- und Sprachwissenschaft

+++ musik- und theater wissenschaft +++

CHRONOS Verlag

Eisengasse 9 • CH-8008 Zürich

Tel. +41 / 44 / 265 43 43

Fax +41 / 44 / 265 43 44

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Armenier

«Dass die Armenier durch so tragische

Ereignisse, wie vor 5 Jahren [Pogrome],

sich die Lust am Heirathen etwa nehmen

liessen, davon ist allerdings nichts

zu verspüren, – im Gegentheil: ‹wir

beten, dass wir möglichst viele Knaben

bekommen›, heisst es überall. Diese

Völker sind in ihren Anschauungen

doch recht ursprünglich im Vergleich

zu den Abendländern. […] Eine dem

Armenier nur zu anhaftende Eigenschaft

ist der Stolz, das sich Ueberheben,

das rücksichtslose Pochen auf

sein Christenthum. Wenn es ihm ein

wenig gut geht, so beginnt er sich für

Manches, an das wir ohne Bedenken

Hand anlegen, zu gut zu finden, hält

sich z.B. darüber auf, wenn unsere

Waisenknaben einmal Holz sägen und

hacken (‹das ist Kurdenarbeit›), statt

dafür dankbar zu sein.» (Aus einem Brief

von Hermann Christ vom 3. Mai 1901)

Patienten

«Neben den mancherlei Armenieren

[sic] kommen einige Türken und Kurden,

oder man wird zu ihnen gerufen.

Auch mit den altsyrischen Christen, die

hier in einem besonderen Viertel mit

Kirche leben und arabisch und türkisch

reden, habe ich zu thun […] Alle diese

Völker haben doch sehr viel von einander

in ihrem Habitus angenommen: sie

sitzen alle gleicherweise am Boden, rauchen

Nargile’s, trinken Caffe […]. Die

Patienten sind hier zu Lande dem Arzte

gegenüber noch misstrauischer und kritischer

als bei uns – gewisse Kreise der

Armenier ausgenommen. Sie lassen den

Arzt kommen, damit derselbe – nach

einmaligem Ansehn – seine Meinung

und Prognose abgebe und sein Recept

verschreibe. Dann behandeln sie sich

selbst weiter, oder gehen zum Barbier

oder zu einem andern Arzt, um dessen

Gutachten zu hören. Kommt also ein

‹Neuer›, so wird er zu fast allen chronischen

Fällen geholt, damit man auch

seine Meinung höre.» (Aus einem Brief

von Hermann Christ vom 5. Februar 1899)

Araber

«Die Araber dieser Gegend sind

unstreitig der feinste Theil der muslimischen

Bevölkerung. Sie haben auch

nicht das ungesunde Leben der Anderen,

treiben meist Landwirtschaft oder

Viehhandel. Die Frauen werden auch

nicht in Harems eingeschlossen (ein

Harem sieht übrigens nicht anders aus

als jedes hier gebräuchliche Zimmer,

nur dass ein paar verschleierte Weiber

darin kauern), sondern sind ganz frei

und ungeniert, haben eine prächtige,

stolze Haltung.» (Aus einem Brief von

Hermann Christ vom 4. März 1900)

2


+++ Als Arzt im Orient +++

9

783034

011907

Emanuel La Roche

«Doctor, sieh mich an!»

Der Basler Arzt Hermann Christ auf medizinischer Mission

in der Osttürkei (1898–1903)

September 2013

Geb. ca. 178 S., ca. 30 Abb. sw

ca. CHF 38 / ca. EUR 31

ISBN 978-3-0340-1190-7

Hermann Christ (1868–1949) baute für die Deutsche

Orient-Mission in Urfa ein Spital auf. Als Werk christlicher

Nächstenliebe sollte es sowohl Christen als auch Moslems

dienen. Tatkräftig unterstützt wurde es von christlichkaritativ

gesinnten Basler Bürgern. Hauptquelle des

Buches bilden unveröffentlichte Briefe Christs und seiner

Frau Berta aus dem Orient.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert und bis zum Genozid

an den Armeniern 1915/16 stand die Provinzstadt Urfa im

Brennpunkt der türkisch-armenischen Konfrontation. Vor

diesem Hintergrund schildert das Buch die medizinische

Arbeit der von Johannes Lepsius gegründeten Deutschen

Orient-Mission, die Hermann Christ in diesen abgelegenen

und verarmten Ort entsandt hatte, um dort den verfolgten

Armeniern beizustehen. Als erster europäischer Arzt hatte

er in Konstantinopel das türkische Staatsexamen abgelegt.

Geleitet von protestantischem wie von medizinischem Ethos

sah sich Christ aber nicht nur als Helfer der Armenier, sondern

auch der moslemischen Bevölkerung. In seinen wöchentlich

nach Basel geschickten Briefen berichtet er über

den klinischen Alltag sowie über seine Reisen und Begegnungen mit Armeniern, Türken,

Kurden und Arabern. Kritische Bemerkungen zur gesellschaftlichen Situation, insbesondere

zu derjenigen der Frauen, zeichnen die Briefe seiner Frau Berta aus.

Als engsten Mitarbeiter holte Christ den Diakon Jakob Künzler nach Urfa, wo dieser Augenzeuge

des Genozids werden sollte. Christ hingegen musste seinen Aufenthalt wegen der Erkrankung

seiner Frau 1903 beenden. Finanziell konnte das Spital bis 1922 nur überleben,

weil sich Basler Bürger, die zum Freundes- und Bekanntenkreis der Familie Christ gehörten

oder eng mit kirchlicher Diakonie verbunden waren, dafür engagierten. Auch diesem Netzwerk

der Freunde Urfas spürt das Buch nach. Ergänzt wird es durch einzigartige, grösstenteils

unpublizierte Fotos aus dem Nachlass Hermann Christ.

Emanuel La Roche

war über dreissig Jahre lang

Redaktor und Auslandskorrespondent

des Zürcher «Tages-

Anzeigers». Er ist ein Enkel von

Hermann Christ.

Jakob Künzler

Im Lande des Blutes und

der Tränen

Erlebnisse in Mesopotamien

während des Weltkrieges

(1914–1918).

Hg. von Hans-Lukas Kieser

ZeitZeugnisse

2004. 200 S., 8 Abb. 2. Auflage

Br. CHF 34 / EUR 27

ISBN 978-3-905313-06-2

ISBN 978-3-905313-06-2

9 783905

313062

3


9

783034

012034

+++ Radio für den Mann +++

Oktober 2013

Br. ca. 336 S.

ca. CHF 58 / ca. EUR 47.50

Populäre Literaturen und

Medien, hg. von Ingrid

Tomkowiak, Band 7

ISBN 978-3-0340-1203-4

Jacqueline Weber

Männlichkeit aus dem Äther

Geschlechterkonstruktion in einer Unterhaltungssendung für

Männer von Schweizer Radio Beromünster, 1945–1948

rezipierte Animationslt

auf komödiantische und

eintlichen Alltag südpazit

einer neuseeländischen

zahlreichen Gastauftritte

o’Town» wird die Serie

internationale Prominenz,

gsangebot für Stars und

winnt.

ISBN 978-3-0340-1164-8

9 783034 011648

B. Wegmann

Postkoloniale Unterhaltung im Südpazifik

Jacqueline Weber

Die Stunde für ihn – Männermagazin. Zwar sind die

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts formierte sich die Wirkerei-

Frauenstunden von Radio Beromünster ein Begriff. Aber

und Strickereiindustrie als flexibler neuer Akteur auf dem entstehenden

Fertig kleidermarkt. In der Idealform des fabrikmässig organisierten

dass im Deutschschweizer Radio 1945–1948 mit dem

Betriebs verbanden Trikotfabriken und mechanische Strickereien

Stoffherstellung und Kleiderfertigung in einem Unternehmen. Unterkleider

Männermagazin eine spezielle

und Überzieher aus

Sendung

anschmiegsamem

für

Maschenstoff

Männer

waren

zu

anfänglich vor allem als Sportanzüge und Reformkleidung gefragt.

hören war, ist in Vergessenheit Das vorliegende Buch untersucht geraten. die Geschichte Zu der Unrecht, Trikotkleidung ist

am Beispiel der schweizerischen Wirkerei- und Strickereiindustrie,

diese Sendereihe aus doch der international ein überraschendes renommierte Underwear- und Zeitdokument

Lingerielabels

wie Zimmerli, Hanro oder Calida hervorgegangen sind.

und gleichzeitig Spiegel Anhand von ausgewählten der Geschlechterordnung. Kleidtypen und Produktionsmustern zeichnet

die Autorin die Karriere der Maschenwarenkleidung nach, vom

Die

weltweiten Fabrikantenhandel mit swiss ribbed underwear über die

Männersendung hielt thematische Vielfalt bereit: Technik,

modeorientierte Produktion damenhafter Trikot-Eleganz bis hin zur

funktionell angereicherten Bodywear des ausgehenden 20. Jahrhunderts.

Die Studie bringt technik- und unternehmensgeschichtliche,

Gesundheitspolitik und Kriegsabenteuer wurden besprochen,

aber auch private

mode- und körperhistorische Kenntnisse zusammen und schildert

die erfolgreiche

und

Verbreitung

berufliche

maschinell gestrickter

Beziehungsprobleme

erheiternd in Szene gesetzt.

Kleidung als multifaktoriellen,

von Innovationen und Krisen begleiteten Prozess.

Warum startete Radio Beromünster kurz vor dem Ende des

Zweiten Weltkriegs eine Männersendung und setzte sie

nach nur vier Jahren wieder ab? Warum konnte sich das

Männermagazin nicht durchsetzen, während die Sendegefässe

für die Frauen über viele Jahrzehnte erfolgreich waren?

Geschlechterkonstruktion in einer

Unterhaltungssendung für Männer von

Schweizer Radio Beromünster, 1945–1948

Wie wurde Geschlecht konstruiert?

ISBN 978-3-0340-1132-7

In ihrer Analyse verbindet die Autorin mehrere geschlechter-

und medientheoretische Ansätze und stellt den Bezug

9 783034 011327

zur Schweiz der 1940er Jahre her. Sie macht mannigfaltige,

teils verblüffende Formen von Geschlechter- und speziell Männlichkeitskonstruktion sichtbar.

Das Männermagazin nahm Geschlechterdiskurse auf, reproduzierte und variierte sie

und bot plausible und integrierende, aber auch widersprüchliche und disparate Ressourcen

für die männliche Identitätsbildung.

Das Buch ist ein innovativer Beitrag zur Programmgeschichte des Schweizer Radios und zur

Geschlechtergeschichte des 20. Jahrhunderts.

Männlichkeit aus dem Äther

interferenzen 19

Monika Burri

Bodywear

4


+++ Zur Programmgeschichte des fernsehens +++

9

783034

011945

Daniela Zetti

Das Programm der

elektronischen Vielfalt

Fernsehen als Gemeinplatz in der BRD, 1950–1980

Oktober 2013

Br. ca. 248 S., ca. 4 Farbabb.,

28 Abb. sw

ca. CHF 38 / ca. EUR 31

Interferenzen – Studien zur

Kulturgeschichte der Technik,

Band 20

ISBN 978-3-0340-1194-5

Wie wird Fernsehen gemacht? Entsteht es durch die

interferenzen 20

Daniela Zetti

Das Programm

der elektronischen

Vielfalt

Aneinander reihung von Inhalten? Die vorliegende Studie

geht in der Programmgeschichte des Fernsehens neue

Wege und regt einen Perspektivwechsel an: vom Fernsehprogramm

zur Programmierung des Fernsehens.

Das Programmmachen zählt zu den Kernkompetenzen des

Daniela Zetti

Fernsehens. «Das Programm der elektronischen Vielfalt»

nimmt den Auf- und Ausbau des öffentlich-rechtlichen

Fernsehens der BRD als Beispiel und zeigt, dass Übermittlungen,

Aufzeichnungen, Spurenlesen – die Übersetzungs-

studierte Allgemeine Geschichte

in Giessen, Mainz und Zürich. Sie

ist Assistentin an der Professur

für Technikgeschichte, ETH Zürich

leistungen des Fernsehpersonals – das Fernsehmachen

prägten und gestaltbar machten.

Indem die Beziehung von Fernsehtechnikern zum Pro-

Fernsehen als Gemeinplatz in der BRD,

1950–1980

gramm ebenso in den Blick genommen wird wie diejenige

von Programmmachern zur Produktionstechnik, wird ein

Untersuchungsfeld eröffnet, das Programmgestaltung im

historischen Wandel zeigt. Durch Verschalten von Wissen

und Technologie kann immer wieder das entstehen, was

Fernsehsendung heisst.

Inhalt

Video. Der Wettlauf um die

Schnittstellentechnik

1. Visionen: das Labor als Wunschfabrik

2. Motive: «Now let’s see …»

3. Konventionen: die VERA der BBC

4. Zur historischen Reichweite des

«race to video»

Das programmierte Bild. Bildqualität

im Betrieb des Deutschen

Fernsehens

1. Interesse

2. Verteiler

3. Über die zeitgenössische Aufmerksamkeit

für die Störung

Vom Studio zur Sendezentrale. Die

Entdeckung der Prozesse

1. Erdung

2. Allianzen im Namen des Gemeinwohls

3. Die Zentralisierung der Peripherie

4. Die «magnetische Perforation»

5. Zur politischen Brisanz der Digitalisierung

Das Fernsehprogramm, ein Gesamtkunstwerk

1. Das Fernsehspiel: Bühne frei

2. Die ARD als Institution und Auftrag

3. Das Studio als Glashaus. Am Ende

des Verstehens?

4. Das ZDF als Kompass, oder: kommunizierende

Welten der Pluralität

5. Electronic broadcasting. Zum

Gedächtnis einer Institution

5


9

783034

012041

+++ Computergeschichte als Teil der Unternehmensgeschichte +++

Dezember 2013

Br. ca. 240 S., ca. 6 Farbabb.,

19 Abb. sw

ca. CHF 38 / ca. EUR 31

Interferenzen – Studien zur

Kulturgeschichte der Technik,

Band 21

ISBN 978-3-0340-1204-1

Josef Egger

«Ein Wunderwerk der Technik»

Frühe Computernutzung in der Schweiz (1960–1980)

underts formierte sich die Wirkereineuer

Akteur auf dem entstehenden

rm des fabrikmässig organisierten

n und mechanische Strickereien

ung in einem Unternehmen. Unterhmiegsamem

Maschenstoff waren

üge und Reformkleidung gefragt.

die Geschichte der Trikotkleidung

Wirkerei- und Strickereiindustrie,

te Underwear- und Lingerielabels

ervorgegangen sind.

Monika Burri

Josef Egger

dipl. El.-Ing. ETH, war 17 Jahre bei

der Swissair-EDV tätig und leitete

1986–2000 die SBB-Informatik.

Nach seiner Tätigkeit als Unternehmensberater

schloss er an

der Universität Zürich 2010 sein

Geschichtsstudium mit dem

Lizentiat ab.

pen und Produktionsmustern zeich-

Maschenwarenkleidung nach, vom

t swiss ribbed underwear über die

enhafter Trikot-Eleganz bis hin zur

ear des ausgehenden 20. Jahrhunund

unternehmensgeschichtliche,

nntnisse zusammen und schildert

hinell gestrickter Kleidung als multid

Krisen begleiteten Prozess.

Bodywear

interferenzen 21

Die heutige Allgegenwart des Computers ist das Ergebnis

einer beeindruckenden Geschichte. Während der ersten

Phase (1960–1980) dominierten die Grossrechner, mit

denen Schweizer Unternehmen bahnbrechende Anwendungen

realisierten.

Die ersten grossen kommerziellen Computer, die Ende der

1950er Jahre in der Schweiz zum Einsatz kamen und sich

danach rasch verbreiteten, trugen mit ihren gewichtigen

Anwendungen massgeblich zur Entwicklung der Unternehmen

bei. Die verbreitete Automatisierung beeinflusste

das Geschehen in den Betrieben, neue Berufe entstanden,

der Betriebsalltag veränderte sich, und die verschiedenen

Funktionsträger wurden mit neuartigen Problemstellungen

konfrontiert. Welche Herausforderungen standen im

Vordergrund, welche Anwendungen wurden mit welchen

Techniken erstellt? Wie prägte der Computer die Menschen

und die Unternehmen, welches war sein Beitrag zur wirtschaftlichen

Entwicklung der Schweiz?

Der Autor erläutert die Techniken, mit denen die Applikationen

entwickelt und betrieben wurden, zeigt

überblicksartig die Computernutzung gegliedert nach Wirtschaftssparten sowie typische

Problemstellungen der Epoche auf. Ausgewählte herausragende Anwendungsbeispiele

werden detailliert aufgezeigt. Weiter geht der Autor den Gründen für die Anschaffung von

Computeranlagen und den damit verbundenen Erwartungen nach, zeigt ihre Bedeutung im

Geschäftsumfeld auf und würdigt den Computereinsatz für die Entwicklung der Schweizer

Wirtschaft.

Josef Egger

«Ein Wunderwerk

der Technik»

Frühe Computernutzung in der Schweiz

(1960–1980)

Museum für Kommunikation (Hg.)

Loading History

Computergeschichte(n) aus der

Schweiz. Kommunikation und

Kultur, Band 1

2001. 119 S., durchg. ill. Br.

CHF 28 / EUR 17.90

ISBN 978-3-0340-0540-1

ISBN 978-3-0340-0540-1

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783034

005401

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+++ Von der Agrar- zur Dienstleistungsgesellschaft +++

9

783034

011983

Der Kanton Luzern im

20. Jahrhundert

Band 1: Raum und Bevölkerung, STAAT, Politik

Band 2: Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Religion

November 2013

Geb. ca. 720 S., ca. 400 Abb.

ca. CHF 98 / ca. EUR 80

ISBN 978-3-0340-1198-3

Warum gibt es im Kanton Luzern in vielen Gemeinden mindestens zwei Wirtshäuser? Warum

sind viele Waldparzellen schmale Streifen? Warum gibt es mehr Schweine als Menschen

im Kanton? In zwei Bänden erzählen 21 Autorinnen und Autoren die wechselvolle

Geschichte des Kantons Luzern im 20. Jahrhundert vom Wandel der Agrar- zur modernen

Dienstleistungsgesellschaft.

In nur einem Jahrhundert hat sich der Kanton Luzern in kleinen Schritten stark verändert.

Aus dem katholischen Vorort der Zentralschweiz ist ein moderner Kanton wie viele andere

geworden. Der Stadt-Land-Gegensatz löste sich im Verlauf des Jahrhunderts weitgehend

auf, die Konflikte zwischen «Roten» und «Schwarzen» gingen in einem Pluralismus verschiedener

politischer Haltungen auf.

Zwanzig thematische Beiträge beschäftigen sich mit den Veränderungen von Gesellschaft,

Wirtschaft, Staat und Politik, Raum und Bevölkerung sowie Kultur im Kanton Luzern. Sie

werden ergänzt durch eine chronologische Darstellung in Bildern und einen zusammenfassenden

Essay.

Im Auftrag des Regierungsrats des Kantons Luzern haben die Autorinnen und Autoren auch

Vergessenes, Verstecktes und Verdrängtes ausgegraben und aufbereitet. Die reich illustrierten

Texte richten sich gleichermassen an Laien wie an Historikerinnen und Historiker. So

ist ein Werk entstanden, das aktuelle Strukturen erklärt, Geschichten erzählt und auch zum

Nachschlagen anregt.

7


+++ Die wechselvolle Geschichte des Kantons Luzern im 20. Jahrhundert +++

32 staat und Politik

33 Parteien und Verbände im Politischen system

hängigen als neue Partei, die auf die latente ökonomische Unzufriedenheit reagierte,

auf Anhieb zehn Mandate holte. Die Partei des Migrosgründers Gottlieb

Duttweiler verband Vorstellungen der sozialen Marktwirtschaft mit ihrem Wohlstandsideal.

Ihr nonkonformismus und Politikstil eckten an, wie Beispiele zeigen,

als 1943 die Luzerner Liberalen in grosser Zahl an einer «Duttweilerversammlung»

im Kunst- und Kongresshaus erschienen und diese majorisierten. 65 | ABB. 5

Kalte-Kriegs-Stimmung

Die ersten nachkriegswahlen 1947 führten zu einem deutlichen Linksrutsch in

der schweizerischen wie auch in der luzernischen Politik. Der LdU brach bei den

Grossratswahlen auf die Hälfte seiner bisherigen Mandate ein. Er verlor an die

Sozialdemokraten und die neu auftretende Partei der Arbeit (PdA), welche 1944

aus der während des Krieges verbotenen Kommunistischen Partei (KP) hervorgegangen

war. Die bereits in der Zwischenkriegszeit in Luzern aktiven Kommunisten

errangen erstmals zwei Mandate in der kantonalen Legislative. Auch innerhalb

der Mehrheitspartei Konservativ-christlichsoziale war der Linkstrend spürbar,

indem die Konservativen Sitze an die christlichsozialen verloren, welche von

neun auf 15 zulegten. 66 Die christlichsozialen mobilisierten gegen den «Finanzfreisinn»

mit einem Appell an die Dienstboten, Arbeiter und Bauern, die freisinnige

Hochfinanz zu schlagen. 67 Parallel dazu warnte die Partei vor der kommunistischen

Gefahr durch die neu aufkommende PdA. Für die Liberalen war die

PdA als «Partei des Auslandes» abhängig vom «Reiche Stalins». 68 nicht allein die

bürgerlichen Parteien warnten vor der kommunistischen Gefahr, auch die Sozialdemokraten

gerieten unter Zugzwang, war es doch zu Beginn offen, ob es der PdA

gelingen könnte, eine neue linke Massenpartei links von der SP zu begründen. 69

Einheitsfrontangebote, gemeint war ein wahltaktisches Zusammengehen von SP

und PdA, lehnte die Luzerner SP ab. 70 Ausgedrückt wurde die Besorgnis, dass auswärtige

Agenten am Werk seien, die der Partei Mitglieder «abjagten». 71 Die PdA

agierte in Luzern gegen die Machenschaften ehemaliger Fröntler und nazis. 72 In

ihrem Umkreis bildete sich ein «Demokratisches Säuberungskomittee». 73 Sie gab

sich, von einem moralischen Imperativ getragen, antikapitalistisch und dem Fortschritt

verpflichtet. 74 Allenthalben weckte sie Befürchtungen und man stufte ihre

Stosskraft weit stärker ein. 75 In der sich bereits abzeichnenden Kalte-Kriegs-Stimmung

blieb der Aktionsrahmen der PdA beschränkt. Eine 1945 geplante Ab-

ABB. 4 | «Das Zünglein an der Wage [sic]. Zu singen von den liberalen Bürgern,

wenn das konservative Regiment gefallen sein sollte.»: Karikatur der Konservativen

von 1927 aus dem «Haar us!», die vor der Allianz zwischen Sozialdemokraten und

Liberalen warnt.

ABB. 5 | Programmslogans der Oppositionsparteien von 1943 mit Blick auf die

nachkriegsordnung (v.l.n.r) von LdU, SP und einer Bauern- und Gewerbeliste.

66 Vgl. StALU PA 280/169, Flugblätter und

67 Vgl. SALU D 19/385, nZZ 21.3.1943; Freie

Korrespondenzen.

Innerschweiz, 22.3.1943; Luzerner tagblatt,

22.3.1943; Die tat, 23.3.1943.

42 staat und Politik

43 Parteien und Verbände im Politischen system

Der Hobel der Modernisierung liess im Verlaufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

die Luzerner Gesellschaft gleichförmiger werden und glich diese dem

schweizerischen Durchschnitt an. Der alte Stadt-Land-Gegensatz löste sich auf

und die politischen Haltungen pluralisierten sich – auch im geografischen Kontext.

Es entwickelte sich eine wirtschaftlich dynamische Zone auf der Achse Zürich-Zug-Luzern

mit Einbezug der Gemeinden zwischen Vierwaldstättersee bis

hin zu Sempachersee und Baldeggersee. Gegen Westen hin schwand dieser Einfluss

der städtischen Agglomeration. 104 Dies hatte Auswirkungen auf die kantonale

Parteienlandschaft. Entsprechend der gesamtschweizerischen Entwicklung akzentuierte

sich die Polbildung. Die linken Parteien steigerten ihren Anteil im

Kantonsparlament zwischen 1975 bis 2011 von ehemals 8,9% auf 19,7%, während

sich auf der anderen Seite die nationalkonservativ ausgerichtete SVP als zweitgrösste

Partei (2011: 22,3%) etablierte und sich auf eine feste Wählerbasis in Stadt

und Agglomeration sowie auf dem Lande stützte. Die bürgerliche Mitte mit der

weiterhin dominierenden cVP (2011: 31,3%) und der FDP (2011: 18,9%) blieb im interkantonalen

Vergleich weiterhin überdurchschnittlich stark vertreten, was sich

mit der historischen Rolle der beiden Parteien erklären lässt. Dazu kamen neue

Parteien, wie die Grünliberalen (GLP). ABB. 13 (S. 522)

Das Luzerner Parteiensystem hat im Übergang vom 20. ins 21. Jahrhundert

seinen charakter als Zweiparteiensystem abgelegt und ist «schweizerischer»

geworden, ein Prozess, der mit dem Einzug der neuen Linken und der Grünen

sowie der SVP eingeleitet wurde. ABB. 14

ABB. 13 | WÄHLERAntEIL BEI DEn LUZERnER KAntOnSWAHLEn 1971–2011

60

50

40

30

20

10

0

ABB. 12 | themen der neuen Linken und der neuen sozialen Bewegungen. In Luzern

wurde u.a. gegen das Projekt eines Atomkraftwerks in Inwil mobilisiert.

1971

1975 1979 1983 1987 1991 1995 1999 2003 2007 2011

CVP

LPL / FDP

SP

SVP

POCH / Grüne

LdU

NA / SD /

AP / FP

glp

BDP

104 Vgl. Hermann / Leuthold, Atlas, 74.

8


+++ Die Geschichte des Kantons Luzern +++

38 staat und Politik

39 Parteien und Verbände im Politischen system

und bei den Regierungsratswahlen auf Anhieb ihre vier Regierungsratskandidaten

durchbrachte. Auf Regierungsebene blieb die Luzerner Zauberformel bestehen, die

Mehrheitsposition wurde zwei Mal erfolglos (1971 und 1983) von den Liberalen attackiert.

Die Kandidaten der neuen Linken (1975 und 1979) und des Landesrings wurden

kaum als ernsthafte Gefährdung angeschaut. Mehrmals stand die cVP-Mehrheit

im Grossen Rat auf Messers Schneide. Zudem näherten sich die beiden bürgerlichen

grossen Parteien auf Grund der Konkurrenz neuer Gruppen einander an. 91 Zum

Wandel trug auch das Frauenstimm- und -wahlrecht bei, das in Luzern 1970, wenige

Monate vor der schweizerischen Abstimmung 1971, gutgeheissen wurde. Es erweiterte

die Wählerbasis und öffnete den Frauen den Zugang zu Parteiämtern sowie zu

politischen Mandaten. Geschleift waren damit auch die männerbündischen Strukturen.

Die Popularität herausragender Luzerner Politikerinnen auf nationaler Ebene

zählte zu den Eigenheiten der Luzerner Politik der letzten Dekaden des 20. Jahrhunderts.

Der Frauenanteil im Kantonsparlament stieg in der Zeit von 1971 bis 2011 von

4,1 auf 30,8 Prozent. Luzern bewegte sich damit im vorderen Mittelfeld. Auch in Luzern

waren es Linke und Grüne, die früh ausgeglichene Geschlechterverhältnisse

aufwiesen. Erste Plattformen für den Einstieg in die nationale Politik boten in Luzern

die bürgerlichen Parteien. Mit Josy J. Meier und Judith Stamm stellte die cVP

Luzern bekannte Bundespolitikerinnen der ersten Stunde, 95 die sich aktiv für das

Frauenstimm- und -wahlrecht eingesetzt hatten und in der Folge des Aufbruchs der

1970er und 1980er Jahre auf der bundespolitischen Bühne eine bürgerliche emanzipatorische

und soziale Politik verkörperten. 96

Die Kräfteverhältnisse im Grossen Rat verschoben sich in den

1970er Jahren vorerst kaum. Am rechten Rand im Soge des xenophoben Protests

holten in der ersten Hälfte der 1970er Jahre die nationalen zwei bzw. drei Mandate.

97 Ihre direkte Anhängerschaft blieb im interkantonalen Vergleich marginal,

auch wenn die Luzerner Männer 1970 die national verworfene «Schwarzenbachinitiative»

(Volksbegehren gegen die Überfremdung) mit einem Ja-Anteil von 54,6%

deutlich gutgeheissen hatten. Die «Autopartei», später Freiheitspartei (FPS), welche

in den 1980er Jahren als Reaktion auf die Umweltbewegung gegründet worden

war und sich neben der «Freiheit der Automobilisten» die Asyl- und Ausländerdebatte

zu nutze machte, blieb im Kanton Luzern erfolglos. ABB. 11

Neue Linke und neue soziale Bewegungen

Die 68er Bewegung fand in der Schweiz sowie in Luzern auch auf parteipolitischer

Ebene ihren niederschlag. Parteien der neuen Linken – Progressive Organisationen

Schweiz (POcH) und Revolutionäre Marxistische Liga (RML) – bildeten

sich in den 1970er Jahren. Die POcH etablierte sich mit Schwerpunkt in der Ag-

REVOLUtIOnÄRE MARXIStIScHE LIGA (RML) / SOZIALIStIScHE ARBEItERPARtEI (SAP)

ABB. 10 | Wahlplakate der cVP im Wandel (v.l.n.r); 1959, 1963, 1967, 1971, 1975. (StALU

PLB 13.9; 13.11¸13.15; 13.26, Wahlplakate CVP.)

Die RML entstand 1969 in der Waadt. In Luzern bildete

sich 1972 anlässlich einer politischen Schulung durch

«Zürcher Genossen» eine Sektion. 92 Die RML orientierte

sich an trotzkistischen und auch französischen Sozialismustheorien

und verstand sich als Gralshüterin einer

«reinen» sozialistischen Lehre. Ausgeprägt waren die theoretischen

Diskussionen innerhalb der Partei über Zustand

und Entwicklung der Gesellschaft. Gegenüber anderen

Linksparteien wie der SP oder der POcH sah sich

die Gruppe als linke «Vorhut», zumal sie die gesellschaftliche

Entwicklung und Jugendradikalisierung in der Zentralschweiz

als rückständig im Vergleich zu anderen

Kantonen einstufte. 93 Die Sektion Luzern blieb eine kleine

Gruppe mit einer Handvoll Mitgliedern, die keine

Wahlerfolge verbuchen konnte. Indem sie das Aufbauprojekt

einer revolutionären Arbeiterpartei als gescheitert

erklärte, verschwand sie in der zweiten Hälfte der

1980er Jahre von der Bildfläche. 94

90 Vgl. Profil, 1, 1974.

91 Vgl. SALU D 19/594, Vergleichende Darstellung

der Aktions- und Parteiprogramme der LPL,

cVP, SP und des LdU im Kanton Luzern, 1975.

92 Vgl. StALU PA 385/1, Statuten der RML, Sektion

Luzern vom 3.1.1976.

93 Vgl. StALU PA 385/3, Diskussion über den

Aufbau der Sektion Luzern.

94 Vgl. Furrer, Opposition, 70‒71.

Band 1

Jürg Schmutz, Katja Hürlimann: Das Jahrhundert

in Bildern

Raum und Bevölkerung

Fridolin Kurmann: Bevölkerungsentwicklung

Emanuel Amrein: Siedlungsentwicklung

Daniel Bitterli: Kulturlandschaft – Verplant oder

geschützt?

Staat und Politik

Hans-Rudolf Galliker: Staat und Verwaltung –

Aufbau, Ausbau und Reformen

Thomas Meier: Entstehung und Entwicklung des

Sozialstaats

Markus Furrer: Die politischen Parteien –

«Luzerner Volk besinne und bewähre dich!»

Raffael Fischer: Schule und Bildung – Der lange

Weg zum Bildungszentrum

Band 2

Wirtschaft

Gisela Hürlimann: Strukturen und Konjunkturen –

Ein Überblick

Hanspeter Lussy: Industrie – Im Dienst des

Kapitals und der Menschen

Thomas Frey: Dienstleistungen – Dienen, bedienen,

verdienen

Peter Moser: Landwirtschaft – Im Sog des Konsums

Hans-Ulrich Schiedt, Thomas Frey: Verkehr und

Mobilität

Gesellschaft

Martin Lengwiler, Daniel Kauz: Veränderungen

und Kontinuitäten der gesellschaftlichen Entwicklung

– Ein Überblick

Elisabeth Joris: Öffentliche Auseinandersetzungen

– Aufbruch- und Protestbewegungen

Beatrice Schumacher: Alltagswelten

Beatrice Schumacher: Geselliges Leben

Kultur und Religion

Martina Akermann: Kultur – Zwischen Enge und

Aufbruch

Guy P. Marchal: Luzerner Geschichtskultur

Markus Ries: Kirchen und Religionen – Aufbau und

Ausdifferenzierung weltanschaulicher Identität

Max Huber: Öffentliche Kommunikation – Die

Luzerner Medienlandschaft

Kurt Messmer: Das 20. Jahrhundert – Ein Essay

9


+++ mediävistische Perspektiven +++

ng des Codex Buranus findet

kende Auswahl an weltlicher

eginnenden 13. Jahrhunderts.

harakter gibt dieser Sammlung

bau: Ein Redaktor disponierte

ht nach formalen und

en.

gewählter Beispiele der

Aspekte wie der Bezug der

ierten Text, die Beziehung

nd Satire oder der Humor der

Dabei wird auch die Position des

s in der Sammlung betrachtet,

wie die umgebenden Texte die

mmtes Licht setzen und wie die

auf sie ausstrahlt.

C. Cardelle de Hartmann • Parodie in den Car- mediävistische perspektiven 3

Autoren unterschiedlicher Herkunft und

Prägung entwickeln im lateinischen Mittelalter

auffällig eigenständige Modelle autobiografischen

Schreibens. Indem sie vom Ich erzählen, setzen sie

sich aber weniger mit sich selbst als vielmehr mit

Carmen Cardelle de Hartmann

Texten und literarischen Konventionen auseinander.

Texte, die sich scheinbar am Urtext mittelalterlicher

Parodie in den Carmina Burana

Autobiografik, an den Bekenntnissen des

Augustinus, orientieren, werden so zum

Schauplatz literarischer Inszenierungen und zu

Repräsentationsfiguren zunehmender literarischer

Individuierung.

Marc-Aeilko Aris • Erzählen vom Ich mediävistische perspektiven 3

Marc-Aeilko Aris

Erzählen vom Ich

ISBN 978-3-0340-1200-3

9 783034 012003

Carmen Cardelle de Hartmann

Parodie in den Carmina Burana

In der Lyriksammlung des Codex Buranus

findet sich eine beeindruckende

Auswahl an weltlicher Lyrik des 12.

und beginnenden 13. Jahrhunderts.

Einen besonderen Charakter gibt dieser

Sammlung ihr sorgfältiger Aufbau: Ein

Redaktor disponierte die Texte mit

Bedacht nach formalen und inhaltlichen

Kriterien.

Anhand einiger ausgewählter Beispiele

der Sammlung werden Aspekte wie

der Bezug der Parodie zum parodierten

Text, die Beziehung zwischen Parodie

und Satire oder der Humor der Parodie

diskutiert. Dabei wird auch die Position

des jeweiligen Gedichtes in der Sammlung

betrachtet, um nachzuspüren, wie

die umgebenden Texte die Parodie in

ein bestimmtes Licht setzen und wie die

Parodie wiederum auf sie ausstrahlt.

Marc-Aeilko Aris

Erzählen vom Ich

Autoren unterschiedlicher Herkunft und

Prägung entwickeln im lateinischen Mittelalter

auffällig eigenständige Modelle

autobiografischen Schreibens. Indem sie

vom Ich erzählen, setzen sie sich aber

weniger mit sich selbst als vielmehr mit

Texten und literarischen Konventionen

auseinander. Texte, die sich scheinbar

am Urtext mittelalterlicher Autobiografik,

an den Bekenntnissen des Augustinus,

orientieren, werden so zum Schauplatz

literarischer Inszenierungen und zu

Repräsentationsfiguren zunehmender

literarischer Individuierung.

Stimmung, Atmosphäre, Ereignis oder Authentizität –

Begriffe wie diese, die noch im ausgehenden 20. Jahrhundert

als kaum mehr theorietauglich angesehen wurden,

erfreuen sich neuerdings wieder zunehmender Beliebtheit

im geistes- und kulturwissenschaftlichen Diskurs. Wenig

profitiert hat von dieser Konjunktur der Begriff der Aura.

Obwohl man ihn im Hintergrund dieser Konzepte vermuten

kann, obwohl ihn Walter Benjamin in seinem für die

neuere Ästhetikdiskussion grundlegenden Aufsatz Das

Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit

aus den späten 1930er Jahren an prominenter Stelle

eingeführt hat, spielt er in der gegenwärtigen Medientheorie

keine nennenswerte Rolle.

Die Beiträge des vorliegenden Bandes – aus Literatur-,

Geschichts-, Kunst-, Musik- und Filmwissenschaft – schlagen

einen anderen Weg ein. Sie versuchen auf der Basis

einer kritischen Relektüre des Textes von Walter Benjamin,

das diskursive Potenzial des Begriffs Aura auszuloten,

ihn für interdisziplinäre Perspektiven einer historischen

Mediologie neu zu erschliessen und insbesondere Möglichkeiten

einer medialen Auratisierung zu erörtern. Das

Sprechen über Aura, so die These, rückt einerseits grundlegende

epistemologische und phänomenologische Fragen

in den Blick, die den Zusammenhang von Genese und

Kommunikation von Sinn betreffen. Andererseits kann der

Begriff für die Konzeptionierung einer Geschichtlichkeit

des Medialen ebenso fruchtbar gemacht werden wie für

eine Beschreibung der Medialität von Geschichte. Der

Begriff der Aura lässt sich so an einer Schnittstelle verschiedener

Felder der aktuellen medientheoretischen Diskussion

situieren.

ISBN 978-3-0340-1027-6

9 783034 010276

Aura und Auratisierung

Ulrich Johannes Beil,

Cornelia Herberichs,

Marcus Sandl (Hg.)

Oktober 2013

Br. ca. 80 S. ca. CHF 15 / ca. EUR 12

Mediävistische Perspektiven, hg. im

Namen des Kompetenzzentrums

Zürcher Mediävistik von Christian

Kiening, Susanne Uhl und Claudia Zey,

Band 4

ISBN 978-3-0340-1199-0

ISBN 978-3-0340-1199-0

Oktober 2013

Br. ca. 80 S. ca. CHF 15 / ca. EUR 12

Mediävistische Perspektiven, hg. im

Namen des Kompetenzzentrums

Zürcher Mediävistik von Christian

Kiening, Susanne Uhl und Claudia Zey,

Band 5

ISBN 978-3-0340-1200-3

ISBN 978-3-0340-1200-3

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011990

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+++ vom Nutzen des Begriffs Aura für die Medientheorie +++

9

783034

010276

Ulrich Johannes Beil, Cornelia Herberichs, Marcus Sandl (Hg.)

Aura und Auratisierung

Mediologische Perspektiven im Anschluss an Walter Benjamin

September 2013

Br. ca. 480 S., ca. 19 Farbabb.,

10 Abb. sw

ca. CHF 58 / ca. EUR 47.50

Medienwandel – Medienwechsel –

Medienwissen, Band 27

ISBN 978-3-0340-1027-6

Ulrich Johannes Beil

Cornelia Herberichs

Marcus Sandl (Hg.)

Aura und Auratisierung

Mediologische Perspektiven im Anschluss an

Walter Benjamin

Stimmung, Atmosphäre, Ereignis oder Authentizität –

Begriffe wie diese, die noch in der Kulturwissenschaft des

späten 20. Jahrhunderts als kaum mehr theorietauglich

angesehen wurden, erfreuen sich neuerdings wieder zunehmender

Beliebtheit. Wenig profitiert hat von dieser Konjunktur

der Begriff der Aura. Obwohl ihn Walter Benjamin

in seinem grundlegenden Aufsatz Das Kunstwerk im Zeitalter

seiner technischen Reproduzierbarkeit aus den späten 1930er

Jahren an prominenter Stelle eingeführt hat, spielt er in der

gegenwärtigen Medientheorie keine nennenswerte Rolle.

Die interdisziplinären Beiträge des vorliegenden Bandes

versuchen hingegen auf der Basis einer kritischen Relektüre

des Textes von Walter Benjamin, das diskursive Potenzial

des Begriffs Aura auszuloten, ihn für interdisziplinäre Perspektiven

einer historischen Mediologie neu zu erschliessen

und insbesondere Möglichkeiten einer medialen Auratisierung

zu erörtern. Der Begriff der Aura lässt sich so an einer

Schnittstelle verschiedener Felder der aktuellen medientheoretischen

Diskussion situieren.

Ulrich Johannes Beil

ist Senior Researcher am NCCR

Mediality. Historical Perspectives

der Universität Zürich und Privatdozent

für Deutsche und Vergleichende

Literaturwissenschaft an

der Universität München.

Cornelia Herberichs

ist Akademische Rätin für Germanistische

Mediävistik am Institut

für Literaturwissenschaft der

Universität Stuttgart.

Marcus Sandl

ist Historiker und Assistenzprofessor

für Medialität der Vormoderne

am NCCR Mediality. Historical

Perspectives der Universität

Zürich.

Inhalt

I

Beatrice Trînca: Auratisierung – mittelalterlich.

Zur Vor- und Frühgeschichte

eines wissenschaftlichen Begriffs

mit Anmerkungen zu Hildegard von

Bingen und Gertrud von Helfta

Manfred Kern: Aura aurea. Zur Vorstellung

des Unikalen in der mittelalterlichen

Poesie

Cornelia Herberichs: «Der Erzähler ist

uns keineswegs durchaus gegenwärtig».

Zu Strategien narratologischer

Auratisierung im Väterbuch

Susanne Baumgartner: Heiligkeit

und Aura in Konrads von Würzburg

Silvester

Christine Hediger, Brigitte Kurmann-

Schwarz: Reliquie und Skulptur im

Glasfenster. Intermediale Auratisierung

am Beispiel von Notre-Dame la

Belle-Verrière

II

Marcus Sandl: Luthers Aura. Bekenntnis

und Geschichte in der Reformation

Federico Italiano: Auratisierung des

Nordens. Die Pygmäen und die Carta

Marina (1539) des Olaus Magnus

Marius Rimmele: Das Prinzip Schrein.

Aspekte medialer Auratisierung beim

Triptychon

Jan Behnstedt: Macht, Zwang, Vertrauen.

Intermediale Auratisierung

staatlicher Schuld – ein Finanzprojekt

aus dem Siebenjährigen Krieg

III

Christian Kiening: Philologische Aura

der Schrift um 1900. Das Beispiel

Ludwig Traubes

Stephan Baumgartner: Aura und Anerkennung

in Hebbels Michel Angelo

Christoph Gardian: «Europa hat die

Pace verloren». Zur Auratisierung des

Affektiven in Robert Müllers Tropen

Robert Suter: Bluff und Autosuggestion.

Wege zum Erfolg in der

Weimarer Republik (Walter Benjamin,

Johannes Baader, Emile Coué, Walter

Serner)

IV

Nadejda Lebedeva: Die «bestimmte

Unbestimmbarkeit»: Aura, Schein und

Musik in der Ästhetischen Theorie

Adornos

Daniel Wiegand: Vom Zauber des

Lichts. Intermediale Lichtinszenierungen

um 1900 und die «auratische»

Wirkung des Kinos

Mattia Lento: Luigi Pirandellos Quaderni

di Serafino Gubbio operatore

oder der vermeintliche Verfall der

Aura am Anfang der Filmgeschichte

Ulrich Johannes Beil: Mediale Auren.

Walter Benjamin und Fotografien von

Thomas Struth, Gregory Crewdson

und Carlos Goldgrub

11


9

783034

011938

+++ Der Dialekt als poetisches Stilmittel +++

Oktober 2013

Geb. ca. 320 S., ca. 8 Farbabb.,

2 Abb. sw

ca. CHF 48 / ca. EUR 39.50

ISBN 978-3-0340-1193-8

Simon Aeberhard, Caspar Battegay, Stefanie Leuenberger (Hg.)

dialÄktik

Deutschschweizer Literatur zwischen Mundart

und Hochsprache

, Band 37

Simon Aeberhard

Wissenschaftlicher Assistent für

Neuere deutsche Literatur an der

Universität Basel. Forschungsschwerpunkte:

Literatur und

Theatralität, (sprachanalytische)

Performativität, Schrift und

Schriftlichkeit, Literaturtheorie.

Caspar Battegay

Wissenschaftlicher Assistent am

Zentrum für Jüdische Studien der

Universität Basel. Forschungsschwerpunkte:

deutsch-jüdische

Literatur- und Geistesgeschichte,

Jäger-Trees, Dominik Müller,

Christian von Zimmermann

Literaturtheorie, Geschichte und

Theorie der Popkultur.

Stefan Humbel (Hg.)

Friedrich Jennis Gukkasten-Kalender

Simon Aeberhard, Caspar Battegay,

Stefanie Leuenberger (Hg.)

dialÄktik

Deutschschweizer Literatur

zwischen Mundart und Hochsprache

Die Umgangssprache in der deutschen Schweiz ist eine

hochpolitische Angelegenheit von nationaler Bedeutung.

Für die Jahre 1845 und 1846 gab der Berner Verleger und Redakteur

Friedrich wieder Jenni aufflammende (1809–1849) seinen Gukkasten-Kalender Debatte über

Dies zeigt die immer

heraus. Dieser glich den verbreiteten Volkskalendern, zeichnete

die Stellung des Dialekts sich aber im Gegensatz gegenüber zu vielen Konkurrenzprodukten dem Hochdeutschen.

durch

seinen unmissverständlich politischen Charakter aus. Bissig und

manchmal verbissen griff Jenni aktuelle Diskussionen ein –

Seit je beteiligen sich literarische Autorinnen und Autoren

spottend, unterrichtend und sein Publikum belustigend.

In den 1840er Jahren sorgte Jenni in Bern vorerst mit seiner

rege an der öffentlichen Gukkasten-Zeitschrift Diskussion für Aufsehen. um Als streitbarer, die Sprachensituation,

ohne dabei eine er sich einhellige Freunde und Feinde; Meinung als Radikaler mobilisierte zu vertreten.

ebenso

polemischer

und publizistisch wendiger Verfasser und Herausgeber machte

gegen die Regenerationsliberalen wie gegen Aristokraten und

Die Deutschschweizer

«Neuherren»,

Literatursprache

pfäffisch Gesinnte, «Stündeler»

entstehe

und eigentlich

im «Spannungsfeld»

zwischen Dialekt und Hochsprache, so fassen

die gesamte Classe politique. Zudem positionierte sich Jenni

mit den Büchern, die er verlegte, in einem medialen Umfeld, das

von einem zunehmend schroffen und oft ehrverletzenden Ton

geprägt war.

literaturwissenschaftliche Während seine Forschungsarbeiten Zeitschrift von 1843 bis 1849 erschien, häufig war dem die

Gukkasten-Kalender eine nur kurze Lebensdauer beschieden.

besondere sprachliche Das erstaunt, Ausgangslage finden sich doch literarische zusammen. und publizistischstrategische

Konzepte zum Teil unverändert wieder: Jenni

Diesen

wettert gegen die Jesuiten, karikiert Personen des politischen

Spannungen geht der Band anhand von neuen Lektüren

Lebens, spottet über Auswüchse eines nicht konsequent praktizierten

Liberalismus. Und er schuf sich auch mit dem Kalender

literarischer Texte nach,

eine mediale

die

Öffentlichkeit,

den Dialekt

in deren Mittelpunkt

als

er

genuin

selbst stand.

poetisches

Mittel einsetzen und dialektisch nutzen. Erforscht

werden die ästhetischen Formen und Funktionen von dialektalen

Elementen in hochdeutschen Texten von Jeremias

Gotthelf bis Pedro Lenz.

ch T

Schweizer Texte, Neue Folge, Band 37

Herausgegeben von Corinna Jäger-Trees, Dominik Müller,

Hellmut Thomke, Peter Utz, Christian von Zimmermann

Stefan Humbel (Hg.)

Friedrich Jennis Gukkasten-Kalender

Stefanie Leuenberger

Oberassistentin an der Professur

für Literatur- und Kulturwissenschaft

der ETH Zürich. Forschungsschwerpunkte:

Literatur

der Avantgarden, literarische

Alphabetspiele, deutsch-jüdische

Literatur, Deutschschweizer

Literatur

Inhalt

Martin Stingelin: Dialektik bzw.

dialektische Mehrsprachigkeit im

«Cambridge-Notizheft. Tagebuch

1968» von Mani Matter

Peter Stocker: Provinzialwörter als

Stilmittel bei Robert Walser

Hubert Thüring: Zu Kurt Martis Rhetorik

Caspar Battegay: In Schizogorsk. Die

zwiespältige Landschaft der Deutschschweizer

Literatur

Simon Aeberhard: Die künstliche

Peter Utz, Reto Sorg: Perspektivie-

Philipp Theisohn: Gotthelf. Über

Muttersprache. Hermann Burgers

rungen der helvetischen «Dialäktik»

Mundart als narrative Strategie

dialektische Etymogeleien

Martina Wernli: «Ich fange ahn mit

Sonja Osterwalder: Zu Gottfried Keller

Sandro Zanetti: «Coffertori!» Arno

Affen: Ab’r i weis miih tühri Seel nit

und C. F. Meyer

Camenisch und die Kunst des Dialekt-

me wie das ahfaht.» Anfänge, Über-

Jörg Marquardt: Der unsichtbare

Zitats

gänge und Dialekt(e) bei Adolf Wölfli

Dialekt in Johanna Spyris «Heidi»-

Irmgard Wirtz: Die Dialäktik aus dem

Christa Baumberger: «In fremde

Romanen

Archiv

Häute schlüfen». Die Dialektik von Ein-

Dominik Müller: Ein Autor – zwei

Felix Christen: «Unreinheit der Spra-

und Ausschluss in Friedrich Glausers

Werke. Das Nebeneinander von

che». Bemerkungen zu Pedro Lenz’

Psychiatrieroman «Matto regiert»

«Hauptsprache» und Mundart

Poetik

und Emmy Hennings’ «Gefängnis»-

bei
C. A. Loosli

Martin Frank: «mläder masi fater»

Romanen

Simon Aeberhard: Essay zu Martin

Franks «mläder masi fater»

12


+++ Der politische Kalender eines radikalen +++

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783034

011976

Friedrich Jenni

Der Gukkasten-Kalender

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Stefan Humbel

Oktober 2013

Geb. ca. 320 S., Faksimileausgabe

mit zahlreichen Illustrationen

ca. CHF 48 / ca. EUR 39.50

Schweizer Texte, Neue Folge,

Band 38

ISBN 978-3-0340-1197-6

Für die Jahre 1845 und 1846 gab der Berner Verleger und

Friedrich Jenni

Redakteur Friedrich Jenni (1809–1849) seinen Gukkasten-

Kalender heraus. Dieser glich den verbreiteten Volkskalendern,

zeichnete sich aber im Gegensatz zu vielen

Der Gukkasten-Kalender

Konkurrenzprodukten durch seinen unmissverständlich

politischen Charakter aus. Bissig und manchmal verbissen

griff Jenni in aktuelle Diskussionen ein – spottend,

unterrichtend und sein Publikum belustigend.

In den 1840er Jahren sorgte Jenni in Bern vorerst mit

seiner Gukkasten-Zeitschrift für Aufsehen. Als streitbarer,

polemischer und publizistisch wendiger Verfasser und

Herausgeber machte er sich Freunde und Feinde; als

Radikaler mobilisierte er ebenso gegen die Regenerationsliberalen

wie gegen Aristokraten und «Neuherren», pfäffisch

Gesinnte, «Stündeler» und eigentlich die gesamte

Herausgegeben und mit einem Nachwort

von Stefan Humbel

Classe politique. Zudem positionierte sich Jenni mit den

Büchern, die er verlegte, in einem medialen Umfeld, das

von einem zunehmend schroffen und oft ehrverletzenden

Ton geprägt war.

Während seine Zeitschrift von 1843 bis 1849 erschien, war

dem Gukkasten-Kalender eine nur kurze Lebensdauer beschieden. Das erstaunt, finden sich

doch literarische und publizistisch-strategische Konzepte zum Teil unverändert wieder:

Jenni wettert gegen die Jesuiten, karikiert Personen des politischen Lebens, spottet über

Auswüchse eines nicht konsequent praktizierten Liberalismus. Und er schuf sich auch mit

dem Kalender eine mediale Öffentlichkeit, in deren Mittelpunkt er selbst stand.

Stefan Humbel

unterrichtet am Schweizerischen

Literaturinstitut in Biel. Mit Friedrich

Jennis Gukkasten-Zeitschrift

und dem Gukkasten-Kalender

beschäftigt er sich in einer Arbeit

zum Thema der Erprobung

von Öffentlichkeit in populärer

Literatur.

13


ISBN 978-3-0340-1134-1

25.04.13 12:43

1134 Dubach UG Druck.indd 1 25.02.13 13:47

+++ fürsorgerische Zwangsmassnahmen +++ soeben erschienen +++

h ein kriminelles Delikt hatten zuschulden

wurden in der Schweiz bis in die zweite

hrhunderts hinein «liederliche» und

Personen in Arbeitsanstalten eingewiesen.

Kantons Bern zeigt das Buch, wie das

e Zwangsinstrument der administrativen

ng im 19. Jahrhundert eingeführt wurde,

im Armenwesen zu bekämpfen. Vor dem

wirtschaftlichen Wachstums und der Einr

Sozialversicherungswerke in den 1950erren

kam dieses Instrument weiter hin zum

ale und kantonale Behörden verwendeten

ftliches Normalisierungs- und Disziplinie-

, um gegen Menschen vorzugehen, die

hende bürgerliche Gesellschafts- und

nung verstiessen.

t die Rechtsstaatsproblematik dieser

s versorgung heraus und rekonstruer

dem Druck eines nach dem Zweiten

enden internatio nalen Menschenrechtsnehmender

Kritik fürsorgerischer, politlicher

Kreise die administrative Versortonen

der Schweiz 1981 schliesslich

e. Detaillierte Fall geschichten verdeutadministrative

Versorgung für eine beedeutete

und mit welch umfassenden

gnissen die Behörden ausgestattet wan

dennoch nicht gelang, die Betroffenen

«Liederlich» und «arbeitsscheu» T. Rietmann

Tanja Rietmann

«LiedeRLich» und

«aRbeiTsscheu»

Die psychiatrische Universitätsklinik Zürich, ehemals

Burghölzli, ist als europäische Vorreiterin eugenisch

motivierter Zwangssterilisationen bekannt. Bei der

zürcherischen Sterilisationspraxis war bisher jedoch

die Rolle der ambulanten Psychiatrie unklar. Die vorliegende

Studie füllt diese Forschungslücke und untersucht

die administrative anstaltsversorgung

auch Sterilisationsakten der psychiatrischen Poli klinik.

im Kanton bern (1884–1981) Sie bettet die Sterilisationspraxis ein in den Kontext von

Geburtenkontrolle und Bevölkerungspolitik und analysiert

Handlungsmuster sowie die Bedeutung von Eugenik,

Zwang und Geschlecht. So entsteht ein differenziertes

Bild der zürcherischen Sterilisationspraxis vom

Ende des 19. Jahrhunderts bis 1970. Unter Einbezug der

Akten der psychiatrischen Poliklinik kommt die Studie

zum Schluss, dass ab der Zwischenkriegszeit in erster

Linie die lokale Abtreibungspolitik – nicht eugenische

Überlegungen – die breite zürcherische Sterilisationspraxis

steuerte.

Roswitha Dubach

Verhütungspolitik

Roswitha Dubach

Verhütungspolitik

Sterilisationen im Spannungsfeld von Psychiatrie,

Gesellschaft und individuellen Interessen in Zürich

(1890–1970)

ünschten Sinn zu «resozialisieren».

9 783034 011341

Tanja Rietmann

«Liederlich» und «arbeitsscheu»

Die administrative Anstaltsversorgung im

Kanton Bern (1884–1981)

Ohne dass sie sich ein kriminelles Delikt

hatten zuschulden kommen lassen,

wurden in der Schweiz bis in die zweite

Hälfte des 20. Jahrhunderts «liederliche»

und «arbeitsscheue» Personen in

Arbeitsanstalten eingewiesen. Im Kanton

Bern wurde dieses Zwangsinstrument

der administrativen Anstaltsversorgung

im 19. Jahrhundert eingeführt, um Missbräuche

im Armenwesen zu bekämpfen.

In den 1950er- und 1960er-Jahren

wurde diese Zwangsmassnahme weiterhin

angewendet, um gegen Menschen

vorzugehen, die gegen die bürgerliche

Gesellschafts- und Geschlechterordnung

verstiessen.

Das Buch arbeitet die Rechtsstaatsproblematik

der Anstaltsversorgung heraus und

rekonstruiert, wie erst unter dem Druck

des Menschenrechtsdiskurses nach dem

Zweiten Weltkrieg und zunehmender

Kritik die administrative Versorgung in

allen Kantonen der Schweiz schliesslich

1981 aufgehoben wurde. Fallgeschichten

verdeutlichen, was eine Versorgung

für die betroffene Person bedeutete,

mit welch umfassenden Befugnissen

die Behörden ausgestattet waren – und

wie es ihnen dennoch nicht gelang, die

Betroffenen im von ihnen gewünschten

Sinn zu «resozialisieren».

Roswitha Dubach

Verhütungspolitik

Sterilisationen im Spannungsfeld von

Psychiatrie, Gesellschaft und individuellen

Interessen in Zürich (1890–1970)

Die psychiatrische Universitätsklinik

Zürich, ehemals Burghölzli, ist als europäische

Vorreiterin eugenisch motivierter

Zwangssterilisationen bekannt. Bei der

zürcherischen Sterilisationspraxis war

bisher jedoch die Rolle der ambulanten

Psychiatrie unklar. Die vorliegende

Studie füllt diese Forschungslücke und

untersucht auch Sterilisationsakten der

psychiatrischen Poli klinik. Sie bettet

die Sterilisationspraxis ein in den

Kontext von Geburtenkontrolle und

Bevölkerungspolitik und analysiert

Handlungsmuster sowie die Bedeutung

von Euge nik, Zwang und Geschlecht.

So entsteht ein differenziertes Bild der

zürcherischen Sterilisationspraxis vom

Ende des 19. Jahrhunderts bis 1970.

Unter Einbezug der Akten der psychiatrischen

Poliklinik kommt die Studie zum

Schluss, dass ab der Zwischenkriegszeit

in erster Linie die lokale Abtreibungspolitik

– nicht eugenische Überlegungen –

die breite zürcherische Sterilisationspraxis

steuerte.

Gisela Hauss, Béatrice Ziegler,

Karin Cagnazzo, Mischa Gallati

Eingriffe ins Leben

Fürsorge und Eugenik in zwei Schweizer

Städten (1920–1950)

Eugenische Denk- und Handlungsmuster

waren in der Schweiz Anfang des

20. Jahrhunderts stark vertreten. Bis weit

in die 1930er Jahre kam der Schweiz im

internatio nalen Vergleich in der Umsetzung

eugenisch motivierter Massnahmen

eine Vorreiterrolle zu. Aktuelle

Forschungen zur Eugenik konzentrieren

sich vor allem auf die Psychiatrie. Das

Verhältnis fürsorgerischer Behörden

zur Eugenik wurde bisher noch kaum

untersucht.

Das Kernstück dieses Buches bilden

Fallanalysen: Fallgeschichten, in denen

Fachleute aus Fürsorge und Psychiatrie

in das Leben von Menschen eingriffen.

Sie handeln von Menschen, die in

existentiellen Krisen unter die Kontrolle

beziehungsweise in die Behandlung von

Expertinnen und Experten gerieten.

Das dabei gegebene Machtgefälle schuf

Situationen, in denen Druck ausgeübt,

Spielräume eingeengt und die formale

Freiwilligkeit ausgehöhlt werden konnten.

Die Untersuchung in den Städten

St. Gallen und Bern führt vor Augen, wie

sich eine eugenisch motivierte Praxis unter

unterschiedlichen sozial strukturellen

Voraussetzungen ausgestaltete.

2013. 382 S., 40 Abb. Geb.

CHF 58 / EUR 47.50

ISBN 978-3-0340-1146-4

2013. 351 S. Br.

CHF 48 / EUR 39.50

ISBN 978-3-0340-1134-1

2012. 192 S. Br. CHF 38 / EUR 31

ISBN 978-3-0340-1135-8

ISBN 978-3-0340-1146-4

ISBN 978-3-0340-1134-1

ISBN 978-3-0340-1135-8

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+++ fürsorgerische Zwangsmassnahmen +++ Zeugnis einer Betroffenen +++

Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen

Am Donnerstag, 11. April 2013 fand in Bern im Beisein von Bundesrätin Sommaruga

ein nationaler Gedenkanlass für Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen

statt.

«Bis im Jahr 1981 wurden in der Schweiz Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen. Viele haben dabei grosses Leid erfahren,

das ihr Leben massgebend prägte. Dieses dunkle Kapitel in der Geschichte unseres

Landes soll nicht in Vergessenheit geraten.»

Aus diesem aktuellen Anlass ist das Buch «Widerspenstig» als Sonderausgabe erhältlich.

Jolanda Spirig

Widerspenstig

Zur Sterilisation gedrängt: Die Geschichte

eines Pflegekindes

Bernadette G. wuchs als Pflegekind in

einer frommen Familie auf. Sie sollte auf

den rechten Weg gebracht werden, nicht

der leiblichen Mutter nachschlagen, die

als haltlose Psychopathin abgestempelt

worden war. Bernadette hatte keine

Chance. Mit zweifelhaften Gutachten

holten Ärzte und Psychiater die 18-jährige

Büroangestellte ein, warfen sie in

den gleichen Topf wie die Mutter und

drängten sie 1972 zu Abtreibung und

Sterilisation.

Bernadette soll ihre «minderwertigen»

Gene nicht weitervererben. Das psychiatrische

Gutachten ist rasch gestellt, die

völlig gesunde und normal intelligente

junge Frau ohne hinreichende Grundlage

als geistesschwache Psychopathin

beurteilt. Der Dorfarzt sorgt dafür, dass

sie nebst der Einwilligung zur Abtreibung

auch gleich die Einwilligung zur Sterilisation

unterschreibt, und der Pfarrer

gibt seinen Segen dazu. Der «Heimkarriere»

ihrer leiblichen Mutter entgeht die

Tochter nur knapp. Bernadette G. hat

sich nicht zerstören lassen. Sie hat die

Journalistin Jolanda Spirig gebeten, ein

Buch über sie zu schreiben. Entstanden

ist eine spannende Geschichte über Vorurteile,

Doppelmoral, Überforderung und

Anmassung.

«Im Namen des Anstands sterilisiert.

Mit 18 wird Bernadette G. ungewollt

schwanger. Ärzte diagnostizieren eine

‹abnorme Triebhaftigkeit›, setzen eine

Abtreibung durch und sterilisieren das

‹schwierige Mädchen›. Noch 1972 war

dies möglich.» NZZ am Sonntag

«Die Autorin hält sich im Text wohltuend

zurück. Es ist Bernadette G.,

die spürbar ist – in den Begegnungen

mit der Autorin, in autobiografischen

Passagen, in Aktenstücken. Eine wahre

Lebensgeschichte, authentisch erzählt.»

St. Galler Tagblatt

«Ein happiges Buch. Würde der eigene

Grossvater diese Geschichte erzählen,

würde man vielleicht sagen: «Ja, das

war halt so, damals.» Die 18-jährige

Bernadette G. wurde aber 1972 zur

Abtreibung und Sterilisation gedrängt.

Ungemütlich nahe an unserer Gegenwart.»

Saiten

«ein Buch, das aufwühlt, irritiert und

Mut macht.» ostschweizerinnen.ch

Bernadette G. in den Medien

Radio SRF

Info 3: 2. April 2013, 17 Uhr

Echo der Zeit: 2. April 2013, 18 Uhr SRF1

SRF 1

10vor10: 11. April 2013, 21.50 Uhr

Club: 7. September 2010, 22.30 Uhr

Aeschbacher: 3. Mai 2007, 22.20 Uhr

Sonderausgabe 2013

192 S., 31 Abb. Geb.

CHF 19.80 / EUR 16

ISBN

ISBN

978-3-0340-0784-9

978-3-0340-0784-9

9

783034

007849

15

15


Aus dem INhalt

DIPLOMATIE UND APPARAT

Edgar Bonjour: Auslese der Diplomatenanwärter (1959/1984)

Hermann Böschenstein: Reformbedürftige Schweizer

Diplomatie (1951)

Karin Kneissl: Rivalen um die Gunst der Welt (2001)

Benedikt von Tscharner: Vom Wesen der Diplomatie (1993)

Martin Dahinden: Vor Umwälzungen im Aussennetz (2005)

Ursula Akmann-Bodenmann: Spar- und Abbaumassnahmen

(1949/1992)

AKTEURE UND SCHAUPLÄTZE

• AFRIKA, NAHER UND MITTLERER OSTEN

Thomas Borer: Lagos – erster Auslandsposten (2003

August R. Lindt: Neuer Auftrag für Gus (1968/1983)

Arnold Hottinger: Gute Dienste in Ägypten (1956/2004)

Arnold Hottinger: Amerikanische Landung in Beirut (1958/2004)

Thomas Fischer: Iran – USA: 25 Jahre danach (1979/2004)

Hans Boesch: Ausklang in Baghdad (1944)

• ASIEN

Paul-André Ramseyer: Nouvelle-Delhi: un «oiseau rare»

(1969/2002)

Marcel Junod: Karuisawa (1945/1947)

• AMERICAS

Hans E. Tütsch: «The Greatest Show on Earth» (1976/1984)

Albert Weitnauer: Botschafter Henry de Torronté (1954/1981)

Carlo S. F. Jagmetti: Ein schwarzer Sonntag (1997/2002)

Klaus Hart: Botschafter-Entführung (1971/1996)

• EUROPA

Hans Zurlinden: Erfahrungen in Moskau (1949/1954)

Edouard Brunner: Varsovie (1966/2001)

Samuel Campiche: Prague: l’Ambassade est encerclée (1968/2001)

Pierre Friederich, Hans-Jörg Renk: La véritable qualité d’un

diplomate (2001)

Peter Haber: Budapest: auch Anti-Held Harald Feller rettete

(1944/2005)

Regula Heusser: Gertrud und Carl Lutz in Basel (2005)

Willy Hold: Zwei Mal Riga (2001)

Benedikt von Tscharner: OSZE – Präsidialjahr aus Wiener

Sicht (1997)

Hans Zurlinden: Generalversammlung der Vereinigten Nationen

(1951/1954)

Roger B. Bär: Paris 1966–1970 (2001)

Albert Weitnauer: Botschafter in London (1981)

Edgar Bonjour: Gastgeber-Ehre (1949/1984)

Christian Boesch: Brüssel will Zahlen sehen (1997)

Jürg Bischoff befragt Cornelio Sommaruga: Rom (1965/2004)

Fred Müller und Urs Zurlinden befragen Thomas Borer: «Ich bin

kein Paradiesvogel» (2000)

Eric Guyer: Die PR-Maschine frisst den Maschinisten (2002)

Paul Widmer: Fakten zu Minister Frölicher (1997)

Gert Kolbe: Die lange Karriere des Generalkonsuls (2002)

• BERN

Zeki Kuneralp: As native speaker in Berne (1960/1992)

Ernesto A. Thalmann: In der politischen Abteilung (1984)

Monika Rosenberg: Die Protokollchefin (2002)

Pascal Hollenstein: Bussenpraxis ärgert Diplomaten (2005)

Kurt O. Wyss-Labasque: Abschiedsrede (2003)

Paul Widmer: Brunner – ein Meister seines Faches (2002)

Martin Schaer: Der Vorleser (2002)

SCHWEIZ UND DIE WELT

Franz von Däniken: Recht und Macht in der Aussenpolitik (2003)

Herbert Lüthy: Die Schweiz als Antithese (1961)

Dominique Moïsi: Europäische Super-Schweiz als schlimmstes

Szenario (2003)

Jean-Rudolf von Salis: Die Schweiz und die Vereinten Nationen

(1945/1978)

Edgar Bonjour: Zum Neutralitätsbericht (1984)

Thomas Maissen: Verweigerte Erinnerung (2005)

Willy Schenk: Nachsitzen wegen Apartheid (2005)

Georg Kreis: Die Schweiz und Südafrika 1948–1994 (2005)

Josef Bucher: Nischenpolitik (2004)

Urs Altermatt: Aussenpolitik 1945–1991 (1992)

Micheline Calmy-Rey: Botschafterkonferenz (2005)

ZWISCHENRUFE

Klaus Jacobi: Missbrauch Guter Dienste (2001)

Jenö Staehelin: Gute Dienste (2001)

Dieter Chenaux-Repond: Diplomat gegen UNO-Beitritt (1986)

Nikos Tzermias: Ein Misserfolg (1991)

Ernst Mühlemann: Gottesdienst in der APK (2004)

Urs Rauber: Helikopter-Diplomatie (2004)

Silvio Borner, Aymo Brunetti, Thomas Straubhaar:

Aussenpolitische Leerläufe (1994)

Max Frenkel: Byzanz an der Aare (1994)

Franz Blankart: 30 Jahre Europapolitik (1998)

Michael Ambühl: Der bilaterale Königsweg (2005)

LITERARISCHE SPIEGELUNGEN

Iso Camartin: Jubelrufe eines Diplomaten (1998)

Heidi Tagliavini: Kriegsästhetik (1998)

Barbara Villiger Heilig: «Der Gesandte» von

Thomas Hürlimann (1994)

Lukas Hartmann: Die Frau im Pelz (1999)

Edzard Schaper: Der Gefangene der Botschaft (1964)

Ulrich Knellwolf: Auftrag in Tartu (1999)

Armin Och: Die Diplomaten (1978)

Natalie Böhler: Ernstfall in Havanna (2002)


+++ Repräsentanten der SChweiz +++

9

783034

012065

Max Schweizer (Hg.)

Diplomatenleben

Akteure, Schauplätze, Zwischenrufe – Ein Lesebuch

August 2013

Geb. ca. 440 S..

CHF 2010. 48 1328 / EUR S. 39.50 225 Abb.

ISBN 2 Bde. 978-3-0340-1206-5

Ln.

CHF 98 / EUR 72.50

ISBN 978-3-0340-1047-4

Januar 2011

Max Schweizer (hg.)

Diplomatenleben

akteure, Schauplätze, zwischenrufe

ein Lesebuch

«Diplomatenleben» ist eine Annäherung an einen

Berufsstand, von dem eine breitere Öffentlichkeit

wenig weiss. In rund sechzig Texten werden die Umrisse

der Innen- und Aussenfronten, an denen diese

Interessenvertreter der Schweiz seit dem Zweiten

Weltkrieg wirkten, gezeichnet.

Direkt Involvierte, Politiker, Historiker und Medienvertreter

beleuchten aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln

Konstellationen, Sachverhalte und Personen.

Neben Erklärungen zur Diplomatie und informativen

Berichten stehen bedenkenswerte staatspolitische

Klarstellungen. Zur dramatischen Darstellung von Ereignissen

gesellen sich heitere und ironische Beiträge,

vorab von Medienschaffenden.

Ob diplomatische Berichte und Reflektionen eine literarische

Sonderform darstellen, sei hier offen gelassen.

Auszüge aus Literatur, Theater und Film fehlen

indes nicht: Schriftsteller und Dramatiker bedienen

sich mitunter gerne des Klischees einer diplomatischen

Kulisse.

Max Schweizer

*1950, wirkte von 1980 bis 2012

als Diplomat für das EDA. Von 2007

bis 2011 war er Stellvertretender

Chef der Schweizerischen Wirtschafts

mission bei der WTO

und Efta in Genf. Heute leitet er

als Dozent den Bereich Foreign

Affairs and Applied Diplomacy

an der School of Management

and Law der Zürcher Hochschule

für Angewandte Wissenschaften

(ZHAW). Beim Verein

SwissDiplomats – ZurichNetwork

amtet er als Geschäftsführer.

Mit Texten von

Urs Altermatt, Michael Ambühl, Franz Blankart, Edgar Bonjour, Thomas Borer,

Micheline Calmy-Rey, Iso Camartin, Martin Dahinden, Arnold Hottinger,

Carlo S. F. Jagmetti, Ulrich Knellwolf, Georg Kreis, August R. Lindt, Herbert Lüthy,

Thomas Maissen, Franz von Däniken, Jean-Rudolf von Salis, Paul Widmer


9

783034

011914

+++ Die Aussenbeziehungen der Schweiz 1970–1972 +++

Oktober 2013

Geb. ca. 580 S.

ca. CHF 78 / ca. EUR 64

Diplomatische Dokumente

der Schweiz – Documents

diplomatiques suisses –

Documenti diplomatici svizzeri,

Band 25

ISBN 978-3-0340-1191-4

Sacha Zala (Hg.)

Diplomatische Dokumente der

Schweiz

1970–1972

t Willy Spühler

e Dupuy, kanaeneralkommissar,

eltausstellung

eal 1967.

iller fédéral Willy

vec Pierre Dupuy,

aire général canaxposition

unie

Montréal

liere federale Willy

on Pierre Dupuy,

ario generale

, all’Esposizione

e di Montreal

ehungen der

zu den Nachbare

Frage der euroziehungen,

die

lungszusammen-

Ereignissen wie

oder der Krise

von Bundesräten

umentieren eine

DIPLOMATISCHE

DOKUMENTE

DER SCHWEIZ

DOCUMENTS

DIPLOMATIQUES

SUISSES

DOCUMENTI

DIPLOMATICI

SVIZZERI

In der Reihe «Diplomatische

Dokumente der Schweiz»

werden Aktenstücke zu den

24

internationalen Beziehungen

1. 1. 1967–31. 12. 1969

der Schweiz veröffentlicht. Sie

werden durch eine Auswahl

digitaler Dokumente in der

Online-Datenbank Dodis unter

www.dodis.ch ergänzt. Die

gedruckten Bände dienen mit

ihren zahlreichen Verweisen

ISBN 978-3-0340-1191-4

der Orientierung in der umfangreichen

9Datenbank, 783034 011914 die Éditions vernetzte ZoÉ

CHRONOS

Angaben zur Forschungsliteratur,

zu Archivbeständen, Personen,

Körperschaften und geografischen

Orten enthält.

rieures de la Suisse

coopération avec

nne occupe une

apports avec les

ent et les «bons

els que la guerre

crise en Tchécot

en Europe de

t une différenciaernazionali

della

cini e alla collaboeuropea

riviste

ie, i rapporti con

o e la politica dei

nale quali la guerra

crisi in Cecosloorientale,

in Ameiversificazione

ArmAndo dAdò

Sacha Zala

Studium der Geschichte, Politikwissenschaft

und des Staatsrechts

an der Universität Bern

und an der University of North

Carolina in Chapel Hill. Seit 2008

ist er Direktor der Diplomatischen

Dokumente der Schweiz.

Band 25 der Diplomatischen Dokumente der Schweiz

Die «Diplomatischen Dokumente der Schweiz»

sind ein Forschungsprojekt zur Edition zentraler

Dokumente (1970–1972) zur Geschichte der Aussenbeziehungen

der Schweiz. Die Herausgeber/innen möchten

steht unter dem Zeichen des Freihandelsabkommens

amtliche Quellen mit zur Verfügung den stel-

Europäischen Gemeinschaften. Parallel

damit der Forschung und einer interessierten Öffentlichkeilen,

die für die Analyse und das Verständnis der

historischen Entwicklungen der schweizerischen

Aussenpolitik zur westeuropäischen von Bedeutung sind. Die Aktenedition

ermöglicht auch Rückschlüsse über die

Integration laufen die Vorbereitungen

System der zur internationalen Konferenz Beziehungen. Er-

über Sicherheit und Zusammenarbeit

Vernetzung der Schweiz mit der Welt und über

das

gänzt werden die gedruckten Bände durch weiterführende

Dokumente auf der Online-Datenbank

Dodis in unter Europa. www.dodis.ch. Die internationale Währungskrise, die dem

Les «Documents Diplomatiques Suisses» sont

un Zusammenbruch projet d’édition de documents-clés de l’histoire des Bretton-Woods-Systems vorangeht,

des relations extérieures de la Suisse. Le projet met

à la disposition des personnes actives dans la recherche

führt et du public zu intéressé einer des sources Stärkung officielles der Rolle des Schweizer Frankens

essentielles à l’analyse et à la compréhension de la

politique étrangère de Suisse. L’édition de documents

und fournit des aussi des Finanzplatzes.

informations sur les liens

de la Suisse avec le monde et esquisse ainsi la complexité

des relations internationales. Les volumes

imprimés Mit sont Terroranschlägen, complétés par d’autres documents die zum Flugzeugabsturz von

25

disponibles dans la base de données en ligne Dodis

sous www.dodis.ch.

Würenlingen und zur Entführung einer Swissair-Maschine

I «Documenti Diplomatici Svizzeri» sono un progetto

d’edizione di documenti chiave per lo studio

delle führten, relazioni internazionali gerät della Svizzera. auch Essi die Schweiz zunehmend in den Sog

si prefiggono di mettere a disposizione della ricerca

scientifica e di tutto il pubblico interessato

le der fonti ufficiali Nahostkrise. essenziali per la comprensione Gegenüber den «geteilten Staaten» bahnt

dell’evoluzione della politica estera svizzera. L’edizione

permette anche di comprendere i legami

della sich Svizzera mit con il mondo der e la Anerkennung complessità delle Nordvietnams und der DDR

relazioni internazionali. I volumi a stampa sono

completati da una selezione di documenti pubblicati

nella eine banca dati Normalisierung Dodis all’indirizzo www.dodis.ch. der Beziehungen an. Die traditionellen

«guten Dienste» kommen unter anderem beim

Bangladesch-Konflikt und bei der Wahl Genfs für die SALT-

Verhandlungen zum Zuge. Der Bereich der Wirtschafts- und

Finanzbeziehungen erfährt eine weitere Intensivierung, die

sich etwa in der Einführung der Investitionsrisikogarantie

und in der «neuen Osthandelspolitik» zeigt, während die Entwicklungszusammenarbeit

konsolidiert wird. Die Interdependenz von Innen- und Aussenpolitik manifestiert sich etwa

in der Bührle-Affäre, die zu einer Anpassung der Gesetzgebung zum Kriegsmaterialexport

führt, sowie bei der Schwarzenbach-Initiative und ihren Rückwirkungen auf die Migrationspolitik.

Neben traditionellen Themen geraten neue Bereiche wie die Umweltpolitik in den

Fokus der Schweizer Diplomatie. Im Anmerkungsapparat der einzelnen Dokumente befinden

sich zahlreiche Verweise auf weitere Ressourcen in der Online-Datenbank dodis.ch.

DIPLOMATISCHE DOKUMENTE

DER SCHWEIZ

DOCUMENTS DIPLOMATIQUES

SUISSES

DOCUMENTI DIPLOMATICI

SVIZZERI

1. 1. 1970–31. 12. 1972

Chronos • ArmAndo dAdò EditorE • Éditions ZoÉ

16


+++ Facettenreiche Präsenz der Schweiz in Ruanda +++

9

783034

012058

Lukas Zürcher

Die Schweiz in Ruanda

Mission, Entwicklungshilfe und nationale Selbstbestätigung

(1900–1975)

Oktober 2013

Geb. ca. 400 S. ca. 8 Abb. sw

ca. CHF 58 / ca. EUR 47.50

ISBN 978-3-0340-1205-8

Lukas Zürcher

Im 20. Jahrhundert knüpften die Schweiz und Ruanda

enge Beziehungen. Anfängliche Kontakte zwischen

Die Schweiz

Schweizer Missionaren und der ruandischen Bevölkerung

in RuanDa

festigten sich zu einer vielfältigen zwischenstaatlichen

Zusammenarbeit. Die kolonialen und postkolonialen Verbindungen

entstanden aus der Vorstellung, Ruanda nach

westlichem Vorbild entwickeln zu können, und aus dem

Wunsch beider Länder nach nationaler Selbstbestätigung.

Die ersten Schweizer in Ruanda gehörten zur Missionsgesellschaft

der Weissen Väter. Sie beteiligten sich am Aufbau

der katholischen Kirche in Ruanda und besetzten leitende

Positionen, darunter das höchste kirchliche Amt. Kurz nach

der Unabhängigkeit Ruandas 1962 bestimmte der Dienst für

Mission, entwickLungshiLfe und technische Zusammenarbeit (heute Deza) Ruanda zu seinem

nationaLe seLbstbestätigung

Schwerpunktland in Afrika. Er baute unter anderem mit

(1900–1975)

der Produzenten- und Konsumentengenossenschaft Travail,

Fidélité, Progrès (Trafipro) die grösste Genossenschaft des

Landes auf. Zudem entsandte die Schweiz zwischen 1963

und 1975 fünf Präsidentenberater nach Kigali.

Das Buch stellt die lange Verflechtungsgeschichte der beiden

Staaten ins Zentrum, in deren Verlauf es zwischen 1959 und 1973 auch zu Massenverbrechen

und Fluchtbewegungen kam. Der Autor fragt, wie die gemeinsamen Beziehungen

aufgebaut und gefestigt wurden. Er analysiert die vielfältigen Interessen auf staatlicher und

individueller Ebene sowie die von Widersprüchen und Ambivalenzen geprägte schweizerische

Hilfe. Neben öffentlich zugänglichem Archivmaterial basiert die Studie vor allem auf

privaten Briefen, Tagebüchern und Fotos sowie auf Interviews mit damals tätigen schweizerischen

und ruandischen Entwicklungsfachleuten.

Lukas Zürcher

ist Historiker und Lehrbeauftragter

an der Universität Zürich.

Seine Forschungsschwerpunkte

sind die Geschichte der Entwicklungshilfe,

Kirchen- und Missionsgeschichte

sowie Afrikanische

Geschichte.

Manuel Menrath (Hg.)

Afrika im Blick

Afrikabilder im deutschsprachigen

Europa, 1870–1970

2012. 336 S., 65 Abb. Geb.

CHF 48 / EUR 39.50

ISBN 978-3-0340-1137-2

ISBN 978-3-0340-1137-2

9 783034

011372

17


9

783034

011709

+++ Frömmigkeit im Alpenraum +++

Oktober 2013

Br. ca. 290 S., ca. 30 Abb. sw

ca. CHF 38 / ca. EUR 31

Geschichte der Alpen – Histoire

des Alpes – Storia delle Alpi.

ISSN 1660-8070, Band 18

ISBN 978-3-0340-1170-9

Reto Furter, Anne-Lise Head-König, Luigi Lorenzetti, Jon Mathieu (Hg.)

Religion und Konfessionen im alpinen Raum:

Divergenzen und Konvergenzen

Religion et confessions dans l’espace alpin:

divergences et convergences

Histoire des Alpes – Storia

delle Alpi – Geschichte der

Alpen

ist eine jährlich erscheinende

Publikation der Internationalen

Gesellschaft für historische Alpenforschung.

Sie enthält Artikel auf

Französisch, Italienisch, Deutsch

und Englisch und bietet Zusammenfassungen

in englischer

Sprache. Die thematischen Bände

versammeln Beiträge zu ausgewählten

Themen der alpinen

Welt. Die Dossier-Bände enthalten

neben dem Schwerpunktthema

ein Forum für freie Beiträge.

Als Rückzugsgebiet für Minderheiten auf der Flucht vor

religiöser oder politischer Verfolgung sind die Alpen zum

Schauplatz sowohl der Begegnung als auch der Konfrontation

verschiedener Konfessionen geworden.

Der vorliegende Band untersucht das Schicksal einiger

Gemeinden und Familienverbände im Alpenraum hinsichtlich

religiöser Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

Verdeutlicht werden soll der Einfluss der Konfession auf das

soziale Gefüge und die kulturellen Verhältnisse, seien diese

konfliktgeladen oder durch neue Formen religiöser Koexistenz

geprägt.

Terre d’asile pour certaines minorités fuyant la répression

de la part d’autorités religieuses ou séculières, les Alpes

ont été un lieu de rencontre et de confrontation privilégié

entre diverses cultures confessionnelles.

Ce volume analyse le destin de certaines collectivités locales

Schweizer Texte, Neue Folge, Band 37

et de groupes familiaux Herausgegeben actifs von dans Corinna Jäger-Trees, l’espace Dominik alpin Müller, à travers

le prisme des divergences et des convergences religieuses. Il

se propose de retracer l’impact qu’a eu la confession sur le

tissu social et culturel local aussi bien dans des sociétés marquées par des rapports conflictuels

que dans celles où ont émergé de nouvelles formes de «coexistence» religieuse.

Inhalt

ch T

Hellmut Thomke, Peter Utz, Christian von Zimmermann

Stefan Humbel (Hg.)

Friedrich Jennis Gukkasten-Kalender

Dossier: Religion et confessions dans

l’espace alpin – Religion und Konfessionen

im alpinen Raum

Katharina Winckler: Die ersten Christen

in den Alpen

Roberto Leggero: Che il diavolo mi

porti! I della Torre di Rezzonico, tra

strategie politiche e dissenso religioso

Martino Laurenti: Il Consiglio e il Concistoro.

Religione e organizzazione

politica nelle comunità valdesi delle

Alpi occidentali, 1570–1670

Frédéric Meyer: Querelle des évêques

et des réguliers dans les Alpes du

Nord au XVIIe siècle? François de

Sales face aux ordres religieux

Christine Tropper: Die Bedeutung von

Frauen für den Geheimprotestantismus

in Kärnten – eine Annäherung

Serge Brunet: Les montagnards vus

par les missionnaires. La Mission des

Pyrénées du jésuite Jean Forcaud

(1635–1645)

Cédric Andriot: Les réguliers lorrains

et les Alpes

Stephan Steiner: «Wie es allhier gebräuchig

ist …». Protestantische Ketzerei

und habsburgische Frömmigkeit

im Kärnten des 18. Jahrhunderts

Boris Deschanel: Divergences confessionnelles

et convergences professionnelles.

Les négociants protestants

du Dauphiné, de l’Ancien Régime à la

Restauration

Forum

Claudio Lorenzini, Giuseppina Bernardin:

Assenti – più o meno – illustri:

comunità alpine e il bosco. Il caso

delle Alpi orientali

Stephane Gal: Un roi pour les Alpes,

un roi par les Alpes. Le duc de Savoie

Charles-Emmanuel Ier et les usages

politiques de la montagne à l’époque

moderne

Alexander Di Bartolo: Il viaggio del

botanico Filippo Parlatore alla catena

del Monte Bianco

Roberta Clara Zanini: Ripopolamento

alpino e riduzione delle disparità.

Spunti per un approccio antropologico

multiscalare

18


+++ Neue Einblicke ins Schweizer Judentum

9

783034

012010

Jacques Picard, Daniel Gerson (Hg.)

Schweizer Judentum im Wandel

Religion und Gemeinschaft zwischen Integration,

Selbstbehauptung und Abgrenzung

September 2013

Br. ca. 320 S., ca. 10 Abb. sw

ca. CHF 48 / ca. EUR 39.50

ISBN 978-3-0340-1201-0

Jacques Picard,

daniel Gerson (HG.)

In den sich ausdifferenzierenden Lebenswelten der Jüdinnen

und Juden in der Schweiz sind in den letzten Jahrzehnten

vermehrt neue Konflikte und Forderungen zutage

getreten. Einerseits sind die Stellung der jüdischen Frauen

in Gemeinden und Gottesdiensten sowie der Umgang mit

Ehen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Partnern

und mit deren Kindern vermehrt in den Mittelpunkt der

öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Andererseits bilden

charedische, das heisst streng orthodoxe Gemeinschaften

ausserhalb der Einheitsgemeinden eine jüdische Milieugesellschaft,

die als eine eigene Lebenswelt wahrgenommen

wird.

Hinzu kommt, dass heute in Israel beinahe so viele jüdische

Schweizer und Schweizerinnen leben wie es Juden

und Jüdinnen in Gemeinden der Schweiz gibt. Das Bild der

jüdischen Schweizer und Schweizerinnen ist also höchst

vielfältig. Zudem ist in verschiedenen Kantonen eine

öffentlich-rechtliche Anerkennung zustande gekommen,

welche das Selbstverständnis der Juden in der Schweiz tangieren

muss. Im Zentrum der in diesem Band versammelten

Beiträge stehen die so genannten Einheitsgemeinden, unter deren Dach die unterschiedlichen

religiösen Präferenzen und Richtungen unter der Führung eines zumeist orthodoxen

Rabbinats stehen. In diesen Gemeinden fühlt sich ein grosser Teil der Juden und Jüdinnen

in der Schweiz beheimatet. Die Auseinandersetzungen zwischen orthodoxen, konservativen

und liberalen Flügeln des Judentums haben diesen Willen zur Einheit immer wieder vor die

Frage von Inklusion und Exklusion gestellt.

Schweizer

Judentum

im wandel

reliGion und GemeinscHaft

zwiscHen inteGration,

selbstbeHauPtunG und

abGrenzunG

Inhalt

Jacques Picard: Konfliktuelle Vielfalt.

Daniel Gerson: Pluralisierungen und

Madeleine Dreyfus: Mischehe oder

Yvonne Domhardt, Esther Orlow,

Zum Werte- und Traditionswandel im

Schweizer Judentum heute

Isabel Schlerkmann: Orte des Wissens.

Über das Interesse am Judentum

in der Schweiz – ein Streiflicht.

Polarisierungen. Jüdische Reformbewegungen

in der Schweiz, 1950–2010

Valérie Rhein: Konservativer als die

Halacha? Die Frau im Judentum und

die Bat-Mizwa in Deutschschweizer

Einheitsgemeinden

Übertritt. Drei exemplarische Lebensentwürfe

Leonardo Fridman: Das Bildungsangebot

jüdischer Schulen in der Schweiz

Sabina Bossert: Alija von Schweizer

Jüdinnen und Juden nach Israel

Eva Pruschy (Hg.)

KOL ISCHA

Jüdische Frauen lesen die Tora

2007. 280 S., 3. Auflage 2012.

Geb. CHF 34 / EUR 27

ISBN 978-3-0340-0788-7

ISBN 978-3-0340-0788-7

9

783034

007887

19


9

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011693

+++ Idealbilder der Schweizer Bundesrichter +++

Oktober 2013

Br. ca. 350 S.

ca. CHF 58 / ca. EUR 47.50

ISBN 978-3-0340-1169-3

Stephan Aerschmann

Der ideale Richter

Schweizer Bundesrichter in der medialen Öffentlichkeit

(1875–2010)

Stephan Aerschmann

studierte Geschichte und Philosophie

in Fribourg, Bern und

Paris und promovierte in Zürich.

Er arbeitet als wissenschaftlicher

Mitarbeiter an der Universität

Luzern und als Gymnasiallehrer

in Fribourg.

Band 37

Jäger-Trees, Dominik Müller,

hristian von Zimmermann

Stefan Humbel (Hg.)

Friedrich Jennis Gukkasten-Kalender

Stephan aerSchmann

Die Frage, welche Vorstellungen vom idealen Richter und

von der Funktionsweise des höchsten Gerichts in den

Medien zirkulierten und wie diese sowohl das richterliche

Selbstverständnis als auch die breite Öffentlichkeit prägten,

steht im Zentrum der vorliegenden Studie. Diese liefert

damit einen unkonventionellen Beitrag zur Geschichte

der Institution Justiz.

Der Autor untersucht Bilder der Bundesrichter in der

medialen Öffentlichkeit von 1875 bis 2010. Dabei stützt er

sich auf eine Quellengattung, die nicht über die richterliche

«Realität», sondern vielmehr über richterliche Idealbilder

Aufschluss gibt. So beruht die Studie auf einer detaillierten

Auswertung einer Vielzahl von Würdigungstexten, welche

zu Anlässen wie Tod, Rücktritt, Amtsjubiläen, Geburtstagen

oder akademischen Ehrungen von Bundesrichtern in den

Medien erschienen.

Das umfangreiche, nach einem diskursanalytischen Ansatz

Foucault’scher Prägung zusammengestellte und ausgewertete

Textkorpus ermöglicht es, Merkmale und Wandel

des Richterbilds sowie Erwartungen an die oberste Justiz

und Vorstellungen über die Aufgabe und Rolle ebendieser in der medialen Öffentlichkeit

ausführlich nachzuzeichnen. Des Weiteren wird die Reichweite und Wirkmächtigkeit

dieses herausgearbeiteten Diskurses dargestellt. So zeigt der Autor etwa auf, wie prägend

diese Idealvorstellungen für das richterliche Selbstverständnis waren und sind und wie

stark diese Bilder den Rahmen des Sag- und Denkbaren bis in die jüngste Zeit einer breiten

Öffentlichkeit vorgeben. Dies demonstriert er anhand von Reaktionen auf medienwirksame

Bundesgerichtsentscheide und Affären.

Der

iDeale

richter

Schweizer BunDeSrichter in

Der meDialen Öffentlichkeit

(1875–2010)

20


+++ Die Schweizer Gymnasiallandschaft heute +++

9

783034

011686

Das Schweizer Gymnasium – Köpfe. Ziele. Positionen.

Le gymnase en Suisse – Personnalités. Objectifs. Positions.

Il liceo in Svizzera – Personalità. Obiettivi. Posizioni.

Il gimnasi en Svizra – Chaus. Finamiras. Posiziuns.

Lieferbar

Br. 608 S., durchgehend illustriert

CHF 48 / EUR 39.50

ISBN 978-3-0340-1168-6

Herausgegeben von der Konferenz Schweizerischer

Gymnasialrektorinnen und Gymnasialrektoren (KSGR)

Das Schweizer Gymnasium

Köpfe. Ziele. Positionen.

Die Schweizer Gymnasien stehen unter kantonaler Hoheit.

So sind die Rahmenbedingungen der einzelnen Schulen

sehr verschieden. Eines aber ist allen gemeinsam: Sie haben

denselben vom Bund und von den Kantonen gemeinsam

festgelegten, zweifachen Auftrag, ihre Schülerinnen

und Schüler zur allgemeinen Studierfähigkeit zu führen

und deren Persönlichkeit durch die Vermittlung einer vertieften

Allgemeinbildung zu fördern. Damit werden diese

darauf vorbereitet, anspruchsvolle Aufgaben und Verantwortung

in der Gesellschaft zu übernehmen.

Niemand weiss so gut über die konkrete Arbeit in den über

150 Schweizer Gymnasien Bescheid wie deren Rektorinnen

und Rektoren. Sie kennen die Besonderheiten ihrer eigenen

Schule und wissen, wie sehr sich ein Gymnasium von einem

andern unterscheiden kann. Bei aller Vielfalt haben sie über

die Grenzen der einzelnen Schulen und Kantone hinweg

sechs gemeinsame Thesen und Ziele formuliert, denen sie

ihren Auftrag unterordnen.

Gemeinsam organisiert sind die Rektorinnen und Rektoren

der Gymnasien seit 100 Jahren. Dieses Jubiläum ist der

Anlass für die vorliegende Standortbestimmung der Konferenz Schweizerischer Rektorinnen

und Rektoren (KSGR). Die Konferenz ermöglicht den direkten Austausch zwischen den

Schulen aus allen Kantonen und über Sprachregionen hinweg und die Erarbeitung bildungspolitischer

Positionen. Damit ist sie ein wichtiger Gesprächspartner für alle Gremien

und Institutionen, die sich mit Bildung befassen.

Das Buch gibt Einblick in die Gründungszeit der KSGR. Der Schwerpunkt liegt jedoch in

der Gegenwart und bei den Zielen der Konferenz für die gymnasiale Bildung in der Zukunft.

Alle Rektorinnen und Rektoren nehmen in einem persönlichen Statement Stellung zu

einer der sechs Thesen der Konferenz. Das erlaubt einen vielfältigen Einblick in die aktuelle

bildungspolitische Diskussion rund um das Gymnasium und die Sekundarstufe II. Aufnahmen

der Rektorinnen und Rektoren zeigen die Akteure unmittelbar in ihrem beruflichen

Umfeld. Mehrere Bildteile veranschaulichen das lebendige Geschehen an den Schweizer

Gymnasien. Erstmals werden alle Gymnasien der Schweiz im Bild und mit einigen ergänzenden

Informationen vorgestellt.

Le gymnase en Suisse

Personnalités. Objectifs. Positions.

Il liceo in Svizzera

Personalità. Obiettivi. Posizioni.

Il gimnasi en Svizra

Chaus. Finamiras. Posiziuns.

Eine Standortbestimmung der Konferenz

Schweizerischer Gymnasialrektorinnen und

Gymnasialrektoren

Un état des lieux de la Conférence des

directrices et directeurs de gymnases suisses

Riflessioni della Conferenza delle Direttrici

e dei Direttori dei Licei Svizzeri

Ina reflecziun da la Conferenza da las Directuras

e dals Directurs dals Gimnasis svizzers

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012027

+++ Das Thema Wohnen aus vielfältiger Perspektive +++

Oktober 2013

Br. ca. 350 S., ca. 15 Abb. sw

ca. CHF 58 / ca. EUR 47.50

Schweizerisches Jahrbuch

für Wirtschafts- und

Sozialgeschichte – Annuaire

suisse d’histoire économique et

sociale, Band 28

ISBN 978-3-0340-1202-7

ISSN 1664-6460

Fortsetzung der Reihe

Schweizerische Gesellschaft

für Wirtschafts- und

Sozialgeschichte – Société

suisse d’histoire économique

et sociale

Christoph Conrad, Joachim Eibach, Brigitte Studer, Simon Teuscher (Hg.)

Wohnen und die Ökonomie des Raumes

L’habitat et l’économie de l’espace

Schweizerisches Jahrbuch für Wirtschafts- und

Sozialgeschichte (2013)

Wohnen und Habitat sind entscheidende Aspekte des

Alltagslebens in mikrohistorischer Hinsicht. Korrespondierend

mit der Ökonomie des Raumes stellen sie relevante

Dimensionen und Produkte des Handelns in Gesellschaften

auf der Makroebene dar.

Die hier versammelten Beiträge zeugen von der Notwendigkeit

der Erneuerung des Themenfeldes Wohnen in vielfältigen

gesellschaftlichen, kulturellen und praxeologischen

Perspektiven. Sie spannen den Bogen vom Spätmittelalter bis

zur Gegenwart, von der entlegenen Burg bis zur Metropole.

Sie stellen dabei Bezüge her zu den zeitgenössischen «turns

and trends» der Forschung, zu den Debatten über Wohn-,

Wirtschafts- und Haushaltsformen bis hin zu den Spannungen

zwischen Raumökonomie und Sozialreform, Öffentlichkeit

und privater Raum sowie Mobilität und Häuslichkeit.

Inhalt

Adelheid von Saldern: Wohnen – jenseits

historiografischer «turns and

trends»? Beispiele aus europäischen

Städten des 20. Jahrhunderts

Daniel Schläppi: Räumliche Dimensionen

von Ökonomie. Historische

Zunft- und Gesellschaftshäuser als

Stätten der Allokation und Distribution

kollektiver Ressourcen anhand von

Berner Beispielen

Brigitte Moser und Thomas Glauser:

Wohnen und arbeiten um 1500. Eine

interdisziplinäre Annäherung

Elizabeth Harding: Ökonomie der

Gastlichkeit. Wirtschaftsbeziehungen

und Deutungen des frühneuzeitlichen

Professorenhaushalts

Julia A. Schmidt-Funke: Handfass und

Hirschgeweih. Zum Umgang mit den

Dingen im Kontext frühneuzeitlichen

Wohnens

Katharina Baumann: Ein Dorf in Bewegung.

Hausversetzungen in Speicher

(AR) vom 17. bis 19. Jahrhundert

Reto Schumacher et Luigi Lorenzetti:

Mobilité urbaine et formes résidentielles.

Une étude longitudinale

à travers l’exemple de Lausanne,

1835–1844

Adrien Remund: Des toupies et des

enracinés. Mobilité intra-urbaine des

immigrés dans la Genève du XIXe

siècle

Nanina Egli: «Heimelige Häuslichkeit»

auf «dem öden Bergschloss»: Bürgerliches

Wohnen in einem feudalen

Habitat, 1865–1877

Ruth Ammann: Von der Wohnungs- zur

Frauenfrage und zurück. Dora Staudinger

und der genossenschaftliche

Wohnungsbau im Zürich der 1910er

und 20er Jahre

Hanno Hochmuth: Vom langen «Reifeprozess»

der Mietskaserne. Öffentlichkeit

und Privatheit in Berlin-Kreuzberg

Joël Jornod: Quand l’habitat influe

sur le grand magasin. Les cas de la

société Gonset (1925–1970)

Sandro Fehr: Fluglärm in der guten

Stube. Zu den Wechselwirkungen

zwischen Luftfahrtinfrastrukturen und

wohnräumlichen Strukturen in der

Schweiz, 1936–1958

Sebastian Haumann: Bürgerinitiative

für preiswerten Wohnraum. Zivilgesellschaftliche

Strategien in den USA und

Westdeutschland, 1960–1990

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AGZ 20012_UG Druck.indd 1 24.11.11 14:04

+++ Die PflegE einer schönen Stadt +++

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Jean-Daniel Gross (Hg.)

Denkmalpflege in der Stadt Bern

Vierjahresbericht 2009–2012

November 2013

Geb. ca. 432 S., ca. 100 Farbabb.,

180 Abb. sw

ca. CHF 58 / ca. EUR 47.50

ISBN 978-3-0340-1192-1

Vierjahresbericht

2009 – 2012

Denkmal

pflege in

der Stadt

Bern

Welche exemplarischen Umbauten und Sanierungen

wurden in der Unesco-Stadt Bern durchgeführt, warum

ist der fachgerechte Umgang mit wertvoller Baukultur

wichtig und was bedeutet er für Stadtbild und Lebensqualität?

Der reich bebilderte Tätigkeitsbericht zeigt

das kontinuierliche Wirken der Denkmalpflege in den

letzten vier Jahren und spricht interessierte Laien genauso

an wie Fachpersonen.

Berns Baukultur stellt eine wichtige Ressource dar, deren

Erhalt und sorgfältige Weiterentwicklung Aufgabe der

Denkmalpflege ist. Die Arbeit der Denkmalpflege schlägt

sich unverkennbar im Stadtbild nieder und ist die Voraussetzung

für den Status der Altstadt als Unesco-Weltkulturerbe.

Zudem sorgt sie für Lebensqualität in den

Quartieren. Die Publikation stellt die wichtigeren und die

besonders anschaulichen Beispiele aus den letzten vier

Jahren konstruktiver denkmalpflegerischer Tätigkeit vor.

Das Buch ist gleichzeitig ein Streifzug durch die Quartiere

und eine Entdeckungsreise zu den wertvollen, von der

Denkmalpflege betreuten Bauten.

Dr. Jean-Daniel Gross

leitet seit 2007 die Denkmalpflege

der Stadt Bern. Er studierte

Architektur an der ETH Zürich und

promovierte 2006. Nach mehrjähriger

Berufspraxis als Architekt

war er 2000–2007 Bauberater

in der Denkmalpflege der Stadt

Zürich.

Melchior Fischli

Geplante Altstadt: Zürich, 1920–1960

Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Band 79

Auf den ersten Blick werden Altstädte meist als Hort der Tradition und

Rückzugsort angehaltener Geschichte verstanden, als «authentischer»

Überrest vergangener Zeiten, deren Spuren anderswo längst getilgt sind.

Gleichzeitig gibt es in Westeuropa wohl kaum mehr ein zusammenhängendes

Altstadtquartier, das während der letzten hundert Jahre nicht Ziel

von Sanierungskampagnen gewesen, in dem nicht Ersatzneubauten errichtet

oder eingreifende Restaurierungen durchgeführt worden wären. Dies

gilt auch für die Zürcher Altstadt.

Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert und noch bis in die 1950er Jahre

hinein war der mittelalterlich geprägte Kern der Stadt Ziel von Sanierungsprojekten,

die einen weitgehenden Ersatz der bestehenden Bausubstanz

vorsahen. Im Lauf der 1930er Jahre ist dabei ein Wandel in der

Haltung gegenüber der Altstadt festzustellen: Waren zuvor immer wieder

Planungen für eine Neubebauung in jeweils «modernen» Formen diskutiert

worden, verfolgte die Stadtverwaltung in Übereinstimmung mit der

öffentlichen Meinung nun das erklärte Ziel, das bestehende «Stadtbild»

und den «Massstab» der Altstadt zu wahren. Wenn auch nicht annähernd

im geplanten Umfang umgesetzt, hatten gerade diese Sanierungskampagnen

weitreichende Eingriffe in die Altstadt zur Folge. Vor allem in den

1940er und 50er Jahren wurden zahlreiche Um- und Neubauten realisiert,

die nach zeitgenössischem Verständnis an ihre Umgebung «angepasst»

waren und das Bild der Zürcher Altstadt seither wesentlich mitprägen.

Die Etappen dieser heute kaum bekannten Entwicklungen sind Thema des

Buches.

Geplante Altstadt: Zürich, 1920–1960

Melchior Fischli

Geplante Altstadt

Zürich, 1920–1960

Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Band 79

Melchior Fischli

Geplante Altstadt

Zürich, 1920–1960

Mitteilungen der Antiquarischen

Gesellschaft in Zürich, Band 79

2012. 220 S., 136 Abb. Br.

CHF 58 / EUR 47.50

ISBN 978-3-0340-1108-2

ISBN 978-3-0340-1108-2

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011679

+++ Chirurgie im Wandel +++

Lieferbar

Geb. 229 S. 57 Farbabb.

CHF 38 / EUR 31

ISBN 978-3-0340-1167-9

Hubert Steinke, Eberhard Wolff, Ralph Alexander Schmid (Hg.)

Schnitte, Knoten und Netze – 100 Jahre

Schweizerische Gesellschaft für Chirurgie

Incisions, nœuds et réseaux – Les 100 ans

de la Société Suisse de Chirurgie

Hubert Steinke

Professor für Medizingeschichte

an der Universität Bern.

noperation zur osteotechnik:

die chirurgie in

Jahre kann als erfolgsmmelband

zum 100­Jahrllschaft

für chirurgie

dizinhistorischen

medizinischen erfolgen

rungen.

m die heutige chirurgie

eren Sakralisierung

pers. Beiträge aus der

hnisch­therapeutische

transplantation bis zur

Schnitte, Knoten und netze

inciSionS, nœudS et réSeaux

Eberhard Wolff

lehrt an verschiedenen Universitäten

vor allem in der Deutschschweiz

als Medizinhistoriker und

Kulturwissenschaftler.

Ralph Alexander Schmid

Präsident SGC/SSC, Direktor der

Universitätsklinik für Thoraxchirurgie,

Inselspital Bern.

thyroïde à l’ostéosynthèse

s le monde entier: ce

gie en Suisse peut être

site. Le recueil consacré

chirurgie va plus loin

édicaux et des défis

uatre études détaillées de

utre la chirurgie actuelle,

corps traité par le

isation. Quelques articles

ent des tendances

tte discipline, de la

rgie minimale invasive.

Schnitte, Knoten

und netze

inciSionS, nœudS

et réSeaux

100 JAHRE SCHWEIZERISCHE GESELLSCHAFT FüR CHIRURGIE

LES 100 AnS dE LA SoCIéTé SUISSE dE CHIRURGIE

Vom Nobelpreis für die Schilddrüsenoperation zur Osteosynthese

als weltweit praktizierter Technik: Die Chirurgie

in der Schweiz der letzten 100 Jahre kann als Erfolgsgeschichte

gelesen werden.

Der Sammelband zum 100-Jahr-Jubiläum der Schweizerischen

Gesellschaft für Chirurgie geht tiefer und analysiert in

vier medizinhistorischen Detailstudien die Hintergründe von

medizinischen Erfolgen und organisatorischen Herausforderungen.

Einige Reflexionen beleuchten zudem die heutige

Chirurgie von der Ökonomisierung bis zur neueren Sakralisierung

des von Chirurgen behandelten Körpers. Beiträge aus

der chirurgischen Praxis skizzieren technisch-therapeutische

Trends dieses Fachs von der Organtransplantation bis zur

«Schlüsselloch-Chirurgie».

Inhalt

11.02.13 16:43

Geschichte / Histoire

Betrachtungen / Réflexions

Trends / Orientations

Eberhard Wolff: Knotenpunkt in einem

Erhard Taverna: Schnittstellen

Daniel Candinas: Organtransplantation

flexiblen Netzwerk. 100 Jahre Schwei-

Giovanni Maio: Chirurgie als Business?

Peter Stierli, Lorenzo Gürke, Jürg

zerische Gesellschaft für Chirurgie

Ethische Grenze einer ökonomischen

Schmidli: Hybrid in der Gefässchirurgie

Eberhard Wolff: À la croisée d'un

Überformung der Chirurgie

Othmar Schöb, Dieter Hahnloser: Die

réseau flexible. La Société Suisse de

Peter Schneider: Von John Warren zu

Entwicklung der minimalinvasiven

Chirurgie au fil du temps

«Nip/Tuck». Ein Essay über Sakralisie-

Chirurgie in der Schweiz, 1990–2020

Ulrich Tröhler: Theodor Kochers Nobel-

rung, Säkularisierung und Profanisie-

Marcel Jakob, Andreas Platz: Neue Ent-

preis: Voraussetzungen, Bedingungen,

rung der Chirurgie und die Wiederkehr

wicklungen in der Traumatologie

Folgen. Ein Blick hinter die Kulissen

des Ausgeschlossenen

Hans-Beat Ris, Oscar Matzinger, Alban

Pierre Yves Donzé: Le travail des

Felicitas Witte: Evidenz statt Eminenz

Lovis, Solange Peters: Surgery in the

Verena Rothenbühler,

Martin Lengwiler

Macht und Ohnmacht der

Ärzteschaft

Geschichte des Zürcher

Ärzteverbands im 20. Jahrhundert

2004. 2. Auflage 2013. 152 S.,

13 Farbabb. Br. CHF 32 / EUR 26

ISBN 978-3-0340-0698-9

ISBN 978-3-0340-0698-9

chirurgiens en Suisse. L'exemple du

canton de Vaud, 1800–1960

Thomas Schlich: Freiheit, Gleichheit,

Treue. Der Erfolg der AO-Osteosynthese

und das kulturelle Umfeld der

Schweiz

Context of Multimodal Treatment of

Non-Small Cell Lung Cancer

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+++ Entwicklung und Herausforderungen in der Psychiatriepflege +++

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Sabine Braunschweig

Zwischen Aufsicht und Betreuung

Zur Geschichte der Psychiatriepflege: Das Beispiel der Basler

Heil- und Pflegeanstalt Friedmatt, 1886–1960

September 2013

Br. ca. 280 S., ca. 20 Abb. sw

ca. CHF 48 / ca. EUR 39.50

ISBN 978-3-0340-1171-6

Das Psychiatriepflegepersonal war im Anstaltsalltag mit

Sabine Braunschweig

widersprüchlichen Anforderungen konfrontiert: Einerseits

Zwischen

für Disziplin und Ordnung auf der Abteilung zu sorgen,

Aufsicht und

andererseits Betreuung und Verständnis für die Kranken

Betreuung

zu bieten bedeutete eine schwierige Gratwanderung, der

nicht alle Pflegepersonen gleichermassen gewachsen

waren. Gewalttätige Übergriffe, berufsbedingte Erkrankungen

oder Suchtprobleme waren Symptome, die durch die

prekären Arbeitsbedingungen verschärft wurden.

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt die Psychiatriepflege

als Hilfsarbeit ohne Ansehen und Kompetenzen. Erst

mit dem Aufbau einer fundierten Ausbildung, die parallel

zur Professionalisierung der Psychiatrie verlief, entwickelte

Zur Geschichte der Psychiatriepflege: sie sich zu einem qualifizierten Beruf. Rolle und Funktion

Das Beispiel der Basler Heil- und

Pflegeanstalt Friedmatt, 1886–1960

veränderten sich, die PflegerInnen wurden unentbehrliche

Mitarbeitende bei den neuen Therapiemethoden, mit denen

Psychiater ihr Behandlungsfeld erweiterten.

Die Entwicklung des Psychiatriepflegeberufs in der Schweiz

wird hier erstmals umfassend dargestellt. Neben Fragen der

Organisierung, der Professionalisierung des Berufsfelds und

der Bedeutung der Geschlechterverhältnisse in der Klinik steht der Pflegealltag im Zentrum.

Das vielfältige und bisher nicht ausgewertete Quellenmaterial erlaubt es, die Problematik

von Gewalt, Sexualität und Suizid zu untersuchen, und macht dabei die Ambivalenz zwischen

Ordnen, Betreuen, Pflegen und Beherrschen sichtbar. Es wird offensichtlich, dass die

pflegehistorische Perspektive die Psychiatriegeschichte um eine wichtige, bislang vernachlässigte

Dimension erweitert und für ihr Verständnis unerlässlich ist.

Sabine Braunschweig

Historikerin und dipl. Erwachsenenbildnerin

mit eigenem Büro

für Sozialgeschichte in Basel.

Arbeitsschwerpunkte: Archivierung,

Beratung, Forschung und

Vermittlung, Ausstellungs- und

Buchprojekte, www.sozialgeschichte-bs.ch.

Sabine Braunschweig (Hg.)

Pflege – Räume, Macht

und Alltag

Beiträge zur Geschichte der

Pflege

2006. 304 S. Br. CHF 38 / EUR 24.80

ISBN 978-3-0340-0782-5

ISBN 978-3-0340-0782-5

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007825

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011969

+++ Totengedenken als Herrschaftsinstrument +++

Oktober 2013

Geb. ca. 544 S.

ca. CHF 68 / ca. EUR 55.50

ISBN 978-3-0340-1196-9

Rainer Hugener

Buchführung für die Ewigkeit

Totengedenken, Verschriftlichung und Traditionsbildung im

Spätmittelalter

entstammen dem Hochadel,

kommen diesen namen fort.

n am Albis ansässig, residieren

rhundert auf der Burg uster.

dt Zürich. 1606 stirbt der hier

.

schlecht mit wenigen Angehön

durch kluges Politisieren und

olitik ihre Herrschaft zunächst

Rainer Hugener

ssend unter den eidgenossen

geboren 1976, Studium der

. Als enge Vertraute der ersten

Geschichte und Germanistik,

Bonstetter nach 1273 Spitzente

in Zürich, im thurgau und

allen. Ziel gerichtete ehen mit

amilien ermöglichen ab dem

danach Assistent am Historischen

Seminar der Universität

an die führungsschichten und

hrung der beiden mächtigsten

Zürich, seit 2011 wissenschaftlicher

Mitarbeiter im Staatsarchiv

des Kantons Zürich mit einem

Editionsprojekt im Rahmen der

Sammlung Schweizerischer

Rechtsquellen.

Rainer Hugener

BucHfüHRiung füR die ewigkeit

Wie waren Gedenkpraktiken, Güterverwaltung und

Geschichtsschreibung im Mittelalter miteinander verbunden?

Die reichhaltige Überlieferung aus dem Gebiet

der heutigen Schweiz lässt erkennen, wie verschiedene

Formen des liturgischen Gebetsgedenkens zunächst im

klösterlichen Umfeld entwickelt, sodann von Dom- und

Kollegiatstiften adaptiert und schliesslich auch an städtischen

und ländlichen Pfarrkirchen übernommen wurden.

Es zeigt sich, dass die entsprechenden Bemühungen nicht

nur dem Seelenheil der Verstorbenen dienten, sondern auch

der Herrschaftsdurchsetzung und dem Verwaltungsausbau.

Mit Schlachtjahrzeiten und anderen Gedenkfeiern wurden

Geschichtsbilder verbreitet, die das historische Selbstverständnis

nachhaltig prägten.

Anhand von Überlieferungsverbünden und Intertextualitätsbeziehungen

zwischen nekrologischem, urbarialem und

historiografischem Schriftgut untersucht Rainer Hugener,

wie zur administrativen Bewältigung des Totengedenkens

neue Formen der Buchführung aufkamen und auf weitere

Anwendungsbereiche übertragen wurden. Die Studie

betont die Bedeutung des kirchlichen Gedenkwesens für die Entwicklung «moderner»

Verwaltungs praktiken und eröffnet zugleich einen neuen Zugang zu den Mythen über die

Entstehung der Eidgenossenschaft. Abgerundet wird die Arbeit durch ein Inventar der Nekrologien

und Jahrzeitbücher aus schweizerischen Klöstern, Stiften und Kirchen.

Rainer Hugener

BucHfüHRung

füR die ewigkeit

totengedenken, Verschriftlichung und

traditionsbildung im Spätmittelalter

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INHALT / TABLE DES MATIÈRES

Andreas Kränzle 7

Sabina Roth, Sandra Bott, Elisabeth Joris, Jolanda Nydegger 18

Pierre-Yves Donzé 29

Mirjam Bugmann 45

Sabine Braunschweig 57

Véronique Hasler 68

Magaly Tornay 83

Cornelia Oertle, Anouk Hiedl 97

Michèle E. Schärer, Eléonore Zottos 110

Daniel Kauz 125

Elisabeth Joris 137

Madeleine Herren 154

Jon Mathieu 170

Annika Schwenn 174

INHALT / TABLE DES MATIèRES

Tina Asmussen 7

Bertrand Forclaz, Michael Jucker, Yan Schubert, Aline Steinbrecher 17

Pierre Alain Mariaux 29

Dominik Collet 41

Lisa Regazzoni 53

Mario Wimmer 67

Serge Reubi 81

Sandra Nicolodi 91

Silke Bellanger 106

Rebecca Sanders 117

Markus Bürgi, Mario König 125

Juri Auderset 130

Thibaud Giddey 145

Kathrin Götsch Itin 164

+++ traverse – Zeitschrift für Geschichte +++

traverse

Porträt / Portrait

Das Klosterarchiv Einsiedeln

SchwErPunKt / DoSSiEr thématiquE

PflegeKrisen. Editorial

crises des soins. Editorial

Zeitschrift für Geschichte –

nouvelles technologies médicales et structuration du marché des soins à Genève (1860–1930)

Revue d’histoire

Erscheint dreimal pro Jahr.

Überwachen und regulieren. august Forels «schlafende wachen» im Burghölzli (1887–1898)

wenn Psychiatriepflegende selbst erkranken. Pflegekrisen im alltag einer

psychiatrischen anstalt in den 1930er-Jahren

De la pléthore à la pénurie de physiothérapeutes. Vaud et Genève (1926–1980)

traverse

ISSN 1420-4355

Porträt / Portrait

im Bauch des trojanischen Pferdes. forschungsbibliothek und studiolo Werner oechslin

schWerPunkt / dossier thématique

Sammelpraxis. Editorial / Collectionner comme pratique. Editorial

traverse

trésor et collection au 12e siècle. remarques sur le cas de l’abbaye de saint-maurice

universitäre sammlungen als «contact zone». Gesellige und gelehrte sammlungspraktiken

im akademischen museum der universität Göttingen (1773–1840)

objekte ohne Wissenschaft – exponate ohne sammlung. über den umgang des «muséum

d’histoire naturelle» und des «muséum des antiques» mit ethnografischen artefakten

Zeitschrift für Geschichte • r evue d‘histoire

sammelwut. über eine Zeitdiagnose der jungen sexualwissenschaft und ihr «archiv»

traverse

ISSN 1420-4355

traverse

Zeitschrift für Geschichte • r evue d‘histoire

Psychopharmaka in der psychiatrischen Pflege. neue Berufsbilder und

der Status praktischen wissens

wenn es an Pflegepersonal mangelt. Bildungs- und gesundheitspolitische massnahmen

in den 1950er- und 60er-Jahren

une période charnière dans l’histoire des crèches à Genève. Les années 1960–1970

Schweigen in der Krise. Fürsorge und Pflege Krebskranker in der Schweiz (1955–1980)

Ein Fotoalbum für Schulschwester anna riesen. Fotografien im archiv der

Schweizerischen Pflegerinnenschule

DEr artiKEL / L’articLE

transkulturelle Geschichte. Globale Kultur gegen die Dämonen des Eurozentrismus

und des methodischen nationalismus

DEBattE / DéBat

Geschichtswissenschaft in Begutachtung. Ein weiterer Kommentar

DoKumEnt / DocumEnt

«uszug us em Sihlseegibiet». ansichten eines Fotoreporters

BESPrEchunGEn / comPtES rEnDuS 184

Sozialer Frieden / Paix sociale

Sozialer Frieden – transnational

Les chantiers transnationaux

de la paix sociale

La lacune, miroir des pratiques de collections

nachzucht. eine relativ neue sammelpraxis zoologischer Gärten

verpackte sammlungen oder ansammlungen der Warenwelt. verpackungsmaterialien

des Zoologischen museums der universität Zürich als historische Zeugen

das sammlungszentrum des schweizerischen nationalmuseums

Zum Gedenken / in memoriam

rudolf Braun, 1930–2012. Zum tod des bedeutenden sozialhistorikers

der artikel / l’article

lafayette und die «école américaine». transatlantische diskursgemeinschaften und

die umstrittene Bedeutung der amerikanischen föderativrepublik

Gendarme ou médecin des banques? Les premières années d’activité de la

commission fédérale des banques (1935–1943)

dokument / document

eine zoologische «naturalie» als historische quelle

BesPrechunGen / comPtes rendus

literatur zum thema / comptes rendus thématiques 176

allgemeine Besprechungen / comptes rendus généraux 187

Sammelpraxis / Collectionner comme pratique

Energie

Énergie

1

2

2_2013

3

3_2013

2013

2012

Joelle Droux, Gisela Hürlimann,

Matthieu Leimgruber

Daniel Krämer, Monika Gisler,

Katja Hürlimann, Marc Gigase

Die zweisprachige Zeitschrift

versteht sich als Forum der Geschichtsforschenden

in der Schweiz mit einem

Horizont, der über Landes- und Fachgrenzen

hinausreicht. Traverse ist sowohl

eine historische Fachzeitschrift als

auch ein Organ, das einem interessierten

Publikum Einblick in die aktuelle

historische Forschung gibt und deren

Beitrag zu gesellschaftlich relevanten

Fragen diskutiert. Zudem versteht sich

die Zeitschrift als Publikationsorgan für

jüngere Forschende.

Cette revue bilingue

se définit comme un forum pour les

historiennes et historiens suisses et

s’efforce de dépasser les frontières

nationales et entre les disciplines.

Traverse est non seulement une revue

d’histoire mais aussi un organe qui

offre à tout public intéressé une entrée

dans la recherche historique récente et

apporte sa contribution à des débats de

société. La revue favorise en particulier

la publication de jeunes chercheuses et

chercheurs.

Sozialer Frieden – transnational

Les chantiers transnationaux

de la paix sociale

Inhalt / Table des matières

• Porträt / Portrait: N.-L. Perret: L’Institut suisse de

Rome. Un outil unique de diplomatie culturelle et

scientifique

• Schwerpunkt / Dossier thématique: J. Droux,

G. Hürli mann, M. Leimgruber: Les chantiers transnationaux

de la paix sociale / Sozialer Frieden – transnational.

O. Hidalgo-Weber: Les Britanniques et la

Convention de l’Organisation internationale du travail

sur la journée de huit heures (1919–1932). E. Siegenthaler:

Frauen- und Kinderhandel als sozialpolitisches

Thema? Antworten aus dem Völkerbund und die

Rezeption in der Schweiz. E. Plosceanu: L’enjeu

transnational dans la construction d’un chantier

réformateur local: la Fondation Rockefeller en Roumanie

(1920–1940). C. A. Pernet: Die Grenzen der

global governance. Der soziale Friede und das Thema

Alkoholismus in Völkerbund und Internationaler

Arbeitsorganisation

• J. Droux, E. Gobet, B. Haenggeli-Jenni, R. Hofstetter,

F. Mole: L’Institut Rousseau: les archives du siècle de

l’enfant • D. Tosato-Rigo: A la mémoire de François de

Capitani (1950–2012)

• Der Artikel / L'article: M. Bachem: Dealing with

Human Capital in Space. Computergestützte Tests in

der Berufsberatung der Schweiz

• Dokument / Document: B. Forclaz: Un monde de

papier: le Mémoire d’un Neuchâtelois du XVIIe siècle

• Debatte / Débat: A. Heiniger: Quo vadis? Nouvelles

perspectives pour l'histoire suisse

Energie

Énergie

Energie ist eine der wichtigsten

Ressourcen der Gegenwart. Die Beiträge

zeichnen den ungestillten Energiehunger

während des Wirtschaftsbooms nach dem

Zweiten Weltkrieg nach und gehen auch

den Wurzeln des heutigen Energieregimes

im 19. Jahrhundert nach. Thematisiert

werden die wichtigsten Triebkräfte der

Innovationen in der Wasserkraft, die Entwicklungslinien

der Energieverwendung

und des Energieverbrauchs im Verkehr

und in der Landwirtschaft sowie die Auswirkungen

eines mehrtägigen Stromausfalls

auf die Gesellschaft.

L’énergie est une des plus importantes

ressources de notre époque. Les contributions

traitent des besoins énergétiques

inassouvis durant le boom économique

après la Seconde Guerre mondiale et

plongent également aux racines de

l’actuel système énergétique au 19e siècle.

Les thèmes abordent les plus importantes

sources d’innovations dans l’énergie

hydraulique, les grandes lignes du développement

de l’usage et de la consommation

d’énergie dans les transports et

l’agriculture, ainsi que les répercussions

d’un black-out de plusieurs jours sur la

société.

Einzelheft CHF 28 / EUR 24

Jahresabonnement CHF 75 / EUR 60

Abo für Studierende CHF 54

(nur in der Schweiz)

ISSN 1420-4355

Juli 2013

ISBN

Br. ca.

978-3-905315-59-2

200 S., ca. 15 Abb. sw. CHF 28 / EUR 24

Traverse 2013/2

ISBN 978-3-905315-59-2

Oktober 2013

ISBN

Br. ca.

978-3-905315-60-8

200 S., ca. 10 Abb. sw. CHF 28 / EUR 24

Traverse 2013/3

ISBN 978-3-905315-60-8

9 783905

315592

9 783905

315608

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20.02.13 08:56

Danuser UG Druck.indd 1 04.03.13 15:28

+++ soeben erschienen +++

erwendung von Geld, zeigt es sich,

symbolisch Geld eingesetzt wird und

ei das Kulturelle und das Ökonomische

r Mittel zum Konsum. Individuelle

ide werden mit kulturellen Strategien

tiken werden durch ökonomische

arsamkeit zugeordnet? Wann wird ein

lche Rolle spielt der Genusskonsum im

mit Geld die Vorstellung von Paarist

es angenehmer, sich einladen zu

er selber? Wie wird der Umgang mit

oder tabuisiert?

nen aus der schweizerischen Mittelg

mit Geld lassen sich Muster von

ien herausarbeiten, aber auch auf

rte sowie symbolische Gehalte von

xten identifizieren. So entsteht ein

enschen im Alltag die ökonomischen

rell gestalten und letztlich, wie

uch gleichzeitig kulturell spezifisches

SKULtUR

gartner

Gisela Unterweger

Der Umgang mit Geld als kulturelle Praxis

Gisela Unterweger

Der Umgang mit Geld

als kulturelle Praxis

Eine qualitative Untersuchung

in der gesellschaftlichen Mitte

Was ist Arbeit? Ein notwendiges Übel, eine den Menschen erst

zum Menschen machende Notwendigkeit, ein Mittel sich selbst

zu verwirklichen, eine notwendige Struktur, die den Menschen

gesund hält, ja sogar therapiert oder bloss eine unter vielen

Möglichkeiten, mit dem Leben etwas anzufangen? Arbeit

wurde schon immer mehrdeutig gefasst.

Zwölf Autoren aus dem französischen und deutschen Kulturkreis

diskutieren, was Arbeit ist und war. Die Beiträge aus

Philosophie, Recht, Sozialwissenschaften, aber auch Kunstwissenschaften

kreisen um vier wesentliche Spannungen des

Begriffs Arbeit: die Arbeit der Frau, die Sichtbarkeit oder Sichtbarmachung

der Arbeit, das Verhältnis von Arbeit zu anderen

menschlichen Tätigkeiten, der Sinn und das Erleben der Arbeit

mit dem allgegenwärtigen Stress, mit dem die heutige Arbeit

verknüpft wird.

Qu’est­ce que le travail? Un mal nécessaire, une nécessité pour

faire des hommes des êtres humains, un moyen de se réaliser,

une structure nécessaire qui maintient les êtres humains en

santé, voire même les soigne, ou simplement une possibilité

parmi d’autres de faire quelque chose de sa vie? Le terme de

travail comprend un large éventail de significations.

Douze auteurs de culture française et allemande discutent de

ce qu’est le travail et de ce qu’il était. Les contributions issues

de la philosophie, du droit, des sciences sociales, mais aussi

des arts s’articulent autour de quatre dimensions essentielles

du concept de travail: le travail des femmes, la visibilité ou la

mise en évidence du travail, le lien entre le travail et les autres

activités humaines, la recherche de sens et le vécu du travail

avec le stress quotidien qui est aujourd’hui étroitement lié au

travail.

Die Arbeit: eine Re-Vision • Le travail: une re-vision B. Danuser, V. Gonik (Hg./éd.)

Die Arbeit: eine Re-Vision

Le travail: une re-vision

Brigitta Danuser,

Viviane Gonik (Hg./éd.)

ISBN 978-3-0340-1092-4

9 783034 010924

Gisela Unterweger

Der Umgang mit Geld als

kulturelle Praxis

Eine qualitative Untersuchung in der

gesellschaftlichen Mitte

Geld ist nicht nur Mittel zum Konsum.

Individuelle ökonomische Handlungsentscheide

werden mit kulturellen

Strategien angegangen und kulturelle

Praktiken werden durch ökonomische

Bedingungen geprägt.

Welcher Stellenwert wird der Sparsamkeit

zugeordnet? Wann wird ein Lohn

als gerecht betrachtet? Welche Rolle

spielt der Genusskonsum im Alltag?

Wie bringt der Umgang mit Geld die

Vorstellung von Paarbeziehung zum

Ausdruck? Wann ist es angenehmer, sich

einladen zu lassen, und wann zahlt man

lieber selber? Wie wird der Umgang mit

Geld in der Familie organisiert – oder

tabuisiert?

Anhand von Interviews mit Personen aus

der schweizerischen Mittelschicht zum

alltäglichen Umgang mit Geld lassen sich

Muster von kulturellen Praktiken und

Strategien herausarbeiten, aber auch auf

Geld bezogene Normen und Werte sowie

symbolische Gehalte von Geld in unterschiedlichen

Kontexten identifizieren.

Brigitta Danuser, Viviane Gonik (Hg.)

Die Arbeit: eine Re-Vision

Le travail: une re-vision

Was ist Arbeit? Ein notwendiges Übel,

eine den Menschen erst zum Menschen

machende Notwendigkeit, ein Mittel,

sich selbst zu verwirklichen, eine

notwendige Struktur, die den Menschen

gesund hält, ja sogar therapiert oder

bloss eine unter vielen Möglichkeiten,

mit dem Leben etwas anzufangen? Arbeit

wurde schon immer mehrdeutig gefasst.

Zwölf Autoren aus dem französischen

und deutschen Kulturkreis diskutieren,

was Arbeit ist und war. Die Beiträge aus

Philosophie, Recht, Sozialwissenschaften,

aber auch Kunstwissenschaften

kreisen um vier wesentliche Spannungen

des Begriffs Arbeit: die Arbeit der Frau,

die Sichtbarkeit oder Sichtbarmachung

der Arbeit, das Verhältnis von Arbeit zu

anderen menschlichen Tätigkeiten, der

Sinn und das Erleben der Arbeit mit

dem allgegenwärtigen Stress, mit dem

die heutige Arbeit verknüpft wird.

Gregor Spuhler (Hg.)

Anstaltsfeind und Judenfreund

Carl Albert Looslis Einsatz für die Würde

des Menschen

Der Berner Schriftsteller und Publizist

Carl Albert Loosli (1877–1959) hinterliess

ein vielschichtiges Werk vom

Mundartgedicht bis zum politischen

Pamphlet.

Das Buch versammelt Beiträge, die

sich mit den Motiven, Strategien und

Wirkungen von Looslis gesellschaftspolitischem

Wirken auseinandersetzen.

Dabei lässt sich der Kampf des ehemaligen

Heimzöglings gegen das Anstaltswesen

mit seiner biografischen Prägung

erklären. Dass der Nonkonformist aber

in einer Zeit, in der viele schweigen,

seine Stimme gegen den Antisemitismus

erhebt und sich, wenn auch in umstrittener

Weise, für die Juden einsetzt, ist

Folge eines Lernprozesses. So geht es bei

Looslis Engagement, dessen Erfolge von

den Autorinnen und Autoren kritisch

begutachtet werden, nicht nur um die

Aufarbeitung persönlich erlittenen

Unrechts, sondern um ein allgemeines

Prinzip – um die Würde des Menschen.

Zürcher Beiträge zur Alltagskultur,

herausgegeben von Thomas

Hengartner, Band 20

2013. 341 S. Br. CHF 48 / EUR 39.50

ISBN 978-3-0340-1145-7

ISBN 978-3-0340-1145-7

2013. 275 S., 9 Abb. Br.

CHF 44 / EUR 36

ISBN 978-3-0340-1092-4

ISBN 978-3-0340-1092-4

Veröffentlichungen des Archivs für

Zeitgeschichte der ETH Zürich, Band 8

2013. 138 S., 6 Abb. Geb.

CHF 34 / EUR 27.50

ISBN 978-3-0340-1129-7

ISBN 978-3-0340-1129-7

9

783034

011457

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9

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28


ISBN 978-3-0340-1109-9

29.04.13 17:09

Gruntz-Stoll UG Druck.indd 1 18.03.13 11:52

+++ soeben erschienen +++

u

i

I. Tomkowiak, U. Dettmar,

G. von Glasenapp, C. Roeder (Hg.)

An allen Fronten

«Geschichten mit Behinderung»: Was ist damit gemeint?

Ingrid Tomkowiak, Ute sind Dettmar, das Geschichten, in denen wenig glückt und viel

Gabriele von Glasenapp, schief Caroline geht? namhafte Roeder (Hg.) schweizer autorinnen und autoren

wurden um erzählungen rund um das thema Behinderung

An allen Fronten angefragt. entstanden ist die Geschichtensammlung «alles

wie immer?».

Kriege und politische Konflikte in texten von hoher literarischer Qualität setzen sich die

in Kinder- und Jugendmedien 24 autorinnen und autoren mit dem thema Behinderung

auseinander und machen individuelle lebensum stände

und einmalige erfahrungen in der Fiktion erlebbar. erzählstrategien

mögen sich generationsbedingt verlagern, auch

Begrifflichkeiten ändern sich, aber der umgang mit dem

Behindertsein und Behindertwerden hat einen eindrücklichen

Platz in der literatur, die damit, oft ohne besondere

absicht, ein differenziertes Verständnis und vielschichtige

Wahrnehmungsweisen fördert.

Die Prosatexte sind mehrheitlich eigens für dieses

lese buch geschrieben worden. im nachwort stellen die

herausgeber das anliegen des Buches in einen grösseren

gesellschaftlichen Kontext und erörtern Fragen und Gedanken

im zusammenhang mit Vorstellungen und erfahrungen

von Menschen mit Behinderung.

Mit texten von

Jürg acklin, Gabrielle alioth, erica Brühlmann-Jecklin,

theo Candinas, Monica Cantieni, urs Faes, Catalin Dorian

Florescu, eleonore Frey, Christian haller, Franz hohler,

arthur honegger, Bernhard Jundt, Christoph Keller,

e rwin Koch, tim Krohn, Charles lewinsky, Klaus Merz,

Milena Moser, adrian naef, Maja Peter, ralf schlatter,

a ngelika Waldis, heinrich Wiesner, Verena Wyss

alles wie immer? J. Gruntz-stoll, Ch. Mürner (hg.)

Johannes Gruntz-stoll und Christian Mürner (hg.)

alles wie immer?

Geschichten mit Behinderung

9 783034 011099

Ingrid Tomkowiak, Ute Dettmar,

Gabriele von Glasenapp, Caroline Roeder (Hg.)

An allen Fronten

Kriege und politische Konflikte in Kinderund

Jugendmedien

Johannes Gruntz-Stoll, Christian Mürner (Hg.)

Alles wie immer?

Geschichten mit Behinderung

Brigitta Bernet

Schizophrenie

Entstehung und Entwicklung eines

psychiatrischen Krankheitsbilds um 1900

Kriege und politisch-soziale Konflikte mit

ihren Bedrohungs- und Krisenszenarien,

vom Terrorismus bis zu sozialen Verwerfungen

und Umweltkatastrophen, werden

in kinder- und jugendliterarischen

Werken seit dem 18. Jahrhundert immer

wieder behandelt.

Dabei finden sich kritische Tendenzen lediglich

in einem Teil der Texte, vor allem

aus jüngerer Zeit. Weitaus häufiger waren

und sind Kriegsdarstellungen geprägt von

der Faszination – und der Überzeugung,

an einem gerechten und daher gerechtfertigten

Krieg mitzuwirken. Kinder- und

jugendliterarische Werke zeigen kindliche

und jugendliche Akteure, deren aktive

Teilnahme am Krieg selbstverständlich

erscheint. Die Beiträge gehen den unterschiedlichen

Narrationen von Kriegen

und politischen Konflikten innerhalb der

älteren wie neueren Kinder- und Jugendliteratur

nach. Neben der Auseinandersetzung

mit den entsprechenden literarischen

Texten und Illustrationen stehen

Untersuchungen zu Film- und Fernsehformaten

sowie Computerspielen.

Namhafte Schweizer Autorinnen und

Autoren wurden um Erzählungen rund

um das Thema Behinderung angefragt.

Entstanden ist die Geschichtensammlung

«Alles wie immer?». In Texten von hoher

literarischer Qualität setzen sich die

24 Autorinnen und Autoren mit dem

Thema Behinderung auseinander und

machen individuelle Lebensumstände

und einmalige Erfahrungen in der

Fik tion erlebbar. Die Prosatexte sind

mehr heit lich eigens für dieses Lesebuch

geschrieben worden. Im Nachwort stellen

die Heraus geber das Anliegen des Buches

in einen grösseren gesellschaftlichen

Kon text und erörtern Fragen und Gedan

ken im Zusammenhang mit Vorstellungen

und Erfahrungen von Menschen

mit Behinderung.

Mit Texten von Jürg Acklin, Gabrielle

Alioth, Erica Brühlmann-Jecklin, Theo

Candinas, Monica Cantieni, Urs Faes,

Catalin Dorian Florescu, Eleonore Frey,

Christian Haller, Franz Hohler, Arthur

Honegger, Bernhard Jundt, Christoph

Keller, Erwin Koch, Tim Krohn, Charles

Lewinsky, Klaus Merz, Milena Moser,

Adrian Naef, Maja Peter, Ralf Schlatter,

Angelika Waldis, Heinrich Wiesner,

Verena Wyss.

Das Krankheitsbild «Schizophrenie»,

1908 vom Schweizer Irrenarzt Eugen

Bleuler geprägt, gehört heute zu den

erfolgreichsten Konzepten der Psychiatrie.

Auch als Metapher findet der Begriff

breite Verwendung. Warum aber war die

Entwicklung dieser Diagnose um 1900

nötig geworden? Wie kam es zu ihrem

Erfolg? Und was verrät uns das Krankheitsbild

über die Zeit seiner Ausformulierung?

Dieses Buch zeichnet Problemlagen und

Erfahrungsräume nach, die das Entstehen

des Schizophreniekonzepts ermöglicht

haben: die Krise der Anstaltspsychiatrie

im Fin de Siècle, das Auftauchen

neuartiger psychischer Symptome, der

psychodynamische Therapieansatz der

«Zürcher Schule» und die Resonanzeffekte,

welche die «schizophrene Assoziationsstörung»

zur Krise des politischen

Liberalismus in der Schweiz unterhielt.

Die Studie macht anschaulich, wie sozialer

Wandel und der Wandel von Krankheitsvorstellungen

ineinandergreifen. Als

Beitrag zu einer integralen Geschichte

der Psychiatrie, die ihren Gegenstand an

die Sozial- und Kulturgeschichte zurückbindet,

eröffnet das Buch unerwartete

Perspektiven auf das Verhältnis von

Wahnsinn und Gesellschaft.

2013. 408 S., 60 Abb. Br.

CHF 48 / EUR 39.50

ISBN 978-3-0340-1161-7

ISBN 978-3-0340-1161-7

2013. 175 S. Br.

CHF 32 / EUR 26

ISBN 978-3-0340-1109-9

ISBN 978-3-0340-1109-9

2013. 390 S., 53 Abb. Br.

CHF 48 / EUR 39.50

ISBN 978-3-0340-1111-2

ISBN 978-3-0340-1111-2

9 783034

011617

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011099

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29


ISBN 978-3-0340-1023-8

ISBN 978-3-0340-1086-3

9 783034 010863

1023 Chabr UG Druck.indd 1 21.02.13 09:18

Zschokke UG.indd 1 07.03.13 08:18

+++ soeben erschienen +++

Interesse im Jubiläumsx

Frischs noch der Entngenommene,

textnahe

. Ausgehend von der öfnd

Dramatiker in seinen

Medientheoretiker und

hschreiber Max Frisch

iträge Wege zum Text,

gen gehabt haben wird,

er Festakts erschöpfend

richtig erscheint die Lek-

Einsicht der thematisch

n Analysen, als Garantin

x Frisch dem Gewesen-

Daniel Müller Nielaba,

Yves Schumacher,

Christoph Steier (Hg.)

«Man will werden,

nicht gewesen sein»

«Kurz nach Mittag aber

lag der See noch

glatt und friedlich da»

Boten standen in den letzten Jahrzehnten immer wieder

im Zentrum unterschiedlicher Forschungsarbeiten. Dabei

faszinierte unter anderem, dass in der Botenkommunikation

generell eine Eigenheit vormoderner Medien zutage

Neue Studien zu

Meinrad Inglin

tritt, nämlich eine ausgeprägte Teilhabe an Abwesendem.

Literarische Texte wie der Parzival Wolframs von

Eschenbach (um 1200) integrieren diese Eigenschaft der

Botenkommunikation in imaginäre Welten und spielen

sie auf der Ebene des Dargestellten wie der Darstellung

durch: Der Parzival weist in seiner Erzählwelt nicht nur

überdurchschnittlich viele, variantenreiche und komplexe

Botenszenen auf, es zeigt sich an diesem Text auch eine

ausgeprägte Reflexion des Erzählens selbst. Die Studie

Herausgegeben von

verfolgt mit einer Analyse der Botenkommunikation das

Christian von Zimmermann

Ziel, einerseits Einsichten in mediale Erscheinungen

und Daniel Annen

der Vormoderne zu gewinnen, andererseits wesentliche

Erkenntnisse über die Bedeutungskonstitution und Poetik

des Parzival zu liefern.

Botenkommunikation

Sabine Chabr

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der aus Magdeburg

gebürtige, seit 1796 in der Schweiz lebende Heinrich

Zschokke (1771–1848) einer der meistgelesenen Autoren

deutscher Sprache. Darüber hinaus setzte er sich als Publizist,

Politiker und Pädagoge und für die Konsolidierung des 1803

Botenkommunikation

gegründeten Kantons Aargau ein und versuchte als Verfasser

metonymisches einer über Erzählen

Jahrzehnte hinweg populären Schweizergeschichte

dem noch im Umbruch befindlichen Land zu einem auf liberalen

Grundsätzen beruhenden Nationalgefühl zu verhelfen.

Der Parzival Wolframs Zu Beginn von Eschenbach

der 1820er Jahre verfasste er mit derselben Absicht

einige historische Romane und Erzählungen. Der Freihof von

Aarau (1822/24) handelt zur Zeit des Alten Zürichkriegs (1444),

als die noch ungefestigte Eidgenossenschaft an inneren Konflikten

zu zerbrechen drohte. Nicht weniger wichtig als historische

Information war Zschokke erzählerische Spannung, die

gelegentlich Muster der Abenteuergeschichte und des Schauerromans

aufgreift, um eine nicht primär wissenschaftlich interessierte

Leserschaft zu fesseln.

Der Freihof von Aarau Heinrich Zschokke

Heinrich Zschokke

Der Freihof von Aarau

Sabine Chabr

chT

Schweizer Texte, Neue Folge, Band 35

Herausgegeben von Corinna Jäger­Trees, Dominik Müller,

Roman

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Rémy Charbon

Hellmut Thomke, Peter Utz, Christian von Zimmermann

9 783034 010238

Christian von Zimmermann,

Daniel Annen (Hg.)

«Kurz nach Mittag aber lag der

See noch glatt und friedlich da»

Neue Studien zu Meinrad Inglin

Der Schwyzer Schriftsteller Meinrad Inglin

zählt neben Walser, Frisch, Dürrenmatt

und Lötscher zu den bedeutendsten

Schweizer Prosaisten des 20. Jahrhunderts.

Sein panoramatischer Familienroman

«Schweizerspiegel» gilt als eine

herausfordernde und herausragende

literarische Leistung zur Bewältigung

der Krisen des liberalen Staatsmodells;

viele Texte zeigen ein psychologisches

Gespür für die inneren Entwicklungen

der Figuren. Nach wie vor beeindruckt

sein Erzählwerk mit komplexen Bezügen

zu den Diskursen über Heimat, Natur,

Menschennatur, zu Religion und staatsbürgerlicher

Vernunft.

Inglin hätte längst zu einem zentralen

Gegenstand der Schweizer Germanistik

werden müssen. Dennoch ist die

Aufmerksamkeit für sein Werk in Schule

und Universität auch in der Schweiz

eher begrenzt geblieben, und eine

kontinuierliche Inglinforschung existiert

bislang nicht. In den fünfzehn Studien

erkunden Germanistinnen und Germanisten

aus dem In- und Ausland Meinrad

Inglins Werk – auch um neue Aufmerksamkeit

auf eine der wichtigsten Gestalten

der Schweizer Literaturgeschichte

des 20. Jahrhunderts zu lenken.

Sabine Chabr

Botenkommunikation und

metonymisches Erzählen

Der Parzival Wolframs von Eschenbach

Boten standen in den letzten Jahrzehnten

immer wieder im Zentrum

unterschiedlicher Forschungsarbeiten.

Dabei faszinierte unter anderem, dass in

der Botenkommunikation generell eine

Eigenheit vormoderner Medien zutage

tritt, nämlich eine ausgeprägte Teilhabe

an Abwesendem. Literarische Texte wie

der Parzival Wolframs von Eschenbach

(um 1200) integrieren diese Eigenschaft

der Botenkommunikation in imaginäre

Welten und spielen sie auf der Ebene des

Dargestellten wie der Darstellung durch:

Der Parzival weist in seiner Erzählwelt

nicht nur überdurchschnittlich viele,

variantenreiche und komplexe Botenszenen

auf, es zeigt sich an diesem Text

auch eine ausgeprägte Reflexion des

Erzählens selbst. Die Studie verfolgt

mit einer Analyse der Botenkommunikation

das Ziel, einerseits Einsichten in

mediale Erscheinungen der Vormoderne

zu gewinnen, andererseits wesentliche

Erkenntnisse über die Bedeutungskonstitution

und Poetik des Parzival zu liefern.

Heinrich Zschokke

Der Freihof von Aarau

Roman

Herausgegeben und mit einem Nachwort

von Rémy Charbon

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

war der aus Magdeburg gebürtige, seit

1796 in der Schweiz lebende Heinrich

Zschokke (1771–1848) einer der

meistgelesenen Autoren deutscher Sprache.

Darüber hinaus setzte er sich als

Publizist, Politiker und Pädagoge für die

Konsolidierung des 1803 gegründeten

Kantons Aargau ein und versuchte als

Verfasser einer über Jahrzehnte hinweg

populären «Schweizergeschichte» dem

noch im Umbruch befindlichen Land

zu einem auf liberalen Grundsätzen

beruhenden Nationalgefühl zu verhelfen.

Zu Beginn der 1820er Jahre verfasste

er mit derselben Absicht einige historische

Romane und Erzählungen. «Der

Freihof von Aarau» (1822/24) handelt

zur Zeit des Alten Zürichkriegs (1444),

als die noch ungefestigte Eidgenossenschaft

an inneren Konflikten zu zerbrechen

drohte. Nicht weniger wichtig als

historische Information war Zschokke

erzählerische Spannung, die gelegentlich

Muster der Abenteuergeschichte und des

Schauerromans aufgreift, um eine nicht

primär wissenschaftlich interessierte

Leserschaft zu fesseln.

2013. ca. 272 S., ca. 24 Abb. Geb.

ca. CHF 48 / ca. EUR 39.50

ISBN 978-3-0340-1166-2

ISBN 978-3-0340-1166-2

Medienwandel – Medienwechsel –

Medienwissen, Band 23

2013. 280 S. Br. CHF 38 / EUR 31

ISBN 978-3-0340-1023-8

ISBN 978-3-0340-1023-8

Schweizer Texte, Neue Folge, Band 35

2013. 360 S., 4 Abb. Geb.

CHF 48 / EUR 39.50

ISBN 978-3-0340-1086-3

ISBN 978-3-0340-1086-3

9

783034

011662

9

783034

010238

9

783034

010863

30


ISBN 978-3-0340-0967-6

9 783034 009676

Schutzumschlag Druck.indd 1 08.04.13 09:18

Jazzgespräche UG am Stück Druck.indd 1 19.04.13 11:25

08.04.10 10:03

+++ soeben erschienen +++

Falsches Spiel Martin Forter

Die mit 320 farbigen Abbildungen

reich illustrierte Kulturgeschichte

des Zürcher Brotes baut auf dem

Archiv der Zunft zum Weggen

auf, das für diese Publikation

erstmals in der ganzen Fülle ausgewertet

wurde.

Martin Forter

Falsches

Spiel

Die Umweltsünden

der Basler Chemie

vor und nach

«Schweizerhalle»

Am Beispiel der Stadt Zürich wird in dem Buch die Geschichte von Mehl und Brot

während der Zunftherrschaft von 1336 bis 1798 nachgezeichnet. Vom Todeskandidaten,

der am Rennweg das letzte Stück Brot als Henkersmahlzeit erhielt, bis zur Armenspeisung

zeigt das Buch in verschiedenen Facetten auf, wie Mehl und Brot, Macht und

Geld zusammenhingen. Die Biografie eines schillernden Bäckers, der bis zum Zunftmeister

aufstieg, führt die Leserinnen und Leser zunächst in eine Gesellschaftsordnung

zurück, die sich von der heutigen gänzlich unterscheidet. Die Zunft der Müller und

Bäcker wird mit ihrer politischen Positionierung und Einflussnahme im damaligen

Stadtgefüge porträtiert. Zudem erhält man Einblick in den von ökonomischen Zwängen

geprägten Gewerbealltag und die Grundversorgung der Stadt mit Getreide und Brot,

bisher noch wenig bekannte Aspekte der Zürcher Stadtgeschichte vor 1798. Mühlen,

Bäckereien und Kornspeicher prägten das damalige Stadtbild wesentlich.

Das Buch schliesst mit dem Übergang des Bäcker- und Müllergewerbes in die Moderne.

Markus

BrühlMeier

Mehl und Brot, Macht und Geld im Alten Zürich

Markus BrühlMeier

Mehl und Brot,

Macht und Geld

im Alten Zürich

Wie steht es um das Jazzschaffen in der Schweiz? Darüber disku ti e ­

ren seit einigen Jahren Musiker und Zum Journalisten, Autor Kultur ma na ger,

Politiker und Wissenschaftler an den Schaffhauser Markus Brühlmeier Jazzgesprä chen.

Diese finden im Rahmen des Schaffhauser geb. 1960, Jazzfestivals studierte Geschichte statt, und an

dem seit über zwanzig Jahren in der Kunstgeschichte Schweiz aktive an der Jazzmusiker

Universität

und ­musikerinnen zu hören sind. Zürich. Seit zwanzig Jahren ist er

Die Edition 04 dieser Gespräche fasst die als freischaffender Referate und Historiker Diskussio tätig nen

von 2010 bis 2012 zusammen, die den und hat Rahmenbedingungen mehrere Publikationen des zur

aktu ellen Jazzschaffens gewidmet waren. Zürcher Bedingungen, Geschichte verfasst, die – ana log

der sozioökonomischen Realität – zunehmend darunter den schwieriger, ersten Teil des ja Werks härter

werden. Weshalb sonst wecken

über

Helvetiens

«Das Zürcher

Jazzerinnen

Zunftwesen»

und

Jazzer, die ein globales Echo hervorrufen

(1336–1798).

wie kaum

Zudem

je zuvor,

realisierte

gerade

im Inland derart geringes mediales Interesse? Wo bleibt die Kulturförderung,

wenn es um Jazz geht? Weshalb nehmen immer

er verschiedene Ausstellungen zu

kulturgeschichtlichen Themen.

mehr Jazzer das «Business» in die eigene Hand, sind sich selbst die

besten Manager oder lancieren gar ihr eigenes Label? Und wie

klingt er überhaupt, der Jazz des 21. Jahrhunderts?

Schaffhauser Jazzgespräche Edition 04

Schaffhauser

Jazzgespräche

Edition 04

Alain Berset, Pirmin Bossart, Peter Bürli, Christian Eggenberger,

Hans-Jürg Fehr, Andreas Fleck, Thomas Gartmann, Barbara

Gysi, Harald Haerter, Andri Hardmeier, Roland E. Hofer, Bernd

Hoffmann, Wolfram Knauer, Judith Kobus, Tanja Kummer,

Stefan Künzli, Christoph Merki, Lucas Niggli, Manfred Papst,

Daniel Rohr, Karin Salm, Mats Spillmann, Peter Spring, Mirko

Vaiz, Nils Wogram

Frank von Niederhäusern und Urs Röllin (Hrsg.)

ISBN 978-3-0340-1139-6

9 783034 011396

Martin Forter

Falsches Spiel

Die Umweltsünden der Basler Chemie vor

und nach «Schweizerhalle»

Markus Brühlmeier

Mehl und Brot, Macht und Geld

im Alten Zürich

Zur Kulturgeschichte des Brotes

Frank von Niederhäusern, Urs Röllin (Hg.)

Schaffhauser Jazzgespräche

Edition 04

«Ein eindrucksvolles, detailreiches

Buch.» Saldo

«Der Autor verurteilt zu Recht, dass die

Unternehmen immer erst auf Druck der

Öffentlichkeit und durch Beweise von

Umweltorganisationen die tatsächliche

Schadstoffbelastung ausweisen, aber

auch dies immer nur so weit wie nötig.»

Portal für Politikwissenschaft

«Ein faktenreiches, kompetentes und engagiertes

Buch, zum Kauf und Studium

wärmstens empfohlen.»

Soziale Medizin

«Forters Buch arbeitet detailliert auf, wie

die Basler Industrie es schafft, immer

nur ein Minimum zu unternehmen,

damit sie den öffentlichen Druck besänftigen

kann, um in Zukunft nicht das zu

tun, was sie tun müsste, verbunden mit

erheblichen Sanierungskosten.» input,

UNiA

Am Beispiel der Stadt Zürich wird in

dem Buch die Geschichte von Mehl und

Brot während der Zunftherrschaft von

1336 bis 1798 nachgezeichnet. Vom

Todeskandidaten, der am Rennweg das

letzte Stück Brot als Henkersmahlzeit

erhielt, bis zur Armenspeisung zeigt das

Buch in verschiedenen Facetten auf, wie

Mehl und Brot, Macht und Geld zusammenhingen.

Die Biografie eines schillernden

Bäckers, der bis zum Zunftmeister

aufstieg, führt die Leserinnen und

Leser zunächst in eine Gesellschaftsordnung

zurück, die sich von der heutigen

gänzlich unterscheidet. Die Zunft der

Müller und Bäcker wird mit ihrer politischen

Positionierung und Einflussnahme

im damaligen Stadtgefüge porträtiert.

Zudem erhält man Einblick in den von

ökonomischen Zwängen geprägten

Gewerbealltag und die Grundversorgung

der Stadt mit Getreide und Brot, bisher

noch wenig bekannte Aspekte der Zürcher

Stadtgeschichte vor 1798. Mühlen,

Bäckereien und Kornspeicher prägten

das damalige Stadtbild wesentlich.

Das Buch schliesst mit dem Übergang

des Bäcker- und Müllergewerbes in die

Moderne.

Wie steht es um das Jazzschaffen in

der Schweiz? Darüber diskutieren seit

einigen Jahren Musiker und Journalisten,

Kulturmanager, Politiker und Wissenschaftler

an den Schaffhauser Jazzgesprächen.Diese

finden im Rahmen des

Schaffhauser Jazzfestivals statt, an dem

seit über zwanzig Jahren in der Schweiz

aktive Jazzmusiker und -musikerinnen

zu hören sind. Die Edition 04 dieser

Gespräche fasst die Referate und Diskussionen

von 2010 bis 2012 zusammen,

die den Rahmenbedingungen des

aktuellen Jazzschaffens gewidmet waren.

Bedingungen, die – analog der sozioökonomischen

Realität – zunehmend

schwieriger, ja härter werden. Weshalb

sonst wecken Helvetiens Jazzerinnen und

Jazzer, die ein globales Echo hervorrufen

wie kaum je zuvor, gerade im Inland

derart geringes mediales Interesse? Wo

bleibt die Kulturförderung, wenn es um

Jazz geht? Weshalb nehmen immer mehr

Jazzer das «Business» in die eigene Hand,

sind sich selbst die besten Manager oder

lancieren gar ihr eigenes Label? Und wie

klingt er überhaupt, der Jazz des 21.

Jahrhunderts?

2010. 216 S., 27 Abb. Br.

2. Auflage 2013.

CHF 29 / EUR 24

ISBN 978-3-0340-1007-8

ISBN 978-3-0340-1007-8

2013. 400 S., 320 Abb. Geb.

CHF 68 / EUR 55.50

ISBN 978-3-0340-0967-6

ISBN 978-3-0340-0967-6

2013. 136 S., 13 Abb. Br.

CHF 24.80 / EUR 20

ISBN 978-3-0340-1139-6

ISBN 978-3-0340-1139-6

9 783034

010078

9

783034

009676

9 783034

011396

31


+++ 3. Auflage +++

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Jolanda Spirig

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Schürzennäherinnen

Die Fabrikantin und die Kriessner

«Mädchen»

Akris: Das renommierte Schweizer Prêtà-porter-Unternehmen

Akris wurde

1922 in St. Gallen als Schürzenfabrik

gegründet – von Alice Kriemler-Schoch

(1896–1972). Vierzehn Tagebücher

zeugen vom Alltag der engagierten

Fabrikantin, die mitten in der Stadt

Hühner hielt und kurz vor ihrem

63. Geburtstag die Fahrprüfung ablegte.

Sie erweiterte das Unternehmen

zur Kleiderfabrik, lotste es durch

die Weltwirtschaftskrise und den

Zweiten Weltkrieg – und verteidigte

ihre Schürzenproduktion, bis das

Schürzentragen aus der Mode kam.

Die Näherinnen: Zwischen 1946

und 1966 betrieb Akris eine kleine

Schürzennäherei in Kriessern. Wie lebten

diese Näherinnen? Wie wuchsen sie auf

in der ersten Hälfte des zwanzigsten

Jahrhunderts, als das Stadt-Land-Gefälle

riesig und die Bildungschancen für

Mädchen gering waren? Die Porträts der

neun Rheintalerinnen geben Einblick

in eine längst vergangene Welt, geprägt

durch Kinderarbeit, Marienlieder, Armut

und Autoritätsgläubigkeit.

2012. 192 S., 124 Abb. 3. Auflage 2013

Geb. CHF 32 / EUR 26

ISBN 978-3-0340-1143-3

ISBN 978-3-0340-1143-3

9 783034

011433

«Spricht man heute von Akris, denkt

man an Glamour, an Michelle Obama,

gehüllt in feinste Seide, und unverwechselbaren

Purismus. Doch die Anfänge

waren ärmlich, und es ist kaum vorstellbar,

wie einst blutjunge Landmädchen

in einer kalten Stube […] an ihren

Maschinen hockten und Schürzen für

Akris nähten. Die Autorin Jolanda Spirig

macht diese Zeit im kürzlich erschienenen

Buch ‹Schürzennäherinnen› lebendig

und bringt einem die damaligen

Umstände auf einer persönlichen Ebene

näher.» Tages-Anzeiger

«Jolanda Spirig ist eine brillante Erzählerin.

Sie greift Alltagsgeschichten auf,

Themen, die in Vergessenheit geraten,

verdrängt sind. Sie schlägt eine Brücke

von der Vergangenheit zum Jetzt. Die

Leserschaft lässt sich gerne ein, ihr Buch

zur Hand zu nehmen. […] Unbekannte

Frauen bekommen auf einmal

eine Stimme. Die Autorin zeichnet ein

eindrückliches Bild aus dem Alltag im

20. Jahrhundert.» ostschweizerinnen.ch

«Das Ergebnis: Ein eindrückliches Bild

aus dem bäuerlichen und kleinbürgerlichen

Frauenleben dieser Zeit.»

anzeiger – Das Ostschweizer Wochenmagazin

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Umschlagbild: Patientinnen und

Patienten sowie Ärzte im Hof des

Spitals in Urfa, Anatolien, 1902; aus:

«Doctor, sieh mich an!» (vgl. S. 3)

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Mai 2013

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