In Gedenken an Herbert Wimbauer Eine Redensart ... - Geisteskind
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<strong>In</strong> <strong>Gedenken</strong> <strong>an</strong> <strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong><br />
<strong>Eine</strong> <strong>Redensart</strong> besagt: "Du weißt erst wirklich, was Du hattest,<br />
wenn Du es verloren hast"; wir drei Kiske wussten allerdings<br />
immer sehr wohl, was wir <strong>an</strong> <strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong> hatten. Ich bin<br />
sehr froh darüber, dass mein Bruder, seine Frau und ich<br />
<strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong> über 12 Jahre l<strong>an</strong>g in so vielen wunderbaren<br />
Vorträgen und in voller Kraft erleben durften. Ich selber war 25<br />
Jahre alt, als ich das erste Mal 1993 in Hamburg-Altonar zu<br />
einem Vortrag von ihm ging. Durch Eberhard Schlag – dem<br />
m<strong>an</strong> wirklich nicht genug d<strong>an</strong>kbar sein k<strong>an</strong>n, für das<br />
Möglichmachen dieser Vorträge - war ich zuvor bereits auf<br />
<strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong>s Bücher aufmerksam gemacht worden, die<br />
mich sehr <strong>an</strong>sprachen. Wir haben uns alle d<strong>an</strong>n schnell<br />
<strong>an</strong>gefreundet, was 19 Jahre l<strong>an</strong>g <strong>an</strong>hielt bis zu seinem Tode.<br />
Irgendw<strong>an</strong>n wurden die Vorträge d<strong>an</strong>n in die Rudolf-Steiner-<br />
Buchh<strong>an</strong>dlung für Anthroposophie in der Rothenbaumchaussee<br />
verlegt, wo sie d<strong>an</strong>n die folgenden Jahre stattf<strong>an</strong>den. Nach<br />
jedem seiner Vorträge gingen wir nach Hause mit dem Gefühl<br />
in der Brust, als Menschen gewachsen zu sein. Immer war tiefe<br />
D<strong>an</strong>kbarkeit darüber da, so etwas in unserer fürchterlich<br />
materialistischen Zeit überhaupt hören zu dürfen. Von <strong>Herbert</strong><br />
<strong>Wimbauer</strong> kam nicht der übliche Esoterik-Schmu, um die<br />
Zuhörenden einzulullen. Auch keine intellektuell abgetötete<br />
Pseudo-Geisteswissenschaft, sondern lebendige<br />
herzgetragene Anthroposophie! <strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong> war eine<br />
unerschöpfliche Quelle <strong>an</strong> spiritueller Weisheit. Er konnte<br />
Anthroposophie g<strong>an</strong>z wunderbar mit den Ereignissen unserer<br />
Zeit oder der Geschichte verbinden, womit uns so vieles erhellt<br />
wurde. Die Selbstverständlichkeit, mit der über die großen<br />
spirituellen Angelegenheiten der Welt vorgetragen wurde, war<br />
unglaublich schön und kultivierend. An den passenden Stellen<br />
hatte er d<strong>an</strong>n immer auch einen guten Witz oder eine Anekdote<br />
parat, was alles wieder auflockerte, falls wir mal wieder nicht<br />
mehr mitkamen oder überfordert waren mit der Fülle, die er vor<br />
uns ausbreitete. Seine Anekdoten und ungepl<strong>an</strong>ten
Einflechtungen liebten wir jüngeren Teilnehmer g<strong>an</strong>z<br />
besonders. Er selber entschuldigte sich in der Regel dafür;<br />
auch für seinen Husten oder gleich direkt für sich selbst. Es war<br />
leicht, <strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong> ins Herz zu schließen, denn sein<br />
Wesen war s<strong>an</strong>ft und gutmütig. Sein okkultes Wissen hingegen<br />
war atemberaubend! Kein Mensch k<strong>an</strong>n sich das innerhalb<br />
eines Lebens erarbeiten; das war uns irgendw<strong>an</strong>n klar. Er<br />
musste sich g<strong>an</strong>z viel in sein letztes Leben mitgebracht haben.<br />
Nie hatte m<strong>an</strong> das Gefühl, etwas schon gehört zu haben. Und<br />
selbst wenn Vorheriges <strong>an</strong>geschnitten wurde, kam es<br />
grundsätzlich in völlig neuen Zusammenhängen. Wenn <strong>Herbert</strong><br />
<strong>Wimbauer</strong> sprach, war ein schöner, edler Geist im Raum, der<br />
uns alle ernst, idealistisch und hoffnungsvoll stimmte. M<strong>an</strong><br />
erlebte durch die Gediegenheit und Herzlichkeit, mit der er<br />
Anthroposophie vortrug, die Anwesenheit guter<br />
menschenfreundlicher Wesen, und m<strong>an</strong> war sich g<strong>an</strong>z sicher,<br />
dass alles im Leben einen tiefen Sinn hat. Wir wussten, dass<br />
hier Bedeutungsvolles ablief, dass dies eigentlich viele<br />
Menschen hören sollten, doch viele Freunde um uns her haben<br />
es verschlafen. <strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong> wurde von offizieller<br />
<strong>an</strong>throposophischer Seite leider meistens ignoriert oder sogar<br />
verketzert. Selbst innerhalb seiner eigenen Familie verst<strong>an</strong>d<br />
m<strong>an</strong> ihn nicht mit seinem geistigen Auftrag. Er war durch sein<br />
Streben und Wesen vielfach ein Außenseiter und am Ende<br />
seines Lebens recht einsam. <strong>In</strong> seinen letzten Lebensjahren,<br />
nachdem er seine Vortragstätigkeit eingestellt hatte, setzte ihm<br />
diese Tatsache deutlich mehr zu, als noch in jüngeren Jahren,<br />
in denen er das meiste sogar scheinbar mit Humor trug. <strong>Herbert</strong><br />
<strong>Wimbauer</strong> k<strong>an</strong>nte die Wege des Geistes. Seine Sache war<br />
Rudolf Steiners Wesen und Werk. Alles, was <strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong><br />
war, gab er dem christlichen Impuls der Anthroposophie; und<br />
wir liebten ihn dafür. Er wusste, dass alle christlichen Impulse<br />
fast immer erst verkauft, verraten, unterw<strong>an</strong>dert und vergiftet<br />
werden, bevor sie neues Leben schaffen können. Ebenso sah<br />
er die Geschichte der Anthroposophie als Bewegung, die nach<br />
seiner festen Überzeugung irgendw<strong>an</strong>n, nachdem Sie auf<br />
Erden durch den Tod geg<strong>an</strong>gen ist, in ihrer christlichen<br />
Wahrheit auferstehen wird. <strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong> war äußerst
lebendig und beweglich in seinem Denken und eine<br />
unerschütterliche Liebe und Treue zu Rudolf Steiner erfüllte ihn.<br />
Ja, keiner war so treu, wie <strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong>! Dabei war er<br />
wiederum g<strong>an</strong>z herrlich unorthodox. Er passte so<br />
überhaupt nicht in das Klischee der typischen<br />
Anthroposophenerscheinung von heute. Er tr<strong>an</strong>k Bier, aß gerne<br />
viel und ungesund und ließ sich die Sinnenfreuden nicht<br />
verbieten. Selbst wenn es seiner Gesundheit besser get<strong>an</strong><br />
hätte, konnte er es gar nicht leiden, wenn m<strong>an</strong> ihm erzählen<br />
wollte, was er diesbezüglich tun oder lassen solle. Er wollte ein<br />
freier Mensch sein und keiner Dogmatik folgen. Auch das<br />
machte ihn sympathisch und menschlich. Er hatte gewissen<br />
Anthroposophen auch immer wieder mal in seinen Vorträgen<br />
humorvoll den Kopf gewaschen, was heilsam für uns war, denn<br />
so wurden wir vor vielen Schrägheiten bewahrt. Und wer weiß,<br />
wo wir heute wären, ohne <strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong>? – Als es damals<br />
mit Anf<strong>an</strong>g zw<strong>an</strong>zig bei mir mit Rudolf Steiner losging, war<br />
wenig später auch <strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong> zur Stelle. Kaum war ich<br />
mit dem Steiner-Studium <strong>an</strong>gef<strong>an</strong>gen, gingen von Eberhard<br />
Schlag org<strong>an</strong>isiert die ersten Vorträge in Altona los. Ich n<strong>an</strong>nte<br />
<strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong> bald ''Chef''; er mich drolligerweise auch,<br />
und gleich zu Beginn war da ein gewisses B<strong>an</strong>d zwischen uns.<br />
Ich werde nie vergessen, wie ich mit l<strong>an</strong>gen Haaren und<br />
schwarzer Lederjacke in der Vortragspause in Altona mal auf<br />
dem einen, mal auf dem <strong>an</strong>deren Bein herumst<strong>an</strong>d, und<br />
<strong>Wimbauer</strong> zielstrebig <strong>an</strong> allen vorbei auf mich zu ging und<br />
fragte: "Ich gehe <strong>Eine</strong> rauchen, gehen sie mit?" Ich sagte: "Ich<br />
rauche zwar nicht, komme aber mit." D<strong>an</strong>n st<strong>an</strong>den wir alleine<br />
draußen im Flur und redeten. Ich erzählte ihm, dass ich in einer<br />
netten materialistischen Familie aufgewachsen bin;<br />
liebenswerte gutherzige Menschen, aber ohne Spiritualität oder<br />
Religiosität; dass ich mir mit 14 die Bibel gekauft hatte und<br />
komplett durchlas, aber erst beim neuen Testament f<strong>an</strong>d, was<br />
ich gesucht hatte. Irgendw<strong>an</strong>n wies ich d<strong>an</strong>n auch auf die<br />
Gnostiker, wo ich mich sehr zu Hause fühlte, und <strong>Wimbauer</strong><br />
meinte: "Na d<strong>an</strong>n kennen wir uns ja vielleicht daher!" Denn<br />
zumindest er war sich sicher, dass wir uns von irgendwoher<br />
k<strong>an</strong>nten. Die Arbeit <strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong>s war für uns junge Leute
damals geradezu ein Schutz vor vielen Verirrungen der<br />
offiziellen Anthroposophen, <strong>an</strong> denen Rudolf Steiner<br />
bek<strong>an</strong>ntlich schon zu Lebzeiten verzweifelte. Alles bekam einen<br />
g<strong>an</strong>z <strong>an</strong>deren Schwung und gesunden Ernst. Als sei der Chef<br />
da, um uns kostbare Zeit zu ersparen und uns mit<br />
Meilenstiefeln geistig vor<strong>an</strong> zu helfen. Aber nicht nur Bücher<br />
und Vorträge gab es von ihm! Wir durften ihn auch besuchen in<br />
seiner kleinen Hütte auf Hum<strong>an</strong>opolis, wo er unter echten<br />
Freunden lebte, umgeben von einem Oze<strong>an</strong> <strong>an</strong> Büchern. Dort<br />
gab es d<strong>an</strong>n die herrlichsten Gespräche bis in die Nacht hinein,<br />
und auf dem Heimweg wurde noch l<strong>an</strong>ge darüber gesprochen,<br />
was der Chef wieder Tolles erzählt hatte. Welcher junge<br />
Mensch in unserer Zeit ahnt denn noch, was eine spirituelle<br />
väterliche Erscheinung wie <strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong> einem bedeuten<br />
k<strong>an</strong>n? Die meisten suchen den Geist ja gar nicht mehr, deshalb<br />
ist ihr Leben oft so fürchterlich leer und arm. Ich hatte diesen<br />
M<strong>an</strong>n wirklich lieb. M<strong>an</strong> k<strong>an</strong>n erahnen, wie es den Jugendlichen<br />
damals in Griechenl<strong>an</strong>d um Plato herum erg<strong>an</strong>gen sein muss;<br />
g<strong>an</strong>z zu schweigen von denen, um Rudolf Steiner herum. –<br />
Unsere D<strong>an</strong>kbarkeit hat <strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong> wahrscheinlich<br />
nicht einmal geahnt. Viel zu viel blieb unausgesprochen und<br />
ungefragt, gerade in den letzten Jahren. Drei Wochen vor<br />
seinem Tod haben wir kurz noch telefoniert. Viel kam da<br />
allerdings nicht mehr zust<strong>an</strong>de, denn es ging ihm schon zu<br />
schlecht. Nur einmal noch ging ihm hörbar sein Herz auf.<br />
Nämlich als ich ihm erzählte, dass ich gerade wieder Schelling<br />
las, der sein absoluter Liebling unter den deutschen<br />
idealistischen Denkern gewesen ist. Es ist ein Fluch unseres<br />
irdischen Lebens, dass es ja doch nie reicht mit der Zeit, weil<br />
m<strong>an</strong> immer wieder abgelenkt oder viel zu sehr mit sich selber<br />
beschäftigt ist. <strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong> hätte noch so viel geben<br />
können! Und wusste er wirklich, was er uns war? - Jetzt, wo er<br />
wieder Heim geg<strong>an</strong>gen ist, weiß er es gewiss. Ich bin<br />
überzeugt, hier entst<strong>an</strong>den B<strong>an</strong>de, die in die Zukunft tragen. Es<br />
sind das diese B<strong>an</strong>de von Wahrheit-Suchenden, die die Liebe<br />
zu Gott zusammenführt, welche m<strong>an</strong> im Leben finden muss, um<br />
Christus zu finden. <strong>Herbert</strong> <strong>Wimbauer</strong>s Wirken auf Erden war<br />
wichtig und wertvoll. Ich bin mir sicher, dass ihm Rudolf Steiner
die H<strong>an</strong>d gereicht hat, als er seinen Leib Joh<strong>an</strong>ni 2012 verließ.<br />
Denn wahrlich keiner war so treu gewesen, wie <strong>Herbert</strong><br />
<strong>Wimbauer</strong>! Bei seiner Aussegnung auf Hum<strong>an</strong>opolis hatte ich<br />
g<strong>an</strong>z kurz wieder dieses fasst vergessene altbek<strong>an</strong>nte Gefühl,<br />
als wären wir noch einmal bei einem Vortrag von ihm. Dies<br />
signalisierte mir, dass er <strong>an</strong>wesend war. Ich wünschte mir des<br />
Öfteren schon in den letzten Jahren, es gäbe bald wieder<br />
Vorträge von ihm, aber das ist nun leider endgültig vorbei. Ich<br />
hoffe, dass wir uns eines Tages wieder sehen werden, Chef!<br />
Vielleicht wollen Sie mich ja abholen, wenn ich selber d<strong>an</strong>n<br />
abtrete? -<br />
Alles Licht der Welt,<br />
Chef-<strong>Wimbauer</strong>!<br />
Sie haben es verdient!<br />
<strong>In</strong> Liebe und D<strong>an</strong>kbarkeit,<br />
Ihnen auf immer verbunden!<br />
Ihr Michael Kiske