ETF-Magazin: "Tickende Bombe" (Q2 2013) - Börse Frankfurt

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ETF-Magazin: "Tickende Bombe" (Q2 2013) - Börse Frankfurt

JUNI 2013

H

ierzulande ist die Anlageklasse kaum bekannt,

doch in den USA sind Senior Loans

ähnlich beliebt wie Hochzinsanleihen. Vier

von fünf Unternehmensschuldnern nehmen

mit High Yields und Senior Loans Fremdkapital auf.

Auch institutionellen Anlegern gefallen diese Schuldpapiere.

Kein Wunder, schließlich bieten Senior Loans

Anlegern gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld gewichtige

Vorteile: eine vergleichsweise hohe Verzinsung,

guten Gläubigerschutz und Schutz vor Verlusten

auf Grund steigender Marktzinsen.

Senior oder Leveraged Loans sind Großkredite zwischen

zehn und 50 Milliarden US-Dollar, die von Finanzinstituten

an Unternehmen aus dem Non-Investment-Grade-Bereich

vergeben, dann verbrieft und am

Sekundärmarkt verkauft werden. Weil Senior Loans keine

börsengehandelten Instrumente sind, kann sie nicht

jedermann erwerben. In der Regel werden die Papiere

direkt zwischen Banken und institutionellen Investoren

gehandelt. Im Vergleich zu Aktien und Anleihen sind Senior

Loans deshalb eine relativ illiquide Asset-Klasse. Doch

vor allem in den vergangenen zehn Jahren hat der Markt

an Tiefe gewonnen, und das Markt geschehen verläuft in

geordneten Bahnen. Nach Berechnungen der Credit Suisse

beträgt die Marktgröße derzeit rund 1,3 Billionen Dollar.

Vor 20 Jahren waren es nur 150 Milliarden. Die ING

Senior Loan Group verwaltet derzeit 14 Milliarden Dollar

in Senior Loans.

Im Prinzip existiert der Senior-Loan-Markt erst seit

20 Jahren. Davor wurden in den USA, ähnlich wie in

Deutschland, Kredite an Unternehmen vorwiegend von

Geschäftsbanken ausgereicht, die diese Darlehen als

Investments in ihren Büchern hielten. Ende der 1980er-

Jahre entdeckten die Originatoren vorrangiger Kredite

dann den Verbriefungsmarkt in den USA und begannen,

Teile ihrer Darlehen an institutionelle Investoren

zu verkaufen. Seitdem hat der Senior-Loan-Markt ein

erstaunliches Wachstum erlebt, wertmäßig hat er sogar

den Hochzinsanleihenmarkt eingeholt. Auch der

Sekundärmarkt ist aktiv und etabliert.

Im institutionellen Marktsegment spielen Collateralized

Loan Obligations (CLO) eine gewichtige Rolle.

Allein im März 2013 waren rund zwei Drittel der Mittelzuflüsse

CLOs zuzuschreiben. Diese Instrumente

bündeln ein Senior-Loan-Portfolio und emittieren Anlagetranchen

unterschiedlicher Kreditbonität und Verzinsung,

sodass Investoren ihre Risikobudgets individuell

einsetzen können.

Besser als High Yield. Senior Loans werden oft mit

Hochzinsanleihen verglichen, denn beide stellen für

Unternehmen Fremdkapital dar. Zudem gehen die

Schuldner in beiden Fällen Rückzahlungsverpflichtungen

ein. Damit enden jedoch die Gemeinsamkeiten.

Unternehmensanleihen werden gewöhnlich zu einem

festen Satz verzinst, der über die gesamte Anleihelaufzeit

gleich bleibt. Senior Loans dagegen sind meist variabel

verzinst, ihr Zinssatz wird als Risikoaufschlag

auf einem flexiblen Referenzzins, sehr häufig den Libor

(London Interbank Offer Rate) angegeben. Der Risikoaufschlag,

der Spread, wird in Basispunkten ausgedrückt.

Wählt der Schuldner etwa einen 30-Tages-Libor

von einem Prozent und liegt sein Risikoaufschlag bei

350 Basispunkten, muss er dem Darlehensgeber Zinsen

von insgesamt 4,5 Prozent zahlen.

Bei Senior Loans bleibt der Spread über die gesamte

Laufzeit gleich. Solange die Bonität des Schuldners

erhalten bleibt, führt also jede Libor-Ände-

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