Download Ausgabe 2/ 2013 - Filmverband Sachsen eV

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Download Ausgabe 2/ 2013 - Filmverband Sachsen eV

Auslöser

INFORMATIONSBLATT DES FILMVERBANDES SACHSEN e.V.

2

FILMPOLITIK | FILMFÖRDERUNG | FILMPRODUKTION | FILMLITERATUR | FILMTHEATER | FILMGESCHICHTE

2013

Geburtstagseinladung!


editorial

2

Liebe Mitglieder

und Freunde

des Filmverbandes,

liebe Leser,

Film ist für die meisten

Menschen so etwas wie

die Einstiegsdroge in die

Kultur. Die Wirkung

kann, wenn sie richtig

ans Publikum gebracht

wird, groß sein. Doch sie

verbreitet sich nicht von

allein. Es bedarf vieler

engagierter Helfer, Menschen,

denen der Film

selbst lebenswichtig ist

und die deshalb die

Mühe auf sich nehmen,

ihm immer wieder eine

Bühne zu bereiten. Sie

kümmern sich um die

Förderung von Filmen,

betreiben besondere

Kinos oder gründen Festivals.

Solche Initiativen sind Ausdruck einer lebendigen

Kulturlandschaft aber auch einer funktionierenden

Zivilgesellschaft. So gesehen kann sich Sachsen

glücklich schätzen. Denn es hat viele Menschen,

denen der Film so wichtig ist, dass sie ihn in den vergangenen

Jahren unermüdlich gepflegt und ihm

Feste bereitet haben. Einige dieser Festivals und Institutionen

feiern in diesem Jahr runde Geburtstage. Mit

unserem Thema für dieses Heft möchten wir ihnen

danken und gratulieren.

Künftig wollen wir solche Schwerpunkte in jedem

AUSLÖSER setzten. Auch das ist ein kleines, sichtbares

Zeichen der Entwicklung, die der Filmverband

gerade beginnt wieder zu nehmen. Der (noch) neue

Vorstand ist nun drei Monate im Amt und hat einige

wichtige Projekte angepackt, mit denen wir den Filmverband

für eine herausforderungsreiche Zukunft

aufstellen wollen. Allen voran haben wir die Arbeit an

einer neuen Satzung wieder aufgenommen, die der

vielfältiger gewordenen Mitgliedschaft, ihren unterschiedlichen

Erwartungen an den Verband und den

Erfordernissen einer leistungsfähigen und zukunftsträchtigen

Struktur gerecht werden soll. Wenn sie

soweit gediehen ist, werden wir sie selbstverständlich

allen Mitgliedern zur Diskussion und zur Abstimmung

stellen.

Auch wenn gerade Feierlaune herrscht (siehe oben),

die Frage danach, wo es hingehen soll mit dem Filmland

Sachsen ist für viele Filmschaffende so drängend

wie schon lange nicht mehr. Besonders in Leipzig, wo

viele von ihnen im Umfeld des MDR über Jahre hinweg

leidlich bis gut leben konnten, wächst der Unmut

über unsicherer werdende Lebensverhältnisse. Im

März trafen sich zum zweiten Mal Film- und Fernsehleute

verschiedenster Tätigkeitsbereiche, um ihre Positionen

zu bestimmen. Der Filmverband war natürlich

dabei. Auch darüber wird in diesem Heft berichtet.

Hier nimmt gerade ein Prozess Fahrt auf, den wir

begleiten, unterstützen und mit gestalten wollen.

Nicht zuletzt, weil sich der Filmverband Sachsen als

übergreifender Interessenvertreter der Filmkultur,

aber auch der Filmemacher verschiedener Herkunft

versteht. Wir freuen uns deshalb, wenn es uns gelingt,

mit diesem Anspruch immer stärker wahrgenommen

zu werden. Besonders ermutigend ist es

dabei für uns, wenn das dem Filmverband dadurch

gezeigt wird, dass Filmengagierte Mitglied bei uns

werden wollen. In den vergangenen Wochen haben

wir wieder einen leichten aber stetigen Zuwachs bekommen.

Wir nehmen das als Bestätigung und Ansporn,

auf dem eingeschlagenen Weg weiter zu

gehen.

Es wachsen ja auch immer wieder neue, interessante,

ideenreiche Filmemacher nach. Junge Leute, die nicht

warten, sondern bereit sind, die Kamera zu nehmen

und zu drehen. Die sich dafür sogar selbst und mit

innovativen Mitteln ihr Geld besorgen und dabei mitunter

beachtlichen Erfolg haben. „Crowdfunding“ ist

solch ein Weg, der auch einigen sächsischen Filmprojekten

schon zur nötigen Finanzierung verholfen hat.

Ist das also die Zukunft der Filmfinanzierung? Zu Für

und Wider lassen wir in diesem Heft Crowdfunding-

Plattformbetreiber und Filmemacher, allesamt erfolgreich

in Sachsen, mit ihren Erfahrungen zu Wort kommen.

Solange es immer wieder Menschen gibt, die einfach

anfangen Filme zu machen, weil sie sich so am besten

ausdrücken können, solange die nächsten Filme

zeigen wollen, um ein Gespräch anzustoßen, solange

sie alle ein offenes Publikum und engagierte Unterstützer

finden, wird sich das Filmland Sachsen entwickeln.

Wir wollen nach Kräften helfen. Aber jetzt

feiern wir erstmal Geburtstage. Sie sind eingeladen!

Sandra Strauß, 1. Vorstandsvorsitzende

Joachim Günther, 2. Vorstandsvorsitzender


FILMVERBAND

Aktuelle Informationen 4

Verstärkung in der Geschäftsstelle 5

Kooperation mit Erich Pommer Institut verlängert 6

INHALT

REGIONALER FOKUS

Regionaler Fokus (2) Mitteldeutsche Filmnacht 8

Regionaler Fokus (1) „Heimwärts“ 9

THEMA

2013.

Geburtstagsjahr für Sachsens Filmlandschaft

Fünf mal Fünf ist Fünfundzwanzig

Die Filmreihe zum 25. Filmfest Dresden 10

20 Jahre Kulturstiftung des Freistaates Sachsen 12

20 Jahre DIAF 13

Kurze Filme ganz groß

Zum zehnten Mal „Kurzsuechtig“ in Leipzig 15

Am Rand oder mittendrin?

10 Jahre Neisse Filmfestival 16

FILMPOLITIK

Transparenz und Zusammenarbeit

2. Treffen der Fernsehschaffenden in Leipzig 18

Schluss mit Jammern!

Wie FairTV e.V. Hilfe zur Selbsthilfe leistet 19

FILMRECHT

„Intransparent, unangemessen, treuwidrig“

OLG Dresden verbietet „VFF-Klausel“ 20

FILMPREISE 23

FILMPRODUKTION

Crowdfunding zur Filmfinanzierung –

Ernsthafte Alternative zur Filmförderung

oder Tropfen auf den heißen Stein? 24

„Hinter vergessenen Mauern“ 25

Für Ballkleid und Sneakers

„Richard – im Wallkürenritt...“ 26

Filmstart „Rendezvous in Belgrad“ 28

FILMEMACHER

Neues Mitglied: hechtfilm filmproduktion 29

Neues Mitglied: TYTON GmbH 30

3


Aktuelle Informationen

FILMVERBAND

Neue Mitglieder im Filmverband

Wir freuen uns, mit Jens Noak, Locationscout aus Dresden,

der 3. Etage Filmproduktionsgesellschaft aus

Dresden sowie KONVEX Film Dresden drei neue Mitglieder

im Filmverband Sachsen begrüßen zu dürfen.

Herzlich Willkommen!

Neubesetzung des DEFA-Stiftungsrates

Filmverbands-Vorstandsmitglied Ralf Kukula vertritt in

diesem Jahr Sachsen im Stiftungsrat der DEFA-Stiftung.

Berufen wurden auch der Geschäftsführer des DIAF,

André Eckardt sowie Michael Fröhlich und Dr. Fritz

Arendt vom SMWK.

feiern wir gemeinsam mit dem Filmfest Dresden die 2.

Mitteldeutsche Filmnacht, diesmal im Kleinen Haus.

Der Regionale Fokus, seit Jahren fester Bestandteil des

Filmfests, wird am Freitag um 16.30 Uhr und am Sonntag

um 19.30 Uhr zu sehen sein.

Beim Leipziger Kurzfilmfestival „Kurzsuechtig“ vom

24.-27. April freuen wir uns, auch in diesem Jahr den

Nachwuchspreis des Filmverbands Sachsen stiften zu

können. Der Preis wird an einen Film aus dem gesamten

Festivalprogramm vergeben. Voraussetzung ist,

dass das Projekt der maximal dritte veröffentlichte Film

des Filmschaffenden ist.

Korrektur:

Neubesetzung der Filmbewertungsstelle

„Schlingel“-Festivalleiter und Filmverbands-Vorstandsmitglied

Michael Harbauer, DIAF-Geschäftsführer

André Eckardt sowie Petra Klemann, die Geschäftsführerin

des Leipziger Passagekinos und Filmverbandsmitglied

Beate Kunath vertreten Sachsen in diesem Jahr in

der Jury der Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW).

Im „Auslöser“ 1/2013 hatten wir fälschlicherweise

gemeldet, dass André Eckardt Kommissionsmitglied

der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) ist. Wir bitten den

Irrtum zu entschuldigen.

Festivalaktivitäten des Filmverbandes

Beim 25. Filmfest Dresden wird der Filmverband im

Festivalzentrum Club 64 (Louisenstraße 64) als Ansprechpartner

ständig vertreten sein. Wir freuen uns,

auch in diesem Jahr wieder den Nationalen Kurzfilmpreis

stiften zu können.

Am Donnerstag ab 17 Uhr laden wir in guter Tradition

mit unseren Partnern AG Kurzfilm, DIAF, Dresdner Kurzfilmtage,

der International School of Media and Arts

Halle und dem Filmfest Dresden zum „6. Empfang der

Institutionen“ ins Kleine Haus Dresden. Anschließend

Beim Neiße Filmfestival Anfang Mai wird der Filmverband

Sachsen den Preis für internationale Zusammenarbeit

und Verständnis vergeben. Den Preis bekommt

ein Film aus dem gesamten Festivalprogramm, der sich

mit Respekt und Toleranz der jeweiligen anderen Kultur

nähert und damit den Weg zum Dialog bereitet.

Abschied von Uwe Penckert

Uwe Penckert hat den Filmverband Ende März als Geschäftsführer

verlassen. Die Trennung erfolgte einvernehmlich.

Uwe Penckert wurde 1996 erster hauptamtlicher Geschäftsführer

des Filmverbandes Sachsen und prägte

den Verband entscheidend mit. In die Zeit seiner Tätigkeit

fielen Projekte wie die Etablierung des Filmsommers,

die Einführung des regionalen Fokus zum Filmfest

Dresden sowie zur DOK Leipzig oder die Filmreihe

Nordlichter. Darüber hinaus engagierte er sich wesentlich

für die Wiedereinführung der kulturellen Filmförderung

im Jahr 2005.

Der Vorstand dankt ihm für seinen Einsatz für den kulturellen

Film in Sachsen und wünscht ihm weiterhin

alles Gute, privat und beruflich.

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Preise auf Anfrage in der Geschäftsstelle

4

Telefon 0351-31540-630/-631,

Fax 0351-31540-635

www.FILMVERBAND-SACHSEN.de


Verstärkung in der Geschäftsstelle

FILMVERBAND

Christian Zimmermann

Leiter der Geschäftsstelle

Förderberatung

Projektkoordination

Redaktion „Auslöser“

Sonja Mader

Assistentin der Geschäftsstelle

Vereinsangelegenheiten

Der Verstand kann uns sagen,

was wir unterlassen sollen.

Aber das Herz kann uns sagen,

was wir tun müssen.

(Joseph Joubert)

Ein herzliches Hallo all jenen, die diese neue Ausgabe

des „Auslöser“ aufgeschlagen haben und mit Überraschung

die Verstärkung im Team des Filmverbandes

Sachsen e.V. nicht zuletzt durch mein winterliches Konterfei

wahrnehmen.

Nach einigen aufregenden und wichtigen Jahren auf

diversen Filmsets, einem wunderbaren Ausflug in die

Medienkunst sowie die vielseitige Arbeit als PR-Beraterin,

als Öffentlichkeits- und Pressefrau, als Projekt- und

Veranstaltungsmacherin und ganz zuletzt als Redaktionsleitung

eines Stadtmagazins werde ich ab April als

Projektmitarbeiterin im Sinne der Filmschaffenden in

unserer sächsischen Filmlandschaft umtriebig werden.

Ich bin freudigst gespannt und voller Tatendrang, ob

der zahlreichen Aufgaben, die Wir ab sofort gemeinsam

umsetzen werden. Fühlt Euch also aufgefordert,

aktiv mitzuwirken und Sachsens Filmlandschaft auf

eine nächste Ebene zu heben.

Auf eine gute Zeit. Eure Jana Endruschat

Jana Endruschat

Projektmitarbeiterin

Projektrealisierung

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Redaktion „Auslöser“

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Kooperation mit Erich Pommer Institut verlängert

FILMVERBAND

Der Filmverband Sachsen wird auch dieses Jahr die

Partnerschaft mit dem Erich Pommer Institut Potsdam

fortsetzen. FVS-Mitglieder können alle Weiterbildungsangebote

des nationalen Programms mit einem Preisnachlass

von 15% nutzen. Sie bieten Wissen und Erfahrungen

in vielen auch für sächsische Produzenten

relevanten Bereichen. Ziel des EPI ist es nach eigener

Darstellung, „Branchenvertretern durch einen praxisnahen

und ausgeprägten Networking-Charakter der

Programme einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil

zu bieten.“

Die Themenschwerpunkte des Seminarprogramms liegen

im Frühjahr 2013 in den Bereichen „Vermarktungs-

und Finanzierungsstrategien“ und „Rechteklärung

Film und Musik“.

So befasst sich gleich im April das Seminar „Musik im

Film“ mit dem besonders komplexen und „fallenreichen“

Problemfeld der Musikrechte bei Filmproduktionen.

Der Erwerb von Musikrechten, die Lizenzierung

von Rechten an Kompositionen und Musikaufnahmen,

die Verhandlung von Musikproduktionsverträgen, die

Nutzung von gemeinfreien Werken und der Inhalt von

„Creative Commons Lizenzen“ werden in dem Seminar

beleuchtet.

Den Herausforderungen der Finanzierung von Filmund

Fernsehproduktionen ist das Seminar „Filmförderung,

Zwischenfinanzierung und Gap-Finanzierung“

im April gewidmet.

In ihm werden der Ablauf von der Förderzusage zum

Vertrag und zur Ratenauszahlung, die Liquiditätsversorgung

durch Zwischenfinanzierung auch für TV-Auftragsproduktionen

und die Gap-Finanzierung zur

Schließung von Finanzierungslücken bei kommerziellen

Film- und Fernsehprojekten erklärt.

Auch im April findet die kostenfreie Sonderveranstaltung

„Compliance beim Film: relevante Regeln – die

häufigsten Verstöße – rechtliche Folgen“ statt. Mit der

Überantwortung und Erfüllung z.B. von Personal- und

Haftungsauflagen sind auch Produzenten sowie

Dienstleister in Sachsen und Mitteldeutschland regelmäßig

konfrontiert. (JG)

www.epi-medieninstitut.de

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MDM geförderte Filme im Kino:

Rubinrot

Regie: Felix Fuchssteiner

Zimmer 205

Regie: Rainer Matsutani

Rendezvous in Belgrad

Regie: Bojan Vuletic

www.mdm-online.de


Shortfilm

2012, 2:30 Min, Spielfilm

Regie: Olaf Held

Swan

2011, 19:45 Min, Spielfilm

Regie: Henrike Naumann

Wie ist die Welt so stille

2012, 4:30 Min, Spielfilm

Regie: Susann Maria Hempel

MITTELDEUTSCHE FILMNACHT

Regionaler Fokus 2 Filmfest Dresden

Donnerstag, 18.4. 20 Uhr Kleines Haus

Zweibettzimmer

2012, 9:22 Min, Animationsfilm

Regie: Fabian Giessler

In einer langen Nacht

präsentieren neun Filmemacher

aus der Region

ihre neuen Arbeiten

und stellen einmal mehr

die Vielseitigkeit der

hiesigen Filmlandschaft

unter Beweis.

Am Ende darf das Publikum

seinen Favoriten küren.

Hunde wie wir

2012, 23 Min, Spielfilm

Regie: Anne Zoha Berached

Ich Du Held

2011, 10 Min, Experimentalfilm

Regie: Sarah Schreier

Teilhard

2011, 27:45 Min, Spielfilm

Regie: Christoph Ischinger

Vier Räder bis zum Horizont

2012, 6:14 Min, Spielfilm

Regie: Michael Chlebusch

Zurück auf Schwarz

2011, 6:49 Min, Animationsfilm

Regie: Sonja Gebhardt


SIMPLYclever

2012, 8:40 Min, Spielfilm

Regie: Franz Müller

In Search of Fire

2011, 11:20 Min, Dokumentarfilm

Regie: René Eckert

Emilie

2012, 9:40 Min, Animationsfilm

Regie: Alla Churikova

„Heimwärts“

Regionaler Fokus 1

Filmfest Dresden

Freitag,19.4. 16.30 Uhr

Sonntag, 21.4. 19.30 Uhr

Schauburg DD / Tarkowski-Saal

Heimspiel für den Nachwuchs:

Acht Filmemacher aus Sachsen

gehen mit der Kamera auf Geschichtensuche.

Sie erzählen von Mundarten im Erzgebirge

und Snowboardern in Südafrika,

von virtuellen Welten und globalem Wandel.

Die Bande

2011, 13:20 Min, Dokumentarfilm

Regie: Susanne Schulz

fractured

2012, 3:33 Min, Experimentalfilm

Regie: Alina Cyranek

Präsentiert vom Filmverband Sachsen.

Reality or non Reality –

a little bit of both

2012, 26:16 Min, Dokfilm, Regie: Nora Otte

upDATE

2011, 9:14 Min, Spielfilm

Regie: Pascal Schröder

Lestat Vermon - „Into The Woods“

2013, 3:13 Min, Animationsfilm

Regie: Christoph Menzer


2013. Geburtstagsjahr für Sachsens Filmlandschaft

THEMA

Zum Glück gibt es immer wieder Menschen, die das

Gefühl haben, ihnen fehle etwas und die sich deshalb

darum kümmern, dass es entsteht. Solche Menschen

haben in den vergangenen Jahrzehnten dafür

gesorgt, dass Sachsen eine überaus lebendige Filmlandschaft

geworden ist. In diesem Jahr haben

gleich mehrere der so entstandenen Institutionen

und Festivals Geburtstag. Grund genug, den Jubilaren

gebührend zu gratulieren.

Das Filmfest Dresden feiert im April seinen 25. Jahrestag

und zelebriert das unter anderem mit Retrospektiven

aus der Anfangszeit des Festivals. Wir feiern

mit, indem der Filmverband Sachsen wieder den

Preis für den nationalen Wettbewerb stiftet.

Das Festival „kurzsuechtig“, vor 10 Jahren in Leipzig

aus der Taufe gehoben, hat sich mit großem persönlichem

Aufwand der ehrenamtlichen Festivalmacher

zum Schaufenster für mitteldeutsche Kurz-, Animations-

und Dokumentarfilme entwickelt.

Zehn Jahre alt wird auch das Neisse Filmfestival. Dieses

Kleinod sächsischer Festivalkultur im Dreiländereck

freut sich mit einem frischen Konzept und

Spielorten in allen drei Ländern auf Besucher.

Das Deutsche Institut für Animationsfilm feiert die

Vollendung seines zweiten Jahrzehnts mit der Ausstellung

Traumschmelze, welche im Rahmen des

Filmfest Dresden feierlich eröffnet wird.

Alle zusammen feiern den zwanzigsten Geburtstag

der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, denn

ohne sie wäre das Filmland Sachsen deutlich überschaubarer.

Und nicht zuletzt freuen wir uns mit den Machern

des Filmfestivals „Schlingel“ über die im Herbst anstehende

Volljährigkeit.

Fünf mal Fünf ist Fünfundzwanzig

Die Filmreihen zum 25. Jubiläum des FILMFEST DRESDEN

Ein Gastbeitrag von KATRIN KÜCHLER und ALEXANDRA SCHMIDT

10

Feste soll man bekanntlich feiern wie sie fallen

oder wie formulierte es ein Journalist zu

einem früheren Filmfest-Geburtstag etwas

polemischer: „gegen Jubiläen kann man sich

bekanntlich nicht wehren“. In der Tat ist

nicht von der Hand zu weisen, dass Jubiläen,

besonders jene im Silbergewand, zu großen

Festakten neigen. Zum 25. soll jedoch weniger

die Opulenz als vielmehr der Film im Vordergrund

stehen, um den es sich beim FILM-

FEST DRESDEN von der ersten Minute an

drehte. Doch bis zum Status eines Internationalen

Kurzfilmfestivals mit europaweitem

Renommee und hochdotierten Preisgeldern

war es ein weiter und nicht immer leichter

Weg. Werfen wir also einen kurzen Blick zurück.

Der Filminitiative Dresden e.V. wurde 1990 in den

letzten Monaten der DDR als einer der ersten Vereine

in Dresden nach dem Fall der Mauer gegründet.

Das Hauptprojekt des Vereins, das FILMFEST DRES-

DEN, fand noch vor der politischen Wende im Frühjahr

1989 als FILMFEST SÜD das erste Mal statt.

Austragungsorte waren das Filmtheater Olympia

(heute eine Reifenwerkstatt), das Kino Reick und der

Hörsaal der TU Dresden. Organisiert wurde die Veranstaltung

von einer kleinen Gruppe Filmenthusiasten,

darunter der Initiator des Festivals Jörg Polenz

und der heutige Vereinsvorsitzende Andrej Krabbe.

Ohne jede Genehmigung durch staatliche Organe

stellten sie ein internationales Programm mit mehr

als 30 Filmen zusammen. Die Filme hierfür erhielten

sie zu einem Großteil von den sowjetischen, polnischen,

ungarischen und französischen Kulturzentren

in Berlin. Dass diese Filme jedoch nun außerhalb der

Kulturzentren zur Aufführung kommen sollten, stieß

bei der Hauptverwaltung Film auf heftigen Widerstand

und so kam es kurz vor Austragung des Festivals

zum Eklat. Mehr als die Hälfte der Filme im

Programm wurden zensiert, darunter der polnische

Film „Der Mann aus Eisen“ (1981) von Andrzej

Wajda oder „Das fünfte Siegel“ (1976) des ungarischen

Regisseurs Zoltán Fábri. Die Organisatoren

des Festivals ließen sich jedoch nicht beirren und

disponierten das Programm kurzerhand um. Für die

mit einem Aufführungsverbot bedachten Filme griffen

sie auf Bestände der Bezirksfilmdirektion Dresden

zurück und führten das FILMFEST SÜD trotz Restriktionen

zum vollen Erfolg.


Katrin Küchler und Alexandra Schmidt mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann bei der Festival Preview am 20. März 2013

25 Jahre später präsentiert das FILMFEST DRESDEN

als kleine Geburtstagsüberraschung die Veranstaltungsreihe

„5x5“. Heißt: an fünf Tagen, fünf Veranstaltungen

an verschiedenen Orten in Dresden, mit

Filmen aus Dresden, über Dresden und dazu einen

Blick zurück in die Gründungszeit des Festivals.

So zeigen beispielsweise die beiden Programme

„Fehlfarben“ seltene Filmarbeiten die zwischen 1985

und 1992 gedreht wurden und die Stadt Dresden,

ihre Architektur und ihre Bewohner aus unterschiedlichen

Perspektiven in den Blick nehmen. Die Premiere

wird in der Unterkirche der Frauenkirche Dresden

stattfinden. Unter dem Titel „Picknick am Zonenrand“

stellt der Filmhistoriker Dr. Claus Löser

Underground-Filme der beiden Dresdner Filmgruppen

FESA (Feige Sau) und Milder Wahn rund um den

Filmemacher Ray van Zeschau vor. Ein weiteres

Highlight ist die Wiederaufführung des Langfilms

„Das alte Lied“, der als erster nach der Wende in

Dresden realisierter Spielfilm gilt und von der Filminitiative

Dresden koproduziert wurde. Aufgeführt

wird der Film an einem seiner Originalschauplätze,

der restaurierten St. Pauli Ruine. Ein Stadtspaziergang

mit der Gruppe „A Wall is A Screen“ spannt

schließlich den Bogen zwischen gestern und heute

und projiziert vor der Kulisse des abendlichen Dresden

Filme im Freien.

Doch vor allem lebt das Filmfest auch in diesem Jahr

wieder von aktuellen Filmen in den Wettbewerben

und Sonderprogrammen und natürlich seinen zahlreichen

internationalen Gästen und lokalen Zuschauern,

auf die wir uns freuen.

Das Herzstück des Programms bilden seit jeher

der Internationale und der Nationale Wettbewerb.

Sie bringen in zehn Programmen 66

Filme aus rund zwanzig Ländern der Welt auf die

Leinwand. Um die Nominierungen bewarben sich

dieses Jahr mehr als 2600 Spiel- und Animationsfilme

aus über 80 Ländern. Am Ende des Festivals

küren die Jurys in unterschiedlichen Kategorien

die besten Filme und vergeben insgesamt acht

Goldene Reiter und Preisgelder in Höhe von ca.

64.000 Euro. Insgesamt werden über 300 Filme

aufgeführt. Jährlich strömen mehr als 16.500 Zuschauer

in die vier verschiedenen Spielstätten,

dazu werden ca. 450 akkreditierte Fachgäste erwartet.

THEMA

www.filmfest-dresden.de 11


20 Jahre Kulturstiftung

des Freistaates Sachsen

von DR. REINER ZIMMERMANN

Abteilungsleiter Kunst im SMWK von 1991-2003

THEMA

Der Filmverband Sachsen gratuliert der Kulturstiftung

des Freistaates Sachsen zum 20-

jährigen Jubiläum! Die Kulturstiftung ist als

Förderer von Kunst und Kultur im Freistaat

nicht mehr wegzudenken. Auch für den Film

spielt die Kulturstiftung eine sehr wichtige

Rolle. Einerseits, um vom Marktdruck befreite

Filmprojekte zu realisieren und andererseits

gerade für Nachwuchsfilmschaffende

eine Möglichkeit der Ausbildung einer Handschrift

zu bieten. Der Filmverband bedankt

sich für die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit

und Unterstützung, ohne die

z.B. das Format FILMSOMMER SACHSEN nicht

hätte realisiert werden können. Wir wünschen

weiterhin ein gutes Händchen bei der Auswahl

der Projekte und natürlich auch eine Aufstockung

der seitens des sächsischen Landtages

für den Film bereitgestellten Mittel.

Stiftungsgründung

Dem Minister Prof. Hans-Joachim Meyer wurde Dr.

Jürgen-Uwe Ohlau empfohlen, der weltweit in verschiedenen

Funktionen am Goethe-Institut viele Erfahrungen

mit Sponsoren sammeln konnte, als

Gründungsdirektor den Aufbau einer Stiftung vorzubereiten.

Am 17. Mai 1993 beschloss der Landtag

das Gesetz zur Errichtung der Kulturstiftung des Freistaates

Sachsen mit der Aufgabe, zusätzlich zur Allgemeinen

Kunst- und Kulturförderung des Ministeriums

eine Förderschiene aufzubauen, die vor allem

Drittmittel einwirbt.

Stiftungskapital

12

Der „Auslöser“ nimmt das Jubiläum zum Anlass,

sich mit der Zeit der Gründung zu beschäftigen

und bat den damaligen Abteilungsleiter

Kunst im Kunst- und Wissenschaftsministerium,

Dr. Reiner Zimmermann,

darum, sich an die Gründung sowie die damals

gesteckten Ziele zu erinnern. Dazu

haben wir uns die Förderleistung der vergangenen

acht Jahre noch einmal angeschaut

und haben diese Zahlen für Sie aufbereitet.

Stiftungsidee

Ursprünglich hatte Kurt Biedenkopf die Idee, alle

Kultureinrichtungen des neu gegründeten Freistaates

Sachsen in einer Stiftung zusammenzufassen.

Kulturverbundene Abgeordnete der CDU-Fraktion

im ersten Sächsischen Landtag konnten ihn aber

von dieser Idee abbringen, denn eine Stiftung sitzt

nicht am Kabinettstisch und kann nicht auf gleicher

Augenhöhe mit dem Finanzministerium über Geld

verhandeln. So wurde im Sächsischen Staatsministerium

für Wissenschaft und Kunst über die Gründung

einer Kulturstiftung nach dem Vorbild der Kulturstiftung

der Länder und des Bundes nachgedacht, die

ihre Mittel aus dem Bundeshaushalt erhält und vor

allem den Verbleib von wertvollem Kulturgut in den

Einrichtungen der Bundesrepublik garantiert.

Zu Beginn gab es kein Stiftungskapital, aus dessen

Erträgnissen die Projekte hätten finanziert werden

können, was für alle anderen Stiftungen die finanzielle

Arbeitsgrundlage ist. So wurde durch das Stiftungsgesetz

das Finanzministerium verpflichtet,

nicht nur für die ministerielle Kulturförderung, sondern

auch zusätzlich für die Stiftung Landesmittel

aus dem Haushalt bereitzustellen. Abhilfe kam, als

die Mittel der Stiftung Kulturfonds aus dem „Kultur-

Fünfer“ der DDR auf die neuen Länder verteilt wurden.

Zur Erinnerung: Das DDR-Kulturministerium

erhob auf jede verkaufte Karte, ob Kino oder ein Kessel

Buntes, auf jede Schallplatte u. ä. eine kleine

Sonderabgabe, deren Masse aber erheblich war. Aus

dem für Sachsen entfallenden Anteil konnte der Kapitalstock

für die sächsische Kulturstiftung, die nunmehr

den schwankenden Kursen des Kapitalmarktes

ausgesetzt war, gewonnen werden.

Stiftungsaufgaben

Im Unterschied zur Förderpraxis des Ministeriums,

das vorrangig Projekte der Landes-Kultur-Verbände

unterstützte, sah die Kulturstiftung ihre Aufgabe

darin, Verbindungen zwischen öffentlichen und privaten

Förderern zu knüpfen. Für sparten- oder länderübergreifende

Projekte wurde ein Netzwerk mit

anderen Stiftungen aufgebaut.


Gremien

Zunächst entschied der Stiftungsvorstand auf der

Grundlage der Voten der Stiftungsverwaltung über

die Finanzierung der Projekte. Doch wurde es wegen

der zunehmenden Differenzierung der Anträge notwendig,

Facharbeitsgruppen zu bilden, die einen

tieferen Einblick in die jeweiligen künstlerischen Bereiche

haben. So war es auch möglich, eine Förderung

mit einer gezielten Entwicklung von Projekten

zu koppeln.

Neue Aufgaben

Eine der ersten Entscheidungen des neuen Ministerpräsidenten

Georg Milbradt war es, Förderaufgaben

aus dem Geschäftsbereich des Sächsischen Staatsministeriums

für Wissenschaft und Kunst zum 1. Januar

2005 der Kulturstiftung zu übertragen. Dadurch

wurde dem SMWK ein wichtiges kulturpolitisches

Steuerungsinstrument entzogen, andererseits

der Stiftung eine große Verantwortung für die gedeihliche

Entwicklung des sächsischen Kulturlebens

übertragen.

Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

in Zahlen

Seit der Übernahme und Wiedereinführung der kulturellen

Filmförderung durch die Kulturstiftung des

Freistaates Sachsen im Jahre 2005 wurden insgesamt

2.687.437 Euro an 231 Antragsteller vergeben.

In der gleichen Zeit wurden ca. 640 Projektanträge

gestellt, woraus sich ein Verhältnis von 3,7:1

zwischen Anträgen und Bewilligungen ergibt.

Jährlich steht der Kulturstiftung für den Bereich

Film Mittel in Höhe von ca. 300.000 Euro zur Verfügung.

Darüber hinaus werden regelmäßig Stiftungskapitalerträge

zur Aufstockung bereitgestellt.

Das gesamte Stiftungskapital beläuft sich auf ca.

19.5 Mio Euro, welches überwiegend in Festgeldanlagen

gebunden ist. Durch diese vorsichtige Anlagestrategie

sind der Stiftung auch während der

Finanzkrise kaum Schäden entstanden.

www.kdfs.de

20 Jahre Deutsches Institut für Animationsfilm (DIAF)

André Eckardt im Interview mit JOACHIM GÜNTHER

Das DIAF wurde am

16. November 1993

in Dresden gegründet.

Hier produzierte

von 1955 bis 1990

das DEFA-Studio für

Trickfilme in erster

Linie Filme für das

Kinder- und Familienpublikum,

aber auch

Satiren und künstlerische

Filme für Erwachsene.

Nach der

Schließung des Studios

wurde der Nachlass treuhänderisch an das

DIAF übergeben. Neben einem Filmstock von

rund 2.000 Filmkopien archiviert das DIAF

zahlreiche Filmmaterialien und Dokumente,

insbesondere aus dem Bereich des ostdeutschen

Animationsfilms. 2002 eröffnete das Institut

eine Dauerausstellung zum DEFA-Trickfilm-Schaffen

in den Technischen Sammlungen

der Stadt Dresden.

Womit beschäftigt sich das DIAF gerade?

André Eckardt: Ganz aktuell ist es eine Ausstellung

zum deutschen Zeichenanimationsfilm der dreißiger

und vierziger Jahre. Originaldokumente, zahlreiche Zeichenfolien

und sehr viele Fotos, die zeigen, wie damals

die Zeichenproduktion von statten ging und sehr viel

Schriftwechsel. Wir konnten alles erstmals als Dauerleihgabe

von dem Essener Privatsammler J.T. Storm

übernehmen. Wir sind sehr glücklich, dass wir ihn mit

der Sammlung entdeckt haben und diese nun über

zwei Jahre hinweg erschließen und eine Ausstellung

daraus machen konnten. Das entspricht auch den drei

Hauptsäulen, die wir in unserer Arbeit haben: die Archivierung,

die wissenschaftliche Erschließung und

schließlich das Öffentlich-Machen.

Wann und wo wird die Ausstellung zu sehen sein?

André Eckardt: Am 19. April ist Eröffnung. Sie läuft

dann bis zum 29. September in den Technischen

Sammlungen Dresden.

(Fortsetzung S.14)

THEMA

13


THEMA

André Eckardt: Auf jeden Fall, dass wir als Verein aus

dem Nichts ein Archiv aufbauen konnten. Die Erfassung

des DEFA-Trickfilmstudio-Nachlasses, das war

eine Aufgabe, die die Kolleginnen am Anfang sehr tapfer

bewältigt haben und die wirklich gedauert hat. Wir

mussten ja erstmal eigene Strukturen aufbauen. Das

hat zehn, fünfzehn Jahren gedauert. 2005 haben wir

eine große, internationale Ausstellung gemacht und

angefangen, das DEFA-Schaffen auch im Ausland stärker

zu präsentieren. Wir haben eine Ausstellung, die

schon in fast allen Ecken Europas war. Wir haben uns

national und international immer stärker vernetzt und

sind inzwischen so gut eingebunden, dass wir mittlerweile

auch auf Bundesebene und darüber hinaus als

Ansprechpartner für Fragen zum deutschen Animationsfilm

gelten.

Ist der Animationsfilmstandort Sachsen also

ein idealer Nährboden für das DIAF?

14

Motiv aus der Ausstellung „Traumschmelze“

Wie sieht sonst die Planung für das Jubiläumsjahr

aus?

André Eckardt: Wir machen uns mit dieser Ausstellung

eigentlich schon das größte Jubiläumsgeschenk,

weil das schon eine besondere Entdeckung war, die

auch andere überrascht hat. Ich denke, dass das deshalb

eine ganz besondere Ausstellung wird. Wir haben

dann noch wie jedes Jahr im Herbst eine zweite Ausstellung,

die sich ganz gut anschließt, über die Mainzelmännchen.

Die werden dieses Jahr fünfzig Jahre alt

und wurden ja auch mit von Leuten entwickelt, die

schon in den 30er und 40er Jahren aktiv waren. Aber

eine große Jubiläumsveranstaltung planen wir erstmal

nicht, vielleicht zum 25.

Was gäbe es aus zwanzig Jahren DIAF trotzdem

an Erfolgen zu feiern?

André Eckardt: So ist es leider nicht. Es ist schon sehr

schwierig, wenn man nicht einen wirtschaftlichen Hintergrund

in der Region hat. Da ist Leipzig als Medienstandort

vielleicht noch ein bisschen besser dran als

Dresden. Wir fühlen uns manchmal bisschen wie Trockenschwimmer.

Wir versuchen natürlich, durch unsere

Arbeit Leute erstmal für den Animationsfilm interessieren,

wir machen ja auch regelmäßig Führungen mit

Schulklassen und versuchen den Animationsfilm zu

fördern. Das geht aber nur, wenn die Strukturen sich

parallel dazu entwickeln. Ich würde mir auch wünschen,

dass der Filmverband da mehr Lobbyarbeit

macht und die verschiedenen Institutionen mehr zusammenführt,

um zu sehen, was im Animationsfilmbereich

noch getan werden kann. Da mehr zu koordinieren,

wäre eine gute Aufgabe für den Filmverband.

Damit in fünf Jahren tatsächlich die große

Party steigen kann, was soll bis dahin geschafft

sein?

André Eckardt: Seit fünf Jahren versuchen wir ja, vor

allem mit dem Archiv höhere Standards zu erfüllen, soweit

das mit unseren Mitteln möglich ist. Wir haben

eine Kühlzelle aufgebaut und entwickeln derzeit eine

zeitgemäße Datenbank. Wir wollen den DEFA-Animationsfilm

stärker kontextualisieren, also in zeit- und

kulturgeschichtliche Zusammenhänge und Bezüge

stellen, auch um den historischen Wert dieses Erbes

nochmal hervorzuheben. Aus der Dauerausstellung

zum DEFA-Erbe wollen wir aber über kurz oder lang

eine neue, modernisierte Ausstellung zum deutschen

Animationsfilm insgesamt machen. Und dann geht es

natürlich vor allem weiter um Lobbyarbeit, damit wir

gerade hier in Sachsen und Mitteldeutschland aus

dem Animationsfilm leistungsstarke Strukturen entwickeln

können.

www.diaf.de

„Traumschmelze“. Der deutsche Zeichenanimationsfilm

1930-1950

Ausstellung in den Technischen Sammlungen Dresden

vom 20. April bis 29. September 2013


Kurze Filme ganz groß

Zum zehnten Mal „Kurzsuechtig“ in Leipzig.

Was soll man machen, wenn man aus Enthusiasmus

mit ein paar jungen Filmemachern ein paar Kurzfilme

gedreht hat, die man zwar ziemlich gelungen,

für die man aber kein Publikum findet? Vor der Frage

stand der Leipziger Produzent Mike Brandin vor gut

zehn Jahren. Gemeinsam mit Torsten Radeck entschloss

man sich zu etwas ziemlich verrücktem:

selbst ein Kurzfilmfestival zu gründen. Mal sehen,

wie die Zuschauer auf die Filme reagieren, Kontakte

mit anderen Filmemachern knüpfen, sich austauschen

und neue Projekte entwickeln – das Potenzial

der Region sollte gezeigt werden. Die eigene Leidenschaft

ergab den Namen: „Kurzsuechtig“.

Im diesjährigen Programm: „Wind“

Ein animierter Kurzfilm von Robert Löbel

Im ersten Jahr war nur ein einziger Abend vorgesehen,

um die Sucht zu befriedigen. Denn vor neun

Jahren wusste keiner, ob sich genügend gute Kurzfilme

und die Kinogänger tatsächlich den Weg in die

Leipziger „Schaubühne Lindenfels“ finden, und ob

sich die Kosten für Technik und Kinosaal einspielen

lassen würden. Torsten Radeck erinnert sich: „Immer

mehr Stühle mussten in den Kinosaal geschafft werden,

da der Besucheransturm alle Beteiligten überraschte.

Gleichzeitig stieg die Aufregung. Was passiert,

wenn die Technik versagt? Ist der Moderator

wirklich gut vorbereitet? Werden die Filme positiv

aufgenommen? Drei Stunden später ist das Grinsen

nicht mehr aus meinem Gesicht zu bekommen. Alle

sind zufrieden und glücklich und die Schaubühne ist

brechend voll.“

Dreißig Einreichungen gab es damals immerhin auf

Anhieb. Fünf Jahre später waren es über einhundert,

2011 sogar 173, diesmal 153.

Einige „Kurzsuechtig“-Teilnehmer sind mittlerweile

so etabliert wie das Festival: Annekathrin Wetzel

oder Thomas Stuber, beide bei der Premiere 2004

dabei. Dinah Münchow und Stefan Liskowsky haben

weitere Dokumentarfilme zusammen gedreht und

waren damit bei der DOK Leipzig. Für Jan Raiber begann

mit seiner „Kurzsuechtig“-Teilnahme eine Filmemacher-„Karriere“,

die ihn inzwischen auf die

Berlinale führte. Solche Geschichten hat das Leipziger

Festival noch mehrere zu erzählen.

„Kurzsuechtig“ ist eine feste Größe im sächsischen

Filmkalender geworden. Das sehen inzwischen auch

die MDM und die Kulturstiftung des Freistaates so,

die das Festival wegen seiner Bedeutung für die Entwicklung

der hiesigen Filmlandschaft und des Filmnachwuchses

fördern. Weil das auch dem Filmverband

wichtig ist, vergibt er wieder den Nachwuchsförderpreis

an einen der Wettbewerbsteilnehmer.

Im Jubiläumsprogramm (www.Kurzsuechtig.de/de/

jahr-2013/wettbewerbsteilnehmer) machen die fiktionalen

Filme wieder den Schwerpunkt aus. Sie

handeln vom Krieg in Afghanistan, von einem kleinen

Mädchen, das nicht erwachsen werden will, von

einer Gefängnisfreundschaft, vom Kampf um Anerkennung

einer Transsexuellen oder auch von der

Liebe im digitalen Zeitalter.

Im Dokumentarfilmprogramm befassen sich zwei

Filme mit der Liebe und dem Erhalt zweier Leipziger

Stadtteile. Es werden Filme über die guten alten gelben

Telefonzellen, über Snowboarding in Südafrika

und über eine neue Liebe mit 84 Jahren gezeigt.

Etwas schwieriger lief es in diesem Jahr mit dem Animationsprogramm,

für das nur wenige aussagekräftige

Filme den Weg zu „Kurzsuechtig“ fanden. Doch

ein paar Highlights gibt es auch hier.

Nur eines ist für die Festivalmacher ganz eindeutig

nicht lange genug: zehn Jahre. Deshalb blicken sie

jetzt schon in die Zukunft. Ihre Geburtstagswünsche:

weiter viele kreative Filmeinreichungen, engagierte

Mitglieder in den Fachjurys, die ihre Zeit gern in das

Festival und in die Filmemacher investieren und vor

allem, dass den Förderern, Sponsoren und Preisstiftern

weiterhin am Festival gelegen ist und die ohnehin

sehr knappen finanziellen Mittel nicht ausgehen.

(JG)

www.Kurzsuechtig.de

THEMA

15


Am Rand oder mittendrin?

Zehn Jahre Neisse Filmfestival

THEMA

16

Das Beste – nach den Filmen natürlich – ist die Festival-„Lounge“.

Jedenfalls, wenn das Wetter mitspielt.

Dann treffen sich Filmemacher und Filmliebhaber

unter blühenden Kirschbäumen. Das gibt es

so nur in Großhennersdorf. Wo?

Es ist schon außergewöhnlich, dass jemand in einem

Dorf am fernen Rande des Landes, bei Zittau, auf die

Idee kommt, ein Filmfestival zu etablieren. Andreas

Friedrich hat es vor zehn Jahren im „Kunstbauernkino“

gewagt und daraus ein ganz und gar einzigartiges

Filmfest entwickelt. Schaut man sich die Umstände

an, meint man, sein größter Erfolg bestünde

schon darin, es über das Jahrzehnt geschafft zu

haben. Immer wieder ein rein ehrenamtliches Organisationsteam

zusammenzubekommen, namhafte

Filmemacher zu überzeugen dorthin (wo nochmal?)

zu kommen, Sprach- und Organisationsprobleme

über Ländergrenzen hinweg (die nächsten Orte sind

schon in Polen und Tschechien) zu bewältigen, ein

Publikum in der Region für ein immer ambitioniertes

Programm zu gewinnen. Friedrich hat es geschafft.

Aus anfangs Tausend Besuchern sind inzwischen

fast viermal so viele geworden. Mit der zugesagten

dreijährigen Konzeptförderung durch die sächsische

Kulturstiftung gibt es jetzt eine stabile Perspektive.

Das ist auch der Lohn für eine mutige konzeptionelle

Entwicklung. Das Neisse Filmfestival will kein Festival

am Rande sein, sondern eins mittendrin – im

Dreiländereck von Sachsen, Polen und Tschechien.

Es ist trinational in jeder Hinsicht. In seiner Organisation,

seinen Spielorten, vor allem aber in seinem

Programm. Friedrich: „Unsere Idee war es, mit den

Möglichkeiten von Film und Kino, den Diskurs zwischen

den drei Nachbarländern und in der Region zu

fördern, gleichzeitig mit in Deutschland kaum mehr

vertretenen aktuellen polnischen und tschechischen

Filmen einen Einblick in das aktuelle Filmschaffen

dieser traditionellen Filmländer zu bieten, sowie im

Gegenzug den aktuellen deutschen Film grenzüberschreitend

zu präsentieren.“

2013 stellen sich 10 Spiel-, 60 Kurz- und 10 Dokumentarfilme

dem Neiße Filmfestival-Wettbewerb.

Aus jedem Land haben sich jeweils drei Spielfilme

qualifiziert. Zusätzlich gibt es einen albanischen Beitrag.

Für den Kurzfilmwettbewerb wurden über 130

Filme eingereicht.

Einen Spezialpreis vergibt dabei seit zwei Jahren

auch der Filmverband Sachsen für einen Film, der

sich besonders dem Verständnis für die kulturellen

und ethnischen Unterschiede oder eben die Gemeinsamkeiten

in der unmittelbaren Nachbarschaft von

Polen, Tschechien und Deutschland widmet.

Neben den Wettbewerben wird es Spezialreihen

geben. Eine wird dem Thema Sinti und Roma gewidmet

sein und ihre schwierigen Lebensumstände

ebenso wie ihre großartige Kultur präsentieren. Am

3. Mai swingt Dotschy Reinhardt das Zittauer Gerhard-Hauptmann-Theater,

davor ist ihre berühmte

Musiker-Familie im Film „Neue Zeit“ von Robert

Krieg und Monika Nolte zu sehen. Auch solche Veranstaltungskombinationen

sind es immer wieder, die

den besonderen Reiz für das Festivalpublikum ausmachen.

Fast schon ein Klassiker ist die DEFA-Reihe, für die das

Festival im vergangenen Jahr mit einem Programmpreis

der DEFA-Stiftung ausgezeichnet wurde. Neben

den Filmen – dieses Mal zum Thema „Stadt-Land“ –

sind die Gespräche mit Regisseuren, Schauspielern

oder Kritikern für die Besucher ein Angebot, Einblicke

in Entstehungsprozesse und Zeitumstände zu gewinnen.

Eine unnostalgische Auseinandersetzung mit der

Geschichte und den Hinterlassenschaften des geteilten

Europa. Genauso wie die Reihe „Aufarbeitung“,

die durch einen internationalen Jugendworkshop begleitet

wird.

Das Neisse Filmfestival hat sich nach zehn Jahren

etabliert. Doch am Ziel ist es noch nicht. Das Festivalzentrum

wird jetzt vom „Kunstbauernkino“ vom

Dorf nach Zittau umziehen, wo sich vielleicht auch

ein Roter Teppich und ein wenig mehr Glamour findet.

Denn das gehört nun mal zu einem Festival wie

die Leinwand zum Kino. Den blühenden Kirschen

von Großhennersdorf wird das keinen Abbruch tun.

(JG)

www.neissefilmfestival.de


Programm-TiPP: miTTeldeuTsche FilmnachT

am 18. aPril 2013 20 uhr Kleines haus 1


Transparenz und Zusammenarbeit

2. Treffen der Fernsehschaffenden in Leipzig

Diesmal waren es schon um die fünfzig. Manche

konnten es erstmal gar nicht glauben, dass der Saal

wirklich voll war. Die Organisatoren der IG Freie

Fernsehschaffende (IG FF) hatten zur zweiten

„Mixed Zone“ eingeladen und so viele wie an diesem

12. März waren noch nie zusammengekommen,

wenn über die Probleme und Interessen derjenigen

gesprochen werden sollte, die in Mitteldeutschland

Filme fürs Fernsehen machen und davon leben wollen.

In Anbetracht der fernsehdominierten Filmproduktionslandschaft

in Sachsen ist das ein sehr wesentlicher

Teil der Filmemachenden hier. Deshalb war

neben vielen „Freien“ und anderen Interessen- und

Verbandsvertretern der Branche natürlich auch der

Filmverband Sachsen dabei. Auch viele unserer Mitglieder

machen Filme für das Fernsehen und teilen

die Probleme und Fragen der Fernsehmacher. Was

sind faire Rahmenbedingungen für die Arbeit? Wie

kann ich von ihr ein auskömmliches Leben führen?

Wie steht es um den Schutz der Urheberrechte?

Aber schon allein darin, solche Informationen und

Erwartungen miteinander transparent zu machen,

lag ein großer Gewinn. Klar wurde auch, dass es

keine fundierte Datenbasis zu den Einkommensverhältnissen

der Freien und zur wirtschaftlichen Situation

der Film- und Produzentenlandschaft Mitteldeutschland

im Ganzen gibt. Um hier Abhilfe zu

schaffen, will die IG FF zunächst eine eigene Honorarstudie

für die Freischaffenden im Fernsehbereich

initiieren.

Wie bei solchen „Anfängen“ üblich, brachten viele

erstmal ihre Sorgen, ihren Unmut, ihre Klagen mit.

Über unfaire Arbeitszeitregelungen, intransparente

Angebots- und Vergabeverfahren, fragwürdige

Mehrwertsteuerbestimmungen ... Ideen wurden vor

allem noch gesucht. Am Ende aber gingen die meisten

mit einem Aufbruchsgefühl und der Bereitschaft

zu weiterem Engagement auseinander. Die nächste

„Mixed Zone“ soll schon Ende April stattfinden. (JG)

FILMPOLITIK

18

Warum aber treibt es die Kollegen aus dem TV-Bereich

gerade jetzt, wo doch eigentlich alles seit Jahren

zu laufen scheint, dazu, sich so zahlreich und

intensiv mit den Umständen auseinanderzusetzen?

Die Antwort war schon mit einem Einführungsfilm

(http://www.ig-ff.de/2013/03/wir-machen-fernsehen-2/)

gegeben, in dem einige Kollegen von Anspruch

und Realität ihres Berufslebens erzählen.

Darüber, wie sich seit Jahren nichts verändert hat

außer den deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten.

Honorare, die vor zehn, fünfzehn Jahren noch

für ein angemessenes Auskommen sorgten, lassen

heute oft nur noch ein prekäres Leben zu, weil sich

ihre Höhe seit zwanzig Jahren nicht verändert hat.

Kaum anders geht es den Produktionsfirmen, von

denen auch mehrere gekommen waren. Auch viele

von ihnen befinden sich in einer dauerhaft instabilen

Situation. Wie die Vertreter des Mitteldeutschen Filmund

Fernsehproduzentenverbandes von ihren letzten

Rahmenvertragsverhandlungen mit dem Mitteldeutschen

Rundfunk berichteten, konnten sie lediglich

eine Anpassung der Kostensätze im mittleren

zweistelligen Bereich durchsetzen. Ein Spielraum,

mit dem sich weder die Erwartungen der Freien befriedigen

noch die eigenen wirtschaftlichen Verhältnisse

verbessern lassen werden. Das war sofort allen

Anwesenden klar.

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Schluss mit Jammern!

Wie der Verein fairTV e.V. Hilfe zur Selbsthilfe leistet

Ein Gastbeitrag von GUNTRAM SCHUSCHKE, fairTV e.V.

X

Im Osten wird viel gejammert, heißt es. Mag sein. Es

wird aber auch viel berechtigt kritisiert. Wo liegt der

Unterschied? Ganz einfach: Jammern offenbart sich

durch den angefügten Satz: „Aber ma‘ kann ja eh

nüscht machen!“

Diesem Satz sagt der Verein fairTV e.V. den Kampf an,

denn viel zu lange hat er auch die Haltung der TV-

Schaffenden in Mitteldeutschland bestimmt! Wer

nicht einverstanden war mit den immer unzumutbarer

werdenden Produktionsbedingungen, wer eingeschüchtert

war durch „Du bist ganz leicht ersetzbar“,

wer keine Zukunft mehr sah, der resignierte oder

ging einfach weg. Viele kompetente Kollegen sind

auf diese Art dem mitteldeutschen Sendegebiet verloren

gegangen. Aber als am 3. Oktober 2012 die

Gründungsmitglieder von fairTV die Vereinssatzung

unterschrieben, waren

sich alle einig: „Wir bleiben

hier! Wir glauben

an diese Region und

streben Veränderungen

an. Wir wollen etwas bewegen,

auch wenn es

Risiken birgt.“ Das war

ein neuer Wind, und er

fühlte sich gut an! Es

war Hoffnung.

Hoffnung allein hilft indessen nicht viel. Die Weichenstellungen

der letzten Jahre sind folgenreich. Enormer

Kostendruck gefährdet die Qualität der mitteldeutschen

TV-Produktionen, gespart wird vor allem

an den Honoraren. Wo sie im Sendegebiet stagnierten,

ist in den letzten 20 Jahren allein durch Inflation

ein realer Einkommensverlust von 41% entstanden

(Quelle: Stat. Bundesamt). Hinzu kommen längere

Arbeitszeiten für das gleiche Geld, gestrichene Zuschläge

für Mehrarbeit, Sonntage, Feiertage, Sonderleistungen.

Dabei stiegen Anforderungen an Belastbarkeit

und Kompetenz. Ein Schnittmeister zum Beispiel

ist heute eben nicht mehr nur Schnittmeister,

sondern auch Grafiker, Typograf, FX-Experte, Kolorist,

Sound-Designer, Musik-Berater, Musik-Archivar, Tontechniker

und manchmal sogar Dramaturg. Angemessen

bezahlt wird das alles nicht.

Um diese Situation grundsätzlich zu verbessern, setzt

sich fairTV vor allem für die Selbständigen unter den

TV-Schaffenden ein. Sie tragen doppelte Lasten, da

sie sowohl in ihrem Beruf arbeiten als auch die Arbeitskraft

kaufmännisch kalkulieren und vermarkten

müssen. Dazu leistet der Verein Hilfe zur Selbsthilfe,

z.B. durch Musterbriefe, Argumentationshilfen und

Empfehlungen für die Preisgestaltung. Dennoch bekennt

sich fairTV klar zum freien Unternehmertum. Es

geht also nicht um verbindliche Einheitstarife oder

Kündigungsschutz.

Die Strategie geht auf: Nach der ersten Musterbriefaktion

im Sommer 2012 arbeiten viele Leipziger

Cutter wieder acht statt 10 Stunden am Tag – für die

gleiche Tagesgage! Immerhin wurde diese 10-Stunden-Unart

irgendwann ohne finanziellen Ausgleich

von Sendern und Produzenten erzwungen. Außerdem

werden wieder Zuschläge für Mehrarbeit erhoben

und machen „eingeplante Überstunden“ unattraktiver.

Die zweite Musterbriefaktion

im Dezember

2012 brachte erstmals

seit 20 Jahren eine

organisierte Inflationsanpassung,

sogar sukzessive

rückwirkend. Sie

basiert auf den bereits

bestehenden, individuellen

Sätzen der Medienschaffenden

und

bringt so Fortschritte, ohne eigene Preisgestaltung zu

verhindern.

All das macht Mut, weitere Gewerke werden folgen.

fairTV stellt inzwischen Musterbriefe für Cutter, Kameraleute

und Assistenten zur Verfügung und organisiert

für Interessierte die gemeinsame Durchsetzung

zu einem Stichtermin. Außerdem wird der Verein

an anderen mitteldeutschen Medienstandorten

aktiv.

Solche Erfolge dürfen aber nicht darüber hinweg täuschen,

dass die Bemühungen erst am Anfang stehen.

Es gibt beachtlichen Gegenwind, und besonders einige

MDR-Tochterunternehmen stellen sich massiv

gegen Veränderungen. Vielleicht ist bei ihnen noch

nicht angekommen, was von der Intendanz begriffen

wurde, dass „der Gebührenzahler (...) ein Recht auf

Qualitätsprodukte hat“. Die Kompetenz dazu ist aber

langfristig nicht als Schnäppchen zu haben. Oder mit

den Worten von J. Goldsmith: „If you pay peanuts,

you get monkeys!“

www.fairtv.net

FILMPOLITIK

19


„Intransparent, unangemessen, treuwidrig“

OLG Dresden verbietet „VFF-Klausel“ in TV-Produktionsverträgen.

FILMRECHT

„Schluss damit! Es ist Unrecht. Das Urteil des Oberlandesgerichts

in Dresden vom 12.3.2013 ließ an Deutlichkeit

nichts zu wünschen übrig. Fernsehsender

dürfen nicht länger von Auftragsproduzenten die

Hälfte der Erlöse aus sogenannten Zweitverwertungsrechten

per Zwangsklausel für sich beanspruchen.

Es geht um erhebliche Millionenbeträge jedes

Jahr.

Genau das war jahrelang Praxis: Wer Filme im Auftrag

öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten produzieren

wollte, musste mit dem Produktionsvertrag eine

Klausel unterschreiben, nach der diese Zweitverwertungsrechte

nur über die Verwertungsgesellschaft

der Film- und Fernsehproduzenten (VFF) geltend gemacht

werden durften.

Was sind Zweitverwertungsrechte? Kabelbetreiber,

die Hersteller und Importeure von Aufnahmegeräten

und –medien, DVD-Verleiher und Gewerbebetriebe

wie z.B. Hotels können ihr Geld ja nur (oder in wesentlichen

Teilen) verdienen, weil es Filme gibt, die

sie weiterleiten, kopieren, aufzeichnen, verleihen, zeigen

können. Für das Recht das zu tun, müssen sie

zahlen. Für die Produzenten sind das die Zweitverwertungsrechte,

die ihnen laut Urheberrechtsgesetz

eben nicht einfach mit den Sende- und verwandten

Nutzungsrechten (Erstverwertungsrechte) abgenommen

werden dürfen. Sie sind über Verwertungsgesellschaften

geltend zu machen. Wie die VFF eine unter

anderen ist.

In der VFF sind die Öffentlich-Rechtlichen aber

50-Prozent-Gesellschafter und beanspruchen nach

dem internen Verteilungsplan eben auch die Hälfte

der Einnahmen für sich. Die sie dadurch sicherstellen,

dass sie die Auftragsproduzenten zwingen, ihre

Rechte ausschließlich hier geltend zu machen.

Gegen diesen Vertragszwang hatte die AG Dokumentarfilm

stellvertretend für ihre über 850 Mitglieder,

darunter zahlreiche Produktionsunternehmen, Klage

erhoben. In Leipzig, weil die beklagte Anstalt der Mitteldeutsche

Rundfunk war. Schon das Landgericht

hatte die „VFF-Klausel“ für Unrecht befunden, wogegen

der MDR in Revision gegangen war. Doch das

Dresdner OLG sieht die Sache genauso eindeutig, so

dass es nicht mal weitere Revision zuließ. Noch mehr

als das: das Gericht machte klar, dass die Urheber

und Leistungsschutzrechte auch bei Auftragsproduktionen

ausschließlich beim Produzenten entstehen,

weil er allein Hersteller mit allen damit verbundenen

unternehmerischen Risiken ist.

Der MDR prüft nach Aussage seines Sprechers Walter

Kehr derzeit, ob noch einmal Beschwerde gegen das

Urteil eingelegt und wie es gegebenenfalls umgesetzt

wird. Eine erste, nicht repräsentative Recherche

des Filmverbandes ergab aber, dass die entsprechende

Klausel schon in Verträgen aus dem vergangenen

Jahr nicht mehr enthalten ist. Für die Produzenten

bedeutet das, dass sie ihre Rechte nun über

Verwertungsgesellschaften geltend machen können,

bei denen sie nicht von vornherein auf die Hälfte verzichten

müssen. Das macht schnell einige Hundert

bis mehrere Tausend Euro jährlich aus, die dort landen

würden, wo sie hingehören: bei den Produzenten.

Besonders in Sachsen und Mitteldeutschland,

wo die Produzentenstruktur überwiegend kleinteilig

und wirtschaftlich schwach ist, wird dieses Geld dringend

gebraucht. Danke, AG Dok! (JG)

www.agdok.de

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20


„Blut muss fliessen“ –

MDR will Film nun doch senden

Der Mitteldeutsche Rundfunk verhandelt derzeit mit

Produzent Peter Ohlendorf über eine Ausstrahlung der

Dokumentation „Blut muss fliessen“. Das erklärte

MDR-Chefredakteur Stefan Raue. Für einen Themenabend

„Rechtsextremismus“ auf ARTE hatte der Sender

aus Leipzig das Projekt bereits einmal auf dem Tisch,

entschied sich zunächst aber dagegen. Nach kritischer

Medienreaktion, unter anderem in der 3Sat-Sendung

„Kulturzeit“, vollzog er nun offenbar eine Kehrtwende.

„Blut muss fliessen“ dokumentiert die rechtsradikale

Musikkonzertszene. Der Film wurde über neun Jahre

hinweg überwiegend mit versteckter Kamera bei

neunzig rechtsradikalen Rockkonzerten gedreht,

wovon 41 im MDR-Sendegebiet stattfanden. Er gibt

einen unmittelbaren Einblick in eine gewaltbereite

Szene, bei der es immer wieder auch zu Straftaten wie

Volksverhetzung und dem Zeigen von verfassungswidrigen

Symbolen kommt.

Produzent Peter Ohlendorf hatte den Film gänzlich

ohne Unterstützung sowohl durch öffentlich-rechtliche

Sender als auch Förderinstitutionen realisieren müssen.

Initiative „Der besondere Kinderfilm“

sucht nach Ideen

Die breit angelegte Initiative „Der besondere Kinderfilm“

will anspruchsvolle und originäre Kinderfilme in

Deutschland fördern. Gefragt sind professionelle Autoren

und Produzenten, die sich gemeinsam mit einer

Projektidee bis zum 17. Mai 2013 bewerben können.

Sechs dieser Ideen werden ausgewählt, zu einem

Drehbuch entwickelt und mindestens zwei davon im

Anschluss produziert.

Im Zentrum dieses neuartigen Fördermodells, das auf

einer Initiative des öffentlich-rechtlichen Fernsehens,

der Filmwirtschaft, Förderinstitutionen sowie der Politik

basiert, stehen Produktionen, die nicht auf bekannten

Marken oder literarischen Vorlagen beruhen. Gesucht

werden Realfilme für ein Publikum ab acht Jahren,

die humorvoll sind, in der Gegenwart spielen und

differenzierte Charaktere zeigen. Ziel ist die Produktion

gesellschaftlich relevanter Filme, die auf originelle

und emotionale Weise ihren Zuschauern eine positive

Perspektive bieten. Die Förderung wird als Zwei-Stufen-Modell

realisiert. Ab sofort sind Autoren und Produzenten

aufgerufen, ein Treatment für einen Fernsehoder

Kinofilm einzureichen. Im Sommer wird eine Jury

aus allen Einsendungen bis zu sechs Projekte auswählen.

Zur Erarbeitung einer ersten Drehbuchfassung

werden sie mit je 20.000 Euro für die Drehbuchautoren

und 5.000 Euro für die Produzenten gefördert. In

der zweiten Stufe sollen mindestens zwei dieser Filmideen

mit finanzieller Unterstützung der beteiligten

Partner umgesetzt werden.

Mit der Durchführung wurde der Förderverein Deutscher

Kinderfilm e.V. mit Sitz in Erfurt betraut. Das Fördermodell

versteht sich als zusätzlicher Baustein in

einer Reihe von Maßnahmen, um Anzahl und Qualität

dieser „besonderen Kinderfilme“ in Kino und Fernsehen

zu steigern und damit dem Kinderfilm in Deutschland

wieder mehr Präsenz und ein stärkeres Gewicht

zu verleihen.

www.der-besondere-kinderfilm.de

Steinbruch aus Lohmen

in Kino-Charts 2012

„Cloud Atlas“ vom Regieteam Tykwer/Wachowski war

2012 mit gut einer Million Zuschauer der erfolgreichste

Film, der zumindest teilweise in Sachsen (unter

anderem in einem Sandsteinbruch in Lohmen bei

Pirna) gedreht und von der Mitteldeutschen Medienförderung

finanziert wurde. Unter den ersten 100 Filmen

finden sich noch eine Reihe weiterer mit MDM-

Beteiligung. Eine originär sächsische Produktion ist allerdings

nicht darunter. Das geht aus den von der

Filmförderungsanstalt (FFA) im März veröffentlichten

Zahlen hervor. Einziger deutscher Film unter den Top

10 war „Türkisch für Anfänger“. Mit fast 8,9 Millionen

Kinogängern und mit Abstand der erfolgreichste Film

überhaupt war die französische Produktion „Ziemlich

beste Freunde“.

Die FFA-Zahlen machen sowohl positive als auch negative

Tendenzen deutlich. Insgesamt mussten Filme

aus Deutschland oder mit deutscher Beteiligung einen

Besucherrückgang von 14 Prozent zu 2011 hinnehmen.

Erfreulich ist hingegen, dass die Kinoumsätze um

knapp acht Prozent auf erstmals über eine Milliarde

Euro stiegen und das Kinosterben spürbar zurückging.

Der Nettoverlust an Filmtheatern ging von 79 im Jahr

2011 auf 23 im vergangenen Jahr zurück. www.ffa.de

Filmfördergesetz soll verlängert werden

Die Filmförderung des Bundes durch die Filmförderungsanstalt

(FFA) soll bis zum 30. Juni 2016 verlängert

werden. Ein entsprechender Gesetzentwurf wird

derzeit im Bundestag beraten.

Das Filmförderungsgesetz (FFG) regelt Aufgaben und

Umsetzung der Filmförderung des Bundes durch die

Filmförderungsanstalt. Die FFA wird durch einen Anteil

an den Einnahmen aus Kinokarten, DVD-Verkäufen

und von Fernsehsendern finanziert. Dadurch standen

ihr 2012 gut 74 Millionen Euro an Fördermitteln zur

Verfügung. Nach eigenen Angaben hat die FFA daraus

mit 34,4 Mio. Euro 134 deutsche Kinofilmproduktionen

gefördert, die 91 Prozent der Erstaufführungsbesucher

aller 220 Neuproduktionen aus Deutschland

auf sich gezogen haben.

Die Bundesregierung möchte mit der Gesetzesnovelle

künftig auch die Förderung von barrierefreien Filmen

FILMSPOTS

21


FILMSPOTS

22

ermöglichen. So sollen von jedem geförderten Film

Fassungen jeweils für seh- und für hörbehinderte Menschen

produziert werden. Darüber hinaus soll dann die

Digitalisierung des Filmerbes zu den Förderaufgaben

der FFA gehören. Die bislang gültige Fassung des Filmförderungsgesetzes

läuft Ende 2013 aus.

Zusätzlich zu den FFA-Mitteln stellt der Bund in diesem

Jahr 70 Millionen Euro über den Deutschen Filmförderfonds

(DFFF) zur Verfügung, zehn Millionen Euro mehr

als 2012.

SLM – Fördergelder

für Medienkompetenzprojekte

Die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk

und neue Medien (SLM) stellt auch im Jahr 2013 wieder

beträchtliche Fördergelder für Medienkompetenzprojekte

zur Verfügung.

Bis zum 29. April können sich schulische Fördervereine

und andere Initiativen, Einrichtungen und Verbände

aus Sachsen bewerben. Einzelpersonen und SAEK-Betreiber

werden nicht gefördert.

Details zur Bewerbung unter www.slm-online.de.

El_Sta eingeweiht

Als erstes Bundesland konnte Sachsen am 25.2.2013

sein elektronisches Staatsarchiv feierlich einweihen.

Aufgabe des „el_Sta“ genannten Systems ist die

Langzeitaufbewahrung und Zugänglichmachung von

laut Staatsregierung „besonders aufbewahrungswürdigen“

Daten wie Emails, Aktennotizen, Plänen und

Karten, welche ausschließlich digital vorliegen. Dafür

stehen zunächst fünfzehn Terabyte Speicherplatz zur

Verfügung. Das System entstand in vier Jahren und

kostete rund zwei Millionen Euro. Sachsens filmisches

Erbe kann im Rahmen des „el_Sta“ bislang jedoch

nicht aufbewahrt werden. Für seine digitale Archivierung

ist noch keine übergreifende Lösung in Sicht.

Ein Herz für Filmfans –

Defibrillator und Erste-Hilfe-Schulung im

UFA-Palast Dresden

Im Rahmen einer DRK-Schulung wurden alle

Mitarbeiter des Dresdner UFA-Palasts in den Gebrauch

eines vor kurzem im Kristallpalast installierten Defibrillators

eingewiesen.

Damit ist der UFA-Palast Dresdens erstes und einziges

Kino, welches mit dem modernen Lebensretter ausgestattet

ist. Der Defibrillator befindet sich zentral und

von jedermann zugänglich im Kristallfoyer.

In Deutschland ereignen sich jährlich mehr als 100.000

Todesfälle aufgrund eines plötzlichen Herztodes (etwa

12mal mehr als durch Verkehrsunfälle). Dieser ist damit

die häufigste außerklinische Todesursache. Dabei wird

der Herzschlag gestört und es kommt zu einem unkontrollierten

Pulsieren des Herzens, dem sogenannten

Kammerflimmern. Binnen weniger Sekunden verliert

der Patient das Bewusstsein und zeigt keinen Puls

mehr. Nur sofortige notfall-medizinische Behandlungen

wie Herz-Lungen-Reanimation und externe Defibrillation

können den Patienten dann noch retten.

Das Gerät der Marke „Primedic HeartSafe” ist ein automatischer,

externer Defibrillator mit einfacher Ein-

Knopfbedienung und Sprachanweisung, bei dem wenige

Handgriffe genügen, um professionelle Hilfe zu

leisten. Die Anschaffungskosten belaufen sich auf circa

1.400 Euro.

Till Grahl, Marketingleiter des UFA-Palasts: „Für eine

große öffentliche Einrichtung wie den UFA-Palast

Dresden ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir

nicht nur unser Personal regelmäßig schulen, sondern

uns mit modernster Rettungstechnik ausstatten, um

im – hoffentlich niemals eintretenden Fall – schnell

und richtig reagieren zu können und vielleicht sogar

Leben zu retten.“

Regisseur Werner Herzog erhält Ehrenpreis

für hervorragende Verdienste um den

deutschen Film

Der Regisseur, Produzent, Schauspieler und Autor Werner

Herzog wird bei der diesjährigen Verleihung des

Deutschen Filmpreises mit dem Ehrenpreis für hervorragende

Verdienste um den Deutschen Film ausgezeichnet.

„Ich habe mich über die Entscheidung der

Filmakademie sehr gefreut. Schließlich ist dieser Preis

die höchste Ehrung, die man im deutschen Film erhalten

kann“, so Werner Herzog. Der in Los Angeles lebende,

international gefeierte Regisseur wird die Auszeichnung

am 26. April im Berliner Friedrichstadt-Palast

persönlich entgegennehmen.

„Diese Entscheidung ist auch der Jury eine Ehre gewesen.

Schließlich hat Werner Herzog nicht nur einige der

bedeutendsten und originellsten Filme des Neuen

Deutschen Kinos gedreht und mit manchem Filmtitel

nebenbei auch noch den Sprachschatz unseres Landes

bereichert. Er ist als visionärer Filmkünstler mit nie

nachlassendem Mut zum Risiko immer in Bewegung

geblieben, hat nach vielen großen Spielfilmen die

Grenzen des Dokumentarfilms neu definiert und wird

völlig zu Recht weltweit geachtet und verehrt“, begründet

Iris Berben, die Präsidentin der Deutschen Filmakademie

und Vorsitzende der Ehrenpreisjury, die

Wahl. Die Wahl des Ehrenpreises erfolgt durch eine

zehnköpfige Auswahlkommission, die der Vorstand

aus den Mitgliedern, den Fördermitgliedern und dem

Freundeskreis der Deutschen Filmakademie bestimmt.

www.deutscher-filmpreis.de

www.deutsche-filmakademie.de.


„Gute Filme und viele Besucher ...

Alles erfüllt.“ Salzgeber-Preis 2013 für „Kinobar

Prager Frühling“ an Chefin Miriam Pfeiffer.

25.600 Besucher waren es 2012 – in einem Saal mit

74 Plätzen. Mehr bzw. besser geht wohl kaum. Es ist

das Ergebnis von sechs Jahren ganz besonderer Kinoarbeit,

für die Miriam Pfeiffer nun bei der Berlinale mit

dem renommierten Manfred-Salzgeber-Preis ausgezeichnet

wurde.

Der Preis geht damit zum zweiten Mal in Folge an ein

Programmkino in Sachsen. Im vergangenen Jahr

wurde Bernhard Reuter vom Dresdner „Kino im Dach“

ausgezeichnet. Der Manfred-Salzgeber-Preis ist mit

2.500 Euro dotiert und zeichnet jährlich „internationale

Persönlichkeiten aus, die sich in ähnlicher Weise

wie Salzgeber darum bemühen, herausragende und

‚schwierige’ Filme ins Kino zu bringen.“, so der preisstiftende

Verleih „Edition Salzgeber“.

Genau das macht Miriam Pfeiffer seit Jahren einfallsreich

und engagiert. Es ist ihr wichtig, ihrem Publikum

nicht nur außergewöhnliche sondern auch emotional

herausfordernde Angebote zu machen. Dazu gehören

länderspezifische Reihen wie „Czech on Tour“ und

„Türkei Urban“, die „Israelischen Filmtage“, „Gute

Filme aus dem Norden“ oder die Experimentalfilmreihe

„D21 Kunstraum“. Sie bringt das Publikum

immer wieder auch mit Filmemachern zusammen und

hat es geschafft, ihr Kino als spannenden Ort für Veranstaltungen

über den Film hinaus zu etablieren.

Buchautoren lesen hier, Jazzbands spielen Begleitmusik.

Die Deutschlandpremiere des Musikdokumentarfilms

„Turning“ wurde zur Party mit DJ Escape. So

wird ihr kleiner Kino-Raum zur lebendigen Bühne der

großen Welt. Was kann man mehr wollen?

Im vergangenen Jahr hat auch die „Kinobar“ auf digital

umgestellt ohne aber den bewährten 35-Millimeter-Projektor

auszumustern. So schafft sie inzwischen

bis zu vier Vorstellungen täglich. Von Mai bis September

kommt ein Freilichtkino an der Szenemeile der

Leipziger Südvorstadt hinzu. Oft gibt’s auch hier zu

wenig Plätze – ganz ohne aktuelle Blockbuster.

Und in Zukunft? Miriam Pfeiffer will genau so weitermachen:

gute Filme zeigen und spannende Veranstaltungen

machen. Wir freuen uns darauf.

Der Film wurde gefördert durch die Mitteldeutsche

Medienförderung, das Kuratorium junger deutscher

Film, das BKM und die Hessische Filmförderung.

Adhoc gewinnt „Goldenes Stadttor“

in Silber

Der Werbefilm „Dresden – Ganz große Oper.“ hat

den Tourism Media Award „Das Goldene Stadttor“ in

Silber bei einem Internationalen Filmwettbewerb gewonnen.

Der von der adhoc Film Dresden GmbH produzierte

Clip wurde auf der ITB in Berlin in der Kategorie

Städte & Regionen ausgezeichnet.

„Die Würdigung in Berlin zeigt, dass wir unser Hauptanliegen

mit dem Film erreicht haben, dem diesjährigen

Kampagnenmotto `Dresden – Ganz große Oper.´

durch eindrucksvolle und charmante Aufnahmen

Leben einzuhauchen“, so René Biermann nach der

Preisverleihung. Der Clip entstand unter der Regie

von Silvia Freitag.

FILMPREISE

Kurzfilm„Die schöne Anna Lena“

mit Murnau-Preis ausgezeichnet

„Die schöne Anna Lena“ (Regie Ralf Kukula, Produktion

Balance Film) wurde mit dem renommierten

Friedrich-Wilhelm-Murnau-Preis ausgezeichnet.

Die Preisverleihung findet am Freitag, dem 3. Mai

2013 in der Wiesbadener „Caligari FilmBühne“ statt.

Der 4-minütige Zeichentrickfilm beruht auf der gleichnamigen

Geschichte aus dem Buch „Lola rast“ des

Klett Kinderbuch Verlags (Autor: Wilfried von Bredow

mit Bildern von Anke Kuhl). In Struwelpeter-Manier

wird darin der unheilvolle Verlauf der Putzsucht eines

kleinen Mädchens erzählt.

Spielfilm „Lore“ vierfach zum Deutschen

Filmpreis 2013 nominiert

Der vom Verbandsmitglied Rohfilm GmbH produzierte

Spielfilm „Lore“ wurde in vier Kategorien zum Deutschen

Filmpreis 2013 nominiert. Der Film, der unter

Regie von Cate Shortland entstand, wurde für die Kategorien

Bester Film, Beste Filmmusik, Beste Kamera

und Bestes Kostümbild vorgeschlagen.

Der 63. Deutsche Filmpreis wird auf einer festlichen

Gala am 26. April 2013 im Friedrichstadt-Palast Berlin

verliehen.

17 23


Crowdfunding zur Filmfinanzierung

Ernsthafte Alternative zur Filmförderung oder Tropfen auf den heißen Stein?

von CHRISTIAN ZIMMERMANN

FILMPRODUKTION

24

„Stromberg“: über eine Million Euro. Die im

letzten Jahr in die Kinos gekommene Naziklamotte

„Iron Sky“: weltweit 1,2 Millionen US-

Dollar. Oder die jüngst sehr erfolgreiche Kampagne

des ersten „nichtlustig“-Films: 183.000

Euro. Es sind vor allem aufsehenerregende

Projekte wie diese, die den Hype um das

„crowdfunding“, also das Zusammensammeln

von Geldern von lauter Kleininvestoren, so

richtig angefeuert haben.

Erleben wir einen Paradigmenwechsel in der

Filmfinanzierung?

Tatsächlich: einige Projekte konnten über Crowdfunding-Plattformen

Teile oder gar die gesamte Finanzierung

ihres Projektes realisieren. Diese gefeierten

Erfolge können aber nicht darüber hinwegtäuschen,

dass Crowdfunding als Finanzierungsquelle für Filmprojekte

in Deutschland noch am Anfang steht. Denn

auf der anderen Seite stehen viele Projekte, deren

Finanzierungsziel – obwohl niedrig angesetzt – entweder

gerade so erreicht oder eben verfehlt wurden.

Die Gründe dafür mögen vielfältig sein, der Hauptgrund

dürfte am immer noch geringen Niveau der

Spendenbereitschaft insgesamt liegen.

Der Erfolg der aktuellen „Veronika Mars“-Kampagne

bei „kickstarter.com“, dem Marktführer im Crowdfunding-Mutterland

USA, spricht Bände. Bei ihr wurden

binnen zwölf Stunden zwei Millionen US-Dollar

eingesammelt. Nach nicht einmal einer Woche spielte

sie mit 3,6 Millionen US-Dollar mehr ein, als „startnext.de“,

die führende deutsche Crowdfunding-

Plattform, seit seinem Bestehen im Jahr 2010 einsammeln

konnte.

Anna Theil von „startnext.de“ macht hierfür die im

Vergleich zu Deutschland mit seiner öffentlichen Kulturfinanzierung

grundsätzlich andere Beteiligungsund

Sponsoring-Kultur in den USA verantwortlich.

Dort werden kulturelle und kreative Projekte schon

immer vorwiegend über privates Engagement finanziert.

Zudem ist der englische Sprachraum ungleich

größer und verfügt deshalb über ein stärkeres Potential

als der deutsche.

„startnext.de“ war der erste – und mittlerweile beachtlich

erfolgreiche – Versuch, eine neue Beteiligungsmentalität

auch in Deutschland zu etablieren.

Aus sächsischer Sicht sehr erfreulich: Swwowohl mit

„startnext.de“ aus Dresden als auch mit „VisionBakery“

aus Leipzig haben die beiden deutschen Marktführer

ihren Sitz in Sachsen. Zusammen akquirieren

sie bislang neunzig Prozent aller Crowdfunding-Einnahmen

in Deutschland.

Speziell im Filmbereich liegt die Erfolgsquote bei

„startnext.de“ in der Finanzierungsphase bei 56 Prozent.

Seit Bestehen der Plattform konnten allein im

Filmbereich bundesweit 213 Projekte mit insgesamt

ca. 1,2 Millionen Euro ausgestattet werden. Dem gegenüber

stehen der traditionellen Filmförderung in

Deutschland nach Angaben der Filmförderungsanstalt

FFA jährlich insgesamt rund 350 Millionen Euro

zur Verfügung. Der große Unterschied liegt für Anna

Theil aber darin, „dass die Crowdfunding-Summe

von vielen Unterstützern erbracht wird und damit

einen ganz anderen Wert für ein Projekt hat.“

Ein Blick auf die Erfolge der letzten Monate lässt

zwei Tendenzen erkennen. Einerseits sind es bereits

etablierte Formate, die es ihren Fans ermöglichen zumindest

gefühlt Teil des Projektes zu werden, und die

damit eine hohe Projektidentifikation herstellen können.

Diesen Projekten fällt es nicht schwer, ihre Produktionen

zu einem erheblichen Teil aus der „Crowd“

zu finanzieren.

Auf der anderen Seite stehen Projekte, die mit hohem

persönlichen und zeitlichem Aufwand und einer Idee

aufwarten, welche die „Crowd“ emotional bewegt.

Die Mehrzahl der in diesem Bereich erfolgreichen

Projekte hatten sich relativ geringe finanzielle Ziele

gesetzt, so dass gefragt werden muss, ob für Förderhöhen

unter 4.000 Euro der Aufwand angemessen

ist. Denn eines muss jedem „Starter“ klar sein: Erfolg

haben nur Projekte, welche mit erheblichem Zeitaufwand

und permanent betreut werden.

Ein Projekt, dessen Betreiber offenbar alles richtig

gemacht haben, ist „Geschichten hinter vergessenen

Mauern“. Hier konnte bereits ein „Teil 2“ erfolgreich

durch Crowdfunding finanziert werden. Über die „VisionBakery“

wurden mit rund 12.000 Euro pro Teil

zwei- bis dreimal so viele Gelder wie kalkuliert eingeworben.

Enno Seifried, Produzent der Dokumentarfilme,

die die Geschichten verlassener Industrieruinen

erzählen, haben wir zu Crowdfunding, seine Wege

und Pläne befragt.


„Hinter vergessenen Mauern“

ENNO SEIFRIED im Gespräch mit CHRISTIAN ZIMMERMANN

1. Wo seht ihr die Gründe für den Erfolg eurer

Kampagnen für „Geschichten hinter vergessenen

Mauern“?

Ich glaube, wir haben mit dem ersten Teil von „Geschichten

hinter vergessenen Mauern“ das Interesse

oder besser gesagt, den Nerv der Zeit getroffen. Seit

einigen Jahren taucht das Thema „Lost Places“

immer häufiger in der Öffentlichkeit auf. Anfangs

waren es nur die „Urban Explorer“, dann die „Geocacher“,

Fotografen, Musiker und Neugierige, die

sich in den ehemaligen Betrieben und Wohnhäusern

herumtrieben. Wir haben für den ersten Film sehr viel

positives Feedback bekommen, was wohl wiederum

der Schlüssel zum, für uns, unglaublichen Erfolg von

„Geschichten hinter vergessenen Mauern - Fortsetzung“

geführt hat. Den Leuten hat wohl gefallen,

was sie gesehen haben und so war die Welle der Unterstützer

bei unserer zweiten Crowdfunding-Aktion

auf der Leipziger Plattform VisionBakery ein regelrechter

Tzunami.

2. Was habt ihr bei der zweiten Kampagne anders

gemacht als bei der ersten?

Eigentlich nichts. Klar, wir haben die Premieren-Location

für den Film gewechselt und spenden diesmal

auch 20 Prozent des Erlöses an eine Location, die

vom Verein „Kulturinitiative Zwenkau“ vor dem Abriss

gerettet wurde. Solche Änderungen in der Konzeption

gab es schon, doch grundsätzlich wollten wir

an der Crowdfunding-Aktion gar nicht so viel schrauben,

da wir beim ersten Teil offensichtlich nicht allzu

viel falsch gemacht haben. Sogar meine Alkoholpause

zwischen Projektstart und Projektende habe

ich wieder aufgenommen. Ein wenig Aberglaube

kann nicht schaden...

3. Kann Crowdfunding aus eurer Sicht Ersatz

für die traditionelle Filmförderung werden?

Ich weiß es nicht. Davon habe ich nicht wirklich Ahnung.

Ich will einfach meine Filme machen. Fakt ist,

dass man, wie in unserem Fall, mit 18.000 Euro keinen

Film drehen kann. Da braucht es schon ein

wenig mehr. Es ist eine Unterstützung und den Rest

muss man selber beisteuern. Zumindest haben wir

das getan, denn wir haben erst gar nicht versucht,

auf traditionelle Filmförderung zuzugreifen. Ich

steige durch diese Anträge und das ganze Zeug ohnehin

nicht durch und ehe ich dann zu viel Zeit verliere,

fang ich lieber gleich an zu drehen. So hat uns

der erste Teil eine ganze Stange Geld gekostet. Das

haben wir mit Kinovorführungen und DVD-Verkauf

wieder reingeholt und dann in die Fortsetzung gesteckt.

Jetzt beginnen die Recherchen und Drehs für

den definitiv letzten Teil der Trilogie. So wird es auch

2014 wieder eine Crowdfunding-Aktion geben.

FILMPRODUKTION

25


Für Ballkleid und Sneakers

Im rockigen Wallkürenritt erzählt Allroundkünstler Schwarwel Richard Wagners Leben in sieben Minuten

von GISELA WEHRL

FILMPRODUKTION

Bei „Glücklicher Montag“ entsteht Hochkultur

in Zeichentrickform. Schwarwel macht mit seiner

Produzentin Sandra Strauß zwischen der

Kurzfilmproduktion „Richard – Im Walkürenritt

durch Wagners Leben“, Buchmesse und Strips

fürs Hausaufgabenheft der Leipziger Verkehrsbetriebe

eine Tee- und Zigarettenpause mit Interview.

Was würde Wagner zu Dir sagen?

Schwarwel: Keine Ahnung, was der sagen würde.

Darum mache ich ja den Film, der für ihn vor seinem

Tode abläuft. Dann habe ich keine Probleme, ob das

biografisch korrekt ist.

Neben Euren zahlreichen anderen Projekten

macht Ihr Musikvideos. Wenn man

Die Ärzte, Sido und Wagner in eine Linie

stellt...

Schwarwel: Nicht zu vergessen, Rosenstolz. Ich sehe

keinen Unterschied zwischen Rosenstolz und Wagner.

Nachdem ich Wagnerianer kennengelernt habe, kann

ich sage: Ich sehe keinen Unterschied zwischen einem

Sido- und einem Wagner-Fan. Die Unterscheidung zwischen

U und E liegt wohl darin, ob man ein Ballkleid

trägt oder Sneakers.

26

Darum gibt es keinen Dialog oder Off-Text?

Schwarwel: Wir wollen bei Wagner die Musik featuren.

Gleichzeitig gucken wir, wo wir Soundeffekte

und Realtöne einbauen. Bloß mit der Musik würde das

nur ein stinknormales Video werden. Weil wir aber

einen Kurzfilm machen und kein Video, muss sich die

Musik dem Bild unterordnen.

Wie kamst Du auf den Wagner-Stoff?

Schwarwel: Der Ursprungsgedanke für den Film war,

wenn ich mich schon seit 2008 mit Wagner beschäftige,

wäre es ja sinnlos, wenn wir im Jubiläumsjahr

2013 mit Nichts am Start sind.

Strauß: Damals hatte uns die Leipziger Moritzbastei

gefragt, ob wir zu einem anderen Jubiläum was machen

wollten, da haben in eine Ausstellung Schweinevogel

Wagner á la doof erklären lassen.

Schwarwel: Dummerweise ist es so, wenn man sich

einmal mit Wagner und seinem vollgestopften Leben

befasst, braucht man ein Weilchen um dahinter zu steigen.


Die Uraufführung von „Richard“ findet

bei den Leipziger Wagner Festspielen

statt. Wie reagieren denn die Wagnerianer

auf Eurer Projekt?

Strauß: Die Wagner-Vereine und -Gesellschaften sind

nicht abgeneigt.

Schwarwel: Da greift das Fantum, die sind einfach

froh, wenn sich jemand anderes auch für ihr Thema

begeistert. Danach folgt erst die Unterscheidung, ob

das eine gute Beschäftigung mit dem Thema ist.

Wie lief die Finanzierung von „Richard“?

Strauß: Die MDR-Gelder für das Wagner-Jubiläum

2013 waren schon 2009 verplant. Wir kamen Ende

2012. Trotzdem haben wir ganz kurzfristig eine Zusage

bekommen. Auch die Förderungen MDM, Kulturstiftung

und SLM haben uns glücklicherweise unterstützt.

Schwarwel: Bis dahin war es für mich eine Pein, weil

ich ohne Zusagen keinen Stift in die Hand nehmen

brauche.

NEISSE

FILM

10FESTIVAL

Anzeige

FILMPRODUKTION

Ihr engagiert Euch insgesamt in acht Verbänden,

neben dem Filmverband Sachsen,

u.a. in der AG Animationsfilm, IO Illustratoren

Organisation, Cartoon Lobby.

Warum?

Strauß: Austausch, gute Honorarpolitik und angemessene

Rechte sind einfach wichtig.

Stichwort Selbstausbeutung?

Schwarwel: Wenn man soweit mit seinen Partnern

klar ist und man einen guten Deal hat – dann liegt es

in meiner Verantwortung, wenn ich noch zwei Stunden

dranhänge.

Der Drache, der Wagner im Film heimsucht, ist bereits

animiert. „Aber mit den falschen Farben“, ruft Schwawel

von nebenan. „Du riechst so gut, nach Kraftraum“,

zieht er Putzi auf, der Head of Color + Art-Department

und gleichzeitig Schwarwels Sohn ist. Animator Dirk

zeichnet die Schatten, per Hand, obwohl das vermutlich

bei 99 Prozent aller 2D-Animationen mittlerweile

am Computer gemacht wird. Der Drache droht

„Richard“ majestätisch. Bei Glücklicher Montag werden

sie die zwei Stunden wohl fast immer aus Überzeugung

anhängen.

DOK-FILME

„Sofia´s Last Ambulance“

BALKAN-FILME

„Dead of a Man in Balkans“

„Richard –

Im Walkürenritt durch Wagners Leben“

Animationsfilm, 7 Min, Regie: Schwarwel,

Produktion: Glücklicher Montag

SINTI & ROMA WETTBEWERB

Die Premiere findet am 24. Mai 2013, 18 Uhr im Zeitgeschichtlichen

Forum im Rahmen der Richard-Wag-

„Ceija Stojka“

„Pharmakon“

ner-Festtage der Stadt Leipzig statt.

X www.richard-wagner-film.com

27


FILMVERBAND

FILMPRODUKTION

FILMSTART „Rendezvous in Belgrad“

Produzent aus Leipzig bringt Spielfilm ins Kino

Ein Gastbeitrag von OLIVER RÖPKE

Am 11. April kommt der Spielfilm „Rendezvous in Belgrad“

in die deutschen Kinos. Einer der beiden Produzenten

ist der Leipziger Oliver Röpke, Mitglied im Sächsischen

Filmverband.

Dieser etwas ungewöhnliche Liebesfilm (Programmkino.de

schreibt: „Empfehlenswert anders„) des serbischen

Regisseurs Bojan Vuletic hat eine lange Vorgeschichte.

Angefangen hat alles 2007 auf einem Workshop

der europäischen Produzentenweiterbildung

EAVE in Luxemburg, als Produzent Miroslav Mogorovic

sein damals noch „April in Belgrade“ genanntes Projekt

seinen Kollegen präsentierte und nach Finanzierungsmöglichkeiten

vor allem in Deutschland suchte.

Der in Leipzig ansässige Produzent Oliver Röpke war

sofort interessiert. Damit begann eine Entwicklungsund

Finanzierungsodyssee über mehrere Jahre. Zwar

förderten die beiden serbischen Förderungen sehr

rasch, aber die zugesagten Summen reichten bei Weitem

nicht aus. Mehrere Versuche in Frankreich scheiterten

zuerst, dann zum Glück kam eine kleine Summe

vom CNC, der französischen nationalen Filmförderung,

vergleichbar mit der FFA in Deutschland. Leider fiel

dann aber der fest eingeplante slowenische Koproduzent

kurzfristig aus, weil genau in diesem Jahr die slowenische

Filmförderung aus Geldmangel für ein Jahr

die Pforten schloss. Am Ende fanden sich noch Partner

in Kroatien und Ungarn, die mit kleineren Summen

halfen, und als weiterer großer Partner die Mitteldeutsche

Medienförderung (MDM), die mit einer Summe

von 290.000 Euro förderte.

Doberenz (Tonmeister) und aus Halle (Saale) Lutz Lassek

(Tonassistent). Nach 28 Drehtagen unter teilweise

brennender Sonne ging es dann ins thüringische Erfurt

für die Szenen im Hotel. Über mehrere Wochen wurde

dort ein leerstehendes Haus in ein nobel eingerichtetes

Luxushotelzimmer umgebaut (Making-of-Fotos finden

sich auf der Facebook-Seite), federführend war dort

der Art Director Jürgen Schäfer aus Weimar mit seinem

Team. 5 Tage lang wurde dann im August 2010 mit

Jean-Marc Barr, Anita Mančić, Baki Davrak, Nada

Šargin und Sofie Meister mit einem deutsch-serbisch

gemischten Team gedreht.

Nach Abschluss der Dreharbeiten begann nach einer

kreativen Pause der Schnitt in Belgrad, der Mitte 2011

abgeschlossen werden konnte, woraufhin die Tonarbeiten

in Leipzig mit Steffen Keinke als Sound Designer

und Markus Krohn als Toncutter (beide aus Leipzig)

begannen. Am Ende wurde dann in Leipzig vorgemischt

und im MMZ in Halle die Endmischung abgeschlossen.

Die Farbkorrektur und die weiteren Kopierwerksarbeiten

wurden in Budapest durchgeführt, die

Titelarbeiten erfolgten in Frankreich.

Am 6. Dezember 2011 wurde dann die Kinopremiere

in Belgrad gefeiert. Nach der deutschen Premiere bei

„goEast“ in Wiesbaden im April 2012, war es dann ein

großer Erfolg, im Juli beim renommierten internationalen

Filmfestival von Karlovy Vary im Wettbewerb „East

of the West“ mit dabei zu sein (der internationale Titel

des Films lautet „Practical Guide to Belgrade with Singing

and Crying“). Darauf folgend gab es weitere Festivalteilnahmen

u.a. in Warschau und Raindance.

28

Szenenfoto aus „Rendezvous in Belgrad“

2010 begannen dann die Dreharbeiten in Belgrad, mit

dabei die beiden aus Leipzig stammenden Teammitglieder

Jana Schulze (Maskenbildnerin) und Johannes

Für den deutschen Produzenten Oliver Röpke war es

anfangs sehr schwierig, einen deutschen Verleih zu finden,

nachdem der alte aufgrund eines Personalwechsels

ausgestiegen war. Nach einem halben Jahr und

etlichen Präsentationen kam es dann zu einem Treffen

mit dem kleinen, aber feinen Filmverleih Film Kino Text

aus Bonn. Ende 2012 wurde eine Vereinbarung geschlossen,

den Film im April 2013 unter dem Titel

„Rendezvous in Belgrad“ in die deutschen Kinos zu

bringen. Die 15 Startkopien wertet der Produzent für

einen solch sehr schwer vermarktbaren Film als großen

Erfolg.

Nach mehreren Pressevorführungen in ganz Deutschland,

startet der Film jetzt am 11. April, fast durchgängig

als DCP, u.a. auch in Dresden im „Kino im Dach“.


„Rendezvous in Belgrad“

Kinospielfilm, 86 Min., OmU, DCP

Regie: Bojan Vuletic

Produzenten: Miroslav Mogorovic & Oliver Röpke

Weltvertrieb: Soul Food Films

Produktionsfirmen: Art & Popcorn & TR9 Film

In Ko-Produktion mit: Petit Film

In Zusammenarbeit mit: Kinorama, Laokoon Filmgroup

Förderer:

Film Center Serbien, Mitteldeutsche Medienförderung,

Stadt Belgrad, Kultusministerium Serbien

Weblinks:

www.Rendezvous-in-Belgrad.de

Trailer: http://youtu.be/cOE-tcBTCyc

Facebook:

http://www.facebook.com/rendezvousinbelgrad

Szenenfoto aus „Rendezvous in Belgrad“

NEUES MITGLIED: hechtfilm-filmproduktion

Die hechtfilm-filmproduktion ist seit diesem

Jahr Mitglied im Filmverband. Zu diesem Anlass

wurden wir gebeten, ein kleines Porträt

unserer Firma zu veröffentlichen.

hechtfilm existiert seit 2006 – zunächst als Bürogemeinschaft

von Ralf Jakubski und Michael Sommermeyer

und seit Mitte 2011 als Unternehmergesellschaft.

Die Crew wird seit 2010 von Barbara Lubich

maßgeblich ergänzt.

Unser Profil ist schon seit der spontanen Gründung

2006 durch unseren Output geformt. Unsere ersten

Aufträge bestanden aus Konzert- und Theatermitschnitten,

Konferenz- und Imagefilmen sowie immer

wieder dokumentarischen Formaten. Dazwischen

entstanden Super8-Kurzfilme und neue Geschäftsideen,

beispielsweise das Super8-Hochzeitsfilmlabel

super8wedding.de. Was die Kurzfilme angeht, produzieret

hechtfilm Unterhaltungsformate, zum Teil mit

Stop-Trick Animation. Vier werden in diesem Jahr im

mdr-Fernsehen zu sehen sein.

Die intensive Zusammenarbeit mit Barbara Lubich

begann 2010 mit dem Dokumentarfilmprojekt für

den sächsischen Musikrat „Sächsisch-Tschechische-

Jazzwelten“. Als sich 2011 die Pläne für einen Dokumentarfilm

über die Erinnerungskultur um den 13.

Februar in Dresden konkretisierten, war die Entscheidung,

den Film mit hechtfilm selbst zu produzieren,

schnell getroffen. Unser Dokumentarfilm „Come together.

Dresden und der 13. Februar“ war Anstoß für

uns die Unternehmergesellschaft zu gründen. Für die

Auswertung dieses Filmes in den deutschen Kinos

konnten wir Barnsteiner-Film als Verleih gewinnen.

Auch wenn wir jetzt mit einem Kinodokumentarfilm

bekannter und um viele Erfahrungen reicher sind,

bleiben wir als Produktionsfirma programmatisch im

Findungsprozess. Die schnelle Entwicklung der Medienlandschaft

bietet neue Möglichkeiten, die mit

unserem Profil als technisch versierten und geisteswissenschaftlich

ausgebildeten Filmemachern entspricht.

Wir erweitern unser Know-How für die Realisierung

von Projekten für Online-Wissensvermittlung,

die mit Elementen des dokumentarischen Films arbeiten.

Die Vision, weitere hochwertige Dokumentarfilme zu

produzieren, heißt für uns, in die Entwicklung von

starken Konzepten und in Recherche zu investieren.

So bleiben wir unseren Bekenntnis treu und realistisch

im Zeitmanagement: die Fertigstellung unseres

nächsten Dokumentarfilmes ist erst für Ende 2014 zu

erwarten.

Wir hoffen künftig auf Unterstützung durch kulturelle

Filmförderer, freuen uns auf neue Kooperationen

und neue Kontakte in die hiesige Filmlandschaft und

liebäugeln mit der konkreten Vorstellung internationaler

Koproduktionen.

www.hechtfilm.de

FILMEMACHER

29


NEUES MITGLIED: TYTON GmbH

Filme direkt vom Hersteller!

FILMEMACHER

Wir bieten

Eine Filmfabrik, vor der selbst Hollywood Respekt

haben kann. Dafür sorgen nicht zuletzt unser 10 GbE

Workflow auf allen Schnittplätzen sowie die Möglichkeit,

bequem von jeder Cut-Station aus die Licht-

Stimmung im Raum zu verändern oder sofort auf 5

verschiedene Abspielmedien zuzugreifen. Unsere

Kunden können in Kinosesseln vor Ort oder auch online

ihr Film-Projekt transparent von der Kalkulation

bis zum Endergebnis live verfolgen. Auch unser eigenes

Equipment vom neusten SONY 35mm-Flaggschiff

bis hin zum ferngesteuerten Kamerakran gibt

nahezu keine Grenzen vor.

Wir suchen

Wir erwarten vom Filmverband

Sehr viel über das typisch kleingeistige Denken und

Handeln von sonstigen Verbänden hinaus.

Das ist unsere Philosophie

Chemnitz soll in einigen Jahren neben Bavaria oder

Babelsberg in einem Zusammenhang genannt werden

können und vielleicht sogar als „Hollywood in

Sachsen“ glänzen. Da TYTON dies bereits mit seinen

Tonstudios sowie mit der Kreativabteilung wegweisend

bis hin zur Volkswagen AG zeigen konnte, ist

dieses Ziel mit der jüngsten Abteilung „Film“ der nun

schon fast 25 Jahre alten Firma TYTON nicht unwägbar.

Filmideen, zu welchen andere gesagt haben:

„Das ist nicht zu schaffen.“

noch unentdeckte Talente vor und hinter den

Kameras

TYTON GmbH l Agentur für Absatzförderung

Max-Planck-Straße 46b l 09114 Chemnitz

Tel:. +49 (0) 371 666 55-0+49 l

Fax: (0) 371 666 55-100

Kontakt@TYTON.de l www.SHOWTRUCK24.de

X30

ONLINEFILM

filmland sachsen

www.filmland-sachsen.onlinefilm.org


Bundesweite Einreichtermine zur Filmförderung

Mitteldeutsche Medienförderung GmbH

Stoff, Projekte, Produktion, Verleih ...............

11.7.2013 (Beratung bis 27.6.2013)

Tel. 0341-269870, www.mdm-online.de

Kulturelle Filmförderung Sachsen

Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

Drehbuch/Projektförderung für 1.HJ 2014 . 1.9.2013

Stipendien .........................1.7.2013

Tel. 0351-8 84 8019, www.kdfs.de

Sächsische Landesmedienanstalt (SLM)

Ergänzende Kulturelle Filmförderung ......laufend

Tel. 0341-22590, www.slm-online.de

BKM

Drehbuch/Produktion programmfüllend...1.9.2013

Drehbuch/Projektentwicklung Kinderfilm Sept.2013

Verleih............................4.6.2013

www.kulturstaatsminister.de

FFA

Projektfilmförderung ................31.5.2013

Drehbuch.........................15.4.2013

Absatz............................9.4.2013

Eurimages ........................22.4.2013

www.ffa.de

Auslöser

Informationsblatt des Filmverbandes Sachsen

Herausgeber:

Filmverband Sachsen e.V.

Schandauer Straße 64, 01277 Dresden

Tel. 0351-31540630 / Fax -31540635

www.filmverband-sachsen.de

1. Vorstandsvorsitzende: Sandra Strauß

2. Vorstandsvorsitzender: Joachim Günther

(ViSdPG)

Redaktion:

Christian Zimmermann, André Schmidt

Gestaltung/Satz: André Schmidt

Druck:

Druckerei Thieme, Meißen

Auflage: 2.200

Der „Auslöser” erscheint in 5 Ausgaben pro Jahr

Redaktion:

E-mail: redaktion@filmverband-sachsen.de

Tel. 0351-315 40 630

Nächster Redaktionsschluss: 17.5.2013

MFG Baden-Württemberg

Drehbuch/Produktion ...............14.6.2013

Verleih/Vertrieb .....................1.7.2013

www.mfg.de/film

Bayerische Filmförderung FilmFernsehFonds

Drehbuch ........................11.6.2013

Produktion/Projektentwicklung ........11.6.2013

www.fff-bayern.de

Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein

Projekte über 800.000 EUR...........10.4.2013

Projekte bis 800.000 EUR ............21.8.2013

www.ffhsh.de

Film- und Medienstiftung NRW

Produktion/Verleih..................25.4.2013

www.filmstiftung.de

Mecklenburg-Vorpommern

Einreichtermin .....................5.9.2013

www.filmbuero-mv.de

Nordmedia

Einreichtermin ....................10.4.2013

www.nordmedia.de

Anzeigen/Mediadaten: media@filmverband-sachsen.de

Nächster Anzeigenschluss: 21.5.2013

Hinweis:

Die namentlich gekennzeichneten Beiträge müssen nicht unbedingt

die Meinung der Redaktion wiedergeben. Die Redaktion behält sich

das Recht zur sinnwahrenden Kürzung von Beiträgen vor.

Bildnachweis:

Titel: Filmverband Sachsen, S.S.5 Endruschat/Baksa-Soós, S.8/9

Filmfest Dresden/Filmverband Sachsen/Produzenten, S.11 Filmfest

Dresden, S.14 DIAF Sammlung J.P. Storm, S.15 Kurzsuechtig, S.23

Balance Film/Adhoc, S.24 Glücklicher Montag/Schwarwel, S.26

Glücklicher Montag/Schwarwel, S.28 Röpke Films, S.29 Hechtfilm

In der nächsten Ausgabe (3/2013) u.a.:

- Filmsommer Sachsen

- Haushaltspolitik bei ARD/ZDF

- Filmrecht: Konzeptschutz

Den Filmverband Sachsen gibt es auch bei Facebook

IMPRESSUM FILMFÖRDERUNG

31


EINREICHTERMINE NATIONALE / INTERNATIONALE FESTIVALS

Auslöser 4/5

Jihlava/Tschechien: 24.-29.10.2013

Internationales Dokumentarfilmfestival

www.dokument-festival.com/

Anmeldeschluss: 30.4.2013

INFORMATIONSBLATT DES FILMVERBANDES SACHSEN e.V.

2012

Sarajevo/Bosnien: 16.-24.8.2013

FILMPOLITIK | FILMFÖRDERUNG | FILMPRODUKTION | FILMLITERATUR | FILMTHEATER | FILMGESCHICHTE

Filmfestival

Tel. +387-33-221516 / 209411, www.sff.ba

Anmeldeschluss: 30.4.2013

Chicago/USA: 25.10.-3.11.2013

Internationales Kinderfilmfestival

Tel. +1-773-281-9075, www.cicff.org

Anmeldeschluss: 1.5.2013

Frankfurt: 22.-29.9.2013

LUCAS – Internationales Kinderfilmfestival

Tel. 069-961220670, www.lucasfilmfestival.de

Anmeldeschluss: 10.5.2013

Leipzig: 28.10-3.11.2013

Internationales Filmfestival

Tel. 0341-308640, www.dok-leipzig.de

Anmeldeschluss: 15.5.2013

Oldenburg: 11.-15.9.2013

Internationales Filmfest

Tel. 0441-9250855, www.filmfest-oldenburg.de

Anmeldeschluss: 14.6.2013

Venedig/Italien: 28.8-7.9.2013

Internationales Filmfestival

Tel. +39-041-5218711,

www.labiennale.org/en/cinema/

Anmeldeschluss: 21.6.2013

Wiesbaden: 15.-24.11.2013

exground Filmfest

Tel. 0611-1748227, www.exground.com

Anmeldeschluss: 1.7.2013

Reykjavik/Island: 26.9.-6.10.2013

Internationales Filmfestival

Tel. +354-411-7055, www.riff.is

Anmeldeschluss: 15.7.2013

Festivalübersicht auch unter:

http://www.german-films.de/activities/

festivals-of-german-films/

15.-21.4. 25. Filmfest Dresden

www.filmfest-dresden.de, S.10

18.4. 17.00 Empfang der Institutionen

Kleines Haus Dresden, S.4

20.00 Mitteldeutsche Filmnacht

Regionaler Fokus 2

Kleines Haus Dresden, S.8

19.4. 16.30 „Heimwärts“ Regionaler Fokus 1

21.4. 19.30 Kino Schauburg Dresden, S.9

24.-27.4.

1.-5.5.

6.-8.5.

17.5.

18.6.

28.6.

10. Filmfestival Kurzsuechtig

www.kurzsuechtig.de, S.15

Neiße Filmfestival

www.neissefilmfestival.de, S.16

Medientreffpunkt

Mitteldeutschland

www.medientreffpunkt.de

Bewerbungsschluss für

„Der besondere Kinderfilm“

www.der-besondere-kinderfilm.de, S.21

KONTAKT MDM-Nachwuchstag

Halle

www.mdm-online.de

FILMSOMMER Sachsen VI

Mediencampus Leipzig

www.filmverband-sachsen.de

AKTUELLE TERMINE

14.-20.10.

18. Filmfestival „Schlingel“

www.ff-schlingel.de

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