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SOTE 2005_4 - IFZ

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Inhalt / Fotos Inhalt Fotos Fotos Jörg Frankenberger Jörg Frankenberger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 Technologie & Politik Alexander Bogner, Harald Puchrucker Technik und Partizipation. Das Beispiel Konsensuskonferenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Umwelt & Energie Annette Ruef, Jochen Markard Zwischen Euphorie und Ernüchterung. Veränderung der Zukunftserwartungen und Einflüsse auf Innovationsaktivitäten bei der Brennstoffzelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Neue Biotechnologien Marjana Dermelj Toward a GM free Slovenia? Adopting strict legislation on coexistence and seed purity . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Informations- & Kommunikationstechnologien (I & K) Hajo Greif Was sind eigentlich intelligente Systeme? Informationstechnologien und ihre Interpretation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Gastredaktion Centre on Technology, Innovation and Culture, University of Oslo (TIK) . . . . . . . . . . . 15 Frauen & Technik Helene Götschel, Robin Bauer Chancengleichheit in Naturwissenschaften. Das Studienmodul Gender Studies und Naturwissenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Aus dem IFZ Geboren 1962 in Annaberg/Erzgebirge ist er in der Automobiltechnik tätig und lebt seit 2001 in Graz. Fotografisch arbeitet er eher traditionell mit großformatigen ZONE VI Kameras (4x5“ und 8x10“) – seit 2004 aber auch teilweise digital in Farbe. Um die inhärente Schönheit der flächigen Negative im Positiv zu betonen, erfolgt die Schwarz/Weiss-Bildausarbeitung auf festgradiertem Baryt, während die farbigen Dateien auf Aquarellpapier geprintet werden. Weitere Arbeiten gibt es auf: www.frankenberger.com Kontakt: joerg@frankenberger.com Das Programm SOZIALPROFIT. Unternehmen setzen auf soziale Verantwortung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Personalia . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Pränataldiagnostik als Herausforderung für die Medizinethik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 „Creating Cultures of Success for Women Engineers“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Magazin Green Products . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Biotech-News . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 Harald Rohracher The Governance of Socio-Technical Change. Ein südost-europäisches Netzwerk zur Gestaltung technischen Wandels . . . . . . . . . . . . 26 Bücher, Zeitschriften, andere Medien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 SOTE-Abo und IFZ-Publikationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Veranstaltungen und Termine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Soziale Technik 4/2005 2

Technologie & Politik Technik und Partizipation Das Beispiel Konsensuskonferenz Bereits in den 1980er Jahren wurde in Dänemark – im Kontext vielfältiger partizipativer Initiativen – das Modell der Konsensuskonferenz (KK) entwickelt. 2003 gab es in Österreich den ersten Versuch, eine KK auf nationaler Ebene durchzuführen. Alexander Bogner Studium der Soziologie in Salzburg und Frankfurt am Main, Postgraduierten-Lehrgang am Institut für Höhere Studien in Wien, seit 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Arbeitsschwerpunkte: Wissenschafts- und Technikforschung, Methoden empirischer Sozialforschung. E-mail: abogner@oeaw.ac.at Harald Puchrucker Studium der Soziologie in Wien, derzeit Magisterarbeit zum Thema „Partizipation und Planung“. Von 1997 bis 2005 als HTL-Bautechniker im Bereich technischer Infrastrukturplanung und -projektierung tätig. 2003 bis 2004 Mitarbeit an der Analyse zur österreichischen BürgerInnenkonferenz am Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. E-mail: harald.puchrucker@gmx.at Einleitung Zwar wurde in Österreich bereits 1997 ein Versuch unternommen, das Modell der KK einzuführen (Thema: „Bodennahes Ozon“), doch handelte es sich dabei – mit Blick auf Finanzierung, die Zusammensetzung des Projektteams und des BürgerInnenpanels – um ein Drei-Länder-Projekt (Wien, Niederösterreich, Burgenland). Die BürgerInnenkonferenz (BK) zum Thema „Genetische Daten: woher, wohin, wozu?“, deren öffentlicher Teil im Juni 2003 im ORF-Radiokulturhaus in Wien abgehalten wurde, stellt daher die erste KK auf nationaler Ebene dar. Diese BK wurde von der PR-Agentur „communication matters“ als Teil einer „Public-Awareness“-Kampagne des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) zum Thema Innovation durchgeführt (www.innovatives-oesterreich.at). Für die wissenschaftliche Beratung wurde eine kleine Arbeitsgruppe aus Natur- und SozialwissenschafterInnen hinzugezogen, die sich – nicht zuletzt auf Grund zeitlicher und ökonomischer Zwänge – auf die Begleitung des Verfahrens und die Unterstützung der PR-Agentur bei operativen Schritten beschränkte (Auswahl von Informationsunterlagen und der BürgerInnen und ExpertInnen). Zudem wurde ein Beirat mit Stakeholdern etabliert, um möglichen Vorwürfen der Einseitigkeit bereits im Vorfeld zu begegnen. Der Beirat traf sich allerdings nur ein Mal, um das Informationsmaterial für das 11-köpfige BürgerInnenpanel auf Ausgewogenheit zu prüfen. Im April/Mai 2003 bereiteten sich die BürgerInnen an zwei Wochenenden auf die öffentliche Konferenz vor. Die eigentliche BK wurde am 20. und 21. Juni 2003 mit einer Befragung der von den BürgerInnen ausgesuchten ExpertInnen zu ausgewählten Themenaspekten abgehalten. Zwei Tage später wurde die Stellungnahme der BürgerInnen zum Thema „Genetische Daten“ im Rahmen einer Pressekonferenz öffentlich präsentiert und Knut Consemüller, dem Vorsitzenden des RFT und Auftraggeber des Projekts, übergeben. Die folgenden Ausführungen basieren auf einer Analyse der BK, die vom RFT und dem Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) finanziert und am Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ITA) durchgeführt wurde (vgl. Bogner 2004). Geschichte der Konsensuskonferenz Ursprünglich war die KK ein Verfahren zur Beurteilung kontroverser medizinischer Sachverhalte unter ExpertInnen; sie wurde in den 1980er Jahren vom Dänischen Technologierat zur Technikfolgenabschätzung (TA) unter Beteiligung von Laien weiterentwickelt. Ziel war ein Verfahren zur Demokratisierung von Expertise. Im Dialog zwischen ExpertInnen und BürgerInnen sollten Sachverhalte beurteilt und die verschiedenen zugrunde liegenden Werte und Interessen zu Tage gefördert werden, um so zu besseren Empfehlungen für die Politik zu kommen (Joss, Belucci 2002). Die KK ist nicht zuletzt deswegen attraktiv, weil sie klar strukturiert und (auf den ersten Blick) relativ leicht durchzuführen ist. Ein Panel von 10-20 BürgerInnen wird von einem (möglichst unabhängigen) Veranstalter an mehreren Wochenenden mit dem Sachverhalt vertraut gemacht und erarbeitet eigene Fragen, die von verschiedenen ExpertInnen beantwortet und im Rahmen einer Konferenz diskutiert werden. Nach einer Klausursitzung treten die BürgerInnen mit Schlussfolgerungen an die Öffentlichkeit und leiten ihre Stellungnahme an die zuständigen PolitikerInnen weiter. Die Form der KK wurde in etlichen Ländern adaptiert. Bisher wurden weltweit schätzungsweise 70-80 derartige Verfah- Soziale Technik 4/2005 3