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Global Compact Deutschland 2013 - Jahrbuch

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global

Deutschland

compact

2013


Herausgegeben mit freundlicher Unterstüzung durch:

Qualifizierungsförderwerk

Chemie GmbH


Grußnote

Our Global Compact is working to bring business to the

table as a key partner. It embodies the spirit of shared

responsibility that is essential for achieving a better world.

At the Compact’s launch in 2000, few companies considered

their impact on the environment and on society. Now we have

8,000 participating companies and 4,000 civil society signatories

in 145 countries. We have 101 country networks supporting a

growing global corporate sustainability movement.

CEOs increasingly see a direct link between corporate sustainability

and the bottom line.

Ban Ki-moon, UN-Generalsekretär

Human rights abuses, poor working conditions, discrimination,

environmental degradation and corruption – whether in direct

operations or the supply chain – are a threat to morale, reputation,

long-term investments and growth prospects.

Modern communications technology combined with growing

demands for transparency make it harder for companies to flout

laws or ignore public opinion.

Companies that take their responsibilities to people and the planet

seriously will increasingly be in the vanguard. That is why the

investment community is looking closely at sustainability and

factors like environmental stewardship, labour standards, social

responsibility and good governance.

In short, business can no longer ignore its social and environmental

responsibilities. We need it to help

build sustainability through the marketplace.

Auszug aus der Rede von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon anlässlich des Global Compact

Leaders Summit, New York, 20. September 2013


Inhalt

3

Grußnote

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon

6

12

15

16

19

20

Lieferkettenmanagement

Neue Maßstäbe in der unternehmerischen

Nachhaltigkeit

Ida Karlsson

Social Compliance – Ein unterschätzter

Wettbewerbsfaktor

Torben Kehne und Hubertus Drinkuth

Info: Was steckt alles in fertigen Produkten?

Lieferantenmanagement: Lösungen für den Mittelstand

Info: Problemfälle

„Audits dauern länger als ein oder zwei Tage!“

Interview mit Richard Karmel

6

Lieferkettenmanagement

24

28

30

35

39

Kinderrechte

Gibt es „gute“ Kinderarbeit?

Barbara Küppers

Kinderrechte sind unser aller Business

Dr. Jürgen Heraeus

Geschichte der Kinderarbeit

Dr. Jürgen Bönig

Kinderrechte in CSR-Reporting integrieren

Dr. Elmer Lenzen

Info: Publikationen zum Thema Kinderrechte

22

Kinderrechte

42

44

48

48

53

CSR in Nordrhein-Westfalen

Gesellschaftliche Verantwortung zwischen Rhein und

Ruhr

Riccardo Wagner und Marcus Eichhorn

Info: Eckpunkte einer Nachhaltigkeitsstrategie für

Nordrhein-Westfalen

„CSR definiert das Verhältnis von Staat und Wirtschaft

neu“

Interview mit Garrelt Duin

Zeitstrahl: Zwischen Rhein und Ruhr

Info: Nützliche Adressen

112

Global Compact Inside


112

114

Global Compact Inside

Impressionen Leaders Summit 2013

Leaders Summit sieht CEOs als Architekten für eine

bessere Welt

118

120

122

CEOs beklagen geringe Fortschritte und fordern Politik

zum Handeln auf

Info: Momentaufnahme 2013

Das Deutsche Global Compact Netzwerk 2013

Dr. Elmer Lenzen

Dr. Jürgen Janssen

115

116

Info: Neue Initiativen des Global Compact

GC100: UN Global Compact führt Aktienindex ein

125

„Das Deutsche Netzwerk ist ein wichtiger Akteur im

gesellschaftlichen Diskurs“

Interview mit Katharina Riese, Dr. Mathias John und Klaus Milke.

117

Info: Publikationen

128

Stiftung Deutsches Global Compact Netzwerk

58

60

Good Practice

Menschenrechte

Bayer

Bayer fördert das Ehrenamt: „Vorbild sein lohnt sich!“

Tchibo

„Kinder in Guatemala unterstützen“

Arbeitsnormen

84

86

88

90

HypoVereinsbank

Saubere Sache: Unser Weg zum CO 2

-neutralen

Bankbetrieb

LANXESS

Die Zukunft der Mobilität ist grün

MAN

Mobilität in Bewegung

Mediengruppe macondo

Projekt Togo – Klimaschutz mit sozialem Mehrwert

62

Audi

Nachhaltigkeit in der Bildung verankern

92

Weidmüller

Die Produktionshalle als „Passivhaus“

64

66

68

70

74

76

78

Bosch

Arbeitsschutzmanagement: Mit System zum Erfolg

Merck

Von Vielfalt profitieren

QFC

QFC integriert Global Compact Prinzipien in die

Aus- und Weiterbildung

RWE

Bettercoal – mehr Transparenz beim Steinkohlebezug

Umweltschutz

ABB

Technologien für die nachhaltige Energieversorgung

BSH Bosch und Siemens Hausgeräte

Der Kühlschrank spart schon auf dem Weg zum

Kunden CO 2

CEWE

Ökologische Nachhaltigkeit sichern

94

98

100

102

104

106

Korruptionsbekämpfung

METRO GROUP

Korruptionsprävention in der METRO GROUP

CSR Management

BASF

Kooperation zwischen BASF und European Water

Partnership zu nachhaltigem Wassermanagement

daW

Farbenfroh und innovativ

Deutsche Bahn

DB2020 – die nachhaltige Konzernstrategie

Deutsche Telekom

Nachhaltigkeit in der Lieferkette als wichtiger Baustein

der Unternehmensverantwortung

EY

Konfliktmineralien – Herausforderung für Unternehmen

entlang der Lieferkette

80

82

Daimler

Aktionsplan zum Aufbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes

in Deutschland

Deutsche Post DHL

CO 2

-freie Zustellung: GoGreen für eine ganze

Großstadt

108

110

Forest Carbon Group

Kerngeschäft statt CSR

Entwicklung & Partnerschaft

HOCHTIEF

Soziales Engagement mit Baukompetenz


Agenda

6 globalcompact Deutschland 2013


Lieferkettenmanagement

Lieferketten-

Management:

Neue Maßstäbe in der unternehmerischen

Nachhaltigkeit

Mit der fortschreitenden Globalisierung und Spezialisierung hat sich der Trend zum Outsourcing in den

letzten Jahrzehnten stetig verstärkt. Unternehmen, die ihre Produktion und Dienstleistungen auslagern,

lagern auch ihre Reputationsrisiken und ihre gesellschaftliche Verantwortung aus. Die dementsprechende

Bedeutung eines guten Lieferkettenmanagements ist Unternehmen wie auch Anlegern bewusst.

globalcompact Deutschland 2013

7


Agenda

Von Ida Karlsson

Im Corporate Sustainability Assessment (CSA) 2012 hat

RobecoSAM eine verbesserte Rahmenbewertung für die Nachhaltigkeit

des Supply-Chain-Managements eingeführt. Im

Lieferkettenmanagement liegt der Fokus traditionell auf

vorgelagerten sozialen Risiken wie den Arbeitsbedingungen,

der Kinderarbeit und Mindestlöhnen. Seit einiger Zeit wird

das Konzept deutlich breiter verstanden und um eine Vielzahl

ökonomischer, ökologischer und sozialer Fragen ergänzt, die

alle Bereiche der Wertschöpfungskette betreffen, inklusive

der Innovationsstärke.

Im Laufe der vergangenen zehn Jahre haben sich die Unternehmen

im Licht von Nachhaltigkeitsaspekten intensiver mit

ihrem Lieferkettenmanagement beschäftigt. Diese Entwicklung

lässt sich im RobecoSAM CSA beobachten. Angefangen hat das

CSA im Supply-Chain-Bereich mit Standards zur Bewertung

der Leitlinien für Lieferanten und der Art und Weise, wie die

Unternehmen die Einhaltung dieser Leitlinien überprüfen.

Daraus entstanden ist ein umfassendes Bewertungsgerüst, das

ökonomische, ökologische und soziale Supply-Chain-Risiken

genauso berücksichtigt.

Die Wichtigkeit des Lieferkettenmanagements

Im Lieferkettenmanagement stehen Unternehmen vor dem

Dilemma, einerseits die Kosten sowie die Produktionszeiten

in ihren Lieferketten zu reduzieren und andererseits zugleich

Verbesserungen in der Nachhaltigkeit und Qualität zu erzielen.

Wenn Unternehmen einen bedeutenden Anteil ihrer gesellschaftlichen

Verantwortung und ihrer Umweltauswirkungen

an ihre Lieferanten ausgelagert haben, wird das Lieferkettenmanagement

zu einem ihrer wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen.

Misswirtschaft kann auch zu Lieferkettenstörungen

führen, die sich negativ auf den gesamten Betrieb und die

finanzwirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens auswirken.

Aus Anlegersicht sprechen mehrere Gründe dafür, das Lieferkettenmanagement

der Unternehmen genau im Auge zu

behalten. Eine vor kurzem von der Harvard Business School

veröffentlichte Studie zeigt, dass Unternehmen, die frühzeitig

nachhaltige Praktiken anwenden, langfristig besser abschneiden.

Ein weiteres Ergebnis der Studie zeigt: Unter den Vorreitern

der Nachhaltigkeit ist auch der Anteil der Unternehmen

größer, die Nachhaltigkeitsleitlinien für ihre Lieferanten eingeführt

haben. Potenzielle Risiken einer schlecht gemanagten

Lieferkette können zu Produktrückrufen und erheblichen

direkten Kosten führen. Daher liegt es im Anlegerinteresse,

Unternehmen zu identifizieren, die ihre Lieferketten effektiv

steuern und entsprechend profitabel agieren.

Bewertungsrahmen für das Lieferkettenmanagement

RobecoSAM hat einen umfassenden Bewertungsrahmen

für das Lieferkettenmanagement der Unternehmen im CSA

entwickelt. Der Ansatz betrachtet sieben zentrale Faktoren.

Im Mittelpunkt stehen die Risikoidentifizierung und das

Risikomanagement sowie die Art und Weise, wie Nachhaltigkeitsaspekte

in die übergreifende Supply-Chain-Strategie

integriert werden, wie diese die finanzielle Performance beeinflussen

und sich damit auf die Unternehmensentwicklung

insgesamt auswirken.

8

globalcompact Deutschland 2013


Lieferkettenmanagement

Unternehmen, die frühzeitig

nachhaltige Praktiken anwenden,

schneiden langfristig besser ab.











Die Analyse der Daten, die seit Einführung des neuen CSA-

Bewertungsrahmens für das Lieferkettenmanagement erfasst

worden sind, zeigt vor allem eines: Die Unternehmen

Public scrutiny contributes to improved practices


schenken

ihren Lieferketten und der Steuerung der damit

verbundenen

Risiken und -chancen zunehmend Beachtung.

Die

CSA-Teilnehmer, die ein breites Spektrum an Branchen

vertreten,

bezeichnen das Lieferkettenmanagement als eines

der

finanzwirtschaftlich bedeutendsten Themen. Doch obwohl

das

Thema mehr Beachtung findet, wird deutlich, dass die

Unternehmen

bei ihren internen Praktiken erheblich weiter

sind als ihre externe Berichterstattung vermuten lässt. Dadurch

sehen


ihre Stakeholder nicht immer, inwieweit Unternehmen


die Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen in ihren Lieferketten


aktiv adressieren.



Kritische


Beobachtung der Öffentlichkeit fördert

fortschrittliche

Ansätze


Ein Blick

auf die in Abb. 1 dargestellten Durchschnitts- und

Spitzenwerte

für fünf Branchen zeigt deutliche Unterschiede

bei der Umsetzung

nachhaltiger Lieferkettenpraktiken auf














Branchenebene auf. Dafür gibt es keine einfache Erklärung.


Einige der möglichen Einflussfaktoren sind im Folgenden


skizziert:


1. Branchen

wie die Lebensmittelindustrie und der Einzelhandel,

die direkte

Kundenbeziehungen unterhalten, werden von der

Öffentlichkeit

kritisch beobachtet. Für die Lebensmittelhersteller


ist die Nachverfolgbarkeit ihrer Produkte das wichtigste

Anliegen.

Die Endverbraucher wollen wissen, was in den

Nahrungsmitteln

steckt und woher diese stammen. Im Einzelhandel


liegt das Hauptaugenmerk auf den Arbeitsbedingungen

bei den Zulieferern. Dadurch sahen sich die Unternehmen in


diesen Branchen gezwungen, ihre Lieferkettenrisiken früher


als andere zu adressieren.



2. Branchen


wie der Maschinenbau und die Elektroindustrie –

deren

Lieferketten mit hohen Umweltauswirkungen verbunden

sind

und die sehr abhängig von Lieferanten und pünktlichen

Lieferungen

sind – mussten sich ebenfalls frühzeitig mit

einem

nachhaltigen Lieferkettenmanagement beschäftigen.

Der öffentliche

Druck ist dabei nur ein Grund. Ein >>


Abb. 1: Lieferkettenmanagement-Performance unterteilt nach Branchen

Figure 3: Supply chain management performance by sector

Punkte Score

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

Food Producers General Retailers Industrial Computer Hardware & Financial Services

Lebensmittel-Hersteller Einzelhandel Gewerbetechnik Computer-Hardware Finanzdienstleistungen

Engineering Electronic Office Equipment

und elektronische

Average Durchschnittliche supply chain Punktzahl management score

Büroausstattung

Top Maximale supply Punktzahl chain management score

Quelle: RobecoSAM

Source

globalcompact Deutschland 2013

9

17


Agenda

weitaus wichtigerer ist die Notwendigkeit, eine verlässliche

Versorgung durch Lieferanten sicherzustellen und gemeinsam

mit den eigenen Lieferanten Chancen für die Verringerung

der Energiekosten von ausgelagerten, ressourcenintensiven

Produktionsprozessen zu nutzen.

3. Auch die Computer- und Büroelektronikhersteller stehen

seit einiger Zeit unter kritischer Beobachtung durch die Öffentlichkeit.

Entsprechend setzen sie sich vermehrt mit dem

Thema auseinander. Die zunehmende kritische Beobachtung

der Öffentlichkeit hat den Anstoß für branchenweite Gemeinschaftsinitiativen

gegeben, die den hohen Durchschnittswert

in dieser Branche ebenfalls erklären können.

4. Serviceorientierte Branchen wie der Finanzdienstleistungssektor

stehen im Hinblick auf ihre Lieferketten noch nicht unter

hohem Druck. Das ist ein Grund für die niedrigeren Werte

und die weniger fortgeschrittene Umsetzung von Nachhaltigkeitspraktiken

im Lieferkettenmanagement dieser Branchen.

Unternehmen managen ihre Risiken,

bevor sie sie messen

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine effektive

Steuerung der lieferkettenbezogenen Nachhaltigkeitsrisiken

und -chancen ist ein ausreichendes Wissen über die eigenen

Lieferanten. Nur auf dieser Basis können die Unternehmen

bestimmen, welche ihrer Lieferanten von kritischer Bedeutung

sind und welche ein hohes ökonomisches, ökologisches oder

soziales Risiko darstellen. Wie es so häufig heißt, können Unternehmen

„nur das managen, was sie auch messen können“.

Paradoxerweise zeigen die im vergangenen Jahr erfassten

Daten jedoch, dass viele Unternehmen damit begonnen

haben, ihre (wahrgenommenen) Risiken zu managen, bevor

sie messen, inwieweit sie diesen Risiken wirklich ausgesetzt

sind. Rund 85 Prozent der teilnehmenden Unternehmen

geben an, dass sie Lieferantenstandards haben – aber nur

36 Prozent haben eine gut dokumentierte Analyse ihrer

Ausgaben durchgeführt.

Für das nachhaltige Lieferkettenmanagement sind die Bewusstseinsbildung,

die Nachverfolgbarkeit und die Transparenz von

größter Bedeutung. Es wissen längst nicht alle Unternehmen,

wer ihre kritischen und risikobehafteten Lieferanten sind,

obwohl die Daten von RobecoSAM zeigen, dass sich diese

Zahlen von 2012 bis 2013 verbessert haben.

Standards für Lieferanten – ein erster Schritt,

aber was bedeutet er?

Die Einführung eines Verhaltenskodex für Lieferanten steht

dabei typischerweise an erster Stelle. Das ist ein sinnvoller

Schritt, weil er die Lieferanten zwingt, bestimmte Sozial- und

Umweltstandards einzuhalten. Eine genauere Untersuchung

zeigt, dass die Qualität dieser Standards sehr stark variiert (siehe

Abb. 2). Die meisten Unternehmen geben Leitlinien zu Umwelt-,

Arbeitssicherheits- und Gesundheitsstandards, Menschenrechten,

Geschäftsethik und Arbeitsbedingungen vor. Standards,

welche die Umsetzung von Umweltmanagementsystemen und

die Offenlegung von Umwelt- und Sozialdaten verlangen, sind

hingegen noch selten. Darüber hinaus verlangen nur rund

die Hälfte der CSA-Teilnehmer von ihren Lieferanten, dass

sie die gleichen Standards auch für ihre eigenen Zulieferer

anwenden. Das bedeutet, dass diese Unternehmen nur die

Kontrolle über die Standards haben, die von der ersten Zulieferebene

befolgt werden müssen. Die fehlende Transparenz

der nachgelagerten Segmente ihrer Lieferketten setzt diese

Unternehmen potenziell großen Risiken aus.

Fazit und Ausblick

In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Unternehmen

verstärkt darum bemüht, die ökologischen, sozialen und ökonomischen

Auswirkungen ihrer eigenen Geschäftstätigkeit zu

managen und darüber zu berichten. Die Lieferkettenanalyse

bringt sie hier einen wichtigen Schritt weiter. Sie hilft ihnen,

die tatsächlichen Auswirkungen ihrer betrieblichen Tätigkeiten,

den Umfang ihrer finanzwirtschaftlich relevanten Risiken und

die gesamte Bandbreite an Chancen zu bestimmen, die sich

Abb. 2: Nachhaltigkeitsfaktoren, abgebildet in den Unternehmensstandards für Lieferanten / Zulieferer

Prozentsatz der teilnehmenden Firmen

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

Umwelt-

Standards

Gesundheitsschutz

und

Sicherheit am

Arbeitsplatz

Menschenrechte

Wirtschaftsethik

Arbeitsbedingungen

Zulieferer-

Richtlinen für

betriebe

Umweltmanagement-

System

Umweltdaten / Sozialdaten /

-angaben -angaben

Quelle: RobecoSAM

10

globalcompact Deutschland 2013


Lieferkettenmanagement

durch nachhaltige Geschäftspraktiken eröffnen. Bei vielen

Unternehmen konzentrieren sich die größten umweltspezifischen

und sozialen Auswirkungen sowie Reputationsrisiken

vor allem auf die Lieferkette und weniger auf die eigenen betrieblichen

Prozesse. Zugleich müssen sich die Unternehmen

auf eine zuverlässige, reibungslose Versorgung mit Produkten

und Dienstleistungen verlassen können, um ihre langfristige

Profitabilität zu sichern. Diese Herausforderungen zu managen

und ihre Auswirkungen zu messen, ohne immaterielle

ökonomische, ökologische und soziale Faktoren umfassend

zu berücksichtigen, ist nicht nur unklug, sondern unmöglich.

Bewusstseinsbildung und Transparenz gewinnen

an Dynamik

Die Ergebnisse der Anwendung des verbesserten analytischen

Modells zur Untersuchung des Lieferkettenmanagements zeigen,

dass das Risikobewusstsein und die Transparenz zwar weiterhin

begrenzt sind, viele Unternehmen aber große Anstrengungen

unternehmen dies zu ändern. In den letzten Jahren haben

mehrere Faktoren neue Impulse zur Verbesserung der Lieferkette

gegeben. Einer sind die Forderungen der Stakeholder, die

von den Unternehmen verlangen, dass sie ihre Maßnahmen

zur Steuerung ihrer Lieferanten vollständig offenlegen. Ein

weiterer neuer Standard ist die Global Reporting Initiative.

Diese beinhaltet mehrere Leistungsindikatoren zum Lieferkettenmanagement,

die über Menschenrechtsfragen hinausgehen.

Daneben haben Investoren wie RobecoSAM begonnen, die

Unternehmen zu fragen, wie sie ihre Lieferketten managen.

So wollen sie feststellen, ob Unternehmen ihre ausgelagerten

Reputationsrisiken und ihre ausgelagerte unternehmerische

Verantwortung effektiv managen.

Mehr als Audits und Bewertungen

RobecoSAM wird die eigene Rahmenstruktur zur Bewertung

des Lieferkettenmanagements kontinuierlich weiterentwickeln

und optimieren, um bei den Unternehmen ein besseres Verständnis

und Management von Lieferkettenrisiken und -chancen

zu fördern. Der wachsende Konsens unter Unternehmen und

Anlegern bezüglich der finanzwirtschaftlichen Bedeutung des

Lieferkettenmanagements ist ermutigend. Vor allem wird dies

helfen, die Dynamik in diesem Bereich aufrechtzuerhalten und

die Umsetzung nachhaltiger Praktiken weiter zu fördern.

Über die AutorIN

Ida Karlsson ist Head of Sustainability Application & Operations,

RobecoSAM, Zürich

globalcompact Deutschland 2013

11


Agenda

Social Compliance

Ein unterschätzter Wettbewerbsfaktor

Deutschland ist mit seinen Wirtschaftsstrukturen stark in den globalen Handel eingebunden:

Rund 31 Mrd. Arbeitsstunden werden jedes Jahr außerhalb Deutschlands geleistet, um die

Nachfrage des deutschen Marktes nach Produkten und Dienstleistungen zu decken. Auf zwei

in Deutschland geleistete Arbeitsstunden kommt somit eine im Ausland.

Von Torben Kehne und Hubertus Drinkuth

Zwei Drittel der für Deutschland im Ausland geleisteten

Arbeitsstunden unterliegen einem erhöhten Risiko, unter

schlechten Arbeitsbedingungen abgeleistet zu werden. Die

Textilindustrie verzeichnet mit 3,4 Mrd. Stunden bei weitem

die meisten Risikostunden. Aber auch andere Industrien, wie

die Elektronikindustrie mit 1,7 Mrd. Stunden oder der Fahrzeugbau

mit 1,2 Mrd. Stunden, haben signifikante Risiken in

ihren Lieferketten (vgl. Abbildung 1).

Diese gewaltige Anzahl an Risikostunden kumuliert dabei über

alle Stufen der Lieferkette. Wo genau in der Lieferkette die

Risiken anfallen ist brancheabhängig. So liegt z. B. für einen

deutschen Textilhändler der größte Anteil an Risikostunden

bereits in der 1. Stufe der Lieferanten (Tier 1). Grund dafür ist,

dass Bekleidungsunternehmen häufig in Regionen einkaufen,

in denen risikoreichere Arbeitsbedingungen vorherrschen

(z. B. Bangladesch).

Umgekehrt ist es im Fahrzeugbau: Die direkten Lieferanten

(„Tier 1“) sind häufig in Deutschland ansässig und verfügen

somit über risikoärmere Strukturen. Diese Tier 1 Lieferanten

greifen allerdings auf Lieferanten mit Fertigungsstätten in

risikoreicheren Ländern zurück (z. B. China). Die Risikostunden

akkumulieren sich damit für den Fahrzeugbau eher weiter

unten in der Lieferkette (Tier 2, 3, 4-n) (vgl. Abbildung 2).

Wenig verwunderlich ist, dass mit jeder Tierstufe industrielle

Vorprodukte sowie Produkte der Landwirtschaft und Rohstoffgewinnung

an Bedeutung gewinnen und das Gesamtrisiko

maßgeblich beeinflussen (vgl. Abbildung 3). Damit fallen

viele Menschenrechtsverletzungen in Tier-Stufen an, die –

z. B. aus Sicht eines deutschen Fahrzeugbauers – zunächst

irrelevant erscheinen, weil es zu diesen Vor-Vorlieferanten

keine direkten Vertragsbeziehungen gibt. Dies gilt aber nur so

lange, bis ein Nachweis erbracht wird, dass Produkte aus eben

diesen Tier-Stufen in ein bekanntes Markenprodukt einfließen.

In der Öffentlichkeit wird dann wenig differenziert und die

Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen wird klar

dem Markenunternehmen zugeschrieben.

Dass diese Sichtweise bereits heute Realität ist, zeigt eine

Veröffentlichung von Greenpeace aus dem Mai 2012, die

einer Reihe von namhaften Automobilherstellern vorwirft,

dass in ihren Lieferketten bei der Herstellung von Roheisen

in Brasilien neben illegaler Abholzung des Regenwaldes auch

Abb. 1 : Top-10-Branchen (Privatwirtschaft)

nach Risikostunden in der Lieferkette –

Zahl der Risikostunden in Mrd.

Abb. 2 : Anteil von Risikostunden nach einzelnen Stufen

in der Lieferkette

Textil

Touristik

Elektronik

Lebensmittel

Baugewerbe

Fahrzeugbau

Logistik

1,2

1,2

0,9

1,7

1,6

2,1

3,4

Deutscher Fahrzeugbau

14 %

23 %

21 %

42 %

Deutscher Textilhandel

35 %

28 %

17 % 20 %

Möbel und Wohnaccessoires

0,8

Maschinenbau

0,8

Chemische Industrie

0,4

| Quelle: Systain }

Tier 1

Tier 2 Tier 3 Tier 4-n Tier 1 Tier 2 Tier 3 Tier 4-n

12

globalcompact Deutschland 2013


Lieferkettenmanagement

Abb. 3 : Verteilung der Risikostunden in der Lieferkette

des deutschen Fahrzeugbaus nach Sektoren und

Tier-Stufen

45 %

40 %

35 %

30 %

25 %

20 %

15 %

sonstige Sektoren

(z. B. Baugewerbe,

Finanzdienstleistungen)

Industrieprodukte

Transporte, Mobilität

und Telekommunikation

Energie

industrielle

Vorprodukte

10 %

5 %

0 %

Tier 1 Tier 2 Tier 3 Tier 4-n

Landwirtschaft und

Rohstoffgewinnung

Quelle: Systain

Zwangsarbeit und massive Verstöße gegen Gesundheits- und

Sicherheitsstandards stattfinden. Mit diesem Bericht griff Greenpeace

2012 ein Thema wieder auf, das bereits im November

2006 durch Bloomberg in die Öffentlichkeit getragen wurde.

Es ist unbestreitbar: Das Thema Arbeitsbedingungen in der

Lieferkette hat Auswirkungen auf den Unternehmenswert.

Dabei sind vier wesentliche Werttreiber zu unterscheiden

(vgl. Abbildung 4):

Reputation: Unternehmen sind auf eine gute Reputation angewiesen,

sowohl intern, um die Ansprüche bestehender und

Abb. 4 : Social Compliance in internationalen Lieferketten

birgt Risiken, eröffnet aber auch Chancen

RISIKEN

REPUTATION

LIEFERSICHERHEIT

QUALITÄT

REGULIERUNG

CHANCEN

Quelle: Systain

potenzieller neuer Mitarbeiter an das Unternehmen zu erfüllen,

als auch extern, beispielsweise um relevante Käufergruppen zu

erhalten oder zu erschließen. Durch die international immer

stärkere Vernetzung und Digitalisierung der Medien steigt die

Wahrscheinlichkeit, dass bestehende Probleme in Lieferketten

schnell aufgedeckt und bekannt werden. Im Falle von „Social

Non-Compliance“ in der Lieferkette sind negative Reputation

für ein Unternehmen heute sehr wahrscheinlich.

Liefersicherheit: Schlechte Arbeitsbedingungen bergen ein erhebliches

operationelles Risiko. Kommt es zum Ausfall einer

Fertigungsstätte (z. B. durch Streik oder Brand), fehlen schlagartig

Fertigungskapazitäten in der Lieferkette. D.h. meist

können Aufträge, die bei den betroffenen Fabriken platziert

wurden, nicht schnell genug auf andere Fabriken umgeleitet

werden und in der Folge fehlen Vorprodukte und / oder die

Waren zum Verkauf.

Qualität: Weiterhin fördern schlechte Arbeitsbedingungen die

Mitarbeiterfluktuation. Eine erhöhte Wechselbereitschaft in

der Mitarbeiterschaft erschwert es Unternehmen z. B. erheblich,

eine gleichbleibende Qualität ihrer Produkte sicherzustellen

bzw. Qualitätsanforderungen ihrer Kunden zu erfüllen. Es

kommt zudem zu Ineffizienzen im Produktionsablauf. Beides

führt zu höheren Kosten und zu Frustrationen in der Kunde-

Lieferant-Beziehung.

Regulierung: Politische Instanzen erwarten zunehmend, dass

gute Arbeitsbedingungen eingehalten werden. Unternehmen

in Kalifornien müssen seit dem 1. Januar 2012 darüber berichten,

wie sie sicherstellen, dass ihre Lieferketten frei von

Sklaverei und Menschenhandel sind. Es gibt darüber hinaus

bereits Fälle, in denen Markenunternehmen für die Pro- >>

globalcompact Deutschland 2013

13


Agenda

duktionsbedingungen in ihren Lieferketten haftbar gemacht werden.

Bekanntestes Beispiel sind die „Saipan Lawsuits“, bei denen

26 US-amerikanische Einzelhändler und 23 Textilfabriken

wegen schlechter Arbeitsbedingungen in den Produktionsbetrieben

verklagt wurden und einem Vergleich in Höhe von

insgesamt rund 20 Mio. US-Dollar zustimmten.

Natürlich darf nicht nur die Risikoseite von Social Compliance

betrachtet werden. Im Umkehrschluss ergeben sich positive

Umsatz- und Ergebniseffekte, wenn Arbeitsbedingungen in

der Lieferkette professionell gemanagt werden: Die Zuverlässigkeit

der Lieferkette wird verbessert, die Akzeptanz von

Kundengruppen für Produkte steigt, Markenwerte werden

erhöht und Effizienzsteigerungen in der Beschaffung möglich.

Trotz dieses Wissens ist es verwunderlich, dass Unternehmen

die Potentiale von Social Compliance noch nicht ausschöpfen.

Doch dies wird sich ändern: Das Thema Arbeitsbedingungen

in der Lieferkette wird einen ähnlichen Weg nehmen wie ihn

das Thema Qualität in den letzten 40 Jahren genommen hat.

Ausgelöst durch eine Qualitäts- und Produktivitätsrevolution

in Japan hatten Unternehmen in anderen Industriestaaten

zunächst ihre internen Fähigkeiten für ein besseres Qualitätsmanagement

erhöht, um dann zu realisieren, dass ohne

Einbindung der Lieferkette keine durchgreifenden Erfolge

erreicht werden können. Heute ist ein integriertes, Supply-

Chain übergreifendes Qualitätsmanagement Standard (vgl.

Abbildung 5).

Fast spiegelbildlich findet dieser Prozess heute zum Thema

Sozialverantwortung statt. In den vergangenen Jahren haben

Unternehmen damit begonnen, die Arbeitsbedingungen im

eigenen Hause zu hinterfragen. Sie haben z. B. Maßnahmen

zur Mitarbeiterzufriedenheit oder Mitarbeitergesundheit

ergriffen. Jetzt setzt sich die Erkenntnis durch, dass eine weitere

Verbesserung u. a. davon abhängt, dass mindestens die

grundlegenden Standards guter Arbeitsbedingungen in der

Supply Chain eingehalten werden. Das Management von Social

Compliance in der Lieferkette wird zum Wettbewerbsfaktor

und bekommt Geschäftsführungsrelevanz.

Damit stellt sich die Frage, wie dieses Thema von Unternehmen

anzugehen ist. Es gibt keinen „One size fits all“-Ansatz für

gute Arbeitsbedingungen. Unternehmen müssen sich jeweils

in ihrem spezifischen Unternehmenskontext mit dem Thema

auseinanderzusetzen. Dies kann in vier Schritten erfolgen.

Im ersten Schritt müssen die Anforderungen eines Unternehmens

an die Lieferkette erfasst und Transparenz über die Lieferkette

erreicht werden: Von welchen Lieferanten aus welchen

Ländern werden welche Vorprodukte bezogen? Wo und wie

beschaffen diese Lieferanten wiederum ihre Vorprodukte usw.

Transparenz ist nicht selten die größte Herausforderung, da

viele Unternehmen über ihre direkten Zulieferer hinaus nicht

wissen, wo ihre Vorprodukte herkommen.

Um diese Wissenslücken zu schließen, gibt es neue Analysemöglichkeiten.

Lebenszyklusmodelle, multiregionale Input-

Output-Verfahren und Datenbanken zu globalen Sozialrisiken

ermöglichen heute eine aussagekräftige Orientierung, in

welchen Ländern, Branchen und auf welcher Stufe in der

Lieferkette Social Compliance Risiken existieren.

Ist die Lieferkette strukturell analysiert und weiß ein Unternehmen,

wo und in welchem Umfang mit erhöhten Risiken

zu rechnen ist, werden in einem zweiten Schritt die jeweiligen

Chancen und Risiken bewertet. Dafür sollten die vier Dimensionen

Reputation, Liefersicherheit, Qualität und Regulierung

herangezogen (s. o.) werden. Die Bewertung erlaubt eine

Priorisierung der Handlungsfelder.

Abb. 5 : Meilensteine des Qualitätsmanagements

bis ca. 1951 ab ca. 1951 1990 2000

Entwicklung von

QM-Konzepten in

den USA

Weiterentwicklung

und erfolgreiche

Umsetzung in Japan

Adaption der japanischen

Konzepte in den USA und

Europa

Verstärkter Einbezug

von Lieferanten in

QM-Systeme

Vorläufer des

Total-Quality-

Management-

Konzepts (TQM)

werden entwickelt

Quelle: Systain

Kontinuierlicher

Verbesserungsprozess

(Kaizen)

Company-Wide

Quality Control (CWQC)

Qualität als

strategisches

Unternehmensziel

Entwicklung des EFQM-

Excellence-Modells in Europa

Flächendeckender Einsatz von

Failure Mode and Effects Analysis

(FMEA) in der Automobil-

Zulieferindustrie

Entwicklung von

Six Sigma

in den USA

Weltweit verbreiteter

Einsatz der Normreihe

ISO 9000

Breiter Einsatz von

Six Sigma bei Lieferanten

von Großunternehmen

Standardisierte Evaluation der

Prozessqualität bei Lieferanten

(z. B. ISO / IEC 15504)

Entwicklung und Einsatz

von Lean Six Sigma

Branchenweite

Qualitätsanforderungen

für Automobilzulieferer

nach ISO / TS 16949

14

globalcompact Deutschland 2013


Lieferkettenmanagement

WAS steckt alles in

fertigen Produkten?

Für die priorisierten Handlungsfelder müssen in einem dritten

Schritt die tatsächliche Situation der Arbeitsbedingungen in

der Lieferkette identifiziert werden. Hierzu können Ergebnisse

von Self-Assessments, Erkenntnisse von standardisierten oder

firmenspezifischen Assessments vor Ort (Audits) sowie externer

Stakeholder herangezogen werden. Dabei gilt es, eine qualitativ

möglichst gute Evaluierung der Situation in der Vielzahl

verschiedener Fertigungsstätten zu erhalten.

Sollte die Bestandsaufnahme im dritten Schritt ergeben, dass

es Bereiche mit Handlungsbedarf gibt, werden Qualifizierungsmaßnahmen

der Produktionsstätten notwendig (Schritt 4).

Dazu müssen die Ursachen für die Social Compliance Probleme

im Detail identifiziert und zusammengetragen werden, um

darauf aufbauend eine angepasste Qualifizierung einzuleiten.

Hierbei müssen sich das beschaffende Unternehmen und die

Lieferanten einbringen.

Es gilt, dem Lieferanten zu veranschaulichen, warum die

gestellten Anforderungen eine Relevanz für sein eigenes Unternehmen

haben. Die Qualifizierung kann von individuellen

Programmen in einer Fertigungsstätte bis zu Workshops mit

einer Gruppe von Lieferanten reichen.

Diese vier Schritte sind in einem kontinuierlichen Prozess zu

durchlaufen, um so die Potenziale, die sich aus guten Arbeitsbedingungen

in der Lieferkette ergeben, sukzessiv auszuschöpfen.

Abschließend lässt sich festhalten, dass ein zukünftiges Supply

Chain Management nur dann erfolgreich sein wird, wenn

Arbeitsbedingungen als integraler Bestandteil des Lieferantenoder

Supply Chain Managements verstanden und von Beginn

an strategisch verankert werden. Dazu muss der Umgang mit

Social Compliance in der Lieferkette zum einen als Bestandteil

der Unternehmensstrategie definiert werden, zum anderen

müssen sich die oben skizzierten Aktivitäten im konkreten

Einkaufsverhalten widerspiegeln.

Über die Autoren

Torben Kehne, Director Social Compliance, und

Hubertus Drinkuth, Managing Director, Systain Consulting GmbH

www.systain.com

Keine Kinderarbeit bei Lieferanten, Mindestlöhne,

Energiezertifikate, Umweltlabel: In einer globalisierten

Warenwelt gewinnen Informationen über Nachhaltigkeit

für das Risikomanagement von Unternehmen

immer mehr an Bedeutung. Zahlreiche Normen,

die sich oft auf umfassende internationale Vereinbarungen

stützen, müssen eingehalten werden. Auch

kleinere Unternehmen in der Lieferkette müssen

wissen, unter welchen Bedingungen beispielsweise

Vorprodukte, die sie selbst einkaufen, hergestellt

werden. Denn sie müssen selbst eine Vielzahl an

Qualitätsgarantien und Verpflichtungserklärungen

abgeben, um ihre Endprodukte auf dem Markt zu halten

und den steigenden Anforderungen an sie selbst

als Lieferanten großer Abnehmer gerecht zu werden.

„Bei der aktuellen Vielzahl der Normen überblicken

viele kleine Unternehmen oft nicht vollständig,

was sie da im Detail eigentlich unterschreiben und

welche Risiken sie konkret eingehen“, ist Dr. Sandra

Klute, Qualitätsmanagerin am Institut für Forschung

und Transfer (RIF) in Dortmund überzeugt. Deshalb

entwickelt RIF ein Werkzeug, mit dem kleine und

mittlere Unternehmen selbst einschätzen können,

wie gut sie die Forderungen der Normen und ihrer

Kunden erfüllen und was noch zu verbessern ist.

Oft sind es die Geschäftsführer selbst oder auch

die Qualitätsmanagementbeauftragten, die sich in

kleinen und mittleren Unternehmen mit Qualitätsund

Risikomanagement auseinandersetzen. „Unsere

Befragungen zeigen: Grundsätzlich besteht der

Wille, alle Standards einzuhalten, aber viele Manager

haben gerade bei Fragen zum Thema Nachhaltigkeit,

wie zum Beispiel der Einhaltung sozialer Mindeststandards,

wenig Detailkenntnisse. Die brauchen sie

aber, um zum Beispiel einschätzen zu können, ob

das Dokument, das ihnen ein Zulieferer aus anderen

Kulturkreisen vorlegt, tatsächlich ein belastbarer

Nachweis für die Einhaltung von Mindestlöhnen und

Mindeststandards zur Arbeitssicherheit in den Ursprungsländern

ist“, sagt Dr. Sandra Klute. Denn die

Risiken sind nicht zu unterschätzen: Stellt sich heraus,

dass ein Unternehmen – wenn auch unwissentlich

– „faule“ Ware vom Vorlieferanten mit verkauft

hat, können nicht nur dauerhafte Umsatzverluste,

sondern oft auch Regressansprüche und Imageschäden

existenzbedrohende Ausmaße annehmen.

Mehr zum RIF-Projekt „Nachhaltigkeitsorientiertes

Risikomanagement“ unter www.narisko.de

Quelle: UmweltDialog.de

globalcompact Deutschland 2013

15


Agenda

Lieferantenmanagement :

Lösungen für den Mittelstand

In einer globalen Weltwirtschaft sind Herstellung und Handel über den gesamten Globus verteilt. Das bringt

enorme Vorteile etwa bei Produktionskosten, Vertrieb und Kundenbetreuung. Andererseits müssen Unternehmen

auch lernen, mit den ausgelagerten Risiken umzugehen. Die Überprüfung von Zulieferbetrieben nach Qualitäts- und

rechtlichen Fragen sowie Umwelt- und Sozialverträglichkeit wird immer aufwändiger. Das betrifft nicht nur die

Auftraggeber, sondern genauso auch die Zulieferer, die gegenüber ihren Geschäftspartnern detaillierte Auskünfte

über ihre wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Leistungen geben müssen. Vor allem mittelständische

Unternehmen stoßen hier schnell an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Mit dem Bundesministerium für

Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) haben gleich

zwei Bundesministerien hier praktische Lösungsansätze vorgestellt. Während man beim BMZ auf bewährte Methoden

wie Datenbanken und Gemeinsames Lernen setzt, basiert die vom BMAS initiierte Idee auf einer gemeinsamen

Plattform für Supply Chain-Management. Noch handelt es sich dabei allerdings erst um eine Vorstudie.

16

globalcompact Deutschland 2013


Lieferkettenmanagement

BMZ: Kompass Nachhaltigkeit

Der KOMPASS NACHHALTIGKEIT unterstützt kleine und

mittlere Unternehmen (KMU) auf dem Weg zu einer sozial

und ökologisch nachhaltigen Beschaffung: Mit praktischen

Informationen & Tools, einer Datenbank zu Nachhaltigkeitsstandards,

Beispielen und vielem mehr. Entwickelt wurde die

Webseite von der GIZ und dem BMZ. Dazu heißt es:

Was ist nachhaltige Beschaffung?

Nachhaltige Beschaffung soll die Einhaltung von sozialen

und ökologischen (Mindest-) Anforderungen über die ganze

Lieferantenkette einer Organisation auf der Basis ökonomischer

Nachhaltigkeit sicherstellen. Es umfasst die Planung,

Umsetzung und Überwachung der notwendigen Instrumente

und Abläufe zur Durchsetzung von Nachhaltigkeitsstandards

bei Lieferanten.

Warum nachhaltig beschaffen?

• Risikominimierung von Verletzungen grundlegender sozialer

und ökologischer Standards in der Lieferantenkette

• Einsparungspotential durch effizientere Ressourcennutzung

• Imageverbesserung der Organisation in der Öffentlichkeit,

bei Kunden und Mitarbeitern

• Erhöhung der Qualität und Effizienz der Austauschbeziehungen

zu Lieferanten

• Ermöglichung positiver Einflussnahme auf ökologische und

soziale Entwicklungen

Für wen ist nachhaltige Beschaffung ein Thema?

• Für Unternehmen und Organisationen, deren Beschaffungsmärkte

in Entwicklungs- und Schwellenländern liegen.

Was beinhaltet nachhaltige Beschaffung im Wesentlichen?

• Verhaltenskodex definieren

• Lieferanten zur Einhaltung des Verhaltenskodex verpflichten

• Risikoreiche Lieferanten kontrollieren

• Über weitere Zusammenarbeit entscheiden

Kritik:

Vom kritischen Netzwerk Corporate Accountability (CorA)

wird die GIZ/BMZ-Entwicklung allerdings heftig kritisiert: Es

würden Standards und Module kommentarlos aufgelistet, ohne

die Qualitätsunterschiede aufzuzeigen. Das führe zu einem

Nutzerverhalten nach dem Motto „Hauptsache, es erfüllt einen

Standard“. Die NGOs fordern deshalb eine Nachbesserung in

der Form, dass Anbieter und Standardsysteme nach Qualitätskriterien

differenziert werden.

kompass-nachhaltigkeit.de

>>

Prozessphasen und Instrumente

Der dargestellte Prozess ermöglicht eine systematische Herangehensweise an des Management von sozialen und ökologischen

Themen in der Lieferantenkette. Zu den fünf Schritten werden jeweils konkrete Instrument zur Umsetzung beschrieben.

Schritt 1 Schritt 2 Schritt 3 Schritt 4 Schritt 5

Beschaffungs-

management-

Analyse

Beschaffungsstrategie

Produktbewertung

Lieferantenverpflichtung

Indikatoren

Lieferketten-

Analyse

Verhaltenskodex

Bewertung der

Zulieferer

Selbstbewertung

Berichterstattung

Länder- und

Branchenrisiko-

Analyse

Risikobsierte

Maßnahmendefinition

Unterstützungsmaßnahmen

Analyse von

Standards

Interne

Verankerung

Audits

Quelle: BMZ

globalcompact Deutschland 2013

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Agenda

BMAS: Gemeinsame Plattform

Zahlreiche Initiativen dokumentieren das Bedürfnis und den

Bedarf des Mittelstandes nach Lösungen für ein effektiveres

Supply Chain-Management. Als Teil der Supply Chain größerer

Konzerne ist es dem Mittelstand zunehmend weniger möglich,

CSR als eine „freiwillige Option“ zu betrachten. Vielmehr

werde man vertraglich oder faktisch gezwungen, die eigene

Supply Chain im Sinne der Nachhaltigkeit zu managen und

den Druck an die eigenen Zulieferunternehmen weiterzugeben.

Eine Vorstudie von PwC und Johanssen + Kretschmer im Auftrag

des BMAS untersuchte, ob eine übersichtliche, offene und

unabhängige Plattform von kleineren und mittelständischen

Unternehmen sowie der Industrie als möglicher Lösungsansatz

zum CSR Supply Chain-Management akzeptiert würde.

Hierbei zeichnet sich ein möglicher Weg ab, der einerseits

strukturierte und quantifizierbare Daten abfragt, andererseits

aber auch Raum für die offene Beantwortung von nachhaltigkeitsrelevanten

Fragen lässt. Positiv bewertet wurde ein

erster fachlicher Vorschlag für einen reduzierten Performancerahmen,

der damit auch Grundlage für eine Weiterführung der

konstruktiven und offenen Mittelstandsdialoge bilden kann.

Voraussetzungen für eine Plattform:

• Freiwilligkeit als zentrale Grundvoraussetzung

• Entlastung statt Zusatzbelastungen

• Ersatz von Fragebögen

• Beitrag zur Risikobewertung

• Offener Ansatz: Möglichkeit zur Teilnahme unabhängig von

Firmen-Größe

• Kompatibilität zu anderen Initiativen oder Plattformen (etwa

Global Compact)

• Zumindest europaweite, tendenziell aber auch internationale

Einsetzbarkeit

• Glaubwürdige Vermarktung

• Ansprache und Beteiligung der großen Unternehmen

• Staatliche Anschubfinanzierung

Kritik:

Große Teile des Mittelstandes stehen der Einführung eines

nachhaltigen Beschaffungsmanagements abwartend gegenüber,

ergab die Studie. Viele KMUs sind zwar ökologisch und / oder

sozial engagiert, aber dieses Engagement ist nur selten strategisch

ausgerichtet. „Im Normalfall wird auf Kundenwünsche

reagiert – nicht aber antizipativ im Sinne der Erlangung von

Wettbewerbsvorteilen gehandelt. Insbesondere wird befürchtet,

dass eine Neuausrichtung des betriebsinternen Beschaffungs- /

Lieferwesens mit zusätzlichen Kosten und einem größeren

zeitlichen Aufwand verbunden sein wird“, so die Autoren der

Vorstudie weiter. „Als große Herausforderung wird vor allem

die Frage empfunden, wie eine Standardisierung in der Form

erfolgen kann, dass diese sowohl den Anforderungen der unterschiedlichen

Branchen gerecht wird als auch eine qualitativ

hochwertige Umsetzung hinsichtlich CSR-Standards – also

nicht den „kleinsten gemeinsamen Nenner“ – gewährleistet.“

Widerstand gibt es erstaunlicherweise auch von den Unternehmen,

die beim Thema CSR schon sehr weit sind: Die Vorstudie

kommt zu dem Schluss, dass sich vor allem Vorreiter

nicht dazu bewegen lassen, einen „Rückschritt“ zu einem

Minimalkonsens zu machen. „Dies gelte umso mehr, als die

sehr intensive Auseinandersetzung mit CSR zu einem Alleinstellungsmerkmal

vieler Unternehmen gegenüber ihren

Wettbewerbern geworden ist.“

Mehr unter csr-in-deutschland.de

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globalcompact Deutschland 2013


Lieferkettenmanagement

problemfAll 1

Jeans: Textilarbeiter bezahlen

mit Gesundheit

Die Sandstrahl-Technik wird immer noch von zahlreichen

Textilunternehmen zur günstigen und schnellen Produktion

von „Used-Look“-Jeans eingesetzt, obwohl dadurch die Fabrikarbeiter

gesundheitlich extrem gefährdet werden. Das fand

eine Studie der Clean Clothes Campaign (CCC) heraus. Bei der

Sandstrahl-Technik wird das dunkle Indigo-Blau der Jeans an

bestimmten Stellen durch das Aufstrahlen von Sand abgetragen.

Dabei lösen sich Quarzpartikel, die dann in die Atemwege

der Arbeiter gelangen. Der feine Staub setzt sich in der Lunge

der Sandstrahler ab und kann zu schweren Atemproblemen

führen. Auch tödliche Krankheiten wie Silikose, die sogenannte

Staublunge, oder Lungenkrebs können entstehen, so eine Studie

des „The Eurasian Journal of Medicine“. Im schlimmsten Fall

können die Ablagerungen in der Lunge zum Tod durch Ersticken

führen, was die Jeans zur „Killer Jeans“ macht.

„Es ist schockierend, dass Unternehmen das Sandstrahlen verbieten, um ihren Ruf zu retten, gleichzeitig aber weiterhin die

Arbeiterinnen und Arbeiter einer tödlichen Gefahr aussetzen!“, sagt Lars Stubbe, Eilaktionskoordinator der Kampagne für

Saubere Kleidung bei der Menschenrechtsorganisation INKOTA. Die aktuelle Studie „Deadly Denim: Sandblasting in the

Bangladesh Garment Industry“ hat nämlich durch Arbeiterberichte und Experten-Interviews herausgefunden, dass viele

Unternehmen, die bereits ein öffentliches Verbot der Technik ausgesprochen hatten, in Ländern wie etwa Bangladesch

weiterhin sandstrahlen lassen. Dazu gehören unter anderem Marken wie H&M, Levi’s, C&A, Esprit, Lee, Zara oder Diesel.

Aufgrund des „tödlichen Gesundheitsrisikos“ für die Arbeiter fordert die Clean Clothes Campaign ein absolutes Verbot der

Sandstrahl-Technik innerhalb der Unternehmen und ihrer Zuliefererbetriebe.

problemfAll 2

Outdoor-Jacken dünsten

Chemikalien aus

Unabhängige Labore haben im Auftrag von Greenpeace

17 Outdoor-Artikel auf per- und polyfluorierte Chemikalien

(PFC) und andere Schadstoffe geprüft. In allen Proben

wurden PFC nachgewiesen. „Die Outdoor-Branche wirbt

nach wie vor mit unberührter Natur. Aber ihre Kleidung

enthält Schadstoffe, die sich inzwischen rund um den

Globus nachweisen lassen. Das ist vor allem ein Problem

in den Produktionsländern. Aber auch bei uns finden

wir PFC in der Umwelt, im Trinkwasser und im menschlichen

Blut“, sagt Manfred Santen, Chemie-Experte

von Greenpeace. PFC lassen Wasser und Schmutz von

Outdoor-Kleidung abperlen und finden sich auch in den

innen liegenden wasserdichten Membranen (zum Beispiel

Gore-Tex). Alternativen sind bereits auf dem Markt.

„Verbraucher sollten prüfen, ob sie eine Regenjacke für

den Gipfelsturm oder für einen Spaziergang benötigen“,

sagt Santen. „Es gibt bereits fluorfreie Alternativen.

Auch diese Kleidung ist winddicht, atmungsaktiv und hält

einem Wolkenbruch stand.“

problemfAll 3

Apple: Chic statt fair

Der US-Technologiekonzern Apple zahlt viel Geld für

Design und Marketing. Bei den Arbeitsbedingungen,

unter denen die Geräte hergestellt werden, wird dagegen

regelmäßig gespart. Selbstmorde beim Zulieferer

Foxconn sind die bekanntesten Belege, aber beileibe

keine Einzelfälle. So steht auch der taiwanesische

Apple-Auftragsfertiger Pegatron wegen der skandalösen

Arbeitsbedingungen im Fokus der Kritik. Die Firma

soll der Organisation China Labour Watch zufolge in drei

Fabriken massive Verstöße gegen das Arbeitsrecht wissentlich

begangen haben. Die Liste der Vorwürfe gegen

Pegatron ist lang: ausufernde Überstunden, Billiglöhne,

Arbeit von Minderjährigen, Vertragsverletzungen,

Misshandlungen des Personals durch Manager, miserable

Unterkünfte sowie gravierende Umweltverschmutzungen

in China. Die Strategie des Apple-Managements,

nach der massiven öffentlichen Kritik am ehemaligen

Hauptzulieferer Foxconn vermehrt Aufträge an Pegatron

zu vergeben, dürfte nicht von Erfolg gekrönt gewesen

sein.

globalcompact Deutschland 2013

19


Agenda

„Audits

dauern länger als ein oder zwei Tage!“

Um auf dem internationalen Markt zu bestehen, brauchen Unternehmen funktionierende Zulieferer. In der Praxis

sind gerade Betriebe am Ende der Lieferkette aus Entwicklungs- und Schwellenländern dem globalen Preisdruck

ausgesetzt. Schlimmstenfalls arbeiten dann die Angestellten für wenig Geld unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Forderungen nach transparenten Lieferketten und kontrollierten Lieferanten hören sich theoretisch gut an.

Wie Audits sachgemäß die Arbeitssituation in einem Betrieb abbilden können, erklärt uns Richard Karmel von der

internationalen Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Mazars in unserem Interview. Mazars führt weltweit Audits

im Bereich der Menschenrechte durch.

Gisela Burckhardt (Clean Clothes Campaign Deutschland) hat gegenüber

Spiegel Online gesagt, dass sich inzwischen eine regelrechte Industrie

von Sozialaudits entwickelt habe. Diese deckten aber nicht wesentliche

Probleme wie etwa das Fehlen von Organisationsfreiheit oder erzwungene

Überstunden auf. Was halten Sie von dieser These?

Richard Karmel: Wenn man bedenkt, was bisher als „Sozialaudit“

bezeichnet wurde, stimme ich der Aussage zu. Der

Begriff wurde in der Vergangenheit oftmals unsachgemäß

verwendet. Tatsächlich wurde er als Grundlage für unterschiedliche

Formen von Zertifikaten benutzt. Nur sehr wenige

dieser Sozialaudits entsprachen dabei Evaluationsrichtlinien

oder wurden von anerkannten professionellen Prüfern durchgeführt.

So täuschte der Begriff „Audit“ eine falsche Sicherheit

vor. Ein Beispiel dafür ist der Brand in der Textilfabrik Tazreen

Fashion in Bangladesch Ende 2012. Tazreen hatte einige Wochen

zuvor ein auditiertes Zertifikat erhalten. Dieses Audit

hatte gerade einmal ein bis zwei Tage gedauert. Aus meiner

Sicht kann man aber keine qualifizierten Antworten aus einer

ein bis zwei Tage andauernden Prüfung ziehen, egal welche

Bereiche evaluiert werden. Innerhalb der Audits, welche wir

beispielsweise zur Überprüfung von „Organisationsfreiheit“

durchführen, befragen wir eine statistisch signifikante Anzahl

von Mitarbeitern. Darüber hinaus überprüfen wir die

dementsprechenden Märkte und beziehen die lokalen Gesetze

ein. Dieser Vorgang, von der Planung bis zur Fertigstellung,

dauert mehrere Wochen.

Mit den „Indicators for Human Rights Compliance” hat Mazars einen

eigenen Standard zur Überprüfung von Menschenrechten in Unternehmen

entwickelt. Erläutern Sie kurz seinen Ansatz. Was machen Sie

bei Mazars besser?

Karmel: Unser Ansatz geht über die herkömmlichen Audits

im Bereich der Menschenrechte hinaus. Momentan versuchen

die meisten Sozialaudits, die bisherigen Einflüsse auf die Arbeitsprozesse

eines Unternehmens zu beurteilen. Damit sind

sie rückwärtsgewandt. Der Ansatz von Mazars überprüft, ob

das Reporting eines Unternehmens an den United Nations

Guiding Principles on Business and Human Rights ausgerichtet

ist. Damit ist unser Audit inhärent zukunftsgewandt und bietet

unseren Kunden dadurch größeren Nutzen. Dementsprechend

überprüfen wir in einem Unternehmen die Strategien, die

Prozesse und die Kontrollen hinsichtlich ihrer Existenz, ihrer

Eignung und ihrer Effektivität. Wenn all diese Punkte in

einem Unternehmen funktionieren, ist es unwahrscheinlich,

dass Arbeitsabläufe die Menschenrechte negativ beeinflussen.

Vielmehr herrscht dann eine Kultur vor, in welcher die Arbeitsbeziehungen

durch das gegenseitige Vertrauen zwischen

Unternehmen und Stakelholdern bestimmt werden. Natürlich

gibt es niemals eine absolute Garantie, da man leider willkürliches

Verhalten einzelner nicht vermeiden kann.

Wie tief analysieren Sie dabei die Lieferkette (Tier 1, Tier 2, Tier 3) ?

Karmel: Ein Audit funktioniert nicht, wenn es als isolierter

Arbeitsvorgang betrachtet wird, dessen Ergebnis die bloße Zertifizierung

des Zulieferers ist. Vielmehr müssen Evaluierungen

als Teil der Unternehmensstrategie angesehen werden. Das

bezieht sich auch auf die gesamte Lieferkette eines Unternehmens.

So evaluieren wir, ob in den Zulieferbetrieben ebenfalls

ähnliche Strategien, Prozesse und Kontrollen verankert sind

und wie effektiv sie arbeiten. Dementsprechend überprüft

der Tier-1-Zulieferer wiederum seine Zulieferer (Tier 2) und

so weiter. Es ist wichtig, dass die Verträge mit den Zulieferern

diese Strategien widerspiegeln. Der Auftraggeber muss die

Möglichkeit haben, die eigenen Zulieferer unangekündigt

besuchen und überprüfen zu können. Wir empfehlen den

Unternehmen, eine Liste jener Betriebe anzulegen, mit welchen

keiner der Zulieferer zusammenarbeiten darf. Diese Liste

sollte an alle Zulieferer auf allen Stufen kommuniziert und

stets aktualisiert werden.

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globalcompact Deutschland 2013


Lieferkettenmanagement

Ein Audit sollte insgesamt als Teil einer übergeordneten

Kommunikation zwischen einem Unternehmen und seinen

Zulieferern angesehen werden. Es muss das ganze Jahr über

einen Dialog über die Probleme und Herausforderungen im

Bereich der Menschenrechte bestehen. Die jeweiligen Verantwortlichen

müssen sich dabei immer fragen, welche sozialen

Auswirkungen bestimmte Entscheidungen haben und wie

diese das Unternehmen beeinflussen.

In asiatischen Ländern zum Beispiel ist die Hemmschwelle bei Mitarbeitern

höher, etwas Negatives zu berichten. Wie können Sie als Prüfer

sicherstellen, dass Sie die Realität abbilden?

Karmel: Manchmal ist das Zögern, negative Themen anzusprechen,

ein direktes Resultat kultureller Diversität oder

kultureller und sozialer Hierarchien. Mazars schützt sich

dagegen, indem wir ein Team aus einheimischen und auswärtigen

Mitarbeitern einsetzen. Das erlaubt uns, Projekte

in Übersee durchzuführen und dort Personal einzusetzen,

das nicht aus dem zu überprüfenden Land kommt. Dadurch

stellen wir sicher, dass die richtigen Personen die richtigen

Fragen stellen. Denn auswärtige Mitarbeiter werden nicht

durch tiefverwurzelte kulturelle Befindlichkeiten beeinflusst.

Wenn wir beispielsweise in Indien arbeiten, liegt die Projektleitung

in den Händen von Mitarbeitern aus Großbritannien.

Diese führen dann die Befragungen durch, wenn ortanasässige

Mitarbeiter bei ihrer Tätigkeit durch die kulturellen Begebenheiten

beeinträchtigt werden könnten. Dadurch eliminieren

wir die Risiken, dass Rücksichtnahme gegenüber Vorgesetzten

oder die Abneigung, direkte Fragen zu stellen, die Ergebnisse

vernebeln.

Obgleich die Themen bezüglich des Kastensystems in Indien

bekannt sind, darf nicht vergessen werden, dass es auch ohne

Kastensystem soziale Stratifikationen gibt. Indem wir diesen

Punkt aus der Gleichung nehmen, gewährleisten wir, dass

auch negative Aspekte in Gänze beleuchtet werden; unsere

Mitarbeiter sind darin ausgebildet, so lange nachzufragen, bis

sie zufriedenstellende Antworten bekommen. Ein weiterer

Vorteil eines gemischten Teams ist, dass die ortsansässigen

Mitarbeiter die jeweiligen kulturellen Befindlichkeiten und

Überlegungen kennen. Solche Nuancen sind von entscheidender

Bedeutung.

Was denken Sie über den Prozess der Auswahl der Zulieferer? Liegt

das Problem nicht schon grundsätzlich in der falschen Auswahl der

Lieferanten? Wie erkennt ein Unternehmen die „schwarzen Schafe“ in

seiner Branche?

Karmel: Bisher haben nur wenige große Unternehmen Verhaltensregeln

im Bereich der Beschaffung aufgestellt, die

speziell auf Themen wie Existenzminimum, Überstunden,

Kinderarbeit, Organisationfreiheit, Nicht-Diskriminierung

etc. eingehen. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass

viele Beschaffungs-Abteilungen nach dem Preis urteilen und

den billigsten Zulieferer auswählen – ohne über die daraus

folgenden Risiken für ihre eigene Reputation nachzudenken.

Die Überprüfungen der Zulieferer finden oftmals erst dann

statt, wenn die Unternehmen bereits Schaden genommen

haben. Auch wenn man das als Fehler im System bezeichnen

kann, handelt es sich eher um eine neue Phase für Wirtschaft

und Handel, in welcher sich das proaktive im Gegensatz zum

reaktiven Handeln noch nicht durchgesetzt hat. Wie bereits erwähnt,

empfehlen wir Unternehmen, eine Liste problematischer

Zulieferer zu führen. Diese bringt zum Ausdruck, mit welchen

Zulieferern das Unternehmen nicht zusammenarbeiten will

und welche Unternehmen auch für die Zulieferer tabu sind.

Welche Anreize kann ein Unternehmen seinen Lieferanten und deren

Zulieferern bieten, die Menschenrechte am Arbeitsplatz einzuhalten?

Karmel: Soziale Medien haben heute einen großen Einfluss

auf die Reputation der Unternehmen. Dadurch wird ihnen

bewusst, dass Menschenrechtsverletzungen innerhalb der

Lieferkette Auswirkungen auf ihren Ruf und ihre Umsatzzahlen

haben können. Unternehmen müssen ihre Erwartungen

im Bereich der Menschenrechte deutlich gegenüber den

Zulieferern kommunizieren. Darüber hinaus müssen Betriebe

Beschwerdemechanismen für ihre Zulieferer etablieren. So

können diese Probleme melden, welche wiederum von den

Unternehmen beseitigt werden. Im Gegenzug akzeptieren die

Zulieferer unangekündigte Prüfungen. Es muss klar sein: Wenn

Zulieferer zum wiederholten Male, trotz der Unterstützung

der Unternehmen, definierte Standards missachten, riskieren

die Zulieferer, ihre Aufträge zu verlieren.

Allgemein muss jedes Unternehmen mit Zulieferern zusammenarbeiten

wollen, welche Qualitätsprodukte rechtzeitig

liefern, zu einem Preis, der den Mitarbeitern wenigstens

das Existenzminimum sichert. Darüber hinaus müssen die

Arbeitsbedingungen allgemein akzeptierte Gesundheits- und

Sicherheitsstandards erfüllen und nicht das Leben der Mitarbeiter

bedrohen.

Das Interview führte Sonja Scheferling

Zur Person

Richard Karmel, Managing Partner bei Mazars London,

www.mazars.co.uk

globalcompact Deutschland 2013

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Agenda

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globalcompact Deutschland 2013


Kinderrechte

Kinder-

Rechte

• Insgesamt leben 2,2 Milliarden Kinder unter 18 Jahren auf der

Welt. Dies entspricht beinahe einem Drittel der Weltbevölkerung.

• Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren machen 18 Prozent der

Weltbevölkerung aus.

• 1 Milliarde Kinder haben keinen Zugang zu einer Grundversorgung,

die für ihr Überleben und ihre Entwicklung unentbehrlich ist.

• Weltweit leben 2 Millionen Kinder unter 15 Jahren mit HIV.

• 215 Millionen Kinder sind Opfer von Kinderarbeit.

• 101 Millionen Kinder besuchen keine Grundschule.

• 51 Millionen Kinder werden bei der Geburt in keinem Einwohnermeldeverzeichnis

erfasst.

Quelle: Kinderrechte und unternehmerisches Handeln, Hrsg. DGCN 2012

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Agenda

Gibt es „gute“

Kinderarbeit?

Von Barbara Küppers

Kinderarbeit ist ein komplexes Phänomen:

„Die Kinderarbeit“ gibt es nicht, denn die

etwa 168 Millionen Mädchen und Jungen,

die heute laut Schätzungen der Internationalen

Arbeitsorganisation ILO weltweit

arbeiten, tun dies unter sehr unterschiedlichen

Bedingungen. Tatsächlich gibt es

auch Kinderarbeit, die keine Kinderrechte

verletzt. Die öffentliche Wahrnehmung

in Deutschland ist allerdings geprägt

durch Medienberichte und Kampagnen,

die Kinder in Steinbrüchen, Textilfabriken

oder auf Kakaoplantagen zeigen. Diese

Mädchen und Jungen werden ausgebeutet,

sie arbeiten an gefährlichen Orten, laufen

Gefahr, sich an Geräten und Maschinen

zu verletzen oder sind giftigen Pestiziden

ausgesetzt. Sie sind der Willkür ihrer Arbeitgeber

und der erwachsenen Kollegen

ausgeliefert und haben in der Regel die

Schule abgebrochen oder nie eine besucht.

Die Weltgemeinschaft ist sich weitgehend

einig, dass solche Ausbeutung von Kindern

unverzüglich beendet werden muss.

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globalcompact Deutschland 2013


Kinderrechte

Die ILO schätzt, dass etwa 85 Millionen Kinder weltweit

solcher Ausbeutung unterliegen, etwa zehn Prozent dieser

Kinder arbeiten für den Export: Ihre Arbeit steckt also etwa

in Natursteinen, Textilien oder Kakao, Tee und Orangensaft.

Ausbeuterische Arbeit verletzt das Recht eines Kindes, vor

wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt zu werden (Kinderrechtskonvention

der Vereinten Nationen, Artikel 32) und

immer auch weitere Rechte. Genannt seien hier: das Recht

auf Leben (Artikel 6), das Diskriminierungsverbot (Artikel 2),

das Recht auf Berücksichtigung des Kindeswillens (Artikel

12), das Recht auf Schutz vor Gewaltanwendung, Misshandlung

und Verwahrlosung (Artikel 19), das Recht auf

Gesundheitsversorgung (Artikel 24), das Recht auf Bildung

(Artikel 28), das Recht auf Beteiligung an Freizeit (Artikel

31), das Recht auf Maßnahmen gegen Entführung und Kinderhandel

(Artikel 35).

Die ILO-Konvention 182 definiert Ausbeutung von Kindern und

bannt Sklaverei, Schuldknechtschaft und Zwangsarbeit, die

kommerzielle sexuelle Ausbeutung, den Einsatz als Soldaten

und jegliche Form der Arbeit, welche die seelische und körperliche

Gesundheit von Kindern gefährdet. Die Konvention

182 ist die am schnellsten gezeichnete Konvention der ILO,

bis heute haben sie 175 Staaten ratifiziert. >>

globalcompact Deutschland 2013

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Agenda

Auf der normativen Ebene ist die Sache also klar: Ausbeutung

– die ILO spricht von „den schlimmsten Formen der

Kinderarbeit“ – muss beendet werden und kein Grund der

Welt kann ihre Existenz rechtfertigen: Kinderrechte sind

universell und unteilbar.

Ausbeutung verursacht Armut

Auch aus ökonomischer Sicht kommt man schnell zu dem

Schluss, dass ausbeuterische Kinderarbeit Armut verursacht

und nachhaltige Entwicklung hemmt –sowohl gesamtgesellschaftlich,

als auch indiviuell.

Wer hätte je von einem Land gehört, das aufgrund der Ausbeutung

der Kinder prosperiert? Wohl häufen einzelne Personen,

Gruppen oder Unternehmen Reichtümer an, etwa in der

illegalen Ökonomie: Mit Kinderprostitution und Kinderpornografie

werden jedes Jahr Milliardenumsätze gemacht. Kinder

graben im Kongo nach Coltan, das Geschäft wird von Warlords

kontrolliert, die jegliche Regulierung des Bergbaus verhindern.

Die internationale IT-Industrie profitiert, denn Coltan wird zu

Tantal verarbeitet, einem wichtigen Bestandteil von Laptops

und Handys. Mafiöse Strukturen, massive Korruption, Gewalt

sowie die Negierung grundlegender gesellschaftlicher Werte

verhindern die Entwicklung legaler Ökonomie und Entwicklung

insgesamt. Die ILO hat im Jahr 2003 untersucht, wie Kinderarbeit

die Gesamtökonomie schädigt: Der Weltgemeinschaft

entgehen demnach volkswirtschaftliche Werte im Umfang

von 5,1 Billionen US-Dollar, die durch höhere wirtschaftliche

Leistungsfähigkeit und Produktivität erwirtschaftet werden

könnten, wenn bis zum Jahr 2020 Kinderarbeit beendet würde.

Die Kosten für diese Maßnahmen – zumeist Investitionen in

Bildungssysteme – sind bereits in die Schätzung eingerechnet.

Die Geschichte vom Tellerwäscher, der zum Millionär wird,

entpuppt sich als simple Durchhaltepropaganda: In der Realität

schuften sich Kinder durch ausbeuterische Arbeit kaputt,

und die Liste ihrer Berufskrankheiten ist lang: von der

Staublunge über schwere Haltungsschäden, chronische Haut-,

Augen- und Atemwegserkrankungen, Traumatisierung, Vergiftungen,

Unter- und Mangelernährung aufgrund zu harter

Arbeit, Wachstums- und Reifungsverzögerungen. Ungezählt

sind die Folgen von Arbeitsunfällen, wie der Verlust von

Gliedmaßen und bleibende Behinderungen. Die ILO schätzt,

dass jedes Jahr 22.000 Kinder bei Arbeitsunfällen sterben. Wer

von klein auf schuftet und niemals eine Schule besucht, wer

ausgebeutet wird und dadurch gesundheitliche und seelische

Schäden davonträgt, der hat kaum Chancen, einem Leben als

Tagelöhner zu entkommen.

Die Wirtschaft wächst – die Ausbeutung auch

Die Bekämpfung ausbeuterischer Kinderarbeit steht seit Mitte

der 1990er Jahre im Mittelpunkt verschiedener Bemühungen

internationaler Organisationen wie der ILO und von Unternehmen,

die durch Kampagnen mit Kinderarbeit in ihren

Lieferketten konfrontiert wurden. Einfache Verbote reichen

jedoch nicht aus, vielmehr bedarf es eines umfassenden Ansatzes.

Denn die Ausbeutung von Kindern hat viele Ursachen,

und die Situation der Kinder kann sich durch gut gemeinte,

aber eindimensionale Maßnahmen sogar verschlechtern.

Klären wir zunächst die Frage, ob Armut die hauptsächliche

Ursache für die Ausbeutung von Kindern ist: Es ist keine

Überraschung, dass in Staaten mit weit verbreiteter extremer

Armut sehr viele Kinder arbeiten: In Liberia sind 89 Prozent

der Menschen extrem arm, 35 Prozent der Kinder arbeiten.

Allerdings lässt sich daraus kein Automatismus ableiten:

Denn bei geringerer extremer Armut kann es dennoch mehr

Kinderarbeit geben, wie etwa in der Elfenbeinküste, wo 25

Prozent der Menschen extrem arm sind, aber mehr Kinder

arbeiten, als in Liberia, nämlich 45 Prozent aller Mädchen

und Jungen. Weiterhin zeigt das sogenannte Wohlstandsparadox,

dass ausbeuterische Kinderarbeit sogar zunehmen kann,

wenn Einkommen oder Wirtschaft wachsen: Als zum Beispiel

Anfang der 1990er Jahre die Textilindustrie in der indischen

Stadt Tirupur einen ungeheuren Aufschwung nahm, stieg die

Anzahl der Kinderarbeiter in der Stadt und lag mit etwa 20

Prozent weit über dem Durchschnitt des Bundesstaates Tamil

Nadu mit etwa zwölf Prozent Kinderarbeitern. In Tirupur gab

es damals etwa 200.000 Arbeitsplätze in der Textilindustrie,

40.000 davon waren mit Kindern unter 14 Jahren besetzt. Zu

dieser Zeit traf Angebot auf Nachfrage: Die Stadt verzeichnete

aufgrund des Wirtschaftsbooms hohe Zuwanderungsraten.

Die Kinder der Migrantenfamilien arbeiteten mit, denn die

Hoffnung der ganzen Familie ruhte darauf, gemeinsam ein

besseres Einkommen zu erzielen. Die Kinder – Mädchen

ebenso wie Jungen – hatten nie eine Schule besucht und in

ihrer Heimat mit den Eltern als Tagelöhner auf den Feldern

gearbeitet. Oder sie hatten die Schule verlassen, als die Familie

umzog. Die Industrie fragte billige und vor allem willige

Arbeitskräfte nach, die am besten klaglos stundenlang und

ohne Pause monotonste Arbeit ausführten. So verzeichnete

eine Region, die boomte, eine höhere Anzahl ausgebeuteter

Kinder als die weitaus ärmeren ländlichen Nachbardistrikte.

Das Wohlstandsparadox kann auch auf dem Land beobachtet

werden: Das Verhältnis zwischen den Ressourcen eines Haushaltes

und dem Ausmaß der Kinderarbeit (Anzahl der Kinder,

26

globalcompact Deutschland 2013


Kinderrechte

die arbeiten, und Arbeitszeit) steigt auch hier zunächst an:

Haushalte, die extremer Armut entkommen, verzeichnen mehr

Kinderarbeit. Erst ab einer bestimmten Wohlstandsschwelle

nimmt die Kinderarbeit wieder ab, wie es die Ökonomen Sonia

Bhalotra und Christoperh Heady zum Beispiel für Äthiopien

gezeigt haben.

Wichtigste Maßnahme: Schulpflicht

Die Ausbeutung von Kindern ist in allen Staaten der Welt gesetzlich

verboten – und dennoch Realität. Die Erfahrung von

terre des hommes zeigt: Werden gesetzliche Verbote nicht durch

sozialpolitische Maßnahmen flankiert, sind sie unwirksam

oder treiben Kinder in noch schlimmere Arbeitsverhältnisse

und in die Illegalität. Eine der wirksamsten Maßnahmen gegen

ausbeuterische Kinderarbeit ist der Ausbau öffentlicher Schulsysteme

und die Zugänglichkeit von Schulen für alle Kinder

– gerade auch für solche Mädchen und Jungen, die besonders

gefährdet sind: Kinder aus armen und marginalisierten Familien,

Migranten, Minderheiten. Eine vergleichbare Situation

wie in der indischen Textilstadt Tirupur gab es in Bangladesch,

und sie ist bis heute das meist zitierte Beispiel für die fatale

Wirkung einseitiger Verbote, die nur die „Nachfrageseite“ im

Blick haben: 1992 hatte der US-amerikanische Senator Tom

Harkin einen Entwurf vorgelegt, der den Bann von Produkten

aus Kinderarbeit vorsah. Die Textilindustrie von Bangladesch

war eines seiner Beispiele. Daraufhin entließen Arbeitgeber in

Bangladesch in kurzer Zeit etwa 50.000 Mädchen und Jungen.

Ein großer Teil der Kinder landete in der Prostitution und in

ausbeuterischen Arbeiten im informellen Sektor.

Eine andere Geschichte: Kinderarbeit in Würde

Dass Kinderarbeit nicht zwingend Kinderrechte verletzt, ist für

viele Menschen kaum vorstellbar. Die Arbeit von Kindern ist

nicht per se ausbeuterisch. Mädchen und Jungen arbeiten mit

und lernen dabei zum Beispiel im Haushalt die grundlegenden

Fertigkeiten der Hauswirtschaft oder im elterlichen Betrieb

verschiedene Handwerks- oder Landbebauungstechniken.

Durch Mithilfe und Arbeit werden wichtige gesellschaftliche

Werte vermittelt, wie zum Bespiel Zusammenarbeit und

Einsatz für eine Gemeinschaft. Arbeit kann ein Mittel zur

Selbstverwirklichung sein und kann materielle und soziale

Bedürfnisse befriedigen. Werden Kinder ihrem Alter und ihren

Fähigkeiten entsprechend an Arbeiten – wohlgemerkt in

Familien- oder Gemeinschaftsstrukturen – beteiligt, erlangen

sie Selbstbewusstsein und lernen, gemeinsam mit anderen

produktiv für die Gemeinschaft zu sein – wichtige Werte in

vielen Kulturen.

der Kinder im Schulunterricht vielfältige positive Wirkungen

hat: Die Werkstattschulen der Organisation Creciendo Unidos

in Kolumbien zum Beispiel knüpfen an die täglichen Erfahrungen

arbeitender Kinder an und qualifizieren die Kinder

weiter: Sie werden nicht gedrängt, ihre Arbeit aufzugeben,

und niemand muss sich schämen, weil er arbeitet.

Ein Abrutschen in ausbeuterische oder illegale Arbeit wird

durch den Zusammenhalt der Gruppen verhindert. Fertigkeiten,

die Mädchen und Jungen bei ihrer Arbeit gelernt haben,

helfen ihnen in der Schule. Viele arbeitende Kinder können

zum Beispiel gut rechnen. Umgekehrt hilft die Schule, ihre

Produkte und ihr Marketing zu verbessern. Einige Kinder

schließen sich zusammen und stellen ihre Waren, etwa kleine

Süßigkeiten, gemeinsam her oder kaufen im Verbund zu

einem günstigeren Preis ein. So verbessern sie ihr Einkommen

und unterstützen sich gegenseitig.

Pauschale Verbote jeglicher Arbeit von Kindern würde diese

Kinder in die Illegalität treiben und damit ihre Situation

deutlich verschlechtern. Damit wären arbeitende Kinder

weitaus verletzlicher und gefährdet, in ausbeuterische Arbeit

abzurutschen oder drangsaliert zu werden.

Nicht-ausbeuterische Arbeit von Kindern steht auch nicht

automatisch dem Schulbesuch im Wege. Eine große Zahl von

Kindern weltweit arbeitet und geht gleichzeitig zur Schule,

dies gilt zum Beispiel für die große Mehrheit der Kinder in

Lateinamerika und Afrika.

Nicht-ausbeuterische Kinderarbeit kann als Potenzial für die

individuelle und gesellschaftliche Entwicklung gesehen werden.

Projekte für Kinderarbeiter zum Beispiel in Kolumbien und

Peru zeigen, dass vor allem die Einbeziehung der Erfahrungen

Über die AutorIN

Barbara Küppers ist Leiterin des Referates Kinderrechte von terre des hommes

Deutschland e.V.

globalcompact Deutschland 2013

27


Agenda

Kinderrechte

sind unser aller Business

Von Dr. Jürgen Heraeus

Kinder sind die Zukunft – über diesem schon so häufig gehörten

Satz vergessen wir leicht, dass Kinder auch die Gegenwart

sind. Und zwar ganz erheblich: Ein Drittel der Weltbevölkerung

– 2,2 Milliarden Menschen – sind heute Mädchen

und Jungen unter 18 Jahren, Tendenz steigend. Während wir

in Deutschland über die alternde Gesellschaft nachdenken,

dürfen wir nicht vergessen, dass Kinder und Jugendliche in

einigen Entwicklungs- und Schwellenländern sogar rund die

Hälfte der Bevölkerung stellen. Für viele Familien sind sie der

einzige Reichtum – und oft die einzige Lebensversicherung.

Das macht es umso dringlicher, dass Unternehmen, die ihre

gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen, bei der Weiterentwicklung

ihrer CSR-Strategien nicht nur die Menschenrechte,

sondern speziell auch die Rechte von Kindern in den

Fokus nehmen.

28

globalcompact Deutschland 2013


Bei Kinderrechten im Zusammenhang mit Unternehmen

denken wir häufig zuerst an eine der schwersten Kinderrechtsverletzungen:

Ausbeuterische Kinderarbeit. Und es ist richtig,

dass der Kampf gegen Kinderarbeit ein drängendes Problem

bleibt. Trotz Fortschritten sind nach wie vor 158 Millionen

Mädchen und Jungen als Kinderarbeiter beschäftigt – mehr als

die Hälfte von ihnen müssen unter schwersten Bedingungen

arbeiten, die gefährlich für ihre Sicherheit, Gesundheit und

Entwicklung sind und sie vom Schulunterricht abhält. Deshalb

bleibt es ein zentrales Ziel, jedes einzelne dieser Kinder

zu schützen und ihnen den Weg in eine bessere Zukunft zu

ermöglichen.

Aber unternehmerische Verantwortung für Kinder geht weit

über die Abschaffung von Kinderarbeit hinaus. Denn Kinder

sind auf viele Weise von Unternehmenstätigkeit betroffen:

Zum Beispiel als Kinder von Angestellten, als Anwohner auf

oder in der Nähe von Firmenstandorten oder als Kinder von

Gast- oder Wanderarbeitern, die zu Hause zurück gelassen

werden. Darüber hinaus sind Kinder Produkten und Marketingaktivitäten

ausgesetzt und leiden stärker unter Umwelteinflüssen

als Erwachsene.

Aus dem großen Einfluss, den Unternehmen auf die Lebensumstände

von Menschen haben, erwächst ihnen auch eine

große Verantwortung. Kinder zu schützen und zu fördern,

bedeutet deshalb auch mehr, als Geld für Charity-Projekte

auszugeben. Die Achtung der Kinderrechte sollte als Teil der

Unternehmenskultur fest verankert sein und aller unternehmerischen

Tätigkeit zugrunde liegen.

Sich für Kinderrechte einzusetzen erfordert von Unternehmen

einerseits, dass sie Schaden von Kindern abwenden, und

andererseits, dass sie die Interessen der Kinder aktiv fördern.

UNICEF, Global Compact und Save the Children haben dazu

gemeinsam Grundsätze erarbeitet, die als Leitfaden dienen

können. Zu den empfohlenen Grundsätzen gehört unter

anderem, dass Unternehmen zur Abschaffung von Kinderarbeit

im Rahmen der gesamten Geschäftstätigkeit sowie in

allen Geschäftsbeziehungen beitragen, für die Sicherheit von

Produkten und Leistungen sorgen, die Umwelt schützen oder

Werbung in einer Art betreiben, die Kinderrechte fördert.

Das ist nicht nur moralisch richtig, es ist auch wirtschaftlich

sinnvoll. Maßnahmen zur Förderung der Kinderrechte tragen

dazu bei, die Reputation eines Unternehmens zu stärken, das

eigene Risikomanagement zu verbessern und dem Unternehmen

gesellschaftlichen Rückhalt für seine Geschäftstätigkeit

zu sichern. Ein Bekenntnis zur Achtung der Kinderrechte

kann außerdem dabei helfen, motivierte Mitarbeiter zu finden

und sie an das Unternehmen zu binden. Der Einsatz für

Kinder trägt letztlich zum Auf bau stabiler Gesellschaften mit

hohem Bildungsniveau bei, die eine wichtige Grundlage für

ein stabiles und nachhaltiges Geschäftsumfeld sind.

Kinder sind die Gegenwart und die Zukunft. Sie sind die

Führungskräfte, Mitarbeiter, Konsumenten, Bürger, Partner

und Eltern von morgen.

Letztlich gewinnt jeder, wenn wir Kinderrechte heute zu unser

aller Business machen.

Zur Person

Dr. Jürgen Heraeus ist Vorsitzender von UNICEF Deutschland.

globalcompact Deutschland 2013

29


Agenda

Geschichte der

Kinderarbeit

Was unterscheidet die Arbeit von Kindern am Beginn der Industriellen Revolution in Europa

von der Kinderarbeit heute? Worin gleichen sich die Entwicklungsprozesse und Konflikte um

Erwerbsarbeit in frühen Lebensjahren? Am Beginn der Industrialisierung gefährdete die sich

ausweitende Erwerbsarbeit von Kindern deren nachhaltige Entwicklung – zukunftsgefährdende

Kinderarbeit wurde in einem langwierigen Prozess verboten.

Von Dr. Jürgen Bönig

Der Kampf gegen eine Arbeit, welche die Zukunft der Kinder

versperrt, ist ein Resultat einer veränderten Wahrnehmung

der Entwicklung des Menschen: Was verstehen wir unter

„Kind“, wie begreifen wir das Aufwachsen von Kindern, und

wie verstehen wir uns selbst? Das Grimmsche Herkunftswörterbuch

kannte „Kind“ und „Kindheit“ in Texten vor dem

19. Jahrhundert nur in der Bedeutung einer Abstammung, im

Sinne von „Kind sein von …“. Oder das Wort diente der Bezeichnung

patriarchalischer Herrschaftsverhältnisse außerhalb der

Familie, als „Landeskind“, im Sinne eines unmündigen, zu

bevormundenden Untertanen. Ein Moment der Veränderung

war darin noch nicht enthalten, der gesellschaftliche Status

schien für das ganze Leben festgeschrieben.

Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts änderte sich die Gesellschaft

radikal und mit ihr die Vorstellung, was Kindheit sei: Sie

wird seitdem als eine gesonderte, ausgedehnte Phase aufgefasst,

in der Körper und Geist sich wandeln und der mündige Mensch

aus dem Kind erst hervorgeht. Entsprechend setzte sich die

Ansicht durch, dass in diesen Prozess des Erwachsenwerdens

gezielt einzugreifen sei, müssen doch Gelegenheit und Zeit

vorhanden sein, damit er gelingt. Lernen wird demnach als

etwas Anderes, Offeneres als die bloße Nachahmung einer

vorgemachten Arbeit verstanden, als etwas Anderes als das

Einfügen in Vorgegebenheiten, für das vermeintlich keine

besonderen Anstrengungen notwendig seien. Demzufolge

könne Erwerbsarbeit in der Kindheit die Bedingungen für

gelungenes Erwachsenwerden zerstören und die körperliche

und geistige Entwicklung hemmen, sodass womöglich kein

kompetenter Bürger entstehe.

Die Vorstellung, ein Kind brauche eine besondere Phase der

Erziehung, eine geschützte Zeit, in der es das lernt, was es

für das Leben in der Gesellschaft braucht, ist selbst ein Kind

der Aufklärung: Die Zeit des Lernens und Erwachsenwerdens

sollte nach Möglichkeit nicht durch körperlich überbeanspruchende,

das Lernen verhindernde oder den Spaß an der Arbeit

vergällende Tätigkeiten und Bedingungen geprägt sein. Die

Idee, dass sich der einzelne Mensch im Laufe seines Lebens

verändere, entstand somit in einer Gesellschaft, die selbst auf

Veränderung, Neuheiten und Wachstum angelegt war – im

Gegensatz zur Feudalgesellschaft, die im Bewusstsein einer

unveränderlichen gesellschaftlichen Ordnung ein starres Bild

vom Kind als kleinen Erwachsenen hatte.

In der neuen bürgerlichen, kapitalistischen und industrialisierten

Gesellschaft waren die alten persönlichen Abhängigkeitsverhältnisse

durch freie Verträge und Vereinbarungen

ersetzt worden. Ein Teil des Schutzes, den patriarchalische

Bevormundung auch den Kindern bot, ging daher verloren.

Die Freiheit von persönlichen Abhängigkeitsbeziehungen,

Gewerbefreiheit und Vertragsfreiheit befreiten auch von dem

Schutz, den die Herren als Gegenleistung für die Abhängigkeit

gewähren sollten. Neue Regeln und Schutzmechanismen

mussten erst durchgesetzt und erkämpft werden, nachdem sich

die unbeschränkte Freiheit des Gewerbes als gefährdend für

die Menschen, die Gesellschaft und den Staat erwiesen hatte.

Wer sorgte nun – nach der Ausweitung von schutzloser

Kindererwerbsarbeit im 18. und 19. Jahrhundert – für die

Durchsetzung von Einschränkungen und Verboten?

30 globalcompact Deutschland 2013


Kinderrechte

Dieses kleine Mädchen arbeitete in der Spinnerei

Mollahan Mills in Newberry, South Carolina,

als Lewis Hine sie im Dezember 1908 fotografierte.

Veränderung der Gesellschaft – Veränderung der Kindheit

Man sollte sich die Zeit, als die meisten Menschen für Naturalien

und nicht für Geld arbeiteten, nachträglich nicht allzu

romantisch vorstellen. Die Gesellschaft war durch persönliche

Abhängigkeitsverhältnisse, patriarchalische Gewalt und Mangel

bestimmt. Die Gewissheit, zu einem bestimmten Stand

zu gehören und das diesem Zustehende zu bekommen, war

erkauft durch die Schranken und Fesseln der Standesgebote.

Und längst nicht allen konnte die feudale Gesellschaft sicheres

Einkommen, Unterkommen und Stand garantieren. Dies galt

insbesondere gegen Ende der Epoche, als Erwerbsfreiheit und

Geldwirtschaft die ständischen Beschränkungen aufzulösen

begannen. Erbteilung, Überführung der Feudallasten in

sogenannte Ablösungen (Geldzahlungen) und neu aufkommende

Gewerbezweige mit neuen wirtschaftlichen Chancen

für die Grundbesitzer verwehrten immer mehr Menschen

den Lebensunterhalt auf dem Lande und zwangen sie dazu,

in Lohnarbeit auf dem Lande oder in der Stadt ihr Geld zu

verdienen.

Zur Zeit der Bauernbefreiung in Preußen, ein langwieriger

Prozess, der im Wesentlichen zwischen 1830 und 1859

stattfand, hatte beispielsweise die Hälfte der auf dem Land

Lebenden keinen Grundbesitz mehr und musste sich anderen

Erwerbsquellen zuwenden oder in der Landarbeit verdingen.

Das vom Staat geförderte Manufakturwesen kam ohne die

Kinder gar nicht aus. In den Armen-, Zucht- und Waisenhäusern,

welche die Nöte der Dorf- und Stadtarmut zu lindern

versuchten, stand die Erziehung zu Fleiß und Erwerbstätigkeit

im Mittelpunkt. Dort sollten Kinder durch Arbeit und strenge

Regeln lernen, von eigener Anstrengung und Arbeit zu leben

und nicht von Almosen.

Am Ende bestand die preußische Bauernbefreiung aus der

Ablösung der feudalen Lasten in Geld, sodass alle Beteiligten

dazu gezwungen waren und zugleich die Freiheit hatten, ihre

Produkte auf den Markt zu bringen. Dies markierte den Übergang

von einem persönlichen Arbeitsverhältnis zu einer Arbeit

gegen Lohn für die ganze Familie – einschließlich der Kinder.

In den neuen Verhältnissen mit Gewerbe- und Vertragsfreiheit

wurde nun nicht mehr zusammen für ein Naturalergebnis

gearbeitet, von dem ein Teil abgeliefert werden musste. Es

wurde kein Produkt hergestellt, das notfalls selbst genutzt

und verzehrt werden konnte, sondern eines, um damit Geld

zu verdienen – ein Arbeitsergebnis, dessen Herstellung, Bearbeitung

und Preis ein anderer bestimmte, der damit ebenfalls

Geld verdienen wollte. In diesen Gesellschaftsverhältnissen

gewann Kinderarbeit eine neue strategische Qualität. Sie diente

dem Druck auf den Lohn der Erwachsenen, die selbst kaum

Möglichkeiten hatten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Kinderarbeit im Fabriksystem

In der entstehenden Industrie und im Gewerbe wurden Kinder

für verschiedenste Aufgaben eingesetzt – beim Raddrehen

an Maschinen, an Spinnmaschinen, beim Töpfern, Kleiderrupfen,

im Bergbau als Grubenpferdeführer, Kohlenschlepper,

Lorenzieher und Öffner für Wettertüren. Schilderungen >>

globalcompact Deutschland 2013

31


Agenda

Im April 1908 fotografierte Lewis Hine

diese Kinder, die nachts in einer Glasfabrik

in Indiana arbeiteten.

und Abbildungen dieser Kinderarbeit kamen nun vermehrt

an die Öffentlichkeit, nicht weil es vorher keine Kinderarbeit

gab, sondern weil die neuen Erwerbszweige und -methoden

den Grundbesitzern und traditionellen Gewerbetreibenden

ein Dorn im Auge waren. Sie versorgten die einschlägigen

Untersuchungskommissionen in England, das in der Industrialisierung

voranging, mit Zeugenaussagen, Bildern und

entsprechenden moralischen Bewertungen, die dann Eingang

fanden in zahlreiche Publikationen, unter anderem in Karl

Marx’ „Das Kapital“.

Kinderarbeit erschien vielfach als notwendig, als angemessener

Einsatz körperlich kleiner Arbeiter, weil die Flöze und Gänge

niedrig waren, der Platz unter den Maschinen beschränkt, die

Nische hinter den Wettertüren winzig. Aber die allmähliche

Durchsetzung eines Verbots der Kinderarbeit in den Fabriken

zeigt, dass nicht die technischen Bedingungen über den Einsatz

der Kinder entschieden, sondern deren geringer Preis.

Bekannt sind die Abbildungen der Spinnmaschinen aus England,

unter denen Kinder die herabfallenden Fasern fortschaffen.

Im Museum of Science and Industry in Manchester lässt sich

an bewegten Maschinen nachvollziehen, welchen Gefahren

diese Kinder ausgesetzt waren: Beim Vorlauf der transmissionsgetriebenen

Maschinengestelle, bei denen der Vorfaden

durch Drehen gesponnen wurde, krochen sie unter die ausgespannten

Fäden, fegten die ölverschmierten Baumwollfasern

zusammen und mussten sich sehr beeilen, darunter wieder

herauszukommen, weil in zwei bis drei Sekunden die Spulenreihe

zurückfuhr und den gesponnenen Faden aufwickelte.

Schafften sie es nicht, wurden sie zwischen heranrasender

Maschinenreihe und Maschinengestell zerquetscht – ein

Grund, warum für diese Tätigkeit vor allem Waisenkinder

eingesetzt worden sein sollen. Dies waren meist Kinder, für

deren Unterhalt die Eltern nicht mehr aufkommen konnten

und die deshalb gegen Zahlung von Geld in Armen- und

Waisenhäuser gegeben wurden – also nicht immer Waisen

im eigentlichen, heutigen Sinne.

Doch nicht nur die niederkonkurrierten Gewerbetreibenden

schürten die Empörung gegen die Kinderarbeit, auch die

entstehende bürgerliche Aufklärungsbewegung und die

Arbeiterbewegung wollten die Konkurrenz durch niedrig

bezahlte Arbeitskräfte einschränken. Auf diesen Prozess reagierte

der Staat mit einer bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

charakteristischen Kombination aus moderater Gewerbeeinschränkung

und gleichzeitiger Unterdrückung derjenigen

Handwerker-, Gewerbetreibenden- und Arbeiterorganisationen,

die den Schutz ihrer Interessen in Selbstorganisation

übernehmen wollten. Der Staat fürchtete so sehr, dass Untertanen

und Bürger sich organisierten, dass er den Schutz

des Arbeiternachwuchses vor der physischen Ruinierung

durch Einzelunternehmer selbst übernahm – allerdings in

äußerst zögerlicher Weise.

Eine Rolle spielte dabei, welche Zeit und welche Bedingungen

die Kinder brauchten, um für die neu entstehende

Gesellschaft zu lernen und mit dem Erlernten in Zukunft

Arbeit zu bekommen. Im 18. und 19. Jahrhundert musste

ein Kind bedeutend mehr lernen als in den Jahrhunderten

32 globalcompact Deutschland 2013


Kinderrechte

zuvor. Lesen und Schreiben war nicht mehr auf höhere Kreise

beschränkt. Die sich explosionsartig ausbreitende Lesekultur

des 18. Jahrhunderts zeigt, dass rasch viel mehr Menschen

lesen konnten.

Umdenkenn wegen soldatischer Untauglichkeit

Ein Argument, das den Staat auf seine Schutzaufgabe hinwies,

hatte eine besondere Wirkung: nämlich die Erfahrung, dass zu

frühe und intensive Fabrikarbeit die Menschen derart zerstörte,

dass sie nicht mehr als Soldaten taugten. Sowohl in England

als auch in Preußen war der Anteil für den Militärdienst

Untauglicher in den industriellen Provinzen höher als in den

ländlichen Bezirken. Dieser Unterschied war sicher nicht nur

durch die krankmachende Arbeit bedingt, sondern ebenso

durch die schlechten Wohn- und Ernährungsverhältnisse.

Ausgehend von der Auseinandersetzung in England ist die

Arbeit von Kindern in Fabriken zunehmend eingeschränkt

worden, beispielsweise in Preußen durch das Regulativ vom

9. März 1839 durch Friedrich Wilhelm III. (1770–1840). In

der Vorbereitung dieses Regulativs wies der federführende

preußische Generalleutnant Wilhelm von Horn nachdrücklich

auf die Gefahr der Zerstörung der Rekrutierungsgrundlage

der Armee hin.

Schaut man sich das entstandene Regulativ an, so stellt sich

heraus, dass die soldatische Untauglichkeit zwar ein gutes

politisches Argument, aber nicht der eigentliche Grund für

das staatliche Handeln war. Der entstehende Nationalstaat

hatte nämlich ein Loyalitätsproblem, dem der Schulunterricht

unter staatlicher Kontrolle abhelfen sollte. Bisherige Reichsformen

hatten immer auf die Gefolgschaft der Bevölkerung

gegenüber den Landbesitzern und einer schwachen übergeordneten

Regierungsinstanz gebaut. Mit der Entstehung

des Nationalstaates musste dieser auch dafür sorgen, dass

die Loyalität vor allem dem Staat und nicht mehr (nur) dem

Grundherrn galt.

Anfänge schulischer Bildung

Im ersten preußischen Regulativ zur Kinderarbeit ging es

hauptsächlich um das Verhältnis von Erwerbsarbeit und schulischer

Erziehung. Das Regulativ bestimmte, dass niemand „vor

zurückgelegtem neunten Lebensjahr“ in einer Fabrik oder bei

Berg-, Hütten- und Pochwerken zu einer regelmäßigen Beschäftigung

angenommen werden durfte. Das Verbot wurde auf 16

Jahre ausgedehnt, wenn ein Kind keinen schulischen Nachweis

vorlegen konnte, dass es „seine Muttersprache geläufig lesen

kann und einen Anfang im Schreiben gemacht hat“. Auch

für Kinder, die „noch nicht einen dreijährigen regelmäßigen

Schulunterricht genossen“ hatten, galt das verlängerte Verbot.

Ausnahmen davon waren möglich, wenn „die Fabrikherren

durch Errichtung und Unterhaltung von Fabrikschulen den

Unterricht der jungen Arbeiter sichern“.

Fabrikschulen des Unternehmens selbst, die diesen Unterricht

anboten, waren in den Folgejahrzehnten heftig umstritten,

weil die Schulinspektoren feststellten, dass die Erwerbsarbeit

der Kinder im Vordergrund stand und nicht der Unterricht.

Ein Ergänzungsgesetz von 1853, das 1869 in die Gewerbeordnung

des Norddeutschen Bundes und 1878 in die Gewerbeordnung

des Deutschen Reiches übernommen wurde, hob die

Altersgrenze auf zwölf Jahre an und beschränkte die erlaubte

Höchstarbeitszeit auf zunächst zehn Stunden, später auf sechs

Stunden für Kinder ab zwölf Jahren. Wohlgemerkt, all das

galt für Kinderarbeit in Fabriken – ein Kinderschutzgesetz

für Heimarbeit gab es im Deutschen Reich erst 1903 und ein

Verbot der Kinderarbeit in der Landwirtschaft in der Bundesrepublik

erst 1960.

Ein gesetzliches Verbot der Kinderarbeit bedeutet natürlich

nicht, dass sich alle daran gehalten hätten. Nach dem Regulativ

von 1839 waren die nächsten Jahrzehnte bestimmt

von der Auseinandersetzung um die mangelnde Kontrolle

des Verbotes in den Fabriken und von Klagen, dass die

Altersgrenze zu niedrig sei und Kinderarbeit den Schulunterricht

erheblich beeinträchtige. Die Lehrer stellten fest,

dass die Kinder vor und nach dem Schulunterricht und in

den Ferien arbeiten mussten und häufig zu erschöpft und

müde waren, um dem Unterricht zu folgen oder mit Freude

erfolgreich zu lernen.

Tatsächlich besuchten in den 1870er Jahren 90 Prozent der

Schulpflichtigen in Preußen die Schule, 1880 waren es fast

100 Prozent. Als die Schulpflicht durchgesetzt war und Kinder

nicht mehr in großem Ausmaß in der Industrie arbeiteten,

wichen die Fabrikanten auf Heimarbeit aus. Verlags- und

Heimarbeit in der Familie schloss immer auch die Kinder ein,

die vor und nach der Schule mithalfen – und diese Form der

Kinderarbeit ließ sich noch viel schwieriger kontrollieren als

die Arbeit in einer zentralisierten Fabrik.

Als nach einer ersten Phase der Industrialisierung 1872 die

Volksschule als allgemeine öffentliche Staatsanstalt Gestalt

annahm, wurden die Schulpflicht und die Einschränkung

ausgedehnter Kinderarbeit verbindlicher. Die Lehrer der

Volksschulen registrierten aber bis über die Jahrhundertwende

hinaus, dass Schulkinder durch Erwerbsarbeit vor und nach

der Schule und an schulfreien Tagen zum Familienunterhalt

beitragen mussten. Zahlreiche Erinnerungen an die Kindheit

von Arbeiterinnen und Arbeitern um 1900 durchzieht wie

ein roter Faden der Wunsch: „Einmal ausschlafen können!“

Facharbeit und Berufsschule

Aus dieser Erfahrung heraus beteiligten sich die Lehrer der

Volksschulen um die Jahrhundertwende an Erhebungen über

die Lage ihrer Schülerinnen und Schüler. Dies unternahmen

sie teilweise auch gegen ausdrückliches Verbot, wie etwa in

Österreich, dessen Regierung offenbar über die Wirksamkeit

oder Unwirksamkeit ihrer Schutzgesetzgebung gar nichts

wissen wollte. Der Druck der Arbeiterbewegung, aber ebenso

von Lehrern und Industriellen, die schulisch ausgebildete

Arbeiter brauchten, führte 1903 im Deutschen Reich zu einer

Altersgrenze von zehn Jahren bei Heimarbeit.

Aber Inhalt und auch Dauer der Schulzeit mussten sich ändern

und damit das Schutzalter der Kinder. Ein bisschen Lesen,

Schreiben, Rechnen und Gehorsam reichte nicht mehr >>

globalcompact Deutschland 2013

33


Agenda

aus für eine fachlich qualifizierte Anstellung in Industrie und

Gewerbe: Durch die neue Arbeitsteilung in den Betrieben

kamen schriftliche Anweisungen, präzise mathematische

Vorgaben und Zeichnungen vermehrt zum Einsatz. Entsprechend

musste die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen

den Erfordernissen der Zeit angepasst werden. Die neue

Berufsgruppe der Ingenieure hatte begonnen, Maschinen

und Anlagen nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten zu

erforschen, und die „wissenschaftliche Betriebsführung“ setzte

die Ergebnisse dieser Forschung in Arbeitsanweisungen um,

die das handwerkliche Wissen der Facharbeiter ergänzten

und erweiterten.

Die Reform der gewerblichen Bildung, die in Deutschland

mit dem Namen Georg Kerschensteiner (1854–1932) verbunden

ist, machte die Ausbildung durch Arbeit, die Lehre,

zum Gegenstand pädagogischer Bemühungen. Nach der

Revolution von 1918 / 1919, im gemeinsam von Arbeitgebern

und Arbeitnehmern getragenen dualen Ausbildungssystem,

wurde ein Tag in der Woche für die Berufsschule reserviert.

Die Lehre durch die Arbeit im Betrieb sollte ergänzt, erweitert

und durch in der Schule erworbene theoretische Kenntnisse

fundiert werden, um Facharbeiter auszubilden, die nicht nur

über betriebsspezifische Kenntnisse verfügten, sondern den

dauernden Veränderungen des Berufes gewachsen waren.

Schluss

Als Anfang des 20. Jahrhunderts in den industrialisierten Ländern

Verbote der Kinderarbeit erlassen worden waren, lebte

und arbeitete die große Mehrheit der Weltbevölkerung noch

auf dem Land. Viele Menschen waren erst am Rande vom Markt

berührt und ernährten sich von dem, was sie anbauten. Heute

lebt ein Großteil der Weltbevölkerung in Städten und kann

den Lebensunterhalt nicht mehr selbst pflanzen und ernten,

sondern muss ihn durch Erwerbsarbeit verdienen.

Dieser Wechsel von der Selbstversorger- zur Erwerbsarbeit

führte im 18. und 19. Jahrhundert zu einer Ausdehnung der

Kinderarbeit, die deren Gesundheit und Existenz gefährdete.

Im Unterschied zur Situation im 19. Jahrhundert sind heute

die Rechte der Menschen global anerkannt – und das heißt

auch die Rechte der Kinder auf eine Entwicklung, die nicht

durch ausbeuterische Arbeit verhindert, blockiert oder vereitelt

werden darf.

Staat, Industrie und Gewerbe entwickelten ebenfalls in einem

sehr zögerlichen Prozess ein Interesse am lebenslangen

Erhalt der Arbeitskraft und an einer schulischen Ausbildung

der Mehrheit der Bevölkerung, um diese umfassend auf das

Arbeitsleben vorzubereiten. Berufsausbildung musste loyale

und arbeitsfähige Staatsbürger hervorbringen, durfte nicht

betrieblich verengt sein, um Betriebswechsel zu ermöglichen,

und Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln, die ein Leben

lang den Veränderungen der Arbeit in Industrie und Gewerbe

nachfolgen konnten. Ein Verschleiß der Menschen durch zu

frühe Erwerbsarbeit entsprach nicht diesen langfristigen Zielen.

Als Ergebnis des Kampfes um das Verbot von ausbeuterischer

Kinderarbeit in Europa sollte heute jedem Beteiligten weltweit

bewusst sein, dass es Unrecht ist, Kindern eine zukunftszerstörende

Erwerbsarbeit aufzuzwingen.

Über den Autor

Dr. Jürgen Bönig ist Kurator im Museum der Arbeit in Hamburg.

Erstveröffentlichung in APuZ Aus Politik und Zeitgeschichte,

62. Jahrgang, 43/2012 22. Oktober 2012, S. 3-9.

34 globalcompact Deutschland 2013


Kinderrechte

Kinderrechte

in CSR-Reporting integrieren

Kinderrechte werden nur dann langfristig verbessert und geschützt, wenn alle Verantwortlichen

das Thema zur regelmäßigen Aufgabe machen. Für Unternehmen stellt sich hier die Frage, wie

sich die Rechte von Kindern in die herkömmlichen Managementabläufe und in die CSR-Berichterstattung

integrieren lassen. Unter Federführung von UNICEF entstehen derzeit Handbücher

und Regelwerke, die explizit Standards wie die der Global Reporting Initiative (GRI) einbeziehen.

Eine Zusammenstellung von Dr. Elmer Lenzen

„The Children’s Rights and Business Principles“ ist eine im März

2012 gestartete gemeinsame Initiative von UNICEF, Save the

Children und dem UN Global Compact. Ziel ist es, ein Umfeld

und Regeln zu schaffen, in welchem man von Unternehmen

erwarten kann, dass sie die Rechte der Kinder im Rahmen ihrer

CSR-Reports berücksichtigen. Klare Regeln und Indikatoren

sollen die Reportingqualität verbessern und in ein robustes

Mandat einfügen. Die aktuelle Art und Weise, mit dem Thema

umzugehen, ist nach Ansicht der Autoren – mit wenigen

Ausnahmen – deutlich unterentwickelt. Insbesondere kritisieren

sie bei der CSR-Berichterstattung folgende Trends und

Lücken bei der Thematisierung von Kinderrechten:

• Eine Überbetonung der Philanthropie,

• Fehlende Diskussion und Systematisierung der Probleme

und Auswirkungen,

• Mangelnde Berichterstattung über politische Aspekte,

• Mangel an Ausgewogenheit in der Berichterstattung (es

überwiegt eine positive Berichterstattung, Probleme werden

kaum adressiert),

• Wenn sie überhaupt erfolgt, dann thematisiert die CSR-

Berichterstattung bei Kinderrechten Richtlinien und Prozesse,

aber nicht deren Einhaltungsgrad und Leistungen.

Tab. 1 : Empfohlene MaSSnahmen zur

Integration von Kinderrechten

Unternehmensziel

Strategische

Verpflichtung

Risikoüberprüfung:

kinderspezifische

Folgenabschätzung

Maßnahme oder

Indikator

Menschenrechtsstrategie

mit expliziter Nennung

von Kinderrechten

Teilstrategie oder

Verhaltenskodex für

Kinderrechte

Folgenabschätzung

bildet detailliert Kinderrechte

ab

Folgenabschätzung zieht

aussagekräftige Rücksprachen

mit Kindern

hinzu

Anmerkung

Unterscheidung

zwischen

Jungen und

Mädchen

Integration von Kinderrechten

Menschenrechtspolitik, sofern sie sich auf Kinder bezieht,

reduziert sich oft nur auf die Verhinderung von Kinderarbeit.

Wenn Unternehmen über Menschenrechte im Zusammenhang

mit Due Diligence – also über ihre Sorgfaltspflicht – berichten,

heben sie in der Regel nicht Informationen über Kinder

als betroffene Akteure separat hervor. Auch Beispiele, bei

denen Kinder als Stakeholder aktiv berücksichtigt werden,

sind mehr als selten. Die Autoren der Initiative fanden bisher

kein Beispiel, bei welchem ein Unternehmen kindgerechte

Prozesse beim Themenkomplex Nachbesserung (einschließlich

Beschwerdemechanismen) eingeführt hat. Das heißt nicht,

dass es so etwas nicht gibt, aber man findet es zumindest

nicht berichterstattenswert.

Folgenabschätzung:

Unternehmensverantwortung

Folgenabschätzung:

Training und

Integration

Vermeidungsprozess

Führungsebene mit

Aufsicht über Themen zu

Kinderrechten

Menschenrechts-Training

bildet detailliert Kinderrechte

ab

Zugang zu kindgerechten

Beschwerde-

Mechanismen

Ersetzt HR 3

(GRI)

Ersetzt HR 11

(GRI)

Quelle: UNICEF (Hrsg): CSR Working Paper. Sustainability reporting on children’s

rights, S. 16, Übersetzung: Sonja Scheferling, Mediengruppe macondo

globalcompact Deutschland 2013

35


Agenda

Kinderrechte am Arbeitsplatz

(einschließlich Lieferkette)

Branchenreaktionen auf die Verletzung von Arbeitsrechten in

der Lieferkette – vor allem bei freiwilligen Verhaltenskodizes

und deren Überwachung – werden als zunehmend unwirksam

angesehen, sogar von den Firmen selbst. Zu diesem Fazit

kommen die Autoren der „The Children’s Rights and Business

Principles“-Initiative. Manche Unternehmen seien sogar kontraproduktiv

bei der Erfassung, Aufklärung und Verhinderung

dieser Verletzungen. Menschenrechtsgruppen weisen seit vielen

Jahren auf die Probleme beim Supply Chain-Monitoring hin,

wie etwa doppelte Buchführung, das Trainieren der Antworten

der Beschäftigten vor einer Überprüfung, und die Unfähigkeit

der Wirtschaftsprüfer, weniger sichtbare Verletzungen

wie Diskriminierung oder fehlende Versammlungsfreiheit

überhaupt festzustellen. Wissenschaftliche Studien haben die

Grenzen von Verhaltenskodizes und deren Abschlussprüfung

unterstrichen, und in jüngerer Zeit haben Industrie-geführte

Initiativen wie das Global Social Compliance Program (GSCP)

und das Business for Social Responsibility‘s (BSR) diese Realitäten

ihrerseits eingeräumt.

Ein Ergebnis war daraufhin ein Schritt in Richtung Stärkung

der Lieferanten bei Themen wie Personalmanagement und

Management-Systemen als eine Alternative zu Compliance-

Audits. Dieser Schritt kann Maßnahmen beinhalten wie etwa

das Training der Werksleitung, Verbesserung von Prozessen und

natürlich die Aufklärung der Arbeiter selbst, welche Rechte sie

haben. Außerdem können auch die tieferliegenden Ursachen

von anhaltenden Verstößen gegen Arbeitsrechte in der Lieferkette

angesprochen werden. Dazu zählen etwa die eigenen

Einkaufspraktiken des Unternehmens, die möglicherweise

einen übermäßigen Druck auf Lieferanten ausüben, Aufträge

zu erfüllen, auch wenn es dabei zu Praktiken wie erzwungene

Überstunden oder den Einsatz von Kinderarbeit kommt. In

diesem Zusammenhang wird von Unternehmen zunehmend

erwartet, dass sie darüber berichten, was sie auch jenseits von

Compliance-Audits machen, z. B. bei Qualifizierungsinitiativen

für Lieferanten, Arbeiter-Weiterbildungsprogrammen sowie

ob und wie Unternehmen die eigene Einkaufspolitik unter

die Lupe nehmen.

Der Staat ist hierbei meist keine Hilfe. Oft fehlt es an klarer

Anleitung, wie man Fälle von Menschenrechtsverletzungen

und die unternehmerischen Bemühungen dagegen adressieren

soll. Auf der Suche, dieses Vakuum zu füllen, hat jüngst

eine Publikation von institutionellen Investoren aus den

USA (ICCR, CBIS und Calvert) einen jährlichen, verbindlichen

Report von Unternehmen eingefordert, der die folgenden

Punkte einfordert:

Unternehmen sollen die gesetzliche Einhaltung von

• Menschenrechts-Grundsätzen,

• Due Diligence-Prozessen,

• Menschenrechts-Risikobewertungen,

• Prüfung und Rückverfolgbarkeit,

• Training und Befähigung von Mitarbeitern, Lieferanten,

Auftragnehmern und Prüfern

nachweisen.

Tab. 2 : Empfohlene MaSSnahmen zur

Erfüllung von Kinderrechten

am Arbeitsplatz: Kinderarbeit

Unternehmensziel

Unternehmensbeitrag

zur Beseitigung von

Kinderarbeit

Vermeidung ist Teil

des Unternehmensansatzes

gegen

Kinderarbeit

Ganzheitlicher /

systemischer Ansatz

gegen Kinderarbeit

Maßnahme

oder Indikator

Verhaltenskodex bezieht sich auf

nationale Gesetze zum Mindestalter

oder auf internationale Standards

Managementsystem enthält robuste

Mechanismen zur Überprüfung des Alters

Anzahl der vom Arbeitsplatz entfernten

Kinder

Beteiligung an regionalen, nationalen oder

industriebezogen Programmen, die sich

mit Ursachen der Kinderarbeit befassen

Zahl der Zulieferer, die in der Bekämpfung

von Kinderarbeit geschult sind

Vertraglich festgesetzte Bestimmungen,

die Kinderarbeit bei Zulieferern verbieten

Lohn wird ausschließlich an erwachsene

Arbeitskräfte bezahlt.

Durchsetzung von Kinderrechten in

einem Land wird bei Beschaffungsfragen

berücksichtigt.

Strategie zur Vermeidung

Initiativen, die den Zugang zu

qualifizierter Bildung steigern

Zahl der Stunden in der Schule; Wochen,

die Kinder von Arbeit entfernt sind

Unterstützung von gemeindebasierendem

Engagement gegen Kinderarbeit

Partnerschaften (mit Regierungen,

NROs, etc.) oder Unterstützung für

nationale Aktionspläne zur Beseitigung

von Kinderarbeit

Quelle: UNICEF (Hrsg): CSR Working Paper. Sustainability reporting on children’s

rights, S. 24, Übersetzung: Sonja Scheferling, Mediengruppe macondo

36

globalcompact Deutschland 2013


Kinderrechte

Tab. 3 : Empfohlene MaSSnahmen zur Erfüllung von Kinderrechten in Märkten

Unternehmensziel Maßnahme oder Indikator Anmerkung

Vermeidung von Risiko-Produkten /

Risiko-Dienstleistungen zum Missbrauch

/ zur Ausbeutung von Kindern

Beseitigung der Kinderbenachteiligung

durch die Bereitstellung von Produkten

oder Dienstleistungen

Benannte Mitarbeiter zur Implementierung einer Strategie gegen CST

Angemessenes Budget zur Implementierung

Kontrollen vor Ort, die sich mit Online-Missbrauch von Kindern befassen

Angebote für Eltern und Kinder, die Internetmobbing bekämpfen

Kontrollen, um den Gebrauch von Finanz-Instrumenten (z. B. Kreditkarten)

zum Bezahlen von Kinderpornographie zu verhindern

Spezielle Strategien oder Prozesse vor Ort, welche die Kinderbenachteiligung

durch die Bereitstellung von Dienstleistungen beseitigen

Zugang zu kindgerechten Beschwerde-Mechanismen

Hotels / Tourismus

Internetdienstanbieter

Internetdienstanbieter,

Medien

Finanzbranche

Verschiedene

Sektoren, vor allem

Konsumgüter /

Dienstleistungen

Anzahl der Unternehmensportfolios, in welchen das Unternehmen

qualifizierte Phase-III-Studien für Kinder durchgeführt hat

Anzahl an pädiatrischen Klinikstudien

Maximierung des Zugangs und der

Verfügbarkeit lebensnotwendiger Waren

Hat ein Unternehmen in allen Ländern, in denen es Produkte verkaufen

darf, eine behördliche Genehmigung für pädiatrische Medikamente

ersucht / erhalten?

Beteiligung in Patentgemeinschaften für Medikamente

Auseinandersetzungen um Generika (Prozesse gegen Regierungen,

um die Herstellung von Generika zu verhindern)

Pharmaindustrie

Investitionen in die Infrastruktur der Gesundheitswesen von Entwicklungsländern

Ethischer / Verfahrens-Kodex für pädiatrische klinische Prüfungen

Ethische Marketing-Strategie, die Kinderausbeutung durch Werbung

ausschließt

Sicherstellen, dass Werbung Kinder

nicht negativ beeinflusst

Überprüfung von Werbematerialien, um Kinderausbeutung auszuschließen

Überprüfung von Maßnahmen, die Werbung an Kinder richtet und sich

dabei gegen behördliche oder freiwillige Standards wendet

Offenlegen von Marketingmaßmahmen für Muttermilch-Ersatzartikel in

allen Ländern

Anzahl der Unternehmensprodukte, die den Richtlinien für Kinderwerbung

genügen

GRI-Indikator PR6

kann modifiziert

oder ersetzt werden,

um einige Aspekte

abzudecken

Einsatz von Marketing-Maßnahmen, die

einen gesunden Lebensstil fördern

Veränderung (+/-) der Anzahl von beworbenen gesunden Lebensmitteln

Einsatzbeschränkung für lebende Persönlichkeiten oder

Comic-Charaktere

Verbot von Werbung in Schulen

Festgesetztes Minimumalter von 8 Jahren für Werbung

Quelle: UNICEF (Hrsg): CSR Working Paper. Sustainability reporting on children’s rights, S. 31, 35, Übersetzung: Sonja Scheferling, Mediengruppe macondo

>>

globalcompact Deutschland 2013

37


Agenda

Verbraucher

Verbraucheraspekte sind eine bewusst breit angelegte Kategorie

innerhalb der „The Children’s Rights and Business Principles“.

Dazu zählen etwa Fragen zur Produktsicherheit und Kindgerechtheit,

zur Privatsphäre, zu Marketing, Werbung und

Kennzeichnung und natürlich Fragen zur Kontrolle des Zugangs

zu Produkten und Dienstleistungen, die für Kinder verboten

sind. Hierzu allgemeingültige Aussagen und Empfehlungen zu

machen, ist schwierig, und die Autoren erkennen keine klaren

Trends und Berichterstattungsniveaus. Drei kritische Felder

müssen hier dennoch besonders hervorgehoben werden: Die

Pharma-Industrie und das Recht von Kindern auf Gesundheit,

die Lebensmittel- und Getränke-Werbung für Kinder und der

Online-Schutz von Kindern.

Ein komplexer, aber integraler Bestandteil der unternehmerischen

Auswirkungen auf Kinderrechte vor allem bei

Verbraucherthemen ist das Lobbying. Investoren und zivilgesellschaftliche

Organisationen heben die wachsende

Einflussnahme von Firmen auf die Politik seit der Mitte der

2000er-Jahre hervor.

Insbesondere in den USA wächst die Sorge, wie Firmen Einfluss

auf Politik und Gesetze nehmen. Die Furcht hat zugenommen,

seitdem 2010 der Oberste Gerichtshof in einem Urteil

„Citizens United“ beschloss, dass Unternehmen die gleichen

Rechte auf politische Teilhabe haben wie Privatpersonen,

und das Höchstmaß für Parteispenden aufhob.

Über den Autor

Dr. Elmer Lenzen, Mediengruppe macondo, ist Herausgeber der Global Compact

Jahrbücher Deutschland und International.

38

globalcompact Deutschland 2013


Kinderrechte

Publikationen zum Thema Kinderrechte

How Business Affects Us: A Report

of Children’s Consultations, Children’s

Rights and Business Principles

(UNICEF, UN Global Compact and

Save the Children, 2011)

http://www.unglobalcompact.org/

docs/issues_doc/human_rights/CRBP/

How_Business_Affects_Us.pdf

Scoping document for general

comment by the UN committee

on the rights of the child regarding

child rights and the business sector

(CRC, 2011)

http://www.unicef.org/csr/css/

Scoping_document_15Dec2011.pdf

Financial Literacy:

Empowering Children and Paving

the Way for the Future

(UN Global Compact, Child &

Youth Finance International, 2013)

http://www.unglobalcompact.org/

docs/issues_doc/human_rights/

CRBP/Financial_Literacy.pdf

Children are Everyone’s

Business

(UNICEF Pilot Workbook,

2013)

http://www.unicef.org/csr/css/

CSR_Workbook_A4_LR_low_res.pdf

Policy Brief: Shared Value – How

can large businesses contribute to

the post-2015 agenda

(Save the Children, 2012)

http://www.savethechildren.org.uk/

sites/default/files/docs/

Shared_value.pdf

Employers’ and Workers’

Handbook on Hazardous

Child Labour

(ILO, 2011)

http://www.ilo.org/public/english/

dialogue/actemp/downloads/

projects/cl_handbook.pdf

globalcompact Deutschland 2013

39


Agenda

40 globalcompact Deutschland 2013


CSR in NRW

CSR in

Nordrhein-

Westfalen

globalcompact Deutschland 2013

41


Agenda

Gesellschaftliche Verantwortung

zwischen Rhein und

Ruhr

Von Riccardo Wagner und Marcus Eichhorn

Noch vor wenigen Jahren wäre es ein Bild mit Seltenheitswert

in der CSR-Welt gewesen: Die Düsseldorfer Rheinterrassen bis

an den Rand gefüllt mit Besuchern, und mehr als zehn Diskutanten

drängten auf die Bühne, sodass ein zweites Podium

zum Fuße der Hauptbühne eröffnet werden musste.

Der Anlass? Garrelt Duin (SPD), Minister für Wirtschaft, Energie,

Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes NRW, hatte

im Oktober 2013 zum CSR Summit geladen. Das gewünschte

Signal war klar: In NRW ist CSR keine Mode, sondern traditionell

fest in der Wirtschaft verankert. Und so schwor er in

seiner Eingangsrede die Anwesenden auf die Formel des Tages

ein: „Verantwortliches Unternehmertum stärkt den Standort

NRW und Deutschland“.

Duin: „Diese mit dem Begriff der ‚Corporate Social Responsibility’

umschriebenen Anforderungen an Unternehmen sind

kein Sahnehäubchen für konjunkturell gute Zeiten. Sie sind

ein Grundpfeiler des Selbstverständnisses von Unternehmen

in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland.“

Verantwortung mit Tradition

Nordrheinwestfälische Industriemagnaten wie Alfred Krupp

prägten bereits im 19. Jahrhundert das Ideal des Ehrbaren

Kaufmannes. So baute Krupp als einer der ersten Unternehmer

eigene Wohnungen für seine Mitarbeiter und sorgte mit

einer Krankenversicherung für die rudimentäre Absicherung

der betroffenen Familien. Gemäß dem Motto „Der Zweck der

Arbeit muss das Gemeinwohl sein“ führte auch sein Sohn,

Friedrich Alfred Krupp, die Firmenphilosophie weiter und

prägte damit ganze Generationen von Unternehmern und

auch die öffentliche Meinung.

Nicht umsonst verbindet sich heute mit dem Schlagwort „rheinischer

Kapitalismus“, als Ausdruck einer sozial orientierten

Marktwirtschaft, der Gegenentwurf zum angelsächsischen,

liberalen Marktmodell. Der französische Wirtschaftswissenschaftler

Michel Albert prägte in den 1990er Jahren diesen

Begriff zur Beschreibung eines wirtschaftlichen Zusammenlebens,

das von engen Sozialpartnerschaften, Verflechtungen

und Kooperationen gezeichnet ist.

Neue Herausforderungen

Längst gilt es aber nicht mehr, nur soziale Herausforderungen

in Form existenzieller Absicherung zu meistern. NRW, als das

mit über 17 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste und

mit einem BIP von mehr als 580 Milliarden Euro ebenfalls

wirtschaftlich stärkste Bundesland, blickt auf eine bewegte

Wirtschaftsgeschichte mit fundamentalen Strukturänderungen

zurück. Der Wandel von der montan- und schwerindustriell

geprägten Wirtschaft zum modernen Industrie-, Technologie-,

Dienstleistungs- und Forschungsstandort ist längst noch nicht

abgeschlossen. Ebenso machen Herausforderungen wie der

demografische Wandel, der Klimawandel, der Verlust von

Biodiversität, Ressourcenknappheit und Energiewende keinen

Halt vor NRW.

Die Inanspruchnahme der Unternehmen und der Appell an

ihre gesellschaftliche Verantwortung kommen daher nicht von

ungefähr. Längst haben Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft

erkannt, dass allein die effektive, trisektorale Kooperation und

die transparente und verbindliche Verantwortungsübernahme

aller Beteiligten der einzig wirkungsvolle Weg sein wird,

um diese großen Themen zu sinnvollen Lösungen zu führen.

Politische Signale

Mit der Verankerung von CSR im Koalitionsvertrag der Rot-

Grünen-Landesregierung wurde 2012 ein wichtiges Signal

gesetzt. Sie möchte damit – nach eigenem Bekunden – verantwortlich

wirtschaftende Unternehmen in ihrer Vorbildrolle

stärken, Anreize zur Übernahme gesellschaftlicher Verant-

42

globalcompact Deutschland 2013


CSR in NRW

Zum Kabinett der Landesregierung Nordrhein-Westfalen gehören neben der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft auch zwölf Ministerinnen und

Minister an. Sie entscheiden über Gesetzesvorlagen, Leitlinien der Regierungsarbeit, wichtige landespolitische Vorhaben sowie bedeutende

administrative und personelle Angelegenheiten.

wortung und Unterstützung bei der Umsetzung von CSR in

Branchen und Regionen leisten sowie CSR-Kooperationen

zwischen Hochschulen und Unternehmen stärken.

Einen praktischen Anreiz hat die Landesregierung mit der Verabschiedung

des Tariftreue- und Vergabegesetztes TVgG-NRW

im Mai 2013 gesetzt. Es soll für fairen Wettbewerb und die

Einhaltung von Tarifen und Sozialstandards bei der Vergabe

von öffentlichen Aufträgen sorgen. Festgelegt ist hier u.a. ein

Mindestlohn von 8,62 Euro – der auch für Leiharbeiter gilt.

Zudem wurden weitere Anforderungen z. B. zur Frauen und

Familienförderung integriert.

Doch auch für die eigene Politik möchte sich die Landesregierung

mit dem Beschluss der Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie

NRW klare Leitplanken für die Arbeit

setzen. Die Strategie soll nach eigenen Aussagen ökologische

Verantwortung, ökonomische Vernunft und soziale Gerechtigkeit

miteinander verknüpfen. Die bereits verabschiedeten

Eckpunkte der Strategie, die bis zum Jahr 2015 ausgearbeitet

werden soll, sind:

• Grüne & faire Wirtschaft

• Soziales

• Klimaschutz und Klimaanpassung

• Mobilität

• Biodiversität

• Fläche

• Eine Welt

• Bildung für nachhaltige Entwicklung

So sollen Themen wie Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft,

regionale Wertschöpfung, Menschenrechte, Sozial- und Öko-

Standards, CO 2

-Reduktion (25 Prozent bis 2020, 80 Prozent bis

2050), Verkehrs- und Logistikkonzepte, Renaturierung von

Lebensräumen (45 Prozent der 43.000 Tier- und Pflanzenarten

in NRW sind gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits

ausgestorben) Eingang in die Tagespolitik finden.

Dass es mit der Umsetzung des Nachhaltigkeitsprinzips noch

ein weiter Weg sein wird, macht LAG 21 Geschäftsführer

Dr. Klaus Reuter deutlich: „Obwohl wir viele ermutigende

Ansätze beschreiben können, steht auch zwanzig Jahre nach

Rio ein Agenda 21-Mainstreaming noch aus.“

So zeigte sich im Rahmen einer Studie der LAG 21, dass 57

Prozent der befragten 182 Kommunen und Kreise über einen

entsprechenden Agenda-Beschluss verfügen und 34 Prozent

über eine Energie- und Klimaschutzstrategie. Zusätzliches

Personal oder Sachmittel zur Umsetzung stellt dafür nicht

einmal jede zweite Kommune oder Kreis zur Verfügung.

Entwicklungspotenzial vorhanden

Die 396 Kommunen des Landes NRW sind damit zwar auf

dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit, doch vor allem in Sachen

Transparenz und Kommunikation ist noch erhebliches Potenzial

vorhanden. Auf Landesebene liegt hier zumindest

ein umfassender Umweltbericht vor, der auf gut 140 Seiten

ausführlich alle relevanten Themen darlegt. Im Bereich der

Kommunalverwaltung sucht man eine Nachhaltigkeits- >>

globalcompact Deutschland 2013

43


Agenda

berichterstattung jedoch meist vergebens. So hat der Kreis

Unna gemeinsam mit seinen zehn Städten und Gemeinden

als eine der ersten Kommunen in NRW 2013 seinen ersten

Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Auf 75 Seiten werden

dort für die Handlungsfelder Bildung, Wirtschaft, Fläche,

Klima und Mobilität insgesamt 40 Ziele für die Entwicklung

der nächsten Jahre formuliert und Auskunft über den Status

quo gegeben. Bleibt abzuwarten, wie schnell dieses Vorhaben

Schule macht – angesichts der knappen Ressourcen darf man

hier vermutlich nicht allzu euphorisch sein.

CSR in der Unternehmensstrategie

Dass VerANTWORTung eng mit Antwort-geben, also Dialog,

Kommunikation und Transparenz zu tun hat, ist auf der Unternehmensseite

inzwischen ein Allgemeinplatz – zumindest

bei den Großunternehmen des Landes. Mit den umsatzstärksten

Unternehmen, wie den Versorgern E.ON, RWE und Deutsche BP,

den Einzelhandelskonzernen Metro, REWE, ALDI (Süd / Nord),

dem Telekommunikationsdienstleister Deutsche Telekom,

dem Logistikdienstleister Deutsche Post, dem Maschinen- und

Anlagenbauer ThyssenKrupp und dem Chemieriesen Bayer,

verfügt NRW nicht nur über wichtige Leuchttürme der deutschen

Wirtschaft, sondern auch über eine ganze Reihe von

Unternehmen, die zu den Vorreitern des CSR-Managements

in Deutschland zählen.

Nicht zu vergessen: die zahlreichen familiengeführten Traditionsunternehmen,

die mitunter weltweit agierende Konzerne

sind und seit vielen Jahrzehnten für Nachhaltigkeit und faires

Wirtschaften stehen, wie zum Beispiel der Oetker-Konzern

oder Hausgerätehersteller Miele, der seine Qualitätsstrategie

vor allem auf der Motivation und Loyalität seiner Mitarbeiter

auf baut und seit Jahren mit einer Fluktuationsrate von circa

einem Prozent Maßstäbe setzt.

CSR im Mittelstand – ein zartes Pflänzchen

Von der Wirtschaft NRWs zu sprechen und dabei nur große

Namen im Blick zu haben, wäre jedoch ein Fehler – denn

von den insgesamt gut 750.000 Unternehmen in NRW sind

mehr als 99 Prozent sogenannte kleine und mittelständische

Unternehmen. Nach Definition der EU sind dies Unternehmen

mit weniger als 250 Mitarbeitern und weniger als

50 Mio. Euro Jahresumsatz. Von den 1, 3 Billionen Euro Umsatz

aller Unternehmen in NRW im Jahr 2012 entfielen gut

34 Prozent, beinahe 500 Milliarden, auf die KMU des Landes,

dabei stellen sie mit über 3 Millionen mehr als die Hälfte aller

sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze. Wer also von

der Wirksamkeit der Unternehmensverantwortung für den

Standort NRW spricht, muss vor allem auch diese Unternehmen

erreichen. Aus diesem Grund hat die Bundesregierung

im Jahr 2011 das Projekt Unternehmensverantwortung im

Eckpunkte einer Nachhaltigkeitsstrategie

für Nordrhein-Westfalen

Die Landesregierung hat die Nachhaltigkeit zu einem Leitprinzip

erklärt. Nachhaltigkeit wird dabei als Verbindung von

sozialer Gerechtigkeit und ökonomischer Vernunft mit ökologischer

Verantwortung verstanden. Das Leitprinzip Nachhaltigkeit

steht in engem Zusammenhang mit der Politik der

Prävention. Auf dieser Grundlage hat die Landesregierung

am 12.11.2013 „Eckpunkte einer Nachhaltigkeitsstrategie für

NRW“ verabschiedet. Bis 2015 / 2016 soll unter Beteiligung

aller Landesministerien und des Landtags sowie im Dialog

mit Akteurinnen und Akteuren aus der Zivilgesellschaft,

der Wirtschaft, den Kommunen und der Wissenschaft eine

Landesnachhaltigkeitsstrategie erarbeitet werden.

Folgende Handlungsfelder sollen im Mittelpunkt des Strategieprozesses

stehen. Dabei soll, wo immer möglich, auf

bestehende (ressortübergreifende) Strategien und Prozesse

aufgebaut werden:

• Klimaschutz

• Energiewende

• Nachhaltiges Wirtschaften

• Schutz natürlicher Ressourcen: Biodiversität, Wald, Wasser,

Flächen / Boden, nachhaltige Landbewirtschaftung, Luft, Umwelt

und Gesundheit

• Demografie

• faire Arbeit

• Integration und Interkulturalität

• sozialer Zusammenhalt und gesellschaftliche Teilhabe

• nachhaltige Finanzpolitik

• nachhaltige Stadt- und Quartiersentwicklung

• Nahmobilität

• nachhaltiger Konsum / nachhaltige Lebensstile

• Bildung für nachhaltige Entwicklung

• Eine-Welt-Politik.

44

globalcompact Deutschland 2013


CSR in NRW

Mittelstand ins Leben gerufen. Von insgesamt 72 aktiven

Projekten sind mehr als zwanzig Projekte in NRW beheimatet.

CSR-Förderung im Mittelstand – der Grundstein ist gelegt

Die NRW Projekte decken dabei ein großes regionales und

inhaltliches Spektrum ab. So treibt beispielsweise die Bertelsmann

Stiftung ihr bereits erfolgreich pilotiertes Projekt

„Verantwortungspartner“ mit moderativer Unterstützung aus

Gütersloh in bundesweit 15 Regionen voran. In NRW ist das

Projekt, auch bereits vor der ESF-Förderung, in der Region

Lippe vertreten. Die Stiftung ist zudem für die bundesweite

Vernetzung der ESF-Projektträger zuständig.

Der UPJ e.V. ist mit einem bundesweit ausgerichteten Projekt

auch in NRW aktiv. Das „CSR Regio.Net“-Projekt schult und

begleitet in NRW insgesamt zwölf Unternehmen über einen

Zeitraum vom drei Jahren. „Im Rahmen von CSR Regio.Net

bieten wir Unternehmen in mehreren Beratungstagen und

Workshops eine Einführung in alle CSR-Handlungsfelder,

mit dem Ziel, einen CSR-Fahrplan für den eigenen Betrieb zu

erarbeiten“, erklärt Moritz Blanke, Senior Projektmanager des

UPJ-Netzwerkes. „Uns und die Unternehmen begeistert vor

allem, welche Motivation rund um das Thema entsteht, was

sich auch darin zeigt, dass alle Unternehmen ihre Bemühungen

selbstständig und dauerhaft fortsetzen werden“, so Blanke

weiter. Doch für ihn ist klar: „In der Breite des Mittelstands

ist CSR noch nicht in alle Bereiche der Unternehmenstätigkeit

integriert, deshalb ist es wichtig, dass eine verantwortliche

Unternehmensführung auch in der öffentlichen Diskussion

auf der Agenda gehalten wird.“ Dem pflichtet auch Dr. Frank

Osterhoff, Projektleiter der „Verantwortungspartner“, bei: „CSR

ist im Mittelstand Teil des Selbstverständnisses. Es werden an

einigen Stellen nur passgenauere Instrumente benötigt, um

die Chancen besser nutzbar zu machen.“

So bietet beispielweise der future e.V. in seinem Projekt DemografieFit

konkrete Hilfe zur Bewältigung der Herausforderungen,

die der demografische Wandel mit sich bringt. „Viele

Unternehmer gehen mit den Themen aus dem CSR-Spektrum

eher intuitiv um. Das möchten wir für eine ganz konkrete Problemstellung

beheben, indem wir ihnen, im Rahmen unserer

Beratung, analytisch aufzeigen, wo Risiken und Potenziale

für das Unternehmen bei der Mitarbeiterentwicklung liegen,

und ihnen helfen, die Erkenntnisse strategisch umzusetzen –

was letztlich zu einer umfassenderen CSR-Strategie führen

kann“, erklärt Udo Westermann, Geschäftsführer des future e.V.

Die Schwierigkeit, CSR als Gesamtpaket bei den KMU zu platzieren,

haben auch andere Projekte erkannt und sich deshalb

gezielt auf Einzelaspekte in der Unternehmensansprache

konzentriert. Wie das Projekt „Bocholter Unternehmer >>

Im Rahmen der NRW-Nachhaltigkeitsstrategie sollen die aufgeführten

Handlungsfelder nicht isoliert, sondern in einer Gesamtperspektive

betrachtet werden. Insbesondere die Wechselwirkungen

zwischen den Handlungsfeldern sollen herausgearbeitet

werden.

Folgende Aspekte, die für ein nachhaltiges Gesellschaftsmodell

in Nordrhein-Westfalen von grundlegender Bedeutung sind,

sollen im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie grundsätzlich

bei allen Handlungsfeldern als Querschnittsthemen berücksichtigt

werden:

• Gleichstellung der Geschlechter (Gender Mainstreaming)

• Barrierefreiheit und Inklusion

• Nachhaltigkeit in den Kommunen („Lokale Agenda 21“)

• bürgerschaftliches Engagement / Teilhabe

• Bildung sowie Wissenschaft, Forschung und Innovation

• internationale Dimension

• Auswirkungen auf die ländlichen Räume.

Eine Interministerielle Arbeitsgruppe unter Beteiligung aller

Ressorts (IMAG Nachhaltigkeitsstrategie) erarbeitet im gegenseitigen

Einvernehmen und unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen

und Zielsetzungen die ressortübergreifend

notwendigen Schritte für die Entwicklung, Umsetzung, Evaluierung

und Weiterentwicklung der Strategie. Die Stiftung Umwelt

und Entwicklung Nordrhein-Westfalen wird eingeladen, sich

an der Entwicklung und Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie

zu beteiligen.

Der vorläufige Zeitplan stellt sich aktuell wie folgt dar:

• ab Anfang 2014: Erarbeitung eines ersten Strategiepapiers

der Landesregierung

• ab Sommer / Herbst 2014: Start des Strategieprozesses mit

Vorstellung eines ersten Strategiepapiers, erste Konsultationsrunde

• Herbst 2014: dritte NRW-Nachhaltigkeitstagung

• Ende 2014 / Anfang 2015: Ausarbeitung eines Strategieentwurfs

durch die Landesregierung, zweiter Kabinettsbeschluss

zur NRW-Nachhaltigkeitsstrategie

• Mitte 2015: zweite Konsultationsrunde

• Herbst 2015: vierte NRW-Nachhaltigkeitstagung

• ab Herbst 2015: dritter Kabinettbeschluss zur NRW-Nachhaltigkeitsstrategie,

anschließende Landtagsbefassung

• anschließend regelmäßige Nachhaltigkeitsberichterstattung

und Fortschreibung der Strategie (Fortschrittsberichte alle

3 – 4 Jahre)

Quelle: Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und

Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

globalcompact Deutschland 2013

45


Agenda

In Nordrhein-Westfalen werden rund 22 Prozent des deutschen

Bruttoinlandsprodukts erzeugt. Besonders kennzeichnend sind die

industriellen Zentren an Rhein und Ruhr. Insgesamt sind mehr als

1,3 Millionen Menschen in der Industrie beschäftigt.

engagieren sich für Bocholt“, das sich in erster Linie mit den

Themenfeldern Mitarbeiter und Gesellschaft befasst. „Darüber

hinaus haben wir in unserer Steuerungsgruppe einen Maßnahmenkatalog

für Bocholt entwickelt, denn aus unserer Sicht

spielt CSR auch bei der Regionalentwicklung eine wichtige

Rolle“, sagt Klaus Mertens, Projektleiter in Bocholt.

Ein Ansatz, der auch bei der CSR Initiative Rheinland der IHK

Bonn / Rhein-Sieg verfolgt wird. Das Projekt hat sich insgesamt

vier Handlungsfeldern verschrieben: CSR-Information und

-Schulung über Workshops und Sprechstunden für Unternehmen

und NGOs, CSR-Erstberatung inkl. eines CSR-Checks nach

ISO 26000, Etablierung eines CSR-Netzwerkes im Rheinland

und der Förderung von CSR-Kooperationen, die ebenfalls auf

einem, im Partnerkreis der Initiative abgestimmten, Themenkatalog

für die Region beruhen. „Wir wollen mit der CSR

Initiative Rheinland, auch über den Projektzeitraum hinaus,

ein Kompetenz- und Vernetzungszentrum zum Thema CSR

im Rheinland schaffen. Dafür haben wir bereits ein Netzwerk

gebildet, dem neben der Bundesstadt Bonn, dem Landschaftsverband

Rheinland, dem Bistum Aachen, der Handwerkskammer

zu Köln oder auch dem Generali Zukunftsfonds noch

weitere große gemeinnützige Institutionen und Verbände

als Partner angehören“, sagt Michael Pieck, Pressesprecher

der IHK Bonn / Rhein-Sieg.

In der Region KölnBonn sind mit den Projekten der Hochschule

Bonn / Rhein-Sieg („Förderung von weiblichen Führungskräften“),

dem 3 WIN e.V. („Personalentwicklung durch Engagement“) zwei

weitere Projekte vertreten, die sich vor allem über das Themenfeld

Mitarbeiter dem Thema CSR nähern. „Personalentwicklungsziele

mithilfe von Aktivitäten bei und für gemeinnützige Zwecke zu

verbinden, ist aus unserer Sicht, gerade für KMU, eine effiziente

Alternative zu üblichen Personalentwicklungsmaßnahmen“,

erläutert Dieter Schöffmann, Vorstand von 3 WIN.

Simone Matthaei, Leiterin des CSR Projektes im Bereich Unternehmen

der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg: „Der Fachkräftemangel

ist bereits heute ein großes Problem in mittelständischen

Unternehmen. Da haben wir angesetzt und Studentinnen als

CSR-Kümmerer in den Unternehmen positioniert. Ziel war es,

die Studentinnen auf Führungsaufgaben vorzubereiten und die

Unternehmen darüber zu informieren, dass sie sich aufgrund

des demografischen Wandels auf Frauen in Führungspositionen

einstellen müssen. Um die Studentinnen nah an die

Geschäftsführung zu rücken, war es ihre Aufgabe, gemeinsam

mit der Geschäftsführung ein soziales Projekt zu entwickeln,

welches mit dem Geschäftsfeld des Unternehmens verbunden

ist. Das hat funktioniert: Vier von sechs Studentinnen sind

über das Praktikum hinaus bei den Unternehmen heute beschäftigt

und können den CSR-Prozess in den Unternehmen

weiter vorantreiben.“

46

globalcompact Deutschland 2013


CSR in NRW

Die Erfahrung, dass KMU bei CSR kompetente Hilfe über einen

längeren Zeitraum benötigen, hat auch Martina Meeuvissen,

Projektleiterin des Projektes CSR Mehrwert der Wirtschaftsförderung

des Rhein-Kreis Neuss gemacht: „Wir haben im

Projekt Unternehmen aus fünf wichtigen Kernbranchen in

einem mehrstufigen Workshopprozess begleitet. Wir sind

froh, dass alle Unternehmen diesen Weg mit uns konsequent

gegangen sind und sich in jedem der insgesamt 23 Unternehmen

konkrete CSR-Projekte und Strategien entwickelt haben,

die auch über den Projektzeitraum hinaus verfolgt werden.“

Einen etwas anderen Ansatz hat das Projekt „MIT 3 – Mitverantwortung

und Mitbestimmung im Mittelstand“ gewählt.

Das DGB Bildungswerk NRW hat es sich mit dem Projekt zur

Aufgabe gemacht, Betriebsräte für das Thema CSR zu gewinnen.

„Wir sind im ersten Schritt bei sehr vielen Betriebsräten

und Unternehmen auf offene Ohren gestoßen. So konnten

wir insgesamt bisher gut 70 Betriebe persönlich besuchen

und werden zunächst circa 15 davon intensiver beraten und

begleiten“, erklärt Nikolaus Bley, Leiter des Projektes. „Wichtig

ist es dabei, dass wir es schaffen, dass das Thema CSR für die

Agenda des Betriebsrates fruchtbar gemacht wird und dass

sich eine gute Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung

entwickelt, die wir auch von Anfang an einbinden.“ CSR als

festen Bestandteil der Unternehmensstrategie sieht Bley jedoch

noch als Zukunftsmusik bei vielen Unternehmen. „Der

Informationsbedarf ist riesig und wir sollten mit der Marke

‚CSR in Germany‘ den besonderen bundesdeutschen Weg

aus CSR, ehrbarer Kaufmannstradition und Mitbestimmung

weitergehen.“

Die CSR-Welt expandiert

Doch auch jenseits der geförderten CSR-Projekte entwickelt sich

in NRW eine immer buntere CSR Welt. Ob „CSR-Frühstücke“,

„Marktplatz Gute Geschäfte“, Verbandsaktivitäten wie die des

Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik, der studentischen Nachhaltigkeitsorganisation

sneep oder auch regionale Netzwerke

wie das „CSR-Netzwerk Dortmund“, das auf Betreiben der Stadt

Dortmund, Unternehmensvertretern und der evangelischen

Kirche im September 2013 ins Leben gerufen wurde – CSR

als Diskussionsthema und als Managementkonzept wird

immer öfter sichtbar.

Welchen Stellenwert CSR in den nächsten Jahren einnehmen

wird, zeigt sich vor allem bei einem Blick auf die Bildungslandschaft

in NRW. So sprießen inzwischen nicht nur die

Angebote zu praktischen Weiterbildungen, z. B. als CSR

Manager (IHK Bonn / Rhein-Sieg), aus dem Boden, sondern

auch die Universitäten und Fachhochschulen nehmen sich

in großer Breite des Themas an. Einen guten Überblick bietet

hier der 2012 veröffentlichte CSR-Atlas, der auf mehr als

200 Seiten einen Großteil der Aktivitäten in NRW vorstellt

(www.csr-atlas.de).

Immer mehr Hochschulen gehen darüber hinaus den Weg,

eigene Institute mit dem Themenschwerpunkt CSR und

Nachhaltigkeit zu gründen. Beispielsweise das IZNE (Internationales

Zentrum für nachhaltige Entwicklung) der Hochschule

Bonn / Rhein-Sieg, das es sich zum Ziel gesetzt hat,

Studierende, neben der Vermittlung von Fachkompetenzen,

für die gesellschaftlichen Herausforderungen zu sensibilisieren

und entsprechend auszubilden. Dafür arbeitet das

IZNE hochschulübergreifend mit Professoren verschiedenster

Fachrichtungen. Oder das EthNa Kompetenzzentrum CSR der

Hochschule Niederhein, das sich mit den Themen Wirtschaftsund

Unternehmensethik, CSR und Nachhaltigkeit befasst und

hochschulinterne, aber auch hochschulexterne, Bildungsangebote,

Forschungen und Beratung anstrebt.

NRW – ein CSR-Land im Aufbruch

Die Vielzahl von Aktivitäten zu Unternehmensverantwortung

und Nachhaltigkeit, die hier nur in Auszügen skizziert werden

können, macht vor allem eines deutlich – CSR ist fester

Bestandteil der Unternehmenszukunft und spielt bei der

Entwicklung des Wirtschaftsstandortes NRW eine Schlüsselrolle

– dafür war nicht zuletzt die große Teilnahmebereitschaft

am CSR Summit eindrucksvoller Beleg. Nun gilt es, die junge

Pflanze zu stützen und behutsam aufzuziehen.

Über die Autoren

Riccardo Wagner und Marcus Eichhorn arbeiten seit 13 Jahren als Strategieberater

und Moderatoren. Mehr unter betterrelations.de

globalcompact Deutschland 2013

47


Agenda

„CSR definiert das

Verhältnis von Staat und

Wirtschaft neu “

Unternehmen haben heutzutage eine größere Verantwortung. „Das bedeutet nicht nur Pflichten, sondern auch

Chancen“, sagt im Interview Garrelt Duin, Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk

des Landes NRW. Bei der Vergabepolitik der öffentlichen Hand in NRW soll CSR ein Wettbewerbsvorteil werden,

verspricht der SPD-Politiker.

Herr Minister, wenn wir über unternehmerische Verantwortung reden,

dann wird oft zur Erklärung das Bild des „Ehrbaren Kaufmanns“ herangezogen.

Es suggeriert, dass es sich hier hauptsächlich um Fragen der

persönlichen Ethik dreht und nicht um ganz konkrete Managementthemen,

die alle Facetten des Kerngeschäfts betreffen. Was macht für Sie unternehmerische

Verantwortung und Corporate Social Responsibility (CSR) aus?

Garrelt Duin: Für mich ist das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns

nach wie vor der zentrale Orientierungsrahmen für

Unternehmen. Hier fallen persönliche Werte – wie Anstand,

Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Fairness – und Werte, die für das

Geschäftsleben wichtig sind, zusammen.

Anders als in früheren Zeiten ist die Verantwortung des

Ehrbaren Kaufmanns aber heute deutlich größer. Er ist kein

Eigenwirtschaftler mehr, der nur für sein eigenes Handeln

verantwortlich ist. Heute muss er auch Verantwortung für

seine Mitarbeiter, seine Zulieferer und für alle Prozesse und

Produkte seines Unternehmens übernehmen. Er muss dafür

sorgen, dass gesellschaftliche Werte im gesamten Unternehmen

ankommen und umgesetzt werden – trotz des härter

gewordenen Wettbewerbs. Dabei bietet CSR nicht nur einen

Bezugsrahmen, sondern auch konkrete Ansatzpunkte und

Unterstützung, wie sich Verantwortung im Unternehmen

strategisch verankern und kontrollieren lässt.

Zeitstrahl: Zwischen Rhein und Ruhr

1869 1871

Die Gewerbeordnung für den Norddeutschen Bund In Dortmund entsteht durch die

verpflichtet Unternehmer zum Schutz ihrer Arbeiter Union Hüttenwerke die Unionvorstadt,

eine der ersten Werks-

und verbietet die Beschäftigung von Kindern unter

10 Jahren.

siedlungen im englischen Stil.

1873

Um Arbeiter an das Werk zu binden und

gegen „Beschwernisse“ abzusichern, wird die

„Unterstützungskasse der Alizarin-Fabrik von

Friedrich Bayer & Co. in Elberfeld“ gegründet.

Alle 35 Arbeiter der Fabrik gehören ihr an.

48 globalcompact Deutschland 2013


CSR in NRW

Garrelt Duin, Minister für Wirtschaft,

Energie, Industrie, Mittelstand und

Handwerk des Landes NRW

Sie setzen seit Beginn Ihrer Amtszeit immer wieder Akzente zu den

Themen CSR und Nachhaltigkeit. Warum ist CSR für NRW ein

wichtiges Thema?

Duin: Mit der freiwilligen Übernahme von Verantwortung

können Unternehmen zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen

beitragen und gleichzeitig ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit

verbessern. CSR bringt gesellschaftlichen

Mehrwert durch unternehmerische Mittel. Das Konzept ist

gleichzeitig auch ein Hebel für ganzheitliche Innovation. Als

Wirtschaftsminister des größten Bundeslandes, das über wichtige

Leitmärkte wie den Maschinenbau, die Chemische >>

1883

Einführung einer verpflichtenden Krankenkasse

für Arbeiter. Bezahlt wurden die Beiträge zu zwei

Dritteln von den Arbeitern selbst und zu einem

Drittel vom Arbeitgeber.

1900

lebt jeder dritte Bergarbeiter

im Ruhrgebiet in einer

der über 25.000 Siedlungswohnungen.

1884

Per Gesetz werden alle Unternehmer verpflichtet,

für ihre Angestellten eine Unfallversicherung

abzuschließen. Diese trägt die Kosten des Heilverfahrens

oder zwei Drittel des Arbeitslohnes

als Rente bei völliger Erwerbsunfähigkeit.

1889

Zur Absicherung ihrer Rentenzeit werden alle

Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen unter

2.000 Mark verpflichtet, in eine staatliche Rentenversicherung

einzuzahlen. Der Staat leistet einen

jährlichen Grundbetrag von 50 Mark.

globalcompact Deutschland 2013

49


Agenda

Industrie oder die Biotechnologie verfügt, bin ich deshalb

sehr daran interessiert, dass Unternehmen diese Chancen für

die Gesellschaft wie auch für ihre eigene Positionierung im

Wettbewerb nutzen.

Unterscheidet sich der Blickwinkel auf das Thema aufgrund der industriellen

Historie zwischen Rhein und Ruhr von anderen Regionen

in Deutschland?

Duin: Ich möchte hier für Nordrhein-Westfalen keine Sonderstellung

beim Thema CSR reklamieren. Wir können aber

bei diesem Thema in NRW an eine Kooperationskultur anknüpfen,

die mit dem Begriff des Rheinischen Kapitalismus

verbunden ist. Gemeint ist ein System korporatistischer, auf

Konsens zielender Strukturen, die darauf gerichtet sind, die

Wirtschaft voranzubringen und zugleich breite Bevölkerungsschichten

an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung

teilhaben zu lassen. CSR weist deutliche Parallelen zu

diesem Denkansatz auf.

Die Diskussion um CSR wird oft dominiert von großen multinationalen

Konzernen, die hier längst mit eigenen CSR-Abteilungen und Nachhaltigkeitsberichten

aktiv sind. Wo steht der nordrhein-westfälische

Mittelstand?

Duin: Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland mit den meisten

Familienunternehmen. Dazu gehören lokale Handwerksbetriebe

ebenso wie international tätige Unternehmen, Dienstleister

und High-Tech-Firmen. Gerade in den Familienunternehmen

gibt es eine ausgeprägte und über Jahrzehnte gewachsene

CSR-Kultur, auch wenn die Unternehmen ihr Engagement

für Mitarbeiter, Kunden und Umwelt nicht so nennen.

Es wäre aber sinnvoll, wenn sie CSR auch ganzheitlich als

Managementinstrument nutzen und besser über ihre Aktivitäten

kommunizieren würden.

Bei nicht wenigen kleinen und mittelständischen Unternehmen herrschen

zum Teil massive Vorbehalte gegenüber CSR-Instrumenten und

dem mutmaßlich damit verbundenen bürokratischen Aufwand. Was

entgegnen Sie den Skeptikern und womit begeistern Sie für die CSR-

Idee bei Ihren vielen Gesprächen mit Unternehmen?

Duin: Unternehmen kann man nur dann für eine Idee gewinnen,

wenn man ihnen die damit verbundenen Chancen aufzeigt.

Diese Chancen liegen in einer größeren Transparenz nach innen

und außen, der Einsparung von Kosten, der Minimierung

von Risiken und nicht zuletzt einer besseren Reputation beispielsweise

beim Fachkräfte-Nachwuchs oder bei den Kunden.

Die Implementierung von CSR in der Unternehmensstrategie

macht Arbeit – das sollte auch nicht verschwiegen werden –,

kann aber ein Vielfaches an Gewinn bringen.

Letztlich soll CSR neben Wettbewerbsvorteilen auch dazu beitragen,

dass gesellschaftliche Herausforderungen gemeistert werden. Welche

Rolle spielen hier intersektorale Netzwerke aus Wirtschaft, Politik,

Verwaltung und Zivilgesellschaft?

Duin: Die gesellschaftlichen Herausforderungen des Klimawandels,

die notwendige Einsparung von Ressourcen, aber

auch die Herausforderungen der älter werdenden Gesellschaft

werden wir nur durch Innovationen meistern können.

Und Innovationen entstehen an Schnittstellen – zwischen

Branchen und Sektoren, zwischen öffentlichen und privaten

Institutionen. Deshalb spielen übergreifende Netzwerke und

die damit verbundenen unterschiedlichen Blickwinkel und

Herangehensweisen bei der Lösung von Zukunftsaufgaben

eine Hauptrolle.

Wir haben in den letzten Jahren auf Bundesebene z. B. über das

Programm „CSR im Mittelstand“ aktive Unterstützung für die Etablierung

von CSR in den Betrieben und auch den Kompetenzauf bau

1907

Henkel produziert in

Düsseldorf mit „Persil“

das erste selbsttätige

Waschmittel der Welt.

1927

Erstmals wird eine solidarische

Versicherung zur Unterstützung

von arbeitslos gewordenen Beschäftigten

eingerichtet.

1906

Einrichtung der „Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege

in Preußen“ – die erste Umweltbehörde

in Deutschland, zur Ermittlung, Beobachtung und

zum Schutz der bedrohten Tier- und Pflanzenarten

und erhaltenswerten Landschaftsteile.

1907

Gründung der „Pensionskasse der Beamten der

Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt vormals

Roessler“ in Hanau. Sie wird eine der ersten von der

Reichsversicherungsanstalt unabhängigen Zulagekassen.

1914

Die erste Wassermotor-Waschmaschine kommt von

Miele schon vor dem ersten Weltkrieg. Wasser ist zu

dieser Zeit wesentlich billiger als Strom und kann

zudem noch aufgefangen und für andere Zwecke

(zum Beispiel zum Spülen) weiterverwendet werden.

50 globalcompact Deutschland 2013


CSR in NRW

Unternehmen kann man nur dann für

eine Idee gewinnen, wenn man ihnen die

damit verbundenen Chancen aufzeigt.

bei öffentlichen Einrichtungen und Institutionen gesehen. Wird sich

dieses Bemühen auch auf der Landesebene fortsetzen? Welche Rolle

sehen Sie für Ihr Ministerium, aber auch für die Organisationen

der Wirtschaft wie die Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern

oder auch Wirtschaftsförderungen bei der weiteren

Etablierung von CSR?

Duin: CSR ist ein Konzept, das letztlich auch die Rolle der

Wirtschaft in der Gesellschaft und das Verhältnis von Staat

und Wirtschaft neu definiert. Anders als hierarchische Formen

der Steuerung bietet CSR die Chance einer partnerschaftlichen

Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft.

Deshalb ist es für die Landesregierung Nordrhein-

Westfalen ebenso wie für die Organisationen der Wirtschaft

wichtig, sich am CSR-Dialog zu beteiligen.

Die Rolle meines Ministeriums sehe ich dabei vor allem in

Aufklärung und Information und in der Sichtbarmachung

des CSR- Engagements von Unternehmen oder der Bereitstellung

von Plattformen und Foren. Darüber hinaus schaffen

wir Anreize für verantwortlich wirtschaftende Unternehmen

durch das neue Vergabegesetz. Wir werden CSR auch dort, wo

es sinnvoll ist, in Leitmarkt-Wettbewerbe integrieren, so dass

verantwortlich wirtschaftende Unternehmen im Wettbewerb

um Fördermittel zusätzlich punkten können. Kammern und

Wirtschaftsförderungen sollten sich meines Erachtens zum

Beispiel in der Erstberatung von Unternehmen und dem

Auf bau regionaler CSR-Netzwerke engagieren.

CSR lebte bisher von Freiwilligkeit. Das dreht sich. So sprechen sich z. B.

die EU-Kommission und der Nachhaltigkeitsrat dafür aus, dass Unternehmen

mit mehr als 500 Mitarbeitern einen Nachhaltigkeitsbericht

herausgeben sollen. In Konsequenz könnte dies bedeuten, dass CSR zu

einem Gegenstand der Legislative auf EU-, Bundes- und Landesebene

wird, wo verbindlich festgelegt wird, was CSR bzw. Nachhaltigkeit

ist und was nicht. Was ist die Position der Landesregierung dazu?

Duin: Das Wirtschaftsministerium NRW hat sich – ähnlich wie

die Bundesregierung – immer für die Freiwilligkeit von CSR

eingesetzt, in großen wie auch in kleinen Unternehmen. Die

Unternehmen sind bei diesem Thema bereits auf einem guten

Weg, weil CSR ihnen Vorteile bringt und weil der Markt es von

ihnen fordert. CSR – das war bisher immer die Kür. Wenn es

zur Pflicht wird, geht hier möglicherweise ein Großteil >>

1950

Reinhard Mohn und sein

Mitarbeiter Fritz Wixforth

gründen in Gütersloh den

Bertelsmann Lesering.

1963

In Essen / Vogelheim, Lütkenbrauk

64, öffnet der

erste SB-Großmarkt unter

dem Namen Metro.

1948

Auf Initiative des RWE-Vorstands

Heinrich Schöller gründen sieben

große Elektrizitätsversorgungsunternehmen

ein für ganz Westdeutschland

leistungsfähiges Verbundnetz.

1974

Menschen, Tiere und Pflanzen, der Boden, das Wasser, die

Atmosphäre sowie Kultur- und sonstige Sachgüter werden

vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch ein Gesetz

geschützt. Dem Entstehen schädlicher Umwelteinwirkungen

durch Wirtschaft und Gesellschaft soll vorgebeugt werden.

globalcompact Deutschland 2013

51


Agenda

der Motivation in den Unternehmen verloren. Ich fürchte aber,

dass wir die Europäische Kommission und das Europäische

Parlament mit dieser Argumentation nicht überzeugen werden.

Immerhin ist es uns durch gemeinsame Bemühungen im

Vorfeld gelungen, kleine und mittlere Unternehmen aus der

Berichterstattungspflicht herauszuhalten. Es gab durchaus

Stimmen in Brüssel, die die Berichterstattungspflicht bereits

auf Unternehmen mit 200 Beschäftigten ausdehnen wollten.

Wie schätzen Sie die Verankerung und Relevanz des Themas in der

neuen Bundesregierung ein? Vor allem: Welchen Akzent setzt die SPD

aus Ihrer Sicht?

Duin: Ich hoffe sehr, dass die neue Bundesregierung den Nationalen

CSR-Aktionsplan fortführen und sich dabei eng mit

den Ländern abstimmen wird. Ich werde jedenfalls das mir

Mögliche tun, um die künftige Bundesregierung und auch

die SPD-Bundestagsfraktion von der Relevanz des Themas

insbesondere auch für die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik

zu überzeugen.

Wir erleben auf internationaler Ebene, vor allem bei den Vereinten

Nationen, dass Multilateralismus derzeit nicht funktioniert. Daran

scheiterte die Rio+20 Konferenz und auch um die Klimaverhandlungen

steht es nicht besser. Sehen Sie reelle Chancen, die globale Stagnation

zu durchbrechen? Oder müssen dann Bundesländer und -staaten im

Alleingang mit gutem Beispiel vorangehen, wenn die Weltgemeinschaft

sich nicht einig wird?

Duin: Wir müssen weiterhin am Ziel festhalten, zu multilateralen

Vereinbarungen beim Klimaschutz zu kommen.

Gleichwohl sollten Deutschland und die Europäische Union

beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle einnehmen. Dabei müssen

wir zeigen, dass Klimaschutz nicht nur Kosten verursacht,

sondern wirtschaftliche Chancen durch Entwicklung und

Einsatz innovativer Technologien bietet. Nur so werden wir

andere Länder überzeugen können.

In den Verhandlungen ging es fast immer um die Abwehr von

Risiken für die jeweils eigene Wirtschaft. Wir müssen endlich

auch die Chancen stärker herausstellen.

Wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch!

Das Interview führten Riccardo Wagner und Marcus Eichhorn.

1980

Das Chemikaliengesetz

schreibt den Schutz der

Bürger vor gefährlichen

Stoffen vor.

1994

Der Umweltschutz

wird in Deutschland

zum Staatsziel.

1995

Das klassische Btx wird als neuer

E-Mail-Dienst und Internetzugang

zusammengefasst – aus Btx wird

„T-Online Classic“.

1985

Klaus Matthiesen (SPD) wird

erster Umweltmininster Nordrhein-Westfalens.

1995

Einführung einer Pflegeversicherung

zur Absicherung von Personen, die

wegen der Schwere ihrer Pflegebedürftigkeit

auf solidarische Unterstützung

angewiesen sind.

52 globalcompact Deutschland 2013


CSR in NRW

Nützliche

Adressen

Öffentliche Beschaffung

Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand

und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen

Haroldstraße 4
, 40213 Düsseldorf

nachhaltigebeschaffung@mweimh.nrw.de

http://www.vergabe.nrw.de/auswahl/index.html

Auftragsberatungsstelle

Ministerien

Referatsleiterin II A 2 Wirtschaftliche Bildung und

Information, gesellschaftliche Verantwortung der

Unternehmen

Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand

und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen

Haroldstraße 4

40213 Düsseldorf

mweimh.nrw.de

Referat VIII A 2 Nachhaltigkeitsstrategien

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft,

Natur- und Verbraucherschutz

des Landes Nordrhein-Westfalen (MKULNV NRW)

Schwannstraße 3

40476 Düsseldorf

www.nachhaltigkeit.nrw.de

IHK NRW – Die Industrie- und Handelskammern

in Nordrhein-Westfalen e.V.

Marienstraße 8, 40212 Düsseldorf

ihk-nrw.de

Mittelstand

NRW-Projekte im ESF-Bundesprogramm

„Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand“

(CSR-Programm)

wirtschaft.nrw.de/wirtschaft/verantwortung_csr/

csr_im_mittelstand/index.php

Forschung

CSR Atlas NRW edition Hochschule

Herausgeber: Prof. Dr. Karl-Heinz Gerholz, Universität

Paderborn, und Prof. Dr. Stefan Heinemann, Nachhaltigkeitsbeauftragter

FOM Hochschule

csr-atlas.de

2002

Deutschland ratifiziert

das Kyoto-Protokoll.

2013

Landesregierung verabschiedet

„Eckpunkte einer Nachhaltigkeitsstrategie

für NRW“.

2002

Der Tierschutz ist als

Staatsziel im Grundgesetz

verankert.

2011

Mit der Energiewende beschließt

Deutschland den

Ausstieg aus der Atomkraft

und den massiven Ausbau

von Erneuerbaren Energien.

globalcompact Deutschland 2013

53


Good Practice

Menschenrechte

58 74

Umweltschutz

Bayer

Tchibo

ABB

BSH Bosch und Siemens Hausgeräte

Arbeitsnormen

Audi

Bosch

Merck

QFC

RWE

62

CEWE

Daimler

Deutsche Post DHL

HypoVereinsbank

LANXESS

MAN

Mediengruppe macondo

Weidmüller

Korruptionsbekämpfung

94

METRO GROUP

Für die redaktionellen Beiträge dieser Rubrik sind ausschließlich die Unternehmen und ihre Autoren selbst verantwortlich.

54 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

74

ABB

62

Audi

98

BASF

CSR Management

98

58

64

76

78

Bayer

Bosch

BSH Bosch und Siemens Hausgeräte

CEWE

BASF

80

Daimler

DAW

100

DAW

Deutsche Bahn

102

Deutsche Bahn

Deutsche Telekom

EY

Forest Carbon Group

Entwicklung & Partnerschaft

HOCHTIEF

110

82

104

106

108

110

84

86

88

90

66

94

68

70

60

92

Deutsche Post DHL

Deutsche Telekom

EY

Forest Carbon Group

HOCHTIEF

HypoVereinsbank

LANXESS

MAN

Mediengruppe macondo

Merck

Metro Group

QFC

RWE

Tchibo

Weidmüller

globalcompact Deutschland 2013 55


Good Practice

MENSCHENRECHTE

ARBEITSNORMEN

Prinzip 1: Unternehmen sollen den Schutz der internationalen

Menschenrechte unterstützen und achten.

Prinzip 2: Unternehmen sollen sicherstellen, dass sie sich

nicht an Menschenrechtsverletzungen mitschuldig machen.

Prinzip 3: Unternehmen sollen die Vereinigungsfreiheit

und die wirksame Anerkennung des Rechts auf Kollektivverhandlungen

wahren sowie ferner für

Prinzip 4: die Beseitigung aller Formen der Zwangsarbeit,

56 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Menschenrechte

58

60

Bayer

Tchibo

Arbeitsnormen

62

64

66

68

70

Audi

Bosch

Merck

QFC

RWE

Prinzip 5: die Abschaffung der Kinderarbeit und

Prinzip 6: die Beseitigung von Diskriminierung bei Anstellung

und Beschäftigung eintreten.

globalcompact Deutschland 2013

57


BAYER

Bayer fördert das Ehrenamt:

„Vorbild sein lohnt sich!“

2013 feierte Bayer sein 150-jähriges Bestehen. Anlässlich des Unternehmensjubiläums hat die

Bayer Cares Foundation unter dem Motto „Vorbild sein lohnt sich!“ ein spezielles Ehrenamtsprogramm

initiiert. So unterstützte die Sozialstiftung weltweit insgesamt 150 Hilfsprojekte, in

denen Mitarbeiter und Pensionäre ehrenamtlich arbeiten. Ziel des sozialen Engagements ist es,

die Lebensverhältnisse im Umfeld der Unternehmensstandorte zu verbessern. Insgesamt hat

die Sozialstiftung dafür 600.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Von Dirk Frenzel

Dr. Angela Lockhoff vermittelt bei der

KulturDrehscheibe Leverkusen kostenlose

Veranstaltungs-Tickets an finanziell

schwächere Bürger.

Theater, Museen und Kunstausstellungen

gehören zum kulturellen Leben in

Leverkusen. Nur was nützt einem dieses

Angebot, wenn man sich die Eintrittspreise

nicht leisten kann? Diese Frage

hatte sich auch Dr. Angela Lockhoff

gestellt. Die Pensionärin hat früher bei

Bayer im Innovationsmanagement des

Technologie-Bereiches am Standort Leverkusen

gearbeitet: „Kultur gehört zu den

Grundbedürfnissen des Lebens, deshalb

sollte jeder einen Zugang dazu haben.“

Aus diesem Grund engagiert sich Lockhoff

bei dem gemeinnützigen Verein

KulturDrehscheibe Leverkusen ehrenamtlich.

Dort vermittelt sie kostenlose

Veranstaltungs-Tickets, die nicht verkauft

worden sind. Begünstigt sind Bürger mit

geringem Einkommen wie etwa Sozialhilfeempfänger,

Alleinerziehende oder

Familien mit geringem Familienbudget.

„Für unsere dankbaren Gäste sind die

Besuche oft unverhoffte Highlights“,

betont Lockhoff. Um den Kulturgästen

einen einfachen Zugang zu den Veranstaltungen

zu ermöglichen, erfolgt

die Anmeldung zur KulturDrehscheibe

Leverkusen meistens über soziale Partner

wie beispielsweise das Diakonische Werk,

mit denen die Menschen schon vorher

Kontakt hatten.

„Vorbild sein lohnt sich!“

Das Projekt der Pensionärin gehört zu

jenen 150 Initiativen, die von der Bayer

Cares Foundation, der Sozialstiftung von

Bayer, im Rahmen der Unternehmensaktionen

zum 150-jährigen Geburtstag

ausgezeichnet worden sind. So stellte

die Stiftung Angela Lockhoff über 4.000

Euro zur Verfügung, die sie künftig für

ihre ehrenamtliche Arbeit einsetzen

kann. Wesentlich für die 150-jährige

Erfolgsgeschichte von Bayer ist es, dass

Unternehmen und Beschäftigte von Anfang

an soziale Verantwortung gelebt

haben und bis heute leben. Das Engagement

für wichtige Belange der Gesellschaft

und das soziale Miteinander in der

Nachbarschaft sind ein gutes Stück der

Unternehmenskultur. Für das spezielle

Ehrenamtsprogramm „Vorbild sein lohnt

sich!“ hatten sich 620 Mitarbeiter und

Pensionäre aus 62 Ländern beworben

– eine überwältigende Resonanz. Eine

Fachjury wählte die 150 erfolgversprechendsten

Projekte, die in 51 Ländern

angesiedelt sind, aus.

Gemeinsam ist allen Projekten, dass

sie die lokalen Verhältnisse an den einzelnen

Bayer-Standorten verbessern.

Dazu gehören auch Initiativen, welche

die Gesundheitsversorgung optimieren

oder die Bildungs-Chancen von Kindern

und Jugendlichen steigern. Oder die

Bildungschancen von Erwachsenen, wie

das brasilianische Projekt „Leben in Buchstaben“

zeigt. Dort engagiert sich Andrea

Acerbi, der in der Rechtsabteilung von

Bayer HealthCare in Sao Paulo arbeitet,

als freiwilliger Lehrer. Ihm stellte die

Stiftung 3.500 Euro zur Verfügung: „Als

gelernter Rechtsanwalt sind Worte mein

wichtigstes Arbeitsinstrument. Daher ist

58 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Menschenrechte

es für mich völlig inakzeptabel, dass es

in meiner Nachbarschaft erwachsene

Analphabeten gibt.“ An drei Abenden

in der Woche treffen sich Erwachsene,

die tagsüber als Bauarbeiter, Mägde oder

Fabrikarbeiter ihren Lebensunterhalt

verdienen. Gemeinsam sitzen sie dann

in einem Klassenzimmer und lernen

lesen, schreiben oder einfache Texte zu

interpretieren. Darüber hinaus werden

ihnen grundlegende Kenntnisse in Geographie,

Geschichte oder Mathematik

vermittelt. „In unseren Kursen wollen

wir das Bewusstsein der Menschen für

ihre Bürgerrechte schärfen. Mindestens

aber ermöglichen wir ihnen, mit einfachen

Herausforderungen des Lebens

umzugehen – wie zum Beispiel das

Zählen von Geld“, erläutert Acerbi die

Ziele der Initiative.

Welche Projekte werden gefördert?

Die Bayer Cares Foundation begreift sich

als Impulsgeber, Förderer und Partner

für Innovationen an der Schnittstelle

zwischen Wirtschaft und dem Sozialsektor.

Dabei unterstützt sie in Deutschland

bereits seit 2007 nicht nur Mitarbeiter

und Pensionäre finanziell, sondern auch

engagierte Bürger, die sich ehrenamtlich

in Projekte einbringen. Im Mittelpunkt

der Förderprogramme steht der

Mensch – sein Engagement für das

Allgemeinwohl, sein Ideenreichtum bei

der Lösung sozialer Aufgaben, aber auch

seine Bedürftigkeit in Notsituationen.

Innovative Sozialprojekte, die darüber

hinaus einen Modellcharakter besitzen

und eine anhaltende Wirkung erzielen,

sind für uns besonders förderungswürdig.

Nachdem das Ehrenamtsprogramm in

Deutschland erfolgreich etabliert wurde,

weitete es die Stiftung zunächst auf

südamerikanischen Länder aus, in denen

Bayer tätig ist. Anlässlich des Firmenjubiläums

wurde die Initiative schließlich

erstmals speziell für Mitarbeiter und

Pensionäre weltweit angeboten. Die

Bayer Cares Foundation unterstützt ein

Projekt mit bis zu maximal 5.000 Euro.

Möchte etwa ein Mitarbeiter des Unternehmens

eine Förderung für ein Projekt

beantragen, muss er sich zwingend selbst

in diesem engagieren. Des Weiteren

muss er einen Projekt- und Kostenplan

mit beabsichtigter Mittelverwendung

vorlegen.

Katastrophenhilfe weitere Säule der

Stiftung

Mehr als 30.000 Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter feierten im Sommer 2013 das

150-jährige Jubiläum der Bayer AG und

bildeten in der BayArena Leverkusen das

größte lebende Bayer-Kreuz aller Zeiten.

Neben dem Ehrenamtsprogramm ist

die Katastrophenhilfe ein weiterer

Schwerpunkt der Bayer Cares Foundation:

Während das Unternehmen in

Katastrophenfällen Soforthilfe in Form

von Geld- und Sachspenden leistet,

konzentriert sich die Stiftung auf die

Unterstützung nachhaltiger Wiederaufbauprojekte,

die sie gemeinsam mit den

Bayer-Landesgesellschaften sowie Partnerorganisationen

in den Katastrophengebieten

umsetzt. Dabei fließen neben

finanziellen Mitteln auch Kompetenzen

des Bayer-Konzerns unterstützend in die

Hilfsmaßnahmen ein. In 2013 spendeten

die Mitarbeiter alleine 52.000 Euro für

die Opfer des Hochwassers in Bitterfeld.

Der Konzern ergänzte diesen Betrag um

weitere 50.000 Euro. Das Geld finanzierte

Wiederauf bau-Projekte gemeinnütziger

Organisationen, die Kindern und

Jugendlichen in der Region Bitterfeld

zugute kommen.

globalcompact Deutschland 2013

59


TCHIBO

„Kinder in Guatemala

unterstützen“

Von Karina Schneider

Nachhaltigkeit ist für Tchibo der Schlüssel zu hochwertiger Kaffeequalität. 2012 waren bei Tchibo

bereits über 25 Prozent des verarbeiteten Rohkaffees in das Nachhaltigkeitskonzept einbezogen.

Darüber hinaus engagiert sich Tchibo mit eigenen sozialen Projekten in den Kaffeeanbauregionen.

Nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ werden auf diese Weise die Lebensbedingungen der

Kaffeefarmer, ihrer Familien und Mitarbeiter weiter verbessert. Jüngstes Beispiel ist ein Bildungsprojekt

für Kinder von Erntehelfern in Guatemala. Zusammen mit der Kinderrechtsorganisation

Save the Children hat Tchibo Kindertagesstätten geschaffen, in denen die Kinder während der

Ernte je nach Alter vorschulisch oder schulisch betreut werden. Seit April 2013 fließen zehn Cent

von jedem verkauften Pfund Privat Kaffee in das Projekt.

Mehr Informationen unter:

www.tchibo.de/kinder-projekt

In den zerklüfteten Steilhängen von

Chiquimula in Guatelama wächst geschmacksinteniver

Hochland-Arabica-

Kaffee. In der Erntezeit von November

bis Februar sind die Kaffeefarmer auf

die Unterstützung durch Erntehelfer

angewiesen, die die Bohnen von Hand

pflücken. Die Kinder dieser Erntehelfer

haben während der Pflücksaison Schulferien

und begleiten ihre Eltern auf die

Felder. Alternativen hierzu gibt es bisher

nicht. So spielen die jüngeren Kinder

auf den Kaffeefeldern, und die älteren

helfen den Eltern traditionsgemäß bei

der Arbeit. Dabei kommt es vor, dass

die Grenze zur verbotenen Kinderarbeit

überschritten wird. „Dagegen wollen wir

etwas tun. Für uns ist dieser Einsatz für

Kinderrechte gelebte Unternehmensverantwortung

und ein weiterer Schritt

auf unserem Weg zu einer 100 Prozent

nachhaltigen Geschäftstätigkeit“, sagt

Achim Lohrie, Direktor Unternehmensverantwortung

Tchibo.

Kindertagesstätten für die Kinder

der Erntehelfer

Da es in Guatemala kaum private oder

öffentliche Versorgungsmöglichkeiten für

Kinder arbeitender Eltern gibt, setzt das

Projekt an diesem Punkt an: „Wir haben

in der Region Chiquimula Betreuungsangebote

für die zwei- bis 13-jährigen Kinder

der Erntehelfer geschaffen. Ihre Eltern

können sie ab der Erntesaison, die im

November 2013 gestartet ist, tagsüber in

einem von sechs sogenannten „Child Care

Centern“ betreuen lassen und müssen

sie nicht mehr mit zur Arbeit nehmen“,

führt Lohrie aus. Geschulte Erzieher von

Save the Children kümmern sich um die

Kinder. Während die Kleinen spielerisch

lernen, können die Größeren schulische

Inhalte vertiefen. Das ist besonders wich-

60 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Menschenrechte

tig, weil die Erntezeit oft länger dauert

als die Schulferien, wodurch die Kinder

den Schulanfang verpassen.

Darüber hinaus bekommen die Kinder

täglich zwei ausgewogene Mahlzeiten

und werden medizinisch versorgt: „Um

die Betreuung auch außerhalb der Erntesaison

anbieten zu können, kooperieren

wir zusätzlich mit 18 Schulen in der

Region“, erklärt Lohrie weiter. Auf dem

Stundenplan stehen beispielsweise Lesen

und Mathematik. „Wir bringen unsere

mehr als 30-jährige Erfahrung vor Ort

mit, unser Wissen, wie man Bildung

in einem schwierigen Umfeld voranbringt

und Kinderrechte durchsetzt“,

betont Kathrin Wieland, Geschäftsführerin

Save the Children Deutschland.

Die Vorbereitungen zur Umsetzung der

Bildungs- und Betreuungsangebote ab

November sind abgeschlossen, und auf

Informationsnachmittagen wurde das

Kinder in Guatemala schulisch

benachteiligt

Auch wenn in Guatemala der kostenlose

Schulbesuch bis inklusive des 14. Lebensjahres

verpflichtend ist, können

nicht viele Kinder die Schule mit einem

Abschluss beenden. Ein Grund dafür ist

häufig, dass ihre Eltern oftmals weder

lesen noch schreiben können. Das Bildungsprojekt

von Tchibo und Save the

Children versucht, diesen Kreislauf zu

durchbrechen.

Darüber hinaus sollten mögliche kulturelle

Hindernisse durch Elternabende

überwunden werden, die vor allem das

Bewusstsein der Erntehelfer für die Bedeutung

von Bildung stärken.

Voraussetzungen für

Dauerhaftigkeit

Das Kinder-Projekt ist zunächst auf zwei

Jahre angelegt. Ziel ist es, mindestens

1.000 Kinder mit dem Betreuungsangebot

zu erreichen. Eine Bewertungsanalyse

nach Abschluss des Projekts soll zeigen,

wie die Erfolge dauerhaft gesichert werden

können. Dazu müssen neben den

Eltern weitere Partner von den Vorzügen

der Kitas überzeugt werden: „Uns ist

es gelungen, staatliche Stellen und die

Kaffeekooperativen mit in die weitere

Umsetzung einzubeziehen“, sagt Wieland.

Diese können später das Projekt

übernehmen und weiter ausrollen.

Kinder-Projekt allen wichtigen Beteiligten

vorgestellt. Inzwischen stehen die

sechs Betreuungszentren fest. Save the

Children-Mitarbeiter waren vor Ort, um

zu erklären, was in den Projekten passiert

und was benötigt wird. Insgesamt gab es

überaus positive Rückmeldungen: Viele

Eltern haben spontan angeboten, sich

zu engagieren und z. B. bei der Essenszubereitung

für die Kinder zu helfen.

Auch die Resonanz, an Eltern-Trainings

mitzumachen, lag bei den Befragten bei

über 90 Prozent. Ebenso sind Lehrer und

Mitarbeiter für das Projekt verpflichtet

und ausgebildet worden.

Natürlich müssen auch die Eltern der

Kinder mit eingebunden werden, damit

das Projekt funktionieren kann. Um

sicherzustellen, dass die Farmer und

Erntehelfer die Kitas annehmen, hatte

Tchibo zuvor ein Pilotprojekt mit drei

Einrichtungen für 90 Kinder in der Rohkaffee-Anbauregion

Huehuetenango in

Guatemala durchgeführt. „Die Kitas sind

gut, weil wir in Ruhe arbeiten können,

während man sich um die Kinder kümmert.

Sie können nicht stürzen oder

hungrig sein, weil wir ihnen nicht rechtzeitig

was zu essen geben können“, sagt

die Kaffeepflückerin Rosa Guzmann.

Für sein Engagement hat Tchibo bisher

durchweg positives Feedback und auch

Anregungen für die weitere Projektumsetzung

bekommen. Das hilft, weil

das Thema Kinderarbeit eine hohe sachliche

und emotionale Komplexität hat

und im jeweiligen kulturellen Kontext

zu behandeln ist. „Ich freue mich auch

über die Unterstützung durch unsere

Mitarbeiter in unserer Unternehmenszentrale

in Hamburg. Die Kollegen machen

sich bei einem schwierigen Thema

auf unserem Weg zu einer 100 Prozent

nachhaltigen Geschäftstätigkeit besonders

stark“, sagt Lohrie.

globalcompact Deutschland 2013

61


Audi

Nachhaltigkeit in der

Bildung verankern

Die laufende UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ hat zum Ziel, allen Menschen

Bildungschancen für eine lebenswerte Zukunft zu eröffnen und zugleich das Wissen um

Nachhaltigkeit in der Bildungslandschaft zu verankern. Audi leistet durch zahlreiche Aus‐ und

Weiterbildungsinitiativen einen Beitrag zu dieser Zielsetzung. Das Spektrum erstreckt sich von

der Förderung leistungsschwacher Schüler, über duale Ausbildungsgänge bis hin zur Promotion.

Von Dr. Peter F. Tropschuh und Dr. Antonia Wadé

In Deutschland verlassen rund sechs

Prozent eines Jahrgangs die Schule ohne

einen qualifizierenden Abschluss und

damit ohne Perspektive auf einen Ausbildungsplatz.

Audi verfolgt das Ziel,

diese Jugendlichen zu unterstützen, ihre

schulischen Defizite durch Förderung

auszugleichen, ihre Sozialkompetenz

zu steigern und damit die Chancen auf

dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Mit der

EQ Plus- bzw. EQ-Einstiegsqualifizierung,

bzw. einem sogennanten Förderjahr

bietet Audi in Zusammenarbeit mit

der Agentur für Arbeit förderbedürftigen

jungen Menschen eine Perspektive

auf Ausbildung. In einem Jahr erwerben

die Jugendlichen handwerkliche

Grundkenntnisse, werden in die Arbeitswelt

integriert und ihre Persönlichkeit

entwickelt, um danach Chancen für

einen Ausbildungsplatz bei Audi oder

in einem anderen Unternehmen zu

haben. Teilweise können auch durch

entsprechende Fördermaßnahmen nicht

erreichte Schulabschlüsse, wie z. B. der

qualifizierende Hauptschulabschluss in

Bayern, nachgeholt werden. Deutlich

mehr als die Hälfte dieser Jugendlichen

starten nach diesem Förderjahr eine Berufsausbildung

bei Audi, im normalen

Auswahlprozess hätten sie mit ihrem

Bewerberprofil keine Chance für einen

dieser attraktiven Ausbildungsplätze

gehabt. Mit einem klaren Ziel vor Augen

können durch Motivation, Engagement

und Leistungsbereitschaft auch schlechte

Leistungen im Abschlusszeugnis ausgeglichen

werden. Dies ist ein Beitrag zur

Bildungsgerechtigkeit in Deutschland.

Nachhaltig(keit) in der Ausbildung

lernen

Nachhaltigkeit in der Ausbildung umfasst

für Audi mehrere Aspekte: Auf

persönlicher Ebene sollen Arbeits-, Sozial-

und Selbstlernkompetenzen der

Auszubildenden so gestärkt werden,

dass sie den Anforderungen in Sachen

lebenslanges Lernen gerecht werden

können. In allen Ausbildungsbereichen

achtet Audi deshalb auf eine ganzheitliche

Förderung der Auszubildenden, die

sich nicht nur auf die Vermittlung von

Wissen beschränkt, sondern auch die

persönliche Entwicklung der Auszubildenden

zum Ziel hat. Auf fachlicher Ebene

wurde das berufsspezifische Wissen

um wesentliche Nachhaltigkeitsaspekte

ergänzt: Die Auszubildenden erhalten

Informationen über die wichtigsten CO 2

-

Hebelwirkungen am Automobil und

in der Produktion, die Möglichkeiten

alternativer Antriebstechnologien und

die Anforderungen, die sich aus dem

Klimawandel, der Urbanisierung von

Lebensräumen oder der Altersstruktur

unserer Gesellschaft ergeben. Was aber

bedeutet Nachhaltigkeit auf Unternehmensebene?

Welche Verantwortung hat

62 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Arbeitsnormen

das Unternehmen, und welchen Beitrag

kann jeder Einzelne im Unternehmen

leisten? In einem Pilotprojekt, das im

Ausbildungsjahr 2014 beginnt, will das

Unternehmen theoretisches Wissen zu

Nachhaltigkeit als festen Bestandteil

in der Ausbildung verankern und den

Nachwuchs damit systematisch auf die

ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen

Herausforderungen des

Unternehmens vorbereiten.

Duale Ausbildung – ein

„Exportschlager“ für Audi

In Deutschland erhalten junge Menschen

klassischerweise im Rahmen der „dualen“

Berufsausbildung ihre berufliche

Handlungsfähigkeit. „Dual“ bezieht sich

dabei auf die parallele Ausbildung im

Unternehmen und einer staatlichen Berufsschule.

Darüber hinaus bietet Audi

in Deutschland die Möglichkeit, weitere

staatlich anerkannte Abschlüsse mit

einer praktischen Ausbildung zu verbinden:

etwa den Erwerb des Fachabiturs

oder eines Bachelor of Engineering.

Der Erfolg der dualen Ausbildung hat

Audi dazu bewogen, das Modell auch

auf andere Standorte zu übertragen. Drei

Jahre vor Eröffnung des neuen Automobilwerks

in San José Chiapa (Mexiko) hat

Audi im Herbst 2013 mit der Ausbildung

der ersten jungen Facharbeiter in Nordamerika

begonnen. 64 mexikanische

Auszubildende erlernen dort den Beruf

des Mechanikers oder Mechatronikers

nach dem Vorbild des bewährten dualen

Berufsbildungssystems aus Deutschland.

Weltweit kombiniert Audi die Theorieausbildung

örtlicher Fachschulen mit

Praxiserfahrung in den Lehrwerkstätten.

Die Audi Hungaria in Györ (Ungarn) hat

das Bildungsmodell bereits vor zwölf

Jahren erfolgreich eingeführt, seit 2011

mit einem eigenen Trainingszentrum.

Am Standort Brüssel läuft die duale Berufsbildung

in einer Pilotphase. Dort ist

Audi das erste Industrieunternehmen

überhaupt, das diese Form der Berufsausbildung

anbietet. Auch in China kooperiert

Audi mit der Berufsschule in

Changchun und baut diese Kooperation

kontinuierlich aus. Für die Auszubildenden

an den internationalen Standorten

von Audi eröffnen sich auf diese Weise

ganz neue Perspektiven: Die Verbindung

einer fundierten praktischen Ausbildung

mit starkem theoretischem Überbau.

Kooperation mit Hochschulen

Auch beim Thema Studium legt Audi

Wert auf ein integriertes Konzept. Mit

„Studium und Erfahrung in der Praxis“

entstand 2005 in Ingolstadt das Modell

eines Verbundstudiums, d.h. eine Verbindung

von Berufsausbildung und Studium.

Die Studieninhalte werden von

der Technischen Hochschule Ingolstadt

in Zusammenarbeit mit Audi stetig aktualisiert

und gegebenenfalls komplett

neu aufgelegt. So führte die veränderte

Situation der deutschen Energielandschaft

2012 zur Erweiterung der bisherigen

Studiengänge um den Studiengang

„Technik Erneuerbarer Energien“.

Nachhaltigkeit auch jenseits unseres

Kerngeschäfts in der Hochschulbildung

zu verankern, ist Ziel des Stiftungslehrstuhls

für „Unternehmerisches Handeln,

globale Verantwortung und Nachhaltigkeit“,

den Audi im Jahr 2013 an der

Zeppelin Universität (Friedrichshafen)

am European Center for Sustainability

Research gegründet hat. Die dortige Forschung

beschäftigt sich mit der Frage,

welche Auswirkungen die Wirtschaftstätigkeit

auf die natürliche Umwelt hat

und unter welchen Rahmenbedingungen

sie „gut“ für die Menschen ist. Sie

erweitert damit das Verhältnis von Kultur

und Ökonomie um eine Nachhaltigkeitsperspektive.

Wie aber profitiert Audi von diesem

Engagement? Wer als Audi-Mitarbeiter

vertieft wissenschaftlich arbeiten oder

als externer Partner in Zusammenarbeit

mit Audi forschen möchte, kann neben

dem Stiftungslehrstuhl zu Nachhaltigkeit

weltweit auf Hochschulen zugreifen, die

Audi in den „Wissenschaftskooperationen“

bündelt. Neben Praktika, Bachelorund

Masterarbeiten forschen aktuell

über 130 Promovierende im Rahmen

des Audi Doktorandenprogramms an

zukunftsweisenden Technologien und

innovativen Ideen.

globalcompact Deutschland 2013

63


BOSCH

Arbeitsschutzmanagement:

Mit System zum Erfolg

Das Management von Arbeits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten zählt zu den wichtigen

Prozessen eines Unternehmens, in erster Linie aus humanen Gründen, aber auch aus wirtschaftlicher

Sicht: Arbeitsunfälle und berufsbedingte Erkrankungen kosten sowohl die Gesellschaft

als auch die Unternehmen viel Geld. Heute verbinden sich Erfordernisse der Ergonomie, der

menschengerechten Arbeitsgestaltung und des Gesundheitsschutzes mit technischen Sicherheitsaspekten

zu einer systemorientierten Betrachtungsweise des Arbeitsschutzes.

Von Bernhard Schwager und Carsten Pipper

Effizient organisierter Arbeitsschutz wird

als Wettbewerbsfaktor immer wichtiger.

Denn Produktivität und Qualität hängen

entscheidend von der Gesundheit und

Motivation der Belegschaft ab. Betriebliche

Abläufe können nur störungsfrei

laufen, wenn Sicherheit und Gesundheitsschutz

praxisgerecht berücksichtigt

werden. Wirksame Arbeitsschutzmanagementsysteme

versprechen hierbei

den größten Nutzen. Wir haben deshalb

in der Bosch-Gruppe den Arbeits- und Gesundheitsschutz

in unsere Managementprozesse

integriert und ein Arbeitsschutzmanagementsystem

nach international

anerkannten Standards eingeführt. Wir

führen systematische Gefahrenanalysen

durch, erkennen potenzielle Unfall- und

Gesundheitsrisiken sehr früh und beugen

so berufsbedingten Erkrankungen

vor. Sind die Gefahrenquellen bekannt,

können frühzeitig geeignete Präventionsmaßnahmen

eingeleitet und die

Mitarbeiter gezielt geschützt werden.

Da Ereignisse wie Unfälle oder Arbeitsausfälle

dokumentiert werden, können

anhand der Dokumentation Zahlen und

Werte verglichen und Erfolge gemessen

werden. Außerdem lassen sich neue Ziele

vereinbaren und kontrollieren.

Arbeitsschutzziel der Bosch-Gruppe

Die Verhinderung von Arbeitsunfällen

und berufsbedingten Erkrankungen haben

wir weltweit in unseren Leitsätzen

zum Arbeits- und Umweltschutz verankert.

Die Bosch-Gruppe hat langfristige

Ziele zur Reduzierung der Unfallzahlen

festgelegt: bis 2020 will das Unternehmen

auf einen Wert von 3 berichtspflichtigen

Arbeitsunfällen pro einer Million

geleisteter Arbeitsstunden kommen. An

allen der rund 300 Fertigungs- und Entwicklungsstandorte

weltweit arbeiten

Führungskräfte, Sicherheitsfachkräfte

64 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Arbeitsnormen

und Arbeitsmediziner an der Zielerreichung

und setzen sich engagiert für die

Ziele auf allen regionalen und lokalen

Ebenen ein. Über die Zielerreichung

berichten die Standorte quartalsweise an

ihren zuständigen Geschaftsbereich und

die Zentrale, die bei Bedarf Maßnahmen

und Kampagnen an den Standorten unterstützt.

Unser internationales „Steering

Committee“ setzt sich aus 15 regionalen

EHS-Koordinatoren (Environment,

Health, Safety) zusammen und steuert

die weltweite Umsetzung unserer strategischen

Ziele und Standards. Dazu

gehört auch die Optimierung von Produktionsprozessen.

Interne Vorgaben und Normen

Für die Bosch-Gruppe gibt es verbindliche

Normen, in denen Mindestanforderungen

zum Arbeits- und Gesundheitsschutz

festgelegt sind. Durch systematische

Gefährdungsbeurteilungen ermitteln die

Standorte Gefahren an Arbeitsplätzen

und für Tätigkeiten und leiten daraus

notwendige Schutzmaßnahmen ab, beispielsweise

an Maschinen und Anlagen

oder beim Umgang mit Gefahrstoffen.

Bosch schult die Führungskräfte für

ihre Aufgaben und Pflichten im Arbeitsund

Gesundheitsschutz, unter anderem

zur Durchführung von regelmäßigen

Sicherheitsunterweisungen der Mitarbeiter

über sicherheitsgerechtes Verhalten.

Dafür werden aktuelle Informationen,

Handlungshilfen, Checklisten und Unterweisungsmaterialien

für den betrieblichen

Arbeitsschutz und die Gesundheitsförderung

zur Verfügung gestellt.

Betriebsanweisungen sind ebenfalls ein

wichtiges Instrument in der Prävention.

Damit werden unsere Mitarbeiter weltweit

über Gefahren und Schutzmaßnahmen

am Arbeitsplatz informiert.

Positive Bilanz

Seit 2007 hat Bosch an allen Fertigungsund

Entwicklungsstandorten ein Arbeitsschutzmanagementsystem

eingeführt

und gehört damit international

zu den Vorreitern bei der Umsetzung

des Standards OHSAS 18001 – mit positiver

Auswirkung, denn dadurch ist

der Arbeitsschutz weltweit einheitlich

strukturiert und gleichzeitig vereinfacht.

Unfallzahlen und Ausfalltage sind deutlich

zurückgegangen und belegen, dass

die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen

erfolgreich greifen. Im Vergleich zum

Jahr 2007 (6,9) sank die Unfallrate in

2012 (4,2) um ca. 40 Prozent. Die Zahl

der Arbeitsunfälle hat sich entsprechend

von 3.012 im Jahr 2007 auf 2.012 in

2012 reduziert. Dabei ist die Zahl der

Mitarbeiter im gleichen Zeitraum um

ca. elf Prozent gestiegen und liegt heute

bei gut 300.000. Auch die Ausfallzeiten

sind zurückgegangen. Waren es im Jahr

2007 noch 39.311 Tage, lag die Zahl 2012

bei 26.016 Tagen. Das entspricht einer

Reduktion um ca. 34 Prozent.

Kontinuierlicher

Verbesserungsprozess

Es bedarf ständiger Anstrengung, damit

solche Reduzierungen dauerhaft

aufrechterhalten werden können. Für

die Weiterentwicklung und Verbesserung

der Standards arbeitet Bosch in

internen und externen Arbeitskreisen

sowie Gremien mit Fachleuten zusammen

und setzt Verbesserungsinitiativen

konsequent um. Wir binden die Arbeitnehmervertretungen

aktiv mit ein

und kommunizieren die Good-Practice-

Lösungen an alle Standorte, um einen

kontinuierlichen Verbesserungsprozess

zu erreichen. Ein Schwerpunkt ist hier

das Erkennen potenzieller Unfall- und

Gesundheitsrisiken für Mitarbeiter, um

geeignete Präventionsmaßnahmen frühzeitig

einzuleiten.

Die Sicherheitsfachkräfte beraten die

Standorte umfassend bei allen Fragen

rund um die Anlagen-, Prozess- und Betriebssicherheit.

Egal ob es sich dabei um

die Bearbeitung sicherheitstechnischer

Einzelfragen, praktische Lösungen für

verfahrenstechnische Anlagen oder die

Unterstützung bei systematischen Sicherheitsbetrachtungen

handelt. Zudem

unterstützen die Fachkräfte bei der Umsetzung

gesetzlicher Verpflichtungen.

Bosch Grundsatz

zum Arbeits- und

Gesundheitsschutz

Die Sicherheit am Arbeitsplatz

und die körperliche Unversehrtheit

unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

hat für uns hohe Priorität.

Nationale Standards für ein sicheres

und hygienisches Arbeitsumfeld

werden strikt eingehalten. Dadurch

werden die Gesundheit und die

Sicherheit am Arbeitsplatz und somit

gesundheitsgerechte Beschäftigungsbedingungen

gewährleistet.

Arbeitssicherheit

Betriebsunfälle

3.000

2.000

3.012

2.687

2.128

1.000

1.818

0

1.913 2.012

Ausfalltage

30.000

39.311

36.250

20.000

10.000

0

24.672

28.037

27.082 26.016

Mitarbeiterzahl

2007 2008 2009 2010 2011 2012

300.000

200.000

271.265 281.717 270.687 283.507

302.519 305.877

100.000

0

* Prozentangaben zu 2012 beziehen sich auf das Basisjahr 2007

- 33,2 % *

- 33,8 % *

+ 12,8 % *

globalcompact Deutschland 2013

65


MERCK

Von Vielfalt profitieren

Rund 38.000 Menschen in 66 Ländern gestalten die Zukunft des Pharma-, Chemie- und Life-

Science-Unternehmens Merck. Sechs Unternehmenswerte prägen das tägliche Handeln und

den Umgang der Mitarbeiter untereinander: Mut, Leistung, Verantwortung, Respekt, Integrität

und Transparenz. Seit dem Jahr 2005 unterstützt Merck den Global Compact der Vereinten

Nationen. Als Teil seiner Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Gesellschaft fördert das

Unternehmen Chancengleichheit und verhindert Diskriminierung. Seit drei Jahren geht Merck

einen Schritt weiter und setzt einen strategischen Schwerpunkt auf die Förderung von Vielfalt

und auf eine Kultur des respektvollen Umgangs. Beide Aspekte nutzt Merck gezielt als Erfolgsfaktoren

für das Unternehmen.

Von Friederike Segeberg

Merck ist davon überzeugt, dass die Vielfalt

(Diversity) seiner Belegschaft zu mehr

Innovationen und besseren Teamleistungen

führt. Darüber hinaus ist es für

Merck als globales Unternehmen wichtig,

dass seine Mitarbeiter die Bedürfnisse

von Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern

überall auf der Welt verstehen.

Der zentrale Begriff der Merck-Diversity-

Strategie lautet Inklusion: Alle Mitarbeiter

sollen ihre Ideen einbringen und zum

Geschäftserfolg beitragen können – egal

beispielsweise, welches Geschlecht oder

welche Nationalität sie haben. „Vielseitige

und integrierte Teams liefern bessere und

kreativere Ergebnisse. Nur wenn unsere

Mitarbeiter unterschiedliche Meinungen

und Arbeitsweisen akzeptieren und damit

arbeiten können, können wir in einem

internationalen Umfeld erfolgreich sein

und neue Ideen entwickeln“, erläutert

Jennifer O’Lear, Chief Diversity Officer

von Merck. Deshalb definiert das Unternehmen

den Begriff Vielfalt bewusst

breiter: Er kann alles umfassen, wodurch

sich Menschen voneinander unterscheiden.

Schwerpunkte der Strategie sind

daher neben Frauenförderung, Internationalität

und demografischer Wandel

auch Aspekte wie sexuelle Orientierung

oder Chancen für Behinderte. Die oberste

Verantwortung für Vielfalt und Inklusion

trägt Kai Beckmann, der als Mitglied der

Geschäftsleitung für den Bereich Personal

verantwortlich ist. Die strategische Steuerung

übernimmt der Chief Diversity Officer,

der dem Diversity Council vorsteht.

Führungskräfte aus den verschiedenen

Sparten und Konzernfunktionen bilden

dieses Gremium und entscheiden über

die strategische Weiterentwicklung von

Vielfalt und Inklusion.

66 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Arbeitsnormen

Mit Netzwerken Diversity fördern

Im Jahr 2013 konzentrierten sich die

Diversity-Maßnahmen vor allem auf die

Themen Frauen in Führungspositionen,

Internationalität und demografischer

Wandel. Um den Austausch zwischen

den Mitarbeitern zu unterstützen und

Vielfalt im Unternehmen zu verankern,

fördert Merck gezielt interne Netzwerke.

Im November 2013 präsentierten sich

beispielsweise verschiedene Gruppen

wie die „International Community“,

das „Rainbow Network“ für Schwule

und Lesben oder das Frauen-Netzwerk

Association“ und vergibt hierfür jährlich

zwei Mitgliedschaften. Im Oktober 2013

richtete Merck zudem das europäische

Mitgliedstreffen des Netzwerks aus.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Die

Kindertagesstätte Merck wurde bereits 1968

auf Initiative der Familie Merck gegründet.

„Women at Merck“ den Mitarbeitern am

Stammsitz Darmstadt bei einer Netzwerkveranstaltung.

Darüber hinaus tauschen

sich der Chief Diversity Officer und das

für Personal zuständige Mitglied der

Geschäftsleitung regelmäßig mit den

Netzwerken aus.

Frauen gezielt zu fördern und ihren

Anteil überall dort zu erhöhen, wo sie

unterrepräsentiert sind, ist ein zentrales

Anliegen von Merck. Im Jahr 2011 hat

sich das Unternehmen das Ziel gesetzt,

den Anteil von Frauen in Führungspositionen

bis 2016 auf 25 bis 30 Prozent zu

erhöhen. Darüber hinaus fördert Merck

Frauen mit vielfältigen lokalen Maßnahmen:

Sie profitieren unter anderem von

speziellen Weiterbildungsmaßnahmen,

beispielsweise zu Führungskompetenzen

und Selbstmarketing, sowie von Schulungen

und einem Mentoring-Programm.

Zwei interne Netzwerke sollen den Erfahrungsaustausch

erleichtern und fördern.

Das Netzwerk „Women in Leadership“

richtet sich an Frauen in höheren Führungspositionen;

„women2management“

hingegen steht Mitarbeiterinnen offen,

die eine Führungsrolle anstreben. Außerdem

unterstützt Merck die internationale

„Healthcare Businesswomen’s

Flexible Arbeitszeiten und Kinderbetreuungsmöglichkeiten

helfen Merck-

Mitarbeitern in vielen Ländern dabei, die

Balance zwischen beruflichen und privaten

Zielsetzungen zu halten: Am Standort

der Life-Science-Sparte Merck Millipore in

Massachusetts, USA, bestimmen die Mitarbeiter

im Rahmen von „FlexWorks“ selbst,

wann und wo sie arbeiten. In Darmstadt

profitieren außertarifliche Mitarbeiter

seit dem Jahr 2013 von einem ähnlichen

Angebot. Seit mehr als 40 Jahren gibt es

hier außerdem eine Kindertagesstätte,

die von der Eigentümerfamilie getragen

wird (Merck’scher Kindertagesstätten-

Verein e. V.). Seit Ende 2013 stehen insgesamt

150 Plätze zur Verfügung. Das

Aufnahmealter für Krippenkinder wurde

auf unter zwölf Monate gesenkt. Anfang

2013 startete zudem die Service-Plattform

„assistance4me“: Mitarbeiter von Merck

in Deutschland erhalten hier professionelle

Hilfe bei der Suche und Vermittlung

von Dienstleistern rund um die Themen

Kinderbetreuung, Senioren und Pflege

sowie Haus und Garten.

Internationale und altersgemischte

Teams als Erfolgsfaktor

Als weltweit tätiges Unternehmen fördert

Merck die internationale und interkulturelle

Vielfalt seiner Mitarbeiter mit

Auslandseinsätzen und internationaler

Teamarbeit. Insgesamt arbeiten bei

Merck Menschen aus 121 Nationen; 26

Prozent sind deutsche Staatsangehörige.

Auch die Internationalität der Führungsmannschaft

entspricht der weltweiten Geschäftstätigkeit:

61 Prozent der Führungskräfte

stammen nicht aus Deutschland.

In Deutschland, einigen anderen EU-

Ländern und in den USA beträgt das

durchschnittliche Alter der Merck-Mitarbeiter

mehr als 40 Jahre. Das Unternehmen

begegnet der demografischen

Herausforderung mit verschiedenen

Programmen: Arbeitsplätze werden

beispielsweise gezielt den Bedürfnissen

älterer Mitarbeiter angepasst, um deren

Beschäftigungsfähigkeit zu sichern.

Darüber hinaus baut Merck derzeit ein

Gesundheitsmanagement auf und bietet

Angebote zur Prävention wie Sport- und

Ernährungskurse, Vorsorgeuntersuchungen

und medizinische Beratung.

Um Vielfalt und Inklusion zukünftig

noch fester im Unternehmen zu verankern,

werden ab dem Jahr 2014 Merck-

Mitarbeiter im jährlichen Mitarbeitergespräch

auch anhand des Kriteriums

bewertet, inwiefern sie mit unterschiedlichen

Arbeitsweisen und Ansichten

umgehen können. „Der Erfolg unserer

Geschäfte mit forschungsbasierten Spezialitäten

basiert auf Innovationen. Daher

müssen wir kontinuierlich weiter

daran arbeiten, dass wir ein Arbeitsumfeld

schaffen, in dem jeder seinen

Beitrag leisten kann“, erläutert O’Lear.

globalcompact Deutschland 2013

67


QFC

QFC integriert Global

Compact Prinzipien in die

Aus- und Weiterbildung

Von Helmut Krodel, Peter Schmitt und Silvia Lehmann

Die Qualifizierungsförderwerk Chemie GmbH (QFC) gliedert die Global Compact Prinzipien

in ihr Kerngeschäft ein, um für Menschenrechte und Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. Hierzu

zwei gute Beispiele aus der Geschäftspraxis:

Qualitätssiegel Q3SQ

In einem intensiven Diskussionsprozess

mit Stakeholdern aus geeigneten

Bildungseinrichtungen hat das QFC

den Qualitätsstandard Q3SQ (= Quality

Standard for Social and Sustainable

Qualification, Qualitätsstandard für soziale

und nachhaltige Qualifizierung)

entwickelt und 2008 als offizielle Marke

registrieren lassen.

Q3SQ umfasst neben Anforderungen an

ein Qualitätsmanagement insbesondere

die zehn Prinzipien des Global Compact,

die in Bildungseinrichtungen und in

Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen

implementiert und den Beschäftigten

und den Aus- und Weiterzubildenden

vermittelt werden müssen.

Q3SQ wird als Ergebnis eines Auditverfahrens

erteilt. Eine Jury, die sich aus

Vertretern der Sozialpartner und der

Wissenschaft zusammensetzt, entscheidet

letztendlich über die Vergabe eines

Zertifikates. Im Mai 2011 konnte das

Siegel erstmals an folgende Bildungsdienstleister

vergeben werden:

• Ausbildungsverbund Olefinpartner

e. V. aus Schkopau

• Bildungszentrum für Beruf und Wirtschaft

e. V. aus Lutherstadt Wittenberg

• Bildungszentrum Wolfen-Bitterfeld

e. V. aus Bitterfeld-Wolfen

• Bildungsakademie Leuna GmbH &

Co KG / IBLM Interessengemeinschaft

Bildung Leuna-Merseburg e. V.

Diese vier Bildungsdienstleister bilden

ca. 1300 Aus- und Weiterzubildende

für ca. 325 Unternehmen aus und haben

bereits zahlreiche Maßnahmen

umgesetzt, um die Anforderungen von

Q3SQ in den Bereichen Menschenrechte,

Arbeitsnormen, Umweltschutz und

Korruptionsbekämpfung zu erfüllen,

so z. B.:

• Überprüfung der Lieferkette, Zusammenarbeit

mit zertifizierten Händlern

• Einkauf von Produkten mit geringerer

CO 2

-Emission

• Auszubildende arbeiten im Rahmen

ihrer Ausbildung einen Tag in sozialen

Einrichtungen

• Wahl eines Betriebsrates

• Abschluss eines Tarifvertrages

• Gehaltszahlung auf bzw. über der

Basis des gesetzlichen Mindestlohns

der Branche

• Verwendung umweltverträglicher

Materialien

• Effizienter Materialeinsatz, Wiederverwendung

/ Trennung und Recycling

von Chemikalien

• Umrüstungsprogramme zur Energieund

Wassereinsparung

• Sensibilisierung über Ressourcenverbrauch

und Aufruf an die Beschäftigten

zur Ideensammlung

Qualifi zierungsförderwerk

Chemie GmbH

• Umweltprojekte in der Ausbildung

• Bau einer Photovoltaikanlage durch

auszubildende Elektroniker auf einem

Ausbildungsgebäude mit öffentlicher

Anzeigetafel über produzierte KWh

und eingesparte Menge an CO 2

• Im Beschaffungswesen „Mehr-Augen-

Prinzip“ zur Korruptionsprävention

68 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Arbeitsnormen

Ein weiteres Beispiel, wie QFC die Global

Compact Prinzipien im Rahmen seiner

Projektaktivitäten umsetzt, ist das

Projekt CaeSaR

Gemeinsam mit der IG BCE hat das QFC

2012 das Projekt CaeSaR (CSR-Aktivitäten

für ethische und soziale Lösungen zur

Schaffung eines innovativen Arbeitsumfeldes

und für nachhaltigen Ressourceneinsatz)

gestartet. Das auf drei Jahre

angelegte Projekt ist dem CSR-Förderprogramm

„Gesellschaftliche Verantwortung

im Mittelstand – CSR in KMU“ des

BMAS zugeordnet und unterstützt die

Umsetzung des Aktionsplans CSR (Nationale

Strategie zur gesellschaftlichen

Verantwortung von Unternehmen) der

Bundesregierung. Im Rahmen von CaeSaR

werden die Grundlagen von CSR unter

Einbeziehung nationaler und internationaler

Initiativen (wie z. B. des Global Compact)

vermittelt, konkrete Ansatzpunkte

in den Handlungsfeldern Arbeit, Umwelt,

Markt und Gemeinwesen aufgezeigt sowie

betriebliche CSR-Projekte initiiert.

Bestandteil des Projektes war auch die

Erstellung einer Kurzstudie, in der Bestpractice-Beispiele

aus den Branchen der

IG BCE und ein Analysetool zur Bewertung

betrieblicher CSR-Aktivitäten vorgestellt

werden. Im Rahmen von CaeSaR

wird auch die berufsbegleitende Qualifizierung

zur CSR-PromotorIn angeboten,

die mit dem Zertifikat „CSR-Promotor/-in

(FH)“ der Hochschule Trier abgeschlossen

werden kann.

Seit 2011 veröffentlicht das QFC einen

CSR-Newsletter, um seine Stakeholder

über aktuelle Entwicklungen im Bereich

CSR und Global Compact sowie über

Nachhaltigkeitsthemen zu informieren.

Bis 2013 wurden über 35 CSR-Newsletter

veröffentlicht.

Das QFC als Unternehmen mit ca. 50

Beschäftigten will mit diesen Beispielen

zeigen, dass auch kleine und mittlere

Unternehmen in ihrem Einflussbereich

einen Beitrag zur Verbreitung der Prinzipien

des Global Compact leisten und

sie durch praktische Beispiele für die

Beschäftigten erfahrbar machen können.

Qualifizierungsförderwerk Chemie

Die Qualifizierungsförderwerk Chemie

GmbH verfolgt gemeinnützige Geschäftszwecke.

Sie wurde 1994 von der Industriegewerkschaft

Chemie-Papier-Keramik

gegründet; seit der Gewerkschaftsfusion

zur Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie,

Energie (IG BCE) ist diese alleinige

Gesellschafterin des QFC.

Die Hauptaufgabe der QFC GmbH bestand

in den ersten Jahren darin, Menschen,

die von Arbeitslosigkeit bedroht waren,

durch Qualifizierungen einen beruflichen

Neubeginn zu ermöglichen und bei der

Umstrukturierung der aus den Chemiekombinaten

Ostdeutschlands hervorgegangenen

Unternehmen unterstützend

und beratend zur Seite zu stehen.

Mit gezielter Qualifizierung von Beschäftigten

hat das QFC einen Beitrag zur

Entwicklung und Wirtschaftsförderung

der Industriestandorte im ehemaligen

Chemiedreieck „Leuna-Buna-Bitterfeld“

geleistet und den Strukturwandel der

chemischen Industrie Ostdeutschlands

begleitet und maßgeblich mit gestaltet.

Heute ist das QFC eine international

agierende Projekt- und Qualifizierungsagentur.

Auf Basis einer gut ausgebauten

Netzwerkstruktur konzentrieren sich die

Aktivitäten auf die Bereiche: Erstausbildung,

Qualifizierungsförderung, Transfermanagement

/ Sozialpartnerrichtlinie

und Europakompetenz.

Das QFC versteht seine Arbeit als einen

Beitrag zur Innovation, zu Nachhaltigkeit,

zur Qualifikation, zu Beschäftigung

und für die Zusammenarbeit in Europa.

Seit 2008 nimmt QFC am Global Compact

teil und arbeitet im Deutschen Global

Compact Netzwerk mit. Bis heute wurden

vier Fortschrittsberichte veröffentlicht.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:

www.qfc.de

globalcompact Deutschland 2013

69


RWE

Bettercoal – mehr

Transparenz beim

Steinkohlebezug

Von Joachim Löchte

Die Energiewende hat viele Facetten. Nicht nur die Stromerzeugung

ist im Wandel, auch der Markt für Brennstoffe verändert

sich. Neben Erdöl werden inzwischen auch Erdgas und Steinkohle

weltweit gehandelt. Das war nicht immer so, vor allem

nicht für Steinkohle. Dieser Energieträger wurde vorwiegend

aus heimischen Bergwerken bezogen. Damit ist 2018 endgültig

Schluss, denn dann endet hierzulande der Steinkohlebergbau.

Und schon heute bezieht Deutschland einen großen Anteil von

anderen Kontinenten. Eine Herausforderung für die heimischen

Energieversorger besteht darin, neben einem guten Preis auch

auf verantwortungsvolle Abbaubedingungen zu achten.

Die Märkte sind in den vergangenen Jahren

deutlich liquider geworden. Die angebotene

Kohle kommt vor allem aus Minen

in Südafrika, Kolumbien und Russland.

Dies liegt daran, dass die Kohle dort aufgrund

der geologischen Beschaffenheit

deutlich günstiger abgebaut werden

kann als in Deutschland. Das Problem

dabei: Man sieht der Kohle nicht an, unter

welchen Bedingungen sie abgebaut

wurde. Zugleich stehen Vorwürfe im

Raum, dass beim Abbau in diesen Ländern

auch auf Kosten von Mitarbeitern

und Umwelt gespart wird. Ausführliche

Umweltverträglichkeitsprüfungen, sozialverträgliche

Umsiedlungen und Regeln

zur Mitbestimmung sind zwar bei uns in

Deutschland, nicht aber in vielen dieser

Länder selbstverständlich. Und oftmals

stehen die Aussagen der Bergwerkunternehmen

gegen die Berichte von Umweltverbänden,

Menschenrechtsunternehmen

und Gewerkschaften.

Die Energieversorger stehen deshalb

vor der Frage: Wie lassen sich der Markt

erhalten und gleichzeitig nachhaltige Abbaubedingungen

sichern? Diese Herausforderung

soll mit der Brancheninitiative

Bettercoal gelöst werden. Ziel ist es, mit

unabhängigen Untersuchungen mehr

Transparenz darüber herzustellen, unter

welchen Umwelt- und Arbeitsstandards

die Kohle abgebaut wird. Auch soll sie Informationen

darüber liefern, wie mit der

Bevölkerung vor Ort umgegangen wird

und welche Rechte Beschäftigte haben.

Dafür werden Audits in ausgewählten

Bergwerken stattfinden.

Auf Basis dieser Informationen entscheiden

Energieversorger darüber, bei

wem und unter welchen Bedingungen

sie ihre Kohle einkaufen. Die Untersuchung

der Bedingungen soll nicht nur

Transparenz schaffen, sondern indirekt

auch die Umwelt- und Arbeitsbedingungen

vor Ort verbessern. Bei Bettercoal

beteiligen sich neben RWE auch die

Unternehmen Dong Energy, EDF, Enel,

E.on, Fortum, GDF Suez, Vattenfall

und Gas Natural fenosa. Außerdem ist

der Hafen Rotterdam als assoziiertes

Mitglied aufgenommen. Hier wird ein

großer Teil der Kohle angelandet.

Im Sommer 2013 hat Bettercoal einen

eigenen Kodex verabschiedet. Der Bettercoal-Kodex

legt die ethischen, sozialen

und umweltpolitischen Grundsätze

dar, die die Mitglieder von ihren Geschäftspartnern

in der gesamten Kohle-

Lieferkette erwarten. Ein Beispiel dafür

ist die Versammlungsfreiheit und

die Zulassung der gewerkschaftlichen

70 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Arbeitsnormen

Organisation, die den Beschäftigten

ermöglicht werden muss. Der Kodex

lehnt sich an internationale Regelwerke

an, zum Beispiel an die Vorgaben

der International Labour Organisation

(ILO), die Performance Standards der

International Finance Corporation (IFC),

aber auch die “Initiative for Responsible

Mining Assurance“ (IRMA). Neben

internationalen Normen sollen aber

auch lokale Gesichtspunkte im Kodex

verankert sein. Dafür fanden vor Verabschiedung

ausführliche Konsultationen

in den Abbauländern Kolumbien,

Russland, Südafrika und Indonesien

statt. Auch lokale Gewerkschaften und

Umweltschützer haben ihre Anliegen in

diesem Prozess mit eingebracht.

Auf Basis des Kodex wurden noch in 2013

erste Audits in Kolumbien durchgeführt.

Die Ergebnisse der Audits werden anschließend

den Mitgliedern von Bettercoal

zugänglich gemacht. So können die

Unternehmen dann für sich entscheiden,

ob und unter welchen Bedingungen sie

künftig Geschäfte mit den Betreibern der

entsprechenden Bergwerke eingehen.

Dies wird auch in den Unternehmen zu

einem Umdenken führen. Denn neben

Gesichtspunkten wie Bonität und legale

Integrität können die Unternehmen nun

weitere Kriterien in ihre Risikoanalyse

aufnehmen – eine neue Herausforderung,

der sich jetzt vor allem die Handelsabteilungen

der Energieversorger

stellen. Bettercoal hat bereits heute,

vor den Ergebnissen des ersten Audits,

Lernprozesse in den Unternehmen und

zwischen den Stakeholdern angestoßen.

So wurden im Konsultationsprozess die

jeweils spezifischen Herausforderungen

der Akteure aus verschiedenen Regionen

und der jeweiligen Wertschöpfungsstufe

sichtbar, die die Implementierung eines

solchen Regelwerks mit sich bringt.

Eine Mitgliedschaft in der Initiative steht

Kohlenutzern aus der ganzen Welt offen.

Dazu können neben Energieversorgern

auch Unternehmen wie Zement- und

Stahlhersteller gehören. Zu Beginn wird

sich die Initiative auf Abbaubetriebe

konzentrieren, die die internationalen

Märkte beliefern. Allerdings sollen der

Kodex, seine Messinstrumente und Erfahrungen

weltweit allen Interessierten

und Betroffenen zur Verfügung gestellt

werden.

Dass die Beschäftigung mit diesen Fragestellungen

in Zukunft nicht weniger

wichtig werden dürfte, zeigen auch die

Prognosen der Internationalen Energieagentur

(IEA): Trotz des Ausbaus der

erneuerbaren Energien wird demnach

die Steinkohleförderung in den nächsten

25 Jahren noch einmal um mehr als 50

Prozent steigen. Dieses Wachstum wird

vor allem in den Nicht-OECD-Ländern

stattfinden. Hier für nachhaltige Abbaubedingungen

zu sorgen, ist eine wichtige

Aufgabe – auch, um die Akzeptanz der

Steinkohle in Europa sicherzustellen

und damit eine sichere Versorgung mit

Prinzipien des nachhaltigen Wirtschaftens

zu verbinden.

globalcompact Deutschland 2013

71


Good Practice

UMWELTSCHUTZ

Prinzip 7: Unternehmen sollen im Umgang mit Umweltproblemen

einen vorsorgenden Ansatz unterstützen,

Prinzip 9: die Entwicklung und Verbreitung

umweltfreundlicher Technologien fördern.

Prinzip 8: Initiativen ergreifen, um ein größeres Verantwortungsbewusstsein

für die Umwelt zu erzeugen und

72 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Umweltschutz

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84

86

88

90

92

ABB

BSH Bosch und Siemens Hausgeräte

CEWE

Daimler

Deutsche Post DHL

HypoVereinsbank

LANXESS

MAN

Mediengruppe macondo

Weidmüller

Korruptionsbekämpfung

94

METRO GROUP

KORRUPTIONSBEKämpfung

Prinzip 10: Unternehmen sollen gegen alle Arten der Korruption

eintreten, einschließlich Erpressung und Bestechung.

globalcompact Deutschland 2013

73


ABB

Technologien für die nachhaltige

Energieversorgung

Die nachhaltige Energieversorgung mit erneuerbaren Energien ist ein zentrales Zukunftsthema.

Dazu ist der verlustarme Stromtransport über große Entfernungen unabdingbar, da immer mehr

Strom aus regenerativen Energien verbrauchsfern erzeugt wird. Wirtschaftlich lässt sich Strom

über große Entfernungen aber nur mit Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) transportieren.

Auf einer Strecke von 1.000 Kilometern – dies entspricht ungefähr der Entfernung

zwischen Sylt und München – gehen dann, je nach Übertragungsspannung, lediglich etwa drei

Prozent Energie verloren.

Von Dr. Wolfgang Böhmer

ABB ist auf dem Gebiet der HGÜ Technologieführer

und das einzige Unternehmen,

das sowohl die Fertigung der

benötigten Halbleiter, als auch der Hochspannungskabel

und der Konverter im

eigenen Haus hat. Das Unternehmen

realisiert mit dieser Technologie zum Beispiel

die Anbindung mehrerer Offshore-

Windparks an das Stromnetz an Land.

So wurde der Technologiekonzern von

TenneT, einem führenden Übertragungsnetzbetreiber

Europas, unter anderem

mit der Konstruktion, Planung, Lieferung

und Installation des schlüsselfertigen Offshore-Netzanbindungs-Projekts

DolWin1

beauftragt. Mit der umweltschonenden

HGÜ-Übertragungstechnik wird künftig

Strom vom 400-Megawatt-Windpark

Gode Wind II und anderen Windparks

über eine 135 Kilometer lange See- und

Landkabeltrasse zur HGÜ-Station in Dörpen

an Land befördert.

Umweltschonend erzeugter Strom

für 1, 5 Millionen Haushalte

Der Projektumfang umfasst die Offshore-

Umrichterstation, die See- und Landkabel

und die Umrichterstation an Land.

Die 9.300 Tonnen schwere Offshore-

Plattform samt Umrichterstation wurde

Ende August 2013 rund 75 km vor die

Nordseeküste transportiert und mit dem

weltweit größten Schwimmkran „Thialf“

auf die bereits vorhandene Stahlunterkonstruktion

gesetzt.

Das Projekt DolWin1 ersetzt konventionelle,

auf fossilen Brennstoffen basierende

Energieerzeugung. Damit können die

CO 2

-Emissionen jährlich voraussichtlich

um 3 Millionen Tonnen gesenkt werden.

Die Leitung wird nach ihrer Fertigstellung

über 1,5 Millionen Haushalte mit

sauberem Strom aus Windenergie beliefern

können.

Oben: Die Offshore-Konverterstation

BorWin alpha wandelt Wechselstrom aus

Offshore-Windenergie in Gleichstrom um.

Rechts: Moderne Leistungstransistoren in

der Konverterstation an Land wandeln den

Gleichstrom wieder in Wechselstrom um.

74 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Umweltschutz

Aber auch für den Stromtransport vom

Norden Deutschlands nach Süden ist

die HGÜ-Technologie wichtig. Im Bundesbedarfsplangesetz,

das im Sommer

2013 in Kraft trat, werden drei Nord-

Süd-Stromübertragungs-Korridore mit

mehreren HGÜ-Systemen als dezidierte

Transportleitungen ausgewiesen.

Zu einem HGÜ-System gehören Umrichterstationen,

die am Anfangs- und

am Endpunkt der Gleichstromübertragungsstrecke

– und gegebenenfalls an

weiteren Ein-/Ausspeisepunkten entlang

dieser Strecke – errichtet werden müssen.

In den Umrichterstationen kommt

die „selbstgeführte“ HGÜ zum Einsatz,

die ABB Mitte der 1990er-Jahre entwickelt

hat. Moderne Leistungstransistoren, die

das Unternehmen im schweizerischen

Lenzburg fertigt, zerstückeln den Wechselstrom.

Das ist erforderlich, damit die

drei Phasen des Wechselstroms ineinander

übergehen und einen gleichgerichteten

Strom bilden können.

Gleichstrom kann mit Freileitungen

oder Kabeln transportiert werden

Um den Gleichstrom zu transportieren,

können teilweise bestehende Freileitungstrassen

beziehungsweise Maste

genutzt und raumsparend durch zusätzliche

Leiterseile ergänzt werden. Außerdem

ist es auch möglich, den Gleichstrom

durch Kabel zu übertragen. Ein

Polyethylenkabel kann bei ± 320 Kilovolt

Gleichspannung eine Leistung von maximal

1.100 Megawatt übertragen, dazu

werden dann zwei dieser Kabel parallel

verlegt. Am anderen Ende der Übertragungsstrecke

steht erneut eine Umrichterstation,

in der dann der Gleichstrom

wieder in Wechselstrom umgewandelt

und ins Wechselstromübertragungsnetz

eingespeist wird.

Der Einsatz der HGÜ-Technologie trägt

auch erheblich zur Stabilisierung des

Wechselstromübertragungsnetzes bei:

Dadurch wird einerseits die über große

Strecken zu übertragende Strommenge

im Wechselstromnetz reduziert. Außerdem

können mit den Umrichterstationen

Systemdienstleistungen wie Frequenzregelung

oder die Bereitstellung von

Blindleistung erbracht werden. Denn

durch die Abschaltung aller Kernkraftwerke

in Deutschland bis zum Jahr 2022

fehlt in einigen Bereichen im Wechselstromübertragungsnetz

entsprechende

Blindleistung, die dann künftig durch

Umrichterstationen bereitgestellt werden

kann.

Nach 100 Jahren steht der

Gleichstrom-Leistungsschalter zur

Verfügung

Um ein HGÜ-System in allen Betriebszuständen

– also auch im Fehlerfall –

zuverlässig zu betreiben, sind Leistungsschalter

zur schnellen Fehlerklärung notwendig.

Deren Aufgabe besteht darin, die

fehlerbehafteten Bereiche, zum Beispiel

nach einem Blitzeinschlag auf der Übertragungsstrecke,

vom restlichen System

zu trennen, sodass der Betrieb der fehlerfreien

Netzbereiche weitergeführt werden

kann. Bei der Gleichstromübertragung

gibt es allerdings keinen Stromnulldurchgang;

daher sind innovative Konzepte zur

Stromunterbrechung notwendig. So hat

es über 100 Jahre gedauert, bis ABB – als

weltweit erster Hersteller – den ersten

HGÜ-Leistungsschalter vorstellen konnte,

der in wenigen Millisekunden den Strom

unterbrechen kann.

Mit der Entwicklung des HGÜ-Leistungsschalters

konnte die letzte verbleibende

Legung eines HGÜ-Kabels bei Diele für den

Netzanschluss „BorWin1“.

Technologielücke für den Bau großer

Gleichstrom-Overlay-Netze geschlossen

werden, so dass diese Netze bereits heute

geplant werden können. Integraler Bestandteil

für den Auf bau und Betrieb

eines solchen Gleichstromnetzes ist

aber auch ein übergeordnetes Schutzund

Leittechniksystem. ABB setzt für

HGÜ-Verbindungen bereits seit vielen

Jahren ein speziell hierfür entwickeltes

System ein, das zurzeit für die Steuerung

großer Gleichstromnetze weiterentwickelt

wird. Im eigens aufgebauten

HGÜ-Netzsimulationszentrum kann mit

Echtzeitsimulationen der Betrieb eines

Gleichstrom-Overlay-Netzes in Verbindung

mit Wechselstromnetzen simuliert

werden.

Mit diesen Gleichstrom-Overlay-Netzen

wäre ein effizienter Transport von Strom

aus weit entfernten Gegenden Europas

oder sogar wie im Desertec-Projekt vorgesehen

aus Nordafrika und dem Mittleren

Osten möglich. Meteorologisch bedingte

Einspeiseschwankungen regenerativer

Energien könnten so über eine riesige

Fläche ausgeglichen werden.

Die HGÜ-Technologie ist ein Beispiel

dafür, wie ABB seinen Kunden in der

Energieversorgung und der Industrie

ermöglicht, ihre Leistung zu verbessern

und gleichzeitig die Umweltbelastung

zu reduzieren.

globalcompact Deutschland 2013

75


BSH BOSCH und SIEMENS HAUSGERäTE

Der Kühlschrank spart

schon auf dem Weg zum

Kunden CO 2

Als Europas führender Hausgerätehersteller hat sich die BSH Bosch und Siemens Hausgeräte

GmbH zum Umwelt- und Ressourcenschutz über den gesamten Lebensweg ihrer Produkte hinweg

verpflichtet. Bereits 1989 wurde der Umweltschutz entlang der gesamten Wertschöpfungskette

in das Unternehmensleitbild des Konzerns aufgenommen. Dabei hat sich die BSH nicht nur bei der

Produktion supereffizienter Hausgeräte, sondern auch in der Logistik zum Ziel gesetzt, Benchmark

der Branche zu sein. So entwickelte das Unternehmen für die Distribution und Lagerung Strategien

und Maßnahmen, mit denen es sehr erfolgreich CO 2

-Emissionen in der Logistikkette reduziert –

auf einigen Transportstrecken bereits um über 20 Prozent. Langfristiges Ziel ist es, die CO 2

-Emissionen

der gesamten Logistik bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 2006 zu senken.

Von Stefanie Iske

Aufgrund der hohen Qualität und damit

verbundenen Langlebigkeit der Geräte

entfallen bis zu 95 Prozent der Umweltbelastung,

die während des Produktlebenszyklus

entsteht, auf die Nutzungsphase

der Geräte in den Haushalten. Mit supereffizienten

Geräten kann dieser Anteil

deutlich verringert werden. Deshalb ist

die Entwicklung von ressourcenschonenden

Produkten der nachhaltigste Beitrag

der BSH zum Umwelt- und Klimaschutz.

Seine energieeffizenten Geräte machen

den Haugerätehersteller zum Vorreiter

auf diesem Gebiet. Zudem achtet der

Konzern darauf, auch die Logistik so

ressourceneffizient und nachhaltig wie

möglich zu gestalten.

Die Logistik der BSH ist weltweit

verknüpft

Als international agierendes Unternehmen

bewegt die BSH gewaltige Warenströme.

Daher ist die Logistik für den

Hausgerätehersteller ein wichtiges Thema

– global, europaweit, national, regional

und lokal. Von globalen Innovationen

bis hin zu kleinsten Vorkehrungen

an den Standorten arbeitet der Konzern

kontinuierlich an neuen Lösungen, um

sämtliche logistische Prozesse miteinander

zu verzahnen und Zug, Schiff und

Lkw optimal zu kombinieren.

Produktion und Logistik von Hausgeräten

hängen unmittelbar zusammen.

Daher trifft die BSH Entscheidungen

über Produktionsstandorte unter dem

Aspekt des Klimaschutzes. „Als wir den

Umweltschutz in unser Leitbild aufgenommen

haben, war unsere Erkenntnis,

dass Umwelt-Bewusstsein ausschließt,

am einen Ende der Welt zu produzieren

und unsere Geräte zum Verkauf ans

andere Ende der Welt zu transportieren“,

Die beiden Containerzüge, die seit Frühjahr

2013 zwei Mal pro Woche zwischen den BSH-

Standorten Cerkezköy (Türkei) und Giengen

(Deutschland) verkehren, sind ein herausragendes

Beispiel für eine innovative Logistiklösung.

Ein einziger Zug ersetzt rund 60 Lkw.

76 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Umweltschutz

sagt Hans-Gerd Bauerfeind, Chef der BSH-

Logistik. Ziel ist es daher, den Verkehr,

der bei der Distribution entsteht, von

vornherein zu reduzieren. Daher folgt

die BSH dem Triadenmodell. Danach

gibt es weltweit drei große Wirtschaftsräume

– EMEA (Europa, Naher Osten

und Afrika), Amerika und Asien. Die in

einem Wirtschaftsraum produzierten

Hausgeräte sollen großteils auch dort

verkauft werden.

Ganzheitliche Ressourcenschonung

beim Transport

Neben der Entwicklung und Fertigung

ressourcenschonender und qualitativ

hochwertiger Hausgeräte, gehört auch

die Logistik zu den Kernkompetenzen

der BSH. „Zwar arbeiten wir auch mit

externen Transporteuren zusammen, die

technische und kreative Seite der Logistik

steuert aber unser eigenes Team. Unsere

Spezialisten bringen logistische Anforderungen

und verpackungstechnische

Fragestellungen bereits während der Konstruktionsphase

mit ein – kritisch hinterfragen

sie Prozesse, experimentieren

und entwickeln so neue, zukunftsfähige

Konzepte“, so Bauerfeind. Darunter fällt

auch die Herausforderung, die Transportmittel

optimal auszulasten – denn jeder

Kubikmeter Laderaum, der leer vom einen

Ort zum anderen transportiert wird,

belastet die Umwelt. Durch vernetztes

Denken, computergestützte Modelle und

eigenes Test-Equipment gelingt es dem

Logistik-Team, die Prozesse laufend zu

optimieren.

Während immer mehr Bahnbetreiber

den unrentablen Einzelwagenverkehr

einstellen, arbeitet die BSH daran, die

Waren- und Materialtransporte so zu

koordinieren, dass Ganzzüge befrachtet

werden können. Seit 2012 fahren

Klimaschutz und Ressourceneffizienz spielen für die BSH nicht nur bei der Produktion von

Hausgeräten, sondern auch in der Logistik eine wesentliche Rolle. Ziel ist es, die CO 2

-Emissionen

in der gesamten Logistik bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 2006 zu senken.

monatlich vier von ihnen mit rund

165 Containern vom Logistikzentrum

im baden-württembergischen Giengen

nach Moskau. Durch die Umstellung

auf den Transportmittelmix wird der

CO 2

-Ausstoß auf dieser Strecke um 27

Prozent reduziert. Mehrmals die Woche

verkehren zudem Ganzzüge in die Seehäfen

Hamburg, Bremerhaven, Triest

und zurück, sowie nach Frankreich,

von und in die Türkei und von Polen

nach Deutschland. Von den Seehäfen

Hamburg und Bremerhaven geht die

Reise zusätzlich per Schiff in die ganze

Welt. Auch beim Straßengüterverkehr

geht die BSH neue Wege und setzt seit

Herbst 2012 in Deutschland erstmals

Lang-Lkw ein: Die neue, 25 Meter lange

Fahrzeugkombination transportiert

täglich vom Umschlaglager Giengen aus

rund 280 Großgeräte zu verschiedenen

Standorten in Deutschland. Der Lang-Lkw

bietet 40 Prozent mehr Transportvolumen

und spart im Vergleich zu üblichen

Lastwagen je transportiertem Gerät 20

Prozent CO 2

ein.

Zwei Mal pro Woche pendelt ein Zug

mit Material und Geräten zwischen

Deutschland und der Türkei

Herausragendes Beispiel für eine innovative

Logistiklösung sind die beiden

Containerzüge, die seit Frühjahr 2013

zwei Mal pro Woche zwischen den

BSH-Standorten Cerkezköy und Giengen

verkehren. Das Konzept ist in der

Branche ein Alleinstellungsmerkmal: Ein

einziger Zug, der Geräte nach Giengen

transportiert und dort für den Rückweg

mit Fertigungsmaterialien und Geräten

beladen wird, ersetzt rund 60 Lkw.

Wenn Torsten Genehr, Logistikchef der

BSH Türkei, von den zahlreichen Maßnahmen

berichtet, klingt das ebenso

begeistert wie durchdacht. Denn hinter

all den Erfolgen steht ein ambitioniertes

Konzept, das neben der Umstellung auf

Containerzüge sämtliche Möglichkeiten

der CO 2

-Reduktion auslotet: „Wir haben

alles geprüft und durchleuchtet und setzen

unsere Erkenntnisse nun Schritt für

Schritt um.“ Genehr ist verantwortlich

für die Warentransporte der sechs BSH-

Fabriken in Cerkezköy, die jährlich über

vier Millionen Hausgeräte produzieren.

Zum integrierten Konzept in der Türkei

gehört aber auch ein neues Lager, das

2012 fertiggestellt wurde und höchste

Standards bei der Wärmedämmung erfüllt.

Außerdem sollen auf der 47.000

Quadratmeter großen Dachfläche Solarpaneele

installiert werden. „Neben dem

Transport ist die Lagerung ein zentraler

Teil der Distribution unserer Geräte und

muss somit ebenso konsequent bei der

ganzheitlichen Ressourcenschonung

berücksichtigt werden“, so Genehr.

globalcompact Deutschland 2013

77


CEWE

Ökologische Nachhaltigkeit

sichern

Mit Marktgespür und Innovationskraft ist es uns gelungen, CEWE als Europas führenden Fotoservice

und innovativen Onlinedruck-Partner zu positionieren. Der Transformationsprozess von

der analogen zur digitalen Fotografie hat bei uns zu vielen Neuerungen geführt. So ist beispielsweise

die Filmentwicklung heute nur noch der kleinste Teil unseres Geschäftsmodells.

Von Oliver Thomsen

Einen großen Bereich nimmt das CEWE

FOTOBUCH ein: Jährlich verlassen 5,6

Millionen Exemplare in höchster Qualität

unsere elf europäischen Produktionsstandorte.

Den erfolgreichen Unternehmensbereich

Fotofinishing haben wir

2012 um das Wachstumssegment Onlinedruck

erweitert: Über die Onlineplattformen

CEWE-PRINT.de, viaprinto.de

und saxoprint.de können gewerbliche

Kunden Flyer, Plakate, Visitenkarten,

Broschüren, Briefpapier, Kalender und

vieles mehr bestellen: In jeder kleinen

oder großen Auflage, in jedem Format

und dabei immer hochwertig, günstig

und schnell.

Die wichtigste Voraussetzung für die

Etablierung nachhaltiger Themen im

Unternehmen ist der persönliche Einsatz

der Mitarbeiter. Bei uns ist Andreas

F. L. Heydemann aus dem Vorstandskreis

für das Thema zuständig. Gemeinsam

mit Spezialisten aus dem Koordinationskreis

Nachhaltigkeit sorgt er dafür,

Andreas F. L. Heydemann, Vorstandsmitglied

der CEWE Stiftung & Co. KGaA

dass sämtliche relevanten Aufgaben

europaweit geplant, überwacht und

koordiniert werden.

Umweltmanagement mit System

Das Umweltmanagementsystem ist das

Herzstück eines guten Nachhaltigkeitsprogramms.

Unsere Mitarbeiter aus dem

Bereich Chemie und Umwelt stellen hohe

Ansprüche. Sie nehmen intern jedes Jahr

rund 30.000 Messwerte auf, analysieren

sie und werten sie aus. Erklärtes Ziel ist

die ständige Verbesserung von Arbeitssicherheit

und Umweltschutz sowie die

Vermeidung von Umweltbelastungen.

An unseren deutschen Standorten haben

wir ein umfangreiches Umweltmanagementsystem

(nach DIN EN ISO 14001) aufgebaut,

in die Praxis umgesetzt und zertifizieren

lassen. Das System beschreibt

den kontinuierlichen Verbesserungsprozess

in Bezug auf unsere Umweltleistungen.

Basis bilden der Abgleich mit den

gesetzlichen Bestimmungen sowie die

von uns definierte Umweltpolitik, die

sich in folgende Bereiche gliedert:

• Energie sparen

• Wasser schützen

• Ressourcen schonen

• Arbeitsschutz sichern

Im Fokus: Energie sparen

Um unsere Fortschritte im Bereich Nachhaltigkeit

transparent zu dokumentieren,

haben wir uns einer Berichterstattung

im Jahresrhythmus verpflichtet. Dies

gilt insbesondere auch für die durch uns

verursachten Emissionen. Sie werden

von uns auf der Grundlage des Corporate

Accounting and Reporting Standard

2004 der Greenhouse Gas Protocol In-

78 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Umweltschutz

Links: Mitarbeiter des IT-Teams im Rechenzentrum

von CEWE (mit dem Blauen Engel

ausgezeichnet)

Unten: Mitarbeiter des Chemie- und Umweltteams

von CEWE

und Offenheit der veröffentlichten Zahlen

zu Kohlendioxid-Emissionen wurden

wir 2010 und 2011 als eines von wenigen

SDAX-Unternehmen in den Carbon Disclosure

Leadership Index aufgenommen.

Ein weiteres Beispiel für die Relevanz

des Klimaschutzes bei CEWE ist unsere

Beteiligung am ertemis-Projekt. Es wurde

ins Leben gerufen, um eine umweltgerechte

Ausrichtung der IT-Infrastruktur

(Green IT) in Unternehmen zu forcieren.

Zusammen mit den Universitäten von

Oldenburg, Osnabrück und Göttingen

wird für CEWE und weitere ausgewählte

Unternehmen aus Niedersachsen eine

Wir vergeben Stipendien für Promotionsvorhaben,

Masterstudienprogramme

und Forschungsprojekte an Universitäten

und Fachhochschulen. Mit der European

Medical School und dem Hanse

Wissenschaftskolleg verbindet uns seit

Jahren eine Partnerschaft. Weiterhin

unterstützen wir zahlreiche Vereine und

Institutionen am Stammsitz in Oldenburg

und an unseren jeweiligen Standorten

in Europa. Wir bevorzugen langfristige

Allianzen und Engagements. Die Förderung

des Kulturguts Fotografie liegt uns

ebenso am Herzen, wie die Förderung von

fachlichem Nachwuchs und die Unterstützung

von Kindern und Jugendlichen.

Neben vielen aktuellen Themen, wie

der Vereinbarkeit von Familie und Beruf

und der Förderung von Frauen, liegt uns

eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit am

Herzen. Weiterbildungs– und Beteiligungssprogramme,

Chancengleichheit

sowie ein klares Unternehmens- und

Führungsleitbild sorgen dafür, dass sich

unsere Mitarbeiter wohl fühlen. Seit langem

bilden wir über den eigenen Bedarf

hinaus aus. An den deutschen Standorten

liegt unsere Ausbildungsquote bei über

fünf Prozent: 113 junge Menschen sind

2012 bei CEWE in 15 unterschiedlichen

Berufen in der Ausbildung.

itiative berechnet und dargestellt. Erfasst

und berichtet werden alle direkten

CO 2

-Emissionen aus stationären und

mobilen Quellen (Scope 1) sowie die indirekten

Emissionen aus der Erzeugung

des eingekauften Stroms (Scope 2) aller

Produktionsstandorte der CEWE Gruppe.

Weitere indirekte Emissionen, die mit der

Unternehmenstätigkeit im Zusammenhang

stehen, aber nicht durch sie erzeugt

werden, werden als Scope 3 bezeichnet.

Dies sind beispielsweise Logistikprozesse

des Warenbezugs und Auslieferung der

Produkte, Logistik der Abfallentsorgung

sowie Fahrten der Mitarbeiter zur Arbeitsstätte

oder Dienstreisen.

In den vergangenen Jahren haben wir

viele Fortschritte sowohl bei der Reduzierung

der CO 2

-Emissionen als auch

bei der Verbesserung der Energiebilanz

gemacht. Aufgrund der guten Qualität

nachhaltige IT-Strategie aufgesetzt. Mit

Erfolg: Im Juli 2013 haben wir für unser

neu gebautes Rechenzentrum am Standort

Oldenburg die Auszeichnung „Blauer

Engel“ erhalten. Durch eine neue energieeffiziente

Klimatisierung wird der CO 2

-

Ausstoß um cirka 130 Tonnen pro Jahr

reduziert und wir sparen drei Prozent

der gesamten Scope-2-Emissionen ein.

Gesellschaftliche und soziale

Verantwortung: Gelebte

Unternehmenskultur

Der Übergang in eine nachhaltige Gesellschaft

ist eine der zentralen Herausforderungen

der heutigen Zeit. Unsere

Unternehmenskultur ist seit der Firmengründung

vor über 50 Jahren geprägt

durch Innovationskraft und Fürsorge

gegenüber den Mitarbeitern, der Gesellschaft

und der Umwelt.

Nachhaltige Berichterstattung

im

Jahresrhythmus

Als eines der ersten SDAX-Unternehmen

hat CEWE eine transparente

Nachhaltigkeitsberichterstattung

etabliert: Bereits seit fünf Jahren

bilanzieren und dokumentieren wir

unsere Aktivitäten in einem jährlich

erscheinenden Nachhaltigkeitsbericht,

der sich an den aktuellen

Leitlinien der Global Reporting

Initiative (GRI) orientiert. Wenn Sie

mehr darüber erfahren möchten:

Eine Downloadmöglichkeit der

Berichte und unseres Nachhaltigkeitsfilms

finden Sie hier:

http://company.cewe.de/de/unternehmen/nachhaltigkeit/film.html

globalcompact Deutschland 2013

79


DAIMLER

Aufbau eines Wasserstoff-

Tankstellennetzes

in Deutschland

Von Dr. Udo Hartmann und Matthias Brock

Mit der B-Klasse F-CELL hat Daimler bereits 2010 sein erstes unter Serienbedingungen gefertigtes

Elektrofahrzeug mit Brennstoffzelle auf die Straße gebracht. Elektrofahrzeuge mit Brennstoffzelle

können einen erheblichen Beitrag leisten, um mit effizienten Technologien nachhaltige

Mobilität konsequent voranzutreiben. Denn der große Vorteil dieser Antriebstechnik liegt in der

deutlichen Minderung von CO 2

-Emissionen und der signifikanten Verbesserung der Energieeffizienz

des Antriebstrangs. Gleichzeitig haben Brennstoffzellenfahrzeuge Reichweiten und

Betankungszeiten, die mit heutigen konventionellen Fahrzeugen vergleichbar sind.

Viele der insgesamt 200 Fahrzeuge sind

seit 2010 in Deutschland, den USA und

Norwegen bei Kunden im Einsatz und

haben zusammen mehrere Millionen

km zurückgelegt. Allein die etwa 70

Fahrzeuge starke F-CELL-Flotte in den

USA kommt inzwischen auf 1,6 Millionen

Kilometer.

Der Fahrstrom für den Antrieb wird

durch die Reaktion von Luftsauerstoff

mit Wasserstoff direkt an Bord in der

Brennstoffzelle erzeugt. Dabei entstehen

keine Schadstoffemissionen, sondern

lediglich reiner Wasserdampf. Dank des

700-bar-Hochdruck-Tanksystems hat die

B-Klasse F-CELL eine hohe Reichweite

von rund 400 Kilometern bei einer gleichzeitig

kurzen Betankungszeit von unter

drei Minuten. Die wesentlichen Antriebskomponenten

sind geschützt und Platz

sparend im Fahrzeugunterboden installiert,

sodass Innen- und Kofferraum

vollständig nutzbar sind. Das Fahrzeug

verbindet somit lokal emissionsfreie

Mobilität mit Langstrecken- und Alltagstauglichkeit

sowie überzeugende

Fahrleistungen.

Auch der emissionsfreie dauerhafte Linienbetrieb

mit Mercedes-Benz Brennstoffzellen-Bussen

wird bereits heute in

Pilotprojekten realisiert. Der neue Citaro

FuelCELL-Hybrid spart dank der verbesserten

Brennstoffzellenkomponenten

– die Brennstoffzellenstacks sind identisch

mit denen der Mercedes-Benz

B-Klasse F-CELL – und der Hybridisierung

mit Lithium-Ionen-Batterien

(27 kW/h) im Vergleich zur Vorgängergeneration

50 Prozent Wasserstoff. Die

Brennstoffzelle wird auch als Stromlieferant

intelligent mit mehreren Komponenten

gekoppelt. Sowohl Batterie

und elektrischer Radnabenantrieb als

auch das integrierte Bremsenergie-Rückgewinnungs-System

sind miteinander

vernetzt. Die Reichweite des Brennstoffzellenbusses

beträgt über 300 Kilometer

80 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Umweltschutz

und die Tankzeit gerade einmal acht bis

zehn Minuten. Damit kann der Citaro

FuelCELL-Hybrid genauso unkompliziert

und flexibel wie heutige Dieselfahrzeuge

eingesetzt werden.

Um die großflächige Marktverfügbarkeit

dieser emissionsfreien Technologie zu

ermöglichen, haben Daimler, Ford und

Nissan Anfang 2013 eine Kooperation

zur gemeinsamen Entwicklung eines

Brennstoffzellensystems geschlossen.

Ziel ist es, ab 2017 wettbewerbsfähige

Elektrofahrzeuge mit Brennstoffzelle

auf den Markt zu bringen. Parallel zur

Fahrzeugtechnik ist aber auch zwingend

der Auf bau einer entsprechenden Wasserstoffinfrastruktur

erforderlich, um

die Technologie am Markt etablieren

zu können. Vor diesem Hintergrund

engagiert sich Daimler sehr stark in

verschiedenen internationalen Demonstrationsprojekten

und bei der deutschen

Initiative „H 2

Mobility“.

Im Rahmen von „H 2

Mobility“ haben sich

Daimler und fünf weitere Partner – Air

Liquide, Linde, OMV, Shell und Total –

im September 2013 auf einen konkreten

Handlungsplan zum Auf bau eines landesweiten

Wasserstoff-Tankstellennetzes

für Brennstoffzellenfahrzeuge verständigt.

Bis zum Jahr 2023 soll die heute

15 Tankstellen umfassende, öffentliche

Wasserstoff-Infrastruktur in Deutschland

auf rund 400 H 2

-Tankstellen ausgebaut

werden. Bereits innerhalb der kommenden

vier Jahre sollen die ersten 100

Wasserstoff-Stationen in Betrieb gehen.

Damit kann künftig eine bedarfsgerechte

Versorgung von Elektrofahrzeugen mit

Brennstoffzelle – die in den nächsten

Jahren auf den Markt kommen sollen –

sichergestellt werden. Eine entsprechende

Grundsatzvereinbarung wurde

von Vertretern aller beteiligten Partner

unterzeichnet.

Initiative „H 2

Mobility“

~ 400

Stationen

soll das öffentliche

Wasserstoff-Tankstellennetz

bis 2023 umfassen.

Rhein-Ruhr

Frankfurt

~ 90

Kilometer

liegen zwischen den H 2

-

Tankstellen an Autobahnen

außerhalb der Ballungszentren

bis 2013.

Hamburg

> 10

H 2

-Tankstellen

werden innerhalb der

Ballungszentren bis 2013

verfügbar sein.

Berlin

Die Vereinbarung umfasst neben der

konkreten Planung eines deutschlandweiten

H 2

-Tankstellennetzes auch die

Grundsätze über die Beschaffung und

den Vertrieb des benötigten Wasserstoffs

sowie einen Unterstützungsappell an die

Bundesregierung. Nach der geplanten

Gründung eines entsprechenden Joint

Ventures (vorbehaltlich der Erteilung

etwaiger erforderlicher, behördlicher

Genehmigungen), startet der stufenweise

Ausbau des nationalen Tankstellennetzes

bereits im kommenden Jahr.

Dadurch soll nicht nur für die Ballungsräume

und Hauptverkehrsrouten, sondern

auch für den ländlichen Raum

eine alltagstaugliche H 2

-Versorgung

geschaffen werden. Ziel ist, zwischen

den Ballungsgebieten mindestens alle

neunzig Autobahn-Kilometer eine H 2

-

Tankstelle anzubieten. Nach dieser Planung

stehen in den Metropolregionen

ab 2023 jeweils mindestens zehn Wasserstoffstationen

zur Verfügung. Damit

wird lokal emissionsfreie H 2

-Mobilität

für Kunden immer attraktiver. Für dieses

zukunftsweisende Infrastrukturprojekt

geht die „H 2

MobiIity“-Initiative von einem

Gesamtinvestitionsbedarf in Höhe

von rund 350 Mio. Euro aus.

Ballungszentren

Autobahnen

H 2

-Korridore

Stuttgart

München

Eine bedarfsgerechte Anzahl von H 2

-

Tankstellen ist – neben attraktiven Anschaffungs-

und Unterhaltskosten der

Fahrzeuge – dabei eine der wichtigsten

Voraussetzungen für den Markterfolg der

kommenden Brennstoffzellenfahrzeuge.

Das geplante „H 2

Mobility“-Joint Venture

wird deshalb eng mit der Automobilindustrie

zusammenarbeiten.

globalcompact Deutschland 2013

81


DEUTSCHE POST DHL

CO 2 -freie Zustellung:

GoGreen für eine ganze

Großstadt

Als internationaler Post- und Logistikkonzern setzt Deutsche Post DHL das umfassende Wissen

und die globale Präsenz ein, um einen positiven Beitrag für Umwelt und Gesellschaft zu leisten.

In der Konzernstrategie ist dabei die Unternehmensverantwortung fest verankert. Das Unternehmen

verfolgt einen umfassenden Ansatz von nachhaltigem und ethischem Handeln, indem

es die Anliegen seiner Anspruchsgruppen systematisch in sein Handeln mit einbezieht und seine

Geschäftsaktivitäten auch im Hinblick auf ihren Beitrag für Umwelt und Gesellschaft ausrichtet.

Von Deutsche Post DHL

Bei seinem gesellschaftlichen Engagement

konzentriert sich der Konzern auf

die Felder mit seiner größten Expertise:

Als Logistiker setzt er auf Umweltschutz

(GoGreen) und Katastrophenmanagement

(GoHelp), als Arbeitgeber auf die

Förderung von Bildungs- und Berufschancen

(GoTeach). Mit dem vor fünf

Jahren gestarteten Umweltschutzprogramm

„GoGreen“ arbeitet Deutsche

Post DHL daran, die Auswirkungen der

Geschäftstätigkeit auf die Umwelt zu

reduzieren und hat sich als erstes weltweit

tätiges Logistikunternehmen ein

messbares Klimaschutzziel gesetzt.

Bis 2020 will der Konzern die CO 2

-Effizienz

verglichen mit dem Basisjahr 2007

um 30 Prozent verbessern. 2012 lag die

Effizienzsteigerung bei 16 Prozent, über

die Hälfte des Weges ist geschafft. Erreicht

wurde das Zwischenziel durch

Netzwerkoptimierungen, die Verlagerung

von Warenströmen von der Straße

auf die Schiene oder von der Luft- auf

die Seefracht, die Nutzung erneuerbarer

Energien und Investitionen in verbrauchsarme

Flug- und Fahrzeuge.

Auch bei alternativen Antrieben ist

Deutsche Post DHL führend. Mitte 2013

setzte Deutsche Post DHL 8.500 Fahrzeuge

mit umweltfreundlichen Antrieben ein.

Ein wichtiger Schritt beim Flottenumbau

ist das im Mai 2013 gestartete Pilotprojekt

82 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Umweltschutz

„CO 2

-freie Zustellung in Bonn“. Dabei

wird erstmals die Postzustellung in einer

Großstadt auf Elektroautos umgestellt.

Der Langzeittest dient dazu, wertvolle

Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie

sich Elektrofahrzeuge im Alltag verhalten

und sich das Laden großer Nutzfahrzeugflotten

auf die elektrischen Netze

auswirkt. Gelingt das Vorhaben, existiert

eine Blaupause für die klimaneutrale Zustellung

in anderen Städte und Regionen.

Bonn als Musterstadt für die

elektromobile Zustellung

In einem ersten Schritt wurde bis Ende

2013 die Elektrofahrzeugflotte in Bonn

und Umgebung auf 79 Fahrzeuge ausgebaut.

Innerstädtisch werden die Elektroautos

in der Paketzustellung eingesetzt. In

Stadtrandlagen und im Umland kommen

die Fahrzeuge in der kombinierten Briefund

Paketzustellung zum Zug. Schon zum

Projektstart ist in Bonn eine der größten

zusammenhängenden Elektro-Nutzfahrzeugflotten

der Welt unterwegs. Getankt

wird Strom aus regenerativen Quellen.

Bei den Elektrofahrzeugen handelt es

sich um Kleintransporter, Transporter bis

2,8 Tonnen und Paketzustellfahrzeuge.

Eingesetzt werden Autos der Hersteller

Iveco, Renault und Mercedes, aber

auch 20 StreetScooter. Das Fahrzeug ist

eine Gemeinschaftsentwicklung mit der

StreetScooter GmbH, einem Spin-off der

Rheinisch-Westfälischen Technischen

Hochschule (RWTH) Aachen. Der Fahrzeugtyp

wurde speziell für die Zustellung

entwickelt und weist neben dem

Elektroantrieb weitere ergonomische

Besonderheiten auf.

Erfüllen die Fahrzeuge und die Ladetechnik

die Erwartungen, kommen 2014 rund

40 Fahrzeuge hinzu. Mit dieser 120 Fahrzeuge

umfassenden Flotte sind zu normalen

Zeiten das gesamte Bonner Stadtgebiet

und drei umliegende Standorte

auf Elektrobetrieb umgestellt. Lediglich

in den sogenannten Starkverkehrszeiten,

etwa in der Vorweihnachtszeit, kommen

einige konventionelle Dieselfahrzeuge

als Reserve zum Einsatz. Mit 20 weiteren

Elektrofahrzeugen, die ihren Dienst 2015

aufnehmen sollen, gehört der Diesel im

Testgebiet endgültig der Vergangenheit

an. 2016, in der Endausbaustufe des

Projektes, werden nach heutiger Planung

141 Elektrofahrzeuge unterwegs sein, die

gegenüber konventionellen Fahrzeugen

über 500 Tonnen CO 2

pro Jahr einsparen.

Unterstützt wird das Projekt vom

„Förderprogramm Elektromobilität“ der

Bundesregierung.

Im Dialog

GoGreen von Deutsche Post DHL

Das Pilotprojekt wird von einem lebendigen

Bürgerdialog begleitet. So stellte sich

das Unternehmen am „Tag der Elektromobilität“

am 14. September 2013 auf

dem Bonner Münsterplatz den Fragen

der Bürgerinnen und Bürger. Das bei der

Informationsveranstaltung und anderen

Gelegenheiten eingeholte Feedback fließt

in die weitere Gestaltung des Vorhabens

ein. Die bisherigen Reaktionen belegen

die hohe Akzeptanz der elektromobilen

Postzustellung. Viele Bürgerinnen und

Bürger erhoffen sich, dass der Test bald

auf andere Städte und Regionen ausgedehnt

wird – aus Umweltschutzgründen,

aber auch aus Eigeninteresse: Die Menschen

hoffen, dass durch die Nachfrage

von Deutsche Post DHL Elektroautos in

die Großserienfertigung gehen und so für

Privatkunden erschwinglicher werden.

Das Umweltschutzprogramm GoGreen von Deutsche Post DHL beinhaltet

das Klimaschutzziel, die CO 2

-Effizienz verglichen mit dem Basisjahr 2007 um

30 Prozent zu verbessern. Darüber hinaus beteiligt sich Deutsche Post DHL

im Rahmen von GoGreen an der Entwicklung von Berechnungsstandards für

CO 2

-Emissionen in der Logistik. Ein weiterer Baustein des Programms sind

grüne Produkte und Dienstleistungen für die Kunden. Mit dem „CO 2

-Report“

erstattet das Unternehmen seinen Geschäftskunden Bericht über die Höhe

der CO 2

-Emissionen, die durch die Transportaufträge mit Deutsche Post DHL

entstanden sind. Beim Service „Grüne Optimierung“ berät Deutsche Post DHL

Kunden über effizienzsteigernde Maßnahmen und entwickelt kundenindividuelle

Lösungen. Zusätzlich bietet Deutsche Post DHL CO 2

-neutrale Produkte

und Services an. Die bei Transport und Logistik entstehenden CO 2

-Emissionen

gleicht das Unternehmen über Investitionen in Klimaschutzprojekte aus.

globalcompact Deutschland 2013

83


HYPOVEREINSBANK

Saubere Sache:

Unser Weg zum

CO 2

-neutralen

Bankbetrieb

Von Stefan Löbbert

Die eigenen CO 2

-Emissionen vermeiden, dauerhaft reduzieren

und, wo das nicht möglich ist, durch den Ankauf von Klimaschutzzertifikaten

kompensieren – das ist der Weg der Hypo­

Vereinsbank zum CO 2

-neutralen Unternehmen. Diesen Weg gehen

wir seit Jahren konsequent: Unsere Gebäude betreiben wir

bereits seit 2010 klimaneutral, seit Sommer 2013 den gesamten

Bankbetrieb. Ressourcenschonende und effizienzsteigernde

Maßnahmen aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen

sowie das umweltbewusste Verhalten unserer Mitarbeiter haben

es ermöglicht, dieses langfristig verfolgte Ziel zu erreichen.

CO 2

-Emissionen im Bankbetrieb entstehen

vorrangig durch Energieverbrauch

und Dienstreisen, durch Papier- und

Wasserverbrauch sowie durch Abfallaufkommen.

Oberste Priorität hat daher

die Vermeidung und Reduktion von

CO 2

-Emissionen durch mehr Energieeffizienz

und den sparsamen Einsatz

von Ressourcen. Bei der HypoVereinsbank

geschieht dies beispielsweise über

wärmedämmende Fassadensanierungen

bei Bankgebäuden oder über die

Optimierung haustechnischer Anlagen.

Auch das Senken der CO 2

-Grenze für

Dienstfahrzeuge sowie der Einsatz von

Video- und Telefonkonferenzen spielen

eine wichtige Rolle im klimaneutralen

Bankalltag. Da nicht alle CO 2

-Emissionen

vollkommen vermieden werden

können, gleichen wir diese freiwillig

über den Kauf und die Stilllegung von

CO 2

-Zertifikaten aus. Diese Zertifikate

nach anerkannten Standards liefern

den Nachweis, dass im Rahmen von

Klimaschutzprojekten an anderer Stelle

CO 2

-Emissionen eingespart wurden.

Kleine Chronologie der

Klimaneutralität

Ressourcen schonen Energetisch optimierte Gebäude sind ein wichtiger Hebel für

Ressourceneffizienz. Den denkmalgeschützten HVB-Tower am Münchner Arabellapark

bauen wir bis 2015 zum Green Building um.

All das hat sich nicht von heute auf

morgen ergeben: Bereits seit den 1990er

Jahren sorgt bei der HypoVereinsbank ein

Umweltschutzbeauftragter für die ökologische

Ausrichtung des Bankbetriebs.

Seit 2006 steuern und verbessern wir die

betriebliche Umweltleistung kontinuierlich

über unser zertifiziertes Umweltmanagement

und bringen so Energie- und

Ressourceneffizienz aktiv voran. Seit

2010 beziehen wir unseren Strom zu

100 Prozent aus erneuerbaren Energien

und gestalten unseren Wärmebedarf

84 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Umweltschutz

Events & Strom Mobilität & Einkauf Emissionsarme Reisen

& innovative Technik

Steuerung & Verwertung

CO 2

-neutral. Seit Sommer 2013 kompensieren

wir nun auch die Emissionen

unserer Dienstreisen, unseres Papier- und

Wasserverbrauchs sowie unseres Abfallaufkommens

– und gestalten damit den

gesamten Bankbetrieb CO 2

-neutral. Zahlreiche

aktuelle Auszeichnungen, wie der

B.A.U.M.-Umweltpreis in der Kategorie

Großunternehmen, die mehrfache Prämierung

unseres nachhaltigen Fuhrparks

(Green-Fleet- und Grüne-Flotte-Awards

in mehreren Kategorien) sowie unsere

Platzierung als Branchenbester im aktuellen

Nachhaltigkeitsrating von oekom

research spornen uns an, auch über

den Etappensieg der Klimaneutralität

hinaus ehrgeizige Ziele zu definieren.

Denn Nachhaltigkeit ist in der Hypo-

Vereinsbank seit Jahren fest verankert –

organisatorisch und im Kerngeschäft.

Gebäude für die Zukunft

Zwei Rechenzentren mit einer Fläche

von umgerechnet zwei Fußballfeldern gewährleisten

den sicheren Betrieb unserer

IT-Infrastruktur. An unseren gesamten

CO 2

-Emissionen haben sie einen großen

Anteil: Jährlich verbrauchen sie

so viel Energie wie 11.000 Haushalte.

Wir modernisieren sie daher laufend

und setzen auf innovative Technik. So

kühlen wir eines der Rechenzentren mit

dem Wasser des nahe vorbeifließenden

Eisbachs im Münchner Englischen Garten.

Außerdem nutzen wir Inline Air

Cooling – ein neuartiges, im Hause

entwickeltes Kühlsystem. Es nutzt die

natürliche Luftströmung aufsteigender

Wärme und absinkender Kälte in idealer

Weise für den Betrieb und die Kühlung

der IT-Infrastruktur in unseren Rechenzentren.

Seit 2012 sparen wir darüber

jährlich 4.000 MWh Energie ein. Dies

entspricht etwa 2.200 Tonnen CO 2

.

Mobilität für morgen

mit einem CO 2

-Ausstoß von weniger

als 90 g/km zu den effizientesten ihrer

Fahrzeugklasse. Für Dienstfahrzeuge

von Mitarbeitern gilt eine Obergrenze

von 130 g/km. Innerhalb von zwei

Jahren konnten wir damit den durchschnittlichen

Treibstoffverbrauch sowie

den CO 2

-Ausstoß pro Fahrzeug um

jeweils mehr als 13 Prozent senken.

Unser Mobilitätskonzept entwickeln

wir laufend weiter und prüfen dazu

alternative Antriebstechnologien und

Mobilitätsmodelle am Markt.

Unsere Highlights im

umweltfreundlichen

Bankbetrieb:

Energetisch optimierte Gebäude sind

der wichtigste Hebel für einen nachhaltigen

Bankbetrieb. Bei Bau- und

Renovierungsmaßnahmen achtet die

HypoVereinsbank daher konsequent

auf Energie- und Ressourceneffizienz,

Materialökologie und Gesundheitsaspekte.

Unser Leuchtturmprojekt ist die

Grundsanierung der denkmalgeschützten

Firmenzentrale (HVB-Tower) in München.

Bis 2018 gestalten wir den Turm

und die dazugehörigen Flachbauten zu

einem „Green Building“ gemäß dem

international anerkannten Standard

Leadership in Energy & Environmental

Design (LEED) um. Wichtige Aspekte

dabei sind die Erneuerung der Fassade

nach den neuesten Wärmeschutzstandards

sowie Energie- und Wassereffizienz.

Ressourceneffizienz durch Green IT

Mobilität ist für die Geschäftstätigkeit

der HypoVereinsbank unabdingbar. Um

unsere Reisetätigkeit so ökologisch und

effizient wie möglich zu planen, haben

wir strenge Reiserichtlinien entwickelt.

So nutzen unsere Mitarbeiter bei einer

Fahrtdauer von unter vier Stunden prinzipiell

die Bahn. Die Anzahl der Flugreisen

konnten wir 2012 so um 50 Prozent

reduzieren. Die CO 2

-Emissionen der verbleibenden

Dienstflüge kompensieren

wir seit Sommer 2013. Um Dienstreisen

zu vermeiden, forcieren wir seit einiger

Zeit den Einsatz von Videokonferenzen.

Als Anreiz für unsere Mitarbeiter, für

ihren täglichen Arbeitsweg öffentliche

Verkehrsmittel zu nutzen, stellen wir

ihnen in München, Hamburg und Nürnberg

ein Jobticket zur Verfügung.

Mit unserem umweltfreundlichen Flottenmanagement

zählen wir darüber

hinaus zu den Vorreitern in Deutschland.

Unsere Poolfahrzeuge gehören

• 50 % weniger Flugreisen haben

unsere Mitarbeiter 2012 gegenüber

dem Vorjahr unternommen.

• 100 % unseres Stroms beziehen

wir seit 2010 aus erneuerbaren

Quellen, einen kleinen Teil

davon produzieren wir sogar

selbst.

• Rund 70 % CO 2

haben wir

gegenüber 2009 eingespart, davon

gehen 20 % auf das Konto

von Effizienzmaßnahmen und

50 % auf den Bezug von grünem

Strom. Die verbleibenden 30 %

kompensieren wir.

• Gleich dreifach wurde die

HypoVereinsbank 2012 für ihr

ganzheitliches Mobilitätskonzept

ausgezeichnet.

globalcompact Deutschland 2013

85


LANXESS

Die Zukunft der Mobilität ist

grün

Mobilität war noch nie so wichtig wie heute. Immer mehr Menschen wollen mobil sein, aber die

Infrastruktur platzt schon jetzt aus allen Nähten – von den Auswirkungen auf die Umwelt nicht

zu reden. Getreu dem Motto: Jeder will zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß, gilt es, die Probleme

einer Welt in Bewegung zu verstehen und zu lösen.

Von Axel Vassen und Markus Brückner

Das Statussymbol Auto ist für Mobilitätsforscher

mittlerweile fast zum Synonym

für eine Szenerie geworden, die vom

Aussterben bedroht ist. Aber: „Auch

zwei Milliarden Autos an sich wären

noch keine Katastrophe“, schreibt der

kalifornische Mobilitätsexperte Dan

Sperling in seinem Buch „Two Billion

Cars“. Allerdings müssen dazu die gängigen

Fahrzeugkonzepte grundlegend

überdacht werden. Leicht und umweltverträglich

steht unsichtbar als Devise

über den Reißbrettern der Autohersteller.

Neben dem klassischen Verbrennungsmotor

sind elektromobile Antriebskonzepte

stark im Kommen. Prognosen

zufolge werden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor

2025 zwar immer noch für

50 Prozent des Umsatzes in der Branche

sorgen, aber bereits ein Anteil von

zehn Prozent des Neufahrzeugabsatzes

soll dann auf Elektroautos entfallen

und ganze 40 Prozent auf Hybridfahrzeuge.

Diese Verschiebungen werden

die aktuelle Wertschöpfungskette des

Mobilitätssektors nicht nur für Erstausrüster

und Zulieferer, sondern auch

für Stromversorger und Drittanbieter

verändern.

Zunehmend an Bedeutung gewinnt

auch der Leichtbau. So sind beispielsweise

technische Kunststoffe ein Material

mit hohem Potenzial, die diesen Trend

weiter unterstützen. Sie bieten aber

nicht nur den Vorteil der Gewichts-

86 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Umweltschutz

reduktion, es ergeben sich auch ganz

neue Konstruktions- und Designmöglichkeiten.

Hightech-Materialien für die

Mobilität der Zukunft.

So werden leistungsfähige Kunststoffe

wie Durethan® oder Tepex® von LANXESS

zunehmend im Automobil eingesetzt.

Diese Bauteile halten höchsten Belastungen

stand und sind dabei bis zu 40 Prozent

leichter und auch günstiger. Im Materialmix

von Autos machen Kunststoffe

bereits einen Anteil von bis zu zwanzig

Prozent aus, denn 100 Kilogramm weniger

Gewicht bedeuten eine Kraftstoffersparnis

von bis zu einem halben Liter

und entsprechender CO 2

-Reduktion pro

100 Kilometer. Hartwig Meier, Leiter der

Produkt- und Anwendungsentwicklung

beim LANXESS Geschäftsbereich High

Performance Materials, ist überzeugt:

„Konventionelle Kunststoff-Anwendungen

wie die im Motorraum werden in

Zukunft auf Bauteile übertragen, die

mit den Strukturen von Autos zu tun

haben. Das ist neu, denn sie definieren

die Gesamtleistung eines Autos.“

EU-Reifen-Label hilft bei der

Reifenwahl

Effizient und besonders einfach lässt sich

der Verbrauch vor allen Dingen auch

durch das Umrüsten auf rollwiderstandsarme

Qualitätsreifen, auch „grüne Reifen“

genannt, reduzieren. Hochentwickelte

Kautschuke von LANXESS machen den

„Grünen Reifen“ möglich, mit dem ein

Pkw bis zu sieben Prozent Kraftstoff und

CO 2

sparen kann. Und im Vergleich zu

technischen Lösungen wie etwa einer

Start-Stopp-Automatik lassen sich Reifen

problemlos auch bei Bestandsfahrzeugen

umrüsten.

Der LANXESS-Vorstandsvorsitzende Axel

C. Heitmann betont: „Würden wir von

heute auf morgen bei allen Autos in

Europa die Bereifung auf die besten Produkte

umstellen, könnten allein dadurch

bis zu 15 Milliarden Liter Kraftstoff pro

Jahr eingespart werden.“ Eine Utopie

– aber sie wird zusehends realistischer.

Bisher standen sich Reifeneigenschaften

wie „hohe Bremswirkung“, „lange

Lebensdauer“ und „geringer Rollwiderstand“

entgegen. Moderne Reifen mit

Laufflächen aus Neodym-Performance-

Butadien-Kautschuk haben jedoch den

nötigen Grip und trotzdem einen enorm

niedrigen Rollwiderstand.

Erkennen kann man die rollwiderstandsarmen

am EU-Reifenlabel, das

seit November 2012 auf allen neuen

Reifen beim Kauf zu finden ist. Das Label

bewertet den Spritverbrauch der Pneus

sowie die Nasshaftung (sprich Sicherheit)

von A (optimal) bis G. Zudem gibt es die

Lautstärke des Rollgeräuschs an. „Grüne

Reifen“ erhalten bei Verbrauch und

Sicherheit besonders gute Bewertungen.

Die Kennzeichnung sieht ähnlich aus wie

bei Haushaltsgeräten und hat bei diesen

Geräten dazu geführt, dass Kühlschränke

und Waschmaschinen zu echten Energiesparwundern

geworden sind.

Umrüsten rechnet sich bereits ab

20.000 Kilometer

Wie sehr sich der Wechsel auf solche

grünen Reifen für Autofahrer oder insbesondere

für Fuhrparkbetreiber auszahlt,

zeigt ein Rechenbeispiel auf Grundlage

von Studien der Technischen Universität

München: Bis zu 16.000 Liter Kraftstoff

kann demnach ein Fuhrpark mit 100 Pkw

einsparen durch den Wechsel auf Fabrikate,

die mit einem A beim Spritverbrauch

bewertet werden – bei einer

jährlichen Fahrleistung von 20.000 Kilometern

und einem Verbrauch von sieben

Litern pro Pkw. Umgerechnet ergibt sich

für die Flotte so bei einem Benzinpreis

von 1,60 Euro ein Sparpotenzial von

mehr als 25.000 Euro. Selbst wenn der

Kaufpreis pro „grünem Reifen“ um angenommene

40 Euro höher läge, sind

die Mehrkosten bereits nach gut 12.500

Kilometern wieder eingefahren.

Weiterer positiver Effekt: Auch die Umwelt

profitiert. Die oben genannte Flotte

kann ihren jährlichen CO 2

-Ausstoß um

bis zu 37.000 kg reduzieren. „Grüne

Reifen“ verbessern darüber hinaus die

Fahrsicherheit eines Autos. So lässt sich

mit ihnen der Bremsweg auf nasser Fahrbahn

bei einer Geschwindigkeit von 80

Stundenkilometer um bis zu 19 Meter

verringern – eine Eigenschaft, die in

brenzligen Situationen Leben retten

kann.

Um das CO 2

- und Treibstoffsenkungspotenzial

von Fahrzeugflotten zu berechnen,

hat LANXESS einen Spritspar-

Rechner für Flotten und eine App für

Endverbraucher veröffentlicht, mit denen

das Potenzial von „Grünen Reifen“

ausgerechnet werden kann.

Diese sind kostenlos zu finden unter

http://flotte.green-mobility.de bzw.

http://app.green-mobility.de

globalcompact Deutschland 2013

87


MAN

Mobilität in

Bewegung

Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung wird bis 2050 nach UN-Prognosen in Städten wohnen –

das sind geschätzte 6,3 Milliarden Menschen. Bereits heute lebt jede zweite Person im urbanen

Raum. Damit wachsen auch die Herausforderungen für Stadtplaner: Verstopfte Straßen kosten

nicht nur Zeit, Geld und Ressourcen, sondern belasten auch Umwelt und Gesundheit. Der öffentliche

Personennahverkehr ist deshalb ein zentraler Bestandteil der Lebensqualität aller Stadtbewohner.

MAN forscht an flexiblen Verkehrskonzepten für Städte, um Mobilitätskonzepte von

morgen mitzugestalten.

Von Yvonne Benkert

Wachstum mit Verkehrsfolgen

Die Menschen versprechen sich von Städten

mehr Bildungs- und Jobchancen

sowie eine funktionierende Infrastruktur.

Dazu gehören vor allem Mobilitätsangebote,

die ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten

entsprechen. Doch gerade

die erhoffte Mobilität ist angesichts der

explodierenden Einwohnerzahlen keine

Selbstverständlichkeit: In vielen Städten

sind Staus und überfüllte öffentliche

Verkehrsmittel an der Tagesordnung.

Viel Verkehr führt zudem zu hohen

Schadstoffbelastungen, Smog und Lärm.

Darunter leiden Mensch und Natur.

Eine undurchdachte Verkehrsführung

ist nicht nur nervenaufreibend für die

Bevölkerung, sondern auch schädlich

für die lokale Wirtschaft: Metropolen

stehen zunehmend miteinander im

Wettbewerb um Bewohner und Unternehmen.

Busse als smarte Lösung

Die Anforderungen an zukünftige Mobilitätskonzepte

sind hoch: Einwohner

und Besucher möchten sich zeitsparend,

günstig und komfortabel mit sicheren

Fahrzeugen fortbewegen. Zudem soll

die Schadstoff belastung in der Luft so

gering wie möglich sein.

88 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Umweltschutz

Wegweisende Lösungen von MAN

Mit dem Lion’s City Hybrid (s. Foto links)

entwickelte MAN einen Bus mit Hybridantrieb.

Diese Technologie speichert die

beim Bremsen entstehende Energie, die der

Bus nutzt, um rein elektrisch und nahezu

geräuschlos anzufahren. Dank dieser Technologie

verbraucht der Lion’s City Hybrid

bis zu 30 Prozent weniger Kraftstoff als ein

herkömmlicher Stadtbus.

Der mit Erdgas angetriebene MAN Lion’s

City CNG-Bus kann auch mit Biogas angetrieben

werden und stößt so bis zu 90 Prozent

weniger CO 2

-Emissionen aus als ein

dieselbetriebenes Fahrzeug.

Die wichtigste Maßnahme zur Verbesserung

der Lebensqualität in Städten

ist deshalb der Ausbau des öffentlichen

Personennahverkehrs (ÖPNV). Ein erster

Schritt ist der Auf bau eines emissionsarmen

und effizienten Busnetzes.

Denn Busse sind variabel einsetzbar und

insbesondere in Kombination mit umweltschonenden

Antriebstechnologien

eine der effizientesten und saubersten

Lösungen gegen Staus.

Wie Städte funktionieren

Immer mehr Städte setzen insbesondere

auf Schnellbussysteme, auch BRT-Systeme

genannt (Bus Rapid Transit). Diese fahren

in einer hohen Taktfrequenz und verfügen

über optimierte Zu- und Aussteigsysteme.

Durch weitere Vorteile wie separate

Busspuren, Ampelvorrangschaltung und

intelligente Verknüpfungen mit anderen

Verkehrsmitteln können BRT-Lösungen

das Vorankommen zur Hauptverkehrszeit

deutlich beschleunigen. Das entlastet

verstopfte Straßen – ganz ohne teuren

Neu- oder Ausbau des Schienenverkehrs.

Vorbilder weltweit

In der Studie „What Cities Want“ präsentiert MAN gemeinsam

mit der Technischen Universität München

Stadtplanungskonzepte. Dazu wurden 15 internationale

Metropolen über den Aufbau ihrer Infrastruktur sowie

über ihre Mobilitätskonzepte befragt, um herauszufinden,

wie sie mit den wachsenden Einwohnerzahlen und damit

einhergehenden Verkehrsanforderungen umgehen. Dabei

ist „What Cities Want“ nicht als repräsentative Studie

angelegt, sondern stellt die individuellen Lösungskonzepte

der verschiedenen Städte vor.

In der Studie „What Cities Want“ (siehe

Kasten) untersuchte MAN, wie moderne

Strategien für die Verkehrsplanung weltweit

aussehen. Der Ausbau des Busnetzes

ist in vielen Städten ein wichtiger Baustein

im Verkehrsnetz. Beispielsweise hat São

Paulo neben einem U- und S-Bahnnetz ein

System von Schnellbussen mit eigenen

Busspuren (BRT) aufgebaut, um Lärm,

Luftverschmutzung und Treibhausgasemissionen

zu senken. Zusätzlich soll der

rund 15.000 Fahrzeug starke Busfuhrpark

bis 2018 ausschließlich aus Bussen bestehen,

die mit erneuerbaren Energien wie

Biodiesel oder Ethanol betrieben werden.

Bis zum Jahr 2012 wurden bereits 2.500

Dieselfahrzeuge ersetzt. Die Reduktion der

CO 2

-Emissionen für das Jahr 2012 wird auf

rund 10.700 Tonnen pro Monat geschätzt.

Die Einwohner Münchens nutzen im

Berufsverkehr bereits für über 40 Prozent

der Wege öffentliche Transportmittel.

Grund dafür ist ein hervorragend ausgebautes

Netz des ÖPNV, in dem auch der

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Obwohl jede Stadt einmalig ist, sind die

Wirkmechanismen und Einflussfaktoren auf das System städtische Mobilität

vergleichbar. Verkehrs- und Stadtplaner können so an Stellschrauben wie

Sicherheitsempfinden oder Weglängen drehen und das Mobilitätssystem einer

Stadt entscheidend verbessern.

MAN Lion’s City Hybridbus eingesetzt

wird. Die bayrische Landeshauptstadt will

durch verschiedene Maßnahmen noch

mehr Menschen dazu animieren, auf Bus

und Bahn umzusteigen. Dafür werden

beispielsweise Buslinien beschleunigt

und eine Umweltzone für Pkw-Fahrer

in der Innenstadt eingerichtet.

Mobilität für alle

Die Verkehrsführung in Metropolen ist

komplex: Zahlreiche Komponenten und

Verkehrsteilnehmer müssen berücksichtigt

werden. Im Verbundprojekt UR:BAN

haben sich 30 Partner aus verschiedenen

Branchen, Forschungseinrichtungen

und Städten zusammengeschlossen, um

benutzergerechte Fahrerassistenz- und

Verkehrsmanagementsysteme für die

Stadt von morgen zu entwickeln. MAN

ist Teil dieser Forschungsinitiative, die

die vielen unterschiedlichen Rollen

des Menschen im Verkehrssystem als

Fahrer, Radfahrer oder Fußgänger untersucht.

Eines ist sicher: Ein schnelles

und komfortables Angebot des ÖPNV

nutzen Stadtbewohner auf der ganzen

Welt und lassen dafür ihr Auto öfter

stehen. Damit entsteht mehr Raum für

sichere Fußgänger- und Fahrradwege.

MAN treibt an

Die beiden globalen Megatrends Urbanisierung

und Klimawandel kommen

insbesondere in Metropolen zum Tragen.

Einige dieser Städte haben sich

ehrgeizige Klimaziele gesetzt: Die dänische

Hauptstadt Kopenhagen plant bis

2025 CO 2

-neutral zu sein; München will

seine Klima-Emissionen bis 2030 um

50 Prozent gegenüber 1990 reduzieren.

Städte übernehmen zunehmend selbst

Verantwortung und werden zu aktiven

Treibern im Klimaschutz.

„MAN antwortet auf diese Megatrends

mit Innovationen für die Mobilität in

Megacities – sowohl für den Güter- als

auch für den Personenverkehr“, erklärt

Jochen Schumm, Personalvorstand der

MAN SE und verantwortlich für Corporate

Responsibility. „Dafür müssen wir

jedoch verstehen, was die logistischen

Anforderungen der Städte sind und wie

das Mobilitätsverhalten der Menschen

ist.“ MAN forscht an den Lösungen von

morgen und bleibt so Treiber für zukunftsfähige

Strukturen.

globalcompact Deutschland 2013

89


Mediengruppe MACONDO

Projekt Togo – Klimaschutz

mit sozialem Mehrwert

Nicht vermeidbare CO 2

-Emissionen können durch Kompensationen in Klimaschutzprojekte

klimaneutral gestellt werden. Die Mediengruppe macondo nutzt dazu ein Projekt in Togo,

weil hier neben Umweltaspekten auch die nachhaltige Entwicklung der gesamten Region einbezogen

wird.

Von Dr. Elmer Lenzen

Für uns als Mediengruppe macondo ist

es eine Frage unseres bürgerschaftlichen

Selbstverständnisses und auch unserer

unternehmerischen Glaubwürdigkeit,

dass wir neben wirtschaftlichem Denken

auch die Interessen von Mensch und

Natur beachten. Unser Umweltschutzengagement

umfasst vor allem diese

drei Bereiche:

Ökostrom: Der Stromverbrauch der

Mediengruppe macondo speist sich zu

100 Prozent aus regenerativen Energien.

Das gilt sowohl für den Stromverbrauch

am Firmensitz als auch für den Energiebedarf

in unseren Rechenzentren.

Dadurch sind alle Online-Auftritte der

Mediengruppe macondo nachhaltig. Zudem

haben wir darauf geachtet, dass

die Angaben unserer Energiepartner

TÜV-zertifiziert sind.

Nachhaltiger Papierverbrauch: Bereits seit

2006 wird bei allen hauseigenen Publikationen,

aber auch beim alltäglichen

Papierverbrauch im Büro ausschließlich

Recycling-Papier oder FSC-zertifiziertes

Papier genutzt.

Klimaneutraler Druck: Nicht alle Emissionen

können vermieden werden. Aber

sie können dann zumindest kompensiert

werden. Alle unsere hauseigenen

Verlagsprodukte werden zu 100 Prozent

klimaneutral produziert. Sie sind mit

dem Gold Standard zertifiziert und bieten

höchste Sicherheit und Glaubwürdigkeit.

1.000 Hektar Wald als CO 2

-Speicher

Ein solches Klimakompensations-Projekt

ist das „Projekt Togo“. Das besondere an

diesem Projekt ist, dass es die tatsächliche

CO 2

-Bindung durch die Aufforstung

einer 1.000 ha großen Naturschutzzone

mit lokalem entwicklungspolitischem

Engagement in den Bereichen Energie,

Wasser, Gesundheit, Bildung und Soziales

verbindet. Initiator des Projekt

Togo ist natureOffice, ein Anbieter, der

sich auf die Kompensation von CO 2

-

90 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Umweltschutz

Emissionen spezialisiert hat. Fachkundiger

Partner und verantwortlich für die

Durchführung vor Ort ist die renommierte

französische NGO „Action Durable“.

Andreas Weckwert, Geschäftsführer von

natureOffice, sagt: „Ein Klimaschutzprojekt

muss mehr leisten, als die Atmosphäre

schützen. Um nachhaltig zu

wirken, muss es auch für die Menschen

da sein. Projekt Togo engagiert sich für

Umwelt und Klima ebenso wie für die

Bevölkerung: Es verbessert die Lebensbedingungen

in der Arbeitsregion und

bietet den Käufern von Klimazertifikaten

Transparenz in allen Projektphasen.“

Die Mediengruppe macondo unterstützt

das Projekt Togo seit 2010 finanziell im

Rahmen der Klimaneutralstellung ihrer

Druckerzeugnisse im Geschäftsbereich

Verlag.

Ausschlaggebend für die Wahl dieses

Projektes war für uns der ganzheitliche

klima- und entwicklungspolitische

Ansatz sowie die Zertifizierung der Leistungen

nach derzeit höchstem Standard.

So erfüllt das Projekt Togo sowohl den

Gold Standard als auch den CarbonFix

Standard. Damit wird sichergestellt,

dass die berechnete CO 2

-Bindung auch

tatsächlich stattfindet und ebenso die

Zusatzkriterien verbindlich eingehalten

werden. Die Standards orientieren

sich hierbei an den Richtlinien des Kyoto

Protokolls. Um Risikofaktoren wie

Waldbrände oder Schädlingsbefall hinreichend

abzusichern, verpflichtet sich

natureOffice außerdem, 30 Prozent der

generierten CO 2

-Zertifikate in einen Sicherungsfond

zu leiten. Die Überprüfung

der sachgemäßen Umsetzung erfolgt

durch den TÜV Süd. Das Klimaschutzprojekt

hat eine Laufzeit von 30 Jahren

und wird gemeinsam mit der lokalen

Bevölkerung umgesetzt. Aktuell befindet

sich das Projekt in der Prävalidierung.

Im Rahmen des Klimaschutzprojektes

werden 1.000 ha reine Naturschutzzone

wieder aufgeforstet. Dabei werden

bisher ungenutzte Brachflächen, die

früher schon einmal bewaldet waren,

mit einheimischen Baumarten wie dem

Gmelin, Neem, Anakardium und Famboyant

aufgeforstet. Voraussetzung ist,

dass die Brachflächen bereits vor Jahrzehnten

abgeholzt wurden, um nicht die

Zerstörung intakter Baumbestände zu

finanzieren. Die Pflanzung der Stecklinge

erfolgt nach einem Plan, um Erosionsschäden

zu verringern, das Mikroklima

zu verbessern und Schutzräume für die

Tierwelt zu schaffen. Nach dem Aufbau

der Baumschulen und der Pflanzung

der Bäume wird das Areal durch ausgebildete

Forstmitarbeiter überwacht. Zu

deren Aufgabe zählt unter anderem die

Wachstumsüberwachung, die Dokumentation

von Schädlings- und Krankheitsbefall

sowie deren Beseitigung. Derzeit

arbeitet das Projekt in der Region Argu

in der Ortschaften Fokpo. Abuzokope

in der Nähe von Agotimé wird gerade

aufgebaut. In 2014 sollen weitere Flächen

im Norden (Kara) hinzu kommen.

Projekt Togo soll sich – wie der Name

schon sagt – auf ganz Togo ausweiten

und die Entwicklung im gesamten Land

unterstützen. „Vorrangig werden soziale

Projekte in Regionen durchgeführt, die

an der Aufforstung beteiligt sind,“ heißt

es dazu bei natureOffice.

Nachhaltigkeit in fünf

Handlungsfeldern

Langfristig bietet das Projekt Togo den

Bewohnern vor Ort nur eine limitierte

Anzahl an Arbeitsplätzen. Zum Beispiel

beim Anpflanzen der Bäume und später

im Rahmen der fortwirtschaftlichen

Überwachung. Um die Region darüber

hinaus zu entwickeln, prüfen die Projektverantwortlichen

verschiedene Ansätze

zur Schaffung von Arbeitsplätzen – vor

allem in der Landwirtschaft – sowie

zum Ausbau der Infrastruktur in den

Bereichen Wasser, Bildung, Energie und

Gesundheit. Ziel ist es, eine nachhaltige

Entwicklung in fünf Handlungsfeldern

anzustoßen:

Verkehrsanbindung: Um weitere Arbeitsplätze

zu schaffen und die lokale Wirtschaft

anzukurbeln, wird die Verbindungsstraße

von Fokpo nach Kyalimér

ausgebaut.

Energieversorgung: In Fokpo gibt es keinen

Strom. Dabei wird dieser dringend

benötigt, u.a. für die Schule und für

den Betrieb einer Elektropumpe für den

Brunnen. Dazu sollen zunächst an verschiedenen

Punkten im Dorf Solarzellen

installiert werden.

Bildung: Im Rahmen des Projektes entsteht

daher nun ein neues Schulgebäude

mit drei Klassenzimmern und einer

ausreichend großen Toilettenanlage.

Gesundheit: Bau eines Gesundheitszentrums,

um ca. 500 Personen medizinisch

zu betreuen.

Wasserversorgung: In der Ortschaft Dany

Gaby beispielsweise leben mehr als

1.200 Menschen ohne direkten Wasseranschluss.

Das Projekt Togo sorgt dafür,

dass die Menschen dort künftig ihren

eigenen Brunnen haben.

globalcompact Deutschland 2013

91


WEIDMÜLLER

Die Produktionshalle

als „Passivhaus“

Von Klaus Hübscher

Nicht nur bei den Produkten und Lösungen von Weidmüller wird Wert auf höchste Energieeffizienz

und Ressourcenschonung gelegt. Auch in den eigenen Produktionsprozessen und bei

der Infrastruktur der Gebäude und Querschnittstechnologien setzt der Elektrotechnikspezialist

mit Hauptsitz in Detmold auf Nachhaltigkeit. Denn Energieeffizienz beginnt weit vor der

Steckdose.

Energie- und Ressourceneffizienz sind

bei Weidmüller nicht dem aktuellen

Zeitgeist geschuldet, sondern seit vier

Jahrzehnten gelebte Praxis: „Wir sind

uns unserer Verpflichtung und Verantwortung

gegenüber den nachfolgenden

Generationen bewusst“, so Vorstandssprecher

Dr. Peter Köhler. „Dieses beeinflusst

seit vielen Jahren unser unternehmerisches

Handeln auf allen Ebenen,

von der Inhaberfamilie über Vorstand

und Führungskräfte bis hin zu den Kolleginnen

und Kollegen in Verwaltung

und Produktion.“

Auch in der eigenen Produktion hat

Weidmüller hohe Ansprüche an die

Nachhaltigkeit. Was in den 70er-Jahren

mit ersten Lärmschutzmaßnahmen in

Stanzerei und Montage begann, wurde

seither konsequent weiterentwickelt:

Wärmerückgewinnungssysteme, Druckluftverbundsteuerungen,

elektronische

Vorschaltgeräte, aber auch ein feingliedriges

Umweltmanagement bis hin zur

strukturierten Abfallsortierung und vieles

mehr sind bei Weidmüller seit langer Zeit

Standard. So hat Weidmüller bereits Ende

der 1990er Jahre für alle Betriebsstätten

am Standort Detmold eine flächendeckende

Gebäudeleittechnik (GLT) installiert.

Über diese können Haustechnik wie Heizungen,

Lüftungen usw. bedarfsgerecht

und damit energieeffizient gesteuert werden.

Seit 2009 hat das Unternehmen ein

technisches Energiemanagement-System

(EnMS) konsequent auf- und ausgebaut,

um Energieflüsse und -verbräuche (z. B.

Strom, Wärme, Kälte und Druckluft) zu

dokumentieren. Ein Aufwand, der sich

lohnt: „Mit jedem Schritt, den wir in Richtung

Energieeffizienz in der Produktion

unternommen haben, haben wir dazu

gelernt“, erläutert Köhler. „Diese Erfahrungen

und Erkenntnisse wurden auch

bei der Planung und Realisierung der

neuen Produktionshalle ‚Niemeierstraße‘

berücksichtigt.“

Der Neubau der Produktionshalle „Niemeierstraße“

wurde ohne eigenständige

Heizungsanlage konzipiert: „Als Wärmequellen

dient die Abwärme der Produktionsmaschinen,

der Kompressoren

und der Kälteanlage“, erklärt Helene

Derksen-Riesen, Leiterin internationales

Gebäude- und Energiemanagement

bei Weidmüller. „In bestimmten Fällen,

z. B. in produktionsfreien Zeiten, kann

die Halle bei Bedarf über die Heizungsanlage

eines Nachbargebäudes grundversorgt

werden.“ Der Bau der neuen

Produktionshalle wurde auf Basis der

aktuellen Energieeinsparverordnung

geplant und im Frühjahr 2011 fertig gestellt.

„Nach der Energieeinsparverordnung

darf die Halle pro Quadratmeter

403 kWh Energie im Jahr verbrauchen“,

so Derksen-Riesen. „Laut ausgestelltem

Energieausweis benötigt sie lediglich

187 kWh / m 2 pro Jahr.“ Möglich machen

dies zusätzlich eingesetzte moderne Baustoffe,

abgestimmte Bodenisolierungen so-

92 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Umweltschutz

wie effiziente Lichtbänder und gedämmte

Fenster. Durch die zusätzliche Nutzung

der Abwärme der Produktionsmaschinen,

Kompressoranlage und Kältemaschine

wurde 2012 sogar ein Verbrauchswert

von nur 22 kWh pro Quadratmeter und

Jahr erreicht: „Gegenüber der Energieeinsparverordnung,

die schon sehr hohe

Anforderung an die Effizienz stellt, entspricht

dies eine Unterschreitung des

gesetzlich zulässigen Energieverbrauchs

um 94 Prozent“, erklärt Derksen-Riesen

stolz. „Jährlich werden allein durch diese

Maßnahme 838 Tonnen CO 2

eingespart.“

Die Einsparung entspricht dem CO 2

-Ausstoß

von rund 320 Mittelklasse-Pkw. „In

Frühling und Herbst wird außerdem auch

ein angeschlossenes Produktions- und

Verwaltungsgebäude über die Abwärme

der Produktionsmaschinen mitversorgt“,

berichtet Derksen-Riesen.

Weitere Maßnahmen ergänzen die Energieeffizienz

der Produktionshalle: Im

Freibereich werden die Fahrrampen für

Gabelstapler und Lkw in den Wintermonaten

mittels Warmwasser aus dem

Wärmerückgewinnungssystem eisfrei

gehalten. In der Vergangenheit wurden

solche Systeme elektrisch betrieben, ein

bis zu doppelter CO 2

-Ausstoß war die

Folge. Um die Verluste von Transformatoren

und Stromleitungen zu reduzieren,

wurden Effizienztransformatoren

eingesetzt, zusätzlich wurden die

Standorte der Transformatoren in die

direkte Nähe zu den Stromverbrauchern

versetzt. Dadurch konnten verlustreiche

Niederspannungs-Leitungen verkürzt

und verlustärmere Mittelspannungskabel

verlängert werden. Hieraus ergibt sich

eine weitere Verbrauchsreduzierung zwischen

drei und fünf Prozent: „Bei allen

verbauten technischen Komponenten

wie Motoren, Pumpen, Ventilatoren oder

der Beleuchtung wurden moderne energieeffiziente

Komponenten eingesetzt“,

weiß Derksen-Riesen zu berichten. „Das

Gesamtpakt ‚Strom‘ schafft damit eine

Einsparung von ca. 730.000 kWh pro

Jahr, was zusätzlichen 365 Tonnen CO 2

gegenüber der konventionellen Bauweise

und Einrichtung entspricht.“

Bei Weidmüller ist man stolz auf das

bisher Geleistete und nicht nur dort: Im

Frühjahr 2013 wurde das Unternehmen

von Bundeswirtschaftsminister Philipp

Rösler und Bundesumweltminister Peter

Altmaier als „Klimaschutzunternehmen“

ausgezeichnet. In Sachen Energieeffizienz

beschreitet Weidmüller den Weg auch

zukünftig konsequent weiter: „Aktuell

arbeiten wir am Ausbau der Verbrauchserfassung

bei den Produktionsmaschinen

bis in kleinste Ebenen“, so Derksen-Riesen.

„Ziel ist die Ermittlung der Verbrauchswerte

einzelner Maschinen, um in Zukunft

unsere Prozesse energetisch noch effizienter

gestalten zu können.“ Hierfür wurde

mit dem Weidmüller „Power Monitor“

eigens ein Messgerät entwickelt und auf

den Markt gebracht, das aktuell bereits

in der eigenen Produktion mit großem

Erfolg eingesetzt wird.

Mit Blick auf einen nachhaltigen Austausch

teilt Weidmüller sein Wissen,

seine Erfahrungen und seine Lösungen

auch mit anderen Unternehmen

und engagiert sich seit vielen Jahren

in unterschiedlichen Netzwerken. Die

Produktionshalle als „Passivhaus“ ist für

Weidmüller aktuell das größte realisierte

Energieeffizienz- bzw. Klimaschutz-Einzelprojekt

mit der höchsten CO 2

-Einsparung

pro Jahr. Trotzdem ist dieses Projekt

nur ein Baustein der übergeordneten

Nachhaltigkeitsstrategie: „Die Halle wird

von Weidmüller ausdrücklich nicht als

Leuchtturm-Projekt angesehen, sondern

ist ein Teilbereich des Gesamtpakets

unserer Nachhaltigkeitsstrategie“, erklärt

Dr. Peter Köhler. „Eingesetzt wurden

ausschließlich Komponenten, die hocheffizient,

aber dennoch schon heute

Stand der Technik sind. Bei Planung und

Umsetzung wurde Wert auf die sofortig

Reproduzierbarkeit aller Maßnahmen

gelegt.“ Damit schafft Weidmüller Lösungen,

die auch anderen Unternehmen

helfen, ihre Produktion energieeffizient

aufzustellen, und agiert somit gleich im

doppelten Sinne nachhaltig.

Für Dr. Peter Köhler, Vorstandssprecher,

ist die Halle Teil des Gesamtpakets der

Nachhaltigkeitsstrategie von Weidmüller.

globalcompact Deutschland 2013

93


METRO GROUP

Korruptionsprävention

in der METRO GROUP

Innerhalb der METRO GROUP ist grundsätzlich jede Form von Korruption verboten. Dies gilt für

die Anbahnung, Begründung oder Pflege von Geschäftsbeziehungen ebenso wie für den Umgang

mit Amtspersonen. Um die Einhaltung der Grundsätze von Rechtstreue, Integrität und Transparenz

im Verhältnis zu einer Vielzahl von Geschäftspartnern und Amtspersonen zu gewährleisten,

hat das Unternehmen in erster Linie Maßnahmen zur Vorbeugung von Korruption entwickelt.

Darüber hinaus unterstreicht die Unternehmensführung die hohe Bedeutung des Themas regelmäßig

durch klare Botschaften. Zuletzt hat Olaf Koch, CEO der METRO GROUP, anlässlich des

„Compliance Day 2013“ in einer Videobotschaft an die Mitarbeiter erneut hervorgehoben, dass

Compliance fester Teil der Unternehmensstrategie ist.

Von Dr. Dirk Christoph Schautes

Um die Mitarbeiter bei der Einhaltung

dieser Regeln zu unterstützen, wurde ein

konzernweites Compliance Management

System etabliert. Allen Mitarbeitern, die

im Rahmen ihrer täglichen Arbeit mit

Amtspersonen oder Geschäftspartnern

umgehen, wurden hierfür spezifische

Anti-Korruptions-Richtlinien an die Hand

gegeben. Diese Richtlinien bauen auf die

bereits seit 2006 geltenden Geschäftsgrundsätze

der METRO GROUP auf. Ergänzt

werden diese Regelungen durch die

Spenden & Sponsoring-Richtlinie sowie

die Richtlinie zur Beauftragung externer

Berater, welche konzernweit gültig und

für jeden Mitarbeiter verbindlich sind.

Bei einem international agierenden Handelskonzern

wie der METRO GROUP stellt

sich außerdem die Herausforderung, die

kulturellen Besonderheiten der lokalen

Märkte angemessen zu reflektieren. Die

Anti-Korruptions-Richtlinien öffnen sich

daher dem jeweils geltenden lokalen

Recht und den lokalen Gepflogenheiten

an den internationalen Konzernstandorten.

So ist das Gewähren oder Empfangen

von Geschenken oder Einladungen

durch oder von Mitarbeitern der METRO

GROUP beispielsweise nur dann zulässig,

wenn diese angemessen, bargeldlos

und von geringem Wert sind sowie

dem jeweiligen lokalen Recht und den

lokalen Gepflogenheiten entsprechen.

Verantwortlich für die Sicherstellung von

Compliance ist jeweils die Geschäftsführung

einer Konzerngesellschaft. Zu dieser

Verantwortung gehört auch, in begründeten

und dokumentierten Entscheidungen

die weiteren vorbeugenden Maßnahmen

der Anti-Korruptions-Richtlinien auf die

lokale Risikosituation anzupassen und

umzusetzen.

Damit die Mitarbeiter die Anforderungen

erfüllen können, werden verschiedene

Schulungs- und Kommunikationsformate

genutzt, welche die Geschäftsgrundsätze

und Unternehmensrichtlinien

anschaulich erläutern. Darüber hinaus

unterstützen lokale Compliance Officer

94 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Anti-Korruption

die Mitarbeiter mit verpflichtenden

Schulungen und Beratungen dabei, die

Richtlinien und Standards sowie die daraus

resultierenden Pflichten zu erfüllen.

Insgesamt wurden bis Ende 2012 bereits

über 10.000 Mitarbeiter konzernweit

im Rahmen von Präsentationstrainings

geschult. Unterstützend wirkt seit Ende

2012 eine international eingesetzte

E-Training-Plattform, welche computergestützte

Schulungen ermöglicht.

Um die Themen Compliance und Korruptionsprävention

im Bewusstsein der

Mitarbeiter präsent zu halten und sie

für die mit Verstößen verbundenen Risiken

zu sensibilisieren, wird jährlich

ein konzernweiter “Compliance Day“

organisiert. Dieser Tag dient vor allem

dazu, das Verantwortungsbewusstsein

der Führungskräfte und Mitarbeiter

mit interaktiven Formaten zu stärken.

Zusätzlich erhalten die Mitarbeiter regelmäßig

den unternehmensinternen

Compliance-Newsletter “Right!“.

Im Umgang mit Geschäftspartnern

wurden Standards eingeführt, welche

Transparenz fördern und Bestechlichkeit

und Vorteilsnahme vorbeugen. So

soll die Geschäftsführung jeder MET-

RO GROUP Gesellschaft sicherstellen,

dass standardisierte Ausschreibungsverfahren

durchgeführt werden, bevor

eine Geschäftsbeziehung zu einem

Geschäftspartner begründet wird oder

bestehende Geschäftsbeziehungen ausgebaut

werden. Teil dieses Verfahrens

ist die Durchführung eines Compliance

Checks des Geschäftspartners, welcher

auf einer Selbstauskunft basiert. In

definierten Risikobereichen ist diese

Überprüfung verpflichtend. Treten bei

der Beantwortung der Fragen Unregelmäßigkeiten

auf oder werden relevante

Fragen nicht beantwortet, ist der

METRO-Mitarbeiter angehalten, diese

Unregelmäßigkeiten seinem Vorgesetzten

und dem zuständigen Compliance

Officer anzuzeigen. Weiterhin ist zu

entscheiden, ob trotz der Bedenken

eine Geschäftsbeziehung begründet

werden kann, etwa weil fehlende Informationen

anderweitig beschafft und

Bedenken ausgeräumt werden können.

In Fällen, in denen Bedenken nicht ausgeräumt

werden können, beispielsweise

weil der Eigentümer der Gesellschaft

nicht offen gelegt wird, werden auch

bereits bestehende Geschäftsbeziehungen

beendet.

Damit die Anti-Korruptions-Verpflichtung

in jeder Vertragsbeziehung zu einem

Geschäftspartner berücksichtigt

wird, muss die Geschäftsführung jeder

Konzerngesellschaft sicherstellen, dass

in den entsprechenden Verträgen eine

standardisierte Anti-Korruptions-Klausel

enthalten ist. Diese begründet auch ein

Kündigungsrecht für den Fall, dass hiergegen

verstoßen wird.

Für tendenziell korruptionsanfällige

Geschäftsbereiche sind die Geschäftsführungen

der Konzerngesellschaften

angehalten, ein internes System für

regelmäßige Arbeitsplatzwechsel („Job

Rotation“) einzuführen. In verschiedenen

Landesgesellschaften werden solche

Job Rotationen bereits systematisch

durchgeführt, wie etwa in der Einkaufsorganisation

von METRO Cash & Carry

in China.

Aufgrund der anders gelagerten Risikolage

unterscheiden sich die Standards,

die im Kontakt zu Amtspersonen einzuhalten

sind, von den Anforderungen

im Umgang mit Geschäftspartnern. Daher

wird zunächst die Gruppe der Führungskräfte

und Mitarbeiter innerhalb

der einzelnen Konzerngesellschaften,

die berechtigt sind, die Gesellschaft gegenüber

Amtspersonen zu vertreten,

klar begrenzt. Dies gilt nicht nur für

die Hauptverwaltung, sondern auch

für die Märkte. Nach dem Vier-Augen-

Prinzip ist zudem vorgesehen, dass für

den Geschäftskontakt mit Amtspersonen

ein weiterer Berechtigter aus dem

Unternehmen hinzugezogen wird. Bei

besonders risikoreichen Vorhaben, wie

dem Einsatz von externen Beratern oder

der Begründung eines Joint Ventures mit

einem lokalen Partner, ist außerdem

stets der zuständige Compliance Officer

einzubinden.

Maßgeblich für den Erfolg der Bemühungen

zur Korruptionsprävention ist

grundsätzlich ein positives Geschäftsumfeld.

Ein solches wird unter anderem

durch so genannte “collective action“-

Initiativen, wie die von Bundesregierung

und Wirtschaft angestoßene “Alliance

for Integrity“, eingefordert und unterstützt.

Die „Alliance for Integrity“, die

von der Deutschen Gesellschaft für Internationale

Zusammenarbeit (GIZ), dem

UN Global Compact Netzwerk als auch

von zahlreichen international tätigen

deutschen und indischen Wirtschaftsunternehmen

getragen wird, tritt für

saubere Geschäftspraktiken und einen

fairen Wettbewerb ein. Pilotland der

Initiative ist Indien. Auch die METRO

GROUP unterstützt und gestaltet die

Initiative mit.

In Indien werden nach der Auftaktkonferenz

im November 2013 unter anderem

Schulungsmaßnahmen für kleine

und mittelständische Unternehmen zu

Compliance und Korruptionsprävention

erarbeitet, um auf diese Weise an der

kontinuierlichen Weiterentwicklung

der Compliance Kultur in Staat und Unternehmen

mitzuwirken.

globalcompact Deutschland 2013

95


Good Practice

Darüber hinaus verfolgt der Global Compact

zwei sich ergänzende Ziele:

96 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

CSR Management

98

100

102

104

106

108

BASF

DAW

Deutsche Bahn

Deutsche Telekom

EY

Forest Carbon Group

Entwicklung & Partnerschaft

110

HOCHTIEF

1) Die zehn Prinzipien sollen zu einer Selbstverständlichkeit

innerhalb von Geschäftstätigkeiten auf der ganzen Welt

werden.

2) Entwicklung von Maßnahmen zur Unterstützung darüber

hinausgehender UN-Ziele wie etwa die Millenniums-

Entwicklungsziele (MDGs)

globalcompact Deutschland 2013

97


BASF

Kooperation zwischen

BASF und European Water

Partnership zu nachhaltigem

Wassermanagement

Wasser ist eine unentbehrliche Ressource für die Menschheit genauso wie für die chemische

Industrie. BASF setzt Wasser als Kühl-, Löse- und Reinigungsmittel sowie als Bestandteil von

Produkten ein. Auf der anderen Seite bietet BASF ihren Kunden Lösungen an, die dabei helfen,

Wasser zu reinigen, effizienter zu nutzen und Verschmutzungen zu verringern. Um diese

Lösungen weiterzuentwickeln, arbeitet BASF eng mit verschiedenen Fachkreisen zusammen.

Der nachhaltige Umgang mit Wasser ist hierbei von besonderer Bedeutung.

Von Dr. Brigitte Dittrich-Krämer und Dr. Andrea Stögbauer

Neue Chancen können sich durch den

Austausch und Partnerschaften zwischen

Unternehmen und privaten Organisationen

ergeben. Sie treiben das Thema

Wasser im Hinblick auf Nachhaltigkeit

voran.

BASF nimmt aktive Rolle bei Wasser-

Partnerschaft ein

Seit 2008 kooperiert BASF mit European

Water Partnership (EWP). Die 2006 auf

Initiative der EU-Kommission gegründete

unabhängige Organisation setzt sich für

den nachhaltigen Umgang mit Wasser

ein. Im Sinne des partnerschaftlichen

Ansatzes arbeiteten Wasserexperten der

BASF sowie andere Vertreter aus Wirtschaft,

Politik und Nichtregierungsorganisationen

an der Entwicklung eines

europaweiten Standards, der Grundlagen

und Kriterien für ein nachhaltiges Wassermanagement

definiert. Das Ergebnis

ist der European Water-Stewardship-

(EWS)-Standard, mit dem sowohl Unternehmen

verschiedener Sektoren als

auch landwirtschaftliche Betriebe prüfen

können, wie nachhaltig ihr Umgang mit

der Ressource Wasser ist.

Industrie und Landwirtschaft können

ihren Umgang mit Wasser nun nach den

Kriterien Entnahmemenge, Wasserverschmutzung,

Schutz der biologischen

Artenvielfalt sowie operatives Wassermanagement

überprüfen und verbessern.

BASF testete den EWS-Standard im Jahr

2010 in einem sechsmonatigen Pilotversuch

an ihrem größten Standort in

Ludwigshafen und machte Vorschläge

zu dessen Verbesserung. Im November

2011 fiel unter Anwesenheit von Janez

Potočnik, EU-Kommissar für Umwelt, in

Brüssel der offizielle Startschuss für den

EWS-Standard.

Die Anwendung des EWS-Standards

bringt Unternehmen zahlreiche Vorteile.

Sie erhalten ein klares Bild ihres Wassermanagements,

indem Risiken identifiziert

werden – beispielsweise die Abhängigkeit

von einer einzelnen begrenzten Wasserressource

– und Verbesserungsmöglichkeiten

aufgezeigt werden. Der EWS-Standard

umfasst 50 Kriterien, die den vier

Prinzipien nachhaltige Wasserentnahme,

Sicherung einer hohen Wasserqualität,

Erhalt von Naturschutzgebieten und

verantwortungsvollem Wassermanagement

zugeordnet sind. Ein wesentlicher

Aspekt des EWS-Standards ist der Blick

über die eigenen Werkgrenzen hinaus.

Durch das Einbeziehen anderer Nutzer

und die Verbreitung des nachhaltigen

Wassermanagements kann eine größere

Wirkung zugunsten des Wasserschutzes

erreicht werden.

Nachhaltiges Wassermanagement

als Ziel

BASF hat sich das Ziel gesetzt, bis 2020

nachhaltiges Wassermanagement an

ihren Produktionsstandorten in Wasserstressgebieten

einzuführen. Dies sind

Gebiete, in denen mehr als 60 Prozent

des verfügbaren Wassers von Menschen

entnommen wird. Jeder fünfte Produktionsstandort

der BASF liegt in einem

98 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

CSR Management

Wasserverfügbarkeit und Wassernutzung weltweit

4.740 m 3

Durchschnittliche

Wasserverfügbarkeit

pro Person und Jahr

in Europa

13.400 m 3

Durchschnittliche

Wasserverfügbarkeit

pro Person und Jahr

in den USA und in Mexico

2.470 m 3

Durchschnittliche

Wasserverfügbarkeit

pro Person und Jahr

in der Karibik

2.970 m 3

Durchschnittliche

Wasserverfügbarkeit

pro Person und Jahr

in Asien-Pazifik

7.200 m 3

Durchschnittliche

Wasserverfügbarkeit

pro Person und Jahr

in Lateinamerika

1.000 m 3

Durchschnittliche

Wasserverfügbarkeit

pro Person und Jahr

in Subsahara-Afrika

500 m 3

Durchschnittliche

Wasserverfügbarkeit

pro Person und Jahr

in der arabischen Welt

Gesamte Wassernutzung

Gebiete mit hohem Wasserstress

Was sind Wasserstressgebiete?

Wasserstressgebiete sind Gebiete, in denen

Wasser eine knappe Ressource darstellt und

mehr als 60 Prozent des verfügbaren Wassers

von Menschen entnommen wird. Die wichtigsten

Einflussgrößen, die zu Wasserknappheit führen,

sind: geringe Niederschläge, hohe Temperaturen,

geringe Luftfeuchtigkeit, ungünstige Bodeneigenschaften

oder auch eine hohe Wasserentnahme.

Gesamte Wassernutzung pro Land

Maßstab der Grafik

761.000 Millionen m 3 / Jahr

427.000 Millionen m 3 / Jahr

189.000 Millionen m 3 / Jahr

46.000 Millionen m 3 / Jahr

< 1.000 Millionen m 3 / Jahr

1.150 m 3

Durchschnittliche

Wasserverfügbarkeit

pro Person und Jahr

in Australien

Quellen: www.unwater.org; Gebiete mit hohem Wasserstress, verändert nach: Pfister et al., 2009; UNESCO, United Nations World Water Development Report – Water for People, Water for Life, 2003;

FAO, Wasserverfügbarkeit nach Region, Aquastat, 2013

Wasserstressgebiet. Der EWS-Standard

bildet die Basis zur Überprüfung und

liefert konkrete Ansatzpunkte, wenn

eine Anpassung des vorhandenen Wassermanagements

nötig sein sollte.

Weitere Wasserziele der BASF betreffen

die Reduktion des Trinkwasserverbrauchs

und die Senkung der Emissionen in das

Wasser an den Produktionsstandorten

weltweit. Im Vergleich zum Basisjahr

2010 konnte der Trinkwasserverbrauch

um 23,2 Prozent vermindert werden. Die

Emissionen organischer Stoffe konnten

zwischen 2002 und 2012 um 76,4 Prozent,

von Stickstoff um 87,3 Prozent und

von Schwermetallen um 56,8 Prozent

gesenkt werden.

Erster Chemiestandort zertifiziert

Der spanische BASF-Produktionsstandort

Tarragona zeigt, wie der bewusste Umgang

mit Wasser funktionieren kann. Auf

Grund einer exponierten Lage in einem

Wasserstressgebiet hatte sich Tarragona

als erster Standort für eine Anwendung

des EWS-Standards entschieden. Experten

erhoben Daten zu Wasserentnahme und

-abgabe sowie zur Wasserqualität am

Standort und in der Umgebung. Hierbei

stellten sie zahlreiche Fragen: Aus welchen

Quellen stammt das Wasser? Welche

Wassermengen benötigt die Produktion?

Wohin fließt es nach der Reinigung in

der eigenen Kläranlage? Gibt es negative

Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel

oder auf nahegelegene Schutzgebiete?

Das Werk in Tarragona verwendet für die

Produktion auch auf bereitetes Wasser

aus der kommunalen Kläranlage. Durch

diese Zweitverwertung verringert sich die

Entnahmemenge aus Fluss, Grundwasser

und Meer. Investitionen in geschlossene

Kühlkreisläufe und die Verwertung des

Dampfkondensats reduzieren den Wasserbedarf.

Zudem verfügt Tarragona über

eine umfassende Überwachung der Wasserqualität

im eigenen Kläranlagenablauf.

Als Anerkennung dieses nachhaltigen

Wasseransatzes erhielt BASF im Mai

2013 für den Standort Tarragona als erstes

Chemieunternehmen überhaupt das

Gold-Zertifikat gemäß dem European

Water-Stewardship-Standard. Die Prüfer

der unabhängigen Kontrollstelle

TÜV Nord Integra haben hierzu das

gesamte Wassermanagement des Standorts

betrachtet – von der Wasserentnahme

an der Quelle bis zur Abgabe ins

Meer.

Der kooperativ entwickelte EWS-Standard

zeigt, wie mit der lebensnotwendigen

Ressource Wasser sozial und wirtschaftlich

sowie ökologisch vorteilhaft

umgegangen werden kann. Mit der Einführung

eines nachhaltigen Wassermanagements

leistet BASF hier gleichzeitig

einen wichtigen Beitrag zu ihrem Unternehmenszweck

„We create chemistry for

a sustainable future“ – übertragen ins

Deutsche: Chemie, die verbindet – für

eine nachhaltige Zukunft.

globalcompact Deutschland 2013

99


DAW

Farbenfroh und innovativ

Der Schutz des Klimas hat sich zu einem zentralen Thema in der Bau- und Immobilienbranche

entwickelt, denn Gebäude sind für 40 Prozent des globalen Energieverbrauches und damit über

ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Als Europas größter privater

Hersteller von Baufarben und Lacken, Wärmedämm-Verbundsystemen und Bautenschutzprodukten

eröffnet sich für die DAW SE hier ein breites Wirkungsfeld. Zu dem inhabergeführten

Familienunternehmen, dem es in seiner 118-jährigen Firmengeschichte immer wieder gelang,

zukunftsorientierte Maßstäbe zu setzen, gehören so bekannte Marken wie Caparol und Alpina.

Von Bettina Klump-Bickert

Die DAW SE haben sich zum Ziel gesetzt,

in puncto Nachhaltigkeit eine

Vorreiterrolle innerhalb der Branche

einzunehmen. Dementsprechend hat

das Thema im Unternehmen eine hohe

Bedeutung und eine lange Tradition.

Seit der Unternehmensgründung 1895

konzentrieren sich die DAW auf die Erforschung,

Herstellung und Vermarktung

qualitativ hochwertiger und innovativer

Beschichtungssysteme, die heute für

Themen wie Umweltschutz, Wohngesundheit,

Energieeffizienz und Werterhaltung

stehen. Doch auch im eigenen

Unternehmen übernimmt die DAW SE

Verantwortung für Nachhaltigkeit.

Neubau der DAW-Firmenzentrale:

DGNB Vorzertifikat in Silber

Der in der Planung befindliche Neubau

der DAW-Firmenzentrale in Ober-Ramstadt

ist für seinen hohen ökologischen

Standard von der Deutschen Gesellschaft

für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit dem

Vorzertifikat in Silber ausgezeichnet

worden.

Der bewusst nachhaltig gestaltete Neubau

mit der anschließenden Sanierung

des bestehenden Verwaltungsgebäudes

ist daher auch Ausdruck der seit langem

gelebten, umweltorientierten Unternehmensphilosophie

und ein Leuchtturm-

Projekt im Nachhaltigkeitsbereich der

DAW. Besonderer Wert wird auf die

ökologische Qualität gelegt, zum Beispiel

durch den Einsatz nachwachsender

Rohstoffe und die Reduzierung der Grauen

Energie. Die wichtigsten Nachhaltigkeitsaspekte

sind die Unterschreitung des

Primärenergiebedarfs von 20 Prozent gegenüber

der Energieeinsparverordnung

(EnEV) 2009 durch Nutzung von Erdwärme,

bewusste Auswahl emissionsarmer

Materialien und hohen thermischen

Komfort mit Bauteilaktivierung. Hinzu

kommen Randzonenregulierung und

Kühlsegel sowie eine attraktive Vielfalt

im Außenbereich mit Dachbegrünung

und Wasserflächen.

DAW Nachhaltigkeitsstrategie

Nachhaltigkeit ist bei der DAW ein integrierter

Bestandteil der Unternehmensphilosophie,

die durch eine klare Strategie

gelebt wird. Die DAW Nachhaltigkeitsstrategie

umfasst drei Handlungsfelder:

• Nachhaltiges Unternehmen

• Nachhaltige Produkte

• Nachhaltige Gebäude

Das erste Handlungsfeld ‚Nachhaltiges

Unternehmen‘ zielt darauf ab, das Unternehmen

auf eine zukunftsverträgliche

Art und Weise zu managen. Dies

betrifft vor allem die Bereiche Einkauf,

Forschung und Entwicklung, Arbeitssicherheit,

Personal, das Integrierte Management

System (IMS) sowie das gesellschaftliche

Engagement. Das zweite

Handlungsfeld ‚Nachhaltige Produkte‘

beinhaltet die innovativen, hochwertigen

und dauerhaften Produkte des

Unternehmens, die mit ihrer Materialeigenschaften

sowohl dem Umwelt- und

Klimaschutz als auch der Gesundheit

und dem Wohlbefinden der Menschen

dienen. Im Handlungsfeld ‚Nachhaltige

Gebäude‘ werden nachhaltiges Bauen

und Modernisieren mit unterstützt und

gezielte Gestaltungskonzepte für ein

nachhaltiges Wohlfühlen angeboten.

Darüber hinaus sollen die Produkte mit

dazu beitragen, die Wertbeständigkeit

von Gebäuden zu erhalten.

Neuheit: DAW Nachhaltigkeitsdatenblatt

Nachhaltig gestaltete Gebäude liegen eindeutig

im Trend. Auch Gebäudestandards

wie LEED, BREEAM oder der Standard der

Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges

Bauen (DGNB), bei der die DAW-Firmengruppe

mit ihrer Vertriebsgesellschaft

Caparol 2007 Gründungsmitglied war,

unterstützen diese Entwicklung. Die

erhöhte Nachfrage nach fundierten Informationen

im Bereich des nachhaltigen

Bauens hat zur Entwicklung eines neuartigen

Informationstools geführt – dem

DAW Nachhaltigkeitsdatenblatt. Dieses

neuartige Dokument bietet Planern und

100 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

CSR Management

Malerunternehmen alle Informationen,

die für die bekanntesten Zertifizierungssysteme

benötigt werden. Neben einer

Zusammenstellung der technischen Daten

und Inhaltsstoffe erhält der Kunde

eine kompakte Übersicht über die Eignung

des Produktes, die für die Dokumentation

einer Gebäudezertifizierung

erforderlich ist. Das Nachhaltigkeitsdatenblatt

steht allen Interessierten auf

der CAPAROL-Homepage im Bereich der

Downloads der Produkte zur Verfügung.

Gebäudehüllen gegen Hitze und

Kälte

Mit Blick auf den Klimaschutz ist das

größte Potenzial der Energieoptimierung

in den Bereichen Heizung und Kühlung

von Gebäuden zu sehen. Der Einsatz

von energiesparenden Wärmedämm-

Verbundsystemen (WDVS) an der Fassade

wurde 1957 von den DAW mitentwickelt

und ist seit mehr als 50 Jahren die Basis

für eine energetische Optimierung von

Immobilien. Mit der 2002 eingeführten

schwarz-weiß gesprenkelten Capatect-

Fassadendämmplatte –auch „Dalmatinerplatte“

genannt – haben die DAW

eine Schlüsselinnovation auf den Markt

gebracht. Leistungsstarke WDVS der

heutigen Generation in Verbindung mit

Ein Wärmedämm-Verbundsystem

besteht aus Dämmmaterial und

verschiedenen Beschichtungsarten.

widerstandsfähigen Putzbeschichtungen

und Anstrichen schützen weltweit nachhaltig

das Klima. In unseren Klimazonen

vor allem gegen Kälte – in wärmeren

Gegenden wiederum gegen Hitze.

Farbgestaltung mit Auszeichnung

Doch unter dem Thema „Nachhaltige

Gebäude“ versteht die DAW indes

weit mehr. Gemäß der Unternehmensphilosophie

sollen sich die Menschen in

Diplom-Biologin Bettina Klump-Bickert

verantwortet das Nachhaltigkeitsmanagement

bei der DAW SE.

den Gebäuden wohlfühlen, in denen sie

arbeiten und leben. Daher wird nicht

nur besonderer Wert auf die Produkte

und deren Inhaltsstoffe gelegt, sondern

auch auf die Farbgestaltung. Das unternehmenseigene

FarbDesignStudio bietet

gezielt Farbkonzepte an – für ganze

Stadtviertel ebenso wie für Bildungseinrichtungen

oder für den Bereich Pflege

und Gesundheit. So wurde im Juni 2013

das Gemeinschaftsprojekt „Lebensräume“

von Caparol und Forbo mit dem

Health Media Award ausgezeichnet.

Die „Lebensräume“, ein ganzheitliches

Gestaltungskonzept speziell für Wohnräume

älterer Menschen, beinhalten

fünf ausgewogene Farbwelten, die von

Stimmungen aus der Natur inspiriert

sind – sie vermitteln Wohnlichkeit,

Anregung und Orientierung. So können

Alltagskompetenzen länger erhalten,

Eigenständigkeit und Wohlbefinden

gefördert und der Pflegealltag erleichtert

werden.

Ob bei Wirtschaftlichkeit, Umweltfreundlichkeit

und sozio-kulturellen

Aspekten – Produkte der DAW SE bringen

einzigartige Qualitäts- und Nachhaltigkeitseigenschaften

zusammen. Sie

gestalten und schützen zugleich und

bewahren langfristig Werte.

globalcompact Deutschland 2013

101


DEUTSCHE BAHN

DB2020 – die nachhaltige

Konzernstrategie

Als internationaler Anbieter von Mobilitäts- und Logistikdienstleistungen

und als einer der größten Arbeitgeber Deutschlands

trägt die Deutsche Bahn AG eine besondere Verantwortung für

Kunden, Mitarbeiter, Umwelt und Gesellschaft. Um dieser Verantwortung

gerecht zu werden, hat die DB ihre Unternehmensstrategie

2012 neu ausgerichtet. Mit der Strategie DB2020

rückt sie den Einklang zwischen ökonomischen, ökologischen

und sozialen Aktivitäten in das Zentrum ihres Handelns.

Von Dr. Annika Hundertmark, Julian Matthes und Prof. Dr. Markus Rometsch

Die DB sieht sich vielfältigen Veränderungen

unserer Zeit gegenüber: Zunehmend

volatile Märkte lassen Entwicklungstrends

immer schwerer voraussehen.

Die Kunden suchen nach intelligenten

und einfachen Lösungen in einer immer

komplexeren Welt. Der demografische

Wandel lässt Arbeitskräfte knapp werden,

außerdem gewinnen Klimawandel

und Ressourcenverknappung weiter an

Bedeutung. Mit der Strategie DB2020

begegnet die DB den Chancen und Herausforderungen

dieser Entwicklungen.

Nachhaltiger Unternehmenserfolg und

gesellschaftliche Akzeptanz ebnen den

Weg zur Erreichung der Vision, das

weltweit führende Mobilitäts- und Logistikunternehmen

zu werden. In der

Ausgestaltung der Strategie ist für jede

Nachhaltigkeitsdimension ein DB-spezifischer

Führungsanspruch formuliert. So

will die DB bis 2020 profitabler Marktführer

(Ökonomie) mit Schwerpunkt auf

Kunde und Qualität, Top-Arbeitgeber

(Soziales) und Umwelt-Vorreiter (Ökologie)

werden.

Profitabler Marktführer

Basis für das Erreichen einer profitablen

Marktführerschaft sind zufriedene Kunden

und eine hohe Produktqualität. Dazu

werden kontinuierlich Verbesserungsprozesse

initiiert, Investitionen in die Infrastruktur

und die Fahrzeugflotte getätigt

sowie die Kundeninformation verbessert.

Im Rahmen der Innovationstätigkeit

liegt der Fokus auf der Entwicklung

neuer Produkte und Dienstleistungen,

die den Bedürfnissen von morgen, wie

beispielsweise der intelligenten Einfachheit,

Rechnung tragen.

Auf dem Weg zum Top-Arbeitgeber startete

die DB 2012 die deutschlandweite Arbeitgeberkampagne

„Kein Job wie jeder andere“.

Vor der Kamera standen die Mitarbeiter

selbst.

Profitables Wachstum schafft unternehmerische

Freiräume für nachhaltiges

Handeln. Deshalb arbeitet die DB an einem

kontinuierlichen Ausbau ihrer Spitzenpositionen

auf den globalen Märkten.

Im Jahr 2020 will die DB rund 70 Mrd.

Euro Umsatz erzielen – unter Sicherstellung

einer angemessenen Profitabilität

in Form einer Kapitalverzinsung von 10

Prozent und einer finanziellen Stabilität

des Unternehmens, ausgedrückt in einer

Tilgungsdeckung von 30 Prozent.

Top-Arbeitgeber

Bis 2020 will die DB zu den besten zehn

Arbeitgebern Deutschlands zählen und

auch international Spitzenpositionen

einnehmen. Qualifizierte Mitarbeiter,

die mit Begeisterung für die DB und ihre

Kunden arbeiten, sollen gewonnen und

gebunden werden. Die im Herbst 2012

gestartete Arbeitgeber-Kampagne präsentiert

den DB-Konzern als vielfältiges,

attraktives und verantwortungsbewusstes

Unternehmen. Die Einbindung der

Mitarbeiter durch u. a. verschiedene Dialogformate

und die Fortsetzung des Kulturwandels

sind erfolgskritisch. In der

ersten konzernweiten Mitarbeiterbefragung

im Herbst 2012 hatten erstmalig

rund 300.000 Mitarbeiter weltweit die

Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern.

61,4 Prozent der Mitarbeiter nahmen

diese Gelegenheit wahr.

Umwelt-Vorreiter

Als Umwelt-Vorreiter setzt die DB mit

ihren Produkten Maßstäbe beim effizienten

Umgang mit den verfügbaren

Ressourcen. So besteht ein Ziel darin,

die spezifischen CO 2

-Emissionen bis zum

102 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

CSR Management

Einklang der der Dimensionen für für nachhaltigen Unternehmenserfolg

Vision

Nach haltigkeitsdimension

Wir Wir werden das das weltweit führende Mobilitäts- und und Logistikunternehmen

Nachhaltiger Unternehmenserfolg und und gesellschaftliche Akzeptanz

Profitabler Marktführer

Top-Arbeitgeber

Ökonomie

Soziales

Umwelt-Vorreiter

Ökologie

Top1 Top10 Top1

Stoß Stoß richtung

11 1 Kunde und und Qualität

33 3 Kulturwandel/

Mitarbeiterzufriedenheit

44 4 Ressourcenschonung/

Emissions- und und Lärmreduktion

22 2 Profitables Wachstum

Jahr 2020 weltweit um 20 Prozent zu

senken, ausgehend vom Jahr 2006. Die

DB ist ein entscheidender Treiber der

Energiewende: Bereits heute ist sie nicht

nur Deutschlands größter industrieller

Stromverbraucher, sondern außerdem einer

der größten Abnehmer von Ökostrom

in Deutschland. Bei 24 Prozent lag der

Anteil von Ökostrom 2012 im deutschen

Bahnstrommix. Dank der „grünen Angebote“

des Fernverkehrs wird dieser

Anteil auf 35 Prozent in 2015 wachsen.

Nachhaltigkeit strukturell verankert

Ein wichtiger Erfolgsfaktor der Umsetzung

von DB2020 ist die konsequente,

organisatorische Verankerung von Nachhaltigkeit.

Seit 2012 ist Dr. Karl-Friedrich

Rausch, Vorstand Transport und Logistik

der DB Mobility Logistics AG, Chief Sustainability

Officer der DB. Für die konzernweite

Steuerung und Koordination

relevanter Themen im Bereich Nachhaltigkeit

wurde das Competence Center

Nachhaltigkeit eingerichtet. Wichtige

Themen, wie beispielsweise die Ende

2012 verabschiedete „Charta für einen

verantwortungsvollen Umgang zwischen

der DB und ihren Anspruchsgruppen“,

werden dort diskutiert. Alle entscheidenden

Unternehmensbereiche sind durch

die Leiter der Fachabteilungen vertreten.

Diese verantworten gemeinsam mit den

Geschäftsfeldern die inhaltliche Arbeit.

Das Competence Center Nachhaltigkeit

wird durch den Leiter der Konzernstrategie

geführt. In der Konzernstrategie ist

parallel die Abteilung Nachhaltigkeitsmanagement

neu geschaffen worden.

Die Strategie DB2020 hat außerdem

Eingang in das Leitbild und in Konzern-

Richtlinien des DB-Konzerns gefunden.

Dies unterstützt, dass eine gemeinsame

Diskussion der drei Nachhaltigkeitsdimensionen

und ihres Einklangs alltäglich

wird. So enthalten z.B. alle Konzernvorstandsbeschlüsse

neben der Einschätzung

zu finanziellen Auswirkungen

auch jeweils Angaben zu sozialen und

ökologischen Effekten.

Integriertes Zielsystem aufgestellt

Im Rahmen von DB2020 wurde ein Zielsystem

entwickelt, das in seiner Breite

und Reichweite bislang einmalig für

den DB-Konzern ist. Entlang der drei

Nachhaltigkeitsdimensionen wurden

in den Stoßrichtungen (1) Kunde und

Qualität, (2) profitables Wachstum, (3)

Kulturwandel und Mitarbeiterzufriedenheit

sowie (4) Ressourcenschonung,

Emissions- und Lärmreduktion konkrete

Ziele hinterlegt. Dazu gehören die Steigerung

der Kundenzufriedenheit, die

Erhöhung der Produktqualität (insbesondere

der Pünktlichkeit), das Erreichen

finanzieller Stabilität, die Verbesserung

der Mitarbeiterzufriedenheit oder die

Reduzierung des CO 2

-Ausstoßes.

Die Grundstruktur des Zielsystems ist

konzernweit gültig. Es ist jedoch kein

starres Korsett. Im Gegenteil: Das „Prinzip

der inneren Differenzierung“ ermöglicht

es den Geschäftsfeldern, ihren spezifischen

Herausforderungen am Markt

gerecht zu werden.

Ein weiterer Baustein ist die Integration

des Zielsystems in die Höhe der variablen

Vergütung von 3.000 leitenden

Angestellten und 1.700 außertariflichen

Mitarbeitern. Ausgewählte Ziele aus jeder

Stoßrichtung – z. B. Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit

sowie CO 2

-Emissionen

– bilden 2013 einen substanziellen

Anteil des variablen Gehalts.

globalcompact Deutschland 2013

103


DEUTSCHE TELEKOM

Nachhaltigkeit in der

Lieferkette als wichtiger

Baustein der Unternehmensverantwortung

Die Deutsche Telekom unterhält Geschäftsbeziehungen in über 50 Ländern. Gerade im Bereich

Lieferantenmanagement ergeben sich für Unternehmen an dieser Stelle Chancen aber auch

Risiken. Um eine nachhaltige Ausrichtung ihrer Lieferkette zu gewährleisten, hat die Deutsche

Telekom ein systematisches Lieferantenmanagement etabliert. Als Gründungsmitglied der Joint

Audit Cooperation (JAC) setzt sich die Telekom dafür ein, Lieferantenbeziehungen nachhaltig

zu gestalten. Basierend auf einer einheitlichen Methodik überprüft JAC gemeinsame Zulieferer

weltweit, wobei der Schwerpunkt auf Asien, Südkorea, Osteuropa und Südamerika liegt.

Von Antonio Luz-Veloso und Vera Heyes

Im Jahr 2010 hat die Deutsche Telekom

ihre Social Auditprozesse mit der Beauftragung

externer Prüfer weiter professionalisiert.

So konnte die Qualität

der Bewertungen gesteigert und eine

wesentlich größere Anzahl an Lieferanten

geprüft werden. Mithilfe einer

neu entwickelten Risikomatrix wurde

zusätzlich der Auswahlprozess für besonders

gefährdete Zulieferer standardisiert.

Zu den wesentlichen Bestandteilen der

Social Audits gehören:

• die generelle Risikobewertung für

Lieferanten,

• die Bewertung der Lieferantenselbstauskunft,

• der direkte Austausch zur Weiterentwicklung

der Lieferanten, sowie

• die kontinuierliche Überprüfung der

Situation vor Ort.

Um international die Umsetzung von

Corporate Responsibility (CR) für alle Ebenen

der Lieferkette voranzutreiben, gründete

die Deutsche Telekom gemeinsam

mit Orange und Telecom Italia die Joint

Audit Cooperation (JAC). Hintergrund

war der Wunsch, alle Lieferantenbeziehungen

langfristig, vertrauensvoll und

einheitlich zu gestalten. Der Verband

steht dabei allen Unternehmen der Branche

offen und führte bereits im Juni 2010

erste Kampagnen durch. Mittlerweile

hat sich das Konzept herumgesprochen:

Durch die erfolgreiche Arbeit in den

letzten Jahren ist die JAC mittlerweile auf

neun Telekommunikationsunternehmen

angewachsen und weitere Unternehmen

haben ihr Interesse an einer Teilnahme

an JAC angemeldet.

104 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

CSR Management

Kontrolle und Dialog

Kernstück des von der Deutschen Telekom

mitgestalteten Ansatzes ist dabei die enge

Verbindung von Kontrolle und Dialog.

„Bei der Einbindung unserer Lieferanten

verfolgen wir einen kooperativen Ansatz“

sagt Birgit Klesper, Senior Vice President

Group Transformational Change

und Corporate Responsibility bei der

Deutschen Telekom. „Für die Telekom

ist es wichtig herauszufinden, ob unsere

Geschäftspartner neue Wege des nachhaltigen

Wirtschaftens unterstützen.

Nur wenn wir dies wissen, können wir

die Lieferkette wirkungsvoll verbessern.“

Um den Prozess transparent und ergebnisorientiert

zu gestalten, werden

neben den Produzenten auch externe

NGOs, Wirtschaftsinitiativen und Forschungsanstalten

eingebunden. Ziel ist

die kontinuierliche Verbesserung der

Lieferketten, hin zu mehr Verantwortung

und Nachhaltigkeit.

Das Auswahlverfahren für Zulieferer

soll dabei generell vereinfacht werden.

Dies gilt sowohl für die Telekommunikationsunternehmen

selbst, die durch einheitliche

Standards und Synergieeffekte

bei den Kontrollen den Bewertungsprozess

strukturierter aufstellen, als auch

für die Lieferanten. Diese produzieren

oftmals für unterschiedliche Abnehmer

in Europa und Nordamerika und

mussten bisher häufig unterschiedliche

Auditprozesse durchlaufen. Kooperieren

sie dagegen mit der Joint Audit Cooperation,

reicht ein Assessment für neun

der größten Telekommunikationsunternehmen

der Welt. Der einheitliche

Ansatz spart damit Zeit und ermöglicht

zudem die Übertragung von Lösungsansätzen

innerhalb der einzelnen Zulieferergruppen.

Der Arbeitsansatz der

Joint Audit Cooperation

Die Grundlagen für die Arbeit der JAC

werden durch einen zentralen Lenkungsausschuss

definiert. Dieser trifft sich

zweimal im Jahr und legt Richtlinien

für das weitere Vorgehen fest. Schon

bei den Gründungsgesprächen war es

der Deutschen Telekom wichtig, dass

alle beteiligten Unternehmen Vertreter

der oberen Führungsebene der jeweiligen

CSR- und Sourcing-Bereiche in das

Gremium entsenden.

In der momentanen Form besteht die

Arbeit der Initiative im Wesentlichen

in einem Vor-Ort-Audit-Programm einschließlich

der Nachverfolgung geplanter

Korrekturmaßnahmen. Alle Mitglieder

sind, im Namen des Verbandes, individuell

verantwortlich den kompletten

Audit-Prozess bei Lieferanten zu leiten,

wobei jedem JAC-Mitglied die gleiche

Anzahl an Zulieferern zugewiesen wird.

Die Prüfungen vor Ort erfolgen dabei anhand

folgender abgestimmter Kriterien:

• Die Audits werden von internationalen

Audit-Unternehmen durchgeführt,

die auf die besonderen sozialen und

umweltpolitischen Aspekte in dem

jeweiligen Land spezialisiert sind.

• Mit den Lieferanten werden Geheimhaltungsvereinbarungen

getroffen,

sodass die Ergebnisse der Audits nur

den JAC-Mitgliedern bekannt werden.

Die Vorteile einer

JAC-Mitgliedschaft

Die Tätigkeit der JAC hilft sowohl

Lieferanten als auch TK-Betreibern

bei der Optimierung von Kosten und

Prozessen.

1. Lieferanten erhalten jeweils nur

eine Anfrage bezüglich eines

CSR-Audits, das dann gebündelt

für alle TK-Betreiber stattfindet.

2. Ebenso profitieren die Lieferanten

von der Anwendung einer

gemeinsamen Standardmethodik

für den gesamten Audit-Prozess.

3. Die Telekommunikationsbetreiber

optimieren durch Austausch

von Best Practices die CSR-

Beurteilungen und den Nachverfolgungsprozess.

• Die von den JAC-Mitgliedern erstellte

Checkliste basiert auf den Standards

SA 8000 und ISO 14001 sowie Vor-Ort-

Audits.

• Im Abschlussbericht werden nachweisbare

Ergebnisse dargestellt.

• Die Zusammenarbeit mit den Lieferanten

beruht auf dem gemeinsamen

Bewusstsein, dass das CSR-Risikomanagement

ein entscheidender Faktor

für eine nachhaltige Entwicklung ist.

• Auf Grundlage der Audit-Ergebnisse

werden mit den Lieferanten Korrekturmaßnahmen

zur Beseitigung der im

Audit-Report aufgeführten Schwächen

festgelegt und nachverfolgt.

Erfolgreiche Startphase

Bislang wurden durch JAC bereits mehr

als 90 Audits weltweit durchgeführt. Der

bei den Überprüfungsläufen verwendete

Fragebogen umfasste dabei mehr als

4.000 mögliche Fragen und hatte Auswirkungen

auf mehr als 400.000 Mitarbeiter

in den geprüften Betrieben. Als wesentliche

Feststellungen konnten die Felder

Arbeitszeiten, Arbeitssicherheit und Gehälter

ausgemacht werden. Stellen die

Prüfer bei einem Zulieferer Missstände

fest, greift das Korrekturverfahren. Die

Deutsche Telekom und die JAC sind daran

interessiert, Lieferanten nicht auszuschließen,

sondern auf dem Weg zu einer

nachhaltigen Wirtschaftsführung zu begleiten.

Dafür werden gemeinsam Maßnahmen

erarbeitet und die Fortschritte

in regelmäßigen Abständen überprüft.

Oftmals können einzelne Probleme schon

nach wenigen Tagen behoben werden,

für größere Eingriffe – wie etwa die

Korrektur von Arbeitszeitmodellen –

bekommen die Zulieferer auch mehr

Zeit. „Gerade im Bereich Arbeitszeiten

erwarten wir von den betroffenen Firmen

die Einhaltung von internationalen

Standards sowie insbesondere nationaler

Gesetzgebung“, erläutert Antonio Luz

Veloso, Senior Experte Sustainable Supply

Chain Management Deutsche Telekom,

wobei er klarstellt: „Wir wollen greifbare

und langfristig wirksame Ergebnisse.

Da kann der Umstellungsprozess auch

schon mal mehrere Monate dauern. Für

diesen Prozess definieren wir klare Zielvorgaben

und Meilensteine, die wir auch

regelmäßig überprüfen.“

globalcompact Deutschland 2013

105


EY

Konfliktmineralien – Herausforderung

für Unternehmen

entlang der Lieferkette

In den letzten Jahren sind Rohstoffe, die in Konfliktregionen abgebaut

werden, verstärkt in den internationalen Fokus gerückt.

Häufig dienen die Gewinne aus dem Abbau von Mineralien zur

Finanzierung bewaffneter Milizen und befördern bürgerkriegsähnliche

Konflikte. Eine aktuelle Regulierung der US-Börsenaufsicht

SEC adressiert sogenannte Konfliktmineralien, die aus

Minen der Demokratischen Republik Kongo und benachbarter

Länder stammen. Der sogenannte „Dodd Frank Act“ fordert von

US-börsennotierten Unternehmen Klärung, inwieweit spezifische

Mineralien in ihren Produkten enthalten sind, ob diese aus

der Region des Kongo stammen und inwiefern dadurch Milizen

finanziert werden. Gegebenenfalls sind die Erkenntnisse jährlich

an die SEC zu berichten und müssen von einer unabhängigen

Stelle auditiert werden. Für die entsprechenden Auskünfte

sind die Unternehmen auf Informationen der Geschäftspartner

in ihren Lieferketten bis hin zu den Minen angewiesen.

Von Philipp Killius, Dr. Mark Veser und Nicole Richter

Die Bedeutung eines transparenten Rohstoffhandels

hat sich mit der Verabschiedung

des „Dodd Frank Act“ (Section 1502,

Conflict Minerals Amendment) in den

USA im Jahr 2010 und den entsprechenden

Durchführungsverordnungen im

August 2012 deutlich erhöht. Für an

US-Börsen notierte Unternehmen, deren

Zentralafrikanische

Republik

Republik

Kongo

Demokratische

Republik Kongo

(DRC)

Angola

Sambia

Süd-

Sudan

Uganda

Tansania

Ruanda

Burundi

Konfliktmineralien

Verwendung

Kassiterit (Zinnerz) Metallbeschichtungen

und Lötmittel für elektronische

Leitungen

und Schaltkreisläufe

Tantal (Coltan) Elektronische Bauteile

(z.B. in Mobiltelefonen,

Computern, etc.), Flugzeugkomponenten

und

OP-Instrumente

Wolframit Metalldrähte, Elektroden

und Kontakte

in der Beleuchtung,

Elektro-, Heizungsund

Schweißarbeiten

Gold Schmuck, Elektronik,

Kommunikationsgeräte,

Luft- und

Raumfahrt

Technologie, z. B. Computer, Elektrogeräte

und elektronische Komponenten

Produktion, z. B. Werkzeuge, Sportausrüstung,

Schmuck und Bekleidung

(Goldgarn)

Telekommunikation, z. B. Kabel und

Mobiltelefone

Verteidigung, Luft- und Raumfahrt,

z. B. Motorbauteile und -komponenten

Konsumgüterindustrie, z. B. Blechdosen

für Lebensmittel

Automobilindustrie, z. B. Motorbauteile

und -komponenten

Diversifizierte industrielle Produkte,

bei denen Metalle in der Herstellung

verwendet werden

Energieversorgung, z. B. Turbinen in

Kraftwerken

Konfliktmineralien im Fokus des Dodd Frank Act – Abbaugebiete und Verwendungszwecke

– Betroffene Industrien und Produkte

106 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

CSR Management

Produkte Konfliktmineralien wie Kassiterit

(Zinnerz), Tantal (Coltan), Wolframit

und Gold sowie entsprechende Derivate

aus der Demokratischen Republik Kongo

(DRC) und den neun angrenzenden

Staaten enthalten, wurden umfangreiche

Berichterstattungspflichten festgelegt.

Nach Angaben der US-Börsenaufsicht SEC

(Securities and Exchange Commission)

sind diese afrikanischen Länder („Covered

Countries“) beispielsweise für 15 % bis

20 % des weltweiten Angebots an Tantal

verantwortlich und bedienen ebenfalls in

geringerem Umfang die Nachfrage nach

den drei anderen Konfliktmineralien.

Lieferantenanalysen und

-befragungen

Vertragsbedingungen in

Bezug auf die Nutzung von

Konfliktmineralien bzw. ihre

Berichterstattung

Prüfungshandlungen im

Hinblick auf die von den

Lieferanten erhaltenen

Informationen

Lieferant

US-börsennotiertes

Unternehmen

Lieferant

Lieferant

Lieferant

Weitere Lieferkette

Lieferant

Berichterstattungsprozess für Konfliktmineralien entlang der Lieferkette

Berichterstattung über

die Nutzung von Konfliktmineralien

Prüfungshandlungen im

Hinblick auf die Verlässlichkeit

der Berichterstattung

Umfangreiche Berichterstattungspflichten

Betroffene Unternehmen müssen erstmals

für das Kalenderjahr 2013 die Verwendung

und Herkunft dieser Mineralien

an die US-Börsenaufsicht SEC darlegen.

Es muss u. a. berichtet werden, ob sie

notwendig für die Funktionsweise oder

Herstellung eines Produktes sind. Dabei

ist es nicht maßgeblich, ob das Unternehmen

das Produkt selbst herstellt oder

nach seinen Spezifikationen herstellen

lässt. Die Durchführungsverordnung des

Dodd-Frank-Gesetzes sieht einen dreistufigen

Prozess vor:

Im Rahmen eines „Applicability assessments“

(Stufe 1) müssen die an den US-

Börsen notierten Unternehmen zunächst

analysieren, ob sie in ihren Produkten und

Produktionsprozessen Kassiterit (Zinnerz),

Tantal (Coltan), Wolframit oder Gold

verwenden. Sie müssen für jedes Produkt

bestimmen, ob die Mineralien notwendig

sind.

Sofern die Unternehmen Konfliktmineralien

verwenden, sind sie dazu verpflichtet,

den Ursprung dieser Ressourcen zu klären.

Prinzipiell sind bei der sogenannten „Reasonable

country of origin inquiry (RCOI)“

(Stufe 2) folgende Szenarien möglich:

1. Stammen die verwendeten Mineralien

nicht aus der Region des Kongo respektive

wurden durch Recycling oder aus

Abfallprodukten gewonnen, gelten

die Produkte als „DRC conflict free“.

In diesem Fall ist einzig ein Formular

(„Form SD“) bei der SEC einzureichen.

2. Kann man nicht eindeutig die Herkunft

der Rohstoffe identifizieren,

müssen die betroffenen Produkte als

unbestimmbar ausgewiesen werden

(„DRC conflict undeterminable“) und

es sind weitere Anstrengungen zu

unternehmen, um die Herkunft der

Mineralien so genau wie möglich zu

bestimmen. Die Unternehmen haben

je nach Größe eine zwei- bis vierjährige

Übergangsperiode, den genauen

Ursprung zu ermitteln.

3. Wird festgestellt, dass die Rohstoffe

aus der Region des Kongo stammen,

müssen der exakte Herkunftsort der

Mineralien sowie die finanziellen Nutznießer

der entsprechenden Mine(n)

geklärt werden.

Sofern ein Unternehmen nach Durchführung

eines RCOI feststellt, dass es Konfliktmineralien

aus „Covered Countries“

bezieht oder dies zumindest nicht ausschließen

kann, müssen weitere Maßnahmen

ergriffen werden: „Due diligence and

conflict minerals report“ (Stufe 3). In Ergänzung

zum Form SD muss ein detaillierter

Herkunftsbericht erstellt werden, wobei

alle Informationen im Rahmen einer Due

Diligence zu erheben und offenzulegen

sind. Dieser „Conflict Minerals Report“

muss veröffentlicht und spätestens nach

Ablauf der Übergangsperiode durch eine

unabhängige Instanz, wie beispielsweise

einem Wirtschaftsprüfer, auditiert werden.

Hohe Compliance-Kosten und

Komplexität

Schätzungen der US-Börsenaufsicht zufolge

sind rund 6.000 an amerikanischen

Börsen notierte Unternehmen direkt von

der neuen Regelung betroffen, etwa 4.500

müssen voraussichtlich einen Herkunftsbericht

veröffentlichen. Die SEC erwartet,

dass auf die betroffenen Unternehmen

und ihre Lieferanten erstmalige Kosten

zwischen 3 und 4 Milliarden US-Dollar

zukommen; die jährlichen Folgekosten

werden zwischen 200 und 600 Millionen

US-Dollar geschätzt. Öffentliche Kommentierungen

schätzen die anfallenden Kosten

im Rahmen der erstmaligen Offenlegung

sogar auf bis zu 16 Milliarden US-Dollar.

Aufgrund der komplex verzweigten Lieferketten

erfordern die Umsetzung der

Rechenschaftspflicht sowie eine eindeutige

Nachverfolgbarkeit bis hin zu den

Minen ein signifikantes Engagement

aller Beteiligten entlang der Lieferkette.

Um einen lückenlosen Herkunftsbericht

über die bezogenen Konfliktmineralien

liefern zu können, befragen die Unternehmen

ihre internationalen Zulieferer

und somit auch Betriebe aus Deutschland.

Diese sind dann in der Pflicht, ihre

Rohstoffquellen zu ermitteln und gesicherte

Informationen an ihre Kunden

weiterzuleiten.

Auch mithilfe eines gut organisierten Lieferkettenmanagements

ist dieser Prozess

für viele produzierende Unternehmen,

die über umfangreiche Sortimente verfügen,

verschiedene Standorte betreiben

oder Beziehungen mit einer großen Anzahl

an Lieferanten unterhalten, eine

große Herausforderung hinsichtlich Zeit,

Aufwand und Kosten.

Da in Zukunft mit vergleichbaren EU-

Direktiven zu rechnen ist, ist es für betroffene

Unternehmen sinnvoll, sich

frühzeitig mit diesen neuen Anforderungen

auseinanderzusetzen und die

Erhebung der benötigten Informationen

auf effektive wie auch effiziente Art und

Weise aufzusetzen.

globalcompact Deutschland 2013

107


FOREST CARBON GROUP

Kerngeschäft statt CSR

In Zukunft müssen wir die Umwelt und ihre Leistungen in Produkte und unternehmerische

Prozesse einpreisen, um sie weiterhin erhalten und nutzen zu können.

Von Michael Sahm

Der Umbau unserer Gesellschaft zu einem

tragfähigen Wirtschaften ist ein

Generationenprojekt. Auch wenn wir

uns sehr bemühen, ressourcenschonender

und effizienter zu leben, wir werden

nicht übermorgen ohne Treibhausgasemissionen

auskommen. Daher müssen

wir in der Zwischenzeit alle vernünftigen

Handlungsmöglichkeiten nutzen.

Dazu gehört vor allem, unsere Umwelt

lebensfähig zu erhalten, angesichts eines

Ressourcenverbrauchs von derzeit etwa

anderthalb Erden. Wenn Unternehmen

also im Sinne des Vorsorge- und Verursacherprinzips

durch ihr Engagement im

Kohlenstoffmarkt mit verhindern, dass

Landschaften unwiederbringlich zerstört

werden, agieren sie verantwortungsbewusst

und betreiben keinen „Ablasshandel“,

wie Kompensationsvorhaben gerne

zynisch bezeichnet werden.

Sind aktuell gangbare Wege, Emissionen

zu senken, ausgeschöpft, dann ist

die CO 2

-Kompensation geboten. Klimaschädliche

Emissionen an anderer Stelle

auszugleichen, ist ein heute wirksamer,

kostengünstiger und Veränderung beschleunigender

Schritt in Richtung nachhaltige

Entwicklung in einer globalen

Welt. In der wir, soll der Klimawandel

gebremst werden, nicht den Luxus haben,

nur das eine zu tun – Technik und

Abläufe zu verbessern – und das andere

zu lassen – Schäden auszugleichen.

Der Kompensationsgedanke ist nicht

neu, sondern auch in Deutschland in der

Flächennutzung festgeschrieben. In der

Bundeskompensationsverordnung heißt

es: „Die Verpflichtung zur Vermeidung

und Kompensation von Beeinträchtigungen

bei Eingriffen in Natur und

Landschaft stellt als eine Ausprägung

des Vorsorgeprinzips im weiteren Sinne

und des Verursacherprinzips zugleich

einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung

des Verfassungsgebots zum Schutz

der natürlichen Lebensgrundlagen aus

Artikel 20 a des Grundgesetzes dar.“ CO 2

-

Kompensation wendet dieses Prinzip an

mit Blick auf ein globales öffentliches

Gut, die Atmosphäre. Noch freiwillig,

aber das schmälert nicht das Engagement.

CO 2

-Ausgleich kann auf vielen Wegen

geschehen. Indem in Windfarmen, Solaroder

Wasserkraft investiert wird. Oder

indem Land- und Forstwirtschaft auf

nachhaltiges Bewirtschaften umgestellt,

somit die natürliche CO 2

-Speicherfähigkeit

von Biomasse und Böden erhöht

werden. Beides ist wichtig und richtig.

Doch im Letzteren liegt ein weitaus größerer

Hebel.

Erstens: Gut gemachte Forst- und Agroforstprojekte

bieten neben der CO 2

-Bindung

einen deutlich größeren sozialen

und ökologischen Nutzen in den Projektregionen.

Sie kommen gerade jenen

ländlichen und armen Bevölkerungen

in Entwicklungsländern zugute, die

keine Lobby und Marktzugänge haben.

Zweitens verursachen Abholzung und

Brandrodung 17 Prozent der globalen

Emissionen – mehr als der gesamte

weltweite Verkehr. Ohne Waldschutz

kein Klimaschutz. Und drittens sind

Wälder als Rohstoffquelle unverzichtbar

und ein milliardenschwerer Wirtschaftsfaktor.

CO 2

-Ausgleich über nachhaltiges

Waldmanagement ist daher ein Baustein,

ökologische Vermögenswerte und

„Dienstleistungen“ der Natur gewissermaßen

einzupreisen, etwa Regen bilden

und Stoffkreisläufe regulieren.

Waldschutz und Aufforstung spielen daher

inzwischen nicht nur in der Klimapolitik

eine zentrale Rolle – Deutschland

ist einer der größten Geldgeber für biund

multilaterale Waldprogramme. Bereits

heute sind namhafte Unternehmen

wie die Allianz, Danone, Walt Disney,

PPR oder der deutsche Energieversorger

HSE substantiell im Wald- und Klimabereich

engagiert. Das Thema wird auch

vom Senat der Wirtschaft, der deutschen

Sektion des Global Economic Network,

mit seiner „Welt Wald Klima Initiative“

unterstützt.

Unternehmen folgen hierbei zunehmend

einer veränderten Logik: weg vom Bereich

„Corporate Social Responsibility“

(CSR), rein ins Kerngeschäft. Es geht

darum, Produkte und Prozesse umzubauen

und zukunftsfähiger zu gestalten.

Firmen verstehen zunehmend, dass es

beim Thema Umwelt- und Klimaschutz

nicht um Wohltätigkeit geht, sondern

darum, ökologische Vermögenswerte

langfristig in die Bilanzen einzubeziehen.

Denn CSR funktioniert im Grunde

wie eine Spende. Das Engagement passt

zwar thematisch ins Geschäftsfeld der

Unternehmen. Der Mitteleinsatz ist jedoch

beliebig und abhängig vom Weitblick

der Nachhaltigkeitsabteilungen.

Bei der Kompensation hingegen geht

es, neben Überzeugung, um handfeste

betriebswirtschaftliche Argumente: um

Lieferketten, Kundengewinnung und

108 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

CSR Management

-bindung sowie die eigene strategische

Positionierung. Hier entscheiden Geschäftsführung,

Vertrieb und Marketing.

Die Vorreiter setzen dabei auf Differenzierung,

auch und gerade im Hinblick

darauf, wie konsequent das Thema

umgesetzt wird. So bietet in der

Logistikbranche der Paketdienstleister

DPD mit seinem „Total Zero“-Programm

den Versand automatisch als Standard

an, während die Deutsche Post DHL ihr

„Go Green“-Projekt nur als Option bereithält;

in der Energiewirtschaft bietet der

Versorger Entega seine Ökogas-Produkte

als „default“, die meisten anderen weiterhin

nur auf Kundenwunsch. Und das,

obwohl die Mehrkosten für hochwertigen

CO 2

-Ausgleich bei vielen Produkten

deutlich unter einem Prozent liegen und

entweder durch höhere Preise, Marktanteile

oder Kundenbindung wieder

kompensiert werden.

International agierende Konzerne integrieren

Klimaschutz darüber hinaus

zunehmend in ihr Risikomanagament,

richten ihre Lieferketten und Einkaufspolitik

entsprechend aus und setzen auf

globale Imagepflege. Dies funktioniert

in einer wachen Öffentlichkeit und

Mediengesellschaft langfristig nur über

Glaubwürdigkeit und Qualität. Und

die hat ihren Preis. So gibt es nicht

nur Gammelfleisch im Lebensmittel-

Discounter, sondern auch Ramsch unter

den Klimaschutzprojekten. Für wenige

Cent kann man CO 2

-Zertifikate erwerben,

deren ökologisch-sozialer Mehrwert

und CO 2

-Ersparnis mehr als zweifelhaft

sind. Auf der anderen Seite gibt es solide

gemachte und gemanagte Projekte,

die auf Klima- und Artenschutz sowie

verbesserte Lebensbedingungen der

Menschen vor Ort einzahlen. Ausweis

hierfür sind weltweit etablierte Gütesiegel

wie der Volunatry Carbon Standard,

Climate, Community and Biodiversity

Alliance Standard oder Gold Standard.

Deren Integrität wird dadurch gewährleistet,

dass Wissenschaft, Wirtschaft

und Zivilgesellschaft die gemeinsam

erarbeiteten Qualitätskriterien ständig

überprüfen und weiterentwickeln.

CO 2

-Kompensation durch Vorhaben, die

den natürlichen CO 2

-Speicher von Ökosystemen

erhöhen, haben einen großen

Vorteil: Naturverbrauch und -schäden

durch Unternehmen werden zumindest

teilweise internalisiert. Das unterscheidet

sie von Kompensationsprojekten, die

technologische Modernisierung fördern.

Überdies ist Kohlendioxid eine global

sowohl gut messbare als auch verrechenbare

Einheit und Ware. Und weil sich

Biodiversität, Wasser, Arten und Stoffkreisläufe

ungleich schwerer verrechnen

lassen, dient CO 2

als Währung, über die

lebenswichtige Funktionen von Naturräumen

mit finanziert werden können.

Sicher ist dies kein Königsweg zu wahren

Preisen. Wohl aber ein nützlicher

Beschleuniger, um den ökologischen

Fußabdruck von Unternehmen nicht

nur zu bestimmen, sondern auch zu

minimieren.

globalcompact Deutschland 2013

109


HOCHTIEF

Soziales Engagement mit

Baukompetenz

Konzernweites Engagement

Inzwischen engagiert sich HOCHTIEF konzernweit

für B2P. Neben Flatiron arbeiten

die anderen amerikanischen Tochtergesellschaften

sowie seit 2012 auch HOCHTIEF

aus Europa heraus mit B2P zusammen.

Während die US-Töchter ihren Einsatz

auf Projekte in Lateinamerika fokussieren,

ist HOCHTIEF in Afrika engagiert.

Zehn Brücken in Lateinamerika und zwei

in Ruanda sind die bisherige Bilanz der

Kooperation – und für die kommenden

Jahre sind bereits weitere Projekte geplant.

Brückenbau ist für HOCHTIEF ein Thema mit vielen Facetten.

Er ist ebenso Kerngeschäft wie Teil der Unternehmensvision –

und er spielt eine wichtige Rolle im sozialen Engagement des

internationalen Baukonzerns. Gemeinsam mit der Organisation

Bridges to Prosperity und den eigenen Mitarbeitern realisiert

HOCHTIEF Fußgängerbrücken in Entwicklungsländern.

Mit greifbarem Erfolg.

Von Ann-Kristin Brönnecke

Brückenbau ist eine Kernkompetenz von

HOCHTIEF. In über 140 Jahren Unternehmensgeschichte

hat der Baukonzern eine

Vielzahl von Brücken in der ganzen Welt

realisiert. Sie verbinden Menschen, überwinden

Wasser und Schluchten, einige

sogar über Landesgrenzen oder Kontinente

hinweg. Manche von ihnen, zum Beispiel

die Öresundbrücke oder die Brücke

über den Bosporus, sind weltberühmt.

Darüber hinaus heißt es in der Unternehmensvision:

„Wir schlagen Brücken

und gehen neue Wege“. Seit 2009 setzt

HOCHTIEF diesen Teil der Vision auch

im Bereich Corporate Responsibility ganz

praktisch um: Damals unterzeichneten

die US-amerikanische HOCHTIEF-Tochter

Flatiron und die Nicht-Regierungs-Organisation

Bridges to Prosperity (B2P) einen

langfristigen Kooperationsvertrag mit

dem Ziel, gemeinsam Fußgängerbrücken

in strukturschwachen Regionen

Mittel- und Südamerikas zu bauen. Diese

Brücken sind ein wichtiger Teil der

öffentlichen Infrastruktur – bieten sie

den Menschen vor Ort doch Zugang zu

Bildungseinrichtungen, medizinischer

Versorgung und Märkten. So schaffen sie

nachhaltig bessere Lebensbedingungen

und eröffnen Chancen.

Initiator Flatiron ist nach wie vor am

stärksten involviert: Im Rahmen einer

strategischen Partnerschaft mit B2P entwickelten

die Bauexperten den Prototyp

einer Hängebrücke, die in ähnlicher

Form und mit geringen Mitteln überall

auf der Welt errichtet werden kann.

Teamarbeit im Mittelpunkt

Das Engagement von HOCHTIEF für B2P

besteht nicht allein in der Finanzierung

der Brückenprojekte und der Bereitstellung

von Know-how. Ein entscheidender

Pluspunkt dieses Sponsorings ist es,

dass die Unternehmensmitarbeiter ganz

direkt einbezogen werden. Bei jedem

Projekt entsendet HOCHTIEF ein zehnköpfiges

Team, um vor Ort gemeinsam

mit den Dorfbewohnern und Vertretern

von B2P die Brücke zu bauen. Dort muss

jeder kräftig anpacken: Steine, Zement,

Holz und Sand werden oftmals mit reiner

Muskelkraft zur Baustelle geschafft, wo

sie dann in kurzer Zeit und mit einfachen

Mitteln verarbeitet werden. Die Freiwilligengruppe

besteht dabei keineswegs nur

aus praxis- und baustellenerfahrenen

Mitarbeitern: vom Ingenieur bis zur

Finanzspezialistin kann sich jeder um

einen Platz im Team bewerben. Lediglich

Schlüsselpositionen, etwa die Bauleitung,

das Logistik- oder Sicherheitsmanagement,

werden mit Fachleuten besetzt.

Am Ende arbeiten so Mitarbeiter aus ganz

110 globalcompact Deutschland 2013


Good Practice

Entwicklung & Partnerschaft

unterschiedlichen Unternehmenseinheiten

und Berufsgruppen Hand in Hand.

Die interne Identifikation mit dem Einsatz

für B2P ist hoch. Auf jedes Projekt

bewarben sich bislang rund zehnmal

mehr Freiwillige als benötigt – trotz der

Aussicht auf Camping unter einfachsten

Bedingungen und körperlich anstrengende

Arbeit. Wer am Programm teilnehmen

durfte, berichtet Positives: Teamgeist,

sich für etwas Gutes einzusetzen und

das Kennenlernen fremder Kulturen

entschädigen für so manche körperliche

Strapaze. Insbesondere Mitarbeiter,

die in ihrem Beruf hauptsächlich am

Schreibtisch arbeiten, sind begeistert,

mit der Brücke wirklich etwas Bleibendes

und Greifbares zu schaffen. Zu beobachten,

wie die Brücke jeden Tag ein Stück

wächst, ist nicht nur Motivation für die

freiwilligen Helfer vor Ort: Auch für

HOCHTIEF als Sponsor ist es ein großer

Vorteil, direkt zu sehen, wo und wie die

finanziellen Mittel eingesetzt werden –

und dass sie ohne Umwege dorthin gelangen,

wo sie benötigt werden.

Nutzen für alle Beteiligten

Die Zusammenarbeit von HOCHTIEF mit

Bridges to Prosperity bringt positive Effekte

für alle Seiten: Die lokalen Gemeinden

profitieren ganz unmittelbar von einer

verbesserten Infrastruktur und gehen

Dank der Brücken gestärkt in die Zukunft.

B2P kann auf das Experten-Know-how des

Baukonzerns zurückgreifen und Dank

des Sponsorings seine Mission umsetzen.

HOCHTIEF schließlich hat in der Kooperation

ein ideale Möglichkeit gefunden,

seine gesellschaftliche Verantwortung

umzusetzen: Das Unternehmen kann

seine Kernkompetenzen einbringen, der

interne Netzwerk- und Motivationseffekt

bei den Mitarbeitern ist enorm und jede

realisierte Brücke bietet klar messbarer

Ergebnisse. HOCHTIEF und B2P – unter

dem Strich eine echte Erfolgsstory des

sozialen Engagements.

Handfeste Entwicklungshilfe

Bridges to Prosperity wurde 2001 mit dem Ziel gegründet, Menschen in abgelegenen

und strukturschwachen Regionen durch den Bau von Fußgängerbrücken

einen sicheren Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung und Märkten zu

ermöglichen. Denn während funktionierende Infrastruktur für Industriestaaten

eine Selbstverständlichkeit ist, ist die Flussüberquerung zur Nachbargemeinde

in Entwicklungsländern häufig ein gefährliches Unterfangen oder mit kilometerlangen

Umwegen verbunden.

Wie groß der Effekt einer Brücke für die Menschen vor Ort ist, belegt Bridges to

Prosperity beispielhaft anhand eines Projekts in Nepal, bei dem verschiedene

Daten vor und nach dem Bau der Brücke verglichen wurden: Die Zahl der im

Unterricht anwesenden Schüler stieg um zwölf Prozent, medizinische Einrichtungen

verzeichneten ein Viertel mehr Patientenbesuche und das Pro-Kopf-

Einkommen nahm um 20 Prozent zu.

In den zwölf Jahren seit der Gründung hat B2P mehr als 100 Brücken in Afrika,

Mittel- und Südamerika sowie Südostasien realisiert, davon zwölf gemeinsam

mit Gesellschaften des HOCHTIEF-Konzerns.

globalcompact Deutschland 2013

111


Agenda

Global Compact

Impressionen Leaders Summit 2013

112 globalcompact Deutschland 2013


Global Compact Inside

Inside

globalcompact Deutschland 2013

113


Agenda

Leaders Summit sieht CEOs als

Architekten für eine bessere Welt

Mit der Präsentation einer „neuen Architektur für Unternehmens-Engagement“ ist der Global

Compact Leaders Summit 2013 zu Ende gegangen. Das Konferenz-Papier versteht sich als

Anleitung, wie Unternehmen sich mit ihren CSR-Aktivitäten in den globalen Nachfolgeprozess

der Millenniumsziele einreihen können. Dieses „neue Führungs-Paradima stellt Zusammenarbeit

und Ko-Finanzierung in den Mittelpunkt“, heißt es darin.

Von Dr. Elmer Lenzen

„Building the Post-2015 Business Engagement Architecture“

erinnert in Aufmachung und Argumentationsweise an den

„Blueprint“, den man beim letzten Leaders Summit vorstellte.

Trotz zahlreicher Grafiken und Flusscharts bleibt der hier

gezeichnete Architektur-Entwurf aber abstrakt, und die konkrete

Umsetzung ins Alltägliche respektive Nachhaltigkeits-

Management-Strukturen bei kleinen wie großen Unternehmen

werden Aufgabe und Herausforderung der nächsten Zeit für

das Global Compact-Team sein.

Konferenzteilnehmer begrüßten den vorgestellten Ansatz. So

sagte etwa Elias Masilela, CEO der südafrikanischen Public Investment

Corporation, dass „zum derzeit kritischen Augenblick

der Weg des Global Compact willkommen geheißen werden

sollte.“ Der stellvertretende UN-Generalsekretär Jan Eliasson

betonte bei seinem Schlusswort: „Jetzt haben wir einen Plan:

Dieser kann uns als Anleitung für Korrekturen nach oben und

für Umgestaltungen dienen.“

Der alle drei Jahre stattfindende Gipfel spielte sich 2013 in

einem komplizierten Umfeld ab: So war die Konferenz wenige

Tage vor der UN Vollversammlung angesetzt, die sich allerdings

vor allem mit geopolitischen Themen wie dem Syrien-Konflikt

beschäftigte. Direkt im Anschluss an dieser wiederum folgten

die Verhandlungen für den Post-2015 Prozess, welcher die Zeit

nach den Millenniumszielen diskutieren will. Gerade zum

Post-2015-Dialog wollte der Global Compact-Gipfel Impulse

und Positionsbestimmungen liefern.

Wenig Unterstützung finden engagierte Unternehmensvertreter

derzeit von Politikern, sagt die Studie weiter. Das bestätigt

auch Paul Hohnen, früherer Greenpeace-Chef und versierter

internationaler CSR-Experte, in einem Guardian-Gastbeitrag:

„Unglücklicherweise adressieren Wahlen heutzutage kaum das

Nachhaltigkeitsthema. So ist der Spielraum auf den nationalen

und oftmals nur regionalen Bereich begrenzt.“

Für Global Compact-Direktor Georg Kell sind Unternehmen

daher unverzichtbare Partner. Gegenüber Reuters sagte er:

„Angesichts einer signifikanten Armutsreduktion, Fortschritten

bei wesentlichen Gesundheitsindikatoren und größerer

wirtschaftlicher Möglichkeiten hat sich die Privatwirtschaft

weltweit zur bedeutendsten transformativen Kraft seit der

Industriellen Revolution entwickelt.“ Doch nicht alles, was

versprochen wird, wird auch umgesetzt. Das weiß auch Kell

und fordert daher, dass der „Graben zwischen ‚Sagen‘ und

‚Handeln‘ geschlossen werden muss, indem die Vorstände intelligente

und umfassende Ansätze wählen, um Nachhaltigkeit

auf allen Unternehmens-Ebenen einzubinden.“

Auch aus den Reihen der Wirtschaft erhält das CSR-Thema

aktuell nur begrenzte Unterstützung. So sagen zwar weit über

90 Prozent der CEOs weltweit, dass sie Umwelt-, Sozial- und

Governance-Kriterien ganz allgemein für wichtig erachten.

Allerdings ist die Zahl derjenigen, die Nachhaltigkeit ganz konkret

im Tagesgeschäft für sehr wichtig halten, von 54 Prozent

vor drei Jahren auf jetzt 45 Prozent gesunken. In Europa sind

es sogar nur noch 34 Prozent. Das ergab eine aktuelle Studie

von Accenture und dem Global Compact. (Mehr dazu auf S. 118)

114

Georg Kell, UN Global Compact

Executive Director, Leaders Summit 2013

globalcompact Deutschland 2013


Global Compact Inside

Neue Initiativen des Global Compact

Der Global Compact Leaders Summit 2013 hat vier neue Initiativen und Arbeitsschwerpunkte

ergänzend zu den bereits bestehenden vorgestellt:

Nachhaltige Landwirtschaft

Experten erwarten, dass die Weltbevölkerung bis zum Jahr

2050 um 30 Prozent auf dann neun Milliarden Menschen

anwachsen wird. Die Versorgung der Menschen mit Nahrung

wird ein dringenderes Problem denn je. Zugleich wirken sich

Kräfte wie etwa der Klimawandel und damit verbundene

Dürre und Flut sowie industrielle Umweltschäden negativ

auf die Nahrungsmittelproduktion aus. Die „Sustainable

Agriculture Business Principles“ (SABPs) wollen hier u. a.

ein gemeinsames Verständnis der Ressource Landwirtschaft

generieren helfen und Wirtschaftsaktivitäten fördern

und initiieren, die im Sinne des Rio+20 Abschlussdokuments

„The future we want“ agieren. Vor allem setzt man beim

Global Compact darauf, Lösungen zu finden, die verstärkt

kleine landwirtschaftliche Betriebe einschließen und Zertifizierungsstandards

verbessern.

Bildung

Das smarteste Investment ist ... Bildung. Das „Framework

for Business Engagement in Education“ will Lernund

Ausbildungsmöglichkeiten für Kinder, Jugendliche

und Erwachsene verbessern und Unternehmen aufzeigen,

wie dieser Bereich ein durchaus erträgliches Geschäftsfeld

ist, wenn man es denn verantwortungsvoll

angeht. Das ist auch im Interesse der Wirtschaft: Laut

einer PwC-Studie beklagen sich 66 Prozent der Vorstände,

das es ihren Firmen an geeignete Talenten fehle.

Das will die Initiative verbessern. UN Generalsekretär

Ban Ki-moon mahnt daher an: „Sie alle wissen um die

Dividende der Bildung für alle.“ Mehr zum Thema unter:

www.unglobalcompact.org/resources/391

Unternehmen für Frieden

Seit mehr als zehn Jahren setzt sich der Global Compact

mit der Rolle von Unternehmen in Konfliktregionen

auseinander. Jetzt will er seine Erfahrungen durch eine

internationale Initiative öffentlich machen.

Die „Business for Peace“ (B4P)-Plattform will Unternehmen

dabei Wege aufzeigen, wie sie sich in Konflikt- und

Hochrisikoregionen verhalten sollten. Neben diesem Einzelverhalten

stehen vor allem gemeinsame, sogenannte

kollaborative Ansätze im Blickpunkt.

Erste Einblicke in Argumente und Ansätze liefert die

Broschüre „Business for Peace“ sowie die Webseite

www.unglobalcompact.org/issues/conflict_prevention/

The Africa Sustainability Barometer

Gemeinsam mit der Financial Times entwickelt stellt das Africa Sustainability Barometer des UN Global Compact nach

eigenen Angaben die erste kontinentale Vergleichsstudie zum Thema Nachhaltigkeit in Afrika dar. Mehr als 1.000 sowohl

transnationale als auch regionale Unternehmen wurden zu CSR-Aspekten befragt. Georg Kell, UN Global Compact Executive

Director, sagte dazu: „Die Bereitstellung dieser Informationen bietet auch wichtige Erkenntnisse für die Investment-Community.

So sind beispielsweise Unternehmen mit robusten Anti-Korruptions-Richtlinien in einer besseren Position, um unnötige

Kosten zu vermeiden, ganz zu schweigen von Schaden durch Skandale und Rechtsverstöße.“

Mehr zum Thema unter www.unglobalcompact.org/resources/461

globalcompact Deutschland 2013

115


Agenda

GC100: UN Global Compact

führt Aktienindex ein

Der Global Compact der Vereinten Nationen hat den „Global Compact 100“ eingeführt. Der

Aktienindex listet Unternehmen, die sich zu den zehn Prinzipien des Global Compact bekennen,

und erzielte im letzten Jahr eine im Vergleich zum weltweiten Aktienmarkt überdurchschnittliche

Gesamtrendite von 26,4 Prozent.

Der GC 100 wurde in Kooperation mit dem Analysehaus Sustainalytics

erstellt und setzt sich aus Unternehmen zusammen,

die sich durch eine Beachtung der Global Compact-Prinzipien,

ein besonderes Bekenntnis der Unternehmensleitung und eine

beständige Profitabilität auszeichnen.

Im Vergleich zum FTSE All World zeichnet sich der GC100 in

den letzten Jahren durch eine überdurchschnittliche Wertentwicklung

aus (letztes Jahr: GC100 26,4 % / FTSE All World

22,1 %; letzten zwei Jahre: GC100 19,0 % / FTSE All World

17,7 %; letzten drei Jahre: GC100 29,0 % / FTSE All World 12,0 %).

„Die Performance des GC100 darf man nicht als ein einfaches

Wechselspiel von Engagement in unternehmerisch nachhaltige

Praktiken auf der eine Seite und dem Börsenkurs auf der

anderen Seite missverstehen. Vielmehr sieht man eine spannende

Korrelation“, sagt Georg Kell, Executive Director des

UN Global Compact. „Darüber hinaus spiegeln die Resultate

auch die Tatsache wider, dass Nachhaltigkeitsperformance ein

Faktor wird, der wachsendes Interesse von Investoren erlebt.“

Kell ergänzt: „Nachhaltigkeitsperformance sollte daher nicht

isoliert betrachtet werden, sondern vielmehr als Notwendigkeit

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon läutet bei der New York Stock

Exchange (NYSE) den Handelstag offiziell ein. Anlass: Beitritt der NYSE

zur Nachhaltigkeitsinitiative „UN Sustainable Stock Exchanges“ (SSE).

für eine finanziell gute und gesunde Basis. Beide Faktoren

werden oft als Stellvertreter für die Qualität von Management

angesehen, was ein entscheidender Aspekt beim Thema ‚Return

of investment‘ ist.“ Kell erläutert weiter: „Es ist uns wichtig

zu betonen, dass wir damit nicht sagen, diese 100 Firmen

seien die Besten im Global Compact. Der Global Compact

hat viele Tausend Unternehmen, die einen exzellenten Job

im Bereich Nachhaltigkeit machen. Wir wollten vielmehr die

Verbindung zwischen nachhaltigen Geschäftspraktiken und

Börsen-Performance ausprobieren. Und die ersten Resultate

sind ermutigend!“. Für die Analyse wurde zudem mit 713 Unternehmen

nur ein Teil der ca. 1.000 börsennotierten Global

Compact-Unterzeichnerunternehmen betrachtet (von 8.000

Global Compact-Unterzeichnerunternehmen insgesamt).

Quelle: UmweltDialog / UPJ

116

globalcompact Deutschland 2013


Global Compact Inside

Publikationen

Download: http://bit.ly/1e9S1aa

Download: http://bit.ly/HYwVAC

Download: http://bit.ly/HWg3u2

Download: http://bit.ly/I6lYvS

Download: http://bit.ly/1e9S1aa

Download: http://bit.ly/I6mcDg

Download: http://bit.ly/17yfuNn

Download: http://bit.ly/1aJIWQy

Download: http://bit.ly/17yfBIA

globalcompact Deutschland 2013

117


Agenda

CEOs beklagen geringe Fortschritte und

fordern Politik zum Handeln auf

Zwei von drei Vorstandschefs (67 Prozent) sind der Meinung, dass Unternehmen nicht genügend

tun, um global nachhaltiger zu wirtschaften. Die große Mehrheit der Top-Manager steht

weiter hinter dem Konzept der Nachhaltigkeit, wünscht sich aber mehr Unterstützung durch die

Politik. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der CEO-Nachhaltigkeitsstudie des United Nations

Global Compact und der Beratungsgesellschaft Accenture. Deutsche Vorstände sind besonders

skeptisch, was den Fortschritt in Sachen Nachhaltigkeit angeht. Neun von zehn Unternehmenslenkern

(87 Prozent) halten die bisherigen Anstrengungen für unzureichend.

Für die Befragung bewerteten insgesamt 1.000 Vorstandschefs

in 103 Ländern den Fortschritt der globalen Wirtschaft im

Bereich der Nachhaltigkeit. Die Studie erscheint alle drei Jahre

und ist die weltweit größte Befragung von CEOs zu diesem

Thema. Sie umfasst außerdem ausführliche Interviews mit 75

Top-Managern und analysiert, wie es Unternehmen gelingt,

Nachhaltigkeit und Geschäftserfolg miteinander zu verbinden.

Demnach verstehen immer mehr Firmenlenker Nachhaltigkeit

als Chance. 78 Prozent sehen darin eine Möglichkeit, weiter zu

wachsen und innovativer zu werden, und 79 Prozent glauben,

dass sie durch nachhaltigeres Wirtschaften künftig einen

Wettbewerbsvorteil in ihrer Branche haben werden. Jedoch

hindern die momentane wirtschaftliche Lage und widerstreitende

Prioritäten die Firmenchefs daran, Nachhaltigkeit in

ihren Unternehmen zu verankern.

Wie schon 2010 erachten 93 Prozent der Befragten Umweltbelange,

soziale Fragen und verantwortungsvolle Unternehmensführung

als wichtig für die geschäftliche Zukunft ihrer

Firmen. Allerdings ist die Zahl derjenigen, die Nachhaltigkeit

für sehr wichtig halten, von 54 Prozent vor drei Jahren auf

jetzt 45 Prozent gesunken. In Europa sind es sogar nur noch

34 Prozent. Andererseits ist die große Mehrheit (84 Prozent)

der Meinung, dass die Wirtschaft Vorreiter in Sachen

Nachhaltigkeit sein sollte, verweist aber auf eine Reihe von

Hindernissen:

• Größte Hürde ist demnach der Mangel an Kapital (51 Prozent).

Für 40 Prozent der Unternehmensführer erschwert die derzeitige

wirtschaftliche Lage die Einbettung entsprechender

Maßnahmen in ihr Kerngeschäft.

• Die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und Geschäftserfolg

herzustellen, wird zunehmend als Problem erkannt. Sahen

im Jahr 2007 nicht einmal jeder Fünfte (18 Prozent) diesen

Punkt als kritisch, so sind es in diesem Jahr bereits mehr als

ein Drittel (37 Prozent). Genauso viele Firmenchefs (38 Prozent)

glauben, den Wertbetrag von Nachhaltigkeit tatsächlich

angemessen quantifizieren zu können. In Deutschland sind

es deutlich weniger (18 Prozent). Und während 43 Prozent

der deutschen Vorstände angeben, über eine dezidierte

Strategie für zukunftsgerichtetes Handeln zu verfügen, sind

es weltweit mit 56 Prozent erheblich mehr.

• Nur wenige CEOs (15 Prozent) sind der Ansicht, dass sich

Nachhaltigkeit als unverzichtbares Kaufkriterium durchgesetzt

hat. Die große Mehrheit (82 Prozent) hält aber genau

das für entscheidend, damit das Konzept seine verändernde

Wirkung voll enfalten kann. Fast jeder Zweite (46 Prozent)

glaubt allerdings, dass für Konsumenten der Preis, die Qualität

und die Verfügbarkeit immer wichtiger sein werden

als die Nachhaltigkeit eines Produktes.

• Für 52 Prozent aller Befragten ist das Interesse von Investoren

an Nachhaltigkeit ein Anreiz, um entsprechende Maßnahmen

in ihrem Unternehmen anzustoßen. Jedoch gaben nur 12

Prozent Druck von Investoren als entscheidende Motivation

für ihr Handeln an. 69 Prozent glauben, dass die Interessen

der Finanziers ihr Handeln in Zukunft mehr in Richtung

Nachhaltigkeit beeinflussen wird.

• Die Studie zeigt auch unterschiedliche Prioritäten: Während

im Rest der Welt vor allem Bildung und Ausbildung als

wichtig für den zukünftigen Geschäftserfolg identifiziert

118

globalcompact Deutschland 2013


Global Compact Inside

werden, nennen besonders viele deutsche CEOs Energie

(62 vs. 39 Prozent global) und den Klimawandel (44 vs. 29

Prozent global) als die größten Herausforderungen.

„Die große Schwierigkeit liegt darin, das volle Potenzial von

Unternehmen zu entfalten, um Märkte und Gesellschaften

rund um den Globus nachhaltiger zu gestalten. Das zeigt die

Studie deutlich“, so Georg Kell, Executive Director des UN

Global Compact. „Vom Marktführer bis zum Kleinunternehmen

haben sich tausende von Unternehmen auf eine verantwortungsvolle

Unternehmensführung verpflichtet – diesen

Schwung gilt es zu nutzen.“

Bessere Zusammenarbeit mit Regierungen

und mehr Markteingriffe

Die CEOs wünschen sich eine verstärkte Zusammenarbeit

zwischen Unternehmen, Regierungen und politischen Entscheidern,

so ein weiteres Ergebnis der Befragung. 42 Prozent

nennen die Regierung als einen der drei wichtigsten

Ansprechpartner in Sachen Nachhaltigkeit, verglichen mit

32 Prozent im Jahr 2007.

Die große Mehrheit (85 Prozent) verlangt klare politische

Entscheidungen und eindeutige Marktsignale, die grünes

Wachstum unterstützen. Für 55 Prozent stehen dabei Regulierungen

und Standards ganz oben auf der Wunschliste, gefolgt

von Subventionen und anderen finanziellen Anreizen (43

Prozent). 31 Prozent sehen Änderungen in der Besteuerung

als Mittel der Wahl. Weichere Methoden wie etwa freiwillige

Selbstverpflichtungen oder mehr Transparenz unterstützen

dagegen nur 21 Prozent.

„Die gute Nachricht ist: Eine überwältigende Mehrheit der

befragten Manager steht hinter der Idee der Nachhaltigkeit

und sieht das Potenzial für Wachstum und Innovation“, sagt

Alexander Holst, Managing Director und Leiter Sustainability

Services bei Accenture für Deutschland, Österreich und die

Schweiz. „Eine zentrale Herausforderung für Unternehmen

bleibt jedoch, Nachhaltigkeit messbar zu machen. Die meisten

Unternehmen tun sich momentan noch schwer zu demonstrieren,

in welchem Umfang Nachhaltigkeit wirklich zum

Geschäftserfolg beiträgt – und zwar in harten Zahlen und

Fakten. Erst wenn das gelingt, lassen sich auch die Investoren

davon überzeugen, dass das der richtige Weg ist.“

globalcompact Deutschland 2013

119


Agenda

The Principles THE PRINCIPLES

Die Corporate Sustainability HUMAN Momentaufnahme RIGHTS untersucht

LABOUR

Maßnahmen der Unternehmen vor dem Hintergrund des Global

Compact Management Models Participate und schaut in industry dabei besonders auf 22% Framework for industrial

apshot

die Elemente, welche als kritisch initiatives für einen umfassenden Nachhaltigkeitsansatz

relations

42%

angesehen werden: Aktivitäten mit Bezug auf

die Zehn Prinzipien, Managementpraktiken zur Einbindung

Risk assessment 21% Participate in industry

13 von Nachhaltigkeit in der eigenen Organisation sowie der

initiatives

25%

Lieferkette. Sie dient auch als Quick-Check-Leitfaden über die

Impact assessment 13%

Arten von Maßnahmen und Regelungen, die wesentlich sind,

Risk assessment 36%

porate Sustainability

um die Verankerung

Snapshot

von verantwortungsvollen Praktiken in der

Firmenstrategie, den Geschäftstätigkeiten Within overall und nicht zuletzt der 72%

corporate action against the

Unternehmenskultur nachzuvollziehen. corporate code Die Daten der Momentaufnahme

basieren auf einer Befragung von 1.712 Mitglieds-

Impact assessment 23%

the Global Compact Management

nd looks at elements considered

unternehmen des Global Compact

o a comprehensive sustainability

Supplier aus policy dem Befragungszeitraum 53% Non-discrimination 83%

November / Dezember 2012. Alle Angaben sind in Prozent.

h: action on the Ten Principles,

THE PRINCIPLES

ment practices to embed sustainhroughout

the organization,

ply chain sustainability. HUMAN It also RIGHTS

Specific human rights code

Employee training &

29%

LABOUR44%

Equal opportunity

Free to form & join

78%

77%

s a quick-check guide on the

awareness

trade union

policies and practices Participate essential in industry

22% Framework for industrial

42%

ng t responsible practices initiatives into an Complaint mechanism relations 37% No child labour 66%

tion’s strategies, operations

ure.

Risk assessment Supply chain arrangements 21% Participate 26% in industry No forced labour25%

initiatives

wn in the Snapshot

Impact

represents

assessment Operational guidance 13% notes 23% Supplier policy

entage of companies that indicate

Risk assessment 36%

Snapshot specific action – based on the

Within overall

mpanies nst the that responded to the

Employee performance 72%

36% Collective bargaining

corporate code assessment

Impact assessment 23%

ompact anagement Annual Implementation

64%

49%

59%

n considered Nov/Dec 2012.

Employee training &

56%

stainability

Supplier policy Monitor & evaluate 53% Non-discrimination 29% awareness 83%

rinciples,

performance

ed sustainzation,

Specific human rights code 29% Equal opportunity Vocational/counseling 78%

45%

Public disclosure of

29% programmes

ty. COMMIT It also Employee training &

policies & practices

44% Free to form & join

77%

on the

awareness

trade union Mechanisms for

40%

essential

Multi-stakeholder dialogue 22% age verification

ces into an Complaint mechanism 37% No child labour 66%

ations

Supply chain arrangements 28%

EASURE

ASSESS

SNAPSHOT COLOUR KEY

epresents

at indicate

d on the

d to the

mentation

Supply chain arrangements 26%

IMPLEMENT

DEFINE

Operational guidance notes 23%

Employee performance

assessment

Monitor & evaluate

performance

36%

29%

No forced labour 64%

Monitor & evaluate

Supplier policy

performance

49%

Collective bargaining

Public disclosure

59%

of

policies & practices

Employee training &

awareness

53%

40%

56%

Multi-stakeholder dialogue 24%

ENVIRONMENT

Voluntary charte

Participate in ind

initiatives

Impact assessm

Risk assessment

Technology asse

management

Water footprintin

Life-cycle assess

costing

Performance tar

indicators

Consumption &

responsible use

Cleaner & safer

Supplier policy

Management sys

Public disclosure of

policies & practices

29%

Vocational/counseling

programmes

45%

Employee trainin

awareness

SESS

Multi-stakeholder dialogue 22%

Mechanisms for

age verification

Quelle

40%

United Nations Global Compact / Accenture

3R (reduce, re-us

Supply chain arrangements 28%

Supply chain arr

EY

DEFINE

120

Monitor & evaluate 53%

globalcompact Deutschland 2013

Eco-design


Global Compact Inside

THE PRINCIPLES The Principles THE PRINCIPLES

ENVIRONMENT

ENVIRONMENT

ANTI-CORRUPTION

ANTI-CORRUPTION

42%

Voluntary charters or codes Voluntary charters 50% or codes Participate 50% in industry initiatives Participate in industry 17% initiatives 17%

25%

Participate in industry Participate in industry 33%

initiatives

initiatives

Engage in 33% collective action Engage in collective 13% action 13%

36%

23%

83%

78%

Risk assessment Risk assessment 25%

25%

Impact assessment Impact assessment 51%

51%

Impact assessment Impact assessment 14%

14%

Risk assessment Risk assessment 50%

50%

Within overall corporate Within code overall corporate 70% code 70%

Technology assessment/ Technology assessment/ 45%

45%

management management

Supplier policy Supplier policy 59%

59%

Water footprinting Water footprinting 32%

32%

Zero-tolerance Zero-tolerance 49%

49%

77%

Life-cycle assessment Life-cycle & assessment 31% &

costing

costing

Specific anti-corruption

31%

code Specific anti-corruption 48% code 48%

66%

Performance targets & Performance targets 66% &

indicators

indicators

Pre-approval of facilitation Pre-approval of facilitation 22%

payments

66%

payments

22%

64%

49%

Consumption &

responsible use

Consumption & 65%

responsible use

Employee training & awareness Employee training 42% & awareness 42%

65%

Management system Management system 42%

42%

59%

56%

45%

40%

28%

Cleaner & safer production Cleaner & safer 62% production 62%

Sanction employee breaches Sanction employee 33% breaches 33%

Supplier policy Supplier policy 61%

61%

Specialized unit Specialized unit 31%

31%

Management systems Management systems 66%

66%

Anonymous hotline to

report corruption

Anonymous hotline 30% to

report corruption

30%

Employee training & Employee training 62% &

62%

awareness

awareness

Supply chain arrangements Supply chain arrangements 28%

28%

3R (reduce, re-use, recycle) 3R (reduce, re-use, 59% recycle) 59%

Managers sign “no bribery” Managers sign “no 14% bribery”

certifications

certifications

Supply chain arrangements Supply chain arrangements 31%

31%

14%

53%

Monitor & evaluate

Eco-design Eco-design 25%

performance 25%

Monitor & evaluate 30%

performance

30%

40%

Monitor & evaluate

performance

Monitor & evaluate 54%

performance

Record instances 54% of corruption Record instances 30% of corruption 30%

24%

Public disclosure of

policies & practices

Report emissions/

strategic data

Public disclosure 49% of

policies & practices

Report emissions/ 38%

strategic data

Record facilitation

payments 49% & gifts

Multi-stakeholder dialogue Multi-stakeholder 27% dialogue 27%

Record facilitation 22%

payments & gifts

22%

Publicly accessible policy Publicly accessible 40% policy 40%

38%

Public disclosure of

policies & practices

Public disclosure 29% of

policies & practices

29%

Multi-stakeholder dialogue Multi-stakeholder 16% dialogue 16%

globalcompact Deutschland 2013

121


Agenda

Das Deutsche Global Compact Netzwerk

2013

Von Dr. Jürgen Janssen

Für die Teilnehmer des Global Compact wie auch für die lokalen

Netzwerke begann das Jahr 2013 mit einem Paukenschlag

in Form der Ankündigung einer neuen Beitragspolitik und

anderer Veränderungen durch das Global Compact Office (GCO).

Gemeinsam konnten die lokalen Netzwerke die Änderungen

stoppen und einen Diskussions- und Abstimmungsprozess

mit dem GCO anstoßen, der letztlich auch das gegenseitige

Verständnis zwischen lokal und global deutlich verbessert hat.

Wesentlich für diesen Erfolg und das größere Gewicht der

lokalen Netzwerke ist die im Mai gewählte „Local Networks

Advisory Group“, deren sieben Mitglieder die lokale Netzwerke

repräsentieren und deren Vorsitzender ex-officio Mitglied

des Global Compact Boards ist. Vor dem Hintergrund dieser

Entwicklungen hat das DGCN mit dem GCO vereinbart, dass

alle deutschen Unternehmen im Global Compact sowohl die

Aktivitäten auf globaler als auch auf lokaler Ebene über eine

Spende an die Stiftung DGCN unterstützen sollen.

2013 war auch das Jahr, in dem sich viele gesellschaftliche

Akteure und Gruppen auf die Verhandlungen um eine globale

Agenda nach 2015 vorbereitet und mit eigenen Vorschlägen

eingebracht haben. Die Vereinten Nationen wollen 2015 ein

neues globales Zielsystem beschließen, das die dann auslaufenden

Millenium Development Goals aufgreifen und diese

um die bei Rio+20 diskutierten Sustainable Development

Goals ergänzen soll.

und zeigte die vielen Ansatzpunkte für eine stärkere Beteiligung

von Unternehmen bei der Bewältigung aktueller und

zukünftiger globaler Herausforderungen.

Der erwähnte Bericht an den UN Generalsekretär bildet auch

die Grundlage der vom UN Global Compact im Rahmen des

Leaders Summit vorgestellten „Post-2015 Business Engagement

Architecture“ (www.leaderssummit2013.org). Sie legt dar, wie

sich Unternehmen über die reine Umsetzung und Förderung

der 10 Prinzipien hinaus für eine nachhaltige Entwicklung

global und lokal einsetzen können. Die vom UN Global Compact

und verschiedenen Organisationen der Vereinten Nationen

betreuten Themenplattformen bieten dazu vielfältige Möglichkeiten.

Das DGCN engagiert sich über die Geschäftsstelle etwa

in den Arbeitsgruppen zu Menschenrechten & Arbeitsnormen,

zum 10. Prinzip und auf der neu gestarteten Plattform „Business

4 Peace“. Weitere Kooperationsmöglichkeiten und eine

Übersicht bietet der neu gestartete Business Partnership Hub

(http://businesspartnershiphub.org/).

Das DGCN ist in diesem Umfeld auf nunmehr über 250 Unternehmen

und rund 70 weitere Akteure aus Zivilgesellschaft,

Wissenschaft, Kommunen, verfasster Wirtschaft und Politik

angewachsen. Für diese bietet das Netzwerk viele Möglichkeiten

für Informationsaustausch, Lernen und Dialog.

Unternehmen soll dabei sowohl bei der Zielformulierung

als auch bei der Umsetzung eine wesentlich größere

Bedeutung als in der Vergangenheit zukommen. Das

DGCN hat in diesem Zusammenhang zum Bericht

des Global Compact an den UN Generalsekretär

„Corporate Sustainability and the United

Nations Post-2015 Development Agenda“

beigetragen und zusammen mit dem

Bildung

Bundesministerium für Wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung

(BMZ) eine erste Konsultationsrunde

zwischen Unternehmen

und Politik in Deutschland

organisiert. Diese orientierte

sich an den vom UN Global

Compact als prioritär

identifizierten

Themenbereichen

(s. Abbildung)

Lebensmittel

& Landwirtschaft

Frieden

& Stabilität

Wohlstand

&

Verteilungsgerechtigkeit

Teilhabe

von

Frauen &

Gender-

Gleichheit

Wasser &

Sanitäre

Einrichtungen

Infrastruktur

& Technologie

Gesundheit

Armuts-

Apex

Energie &

Klimaressourcen

Grundbedürfnisse

& Kapazitäten

Gute Regierungsführung

& Menschenrechte

Ressourcen-

Trias

Umfeld

gestalten

122

globalcompact Deutschland 2013


Global Compact Inside

Ein wichtiger Schwerpunkt liegt dabei weiterhin auf der

Umsetzung der UN Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte

in und durch Unternehmen. So konnte das

Coachingprogramm weiter ausgebaut und u.a. in Kooperation

mit den Global Compact Netzwerken Schweiz, Österreich,

Ukraine und Großbritannien umgesetzt werden. Darüber

hinaus steht das in der Menschenrechtslerngruppe des DGCN

entwickelte Organisational Capacity Assessment Instrument,

mit dessen Hilfe Unternehmen die eigenen Kapazitäten und

Fähigkeiten im Umgang mit Menschenrechtsfragen bewerten

können, mittlerweile online in Deutsch, Englisch und Spanisch

zur Verfügung. Zudem hat sich das DGCN stärker mit

menschenrechtlichen Herausforderungen für Unternehmen

in Deutschland befasst. Hier wurden u. a. die Integration von

Fachkräften mit Migrationshintergrund und der Schutz von

Opfern häuslicher Gewalt thematisiert.

Als weiteren Schwerpunkt hat das DGCN das Thema Korruptionsbekämpfung

(10. Prinzip des Global Compact) ausgebaut.

Hier wurden mit Einführungswebinaren, dem Coaching

„Compliance Compact“ und dem Workshop „Compliance

und Risikomanagement“ neue Möglichkeiten für Lernen

und Dialog geschaffen. Um diese auch stärker regional

anbieten zu können, baut das DGCN die Kooperation mit

Industrie- und Handelskammern aus und bietet mit diesen

ein Einstiegstraining „Risiko Korruption – Effektive Mittel

zur Prävention“ an.

Neuland betritt das DGCN im Bereich des 10. Prinzips mit der

Allianz für Integrität (AfIn), einer Collective Action Initiative, in

der sich neben deutschen mittlerweile einige indische Unternehmen,

zivilgesellschaftliche Organisationen und staatliche

Institutionen engagieren (www.allianceforintegrity.org). Die

AfIn wird von Unternehmen und dem BMZ unterstützt und

führt zunächst in Indien Trainings- und Dialogveranstaltungen

zu konkreten Integritätsaspekten sowie Informationsmaßnahmen

mit dem Ziel durch, Managementkapazitäten und

-fähigkeiten zu stärken und integres Verhalten in Unternehmen,

zwischen Geschäftspartnern und im Wirtschaftssystem

zu fördern.

Neben den primär auf Lernen und Dialog ausgerichteten

Netzwerkaktivitäten konnte das DGCN auf der Grundlage

seines angepassten Referenztextes und vertreten durch seinen

Lenkungskreis in 2013 erstmals zu politischen Prozessen Stellung

nehmen, die unmittelbar mit den 10 Prinzipien und den

Grundsätzen des UN Global Compact zusammenhängen. So hat

das Netzwerk etwa die Bundesregierung aufgefordert, einen

Umsetzungsplan für die UN Leitprinzipien für Wirtschaft und

Menschenrechte zu erarbeiten, und den Richtlinienentwurf

der EU-Kommission zur nicht-finanziellen Berichterstattung

grundsätzlich begrüßt.

Die praktische Umsetzung und Förderung der 10 Prinzipien

steht auch im Mittelpunkt der vom DGCN veröffentlichten

und allgemein zugänglichen Informationen und Materialien

sowie einiger Fachveranstaltungen:

• Mit der Broschüre „Menschenrechte achten. Ein Leitfaden

für Unternehmen“ hat das DGCN in Kooperation mit dem

Deutschen Institut für Menschenrechte und twentyfifty Ltd.

einen kompakten Leitfaden für den Einstieg in das Thema

veröffentlicht. Die Publikation liegt mittlerweile in deutscher

und englischer Sprache vor.

• Durch die Herausgabe der deutschen Version der UN Leitprinzipien

für Wirtschaft und Menschenrechte unterstützt das

DGCN die Verbreitung des 2011 veröffentlichten Rahmens

für die Unternehmensverantwortung für die Menschenrechte

in Deutschland.

• Das UN Office on Drugs and Crime (UNODC) und der UN

Global Compact haben mit „The Fight Against Corruption“

ein fundiertes und sehr übersichtliches E-Learningtool

entwickelt. Mit Unterstützung von BMZ und DGCN ist nun

eine deutschsprachige Version online, die Unternehmen

auch in ihre internen Weiterbildungsprogramme integrieren

können (http://thefightagainstcorruption.org).

• Gemeinsam mit Transparency International Deutschland e.V.

hat das DGCN die nationale und internationale Bedeutung

der United Nations Convention against Corruption (UNCAC)

als Rahmenwerk für die Korruptionsbekämpfung in Politik,

Gesellschaft und Wirtschaft in einer Fachveranstaltung

anlässlich des 10. Jahrestags der Unterzeichnerkonferenz

hervorgehoben.

• Im Rahmen eines Fachgesprächs konnte das DGCN im

Frühjahr zusammen mit UNICEF und Save the Children

die deutsche Fassung der „Children’s Rights and Business

Principles“ veröffentlichen (Broschüre „Kinderrechte und

unternehmerisches Handeln“).

• Die Herausforderungen im Bereich der Rohstoffwirtschaft

betreffen potenziell alle Prinzipien des Global Compact.

Mit dem Fachgespräch „Rohstofftransparenz – Zwischen

lästiger Pflicht und tatsächlichem Nutzen“ hat das DGCN

beleuchtet, inwieweit Transparenz und Offenlegung geeignet

sind, diesen Herausforderungen zu begegnen und somit

Rohstoffabbau und -verwendung nachhaltiger und zum

Nutzen aller Beteiligter zu gestalten.

Für die Ausrichtung und Strategie des DGCN ist der Multi-

Stakeholder Lenkungskreis von zentraler Bedeutung. Hier

werden u. a. die grundlegenden Entscheidungen zum Arbeitsprogramm

und – über den Stiftungsbeirat – die Verwendung

der Mittel der Stiftung DGCN getroffen.

Seit Ende September ist der neue Lenkungskreis im Amt.

Ihm gehören bis Herbst 2015 Tobias Bergner (Auswärtiges

Amt), Susanne Dorasil (BMZ), Wolfram Heger (Daimler AG),

Marita Hilgenstock (RWE AG), Mathias John (Amnesty International),

Klaus Milke (Germanwatch e.V.), Meike Niedbal

(Deutsche Bahn AG), Thorsten Pinkepank (BASF SE), Katharina

Riese (TÜV Rheinland AG), Lothar Rieth (EnBW AG), >>

globalcompact Deutschland 2013

123


Agenda

Bernhard Schwager (Robert Bosch GmbH) und beratend Prof.

Ingo Pies (Universität Halle-Wittenberg), Angelika Pohlenz

(ICC Deutschland e.V.) sowie Carsten Schmitz-Hoffmann (GIZ

GmbH) an.

Deutsches Global Compact Netzwerk: Ausblick 2014

2014 werden international wichtige Weichen für das im

Folgejahr zu beschließende neue globale Zielsystem für die

Zeit nach 2015 gestellt. In diesem Kontext kann dem UN

Global Compact als im UN System verankerter wirtschaftsgetriebener

Multi-Stakeholder Initiative eine große Bedeutung

zukommen, insbesondere auch mit Blick auf die explizite

Berücksichtigung der Möglichkeiten und Anforderungen

der Wirtschaft für eine möglichst effektive und effiziente

Umsetzung der Post-2015 Agenda. Als deutsches Netzwerk des

UN Global Compact wird sich das DGCN im Rahmen seiner

Möglichkeiten und mit seinen Partnern und Stakeholdern in

die entsprechenden Konsultationen und Diskussionsprozesse

in Deutschland einbringen.

Die Netzwerkarbeit wird aber primär von der Unterstützung

der Aktivitäten der Teilnehmer bei der Umsetzung der

10 Prinzipien geprägt. Der Lenkungskreis hat dazu für 2014

einige Schwerpunkte gesetzt, die die laufenden Arbeitsprogramme

zu Menschenrechten und Korruptionsbekämpfung

ergänzen sollen:

• Das DGCN wird sich in 2014 dem Themenkomplex Klimawandel

und Energiewende widmen. Hierzu strebt das Netzwerk

eine enge Zusammenarbeit mit Umsetzungspartnern an.

Eine Fokussierung soll mit Blick auf den Zusammenhang

zwischen Klimaveränderungen und Menschenrechten sowie

auf die Auswirkungen von Umweltproblemen und Klimawandel

auf Lieferketten erfolgen.

• Das Themenfeld der nicht-finanziellen / CoP-Berichterstattung

ist für das DGCN nicht erst mit der Veröffentlichung des

Richtlinienentwurfs der EU-Kommission von zentraler

Bedeutung. In 2014 soll der Fokus auf der Nutzung der Berichterstattung

für die Verankerung und das Management

von Nachhaltigkeit im Unternehmen selbst liegen.

Aktuelle Informationen zur Netzwerkarbeit

sowie Instrumente und Ressourcen finden Sie unter

www.globalcompact.de

Über den Autor

Dr. Jürgen Janssen, Geschäftsstelle Deutsches Global Compact Netzwerk

124

globalcompact Deutschland 2013


Global Compact Inside

„Das Deutsche Netzwerk ist ein wichtiger

Akteur im gesellschaftlichen Diskurs“

Das Deutsche Global Compact Netzwerk (DGCN) ist mit über 300 Mitgliedern heute eine feste

Größe in der deutschen CSR-Landschaft. Mit eigenen Themenschwerpunkten sowie künftig

stärkerem politischen Auftreten will das Netzwerk für seine Anliegen werben. Welche Akzente

sind zu erwarten? Wie schätzen die Verantwortlichen das aktuelle politische Umfeld ein?

Und wie wird intern mit wachsenden Teilnehmerzahlen und Kommunikationsproblemen mit der

New Yorker Zentrale umgegangen? Wir sprachen darüber mit den Lenkungskreismitgliedern

Katharina Riese, Dr. Mathias John und Klaus Milke.

Zunächst einmal Gratulation, Frau Riese, zur Wahl als Mitglied im

DGCN-Lenkungskreis. Sie sind – anders als Mathias John und Klaus

Milke – neu im Gremium. Was hat Sie persönlich zur Kandidatur

bewogen?

Katharina Riese: Nachhaltige Entwicklung kann nicht alleine

durch einen Akteur erreicht werden. Meiner Meinung nach

sind gemeinsame Lösungen und Kooperationen essentiell, um

den Herausforderungen auf dem Weg zu einer nachhaltigen

Entwicklung zu begegnen. Der UN Global Compact ist eine

zentrale Plattform, um voneinander zu lernen, um Kooperationen

und Partnerschaften mit anderen Akteuren einzugehen

und so gemeinsame Ziele zu erreichen. Diesen Prozess möchte

ich gerne mitgestalten.

Mit weit über 200 Mitgliedern hat das Netzwerk einen ganz anderen

Charakter als noch vor ein paar Jahren. Hat das Einfluss auf die Art,

wie die Teilnehmer angesprochen und eingebunden werden?

Katharina Riese: Die Entwicklung des Deutschen Global

Compact Netzwerks habe ich aktiv seit vier Jahren mitverfolgen

können, zuvor nur als interessierte Beobachterin von

außen. Aber bereits in diesen vier Jahren habe ich spannende

Neuerungen wahrnehmen können. Das Angebot hat sich über

die Zeit deutlich erweitert. Die Teilnehmer werden dabei

meiner Einschätzung nach weiterhin ebenso persönlich und

individuell betreut, wie man es gewohnt ist. Indem immer

neue Mitglieder dem Netzwerk beigetreten sind, haben sich

natürlich auch die Interessen und Erwartungen geändert und

sind weiter gestreut. Das Deutsche Global Compact Netzwerk

hat es immer gut verstanden, diese zu erkennen und in ihrer

Arbeit umzusetzen.

Der Lenkungskreis setzt traditionell Themenschwerpunkte innerhalb

des Netzwerkes. Was steht 2014 an?

Klaus Milke: Der Lenkungskreis schlägt dem Deutschen Global

Compact Netzwerk auch für 2014 erneut eine spannende

Mischung aus bewährten Schwerpunkten und zusätzlichen

wichtigen Themen vor. Wirtschaft und Menschenrechte sowie

Korruptionsbekämpfung werden weiterhin im Mittelpunkt

unserer Arbeit stehen. Als große Herausforderungen sehen wir

den Klimawandel und den „Post 2015“-Prozess bei den Vereinten

Nationen, die sicher mit aufgegriffen werden müssen. Und auf

der strukturell-organisatorischen Ebene wird sicherlich das

Thema der Optimierung von Stakeholder-Dialogen fortgeführt,

zu dem das letzte Arbeitstreffen im Oktober 2013 mit zwei

Workshops einen ersten Aufschlag gemacht hat.

Katharina Riese: ...Außerdem sind kommendes Jahr verstärkt

Aktivitäten zu den Themen Antikorruption, Umwelt und

Klimawandel geplant. Auch hier finden natürlich die sich

verändernden Rahmenbedingen und politische Entwicklungen

Berücksichtigung – Stichwort Energiewende.

Herr John, seit einigen Jahren widmet sich das Deutsche Global Compact

Netzwerk ausführlich dem Thema Menschenrechte. Sind Sie zufrieden?

Mathias John: Mir fällt da eine klassische Antwort ein: Im

Prinzip ja, aber … Es gibt da sicher noch ein gerütteltes

Volumen Luft nach oben. Aber ich bin beeindruckt, was das

Deutsche Global Compact Netzwerk zu dem Thema bisher

auf die Beine gestellt hat, ich denke, da sind deutsche Global

Compact-Unternehmen in einer weltweiten Vorreiterrolle.

Als Vertreter einer Menschenrechtsorganisation, die >>

globalcompact Deutschland 2013

125


Agenda

sich als „watchdog“ sieht, wünsche ich mir natürlich eine

Verbreiterung der Basis bei der Bewusstseinsbildung und vor

allem mehr Umsetzung der Menschenrechtsprinzipien im

operativen Geschäft – entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Compliance Assessments, Risikovorsorge und andere

menschenrechtliche d