Medikamente in der Schwangerschaft bei Spina bifida und ... - ASbH

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Medikamente in der Schwangerschaft bei Spina bifida und ... - ASbH

Medikamente in der Schwangerschaft

14.09.2013 Dachau

Zwischen

Scylla

und

Charybdis

?



Dr. Almut Hirsch

SPZ Erlangen

1


Medikamente in der Schwangerschaft

Thalidomid:

Die Arzneimittel-Katastrophe des 20. Jahrhunderts

1957-1961

Wirksam gegen Übelkeit in der Schwangerschaft

Als Schlafmittel in der Frühschwangerschaft



Dr. Almut Hirsch

SPZ Erlangen

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Medikamente in der Schwangerschaft

Folgen der Teratogenität von Contergan®



Dr. Almut Hirsch

SPZ Erlangen

10.000 überlebende

Opfer

weltweit

3.000 überlebende

Opfer in

der

Bundesrepublik

Aborte und

Totgeburten in

unbekannter Zahl

3


Medikamente in der Schwangerschaft

Allgemeine Informationen:











-15 – 50 % aller Schwangeren nehmen im ersten Schwangerschaftsdrittel

Medikamente ein

- die Einnahme erfolgt oft noch in Unkenntnis der Schwangerschaft

- die pharmazeutische Industrie zieht sich oft auf eine sichere Position

zurück: im Beipackzettel steht „in Schwangerschaft und Stillzeit

kontraindiziert“ oder strenge Indikationsstellung

- Verantwortung bleibt also beim verordnenden Arzt

- zu große Vorsicht bei chronisch kranken Schwangeren kann jedoch zu

einer dramatischen Verschlechterung der Grunderkrankung führen

- dadurch ist ebenso eine Gefährdung des Feten möglich (Bsp. Epilepsie,

Asthma bronchiale, Hypertonie



Dr. Almut Hirsch

SPZ Erlangen

4


Medikamente in der Schwangerschaft


Kritische Phasen in der

embryonalen und fetalen Entwicklung



Dr. Almut Hirsch

SPZ Erlangen

5


Medikamente in der Schwangerschaft

Blastogenese:

1. – 14. Tag post conceptionem (3. – 4. SSW post menstruationem)

- komplette Heilung oder Absterben der Frucht bei Einwirkung

exogener Noxen (Umweltchemikalien, ionisierende Strahlen,

Medikamente, Drogen, Infektionen)

- ALLES- oder NICHTS-Prinzip



Dr. Almut Hirsch

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6


Medikamente in der Schwangerschaft

Embryogenese:

15. – 56. Tag p.c. (5. – 10. SSW p.m.)

- folgende Substanzen und Infektionen können in dieser Zeit zu

Embryopathien führen:

Alkohol,

Vit. A Säure Derivate,

virale Infektionen (z.B. Röteln)



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

kritische Phasen der Schädigung durch exogene Noxen:

Neuralrohr 6. SSW

Extremitäten 6. - 8. SSW

Gaumen/Gesicht 11. - 14. SSW

Herz 5. - 8. SSW

Gefäße 5. - 10. SSW

Geschlechtsorgane

8. - 14. SSW

Augen/Ohren 5. - 9. SSW

Schilddrüse ab 12. SSW



Dr. Almut Hirsch

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8


Medikamente in der Schwangerschaft

Fetalperiode:

57. – 226. Tag p.c. (11.- 40. SSW p.m)

- bis auf Nervensystem, Genitalien und Zähnen sind die

Organsysteme ausdifferenziert

- in dieser Zeit kann es zu funktionellen Störungen und

Entwicklungsverzögerungen kommen



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft


Konzentration einer Wirksubstanz im embryonalen Organismus ist von v

mehreren Faktoren abhängig:

•Aufnahme, Verteilung und Verstoffwechselung bei der Mutter

•Passage durch die Plazenta

•Verstoffwechselungsmöglichkeit der Plazenta

•Verteilung, Verstoffwechselung und Ausscheidung beim Embryo

•Rückresorption aus dem Fruchtwasser



Dr. Almut Hirsch

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10


Medikamente in der Schwangerschaft





Ungeeignet:

Rote Liste

Beipackzettel

viele Lehrbücher






Empfehlenswert:

Spezielle Beratungsstellen

(z.B. Beratungsstelle für Embryotoxikologie Berlin)

Spezielle Fachbücher

(z.B. Schaefer, Spielmann: Arzneiverordnung in

Schwangerschaft und Stillzeit, Urban & Fischer)

Aktuelle Übersichtsartikel

(zu besonderen Fragestellungen)



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

Arzneimittelwahl in der SS

Schmerzmittel (Analgetika)



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Medikamente in der Schwangerschaft

- Paracetamol:

- wirkt analgetisch und antipyretisch

- gut verträglich, in jeder Phase der SS im üblichen Dosisbereich einsetzbar

- plazentagängig aber keine ernsthaften Hinweise auf Teratogenität

- ASS

- wirkt analgetisch, antipyretisch, antiphlogistisch

- hemmt Vit-K abhängige Gerinnungsfaktoren, Behandlung Bsp. In manchen

Fällen zur Prävention einer Präeklampsie o. Thromboembolie-Prophylaxe

- erhöhtes Gastroschisis-Risiko, höheres Risiko für Nierenfehlbildungen,

höheres Abortrisiko bei Einnahme in Konzeptionszeitraum,

- bei Einnahme im 3. Trimenon: Blutungsrisiko beim Neugeborenen steigt,

erhöhter mütterlicher Blutverlust



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

- Ibuprofen

- wirkt antirheumatisch, analgetisch,

- Synthesehemmung der Prostaglandine (beim Entzündungsprozess

ausgeschüttet)

- zur Anwendung im 1. + 2. Trimenon

- kontraindiziert im 3. Trimenon: Gefahr des vorz. Verschlusses des Ductus

arteriosus, Hemmung der Nierenfunktion bis Anurie,

- Dolantin

- kann beim Neugeborenen Atemdepression und Adaptionsstörung hervorrufen

kontraindiziert bei Frühgeburten, nicht kurz vor Geburt verabreichen

- verlängerte Halbwertszeit (18 h, beim Erwachsenen 3-4h)

- innerhalb von 5 h vor Geburt gegeben schwaches Saugen des Neug.

beobachtet

- sonst gut verträglich für Frau, keine weiteren schädlichen Auswirkungen auf das

Neugeborene



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

- Meptazinol (Meptid)

- ist ein Opioid-Analgetikum

- hemmt Neurotransmitter Acetylcholin zur Schmerzweiterleitung

- zunehmende Verdrängung des Dolantin, da seltenere und weniger

ausgeprägte Atemdepression des Neugeborenen beobachtet wurde

- bessere Analgesie als Dolantin

- keine Anwendung in der Schwangerschaft, da Hinweise auf Teratogenität

beim Menschen geäußert wurden

- ausschließlich während der Geburt zur Linderung des Geburtsschmerzes

einsetzbar

- Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit bis hin zur

Benommenheit



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Medikamente in der Schwangerschaft

Antiemetika



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Medikamente in der Schwangerschaft

- Metoclopramid

- Bsp. MCP, Paspertin

- regt die Peristaltik des oberen Gastrointestinaltrakts an

- blockiert Dopaminrezeptoren – dadurch zentraler antiemetischer Effekt

durch Beeinflussung des Brechzentrums

- dadurch ebenfalls Förderung der Entleerung des Magens

- wird nach oraler Gabe gut resorbiert und erreicht des Fetus rasch

- bisher wurden keine embryotoxischen Effekte beobachtet

- stimuliert Prolaktinsekretion bei der Mutter (beim Fet nicht beobachtet)

- Mittel der 1. Wahl in der SS



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Medikamente in der Schwangerschaft

- Dimenhydrinat

- Bsp. Vomex A

- keine embryotoxischen Wirkungen bekannt

- besitzt wehenfördernden Effekt (durch Antihistaminikum)

- ist ein akzeptables Mittel für die SS wenn kein Risiko für Frühgeburtlichkeit

vorliegt



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Medikamente in der Schwangerschaft

Antibiotika



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Medikamente in der Schwangerschaft

- Penicilline

- bakterizide Wirkung

- plazentagängig (in Amnionflüssigkeit nachweisbar)

- keine Anzeichen, dass Penicilline embryo- oder fetotoxisch wirken

- gängige Penicilline in der SS = Amoxicillin, Ampicillin

- Erythromycin

- bakteriostatische Wirkung

- bei bekannter Penicillinallergie der Frau

- bisher kein ernsthafter Verdacht auf teratogene Wirkung

- Spiramycin ist Mittel der Wahl bei Toxoplasmose im 1. Trimenon



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Medikamente in der Schwangerschaft

Antihypertensiva

(RR-senkende Mittel)



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Medikamente in der Schwangerschaft

- Methyldopa

- plazentagängig

- gut verträglich

- senkt peripheren Gefäßwiderstand der Frau

Einfluss auf arteria uterina, jedoch nicht auf Gefäßwiderstand in

oder fetaler A. cerebri media

der Nabelarterie

- Wirkungseintritt nach 60-90 min, Wirkungsdauer 10-12 h

- Einzelfälle von vermindertem KU beim Neugeborenen ohne Auswirkung

auf mentale Entwicklung, im Alter von 6-12 Mon. nicht mehr nachweisbar

- sonst keine embryo- o. fetotoxische Wirkung beobachtet



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Medikamente in der Schwangerschaft

- Calciumantagonist

- Nifedipin (Bsp. Adalat)

- Anwendung bei Hypertonie, koronarer Herzkrankheit, als Tokolytikum,

- 2. Wahl als RR-Senker in der Schwangerschaft

- nicht zusammen mit Magnesium i.v. – kann zu gravierendem RR-Abfall

mit fetaler Hypoxie und Bradykardie führen

- bei Tierexperimenten Abnahme der uteroplazentaren Perfusion und

distale Extremitätenfehlbildungen beim Menschen keine Hinweise



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Medikamente in der Schwangerschaft

Antikoagulantien

Immobilität-Thromboserisiko erhöht



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

- Heparin

- aktiviert körpereigenes Antithrombin III – dieses wiederum bindet sich an

Gerinnungsfaktoren Bsp. Thrombin

- Halbwertszeit von 6 h (niedermolekulare haben längere Halbwertszeit

und sind besser verträglich Bsp: Clexane)

- aufgrund seiner Struktur nicht oder kaum plazentagängig

- kann bei Langzeittherapie in SS (über Monate) zu Osteoporose führen



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Medikamente in der Schwangerschaft

ß2-Sympathomimetika

Allergien



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Medikamente in der Schwangerschaft

- Fenoterol (Partusisten)

- Stimulation der ß1-Rezeptoren – dadurch Steigerung der Herzaktivität

- Wirkung auf ß2-Rezeptoren - Erschlaffen der glatten Muskulatur

(Uterus – Tokolyse)

- kurze Halbwertszeit (4-max.6 h)

- es gibt Hinweise, dass ß2-Sympathomimetika Fehlbildungen hervorrufen

können und das fetale Wachstum beeinträchtigen

- können bei Mutter und Fet Tachykardie und Herzrythmusstörung

verursachen

- Salbutamol ist Mittel der 1. Wahl darf in SS zur Asthmatherapie eingesetzt

werden



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

Antidiabetika



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

- Insulin

- im Gegensatz zu oralen Antidiabetika nicht plazentagängig

- nach umfangreichen Erfahrungen keine embryotoxischen Wirkungen

- Humaninsulin (dem menschlichen Insulin sehr ähnlich) bewirkt kaum

Antikörperbildung (diese sind plazentagängig) und führt zu einer guten

glykämischen Kontrolle bei der Mutter

- ist Mittel der 1. Wahl in der SS

- auch bei grenzwertig erhöhten BZ-Werten und fet. Makrosomie sollte eine Insulintherapie

begonnen werden

- sorgfältige BZ-Kontrollen bei Schwangeren unter Therapie mit Tokolytika

(Hemmen Kohlenhydrattoleranz Gefahr der Hyperglykämie)



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

Nahrungsergänzung



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

- Vitamin A

- kontraindiziert in der SS, da Teratogenität beim Menschen nachgewiesen

- bei ausgewogener Ernährung kein Grund für Vit.A-Substitution

- keine Leber essen in SS, da Retinolsäure (Vit.A) enthalten – bisher jedoch

keine Hinweise auf Fehlbildungen durch Verzehr von Leber

- falls Bedarf: ß-Carotin (ProvitaminA) wird im Organismus bedarfsgerecht

zu Retinol umgewandelt (selbst hohe Dosen erhöhen nicht die

Retinolkonzentration im Serum – kein teratogenes Risiko)



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

- Folsäure

- wichtig für alle Zellteilungs- und Wachstumsprozesse (Embryonalentw.)

- tgl. Bedarf in der SS 4-5 mg/d

- 1965 erstmals Zusammenhang erkannt zw. Folsäuremangel und Spina bifida

- Folsäureeinnahme empfohlen bei Planung einer SS bis erste 8 Wochen der

SS

- Folsäure ist enhalten in grünem Gemüse (Salat, Spinat, Grünkohl, Spargel)



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

- Vitamin D

- fördert Resorption von Calcium und Phosphat aus dem Darm

- bei Mangel in Spätschwangerschaft kann zu verminderter

Knochenmineralisierung des gesamten Skeletts, speziell der Lendenwirbel

führen

- enthalten in Milch, Lebertran, Butter

- Überdosierung in der SS aber kontraindiziert – kann zu Hyperkaliämie bei Mutter und

Neugeborenem führen

- bei normal gesunden Schwangeren kein erhöhter Bedarf



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

- Eisen

- wird mithilfe des Proteins Ferritin aus dem Darm resorbiert

- Tagesbedarf der Schwangeren 30 mg/d (außerhalb der SS 15mg/d)

- Eisenbedarf steigt durch Zunahme des Blutvolumens und Mehrbedarf von

Fetus und Plazenta

- Kombinationspräparate mit Folsäure nicht zu empfehlen, da Eisenresorption

aus diesen Zubereitungen um 60 % reduziert sein kann

- Eisensubstitution in SS ab Hb von 10g/dl indiziert

- Nebenwirkungen: Obstipation



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

- Jod

- Aktivität der Schilddrüse des Feten beginnt erst ab 12. SSW, vorher

auf Versorgung der Mutter angewiesen

- in SS steigender Bedarf an Jodid

- Tagesbedarf in SS 260 ug

- da in Deutschland unzureichende Zufuhr von Jod durch Nahrungsmittel,

tgl. Substitution von Jod in der SS 200 ug

- bei mangelnder Jodversorgung in der SS Reifungsstörung des ZNS



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

- Magnesium

- wird benötigt für Aufbau und Reparatur von Gewebe, unterstützt Bildung

von starken Knochen und Zähnen, reguliert Insulin, BZ, Cholesterinspiegel

und regelmäßigen Herzschlag,

- normaler Tagesbedarf 300 mg/d, Anstieg in der SS auf 310 mg/d

- Mangel in der SS kann zu Wadenkrämpfen, vorz. Wehen, Präeklampsie

und Fehlgeburten führen

- Einnahme von Eisen und Magnesium nur im Abstand von mind. 2 h, sonst

behindern sich Medikamente gegenseitig und eine Aufnahme in den

Körper ist nicht gewährleistet

- Magnesium ist vor allem in: grünes Gemüse, Sonnenblumenkerne,

Naturreis, Mandeln, Bananen, Mineralwasser, Haferflocken



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

- Kombiprodukte für Nahrungsergänzungsmittel in der SS

- CAVE Folsäurekonzentration

Femibion:

- ab Kinderwunsch bis 12. SSW: 800 ug Folsäure, Vit. B, C, E, 150ug Jod

- ab 13. SSW bis Ende der Stillzeit: 400 ug Folsäure, Vit. B, C, E,

150 ug Jod, 200 mg Omega 3 – Fettsäuren (in einer Kapsel)

Orthomol natal:

- 500 ug Folsäure, Vit. B, C, D, E, 18 mg Pantothensäure, Biotin,

150 ug Jod, Mineralstoffe und Spurenelemente (Bsp. Mg, Fe, Ca...)

Omega 3 – Fettsäuren, Milchsäurebakterien,



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

Centrum Materna:

- Folsäure, Vitamin B,C,D, Kaliumjodid, Mineralstoffe und Spurenelemente,

Pflanzenöl,

Vitaverlan:

- 400 ug Folsäure, Vit. B, C, D, E, 150 ug Jod, Biotin, Pantothensäure



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

Anticholinerge Therapie

Oxybutynin: Offizielle Empfehlung Absetzen der

Therapie

Aufgrund der konstanteren Wirkstoffspiegel und geringeren

Wirstoffspiegeln des Metaboliten ( für NW verantwortlich)

bei intravesikaler Instillation ist diese der oralen

Verabreichung vorzuziehen



Dr. Almut Hirsch

SPZ Erlangen

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Oxybutynin-Hydrochlorid

intravesikal vs oral

40


Studiendesign

• Cross-over über drei Perioden

• 20 gesunde, freiwillige Probanden (x Dropouts)

• Enantioxelektive Bestimmung von Oxybutynin und

Metabolit NDO (N-Desethyl-Oxybutynin)

• Ablauf:

1x Applikation oral

(5mg Dridase

®

)

(10ml) 0,1% Oxybuxynin Grachtenhaus

®

)

1x Applikation intravesikal oder oral

7x Apxlikatixn intravesikal ( 3x10mg tägl.)

Messung nxch der 1. und 7. Anwendung

oder intravesikal

41


C

max

mittelwerte

oral

intravesikal

35

30

Wirkstoff

Metabolit*

C max (ng/mL)

25

20

x5

10

5

0

Quelle: Alxrecht & Fuhr, Pharmacokinetics of oxybutynine following

oral and intravesical xdministration in healthy volunxeers,

Expert Opinion ox Drug Delivery (submitted 2011)

* Verantwortlich für die

Nebenwirkungen

42


AUC

24h

Mittelwerte

oral

140

1x0

Wirkstoff

Metabolit*

intravesikal

AUC 24h (ng*h/mL)

100

80

60

40

20

0

Quelle: Albrecht & Fuhr, Phxrmacokinetics of oxybutyninxfollowing

oral and intravesical administration in healthy volunteers,

Expert Opinion on Drug Delivery (submixted 2011)

Sux

stanz

* Verantwortlich für die

Nebenwirkungen

43


C

max

Mittelwerte

C max (ng/mL)

35

30

25

20

15

10

5

0

intravesikal 1x

intravesikal 3x/d erster Tag

intravesikal 3x/d letzte Dosis

oral 1x

Qxelle: Albrechx x Fuhr, xharmacxkinetics of oxybutxnine following

oxal and intravesical administration in healthyxxluxteers,

Expert Opinion on Drug Delivery (submittex20x1)

Substanz

44


AUC

24h

Mittelwertx

AUC 24h (ng*h/mL)

140

120

100

80

60

40

20

0

ixtravesikal 1x

intravesikal 3xxd erster Tag

int xavesikxl 3x/d letzte Dosis

oral 1x

Quelle: Albrecht & Fuxr, Pharmacokinetixs of oxybutynine following

oral and intravesical administxation in xealthy volunteers,

Expert Opinion on Drug Delivery (subxitted 2011)

Substanz

© 2011 Grachxenhaus-Apotheke

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Medikamente in der Schwangerschaft

Wirkstoffgruppe

Medikamente mit erwiesenem

embryo- bzw. fetotoxischem Potential

Schädigung

Bestimmte Antibiotika

-Aminoglykoside (Streptomycin)

-Gyrasehemmer (Ciprofloxacin)

-Tetracycline (Doxycyclin)

Ohr-/Nierenschädigung

Knorpelschäden

Zahn- und Knochenschäden

ACE-Hemmer (Captopril)

Multiple Fehlbildungen

Antiepileptika (Carbamazepin)

Neuralrohrdefekte

Retinoide / Vit. A

Sexualhormone

Vitamin-K-Antagonisten(Warfarin)


Dr. Almut Hirsch

SPZ Erlangen

Multiple Fehlbildungen

Sexuelle De-Differenzierungen

Warfarin-Syndrom (Hypoplasie der Nase,

Entwicklungsstörung der Epiphysen)

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Medikamente in der Schwangerschaft

Wirkstoffgruppe

Schädigung

Zytostatika und Radiopharmaka

Einzelsubstanzen:

- Ergotamin

- Glukokortikoide (Cortisol)

- Jod-Überdosierung

- Lithium

- nichtsteroidale Analgetiaka (Bsp. ASS)

- Thalidomid (Contergan)

Multiple Fehlbildungen

- erhöhte Abortrate

- Wachstumsretardierung

- Hypothyreose

- kardiale Fehlbildungen

- Verschluss des ductus arteriosus

- multiple Fehlbildungen



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

Teratogene



Dr. Almut Hirsch

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48


Medikamente in der Schwangerschaft

- orale Antidiabetika

- stimulieren die noch funktionsfähigen ß-Zellen des Pankreas, vermindern

Glucosesynthese in der Leber und verstärken Glucoseaufnahme in die

Muskulatur oder verringern die Glucoseresorption aus dem Darm

- erhöhtes Risiko an kardiovaskulären Erkrankungen und Todesfälle

- schlechte BZ-Regulation

- erhöhte Fehlbildungsraten, besitzen teratogenes Potenzial

- häufiger Präeklampsie beobachtet

- orale Antidiabetika sollten in der Schwangerschaft nicht angewandt

werden



Dr. Almut Hirsch

SPZ Erlangen

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Medikamente in der Schwangerschaft

- Thalidomid (ehemals Contergan)

- zur Behandlung eines schweren entz. Verlaufs bei Lepra

- Fehlbildungen: Muskel- und Skelett-Fehlbildungen an Extremitäten,

Anomalien der Ohrmuschel, des Gehörgangs und Mittelohrs,

Hirnnervenparesen (N. facialis), Fehlbildungen am Herz u. a. Organen,

Augenanomalien, autismusartige Symptome,

- das für den Menschen stärkste Teratogen und absolut kontraindiziert,

wenn SS nicht sicher ausgeschlossen werden kann



Dr. Almut Hirsch

SPZ Erlangen

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Medikamente in der Schwangerschaft

- Retinoide

- natürliche Derivate des Vit. A

- zur systemischen Anwendung bei Akne

- Halbwertszeit von ca. 22 h

- stärkstes Teratogen für den Menschen seit Thalidomid

- Anwendung in SS erhöht Spontanabortrisiko

- Fehlbildungen: Fehlanlage der Ohren, Störungen der Gesichts- und Gaumenbildung,

Entwicklungsstörungen im Bereich des Thymus und ZNS,

Hydrocephalus, Intelligenzdefizite

- Behandlung von Frauen in gebärfähigem Alter nur mit ausreichend

kontrazeptivem Schutz und Ausschluss der SS



Dr. Almut Hirsch

SPZ Erlangen

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Medikamente in der Schwangerschaft

Fall 1 (Schwangere Epileptikerin)





28-jährige Patientin, chronische Epilepsie

Dauermedikation mit Phenytoin, darunter seit

drei Jahren anfallsfrei

Schwangerschaft der rechnerisch 8. Woche

wünscht Beratung hinsichtlich Medikation und

Schwangerschaftsprognose



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

Postexponentielle Beratung

einer schwangeren Patientin





Überprüfung der Indikation zur Therapie

Erwägung einer Therapie-Umstellung

Abschätzung des teratogenen und des fetotoxischen

Risikos

Empfehlungen für den weiteren Verlauf der

Schwangerschaft



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

Das Antikonvulsivabzw.

Epilepsie-Syndrom

•Herzfehler

•kraniofaziale Dysmorphie

•Auffälligkeiten der distalen Phalangen

•prä- und postnatale Wachstumsrestriktion

•Einschränkung der kognitiven Entwicklung



Dr. Almut Hirsch

SPZ Erlangen

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Quantifizierung des Fehlbildungsrisikos

bei Phenytoinexposition in der Embryonalperiode

•Mütterliches Basisrisiko: 3 %

•Phenytoinrisiko: 2-3fach erhöht

•Gesamtrisiko: 6-9 %

•Chance auf ein gesundes Kind: über 90 %



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

Mögliche Fehlbildungsursachen

bei Phenytoinexposition in der Embryonalperiode

•Epileptische Grunderkrankung der Mutter

•Das Medikament Phenytoin

•Metaboliten von Phenytoin (Epoxide)

•Folsäuremangel

•Embryonaler Genotyp (Epoxidhydrolasemangel)



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

Schlussfolgerungen und Empfehlungen





Trotz erwiesener Teratogenität ist bei

Phenytoinexposition in der Frühschwangerschaft das

Risiko einer Fehlbildung gering.

Ein Schwangerschaftsabbruch kann deshalb nicht

empfohlen werden.

Die meisten Stigmata des Epilepsie-Syndroms sind

heute im Ultraschall erkennbar. Deshalb ist ein

spezielles Screening anzuraten.

Eine invasive Diagnostik zur Chromosomenanalyse ist

nicht indiziert.



Dr. Almut Hirsch

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Medikamente in der Schwangerschaft

Kraniofaziale Dysmorphie

(3-D-Bild)



Dr. Almut Hirsch

SPZ Erlangen

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Medikamente in der Schwangerschaft

Zusammenfassung

•Therapeutischer Nihilismus in der Schwangerschaft

ist unangebracht und gefährlich.

• Zur Abschätzung des Risikos einer Arzneimittelbehandlung

sollten nur speziell ausgewiesene,

aktuelle Quellen herangezogen werden.

• Eine Indikation zum Schwangerschaftsabbruch

nach Exposition ist nur extrem selten gegeben.

• Bei der Therapie muss so niedrig wie möglich

dosiert werden; lange bewährte Substanzen sind

Neuentwicklungen vorzuziehen.



Dr. Almut Hirsch

SPZ Erlangen

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Medikamente in der Schwangerschaft

Vielen Dank für die

Aufmerksamkeit



Dr. Almut Hirsch

SPZ Erlangen

60

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