Überblick - Walter de Gruyter

degruyter.com

Überblick - Walter de Gruyter

Das Zeitalter des Imperialismus:

Begriff und Begrenzung

Kapitel I.1, S. 1–7

Es gibt zahllose Definitionen des Imperialismus.

Einige von diesen, und nicht die

schlechtesten, stammen aus der Feder von

Zeitgenossen: „Unter Imperialismus versteht

man den Drang der Völker und Machthaber

nach einem wachsenden Anteil an der Weltherrschaft,

zunächst durch überseeischen Besitz.

Diese Begriffsbestimmung ist aber durch

das Merkmal zu ergänzen, daß der Trieb zu

klarem Bewußtsein gediehen, zur Richtschnur

des Handelns erhoben worden ist.“ Es war der

österreichische Historiker Heinrich Friedjung,

der diese klassische Begriffsbestimmung seinem

Werk „Das Zeitalter des Imperialismus“

voranstellte, dessen erster Band bereits 1919

erschien.

Damit war jene Epoche der europäischen Geschichte

gemeint, die in den 80er Jahren des

19. Jahrhunderts begann und in der großen

Katastrophe des Ersten Weltkriegs ihr Ende

fand…

Keywords

Selbstverständnis der

Zeitgenossen

Die Tradition

Motive des modernen

Imperialismus

Der Faktor des Prestiges

Gleichberechtigung und

Konkurrenz

Eskalation

Koalitionen

Vielgestaltigkeit der

Epoche

Zusammenwachsen der

Welt

Innere Entwicklung

Öffentlichkeit, Nationalismus

und Krisenbewusstsein

Verschiebung des sozialen

Gefüges

Die alten Eliten

OGG 15 Gregor Schöllgen/Friedrich Kießling • Das Zeitalter des

Imperialismus • © 5. Auflage 2009 • Oldenbourg Wissenschaftsverlag

München • ISBN 978-3-486-58868-2• € 24,80

Auf der Suche nach der Wirklichkeit:

Kultur und Wissenschaft um die Jahrhundertwende

Überblick

„Das Zeitalter des Imperialismus von 1880 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zeichnet

dieser magistrale Grundriss knapp und eindringlich nach.“ Hans Jochen Pretsch in der

Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Kapitel I.2, S. 8–18

In den Jahrzehnten vor Ausbruch des Ersten

Weltkrieges befand sich Europa auf einem

Höhepunkt seines Einflusses in der Welt. Das

gilt für fast alle Gebiete. Insbesondere der

neue, in den 80er Jahren vehement einsetzende

imperialistische Schub demonstrierte

noch einmal eindrucksvoll die politische und

wirtschaftliche Macht des alten Kontinents,

auch wenn sich mit den USA eine neue Großmacht

anschickte, mit Europa auf eben diesem

Gebiet in Konkurrenz zu treten. Vor allem im

Bereich der Kultur und der Wissenschaft konnten

die Länder des alten Kontinents noch immer

ihre herausragende Stellung behaupten…

Keywords

Schulwesen

Krisenbewusstsein

„Umwertung aller Werte“

Was ist Wirklichkeit?

Musik und Malerei

Architektur

Jugendstil

Literatur

Die Kraft des Irrationalen

Naturwissenschaften

Oldenbourg Wissenschaftsverlag > OGG > Die Weimarer Republik 1


Soziologie

Auch in den Geisteswissenschaften fand die

allgemeine Situation ihren Niederschlag. Das

gilt insbesondere für die neue Disziplin, die

Soziologie, die sich nicht zufällig zu einer Zeit

entwickelte, als die Industrialisierung neue und

gewaltige Probleme für die Struktur der Gesellschaft

aufwarf. Zu nennen sind hier als ihre

Begründer die Franzosen Auguste Comte,

Emile Durkheim und Georges Sorel, der Engländer

Herbert Spencer, die Italiener Gaetano

Mosca und Vilfredo Pareto oder die Deutschen

Georg Simmel und Max Weber. Die Arbeiten

dieser Gelehrten bildeten nicht selten auch

einen Spiegel der politischen und sozialen

Verhältnisse ihrer Zeit…

Keywords

Elitetheorien

Kampf als Thema

Rassentheorien

Ein anderes Resultat wissenschaftlicher bzw.

populärwissenschaftlicher Betätigung, das in

der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde,

seit dem letzten Drittel des Jahrhunderts

an Stärke gewann und seine radikale Übersteigerung

und Pervertierung in den 30er und

40er Jahren des 20. Jahrhunderts finden sollte:

die Rassentheorie…

Reiseliteratur

Auf ihre Weise zur Ausbildung, Weiterentwicklung

oder auch Modifizierung von Sozialdarwinismus

und theoretisch begründetem Rassismus

trug vor allem eine literarische Gattung

bei, die im Zeitalter des Imperialismus eine

enorme Blüte erlebte: die Reiseliteratur…

Kulturwissenschaften

Vertreter der Geisteswissenschaften bzw. der

„Kulturwissenschaften“, wie sie jetzt, unter dem

Eindruck des Aufkommens neuer Disziplinen

und wissenschaftlicher Fragen, genannt wurden.

Diese bemühten sich seit den 80er Jahren

des 19. Jahrhunderts verstärkt um die

Bestimmung des eigenen Standortes. Zu nennen

sind hier etwa die Arbeiten des Sprachwissenschaftlers

Hermann Paul, des Nationalökonomen

Carl Menger, des Soziologen Max

Weber oder des Philosophen Heinrich Rickert…

Keywords

Kulturwissenschaften

Deutsche Geschichtswissenschaft

„Zivilisation“ als Norm

Max Weber

Rationalisierung

Irrationalität

Gefühl der Beschleunigung

Das Erbe der industriellen Revolution:

Wirtschaftlicher Aufstieg und sozialer Umbruch

Kapitel I.3, S. 19–32

Wirtschaft

Europa befand sich, aufs Ganze gesehen, in den beiden Jahrzehnten vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges

und insbesondere als Folge eines förmlichen neuen Industrialisierungsschubes in einer Phase

wirtschaftlicher Prosperität, auch wenn diese Entwicklung keineswegs geradlinig verlief. Einmal gab

es z.T. erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern und dort zwischen verschiedenen

Regionen. Dann aber hatten viele Staaten in diesen beiden Jahrzehnten durchaus gelegentliche Einbrüche

beispielsweise in der Industrieproduktion hinzunehmen, und überdies schien sich im Jahre

1913 wieder eine allgemeine Rezession anzubahnen. Alles in allem aber konnte bei Kriegsausbruch

jene Zeit, die den Zeitgenossen als die „Große Depression“ erschienen war, weitgehend als überwunden

gelten, jedenfalls soweit das wirtschaftliche Wachstum betroffen war. In anderer Hinsicht freilich

hatten die Jahre 1873–1896 tiefe Spuren hinterlassen, denn trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs,

der seit der Mitte der 90er Jahre unverkennbar einsetzte, zeigten sich immer mehr die sozialen Gegensätze

der Zeit, und die waren ihrerseits wiederum ein Ausdruck der sich vehement wandelnden

gesellschaftlichen Strukturen…

Keywords

„Große Depression“ Landbevölkerung Banken

Bevölkerungsentwicklung Auswanderung Sonderfall Russland

Nationale Besonderheiten

Tendenzen industrieller

Entwicklung

Bruttosozialprodukt und

Pro-Kopf-Einkommen

Bevölkerungsdichte „Leitsektoren“ Auslandsinvestitionen

Generelle Tendenzen Die deutsche Wirtschaft

im internationalen Vergleich

Vernetzung der Weltwirtschaft

Verstädterung Neue Industrien

Gesellschaft

Das hervorstechende Merkmal der sozialgeschichtlichen Entwicklung Europas in der zweiten Hälfte

des 19. Jahrhunderts ist wohl darin zu sehen, dass mit zunehmender Industrialisierung und verstärkt

seit den 70er Jahren eben jene Schicht auf politische Mitsprache und auch Durchsetzung ihrer Rechte

zu drängen begann, die in den Augen von Paretos Fachkollegen Max Weber „die Produktion auf ihren

Schultern“ trug, die Arbeiterschaft. Und die Adresse, an welche sie ihre Forderungen richtete, waren

das Bürgertum und der moderne Rechts- und Verfassungsstaat, so wie das Bürgertum zuvor seine

wirtschaftlichen und politischen Forderungen in der Auseinandersetzung mit der absoluten Monarchie

und dem alten Feudalsystem durchgesetzt hatte…

Keywords

Die Rolle der Aristokratie Arbeiterschaft Streikbewegungen

Protektionismus

Arbeitsteilung und „industrielle

Sozialgesetzgebung

Reservearmee“

Differenzierung des

Bürgertums

Mittelschichten

Großbürgertum

Beschäftigung, Arbeitslosigkeit,

Löhne

Organisierte Arbeiterbewegung

Die europäischen Gewerkschaften

Sozial- und Rüstungspolitik

2 Oldenbourg Wissenschaftsverlag > OGG > Das Zeitalter des Imperialismus

Oldenbourg Wissenschaftsverlag > OGG > Die Weimarer Republik 3


Europa im Übergang:

Entwicklung des Parlamentarismus

und Wandel der Parteienlandschaft

Kapitel I.4, S. 33–48

Verfassungsreformen

Der Versuch, die Verfassungsformen der europäischen

Staaten in einer schematisierenden

Übersicht zu bestimmen, sieht sich mit einigen

Schwierigkeiten konfrontiert. Zum einen gab es

im Zeitalter des Imperialismus auch hier in

einzelnen Ländern, wie Russland oder Portugal,

eine Änderung bzw. Modifikation der Regierungsform.

Zum zweiten ist gerade im Falle

der Monarchien, die ja noch weitgehend das

Bild der europäischen Verfassungslandschaft

prägten, die Abgrenzung zwischen den verschiedenen

Typen nicht immer eindeutig zu

leisten…

Keywords

Die Zäsur des Jahres

1890

Regierungswechsel und

politische Stabilität

Europas Verfassungen

Absolute Monarchien

Konstitutionelle und

parlamentarische Monarchien

Parlamente

Ein allgemeiner Überblick über die Macht und

Ohnmacht der Parlamente der europäischen

Staaten im Zeitalter des Imperialismus lässt

sich gewinnen, indem man beispielsweise die

Verfassungsstrukturen des Deutschen Reiches,

Österreich-Ungarns und Russlands mit

denjenigen Englands, Frankreichs und Italiens

vergleicht…

Keywords

Macht und Ohnmacht

der Parlamente

Deutsches Reich

Österreich-Ungarn

Persönlichkeiten und

Politik

Politik und öffentliche

Meinung

Budgetrecht

Vordringen demokratischer

Strömungen

Parliament Bill

Wahlrechte in Europa

Noch in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts

war die Mehrzahl der Bürger in Europa nicht

wahlberechtigt. Frauen waren grundsätzlich

von der Wahl ausgeschlossen, und das Wahlrecht

der Männer war durch verschiedene

Bestimmungen z.T. erheblich eingeschränkt.

Ausnahmen bildeten lediglich die Republiken

Frankreich und Schweiz sowie, und das mag

auf den ersten Blick überraschen, der konservative

Kaiserstaat Deutsches Reich…

Keywords

Deutsches Reich

Großbritannien

Belgien

Niederlande

Österreich

Italien

Die europäischen Parteien

Wie sehr das Zeitalter des Imperialismus eine

Epoche des Übergangs bzw. des Umbruchs

gewesen ist, zeigt sich einmal mehr im Wandel

der Parteienlandschaft, die aufs engste mit der

Entwicklung des Wahlrechts verbunden war.

Grundsätzlich wurde das Bild von drei Parteitypen

geprägt, den Konservativen, den Liberalen

und den Sozialisten…

Keywords

Die Krise des Liberalismus

Probleme der liberalen

Parteien

Liberalismus und Imperialismus

Liberalismus und Konservativismus

Konservative Parteien

Strategien des Konservativismus

Sozialistische Parteien

Bei aller Verschiedenheit in der Entwicklung

der einzelnen nationalen sozialistischen Parteien

Europas lassen sich mithin gleichwohl

einige Gemeinsamkeiten feststellen. Zum einen

war die sozialistische Bewegung keineswegs

homogen. Vielmehr sind Auseinandersetzungen

zwischen verschiedenen Gruppierungen

bzw. Flügeln kaum zu übersehen. In

der Regel kristallisierte sich dabei – mit der

Ausnahme Großbritanniens – der Gegensatz

zwischen einer reformerischen bzw. reformistischen

und einer radikalen bzw. revolutionären

Fraktion heraus. Während die erstere, also die

Reformisten, auf eine allmähliche, evolutionäre

Umwandlung der Gesellschaft im Interesse der

Arbeiterschaft bzw. der unteren Schichten

schlechthin abzielte, setzte die radikale, klassenkämpferische

Fraktion auf die revolutionäre

Umwälzung der Gesellschaft. Dabei ergibt sich

allerdings zweitens der interessante Befund,

dass zwar fast alle großen sozialistischen bzw.

sozialdemokratischen Parteien Europas – wiederum

England ausgenommen – das marxistische

Programm einer Umwälzung der Produktionsverhältnisse

auf ihre Fahne schrieben,

tatsächlich aber in der Tagespolitik den parlamentarischen

Kurs allmählicher Reformen

verfolgten…

Keywords

Deutsches Reich

Österreich

Rankreich

Italien

Großbritannien

Labour Party

Russland

Zweite Internationale

Kolonisation oder Penetration? Neue Ziele und alte

Wege überseeischer Expansion

Kapitel I.5, S. 50–71

Die Bedeutung dieses letzten großen imperialistischen Schubes zeigte sich in seiner neuen, ihn

von früheren Phasen kolonialer Betätigung abhebenden Qualität: Die Stärke und das Ansehen der

Staaten schienen jetzt aufs engste an den Erfolg geknüpft, den sie bei ihren imperialistischen Unternehmungen

und damit bei ihrem gegenseitigen Konkurrenzkampf vor Ort, an der Peripherie Europas,

vorweisen konnten, mehr noch: Die Stellung der einzelnen Staaten in Europa definierte sich zusehends

über ihre Stellung in der außereuropäischen Welt. Die sich daraus seit den 90er Jahren in Ü-

bersee ergebenden Spannungen fanden ihren Niederschlag in den sich eben auch deshalb verschlechternden

Beziehungen zwischen de Mächten im Zentrum des alten Kontinents selbst. Der

Imperialismus wurde von seinen Folgen überlagert, und in gewisser Weise war der Erste Weltkrieg

unter anderem eine Konsequenz dieser Entwicklung. Insofern und ganz unbeschadet der skizzierten

enormen Veränderungen im Inneren der europäischen Staaten waren der Imperialismus und seine

Folgen sicher das hervorstechende Merkmal der Epoche…

4 Oldenbourg Wissenschaftsverlag > OGG > Das Zeitalter des Imperialismus

Oldenbourg Wissenschaftsverlag > OGG > Die Weimarer Republik 5


Im Banne der Peripherie: Internationale

Beziehungen im Zeitalter des Imperialismus

Finis Europae? Der Erste Weltkrieg als

Wendepunkt der europäischen Geschichte

Kapitel I.6, S. 72–89

Anfänge der Bündnispolitik

Charakteristisch für die seit den 80er Jahren

zu beobachtende Ausbildung der europäischen

Bündnissysteme ist die Tatsache, dass

die imperialistischen Aktivitäten der Mächte in

zunehmendem Maße zum Auslöser und Gegenstand

neuer Koalitionen avancierten und in

der Konsequenz zugleich zur Zementierung

der Gegensätze in Europa selbst beitrugen…

Keywords

Zerfall des Bismarckschen

Systems

Genesis der französischrussischen

Allianz

Deutsche Englandpolitik

Bismarcks Optionen

Alternativen deutscher

Englandpolitik nach 1890

Irritationen

Englands Bündnisangebot

Deutsche Reaktionen

Politik der „kleinen

Schritte“

Das Scheitern

Der deutsch-englische Antagonismus

Damit war, wenn auch sicher nicht gewollt, so

doch de facto zugleich jene verhängnisvolle

Entwicklung eingeleitet worden, welche die

internationalen Beziehungen für das folgende

Jahrzehnt aufs schwerste belasten und eine

der entscheidenden Ursachen für den Ausbruch

des großen Krieges bilden sollte: die

Zementierung des deutsch-englischen Antagonismus…

Keywords

Ursachen und Faktoren

Englands Bündnispolitik

Der russisch-japanische

Krieg Rückwendung der

Mächte nach Europa

„Tripel-Entente“ und

„Einkreisungs“-Phobie

Bündnispolitik und Imperialismus

Der Erfolg bzw. Misserfolg imperialistischer

Unternehmungen hing jetzt in verstärktem

Maße vom Zustand der Beziehungen zwischen

den Mächten in Europa selbst ab, die sich

ihrerseits zunehmend über die Bündnisse definierten…

Keywords

Die Stellung Italiens

Bosnische Annexionskrise

Die Isolierung des

Deutschen Reiches

Krisenherd

Südosteuropa

Der deutsche Flottenbau

Meerengenfrage

Die Stabilität der Bündnisse

Internationale Krisen der Vorkriegsjahre

Lässt man die Entwicklungen der letzten Jahre

vor Kriegsausbruch Revue passieren, so wird

man feststellen können, dass der Handlungsspielraum

der Diplomatie offensichtlich noch

nicht so eingeschränkt war, wie es eine Betrachtungsweise

nahelegen mag, die sich allein

auf die allgemeine Zuspitzung der internationalen

Verhältnisse konzentriert. Insbesondere

für viele Zeitgenossen – und auf deren

Einschätzung kommt es bei der Erklärung der

Kriegsentschlüsse von 1914 entscheidend mit

an – präsentierten sich die Jahre unmittelbar

vor dem Ersten Weltkrieg als eine Mischung

aus Spannung und Entspannung. Diese

Wahrnehmung beruhte auf den internationalen

Krisen der Vorkriegsjahre und gleichzeitig auf

der Tatsache, dass der Krieg ja immer wieder

verhindert werden konnte…

Keywords

Balkankriege

Détente-Bemühungen

Wettrüsten zur See

Periphere Strategie

Afrika und die orientalische

Frage

Das Scheitern der Politik

der „kleinen Schritte“

Aufrüstung

Militärische Planungen

Kapitel I.7, S. 90–105

Namentlich die russische Revolution, aber auch die inneren Wirren in anderen europäischen Staaten,

die u.a. zum Verschwinden dreier traditionsreicher Dynastien und damit zur Beseitigung der monarchischen

Staatsformen in Russland, Österreich-Ungarn und (Preußen-)Deutschland, später dann,

am 29. Oktober 1923, auch in der Türkei, geführt hatten, die ungeheuren und bis dahin in diesem

Ausmaß nicht gekannten Verluste und Opfer, welche der große Krieg gefordert hatte, sowie die sich

abzeichnenden territorialen Veränderungen, all das hinterließ bereits bei vielen Zeitgenossen den

Eindruck, dass der Erste Weltkrieg ein Wendepunkt in der europäischen Geschichte war. Ob er

zugleich das Ende Europas bedeutete, wie manche befürchteten, das musste nicht zuletzt von Verlauf

und Ergebnis der Friedensverhandlungen, also zunächst einmal vom Verhalten der Sieger, und dann,

nach der Etablierung einer neuen Ordnung, auch von demjenigen der Besiegten, also davon abhängen,

ob und wie weit sich diese mit der neuen Ordnung arrangieren konnten und wollten. In jedem

Falle bedeutete der Erste Weltkrieg eine tiefe Zäsur in der Entwicklung des alten Kontinents, der sich

nach 1918/19 in vielerlei Hinsicht verändert präsentierte…

6 Oldenbourg Wissenschaftsverlag > OGG > Das Zeitalter des Imperialismus

Oldenbourg Wissenschaftsverlag > OGG > Die Weimarer Republik 7

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine