12. Handicap - Jürgen Mohr - Capital Care Gmbh

capitalcare

12. Handicap - Jürgen Mohr - Capital Care Gmbh

Hauptsache liquide bleiben

Ehepaare kennen sich normaler-

weise recht gut. So weiß der eine

vom anderen, was dessen Begehr-

lichkeiten weckt und stellt sich darauf ein. Aber manchmal kommt

es schlimmer, als gedacht. Der Wunsch des Partners nimmt For-

men an, die einen massiven Angriff auf das hart erworbene Ver-

mögen darstellen. Golfspieler Nick Faldo hat ähnliche Erfahrungen

gemacht, nachdem er eine Million Dollar Prämie in Sun City ge-

wonnen hatte. Zurück im trauten Heim, fragte er seine Frau: „Was

darf ich dir schenken? Ein Kleid von Versace, eine Perlenkette oder

Diamanten?“ Die Antwort war „nein“. Daraufhin hakte er nach:

„Was willst du denn?“ Darauf sie: „Die Scheidung!“ Nick Faldos

Reaktion war kurz und trocken: „Ich hatte nicht damit gerechnet,

so viel Geld auszugeben.“ (Siehe Quellenverzeichnis Nr. 14)

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Der Super-GAU

der Ereignisse

Ein Unglück kommt selten allein

12. Handicap-

Optimierungs-

Faktor

Kennzeichnend für die Menschheitsgeschichte ist der Versuch,

sämtliche Lebensumstände in den Griff zu bekommen.

Bildungseinrichtungen wie Universitäten dienen dazu,

auf allen Ebenen immer neue Erkenntnisse und Lösungsansätze

zu erforschen, um die stetig komplexer werdende Welt

begreifbar zu machen. Dabei erleben wir, sei es in der Ökonomie,

der Medizin, im öffentlichen wie im privaten Leben,

dass uns die Beherrschbarkeit anfallender Schwierigkeiten aus

den Fingern gleitet.

Die meisten negativen Ereignisse haben die unangenehme

Eigenschaft, zeitgleich und zur Unzeit anzufallen. Das

macht die Lage so schwierig. Mit Problemen, die in gewissen

Abständen nacheinander auftreten, werden wir durch den

Einsatz entsprechender Gegenmaßnahmen ganz gut fertig.

Die erste Grafik verdeutlicht diesen Sachverhalt.

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Ganz anders stellt sich die Situation dar, wenn mehrere

negative Ereignisse zum gleichen Zeitpunkt eintreten. Die

Auswirkungen können Sie in der nächsten Grafik sehen.

Dazu ein Beispiel aus dem Golfsport. Am Schlusstag der

AT&T Pebble Beach National Pro-Am in Kalifornien führte

der US-Amerikaner Pat Perez in der vierten Runde mit vier

Schlägen Vorsprung. Beim 18. Abschlag war der Vorsprung

auf einen Schlag zusammengeschrumpft. Doch damit nicht

genug – der negative Trend setzte sich dramatisch fort. Denn

den nächsten Drive schlug der Profi ins Aus und kassierte dafür

einen Strafschlag. Der nächste Versuch klappte zwar besser,

da der Ball auf dem Fairway landete. Aber das Unglück

holte den Pechvogel erneut ein. Perez versenkte seinen Ball

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Unerträgliche

Problemintensität

Erträgliche

Problemintensität

Negativ-

Ereignis 1

Z 1

Bewältigungsschwelle

Negativ-

Ereignis 2

Negativ-

Ereignis n

Z 2 Z n

Zeit

Szenario einer Negativ-Ereignis-Reihe. Ein Negativ-Ereignis, das zu einem

bestimmten Zeitpunkt eintritt, lässt sich problemlos bewältigen. Findet zu

einem anderen Zeitpunkt ein weiteres Negativ-Ereignis statt, ist auch dies

meist zu bewältigen.

© Jürgen Mohr


Unerträgliche

Problemintensität

Erträgliche

Problemintensität

Negativ-

Ereignis n

Negativ-

Ereignis 3

Negativ-

Ereignis 2

Negativ-

Ereignis 1

Z n

Super-GAU

nicht im Loch, sondern im Pazifik. Dies brachte noch einen

Strafschlag. Das Ende vom traurigen Lied: Der Amerikaner

musste sich mit dem zweiten Rang begnügen und verlor dadurch

300.000 Dollar Differenz zur Siegesprämie.

Vorsicht – Sackgasse:

Fehler bei der Finanzierung

Bewältigungsschwelle

Auch Sie als Anleger sind nicht dagegen gefeit, plötzlich mit

leeren Händen dazustehen. Dieses Schicksal ereilte so manchen,

der im Kursfieber des Jahres 2000 hemmungslos Aktien

gekauft hatte und nun mit einem Mal durch den unaufhaltsamen

Börsen-Crash nicht mehr liquide war. Hierfür gab es

Zeit

Super-GAU-Szenario. Erfolgen mehrere Negativ-Ereignisse zeitgleich, d. h.

in derselben Zeiteinheit, so entsteht das Phänomen des Super-GAUs, wobei

dessen Intensität von der Ausprägung der jeweiligen Negativ-Ereignisse

abhängt.

© Jürgen Mohr

87

12. H-O-F

Der Super-GAU

der Ereignisse


unterschiedliche Gründe. Mal war das Aktiendepot fast völlig

zusammengebrochen, mal musste aufgrund einer zu hohen

Beleihung des Aktienpakets erhebliches Kapital nachgeschossen

werden. So traten sehr schnell finanzielle Engpässe auf,

die vielfach nur schwer oder gar nicht überbrückt werden

konnten. Das Kreditvolumen war ausgereizt. Die Bank verlangte

neue Sicherheiten, die auf die Schnelle nicht beschafft

werden konnten. Frisches Geld kam auch nicht hinein, so

dass schließlich nichts anderes übrig blieb, als die vorhandenen

Aktienpakete mit Verlust zu veräußern. Der Super-GAU

war da.

Wer dagegen weitsichtig mit seinem Vermögen operiert,

ist für den Notfall gut gerüstet. Wie beispielsweise ein mittelständischer

Unternehmer, der für ein Betriebsgrundstück

eine Grundschuld von 600.000 Euro eingetragen hatte. Inzwischen

war das Areal bereits bis auf 150.000 Euro entschuldet.

Für eine private Immobilien-Investition verlangte nun

die Hausbank des Unternehmers den freien Teil der Grundschuld

in Höhe von 450.000 Euro als zusätzliche Sicherheit.

Da der Geschäftsmann über genügend hohe Liquiditäten verfügte,

hatte er keine Einwände.

Mit viel Verhandlungsgeschick gelang es jedoch seinem

Berater, das Begehren der Bank abzuwehren. Er überzeugte

den Unternehmer davon, dass die Bank seines Erachtens mit

der Immobilie ausreichend abgesichert sei. Ein weiteres wesentliches

Argument gegen die zusätzliche Sicherheitsleistung

war, dass eine freie Grundschuld wie Liquidität zu behandeln

ist. Sollte es aus firmeninternen Gründen einmal

notwendig werden, eine Sicherheit zu stellen, stehe das

Grundstück zur freien Verfügung. Eine weise Entscheidung.

Denn als der Unternehmer später aufgrund wirtschaftlicher

Veränderungen in einen finanziellen Engpass geriet, konnte

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er sein Grundstück einsetzen, um einen benötigten Kredit zu

erhalten.

Sie sollten sich immer vor Augen halten, dass Super-

GAU-Phänomene jederzeit auftreten können. Und wenn sie

auftreten, kommen sie stets zur Unzeit. Mit einigen probaten

Mitteln lässt sich aber effektvoll gegensteuern. Ganz wichtig:

Die Anlagen streuen, um das Risiko zu minimieren. Ebenso

ist es sinnvoll, bestimmte Anlagen wie beispielsweise Aktien

nicht zu kreditieren. Halten Sie unbedingt eine ständige Liquiditätsreserve

für den Notfall vor.

Reserve tut Not:

Wenn es mal ganz dicke kommt

Im Wesentlichen können finanzielle Engpässe aus Verbindlichkeiten

und den damit verbundenen Zinskosten entstehen.

In Deutschland ist beispielsweise die Immobilie nach

wie vor eine beliebte Anlageform. Trotz gesunkener Steuervorteile

und trotz des verschärften Mietrechts im privaten

Wohnungsbau. Im Durchschnitt werden 80 Prozent der Immobilieninvestitionen

fremdfinanziert. Daraus ergibt sich eine

latente Gefahr, dass im Laufe der meist sehr langen Tilgungsfrist

eine Supergau-Situation entstehen kann. Wenn Sie

sich für eine Anlage in eine Immobilie entschließen, könnte

eine sinnvolle Liquiditätsreserve folgendermaßen aussehen:

1. Zunächst ermitteln Sie Ihr Fremdkapital bezogen auf

die Investitionen.

2. Stellen Sie die entsprechenden Zinskosten sowie die

Tilgung p.a. fest.

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12. H-O-F

Der Super-GAU

der Ereignisse


3. Berechnen Sie Ihre Steuervorteile, die Ihnen die

Investitionen jährlich bringen.

4. Veranschlagen Sie die Mieteinnahmen aus der

Immobilie.

Empfehlungsformel für eine Liquiditätsreserve:

Liquiditätsreserve =

Zinskosten p.a. + Tilgung p.a. + Steuervorteil aus der

Investition p.a. + 1/2 Jahr Mietausfall

In der Anlageberatung werden die Steuervorteile sehr oft

als langfristiges Finanzierungsinstrument bei Immobilieninvestitionen

angesetzt. Aber um gegen eventuelle finanzielle

Engpässe gewappnet zu sein, sollten Sie Steuervorteile nicht

rein-, sondern rausrechnen. Denn die Regel lautet: Eine Immobilien-Finanzierung

sollte sich langfristig auch dann rechnen,

wenn der Steuervorteil entfällt. Speziell Anleger mit

mittleren und niedrigen Einkommen haben es teuer bezahlen

müssen, weil dieser Aspekt nicht berücksichtigt wurde.

Durch die Beimischung von nicht an der Börse gehandeltem

Wagniskapital können Sie Ihr persönliches Vermögens-Portfolio

zusätzlich absichern. Denn solch ein Venture

Capital mindert nicht nur das Risiko, sondern erhöht auch

die Gesamtrendite. Dieser Effekt wird von verschiedenen Studien

nachhaltig bestätigt. Eine von Merril Lynch durchgeführte

Untersuchung ermittelte folgende Korrelationen.

Anhand der Grafik können Sie leicht selbst berechnen,

wie vorteilhaft sich eine Beimischung von Wagniskapital auswirkt.

Angenommen, Sie erwarten eine Rendite von 13 Prozent.

Legen Sie nun ein Lineal parallel zur x-Achse durch den

Wert 0,130 auf der y-Achse. Sie erkennen jetzt drei Risikower-

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Rendite

(v.H.)

0,150

0,145

0,140

0,135

0,130

0,125

0,120

0,115

Optimale

Portefeuillelinie

mit 10 %

Private Equity

Portefeuillelinie

mit 5 %

Private Equity

0,100 0,105 0,110 0,115 0,120 0,125 0,130 0,135 0,140 0,145

te auf den vorgezeichneten Kurven. Eine Beimischung von

nur 5 Prozent an Venture Capital in das Gesamt-Portefeuille

reduziert Ihr Risiko bereits signifikant.

• Halten Sie unbedingt Liquidität vor.

• Sorgen Sie für ausreichende Sicherheiten.

Portefeuillelinie

ohne

Private Equity

Standardabweichung (Risiko)

Korrelation von Wagniskapital mit anderen Anlageformen (siehe Quellenverzeichnis

Nr. 15). Je höher die Beimischung von Wagniskapital ausfällt,

desto geringer ist das Risiko, an Rendite einzubüßen.

FAZIT

• Vermeiden Sie bei Aktienanlagen den Fremdkapital-

Hebel.

• Überprüfen Sie eine Beimischung von Wagniskapital.

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Der Super-GAU

der Ereignisse

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