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raphael12130

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung

Beratungsstelle Duisburg:

Bismarckstr. 67 (Technologiezentrum I)

47057 Duisburg-Neudorf

Telefon 0203 - 66 66 33

info@aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

Öffnungszeiten:

Montag: 11-14 Uhr,

Mittwoch 14-19 Uhr

Freitag 11-16 Uhr

Beratungsstelle Wesel:

Pastor-Bölitz-Straße 29

46483 Wesel

Telefon: 0281 / 2 99 80

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www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

Öffnungszeiten:

Dienstag: 14 - 17 Uhr

Donnerstag 9 - 12 Uhr

Spendenkonto

227 00 55 50

Stadtsparkasse Duisburg, Bankleitzahl 350 500 00

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Geschäftsbericht

1. Geschäftsbericht für das Jahr 2012

Positiv zusammen leben! Welt-AIDS-Tag 2012 in

Duisburg

HIV-POSITIV & MITTEN IM LEBEN.

Auf der Suche nach einer prägnanten Überschrift, die die Arbeit

und die Ereignisse des jeweiligen Berichtsjahres einigermaßen

treffend zusammenfasst, ist das (nationale) Kampagnenmotto

zum Welt-AIDS-Tag häufig ganz gut geeignet. So auch das Motto

für das Jahr 2012: HIV-POSITIV & MITTEN IM LEBEN.

Diese Aussage – so allgemein sie auch gefasst ist und für

manchen vielleicht sogar banal klingen mag – hat aber für uns

durchaus eine besondere Qualität und ist in gewisser Weise neu

und mutig zugleich. Jedenfalls zielt sie darauf, Menschen mit HIV

und AIDS Mut zu machen, sich als mitten im Leben stehend, sich

als Mitgestalter/innen des gesellschaftlichen Lebens zu begreifen.

Und sie zielt darauf, dass Menschen ohne HIV dies so annehmen

können und sollen.

Aber – sind wir schon so weit? Hat die Aufklärungs- und

Informationsarbeit der letzten Jahrzehnte es geschafft, ein

gesellschaftliches Klima der Akzeptanz und Toleranz zu

erreichen, in dem HIV-Positive, HIV-Negative und Ungetestete

„positiv zusammen leben“ können?

Noch im Vorjahr 2011 war genau dieser Kampagnen-Titel

mit einem Fragezeichen versehen, HIV-POSITIV & MITTEN

IM LEBEN? Hat das Berichtsjahr 2012 also eine so günstige

Entwicklung gezeitigt, dass das Fragezeichen schon gestrichen

werden konnte?

Um den Versuch einer kurzen Antwort zu unternehmen, können

wir sagen: es ist schon viel erreicht, aber noch ist der Weg das

Ziel.

Welchen Weg die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel – Fachstelle

für sexuelle Gesundheitsförderung – im Berichtsjahr 2012

beschritten hat, welche Erfahrungen dabei gemacht und welche

Erkenntnisse dabei gewonnen werden konnten, darüber gibt

der folgende Jahresbericht Auskunft. Wir wünschen anregende

Lektüre!

Mit einer –für die Größe und die Einwohnerzahl der

Region- vergleichsweise kleinen Mannschaft von ehren- und

hauptamtlichen Mitarbeiter/innen halten wir im Kontext der

(sexuellen) Gesundheitsförderung Angebote von A –

Z vor. Vom Einsatz für die Akzeptanz von Lebensweisen und

besonders für die von HIV und AIDS betroffenen oder bedrohten

Menschen bis hin zur Zielgruppenspezifischen AIDS- und STI-

Prävention reicht das Spektrum unserer Tätigkeitsfelder.

Begleiten Sie uns zunächst auf dem Weg der Überprüfung

der Annahme, das „Phänomen“ HIV/AIDS sei „… Mitten

im Leben“ angekommen anhand einiger dieser wichtigen

Beschäftigungsfelder!

Medizinische Behandelbarkeit

Auch nach nunmehr 31 Jahren seit Beschäftigung mit dem

Phänomen HIV/AIDS hält die Intensität der medizinischen

Forschung in diesem Feld ungebremst an. Mit Hilfe der

mehr als 20 heute verfügbaren Medikamente gegen die

Vermehrung des HI-Virus und entsprechenden hoch

wirksamen Kombinationsmöglichkeiten gilt die HIV-Infektion

inzwischen als behandelbare chronische Erkrankung. Man geht

davon aus, dass Menschen, die Zugang zu diesen modernen

Kombinationstherapien haben und eine –lebenslange!- hohe

Adhärenz (Einnahmedisziplin) durchhalten können, eine

annähernd ähnlich hohe Lebenserwartung erzielen können, wie

Menschen ohne HIV.

Diese geht in vielen Fällen auch mit einer adäquaten

Lebensqualität einher – in vielen Fällen, aber längst nicht in

allen, denn es bleibt eine hochpotente „Chemokeule“, die

längst nicht nur erwünschte Wirkungen zeitigt. Bei einigen sind

die Nebenwirkungen so intensiv, dass ein Therapiewechsel

unausweichlich ist, bei anderen führen sie zu Therapieabbrüchen

(nicht immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen) und

darüber wiederum droht die Gefahr von Resistenzbildungen.

Zu beobachten sind bei Menschen mit HIV weiterhin

gesteigerte gesundheitliche Einschränkungen und Risiken, wie

Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Depressionen

und andere psychische Erkrankungen sowie eine häufigere und

vergleichsweise frühere Entwicklung bestimmter Krebsarten.

Auch die toxische Dauerbelastung v.a. der Leber durch die

Medikamente (erst recht bei den mit HCV Koinfizierten)

ist nach wie vor nicht zu unterschätzen, wenngleich hier

deutliche pharmakologische Verbesserungen erzielt werden

konnten und längst nicht mehr alles über das Zytochrom P450

verstoffwechselt werden muss.

Wir könnten die Liste der Nebenwirkungs- und

Resistenzproblematiken sicherlich noch lange fortführen,

möchten uns aber hier auf Wesentliches beschränken.

Dies gilt auch für die Berücksichtigung von unerwünschten

Wechselwirkungen mit anderen Therapien, welche in dem

Maße zunehmen, wie die Menschen älter werden und zum Teil

multiple Morbiditäten zu behandeln sind. Das therapeutische

Spektrum in der Behandlung von Menschen mit HIV wird immer

interdisziplinärer und es ist für manchen Schwerpunktmediziner

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nicht ganz leicht, die Spezialistenbrille gelegentlich zu heben, um

andere Erkrankungen im Auge zu behalten.

Wir wollen es nicht vergessen, an dieser Stelle darauf

hinzuweisen, dass eine HIV-Infektion nach wie vor nicht

heilbar ist und dass es weiterhin auch keinen Impfstoff gibt, der

den Namen verdienen würde!

Die insgesamt aber äußerst erfreuliche Entwicklung der

Behandlungsoptionen und die damit einher gehenden günstigen

Prognosen gelten im Übrigen vor allem für Menschen, die so

früh wie möglich in eine Therapie einsteigen. Das scheint

durchaus auch für die Nicht-HIV-assoziierten Erkrankungen

wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu gelten. Somit gilt heute

(wieder) die Empfehlung „hit HAART and early“!

Die schwierigste Gruppe für gute Behandlungserfolge sind die

sogenannten „late presenter“, die eben erst sehr spät auftauchen

und sich teilweise schon im AIDS-Stadium befinden, wenn sie

ihre Erstmanifestation erhalten.

Es spricht also alles für eine möglichst frühe Diagnose! Und

somit ist die Förderung der Testbereitschaft ein ganz wichtiges

Ziel der Präventionsarbeit.

Die heutigen Therapiemöglichkeiten können eine gute

Voraussetzung schaffen für HIV-positive Menschen, MITTEN IM

LEBEN zu stehen.

„Medizinische Prävention“

Neben den medizinisch-therapeutischen Behandlungserfolgen

hat der Einsatz einer hoch aktiven antiretroviralen Therapie

(HAART) inzwischen auch eindeutige Effekte auf die

Primärprävention. Der Medizinreferent der Deutschen AIDS-

Hilfe, Armin Schafberger, konstatiert: „es gibt inzwischen

einen breiten wissenschaftlichen Konsens, und der heißt:

Unter funktionierender (Anm: und stabiler = über mehr als

sechs Monate adhärenter Einnahme, keiner anderen sexuell

übertragbaren Krankheit und monogamen Verhältnissen) HIV-

Therapie ist eine Infektion unwahrscheinlich. Die Menge der

Studien zeigt in die gleiche Richtung: das Risiko geht gegen

Null.“ (d@h_blog HIV-positiv + behandelt = nicht ansteckend!

Ein Tabubruch und seine Folgen – Teil 1, S.3; 01.02.2013)

In unserem letzten Jahresbericht sind wir schon näher auf

die Ergebnisse der bisher wichtigsten Studie, der -> HPTN

052 eingegangen, die in der Folge vielfach zitiert, interpretiert,

kommentiert und diskutiert wurde. Wir wollen hier nur

noch einmal das Kernergebnis wiederholen, wonach das

Infektionsrisiko für den Sexualpartner / die Sexualpartnerin

eines HIV-Positiven unter der sog. Nachweisgrenze um 96%

reduziert werden kann. Damit liegt die entsprechend genannte

„Viruslastmethode“ sogar noch knapp über der Sicherheitsquote

von Kondomgebrauch (bei richtiger Handhabung und Benutzung

von Qualitätskondomen)!!

Diese Erkenntnisse erscheinen immer noch revolutionär,

sind es aber eigentlich nicht, denn sie sind schon recht lange

bekannt und noch länger angenommen (auch deutlich vor der

Veröffentlichung des berühmten EKAF-Statements im Jahre

2008 dazu).

Dennoch schlagen die Wellen immer noch hoch, wenn die

Botschaft öffentlich gemacht wird. So etwa noch in Folge der

Jahrespressekonferenz der AIDS-Hilfe NRW im September 2012

im Düsseldorfer Landtag. Da echauffierten sich Journalisten

der BILD-Zeitung und der Rheinischen Post an erstaunlich

exponierter Stelle mit der vermeintlich propagierten Botschaft

„AIDS-Hilfe trennt sich vom Kondom!“ (sinngemäß), was

wiederum sogar ministerielles Zurückrudern nach sich zog.

Dazu möchten wir an dieser Stelle klar Position beziehen:

Die alte Safer-Sex-Botschaft „Kondome schützen!“

hat auch für die AIDS-Hilfen immer noch absolute

Gültigkeit. Insbesondere wenn es um Zusammenhänge von

Gelegenheitssex geht, unterstützen und formulieren wir immer

noch die Botschaft: „Ohne Dings kein Bums!“, aber als seriös

agierender Fachverband können und dürfen wir uns dem

aktuellen Forschungsstand doch nicht verweigern und müssen

konstatieren, dass inzwischen einige neue Optionen des safer

sex hinzugekommen sind. Und das ist gut so!

Das ist vor allem deshalb gut, weil diese Therapie-Erfolge

eine ungeheure Chance bieten, dem Stigmatisierungs- und

Kriminalisierungspotential von HIV entgegenzuwirken und

dieses weiter zu verringern.

Medizinische HIV-Prävention ist also ein Thema MITTEN IM

LEBEN geworden. Die spannende Frage ist unseres Erachtens

nicht mehr, ob man diese Erkenntnisse öffentlich machen darf,

sondern wie und wem gegenüber?

Und es bleiben noch Antworten auf die Frage aus, ob die Daten

aus der HPTN 052, die sich auf überwiegend heterosexuelle

Paare und Vaginalsex beziehen auch eins zu eins auf Situationen

des Analsex übertragbar sind, welcher zumindest in Westeuropa

gewiss den Hauptinfektionsweg darstellt und für die hohe Quote

der Infektionen bei schwulen Männern verantwortlich ist. Nicht

wenige Mediziner aber halten die Daten für übertragbar – so auch

Armin Schafberger: „Der Schutzeffekt für Heterosexuelle ist so

überwältigend gut, dass wir es uns nicht leisten können, 15 Jahre

zu warten, bis wir ebenso gute Daten für schwule Männer haben.

Als die AIDS-Hilfe die Safer-Sex-Regeln formuliert haben, gab es

auch noch keine belastbaren Studien, aber die Notwendigkeit,

lebbare Präventionsbotschaften zu entwickeln. Und auch

damals war klar: Es geht darum, die Risiken zu minimieren, nicht

um ein Nullrisiko.“ (d@h_blog, ebd. S. 3)

Leider werden wir wohl noch länger auf wirklich repräsentative

Studien hinsichtlich einer Übertragbarkeit der Daten auch auf

schwule Kohorten warten müssen, weil die Finanzierung eines

solchen Unterfangens nicht gerade populär zu sein scheint.

Die sicherlich weiter lebendig bleibende Diskussion zu diesem

Themenkomplex ist aber grundsätzlich positiv, denn es ist eine

Diskussion um Präventionsstrategien und diese müssen u. E.

immer danach gefragt werden, ob sie zeitgemäß, innovativ und

erfolgreich sind und nachhaltig wirken können. Daran sind wir

jedenfalls stets interessiert – und das zeichnet die deutsche

Präventionsgeschichte insgesamt aus.

Einige Kritiker der Viruslastmethode führen etwas durchaus

wichtiges ins Feld, nämlich die Renaissance anderer sexuell

übertragbarer Krankheiten, von denen (zumindest

einigen) man weiß, dass sie eine ganz erhebliche Relevanz für

das HIV-Infektionsgeschehen haben, da eine vorliegende STI

das HIV-Infektionsrisiko um das 2- bis 5-fache erhöhen kann.

Hier machte im Berichtsjahr 2012 insbesondere die Syphilis-

Inzidenz des Jahres 2011 (RKI meldete 3700 neue Fälle) wieder

auf sich aufmerksam. Hier waren vor allem schwule Männer in

Großstädten betroffen. Demzufolge wird kritisiert, warum die

AIDS-Hilfen zum jetzigen Zeitpunkt auch über safer sex ohne

Kondom informieren. Diese Kritik ist gewiss ernst zu nehmen,

man kann sie aber mit Hinweis auf die europäische, groß

angelegte EMIS-Studie eindeutig beruhigen, denn es gibt keinerlei

Hinweise auf eine Erosion der Safer-Sex-Moral der Deutschen

und insbesondere nicht bei schwulen Männern, denn nach wie

vor gehen über zwei Drittel beim Sex nie oder nur sehr selten

Risiken ein – eine tolle Quote. Zudem stellt die BZgA für 2012

erneut einen Rekordabsatz von Kondomen in Deutschland fest

– mit 221 Millionen Stück.

In der wissenschaftlichen Forschung wird inzwischen auch etwas

zurückhaltender über die Relevanz einiger STI`s hinsichtlich der

HIV-Inzidenz gesprochen und möglicherweise werden wir bald

mit Erkenntnissen konfrontiert, dass die Bedeutung zumindest

einiger überschätzt wurde. Hier liegen allerdings noch keine

belastbaren Daten vor.

Ein im Berichtsjahr weiter intensiv diskutiertes Thema ist die

sogenannte PräExpositionsProphylaxe (PrEP), wozu 2012

eine Reihe von Studiendaten u.a. auf der Welt-AIDS-Konferenz

in Washington präsentiert wurden mit sehr unterschiedlichen

Ergebnissen, die aufgrund einer kleinen Anfrage der SPD-

Fraktion selbst den Deutschen Bundestag beschäftigt haben –

nicht zuletzt weil eine solche Strategie in diesem Jahr in den

7


Geschäftsbericht

USA die Zulassung durch die FDA erfahren hat. Das Prinzip /

Konzept sieht die Verhinderung einer HIV-Exposition durch die

prophylaktische Einnahme von antiretroviralen Medikamenten

vor. (Erwähnenswert ist sicher, dass es sich bisher nur um

Mittel eines einzigen Pharmakonzerns handelt). Die Ergebnisse

gehen bis zu der Annahme einer bis zu 73 %igen Senkung des

Expositionsrisikos (Partners-PrEP-Studie).

Ob und inwieweit eine solche prophylaktische Intervention mit

Medikamenten ein sinnvoller Weg sein mag ist bei uns noch

sehr umstritten – und wenn ja, für wen? Möglicherweise ist ein

Einsatz in ganz bestimmten Netzwerken aus public health-Sicht

sinnig, weil hier gesundheitliche und monetäre „Folgekosten“

in ganz anderer Dimension verhindert werden könnten. Der

Verfasser dieses Geschäftsberichtes schließt sich aber zur Zeit

noch der Auffassung an, dass dieses Instrument vielleicht etwas

für nicht sehr selbstbestimmte oder gar unterdrückte Frauen

südafrikanischer Wanderarbeiter sein mag, aber hierzulande

angesichts der HIV-Prävalenz nicht sinnvoll ist und noch dazu

ein die erfolgreichen Präventionsbemühungen gefährdender

Ansatz ist.

„Heilung in Sicht??? – Ist es schon so weit?“

So haben wir im Berichtsjahr eines der beiden Fachgespräche

zur HIV-Therapie betitelt – nicht weil wir Visionäre oder

Mutige oder Spinner sind, sondern weil das Wort mittlerweile

auf den Fachkongressen kein Tabu mehr ist und wir mit

einem „Expertengespräch“ keinen Blick in die Kristallkugel

werfen, sondern eine seriöse Einschätzung des aktuellen

Forschungsgeschehens präsentieren wollten. Wie so oft in den

letzten Jahren sahen und sehen wir es als unsere Aufgabe an, auf die

Euphoriebremse zu treten, damit keine Entwarnungsphantasien

oder unbegründete Hoffnungen entstehen. Wir meinen, dies ist

mit der Veranstaltung (s. 4.2.) gut gelungen. Heilung im Sinne

von Viruseradikation ist eindeutig nicht in Sicht, die Form einer

„funktionellen Heilung“ ist allerdings nicht mehr nur Utopie.

Fazit – noch nicht MITTEN IM LEBEN!

Die „gesellschaftliche (HIV-) Erkrankung“ oder „Das

doppelte Stigma“

„AIDS – das sind zwei Krankheiten“ – so heißt es schon seit

vielen Jahren in unserer Hausbroschüre: „Die eine ist die Folge

einer HIV-Infektion, die das menschliche Immunsystem schwächt

und zu lebensgefährdenden Erkrankungen führen kann. (…)

Die andere „Krankheit“ befällt die Gesellschaft und führt

zu Verunsicherung, Angst, Gleichgültigkeit oder gar zu

Diskriminierung und Ausgrenzung.“

Dagegen können wir alle etwas tun, nämlich uns informieren

und uns für die Akzeptanz und Toleranz von Menschen mit

HIV und AIDS einsetzen. Nur wenn wir auch auf diesem Feld

entscheidend vorankommen, kann die HIV-Prävention in

Deutschland (und der Welt) noch erfolgreicher werden als sie

es schon ist. Im Ansatz der „strukturellen Prävention“ waren

die Enttabuisierungs- und Entdiskriminierungsarbeit von Beginn

an integrierte und enorm wichtige Bestandteile, die Symmetrie

von Verhaltens- und Verhältnisprävention – Lernstrategie

statt Suchstrategie. Diese Ausrichtung hat sich sehr eindeutig

bewährt: Deutschland hat auch 2012 in Europa neben Finnland

weiterhin die niedrigsten HIV-Inzidenzen.

Was wurde nun auf dem Sektor der „gesellschaftlichen

Erkrankung“ erreicht. Im Berichtsjahr konnten zum ersten Mal

aussagekräftige Daten zur Stigmatisierung und Diskriminierung

von Menschen mit HIV in Deutschland mit den Ergebnissen der

Studie „positive Stimmen“ präsentiert werden. Im Auftrag

der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

führte die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) die v.a. von UNAIDS

initiierte Erhebung (HIV Stigma Index) Interviewerhebung

durch. Dabei befragten HIV-Positive HIV-Positive, was die

Offenheit und Echtheit der Antworten sehr befördert hat. In

Deutschland wurden im Jahre 2011 insgesamt 1.148 Interviews

geführt, deren erste Ergebnisse im `WAT-Kampagnen-Sheet

2012´ vorgestellt wurden und von denen hier einige markante

Aspekte Erwähnung finden sollen:

• „Knapp 77 % der Befragten haben im Jahr vor der

Befragung Diskriminierung erlebt – von Tratsch über

Beleidigungen bis hin zu tätlichen Angriffen.

• Rund 20 Prozent der Befragten wurde im Jahr vor

der Befragung aufgrund von HIV eine medizinische

Behandlung verweigert (z.B. beim Zahnarzt).

• Rund 10 Prozent sind mindestens einmal nicht zum

Arzt gegangen, obwohl es nötig gewesen wäre – von

denen, die schon einmal Zurückweisung erlebt hatten,

waren es 18 Prozent.

• 13 Prozent sind in den zwölf Monaten vor der Befragung

mindestens einmal von einer gesellschaftlichen

Zusammenkunft wie Vereinsaktivitäten oder

Feierlichkeiten und von familiären Aktivitäten

ausgeschlossen worden, etwa 6 Prozent führen dies auf

ihre HIV-Infektion zurück.

• Es verloren mehr Menschen ihren Job aufgrund von

Diskriminierung als aus gesundheitlichen Gründen.

Kündigungen hatten in 20 von 24 berichteten Fällen

(84 Prozent) mit Diskriminierung zu tun.

• 30 Prozent der Befragten haben sich von ihrer

Familie zurückgezogen. Bei denen, die zuvor bereits

Ausschlusserfahrungen in der Familie machen mussten,

waren es sogar 66 Prozent.

• Stigmatisierung und Diskriminierung werden

verinnerlicht: 42 Prozent berichteten, sie hätten im

Jahr vor der Befragung aufgrund von HIV ein niedriges

Selbstwertgefühl gehabt, 23 Prozent fühlten sich

schuldig. …“

(aus: BZgA, DAH, DAS Hrsg.: Wichtige Fakten über HIV

und AIDS, S. 3-4, 10/2012)

Ein offener, angst- und vorurteilsfreier Umgang mit HIV ist bei

weitem noch keine Selbstverständlichkeit – und zwar für beide

(HIV-Positive und HIV-Negative/Ungetestete) Seiten.

Allerdings zeigen die Befragungsergebnisse auch immer

mehr positive Beispiele dafür, dass eine insgesamt wachsende

Akzeptanz- und Toleranzentwicklung in Deutschland stattfindet.

HIV-POSITIV & MITTEN IM LEBEN = auf relativ gutem Wege.

Strukturelle HIV-Prävention

Nur wer sich selbst schätzt, schützt sich und andere – und:

nur wer sich als vollwertiges und akzeptiertes Mitglied der

Gesellschaft erfährt, ist bereit für sich und andere Verantwortung

zu tragen.

Auf diesen ebenso einfachen wie richtigen `Formeln´

basiert der Kernansatz der deutschen Ausrichtung der HIV-

Präventionsstrategie, die weltweit anerkannt und erfolgreich ist,

sich eindeutig bewährt hat und die es zu bewahren gilt, nicht

ohne eine stete Weiterentwicklung unter Einbeziehung neuer

Erkenntnisse (z.B. Einbeziehung der STI-Prävention, stärkere

Einbindung der Ärzte in die Primärprävention u.a.). Jedenfalls

gehört die Betrachtung und Bearbeitung der Verhältnisse, in

denen immer mehr Menschen (2012 etwa 78.000 in Deutschland)

mit HIV und AIDS leben unbedingt in den Präventionsmix. Denn

die besten Erfolge lassen sich eindeutig dann erzielen, wenn

Menschen mit HIV und AIDS keine Angst vor Diskriminierung,

Stigmatisierung oder gar Kriminalisierung haben müssen. Das

gilt insbesondere für die Beförderung einer Testbereitschaft, die

sich ganz gut entwickelt hat.

Der sanfte Anstieg von ca. drei Prozent bei den für das

Berichtsjahr 2012 vom RKI geschätzten Neuinfektionen (ca.

3400) in Deutschland ist ganz sicher eben auch auf eine gestiegene

Testbereitschaft zurückzuführen und insofern in gewisser Weise

durchaus auch als Ausdruck erfolgreicher Präventionsarbeit

zu sehen. Obgleich dieser leichte Anstieg eine insgesamt

stabile Lage dokumentiert, die im internationalen Vergleich ein

hervorragendes Ergebnis darstellt, ist er doch auch Anlass und

Herausforderung zugleich, an dieser Erfolgsgeschichte intensiv

weiterzuarbeiten!

In Duisburg liegt die Inzidenzrate für 2012 bei 2,25 pro

100.000 Einwohnern = elf Neudiagnosen (Stand vom 01.11.2012;

Vgl. 2011: 2,86), wobei u. E. aber auch ein verschlechtertes und

recht hochschwelliges Testangebot zu berücksichtigen ist; im

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Kreis Wesel liegt die Inzidenz realistisch geschätzt bei 2,13

(Stand 01.11.12 (entspricht etwa 11 Fällen im Berichtsjahr; Vgl.

2011: 2,08); also in beiden Regionen auf einem niedrigen, im

Vergleich zum Vorjahr recht stabilen Niveau. In dieser Rubrik

der Neudiagnosen ist zu berücksichtigen, dass es sich um

Erstmanifestationen und nicht zwingend um Neuinfektionen aus

dem Erhebungsjahr handelt. Zu berücksichtigen ist weiterhin

eine nicht zu beziffernde Quote von Menschen, die sich –z.T. aus

Anonymitätsgründen- an anderen Orten testen lassen und auch

keine exakten Angaben zu ihrem Wohnort machen.

Nach Interpretation des RKI betrifft der leichte Anstieg der HIV-

Neuinfektionen im Bundesgebiet vor allem (jüngere) schwule

Männer und als bedeutsamer Erklärungsansatz gilt der deutliche

Anstieg der Syphilis-Inzidenzen, was wiederum die zwingende

Verbindung von HIV- mit STI-Prävention untermauert (s.o.)

und eine Intensivierung der Arbeit in der Zielgruppe schwuler

Männer und Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) nach

sich ziehen sollte. Das RKI weist hier darauf hin, dass die Syphilis

die HIV-Übertragungswahrscheinlichkeit auch dann erhöht,

wenn sich am (insgesamt sehr guten) Risikoverhalten (s. Daten

der EMIS-Studie) nichts ändert.

Dazu sollten sich der Zugang und die Abrechnungsmöglichkeiten

für STI-Screenings deutlich verbessern. Regelmäßige Checks auf

STI`s sollten auch für sexuell aktive Menschen ohne Symptome

zur Kassenleistung werden, denn dies ist eine wichtige Maßnahme

im Rahmen der HIV-Prävention und auch zur Vermeidung von

sehr hohen Folgekosten.

Auf Seiten der Ärzte wie auch der Patienten erfordert dies

allerdings einen tabufreieren, offenen Umgang mit dem Thema

Sexualität, denn nur wenn darüber kommuniziert werden kann,

können diagnostische und therapeutische Maßnahmen zur

Anwendung kommen. Let`s talk about Sex!

Carsten Schatz, Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe, formuliert

es treffend: „Es ist fatal, HIV-Prävention auf biologische

Zusammenhänge zu reduzieren. Diskriminierung von Menschen

mit HIV und von schwulen Männern führt zu Angst und Tabus.

Um Infektionszahlen zu senken, benötigen wir ein Klima der

Offenheit, in dem es möglich ist, frei über Sexualität, HIV und

andere sexuell übertragbare Krankheiten zu sprechen. Dafür

trägt auch die Politik Verantwortung, die einer vollständigen

rechtlichen Gleichstellung von Lesben und Schwulen noch immer

im Wege steht.“ (Pressemitteilung der DAH vom 26.11.12)

Fazit: HIV-Prävention und tabufreie Kommunikation über

Sexualität gehören zusammen und stehen MITTEN IM LEBEN.

Die gesellschaftliche Anerkennung dessen ist aber sicherlich

noch ausbaufähig.

Zielgruppenspezifische Prävention

Die zielgruppenspezifische Prävention als Kernauftrag für

AIDS-Hilfen ist unerlässlich, damit die richtigen Menschen mit

passenden Botschaften und Maßnahmen MITTEN IM LEBEN

erreicht werden können und nicht ins Leere greifen:

Auch wenn in Deutschland eine vergleichsweise günstige

Situation erreicht werden konnte, dürfen wir in unserer Arbeit

nicht nachlassen, müssen die etablierten Strukturen erhalten

werden, um die Erfolgsgeschichte weiter zu schreiben, um nicht

zuletzt auch die wirtschaftlichen Einspareffekte von preiswerter

und wirksamer Prävention gegenüber nach wie vor teurer

Therapie zu halten.

„Besonderes Augenmerk muss dabei auch auf Menschen gerichtet

werden, die aufgrund sozialer, kultureller und persönlicher

Faktoren ihre Gesundheit nicht ausreichend schützen können.

HIV/AIDS-Prävention muss deshalb zukünftig stärker

mit Maßnahmen der Gesundheitsförderung verknüpft

werden“ (Entwurf Landeskonzept „Weiterentwicklung der

HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen“, Juli 2011, S. 3)

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. – Fachstelle für

sexuelle Gesundheitsförderung - mit ihrem traditionellen

Auftrag der zielgruppenspezifischen Prävention arbeitet schon

immer nach diesem Grundsatz.

Der Ansatz der strukturellen Präventionsarbeit

im Kontext von Gesundheitsförderung hat sich hier

eindeutig bewährt. Angesichts der epidemiologischen Daten

in Deutschland erweist sich die zielgruppenspezifische

Präventionsarbeit als immer bedeutungsvoller.

Präventionsmittel und –maßnahmen müssen demzufolge dort

zur Verfügung stehen, wo sie besonders benötigt werden – z.B.

in Bereichen von (Beschaffungs-) Prostitution (s. 5.4.) oder bei

der Versorgung von Suchterkrankten (s. 5.2.) und eindeutig im

Bereich von homo- und bisexuellen Männern, insbesondere in

besonderen MSM-Netzwerken, die bisher nur unzureichend

erreicht wurden (s. 5.1.). Eine weitere sehr wichtige Zielgruppe

stellen Menschen in Haft dar, wo wir leider immer noch

höhere Infektionsgefährdungspotentiale (besonders bzgl. der

Hepatitiden B und C, aber durchaus auch bezogen auf HIV)

konstatieren, die im Wesentlichen in den hygienisch höchst

bedenklichen (Drogen-) Konsumbedingungen begründet sind (s.

5.3.).

„Unverzichtbar ist dabei nach wie vor die Primärprävention für

Kinder und Jugendliche. Wichtig ist, HIV/AIDS-Prävention als Teil

von Gesundheitsförderung und Sexualaufklärung zu verstehen

und Jugendliche frühzeitig zu Beginn ihrer sexuellen Aktivität zu

erreichen“ (Landeskonzept „Weiterentwicklung der HIV/AIDS-

Prävention in Nordrhein-Westfalen“, Juli 2012, S. 9; s. auch 5.6.).

Auch in diesem Berichtsjahr haben uns wieder die Folgen der

angespannten Haushaltslagen vor allem in Duisburg beschäftigt.

Im Zusammenhang mit der Suche nach neuen Räumen ist es

noch schwerer geworden, eine gewisse Planungssicherheit zu

erreichen. Immerhin aber schaffen die regelmäßigen Kontakte

die Möglichkeit, den Zuwendungsgebern Transparenz darüber zu

geben, wie viele Leistungen die Kommunen für vergleichsweise

wenig Mittel bekommen, wobei der überwiegende Teil dieser

Leistungen zu den sog. kommunalen Pflichtaufgaben zählen.

Dieses äußerst günstige Verhältnis dürfte bei anderen Trägern

nur schwerlich zu finden sein – erst recht, wenn man noch

das Volumen an ehrenamtlicher Arbeit in die Betrachtungen

einbezieht.

Der auch für uns günstige Umstand, zwei kommunale Partner zu

haben, führt allerdings an einigen Stellen zu nicht unerheblichem

bürokratischen Mehraufwand, für den es leider keine finanzielle

Anerkennung gibt.

Zusätzlich gab es im Berichtsjahr einen gewissen

Unsicherheitsfaktor angesichts der „Haushaltswirren“ auf

Landesebene, die nicht zuletzt zu den außerplanmäßigen

Neuwahlen im Mai geführt haben und die Zuwendung von

(bereits zugesagten) Landesmitteln hätten gefährden können.

Dies ist letztlich glücklicherweise nicht eingetreten. Das

Ergebnis, nämlich die Ablösung einer Minderheitsregierung hat

dann eher zu einer gewissen Stabilisierung geführt. Ausdruck

dafür ist vielleicht für unseren Bereich die Verabschiedung

des bereits mehrfach hervorgehobenen Landeskonzeptes zur

Weiterentwicklung der HIV-/STI-Prävention in NRW.

Ein vielfach betonter und wichtiger Faktor für den bisherigen

Erfolg ist das gelungene und gelingende Zusammenwirken

von Bund, Ländern und Kommunen sowie von

9


Geschäftsbericht

Öffentlichem Gesundheitsdienst und verschiedenen

nichtstaatlichen Trägerstrukturen wie den AIDS-Hilfen und

die abgestimmten Aufgabenverteilungen – so auch im Kreis

Wesel und in der Stadt Duisburg. Wir möchten an dieser Stelle

einmal mehr betonen, dass wir diese synergetische Strategie in

unserer Zusammenarbeit im Wesentlichen umgesetzt sehen und

dass wir es für wichtig erachten, dass die partnerschaftliche und

partizipative Kooperation erhalten und günstigenfalls gestärkt

wird („Gemeinsam gegen AIDS“).

Dies alles erfordert natürlich personelle und materielle

Ressourcen, verbunden mit zeitlichen Perspektiven. Nur

so können einerseits nachhaltige Effekte erzielt werden und

andererseits flexible Anpassungsprozesse an epidemiologische

und soziodemographische Entwicklungen insbesondere in der

Vor-Ort-Arbeit erfolgen. Vor allem auch, weil die Erfordernisse

für Netzwerkarbeit stetig anwachsen, diese allerdings nur dann

auch effektiv wirken können, wenn hier personelle Kontinuität

gewährleistet werden kann.

Nun ist dies nicht zum Nulltarif zu bekommen. Angesichts

der bekannten Haushaltssituationen der meisten NRW-

Kommunen, so auch bei „unseren“ kommunalen Partnern,

stehen die Beteiligten vor großen Herausforderungen. Die

seit einigen Jahren gedeckelten Landes- und kommunalen

Fördermittel führen dazu, dass die Schere zwischen öffentlicher

Förderung und Haushaltsbedarfen immer weiter auseinander

driftet und darüber allein schon die Aufrechterhaltung unseres

Angebotsspektrums immer schwieriger wird. Zu betonen ist,

dass ein ganz überwiegender Teil dieser Angebote kommunale

Pflichtaufgaben abdeckt. Auskunft über das Leistungsspektrum

unserer strukturellen Präventionsarbeit geben etwa unsere

Controlling-Daten für das Berichtsjahr im Anhang.

Selbst bei stabiler öffentlicher Förderung wächst

der Eigenmittelanteil alleine durch tarifrechtliche

Steigerungen im Personalkostenetat sowie natürlich

steigender Sachkostenausgaben (Mehrwertsteuer,

technische Ausstattung durch z.B. online-taugliche Medien,

Fahrtkosten, vom Land geforderte, aber nicht refinanzierte

Qualitätsmanagementmaßnahmen, Nebenkosten für

den Gebäudeunterhalt, Personalbeschaffungs- und

Fortbildungskosten und vieles mehr).

Im Berichtsjahr hatten wir zwar eine stabile öffentliche

Förderung (auf gedeckeltem Niveau!) zugesagt bekommen,

stießen aber im dritten und vierten Quartal dennoch erneut

an Liquiditätsgrenzen, weil kommunalisierte Landesmittel und

kommunale Ergänzungsfinanzierung durch und über die Stadt

Duisburg nur sehr verzögert zur Auszahlung kamen. Wir

können nur hoffen, dass dies im kommenden Jahr besser läuft

und wir von weitergehenden Kürzungen verschont bleiben.

Gerade angesichts der geschilderten Zusammenhänge brauchen

wir unbedingt eine möglichst stabile Planungssicherheit.

Vor dem Hintergrund der verbesserten Behandlungsoptionen

und der gestiegenen Lebenserwartung steigt auch die

Zahl unserer Begleitungsverhältnisse kontinuierlich

an. Das geht leider nicht unbedingt mit adäquat wachsender

Lebensqualität oder gar schrumpfenden sozialrechtlichen

oder psychosozialen Problemlagen unserer Klienten einher.

Im Gegenteil wächst leider auch die Zahl derjenigen Klient/

innen, die aufgrund vielfältiger lebenspraktischer Problemlagen

eine besonders hohe Begleitungs- und Betreuungsintensität

benötigen. Hier stoßen wir zunehmend an Kapazitätsgrenzen

und werden uns in naher Zukunft intensiver mit Formen

ambulant betreuten Wohnens beschäftigen müssen.

Arbeit per anno (entspricht ca. 3 Vollzeitäquivalenten!) nicht

eingerechnet.

Die Erhaltung unseres Angebotsspektrums sowie die stete

Weiterentwicklung dessen ist in erster Linie nur deshalb noch

möglich, weil wir trotz immer wiederkehrender Konfrontation

mit Kürzungsszenarien ein immer noch hochmotiviertes ehrenund

hauptamtliches Team haben.

Aber das alleine würde nicht reichen: ohne Spenden- und

Sponsoring durch verschiedene zivilgesellschaftliche

Gruppierungen und Einzelpersonen wäre die

Aufrechterhaltung des Angebots- und Leistungsspektrums

überhaupt nicht denkbar.

Der vorliegende Jahresbericht wird über eine Vielfalt von

derartigem Engagement Auskunft geben. Da halten wir es gerne

mit Erich Kästner und wollen über gutes Tun reden (s. 4.).

Eine der wichtigsten Pfunde und Ressourcen für die

Aufrechterhaltung unserer Angebotspalette sind und bleiben

unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen, denen einmal

mehr ein riesiges „Danke schön!“ gilt.

Angefangen beim Vorstand über nahezu alle anderen

Arbeitsfelder können wir hier auf eine sehr stabile „Mannschaft“

bauen. Allerdings gibt es leider auch nur wenig Andrang von

neuen Interessent/innen. Daher möchten wir Sie, verehrte

Leserinnen und Leser, bitten, potentiell interessierte Menschen

auf uns aufmerksam zu machen, denn: AIDS-Hilfe-Arbeit ist

spannend, kann intensiv und unter Umständen belastend sein,

aber auch dankbar und für die eigene Persönlichkeitsentwicklung

gewinnbringend. Das gilt nach wie vor auch für die ehrenamtliche

Mitarbeit auf allen Ebenen.

Leider geblieben ist der Umstand, dass unsere „Personaldecke“

zwar sehr stabil, aber auch im Bereich einzelner ehrenamtlicher

Tätigkeitsfelder dünn ist. Das gilt zum einen für die

Telefonberatung am Montagabend. Hier ist ein schmerzlicher

Abschied auf Dauer erfolgt, denn unsere langjährige Beraterin,

Andrea Täufer, ist den Folgen ihrer Erkrankungen im März des

Berichtsjahres erlegen. Ihr enormes Engagement und Wirken in

und für die Selbsthilfe bleibt jedenfalls unvergessen.

Während bei der Telefonberatung unsere Vorstandsmitglieder,

Thomas Hilgers und Rainer Wille, hier inzwischen mit großer

Freude und Engagement wirken, suchen wir für die Methadon-

Vergabe noch Interessent/innen. Ansprechpartner ist hier

Werner Garbe.

Ein ganz, ganz wichtiger Kollege, Chef, Mitgestalter, Impulsgeber,

Bewahrer und kritischer Beobachter und immer Freund hat

uns ebenfalls im März verlassen. Unser Vorsitzender und

Ehrenmitglied, Träger des Ehrenamtspreises „merk I würdig“

der AIDS-Hilfe NRW und Mitglied des Delegiertenrates der

Deutschen AIDS-Hilfe, Rolf Ringeler hat den Kampf gegen HIV

sehr lange gewonnen, den Krebs aber leider nicht besiegen

können. Seit 1994 hat er im Vorstand der AIDS-Hilfe die

Geschicke unseres Vereins ganz wesentlich mitgeprägt.

Aber „niemals geht man so ganz“ – wir werden Rolf, sein Wirken,

sein Herzblut und seine Haltungen mit uns nehmen und immer

ein ehrendes Andenken bewahren – so wie das Vermächtnis

vieler anderer wichtiger Wegbegleiter/innen, die uns verlassen

mussten.

Um einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt

hinzubekommen, benötigen wir im Durchschnitt etwa 50.000 Euro

p.a. aus nicht-öffentlichen Drittmitteln, das macht zwischen 15

und 20 % unseres Haushaltsvolumens aus. Betriebswirtschaftlich

betrachtet generiert jeder aus öffentlichen Mitteln eingesetzte

Euro wiederum 15 – 20 Cent aus Drittmitteln. Eigentlich doch

eine richtig gute Investition.

Und dabei ist der „Gegenwert“ von ca. 3500 Stunden

ehrenamtlicher (honorarfreier, aber nicht kostenfreier!)

Rolf Ringeler, geb. 16.03.1954, gest. 21.03.2012

10


Da Rolf im Vorstand nicht einfach zu ersetzen war, gehen

wir in die Zeit bis zur nächsten Jahreshauptversammlung mit

einem „nur noch“ vierköpfigen Vorstand mit gleichberechtigten

Mitgliedern, die nicht nur wegen der Personalfluktuation auf

unserer „Frauenstelle“ (s.u.), wegen der intensiven Suche nach

einem neuen Domizil in Duisburg und nicht zuletzt wegen eines

Intermezzos bis März ohne Geschäftsführung reichlich aktiv

sein mussten – hier gilt dem Vorstand ein besonderer Dank!

Bestätigung und Rückhalt für unsere Arbeit und

Entwicklung erfuhren wir auch auf der diesjährigen

Jahreshauptversammlung am 14. Mai 2012, die allerdings

nicht ganz so toll besucht war.

Der amtierende Vorstand wurde einstimmig entlastet und für

seine umfassende Arbeit gewürdigt.

Der „Job“ war nicht gerade leicht. Die Differenzen mit dem

Geschäftsführer sind im Großen und Ganzen sehr konstruktiv

bearbeitet worden, haben zu leichten Modifizierungen

der Geschäftsordnung und darüber klareren strukturellen

Prozessqualitäten geführt – somit zu Weichenstellungen,

die unseren Verein insgesamt noch besser für zukünftige

Herausforderungen vorbereiten konnten. Dieser Prozess hat

einmal mehr gezeigt, dass in und zwischen den Gremien der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel eine gute Konfliktfähigkeit

und Streitkultur gepflegt wird, die in diesem Fall zu einer

Wiederaufnahme der Geschäftsführung ab März 2012 geführt

hat.

Im hauptamtlichen Team hat es im Berichtsjahr richtig

Bewegung gegeben. Insbesondere unsere „Frauenstelle“ ist

von gleich drei Kolleginnen bearbeitet worden. Zum Anfang

November hat unsere neue Kollegin, Frau Janina Boers,

die wieder einmal über zwei Monate vakante Frauenstelle

übernommen, nachdem uns Semra Mestan im August nach nur

fünf Monaten auf eigenen Wunsch verlassen hat. Ein großer Dank

gilt auch noch Sandra Kohlhase, die diese Stelle bis Ende März

unverhofft, aber prima ausgefüllt hat. Wir freuen uns sehr, dass

wir bei der Neubesetzung die Qual der Wahl zwischen sehr gut

qualifizierten Bewerber/innen hatten und mit Janina Boers eine

in den vielen Arbeitsfeldern und Themen, die mit dieser Stelle

verbunden sind, sehr erfahrene Kollegin gewinnen konnten.

Herzlich willkommen!

Ein herzlicher Dank der Geschäftsführung gilt einmal mehr

den Kollegen, die erneut die psychosoziale Begleitungsarbeit

dieser Stelle im Oktober und November vertretungsweise mit

zusätzlicher Belastung klaglos übernommen und auch die drei

(!) Einarbeitungsphasen sehr kollegial mitgestaltet haben.

Ein ebenso herzliches Willkommen galt unserem neuen

Kollegen Frank Funk, der seit Juli 2012 für zunächst ein Jahr

mit halber Stelle die Herzenslust-Arbeit verantwortlich führt,

weil Rüdiger Wächter wegen einer Zusatzausbildung für ein Jahr

seine Stelle auf 50% reduziert hat.

Dass wir trotz der zum Teil sehr widrigen Umstände unsere

angestammten Arbeitsbereiche und –angebote in gewohnter

Form und Qualität fast durchgehend vorhalten und an der ein

oder anderen Stelle sogar verstärken konnten, darüber legt

der vorliegende Jahresbericht (und die Controlling-Daten im

Anhang) Zeugnis ab.

So ist etwa von einem wichtigen Primärpräventionsbereich,

der Duisburger Substitutionsregelung, welches nicht

unbedingt zum Kernbereich zählt, erfreuliches zu berichten.

Diese Regelung ist nicht nur für die Klient/innen von hohem

gesundheitlichen und psychosozialen Nutzen ist, sondern auch

für die AIDS-Hilfe ein finanzieller Segen. Hier gilt den Ärzten Dr.

Hander, Herrn Harzem, Dr. El Khaled, Dr. Sondag und Dr. Paul

sowie unseren begleitenden Ehrenamtler/innen ein ganz großes

Dankeschön! (s. 5.2.2.).

Das zarte Pflänzchen Hoffnung, im Bereich der Drogenarbeit

demnächst in Duisburg wieder eine JES (Junkies, Ehemalige

und Substituierte) Selbsthilfegruppe etablieren zu können,

wuchs im Berichtsjahr in Folge der intensiven Streetworkarbeit

durch Ralf Runniger, der sich inzwischen als fester und gern

gesehener Ansprechpartner der zu erreichenden Gruppe

drogengebrauchender Duisburger/innen etabliert hat. Ein

ganz wichtiges Angebot, welches leider nicht durch den

Suchthilfeverbund oder andere Träger (mit-) begleitet wird.

Umso mehr ist es unser erklärtes Ziel, im Sinne eines

partizipativen Ansatzes, Selbsthilfestrukturen anzuschieben und

so gut es geht zu fördern. Im Zusammenhang unserer Suche

nach neuen Räumlichkeiten (s.u.), bei der sich nicht zuletzt die

Wochenendvergabe als „Hemmnis“ herausstellte, gab es durch

und um diese Gruppe ein recht intensives mediales Interesse

der Print- und TV-Medien, welches durch uns angeschoben

wurde (s. 5.2.). Das hat mit dazu beigetragen, dass es Runde-

Tisch-Gespräche mit den Behörden und Einrichtungen der

Stadt Duisburg zur Situation der Menschen auf der „Platte“ (v.a.

im Kantpark) gab, die durch einen konstruktiven Umgang mit

der komplexen Thematik geprägt waren.

Im Bereich der Präventions-, Beratungs- und Begleitungsarbeit in

den Justizvollzugsanstalten konnte die erfreuliche Kooperation

im Berichtsjahr wieder in vollem Umfang durchgeführt werden.

Hier ist die Anstaltsleitung mit der Arbeit von Rüdiger Wächter

offensichtlich so zufrieden, dass wir bereits zum Jahresende

den Vertrag für das Jahr 2013 unterzeichnen konnten, worüber

auch Fördermittel des Justizministeriums NRW abgerufen

werden können. Indiz für die hohe Wertschätzung unserer

Arbeit in diesem Bereich ist die Benennung als best-practice-

Beispiel in Publikationen der Deutschen AIDS-Hilfe sowie die

Einladung von Rüdiger Wächter als Workshopleiter bei der

Europäischen Gesundheitskonferenz für Menschen in Haft in

Genf. Sehr gut angenommen wurde auch ein Pilotprojekt zur

Männergesundheit in Haft (s. 5.3).

Trotz des Personalwechsels und der zweimonatigen Vakanz im

Arbeitsfeld unserer Frauenarbeit, sind wir froh und ein wenig

stolz, dass es gelingen konnte, die Frauengruppe innerhalb der

AIDS-Hilfe zu etablieren (ein besonderes Dankeschön gilt hier

auch den äußerst engagierten Ehrenamtlerinnen Annette F. und

Bettina K.), s. 5.4.).

Zudem waren und sind wir auf dem Sektor der (Beschaffungs-)

Prostitution angesichts erheblicher Zuwanderung –v.a. von

Frauen aus südosteuropäischen Regionen) im Praktischen und

Konzeptionellen zunehmend gefordert. Die Hoffnung, mit Frau

Mestan hier kulturelle und sprachliche Sonderkompetenzen

dauerhaft vorhalten zu können, hat sich leider nicht erfüllen

können.

Im Arbeitsbereich der Prävention bei Männern, die Sex

mit Männern haben (MSM), gab es nicht zuletzt durch

die erfolgreiche Fortführung unseres „Leuchtturmprojektes“

Beratung und Test auf einem Autobahnrastplatzes, durch

reichlich – leider negative, weil sehr rückläufige - „Bewegung“

bei den organisierten schwul-lesbischen Parties in Duisburg und

Moers, die konzentrierte Präventionsoffensive beim diesjährigen

CSD in Duisburg ebenfalls wieder viel „Action“ für die „neue“

Abteilung Herzenslust (Rüdiger Wächter bis Juni, Frank Funk

ab Juli, Uwe Altenschmidt und „ihre“ ehrenamtlichen Mitstreiter)

– und auch hier viel Anerkennung für das Geleistete (s. 5.1.).

Im Sektor Youthwork / Prävention in der

Allgemeinbevölkerung (s. 5.6.) können wir über weitgehend

stabile Nachfragen mit nach wie vor hervorragenden

Rückmeldungen berichten, wenngleich wir hier wieder einmal

einen Verlust an personellen Ressourcen durch notwendige

Veränderungen im Stellenverteilungsplan (Praktikantin im

Anerkennungsjahr wechselte auf die Frauenstelle, s.o.) zu

verkraften hatten.

Die Öffentlichkeitsarbeit (s. 4.) lief auf Hochtouren, war über

weite Strecken des Jahres mit dem Umzugsbegehren beschäftigt

und mündete in zum Teil richtig nachhaltige Highlights im

Rahmen des Welt-AIDS-Tags-Geschehens 2012.

Ein wichtiges Ziel der AIDS-Hilfe konnte leider auch in

diesem Berichtsjahr noch nicht erreicht werden, nämlich mit

unserem Duisburger „headquarter“ endlich in barrierefreiere

11


Räumlichkeiten umzuziehen, was angesichts der

Entwicklungen beim Krankheitsbild immer wichtiger wird. Nun

muss es aber bald gedeihen, denn im März erhielten wir vom

Immobilienmanagement Duisburg (IMD) nach nunmehr 25

Jahren die Kündigung für die Räume in der Friedenstr. 100, weil

für das Objekt „endlich“ ein Kaufinteressent gefunden werden

konnte. Nun gab es endlich klare Fakten und Gewissheit darüber,

dass wir nicht einfach ins Erdgeschoss wechseln konnten,

sondern einen neuen Standort suchen mussten. Die Suche

wurde sofort, unmittelbar nach Ostern, v.a. durch unseren

Vorstand begonnen. Sie brachte die Erkenntnis über recht

viel Leerstand in Duisburg, allerdings auch viele ernüchternde

Erfahrungen. Während wir als „reine AIDS-Hilfe“ wohl zügig

fündig geworden wären, stellte sich unsere Beteiligung an der

Duisburger Substitutionsregelung (Vergabe der Substitute an

den Wochenend- und Feiertagen) als kaum zu überwindende

Hürde heraus. So gab es einige potentielle Vermieter, die zum

Teil sehr klar, zum Teil verklausuliert zu verstehen gaben, dass

sie dies nicht wollten.

Lebensstilakzeptanz und Anerkennung der Arbeit für

Suchterkrankte sind noch weit entfernt von: MITTEN IM LEBEN.

Wir haben in diesem Zusammenhang zwar viele „Kümmerer“

aus Politik und Verwaltung kennen gelernt, aber auch das hat

nur sehr bescheidene Früchte erbracht. Inzwischen wissen

wir allerdings auch um Umstände, die mit der Verwaltung des

Objektes Friedenstr. zusammenhängen, welche das „Kümmern“

erheblich erschwert haben und manch zögerlich erscheinendes

Verhalten erklärbar machten.

Dennoch sind wir auch das Jahr 2012 betreffend insgesamt

zufrieden über den politischen Rückhalt für unsere Arbeit

– und zwar auf allen föderalen Ebenen. Das haben uns einmal

mehr viele Gespräche mit Verantwortlichen gezeigt.

Der fortlaufende Organisationsentwicklungsprozess

konnte im Berichtsjahr zwar nicht im gewünschten Umfang

aber im Rahmen des Möglichen vorangetrieben werden

(z.B. die Modifizierung der Geschäftsordnung, s.o.). Mehr

war vor dem Hintergrund der leichten Krisensituation

zum Jahresbeginn, der sehr intensiven Sterbebegleitung von

Rolf Ringeler, den Umzugserfordernissen und natürlich den

Personalbeschaffungsaktivitäten nicht leistbar.

Wir können allerdings mit gewissem Stolz behaupten, dass

das operative Geschäft unter den besonderen Umständen nur

minimal gelitten hat, was insbesondere für die professionelle

Grundhaltung der Mitarbeiterinnen spricht. So konnte etwa

auch das umfängliche Veranstaltungsprogramm zum Welt-AIDS-

Tag trotz reduzierter Ressourcen insgesamt hervorragend

umgesetzt werden (s. 4.4.).

Zivilgesellschaftliches Engagement ist immer noch und nicht

nur vor dem Hintergrund rückläufiger öffentlicher Förderung

immer mehr gefragt. Diesbezüglich können wir einmal mehr auf

ein Jahr mit wirklich großartiger Unterstützung zurückblicken

(s. 4.). Insbesondere im Zusammenhang mit dem diesjährigen

Welt-AIDS-Tags-Geschehen erlebten wir viel Engagement von

verschiedensten Gruppen und Einzelpersonen. Stellvertretend

verweisen wir hier schon mal auf die „bärenstarken“ Initiativen

des Centermanagements der City-Malls FORUM Duisburg und

Königsgalerie, was wesentlich dazu beigetragen hat, dass wir in

Duisburg (neben Hamburg) in diesem Jahr Premiumpartner der

bundesweiten Welt-AIDS-Tags-Kampagne waren.

12


Botschafter, Kooperationspartner und Unterstützer des WAT-

Aktionstages 2012:

gewissermaßen unser Platin-Vertriebs-Partner für die beliebten

„AIDS-Teddies“ sind.

Mehr Geschichten von Menschen und Gruppen über deren

gutes Tun wir reden wollen finden sich im Kapitel 4.

Diese und weitere Aktivitäten, die neben öffentlichkeitswirksamen

Effekten zum Teil unerlässliche Spenden- und

Sponsoringeinnahmen erbrachten, haben neben einer erneut

sehr umsichtigen Haushaltsführung, die bei Werner Garbe

in besten Händen liegt, erheblich dazu beigetragen, dass

wir das Haushaltsjahr 2012 voraussichtlich mit einem sehr

überschaubaren Defizit abschließen können – ein sehr gutes,

weil wahrlich nicht unbedingt zu erwartendes Ergebnis.

v.li.n.re.: Kay, Manni u. Alexandra (Kampagnenbotschafter), A.

Theurich (Centermanager Königsgalerie), Benno Lensdorf

(Bürgermeister), Bärbel Bas (MdB SPD), Dietmar Heyde

(AIDS-Hilfe), Frank Mischo (Kindernothilfe), Michaela

Spatz (Centermanagerin FORUM u. KöGa), Lutz Müller

(Centermanager FORUM Duisburg)

DANKE!

Abschließend möchten wir uns natürlich an dieser Stelle bei all

jenen treuen Freund/innen und Förderern, Zuwendungsgebern

und Sympathisant/innen sowie bei den Vertreter/innen aus

Politik, Verwaltungen und Gesundheitsämtern, medizinischen

und Beratungseinrichtungen, Schulen und sonstigen

Kooperationspartnern und unseren Dachverbänden, dem

„Paritätischen“, der Deutschen AIDS-Hilfe und der AIDS-Hilfe

NRW für ihre Wertschätzungen, unterstützenden Aktionen und

guten Wünsche im Berichtsjahr aufs Herzlichste bedanken.

Es gibt nicht nur „bad banks“ wie wir wissen. Es gibt auch hier

viel zivilgesellschaftliches Engagement. Wir bedanken uns bei den

Sparkassen aus unserer Region und insbesondere beim GudsO-

Team der Targobank Duisburg, die einmal mehr eine unglaublich

kreative Soli-Bären-Verkaufsaktion durchgeführt haben und


Beratung

2. Beratung

2.1 Einleitung

Die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. wurde

wie in den vorangegangenen Jahren als ein Hauptschwerpunkt

unserer Arbeit durchgeführt.

web und haben gelernt, sich dort zu Informieren und diesem

Medium zu vertrauen.

1.1.2 Telefonische Beratung

In diesem Jahr rückte das Angebot der Testverfahren

(Antikörper-Suchtest, p24-Kombinationstest sowie der

Nukleinsäure-Nachweis [PCR]) in den Focus der Beratung.

Die Frage, ab wann ein Test aussagekräftig ist, wurde von vielen

Ratsuchenden gestellt. Hinzu wurde die Thematik der „Nicht-

Infektiösität von HIV-positiven unter der Nachweisgrenze (siehe

EKAF und Positionspapier der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.)“ und

deren Auswirkungen kontrovers unter den TelefonberaterInnen

diskutiert. Hier sind vor allem die Fragen zu den rechtlichen

Aspekten und den Auswirkungen auf die Primärprävention zu

nennen.

2.2 Die Angebote der AIDS-Hilfe im Sektor Beratung

Unsere Beratungsangebote konnten von den Ratsuchenden wie

folgt genutzt werden:

1. persönliche Beratung in den Einrichtungen;

2. telefonische Beratung durch HauptamtlerInnen

während der Öffnungszeiten in Duisburg und Wesel;

3. telefonische und E-Mail Beratung durch die

ehrenamtlichen Telefonberater in der Zeit von 19.00-

21.00 Uhr am Montag in Duisburg.

Auch in diesem Jahr blieb die Zahl der Telefonberatungen

während der Öffnungszeiten sehr hoch. Die Ratsuchenden

wurden nach eingehender Erörterung der Risikosituationen

aufgeklärt. Falls erwünscht, wurden die Ratsuchenden zwecks

HIV-Antikörper-Test an das örtliche Gesundheitsamt verwiesen.

Unsere Beratungsnummern sind für Duisburg: 0203-19411

und für Wesel 0281-19411. Die Rufnummern wurden in den

örtlichen Zeitungen unter der Rubrik Beratung beworben.

Regelmäßig wurde die Bewerbung kontrolliert, da die Rubrik von

vielen Vereinen genutzt wird und die Einstellung der Rufnummer

kostenlos ist.

Die Beratungsnummern wurden durch Beantragung bei

der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post

anonymisiert. Dadurch werden bei einem Anruf über diese

Rufnummer die Nummern der Ratsuchenden unterdrückt und

bei dem Ratsuchenden erscheint die Beratungsnummer nicht in

der detaillierten Telefonrechnung.

2.2.1 Persönliche Beratung

Während der Öffnungszeiten sowie nach telefonischer Absprache

auch außerhalb der Öffnungszeiten, konnten Ratsuchende sich

persönlich durch hauptamtliche MitarbeiterInnen in unseren

Büros in Duisburg und Wesel beraten lassen. Bei diesen

Beratungsgesprächen wurde auf eine ruhige und entspannte

Atmosphäre geachtet. Bei Bedarf konnten Ratsuchende, die

anonym bleiben wollten, sich auch Termine außerhalb der

Öffnungszeiten und dem damit verbundenen Publikumsverkehr

geben lassen. Bei Beratungen von Personen, die kürzlich ihr HIVpositives

Testergebnis erhalten haben, wurde im Sinne der Hilfe

zur Selbsthilfe immer das Angebot unterbreitet, mit einem HIV-

Positiven zu sprechen, der schon länger mit der Infektion lebt.

Dieses Angebot wurde häufig in Anspruch genommen.

2.2.3 Die Bundesweite Telefonberatung

An 62 Stunden pro Woche können sich Ratsuchende unter

der Rufnummer 0180 33 19411 (9 ct./min. aus dem deutschen

Festnetz maximal 42 ct./min. aus deutschen Mobilfunknetzen)

mit ihren Fragen rund um HIV/AIDS telefonisch an die Berater

der AIDS-Hilfen wenden. Die Hotline ist erreichbar in den

Zeiten: Montags bis Freitags von 9.00-21.00 Uhr und am Samstag

und Sonntag von 12.00-14.00 Uhr.

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. beteiligt sich als

eine von bundesweit 27 Einrichtungen an diesem nunmehr

fest etablierten Angebot. Die haupt- und ehrenamtlichen

Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bedienen

Ratsuchende aus dem ganzen Bundesgebiet am Montagabend

von 19.00-21.00 Uhr und am Donnerstag von 11.00-14.00 Uhr.

Die regionalen Angebote bleiben im vollen Umfang bestehen. So

können sich Menschen telefonisch, persönlich und per E-Mail zu

den gewohnten Zeiten an die MitarbeiterInnen der AIDS-Hilfe

wenden. Das überregionale Angebot wird zusätzlich zu dem

bestehenden Angebot hinzugefügt.

Generell wurde die persönliche Beratung immer weniger von

Ratsuchenden in Anspruch genommen. Als mögliche Begründung

sind hier die anonymen Möglichkeiten durch das world wide

web (www) zu nennen (z.B. durch die Onlineberatung der

Deutschen AIDS-Hilfe www.aidshilfe-beratung.de oder für

schwule und bisexuelle Männer bei www.gayromeo.com der

healthsupport). Immer mehr Menschen nutzen das world wide

14


Die Telefonberatung spielt bei der Aufklärung zu HIV nach wie

vor eine große Rolle. Sie ist das Medium zur Beantwortung

persönlicher Fragen und zur Abklärung eines individuellen

HIV-Übertragungsrisikos. Mit der neuen Rufnummer werden

bestehende Angebote unter einer bundesweiten Nummer

zusammengeführt und damit die Erreichbarkeit für Ratsuchende

weiter verbessert. Durch die Intensivierung der Weiterbildung

und die Einrichtung eines Online-Portals für BeraterInnen wird

die Qualität der Beratung langfristig gesichert.

Um die Wichtigkeit der Bundesweiten Telefonberatung

aufzuzeigen, sind hier die Zahlen der Beratungskontakte

(Monitorings) und die Art der Anfragen für das Jahr 2012

aufgelistet:

Gesprächsdauer Prozent Anzahl

Bis 5 Minuten 57.6 % 200

5 bis 15 Minuten 36 % 125

15 bis 30 Minuten 6.3 % 22

Länger als 30 Minuten 0 % 0

Gesamt 347

Beratungsanlass Prozent Anzahl

Hepatitis 1.7 % 6

HIV-Ansteckungsrisiken 66.9 % 232

HIV-Test 18.4 % 64

Leben mit einer HIV-Infektion 4.6 % 16

Migration 0.3 % 1

Partnerschaft 0.3 % 1

Schutz vor HIV 0.6 % 2

Schwangerschaft 0.3 % 1

Seelische Probleme 0.3 % 1

Sexuell übertragbare Krankheiten (STD) 1.4 % 5

Sofortmaßnahmen nach Risikokontakt (PEP) 2 % 7

Sonstige Fragen 2 % 7

Soziale und rechtliche Fragen 1.2 % 4

Gesamt 347

15


Beratung

Geschlecht Prozent Anzahl

Männlich 74.9 % 257

Weiblich 25.1 % 86

Gesamt 343

Sexuelle Orientierung Prozent Anzahl

Heterosexuell 68.1 % 233

Homosexuell 17.8 % 61

Bisexuell 0.6 % 2

Unbekannt 13.5 % 46

Gesamt 342

HIV-Status Prozent Anzahl

Negativ 82.9 % 271

Positiv 3.7 % 12

unbekannt 13.5 % 44

Gesamt 327

geschätztes Alter Prozent Anzahl

bis 20 1.2 % 4

20 bis 29 34.7 % 119

30 bis 39 45.2 % 155

40 bis 49 9.6 % 33

50 und älter 3.5 % 12

Nicht einzuschätzen 5.8 % 20

Gesamt 343

Anrufer/in kann diesen Gruppen zugeordnet

werden

Prozent Anzahl

mit Informationsbedarf (Übertragungswege,

64.7 % 253

Adressen)

Freier 10 % 39

Aids-ängstlich 16.9 % 66

Aids-phobisch 2.6 % 10

Mensch in akuter Krise 3.8 % 15

Angehörige/r 1.3 % 5

Multiplikator/in 0.8 % 3

Gesamt 391

Themen der Beratung Prozent Anzahl

HIV-Ansteckungsrisiken & Schutz vor HIV 49.7 % 252

HIV-Test 24.3 % 123

Leben mit HIV 4.1 % 21

Sofortmaßnahmen nach Risikokontakt (PEP) 2.2 % 11

Hepatitis 3 % 15

(andere) sexuell übertragbare Krankheiten 2.6 % 13

Prostitution 1.4 % 7

Drogengebrauch 0.4 % 2

Soziale und rechtliche Fragen 1 % 5

Sexualität 2.2 % 11

Partnerschaft 2.4 % 12

Familie und soziales Umfeld 1.8 % 9

Seelische Probleme 2.6 % 13

Migration 0.4 % 2

Sonstige Fragen 2.2 % 11

Gesamt 507

16


Verweise Prozent Anzahl

Aidshilfen-Intern 10.2 % 39

HIV-Teststellen 22.6 % 86

Arzt/Ärztin, Therapeut/Therapeutin 10.8 % 41

Kriseneinrichtung 0.5 % 2

Andere Beratungsstellen 1.8 % 7

Kein Verweis 54.1 % 206

Gesamt 381

Die Aus- und Fortbildung der Telefonberater wurde auch in

diesem Jahr durch die Deutsche AIDS-Hilfe koordiniert. So

waren zwei Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. bei dem jährlich stattfindenden Treffen der Telefonberater

(Akademie Waldschlösschen) vertreten. Inhalte waren

unter anderem Nichtinfektiösität von HIV-Positiven unter

der Nachweisgrenze, Grenzen der Beratung, Umgang mit

Mehrfachanrufern sowie die neue Plakataktion zur Bewerbung

der Telefonberatung.

2.2.4 Die Telefonberatervernetzung im Ruhrgebiet:

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist mit anderen

Kooperationspartnern aus dem Ruhrgebiet in einer

Telefonberatervernetzung zusammengeschlossen. Ziel dieser

Vernetzung ist es, die Beratung zu HIV-AIDS an jedem

Wochentag abends im Ruhrgebiet anzubieten. Bei den Treffen

in der Ruhrgebietsvernetzung 2012 war ein Hauptthema die

Auswirkungen der „EKAF“ auf die Beratung.

Ein weiterer Schwerpunkt bei den Vernetzungstreffen ist

weiterhin die Fortbildung der BeraterInnen.

2.2.5 E-Mail Beratung

Die E-Mail Beratung in der AIDS-Hilfe wurde weiterhin

angeboten. Die E-Mailberatung ist unter der folgenden Adresse

zu erreichen: www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de.

Um die gängigsten Fragen im Voraus zu klären, wurden auf

unserer Homepage die acht am häufigsten gestellten Fragen

(FAQ) eingestellt. Der Ratsuchende konnte beim Anklicken einer

Frage gleich die Antwort lesen. Durch dieses Beratungsangebot

konnten viele Ratsuchende, ohne dass sie an uns eine E-Mail

schreiben mussten, bedient werden. Detailliertere Fragen

konnten dann per E-Mail an uns gesendet werden. Bei diesen

E-Mails wurde im Betreff automatisch „E-Mailberatung“

eingegeben, sodass die E-Mails nicht von den Mitarbeitern

gelesen wurden, sondern direkt an die Telefon/E-Mail Beraterin

weitergeleitet werden konnten.

Die E-Mailberatung wird hauptsächlich am Montagabend in der

Zeit der Telefonberatung durch die ehrenamtlichen Mitarbeiter

bedient und die E-Mails in dieser Zeit beantwortet.

Bei dringenden E-Mails wurden diese von den hauptamtlichen

MitarbeiterInnen während der Öffnungszeiten beantwortet.

Insgesamt wurde die E-Mailberatung im Jahr 2012 kaum

genutzt. Als Grund ist hierfür sicherlich die ebenfalls

bundesweite E-Mailberatung der AIDS-Hilfen zu nennen.

2.3 Danksagung:

Wir danken unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern, die diese

sehr hoch qualifizierte und zuweilen äußerst belastende

Tätigkeit ausüben und sich konsequent weiterbilden um den

hohen Qualitätsstandards in der Beratung zu entsprechen. Wir

begrüßen in diesem Zusammenhang neben den ausübenden

Beratern Herrn Hilgers und Herrn Wille unseren neuen

Telefonberater Herr Gürke, der unser Team erweitert.

Folgende vorgefertigten Fragen wurden im Internet angeboten:

17


Begleitung

3. Begleitung

Unsere Einrichtung begleitet weiterhin HIV-Infizierte / an AIDS-

Erkrankte, die aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen

mit verschiedenen sozialen Hintergründen stammen. So

begleiten wir auch die HIV-positiven Menschen in der JVA

Duisburg-Hamborn mit ihrer Zweiganstalt Dinslaken (siehe

Kapitel 5.3) und auch im Niederrhein Therapie Zentrum

(Forensik) in Duisburg.

Die einzelnen Begleitungsfälle befinden sich in unterschiedlichen

Lebens- und Behandlungssituationen. Einige Begleitete nehmen

keine Medikamente, weil sie nach den Leitlinien noch keine

Medikamente benötigen, sich bewusst dagegen entschieden

haben oder derzeit nicht dazu in der Lage sind. Die Gründe

für die Ablehnung der Medikamente sind vielfältig. Es kann

die Folge von gravierenden Ereignissen sein (z. Bsp. Tod eines

nahen Angehörigen), die dann zunächst bearbeitet werden

müssen und der eigene Lebenswille wieder gestärkt werden

muss. Ein Grund ist auch die Angst vor den Nebenwirkungen

und evtl. einhergehenden körperlichen Veränderungen, und

die lebenslange Einnahme von Medikamenten oder aber auch

Verdrängung der Infektion. Bei anderen Begleiteten sind aber

auch finanzielle Gründe der Anlass für das Weglassen der

Antiretroviralen Therapie. Zwar sind die Zuzahlungen zu den

Medikamenten prozentual beschränkt (1vH bzw. 2 vH vom

Bruttoeinkommen), es kann allerdings doch zu Geldknappheit

kommen wenn für einen Arztbesuch mit anschließender

Medikamentenverordnung 40 – 50 € auf einen Schlag anfallen.

Hinzu kommt, dass ein Teil der Medikamente von den Patienten

selbst bezahlt werden muss (nicht erstattungsfähig) und somit

sich die Zuzahlung erhöht.

Hier versuchen wir die Begleiteten zu unterstützen, indem

wir mit unserem Positivenfonds die Zuzahlung am Anfang des

Jahres übernehmen, damit diese die Befreiungskarte erhalten

und somit lückenlos ihre Arztbesuche wahrnehmen und ihre

HIV-Medikamente einnehmen können. Dies erfolgt entweder

über eine außergewöhnliche oder rückzahlbare Zuwendung, je

nach Einschätzung der Lebenssituation.

HIV entwickelt sich immer mehr in Richtung einer chronischen

Erkrankung. Dieses zeigt sich auch darin, dass ein großer

Teil der Infizierten mit den Medikamenten gut klar kommt.

Während aufgrund der Vielzahl der Medikamente die

akuten Nebenwirkungen weniger werden, treten häufiger

Langzeitnebenwirkungen auf wie zum Beispiel im Herz-

Kreislaufbereich. Hier gilt es andere Risiken wie Rauchen oder

ungesunde Ernährung zu minimieren. Des Weiteren werden

unsere Begleiteten auch älter und es gilt, sie für bestimmte

Vorsorgeuntersuchungen zu sensibilisieren und altersbedingte

Erkrankungen mit in den Fokus zu nehmen.

Ein weiteres Themenfeld unserer Beratung von Begleiteten liegt

in der Koinfektion mit Hepatitis C. Einige von Ihnen haben neben

ihrer HIV-Infektion zusätzlich noch einen Hepatitis C-Infektion.

Da es derzeit neue Behandlungsmöglichkeiten gibt, gilt es für

uns, uns hier das Wissen zu verschaffen, um die Begleiteten mit

Doppelinfektion entsprechend informieren zu können.

Viele von unserer langfristig Begleiteten waren bereits an

AIDS erkrankt, sind verrentet und leben auf dem Niveau des

Arbeitslosengeldes II, der Grundsicherung oder leicht darüber.

Hierbei handelt es sich um Leistungen, die ihrem Ursprung

nach zur Überbrückung einer kurzen Zeit angedacht waren.

Letztendlich verharren diese Begleiteten nicht selten in einer

Lebenssituation, die Ihnen finanziell keinen Spielraum lässt und

wenig Perspektiven für die Zukunft bietet. Leider hat hieran

auch der monatelange Streit um die Erhöhung der ALG II-

Sätze, die auch das Niveau der Grundsicherung darstellen, keine

grundlegende Änderung herbeigeführt. Nach wie vor fehlt es

aufgrund der nicht vorhandenen materiellen Ressourcen an

Lebensqualität, da die Teilhabe am gesellschaftlichten Leben wie

Ausgehen, Kino und andere Freizeitaktivitäten einen Faktor

für Lebensqualität darstellen kann. Dadurch kommt es oft zu

Vereinsamung und Depressionen, so dass auch von Einzelnen

suizidale Gedanken geäußert werden, denen es zu begegnen gilt.

Um der Vereinzelung vorzubeugen, haben wir einige Angebote,

die weiter unten beschrieben sind, auch im Berichtsjahr

vorgehalten bzw. freuen uns, dass Angebote in Selbsthilfe

ausgestaltet werden. Des Weiteren bieten wir Unterstützung

bei sozialrechtlichen und finanziellen Schwierigkeiten.

Teile unserer Begleiteten bringen sich aktiv ein und gestalten

unter anderem die Freizeit für HIV-Positive mit, nehmen an der

Kochgruppe teil, die selbstorganisiert ist oder engagieren sich auf

landes- und bundesweiter Ebene in Landesarbeitsgemeinschaften

und Netzwerken.

Andere HIV-Infizierte gehen einer geregelten Arbeit nach und

nehmen die AIDS-Hilfe nur punktuell zu bestimmten Fragen in

Anspruch oder besuchen unser Mittwochs-Café oder von uns

durchgeführte Fortbildungsveranstaltungen.

Im Berichtsjahr hatten wir in neun Fällen Erstkontakte nach

frischem Testergebnis bei MSM bzw. schwulen Männern. Zum

Teil ging es darum, Krisenintervention zu gewährleisten und die

Situation zu stabilisieren. Auch wenn in der Primärprävention

davon gesprochen wird, dass HIV seinen Schrecken verloren hat

und es daher zu Sorglosigkeit kommt, haben in der Beratung

nach einer frischen Diagnose Menschen bei uns die alten

Bilder von HIV/AIDS im Kopf und haben Sorge, in Kürze

schwer zu erkranken und letztendlich bald zu versterben. Oft

gibt es Anpassungsstörungen und Depressionen, so dass wir

Therapeuten benennen, die dieses Thema bearbeiten. Leider

gibt es auch hier in Duisburg lange Wartezeiten zu überbrücken.

Auch wenn es wichtig ist, dass sich HIV-Positive öffentlich zeigen,

um die Ängste gegenüber HIV-Positiven abzubauen, gilt es in der

Beratung nach einer frischen Diagnose die Betroffenen darauf

hinzuweisen, dass man sich gut überlegen muss, wem man von

seiner Infektion erzählt. Dies sollte zunächst erst im engsten

Freundes- und Familienkreis geschehen. Als wichtig erwiesen

hat sich der Kontakt zu anderen HIV-Positiven, da durch den

Austausch sich das ein oder andere Problem relativiert und

Ängste abgebaut werden. Hier vermitteln wir Kontakte zu

unserer Positivengruppe oder organisieren Einzelgespräche mit

anderen Positiven.

Bei komplexen Begleitungen, die im Zeitumfang unsere

Ressourcen übersteigen, und wo die entsprechenden

Voraussetzungen gegeben sind, vermitteln wir Begleitete in

Formen ambulant betreuten Wohnens.

Unsere Öffnungszeiten für persönliche Beratung - montags 11-

14 Uhr, mittwochs 14 – 19 Uhr, freitags 11 – 16 Uhr – haben

sich bewährt. In dieser Zeit haben wir eine offene Sprechstunde

und man kann uns ohne Termin aufsuchen. Selbstverständlich ist

es auch weiterhin möglich, außerhalb der Öffnungszeiten einen

Beratungstermin zu vereinbaren. Des Weiteren ist unser Büro

in Wesel dienstags von 14 – 17 Uhr und donnerstags von 9 – 12

Uhr besetzt, so dass von montags bis freitags die Möglichkeit zur

persönlichen unterminierten Beratung besteht.

Neben dem Beratungsangebot in der AIDS-Hilfe bieten wir

in Einzelfällen auch aufsuchende Arbeit und somit Treffpunkte

außerhalb der AIDS-Hilfe an. Dies kann bei dem Begleiteten

zuhause oder einem neutralen Ort außerhalb von AIDS-Hilfe

und Wohnung sein.

Zur qualitativen Verbesserung der Begleitungsarbeit nahm ein

hauptamtlicher Mitarbeiter aus dem Begleitungsbereich an

den Treffen des auf Landesebene stattfindenden Arbeitskreises

Sozialberatung teil. Bei diesem Arbeitskreis handelt es sich

um ein wichtiges Fort- und Weiterbildungsangebot, da hier

MitarbeiterInnen aus unterschiedlichen AIDS-Hilfen zur

Reflektion ihrer Arbeit zusammen treffen. Des Weiteren dient

das Treffen dem Erfahrungsaustausch und es gibt die Möglichkeit

zur Fallbesprechung.

3.1. Einzelbegleitung

Die Einzelbegleitung wird von drei hauptamtlichen

MitarbeiterInnen mit unterschiedlichem Zeitanteil ihrer Voll-

18


zw. Teilzeitstellen neben ihren anderen Aufgabenbereichen

durchgeführt. Das Berichtsjahr war geprägt von zweimaliger

Neubesetzung und zeitweiliger nicht besetzter Stelle im

Bereich Frauen und Migration. Durch die Einarbeitung der

neuen Kolleginnen und die Vertretung in der Zeit, in der die

Stelle nicht besetzt war, stieg die Belastung bei den verbliebenen

Mitarbeitern. Letztendlich wurden die Vertretungen von dem

Mitarbeiter in VoIlzeitstelle übernommen, da der andere

Mitarbeiter auf eine halbe Stelle gewechselt hatte und mit

seiner Begleitungsarbeit voll ausgelastet war und donnerstags

und freitags nicht in der Einrichtung ist.

In der Begleitungsarbeit bieten wir Beratungen zu

Nebenwirkungen der Medikamente, zu Partnerschaftskonflikten,

sozialrechtlichen und finanziellen Problemen an. Bei weiter

gehenden und komplexeren Problematiken stellen wir

Kontakt zu entsprechenden Beratungsstellen her (wie zum

Beispiel der Schuldnerberatung). Wie in den Vorjahren gilt es,

finanzielle Engpässe bei der Zuzahlung zu Medikamenten und

der Praxisgebühr zu überbrücken, bis die Zuzahlungsgrenze

erreicht ist und die Befreiungskarte ausgestellt werden kann. Bei

Menschen mit Migrationshintergrund stellt die Passverlängerung

ein großes finanzielles und logistisches Problem dar, für die sich

keiner zuständig fühlt. Die Gebühren sind exorbitant hoch und

meistens müssen die Pässe bei der Botschaft persönlich abgeholt

werden, welches wiederum hohe Fahrtkosten verursacht.

Bei finanziellen Problemen halfen wir mit unserem Positivenfond,

bei größeren Beträgen stellten wir Anträge an die Deutsche

AIDS-Stiftung, soweit die Antragshintergründe die Kriterien der

Stiftung erfüllen. Die Bearbeitungszeiten haben sich aufgrund

von Personaleinsparungen bei der Deutschen AIDS-Stiftung

jedoch auf ca. 10 – 12 Wochen je Antrag ausgeweitet.

Die ersten Monate des Jahres 2012 waren geprägt durch die

intensive Sterbebegleitung unseres 1. Vorsitzenden Rolf Ringeler.

Da Rolf Ringeler keine direkten Angehörigen hatte, war die AIDS-

Hilfe auch für die Organisation der Beerdigung und letztendlich

auf Wunsch des Verstorbenen für die Nachlassverwaltung

zuständig.

Dieses hat zeitliche Kapazitäten noch über das Berichtsjahr

hinaus gebunden.

Krankenhausaufenthalte waren bei zehn Begleiteten zu

verzeichnen, wobei diese schwerpunktmäßig in die erste

Jahreshälfte fielen.

Hier ist es weiterhin Tradition, dass - wenn irgendwie möglich

– wir einmal die Woche im Krankenhaus einen Besuch

abstatten. Da die Aufenthalte in den Krankenhäusern in den

unterschiedlichsten Orten stattfinden, da unsere Begleiteten aus

einem großen Einzugsgebiet kommen und teilweise stationäre

Versorgung in den Unikliniken Essen und Düsseldorf erfolgt, ist

der Besuch mit hohem Zeitaufwand verbunden.

Neben Rolf Ringeler ist im Berichtsjahr keiner unserer

Begleiteten verstorben.

Weiterhin ist auch 5 Jahre nach dem EKAF-Statement dieses

Thema in der Begleitungsarbeit. Durch die Studie HPTN 052 hat

sich herausgestellt, dass auch sexuell übertragbare Krankheiten

auf die Infektiösität keine Auswirkung haben. Andererseits

gilt es für uns in der Beratung, darauf hinzuweisen, dass ein

HIV-Infizierter für sich entscheiden muss, wann er mit seiner

Therapie beginnt und dieses nicht von den EKAF Bedingungen

abhängig macht. Letztendlich soll der Patient entscheiden, wann

und womit er seine ART (antiretrovirale Therapie) beginnt und

hierfür muss er auch gut informiert sein.

Ein weiteres Thema ist die Kriminalisierung von Menschen

mit HIV und AIDS. Langsam kommt in der Rechtsprechung

an, dass Menschen, die die EKAF-Bedingungen erfüllen auch

bei kondomlosen Sex nicht ansteckender sind, als bei Sex mit

Kondom.

Insgesamt begleiteten wir 205 Personen einschließlich der im

Knast und in der Forensik Niederrhein-Therapie-Zentrum

(NTZ) begleiteten Personen.

Intensive Begleitung bedeutet mindestens 1 Kontakt pro Woche,

welches aber durchaus auch bis zu tägliche Kontakte beinhalten

kann. Intensiv bedeutet aber auch, einmaliger monatlicher

Kontakt mit anschließendem hohem Regelungsbedarf.

In der Rubrik „Regelmäßig“ erfassen wir Begleitete mit

mindestens einmal monatlichem Kontakt und „Sporadisch“

einmal jährlichen Beratungskontakt.

Im Berichtsjahr wird weiterhin eine Betroffene durch einen

ehrenamtlichen Mitarbeiter begleitet. Die übrigen werden durch

das hauptamtliche Team versorgt und halten sich auf stabilem

Niveau.

3.2. Begleitergruppe

Wie im vorherigen Abschnitt schon erwähnt, wird derzeit

nur noch eine Person ehrenamtlich begleitet. Im Juni trafen

sich der ehrenamtliche Begleiter und die „Ehemaligen“ mit

dem hauptamtlichen Mitarbeiter. Dieses Treffen diente zum

einen zum Austausch und zur Reflektion über die bestehende

Begleitung und zum anderen zum Informationsaustausch über

die AIDS-Hilfe, da die zwei „Ehemaligen“ nur noch lose Kontakt

zur AIDS-Hilfe haben.

Die Aufgabe der ehrenamtlichen Begleitung bestand überwiegend

darin, als Gesprächspartner –zum Teil auch in Krisensituationen

- zur Verfügung zu stehen.

Eigentlich besteht noch die Gruppe „Du darfst, die Frau, der

Mann für kurze Fälle“. Hierüber sollten zum Beispiel Fahrten

zu Ärzten organisiert werden. Da jedoch viele ehrenamtliche

MitarbeiterInnen berufstätig, andere ohne Führerschein sind,

müssen Fahrten zu Ärzten und Ämtern durch die hauptamtlichen

Mitarbeiter der AIDS-Hilfe durchgeführt werden.

Für den Einsatz des ehrenamtlichen Begleiters möchten wir uns

herzlich bedanken.

3.3. Positivenfond

Der Positivenfond wird von der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e. V. mit dem Ziel verwaltet, HIV-positive / an AIDS-

Erkrankte Menschen in finanziellen Notlagen zu unterstützen.

Die Verteilung der Fondgelder übernahm im Berichtsjahr

2012 ein Gremium, das aus zwei HIV-positiven Menschen,

einem Ehrenamtler aus dem Begleitungsbereich, einem

ehrenamtlichen Mitarbeiter, der früher im Begleitungsbereich

tätig war (und nur als Ersatz und in Einzelfällen hinzugezogen

wird) und einem Hauptamtler besteht. Diese Zusammensetzung

schafft innerhalb des Gremiums eine Perspektivenvielfalt, die

für die Entscheidungsfindung bei Anträgen bereichernd ist.

Mindestens drei Personen dieses Gremiums entscheiden mit

einfacher Mehrheit über außergewöhnliche und rückzahlbare

Zuwendungen. Die Soforthilfe wird primär von den drei

im Begleitungsbereich tätigen hauptamtlichen Mitarbeitern

ausgezahlt. In die Entscheidungsfindung fließt zum einen die

finanzielle Situation des Antragsstellers ein und zum anderen die

Gründe für sein spezielles Anliegen. Die Verwaltung des Fonds

obliegt einem hauptamtlichen Mitarbeiter.

19


Begleitung

Wie in den Vorjahren stellte der Vorstand aus Spendengeldern

insgesamt eine Summe in Höhe von 3.850 € zur Verfügung.

Unser besonderer Dank gilt allen Spendern, die uns damit diese

Form der Hilfe in diesem Umfang ermöglicht haben. Die Summe

wurde im Berichtsjahr nicht ausgeschöpft aber im Vergleich zum

Vorjahr in höherem Maße in Anspruch genommen.

Bei einem Krankhausaufenthalt ist die Beantragung für die dort

anfallenden „Telefonkosten“ möglich, wenn diese nicht selbst

übernommen werden können. Hierdurch soll der Kontakt nach

außen aufrechterhalten und die Möglichkeit gegeben werden,

sich bei Schwierigkeiten mit jemandem zu bereden. Obwohl

wir im Berichtsjahr wieder einige Krankenhausaufenthalte

zu verzeichnen haben, fallen im Berichtsjahr in dieser Rubrik

keine Aufwendungen, da die meisten ihr Handy im Krankenhaus

benutzen.

Für den Bereich „Knast“ haben wir in 2012 177,84 € für

sogenannte Knastpakete aufgewandt. Da diese nicht mehr über

die Deutsche AIDS-Stiftung finanziert werden, werden sie vom

Positivenfond getragen. Die Summe hat sich im Vergleich zum

Vorjahr um ein Drittel erhöht, da sich mehr Begleitete im Knast

befanden.

Der Bereich „Soforthilfe“ lag mit 1.969,50 € etwas höher

als die Ausgaben in diesem Bereich im Jahr 2011. Dieses hängt

wohl damit zusammen, dass die Anzahl der Berechtigten, die die

Kriterien für Soforthilfe erfüllen, wächst. Die „Soforthilfe“ stellt

weiterhin den höchsten Ausgabenposten des Positivenfond

dar. Bei der Soforthilfe handelt es sich um eine finanzielle Hilfe

am Ende des Monats, um Engpässe zu überbrücken. Diese

Hilfe wird gewährt, wenn sich die Einkünfte auf dem Niveau

des Arbeitslosengeldes II belaufen. Die Soforthilfe wurde

im Durchschnitt von den Personen, die die Kriterien des

Positivenfond erfüllen, in der Regel fünfmal jährlich in Anspruch

genommen.

Die „Außergewöhnlichen Zuwendungen“ blieben

im Berichtsjahr ungefähr auf dem Stand des Vorjahres.

Außergewöhnliche Zuwendungen werden für den Ausgleich

von Stromschulden, Telefonrechnungen, Zuschüsse zum

Zahnersatz, Unterstützung zur Erlangung der Befreiungskarte

für Zuzahlungen bei Medikamenten und Praxisgebühr und

anderes gewährt.

„Rückzahlbare Zuwendungen“ sind für Ausgaben gedacht,

die die Begleiteten dringend benötigen, für die sie aber aktuell

kein Geld haben. Das gewährte Darlehen muss in angemessenen

Raten zurückgezahlt werden. Um den Begleiteten dies zu

ermöglichen und das Begleitungsverhältnis durch offene

Beträge nicht zu belasten, muss der Einkommenssatz bei

diesen Zuwendungen die Sozialhilfe bzw. das Arbeitslosengeld

II übersteigen.

Die rückzahlbaren Zuwendungen sind im Berichtsjahr im

Vergleich zum Vorjahr auf 900 € angestiegen. Grund hierfür ist

die einmalige Auszahlung eines höheren Darlehens.

Da es bei rückzahlbaren Zuwendungen immer wieder vorkam,

dass es zu Schwierigkeiten bei den Rückzahlungen kam, werden

diese sehr restriktiv vergeben.

Die „Einnahmen“ (s. Abb. u.) des Positivenfonds resultieren

aus den Rückzahlungen der rückzahlbaren Zuwendungen.

Da die Darlehen nicht unbedingt in dem Jahr der Auszahlung

zurückgezahlt werden, kommt es zu Differenzen in den

Bereichen Auszahlung und Einnahme.

Auch im Berichtsjahr konnten wir durch Anträge bei der

Deutschen AIDS-Stiftung und für HIV-positive Kinder und

Jugendliche bei der Michael-Stich-Stiftung unseren Begleiteten

mit größeren Beträgen aushelfen. Hier besteht weiterhin eine

gute Zusammenarbeit, für die wir uns recht herzlich bedanken.

3.4. Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern

Die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern bleibt für

unsere AIDS-Hilfe wichtig. Im Einzelnen handelt es sich um

folgende Partner:

HIV-Schwerpunktpraxen

Die Zusammenarbeit mit den beiden in Duisburg auf HIV

spezialisierten Schwerpunktpraxen wurde 2012 problemlos

fortgesetzt. Zum Jahresende Herr Dr. Becker-Boost seine

Tätigkeit im Gesundheitszentrum Sittardsberg beendet und der

der Bereich der Infektiologie wird an zwei Tagen von Herrn Dr.

Rudolph aus Essen wahrgenommen. Wie sich dieser Standort

weiterentwickelt, bleibt zunächst abzuwarten. Unklarheiten und

Fragen konnten auf kurzem Weg geklärt werden. Regelmäßig

haben wir Austauschgespräche mit dem Gesundheitsamt

Duisburg, dem Gesundheitsamt des Kreises Wesel, der AIDS-

Hilfe Oberhausen und den beiden Schwerpunktärzten. Es ist

für uns eine Möglichkeit, die Arbeit der AIDS-Hilfe vorzustellen

und transparent zu machen. Unter anderem war auch Teil dieses

Gespräches der Rück- und Ausblick auf das Fachgespräch mit

den beiden Schwerpunktärzten.

Krankenhäuser

Bei Krankenhausaufenthalten in Bezug auf HIV/AIDS werden

unsere Begleiteten in die umliegenden Uni-Kliniken Essen,

Bochum und Düsseldorf eingewiesen. Insbesondere zur

Uniklinik Essen bestehen gute Kontakte zu dem medizinischen

und auch zum sozialarbeiterischen Personal. In Duisburg hat

sich bezüglich der stationären Versorgung keine Veränderung

ergeben.

Pflegedienste

Die Kooperation mit den Pflegediensten, mit denen wir bisher

zusammen gearbeitet haben, wurde erfolgreich fortgeführt.

Hospize

Im Berichtsjahr wurde im Mateleser Hospiz St. Raphael

eine Sterbebegleitung von einem Begleiteten und einer

ehrenamtlichen Mitarbeiterin durchgeführt..

Anwaltspraxen

Die Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten läuft im

migrationsrechtlichen Bereich - soweit von Nöten - ohne

Probleme.

Flüchtlingsberatung

Gerade aufgrund der häufigen Vakanz im Bereich der Stelle

Frauen und Migration war eine enge Zusammenarbeit in Fragen

des Aufenthaltrechts mit der Flüchtlingsberatung des Deutschen

Roten Kreuzes erfreulicherweise gegeben.

Ambulant Betreutes Wohnen

Hier arbeiten wir mit örtlichen Anbietern oder der AIDS-Hilfe

Essen zusammen.

20


3.5 Angebote für HIV-Positive und an AIDS-Erkrankte

Im Berichtsjahr wurde im Rahmen des Solidar-Erleben-

Ansatzes die Kochgruppe fortgeführt. Die Kochgruppe ist

ein monatliches Angebot, bei dem überwiegend HIV-Positive

zusammen kommen und den Abend in Selbsthilfe organisieren.

Dieses dient zum einen dazu, Abwechslung in den Alltag zu

bringen bietet aber gleichzeitig Raum zum Austausch von Sorgen

und Nöten. Es handelt sich um ein kostenloses Angebot, da der

Vorstand die Kochgruppe mit einem Budget ausgestattet hat. An

der Kochgruppe nehmen im Durchschnitt 4 – 6 Personen teil.

Seit Anfang 2007 trifft sich regelmäßig einmal monatlich eine

Positivengruppe. Zugang haben die unterschiedlichen

sexuellen Präferenzen, auch der Ansteckungsweg spielt keine

Rolle. Es ist eine sehr bunt gemischte Gruppe, welche in

Selbsthilfe eigenständig durchgeführt wird.

Frauenspezifische Angebote wurden wie in den Vorjahren in

Kooperation mit den benachbarten AIDS-Hilfen angeboten. Im

Berichtsjahr wurde auch das Angebot einer Frauengruppe

trotz der schwierigen personellen Situation weiter geführt. Hier

gilt unser besonderer Dank der ehrenamtlichen Begleitung der

Gruppe, ohne die die Gruppe hätte nicht weiter fortgeführt

werden können. Die Gruppe erfreut sich großer Beliebtheit

und stabilem Zuspruch. Hierbei gilt es besonders zu erwähnen,

dass es hier eine Kooperation mit den niedergelassenen

HIV-Schwerpunktpraxen gibt und die AIDS-Hilfe mit diesem

Angebot HIV-positive Frauen erreicht, die bisher keinen Zugang

zur AIDS-Hilfe hatten. Weitere Einzelheiten werden in Kapitel

5.4 näher beschrieben.

Unser traditionelles Mittwochs-Café ist weiterhin

das best besuchte Angebot. Dieses ist ein beliebter

Treffpunkt zwischen HIV-Infizierten / an AIDS Erkrankten,

ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und der AIDS-Hilfe Sympathie

entgegenbringender Menschen. Darüber hinaus ist dieses Café

eine erste Anlaufstelle für an ehrenamtlicher Arbeit Interessierte.

Letztendlich wurde die Weihnachtsfeier wurde 28

TeilnehmerInnen besucht. Da es längere Zeit unklar war, haben

wir kein Kirchenmailing für Spenden für unsere Weihnachtsfeier

durchgeführt. Allerdings erhielten wir Spenden von treuen

jahrelangen Unterstüztern. Somit war es möglich, wie in den

Vorjahren ein festliches Menü anzubieten und Weihnachtstüten

mit Süßigkeiten, Obst, Kaffee und Tabak zu verteilen. Die

Vorbereitung und die Durchführung der Weihnachtsfeier liegen

schwerpunktmäßig in ehrenamtlicher Hand.

Auch im Berichtsjahr gab es wieder eine Positivenfreizeit.

Sie führte im Berichtsjahr nach Cochem an der Mosel und es

nahmen 7 Personen teil.

Die Gruppe war wiederum heterogen zusammengesetzt, mit

verschiedenen sexuellen Orientierungen und Infektionswegen.

Bewährt hat sich hier durch gemeinsame Unternehmungen

und Aktivitäten im vertrauensvollen Gespräch Probleme

anzusprechen, sich mit anderen auszutauschen und

Lösungsmöglichkeiten kennen zu lernen. So wurden Ausflüge

zu Rhein in Flammen in St Goar und nach Luxemburg

unternommen. Trier wurde mit einer Stadtführung aufgesucht,

es gab eine Schiffstour auf Mosel und Rhein.

Für die Gruppe ist das gemeinsame Kochen und Essen wichtig,

da zuhause aufgrund des Alleinseins dieses meistens zu kurz

kommt.

3.6 Trauerarbeit

Im Berichtsjahr ist einer unserer Begleiteten verstorben.

Wir gedenken der Verstorbenen in der Mitgliederversammlung

und mit unserer Trauerecke, die sich im Café befindet. Hier

befinden sich unser Trauerbuch und weitere Informationen zu

Verstorbenen.

Eine weitere Möglichkeit des Gedenkens besteht bei dem Candle-

Light-Walk und der sich anschließenden Gedenkveranstaltung

im Rahmen der WAT-Veranstaltungen.

Das Café haben wir mit hauptsächlich mit Aufbackkuchen und

Spenden der Duisburger Tafel bzw. Bürger für Bürger bestückt.

Im Café ist ein Austausch zwischen Betroffenen, hauptamtlichen

und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen möglich. Hier kann man

sich auch über Neuigkeiten in der AIDS-Hilfe informieren und

die Angebote an der Infotafel zur Kenntnis nehmen. Zum einen

ist es eine willkommene Abwechselung für die Betroffenen, zum

anderen ist es das Treffen in der „Wahl-Familie“.

Weiterhin fährt eine ehrenamtliche Mitarbeiterin jeweils

vor dem Café bei Bürger für Bürger vorbei und holt dort

Lebensmittel, die dann im Mittwochs-Café verteilt werden.

Das Café startet um 15 Uhr, wobei einige Besucher schon vor 15

Uhr eintreffen und endet um 18 Uhr. Es wird von durchschnittlich

ca. 12 - 20 Personen besucht. Während der Café-Zeit ist immer

ein hauptamtlicher Ansprechpartner präsent, da diese Treffen

von vielen Betroffenen dazu genutzt werden, Anliegen an die

BeraterInnen und BegleiterInnen heranzutragen. Über die

Cafézeit hinaus hat die AIDS-Hilfe mittwochs bis 19 Uhr für

persönliche und telefonische Beratung geöffnet.

Die Ausrichung der Weihnachtsfeier stellte sich dieses

Jahr schwierig dar. Da ShAlk bereits ausgezogen war, konnten

wir auf den Raum im gleichen Haus nicht zurückgreifen. Da

ShAlk überlegte, selbst eine Weihnachtsfeier durchzuführen,

war es lange unklar, ob eine Weihnachtsfeier stattfinden

kann. Letztendlich konnten wir doch die neuen Räume von

ShAlk nutzen und die Weihnachtsfeier fand in deren neuen

Räumlichkeiten statt.

21


Öffentlichkeitsarbeit

4. Öffentlichkeitsarbeit

Vgl. hierzu auch das schon mehrmals zitierte Landeskonzept zur

„Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-

Westfalen. Schwerpunkt Neuinfektionen vermeiden“; Hrsg.:

MGEPA 07/2012, Zehn Empfehlungen, S.6 f)

Diese Handlungsempfehlungen umzusetzen, wird nicht leichter

angesichts der langen Zeit, in der es darum geht, das Thema

im Bewusstsein der Bevölkerung wach und bewusst zu halten,

die Menschen zu erreichen, denn: schon der gute Freiherr von

Knigge wusste:

„Die Menschen wollen lieber unterhalten als belehrt werden“.

Und getreu dieser Erkenntnis ist auch unsere Öffentlichkeitsarbeit

nicht von Zeigefingerpädagogik geprägt, sondern sehr darum

bemüht, Information & Aufklärung so zu gestalten, dass sie die

Menschen erreichen kann.

HIV / AIDS-Prävention bleibt Herausforderung (s. 1.)

Leider ist der Umgang mit dem Themenkomplex von HIV und

anderen STI`s und mit Menschen mit HIV in der Bevölkerung

oft immer noch durch Unwissen und Unsicherheit, von

Berührungsängsten und auch Vorurteilen geprägt. Dagegen hilft

im Regelfall ein sehr probates und nebenwirkungsfreies Mittel:

Aufklärung und Information.

Dieses Mittel hat sich als Grundansatz der Präventionsarbeit

in Deutschland sehr bewährt, denn bezogen auf HIV gilt in den

allermeisten denkbaren Lebenssituationen nach wie vor, dass

jeder vernunftbegabte Mensch sich selbst und andere davor

schützen kann, wenn er über die notwendigen Informationen

und Mittel verfügt und seine Verhältnisse, in denen er lebt, keine

Hindernisse bieten.

Der darauf aufbauende Ansatz der „Strukturellen HIV-/AIDS-

Prävention“ war und ist in Deutschland die Basis für einen

großen Erfolg, den die beteiligten Akteure fortschreiben wollen

und müssen. Das Ziel bleibt, die Zahl der Neuinfektionen auf

niedrigem Niveau zu halten und nachhaltig zu minimieren.

Das ist ein ambitioniertes Ziel, für das Lösungsansätze und

-strategien vor dem Hintergrund vieler neuer Erkenntnisse und

gesellschaftlicher Entwicklungen einer steten Weiterentwicklung

bedürfen.

Dazu trägt der rechtzeitige Zugang zu antiretroviralen

Behandlungen für Menschen mit HIV immer mehr bei und

gewinnt auch für die Primärprävention an Bedeutung (s. 1.).

Der neue Leiter des Referates „Maßnahmen zur Aidsprävention“

der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Dirk

Meyer, benennt dazu sehr treffend sechs Handlungsfelder, die in

den kommenden Jahren im Fokus der Präventionsarbeit stehen

müssen:

„ 1. Stabilisierung des hohen Schutzverhaltens in der

Allgemeinbevölkerung durch Förderung von Kondomnutzung in

Risikosituationen.

2. Ausweitung der Prävention auf andere sexuell übertragbare

Infektionen (STI), da diese zum Teil erhebliche Auswirkungen auf

die HIV-Epidemiologie haben.

3. Intensive und differenzierte Ansprache der epidemiologischen

Hauptgruppe der schwulen Männer/MSM.

4. Ausweitung zielgruppenspezifischer Beratungs- und

Testangebote zu HIV/STI, um präventives Verhalten zu motivieren

und eine rechtzeitige Therapie zu ermöglichen.

5. Kontinuierliches Engagement gegen Diskriminierung und

Stigmatisierung, die es erschweren, bestimmte Zielgruppen, wie

z.B. Migrantinnen/Migranten, schwule Männer oder Häftlinge, zu

erreichen.

6. Intensive Kooperation, Vernetzung und Einbeziehung aller

wichtigen Präventionsakteure auf Bundes-, Länder- und

kommunaler Ebene.“

(aus: Dirk Meyer, Prävention wirkt! Perspektiven der HIV/

STI-Prävention in Deutschland. In: RetroVirus, Bulletin des

virologischen Institutes der Universitätsklinik Erlangen, 1/2012,

S. 3 –

Prävention darf und muss Spaß machen – auch den

Präventionisten!

„Positiv zusammen leben. Aber sicher!“ – das ist die neue,

alte Botschaft – nicht nur zum Welt-AIDS-Tag, die unsere

Öffentlichkeitsarbeit von Beginn an prägt.

Und es gibt mehr Anlass als je zuvor, dass diese Botschaft

gesellschaftlich flächendeckend ankommt und gelebt wird, denn

immer mehr Menschen mit HIV und AIDS leben in unserer

Gesellschaft – und leben länger in unserer Mitte. In Deutschland

geht man für das Jahr 2012 von einer Prävalenz von etwa 78.000

Menschen mit HIV aus, wovon circa 50.000 unter antiretroviraler

Therapie stehen – eine gute Quote, die es aber aufgrund der

heutigen Optionen und Erkenntnisse zu verbessern gilt.

„Menschen mit HIV und AIDS können heute bei rechtzeitiger

Diagnose und Behandlung oft mit einer fast normalen

Lebenserwartung rechnen. In den Medien werden HIV-Positive

aber häufig auf ihre Infektion reduziert und nicht als Menschen

mit einer Krankheit gesehen. Wer HIV hat oder erkrankt ist,

fühlt sich oft sozial isoliert und wagt vielleicht nicht, mit anderen

darüber zu sprechen. Hinzu kommt: Wohl kaum eine Krankheit

ist so eng mit Tabuthemen verknüpft wie eine HIV-Infektion und

AIDS. Unbewusst oder bewusst schieben viele den Betroffenen

die Schuld an ihrer Situation zu. Verantwortung für den Schutz

vor HIV tragen beim Sex aber beide Partner. (…)

Wir alle können dazu beitragen, dass Isolation und Stigmatisierung

von Menschen mit HIV abgebaut werden: indem wir Betroffenen

unvoreingenommen begegnen und ihnen so erleichtern, offen

und verantwortungsvoll mit ihrer Infektion oder Krankheit

umzugehen.“ (Broschüre zur Welt-AIDS-Tag`s-Kampagne 2010,

hrsgg. von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung,

BZgA, im Auftrag vom Bundesministerium für Gesundheit,

BMG, in Partnerschaft mit der Deutschen AIDS-Hilfe und der

Deutschen AIDS-Stiftung, S.3)

Die offene Kommunikation benötigt allerdings ein adäquates

soziales Klima und sie braucht gewissermaßen den Geist der

Aufklärung. Wer informiert ist, ist –nicht nur- beim Thema HIV

und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten klar im Vorteil

22


– hinsichtlich des Umganges mit Menschen mit HIV, aber eben

auch hinsichtlich des Schutzes vor einer Infektion und ihren

Folgen.

Auch wenn ein positives Testergebnis heute und hierzulande

dank der modernen Therapiemöglichkeiten kein mittelbares

Todesurteil mehr ist, so erleben es viele doch zurecht als ganz

tiefen Einschnitt ins Leben mit all seinen Facetten – eben nicht

nur den physisch-gesundheitlichen Seiten.

Wie bereits geschildert (s. 1.) hat man sich bei der deutschen

Kampagne zum Welt-AIDS-Tag 2012 mit dem Slogan „HIV-

POSITIV & MITTEN IM LEBEN.“ dazu entschlossen, das

Fragezeichen, welches noch im Vorjahr hinter dem Slogan stand

in einen Punkt zu wandeln, um ein Signal des Fortschrittes zu

setzen. Die Kriterien zur Überprüfung dessen oder die Fragen

aber sind geblieben: Können HIV-Positive sich heute angstfrei

outen ohne immer noch Formen von Diskriminierung erleben

zu müssen? Sind sie mitten im Leben angekommen? Können

sie im besten Sinne des Inklusionsgedankens teilhaben am

gesellschaftlichen Leben und sich gleichberechtigt einbringen?

Wir schließen uns den Kampagnengestaltern an und meinen –

es ist an der Zeit, in die Offensive zu gehen. Doch es braucht

immer noch die Mutigen, die „Eisbrecher“, die Vorbilder und die

Mut machenden Erfahrungen. Umso mehr gilt den Botschaftern

der Kampagne(n) unser tiefer Respekt. Menschen mit HIV –

Menschen wie Du und ich. Drei der bundesweiten Botschafter

standen uns in diesem Jahr zum Welt-AIDS-Tag in Duisburg

sogar zur Seite (mehr dazu unter 4.4.).

Der `präventive Spagat´ zwischen Entdiskriminierungsarbeit

im Umgang mit HIV-positiven und an AIDS erkrankten

Menschen und der Mahnung vor einer keineswegs „normalen

chronischen Erkrankung“, die noch dazu letztlich immer noch

lebensbedrohlich ist, bleibt eine große Herausforderung für die

Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit.

Und angesichts der skizzierten vielfältigen Veränderungen sind

wir stetig gefordert, unsere Arbeitsweisen zu überdenken und

hier und da zu reformieren.

Es ist von großer Bedeutung, dass die Arbeit und die Haltungen

der AIDS-Hilfe(n) als sinnvoll wahrgenommen und der Diskurs

zu Ansätzen, Konzepten und deren Förderung angenommen

werden. Dies ist nicht zuletzt auch für die Arbeit und die

Motivation unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen sehr

wichtig.

Grundlagen für den Erhalt und die Anpassung unserer

Arbeitsqualitäten sind die Qualitätsstandards für die

Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit, die Teil unseres

Leitbildes (s. www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ) sind.

4.1. AG Öffentlichkeitsarbeit

Die mit dem skizzierten Themenspektrum und der

entsprechenden Informations- und Aufklärungsarbeit befasste

Arbeitsgruppe trifft sich jeden dritten Donnerstag im

Monat um 18.30 Uhr in der AIDS-Hilfe, um Veranstaltungen,

Informationsstände u.a. Aktionen zu konzipieren und zu

organisieren. Die Gruppe ist mit stabil sechs bis acht Mitgliedern

besetzt. Um diesen Kern von Mitarbeiter/innen herum finden

sich immer wieder neue Interessent/innen über mehr oder

minder lange Zeiträume. Der Zugang zur Gruppe setzt nicht

das Durchlaufen der Grundausbildung für Ehrenamtler/innen

voraus, wie dies für die Bereiche der Beratung und Begleitung

zwingend ist. Es kann also jede/r Interessierte unverbindlich

hereinschnuppern.

Ohne das intensive Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter/

innen wäre die Menge an Veranstaltungen und Aktionen, die

wir auch im Berichtsjahr wieder durchführen konnten, nicht

denkbar. Allen beteiligten Ehrenamtler/innen gilt dafür unser

herzlichster Dank!

Weiterhin aber suchen wir gerade für das Feld der Präventionsund

Öffentlichkeitsarbeit neue ehrenamtliche Mitarbeiter/

innen. Wer hier aktiv werden möchte oder Interessenten

kennt … nur zu!

Wir haben eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung

auch und gerade gegenüber den Schwächeren in unserer

Leistungsgesellschaft. Nicht nur im HIV-Infektionsgeschehen

sind Menschen überproportional vertreten, die ökonomisch,

bildungsmäßig und sozial benachteiligt sind. Somit bleibt AIDS-

Präventionsarbeit zu einem großen Teil weiterhin Arbeit in

gesellschaftlichen Konfliktbereichen. Es geht weiter um Aspekte

von sozialer Diskriminierung von Homo- und Bisexuellen, um

die Kriminalisierung von Drogengebraucher/innen, um die

Ausgrenzung von Menschen mit Migrationshintergrund, um

Marginalisierungstendenzen von Prostituierten und Menschen

in Haft und um die Defizite in der Um- und Durchsetzung

von (sexuellen -) Selbstbestimmungsrechten von Frauen in

besonderen Lebenslagen.

Von wachsender Bedeutung ist dabei die konsequente

Einbeziehung und Thematisierung anderer sexuell übertragbarer

Infektionen (STI`s, wie Syphilis, Chlamydien u.a.), da diese eine

zunehmende Relevanz für die HIV-Inzidenzen besitzen, denn

STI`s erhöhen das HIV-Übertragungsrisiko auf das Doppelte bis

Fünffache (vgl. 1.).

Während wir nach 26 Jahren AIDS-Prävention sicherlich

behaupten können, dass das Aufklärungsniveau bezüglich HIV/

AIDS in der deutschen Bevölkerung vergleichsweise gut ist,

gilt dies hinsichtlich der STI`s keineswegs in gleicher Weise.

Hier muss ein Schwerpunkt in der künftigen Präventionsarbeit

gesetzt werden.

Erfreulicherweise sind Anfragen nach den Angeboten unserer

AIDS-Hilfe in allen Arbeitsbereichen stabil hoch. Das spezifische

Know-how, die Vermittlungskompetenzen unserer ehrenund

hauptamtlichen Mitarbeiter/innen und die Flexibilität

eines kleinen, freien Trägers in der Wohlfahrtspflege werden

offensichtlich sehr geschätzt. Das zeigen uns die vielen positiven

Rückmeldungen, die aus sehr unterschiedlichen Gruppierungen

kommen.

Zum Bereich der medialen Außendarstellung gehört die

Internet-Homepage der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. ( www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ). Ein Medium, das

immer mehr an Bedeutung gewinnt und auf die Schnelle nicht

nur Informationen zum Verein und seinen Angeboten bietet,

sondern auch zu Beratungszwecken gerne genutzt wird. Dazu

hat sich die Einrichtung einer extra Beratungsseite mit sog.

FAQ`s (frequently asked questions = Häufig gestellte Fragen)

bewährt. Dieses Angebot wird gerade von jüngeren Leuten

aufgrund der besonderen Anonymität und der Attraktivität des

Mediums für diese `Besucher´ genutzt. Diese Seiten werden

regelmäßig evaluiert und bei Bedarf werden die FAQ`s variiert

(Vgl. 2.). Im Berichtsjahr gab es den ersten Anlauf für eine

Modernisierung unserer Homepage mit der Gründung einer

AG. Aufgrund vieler Umstände musste die Umsetzung allerdings

geschoben werden. Auch hierzu sind insbesondere IT-begabte

und thematisch Interessierte herzlich willkommen.

Natürlich gilt dies auch für die klassischen Printmedien, wie

unsere Hausbroschüre. Insbesondere wegen des Umzugs im

Jahr 2013 sind hier Neuauflagen angesagt.

23


Öffentlichkeitsarbeit

Bei Fragen zu Risiken und Nebenwirkungen stehen sie gerne zur Verfügung: Dr. Kwirant (o. re.) und

Dr. Becker-Boost (u. re.,hier verabschiedet von Rainer Wille)

4.2. Veranstaltungen

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist immer bemüht, ihr

Angebot einer breiten Öffentlichkeit transparent zu machen und

nutzt dazu verschiedene Orte und Anlässe. Wie könnte man auf

Enttabuisierung, Entdiskriminierung und Emanzipation ausgelegte

Präventionsarbeit leisten, ohne die sog. Allgemeinbevölkerung

über den Sinn und Zweck zielgruppenspezifischer Arbeit zu

informieren?

Neben der Herausforderung, das sehr breite Spektrum an

inhaltlichen Ausrichtungen (HIV und AIDS, Hepatitiden und

andere sexuell übertragbare Krankheiten, Homosexualität,

Drogengebrauch, Frauen/Mädchen und AIDS, Migration und

AIDS u.a.m.) über öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen

abzubilden, ist es alljährlich aufs Neue schwierig, halbwegs

flächendeckend in unserer großen Region Präsenz zu zeigen.

Der Jahresauftakt ist traditionell geprägt durch eine Fülle an

Präventionsveranstaltungen im Bereich „Youthwork“ (s. 5.6.)

sowie durch intensive Berichts- und Dokumentationsarbeit zum

Vorjahr.

Hinzu kamen intensive Diskurse zu den strukturellen Qualitäten

des Vereins, Personalwechsel und seit Ostern 2012 die Suche

nach geeigneten und finanzierbaren neuen Räumlichkeiten (s.

1.), die viel Kapazitäten gebunden haben, wodurch leider erneut

die Fortführung der Organisationsentwicklungsarbeit nur sehr

zart geleistet werden konnte.

Parallel zu diesen Beschäftigungsfeldern liefen natürlich auch

die Planungen zur Öffentlichkeitsarbeit an sowie die fachliche

Fort- und Weiterbildung, die angesichts der schon mehrfach

beschriebenen Dynamik im Themenfeld unerlässlich ist.

Aus dem diesjährigen Kongressgeschehen haben wir uns zu

Teilnahmen bei den 14. Münchener AIDS- und Hepatitis-Tagen

im März, der europäischen Gesundheitskonferenz für Menschen

in Haft in Genf und der wieder einmal sehr fruchtbaren Tagung

des Landesverbandes der AH NRW in Verbindung mit der DAIG

„HIV-Kontrovers“ im September in Köln entschieden. Dazu gibt

es natürlich jeweils einen „Roll out“ in die Vereinsgremien.

Therapie umgesetzt, die weiterhin insbesondere von Klient/

innen gut besucht und genutzt wurden. Am 19. September

widmeten wir uns in Oberhausen erneut dem Thema „HIV &

Psyche“ mit dem Experten Dr. Peter Hartmann aus Münster,

welches insbesondere zum „Ergebnis“ hatte, dass wir HIV nicht

für alles verantwortlich machen können.

Im Rahmen des Welt-AIDS-Tages-Programmes fand das zweite

Fachgespräch mit dem herausfordernden Titel „Heilung

in Sicht??? – Ist es schon so weit?“ am 20. November in

Duisburg statt. Hier zeigten „unsere“ beiden Lokalmatadoren

und HIV-Schwerpunktbehandler, Dr. Becker-Boost und Dr.

Kwirant, einmal mehr ihr breites medizinisches Spektrum.

Ganz in unserem Sinne waren die Botschaften dieses Abends,

nämlich insbesondere, dass noch keineswegs so weit ist,

Heilungschancen für Menschen mit HIV generell zu propagieren.

Möglicherweise haben wir hier die „Abschiedsvorstellung“ von

Herrn Dr. Becker-Boost als Duisburger HIV-Schwerpunktarzt

erlebt, denn zum Jahreswechsel wird er sich voraussichtlich

beruflich verändern. Daher an dieser Stelle unseren herzlichsten

Dank für viele Jahre engagiertes Wirken in der Versorgung für

Menschen mit HIV in unserer Region, viele Jahre sehr guter

Kooperation und Unterstützung und die besten Wünsche für

den neuen Lebensabschnitt!

Der Auftakt der Infostand-Saison war zugleich ein echtes

Highlight. Am 02.06.13 haben wir uns erstmals zu einer

Beteiligung am „Tag der Begegnung“ des LVR im schönen

Archäologischen Park in Xanten durchgerungen, nachdem auch

bei dieser Veranstaltung, die wieder einmal mehr als 25.000

Besucher anlockte, der Fokus immer stärker auf Inklusion

gerichtet ist, also der Teilhabe von Menschen mit und ohne

Behinderung am gesellschaftlichen Leben. Das passt nunmehr

hervorragend zu dem Wandel der HIV-/AIDS-Kampagnen. So

konnten wir ungewöhnliche viele sehr gute Gespräche mit

vielen, vielen Menschen zu dieser Thematik führen und natürlich

Informations- und Aufklärungsarbeit leisten.

In bewährter Kooperation mit der AIDS-Hilfe Oberhausen

haben wir auch in diesem Jahr zwei Fachgespräche zur HIV-

24


neue Oberbürgermeister, Sören Link, einen sehr aufgeklärten

und kompetenten Eindruck hinterließ. Mehr zum CSD unter

5.1.4.

Nach einigen Jahren Pause (v.a. wegen der Terminparallelität

zum Duisburger Umweltmarkt) haben wir uns in diesem Jahr

auch mal wieder beim Walsumer Sommerfest beteiligt, das

mit viel Aufwand und Engagement veranstaltet wird und gute

Resonanzen über Walsum hinaus erzielt.

Bei der klassischen Stadt(teil-)Fest-Zielgruppe macht es unserer

Erfahrung nach immmer noch oder besser immer mehr Sinn,

sich inhaltlich auf „Klassisches“ zu konzentrieren, nämlich auf die

Übertragungswege von HIV – insbesondere die Tatsache, dass

im alltäglichen Miteinander keinerlei Gefahr droht. Dazu haben

wir als gesprächsöffnende Methode unsere Tastboxen gewählt,

um mit Hilfe der darin befindlichen symbolischen Materialien

(Seife, Kondome, Taschentücher, Zahnbürste, etc.) gleichsam

gegenständliches und kognitives Begreifen zu initiieren.

„Zurück“ zu den Jugendlichen im Kreis Wesel ging es am 25.

August im Rahmen der Jugend-DIN-Tage in Dinslaken an der

Burghofbühne. Im Kreise der kooperierenden Einrichtungen des

ehemaligen AK ProVer (Prophylaxe-Vernetzung für die Region um

Dinslaken, s. 5.6.) gestalteten wir einen zielgruppenorientierten

Informationsstand mit Aktionsmöglichkeiten. Das Konzept von

einer kleinen, zielgruppenspezifischen Info-, Beratungs- und

Mitmachmeile ging wieder gut auf. Darüber hinaus konnten hier

die Vernetzungskontakte gepflegt werden.

Wie groß unser Zuständigkeitsgebiet wirklich ist, erfuhren

wir durch erstmalige Kontakte in die schöne Gemeinde

Schermbeck. Durch die Anfrage des dort in verschiedene

Richtungen sehr engagierten Wirtes, Thommy Coburger

(„Thommy – Am Rathaus“), der zunächst eine Benefiz-Aktion

für uns durchführte, haben wir uns auf seine Einladung hin sehr

gerne mit einem Infostand am Stadtfest der Werbegemeinschaft

am 08. September beteiligt und diesen schönen Ort schätzen

gelernt. Ein besonderer Dank gilt dem rührigen Thommy aus

Schermbeck!

Unter dem Titel „Let`s talk about Sex!“ fand am 31.10. ein

interessantes Seminarangebot der Deutschen AIDS-Hilfe für

Gynäkologinnen und Gynäkologen im Hörsaal der städtischen

Kliniken Raum und eine recht erfreuliche Teilnehmerzahl.

Neben Referaten zur Arzt-Patienten-Kommunikation und

sexuell übertragbaren Krankheiten konnten wir im Verbund

mit einer Kollegin der AIDS- und STD-Beratungsstelle des

Gesundheitsamtes unsere spezifischen Angebote vorstellen und

uns zu Präventionsstrategien, –qualitäten und entsprechenden

Haltungen positionieren.

4.3. Benefiz-Veranstaltungen

Um auch unsere Drogenpräventionsarbeit und die dahinter

stehende Haltung der Öffentlichkeit zu präsentieren, gehört

für uns ein Info- und Aktionsstand zum Tag des Gedenkens an

die Drogentoten am 21.07. zum Standardprogramm. Näheres

dazu findet sich unter 5.2. Erfreulich ist hier hervorzuheben,

dass es gelingen konnte, die JES-Ortsgruppe in Planung und

Durchführung aktiv mit einzubeziehen. Da zahlt sich der lange

Atem des Kollegen Ralf Runniger immer mehr aus. Im Oktober

initiierten wir ein Mediengespräch zur Situation im Duisburger

Kantpark, das eine erstaunliche Resonanz durch die TV-, Funkund

Printmedien erfuhr, welches sich in den nächsten Wochen

fortsetzte und in einen Runden Tisch mündete, an dem auch

AH- und JES-Vertreter beteiligt waren und der recht konstruktiv

wirkte.

Nachdem wir im letzten Jahr noch der Hauptveranstalter des

Duisburger Schwul-lesbischen Sommerfestes waren, sind wir

sehr froh darüber, dass es im Berichtsjahr wieder mal einen

„richtigen“ CSD gab. Unter der Federführung der neuen schwullesbischen

Dachorganisation „DU-gay“ ging dieser am 28.07.

auf dem Averdunkplatz erfolgreich über die Bühne und den

Festplatz. Wir konnten uns dabei ganz auf unsere Kernaufgabe

konzentrieren und vor allem durch unser Herzenslust-Team

eine Präventionsoffensive fahren. Der „Renner“ dabei war das

„IWWIT-Buzzer-Quiz“ der DAH, bei dem unter anderem der

Nicht nur in finanzieller Hinsicht sind Benefiz-Aktionen für

uns sehr wichtig, bieten Aktionen mit Künstlern oder anderen

Prominenten doch meist die Möglichkeit, unser Thema auch

außerhalb der Welt-AIDS-Tags-Zeit öffentlichkeitswirksam zu

platzieren.

Im Berichtsjahr 2012 gab es erneut viele „zivilgesellschaftliche“

Gruppen und Einzelpersonen, die für uns und unsere Arbeit

sehr Gutes getan haben und wir wollen darüber reden und

schreiben.

Ein riesengroßes Dankeschön gilt einmal mehr dem Duisburger

Gastronomen und Ehrennadelträger der AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel, Thomas Seven, der im Berichtsjahr mit seinem

traditionellen Grünkohlessen am 02. Dezember wieder viele

Gäste zu Spenden animieren und darüber die Rekordsumme

von über 7.200,- € für die Aufrechterhaltung unserer

Angebotspalette bereitstellen konnte.

Treue Unterstützung erfahren wir seit nunmehr sieben Jahren

durch einen Teil der ehemaligen Citi-Pride-Group der Duisburger

„Targobank“, die weiß, „wie Bank geht“. Aber nicht nur das –

sie wissen auch, wie soziales Engagement sinnvoll funktioniert

und dass dies auch einen nicht zu unterschätzenden Benefit

für das Image der Institution sowie das soziale Betriebsklima

bringt. Die neue „diversity-group“, die sich jetzt „GudsO-

Netzwerk“ (Gleichberechtigung unabhängig von der sexuellen

Orientierung) nennt, hat unter Federführung von Frau Corinna

25


Öffentlichkeitsarbeit

Voigt und Herrn Guido Kuhl zum Welt-AIDS-Tag wieder eine

äußerst starke „Bärenaktion“ entwickelt, mit erfrischender

Promotion umgesetzt und so auch zu einem Rekordvertrieb

von über 700 Solibären geführt.

Darüber hinaus erfreut es uns sehr, an dieser Stelle Jahr für

Jahr über sehr stabile Unterstützungsaktivitäten berichten

zu können. Da sind zum einen die Spendensammlungen und

thematischen Veranstaltungen vieler Kirchengemeinden zu

nennen, die zudem in der Regel auf unsere Anfrage hin für

unsere alljährliche Weihnachtsfeier für Menschen mit HIV

und AIDS eingehen – vielen herzlichen Dank dafür – und zum

anderen die Spendenausschüttung einer Reihe von Sparkassen.

Ganz besonders bedanken wir uns hier bei der Sparkasse

Duisburg für ihre Treue hinsichtlich der Teilfinanzierung unserer

aufsuchenden Arbeitsangebote.

Ein besonderes Anliegen ist es uns, den zahlreichen Schülerinnen

und Schülern und engagierten Lehrkräften zu danken, die uns

mit hoher Motivation, Überzeugung und zum Teil sehr kreativen

Aktionsideen nicht nur bei der Spendensammlung, sondern

auch bei der Thematisierung von HIV und AIDS in zweifellos

wichtigsten Zielgruppen fantastisch unterstützen. Stellvertretend

möchten wir hier die Projektgruppen am Gymnasium Adolfinum

in Moers, dem Sophie-Scholl-Berufskolleg in Duisburg-Marxloh,

die Projektgruppe am Gymnasium Moers-Rheinkamp und die

Gustav-Heinemann-Realschule Duisburg-Mitte erwähnen.

DANKE für einen bärenstarken Einsatz für die AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Der „Soli-Bär“ 2012

4.4. Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag 2012

Solidarität mit dem Solibären – mit Freude und Riesenerfolg –

Targobank: Das war GudsO!!!

Unermüdliche Kämpfer im Kampf gegen AIDS sind schon lange

Dr. Günther Bittel, seine Frau Ingrid und ihr Mitstreiter-Team

in Duisburg-Rheinhausen, die unter anderem zum achten Male

das Benefiz-Konzert „Treatment for all“ im Haus der Jugend

in Rheinhausen am 24.11. durchführten und nicht nur inhaltlich

wachrüttelten, sondern darüber hinaus auch den Erlös für

unsere Arbeit vorsahen. Ein besonderer Dank gilt den gagenfrei

auftretenden Bands, „die bandbreite“, „Violin key“, „dreiv“,

„Fresh Game“ und „Crazy dogs“ sowie dem Jugendzentrum

„Haus der Jugend“ an der Friedrich-Alfred-Str.14.

HIV-positiv & mitten im Leben.“ – die konsequente

Fortführung des in 2010 vollzogenen Paradigmenwechsel in

der Ausrichtung der bundesweiten Kampagne, die mit einem

wichtigen und zugleich mutigen Impuls verstärkt wurde, wurde

auch im Rahmen unseres Veranstaltungsprogrammes in den

Fokus gesetzt. Insbesondere die vier Schwerpunktthemen

„HIV & Freundschaft“, „HIV & Familie“, „HIV & Beschäftigung“

(Erwerbsarbeit) und „HIV & Behandlung“, die zentrale Bereiche

des gesellschaftlichen Lebens und der damit verbundenen

Werteorientierung berühren, verdeutlichen sehr anschaulich,

worum es heute gehen (darf): um gleichberechtigte Teilhabe am

gesellschaftlichen Leben unter der Bedingung, dass der Status

HIV-Positiv bekannt sein darf!

Umso besser, dass man dazu nicht mehr nur auf prominente

„Zugpferde“ setzen will, sondern authentische HIV-positive

Botschafter in den Vordergrund stellt, die wissen wovon und

worüber sie sprechen. Noch ist es sicherlich so, dass dies

eine gehörige Portion Mut benötigt (s.o.), das Eis allmählich

zu brechen. Aber wir setzen hier geduldig auf eine „positive“

Entwicklung, die wir aktiv begleiten und mitgestalten wollen und

werden.

26


weltweiten Situation rund um HIV und AIDS, etwa in einer

Diskussionsrunde bot, siehe dazu 4.3.

Ein besonderer Dank für viel Herzblut, Engagement und langen

Atem gilt dem Team um Dr. Günther Bittel!

Im Berichtsjahr sogar in ganz besonderer Form, waren wir doch

neben Hamburg in Duisburg Premiumpartner der bundesweiten

BZgA-Kampagne!

Den Welt-AIDS-Tag 2012 und die dazugehörigen Erlebnisse,

Erfahrungen, Begegnungen und Bilder werden wir noch sehr

lange in nachhaltiger Erinnerung behalten. Es fällt schwer, dieses

in Berichtsform auch nur annähernd adäquat wiederzugeben.

Dennoch soll es natürlich hiermit versucht werden.

Ziel der übergeordneten Kampagne „Positiv zusammen

leben. Aber sicher!“, ist es, Stigmatisierung und Diskriminierung

abzubauen und eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung

über HIV und AIDS zu initiieren. Sie ist auf mehrere Jahre

angelegt und in dieser Form immer noch europaweit einzigartig.

Sie ruft dazu auf, Betroffene nicht weiter auszugrenzen,

Menschen mit HIV mit Respekt zu begegnen, denn nur so

kann ein verantwortungsvoller Umgang und ein „positives

Zusammenleben“ wirklich gelingen.

Mit sechs eigenen Veranstaltungen und weiteren mit und von

Kooperationspartnern durchgeführten Aktionen konnte auch

im Berichtsjahr wieder ein umfangreiches Angebot vorgehalten

(s. Flyer und Pressespiegel im Anhang) und viele Menschen

darüber erreicht werden.

Fachliche Einstimmung gewährte uns das Fachgespräch zur

HIV-Therapie am 20. November mit dem provokanten Titel

„Heilung in Sicht??? – Ist es schon so weit?“. Näheres dazu s.o.

(4.2.).

Der Altmarkt in der schönen Moerser Altstadt hat sich

einmal mehr als guter Standort für einen Infostand mit

Roter-Schleifen-Aktion zum WAT am Samstag, den

24.11.2012 erwiesen, obgleich in diesem Jahr der benachbarte

Weihnachtsmarkt noch nicht eröffnet war und somit natürlich

in den frühen Abendstunden weniger Publikumsverkehr zu

verzeichnen war. Dennoch haben wir sehr viel gute Gespräche

führen und von vielen Bürgerinnen und Bürgern finanziellen

(Spenden) und ideellen Zuspruch bekommen können – DANKE

Moers! Schon hier zeigte sich auch, dass der 2012er „Soli-Bär“

ein begehrtes Sammelobjekt werden würde, erfuhr dieser doch

reißenden Absatz.

Am Montag, dem 26.11.12 wurde die sehr interessante

Ausstellung „Von Pest und Prävention – 30 Jahre AIDS-

Plakate“ vom Centrum für schwule Geschichte, Köln, in der

Zentralbibliothek der Stadt Duisburg öffentlichkeitswirksam

eröffnet. Auf Initiative der Veranstalter der Kulturreihe „queer

life duisburg“ (ehemals „Ein Blick zu anderen Ufern“ von

HoKuDu e.V.) konnten über 20 Exponate mit spannenden

Kommentierungen zur Geschichte der AIDS-Prävention in

Deutschland, Europa und Übersee über zwei Wochen in der

Stadtbibliothek präsentiert werden.

Wir bedanken uns insbesondere auch bei der Stadtbibliothek,

die uns immer wieder gerne den Rahmen für Ausstellungs-, oder

Lesungsveranstaltungen bietet.

Traditionell am Mittwoch vor dem Welt-AIDS-Tag, in diesem

Jahr am 28.11. starteten wir unseren Candle-Light-Walk

über den Weihnachtsmarkt der Duisburger City, um zum

einen den an den Folgen von HIV und AIDS Verstorbenen zu

gedenken und daran zu erinnern, dass wir es immer noch mit

einer lebensbedrohlichen Erkrankung zu tun haben und um zum

anderen die Bevölkerung auf den bevorstehenden Welt-AIDS-

Tag aufmerksam zu machen. Leider wird die Zahl der „Mitläufer“

Jahr für Jahr kleiner – vielleicht auch ein Ausdruck dafür, dass

die früher oft unmittelbare Verbindung mit dem Sterben heute

glücklicherweise nicht mehr der Realität entspricht. Dennoch

wollen wir die Erinnerung bewahren.

Eine Premiere gab es im Anschluss an den Candle-Light-

Walk: erstmals haben wir die Gedenkveranstaltung mit dem

„Abendgebet zum Welt-AIDS-Tag“ verbunden und

die Veranstaltergemeinschaft des Aktionsbündnisses gegen

AIDS (UNICEF Duisburg, Kindernothilfe, AIDS- und STD-

Beratungsstelle des Gesundheitsamtes der Stadt Duisburg,

Infostelle Dritte Welt des ev. Kirchenkreises Duisburg,

der evangelische Kirchenkreis Duisburg, die evangelische

Kirchengemeinde Alt-Duissern und die AIDS-Hilfe) „endlich“

um die Katholiken erweitern können. Unser langjähriger

Partner bei der Gedenkveranstaltung, Herr Sven Köpnick von

der Pfarrei Liebfrauen (City Pastoral in der Liebfrauenkirche),

war schnell angetan, mitzuwirken und öffnete uns dafür – im

elften Jahr!- sehr gerne die Pforten der Liebfrauenkirche im

Herzen der Stadt. Trotz Umbauarbeiten konnte hier eine

gelungene Premiere mit ökumenischem, aber nach wie vor auch

politischem Anspruch begangen werden. Die Verabredung der

Fortsetzung wurde dann auch schnell getroffen. Leider liegen

uns für diese schöne Veranstaltung keine Bilder vor.

Impressionen vom Infostand am 24.11.13 auf dem Moerser

Altmarkt - … selbst Spendensammeln macht Spaß!

Am Abend des 24.11. begleiteten wir das traditionelle

Benefizkonzert „treatment for all, part VII“ im Haus

der Jugend in Rheinhausen, das neben musikalischen Genüssen

auch jede Menge Informationen zur lokalen, nationalen und

Bei der zentralen Pressekonferenz zum Welt-AIDS-Tag 2012

in Duisburg, welche am 27.11.12 erneut in den Räumen des

Centermanagements des FORUM Duisburg statt- und gute

Medienresonanz fand, bekamen wir prominente Unterstützung

durch den Leiter des Aidsreferates der Bundeszentrale für

gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Herrn Dirk Meyer, der nicht

nur die bundesweite Kampagne vorstellen konnte, sondern mit

seinem Besuch auch der diesjährigen Premiumpartnerschaft

Duisburgs mit dieser Kampagne Ausdruck verlieh. Der

Aktionstag zum Welt-AIDS-Tag fand bereits zum vierten Male in

27


Öffentlichkeitsarbeit

Kooperation und Partnerschaft mit dem FORUM Duisburg und

in diesem Jahr noch dazu auch (wieder) mit der neugestalteten

Königsgalerie statt. Diese –aus unserer Sicht- wirklich glorreiche

und konstruktive Partnerschaft mit dem Centermanagement

und den Werbegemeinschaften ermöglicht uns schon lange

einen besonders öffentlichkeitswirksamen Auftritt am 01.12.

Nicht nur die Chance, viele Menschen erreichen zu können ist

für uns natürlich ganz wichtig, sondern auch die menpower, das

Engagement und die Ressourcen, die das Centermanagement

bereitstellen, macht dies zu einem echten Gewinn und sicher

zu einem best-practice-Beispiel für „private public partnership“.

Dafür gilt unser großer Dank an die beteiligten Akteurinnen und

Akteure der Einkaufsmalls und der Konzernmutter Cório.

In diesem Jahr hat unsere Kooperation ganz besonderes

Interesse der BZgA geweckt, weil diese Partnerschaft mit

Unternehmen, die sich der Thematik von HIV und AIDS stellen,

ein Kernanliegen der neuen Kampagnenausrichtung ist.

Im Auftrag der BZgA hat uns die Agentur „steinrücke + ich“

bei der Umsetzung des Aktionstages bestens unterstützt durch

Beratung, Bereitstellung von Materialien und insbesondere

bei der Vermittlung von drei bundesweit sichtbaren

Kampagnenbotschaftern.

So gab es sicher bei manchen Passanten ein „Oh und Ah“, weil

die Menschen auf den Plakaten plötzlich live und authentisch

dabei waren und uns phantastisch unterstützt haben.

Gemeinsam mit unseren weiteren WAT Partnern, den

Kolleginnen von der profamila Duisburg und der Kindernothilfe

ist dann ein Aktionstag in und um die Königsgalerie am 01.12.

entstanden, der seinesgleichen sucht und uns allen in nachhaltiger

Erinnerung bleibt.

4.5. Berichterstattung in den Medien

Die Nachfragen von Seiten der Print-, Funk- und TV-Medien, die

unsere Arbeit zum Teil sehr aufmerksam begleiten, stimmt uns

zuversichtlich und führt uns zu dem Eindruck, gute Arbeit zu

leisten.

Wir waren unsererseits mit der Erreichbarkeit und dem Echo

bei Presse, Lokalfunk und –fernsehen über das Berichtsjahr

verteilt insgesamt sehr zufrieden (s. Pressespiegel im Anhang).

Das schon mehrmals zitierte Stadtfernsehen „Studio 47“ ist ein

ungemein treues Begleiter- und Unterstützermedium, das uns im

Berichtsjahr wieder einmal mehrmals in den Nachrichtenfokus

gerückt hat – dafür herzlichen Dank! Dank gilt genau so den

Lokalradios von Radio DU inkl. dem Bürgerfunk und Radio KW.

Ein sehr bemerkenswertes Portrait eines unserer ehrenamtlichen

Mitarbeiters über sein Leben mit HIV aber auch über 30 Jahre

HIV-Geschichte hat die TV-Journalistin Anne Welsing für das

3-Sat Magazin „nano“ gedreht, welches am 30.11. ausgestrahlt

wurde.

Unser traditionelles „Sonder-Aktiven-Treffen“ am 10.12., bei

dem die Hauptamtlichen sich für den ganzjährigen Einsatz der

Ehrenamtlichen durch ein selbst zubereitetes Buffet bedanken,

hatte in diesem Jahr ungewöhnlichen Besuch. Das Team um die

Moderatorin der „Aktuellen Stunde“ des WDR, Asli Sevindim

und die Redakteurin, Alexa Schulz, beschenkte uns durch Mithilfe

bei der Zubereitung und durch eine schöne Berichterstattung

im Rahmen des WDR-Projektes „Geschenkte Stunde“. Es war

fast so als gehörten sie dazu – zur AIDS-Hilfe Familie.

Das wunderbare Buzzer-Quiz der sog. IWWIT-Kampagne der

Deutschen AIDS-Hilfe wanderte am 01.12. noch weiter in das

Szenelokal „Harlekin“ und erfreute das Publikum dort mit der

Kombination von Spiel, Spaß und Aufklärung (s. 5.1.)

Allen, die uns zum Welt-AIDS-Tag 2012 durch viel Engagement

und Kreativität unterstützt haben, gilt an dieser Stelle noch

einmal unser ganz herzlicher Dank !!! – Ein Engel hat Euch / Sie

geschickt.

Asli Sevindim bei der Arbeit

Im Printmedienbereich gab es im Berichtszeitraum dagegen

etwas weniger Echo als in manchen Vorjahren. Allerdings

können wir auch hier durchaus zufrieden auf das „Medienjahr“

2012 blicken. Ein kleiner Überblick findet sich wie üblich im

Pressespiegel im Anhang.

Und: … nach dem Welt-AIDS-Tag ist vor dem Welt-AIDS-Tag!

Interessierte, die 2013 dabei sein wollen, können sich jederzeit

gerne bei uns melden.

Um das vergleichsweise niedrige Niveau der Neuinfektionen

im Berichtsjahr weiterhin halten zu können und die neu

ausgerichteten Kampagnenziele der weiteren Akzeptanz und

Toleranz gegenüber Menschen mit HIV und AIDS umsetzen

zu können, müssen aus unserer Sicht aber auch weitere

Kommunikationsoffensiven folgen, um die Präventionserfolge

der vergangenen Jahre nicht wieder zu gefährden. Aufklärung,

sachliche Information und Erinnerung müssen wahrnehmbar

bleiben.

28


4.6. Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Hier sind für den Stelleninhaber zu nennen :

• Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. in

verschiedenen regionalen Gremien und Arbeitskreisen

in Duisburg, dem Kreis Wesel und auf Landesebene

• Vorbereitung, Organisation, und Durchführung von

Informationsständen, Seminar- und Vortragsangeboten,

• Organisatorische Begleitung und Pressearbeit für

Benefiz- und Kooperationsveranstaltungen,

• Akquise von finanziellen Mitteln und personellen

Ressourcen (Ehrenamtleranwerbung),

• Kontaktpflege zu Förderern und Kooperationspartnern,

• Telefonische und persönliche Beratung,

• Geschäftsführung,

• U.a.m.

Abbildung :

Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung

im Jahre 2012 – Veranstaltungen insgesamt

29


Zielgruppenspezifische Prävention

5. Zielgruppenspezifische Prävention

5.1. HIV/AIDS-Prävention bei Schwulen, Männern die

Sex mit Männern haben sowie bisexuellen Männern

Das Projekt homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM

(Männer, die Sex mit Männern haben) im Kontext von HIV /

STI´s der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist durch

Zielgruppenspezifische Mittel des Landes NRW gefördert

worden. Durch diese Förderung konnte eine ½ Personalstelle

finanziert werden, mit der die strukturelle Prävention im

Arbeitsbereich „homosexuelle und bisexuelle Männer sowie

MSM im Kontext HIV / STI´s“ auf der lokalen, regionalen

und landesweiten Ebene umgesetzt wurde. Zusätzlich hat das

Projekt auf der lokalen Ebene das Ziel, HIV-positive Männer

niedrigschwellig zu erreichen und ihnen die möglichen Angebote

in der Region zu vermitteln bzw. die Begleitung durch die AIDS-

Hilfe anzubieten (Streetwork).

Auf der landesweiten Ebene erfolgte die Arbeit ausschließlich in

Gremien, die sich überregional mit dem Thema „homosexuelle

Männer sowie MSM im Kontext HIV / STI´s“ befassen.

Auf der regionalen Ebene wurden in der Vernetzung mit anderen

Institutionen Kampagnen und Präventionsaktionen erarbeitet

und durchgeführt. Durch diese Kooperationen konnten

größere Veranstaltungen geplant, koordiniert und umgesetzt

werden. Die in diesen Gremien vorhandenen Ressourcen

konnten so gebündelt werden und es ergaben sich sinnvolle

Synergieeffekte. Beispielsweise unterstützten sich die Teams der

Herzenslustprojekte gegenseitig bei den Straßenfesten.

Auf der lokalen Ebene wurden gemeinsam mit

Kooperationspartnern, durch die Einbeziehung von

ehrenamtlichen Mitarbeitern sowie HIV-positiven schwulen

Männern die ausdifferenzierten Angebote/Präventionsaktionen

erfolgreich umgesetzt. Durch diese Kooperationen konnten die

begrenzten personellen Ressourcen optimal genutzt werden. So

wurde mit DU-Gay e.V. ein Partner für Großveranstaltungen

und Vernetzung der lokalen Gruppen des schwulen Lebens in

Duisburg gefunden.

5.1.1 Vorwort

Auch im Jahr 2012 wurde ein Großteil unserer Ressourcen für

den Bereich der Prävention im Sektor schwule und bisexuelle

Männer sowie MSM genutzt.

Die kompetente und qualifizierte Arbeit von „Herzenslust“

hat ihren Ursprung in dem Ansatz der strukturellen Prävention

(hier vor allem die Primär- und Sekundärprävention) sowie

der regelmäßigen Aus- und Fortbildungsarbeit der hauptund

ehrenamtlichen Mitarbeiter auf der landesweiten Ebene.

Herzenslust steht für die Arbeit von schwulen Männern

für schwule Männern. Die Feldkompetenzen der einzelnen

Mitarbeiter können so für die Präventionsarbeit im Rahmen der

niedrigschwelligen Präventionsarbeit genutzt werden. Weiterhin

steht Herzenslust für lustvolle und lebensstilakzeptierende

Präventionsarbeit. Auch der Schwerpunkt, die Zielgruppe

ausreichend zu informieren, damit jeder einzelne selbst

bestimmt entscheiden kann, welches Risiko er eingehen

möchte oder welches eben nicht, hat sich bewährt. Ebenso

die Einbeziehung von HIV-positiven schwulen Männern in die

Präventionsarbeit (z.B. bei Beratung und Test) hat sich sehr

bewährt und sollte weiterhin unterstützt und forciert werden.

Die Datenlage aus der Bochow-Studie (s. Schwule Männer

und HIV/Aids: Lebensstile, Szene, Sex 2007; Michael Bochow,

Axel J. Schmidt, Stefanie Grote; AIDS-Forum DAH; 2010) hat

maßgeblich dazu beigetragen, die Rastplatz-Sommeraktion im

Kreis Wesel umzusetzen. Nach Bochow, der eine breit angelegte

Befragung zu Risikoverhalten von schwulen und bisexuellen

Männern in regelmäßigen Abständen durchführt, gehören MSM

aus ländlichen Regionen zu einer der Risikogruppen bezüglich

einer HIV-Infektion. Ebenfalls zur Risikogruppe gehören schwule

Männer aus sozial schwachen Verhältnissen; ein Grund, warum

die Testangebote auf dem Rastplatz kostenlos zur Verfügung

gestellt werden.

Die Arbeitsfelder im Berichtszeitraum können wie folgt

umrissen werden:

Die zielgruppenspezifische Präventionsarbeit der AIDS-

Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. im Bereich MSM hatte im

Berichtszeitraum mehrere Arbeitsschwerpunkte.

Ein großer Schwerpunkt im Jahr 2012 war die Teilnahme bei

Entwicklung, Koordinierung und Umsetzung des schwul

lesbischen Straßenfestes Duisburg (CSD). Veranstaltet

wurde das Fest durch den Verein DU-Gay e.V., bei dem die

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. Mitglied ist und sich

Herzenlust Mitarbeiter engagieren. Der Wunsch, dass sich

die Community in Duisburg präsentieren konnte, war für die

Mitglieder unseres Vereins von hoher Wichtigkeit. Daraus

erklärt sich sicherlich auch die hohe Teilnahme unserer

ehrenamtlichen MitarbeiterInnen bei der Umsetzung des Festes.

Bei der Umsetzung wurde das Motto „Sexmechanics“ mit

Material und Quiz der „Ich weiß was ich tu“-Kampagne genutzt.

Das jährlich wechselnde Motto spielt mit Vorurteilen und

Zuschreibungen. KFZ-Mechaniker gelten dabei als Berufsgruppe

mit geringer Attraktivität für schwule Männer. Die Wahl mit

diesem Klischee schwule Präventionsbotschaften zu vermitteln

erwies sich als erfolgreich, wie eine Studie des Landesverbandes

zur Reichweite und Wirkung der Aktion in Köln zeigt (vgl. dazu

www.herzenslust.de). Mit der Teilnahme und Organisation des

Straßenfestes wird gemäß des Zieles „Männergesundheit“

Selbstbewusstsein und Sichtbarkeit geschaffen. Ferner bietet

eine solche Großveranstaltung einen guten Rahmen, eine

große Masse an schwulen Männern und MSM zu erreichen und

Präventionsbotschaften zu platzieren.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt war die Umsetzung des

HIV-Schnelltestsangebotes im niedrigschwelligen Bereich,

welcher unter dem Label „BuT“ (Beratung und Test) angeboten

wurde. Die Vorarbeit (Schulung der ehrenamtlichen Mitarbeiter,

konzeptionelle Planung der Umsetzung lokal und in Arbeitskreisen

landesweit, Absprache mit Kooperationspartnern) nahm einen

Großteil der zeitlichen Ressourcen in Anspruch.

Die ausdifferenzierte Arbeit im Bereich der Primärprävention

bei MSM (z.B. GAY ROMEO health support, Vor-Ort Arbeit,

Beratung und Test) fordert immer mehr eine detaillierte

fachlich qualifizierte Schulung der Mitarbeiter. Diese neuen

Anforderungen gehen mit einer hohen zeitlichen Kapazität an

Schulungsanteilen für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter

einher. Dieser Trend wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Hier

gilt es, einerseits die Mitarbeiter fachlich gut auf die Arbeit

vorzubereiten und andererseits die Schulungsanteile für die

einzelnen Trainer / Referenten in einem „gesunden Maß“ zu

halten. Durch die geforderten Qualitätssicherungsmaßnahmen

und damit einhergehenden Verpflichtungen (Teilnahme an

(Schulungs-) Veranstaltungen, Berichtswesen, Datenerhebung)

wurden zeitliche Ressourcen ebenfalls gebunden.

5.1.2 Landesweite Vernetzung

Teilnahme an Arbeitskreisen

32


Arbeitskreis schwule Prävention

Unter dem Namen „Herzenslust“ wird strukturelle HIV-

Prävention im Bereich „homosexuelle und bisexuelle Männer

sowie MSM“ in ganz NRW durchgeführt. Herzenslust ist eine

Kampagne der AIDS-Hilfe NRW e.V. Auf der landesweiten

Ebene finden regelmäßige Arbeitskreise unter dem Namen

„Landesarbeitskreis schwule Prävention“ statt, wo die

Herzenslustgruppen sich inhaltlich austauschen können.

Der Projektnehmer hat regelmäßig an diesen Arbeitskreisen

teilgenommen. In diesem Gremium wurden neu entwickelte

Aktionen vorgestellt, Tendenzen in der schwulen Community

erörtert sowie zu bestimmten Themenfeldern Referenten

eingeladen. Auf diesen landesweiten Arbeitskreisen konnten

so Ideen für Präventionsaktionen ausgetauscht, Kampagnen

entwickelt und nicht erfolgreiche Projekte analysiert

werden. So wurde durch den Erfahrungsaustausch und

die fachliche Unterstützung der unterschiedlichen lokalen

Herzenslustgruppen die regionale und lokale Arbeit sinnvoll

modifiziert.

GAY Romeo / health support

Herzenslust hat auf der landesweiten Ebene die

Onlinepräventionsarbeitet konzipiert und umgesetzt. Bei

Gay Romeo, einem Onlineportal für schwule und bisexuelle

Männer, wurde ein health support geschaltet. Hier werden

Fragen von Ratsuchenden zu HIV/AIDS, Hepatitiden und

anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, schwuler

Gesundheit und Szeneorten in der Region von örtlichen

Herzenslustmitarbeitern beantwortet. Der Projektnehmer

hat für die lokale Herzenslustgruppe ein Profil erstellt und

Chatberatung durchgeführt. An diesem Projekt sind neben

dem Projektnehmer ehrenamtliche Onlinepräventionisten

beteiligt. Das lokale Gay Romeo-Projekt war regelmäßig bei

den bundesweiten Austauschtreffen vertreten. Diese Treffen

dienen als Plattform, sich zu Themenfeldern der Online-

Beratung auszutauschen sowie der Erarbeitung und Erhaltung

von Präventions- und Beratungsstandards.

Beratung und Test (BuT)

Das Pilot-Projekt der AIDS-Hilfe NRW e.V. hat das Ziel,

bestimmte Subgruppen aus dem Bereich der MSM (Männer

die Sex mit Männern haben) mit Hilfe eines HIV-Schnelltest-

Angebotes im Zusammenhang mit einer davor durchgeführten

intensiven Beratung zu erreichen. Solche Subgruppen (oder auch

„Netzwerke“) sind von den bestehenden HIV-Test-Angeboten

nicht erreicht worden (siehe auch Konzept BuT).

Der Projektnehmer hat an den Steuerungskreisen von BuT auf

der landesweiten Ebene teilgenommen.

Teilnahme an Landesweiten Präventionsaktionen

CSD in Köln

Unter dem Motto „sexmechanics“ organisierte Herzenslust

NRW und die Herzenslustgruppe aus Köln eine Fußtruppenaktion

beim CSD in Köln. Das Herzenslustteam Duisburg beteiligte

sich bei der Aktion (näheres siehe Sachbericht Herzenslust

NRW bzw. Herzenslust Köln).

5.1.3 Projektarbeit auf der regionalen Ebene

Auf der regionalen Vernetzungsebene arbeitete der

Projektnehmer eng mit den regionalen Herzenslustgruppen

im Ruhrgebiet zusammen. Im Ruhrgebiet wurden aus dieser

Vernetzung heraus Aktionen entwickelt, koordiniert und

durchgeführt, welche einen überregionalen Charakter

besaßen. Gerade bei größeren Events können die einzelnen

Herzenslustgruppen nur schwer alleine öffentlichkeitswirksame

Aktionen durchführen. So beteiligte sich das Team aus Duisburg

an dem CSD in Essen.

Auf der lokalen Ebene wurde mit verschiedenen Einrichtungen,

Vereinen und Selbsthilfegruppen kooperiert (wie z.B. mit DU-

Gay e.V. sowie dem Kriminalkommissariat Kriminalprävention /

Opferschutz der Polizei Duisburg).

AkDuLuS e.V. / DU-GAY e.V.

Der Projektnehmer hat an den regelmäßig stattfindenden

Arbeitskreisen des regional ansässigen schwul-lesbischen

Vereins und Selbsthilfegruppe „AkDuLuS e.V.“ und nach dessen

Auflösung an denen des neu gegründeten Vereins „DU-Gay

e.V.“ teilgenommen. DU-Gay e.V. zielt auf die Vernetzung der in

Duisburg und Umgebung ansässigen schwulen und lesbischen

Vereine und Gruppen, der gemeinsamen Präsentation im

Rahmen von Veranstaltungen wie der des Straßenfestes und

dem Angebot einer regelmäßigen Party. Die Kooperation ist

wertvoll, um schwules Selbstbewusstsein zu stärken, sichtbar zu

machen und Orte und Situationen der Begegnung zu schaffen.

Primärpräventive Aktionen auf der lokalen Ebene

Beratung und Test – Rastplatz Sommeraktion

In Kooperation mit der AIDS-Hilfe NRW e.V., dem Fachbereich

Gesundheitswesen des Kreises Wesel sowie mit der

Unterstützung des Kriminalkommissariats Kriminalprävention

/ Opferschutz des Polizeipräsidiums Duisburg wurde das

Projekt „Beratung und Test“ von dem Projektnehmer

umgesetzt.

Ziel der Beratung und Test-Rastplatz-Sommeraktion war die

niedrigschwellige Beratung von MSM (hier vor allem Männer,

die durch die bestehenden Beratungs- und Testangebote nicht

erreicht werden), intensiv vor Ort zu HIV-Übertragungsrisiken

und dem Schnelltestverfahren zu beraten und ggf. einen

Schnelltest anzubieten.

Konzeptionelle Ausarbeitung:

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. hat sich, nach drei

erfolgreichen Jahren entschieden, dieses Projekt weiterhin auf

einem Rastplatz im Kreis Wesel umzusetzen. Darüber hinaus

wurde nach Absprache mit dem zuständigen Arzt und den

ehrenamtlichen Mitarbeitern das Angebot um eine Syphilis-

Testung erweitert.

Die ausschlaggebenden Argumente waren:

- Die Beratung der Zielgruppe steht im Vordergrund der

Vor-Ort-Aktion.

- Die Testdurchführung soll durch einen Arzt des

Gesundheitsamtes vorgenommen werden (Aktive

Kooperation mit dem ÖGD).

- Die anvisierte Zielgruppe sind MSM, die anonym Sex mit

Männern auf dem Rastplatz haben. Durch ihre allgemeine

Lebensführung (viele leben in „herkömmlichen“

Familienstrukturen) bedingt, sehen diese jedoch keine

Möglichkeiten die schon bestehenden Beratungs- und

Testangebote von Gesundheitsämtern und AIDS-Hilfen

in Anspruch zu nehmen. Oder aber sie lehnen diese

bewusst ab. Darüber hinaus besteht bei einzelnen

sicherlich auch eine Unkenntnis über die spezifische

Infrastruktur sowie gelegentlich Defizite hinsichtlich

eines Risikobewusstseins.

- Reaktiv getestete Personen können sich durch Buddys

(geschulte HIV-positive schwule Männer) bis zum

Ergebnis des regulären HIV-Labortests begleiten lassen.

- Die Vor- und Nachteile des Schnelltestes werden

den Interessierten mitgeteilt. Die Entscheidung für

oder gegen den Test obliegt einzig und alleine dem

Ratsuchenden.

5.1.4 Projektarbeit auf der lokalen Ebene

Kooperation mit lokalen Einrichtungen/Selbsthilfegruppen

33


Zielgruppenspezifische Prävention

Die Umsetzung:

In dem Zeitraum Mai-September 2012 wurde die

„Rastplatzsommeraktion“ am 1. und 3. Mittwoch im Monat in

der Zeit von 18.00-21.00 Uhr umgesetzt.

Das Beratung und Test-Mobil wurde in einer Parkbucht des

Rastplatzes DONG an der A57 in Fahrtrichtung Nimwegen,

in der Nähe des Gehweges zu den Toiletten geparkt. Unter

der seitlich angebrachten Markise des Busses wurde ein Tisch

mit Kondomen und Informationsmaterialien aufgestellt. Um

Aufmerksamkeit zu erregen, wurden Fahnen (Tripols) mit dem

Logo von Herzenslust aufgestellt.

Fachliche Anleitung der lokalen Herzenslustgruppe

Duisburg/Kreis Wesel

Der Projektnehmer hat regelmäßig mit der Herzenslustteilzeitkraft

die inhaltliche Arbeit der lokalen Herzenslustgruppe erörtert

und bei Bedarf angeleitet. Neben der fachlichen Aufsicht des

lokalen Projektes Herzenslust wurden die ehrenamtlichen

Herzenslustmitarbeiter in den Bereichen HIV und andere

sexuell übertragbare Krankheiten ergänzend zum bestehenden

Schulungsangebot der AIDS-Hilfe NRW geschult.

Auf einem der Rastplatz-Sitzbänke in der Nähe des BuT-Mobils

saßen die Mitarbeiter des Projektes. Hier wurden für Gäste

Kaffee, Wasser und Kekse angeboten.

Zwei Mitarbeiter sprachen die Männer an und verteilten

Kondome sowie Visitenkarten mit einer Erklärung zum HIV- /

Syphilis- Schnelltestangebot.

Interessierte wurden zu den Mitarbeitern an der Sitzbank

weitergeleitet, wo sie einen anonymisierten Fragebogen zu

sexuellen Vorlieben, Risikosituationen etc. ausfüllen mussten.

Nach dem der Testwillige den Beratungsbogen ausgefüllt

hat, wurde ein Beratungsgespräch anhand des Fragebogens

im hinteren Teil des Beratung und Test-Mobils durchgeführt.

Hier wurde explizit auf die Vor- und Nachteile des HIV-

Schnelltestverfahrens sowie der Syphilistestung hingewiesen.

Nach einer ausführlichen Beratung und der Entscheidung des

Ratsuchenden wurde er ggf. zum Arzt in den vorderen Teil

des Beratung und Test-Mobils weiter verwiesen. Nach einem

Gespräch mit dem Arzt wurde(n) dann der Test bzw. die

Tests durchgeführt. Das ganze Verfahren dauert ca. 1 Stunde

(vom Zeitpunkt der Ansprache, Ausfüllen des Fragebogens,

Beratungsgespräch, Testdurchführung bis hin zum Testergebnis).

CSD Duisburg

Erstmals übernahm der Verein DU-Gay die Planung des

Straßenfestes. Der Projektnehmer, sowie Mitarbeiter des

Duisburger Herzenslust Projektes, beteiligten sich an dem

Planungsprozess ebenso, wie an der Umsetzung.

Neben verschiedenen lokalen schwul-lesbischen

Selbsthilfegruppen, Parteien und Interessenvereinen, die sich auf

dem Fest präsentieren konnten, gab es Getränke- und Essstände

sowie eine Bühne mit einem Show-Programm.

Der Projektnehmer hat sich hauptsächlich um die Koordinierung

der ehrenamtlichen Mitarbeiter beim Einsatz am Herzenslust-

Infostand nebst Quiz, die regelmäßigen Vorbereitungstreffen der

externen Kooperationspartner sowie um den Auf- und Abbau

beim Straßenfest gekümmert. Das Quiz wurde im Rahmen der

Kooperation mit der Bundesweiten Kampagne „IWWIT – Ich

weiß was ich tu“ angeboten und lehnte an Fernsehformate wie

Jeopardy an. Fragen rund um sexuelle Gesundheit, schwules

Leben und schwule Sexualität wurden bis zu drei Teilnehmenden

gestellt und deren Antworten bewertet, die Sieger erhielten

kleine Preise. An dem Quiz nahm u. a. der Oberbürgermeister

der Stadt Duisburg, Sören Link, mit Vergnügen teil.

In Duisburg wurde erneut das Motto „Sexmechanics“ durch

Herzenslust aufgegriffen und durch direkte Ansprache am Stand

und beim Gang über das Straßenfest mit dessen Besuchern

eingebunden. So war eine niedrigschwellige Ansprache und

Vermittlung von Präventionsinhalten möglich. Außerdem konnte

ein lebendiges und vielfältiges Bild schwulen Lebens gezeigt

werden.

Das Beratungs und Test-Team war ebenfalls samt Mobil vor Ort

und Gewährte Einblick in die Arbeitsweise mit dem Mobil und

beantwortete Fragen zum Geschehen rund um die Beratung.

Veranstaltungen

Der Projektnehmer hat Vor-Ort-Aktionen in der schwulen

Szene und Örtlichkeiten, wo Männer Sex mit Männern haben,

zum Teil mit lokalen Kooperationspartnern, durchgeführt.

Streetwork

Der Projektnehmer hat durch die regelmäßige Vor-Ort-Arbeit

und seine Anwesenheit in der Szene, HIV-positive Männer

erreicht und unterstützt diese im Rahmen der psycho-sozialen

Begleitung. Durch dieses niedrigschwellige und anonyme

Angebot konnten Männer erreicht werden, die sich durch

eigenen Antrieb nicht an eine Hilfs-Organisation wie die AIDS-

Hilfe, gewendet hätten.

5.1.4.1 Die Herzenslustgruppe Duisburg / Kreis Wesel

Der Projektnehmer für den Bereich MSM hat regelmäßig mit

der Herzenslustteilzeitkraft die inhaltliche Arbeit der lokalen

Herzenslustgruppe erörtert und bei Bedarf angeleitet. Neben

der fachlichen Aufsicht des lokalen Projektes Herzenslust

wurden die ehrenamtlichen Herzenslustmitarbeiter in den

Bereichen HIV und anderen sexuell übertragbare Krankheiten

ergänzend zum bestehenden Schulungsangebot der AIDS-Hilfe

NRW, qualifiziert.

Das Herzenslustteam hat im Jahr 2012 wie in den

vorangegangenen Jahren zielgruppenspezifische Prävention im

Bereich schwule und bisexuelle Männer sowie Männer, die Sex

mit Männern haben entwickelt und durchgeführt. Hierbei ist

die konstante Begleitung der umgesetzten Präventionsaktionen

sowie die Begleitung der lokalen Herzenslustgruppen durch

die aus Eigenmitteln der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

finanzierte Teilzeitkraft von sehr hohem Stellenwert.

34


Durch die Teilzeitkraft wurden folgende Aufgaben erfüllt:

- Fachliche Begleitung der ehrenamtlichen Herzenslustmitarbeiter

Die Teilzeitkraft sowie punktuell der Projektnehmer waren

bei den primärpräventiven Vor-Ort-Aktionen von Herzenslust

anwesend. So konnten Ratsuchende bei Bedarf von den

ehrenamtlichen Mitarbeitern des Herzenslustteams an die

hauptamtlichen Mitarbeiter weiter verwiesen werden.

- Begleitung der wöchentlichen Gruppentreffen des

Herzenslustteams

Durch die regelmäßigen Gruppentreffen, die durch die

Teilzeitkraft angeleitet wurden, wurde die beständige

ehrenamtliche Herzenslustarbeit sichergestellt. Neben diesem

Aspekt wurden mit dem Herzenslustteam Veranstaltungen

abgesprochen und deren Umsetzung diskutiert und konzipiert.

- Die Pflege und Aktualisierung der Herzenslusthomepage (www.

herzenslustteam-du.de) war ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt

der Teilzeitkraft, da sich viele schwule Männer vorwiegend über

das Internet Informationen zu HIV, STD´s und Angeboten in der

schwulen Community beschaffen.

Auf der lokalen Ebene wurden folgende primärpräventive

Aktionen in Duisburg durchgeführt:

Das Präventionsteam Herzenslust hat regelmäßig Aktionen auf

der schwul-lesbischen Party „Warm-Up“ bzw. „RadioActive“ und

im späteren Verlauf des Jahres auch auf der Party „Euphoria“ zum

CSD in Duisburg durchgeführt. Neben Informationsständen und

Walking-acts wurden mehrere größere Aktionen durchgeführt.

Hier einige Beispiele von Aktionen:

CSD

Unter dem Motto „sexmechanics“ wurde eine Aktion umgesetzt,

die in Kooperation der Herzenslustteams in NRW für die

diesjährigen CSDs im Lande entwickelt wurde. Broschüren mit

Motto, typischen Formulierungen und Bebilderungen wurden

mit Cruisingpacks in eigens dafür gefertigten Paketen an Gäste

verteilt. Die Herzenslustmitarbeiter bekamen T-Shirts, Mützen

und Overalls, die passend zu dem Motto des KFZ-Mechanikers

gestaltet waren. Als besonderes Angebot wurde das IWWIT-

Quiz veranstaltet. In diesem „Buzzer-Quiz“ der Kampagne „Ich

weiß was ich tu“ wurden Fragen zu schwulen Lebenswelten und

zu STIs und HIV gestellt.

5.1.5 Projektkritik / Projektausblick

Das Projekt der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. setzte

die strukturelle Prävention im Arbeitsbereich homosexuelle

und bisexuelle Männer sowie MSM auf den unterschiedlichen

Ebenen (Landes-, regionale- und lokale Ebene) um.

Die Arbeit konnte auf den jeweiligen Ebenen mit verschiedenen

Aspekten und Zielsetzungen ausdifferenziert und mit

angemessenen Methoden verfolgt werden. Die im Projektantrag

formulierten Ziele wurden realisiert und innovative Aktionen /

Projektideen umgesetzt.

Mittels der Kampagne „Herzenslust“ konnte der Projektnehmer

ressourcenorientiert und zeitsparend seine Projektziele

umsetzen. Die Unterstützung und Wirkung der Kampagne zeigte

sich zum einen durch die professionelle Öffentlichkeitsarbeit

der AIDS-Hilfe NRW (Homepage der Kampagne Herzenslust

mit der Verlinkung zu den regionalen Herzenslusthomepages,

Bewerbung der Kampagne durch schwule Medien) und durch

den fachlichen Austausch bei den landesweiten Arbeitskreisen.

Ebenso sind die zentral eingekauften Give-aways für eine

professionelle Außendarstellung in der Vor-Ort-Arbeit

unabkömmlich (z.B. Cruisingpacks in einer Herzenslust-

Umverpackung).

Um eine kontinuierliche und nachhaltige Präventionsarbeit

in dem Bereich homosexuelle und bisexuelle Männer sowie

MSM gewährleisten zu können, müssen immer wieder neue

Präventionsstrategien entwickelt und umgesetzt werden, damit

die Präventionsbotschaften die Zielgruppe erreichen. Ein gutes

Beispiel hierfür ist das auf der überregionalen Ebene entwickelte

Pilotprojekt „Beratung und Test“, welches erfolgreich umgesetzt

wurde.

Ein großer Dank gilt den ehrenamtlichen Mitarbeitern der AIDS-

Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. (vor allem die große Resonanz

bei dem Straßenfest und die kontinuierliche Begleitung von

dem Projekt „Beratung und Test“) ohne deren Engagement

das Projekt „HIV-Prävention für homosexuelle und bisexuelle

Männer sowie MSM“ nicht in diesem Umfang hätte realisiert

werden können.

WAT

Zum Welt-AIDS-Tag wurde in der schwulen Kneipe Harlekin in

Duisburg das IWWIT-Quiz erneut umgesetzt.

Weitere Aktionen auf lokaler Ebene waren:

- Szenerundgänge

Regelmäßig führte das Herzenslustteam Duisburg / Kreis

Wesel einen Rundgang durch die Duisburger Szene durch. Ziel

der Rundgänge war die Kontaktpflege mit den Szenewirten,

Verteilung von Informationsmaterialien zu HIV und andere STIs

in den Lokalen sowie die Befüllung des Kondomautomaten.

- Rastplätze

In regelmäßigen Abständen wurden Aktionen auf Rastplätzen im

Kreis Wesel durchgeführt, wo Männer Sex mit Männern haben.

Hier wurden Informationsmaterialien und Kondompackungen

auf einem Informationsstand den Besuchern angeboten. Da

viele der dort verkehrenden Männer sich nicht eindeutig

als schwul oder bisexuell definieren, wurde auf allgemeine

Informationsbroschüren der DAH / BZgA zurückgegriffen.

35


Zielgruppenspezifische Prävention

5.2 Drogen und Substitution

Im Bereich Drogen haben wir im Jahr 2012 unsere Angebote

fortgeführt. Erfreulich ist, dass sich durch die Kontakte des

Streetworks eine JES-Gruppe gebildet hat, deren Stabilität sich

in Zukunft hoffentlich noch festigen wird. Mit JES Duisburg haben

wir gemeinsam den nationalen Gedenktag für verstorbene

Drogenbraucherinnen und Drogengebraucher erfolgreich geplant,

vorbereitet und durchgeführt.

Des Weiteren nahmen Substituierte und aktuelle konsumierende

Menschen an einem Beitrag für WDR Lokalzeit Duisburg teil,

in dem auf die Schwierigkeiten bei Suche nach neuen Räumlichkeiten

für die AIDS-Hilfe aufmerksam gemacht wurde.

Da die Substitution an Wochenenden und Feiertagen in der

AIDS-Hilfe durchgeführt wird, erschwerte sich die Suche nach

einer neuen Bleibe erheblich. Hier sind wir mehr Vorbehalten

begegnet, als wir uns das vorgestellt haben.

Im Juni des Jahres 2012 tauchte in Deutschland mit Anthrax

versetztes Heroin auf. Hierüber haben wir den Konsumenten

beim Streetwork und in der Wochenendsubstitution informiert,

in Duisburg ist dieses verunreinigte Heroin letztendlich nicht

angekommen.

5.2.1.2 Suchtprävention bei Partydrogen

@drugthive

Mit unserem Projekt @drugthive haben wir im September am

Infotag Sucht an beiden Standorten des Berufskollegs Dinslaken

teilgenommen. Das Projekt lief über zwei Tage und es gab verschiedene

Angebote u a. von Krankenkassen und der Drogenberatung

Dinslaken. Wir haben einen Tisch entsprechend unserem

Angebot bei Partys aufgebaut und hatten Fragen aus den Bereichen

Partydrogen und HIV/AIDS. Die SchülerInnen, die Fragen

beantwortet hatten, erhielten ein Package mit einem Kartensatz

zu Drogen/Partydrogen oder dem heutigen Wissensstand zu

HIV/AIDS von der DAH und zusätzlich dazu jeweils ein Kondom,

ein Vitaminbonbon und Ohrstöpsel. Der Stand wurde sehr

gut frequentiert so dass wir ca. 280 SchülerInnen an beiden Tagen

erreichten.

Weitere Aktionen führten wir aus Kapazitätsgründen und mangels

vorhandener Orte nicht durch.

5.2.1 Primär- und Sekundärprävention

5.2.1.1 Spritzenaustauschprogramm

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel nimmt weiterhin mit den

von ihr betreuten Spritzenautomaten am Projekt der AIDS-Hilfe

NRW e. V. teil. Die Standorte befanden sich in Wesel und

Duisburg-Hochfeld. Die Spritzenautomaten werden je nach

Frequentierung von uns regelmäßig in ein- bis zweiwöchigem

Rhythmus neu bestückt.

5.2.2 Substitution

5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe

Auch im Jahre 2012 haben wir über das komplette Jahr an allen

Sams-, Sonn- und Feiertagen die Vergabe von Methadon in der

AIDS-Hilfe in Duisburg durchgeführt. Die Anzahl der Substituierten

lag im Durchschnitt bei 88 Personen, wobei die geringste

Teilnehmerzahl 51 und die höchste Klientenzahl 133 betrug, die

die Vergabe besuchten. Hier ist jedoch zu vermerken, dass die

Durchschnittszahl in den ersten Monaten des Jahres bei 73 lag

und bis zum Ende des Jahres auf durchschnittlich 106 Klienten

angestiegen ist. Die Vergabezeit beträgt 1,5 Stunden. Weiterhin

wird die Vergabe von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter und

einem Arzt durchgeführt. Zur Vergabe entsenden insgesamt sieben

Ärzte ihre Patienten, die Vergabe in der AIDS-Hilfe führen

fünf Ärzte durch.

Die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten und unseren ehrenamtlichen

MitarbeiterInnen, den Apotheken und der Polizei

verlief weiterhin reibungslos. An dieser Stelle einen Dank an die

ehrenamtlichen MitarbeiterInnen für ihr Engagement und ihre

Mithilfe.

Bei jeder Vergabe wird für die Substituierten Kaffee angeboten

und am letzten Sonntag im Monat wurde weiterhin ehrenamtlich

ein Frühstück für die Substituierten organisiert. So besteht

die Möglichkeit, sich über Sorgen und Nöte auszutauschen. Unser

Dank gilt den ehrenamtlichen Mitarbeitern, die die Vergabe

begleiteten.

Obwohl die Drogenberatung sich nicht mehr im selben Haus

mit der AIDS-Hilfe befindet, wird dieser Automat gut angenommen

und genutzt.

Weitere Spritzenautomaten wurden von uns im Jahr 2012 nicht

betrieben.

5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter (PSB)

Die psychosoziale Begleitung von HIV-Positiven / an AIDS erkrankten

Substituierten ist ein weiterer Bestandteil der Drogenarbeit

innerhalb der AIDS-Hilfe.

Im Vordergrund der PSB steht die Stabilisierung der Klienten,

die in ihrer Lebenssituation gestärkt und unterstützt werden.

36


Die Zielsetzung der PSB erfolgt dabei im Wesentlichen nach den

Bedürfnissen der Klienten. Das bedeutet in erster Linie, dass

das subjektive Wohlbefinden der jeweiligen Person und die Lebensverhältnisse

verbessert werden sollen. Entsprechend dieser

Zielsetzung steht bei einigen Substituierten die Verbesserung

des Gesundheitsstatus im Mittelpunkt, während bei anderen die

Sicherung der materiellen Grundversorgung oder der Aufbau

sozialer Netze im Vordergrund stehen kann.

Dies kann in medizinischer Hinsicht bedeuten, dass wir in eine

Substitution vermitteln. Da es sich hier nur um wenige Einzelfälle

handelt und wir gute Kontakte zu den substituierenden Ärzten

pflegen, gelingt dies in der Regel problemlos. Des Weiteren

stellen wir den Kontakt zu HIV-Schwerpunkt-Ärzten her und

unterstützen die DrogengebraucherInnen, die zum Teil starke

Berührungsängste mit Ärzten dieser Fachrichtung haben, sich in

eine adäquate Behandlung zu begeben. Es ist jedoch schwierig,

neue Klienten in ein relativ schematisches Korsett zu bringen,

welches für eine HIV Behandlung notwendig ist (regelmäßige

Überwachung der HIV/AIDS-Parameter, regelmäßige Tabletteneinnahme,

Compliance/Adhärenz).

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Hepatitis–C-Beratung,

da in den meisten Fällen bisher die Hepatitis-Behandlung bei

DrogengebraucherInnen nicht durchgeführt wurde und die Behandlung

auch bei den Betroffenen große Ängste auslöst. Da

gerade im Bereich Hepatitis-C-Behandlung neue Medikamente

zur Verfügung stehen, gilt es für uns, die Begleiteten entsprechend

zu beraten.

Im Rahmen der PSB ist es für uns wichtig, die Ressourcen der

Begleiteten zu wecken. Durch die eigene Bewältigung von Problemen

und Aufgaben erfahren sie eine Stärkung ihres Selbstwertgefühles.

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten DrogengebraucherInnen

Im Berichtsjahr führten wir das Streetwork auf der „Platte“ mit

Ausnahme von Urlaub und Krankheit wöchentlich durch, wobei

es sich hierbei um das einzige derartige Angebot in Duisburg

handelt. Neben einer kleinen Szene auf der Königstraße trifft

sich der größte Teil der drogengebrauchenden Menschen im

Kantpark.

regelmäßig, aber zeitweilig auch nur spontan. Einer der Teilnehmer

des Seminares hat sich aus der Gruppe zurückgezogen,

da er aufgrund seines Konsums eine kontinuierliche Stabilität

nicht aufrechterhalten konnte. Ein weiterer Seminar-Teilnehmer

musste zwischenzeitlich eine Haftstrafe verbüßen. Es kamen

zwei neue Interessierte zur Gruppe dazu. Zusammenfassend

gesehen war JES Duisburg im Berichtsjahr in der Findungsphase,

kann aber mit einigen Aktivitäten aufwarten. So wurde zum

Gedenktag für verstorbene DorgengebraucherInnen eine erfolgreiche

gemeinsame Aktion mit der AIDS-Hilfe durchgeführt

(siehe unten) und auch zu den Beschwerden von Anwohnern

des Kantparks konnte JES mit einbezogen werden.

Ein Teil des Streetworks beinhaltet sekundärpräventive Arbeit,

da auf der Platte auch einige HIV-Infizierte Drogengebraucher

bzw. Subsituierte erreicht werden, die ansonsten die AIDS-Hilfe

selten aufsuchen.

Am 01.10. haben wir zusammen mit JES zum Pressegespräch

geladen, da in der Presse die Zustände im Kantpark in der Innenstadt

bemängelt wurden.

Zum Pressegespräch kamen alle in Duisburg vertretenen Medien,

Studio 47 lud uns als Studiogast ein. Hier konnten wir

verdeutlichen, dass es im niedrigschwelligen Drogenbereich in

Duisburg kein Angebot gibt und die Szene aus der Innenstadt in

den Kantpark vertrieben wurde.

Unsere Forderung, der Szene einen Ort zu geben, an dem sie

sich treffen kann, wurde von der Stadt Duisburg nicht thematisiert.

Die Stadt Duisburg richtete den Focus auf die Einrichtung

eines Druckraumes, der mit 500.000 Euro jährlich für die Stadt

jedoch nicht finanzierbar sei.

Letztendlich wurde ein Runder Tisch unter Moderation von

Stadtdirektor Dr. Peter Greulich initiiert, an dem die verschiedensten

Institutionen teilnahmen wie Ordnungsamt, Polizei,

Wirtschaftsbetriebe Duisburg, Anwohner, die AIDS-Initiative

Bonn, die AIDS-Hilfe Duisburg und JES Duisburg. Es kam zu einem

guten Austausch mit den Anwohnern, die auch die Anliegen

der drogengebrauchenden Menschen mehrheitlich akzeptieren

konnten, aber rumliegende Spritzen im Park beklagten. Hier

soll versucht werden, Abhilfe zu schaffen, in dem JES Duisburg

Spritzen tauscht und auch den Park nach gebrauchten Spritzen

durchsucht. Ein Ergebnis war auch, dass der Spritzenautomat

der AIDS-Hilfe am neuen Standort Bismarckstr. aufgehängt werden

kann.

Das Frühstück für DrogengebraucherInnen und Interessierte

fand in der AIDS-Hilfe im Berichtsjahr achtmal statt. Falls der

letzte Freitag im Monat der Zahltag ist, wird dieses Frühstück

einen Freitag früher durchgeführt. Im Juli und August fand eine

Sommerpause statt. Das Frühstück wird überwiegend von zwei

ehrenamtlichen Mitarbeitern vorbereitet und mit Lebensmittelspenden

vom Verein „Bürger für Bürger“ unterstützt. Hierfür

sagen wir recht herzlichen Dank. Das Frühstücksangebot wurde

unterschiedlich frequentiert. Die höchste Besucherzahl lag bei

16, bei einem Frühstück kamen nur zwei Interessenten. Woran

es liegt, dass der Zustrom so unterschiedlich ist, ist nicht offenkundig.

Beim Streetwork werden Spritzen, Kondome und Care Sets verteilt,

Fragen zu HIV/AIDS und Hepatitiden beantwortet. Auch

die Warnmeldung zu Anthrax wurde den Drogengebrauchern

zugänglich gemacht. Die vertrauensvolle Basis hat sich verfestigt.

Aus dem Streetwork heraus entwickelte sich eine JES-Gruppe.

JES bedeutet: Junkies, Ehemalige und Subsituierte und ist eine

Drogenselbsthilfeeinrichtung, die landes- und bundesweit vernetzt

ist (siehe auch www.jes-bundesverband.de). Zwei Männer

und eine Frau besuchten Anfang des Jahres das Einsteiger-Seminar

für JES-Interessierte der Deutschen AIDS-Hilfe in Berlin.

Die JES-Gruppe traf sich im Verlauf des Jahres 2012 teilweise

37


Zielgruppenspezifische Prävention

5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen“

am 21. Juli

Unsere Presseerklärung in diesem Jahr lautete wie folgt:

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. gedenkt in Kooperation

mit JES Duisburg anlässlich des 21. Juli – dem

nationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebraucherinnen

und Drogengebraucher – der in Duisburg im

Jahr 2011 an Drogen Verstorbenen

Erfreulicherweise sank die Zahl der verstorbenen DrogengebraucherInnen

im Jahr 2011 landes- und bundesweit, in Duisburg

blieb die Zahl der verstorbenen DrogengebraucherInnen

bei 7.

Drogentote 2009-2011

Aufgrund dieser Einsichten will Uruguay als erste Nation Lateinamerikas

zunächst Marihuana legalisieren und unter staatlicher

Aufsicht verkaufen. Die Steuereinnahmen sollen in Aufklärung

und Suchtbehandlung investiert werden.

Die akzeptierenden Eltern gehen davon aus, dass auch in

Deutschland bei einem kontrollierten Verkauf in Drogenfachgeschäften

oder Apotheken, überwacht von Lebensmittelrecht

und Reinheitsgebot, unter strengster Berücksichtigung von Jugend-

und Kinderschutz dies folgende Auswirkungen haben

würde:

• Weniger drogenbedingte Todesfälle durch gesetzliche

Qualitätskontrolle und –sicherung

• Eine Reduktion gesundheitlicher Schädigungen durch

Strecksubstanzen und Illegalität

• Weniger Korruption durch Drogengeld, somit weniger

Unterwanderung unserer Demokratie

• Eine deutliche Kostenreduzierung bei Polizei und Justiz

• Weniger Folgeerkrankungen wie HIV und Hepatitis C

In diesem Jahr begehen die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.

V. und JES Duisburg den Gedenktag, für den Dr. Gregor Gysi,

Die Linke, die Schirmherrschaft übernommen hat, in Kooperation.

Nachdem es in Duisburg längere Zeit keine JES-Aktivitäten

gegeben hat, haben sich Aktivisten, die an der JES-Arbeit interessiert

sind, zunächst in einem lockeren Verbund zusammen

gefunden.

„Leider ist die Zahl der verstorbenen DrogengebraucherInnen

in Duisburg nicht zurück gegegangen,“ vermerkt ‚Ralf Runniger,

hauptamtlicher Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel

e. V., „und auch sonst hat sich in Duisburg im Drogenbereich

nichts zum Positiven verändert,“ fährt er fort.

Ganz im Gegenteil: Obwohl die AIDS-Hilfe die einzige Einrichtung

ist, die ein regelmäßiges Streetworkangebot vorhält, will

die Stadt Duisburg die hierfür notwendigen Utensilien (saubere

Spritzen und Alkoholtupfer) nicht mehr zur Verfügung stellen.

„Wir hoffen, dass wir nicht aufgrund fehlenden Geldes Zustände

wie in Griechenland bekommen“, führt Ralf Runniger weiter aus.

„Dort steigen die Infektionszahlen mit HIV- und Hepatitiden bei

drogengebrauchenden Menschen stark an, weil die Gelder für

die Präventionsarbeit fehlen“, fährt Ralf Runniger weiter fort.

Die AIDS-Hilfe ist hier noch in Verhandlung mit der Stadt Duisburg.

• Weniger beschädigte Biografien durch Kriminalisierung

und Haft wegen Drogendelikten

• Eine deutlich Abnahme der Beschaffungskriminalität

und -prostitution

• Zusätzliche Einnahmen durch Besteuerung.

Diesen Ausführungen schließen sich die AIDS-Hilfe Duisburg/

Kreis Wesel e. V. und JES Duisburg an und laden am Samstag,

den 21.07.2012 von 11 bis 16 Uhr an ihren Infostand auf der

Königstraße in Höhe des Haupteinganges zum Forum ein. Hier

wird den sieben verstorbenen DrogengebraucherInnen mit

Kreuzen und Kerzen gedacht. Es werden an die Passanten weiße

Rosen verteilt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen

zu drogenpolitischen Fragen gerne zur Diskussion bereit.

Die AIDS-Hilfe fordert für die drogengebrauchenden Menschen

in Duisburg die Möglichkeit einer niedrigschwelligen Anlaufstelle,

die in Selbsthilfe von JES geführt werden könnte. Hierfür wären

jedoch Räumlichkeiten von Nöten.

Das Motto des diesjährigen Gedenktages lautet: Drogenlegalisierung

= Kontrolle und wurde vom Bundesverband der Eltern

und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit gesetzt.

Generell sind in der Illegalisierung der Drogen die meisten

Probleme begründet. Erfahrungsgemäß lassen sich Menschen

durch Drogenverbote nicht vom Konsum illegaler Substanzen

abhalten. So führt der Schwarzmarkt durch verunreinigte Substanzen

zu den gesundheitlichen Schäden und die überteuerten

Schwarzmarktpreise münden in der Beschaffungskriminalität.

Repression und Strafverfolgung verschlingen Steuergelder, die

an anderer Stelle dringend benötigt werden.

Vier Jahrzehnte dauert der Krieg gegen die Drogen schon und

in Mexiko sind 60.000 Menschen dem Krieg gegen die Drogenbanden

zum Opfer gefallen. Aber statt Drogenkartelle zu zerschlagen,

werden diese immer mächtiger und wachsen weiter.

Sie erschießen, enthaupten, entführen, erpressen und bestechen.

Am 21.07. führten wir dann die gemeinsame Aktion mit fünf

JESlern durch.

Es gab einen Infostand direkt vor dem Haupteingang des größten

Duisburger Einkaufszentrums und am Rande des Bauernmarktes.

Wir stellten sieben Kreuze für die im Jahr 2011 verstorbenen

DrogengebraucherInnen auf und formten zusätzlich mit

Kerzen die Zahl sieben. Es wurden weiße Rosen an die Passan-

38


tinnen und Passanten verteilt und gleichzeitig ein Folder überreicht.

In diesem Folder befanden sich die Presseerklärung der

AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V., die Presseerklärung der

akzeptierenden Eltern, ein Artikel aus der Süddeutschen Zeitung

zur Legalisierung von Drogen in Uruguay, der bundesweite JES-

Flyer und Infos zur JES-Gruppe in Duisburg.

Durch die gemeinsame Aktion wurde 250 Passanten erreicht

und mit ihnen teilweise intensiv über Legalisierung von Substanzen

und deren positive Folgen diskutiert. Des Weiteren war es

ein gute Möglichkeit für JES, auf ihre Arbeit und die neu gegründete

Gruppe aufmerksam zu machen.

Weiterhin konnte der Sachverhalt transportiert werden, dass

die Stadt Duisburg keine kostenlosen Spritzen und Alkoholtupfer

für das Streetwork mehr zur Verfügung stellen will.

Es gab über den Tag verteilt Ankündigungen für den Infostand

bei Radio Duisburg

Ralf Runniger (3. V. re. mit „seinem“ JES-Team)

5.2.5 Teilnahme an Arbeitskreisen

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ist durch den

hauptamtlichen Mitarbeiter für den vorgenannten Bereich in

dem Arbeitskreis Suchtmedizin (Qualitätszirkel der substituierenden

Ärzte) und an der PSAG Basisarbeitsgruppe „Suchtkrankenhilfe“

vertreten.

5.2.6 Teilnahme an JES-Mitgliederversammlung

Der Mitarbeiter für den Drogenbereich hat an der Mitgliederversammlung

von JES NRW teilgenommen. Hier bieten sich

wichtige Kontakte für die Vor-Ort-Arbeit mit aktiven JESlern

und ein interessanter Austausch für den Arbeitsbereich ist möglich.

Auf der MV 2012 ist der Mitarbeiter in den Vorstand von

JES NRW gewählt worden. Somit besteht eine noch engere Verbindung

zur Drogenselbsthilfe, so dass auch der partizipative

Ansatz in diesem Bereich von uns umgesetzt werden kann.

39


Zielgruppenspezifische Prävention

5.3 HIV und Strafvollzug

5.3.2 Überregionale Aktivitäten

Teilnahme an Arbeitskreisen

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig an dem

Landesarbeitskreis „Drogen und Haft“ der AIDS-Hilfe NRW e.V.

teilgenommen. Durch den regelmäßig stattfindenden fachlichen

Austausch wurde die Arbeit kontinuierlich modifiziert,

einheitliche Standards erarbeitet und somit die lokale Arbeit

weiter professionalisiert.

Der hauptamtliche Mitarbeiter nahm im Rahmen der

landesweiten Vernetzung an verschiedenen Arbeitskreisen und

Tagungen teil.

Seit mehreren Jahren ist der hauptamtliche Mitarbeiter

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. Sprecher des

Landesarbeitskreises Drogen und Haft. Mit dieser Tätigkeit ist

ein erhöhter zeitlicher Aufwand verbunden, da die Funktion des

Sprechers unter anderem die regelmäßige Absprache mit der

zuständigen

Mitarbeiterin der Landesgeschäftsstelle zu

Themenschwerpunkten für Landesarbeitskreise „Drogen und

Haft“ sowie die Vertretung bei landesweiten Gremien beinhaltet.

Das Angebot der „Strukturellen HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ wurde auch 2012 durch die AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel e.V. auf der lokalen und landesweiten

Ebene umgesetzt. Auf der landesweiten Ebene erfolgte die Arbeit

ausschließlich in Vernetzung und Kooperation mit Institutionen,

die im Bereich „HIV und Strafvollzug“ tätig sind (wie z.B. bei

dem Landesarbeitskreis Drogen und Haft der AIDS-Hilfe NRW

e.V.).

Auf der lokalen Ebene wurde mit den vorhandenen

Untersuchungshaftanstalten, dem offenen Vollzug sowie den

Gerichten und Staatsanwaltschaften der Region kooperiert, um

die Präventionsarbeit für Bedienstete und Inhaftierte im Bereich

Strafvollzug zu platzieren. Ziel war die Wissensvermittlung von

Übertragungswegen und Schutzmöglichkeiten im Themenfeld

STD´s, vor allem im Hinblick auf HIV und die Hepatitiden.

Weitere Arbeitsschwerpunkte waren die Begleitung HIVpositiver

Inhaftierter sowie die Einzelberatung von Inhaftierten

im Rahmen von Sprechstunden.

5.3.1 Einführung

Die Arbeit in den Untersuchungshaftanstalten wurde, den

Gegebenheiten des Vollzugsalltages angepasst, umgesetzt.

Hierbei ist eine beständige und regelmäßige Arbeit unabdingbar,

da der Vollzug eher durch einen strukturierten Alltag und durch

ein hohes Maß an Regelmäßigkeit geprägt ist.

Die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V.

im Sektor Strafvollzug wurde erfreulicherweise weiterhin über

das Justizministerium NRW zum Teil refinanziert. Wir sehen dies

als ein Zeichen, dass unser Ansatz über die Region Duisburg

hinaus anerkannt und gewürdigt wird.

Informationsveranstaltungen

In Kooperation mit der AIDS-Hilfe NRW e.V. hat der

Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. in der

Justizvollzugsschule NRW eine Informationsveranstaltung zum

Thema „Mitarbeiterprophylaxe zu HIV und Hepatitiden“ mit

Justizvollzugs-Anwärtern durchgeführt.

Teilnahme an Konferenzen

Bei der 6. Europäischen Konferenz zur Gesundheitsförderung in

Haft (vom 03.02.2012 bis 05.02.2012 in Genf) hat die AIDS-Hilfe

Duisurg / Kreis Wesel e.V. in Kooperation mit der Deutschen

AIDS-Hilfe e.V. einen Workshop angeboten.

Hier ein kurzer Überblick über die Inhalte sowie den Ergebnissen:

Der Workshop wurde unter dem Titel „Bruch der

ärztlichen Schweigepflicht und Infektionskrankheiten: Ihre

psychosozialen (Aus-) Wirkungen auf Mitarbeiter/innen der

Justizvollzugsanstalten und Inhaftierte“ durchgeführt.

Moderation, Referat und Protokoll: Rüdiger Wächter (AIDS-

Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V.), Bärbel Knorr (DAH) und

Magdalena Kramer (JVA Duisburg)

Anzahl Teilnehmer/innen: Die Arbeitsgruppe erfreute sich

eines wesentlich höheren Interesses als von den Veranstaltern

gedacht, es nahmen ca. 25 Personen an der AG teil, weitere

Personen fanden im Raum leider keinen Platz mehr und

mussten vertröstet werden.

Der erste Teil des Worshops wurde von Bärbel Knorr

durchgeführt:

In Nordrhein-Westfalen (NRW) galt bis Mitte Januar 2012

eine Regelung zum „Zwangsouting“ HIV-positiver Gefangener

gegenüber ihren Mitgefangenen, wenn sie mit diesen einen

„Umschluss“ praktizieren wollten (stundenweise Aufenthalt

in der Zelle des anderen Gefangenen zur gemeinsamen

Freizeitgestaltung). Diese Regelung stammte noch aus den 80er

Jahren, als es noch viel Unsicherheit im Umgang mit HIV und

HIV-positiven Menschen gab. Diese Praxis wurde im letzten Jahr

lebhaft diskutiert und von den Aidshilfen in NRW kritisiert. In

diesem Zusammenhang stellte sich natürlich auch die Frage,

wie denn die Bediensteten wissen können, wer infiziert ist und

wer nicht, um die o.g. Regelung überhaupt durchzusetzen. Es

zeigte sich, dass in einigen Justizvollzugsanstalten entsprechende

Vermerke im EDV-System gespeichert sind, die für alle

Mitarbeiter/innen einsehbar sind. Für die DAH stellte sich dieser

Umstand als „Bruch der ärztlichen Schweigepflicht“ dar, da ihrer

Ansicht nach die Gefangenen vorab nicht aufgeklärt werden, dass

ihre gesundheitsbezogenen Daten über Infektionskrankheiten

nicht beim Medizinischen Dienst der JVA verbleiben, sondern

den Bediensteten der JVA zugänglich gemacht werden.

Die DAH schrieb im Februar 2011 alle Datenschutzbeauftragten

der Bundesländer an und fragte sie nach der Praxis in ihrem

40


Bundesland.

Zusammenfassung der Befragung:

Keine Datenweitergabe:

• Berlin

• Bremen

• Rheinland-Pfalz

• Sachsen-Anhalt

• Niedersachsen (seit Mai 2011)

• Nordrhein-Westfalen (seit Januar 2012)

• Mecklenburg-Vorpommern (seit Februar 2012)

Eigentlich keine Datenweitergabe:

• Hamburg (fraglicher Umgang bei Homosexuellen)

• Saarland (eigentlich seit 1992 keine

Informationsweitergabe, aber Ausnahmen)

Anstaltsarzt informiert Anstaltsleitung…

• Sachsen (im nicht näher definierten Einzelfall, dann

auch im EDV-System und auf der Gefangenenakte/

„infektiös“)

• Schleswig-Holstein (im nicht näher definierten

Einzelfall)

Anstaltsarzt informiert Anstaltsleitung… und Eintrag

im EDV-System

• Bayern

• Baden-Württemberg

• Hessen

• Thüringen

Der zweite Teil des Workshops wurde von Rüdiger Wächter

unter dem Titel: „Infektionskrankheiten – ihre psychosoziale

(Aus-) Wirkungen auf Mitarbeiter/innen und Inhaftierte der

Justizvollzugsanstalten“ durchgeführt.

Ziel dieses Workshops war die Erarbeitung eines

Handlungsplanes zur Reduzierung von angstbesetzten und mit

unter tabuisierten Haltungen und Wahrnehmungen im Umgang

mit Infektionskrankheiten in Haft.

Bei den Infektionskrankheiten, die in Haft vorkommen, weist

Hepatitis C (etwa im Vergleich zu HIV) eine erheblich höhere

Prävalenz auf. Dennoch haben Bedienstete wie auch Inhaftierte

bezüglich eines möglichen Infektionsrisikos mit Hepatitis C

keine oder geringe (Berührungs-)Ängste. HIV dagegen, welches

beim Drogenkonsum wesentlich seltener zu einer Übertragung

im Vergleich zu Hepatitiden führt (s. Gefängnismedizin, Keppler/

Stöver, S. 165 fortlaufend, Thieme 2009), wird in Haft anders

wahrgenommen. Diese ambivalenten Verhaltensmuster, die

auf Grund langjähriger Präventionsarbeit belegt werden kann,

sollte im Rahmen dieses Workshops thematisiert werden.

Um eine gutfunktionierende HIV-Präventionsarbeit in

Haft umsetzen zu können, ist es notwendig, neben der

Wissensvermittlung zu Übertragungsmöglichkeiten, den

Focus verstärkt auf die psychosozialen Auswirkungen der

Infektionskrankheit HIV auf die Zielgruppe „MitarbeiterInnen

und Inhaftierte“ zu richten.

Diskussion mit den Teilnehmer/innen

In der Arbeitsgruppe wurde u.a. darüber gesprochen, warum in

einigen Bundesländern und teilweise wohl auch in der Schweiz,

an der Informationsweitergabe festgehalten wird, obwohl

es im Umgang mit den Gefangenen eigentlich kein anderes

Verhalten geben sollte. Die Haltung sollte viel mehr sein, dass

davon ausgegangen werden muss, dass jeder Gefangene eine

Infektionskrankheit haben kann.

Zusammenfassung

◦ Unterschiedliche Haltung der Bundesländer auch

beim HIV-Test. Einige versuchen alle Gefangenen zu

testen, andere haben ganz geringe Testquoten und

auch kein ausgeprägtes Interesse an einen Ausbau des

Testangebots.

◦ Unterschiedliche Strömungen: Einige Justizministerien

sind für die Offenlegung der Infektionskrankheiten

gegenüber den Bediensteten, andere sind für die

Einhaltung einer strikten Verschwiegenheit.

◦ Die Information über Infektionen würde das

Arbeitsleben erleichtern, andererseits kann dadurch

eine Scheinsicherheit entstehen.

◦ Hinweis, dass die Diskriminierung auch in der

Gesellschaft stattfindet, somit nicht nur ein Problem

in Haft wäre.

◦ Es geht nicht nur um Ängste: Gefängnisse sind totale

Institutionen, sie wollen die volle Kontrolle erhalten,

ansonsten wird die Institution an sich Frage gestellt.

◦ Im Suchtbereich gibt es eine klare Haltung und

Handlungsanweisung zum Umgang mit der

Informationsweitergabe, im Justizbereich wird dies

unterschiedlich gehandhabt (Schweiz)

◦ Was passiert, wenn der Beamte HIV-Positiv ist? Soll

dann auch eine Offenlegung erfolgen?

◦ HIV-positive Gefangene werden nicht in allen

Arbeitsbereichen eingesetzt, obwohl laut

Infektionsschutzgesetz kein Tätigkeitsverbot

vorgesehen ist. Gründe hierfür wären die Bedenken

gegenüber den Reaktionen der Mitgefangenen,

wenn ein HIV positiver Gefangener z.B. in der

Essensausgabe tätig ist.

Diskussion – was sollte getan werden?

◦ Klare Haltung der Ärzte/Ärztinnen: Keine Offenlegung

der HIV- oder Hepatitis-Infektion!

◦ Mit dieser klaren Haltung wird dem Thema auch die

Bedeutung genommen.

◦ Schulung der Bediensteten.

◦ Informationen an Gefangene und Bedienstete, was

nach Gefahrensituation zu tun ist, um mehr Sicherheit

zu geben.

5.3.3 Lokale Arbeit des Projektes ,HIV und Strafvollzug’

Der Arbeitsbereich „Gesundheitsförderung für Menschen in

Haft“ bedient die Untersuchungshaftanstalt Duisburg-Hamborn

sowie die Zweiganstalt.

Inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit sind:

- Primär- und Sekundärprävention zum Themenfeld HIV/

AIDS, Hepatitiden sowie anderen sexuell übertragbare

Krankheiten

- Begleitung und Interessensvertretung HIV-positiver

Inhaftierter

- Einzelberatung von Inhaftierten

- Mitarbeiterschulungen

- Verschiedene Veranstaltungen

5.3.4 Gesundheitliche Belastungen von Inhaftierten

Die Hauptinfektionswege von HIV und Hepatitiden sind das

gemeinsame Benutzen gebrauchter Spritzutensilien beim i.v.

Drogenkonsum, sexuelle Kontakte und Tätowieren / Piercen.

Daher hat die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e.V. eine starke Fokussierung auf diese Übertragungswege.

Hier ein Umriss der Risikosituationen anhand statistischer

Forschungsergebnisse:

Drogenkonsum

I.v. Drogenkonsum ist bei inhaftierten Drogenabhängigen zwar

weniger verbreitet als außerhalb, aber die Inhaftierten, die

ihren Konsum in Haft fortsetzen, tun dies unter hoch riskanten

Bedingungen und in der Regel in Form eines gemeinsamen

Gebrauches von Spritzen, Nadeln und Spritzutensilien.

41


Zielgruppenspezifische Prävention

Wedershoven (s. Wedershoven C. Katamnese der HIV-

Infektion bei drogenabhängigen und nicht-drogenabhängigen

Inhaftierten im Vergleich im Justizvollzug des Landes Nordrhein-

Westfalen. 1998) bestätigt, dass unsterile Spritzutensilien die

Hauptinfektionsquelle der von ihr untersuchten Gefangenen

darstellt. Knapp fand, dass bei den von ihm befragten Inhaftierten

positiven Strafgefangenen bis zu neun Personen eine Spritze

zusammen benutzten (s. Knapp R. AIDS im Strafvollzug. Zur

Situation HIV-Infizierter und AIDS-Kranker Strafgefangener

unter besonderer Berücksichtigung der Problematik

intramuralen Drogenkonsums: Ergebnisse einer empirischen

Erhebung und rechtliche Konsequenzen. Bonn (Unveröff. Diss.)

1996).

Sexuelle Beziehungen

Sexualität ist in den Haftanstalten genauso präsent wie der illegale

Drogenkonsum. Die Thematisierung von gleichgeschlechtlicher

Sexualität ist jedoch so gut wie unmöglich. Wenige Haftanstalten

gestatten Langzeitinhaftierten heterosexuelle Kontakte im

Rahmen der Besuchszeit von (Ehe-) PartnerInnen (z.B. JVA

Werl, JVA für Frauen Vechta) oder bei Haftlockerungen der

Inhaftierten sexuelle Kontakte im Rahmen des Urlaubes.

Es scheint jedoch, dass das „Verbot“ der Ausübung von Sexualität

als Teil der Strafe angesehen wird. Dies wird nicht zuletzt von

den Inhaftierten selbst so gesehen. Der Drang nach sexuellen

Handlungen führt zu einer Abspaltung der Sexualität von der

allgemeinen sozialen Haltung der Inhaftierten. Es werden

gleichgeschlechtliche Handlungen praktiziert, die konträr zur

Haltung und allgemeinen Aussage der Inhaftierten stehen. Durch

diese abgetrennte, nicht akzeptierte Sexualität wird teilweise

bzw. vollständig auf Kondomgebrauch verzichtet. Die Prävention

steht hier vor einem Dilemma. Der Thematisierung von

gleichgeschlechtlicher Sexualität in Präventionsveranstaltungen

wird mit Ablehnung begegnet. Um Inhaftierten die Möglichkeit

eines Beratungsgespräches zu ermöglichen, wo Fragen zu

Übertragungswegen vertrauensvoll beantwortet werden,

bietet die AIDS-Hilfe daher seit 2007 eine Hepatitis- / HIV-

Sprechstunde in den Haftanstalten Hamborn und Dinslaken an.

Tätowieren / Piercen

Tätowieren und Piercen ist wie das Benutzen unsteriler

Injektionsnadeln eine Übertragungsmöglichkeit von Hepatitis

C und, in geringerem Ausmaß, von HIV. Leider wurden bis

dato keine Studien in Haftanstalten durchgeführt, um hier eine

Aussage in Richtung Risiko, Gebrauch und Infektionszahlen von

Inhaftierten über Tätowieren und Piercen zu treffen.

Die AIDS-Hilfe thematisiert diese gesundheitsgefährdenden

Verhaltensweisen bei ihrer Präventionsarbeit und bietet den

Rahmenbedingungen entsprechende Lösungsansätze an.

5.3.4.1 Primär- und Sekundärprävention

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig

Informationsveranstaltungen in den Justizvollzugsanstalten

durchgeführt. Neben den Übertragungswegen von HIV und

Hepatitiden wurden die Behandlungsmöglichkeiten und

mögliche Schutzmaßnahmen angesprochen (Desinfektion von

gebrauchten Spritzen, Förderung des „Blutbewusstseins“,

Vorgehen bei Nadelstichverletzungen und Safer Sex - Praktiken

{bei Männern, die Sex mit Männern haben sowie Frauen, die Sex

mit Frauen haben}).

5.3.4.2 Begleitung

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ bietet den inhaftierten Frauen und Männern die

Möglichkeit, regelmäßig (in der Regel alle zwei Wochen) mit

einem Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. zu

sprechen. Die Erstgespräche werden von dem hauptamtlichen

Mitarbeiter durchgeführt. Hier werden folgende Aspekte

erörtert: Bedarf des Inhaftierten, Stadium der HIV-Infektion,

medizinische Behandlung sowie die Angebote der AIDS-Hilfe

(z.B. Knastpakete, Therapievermittlung, Resozialisierung nach

der Haftentlassung etc.). Die regelmäßigen Besuche werden

durch einen hauptamtlichen Mitarbeiter oder ggf. von einem

ehrenamtlichen Mitarbeiter durchgeführt. Im Sinne einer

professionellen psycho-sozialen Begleitung besteht für die

ehrenamtlichen Mitarbeiter das Angebot der „Drogen- / Knast-

Gruppe“. Ziel des zweiwöchentlich verfügbaren Angebotes ist

der fachliche Austausch von Begleitungsfällen, Absprachen von

Veranstaltungen und eine supervisorische Beratung für die

Begleiter.

5.3.4.3 HIV- und Hepatitissprechstunde

Nach Absprache mit dem Anstaltsarzt der JVA-Hamborn bietet

die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. seit 2006 in der

Zweiganstalt Dinslaken eine HIV- und Hepatitissprechstunde an

42


und seit 2007 in der Haftanstalt Hamborn.

Ziel der Sprechstunde ist es, in einem geschützten Rahmen

Fragen an den Mitarbeiter der AIDS-Hilfe stellen zu können, die

bei einer Informationsveranstaltung im größeren Rahmen durch

Scham, gesellschaftliche Tabuisierung bzw. Sanktionsgefahr von

Seiten der Anstalten nicht thematisiert werden (Needlesharing

[das gemeinsame Benutzen von Spritzen], Drogenkonsum,

Mann-Männliche Sexualität sowie die Thematik „Frauen die Sex

mit Frauen haben“). Die Sprechstunde wird durch Plakate und

den neu erstellten Flyer beworben und Interessierte können

sich durch einen Antrag an den Sozialdienst für die Sprechstunde

anmelden.

5.3.4.4 Mitarbeiterschulung

Durch den Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI-

Präventionsarbeit im Strafvollzug“ werden für die Bediensteten

der Justizvollzugsanstalten, den Gerichten sowie den

Staatsanwaltschaften Informationsveranstaltungen angeboten

(siehe hierzu: Infektionsschutz „Gemeinsamer Runderlass des

Ministeriums für Inneres und Justiz (4550 – IV B. 65) und des

Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit (V A

4 – 0392.3)“) . Inhalte der Veranstaltungen sind vornehmlich

die Einhaltung der Hygienestandards, Vorgehen nach einer

Nadelstichverletzung und die Wissensvermittlung von

Übertragungswegen, Behandlungsmöglichkeiten im Bezug auf

HIV und Hepatitiden und darüber hinaus die Impfmöglichkeiten

bei einigen Hepatitiden.

5.3.4.5 Veranstaltungen

Der hauptamtliche Mitarbeiter war bei mehreren Veranstaltungen

in den Justizvollzugsanstalten präsent, um als Ansprechpartner

bekannt zu werden. Darüber hinaus wurden medienwirksame

Veranstaltungen selbst organisiert, um das Thema „HIV und

Strafvollzug“ in der Öffentlichkeit zu thematisieren.

Zu diesen Veranstaltungen zählte unter anderem die Teilnahme

am Sommerfest der Frauenhaftanstalt Dinslaken. Neben einem

Informationsstand konnten die inhaftierten Frauen ihr Wissen

an einem Glücksrad testen. Um die Motivation zu erhöhen,

wurden den Frauen kleine Präsente nach dem Glücksradspiel

überreicht.

Als ein Pilotprojekt wurde unter dem Label „Männergesundheit

in Haft“ mehrere Veranstaltungen in der JVA Hamborn

umgesetzt.

Themen der Workshops liefen unter dem Motto „Gesunder

Körper, gesunde Seele“ sowie „Infektionsprophylaxe.

Durch den ersten deutschen Männergesundheitsbericht

(2010 by W. Zuckerschwerdt Verlag GmbH) wird deutlich,

dass das Thema „Männergesundheit“ in Deutschland in vielen

gesundheitsrelevanten Bereichen vernachlässigt wird

Daher hat sich die AIDS-Hilfe dazu entschlossen, für eine der

im Männergesundheitsbericht als „Risikogruppe“ ausgewiesene

Männerpopulation, den inhaftierten Männern (ebd., S. 157), ein

Pilotprojekt in enger Kooperation mit der Haftanstalt Duisburg

Hamborn zu entwickeln und umzusetzen.

Ziel des Projektes war eine auf längere Sicht angelegte und

nachhaltig wirkende Verbesserung der Lebensqualität von

Männern in Haft und auch für die Zeit danach.

Die Teilnehmergruppe sollte die Anzahl von 10-15 Personen

nicht übersteigen.

In enger Kooperation mit den Mitarbeitern der Haftanstalt

wurde ausgewählten Männern die Teilnahme an dem Projekt

kostenlos ermöglicht. Für die Auswahl der inhaftierten Männer

sollten folgende Kriterien gelten:

- Generelle Bereitschaft zur Teilnahme an dem Projekt

(verbindlich)

- Gute Deutschkenntnisse

- Das Alter der Männer sollte ab 40 Jahre aufwärts

liegen (nach dem DAK Gesundheitsbericht 2008 fällt

die subjektive Gesundheitsabschätzung nach dem 44.

Lebensjahr deutlich ab [ebd., S. 133])

- Männer in Strafhaft, die während des Projektes auch in

Haft bleiben

5.3.5 Resümee

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückschauen.

Die Kooperation mit den Anstalten ist konstant, kontinuierlich

und produktiv. Die Angebote der AIDS-Hilfe wurden sehr gut

angenommen.

Gerade durch die vertragliche Grundlage mit den Haftanstalten

konnte eine regelmäßige und kontinuierliche Arbeit sichergestellt

werden.

Außenansicht des neu erstellten Flyers

Innenansicht des neu erstellten Flyers

43


Zielgruppenspezifische Prävention

5.4 Frauen und AIDS -

Prävention bei Frauen in besonderen Lebenslagen

Die Projektinhalte umfassen die Begleitung von HIV-positiven/

an AIDS-erkrankten Frauen, die Gestaltung bedarfsgerechter

Versorgungsstrukturen, den Abbau von gesellschaftlichen Diskriminierungen

und die Primärprävention bei spezifischen Zielgruppen

innerhalb des Frauenbereiches.

Besonders im Jahr 2012 wurde deutlich, dass für eine erfolgreiche

Arbeit auf den unterschiedlichen Ebenen die Vernetzung ein

wesentlicher Bestandteil ist. Vernetzungen fanden auf der überregionalen

Ebene mit den benachbarten AIDS-Hilfen Dortmund,

Essen, Oberhausen, Bochum und Unna sowie auf landesweiter

Ebene innerhalb der Landesarbeitsgemeinschaft Frauen und

AIDS und auf lokaler Ebene insbesondere mit dem Gesundheitsamt

Duisburg statt. So konnten vorhandene personelle

Ressourcen gebündelt werden, was eine effiziente Planung und

Durchführung der Projekte gewährleistete. Darüber hinaus ist

die Auseinandersetzung auf der kollegialen - ebenso wie die auf

der Selbsthilfeebene - unverzichtbar, um das Projekt adäquat

weiterzuentwickeln.

Das Projekt XXelle in Duisburg und dem Kreis Wesel wurde auf

3 verschiedenen Ebenen umgesetzt, der landesweiten, ruhrgebietsweiten

und der kommunalen Ebene.

Projektziele

XXelle Standort Duisburg/Kreis Wesel

Das Jahr 2012 war für den XXelle-Standort „Westliches Ruhrgebiet“

mit dem lokalen Zuständigkeitsgebiet der Stadt Duisburg

und dem Kreis Wesel (mit insgesamt knapp einer Million

Einwohner/innen) ein besonderes und gewiss nicht das beste

Jahr, denn es war vor allem durch eine äußerst ungewöhnliche

Fluktuation im Personalbereich geprägt. Gleich drei Stelleninhaberinnen

wechselten sich ab und es gab eine insgesamt zweimonatige

Vakanz (September u. Oktober). Vor diesem Hintergrund

bitten wir vorab um Verständnis, dass der folgende Bericht im

Wesentlichen vom Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V. verfasst werden musste und somit keinen Anspruch

auf Vollständigkeit erfüllen kann.

Trotz dieser äußerst suboptimalen personellen Umstände, können

wir für das Berichtsjahr 2012 konstatieren, dass sich die

Arbeit im Bereich ‚Frauen und HIV / AIDS’ mit Hilfe der Bereitstellung

der Fördermittel für die zielgruppenspezifische Prävention

(ZSP) im Wesentlichen umsetzen ließ und die Übergänge

relativ gut überbrückt werden konnten. Dies gilt insbesondere

für den Bereich der Begleitung von Frauen mit HIV und AIDS

aus unserer Region, bei der sich das interne „Subsystem Begleitung“

bewährte und die beiden männlichen Kollegen sehr

viel auffangen konnten. Darüber hinaus sind die beiden festen

ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen über das ganze Jahr sehr engagiert

aktiv gewesen.

Auf der regionalen und landesweiten Ebene hat sich das etablierte

Netzwerk hier äußerst bewährt und hervorragende kollegiale

Unterstützung geleistet, wenngleich auch hier personell

einige Bewegung zu verzeichnen war.

Letztlich konnten allerdings nicht alle angestrebten Projektziele

in dem Maße erreicht werden, wie es geplant war (s.u.).

Konkret erfolgten im Jahre 2012 zum April und zum November

jeweils Personalwechsel innerhalb der Stelle. Erwähnenswert ist

aus Sicht des Verfassers, dass ein nicht unwesentlicher Beweggrund

für ein Ausscheiden die sehr hohe psychische Belastung

bei einigen Begleitungsverhältnissen war. Beratung und Begleitung

von Frauen mit HIV und AIDS ist anders, denn

nicht selten tragen Frauen nicht nur Verantwortung für sich

selbst, sondern zudem noch für Kinder und andere Familienmitglieder,

was die Intensität der psychosozialen Begleitungsarbeit

deutlich erhöhen kann. Umso mehr ist die Besetzung der

für unsere Region einzigen auf HIV spezialisierten strukturellen

Präventionsstelle mit einer qualifizierten hauptamtlichen (weiblichen)

Kraft unerlässlich.

Auf der landesweiten Ebene bestanden die Ziele 2012 darin,

durch die regelmäßige Teilnahme an der Landesarbeitsgemeinschaft

‚Frauen und AIDS’ den fachlichen Austausch fortzuführen

und die Marke XXelle weiter politisch zu positionieren.

Durch den inhaltlichen Input und die Auseinandersetzung mit

den Fachfrauen auf der Landesebene entwickeln sich neue Projektideen,

die sich auf der lokalen und regionalen Ebene umsetzen

lassen. So konnten gemeinsame Veranstaltungen –wenn

auch in geringerer Zahl - geplant und durchgeführt werden. Im

ersten Quartal beteiligte sich die Projektnehmerin auch an der

„Arbeitsgemeinschaft Öffentlichkeitsarbeit“ der LAG.

Auf der ruhrgebietsweiten Ebene konnte die sehr gute Zusammenarbeit

der Ruhrgebiets-Aidshilfen nur eingeschränkt weiter

fortgeführt werden. Durch die vorhandenen Vernetzungsstrukturen

konnten jedoch auch im Jahr 2012 gemeinsame Aktionen

geplant und durchgeführt werden.

Hierbei handelte es sich sowohl um Angebote für Klientinnen

als auch um öffentlichkeitswirksame Aktionen.

So konnte zum nunmehr neunten Mal in Folge ein Treffen für

betroffene Frauen aus dem Ruhrgebiet angeboten werden.

Für die teilnehmenden Frauen stellt dieses Angebot eine wichtige,

weil oftmals einzige Möglichkeit dar, Erfahrungen mit anderen

Betroffenen auszutauschen.

Die Schaffung dieser Plattform in einem geschützten Rahmen

hat einen hohen Stellenwert, da in den jeweiligen AIDS-Hilfen

das Angebot für HIV-positive Frauen aus der Angst heraus, unwillentlich

als HIV-positiv erkannt zu werden, nur partiell genutzt

wird.

In Zusammenarbeit mit den AIDS-Hilfen Duisburg / Kreis Wesel,

Dortmund, Bochum und Essen wurde dieses Angebot koordiniert,

organisiert und umgesetzt. Neben der Erfahrung, aus

der durch die Infektion oft hervorgerufenen sozialen Isolation

ausbrechen zu können, konnten die teilnehmenden Frauen vor

allem Strategien der individuellen Gesundheitsförderung und

Alltagsgestaltung und – bewältigung erlangen.

Insbesondere diese Veranstaltung zeigt, wie effektiv die Vernetzung

von XXelle Ruhrgebiet ist. Durch die Bündelung von personellen

und finanziellen Ressourcen konnten die geplanten Ziele

umgesetzt werden.

Bei einzelnen der zum Teil geplanten oder beabsichtigten Veranstaltungen

auf Ruhrgebietsebene konnte die AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel aus erwähnten Gründen nicht oder nicht

im angedachten Umfang mitwirken (z.B. Veranstaltungen zum

internationalen Frauentag oder die Eins plus Eins-Party, die eigentlich

in Duisburg stattfinden sollte). Bei der vierten Auflage

des XXelle-Roxx-Konzertes in Bochum waren wir allerdings aktiv

beteiligt. Die weitere Überarbeitung der Homepage

44


(www.xxelle-ruhrgebiet.de) konnte vorankommen. Diese kann

nun komplett selbstständig von den zuständigen Mitarbeiterinnen

gepflegt werde

Auf der lokalen Ebene konnte trotz der Fluktuation die bestehende

HIV-positive Frauengruppe stabil fortgeführt werden.

Das macht uns geradezu glücklich, denn der Etablierung dieses

Angebotes lag ein langer Weg zugrunde. Die Frauen treffen

sich einmal im Monat, wobei der Ablauf der Nachmittage

von den Frauen nach eigenen Wünschen geplant und durch die

hauptamtliche Mitarbeiterin unterstützend begleitet wird. Neben

gemeinsamen Aktionen wie z.B. ein Besuch im Zoo oder

auf dem Weihnachtsmarkt steht vor allem der gegenseitige Austausch

im Vordergrund. Oft sind diese Treffen die einzige Möglichkeit

für die betroffenen Frauen, sich über ihre Infektion zu

unterhalten und in einer geschützten Atmosphäre den Umgang

mit der Erkrankung zu erleichtern. Erfreulicherweise ist es im

Jahre 2012 gelungen, eine höchst heterogene Gruppe zu etablieren,

die sowohl altersmäßig als auch herkunftstechnisch sehr

unterschiedlich ist. Hier hat die zweite Stelleninhaberin noch

weiter dazu beitragen können, dass inzwischen auch schwarzafrikanische

Frauen regelmäßig dabei sind. Die Frauengruppe wird

neben der Hauptamtlerin durch zwei ehrenamtlich tätige Frauen

tatkräftig unterstützt, die in engem Kontakt mit den Frauen

und der Hauptamtlerin stehen und denen ein großer Dank gilt,

denn sie haben die höchst ungünstigen „Verluste“ an festen Bezugspersonen

hervorragend abgefedert.

Auch im Jahr 2012 konnte fast durchgängig durch die Projektnehmerin(nen)

für den Bereich Duisburg und den Kreis Wesel

eine Ansprechperson für Frauen zu den Themen HIV und AIDS

sichergestellt werden.

Insbesondere für die betroffenen Frauen mit Migrationshintergrund

ist diese Form der geschlechtsspezifischen Arbeit unabdingbar.

Neben verschiedenen sozialrechtlichen Fragen stand

vor allem die Reflektion der eigenen Situation und Schaffung

der Möglichkeit des Umgangs mit dieser im Vordergrund.

Die Bedeutung der Möglichkeit, bei akuten Beratungsanfragen

von Frauen an eine Fachfrau weiterleiten zu können, haben wir

in diesem Jahr besonders erfahren müssen. Dies ist einfach alternativlos.

Ebenfalls auf der lokalen Ebene fand die Teilnahme an verschiedenen

Arbeitskreisen statt, in denen die Frauenarbeit im Kontext

HIV platziert werden konnte.

Ebenso fanden in regelmäßigem Turnus Treffen der beteiligten

Fachfrauen im Ruhrgebiet statt, in denen unter anderem die

Planung und Durchführung öffentlichkeitswirksamer Aktionen

erfolgte.

Die Zielgruppen Migrantinnen und Frauen mit Kindern konnten

ebenfalls durch verschiedene ruhrgebietsweite Veranstaltungen

erreicht werden.

Diese Aktionen wurden von den Hauptamtlerinnen vor Ort

maßgeblich vorbereitet und von den Kolleginnen aus der Vernetzung

unterstützend flankiert. Hier konnte die zweite Stelleninhaberin

im zweiten und dritten Quartal nicht zuletzt durch

eigene Migrationshintergründe und spezifische Qualifikationen

einiges an Input und Kompetenz einbringen.

Die Präventionsarbeit auf dem Duisburger Straßenstrich

in Kooperation mit einer Kollegin des Gesundheitsamtes

der Stadt Duisburg konnte im Berichtsjahr 2012 leider

nur eingeschränkt erfolgen, weil diese Kollegin über einige Monate

krankheitsbedingt ausfiel. Bis dahin wurden in ca. 2-wöchentlichem

Rhythmus die Sexarbeiterinnen vor Ort besucht.

Mittlerweile ist dieses Angebot so etabliert, dass die Frauen

nicht nur aufgesucht werden müssen, sondern von sich aus auf

die Kooperationspartnerinnen zukommen. Zeitlich wird darauf

geachtet, die Frauen möglichst noch vor Aufnahme ihrer Tätigkeit

zu erreichen, um die Möglichkeit für individuelle Fragestellungen

zu geben. Thematisch geht es vor allem darum, sich über

sexuell übertragbare Krankheiten zu informieren, sich zu schützen

und ausstiegsorientierte Problemstellungen zu bewältigen.

Zudem besteht die Möglichkeit, dass sich die Sexarbeiterinnen

kostengünstig mit Kondomen versorgen können, die über das

Gesundheitsamt erworben werden. Die regelmäßige aufsuchende

Arbeit ermöglicht einen langfristigen Beziehungsaufbau zu

den einzelnen Sexarbeiterinnen. Darüber hinaus gewährleistet

die Kontinuität, dass die Projektarbeit den sich ändernden Verhältnissen

der Arbeit vor Ort angepasst wird. Hierbei steht vor

allem die Verbesserung der Arbeitssituation der Frauen im Fokus.

In der Adventszeit wurde wieder eine Nikolausaktion in

den Bordellen durchgeführt, bei der Give-aways und Informationen

zum Beratungs- und Untersuchungsangebot (Untersuchungen

laufen über das Gesundheitsamt, Beratung auch über die

AIDS-Hilfe) an die Sexarbeiterinnen verteilt wurden. Im Rahmen

des Projektes ist es ein wesentliches Ziel, Arbeit in dem

Bereich „Primärprävention bei Frauen in besonderen Lebenslagen“

zu leisten.

45


Zielgruppenspezifische Prävention

Zu erwähnen ist für diesen Bereich, dass sich auch hier der Zielpersonenkreis

erweitert bzw. verändert. Der Zuzug von Sexanbieterinnen

aus dem südosteuropäischen Raum (v.a. Rumänien

und Bulgarien) ist in Duisburg wie auch im Kreis Wesel (dort allerdings

mehr im Clubbereich) enorm und stellt für die Projektnehmerinnen

eine wachsende Herausforderung in sprachlicher,

kultureller und sozialrechtlicher (häufig kein Krankenversicherungsschutz

u.a.) Hinsicht dar. Darüber hinaus hat sich darüber

die „Wettbewerbssituation“ verschärft, ein Preisverfall sowie in

der Konsequenz eine Erosion von safer sex ist zu beobachten.

Ein deutlicher Handlungsbedarf ist gewachsen. Hier hat sich unsere

Einrichtung bei der Erstellung eines Handlungskonzeptes

der Stadt Duisburg mit eingebracht, dessen konsequente Umsetzung

ein Ziel der folgenden Jahre sein muss, bei dem auch die

strukturelle HIV- und STI-Prävention für Frauen eine wichtige

Rolle spielen sollte.

Im Rahmen der Primärprävention nahmen die Projektinhaberinnen

ebenfalls vereinzelt an Präventionsunterrichtseinheiten

in Regelschulen teil und konnten somit ein „weibliches“ Gesprächsangebot

für die jungen Mädchen vorhalten.

In einer Reihe von Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag 2012

konnte auch das mit dem XXelle-Standort Duisburg / Kreis

Wesel verbundene spezifische Angebot und die neue feste Ansprechpartnerin

wieder öffentlichkeitswirksam präsentiert werden.

Projektkritik

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Projekt XXelle

Duisburg/ Kreis Wesel eingeschränkt erfolgreich umgesetzt

werden konnte.

Besonders hervorzuheben ist die Erhaltung der bestehenden

Strukturen trotz zweier Personalwechsel auf der Stelle!

Sehr erfreulich ist die weitere Stabilisierung einer eigenen

Frauengruppe und die damit verbundene kontinuierliche Zusammenarbeit

mit den Ehrenamtlerinnen vor Ort.

Aufgrund der zeitlich und in diesem Jahr auch personell begrenzten

Ressourcen (zwei Monate Vakanz plus Urlaubsphasen)

konnten über die genannten Tätigkeiten hinausgehende Anfragen

nur begrenzt umgesetzt werden, da die Begleitungsarbeit

mit den betroffenen Frauen den größten Teil der Zeitkapazitäten

beanspruchten und diese Priorität haben musste.

Der Standort XXelle Duisburg/ Kreis Wesel („westliches Ruhrgebiet“)

ist ein wichtiger Teil der Ruhrgebietsvernetzung und

der AIDS-Hilfe Duisburg/ Kreis Wesel e.V.

46


5.5. AIDS und Migration

5.5.1. Migration und Begleitung

Von den HIV-positiven / an AIDS-erkrankten Menschen, die im

Jahr 2012 von der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. begleitet

wurden, hatten ca. ein Drittel einen Migrationshintergrund.

Insbesondere bei den Frauen zeigte sich erneut, dass Migrantinnen

unsere Institution für sich nutzten.

Besonders Menschen aus Subsahara-Afrika suchten 2012 die

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. auf. Sie waren, wie auch

in vorangegangenen Berichtsjahren die zahlenmäßig größte

Gruppe der Migrant/innen. Als Herkunftsländer ragten dabei

schwerpunktmäßig Togo und Kamerun heraus.

Darüber hinaus begleitete die AIDS-Hilfe Menschen mit italienischem,

polnischem, serbokroatischem und türkischem Migrationshintergrund.

Im Gegensatz zu der Gruppe aus Subsahara-Afrika war diese

jedoch zahlenmäßig deutlich kleiner.

Im Rahmen der aufsuchenden Arbeit, insbesondere im Arbeitsfeld

der Sexarbeit, war das Berichtsjahr leider stark geprägt

durch Vakanzen (s. 5.4.). Weiterhin stehen in wachsendem Maße

Kontaktaufnahmen mit Frauen aus Bulgarien und Rumänien auf

dem Plan, welche mittlerweile die mit Abstand größte Gruppe

von „Anbieterinnen“ stellen. Sowohl im Kreis Wesel als auch in

der Stadt Duisburg ist ein sehr nennenswerter Zuzug zu beobachten.

Allein in Duisburg wurden im Berichtsjahr mehr als

5000 Personen aus diesem südeuropäischen Raum registriert.

Eine Gruppe, der man sich in den hiesigen Sozial- und Gesundheitssystemen

fortan intensiv widmen muss. Nicht nur wegen

gesundheitlicher Problemlagen, die zum Teil durch katastrophale

Wohn- und Lebenssituationen noch verstärkt werden, sondern

eben bei nicht wenigen auch wegen ihrer „Arbeitsmöglichkeiten“,

die hinsichtlich eines (vielfältigen) Infektionsgeschehens

eine Rolle spielen können rsp. werden. Problematisch ist hier

nicht nur der Umstand der Sprachbarrieren, sondern nicht zuletzt

auch, dass viele über keinen Krankenversicherungsschutz

verfügen. Verstärken wird sich dieses Problem mit gewisser

Wahrscheinlichkeit, wenn im Jahre 2014 die letzten Freizügigkeitsgrenzen

für Bulgarien und Rumänien in der EU und für das

Niederlassungsrecht in Deutschland fallen.

Sowohl hinsichtlich der Inhalte als auch im Hinblick auf die Zeitressourcen

ist die Kooperation mit anderen Institutionen bei

der Begleitung von Migrant/innen dringend notwendig.

Es zeigt sich auf der lokalen Ebene der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel, dass die Begleitungszahlen der Menschen mit HIV

/ AIDS, die einen Migrationshintergrund haben, die deutschlandweiten

Zahlen widerspiegeln. Die Begleitungsarbeit bei dieser

Zielgruppe erfordert spezifische sprachliche, interkulturelle und

fachliche Kompetenzen. Da sich die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit

in der Zielgruppe der Migranten oftmals problematisch

darstellt, weil das Thema ‚HIV/AIDS’ weitestgehend

tabuisiert wird, ist hier ein langer Atem erforderlich und sind

immer wieder die Gelegenheiten zu nutzen, um die Thematik

auch öffentlichkeitswirksam wach zu halten.

Die für das Berichtsjahr geplanten öffentlichkeitswirksamen

Aktivitäten konnten aufgrund der wachsenden Intensität von

Einzelfallbegleitungen und vor allem wegen der Stellenwechsel

nicht so umgesetzt werden, wie wir es geplant hatten

5.5.2. Arbeitskreis ‚Migration’

Der Arbeitskreis Migration ist ein Zusammenschluss von Organisationen,

die regional im Bereich Migrant/innen mit HIV / AIDS

tätig sind (AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V., Gesundheitsamt

der Stadt Duisburg - Beratungsstelle zu AIDS und anderen

sexuell übertragbaren Krankheiten, AIDS-Hilfe Düsseldorf e.V.,

AIDS-Hilfe Oberhausen e. V., AIDS-Hilfe Krefeld e.V., Projekt

Aids + Kinder, Köln, Deutsche AIDS-Stiftung, Bonn).

Ziel ist der fachliche Austausch, die Vernetzung regionaler Angebote

und die Durchführung gemeinsamer Projekte und Veranstaltungen.

Im Berichtsjahr wurden die Planungen und erste organisatorische

Schritte für die nächste Fachtagung, die für das Berichtsjahr

vorgesehen war, nun aber erst 2013 erneut in Duisburg stattfinden

wird, vorangetrieben.

In der Begleitung zeigt sich, dass viele Thematiken, die in der

Beratungs- und Versorgungssituation eine Rolle spielen, kulturell

geprägt sind. Dieses führt in Beratungssituationen leicht zu

Missverständnissen, Fehlentscheidungen und kontraproduktiven

Unterstützungs- und Behandlungsangeboten. Oft wird die

Verständigung durch die sprachlichen Barrieren erschwert. Zusätzlich

zu den sprachlichen und kulturellen Barrieren ist die

Begleitung der HIV-Infizierten / an AIDS-erkrankten Migrant/

innen durch deren spezifische Lebenssituation gekennzeichnet.

So sind die Regelung des Aufenthaltsstatus und der Umgang mit

dem fremden Aufenthaltsland ein existentielles Thema.

Darüber hinaus gilt für viele Migrant/innen, dass sie ihre Familien

in den Herkunftsländern zurück lassen. Besonders in der Begleitung

der Menschen aus Subsahara-Afrika ist die Trennung von

Eltern, Geschwistern, Kindern und Ehepartner/innen Thema.

Die Einsamkeit und Isolation verstärkt sich mit der Diagnose:

‚HIV-positiv’. In der Begleitung der Schwarzafrikaner/innen stellten

wir in diesem Berichtsjahr erneut fest, dass die HIV-Infektion

in der Community der Schwarzafrikaner/innen nicht Thema

werden darf. Selbst die eigene Familie wird in der Regel nicht

informiert.

Diese spezifische Lebenssituation führt dazu, dass die HIV/

AIDS-Erkrankung gegenüber den psychischen und existentiellen

Belastungen in den Hintergrund treten kann.

Die aufgeführten Faktoren zeigen, dass die Begleitung der

Migrant/innen oftmals einen anderen inhaltlichen Rahmen einnimmt.

Die Problematik, dass ein großer Teil der Migrant/innen

kein Deutsch verstehen bzw. lesen kann, nimmt darüber hinaus

größere zeitliche Ressourcen in Anspruch. Da es keine Stelle

gibt, die dafür zuständig ist, Briefe (u. a. von den jeweiligen

Ämtern) zu übersetzen, geschieht dieses meist innerhalb der

AIDS-Hilfe.

47


Zielgruppenspezifische Prävention

5.6 Youthwork / Prävention in der

Allgemeinbevölkerung

Seit 1989 ist „Youthwork“ (AIDS-Prävention in

sexualpädagogischem Kontext) ein fester und wichtiger

Bestandteil der Angebotspalette der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V. Und wenn auch das alte richtliniengestützte

Förderprogramm (1988 vom damaligen MAGS NRW

eingeführt, s. www.youthwork-nrw.de ) im Zuge des

Kommunalisierungsprozesses seit 2007 grundsätzlich nicht

mehr landesgesteuert ist, so ist aufgrund der unzweifelhaften

Sinnhaftigkeit nicht nur die Landesförderung erhalten geblieben,

sondern auch die kommunalen Ergänzungsfinanzierungen (wenn

auch gedeckelt, s.o.). Und so untermauert auch das im Juli

2012 verabschiedete Landeskonzept „Weiterentwicklung der

HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen. Schwerpunkt

„Neuinfektionen minimieren“ “; Juli 2012) den spezifischen

Arbeitsansatz auch sehr eindeutig:

„Jugendliche gehören bislang nicht zu den besonders gefährdeten

Bevölkerungsgruppen. Da sie am Anfang ihrer sexuellen

Aktivität stehen, sind sie jedoch eine wichtige Zielgruppe für die

Primärprävention. Jugendliche stehen vor der Herausforderung,

zu Beginn ihrer partnerschaftlich ausgerichteten Sexualität

sich sowohl mit Fragen der Verhütung und des Schutzes vor

sexuell übertragbaren Infektionen als auch mit physischen und

psychischen Veränderungen auseinanderzusetzen. Die bisherigen

Erfahrungen haben gezeigt, dass personalkommunikative

Ansätze in der Sexualaufklärung und Prävention diese

Lernprozesse besonders fördern und unterstützen. Sie müssen

jedoch frühzeitig einsetzen, kontinuierlich weitergeführt werden

und sich an dem jeweiligen Entwicklungsstand, der sexuellen

Orientierung und den sozialen, kulturellen und ethischen

Hintergründen der Jugendlichen ausrichten. (…)

Da andere sexuell übertragbare Infektionen, insbesondere

Syphilis, Tripper und Chlamydien auch Jugendliche betreffen und

sich damit das Risiko einer HIV-Infektion erhöht, müssen die

Inhalte der HIV/AIDS-Prävention und Sexualaufklärung mit den

Informationen zur Verhinderung der o.g. Infektionen verknüpft

werden. (…)

Die Angebote der Schule und der außerschulischen Jugendarbeit

werden durch HIV- uns STI-Präventionsmaßnahmen der

AIDS-, Sexual- und Jugendberatungsstellen unterstützt und

ergänzt. Notwendig sind kontinuierliche und strukturierte

Kooperationen und gemeinsame Projekte zwischen AIDS-/

STI- und Sexualberatungsstellen, Jugendhilfe, Suchthilfe, Schulen

und anderen Bildungseinrichtungen in öffentlicher und freier

Trägerschaft.“ (Landeskonzept „Weiterentwicklung der HIV/

AIDS-Prävention in NRW“ vom Juli 2012; S. 20 f)

Weiter heißt es ebenda (S. 21): „Besonders zu berücksichtigen

sind männliche Jugendliche im „coming out“, Jugendliche, die

Drogen konsumieren, und Jugendliche in schwierigen sozialen

Verhältnissen, da das Infektionsrisiko in diesen Gruppen

erhöht ist. Sie benötigen einen niedrigschwelligen Zugang zu

den vorhandenen Angeboten der Information, Beratung und

Untersuchung“.

Einmal mehr gilt der Landes-Arbeitsgemeinschaft AIDS-

Prävention unter Federführung des Referates „AIDS,

Organspende, Psychoonkologie“ des Ministeriums für

Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) (s. www.

aids-nrw.de) ein Kompliment für die Analyse und die daraus

resultierenden Handlungsempfehlungen. Diese sind auf der

Höhe der Zeit. Und - aufmerksame Leser/innen unserer

Jahresberichte haben es längst bemerkt – sie bestätigen unsere

Youthwork-Arbeit und ihre Ansätze in eindrucksvoller Weise.

Die Zielgruppenanalyse erklärt auch die besondere

Eignung des Youthwork-Angebotes einer AIDS-Hilfe, die

seit nunmehr 26 Jahren Erfahrung in der strukturellen und

vor allem zielgruppenspezifischen Präventionsarbeit besitzt

und darüber spezifische Kenntnisse und Feldkompetenzen

in den Themenfeldern Homosexualität, Drogengebrauch

und diversen Formen sozialer Benachteiligung bis hin zu

Stigmatisierungsproblematiken mit bringt und jeweils flexibel

auf Bedarfe in Gruppen oder auf Einzelpersonen reagieren kann.

Wie bei allen Adressaten, so gilt auch und vielleicht besonders

für Jugendliche der didaktische Grundsatz, dass (Präventions-)

Angebote an der jeweiligen Lebenswelt (akzeptierend) orientiert

werden sollten. „Die Berücksichtigung von sozialen, ethnischen,

kulturellen und geschlechtsspezifischen Besonderheiten ist

Voraussetzung, um Jugendliche emotional und kognitiv zu

erreichen“ (Landeskonzept, ebd., S. 36). Darüber hinaus

können Themen durchaus auch in Präventionsveranstaltungen

in heterogenen Gruppen (wie Schulklassen) integriert oder

exponiert platziert werden. Die Bedarfe werden jeweils in

Planungsgesprächen erhoben.

Das Kompliment für das Landeskonzept gilt auch für die

Forderung nach kooperativen Projektformen, die wir seit je

her propagieren, initiieren und umsetzen und die in besonderer

Weise für nachhaltige Synergieeffekte prädestiniert sind.

Auch darüber erklärt sich gewiss zu einem nicht unerheblichen

Teil, dass Jugendliche in Deutschland und in unserer Region

tatsächlich nicht zu den besonders riskierten Zielgruppen

zählen – Prävention im Kontext von Gesundheitsförderung

wirkt und ist zielführend im Hinblick auf eine Verankerung von

Präventionswissen und die Stärkung der Handlungskompetenzen

für die individuelle Gesunderhaltung sowie die Förderung eines

nachhaltigen Schutzverhaltens und dessen Implementierung im

persönlichen Lebensstil.

Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von AIDS-Prävention in

sexualpädagogischem Kontext mit dem vorrangigen Ziel der

Vermeidung von Primärinfektionen hat also nichts an Bedeutung

verloren – und dass sie wirkt beweisen nicht zuletzt die Infektions-

Diagnose-Zahlen und Inzidenzannahmen des RKI (s. www.rki.de

) für das Jahr 2012, wonach ein nur sehr leichter Anstieg der

Neuinfektionen (ca. 3.400 = + 3% vgl. 1.) auf weitgehend stabil

niedrigem Niveau zu konstatieren ist. Dabei spielen Jugendliche

generell keine exponierte Rolle. Zu beachten ist allerdings die

Gruppe der 20-39-jährigen MSM, insbesondere in Großstädten

und gerade hier ist auch ein signifikanter Zusammenhang mit

den Syphilis-Inzidenzen bemerkenswert. Also bestätigt sich, dass

HIV-Prävention zwingend STI-Prävention beinhalten sollte.

Als Hauptgrund für den Anstieg bei jüngeren Schwulen

gibt das Robert-Koch-Institut den Umstand aus, dass unter

jüngeren Männern mit HIV ein höherer Anteil noch nicht

unter antiretroviraler Therapie steht, so dass in dieser Gruppe

eine höhere Übertragungswahrscheinlichkeit besteht. Dies

wiederum korrespondiert mit der Annahme, dass um die 50

% der Neuinfektionen von frisch Infizierten stammen, die zum

Teil ihren Status noch gar nicht kennen (können – weil noch im

diagnostischen Fenster).

Sexualität und sexuell übertragbare Krankheiten müssen

eindeutig weiter enttabuisiert werden. Darüber reden zu können

ist eine entscheidende Voraussetzung für Schutz und Diagnostik.

Hier kommt der schulischen Arbeit eine besondere Bedeutung

zu, denn über den Rahmen der Schulpflicht kann es eigentlich

besser als in weiteren Lebensphasen gelingen, möglichst viele

Jugendliche die Erfahrung machen zu lassen, dass dies gelingen

kann – dazu bedarf es guter Unterrichtsprozesse, geschulter

Lehrkräfte (oder noch besser sexualpädagogischer Fachkräfte)

und am besten gezielter Projektformen in adäquaten Settings.

Bei Jugendlichen tragen die Schulen (gemäß ihrem Auftrag, s.

Richtlinien zur Sexualerziehung in NRW) zudem entscheidend

zur spezifischen (Sach-) Informationsvermittlung bei.

48


Wer HIV- und STI-Prävention ernst nimmt, muss sich auch

gegen Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen mit

HIV und den von HIV besonders betroffenen Gruppen –wie

eben homosexuellen Jungs und Männern (s.o.)- stark machen.

Dies berücksichtigen wir in unserer Youthwork-Arbeit –soweit

es die zeitlichen und personellen Möglichkeiten zulassen – schon

immer. Im Berichtsjahr haben wir Überlegungen intensiviert, ggf.

im kommenden Jahr einen SchLAu-Standort (schwul-lesbische

Aufklärung in NRW) bei der AIDS-Hilfe zu etablieren. Wir

hoffen, im nächsten Jahresbericht Vollzug melden zu können.

Der niedrigschwellige, emanzipatorische und akzeptanzorientierte

Ansatz ist richtig. Repressive Ansätze sind eindeutig

kontraproduktiv. Die besondere Akzeptanz dieses Ansatzes

wird uns auch vor Ort durch Rückmeldungen, Resonanzen und

Evaluationserfahrungen zu unseren Veranstaltungen in diesem

Sektor (s. Abb. Veranstaltungsverteilung nach Arbeitsfeldern)

bestätigt.

Dem Rechnung tragend gestalten wir unsere AIDS-Prävention

in sexualpädagogischem Kontext und zielen auf einen Dialog in

offener und angstfreier Atmosphäre und ohne pädagogischen

Zeigefinger.

• Liebe, Sexualität und Partnerschaft

• Probleme im Umgang mit der eigenen Sexualität

• Homosexualität (Schwul-lesbische Aufklärungsarbeit)

• Geschlechterrollen und ihre Problematiken

• Normen, Werte und deren Wandel im Umfeld der

Sexualität

• u.a.m.

5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork

Wir bieten für Sie an:

AIDS-Präventionsveranstaltungen im Rahmen

von Sexualpädagogik und ganzheitlicher

Gesundheitsförderung

Fort- und Weiterbildung für MultiplikatorInnen und

LehrerInnen

Beratung (telefonisch, persönlich, schriftlich und

via Internet) für Jugendliche, Eltern, LehrerInnen,

ErzieherInnen etc. Kooperation, Koordination und

VernetzungGeschlechtsspezifische Angebote für

Mädchen und Jungen

Nähere Informationen zum Youthwork-Angebot finden sich

auch auf der im Berichtsjahr neu gestalteten Seite www.

youthwork-nrw.de

Das neue landesweite Logo von Youthwork-NRW.

5.6.1 Veranstaltungsinhalte

In aller Regel werden personalkommunikative Formen

massenmedialen vorgezogen. Das erfordert allerdings

auch eine jeweilige Reduktion auf zielgruppenadäquate

und bedürfnisorientierte Themenbereiche. Um

diese Reduktion pädagogisch verantwortungsvoll

vornehmen zu können, finden entsprechende Vor- und

Nachgespräche mit den Veranstaltungspartnern statt.

Je nach Zielgruppe, Zugangsvoraussetzungen und

Rahmenbedingungen können u.a. folgende Themenfelder

behandelt werden :

• Medizinisch, biologische Grundlagen zu HIV und AIDS, und

andere STI`s (Virologie, Immunologie, ...)

• Verlaufsformen der HIV-Infektion

• Aktueller Forschungsstand und Therapieansätze

• Übertragungswege und –risiken

• Infektionsschutzmöglichkeiten

• Testverfahren und ihre Problematiken

• Epidemiologische Entwicklung und daraus resultierende

Präventionserfordernisse und –strategien

• Lebenssituation von Betroffenen und An- oder Zugehörigen

• Umgang mit HIV-positiven oder/und an AIDS erkrankten

Menschen

• Vorurteile gegenüber sog. Hauptbetroffenengruppen

• Drogen- und Substitutionsproblematik

• HIV und AIDS als gesellschaftliches Phänomen

• Juristische und ethische Fragestellungen

• HIV in der Arbeitswelt

• Sekundärpräventive Aspekte für Menschen mit HIV

AIDS-präventive Veranstaltungen in sexualpädagogischem

Kontext wurden von der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. für Schülerinnen und Schüler aller Regelschulformen

sowie Kollegschulen durchgeführt. In der Regel werden unsere

Angebote in den Jahrgängen ab der Klasse 9, in einzelnen

begründeten Ausnahmen auch in jüngeren Jahrgängen platziert.

Form und Inhalte werden jeweils bedürfnis- und

lebensweltorientiert konzipiert. Das Angebotsspektrum reicht

hier von Formen eines „Expertengespräches“ im Rahmen von

Unterrichtsreihen vor unterschiedlichem Fachhintergrund bis

hin zu Projekttagen und – wochen, die günstigenfalls außerhalb

des Schulrahmens durchgeführt werden. Um darüber hinaus

eine zumindest grobe Übersicht über das „Produkt Youthwork“,

über Zielebenen, Methoden und Ansätze bekommen zu können,

sei an dieser Stelle noch mal auf die Internetseite www.

youthwork-nrw.de verwiesen.

Mit dem Berichtsjahr 2012 blicken wir im Bereich Youthwork

/ Prävention in der Allgemeinbevölkerung auf ein aktives Jahr

zurück. In diesem Jahr gab es erstmals einen überraschenden,

leichten Rückgang der Nachfragen im ersten Halbjahr. Dies

ist insbesondere durch das Ausscheiden oder längerer

Krankheitsphasen von Lehrer/innen an einzelnen Schulen

mit bis dahin sehr etablierten Projekttagen zum Themenfeld

„Liebe, Sexualität & Partnerschaft“ begrüpndet. Es zeigt sich,

dass trotz der Verankerung der Thematik in den Richtlinien

zur Sexualerziehung in NRW die Umsetzung mit externen

Fachkräften immer noch mit dem Engagement einzelner

Lehrkräfte steht und fällt. Hier sind u.E. in stärkerem Maße die

Schulleitungen und Schulkonferenzen gefragt.

Im weiteren Jahresverlauf blieben die Nachfragen allerdings auf

stabil hohem Niveau.

Angesichts der Größe des Zuständigkeitsgebietes, der

wachsenden Bedarfe, der wachsenden Notwendigkeit, auch

49


Zielgruppenspezifische Prävention

andere sexuell übertragbare Krankheiten einzubeziehen und

der Einzigartigkeit des Youthwork-Angebotes in der Region

haben wir in den letzten Jahren immer wieder die Sinnhaftigkeit

bekräftigt, eine weitere Fachkraft zu gewinnen. Wünschenswert

wäre insbesondere eine Youthworkerin, die sich verstärkt der

Mädchenarbeit widmen könnte. Zumindest phasenweise und

themenabhängig sind geschlechtsspezifische Angebote und

Arbeitsweisen im Bereich der Sexualpädagogik wichtig. Da

konnte uns im letzten Jahr unsere Jahrespraktikantin, Frau

Kohlhase, super unterstützen, die allerdings im Berichtsjahr im

ersten Quartal auf die Frauenstellen wechseln musste (s. 1.).

Die `Sinnhaftigkeit´ beginnt gewissermaßen bei dem Eindruck,

dass Defizite bzgl. des individuellen Körperbewusstseins

und –verständnisses aus Sicht des Verfassers eher zunehmen

und Basiskenntnisse zu Körperbau und –funktionen, die zum

Verstehen von sexuellen Vorgängen unentbehrlich sind, oft nur

rudimentär vorhanden sind. Dies gilt allerdings durchaus für

beide Geschlechter.

Darüber hinaus können wir uns mit unseren Kapazitäten leider

nicht im gewünschten Maße um sozial benachteiligte Schüler/

innen kümmern, die nicht nur, aber gewiss mit höherer Quote

in Haupt- und Förderschulen anzutreffen sind, für die die

beschriebenen Defizite in besonderem Maße gelten und die

bei den STI-Inzidenzen eine Rolle spielen. Allerdings können

wir hier immerhin eine Etablierung bei einer Förder- und zwei

Hauptschulen in Duisburg feststellen.

Grundsätzlich konstatieren wir für den Arbeitsbereich weiterhin

knappe personelle Ressourcen und somit bleibt die Einbindung

und entsprechende Qualifizierung von ehrenamtlichen Kräften

und Multiplikator/innen ein zentrales Anliegen der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Unser Dank gilt hier insbesondere den aktiven HIV-positiven

Ehrenamtler/innen, die sich immer wieder bereit erklären,

in authentischer Weise zur Frage „HIV-positiv sein – was

heißt das?“ Rede und Antwort zu stehen. Die Einbeziehung

dieser Selbsthilfeaktivisten ist hier, wie bei Bedarf auch

zum Thema „Homosexualität“ fester Bestandteil vieler

Präventionsveranstaltungen. Der besondere Wert dieser

Authentizität wird uns auch immer wieder rückgemeldet. Hier

gilt auch den Mitarbeitern des Herzenslust-Teams ein herzliches

Dankeschön.

Den von uns (mit-) initiierten Präventions-Vernetzungen in

Duisburg und für die Region um Dinslaken kommen ebenfalls

besondere Bedeutungen zu. Dabei geht es uns vor allem

darum, über Multiplikator/innen eine kontinuierliche Präsenz

der Präventionsthemen in den Institutionen zu schaffen und

von `nur´ punktuellen Veranstaltungen wegzukommen. Durch

die Vernetzung und die damit verbesserte Kooperation und

Koordinierung werden Synergieeffekte erzielt. Durch begleitende

Öffentlichkeitsarbeit wird für die potentiellen Kunden mehr

Transparenz zu den Präventionsangeboten geschaffen und den

Schülerinnen und Schülern die Beratungseinrichtungen und ihre

Mitarbeiter/innen bekannt gemacht. Leider ist – wie im letzten

Jahresbericht schon befürchtet - AK ProVer in Dinslaken im

Berichtsjahr formal aufgelöst worden. Aber immerhin bleiben

die guten Vernetzungskenntnisse und –effekte zunächst noch

erhalten.

„Lernvoraussetzungsanalyse – und didaktische

Konsequenzen“

Wir konstatieren weiterhin insbesondere Defizite im Bereich

von sprachlichen und kommunikativen Kompetenzen im Feld

von Liebe, Sexualität und Partnerschaft. Ein Erklärungsansatz

mag in der neuartigen Nutzung von virtuellen Medien und den

damit verbundenen spezifischen Kommunikationsmustern zu

finden sein (SMS, Messenger- und Chat-Plattformen, …). Ein

anderer Ansatz ist uralt, nämlich dass auch heute der Eintritt in

das Abenteuer „Liebe, Sex und Partnerschaft“ immer noch mit

ganz viel Aufregung, Nervositäten und auch Ängsten und Sorgen

verbunden ist, trotz oder gerade wegen der vermeintlichen

Banalisierung der Thematik durch vielfältige einschlägige Medien,

die den Jugendlichen vermeintliche Realitäten und / oder

Normalitäten vorspiegeln. Hier ist einfühlsame Sexualpädagogik

gefordert.

Nach unserer Auffassung sind hierzu die Informations- und

Vermittlungsmethoden und der Zeitpunkt der thematischen

Auseinandersetzung von entscheidender Bedeutung. Die

Erkenntnis ist nicht neu, dass AIDS-Prävention mit Jugendlichen

im Kontext von Sexualpädagogik anzusiedeln ist, dass

personalkommunikative Methoden (d.h. „Veranstaltungen von

Mensch zu Mensch“, vgl. BzgA-Ansatz), die an der Lebenswelt

der Schüler/innen orientiert und hinsichtlich der ersten

Erfahrungen zeitnah zu platzieren sind, massenmedialen oder

eindimensionalen Vermittlungsformen vorzuziehen sind, bzw.

diese unbedingt ergänzen sollten (vgl. Landespräventionskonzept

o.).

In den Jahrgangsstufen bis zur 10. Klasse erscheint uns

zudem eine – zumindest phasenweise und themenabhängige

– geschlechtergetrennte Bearbeitung sinnvoll (vgl. o.). Hier

müssen einfach die nicht selten durchaus großen Unterschiede

im Reife- und Erfahrungsgrad zwischen Mädchen und Jungen

einer Jahrgangsstufe Berücksichtigung finden. In Anwesenheit

des anderen Geschlechtes fällt es manchmal schwerer, in offene

und ehrliche Kommunikationsprozesse hineinzufinden.

Erst recht, wenn die eigene Identitätsfindung (Wer bin ich?

Was mag ich? Was mag ich nicht? …) noch in vollem Gange

ist. Dennoch sind angesichts der mehrheitlich heterosexuellen

Orientierungen, Erfahrungen gelingender Kommunikation

zwischen den Geschlechtern unentbehrlich und nicht zuletzt

besonders wichtig für die Verabredung von Verhütungsmethoden,

für die Durchsetzung individueller Schutzbedürfnisse.

Verstärkt wird der Trend zu problematischer bzw. nicht

erfolgreicher Face-to-face-Kommunikation durch die rasante

Nutzung der neuen Medien zur Kontaktanbahnung oder für

Verabredungen. Die anfängliche Anonymität wird einerseits

sehr geschätzt, aber andererseits auch zunehmend missbraucht.

Der Ansatz, kommunikative Kompetenzen zu fördern wird aus

unserer Sicht immer wichtiger (vgl. o.).

Es bleibt dabei, Emanzipation, Selbstbewusstsein und –

bestimmung mit sozialer Verantwortung und solidarischem

Handeln in Einklang zu bringen, ist eine zentrale Aufgabe von

Erziehung, (Aus-) Bildung und Präventionsarbeit.

Auch vor diesem Hintergrund ist eine optionale Einbeziehung

des Spezialthemas „Homosexualität“, welches durch die

Richtlinien zur Sexualerziehung zum verbindlichen Thema

aufgewertet wurde, wichtig. Darüber hinaus gilt dies auch vor

dem Hintergrund der epidemiologischen Daten zum HIV-

Infektionsgeschehen (vgl. o.), wonach mann-männliche Sexualität

weiterhin der mit Abstand größte Infektionshintergrund ist. Die

nach wie vor stark klischeegeprägte Vorstellung vom „Schwul-

Sein“ gilt sehr häufig geradezu als das Antivorbild für Jungen. Trotz

aller gesamtgesellschaftlichen Fortschritte im Feld der Akzeptanz

und Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen,

gilt es hier aus Sicht des Verfassers sehr genau zu beobachten

und frühzeitig den Anfängen neuer Diskriminierungstendenzen

zu wehren.

Hier sei wieder einmal der Hinweis gestattet, dass beim

Youthworker der AIDS-Hilfe Duisburg /Kreis Wesel e.V. die

sog. „SchLAue Kiste“ des Gesundheitsministeriums NRW mit

Medien und Materialien zur schwul-lesbischen Aufklärungsarbeit

prinzipiell auszuleihen ist. Mit gewisser Wahrscheinlichkeit

können wir im Jahre 2013 auch eine Neuauflage der Kiste und

ein eigenes SchLAu-Angebot vorhalten. Wir sind jedenfalls recht

zuversichtlich. Darüber hinaus können über den Youthworker

der AIDS-Hilfe (ggf. im Verbund mit dem „Herzenslust-Team

der AH) Multiplikatorenfortbildungen zu diesem Themenfeld

vereinbart werden.

Prävention in Zahlen:

Durch Veranstaltungen im Sektor Youthwork und

Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung

konnten wir im Berichtsjahr 2012 5920 Personen mit

personalkommunikativen Formen erreichen, davon 269

50


sog. Multiplikator/innen (Lehrkräfte und sonstige Pädagog/

innen sowie ehrenamtliche Mitarbeiter/innen). Allein im

schulischen Bereich (-> Youthwork-Angebote) erreichten wir

in 15 Schulen 1407 Jugendliche aus allen Schulformen,

über 589 in außerschulischen Zusammenhängen wie

offener Jugendarbeit u.a. und 3500 Jugendliche im Rahmen von

personalkommunikativen Formen bei Großveranstaltungen

(wie z.B. bei den Jugend-DIN-Tagen in Dinslaken). 27 % der

Jugendlichen kamen aus dem Alterssegment zwischen 14 und 17

Jahren, 23 % der Jugendlichen hatten einen Migrationshintergrund

(s. auch Controlling-Daten für 2012 im Anhang).

5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche

und Multiplikatoren

Erfreulich war auch in diesem Berichtszeitraum erneut die

Nachfrage nach Präventionsberatungen von Schüler/innen, die

für Fach- oder Projektarbeiten unseren Rat suchten. Dies ist

gewiss auch als Zeichen zu deuten, dass die AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel e.V. bei vielen Schulen als gute und wichtige

Anlaufstelle bekannt ist. Über das direkte Aufsuchen lassen

sich im Übrigen leicht denkbare Schwellenprobleme abbauen.

Zudem können wir hierüber natürlich auch unsere Youthwork-

Angebote bekannt machen.

Aus dem Bereich berufsbildender Einrichtungen (z.B. Berufskollegs,

insbesondere der Sektor der sog. Berufsgrundschuljahre) gab

es im Berichtsjahr stabil hohe Anfragen zu vermerken. Hier

finden wir in der Regel wichtige Zielgruppen; Jugendliche im

Alter zwischen 16 und 25 Jahren, die oftmals problembehaftete

Sozialisationen und einen geringen Grad an Aufklärungsniveau

(z.T. auch migrationsbedingt) aufweisen.

Bis auf einzelne Ausnahmen – vorwiegend im Zusammenhang

mit schulischen Projekttagen und im Umfeld des Welt-AIDS-

Tages – sind direkte Kooperationen mit Einrichtungen der

offenen Jugendarbeit eher selten – im Berichtsjahr allerdings

können wir einen leichten Anstieg verzeichnen und hier

über 200 Jugendliche mehr erreichen als im Vorjahr. Dass wir

hier allerdings auch keine Offensiven starten konnten, hat

unsererseits einfach mit Kapazitätsgrenzen zu tun.

Auf einen besonderen Erfolg, der mit unserem Wirken in

Zusammenhang steht, sei an dieser Stelle hingewiesen. Bei dem

Vom MGEPA ausgeschriebenen „Kondomverpackungs-

Gestaltungs-Wettbewerb“ hat sich gezeigt, dass Moers die

künstlerische Kreativ-Hauptstadt des Landes NRW ist.

Gleich drei von Schülerinnen und Schülern der Moerser Gymnasien

„Adolfinum“ und „Grafschafter“ eingereichte Entwürfe für

die Umverpackungen der demnächst vom Ministerium zur

Verfügung gestellten Kondome wurden preisgekrönt (von

sieben Preisen)! Zwei davon tauchen also alsbald landesweit auf.

Bei einer schönen Preisverleihungsveranstaltung am 12.06.2012

im Ministerium in Düsseldorf konnten die Schüler/innen diese

Nachricht von der Staatssekretärin, Frau Marlies Bredehorst,

empfangen. Herzlichen Glückwunsch nach Moers!

die Vielzahl an Anfragen auch aus diesem Präventionsfeld

nicht befriedigt werden könnten. Dies ist und bleibt eine

wichtige Aufgabe, der wir uns gerne widmen. Dazu führen

wir u.a. alljährlich intensive Grundlagenausbildungen (s. 6.) im

Verbund mit drei anderen Ruhrgebiets-AIDS-Hilfen durch, um

darüber einerseits den Ehrenamtler/innen eine Möglichkeit

zu bieten, ein Einsatzfeld zu finden, dass Ihren Ressourcen,

Fähigkeiten und Neigungen entspricht und andererseits sie

gemäß unserer Qualitätsstandards auszubilden und zu rüsten

und die vorhandene Motivation zu stärken. Es spricht vieles

dafür, ehrenamtliche Ressourcen gerade auch im Bereich

der (Primär-) Präventionsarbeit weiter zu mobilisieren und

zu qualifizieren, z.B. für den peer-to peer-Ansatz. Die aktiven

Ehrenamtler/innen sind unsere wichtigste Ressource und die

wichtigsten Multiplikator/innen.

Eine weitere ganz wichtige Gruppe von potentiellen

MultiplikatorInnen sind in diesem Präventionsfeld natürlich

die Lehrenden in schulischen und außerschulischen

Einrichtungen. Die Anfragen nach Lehrerfortbildungen im

Hinblick auf und im Vorfeld von Projektformen stagnieren

auf sehr niedrigem Niveau. Dies hat unter anderem mit den

vielfältigen Veränderungen im Schulbereich mit erheblichen

Zusatzbelastungen für die Lehrkräfte zu tun. Fortbildungen,

die mit Unterrichtsausfall verbunden sind, sind nicht leicht zu

installieren. Dies hat auch damit zu tun, dass wir überwiegend

bei z.T. schon sehr lange etablierten Projekten agieren und hier

nicht mehr viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Darüber

hinaus wirkt hier in sehr positivem Sinne die alljährliche

Fachtagung des AK Prävention Duisburg in genau diese

Richtung (s.u.). Natürlich wäre eine Ausweitung des Angebotes

(s.o.) wünschenswert, aber wir sind nach wie vor froh, wenn

wir mit unseren begrenzten Ressourcen die Nachfragen

weitestgehend bedienen können.

Das Themenspektrum reicht hier von der Präsentation

des aktuellen Wissensstandes zu HIV und AIDS über die

epidemiologische Entwicklung und daraus resultierender

Präventionskonsequenzen und –strategien bis hin zu Aspekten

spezieller Fortbildung im Feld der Kommunikation, wie

Gesprächsführung und Moderation.

Auch vor diesem Hintergrund erweisen sich die erwähnten

Präventionsvernetzungsaktivitäten als höchst sinnvoll. Darüber

lassen sich Synergieeffekte erzielen, mittelfristig gesehen

Ressourcen zusammenführen und nicht zuletzt Chancen

eines ökonomischeren Haushaltens mit den vorhandenen

Kapazitäten entwickeln.

Umso mehr gewinnt das Feld der Multiplikatorenausbildung an

Bedeutung. Ein zentrales Anliegen ist es, die Präventionsthemen

und die damit verbundenen Ziele an Schulen und in

außerschulischen (Jugend-) Einrichtungen möglichst ganzjährig

zu platzieren. Geschulte Pädagog/innen, Erzieher/innen

oder Sozialarbeiter/innen und –pädagog/innen sollten diese

repräsentieren, zumindest mit Verweisungskompetenzen

ausgestattet sein und als AnsprechpartnerInnen für die

Jugendlichen bekannt sein / werden.

Einmal mehr gut angenommen wurde hier wieder die im

Berichtsjahr angebotene 11. Fachtagung des Präventions-

Vernetzungskreises Duisburg am 10. Mai. Unter dem Titel

„Soziales Engagement ist cool“ befassten sich über 50

Teilnehmer/innen schwerpunktmäßig mit der Frage nach den

Angeboten für freiwilliges Engagement und den Interessen

und Motiven dafür von jungen Menschen. Neben inhaltlichen

Anregungen und methodischen Zugangsformen dient die

Fachtagung immer auch dem Ziel, die Präventionsinfrastruktur

in Duisburg kennen lernen zu können.

5.6.4 Multiplikatoren- und Erwachsenenbildung

Wie bereits erwähnt, investiert die AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V. viel in die Aus- und Weiterbildung ihrer

ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen, ohne die einfach

5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung

Hier sind im Wesentlichen Fortbildungsveranstaltungen in

Krankenpflegeschulen, bei sonstigen Pflegeanbietern und im

medizinischen Versorgungssystem verortet. In diesem Bereich

51


Zielgruppenspezifische Prävention

verzeichnen wir sehr stabile Nachfragen und hocherfreuliche

Rückmeldungen. Insbesondere wird geschätzt, dass wir von der

medizinischen Seite bis zu den Tiefen im psychosozialen Bereich

die ganze Bandbreite des komplexen Themenfeldes rund um

das Phänomen „HIV / AIDS und andere sexuell übertragbare

Krankheiten“ abdecken können. Nicht zuletzt auch in diesem

Tätigkeitsfeld bewährt sich das „3-Säulen-Modell AIDS-Hilfe“

mit der Verbindung von Selbsthilfe-, Interessen- und Fachverband

sowie der Ansatz der Strukturellen Prävention immer wieder

aufs Neue.

5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Anzuführen sind hier für den Stelleninhaber :

• Beteiligung an der Grundlagenausbildung für

EhrenamtlerInnen in der Ruhrgebietsvernetzung der

AIDS-Hilfen

• Präventionsvernetzungsarbeit im Kreis Wesel und

Duisburg

• Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

bei den NRW-Youthworker-Arbeitskreisen und dem

Youthwork-Qualitätszirkel

• Evaluation und Qualitätssicherung – Fortführung

des Verfahrens beim Youthwork-Förderprogramm-

Controlling MGEPA, NRW

• Beratung / Information für Zeitungs- und Radio-

Redaktionen sowie für politische Entscheidungsträger

• Koordinierung von haupt- und ehrenamtlichen Einsätzen

bei Informations- und Präventionsprojekten

• Einarbeitung in und Bereitstellung von Materialien für

Lehrende und Multiplikator/innen

• Beratung von pädagogischen Fachkräften bzgl. der

Unterrichts- oder Projektgestaltung zum Thema HIV /

AIDS und anderer STI`s

• Telefonische und persönliche Informations- und

Beratungsgespräche

• E-mail Beratung

• Unterstützung von Jugendvertretungs- und

SchülerzeitungsredakteurInnen

• Geschäftsführung

• u.a.m. (Vgl. 4. Öffentlichkeitsarbeit)

Abb.:

Veranstaltungsverteilung nach Arbeitsfeldern

52


Ehrenamtliche Mitarbeit

6. Ehrenamtliche Mitarbeit

6.1. Begleitung der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen

Im Berichtsjahr waren als Kern 18 Personen ehrenamtlich

für die AIDS-Hilfe tätig, da einige MitarbeiterInnen die

Arbeit aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen

eingestellt haben. Zwei unserer ehrenamtlichen

MitarbeiterInnen sind im Berichtsjahr verstorben.

Punktuell, so zum Beispiel zum CSD in Duisburg oder

zum WAT beteiligen sich weitere interessierte Menschen

an unserer Arbeit und unterstützen uns tatkräftig.

Das ehrenamtliche Engagement ist für das Angebot der

AIDS-Hilfe Duisburg Kreis Wesel e. V. weiterhin überaus

wichtig. Ohne die freiwilligen MitarbeiterInnen könnten

wir unser umfangreiches Angebot nicht aufrechterhalten.

Daher an dieser Stelle unser großer Dank an den

unermüdlichen Einsatz und die vielen unentgeltlich

geleisteten Stunden der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen.

Aufgrund des Todes unseres ersten Vorsitzenden und

personellen Engpässen konnte die Weiterentwicklung

unseres Ehrenamtlerkonzeptes nicht fortgeführt werden.

Die AIDS-Hilfe bietet vielfältige Aufgabengebiete, in denen

sich die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen engagieren

können. Diese umfassen die Begleitung, Knastarbeit,

Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit, Herzenslust,

Substitutionsvergabe, Telefon- und E-Mail-Beratung,

Chat-Beratung, Vorstandsarbeit, Freitagsfrühstück,

Substitionsfrühstück und Weihnachtsfeier. Einige

ehrenamtliche MitarbeiterInnen arbeiten in mehreren

Bereichen, andere haben sich spezielle Aufgabengebiete

gesucht, so zum Beispiel das Freitagsfrühstück.

Die ehrenamtlichen MitarbeiterInnnen sind in den

unterschiedlichsten Berufen aktiv, sind HIV-negativ oder

HIV-positiv, setzen sich aus Frauen und Männern aus

allen sozialen Lebensbereichen zusammen und stammen

aus den unterschiedlichsten politischen Richtungen. Dies

bedeutet für die Arbeit der AIDS-Hilfe einen enormen

Erfahrungsschatz, der in unsere Arbeit mit einfließt.

Eine Möglichkeit des Austausches bietet weiterhin unser

Mittwochs-Café (siehe auch Punkt 3.5). Hier ist der

zentrale Anlaufpunkt, um sich mit Betroffenen zu treffen

oder sich untereinander oder mit den hauptamtlich Tätigen

auszutauschen.

Im Berichtsjahr fanden wie vereinbart zwei Aktiventreffen

im Juni und Oktober statt.

Beim Treffen im Juni wurde der aktuelle Stand unseres

Ehrenamtlerkonzeptes vorgestellt, es ging um die

Planungen zum CSD und die personellen Veränderungen

in unserer Einrichtung.

Das Oktober-Treffen hatte traditionell als Haupt-

Schwerpunkte die WAT-Planung und es wurde das

Positionspapier der Deutsche AIDS-Hilfe „Keine

Kriminalisierung von Menschen mit HIV!“ vorgestellt und

diskutiert. Des Weiteren wurde über den Stand unseres

Umzuges informiert.

Unser traditionelles Dezember-Aktiventreffen, bei dem

die hauptamtlichen MitarbeiterInnen die ehrenamtlichen

MitarbeiterInnen bekochen, fand unter Beteiligung des

Fernsehens (Aktuelle Stunde WDR Fernsehen) mit großen

Zuspruch in schöner Atmosphäre statt. In diesem Rahmen

konnten wir uns bei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und

Mitarbeitern für ihre Tätigkeit im abgelaufenen Jahr und

auch bei den Veranstaltungen zum WAT bedanken und

auch schon ein erstes finanzielles Ergebnis zum WAT

verkünden.

6.2. Schulung und Fortbildungen für ehrenamtliche

MitarbeiterInnen

Leider konnte im Berichtsjahr keine Schulung für neue

ehrenamtliche MitarbeiterInnen angeboten werden, da

trotz Vernetzung mit den AIDS-Hilfen Bochum, Dortmund,

Essen und Oberhausen nicht die Mindestteilnehmerzahl

von zwölf erreicht wurde.

6. 3 Externe Fortbildungen

Weiterhin besteht in unserer Einrichtung ein

Fortbildungsetat für ehrenamtliche und hauptamtliche

MitarbeiterInnen. Nicht nur im eigentlichen HIV/AIDS-

Bereich, sondern auch bei anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten und in der Sozialgesetzgebung ergeben

sich immer schneller Veränderungen. Fortwährende

Weiterbildungen garantieren somit eine kompetente und

aktuelle Beratung.

In Kooperation mit der AIDS-Hilfe Oberhausen führten wir

je ein Fachgespräch in Oberhausen und Duisburg durch

(näheres im Kapitel Öffentlichkeitsarbeit).

53


Anhang / Pressespiegel

Controlling-Daten für das Kalenderjahr 2012 -

Verteilung nach Arbeitsfeldern

1. Unmittelbare Kontakte im Berichtsjahr 2012 durch Maßnahmen primärpräventiver Zielsetzung

(personalkommunikativ) :

Gesamt 15.248

Davon im Arbeitsbereich :

1.1. Youthwork u. Prävention in der Allgemeinbevölkerung

Gesamt: 5920 (38,9 %)

Davon männlich 2575

Davon weiblich 3345

Mit erkennbarem Migrationshintergrund 1344

Ohne erkennbaren Migr.hintergrund 4576

Bis 21 Jahre 3188

Über 21 Jahre 2732

1.2. Beratung (persönlich, telefonisch, inkl. bundesweite Telefonberatung

Gesamt : 797 (5,2 %)

Davon männlich 557

Davon weiblich 240

Mit Migrationshintergrund 239

Ohne Migrationshintergrund 558

Bis 21 Jahre 86

Ab 22 Jahre 711

1.3 Frauen (inkl. überregionale Aktionen i. R. der Landesarbeitsgemeinschaft; AG XXelle-Ruhrgebiet , …)

Gesamt : (100% weiblich) 885 (5,9 %)

Mit Migrationshintergrund 309

Ohne Migrationshintergrund 576

Bis 21 Jahre 172

Ab 22 Jahre 713

54


1.4 Migration (in 2012 wegen Personalwechsel subsumiert in Beratung 1.2, Frauen 1.3 u. YW 1.1)

Gesamt :

Davon männlich

Davon weiblich

Bis 21 Jahre

Ab 22 Jahre

1.5 Herzenslust regional (inkl. Beratung & Test, CSD Duisburg, Parties, …)

Gesamt : (100% männlich) 1465 (9,6 %)

Mit Migrationshintergrund 225

Ohne Migrationshintergrund 1240

Bis 21 Jahre 306

Ab 22 Jahre 1159

1.6 Herzenslust (Knotenpunktarbeit im Ruhrgebiet, anteilig über ZSP-Landesmittel gefördert)

(inkl. Gay-online-Beratung über Health-Support-Profile, CSDs Köln und Essen)

Gesamt : (100% männlich) 2092 (13,7 %)

Mit Migrationshintergrund 508

Ohne Migrationshintergrund 1584

Bis 21 Jahre 160

Ab 22 Jahre 1932

1.7 Justizvollzug („Knastarbeit“)

Gesamt : (alle über 21 Jahre!) 309 (2,0 %)

Davon männlich 110

Davon weiblich 199

Mit Migrationshintergrund 150

Ohne Migrationshintergrund 159

1.8 Drogen (allgemeine Präventionsarbeit d. AH)

Gesamt : 980 (6,4%)

55


Anhang / Pressespiegel

Davon männlich 730

Davon weiblich 250

Mit Migrationshintergrund 325

Ohne Migrationshintergrund 655

Bis 21 Jahre 10

Ab 22 Jahre 970

1.9 Spritzentausch

Gesamt : 200 (1,3 %)

Davon männlich 130

Davon weiblich 70

Mit Migrationshintergrund 35

Ohne Migrationshintergrund 165

Bis 21 Jahre 20

Ab 22 Jahre 180

1.10 Substitution (an Wochenenden und Feiertagen in Duisburg)

Gesamt : 2600 (17,0 %)

Davon männlich 1740

Davon weiblich 860

Mit Migrationshintergrund 258

Ohne Migrationshintergrund 1342

Bis 21 Jahre 160

Ab 22 Jahre 2440

1 Unmittelbare Kontakte im Berichtsjahr 2012 durch Maßnahmen sekundär- und tertiärer Zielsetzung

(personalkommunikativ)

Gesamt : 5210

56


1.1 (Psychosoziale-) Begleitung

Gesamt : 4950 (95,0 %)

Davon männlich 3465

Davon weiblich 1485

Mit Migrationshintergrund 1980

Ohne Migrationshintergrund 2970

Bis 21 Jahre 90

Ab 22 Jahre 4860

1.2 Beratung (für 2012 in 2.1. PSB integriert)

Gesamt :

Davon männlich

Davon weiblich

Mit Migrationshintergrund

Ohne Migrationshintergrund

Bis 21 Jahre

Ab 22 Jahre

1.3 Justizvollzug

Gesamt : 52 (1,0 %)

Davon männlich 20

Davon weiblich 32

Mit Migrationshintergrund 6

Ohne Migrationshintergrund 46

Ab 22 Jahre (alle!) 52

1.4 Frauen

Gesamt : 184 (3,5 %)

Mit Migrationshintergrund 19

Ohne Migrationshintergrund 165

Bis 21 Jahre 8

Ab 22 Jahre 176

57


Anhang / Pressespiegel

1.5 Migration (s. 2.1. Begleitung und 2.4. Frauen)

2.6 Drogen

Gesamt: 16 (0,3 %)

Davon männlich 15

Davon weiblich 1

Mit Migrationshintergrund 0

Ohne Migrationshintergrund 16

Bis 21 Jahre 0

Ab 22 Jahre (alle!) 16

1.6 Youthwork (hier nur Personen! mit i.d.R. mehreren Kontakten!)

Gesamt : 8 (0,2 %)

Davon männlich 5

Davon weiblich 3

Mit Migrationshintergrund 1

Ohne Migrationshintergrund 7

Bis 21 Jahre 8

58


Anhang / Pressespiegel

60


Anhang / Pressespiegel

62


Anhang / Pressespiegel

64


Anhang / Pressespiegel

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