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Jahresbericht 2009

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Jahresbericht

2009

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Geschäftsbericht für das Jahr 2009

Ein sehr dynamisches und ereignisreiches Jahr 2009 liegt hinter uns – ein Jahr, in

dem nicht nur fachlich inhaltlich viel in Bewegung war, sondern in dem unsere AIDS-

Hilfe auch wieder einmal sehr intensiv mit internen strukturellen Prozessen

beschäftigt war und wichtige Weichenstellungen für die Zukunftsfähigkeit vollzogen

hat. Somit verbinden wir mit diesem Jahresbericht die Hoffnung, dass die Lektüre

auch für Sie spannend und erkenntnisreich sein wird.

Die im letzten Jahr insbesondere durch die Stellungnahme der Schweizerischen

AIDS-Kommission (s. JB 2008, EKAF) initiierte Intensivierung der Diskussion über

Präventionsansätze und – Strategien setzte sich unvermindert fort. Der Anlass oder

Hintergrund dazu sind die mittlerweile sehr deutlich verbesserten Therapieoptionen

(s.u.) mit mittelbaren Effekten für die Primärprävention.

Dies gilt zumindest für die Regionen, in denen eine gute Versorgungslage mit

antiretroviralen Medikamenten vorliegt bzw. überhaupt Zugang zu diesen Therapien

gegeben ist. Dies gilt in besonderem Maße für Deutschland. Mit einer bundesweiten

HIV-Inzidenz (= dem Robert-Koch-Institut gemeldete HIV-Neudiagnosen pro 100.000

Einwohner) von 3,49 für das Jahr 2009 stellt Deutschland mittlerweile die niedrigste

Inzidenzrate in Europa. NRW steht mit einer Rate von 3,84 allerdings im

Ländervergleich im oberen Drittel mit dem „Bundesspitzenreiter“ Köln mit einer

Inzidenz von 15,77.

In Duisburg liegt die Inzidenzrate für 2009 bei 2,23 (im Vgl. zu 2008 + 0,01); im Kreis

Wesel realistisch geschätzt bei 2,81 (entspricht 14 Fällen im Berichtsjahr), also in

beiden Regionen auf einem stabil niedrigen Niveau. In dieser Rubrik der

Neudiagnosen ist zu berücksichtigen, dass es sich um Erstmanifestationen und nicht

zwingend um Neuinfektionen aus dem Erhebungsjahr handelt.

Für die Rubrik realistischer Neuinfektionen aus dem Erhebungsjahr ist für

Deutschland eine Dunkelziffer von nicht-gemeldeten Neu-Infektionen

hinzuzurechnen, die bei etwa 35 – 50% der Neudiagnosen-Zahlen zu veranschlagen

ist. Daraus ergibt sich für die BRD für das Jahr 2009 eine seriös geschätzte Zahl von

knapp 3000 Neuinfektionen – ein zwar stabil hohes Rekordniveau, aber im

internationalen Vergleich eben sehr niedrig und gemessen an der noch im letzten

Jahr formulierten Erwartung, „dass die registrierten Neuinfektionen auch in den

nächsten Jahren steigen werden“ (BZgA aktuell, 07/2008, S. 2) ist dieses Halten des

Niveaus durchaus als Erfolg zu werten.

Das zeigt: Prävention wirkt! Der „deutsche“ Ansatz der strukturellen Prävention, der

zielgruppenspezifischen Information- und Aufklärung in Arbeitsteilung zwischen

öffentlichem Gesundheitswesen und nichtstaatlichen Trägern, professionellen- und

Selbsthilfeakteuren, mit massenmedialen und personalkommunikativen Strategien ist

im Unterschied zu repressiven Ge- und Verbotsstrategien oder moralisierenden

Abstinenzansätzen eindeutig erfolgreicher.

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Doch auch wenn in Deutschland eine vergleichsweise günstige Situation erreicht

werden konnte, dürfen wir in unserer Arbeit nicht nachlassen, müssen die etablierten

Strukturen erhalten werden, um die Erfolgsgeschichte weiter zu schreiben, um nicht

zuletzt auch die wirtschaftlichen Einspareffekte von preiswerter und wirksamer

Prävention gegenüber nach wie vor teurer Therapie zu halten.

„Nach heutigen Schätzungen kostet die lebenslang notwendige medizinische

Begleitung und Therapie eines Menschen mit HIV circa eine halbe Million Euro, zum

Teil sogar deutlich mehr. Wahrscheinlich wurden durch die Aidsprävention in

Deutschland seit 1985 mehrere 10000 Infektionen verhindert – das

Gesundheitssystem wird dadurch von erheblichen Kosten entlastet“ („Gib AIDS keine

Chance, Die Kampagne zur Aidsprävention in Deutschland, 1985 – 2009

Dokumentation“, hrsgg. von BZgA 06/2009, S. 17). HIV-Prävention rechnet sich.

Vor dem Hintergrund der enormen Fortschritte im Bereich der Behandlungsoptionen

und den erheblichen Kenntniszugewinnen auf dem Sektor der Immunologie, der

Übertragungswege und –möglichkeiten sowie der Epidemiologie im Kontext von HIV,

AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten der letzten Jahre, steht die

Umsetzung und Ausgestaltung der bis heute sehr erfolgreichen strukturellen

Präventionsarbeit natürlich auch in unserer Region vor wachsenden

Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, um die bisherige

Erfolgsgeschichte der deutschen und regionalen AIDS-Prävention fortsetzen zu

können.

Mit dem Paradigmenwechsel, dass die antiretrovirale Therapie als originär

sekundär- und tertiärpräventives Instrument mittlerweile Teil einer

Primärpräventionsstrategie ist, müssen u.a. die folgenden Erkenntnisse

Berücksichtigung finden:


Eine möglichst frühe Diagnosestellung ist nicht nur sinnvoll, um dem

Infizierten eine frühe Auseinandersetzung mit der Infektion, die Chance auf

eine längere asymptomatische Zeit zur Annahme und Verarbeitung zu

ermöglichen, Erhalt von Therapieoptionen und möglichst selbstbestimmten

Entscheidungen zu wahren sowie natürlich sich mit der eigenen potentiellen

Infektiösität zu beschäftigen.

Eine frühe Diagnose ist insbesondere bedeutungsvoll, weil wir heute wissen,

dass vermutlich mehr als 50 % der Neuinfektionen von „Frisch-Infizierten“

stammen, die nichts von ihrer Infektion wissen, weil sie kein

Risikobewusstsein entwickelt haben oder weil sie noch im Bereich des

diagnostischen Fensters sind und somit ihren Status gar nicht wissen können.

Demzufolge muss sowohl die Aufklärung unvermindert oder besser noch

intensiver fortgeführt als auch die Testbereitschaft gefördert werden.

Letzteres gilt vor allem für besonders riskierte Gruppen, z.B. für besondere

Netzwerke in der Gruppe der sog. MSM, Männer, die Sex mit Männern haben. Hier

haben wir im Berichtsjahr mit der Umsetzung des sog. „BuT-Konzeptes“ (Beratung

und Test) nicht nur in Fachkreisen, sondern auch im Bereich der Medien

bundesweite Resonanz und Anerkennung bekommen können (s. 5.1.). über die

auch der vorliegende Jahresbericht Auskunft gibt.

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Die Bedeutung der Einbeziehung und weiteren Verbesserung von STI

(sexual transmitted infektions)-Diagnostiken, Screening-Möglichkeiten (inkl.

deren Finanzierung etwa als Kassenleistung – zumindest für besonders

riskierte Gruppen) und spezifischer Aufklärung und Beratung wird wachsen,

weil vorliegende STI`s das HIV-Infektionsrisiko enorm steigern.

Dem Rechnung tragend, haben wir unsere AIDS-Präventions-Ansätze schon seit

geraumer Zeit um diesen Kontext erweitert, uns entsprechend qualifiziert und im

Berichtsjahr einen konsequenten Schritt umgesetzt. Um dieses know-how und die

damit verbundenen Angebotsmöglichkeiten auch unseren Nachfragern und Kunden

transparent zu machen, haben wir unserem Vereinsnamen nach Rücksprache mit

unseren Zuwendungsgebern den Zusatz

Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung

gegeben.

Viele AIDS-Beratungstellen des ÖGD haben diesen Schritt der Einbeziehung von

STD`s sinnigerweise durch die Ergänzung „AIDS- und STD-Beratungsstelle des

Gesundheitsamtes XY“ o.ä. bereits vollzogen. Im Unterschied zu HIV / AIDS ist

bezüglich der STD`s zu konstatieren, dass das Aufklärungsniveau in der

Bevölkerung darüber weitaus geringer ist und wir hier vor großen

Präventionsherausforderungen stehen, weil die Botschaften immer komplexer und

differenzierter werden.

Dies müssen wir u.E. aber in gleicher Weise aufgreifen wie bei der erfolgreichen HIV-

Prävention, nämlich in lebensstilakzeptierender Weise und im Sinne der WHO-

Charta zur Gesundheitsförderung. Das heißt, wir sollten auch hier emanzipatorische

und identitätsstärkende Verhaltens- und Verhältnisprävention umsetzen.


Die medizinischen Chancen bzw. Erfolge und ihre primärpräventiven Effekte

haben natürlich auch eine enorme Bedeutung für die Begleitungsarbeit. Sie

untermauern immer mehr die Wichtigkeit einer besonders guten und

lebenslangen Adhärenz oder Compliance (Therapieeinnahmedisziplin). Diese

kann nur bei psychisch starken Identitäten und unter möglichst stabilen

Lebensumständen gelingen. Entsprechend gilt diesem Zusammenhang

besonderes Augenmerk; es geht um die Förderung einer möglichst guten

Lebensqualität und die Mobilisierung der individuellen und allgemeinen

Lebenskompetenzen unter Berücksichtigung der persönlichen Ressourcen.

Diese Ausrichtung prägt schon länger unsere Leitlinien für die Begleitungsarbeit von

Menschen mit HIV und AIDS und findet fortwährend Berücksichtigung bei der

Auswahl von Fort- und Weiterbildung unserer ehren- und hauptamtlichen

Mitarbeiter/innen.


„Älter werden mit HIV“ ist das Schwerpunktthema im Bereich der Sekundärund

Tertiärprävention und zieht neue medizinisch-therapeutische - wie

natürlich auch psychosoziale Begleitungserfordernisse nach sich. Eine sich

häufende Frage ist hier etwa die nach einer (Re-) Integration in das

Erwerbsleben.

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Dies ist bei den aktuellen Arbeitsmarktentwicklungen nicht nur für Menschen mit HIV

und AIDS nicht ganz einfach. Aber eine geregelte und strukturierte Beschäftigung hat

nicht nur Bedeutung für den materiellen Lebensunterhalt, sondern eben auch für eine

psychische Stabilisierung. Diesem Themenfeld gilt in den kommenden Jahren

besondere Aufmerksamkeit.

In diesem Zusammenhang steht auch das medizinische Versorgungssystem vor der

Herausforderung einer Art „Horizonterweiterung“, also die sehr spezialisierte HIV-

Behandlungsbrille immer wieder auch zu heben und auf Koinfektionen,

Begleiterkrankungen und gleichsam „normale“ Alterungsprozesse zu schauen.

Insbesondere Tumor- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie (u.a.) infolge der

Therapie lebertoxische Problematiken finden aus unserer Sicht noch nicht

hinreichend Beachtung und sind nicht selten nicht oder sehr spät auf dem

„diagnostischen Schirm“. Hier ist auch der Gesetzgeber gefordert, mit wirklicher

Orientierung am Patientenwohl entsprechende Leistungskataloge und Richtlinien auf

den Weg zu bringen.


Die verbesserten Therapieoptionen und ihre überwiegend günstigen Folgen

ändern leider nichts daran, dass Entdiskriminierungsarbeit weiterhin ein

zentraler Bestandteil von struktureller Präventionsarbeit bleiben muss, um

Menschen mit HIV überhaupt eine gleichberechtigte Teilhabe am

gesellschaftlichen Leben ermöglichen zu können.

Der mediale Hype um den „Fall“ Nadja B. (Sängerin der Gruppe „No Angels“) im

Berichtsjahr hat uns unerwartet deutlich vor Augen geführt, dass HIV und AIDS

immer noch massiv stigmatisierendes Potential besitzen und aus unserer Sicht nach

wie vor nicht als `normale chronische Erkrankung´ anzusehen ist. Es gibt immer noch

–und nicht nur latent- die zweite Seite der Erkrankung, nämlich die, welche die

Gesellschaft befällt. Das bestätigen nicht nur die Berichterstattungen der sog.

Boulevard-Presse, sondern insbesondere auch die Fülle der Kommentierungen von

Lesern, Zuschauern und Bürgerinnen und Bürgern „auf der Straße“. Teilweise fühlten

wir uns zurückversetzt in die Frühphase der „Epidemie“ in den 80ern. In die

„Stigmatisierungsfalle“ sind sogar wieder einige Abgeordnete getapert. Ein MdB aus

unserer Region in besonders unglücklicher Weise mit dem Begriff der „Bio-Waffe“. Im

Gespräch mit dem Abgeordneten, dem er sich erfreulicherweise stellte, konnten wir

ein glaubhaftes Bedauern und einen „positiven“ Lernprozess konstatieren und in der

Folge sogar ein neues Fördermitglied gewinnen. Doch es gibt noch viel zu tun.

Dazu passte es sehr gut, dass das Motto des Welt-AIDS-Tages 2009 „Gemeinsam

gegen AIDS & Du – Zeig Schleife!“ (s. 4.) das Thema der Solidarität mit Menschen

mit HIV und AIDS wieder einmal in den Mittelpunkt rückte und die Menschen aufrief,

mitzuhelfen, dass Betroffene nicht ausgegrenzt werden, sondern offen und

selbstbewusst mit ihrer Infektion leben können.

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Diskriminierung und soziale Ausgrenzung von HIV-Infizierten wirken sich im Übrigen

natürlich auch äußerst demotivierend auf die HIV-Testbereitschaft von gefährdeten

Personen und Personengruppen aus.

Die geschilderten Zusammenhänge, Analysen und Schlussfolgerungen werden in

deutlicher Weise von der Kommission der Europäischen Gemeinschaften in

ihrem im Berichtsjahr vorgelegten Aktionsplan gegen HIV und AIDS für die Jahre

2009 – 2013 bekräftigt, in dem es einleitend heißt: „Von entscheidender Bedeutung

in der Bekämpfung von HIV/Aids ist es daher, die Prävention zu intensivieren, - dies

nicht zu tun, hieße Menschenleben aufs Spiel zu setzen und Ressourcen zu

vergeuden. (…) Die beste Antwort auf die Epidemie bleibt eine Kombination von

gesundheitsspezifischen und umfassenderen Sozialmaßnahmen. Ein Ende des

Leidens ist nicht abzusehen, wenn nicht die Prävention beschleunigt und der

allgemeine Zugang zu Behandlung, Versorgung und Unterstützung für alle

Betroffenen gewährleistet wird.“ (Aktionsplan zur Bekämpfung von HIV/Aids in der

Europäischen Union und in den Nachbarländern 2009-2013, Brüssel, KOM(2009)

569/3, S. 2). Prioritäre Voraussetzungen sind für die Kommission „evidenzbasierte

Präventionsstrategien, die den lokalen Gegebenheiten Rechnung tragen und auf die

prioritären Gruppen zugeschnitten sind“ (ebd., S. 7).

Der Ansatz der strukturellen Präventionsarbeit im Kontext von

Gesundheitsförderung hat sich hier eindeutig bewährt. Angesichts der

epidemiologischen Daten in Deutschland erweist sich die zielgruppenspezifische

Präventionsarbeit als immer bedeutungsvoller. Präventionsmittel und –maßnahmen

müssen demzufolge dort zur Verfügung stehen, wo sie besonders benötigt werden –

z.B. in Bereichen von (Beschaffungs-) Prostitution oder bei der Versorgung von

Suchterkrankten (s. 5.2. unser neues Projekt „@drugthiv“!) und eindeutig im Bereich

von homo- und bisexuellen Männern, insbesondere in besonderen MSM-

Netzwerken, die bisher nur unzureichend erreicht wurden (s. 5.1.). Ein weitere sehr

wichtige Zielgruppe stellen Menschen in Haft dar, wo wir leider immer noch höhere

Infektionsgefährdungspotentiale (besonders bzgl. der Hepatitiden B und C, aber

durchaus auch bezogen auf HIV) konstatieren, die im Wesentlichen in den

hygienisch höchst bedenklichen (Drogen-) Konsumbedingungen begründet sind (s.

5.3.). Hier stand unsere (Primär-) Präventionsarbeit in Folge der Kommunalisierung

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von Landesmitteln wegen fehlender Refinanzierung in Gefahr. Doch im Berichtsjahr

konnte es uns als bundesweit erste AIDS-Hilfe (!) gelingen, eine vertragliche Basis

mit Vergütung mit der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn (und ihren

Zweiganstalten) zu erzielen. Ein Meilenstein, der hoffentlich Schule machen wird.

Ein vielfach betonter und wichtiger Faktor für diesen Erfolg ist das gelungene und

gelingende Zusammenwirken von Bund, Ländern und Kommunen (vgl. auch

Aktionsplan zur Umsetzung der HIV/AIDS-Bekämpfungsstrategie der

Bundesregierung, März 2007) sowie von Öffentlichem Gesundheitsdienst und

verschiedenen nichtstaatlichen Trägerstrukturen wie den AIDS-Hilfen und die

abgestimmten Aufgabenverteilungen – so auch im Kreis Wesel und in der Stadt

Duisburg. Wir möchten an dieser Stelle betonen, dass wir diese synergetische

Strategie in unserer Zusammenarbeit im Wesentlichen umgesetzt sehen und dass

wir es für wichtig erachten, dass die partnerschaftliche und partizipative Kooperation

erhalten und günstigenfalls gestärkt wird („Gemeinsam gegen AIDS“).

Genau dies ist wird nicht nur im Bundes-Infektionsschutzgesetz und dem Gesetz

über den öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGDG) des Landes NRW, sondern mit der

im Juli des Berichtsjahres (endlich) verabschiedeten „Rahmenvereinbarung zwischen

dem Land NRW, vertreten durch das MAGS und dem Städtetag NRW, dem

Landkreistag NRW, dem Städte- und Gemeindebund NRW sowie der AG der

Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege NRW über Grundsätze zur

Umsetzung der Kommunalisierung der Landesförderung für Präventions- und

Hilfemaßnahmen im Sucht- und AIDS-Bereich in Nordrhein-Westfalen“ vielfach

bekräftigt. So wird dort als Ziel und Zweck der Kommunalisierung der Landesmittel

formuliert: „ Im AIDS-Bereich wird es insbesondere angesichts der zu

beobachtenden Zunahme von Neuinfektionen in bestimmten Bevölkerungsgruppen

für notwendig erachtet, die Anstrengungen zur Vermeidung von Neuinfektionen

sowie zur Verbesserung der Lebenssituation von HIV-Infizierten und AIDS-kranken

Menschen auf der Grundlage der von Land, Kommunen und Freien Trägern

gemeinsam getragenen Strategie zur Eindämmung von AIDS unvermindert

fortzusetzen und die bestehende differenzierte AIDS-Präventions- und

Hilfeinfrastruktur bedarfsgerecht weiter zu entwickeln“ (Präambel der

Rahmenvereinbarung, S. 4).

Diesen Zielen können wir nur eindeutig zustimmen. Dies alles erfordert natürlich

personelle und materielle Ressourcen, verbunden mit zeitlichen Perspektiven. Nur so

können einerseits nachhaltige Effekte erzielt werden und andererseits flexible

Anpassungsprozesse an epidemiologische und soziologische Entwicklungen

insbesondere in der Vor-Ort-Arbeit erfolgen.

Nun ist dies nicht zum Nulltarif zu bekommen. Angesichts der bekannten

Haushaltssituationen der meisten NRW-Kommunen stehen die Beteiligten vor

großen Herausforderungen. Wir sind jedenfalls sehr gespannt, ob es in den

kommenden Monaten und Jahren gelingen kann, den schönen Reden,

Vereinbarungen und Gesetzen auch entsprechende Taten folgen zu lassen.

Insbesondere wird darauf zu achten sein, dass das Land NRW sich nicht

schleichend aus seiner Verantwortung stiehlt und den Kommunen zur Seite stehen

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wird sowie weiterhin daran mitwirkt, die zivilgesellschaftlichen Kräfte zu mobilisieren

und zu stärken. AIDS geht uns alle an!

Wie schon im letzten Jahresbericht geschildert, haben wir diese Veränderungen der

Förderpraxis zum Anlass genommen, um über einen

Organisationsentwicklungsprozess nach EFQM-Qualitätssicherungskriterien den im

Haushaltsplan verankerten fachlichen Anforderungen gerecht zu werden und darüber

hinaus unsere Strukturqualität zu prüfen und zu verbessern.

Erarbeitet wurde u.a. die Abgrenzung der Aufgabengebiete des Vorstands und der

neu zu bestimmenden Geschäftsführung, festgeschrieben in einer neuen

Geschäftsordnung, welche durch eine außerordentliche Mitgliederversammlung am

02.03. 2009 satzungsgemäß verabschiedet wurde.

Die neue Geschäftsordnung sieht eine klare Trennung von strategischen Aufgaben,

die dem Vorstand vorbehalten sind, und den operativen Aufgaben, für die die

hauptamtlichen Mitarbeiter zuständig sind, vor. Ein klares Aufgabenprofil einer

Geschäftsführung wurde entwickelt und die Zusammenarbeit von Vorstand und

Geschäftsführung skizziert.

Für die Position der Geschäftsführung kam für uns nur unser langjähriger Mitarbeiter,

Herr Dietmar Heyde, in Betracht, der die Aufgaben einer Beratungsstellenleitung

bereits seit nunmehr acht Jahren neben seinen eigentlichen Arbeitsfeldern, v.a.

Youthwork, Prävention in der Allgemeinbevölkerung sowie Öffentlichkeitsarbeit,

ohne zusätzliche Anreize oder Vergütungen, wahrnimmt. Aufgrund deutlich

wachsender Führungs- und Koordinationsaufgaben (Stichworte: Durch den Wandel im

Krankheitsbild und neuerer medizinischer und epidemiologischer Erkenntnisse sind zukünftig

schnellere präventionsstrategische Anpassungsprozesse zu erwarten -> mehr Projektentwicklungsund

–umsetzungsarbeit, Erschließung neuer Handlungsfelder und differenziertere

Zielgruppenausrichtung -> höhere Anforderungen an die Koordinierung und Akzentuierung der

inhaltlichen Arbeit –Fachaufsicht- bei sich verändernder Personalstruktur im ehren- und

hauptamtlichen Bereich –Personalentwicklung, -begleitung und –planung- unter den Bedingungen

einer schwieriger werdenden Sicherstellung der finanziellen Mittel: u.a.m.)

stößt Herr Heyde aber zunehmend an Belastungsgrenzen.

Im Sinne des Organisationsentwicklungsprozesses sahen und sehen wir uns

gefordert, für die Geschäftsführung perspektivisch Freiräume und Entlastung zu

schaffen, ohne die Wahrnehmung der wichtigen Kernarbeitsfelder von Herrn Heyde,

insbesondere im Youthwork-Bereich (der u.E. für das riesige Zuständigkeitsgebiet

mit nur einer Stelle ohnehin zu schmal besetzt ist), zu vernachlässigen.

Darüber hinaus war klar, dass es angesichts der angespannten Finanzlage der

öffentlichen Haushalte wenig aussichtsreich erschien, Finanzmittel für eine

Geschäftsführerstelle für eine AIDS-Hilfe erwarten zu können.

Vor diesen Hintergründen haben wir uns für personelle Weichenstellungen im

Berichtsjahr entschieden, die etwas komplexe aber aus unserer Sicht strategisch

höchst sinnvolle Hintergründe aufweisen.

Wir haben die günstige Gelegenheit ergriffen, das Beschäftigungsverhältnis mit

unserer langjährigen Mitarbeiterin in den Bereichen „Frauen und AIDS“ und

„Migration und AIDS“, Frau Dipl. Pädagogin Anika Walther, die sich im

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Erziehungsurlaub befand und nach Beendigung dessen grundsätzlich Anspruch auf

Wiederaufnahme der unbefristeten Vollzeitstelle hätte, über die Form eines

Änderungsvertrages in eine geringfügige Beschäftigung im Bereich „Youthwork“ ab

dem 01.01.2009 zu übernehmen. Dies hatte aus fachlicher (s. Qualifikation) und

personalstrategischer Sicht enorme Vorzüge, da beispielsweise keine dramatischen

Einarbeitungserfordernisse zu berücksichtigen sind. Darüber hinaus bietet diese

Variante nicht nur die Möglichkeit der Entlastung des Herrn Heyde, sondern im

Bedarfsfall auch Chancen, geschlechtsspezifischer Arbeitsphasen, ggf.

Wahrnehmung von Parallelveranstaltungen und natürlich einen sinnvollen kollegialen

Beratungsaustausch. Der ausgelotete Umfang betrug wöchentlich etwa sechs

Stunden. Die Personalkosten mussten wir aus Eigenmitteln bestreiten.

Weiterhin bot uns diese Entscheidung die ungemein wichtige Möglichkeit, die ab

Ende März 2009 vakante Vollzeitstelle im Frauen- und Migrationsbereich mit einer

festen Mitarbeiterin zu erhalten (welche bisher als Erziehungsurlaubsvertretung von

Frau Walther, auf zwei Jahre befristet, eingerichtet war), sofern hier sowohl die

Refinanzierung über zielgruppenspezifische Landesmittel (Projektfördermittel, die

nicht kommunalisiert sind und etwa die Hälfte der Personalkosten decken) als auch

über die jeweilige Ergänzungsfinanzierung durch die Stadt Duisburg und den Kreis

Wesel erhalten blieben, was erfreulicherweise der Fall war.

Die Nach- bzw. Neubesetzung dieser Stelle gestaltete sich außerordentlich

schwierig. Bis auf ein kurzes Intermezzo von zwei Wochen im August des

Berichtsjahres blieb unsere „Frauenstelle“ über fast sieben Monate unbesetzt, was

natürlich nicht nur für die wichtige Begleitungs- und Frauenarbeit höchst ungünstig

war, sondern auch die verbliebenen Mitarbeiter an Belastungsgrenzen führte. Ein

Teil der Arbeit konnte durch Frau Walther allerdings aufgefangen werden. Seit dem

01.11.2009 ist unsere Mannschaft wieder komplett und mit Frau Petra Kurek sind wir

hier wieder äußerst kompetent besetzt.

Der Anteil von aufzubringenden Eigenmitteln der AIDS-Hilfe zur Refinanzierung der

Personalkosten wuchs auch, weil wir nach vielen Jahren der Förderung unseres

geringfügig beschäftigten Projektleiters für die regionale Herzenslust-Arbeit (400,-

€ Basis), Herrn Altenschmidt, durch zielgruppenspezifische Landesmittel, für 2009

keine ZSP-Mittel mehr erhielten.

Auch hier haben wir uns durchgerungen, diese Stelle zu erhalten, weil die

primärpräventive Arbeit in den Zielgruppen schwuler und bisexueller Männer

und Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), immer bedeutungsvoller wird,

wie die epidemiologischen Daten der letzten Jahre zeigen (s. auch KABASTI-Studie,

RKI, die u.a. auch zeigt, dass die Populationsdichte der angesprochenen

Zielgruppen in unserer Region vergleichsweise hoch ist). Zudem ist der Projektleiter

ein wichtiges Bindeglied zu den ehrenamtlichen Mitarbeitern im Bereich Herzenslust

als Acquisiteur, Anleiter, Begleiter und Motivator.

Weiterhin benötigten wir dringend personelle Ressourcen zur Umsetzung der neuen

bundesweiten Dachkampagne der DAH („Ich weiß was ich tu!“ –IWWIT-, die sich

speziell an diese Zielgruppe richtet sowie für die Umsetzung des „Beratung und

Test“-Projektes (s.o. und 5.1.).

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Darüber hinaus gab es hier auch aufgrund der Dauer des

Beschäftigungsverhältnisses (seit 2000) arbeitsrechtliche Ansprüche auf

Weiterbeschäftigung.

Es ist nicht neu, aber immer wieder wichtig, zu betonen, dass zur finanziellen

Absicherung unserer umfangreichen Angebotspalette selbst stabil fließende

öffentliche Zuwendungen allein bei weitem nicht ausreichen. Insbesondere für

unseren regionalen Positivenfonds, für eine Reihe von Präventionsaktionen,

verschiedene Selbsthilfeangebote, für den Bereich der Sachkosten und für die

Begleitung von ehrenamtlicher Arbeit, die keineswegs nur kostenfrei sein kann,

benötigen wir immer mehr zusätzliche Einnahmen.

Diesbezüglich dürfen wir mit großem Stolz auf das Jahr 2009 zurückblicken, denn

der Mut unseres Vorstandes und der Geschäftsführung hinsichtlich der finanziellen

Belastungen des Vereinsetats wurde in mehrfacher Hinsicht belohnt. Wir werden

das Haushaltsjahr 2009 aller Voraussicht nach mit einem leichten Plus abschließen

können. Dazu beigetragen haben nicht zuletzt Einzelinitiativen unsere sehr treuen

Förderer Thomas Seven und Henning Ladewig durch Benefizveranstaltungen, eines

Vereinsmitgliedes, der unser Haushaltsdefizit aus 2008 kurzerhand ausglich. Hinzu

kommen ein insgesamt ungewöhnlich hohes Spendenvolumen über die Sparkassen,

der Spardabank West, der Deutschen Bank, der Pride-Gruppe der citibank Duisburg

sowie Einnahmen aus verschiedenen anderen Öffentlichkeitsaktionen (s. 4.), vor

allem auch im Rahmen des diesjährigen Welt-AIDS-Tages. Die Duisburger

Substitutionsregelung ist nicht nur für die Klienten von hohem gesundheitlichen und

psychosozialen Nutzen, sondern auch für die AIDS-Hilfe ein finanzieller Segen (hier

gilt den Ärzten Dr. Hander, Herrn Harzem und Dr. El Khaled sowie unseren

begleitenden Ehrenamtler/innen ein ganz großes Danke schön!). Nicht zuletzt trägt

unsere sehr umsichtige Haushaltsführung zu einem unerwartet erfreulichen Ergebnis

erheblich bei.

Danach sah es zwischenzeitlich allerdings nicht aus. Seit sehr langer Zeit stießen wir

Ende April 2009 erstmalig wieder an Liquiditätsgrenzen. Das lag nicht an uns,

sondern an erheblich verspäteten Auszahlungen der Landesmittel und der

kommunalen Ergänzungsfinanzierung durch die Stadt Duisburg, die sich zwar durch

Umstellung der kommunalen Haushaltsführung auf das neue NKF-System, durch

Einführungsprobleme mit dem SAP-System sowie durch eine personelle Umstellung

innerhalb der Stadtverwaltung erklären ließen, uns aber erhebliche Probleme

bereiteten. Ohne den Einsatz von Rücklagen hätte uns der „Spaß“ existentiell

gefährden können. Für kurze Zeit mussten wir wieder einmal sehen, wie labil ein

kleiner freier Träger sein kann, der von öffentlichen Geldern abhängig ist.

Nicht nur wegen der guten Bilanz für 2008 erfuhr der Vorstand im Rahmen unserer

ordentlichen Jahreshauptversammlung am 18.05.2009 eine einstimmige

Entlastung und viel Bestätigung für den eingeschlagenen Kurs der AIDS-Hilfe. Die

wahlberechtigten Teilnehmer/innen der im Berichtsjahr anstehenden Neuwahlen

sprachen den Vorständlern entsprechend nicht nur für die zurückliegende

Wahlperiode ihr Vertrauen aus, sondern auch für die kommenden zwei Jahre. Nur

das jüngste Mitglied des Vorstandes, Daniel Kober, konnte aus beruflichen Gründen

nicht erneut kandidieren und dieser Platz wurde mit Karl-Heinz Lemke neu besetzt.

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Wir sagen Daniel Kober an dieser Stelle vielen Dank für seine engagierte und

impulsgebende Vorstandstätigkeit.

Auf Vorschlag der Mitgliederschaft wurden im Rahmen der JHV unser

Gründungsmitglied, Herr Wulf Thomas, und unser langjähriger

Vorstandsvorsitzender, Herr Rolf Ringeler, jeweils einstimmig zu Ehrenmitgliedern

gewählt. Herzlichen Glückwunsch!

Vor allem krankheitsbedingt konnte der Vorstand im Berichtsjahr die Fortführung

unseres Organisationsentwicklungsprozesses im Berichtsjahr nicht im gewünschten

Maße betreiben. Hinzu kam ein erheblicher Aufwand für die Umsetzung der

Satzungsänderungen (-> v.a. wegen der erforderlichen Einführung eines sog.

„besonderen Vertreters“ nach § 30 BGB u.a.) mit Notar und Amtsgericht sowie dann

für die Bewerbungs- und Einstellungsverfahren für die „Frauenstelle“.

Die geschilderten notwendigen fachlich-inhaltlichen Erweiterungen und

bedarfsgerechten Umsetzungen unserer Arbeitsansätze (s. Rahmenvereinbarung auf

Landesebene) bei gleichzeitig rückläufiger öffentlicher Förderung stellten beachtliche

Herausforderungen dar und erforderten finanzielle aber auch personelle Kraftakte,

die ohne unsere hochmotivierten und engagierten ehrenamtlichen

Mitarbeiter/innen in allen Arbeitsbereichen im Übrigen überhaupt nicht denkbar

wären. Erwähnenswert ist für das Berichtsjahr auch ein besonderer Glücksfall in

persona von Sandra Kohlhase und Yvonne Leuverink, zweier Praktikantinnen und

Studentinnen Sozialer Arbeit, die uns unglaublich unterstützten und ein deutlich über

das Praktikum hinausgehendes Engagement zeigten. Ihnen allen gilt unser

besonderer Dank!

AIDS-Hilfe-Arbeit bleibt spannend, intensiv, immer wieder belastend, aber auch

dankbar und für die eigene Persönlichkeitsentwicklung gewinnbringend. Das gilt

nach wie vor auch für die ehrenamtliche Mitarbeit auf allen Ebenen. Und sie wird

wahrgenommen.

Auch im Bereich der klassischen Selbsthilfe haben sich in den letzten Jahren die

Bedarfe verändert, vor allem aufgrund der deutlich verbesserten medizinischen

Optionen eher in allgemeine lebensförderliche Bereiche verschoben. Dennoch hält

sich zumindest in Duisburg dank ehrenamtlichen Engagements unsere SH-Gruppe

HIV-positiver Menschen sowie die alljährlich weitestgehend ehrenamtlich organisierte

Positiven-Freizeit und auch die Kochgruppe stellt sich als stabiles Angebot heraus.

Abschließend möchten wir uns natürlich an dieser Stelle bei all jenen treuen

Freund/innen und Förderern, Zuwendungsgebern und Sympathisant/innen sowie bei

den Vertretern aus Politik, Verwaltungen und Gesundheitsämtern, medizinischen und

Beratungseinrichtungen, Schulen und sonstigen Kooperationspartnern und unseren

Dachverbänden, dem „Paritätischen“, der Deutschen AIDS-Hilfe und der AIDS-Hilfe

NRW für ihre Wertschätzungen, unterstützenden Aktionen und guten Wünsche im

Berichtsjahr aufs Herzlichste bedanken.

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Der Vorstand der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. 2009

Rainer Wille, Karl-Heinz Lemke, Peter Külpmann, Silke Stützel, Rolf Ringeler (v.l.n.r.)

2. Beratung

Die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. wurde wie in den

vorangegangenen Jahren als ein Hauptschwerpunkt unserer Arbeit durchgeführt.

Bei der Beratung wurden überwiegend folgende Anfragen bedient:

Fragen zu Übertragungswegen von HIV, sexuell übertragbaren Krankheiten und

Hepatitiden, HIV-Antikörper-Testberatung, Fragen rund um die medizinische

Versorgung von Menschen mit HIV/AIDS und die Beratung von Menschen, die

zeitnah ihr positives Testergebnis erhalten haben.

Unsere Beratungsangebote konnten von den Ratsuchenden wie folgt genutzt

werden:

1. persönliche Beratung in den Einrichtungen;

2. telefonische Beratung durch HauptamtlerInnen während der Öffnungszeiten in

Duisburg und Wesel;

3. telefonische und E-Mail Beratung durch die ehrenamtlichen Telefonberater in

der Zeit von 19.00-21.00 Uhr am Montag in Duisburg.

2.1 Persönliche Beratung

Während der Öffnungszeiten sowie nach telefonischer Absprache außerhalb der

Öffnungszeiten konnten Ratsuchende sich persönlich durch hauptamtliche

MitarbeiterInnen in unseren Büros in Duisburg und Wesel beraten lassen. Bei diesen

Beratungsgesprächen wurde auf eine ruhige und entspannte Atmosphäre geachtet.

Bei Bedarf konnten Ratsuchende, die anonym bleiben wollten, sich auch Termine

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außerhalb der Öffnungszeiten und dem damit verbundenen Publikumsverkehr geben

lassen. Bei Beratungen von Personen, die kürzlich ihr HIV-positives Testergebnis

erhalten haben, wurde im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe immer das Angebot

unterbreitet, mit einem HIV-Positiven zu sprechen, der schon länger mit der Infektion

lebt. Dieses Angebot wurde häufig in Anspruch genommen.

Generell wurde die persönliche Beratung häufig von Menschen in Anspruch

genommen, die entweder die Befürchtung hatten, eine HIV-Infektion zu haben oder

die kürzlich ihr HIV-Positives Testergebnis erhalten haben.

2.2 Telefonische Beratung

2.2.1 Durch hauptamtliche Mitarbeiter/innen

Auch in diesem Jahr blieb die Zahl der Telefonberatungen während der

Öffnungszeiten (Im Duisburger Büro: montags von 8.30-14.00 Uhr, dienstags bis

donnerstags von 8.30-17.00 Uhr und freitags von 8.30-16.00 Uhr; im Weseler Büro

dienstags von 14.00-17.00 Uhr und donnerstags von 9.00-12.00 Uhr) sehr hoch. Die

Ratsuchenden wurden nach eingehender Erörterung der Risikosituationen

aufgeklärt. Falls erwünscht, wurden die Ratsuchenden zwecks HIV-Antikörper-Test

an das Gesundheitsamt verwiesen. Es wurde von unserer Seite angeboten, einen

Termin an dem Tag, wo das Testergebnis bekannt gegeben wird, mit uns

festzulegen, um den Menschen ggf. mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Unsere Beratungsnummern sind für Duisburg: 0203-19411 und für Wesel 0281-

19411. Die Rufnummern wurden in den örtlichen Zeitungen unter der Rubrik

Beratung beworben. Regelmäßig wurde die Bewerbung kontrolliert, da die Rubrik

von vielen Vereinen genutzt wird und die Einstellung der Rufnummer kostenlos ist.

13


Die Beratungsnummern wurden durch Beantragung bei der Regulierungsbehörde für

Telekommunikation und Post anonymisiert. Dadurch werden bei einem Anruf über

diese Rufnummer die Nummern der Ratsuchenden unterdrückt und bei dem

Ratsuchenden erscheint die Beratungsnummer nicht in der detaillierten

Telefonrechnung.

2.2.2 Durch ehrenamtliche Mitarbeiter/innen

Die ehrenamtliche Telefonberatung wurde in diesem Jahr weiterhin von einer

Ehrenamtlerin durchgeführt. Ratsuchende, die außerhalb der Öffnungszeiten in

Wesel anrufen, werden durch die Anrufbeantworter informiert, wann sie in Duisburg

anrufen können.

Die ehrenamtliche Beratung in Duisburg wurde weiterhin konsequent jeden

Montagabend in der Zeit von 19.00-21.00 Uhr angeboten.

2.2.3 Die Bundesweite Telefonberatung

Auch im zweiten Jahr der Testphase beteiligte sich die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel an der bundesweiten Beratungshotline der Deutschen AIDS-Hilfe e.V..

An 62 Stunden pro Woche können sich so Ratsuchende mit ihren Fragen rund um

HIV/AIDS telefonisch an die Berater der AIDS-Hilfen wenden. Die Hotline ist

erreichbar in den Zeiten: Montags bis Freitags von 9.00-21.00 Uhr und am Sonntag

von 12.00-14.00 Uhr.

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. beteiligt sich als eine von bundesweit 28

Einrichtungen an diesem neuen Angebot. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bedienen Ratsuchende aus dem ganzen

Bundesgebiet am Montagabend von 19.00-21.00 Uhr und am Donnerstag von 11.00-

14.00 Uhr. Die regionalen Angebote bleiben im vollen Umfang bestehen. So können

sich Menschen telefonisch, persönlich und per E-Mail zu den gewohnten Zeiten an

die MitarbeiterInnen der AIDS-Hilfe wenden. Das überregionale Angebot wird

zusätzlich zu dem bestehenden Angebot hinzugefügt.

Die Telefonberatung spielt bei der Aufklärung zu HIV nach wie vor eine große Rolle.

Sie ist das Medium zur Beantwortung persönlicher Fragen und zur Abklärung eines

individuellen HIV-Übertragungsrisikos. Mit der neuen Rufnummer werden

bestehende Angebote unter einer bundesweiten Nummer zusammengeführt und

damit die Erreichbarkeit für Ratsuchende weiter verbessert. Durch die Intensivierung

der Weiterbildung und die Einrichtung eines Online-Portals für BeraterInnen wird die

Qualität der Beratung langfristig gesichert.

Telefonberatervernetzung im Ruhrgebiet:

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist mit anderen Kooperationspartnern aus

dem Ruhrgebiet in einer Telefonberatervernetzung zusammengeschlossen. Ziel

dieser Vernetzung war es, die Beratung über HIV-AIDS an jedem Wochentag abends

im Ruhrgebiet anbieten zu können. Hauptthema bei den Treffen in der

Ruhrgebietsvernetzung war 2009 die Neuformulierung des Vernetzungsvertrages,

damit sich die Vernetzung nicht konträr zu den bestehenden Vertragsinhalten der

bundesweiten Beratungsvernetzung positioniert.

14


Bei den Vernetzungstreffen der Kooperationspartner hat die AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel e.V. mit einem hauptamtlichen und/oder einem ehrenamtlichen

Mitarbeiter regelmäßig teilgenommen. Eine Neueinsteigerschulung konnte mangels

interessierter EhrenamtlerInnen nicht durchgeführt werden.

2.3 E-Mail Beratung

Die E-Mail Beratung in der AIDS-Hilfe wurde weiterhin angeboten. Die E-

Mailberatung ist unter der folgenden Adresse zu erreichen: www.aidshilfe-duisburgkreis-wesel.de.

Um die gängigsten Fragen im Voraus zu klären, wurden auf unserer Homepage die

acht häufigsten gestellten Fragen (FAQ) eingestellt. Der Ratsuchende konnte beim

Anklicken einer Frage gleich die Antwort lesen. Durch dieses Beratungsangebot

konnten viele Ratsuchende ohne, dass sie an uns eine E-Mail schreiben mussten,

bedient werden. Detailliertere Fragen konnten dann per E-Mail an uns gesendet

werden. Bei diesen E-Mails wurde im Betreff automatisch „E-Mailberatung“

eingegeben, sodass die E-Mails nicht von den Mitarbeitern gelesen wurden, sondern

direkt an die Telefon/E-Mail Beraterin weitergeleitet werden konnten.

Die E-Mailberatung wird hauptsächlich am Montagabend in der Zeit der

Telefonberatung durch die ehrenamtliche Mitarbeiterin bedient und die E-Mails in

dieser Zeit beantwortet.

Bei dringenden E-Mails wurden diese von den hauptamtlichen MitarbeiterInnen

während der Öffnungszeiten beantwortet.

Folgende vorgefertigten Fragen wurden im Internet angeboten:

Resümee und Ausblicke:

Die Beratung konzentriert sich für die Zielgruppe MSM auf der überregionalen Ebene

immer mehr auf das Medium Internet. So haben sich viele AIDS-Hilfen aus NRW

dem bundesweiten Angebot der DAH (GAYROMEO s. Prävention bei MSM)

angeschlossen. Die Tendenz von bundesweiten Angeboten hat viele Vorteile. So

wird die Einhaltung der Beratungsstandards zentral von der DAH kontrolliert und

durch Schulungen vereinheitlicht. Dem steht die regionale Beratung mit ihrer Nähe

und persönlichen Erreichbarkeit gegenüber.

15


Zum Ende des Jahres wurde durch die Beendigung der zweijährigen Pilotphase der

Bundesweiten Telefonberatung die geplante ressourcenorientierte Delegation von

den Vertragspartnern aus dem Ruhrgebiet zu den Treffen der bundesweiten

Telefonberater (DAH) in Frage gestellt. Dies vor allem, da sich die meisten

beteiligten Telefonberater dafür aussprachen, dass jede AIDS-Hilfe, die sich an dem

bundesweiten Projekt beteiligt, an den bundesweiten Treffen, die einmal jährlich

stattfinden, teilnehmen sollten.

Insgesamt bestätigt dies eine Tendenz, die in vielen Arbeitsfeldern ebenfalls zu

bemerken ist: Auf der überregionalen Ebene werden immer mehr verbindliche

Teilnahmen an Arbeitskreisen etc. gefordert. Wie z.B. bei Gay Romeo oder wie hier

bei der bundesweiten Telefonberatung. Diese Tendenz ist für eine mittelgroße AIDS-

Hilfe wie der unseren bedenklich, da die schon jetzt sehr eng begrenzten

Ressourcen für die jeweiligen Arbeitsfelder durch diese verbindlichen Termine noch

zusätzlich belastet werden. Wie sich dies in der Zukunft weiter entwickelt, bleibt

abzuwarten.

Wir danken unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterin aus der persönlichen, telefonischen

und online - Beratung, ohne deren Einsatz die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V. nicht in diesem bemerkenswerten Umfang vorgehalten werden

könnte.

3. Begleitung

Unsere Einrichtung begleitet weiterhin HIV-Infizierte / an AIDS-Erkrankte, die aus

den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen mit verschiedenen sozialen

Hintergründen stammen. Die einzelnen Begleitungsfälle befinden sich hinsichtlich der

antiretroviralen Therapie in unterschiedlichen Situationen. Ganz vereinzelte

Begleitete haben sich gegen die Einnahme von Medikamenten entschieden. Dadurch

werden wir immer wieder mit Vorfällen konfrontiert, bei denen durch AIDS irreparable

Schäden im Gehirn entstehen (so durch HIV assoziierte Enzephalopathie). Die

Gründe für die Verweigerung der Medikamente sind vielfältig. Es kann die Folge von

gravierenden Ereignissen sein (z. Bsp. Tod eines nahen Angehörigen), die dann

zunächst bearbeitet werden müssen und der Lebenswille wieder gestärkt werden

muss. Ein Grund ist auch die Angst vor den Nebenwirkungen und der lebenslangen

Einnahme von Medikamenten oder aber auch Verdrängung der Infektion. Solche

einzelne Fälle müssen dann in Versorgungssystemen untergebracht werden, die

hierauf nicht ausgerichtet werden (so kommen junge Menschen in Pflegeheime, die

in der Mehrzahl von alten pflegebedürftigen Menschen genutzt werden).

Ein großer Teil der Infizierten kommt aber mit den Medikamenten gut klar. Während

aufgrund der Vielzahl der Medikamente die akuten Nebenwirkungen weniger werden,

treten häufiger Langzeitwirkungen auf wie zum Beispiel im Herz-Kreislaufbereich.

Hier gilt es andere Risiken wie Rauchen oder ungesunde Ernährung zu minimieren.

Viele von uns langfristig Begleitete waren bereits an AIDS erkrankt, sind verrentet

und leben auf dem Niveau des Arbeitslosengeldes II, der Grundsicherung oder leicht

darüber. Hierbei handelt es sich um Leistungen, die in ihrem Ursprung zur

Überbrückung einer kurzen Zeit angedacht waren. Letztendlich verharren diese

16


Begleiteten in einer Lebenssituation, die Ihnen finanziell keinen Spielraum lässt und

wenig Perspektiven für die Zukunft bietet. Aufgrund der fehlenden materiellen

Ressourcen fehlt es an Lebensqualität, da die Teilhabe am gesellschaftlichten Leben

wie Ausgehen, Kino und andere Freizeitaktivitäten einen Faktor für Lebensqualität

darstellen.Von einer Gruppe dieser Begleiteten werden auch sehr oft suizidale

Gedanken geäußert, denen es zu begegnen gilt. Des Weiteren bieten wir

Unterstützung bei sozialrechtlichen und finanziellen Schwierigkeiten. Hier sehen wir

allerdings nicht unsere primäre Aufgabe, die geringe staatliche Unterstützung

aufzustocken, sondern Ansprüche einzufordern und in extremen Krisensituationen

finanziell im Rahmen unserer Möglichkeiten (Spendenmittel) auszuhelfen (siehe

Punkt 3.3 Positivenfond).

Ein anderer Teil dieser Begleiteten versucht das Beste aus dieser Lebenssituation zu

machen und gestaltet unter anderem die Freizeit für HIV-Positive mit, nimmt an der

Kochgruppe teil und engagiert sich auf landes- und bundesweiter Ebene in

Landesarbeitsgemeinschaften und Netzwerken.

Andere HIV-Infizierte gehen einer geregelten Arbeit nach und nehmen die AIDS-Hilfe

nur punktuell zu bestimmten Fragen in Anspruch oder besuchen unser Mittwochs-

Café oder von uns durchgeführte Fortbildungsveranstaltungen.

In einzelnen Fällen von Neudiagnosen gilt es, Krisenintervention zu gewährleisten

und die Situation zu stabilisieren. Auch in Zeiten von Behandelbarkeit von HIV gilt es

nach einem Testergebnis unterschiedliche Problematiken zu bearbeiten. So gibt es

bei vielen HIV-Infizierten, das Gefühl, an der Infektion selbst schuld zu sein und sich

zu schämen und in eine Depression und Antriebslosigkeit zu gelangen. Auch ist es

für HIV-positive Menschen heute immer noch schwer, sich gegenüber anderen

Menschen und Freunden zu ihrer HIV-Infektion zu bekennen. Hier bietet die AIDS-

Hilfe Unterstützung durch die psychosoziale Begleitung der hauptamtlichen

Mitarbeiter oder durch Kontakt mit anderen HIV-Positiven (z. Bsp. in unserer

Positivengruppe oder in Einzelgesprächen mit HIV-Positiven, die wir vermitteln).

Immer häufiger übersteigt der Begleitungsumfang unsere Ressourcen, so dass wir

Begleitete in ambulant betreutes Wohnen vermitteln.

Aufgrund dessen, dass wir unsere Angebot im Bereich aufsuchende Arbeit

ausgeweitet haben (Streetwork bei DrogengebraucherInnnen, Straßenstrich, JVA-

Arbeit), haben wir unsere Öffnungszeiten für persönliche Beratung wie folgt

geändert: montags 11- 14 Uhr, mittwochs 14 – 19 Uhr, freitags 11 – 16 Uhr. In dieser

Zeit haben wir eine offene Sprechstunde und man kann uns ohne Termin aufsuchen.

Mit den neuen Öffnungszeiten haben wir auch unser Angebot auf Berufstätige

geöffnet, da wir mittwochs jetzt bis 19 Uhr ein offenes Beratungsangebot vorhalten.

Selbstverständlich war es vorher schon und ist es auch jetzt möglich, außerhalb der

Öffnungszeiten, einen Beratungstermin zu vereinbaren. Des Weiteren ist unser Büro

in Wesel weiterhin dienstags von 14 – 17 Uhr und donnerstags von 9 – 12 Uhr

besetzt, so dass von montags bis freitags die Möglichkeit zur persönlichen

unterminierten Beratung besteht.

Zur qualitativen Verbesserung der Begleitungsarbeit nahmen die hauptamtlichen

MitarbeiterInnnen aus dem Begleitungsbereich an den Treffen des auf Landesebene

17


stattfindenden Arbeitskreises Sozialberatung teil. Bei diesem Arbeitskreis handelt es

sich um ein wichtiges Fort- und Weiterbildungsangebot, da hier MitarbeiterInnen aus

unterschiedlichen AIDS-Hilfen zur Reflektion ihrer Arbeit zusammen treffen. Des

Weiteren dient das Treffen dem Erfahrungsaustausch.

3.1. Einzelbegleitung

Im April 2009 hat die Deutsche AIDS-Hilfe ein Positionspapier zu HIV-Therapie und

Prävention herausgebracht. Hier wird bezüglich EKAF nicht mehr zwischen heteround

schwulen Sex unterschieden. Dies ging in Beratung bei festen Partnerschaften

ein.

Des Weiteren wurde in diesem sehr differenziertem Papier von der DAH offiziell

Stellung bezogen zu Sex unter HIV-Positiven:

„2.3 Exkurs: Botschaften für HIV-Positive mit HIV-positiven Sexpartner(inne)n

Beim Sex zwischen HIV-positiven Partner(inne)n steht die mögliche Übertragung von

anderen STDs oder einer Hepatitis C im Mittelpunkt des präventiven Handelns. Da manche

STDs bzw. die Hepatitis C bei Menschen mit HIV schneller und schwerer verlaufen können,

empfehlen wir ihnen, sich mindestens zweimal jährlich auf diese Krankheiten untersuchen zu

lassen.

Um eine „Superinfektion“ (d. h. die Übertragung einer Virusvariante auf den Partner/die

Partnerin bzw. die Ansteckung mit einer Virusvariante des Partners/der Partnerin) zu

verhindern, reicht die wirksame Therapie eines Partners aus. Möglich (aber epidemiologisch

nicht relevant) ist eine Superinfektion, wenn beide Partner/innen unbehandelt oder in einer

Therapiepause sind. Nachteilig kann eine Superinfektion werden, wenn dabei

medikamentenresistente Viren übertragen werden.“

Vollständig ist dieses Positionspapier auf der Homepage der Deutschen AIDS-Hilfe

nachzulesen (http://www.aidshilfe.de/media/de/0904_DAH-Papier_HIV-

Therapie_und_Praevention.pdf).

Trotz des personellen Engpasses im Berichtsjahr im Begleitungsbereich versuchten

wir, in der Begleitungsarbeit Beratungen zu Nebenwirkungen der Medikamente, zu

Partnerschaftskonflikten, sozialrechtlichen und finanziellen Problemen anzubieten.

Bei finanziellen Problemen halfen wir mit unserem Positivenfond, bei größeren

Beträgen stellten wir Anträge an die Deutsche AIDS-Stiftung, soweit die

Antragshintergründe die Kriterien der Stiftung erfüllen. Die Bearbeitungszeiten haben

sich aufgrund von Personaleinsparungen bei der Deutschen AIDS-Stiftung jedoch

auf ca. 8 Wochen je Antrag ausgeweitet.

Im Berichtsjahr verstarb einer unserer Begleiteten, der aufgrund seiner persönlichen

Situation für sich den Freitod gewählt hat.

Insgesamt begleiteten wir 191 Personen einschließlich der im Knast begleiteten

Personen.

18


Intensive Begleitung bedeutet mindestens 1 Kontakt pro Woche, welches aber auch

bis zu täglichem Kontakt beinhalten kann. Intensiv bedeutet aber auch, einmaliger

monatlicher Kontakt mit anschließendem hohem Regelungsbedarf.

In der Rubrik „Regelmäßig“ erfassen wir Begleitete mit mindestens einmal

monatlichem Kontakt und „Sporadisch“ einmal jährlichen Beratungskontakt.

Tabelle 1:

Betroffene in Einzelbegleitung 2009 2008 2007 2006

Intensiv 24 24 18 19

Regelmäßig 55 55 55 54

Sporadisch 115 112 104 95

Insgesamt 194 191 177 168

Tabelle 2:

Betroffene in ehrenamtl. Begleitung 2009 2008 2007 2006

insgesamt 1 9 10 13

Aufgrund des Todes unserer ehrenamtlichen Begleiterin und Ehrenmitgliedes Helga

Pieper hat sich die Zahl der Betroffenen in ehrenamtlicher Begleitung stark reduziert.

3.2. Begleitergruppe

Die auf drei Personen reduzierte Begleitergruppe war im Berichtsjahr noch mit der

Verarbeitung des Todes von Helga Pieper beschäftigt, die im Vorjahr verstorben war.

In 2009 wurde noch eine Begleitung ehrenamtlich durchgeführt. Daher traf sich die

Begleitergruppe auch nur noch an fünf Terminen im Berichtsjahr. Diese dienten zum

einen wie bereits erwähnt zur Verarbeitung des Todes der langjährigen Begleiterin

Helga Pieper zum anderen zum Austausch und Reflektion über die bestehende

Begleitung. Des Weiteren dienten die Treffen der Anbindung und zum

Informationsaustausch zur AIDS-Hilfe, da zwei ehrenamtliche MitarbeiterInnen nur

noch lose Kontakt zur AIDS-Hilfe haben, aber weiterhin Interesse an der Mitarbeit

und am Geschehen der AIDS-Hilfe haben.

Dies soll auch für 2010 so fortgeführt werden, das heißt, die Gruppe trifft sich

ungefähr einmal im Quartal.

19


Die von Helga Pieper Begleiteten wurden nach ihrem Tod durch die hauptamtlichen

Begleiter weiterhin begleitet und halten sich auf stabilem Niveau.

Die Aufgabe der ehrenamtlichen Begleitung bestand überwiegend darin, als

Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen. Dies kann auch zu ungewöhnlichen

Uhrzeiten der Fall sein, wobei der ehrenamtliche Mitarbeiter für sich entscheiden

muss, in welchem Zeitrahmen er dies zulässt.

Da alle ehrenamtlichen BegleiterInnen berufstätig sind, müssen Fahrten zu Ärzten

und Ämtern durch die AIDS-Hilfe (Zivildienstleistender oder letztendlich auch durch

hauptamtliche Mitarbeiter) durchgeführt werden.

Wie oben schon erwähnt, hat sich teilweise der Betreuungsbedarf auch soweit

erhöht, dass dieser von ehrenamtlicher und hauptamtlicher Seite nicht abgedeckt

werden kann und wir in einigen Fällen in das ambulant betreute Wohnen vermittelt

haben.

Für den Einsatz der ehrenamtlichen BegleiterInnen möchten wir uns herzlich

bedanken.

3.3. Positivenfond

Der Positivenfond wird von der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. mit dem Ziel

verwaltet, HIV-positive / an AIDS-Erkrankte Menschen in finanziellen Notlagen zu

unterstützen.

Die Verteilung der Fondgelder übernahm im Berichtsjahr 2009 ein Gremium, das aus

zwei HIV-positiven Menschen, einem Ehrenamtler aus dem Begleitungsbereich und

einem Hauptamtler besteht. Diese Zusammensetzung schafft innerhalb des

Gremiums eine Perspektivenvielfalt, die für die Entscheidungsfindung bei Anträgen

bereichernd ist. Mindestens drei Personen dieses Gremiums entscheiden mit

einfacher Mehrheit über außergewöhnliche und rückzahlbare Zuwendungen. Die

Soforthilfe wird primär von den drei im Begleitungsbereich tätigen hauptamtlichen

Mitarbeitern ausgezahlt. In die Entscheidungsfindung fließt zum einen die finanzielle

Situation des Antragsstellers ein und zum anderen die Gründe für sein spezielles

Anliegen. Die Verwaltung des Fonds obliegt einem hauptamtlichen Mitarbeiter.

Wie in den Vorjahren stellte der Vorstand aus Spendengeldern insgesamt eine

Summe in Höhe von 3.850 € zur Verfügung. Unser besonderer Dank gilt allen

Spendern, die uns damit diese Form der Hilfe in diesem Umfang ermöglicht haben.

Die Summe wurde im Berichtsjahr nicht ausgeschöpft. Bis auf die Knastpakete

(Nahrungszusatzpakete) waren in allen Bereichen des Positivenfonds die Ausgaben

rückläufig.

Bei einem Krankhausaufenthalt ist die Beantragung für die dort anfallenden

„Telefonkosten“ möglich, wenn diese nicht selbst übernommen werden können.

Hierdurch soll der Kontakt nach außen aufrechterhalten und die Möglichkeit gegeben

20


werden, sich bei Schwierigkeiten mit jemandem zu bereden. Da es nur wenige

stationäre Aufenthalte gab und die Begleiteten zumeist über Handy erreichbar sind,

fielen im Berichtsjahr in diesem Bereich keine Ausgaben an.

Für den Bereich „Knast“ haben wir in 2009 464,74 € für sogenannte Knastpakete

aufgewandt. Da diese nicht mehr über die Deutsche AIDS-Stiftung finanziert werden,

werden diese zurzeit vom Positivenfond getragen. Die Summe ist nahezu identisch

mit den Vorjahreszahlen in diesem Bereich.

Der Bereich „Soforthilfe“ lag mit 1.818,60 € ca. 10 vH unter den Ausgaben in 2008,

stellt aber weiterhin den höchsten Ausgabenposten des Positivenfonds dar. Bei der

Soforthilfe handelt es sich um eine finanzielle Hilfe am Ende des Monats, um

Engpässe zu überbrücken. Diese Hilfe wird gewährt, wenn sich die Einkünfte auf

dem Niveau des Arbeitslosengeldes II belaufen. Die Soforthilfe wurde im

Durchschnitt von den Personen, die die Kriterien des Positivenfond erfüllen in der

Regel fünfmal jährlich in Anspruch genommen.

Auch die „Außergewöhnlichen Zuwendungen“ reduzierten sich im Berichtsjahr in

Höhe von 983 € auf 627 € um ein Drittel. Außergewöhnliche Zuwendungen werden

für den Ausgleich von Stromschulden, Telefonrechnungen, Unterstützung bei den

Zuzahlungen zu Medikamenten und Praxisgebühr etc. gewährt.

„Rückzahlbare Zuwendungen“ sind für Ausgaben gedacht, die die Begleiteten

dringend benötigen, für die sie aber aktuell kein Geld haben. Das gewährte Darlehen

muss in angemessenen Raten zurückgezahlt werden. Um den Begleiteten dies zu

ermöglichen und das Begleitungsverhältnis durch offene Beträge nicht zu belasten,

muss der Einkommenssatz bei diesen Zuwendungen die Sozialhilfe bzw. das

Arbeitslosengeld II übersteigen.

Die rückzahlbaren Zuwendungen sind im Berichtsjahr weiter gesunken. Dies

geschieht aus den oben erwähnten Gründen. Es ist oft schwer für die Begleiteten,

die Rückzahlungen zu leisten. Um das Begleitungsverhältnis nicht zu belasten, wird

im Positivenrat sorgfältig geprüft wird, ob eine rückzahlbare Zuwendung sinnvoll und

möglich ist.

Rückzahlbare Zuwendungen wurden in den meisten Fällen für Zuzahlungen für

Medikamente und Praxisgebühr gewährt, damit der Betroffene direkt seine

Befreiungskarte erhält und die Rückzahlung an die AIDS-Hilfe vornehmen kann. Mit

der Befreiungskarte ist ein regelmäßiger Arztbesuch und regelmäßiger

Medikamentenbezug möglich.

Die „Einnahmen“ (s. Abb. u.) des Positivenfonds resultieren aus den

Rückzahlungen der rückzahlbaren Zuwendungen. Da die Darlehen nicht unbedingt in

dem Jahr der Auszahlung zurückgezahlt werden, kommt es zu Differenzen in den

Bereichen Auszahlung und Einnahme.

Auch im Berichtsjahr konnten wir durch Anträge bei der Deutschen AIDS-Stiftung

unseren Begleiteten mit größeren Beträgen aushelfen. Hier besteht weiterhin eine

gute Zusammenarbeit, für die wir uns recht herzlich bedanken.

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Telef.

Krankh. Knast Sorforth.

Außergew.

Z. Rückz. Z. Einnahmen

2008 115,00 € 465,71 € 1.983,10 € 983,46 € 289,06 € 175,00 €

2009 0,00 € 464,74 € 1.818,60 € 627,07 € 152,00 € 262,98 €

3.4. Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern

Die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern bleibt für unsere AIDS-Hilfe wichtig.

Im Einzelnen handelt es sich um folgende Partner:

HIV-Schwerpunktpraxen

Die Zusammenarbeit mit den beiden in Duisburg offiziell auf HIV spezialisierten

Schwerpunktpraxen wurde 2009 problemlos fortgesetzt. Unklarheiten und Fragen

können auf kurzem Weg geklärt werden. Regelmäßig haben wir

Austauschgespräche mit dem Gesundheitsamt Duisburg, der AIDS-Hilfe Oberhausen

und den beiden Schwerpunktärzten. Es ist für uns eine Möglichkeit, die Arbeit der

AIDS-Hilfe vorzustellen und transparent zu machen. Unter anderem war auch Teil

dieses Gespräches der Rück- und Ausblick auf das Fachgespräch mit den beiden

Schwerpunktärzten. Eine vereinbarte Befragung der Patientinnen und Patienten nach

einem Angebot der AIDS-Hilfen (Oberhausen und Duisburg) in den Arztpraxen

konnte in 2009 aufgrund von mangelnder Personalressourcen nicht umgesetzt

werden.

22


Krankenhäuser

Bei Krankenhausaufenthalten in Bezug auf HIV/AIDS werden unsere Begleiteten in

die umliegenden Uni-Kliniken Essen, Bochum und Düsseldorf eingewiesen.

Insbesondere zur Uniklinik Essen bestehen gute Kontakte zu dem medizinischen und

auch zum sozialarbeiterischen Personal. In Duisburg hat sich bezüglich der

stationären Versorgung aufgrund weiterhin geringer Fälle keine Veränderung

ergeben.

Pflegedienste

Die Kooperation mit den Pflegediensten, mit denen wir bisher zusammen gearbeitet

haben, wurde erfolgreich fortgeführt.

Hospize

Im Berichtsjahr wurde von unseren Begleiteten kein Hospiz in Anspruch genommen,

jedoch besteht von unserer Seite Kontakt zur Hospizbewegung.

Anwaltspraxen

Die Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten läuft im migrationsrechtlichen Bereich -

soweit von Nöten - ohne Probleme.

Flüchtlingsberatung

Mit den Flüchtlingsberatungen, u. a. der Beratungsstelle des Deutschen Roten

Kreuzes, gestaltet sich die Zusammenarbeit in ausländerrechtlichen Fragen weiterhin

positiv.

Ambulant Betreutes Wohnen

Hier arbeiten wir mit örtlichen Anbietern zusammen

3.5 Angebote für HIV-Positive und an AIDS-Erkrankte

Im Berichtsjahr wurde im Rahmen des Solidar-Erleben-Ansatzes die Kochgruppe

fortgeführt. Die Kochgruppe ist ein monatliches Angebot, bei dem HIV-Positive und

ehrenamtliche MitarbeiterInnen zusammen kommen, um Abwechslung in den Alltag

zu bringen. Gleichzeitig bietet sich hier ein Raum zum Austausch von Sorgen und

Nöten. Um das Angebot niedrigschwelliger auszurichten und finanzielle

Beweggründe für eine Nichtteilnahme auszuschließen, hat der Vorstand die

Kochgruppe mit einem Budget ausgestattet, so dass in 2009 die TeilnehmerInnen

keinen Eigenanteil entrichten mussten. An der Kochgruppe nehmen im Durchschnitt

5 – 7 Personen teil.

Seit Anfang 2007 trifft sich regelmäßig einmal monatlich eine Positivengruppe.

Zugang haben die unterschiedlichen sexuellen Präferenzen, auch der

Ansteckungsweg spielt keine Rolle. Es ist eine sehr bunt gemischte Gruppe welche

in Selbsthilfe eigenständig durchgeführt wird.

23


Frauenspezifische Angebote wurden wie in den Vorjahren in Kooperation mit den

benachbarten AIDS-Hilfen angeboten. Diese werden in Kapitel 5.4 näher

beschrieben.

Unser traditionelles Mittwochs-Café ist weiterhin das best besuchte Angebot.

Dieses ist ein beliebter Treffpunkt zwischen HIV-Infizierten / an AIDS Erkrankten,

ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und der AIDS-Hilfe Sympathie entgegenbringender

Menschen. Darüber hinaus ist dieses Café eine erste Anlaufstelle für an

ehrenamtlicher Arbeit Interessierte. Auch Bewerbern für den Zivildienst bietet es eine

Plattform fürs Kennen lernen der AIDS-Hilfe.

Das Café haben wir mit Aufbackkuchen, eigenen Backwerken und Spenden der

Duisburger Tafel bzw. Bürger für Bürger bestückt. Im Café ist ein Austausch

zwischen Betroffenen, hauptamtlichen und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen möglich.

Hier kann man sich auch über Neuigkeiten in der AIDS-Hilfe informieren und die

Angebote an Infotafel zur Kenntnis nehmen. Zum einen ist es eine willkommene

Abwechselung für die Betroffenen, zum anderen ist er das Treffen in der „Wahl-

Familie“.

Weiterhin fährt eine ehrenamtliche Mitarbeiterin jeweils vor dem Café bei „Bürger für

Bürger“ vorbei und holt dort Lebensmittel, die dann im Mittwochs-Café verteilt

werden.

24


Das Café findet weiterhin offiziell zwischen 15.30 Uhr und 18.30 Uhr statt, wobei der

Hauptbesucherstrom in der Zeit von von 15 bis 17.30 Uhr im Café zu verzeichnen ist.

Es wird von durchschnittlich ca. 12 - 20 Personen besucht. Vorbereitet wird es –

soweit vorhanden - überwiegend von dem Zivildienstleistenden. Während der Café-

Zeit ist immer ein hauptamtlicher Ansprechpartner präsent, da diese Treffen von

vielen Betroffenen dazu genutzt werden, Anliegen an die BeraterInnen und

BegleiterInnen heranzutragen.

Unsere traditionelle Weihnachtsfeier fand Heiligabend hat wie im Vorjahr in der

Uhrzeit von 15.30 bis 20 Uhr statt und begann damit zur gleichen Zeit wie im Vorjahr.

Die Weihnachtsfeier wurde letztendlich von 30 TeilnehmerInnen besucht und fand

wieder in den Räumen von SHAlk statt, denen wir für die Überlassung der

Räumlichkeiten recht herzlichen Dank sagen. Die Weihnachtsfeier konnte über

Spenden in Höhe von 2.400 € der Kirchen aufgrund eines Mailings und

Einzelspenden ausgerichtet werden. Wie in den Vorjahren konnten wir ein festliches

Menü anbieten und Weihnachtstüten mit Süßigkeiten, Obst, Kaffee und Tabak

verteilen. Die Vorbereitung und die Durchführung der Weihnachtsfeier liegt

schwerpunktmäßig in ehrenamtlicher Hand, von hauptamtlichen Mitarbeitern gab es

einen Ansprechpartner, der auch bei der Weihnachtsfeier selbst anwesend war und

für Rückfragen bei Unklarheiten zur Verfügung stand.

Auch im Berichtsjahr gab es wieder eine Positivenfreizeit. Diese führte nach Goslar-

Hahnenklee und wurde erneut mit Mitteln der „Förderbande Gelsenkirchen“ wofür

wir recht herzlichen Dank sagen. Sie wurde wiederum rein ehrenamtlich organisiert.

Die Reise fand vom 12.09. – 19.09.09 statt und wurde von neun TeilnehmerInnen

genutzt. Drei TeilnehmerInnen mussten aufgrund von Krankheit leider die Fahrt

absagen. Bewährt hat sich hier, durch gemeinsame Unternehmungen und Aktivitäten

im vertrauensvollen Gespräch Probleme anzusprechen, sich mit anderen

auszutauschen und Lösungsmöglichkeiten kennen zu lernen.

3.6 Trauerarbeit

Im Berichtsjahr ist einer der von uns Begleiteten verstorben. Dieser war sehr lange

bei uns in der AIDS-Hilfe in Begleitung und hat sich letztendlich für den Freitod

entschieden. So schwer uns der Abschied auch fällt, letztlich mussten wir zur

Kenntnis nehmen, dass der Tod zielgerichtet gesucht wurde und durch uns nicht zu

verhindern war.

Wir gedenken der Verstorbenen in der Mitgliederversammlung und mit unserer

Trauerecke, die sich im Café befindet. Hier befinden sich unser Trauerbuch und

weitere Informationen zu Verstorbenen.

Candle-Light-Walk:

Im Anschluss an unser Mittwochs-Café am 25.11. fand unser traditioneller Candle-

Light-Walk statt. Er führte in diesem Jahr vom Forum, welches bereits mit einem

Plakat in der Nähe des Eingangs auf den Welt-AIDS-Tag aufmerksam machte, über

die Königstraße zur Liebfrauenkirche. Im Rahmen des Welt AIDS Tages 2009 wurde

25


der traditionelle Candle-Light-Walk mit einer anschließenden Gedenkveranstaltung in

der Liebfrauenkirche / Innenstadt durchgeführt (s. auch 4.4.).

Der Candle Light Walk mit der anschließenden Gedenkveranstaltung ist für die

haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen sowie allen Angehörigen und Besuchern

der AIDS-Hilfe eine Veranstaltung zur Besinnung und des Erinnerns an diejenigen

Menschen, die an den Folgen von HIV / AIDS seit bestehen der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V. verstorben sind.

Unsere übliche Route mit Verweildauer am Live-Saver-Brunnen musste in diesem

Jahr entfallen, da dort eine Bühne aufgebaut war.

Die anschließende Gedenkveranstaltung in der Liebfrauenkirche wurde in bewährter

Kooperation mit der Gemeinde Liebfrauen / Herrn Köpnik durchgeführt. Im oberen

Teil der ehemaligen Kirche wurden die Namen aller verstorbenen Menschen, die in

der AIDS-Hilfe Unterstützung gesucht und gefunden haben, mit Hilfe eines Beamers

an die Wand projiziert. Auf den Treppen zum ehemaligen Altarbereich standen

Kerzen und jeder Teilnehmer der Gedenkveranstaltung konnte in Gedenken an einen

verstorbenen Menschen eine Kerze dazu stellen.

Wir danken den ehrenamtlichen MitarbeiterInnen sowie der Liebfrauengemeinde als

Kooperationspartner für ihr Engagement, ohne deren Mithilfe die gelungene

Veranstaltung nicht umgesetzt hätte werden können.

4. Öffentlichkeitsarbeit

AIDS ist noch da, AIDS ist nicht besiegt, aber es gibt erhebliche Erfolge im Kampf

gegen HIV.

26


Die Verkündung von Forschungs- und Behandlungserfolgen ist ebenso wichtig und

legitim wie die Verkündigung von Erfolgen in der Primärprävention. Während die

letzteren in der Regel allerdings nur zu einem überschaubaren Medieninteresse

führen – zumal diese schwer in harten Zahlen zu erfassen sind – sind die ersteren

um ein vielfaches interessanter und quotenträchtiger. Dabei wird –je nach Mediumnicht

immer großer Wert auf eine differenzierte Berichterstattung und

Kommentierung gelegt, weil auch der Konsumentenbedarf nicht immer in diese

Richtung geht und weil gewiss auch bestimmte Lobbyinteressen die eine oder

andere Nachricht lancieren.

Umso mehr verstehen wir es als Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit der AIDS-Hilfen,

die Entwicklungen und insbesondere die daraus resultierenden Schlagzeilen kritisch

zu beobachten und zu kommentieren. Denn wir sind mit den Folgen beschäftigt.

Tatsächlich registrieren wir eine gewisse Banalisierung von HIV / AIDS und anderen

sexuell übertragbaren Krankheiten. Die Sorglosigkeit der Menschen im Umgang mit

HIV wird –auch von uns- häufig beklagt. Deutlich steigende Zahlen von HIV-

Neudiagnosen und Neuinfektionen (seit 2000 bis 2007 um jährlich 4%, laut BZgAaktuell,

07/08, S.1) stehen für einen Irrglauben mit lebensbedrohlichen oder

zumindest stark lebensbeeinträchtigenden Folgen. Im Berichtsjahr 2009 blieb die

Zahl der Neudiagnosen und Neuinfektionen zwar stabil, aber eben auf stabil hohem

Rekordniveau von etwa 3000 Neuinfektionen.

Wir betrachten es als eine wichtige Aufgabe von AIDS-Hilfe als Selbsthilfe-,

Interessen- und Fachverband, die Bevölkerung und auch die Beteiligten im

Gesundheitswesen seriös, differenziert und bestmöglich über die aktuellen

Entwicklungen zu informieren.

Aussagen von manchen Medizinern, die immer wieder die nahenden

Heilungschancen propagieren, mediale Schlagzeilen, die Entwarnungsphantasien

auslösen, Hochglanzanzeigen der Pharmaindustrie, deren Aussagen fast an

„Marlboro-Botschaften“ erinnern, nötigen uns, immer wieder auf die Euphoriebremse

zu treten. Dies wird insbesondere in bestimmten Zielgruppen schwieriger, die ein

vergleichsweise gutes Aufklärungsniveau aufweisen und sich zum Teil mit sehr

subtilen Risikominimierungsstrategien beschäftigen. Die Materie wird mit

zunehmenden Erkenntnisgewinnen zum Virus, seinen Infektionswegen und zum

Immunsystem immer komplexer und in bestimmten Szenen oder/und Settings ist das

Spektrum der Präventionsbotschaften gewiss weiter und differenzierter zu gestalten

als es die hinlänglichen Safer Sex-Botschaften bisher hergeben.

Die strukturelle HIV-Prävention wird immer komplexer. Die Präventionsbotschaften

sind immer mehr zu differenzieren und zum Teil zu individualisieren. Wenn wir heute

erkennen, dass das Infektionsrisiko, das von einem HIV-Infizierten unter stabiler

antiretroviraler Therapie (sART) ausgeht, „sich in der Größenordnung unserer

normalen Lebensrisiken wie z.B. dem Besteigen eines Flugzeuges“ (Schweizerische

Ärztezeitung, 2008; 98:5, S. 163) bewegt, dann ist es richtig und wichtig, HIV-positive

Menschen davon zu unterrichten, denn dann ist die häufig tief verwurzelte Angst,

andere zu infizieren, sehr zu relativieren. Diese Erkenntnis hat ungeheuere Chancen

zur Folge, denn sie kann zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensqualität von

HIV-Infizierten und der von HIV-Betroffenen führen.

27


Inwieweit diese Erkenntnisse auch offensiv in die Allgemeinbevölkerung getragen

werden sollten, ist sehr umstritten, denn sie bergen durchaus das Risiko, die

Präventionserfolge zu gefährden. Die antiretrovirale Therapie als Instrument im

Köcher der Primärprävention ist aber eindeutig als Zugewinn zu betrachten.

Im Zuge dieser noch relativ jungen Errungenschaften muss die Förderung der

Testbereitschaft ein immer stärkeres Anliegen der Präventionsarbeit werden.

Dies spiegelt sich in der Fachwelt vielfach wieder, so auch im Aktionsplan gegen HIV

und AIDS der Europäischen Kommission für die Jahre 2009 – 2013 und so auch bei

einem deutschen Expertenworkshop zur HIV-Testung, der im Oktober 2009 auf

Einladung des Gemeinsamen Wissenschaftlichen Beirates des BMG und der

Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG) stattfand und dessen Ergebnisse wir an dieser

Stelle im Überblick verkünden wollen, weil sie unsere Haltung und Arbeitsansätze

sehr gut wiedergeben:

„1. Ein allgemeines HIV-Screening in medizinischen Einrichtungen in Deutschland ist

angesichts der vergleichsweise niedrigen HIV-Prävalenz in der Gesamtbevölkerung

weder sinnvoll noch wünschenswert.

2. Eine gezielte Vermehrung von Angeboten zur freiwilligen Testung auf HIV

verknüpft mit einer qualifizierten Beratung ist erwünscht und notwendig. Die

Durchführung der HIV-Testung ist dabei kein eigenständiges Ziel, sondern Teil einer

HIV/AIDS Gesamtstrategie, die auch präventive, gesundheitsfördernde und kurative

Maßnahmen einschließt. (…) Anonyme und kostenlose Testangebote können die

Akzeptanz eines Testangebotes erhöhen. (…) Zielgruppenspezifische

Testermutigung und möglichst niedrigschwellige Testangebote sollen gestärkt und

weiter ausgebaut werden. (…) Insbesondere muss sichergestellt sein, dass alle

Personen, bei denen eine HIV-Infektion diagnostiziert wird, einen ausreichenden

Zugang zum medizinischen Versorgungssystem in Deutschland erhalten – auch

Personen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus und Krankenversicherungsschutz

sowie Inhaftierte. Dies erfordert unter anderem eine engere Zusammenarbeit

zwischen dem medizinischen Versorgungssystem, dem öffentlichen

Gesundheitsdienst und Nichtregierungsorganisationen.

HIV-Testung muss grundsätzlich freiwillig und mit informiertem Einverständnis der

Getesteten erfolgen. Die Testung muss begleitet sein von einer den konkreten

Umständen angepassten Beratung vor dem Test und einer ausführlichen Beratung

zum Testergebnis nach dem Test. (…) Zur Testberatung gehört auch, die

Notwendigkeit wiederholter Testung bei Fortbestehen von Infektionsrisiken

anzusprechen. Etwa die Hälfte der neu mit HIV diagnostizierten Personen in

Deutschland hat sich vor der HIV-Diagnose bereits mindestens einmal mit negativem

Ergebnis auf HIV testen lassen.

3. Möglichkeiten ärztlich initiierter Testung sollten stärker als bisher genutzt werden.

Dies erfordert folgende Maßnahmen und Strukturen:

- Anlässlich der Untersuchung auf andere sexuell übertragbare Erkrankungen sollte

die Frage eines HIV-Testes regelmäßiger als bisher üblich angesprochen werden.

– Niedrigschwellige STI-Test- und Beratungsangebote sollten ausgebaut werden und

ihr Angebot sollte sich vor allem an besonders betroffene Gruppen richten, für die

Zugangsbarrieren zum regulären Versorgungssystem bestehen (…)

28


4. Diskriminierung und soziale Ausgrenzung von HIV-Infizierten wirken sich

demotivierend auf die HIV Testbereitschaft von gefährdeten Personen und

Personengruppen aus.

Zwar ist beim Abbau von Diskriminierung HIV-Infizierter in Deutschland schon viel

erreicht worden, weitere Anstrengungen sind aber notwendig. Sowohl innerhalb

betroffener Bevölkerungsgruppen als auch im medizinischen Versorgungssystem,

beim Kontakt mit Behörden, am Arbeitsplatz und im sozialen Umfeld erfahren auch

heute noch in Deutschland viele HIV-Infizierte bei der Offenlegung ihrer Infektion

Diskriminierung und Ausgrenzung.“

(Dr. U. Marcus u. Dr. O. Hamuda, Späte HIV-Diagnose und später Behandlungsbeginn in

Deutschland, in HIV&more, 4/2009, S.62)

Letzteres hat uns im Berichtsjahr insbesondere der mediale Hype um den „Fall Nadja

B.“ wieder einmal sehr deutlich vor Augen geführt (s. 1.).

Der `präventive Spagat´ zwischen Entdiskriminierungsarbeit im Umgang mit HIVpositiven

und an AIDS erkrankten Menschen und der Mahnung vor einer keineswegs

„normalen chronischen Erkrankung“, die noch dazu letztlich immer noch tödlich ist,

bleibt eine große Herausforderung für die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit.

Und angesichts der skizzierten vielfältigen Veränderungen sind wir stetig gefordert,

unsere Arbeitsweisen zu überdenken und hier und da zu reformieren.

Bei allem notwendigen Hinterfragen von bestehenden Strukturen, Analysen und

Evaluationen von Arbeitsansätzen sowie sinnvollem Bemühen um –epidemiologisch

abgesicherte- neue Präventionsansätze und –strategien wäre es aber meines

Erachtens fatal, an dem Grundkonzept der strukturellen Prävention und dem Ansatz

der niedrigschwelligen, akzeptanzorientierten Arbeitsausrichtung zu rütteln. Die

Erfolge von nunmehr über 20 Jahren sprechen für sich. Die Verweise auf Länder mit

repressiveren Ansätzen und Zeigefingerpädagogik hinken, denn Deutschland hat im

Europa des Jahres 2009 die niedrigste HIV-Prävalenz! Das hier entwickelte

Präventionsmodell ist weiterhin wegweisend und zukunftsträchtig für die

Beschäftigung mit dem Themenfeld der sexuellen Gesundheitsförderung generell. Es

bleibt dabei: Nur wer sich schätzt, schützt sich und andere.

„HIV-Prävention kann nur in einer Gesellschaft erfolgreich sein, in der Menschen mit

HIV und ihre Partner mit ihren besonderen Bedürfnissen und Ängsten akzeptiert und

unterstützt werden“ (Stellungnahme der Deutschen AIDS-Gesellschaft, DAIG, zur Frage der

Infektiosität von Patienten unter HIV-Therapie vom 23.04.2009).

Der Ansatz, allein auf individuelle Verhaltensänderung zu setzen, reicht nicht aus.

Auch die Verhältnisse, in denen Menschen leben, müssen lebenswert und so

gestaltet sein, dass Menschen sich darin angenommen fühlen können. Hier sind alle

gesellschaftlichen Gruppen weiter gefordert.

„Gemeinsam gegen AIDS + Du! Zeig Schleife“. Das deutsche Welt-AIDS-Tags-Motto

des Jahres 2009 setzte insofern konsequent das Thema „Solidarität“ wieder in den

Mittelpunkt.

Wir haben eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung auch und gerade gegenüber

den Schwächeren in unserer Leistungsgesellschaft. Nicht nur im HIV-

29


Infektionsgeschehen sind Menschen überproportional vertreten, die ökonomisch,

bildungsmäßig und sozial benachteiligt sind. Somit bleibt AIDS-Präventionsarbeit zu

einem großen Teil weiterhin Arbeit in gesellschaftlichen Konfliktbereichen. Es geht

weiter um Aspekte von sozialer Diskriminierung von Homo- und Bisexuellen, um die

Kriminalisierung von Drogengebraucher/innen, um die Ausgrenzung von Menschen

mit Migrationshintergrund, um Marginalisierungstendenzen von Prostituierten und

Menschen in Haft und um die Defizite in der Um- und Durchsetzung von (sexuellen -)

Selbstbestimmungsrechten von Frauen in besonderen Lebenslagen.

Die Öffentlichkeitsarbeit der AIDS-Hilfen gewinnt vor diesen Hintergründen weiter an

Bedeutung. Die differenzierte und seriöse Außendarstellung des Themenfeldes „HIV

und AIDS“ wird allerdings immer vielschichtiger und komplexer.

Von besonderer Bedeutung ist dabei die konsequente Einbeziehung und

Thematisierung anderer sexuell übertragbarer Infektionen (STI`s, wie Syphilis,

Chlamydien u.a.), da diese eine zunehmende Relevanz für die HIV-Inzidenzen

besitzen.

Während wir nach 25 Jahren AIDS-Prävention sicherlich behaupten können, dass

das Aufklärungsniveau bezüglich HIV/AIDS in der deutschen Bevölkerung

vergleichsweise gut ist, gilt dies hinsichtlich der STI`s in keinster Weise. Hier muss

ein Schwerpunkt in der künftigen Präventionsarbeit gesetzt werden.

Dem Rechnung tragend haben wir unsere HIV-Präventionsansätze schon seit

geraumer Zeit um diesen Kontext erweitert, uns entsprechend qualifiziert und im

Berichtsjahr einen konsequenten Schritt umgesetzt. Um dieses Know-how und die

damit verbundenen Angebotsmöglichkeiten auch unseren Nachfragern und Kunden

transparent zu machen, haben wir unserem Vereinsnamen den Zusatz „Fachstelle

für sexuelle Gesundheitsförderung“ beigefügt.

Erfreulicherweise sind Anfragen nach den Angeboten unserer AIDS-Hilfe in allen

Arbeitsbereichen stabil hoch. Das spezifische Know-how, die

Vermittlungskompetenzen unserer ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen und

die Flexibilität eines kleinen, freien Trägers in der Wohlfahrtspflege werden

offensichtlich sehr geschätzt. Das zeigen uns die vielen positiven Rückmeldungen,

die aus sehr unterschiedlichen Gruppierungen kommen.

Und wir erreichen und bewegen die Menschen –vielleicht- langsam, aber stetig – im

Berichtsjahr sogar bis zur Bundesebene, nicht nur durch unsere Beteiligung an der

bundesweiten anonymen Telefonberatung der Deutschen AIDS-Hilfe (s. 2.). So

konnten wir im August des Berichtsjahres in einem intensiven Dialog einen Moerser

SPD-Bundestagsabgeordneten zu einer Art „Gauweiler-oder Paulus-Erlebnis“

verhelfen. In Folge der Berichterstattung über den Fall Nadja B. (s.o.) hatte dieser

sich über ein „meinungsbildendes“ Medium sehr despektierlich und in einer Weise

geäußert, die unserem emanzipatorischen Präventionsansatz diametral

entgegenstand. Inzwischen haben wir ein neues Fördermitglied. Kompliment, Herr E.

– für einen glaubhaft bekundeten Sinneswandel und willkommen im Club der

Mitstreiter „Gemeinsam gegen AIDS“ und für von HIV betroffene Menschen!

Es ist von großer Bedeutung, dass die Arbeit und die Haltungen der AIDS-Hilfe(n) als

sinnvoll wahrgenommen und der Diskurs zu Ansätzen, Konzepten und deren

30


Förderung angenommen werden. Dies ist nicht zuletzt auch für die Arbeit und die

Motivation unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen sehr wichtig.

Mit leichtem Stolz blicken wir auf die Umsetzung zweier Pilotprojekte (BuT-Rastplatz-

Sommer-Aktion, s. 5.1 und Primärprävention im Justizvollzug, s. 5.3) mit unseren

begrenzten Ressourcen im Berichtsjahr zurück, mit denen wir als erste AIDS-Hilfe im

Bundesgebiet nicht nur enormes Interesse und Wertschätzung aus der Fachwelt,

sondern auch mediales Interesse erfahren haben.

Grundlagen für den Erhalt und die Anpassung unserer Arbeitsqualitäten sind die

Qualitätsstandards für die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit, die Teil unseres

Leitbildes (s. www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ) sind.

4.1. AG Öffentlichkeitsarbeit

Die mit dem skizzierten Themenspektrum und der entsprechenden Informations- und

Aufklärungsarbeit befasste Arbeitsgruppe trifft sich seit 2009 jeden dritten

Donnerstag im Monat um 18.30 Uhr in der AIDS-Hilfe, um Veranstaltungen,

Informationsstände u.a. Aktionen zu konzipieren und zu organisieren. Die Gruppe ist

mit stabil acht Mitgliedern besetzt. Um diesen Kern von Mitarbeiter/innen herum

finden sich immer wieder neue Interessent/innen über mehr oder minder lange

Zeiträume. Der Zugang zur Gruppe setzt nicht das Durchlaufen der Grundausbildung

für Ehrenamtler/innen voraus, wie dies für die Bereiche der Beratung und Begleitung

zwingend ist. Es kann also jede/r Interessierte unverbindlich hereinschnuppern.

Ohne das intensive Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen wäre die

Menge an Veranstaltungen und Aktionen, die wir auch im Berichtsjahr wieder

durchführen konnten, nicht denkbar. Allen beteiligten Ehrenamtler/innen gilt dafür

unser herzlichster Dank!

Weiterhin suchen wir gerade für das Feld der Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit

ehrenamtliche Mitarbeiter/innen. Wer hier aktiv werden möchte oder Interessenten

kennt … nur zu!

31


Zum Bereich der medialen Außendarstellung gehört die Internet-Homepage der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ( www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ). Ein

Medium, das immer mehr an Bedeutung gewinnt und auf die Schnelle nicht nur

Informationen zum Verein und seinen Angeboten bietet, sondern auch zu

Beratungszwecken gerne genutzt wird. Dazu hat sich die Einrichtung einer extra

Beratungsseite mit sog. FAQ`s (frequently asked questions = Häufig gestellte

Fragen) bewährt. Dieses Angebot wird gerade von jüngeren Leuten aufgrund der

besonderen Anonymität und der Attraktivität des Mediums für diese `Besucher´

genutzt. Diese Seiten werden regelmäßig evaluiert und bei Bedarf werden die FAQ`s

variiert (Vgl. 2.).

Die wichtigsten Neuerungen und Daten, die für eine Neuauflage unserer

Hausbroschüre zu berücksichtigen sind, liegen inzwischen zwar vor, eine inhaltlich,

redaktionelle Bearbeitung ist im Berichtsjahr gestartet, die Umsetzung in eine

druckfähige Variante konnte allerdings noch nicht umgesetzt werden.

Als weiterer wichtige Werbeträger dient der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

der Schaukasten im Bus- und S-Bahntunnel am Duisburger Hauptbahnhof, der im

Berichtsjahr wieder mehrmals thematisch neu gestaltet und fortlaufend aktualisiert

wurde. Unserem Gründungs- und inzwischen Ehrenmitglied Wulf Th., der diesen

Werbe-, Beratungs- und Ankündigungsträger seit über 20 Jahren pflegt und

regelmäßig aktualisiert, gilt ein besonderer Dank.

Schaukasten Duisburg

4.2. Veranstaltungen

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist immer bemüht, ihr Angebot einer

breiten Öffentlichkeit transparent zu machen und nutzt dazu verschiedene Orte und

Anlässe. Wie könnte man auf Enttabuisierung, Entdiskriminierung und Emanzipation

ausgelegte Präventionsarbeit leisten, ohne die sog. Allgemeinbevölkerung über den

Sinn und Zweck zielgruppenspezifischer Arbeit zu informieren?

Neben dem sehr breiten Spektrum an inhaltlichen Ausrichtungen (HIV und AIDS,

Hepatitiden und andere sexuell übertragbare Krankheiten, Homosexualität,

Drogengebrauch, Frauen/Mädchen und AIDS, Migration und AIDS u.a.m.) ist es

32


alljährlich aufs Neue schwierig, halbwegs flächendeckend in unserer großen Region

Präsenz zu zeigen.

Der Jahresauftakt ist traditionell geprägt durch eine Fülle an

Präventionsveranstaltungen im Bereich „Youthwork“ (s. 5.6.) sowie durch intensive

Berichts- und Dokumentationsarbeit zum Vorjahr. Darüber hinaus hat uns (Team und

Vorstand) die Umsetzung der Ergebnisse aus dem

Organisationsentwicklungsprozess im Rahmen von außerordentlicher und

ordentlicher Mitgliederversammlung und den dazugehörigen Korrespondenzen mit

Amtsgericht und Notar zu den erforderlichen Satzungsänderungen im ersten

Halbjahr sehr beschäftigt. Parallel aber liefen natürlich auch die Planungen zur

Öffentlichkeitsarbeit an.

In bewährter Kooperation mit der AIDS-Hilfe Oberhausen gab es die fachliche

Einstimmung im Mai mit einem Fachgespräch zur HIV-Therapie. Mit dem Titel „Älter

Werden mit HIV“ haben wir ein wichtiges Schwerpunktthema, welches uns

erfreulicherweise noch lange begleiten wird, behandelt. Der Münsteraner HIV-

Behandler, Dr. Peter Hartmann, hat uns in hervorragender Weise hier eingestimmt.

Das Stadtteilfest in Duisburg-Hochfeld am 06.06. litt in diesem Jahr etwas unter

ungünstigen Witterungsbedingungen. Doppelt gefordert waren wir am 20.06., dem

bundesweiten Aktionstag zur sog. „Nacht der Solidarität“. Tagsüber gestalteten wir

im Verbund mit den Kooperationspartnern des Duisburger Aktionsbündnisses gegen

AIDS einen interaktiven Stand mit dem AIDS-Parcour der Kindernothilfe im Rahmen

des Duisburger Umweltmarktes und sammelten Unterschriften für die bundesweite

Kampagne „Leben vor Pharmaprofit“, die sich gegen die Patentanmeldungen dreier

Hersteller von antiretroviralen Medikamenten in Indien richtete, um die gerade für

Entwicklungsländer so ungemein wichtige Produktion von Generika-Medikamenten

nicht zu gefährden.

Christa L. im Einsatz für das Aktionsbündnis gegen AIDS

33


Am Abend durften wir einen äußerst bunten Abend im Abtei-Keller in Duisburg-

Hamborn erleben. Unter dem Motto „Künstler in NRW und DU – gemeinsam gegen

AIDS“ fand eine Benefiz-Gala statt, bei der Künstler verschiedenster Sparten

(allesamt gagenfrei!) ein tolles Programm auf die Bühne brachten. In diesem

Rahmen konnte noch einmal auf die Kampagne und den Hintergrund des

„Aktionsbündnisses gegen AIDS“ eingegangen werden. Diese tolle Veranstaltung

wurde weitestgehend selbständig von unseren Super-Praktikantinnen Sandra

Kohlhase und Yvonne Leuverink geplant und organisiert. Ein Engagement, das weit

über ein „normales“ Praktikum hinausging. Den beiden und natürlich allen Künstlern

gilt unser herzlichster Dank.

34


Sandra, Thomas und Yvonne …

… mit himmlischem Beistand

Der Zielgruppe „Jugendliche“ widmeten wir uns in diesem Sommer im Rahmen der

Jugend-DIN-Tage am 29.08. in Dinslaken, bei dem in diesem Jahr leider

ungewöhnlich wenige Jugendliche die Angebote der Beratungseinrichtungen nutzten.

Wir führen dies auf eine sehr deutliche Polizeipräsenz zurück, die vor allem

Alkoholkontrollen durchführen sollten. Dies hat zu einer Verlagerung des

Zielpublikums geführt, die ja eigentlich niedrigschwellig –auch zum Thema Alkoholund

Suchtmittelkonsum informiert und beraten werden sollte. Hier würden wir uns ein

abgestimmteres Konzept wünschen.

Auch in diesem Jahr konnten wir erneut das Angebot der „Medizinischen Rundreise“

der DAH nach Duisburg holen. Am 28. und 29.08. stiegen wir als Pilotgruppe in das

neu geschaffene Seminarangebot zur „Sexuellen Gesundheit schwuler Männer“ ein.

Dank der wieder einmal hervorragenden Leitung durch Bernd Vielhaber erlebten

auch die vertretenen heterosexuellen Männer eine sehr interessante Fortbildung, die

nicht zuletzt auch wieder einmal unseren „Kurs“ der sexuellen Gesundheitsförderung,

die über „reine“ Präventionsarbeit hinausgeht, sehr bestätigte.

Natürlich beteiligte sich die ÖA-Gruppe auch in diesem Jahr wieder sehr aktiv am

Geschehen rund um den Duisburger CSD (s.u.) am 25.07.09.

Bei herrlichem Wetter und in wunderschöner Atmosphäre des Heubergparks in

Wesel fand das Jugendfestival in Wesel am 12. September statt. Den Jugendlichen

wurde ein ausgesprochen vielfältiges und attraktives Beratungs- und

Interaktionsangebot durch verschiedenste Akteure der Jugendarbeit geboten. Wir

konnten hier insgesamt ein recht gutes Aufklärungsniveau bei den Weseler

Jugendlichen feststellen und waren angenehm überrascht, doch eine ganze Reihe

von Jugendlichen zu treffen, die bereits durch unsere Youthwork-Angebote in

Schulen gelaufen sind und dabei offenbar einen nachhaltigen Kenntnisstand

erworben haben.

35


Internationaleres Publikum sollte das „Fest der Kulturen“ am 02. Oktober auf der

Königstrasse erreichen, dem traditionellen Abschluss der „Interkulturellen Wochen“ in

Duisburg. Doch leider hielt sich die Resonanz –nicht nur an unserem Stand- in

Grenzen. Wir sind dennoch überzeugte „Wiederholungstäter“ bei der Beteiligung an

Veranstaltungen, die das bunte Miteinander von Menschen mit oder ohne

Migrationshintergrund in unserer Gesellschaft thematisieren, was natürlich auch für

die Sexualität gilt. Und die Risiken und Nebenwirkungen dessen sind ohnehin

international.

Infogespräche am Glücksrad

4.3. Benefiz-Veranstaltungen

Nicht nur in finanzieller Hinsicht sind Benefiz-Aktionen für uns sehr wichtig, bieten

Aktionen mit Künstlern oder anderen Prominenten doch meist die Möglichkeit, unser

Thema auch außerhalb der Welt-AIDS-Tags-Zeit öffentlichkeitswirksam zu platzieren.

Das Berichtsjahr 2009 geht diesbezüglich als ein besonders gutes Jahr in die

Annalen der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel ein. Viele zivilgesellschaftliche

Gruppen und Einzelpersonen haben sehr Gutes getan und wir wollen darüber reden

und schreiben.

Ein riesengroßes Dankeschön gilt einmal mehr dem Duisburger Gastronomen,

Thomas Seven, der im Berichtsjahr mit seinem traditionellen Grünkohlessen im

November wieder viele Gäste zu Spenden animieren und darüber über 4.000,- € für

die Aufrechterhaltung unserer Angebotspalette bereitstellen konnte.

Gleich verschiedene Jubiläen lieferten den Anlass für die nunmehr fünfte Benefiz-

Gala der Duisburger „First Lady of Travestie“ Jennifer Dean alias Henning Ladewig,

der mit einigen Künstlerfreundinnen und –freunden, die allesamt gagenfrei auftraten,

am 03. Oktober wieder einmal ein begeisterndes Showevent zugunsten der AIDS-

Hilfe veranstaltete und darüber hinaus noch über 2.000,- Euro Spenden akquirierte.

Zu diesem Anlass steuerte in diesem Jahr auch die Sparda-Bank West einen

Förderbetrag von 5.000,- Euro bei. Ganz herzlichen Dank! Dieser Einsatz verpflichtet

uns.

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Treue Unterstützung erfahren wir seit nunmehr vier Jahren durch einen Teil der Citi-

Pride-Group der Duisburger citibank, federführend durch Herrn Guido Kuhl, die zum

Welt-AIDS-Tag wieder über 400 Solibären verkauft haben.

Bärenstarke Werbung

Das gute Beispiel für social networking hat offenbar Schule gemacht, denn im

Berichtsjahr gab es schon zum zweiten Mal auch eine Unterstützungsaktion der

Deutschen Bank, die zum Welt-AIDS-Tag nicht nur zwei höchst engagierte und

37


aktive Mitarbeiterinnen abstellte, sondern diesen Einsatz auch noch mit 500,- €

belohnte.

Höchst erwähnenswert ist auch das wiederholte Engagement der Belegschaft von

IKEA Duisburg, die zum WAT nicht nur die Personalräume mit Kampagnenmaterial

ausstattete, um intern zu informieren, sondern darüber hinaus auch noch in ihren

Reihen für die AIDS-Hilfe Spenden sammelte sowie für unseren großen Aktionstag

zum WAT im Duisburger FORUM (s.u.) zwei Schlafsofas zur Installation eines

„Liebesortes“ stiftete.

Sehr erwähnenswert ist weiterhin die treue Unterstützung der ehemaligen

Betriebsrätin von KARSTADT-Walsum, Frau Graschtat, die mittlerweile in

Privatinitiative Kund/innen in der Adventszeit dazu einladen, Präsente für Menschen

mit HIV und AIDS zu erwerben und zu hinterlegen. Im Namen der –wirklich

bedürftigen- Empfänger/innen sagen wir dazu ganz herzlichen Dank!

Unermüdliche Kämpfer im Kampf gegen AIDS sind schon lange Dr. Günther Bittel,

seine Frau Ingrid und ihr Mitstreiter-Team in Duisburg-Rheinhausen, die unter

anderem zum fünften Mal das Benefiz-Konzert „Treatment for all“ im Haus der

Jugend durchführten und nicht nur inhaltlich wachrüttelten, sondern darüber hinaus

auch einen Teil des Erlöses für unsere Arbeit vorsehen.

Darüber hinaus erfreut es uns sehr, an dieser Stelle Jahr für Jahr über sehr stabile

Unterstützungsaktivitäten berichten zu können. Da sind zum einen die

Spendensammlungen und thematischen Veranstaltungen vieler Kirchengemeinden

zu nennen, die zudem in der Regel auf unsere Anfrage hin für unsere alljährliche

Weihnachtsfeier für Menschen mit HIV und AIDS eingehen – vielen herzlichen Dank

dafür – und zum anderen die Spendenausschüttung einer Reihe von Sparkassen.

Ganz besonders bedanken wir uns hier bei der Sparkasse Duisburg für ihre Treue

hinsichtlich der Teilfinanzierung unserer aufsuchenden Arbeitsangebote.

Ein besonderes Anliegen ist es uns, den zahlreichen Schülerinnen und Schülern und

engagierten Lehrkräften zu danken, die uns mit hoher Motivation, Überzeugung und

zum Teil sehr kreativen Aktionsideen nicht nur bei der Spendensammlung, sondern

auch bei der Thematisierung von HIV und AIDS in zweifellos wichtigsten Zielgruppen

38


fantastisch unterstützen. Stellvertretend möchten wir hier die Projektgruppen am

Gymnasium Adolfinum in Moers, dem Sophie-Scholl-Berufskolleg in Duisburg-

Marxloh, die Projektgruppe am Gymnasium Moers-Rheinkamp und die Gustav-

Heinemann-Realschule Duisburg-Mitte erwähnen.

DANKE für einen bärenstarken Einsatz für die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Der „Soli-Bär“ 2009

4.4. Veranstaltungen zum 2009

„Stop AIDS. Keep the Promise!“ Das war und ist das internationale Motto der Welt-

AIDS-Kampagnen seit 2005. Es erinnerte daran, dass im Juni 2001 Politiker aus aller

Welt auf einer Sondersitzung der Vereinten Nationen zu HIV und AIDS das

Versprechen gaben, sich national und international stärker im Kampf gegen die

weltweite HIV- und AIDS-Epidemie zu engagieren.

Das deutsche Motto ergänzt seither: „Gemeinsam gegen AIDS. Wir übernehmen

Verantwortung für uns selbst und andere.“ (s.o.). Nicht nur die Politik, sondern jede/r

Einzelne trägt Verantwortung für sich selbst und andere. Wir alle können etwas tun,

aber nur gemeinsam können wir etwas erreichen.

Im Berichtsjahr lag der besondere Schwerpunkt mit dem Zusatzmotto „Ganz

Deutschland zeigt Schleife“ auf der Solidarität mit den Betroffenen: Damit Menschen

mit HIV und AIDS nicht ausgegrenzt werden, sondern offen und selbstbewusst mit

ihrer Infektion leben können.

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Angesichts dieser Ausrichtung und Forderungen fiel es uns auch in diesem Jahr

nicht schwer, das deutsche Motto für unsere WAT-Veranstaltungen voranzustellen.

Mit zehn eigenen Veranstaltungen und weiteren mit und von Kooperationspartnern

durchgeführten Aktionen konnte auch im Berichtsjahr wieder ein umfangreiches

Angebot vorgehalten (s. Flyer und Pressespiegel im Anhang) und viele Menschen

darüber erreicht werden.

Am 20. November ging es los mit der WAT-Warm-up-Party, der schwul-lesbischen

Tanzparty im Kulturzentrum „HundertMeister“ am Duisburger Dellplatz, bei der neben

spezifischen Informationsangeboten auch die „mister and misses Warm-up-Wahl“

von unserem Herzenslust-Team durchgeführt wurde (s. a. 5.1) und die

Aufmerksamkeit von ca. 400 Partybesuchern auf sich zog.

Am 24.11. führten uns unsere beiden Duisburger HIV-Schwerpunktbehandler, Dr.

Kwirant und Dr. Becker-Boost, im Rahmen eines interaktiven Fachgespräches zur

HIV-Therapie im Atelier der „Alten Feuerwache“ die Chancen wie auch die Risiken

und Nebenwirkungen einer antiretroviralen Therapie vor Augen. Unter dem Titel „Ein

Leben lang!? – HIV-Therapie Heute für Morgen“ erlebten wir erkenntnisreiche und

gut abgestimmte Vorträge und im Anschluss ausführliche Antworten auf individuelle

Fragen.

Dr. Becker-Boost, Dr. Kwirant, das Moderatorengespann Natalie Rudi (AH Oberhausen) und Dietmar Heyde und Auditorium

Sehr erfreulich gestalteten sich wieder einmal die Kooperationen mit einzelnen

Kirchengemeinden. So erneut die Gedenkveranstaltung im Anschluss an unseren

Candle-Light-Walk am Mittwoch, dem 25. November in der Liebfrauen-Kirche in

Duisburg-Mitte, die von den Teilnehmenden besonders gewürdigt wurde. Ein

besonderes „Danke schön!“ gilt unserem langjährigen Begleiter, Unterstützer und

Lenker der Gedenkveranstaltung, Herrn Sven Köpnick.

40


Impressionen vom Candle-Light-Walk

Das letzte Wochenende vor dem 01.12.2009 widmeten wir konzentriert Aktionen im

Kreis Wesel. Am 28.11.09 zeigte Moers trotz widriger Witterung Schleife. Auf dem

Altmarkt boten sich den Passanten Bilder vieler Menschen, die nicht nur das Grau in

Grau mit roten Schleifenfarbtupfern auflockerten, sondern eben damit auch ein

deutliches Zeichen der Solidarität mit Menschen mit HIV und AIDS –nicht nur durch

ihre Spenden- setzten.

Unerwartet erfreulich, weil mit ausgesprochen guter Resonanz, verlief die Rote-

Schleifen-Aktion am Sonntag, dem 29.11.10 auf dem Adventsmarkt in Wesel. Auch

hier konnten wir mit vielen Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen und

erfuhren viel Zuspruch in Form von Spenden, aber eben auch mit solidarischen und

motivierenden Worten.

Gerne würden wir in unserem Zuständigkeitsgebiet wandern, um insbesondere auch

in den einzelnen Gemeinden des Kreises Wesel zum WAT Präsenz zu zeigen, aber

hier bieten sich im Umfeld des 01. Dezember leider kein Weihnachtsmarkt oder

andere publikumswirksame Veranstaltungen mehr an. Der Weihnachtsmarkt in

Voerde ist räumlich und terminlich „weggezogen“ und in Xanten etwa werden erst gar

keine „Bettel-Stände“ zugelassen.

Der im letzten Jahresbericht geäußerte Wunsch, am 01. Dezember in Duisburg in die

gute neue Einkaufsstube, der Einkaufsmall FORUM Duisburg zu kommen, ging in

höchst erfreulicher Form in Erfüllung. Wir traten in eine neue Ära ein – mit einem

großen Aktionstag konnten wir einen lang gehegten Wunsch umsetzen, nämlich

einerseits möglichst viele Menschen an diesem Tag erreichen zu können und

andererseits durch ein breiter gefächertes Angebot auch interaktive

Auseinandersetzungen mit dem Thema für verschiedene Bevölkerungs- und

Altersgruppen vorhalten zu können.

Dabei zeigte sich das Centermanagement nicht nur äußerst kooperativ, sondern

auch kreativ, was ideelle und materielle Unterstützung dieses Aktionstages betraf.

Zudem konnten sich Teile des Duisburger Aktionsbündnisses mit einbringen, so

insbesondere auch die Kindernothilfe, die die globale Seite der AIDS-Problematik mit

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ihrem Mitmach-Parcour, einer Ausstellung und einem exemplarischen Film zum

„Leben mit HIV in Uganda“ aufgriff.

Ausstellung und Parcour der Kindernothilfe beim WAT-Aktionstag im FORUM Duisburg

Besonders bei Jugendlichen beliebt war ein Foto-Shooting, bei dem sich die

Teilnehmenden als „Botschafter gegen AIDS“ neben Philipp Lahm ablichten und

persönliche Statements abgeben konnten.

Eine ganze Reihe von Filialen aus dem FORUM beteiligte sich an einer

Orientierungsrallye für interessierte Gruppen oder Einzelpersonen mit speziellen

Fragen zum Thema und stifteten sogar kleine Präsente für die Aktiven.

Zentrale Anlaufstelle und Ausgangspunkt für die traditionelle Red-Ribbon-Aktion war

unser Infostand im Erdgeschoss, an dem uns auch die diesjährigen Solidaritäts-

Bären fast aus den Händen gerissen wurden.

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Ein ganz herzlicher Dank geht wieder einmal an die Show-Tanz-Gruppe der „Cherrygirls“,

die mit ihrem Auftritt für besonders hohes Publikumsaufkommen sorgte,

welches genutzt wurde, um anschließend die von IKEA gestifteten Schlafsofas zu

versteigern sowie den Aktionstag durch eine interessant besetzte Podiumsdiskussion

abzurunden.

Impressionen vom Auftritt der „Cherry-girls“ unter der Leitung von Peter Kirsch

Dr. Becker-Boost im Gespräch mit dem Moderator, Jörg Conradi vom Studio47

Dahinter v. li. n. re.: Frank Mischo (Kindernothilfe & Aktionsbündnis), Rolf Ringeler (Vorstandsvorsitzender der AIDS-Hilfe),

Holger Ellerbrock (FDP-MdL) und Lutz Müller (Centermanager FORUM Duisburg)

Welt-AIDS-Tag 2009 im FORUM Duisburg – eine tolle Geschichte, die nach Aussage

aller Beteiligten etabliert werden soll.

43


HIV und AIDS sind schon sehr lange globalisiert und die Pandemie ist weltweit sehr

unterschiedlich verteilt. Während wir hier erfreulicherweise auf eine letztlich sehr

kleine Infektionsdimension schauen, sieht es in den sog. Entwicklungsländern immer

noch ganz anders aus. 90 Prozent der HIV-positiven Menschen leben und sterben

hier. Ganz besonders betroffen ist nach wie vor Subsahara-Afrika.

Es ist gute Tradition, dass wir mindestens im Rahmen des Welt-AIDS-Tages den

Blick über den nationalen Tellerrand heben und unser Augenmerk dorthin lenken.

Ganz besonders eindrucksvoll ist dies im Berichtsjahr wieder beim „Abendgebet zum

Welt-AIDS-Tag“ am 03. Dezember gelungen.

Diese Solidaritätsveranstaltung der Veranstaltergemeinschaft des Duisburger

Aktionsbündnisses gegen AIDS (i.e.: Kindernothilfe, Ev. Kirchenkreis Duisburg,

Infostelle dritte Welt, Ev. Studentengemeinde Duisburg, die ev. Kirchengemeinde Alt-

Duissern, die AIDS- und STD-Beratungsstelle des Gesundheitsamtes und die AIDS-

Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.) fand wieder in der Luther-Kirche in Duisburg-

Duissern statt. Etwa vierzig Besucher/innen waren –wie wir alljährlich- sehr angetan

vom Veranstaltungskonzept, den z.T. authentischen Lebensbildern von Menschen

mit HIV und AIDS, den symbolischen Aktionen sowie von den musikalischen

Darbietungen. In diesem Jahr unterstützten uns musikalisch die Trommelgruppe

„Shakti Taiko“ aus Duisburg, Dr. Becker-Boost an der Querflöte und die Organistin

der Kirchengemeinde, Frau Anne Nauen mit mitreißenden Darbietungen. Für diese

hervorragenden Gesten der Solidarität sagen wir ganz herzlichen Dank. Das

Duisburger Aktionsbündnis gegen AIDS ist weiterhin offen für weitere

Kooperationspartner. Interessierte Personen und/oder Einrichtungen sind immer

willkommen.

Am 05.12. „traf“ unser neues Partydrogen-Projekt „@drugthive“ die Partypeople der

Ultraschall-Party im ehemaligen Europa-Kino in Duisburg-Mitte und lud diese zu

Präventionsgesprächen ein und zu guter Letzt bot der Herzenslust-Koordinator am

09.12. zum Film „Jung. Schwul. Positiv – über das Leben mit HIV“ und einer

anschließenden Diskussionsrunde ein, die allerdings schlecht besucht war.

Allen, die uns zum Welt-AIDS-Tag 2009 durch viel Engagement und Kreativität

unterstützt haben, gilt an dieser Stelle noch einmal unser ganz herzlicher Dank !!

Und: … nach dem Welt-AIDS-Tag ist vor dem Welt-AIDS-Tag! Interessierte, die 2010

dabei sein wollen, können sich jederzeit gerne bei uns melden

4.5. Berichterstattung in den Medien

44


Die Nachfragen von Seiten der Print-, Funk- und TV-medien, die unsere Arbeit zum

Teil sehr aufmerksam begleiten, stimmt uns zuversichtlich und führt uns zu dem

Eindruck, gute Arbeit zu leisten.

Wir waren unsererseits mit der Erreichbarkeit und dem Echo bei Presse, Lokalfunk

und –fernsehen über das Berichtsjahr verteilt insgesamt sehr zufrieden (s.

Pressespiegel im Anhang). Besonders bemerkenswert ist für das Berichtsjahr

sicherlich festzuhalten, dass der Bericht über unser „BuT-Projekt“ der Rastplatz-

Sommeraktion es bis in die 19.00-Uhr-Nachrichten der „heute-Sendung“ des ZDF

geschafft hat und auch das ARD-Nachtmagazin berichtete

Das schon mehrmals zitierte Stadtfernsehen „Studio 47“ ist mittlerweile ein treues

Begleiter- und Unterstützermedium, genau so wie die Lokalradios von Radio DU inkl.

dem Bürgerfunk und Radio KW.

Im Printmedienbereich gab es im Berichtszeitraum große Portraits über Menschen

und Angebote der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. Anders als im Vorjahr

allerdings leider wenig Interesse aus dem Kreis Wesel.

Dem stabil hohen Niveau bei den Neuinfektionen im Berichtsjahr muss aus unserer

Sicht aber auch wieder mit einer Kommunikationsoffensive begegnet werden, um die

Präventionserfolge der vergangenen Jahre nicht weiter zu gefährden. Aufklärung,

sachliche Information und Erinnerung müssen wahrnehmbar bleiben.

4.6. Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Hier sind für den Stelleninhaber zu nennen :






Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. in verschiedenen

regionalen Gremien und Arbeitskreisen in Duisburg, dem Kreis Wesel und auf

Landesebene

Vorbereitung, Organisation, und Durchführung von Informationsständen,

Seminar- und Vortragsangeboten,

Organisatorische Begleitung und Pressearbeit für Benefiz- und

Kooperationsveranstaltungen,

Akquise von finanziellen Mitteln und personellen Ressourcen

(Ehrenamtleranwerbung)

Kontaktpflege zu Förderern und Kooperationspartnern,

45


Telefonische und persönliche Beratung,

Geschäftsführung,

U.a.m.

Abbildung :

Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung

im Jahre 2009 – Veranstaltungen insgesamt

5. Zielgruppenspezifische Prävention

46


5.1 HIV/AIDS-Prävention bei Schwulen, Männern die Sex mit Männern

haben sowie bisexuellen Männern

Das Projekt „homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM (Männer, die Sex mit

Männern haben) im Kontext von HIV / STI´s“ der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel

e.V. ist durch zielgruppenspezifische Mittel des Landes NRW gefördert worden.

Durch diese Förderung konnte, neben der Ergänzungsfinanzierung durch die

Kommunen, eine Vollzeitstelle vorgehalten werden, mit der die strukturelle

Prävention im Arbeitsbereich „homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM im

Kontext HIV / STI´s“ auf der lokalen, regionalen und landesweiten Ebene sowie die

Begleitung der lokalen Herzenslustgruppe umgesetzt wurde. Zusätzlich hat das

Projekt auf der lokalen Ebene das Ziel, HIV-Positive Männer niedrigschwellig zu

erreichen und ihnen die möglichen Angebote in der Region zu vermitteln bzw. die

Begleitung durch die AIDS-Hilfe anzubieten (Streetwork).

Auf der landesweiten Ebene erfolgte die Arbeit ausschließlich in Gremien, die sich

überregional mit dem Thema „homosexuelle Männer sowie MSM im Kontext HIV /

STI´s“ befassen.

Auf der regionalen Ebene wurden in der Vernetzung mit anderen Institutionen

Kampagnen und Präventionsaktionen erarbeitet und durchgeführt. Die in diesen

Gremien vorhandenen Ressourcen konnten so gebündelt werden und es ergaben

sich sinnvolle Synergieeffekte.

Auf der lokalen Ebene wurden gemeinsam mit Kooperationspartnern und durch die

Einbeziehung von ehrenamtlichen Mitarbeitern sowie HIV-positiven schwulen

Männern die ausdifferenzierten Angebote/Präventionsaktionen erfolgreich

umgesetzt. Durch diese Kooperationen konnten die begrenzten personellen

Ressourcen optimal genutzt werden.

5.1.1 Vorwort

Die zielgruppenspezifische Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel

e.V. im Bereich MSM hatte im Berichtszeitraum mehrere Arbeitsschwerpunkte. So

gelang es dem Arbeitsbereich weiterhin, die Kampagne für MSM „ich weiss was ich

tu“ (IWWIT) der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. in die landesweite Kampagne

Herzenslust zu integrieren.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt war die Umsetzung des HIV-Schnelltestsangebotes

im niedrigschwelligen Bereich, welcher unter dem Label „BuT“ (Beratung und Test) in

Pilotstädten, unter anderem in der Region Duisburg / Kreis Wesel, angeboten wurde.

Die Vorarbeit (Schulung der ehrenamtlichen Mitarbeiter, konzeptionelle Planung der

Umsetzung lokal und in Arbeitskreisen landesweit, Absprache mit

Kooperationspartnern) nahm einen Hauptteil der zeitlichen Ressourcen in Anspruch.

Die ausdifferenzierte Arbeit im Bereich der Primärprävention bei MSM (z.B. GAY

ROMEO health support, Vor-Ort Arbeit, Beratung und Test) fordert immer mehr eine

detaillierte fachlich qualifizierte Schulung der Mitarbeiter. Diese neuen

47


Anforderungen gehen mit einer hohen zeitlichen Kapazität an Schulungsanteilen für

die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter einher. Dieser Trend wird sich auch in

Zukunft fortsetzen. Hier gilt es, einerseits die Mitarbeiter fachlich gut auf die Arbeit

vorzubereiten und andererseits die Schulungsanteile für die einzelnen Trainer /

Referenten in einem „gesunden Maß“ zu halten. Durch die geforderten

Qualitätssicherungsmaßnahmen und damit einergehenden Verpflichtungen

(Teilnahme an (Schulungs-) Veranstaltungen, Berichtswesen, Datenerhebung)

wurden zeitliche Ressourcen ebenfalls gebunden.

5.1.2 Landesweite Vernetzung

Teilnahme an Arbeitskreisen

Arbeitskreis schwule Prävention

Unter dem Namen „Herzenslust“ wird strukturelle HIV-Prävention im Bereich

„homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM“ in ganz NRW durchgeführt.

Herzenslust ist eine Kampagne der AIDS-Hilfe NRW e.V.. Auf der landesweiten

Ebene finden regelmäßige Arbeitskreise unter dem Namen „Landesarbeitskreis

schwule Prävention“ statt, wo die Herzenslustgruppen sich inhaltlich austauschen

können. Der Projektnehmer hat regelmäßig an diesen Arbeitskreisen teilgenommen.

In diesem Gremium wurden neu entwickelte Aktionen vorgestellt, Tendenzen in der

schwulen Community erörtert sowie zu bestimmten Themenfeldern Referenten

eingeladen. Auf diesen landesweiten Arbeitskreisen konnten so Ideen für

Präventionsaktionen ausgetauscht, Kampagnen entwickelt und nicht erfolgreiche

Projekte analysiert werden. So wurde durch den Erfahrungsaustausch und die

fachliche Unterstützung der unterschiedlichen lokalen Herzenslustgruppen die

regionale und lokale Arbeit sinnvoll modifiziert.

Gay Romeo / health support

Herzenslust hatte auf der landesweiten Ebene die Onlinepräventionsarbeitet

konzipiert und umgesetzt. Bei Gay Romeo, einem Onlineportal für schwule und

bisexuelle Männer, wurde ein health support geschaltet. Hier werden Ratsuchenden

von örtlichen Herzenslustmitarbeitern Fragen zu HIV/AIDS, Hepatitiden und anderen

sexuell übertragbaren Krankheiten, schwuler Gesundheit und Szeneorten in der

Region beantwortet. Das lokale Projekt Duisburg / Kreis Wesel hat für die lokale

Herzenslustgruppe ein Profil erstellt und Chatberatung durchgeführt. An diesem

Projekt sind hauptamtliche sowie ehrenamtliche Onlinepräventionisten beteiligt. Das

lokale Gay Romeo-Projekt war regelmäßig bei den bundesweiten Austauschtreffen

vertreten. Diese Treffen dienen als Plattform, sich zu Themenfeldern der Online-

Beratung auszutauschen sowie der Erarbeitung und Erhaltung von Präventions- und

Beratungsstandards.

Beratung und Test (BuT)

Der Projektnehmer war regelmäßig bei dem Steuerungskreis von „BuT“ auf der

landesweiten Ebene vertreten. In diesem Arbeitskreis, der sich aus Mitarbeitern der

Gesundheitsämter, den beteiligten Herzenslustprojekten, Mitarbeitern der

Landesgeschäftsstelle, Mitarbeitern der Deutschen AIDS-Hilfe sowie Mitarbeitern aus

dem Bereich Selbsthilfe zusammensetzte, wurden die Qualitätsstandardts und die

48


Möglichkeiten / Grenzen von „BuT“ diskutiert sowie einheitliche Standards

beschlossen.

CSD Köln

Das Projekt „homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM (Männer, die Sex mit

Männern haben) im Kontext von HIV / STI´s“ der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel

e.V. hat sich an der Präventionsaktion der AIDS-Hilfe Köln e.V. auf der Parade des

CSD beteiligt. Als stilisierte Schiedsrichter beteiligte sich auch die lokale

Herzenslustgruppe unter dem Motto „Fair Play – Ran an die Bällchen“ an der Aktion.

Diese Aktion wurde resourcenorientiert geplant, da sich unter dem selben Motto im

Jahr 2010 Herzenslust sowie IWWIT an den Gay Games beteiligen wollen.

5.1.3 Projektarbeit auf der regionalen Ebene

Regionale Vernetzung

Auf der regionalen Vernetzungsebene arbeitete das Herzenslustprojekt eng mit den

regionalen Herzenslustgruppen im Ruhrgebiet zusammen. So beteiligte sich das

Projekt an den regelmäßig stattfindenden Arbeitskreisen „Herzenslust Knotenpunkt

Ruhrgebiet“. Im Ruhrgebiet wurden aus diesem Arbeitskreis heraus Aktionen

entwickelt, koordiniert und durchgeführt, welche einen überregionalen Charakter

besaßen. Gerade bei größeren Events können die einzelnen Herzenslustgruppen nur

schwer alleine öffentlichkeitswirksame Aktionen durchführen. Durch die Koordination

und Umsetzung der geplanten Präventionsaktionen durch den

Herzenslustkoordinator Ruhrgebiet können so über die Vernetzung mehrere

Herzenslustteams zusammen eine Aktion ressourcenorientiert durchführen.

Weitere Schwerpunkte des Arbeitskreises waren unter anderem die inhaltliche

Fortbildung der ehrenamtlichen Präventionsmitarbeiter zum Themenfeld HIV/AIDS

und andere STI´s sowie die Bewerbung ehrenamtlicher Mitarbeiter und der fachliche

Austausch der lokalen Herzenslustgruppen.

5.1.4 Projektarbeit auf der lokalen Ebene

Kooperation mit lokalen Einrichtungen/Selbsthilfegruppen

Auf der lokalen Ebene wurde mit verschiedenen Einrichtungen, Vereinen und

Selbsthilfegruppen kooperiert (wie z.B. mit AkDuLuS e.V. sowie dem Kommissariat

Vorbeugung der Polizei Duisburg).

Primärpräventive Aktionen auf der lokalen Ebene

Streetwork

Der Projektnehmer hat durch regelmäßige Vor-Ort-Arbeit und Anwesenheit in der

Szene HIV-positive Männer erreicht und begleitet diese im Rahmen der psychosozialen

Betreuung. Durch dieses niedrigschwellige und anonyme Angebot konnten

49


Männer erreicht werden, die sich durch eigenen Antrieb nicht an eine Hilfs-

Organisation wie die AIDS-Hilfe gewendet hätten.

Sprechstunden in der Szene

Der Projektnehmer hat einmal im Quartal eine Sprechstunde für schwule Männer in

einem Szenelokal durchgeführt. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Szenewirt

wurde die Sprechstunde gut beworben und erfreute sich einer guten Resonanz.

Neben dem hauptamtlichen Mitarbeiter stand ein HIV-positiver schwuler Mann als

Ansprechpartner zu dem Thema „HIV-Positiv sein, was heißt das?“ zur Verfügung

sowie der Ansprechpartner der Polizei Duisburg zu gleichgeschlechtlichen

Lebensfragen.

BuT-Rastplatz Sommeraktion

Das Projekt „homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM (Männer, die Sex mit

Männern haben) im Kontext von HIV / STI´s“ der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel

e.V. konnte erfolgreich das niedrigschwellige Konzept von „BuT“ als eine der

Pilotstädten in NRW umsetzen. Für die detaillierte Beschreibung der Aktion ist auf

den folgenden Seiten die in Druck befindliche Dokumentation aufgenommen worden.

50


Dokumentation und Evaluation der

BuT – Rastplatz Sommeraktion

Ein Pilotprojekt

- der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

- der AIDS-Hilfe NRW e.V.

- dem Fachbereich Gesundheitswesen des Kreises Wesel

mit Unterstützung des Kommissariats Vorbeugung des Polizeipräsidiums Duisburg

November 2009

51


Einleitung von Reinhard Klenke, AIDS-Hilfe NRW e.V.:

Die BuT-Rastplatz-Sommeraktion der AIDS-Hilfe Duisburg-Kreis Wesel ist in vieler

Hinsicht vorbildlich: Eine erste quantitative Auswertung der IWWIT-Testkampagne

der DAH wies aus, dass von den 530 Beratungs- und Testterminen nur 20 außerhalb

von AIDS-Hilfen und Gesundheitsämtern stattfanden, obwohl in anderen Ländern

schon sehr positive Erfahrungen mit Beratungs- und Testprojekten gemacht wurden,

die eine „Geh-Struktur“ vorgehalten haben, und bekannt ist, dass Angebote mit

Komm-Strukturen von sozial benachteiligten Zielgruppen eher nicht wahrgenommen

werden. Auf einem Cruising-Rastplatz ein mobiles Beratungs- und Testangebot zu

etablieren ist ein mutiger Versuch, eine wesentliche Angebotslücke zu schließen und

unkonventionell neue Wege zu gehen und eine bisher kaum erreichte Gruppen

hochvulnerabler MSM anzusprechen.

Vorbildlich ist auch die Zusammenarbeit verschiedener Stakeholder: Die AIDS-Hilfe

Duisburg-Kreis Wesel mit ihrem besonderen Zugang zu der Zielgruppe MSM, das

Gesundheitsamt, mit seiner medizinischen Kompetenz und Testerfahrung, die BuT-

Buddies, mit ihrem hohen fachlichen und menschlichen Wissen aus der Positiven-

Selbsthilfe, der Autobahnpolizei und der Autobahnverwaltung, die durch ihre

unbürokratische Unterstützung die Arbeit mit ermöglicht haben. Und eben nicht

zuletzt durch die konzeptionelle Begleitung, die Fortbildungsangebote von BuT-

Herzenslust und die Bereitstellung des Beratungs- und Testmobils des AIDS-Hilfe

Landesverbandes. Die Entwicklung von zugehenden, zielgruppenorientierten

Strukturen in der HIV-Prävention ist nicht zuletzt eine wichtige Forderung aus dem

NRW Gesundheitsministerium.

Mit den besten Grüßen aus Köln,

Reinhard Klenke

Stellvertr. Landesgeschäftsführer

52


Herzenslust NRW

Vorwort

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der im Feld

der Gesundheitsförderung tätig ist. Ihr wesentlicher Arbeitsauftrag ist die so

genannte zielgruppenspezifische, strukturelle AIDS-Prävention. Wegen der sehr

hohen HIV-Relevanz (s. u.) und der deutlichen Inzidenzsteigerungen anderer sexuell

übertragbarer Krankheiten (STI´s) ist dieser Präventionsauftrag konsequenterweise

in den letzten Jahren diesbezüglich erweitert worden.

In dem Zielgruppensektor der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), wird

dieser Arbeitsauftrag, den Gegebenheiten angepasst, durch das Präventionsprojekt

„Herzenslust“ umgesetzt.

Männer, die Sex mit Männern haben stellen in besonderem Maße eine dieser

spezifischen Zielgruppen mit besonders hohem Infektionsrisiko dar.

Eine der hochvulnerablen Gruppen, die ein erhöhtes Risiko haben, sich mit HIV zu

infizieren, sind MSM mit einem unterdurchschnittlichen sozialen Status, die sich auf

Cruisingareas treffen, da dort „verbale Kommunikation“ und Umgangsformen eine

untergeordnete Rolle spielen. An diesen Orten ist es auch nicht nötig, sich mit

subkulturellen Normen zu identifizieren oder sich als schwul zu definieren (s.

KABaSTI-Studie, BuT Konzept).

Ziele unserer Arbeit sind unter anderen die Verminderung / Verhinderung von

Neuinfektionen von HIV und anderen sexuell übertragbarer Krankheiten bei MSM

durch die Befähigung des Einzelnen, nach einer umfassenden

Informationsvermittlung zu Übertragungswegen von HIV eigenverantwortlich Risiken

abzuwenden (safer sex) bzw. reflektiert Risiken abzuwägen (Risikomanagement)

53


sowie durch den rechtzeitigen Zugang zur ART (Antiretrovirale Therapie;

Medikamente, die die Virusreplikation verringern/verhindern) im Falle eines positiven

Testergebnisses den langfristigen Erhalt der Gesundheit sowie die Prophylaxe von

Begleiterkrankungen oder Co-Infektionen HIV-positiver Menschen

(Sekundärprävention) anzustreben, aber insbesondere auch um darüber die weitere

Übertragungswahrscheinlichkeit zu minimieren (primärpräventive Effekte durch die

Reduzierung der Viruslast unter einer erfolgreichen ART-Medikation).

Durch die Entwicklung eines HIV-Antikörper Schnelltestes, der 2008 zugelassen

wurde, erschlossen sich bezüglich der HIV-Testangebote neue Möglichkeiten. Dies

vor allem wegen der neuen Beschaffenheiten des Tests:

1. Das Ergebnis liegt nach ca. 15-20 Minuten vor.

2. Für den Test wird nur Kapillarblut benötigt.

Dem gegenüber stehen folgende Nachteile des Schnelltests:

1. Der Name könnte vermuten lassen, dass der Test vor Ablauf des

diagnostischen Fensters von 3 Monaten aussagekräftig sei. Der Name bezieht

sich aber nur auf die schnelle Ergebnisanzeige von ca. 15-20 Minuten.

2. Ein reaktives Schnelltestergebnis allein ist nicht aussagekräftig genug (im

Gegensatz zum negativen Testergebnis). Daher muss zeitnah zum

Schnelltest nach einem reaktiven Testergebnis intravenös Blut abgenommen

und das Schnelltestergebnis durch einen Labortest bestätigt (oder widerlegt)

werden.

Konzeptionelle Ausarbeitung:

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. hat sich, nach der Vorstellung des

Konzeptes Beratung und Test („BuT“) durch den Landesverband 2008 entschieden,

dieses Projekt auf einem Rastplatz im Kreis Wesel umzusetzen.

54


Für die Entscheidung wurde ein Meinungsbild innerhalb des Vereines eingeholt.

Sowohl der Vorstand, die aktiven ehrenamtlichen MitarbeiterInnen sowie die

hauptamtlichen MitarbeiterInnen waren von den Argumenten für eine Rastplatzaktion

überzeugt. Die ausschlaggebenden Argumente waren:

- Die Beratung der Zielgruppe steht im Vordergrund der Vor-Ort-Aktion.

- Die Testdurchführung soll durch einen Arzt des Gesundheitsamtes

vorgenommen werden (Aktive Einbindung des ÖGD).

- Die anvisierte Zielgruppe sind MSM, die anonym Sex mit Männern auf den

Rastplatz haben, durch ihre allgemeine Lebensführung (viele leben in

„normalen“ Familienstrukturen) bedingt jedoch keine Möglichkeiten haben

oder diese bewusst ablehnen oder wegen Unkenntnis der Infrastruktur, die

schon bestehenden Beratungs- und Testangebote von Gesundheitsämtern

und AIDS-Hilfen in Anspruch zu nehmen.

- Reaktiv getestete Personen können sich durch Buddys (geschulte HIVpositive

schwule Männer) bis zum Ergebnis des regulären HIV-Labortests

begleiten lassen.

- Die Vor- und Nachteile des Schnelltestes werden den Interessierten mitgeteilt.

Die Entscheidung zu dem Test oder dagegen obliegt einzig und alleine dem

Ratsuchenden.

Nach der Entscheidung für die „BuT-Rastplatz Sommeraktion“ wurden konkret die

weiteren Schritte unternommen:

1. Akquirierung und Ausbildung der ehrenamtlichen und hauptamtlichen

Mitarbeiter (für die Beratung und für die Funktion des Buddys).

2. Entwicklung der Qualitätsstandards für die Beratung auf dem Rastplatz sowie

die Testdurchführung (Anonymität, Beratungssetting).

3. Absprachen mit dem Fachbereich Gesundheitswesen der Kreisverwaltung

Wesel zwecks Beteiligung eines Arztes bei dem Projekt.

4. Behördliche Genehmigung zur Durchführung des Angebotes auf einem

Rastplatz.

5. Eruierung der Kosten für den „Schnelltest“.

55


Zu 1.

In der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist es seit Jahren üblich, frisch HIVpositiv

getesteten ratsuchenden Menschen ein Gespräch mit einem HIV-Positiven

ehrenamtlichen Mitarbeiter anzubieten. Diese Mitarbeiter wurden angesprochen und

ihnen das Pilotprojekt erläutert. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter waren sofort dazu

bereit, sich bei dem Projekt zu beteiligen und besuchten das Grundlagentraining,

welches von der AIDS-Hilfe NRW e.V. zur Ausbildung der BuT-Projektteilnehmer

angeboten wurde.

Zu 2.

Glücklicherweise konnte die AIDS-Hilfe NRW e.V. ein Wohnmobil anschaffen,

welches zu einem „BuT-Mobil“ umgebaut wurde. So können in einem abgetrennten

Beratungsraum die interessierten Männer beraten werden und in dem anderen Raum

der Schnelltest durchgeführt werden (Arzt-Raum).

Den interessierten Männern sollten die Optionen / der Vorgang zum Testverfahren im

Rahmen der Beratung erklärt werden. Diese waren:

a) Im Falle eines reaktiven Testergebnisses kann eine Fehldiagnose nicht

zu 100% ausgeschlossen werden. Daher müsste sofort im Anschluss

intravenöses Blut zwecks Bestätigung des Ergebnisses durch einen

herkömmlichen Antikörpertest erfolgen (Mit den damit einhergehenden

psychischen Belastungen, die die Wartezeit dann mit sich bringen

könnte.).

b) Im Falle eines reaktiven Testergebnisses wurde den Ratsuchenden

angeboten, dass ein Mitarbeiter des BuT-Projektes (ein Buddy; HIVpositiver

schwuler Mann) während der Wartezeit als Ansprechperson

zur Verfügung steht.

c) Die getestete Person hätte die Möglichkeit, mit einem Auto nach

Hause/zur nächsten Haltestelle des ÖPNV gefahren werden zu können.

56


d) Es wurde angeboten, den Schnelltest durchführen zu lassen, das

Ergebnis jedoch erst am nächsten Tag im Gesundheitsamt

„abzuholen“.

Zu 3.

Nach einem Austauschgespräch konnte als Arzt der AIDS-Koordinator des

Gesundheitsamtes des Kreises Wesel für die Mitarbeit an diesem Pilotprojekt

gewonnen werden. Vor allem die Argumentation, dass die Zielgruppe Männer sind,

die nicht vom bestehenden Beratungs- und Testangebot der Gesundheitsämter und

AIDS-Hilfen erreicht werden, war ausschlaggebend zur Einwilligung einer

Kooperation. Vom Arzt wurde für diese spezielle Form der aufsuchenden Arbeit eine

Verfahrensanleitung erstellt, einschließlich der erforderlichen Genehmigung durch

die Verwaltungsleitung des Fachbereichs Gesundheitswesen des Kreises Wesel und

der Ärztekammer Nordrhein. Die ärztliche Tätigkeit (spezielle Testberatung,

Testdurchführung und Ergebnismitteilung, sowie auf Wunsch die Beratung zu

anderen sexuell übertragbaren Krankheiten) erfolgte unabhängig vom Beratungsund

Betreuungsangebot der AIDS-Hilfe-Mitarbeiter. Die ärztliche Schweigepflicht

wurde gewahrt, u. a. auch dadurch, dass den Getesteten vom Arzt das Angebot der

Begleitung durch einen Buddy unterbreitet wurde, der Getestete es jedoch selbst

entschied, dieses Angebot anzunehmen bzw. über sein Testergebnis mit jemand

anderen zu sprechen.

Zu 4.

Eigentümer des Rastplatzes ist das Amt für Straßenbau NRW. Die zuständige

Mitarbeiterin gab die Erlaubnis unter gewissen Auflagen (An- und Abmelden der

Aktion bei der zuständigen Autobahnmeisterei sowie nur eine Parkbucht zu

besetzen). Im Vorfeld musste bei der Bezirksregierung Düsseldorf abgeklärt werden,

ob die Aktion mit einer finanziellen Bereicherung einhergehen würde. Da die AIDS-

Hilfe die Testdurchführung kostenlos anbietet, wurde daher auch von dieser Seite die

Erlaubnis erteilt.

Zu 5.

57


Da vor allem die Zielgruppe „MSM mit einem unterdurchschnittlichen sozialen Status“

im Focus unserer Aktion steht, sollte der Test möglichst kostenlos angeboten

werden. Über die AIDS-Hilfe NRW e.V. konnten die BuT-Projekte kostenlos Testkits

bestellen. Die ärztliche Tätigkeit wurde als Dienstleistung des Fachbereichs

Gesundheitswesen Kreis Wesel erbracht, so dass auch hier keinerlei Kosten für die

Aktion entstanden. Daher konnten wir die Beratung sowie die Testdurchführung

anonym und kostenlos anbieten.

Die Umsetzung:

In dem Zeitraum August-Oktober 2009 wurde die „Rastplatzsommeraktion“ an jedem

1. und 3. Mittwoch im Monat in der Zeit von 19.00-22.00 Uhr umgesetzt.

Das BuT-Mobil wurde in einer Parkbucht, in der Nähe des Gehweges zu den

Toiletten, geparkt. Unter der seitlich angebrachten Markise des Busses wurde ein

Tisch mit Kondomen und Informationsmaterialien aufgestellt. Um Aufmerksamkeit zu

erregen, wurden Fahnen (Tripols) mit dem Logo von Herzenslust aufgestellt.

Auf einem der Rastplatz-Sitzbänke in der Nähe des BuT-Mobils saßen die Mitarbeiter

des Projektes. Hier wurden den Gästen Kaffee, Wasser und Kekse angeboten.

Zwei Mitarbeiter sprachen die Männer an und verteilten Kondome sowie

Visitenkarten mit einer Erklärung zum Schnelltestangebot.

Interessierte wurden zu den Mitarbeitern an der Sitzbank weitergeleitet, wo Sie einen

anonymisierten Fragebogen zu sexuellen Vorlieben, Risikosituationen etc. ausfüllen

mussten.

Nach dem der Testwillige den Beratungsbogen ausgefüllt hat, wurde ein

Beratungsgespräch anhand des Fragebogens im hinteren Teil des BuT-Mobils

durchgeführt. Hier wurde explizit auf die Vor- und Nachteile des HIV-

Schnelltestverfahrens hingewiesen.

58


Nach einer ausführlichen Beratung und der Entscheidung des Ratsuchenden wurde

er ggf. zum Arzt in den vorderen Teil des BuT-Mobils weiter verwiesen. Nach einem

Gespräch mit dem Arzt wurde dann der Test durchgeführt. Das ganze Verfahren

dauerte ca. 1 Stunde (vom Zeitpunkt der Ansprache, Ausfüllen des Fragebogens,

Beratungsgespräch, Testdurchführung bis hin zum Testergebnis).

Evaluation:

Insgesamt wurde die Aktion im Jahr 2009 an fünf Terminen umgesetzt.

Insgesamt wurden 130 Männer erreicht.

Davon haben 18% eine intensive Beratung durch die Herzenslustmitarbeiter sowie

dem Arzt des Gesundheitsamtes zu HIV und anderen STD´s genutzt und 8% haben

einen HIV-Schnelltest durchführen lassen.

Insgesamt wurden also 26% der erreichten Personen intensiv beraten.

Auswertung der Fragebögen:

Alter:

40% der beratenen Personen waren im Alter von 18-25 Jahren.

30% der beratenen Personen waren im Alter von 26-40 Jahren.

30% der beratenen Personen waren im Alter von 41-55 Jahren.

Das durchschnittliche Alter der beratenden Personen betrug 33 Jahre.

Sexuelle Kontakte:

59


70% der beratenen Personen gaben an, nur Sex mit Männern zu haben.

20% der beratenen Personen gaben an, Sex mit Männern und Frauen zu haben.

10% der beratenen Personen gaben an, nur Sex mit Frauen zu haben.

Anzahl der sexuellen Kontakte in den letzten 12 Monaten:

30% gaben an, nur mit dem Partner sexuellen Verkehr gehabt zu haben.

10% gaben an, mit 11-25 Personen sexuellen Verkehr gehabt zu haben.

20% gaben an, mit 10-50 Personen sexuellen Verkehr gehabt zu haben.

40% gaben an, mit weniger als 10 Personen sexuellen Verkehr gehabt zu haben.

Durchschnittlich hatten die getesteten Personen 10 sexuelle Kontakte in den letzten

12 Monaten.

Nutzung spezieller Orte, zur Kontaktaufnahme mit anderen Männern ähnlicher

sexuellen Vorlieben:

Hier waren Mehrfach-Antworten möglich.

18% gaben als Örtlichkeiten das Internet an.

18% gaben als Örtlichkeiten Saunen an.

18% gaben als Örtlichkeiten Sexclubs an.

14 % gaben als Örtlichkeiten Park / Cruising Areas an.

14 % gaben keine Örtlichkeiten an.

9 % gaben als Örtlichkeiten Kneipen / Discos an.

4,5% gaben als Örtlichkeiten Pornokinos an.

4,5% gaben als Örtlichkeiten Klappen an.

Nutzung von Kondomen beim Analverkehr:

60% gaben an, immer Kondome zu benutzen.

10% gaben an, zu 80% Kondome zu benutzen.

20% gaben an, zu 70% Kondome zu benutzen.

10% gaben an, zu 40% Kondome zu benutzen.

60


Durchschnittlich wurde die Benutzung von Kondomen zu 86% beim Analverkehr bei

den befragten Personen angegeben.

Spezielle Gründe, in manchen Situationen keine Kondome zu benutzen

(Mehrfach-Antworten möglich):

„Weil ich in einer festen und treuen Partnerschaft lebe“ gaben 40% an.

30% machten zu dieser Frage keine Angaben.

10% gaben Probleme mit der Erektion beim Benutzen von Kondomen als Grund an.

10% gaben keine speziellen Gründe an.

10% gaben an, wegen „dummer Geilheit“ ab und zu auf Kondome zu verzichten.

Konsum von legalen und illegalen Substanzen beim Kontakt mit Sexpartnern:

80% gaben an, keine Substanzen zu konsumieren.

10% gaben an, zum „locker werden“ Substanzen zu konsumieren,

10% gaben an, Substanzen zwar zu konsumieren, jedoch ohne Kontrollverlust.

Zufriedenheit des Sexuallebens:

Sehr zufrieden gaben 50% an.

Zufrieden gaben 30% an.

Eher zufrieden gaben 20% an.

Selbsteinschätzung zum Wissenstand HIV / STDs:

Sehr gut fühlten sich 10% informiert.

Gut fühlten sich 10% informiert.

Eher gut fühlten sich 70% informiert.

Eher schlecht fühlten sich 10% informiert.

Wurde eine Syphilis in der Vergangenheit diagnostiziert?

90% gaben „Nein“ an.

10% hatten noch keine Untersuchung diesbezüglich.

Impfung gegen Hepatitis B:

„Weiß nicht“ gaben 30% an.

„Nein“ gaben 40% an.

61


„Ja, vollständig“ gaben 20% an.

„Nein, ich hatte schon eine Hep. B“ gaben 10% an.

Wurden bei Selbstuntersuchungen am Körper in letzter Zeit Veränderungen

wahrgenommen:

100% gaben „Nein“ an.

Wurden schon Untersuchungen zu STDs durchgeführt?

„Ja“ gaben 40% an.

„Nein“ gaben 60% an.

Wurde schon einmal ein HIV-Test durchgeführt?

„Ja“ gaben 70% an.

„Nein“ gaben 30% an (Als Grund gaben 20% keinen Grund an, 10% gaben Angst vor

der Wartezeit und dem Testergebnis an.).

Resümee:

Durch die BuT - Rastplatz Sommeraktion konnte bewiesen werden, dass in enger

Kooperation mit den unterschiedlichsten Stellen, Behörden und

Interessentengruppen ein HIV-Schnelltest-Angebot in Szenenähe umgesetzt werden

kann.

Ebenfalls konnte durch das Pilotprojekt die Zielgruppe der MSM, die nicht Gebrauch

von den bestehenden Angeboten aus dem HIV/AIDS-Sektor machen bzw. machen

konnten, erreicht werden.

Aus Sicht der AIDS-Hilfe stand die Beratung der interessierten Menschen zu HIV-

Risikosituationen im Vordergrund. Das Vorhalten des HIV Schnelltestes war für die

Einrichtung zwar von sekundärer Bedeutung, erwies sich allerdings als wichtiger

Öffner für Gesprächs- und Beratungsanlässe. Darüber hinaus ist die

Angebotskopplung „Beratung und Test“ vor dem Hintergrund der oben geschilderten

epidemiologischen und ätiologischen Erkenntnisse (Therapieoptionen und

primärpräventive Effekte) als unbedingt sinnvoll zu empfehlen, denn:

62


Wie erhofft, konnte durch das Beratungsangebot mit der unmittelbaren Möglichkeit

zum Test eine intensivere Auseinandersetzung mit den individuellen Infektionsrisiken

bei den Ratsuchenden / interessierten Menschen bewirkt werden, als dies bei einem

alleinigen Informations- und Beratungsangebot, auch bei den Personen, die sich

nicht zu einem Test entschlossen haben, der Fall wäre.

Danksagung

Wir danken

- den beratenen Personen für ihre Offenheit und Gesprächsbereitschaft.

- den ehrenamtlichen Mitarbeitern für ihr Engagement, dieses Pilotprojekt zu

unterstützen.

- der Bezirksregierung Düsseldorf und dem Amt für Straßenbau NRW.

- dem Land NRW für die Förderung dieses Projektes.

- den Mitarbeitern der AIDS-Hilfe NRW für ihre fachliche und materielle

Begleitung sowie tatkräftige Unterstützung.

- dem Mitarbeiter des Kommissariats Vorbeugung der Polizei Duisburg für seine

fachliche Unterstützung.

- dem Fachbereich Gesundheitswesen für die kostenfreie fachliche

Unterstützung und den ärztlichen Einsatz zu ungewöhnlichen Zeiten an

ungewöhnlichem Ort.

- der Ärztekammer Nordrhein für das freundliche Verständnis und die Erteilung

der Genehmigung für die ärztliche Tätigkeit im Sinne der aufsuchenden

Gesundheitsfürsorge.

- der Fa. Bio-Merieux für die kostenfreie Einweisung der Beteiligten in das

Schnelltestverfahren.

Für Rückfragen oder nähere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Rüdiger Wächter

63


Dipl. Soz.-Päd.

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Friedenstr. 100

47053 Duisburg

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Duisburg, den 12.02.2010

AkDuLuS e.V.

Der Projektnehmer hat an den regelmäßig stattfindenden Arbeitskreisen der regional

ansässigen schwul lesbischen Vereine und Selbsthilfegruppen unter dem Dach von

„AkDuLuS e.V.“ teilgenommen und beteiligte sich dort an der Konzipierung,

Entwicklung und Durchführung von schwul lesbischen Angeboten für den Raum

Duisburg. Dieser Arbeitskreis hat z.B. die schwul lesbische Disco „Warm Up“ initiiert

und organisiert.

Neben der Teilnahme an den AkDuLuS-Sitzungen beteiligte sich der Projektnehmer

in der Arbeitsgruppe „CSD 2009 und später CSD 2010“, wo das Duisburger

Straßenfest geplant und koordiniert wurde. Traditionell beteiligt sich die AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V. bei dem Strassenfest. Neben dem AIDS-Hilfe /

Herzenslust-Stand wurde für AkDuLuS e.V. der Kaffe- und Kuchenstand durch

ehrenamtliche MitarbeiterInnen betrieben.

Die Herzenslustgruppe Duisburg / Kreis Wesel

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Der Projektnehmer für den Bereich MSM hat regelmäßig mit der

Herzenslustteilzeitkraft die inhaltliche Arbeit der lokalen Herzenslustgruppe erörtert

und bei Bedarf angeleitet. Neben der fachlichen Aufsicht des lokalen Projektes

Herzenslust wurden die ehrenamtlichen Herzenslustmitarbeiter in den Bereichen HIV

und andere sexuell übertragbare Krankheiten ergänzend zum bestehenden

Schulungsangebot der AIDS-Hilfe NRW, qualifiziert.

Das Herzenslustteam hat im Jahr 2009 wie in den vorangegangenen Jahren

zielgruppenspezifische Prävention im Bereich schwule und bisexuelle Männer sowie

Männer, die Sex mit Männern haben entwickelt und durchgeführt. Hierbei ist die

konstante Begleitung der umgesetzten Präventionsaktionen sowie die Begleitung der

lokalen Herzenslustgruppen durch die aus Eigenmitteln der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V. finanzierte Teilzeitkraft von sehr hohem Stellenwert.

Durch die Teilzeitkraft wurden folgende Aufgaben erfüllt:

- Fachliche Begleitung der ehrenamtlichen Herzenslustmitarbeiter

Die Teilzeitkraft sowie punktuell der Projektnehmer waren bei den primärpräventiven

Vor-Ort-Aktionen von Herzenslust anwesend. So konnten Ratsuchende bei Bedarf

von den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Herzenslustteams an die hauptamtlichen

Mitarbeiter weiter verwiesen werden.

- Begleitung der wöchentlichen Gruppentreffen des Herzenslustteams

Durch die regelmäßigen Gruppentreffen, die durch die Teilzeitkraft angeleitet

wurden, wurde die beständige ehrenamtliche Herzenslustarbeit sichergestellt. Neben

diesem Aspekt wurden mit dem Herzenslustteam Veranstaltungen abgesprochen

und deren Umsetzung diskutiert und konzipiert.

- Die Pflege und Aktualisierung der Herzenslusthomepage (www.herzenslustteamdu.de)

war ein ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt der Teilzeitkraft, da sich viele

schwule Männer vorwiegend über das Internet informationen zu HIV, STD´s und

Angeboten in der schwulen Community beschaffen.

- Überregionale Teilnahme an den Herzenslusttreffen im Ruhrgebiet sowie die

Beteiligung an überregionalen Aktionen, die in diesen Gremien entwickelt worden

sind.

Im Rahmen der Vernetzungsarbeit der lokalen Herzenslustgruppen nahm

Herzenslust Duisburg / Kreis Wesel bei den regelmäßig stattfindenden

Ruhrgebietsvernetzungstreffen teil und konzipierte mit anderen

Herzenslustmitarbeitern überregionale primärpräventive Aktionen und beteiligte sich

mit der lokalen Herzenslustgruppe an der Umsetzung dieser Präventionsaktionen

überregional.

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Auf der lokalen Ebene wurden folgende primärpräventive Aktionen in Duisburg

durchgeführt:

Regelmäßig war das Herzenslustteam Duisburg/Kreis Wesel auf der

schwul/lesbischen Party „warm up“ vertreten. Die Veranstaltung findet in einem

monatlichen Turnus statt. Die Besucher konnten sich bei dem Herzenslustteam zu

HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten informieren sowie die

ausgelegten Informationsbroschüren der DAH e.V. sowie Bewerbungsbroschüren zur

ehrenamtlichen Mitarbeit in den Herzenslustgruppen mitnehmen.

Größere Aktionen von Herzenslust auf diesen Veranstaltungen waren:

- Wahl zum „Mr. und Mrs. Warm Up 2009

Auf der im Oktober und November stattfindenden Warm Up konnten sich Gäste für

die Wahl casten lassen. Neben einem Foto wurden die interessierten Gäste gebeten,

ein Statement zu HIV abzugeben. Auf der im Dezember stattfindenden „warm up“

wurden dann die Kandidaten auf der Bühne von zwei Moderatoren vorgestellt.

Danach wurden durch die Gäste die „Mrs. und der Mr. Warm Up 2009“ gewählt. Die

Sieger wurden gekürt und erhielten Preise. Neben der Platzierung / Bewerbung von

„Herzenslust“ und deren Homepage, wurde das Thema HIV bei der Vorstellung der

Kandidaten massenmedial platziert. Weitere Informationen hierzu auf:

www.herzenslustteam-du.de.

- „Die Klofrau“

Auf der Karnevals-Warm Up im Februar verkleideten sich die Mitarbeiter von

Herzenslust als Klofrauen und legten Kondome auf einem Teller vor den Toiletten

aus. Mit Klobürste, Sprühflasche und Eimerchen ausgestattet wurden die Gäste

angesprochen.

Weiter Aktionen auf lokaler Ebene waren:

- Szenerundgänge

Regelmäßig führte das Herzenslustteam Duisburg/ Kreis Wesel einen Rundgang

durch die Duisburger Szene durch. Ziel der Rundgänge war die Kontaktpflege mit

den Szenewirten, Verteilung von Informationsmaterialien zu HIV und andere STD´s

in den Lokalen sowie die Befüllung des Kondomautomaten.

- CSD Duisburg

Auf dem CSD in Duisburg, der durch AkDuLuS e.V. organisiert wird, war Herzenslust

mit einem Infostand vertreten.

Hier wurde vorwiegend die bundesweite Kampagne „iwwit“ der Deutschen AIDS-Hilfe

e.V. beworben und umgesetzt.

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- Welt AIDS Tag

Das Herzenslustteam Duisburg beteiligte sich an den Veranstaltungen zum Welt

AIDS Tag der AIDS-Hilfe Duisburg/ Kreis Wesel e.V.

Veranstaltungen

Das Herzenslustteam Duisburg / Kreis Wesel hat Vor-Ort-Aktionen in der schwulen

Szene und Örtlichkeiten, wo Männer Sex mit Männern haben, zum Teil mit lokalen

Kooperationspartnern, durchgeführt.

- Rastplätze

In regelmäßigen Abständen wurden Aktionen auf Rastplätzen im Kreis Wesel

durchgeführt, wo Männer Sex mit Männern haben. Hier wurden

Informationsmaterialien und Kondompackungen auf einem Informationsstand den

Besuchern angeboten. Da viele der dort verkehrenden Männer sich nicht eindeutig

als schwul oder bisexuell definieren, wurde auf allgemeine Informationsbroschüren

der DAH / BZgA zurückgegriffen.

Projektkritik / Resumee / Projektausblick

Das Projekt der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. setzte die strukturelle

Prävention im Arbeitsbereich „homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM“ auf

den unterschiedlichen Ebenen (landes-, regionaler- und lokaler Ebene) sowie die

Herzenslustkampagne um.

Durch die Umsetzung von BuT- Rastplatz Sommeraktion wurde erstmalig bundesweit

ein HIV-Schnelltest niedrigschwellig auf einem Rastplatz angeboten. Ebenso war das

Projekt der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. das erste, welches eine offizielle

Erlaubnis von Seiten der Behörde „Strassen NRW“ für eine Präventionsaktion auf

einem Rastplatz erhielt. Der hohe zeitliche Aufwand hat sich indes gelohnt. Das

Projekt hat neue wegweisende Standards in der Präventionslandschaft der AIDS-

Hilfen gesetzt. Nicht zuletzt, da dieses Projekt ein gutes Beispiel ist für eine

funktionierende Kooperation / Zusammenarbeit sowie Zuarbeit unterschiedlichster

Stellen, Behörden sowie Projekten. Diese Bemühungen wurden nicht zuletzt durch

die bundesweit ausgestrahlte Berichterstattung durch das ZDF (heute Sendung) und

der ARD (Nachtmagazin) wahrgenommen und anerkannt.

Ohne die ehrenamtlichen Mitarbeiter hätte das Projekt „homosexuelle und bisexuelle

Männer sowie MSM“ der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. nicht in diesem

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Umfang realisiert werden können. Daher gilt ein besonderer Dank an alle, die sich im

Gay Romeo health support, in der Herzenslust – vor – Ort - Arbeit sowie als BuT-

Buddys engagieren.

5.2 Drogen und Substitution

Im Drogenbereich schrieben wir Anfang des Jahres unsere

Bundestagsabgeordneten aus Duisburg und dem Kreis Wesel mit der Bitte an, dem

Gruppenantrag zur Zulassung von Diamorphin zur Behandlung von

Schwerstabhängigen zuzustimmen. Angenehm überrascht wurden wir dann letztlich

doch von der Verabschiedung des entsprechenden Gruppenantrages am 28. Mai im

Deutschen Bundestag. Somit sind einige Abgeordnete der CDU/CSU Fraktion Ihrer

Überzeugung und den schlagkräftigen Argumenten gefolgt und haben so die

Gesetzesverabschiedung ermöglicht.

Nun folgt jedoch ein zäher Prozess, da die einzelnen Bundesländer Richtlinien zur

Umsetzung des Gesetzes verabschieden müssen und der Gemeinsame

Bundesausschuss die entsprechenden Kriterien zur Vergabe festlegen muss.

In Duisburg und dem Kreis Wesel, wo es bisher schon keinen Druckraum gibt, steht

die Originalstoffvergabe weiterhin in ferner Zukunft.

5.2.1 Primär- und Sekundärprävention

5.2.1.1 Spritzenaustauschprogramm

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel nimmt weiterhin mit den von ihr betreuten

Spritzenautomaten am Projekt der AIDS-Hilfe NRW e. V. teil. Die Standorte befanden

sich in Wesel, Duisburg-Walsum und Duisburg-Hochfeld. Die Spritzenautomaten

werden je nach Frequentierung von uns regelmäßig in ein- bis zweiwöchigem

Rhythmus neu bestückt.

Für den Spritzenautomaten in Moers haben wir nach Abriss des

Feuerwehrgerätehauses an der Abteistr. 9 einen neuen Standort beantragt. Das

Ordnungsamt hatte keine ordnungsrechtlichen Bedenken und hat den Antrag an den

Fachdienst Grünflächen weitergeleitet. Da jedoch an dem von uns favorisierten

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Standort – dem Bahnhof Moers – umfangreiche Bauarbeiten durchgeführt wurden,

mussten wir die Neuaufstellung des Automaten in Moers zurückstellen.

Durch den Zusammenschluss der städtischen Drogenberatung und der

Drogenberatung der Diakonie zum Suchthilfeverbund Duisburg wurde der Standort

der Drogenberatung in Duisburg-Walsum aufgelöst. Da hier unser Spritzenautomat

betrieben wurde und die Räumlichkeiten zunächst von einer Grundschule genutzt

werden sollen und anschließend der Abriss vorgesehen ist, musste auch dieser

Spritzenautomat abgebaut werden. Hierfür gilt es einen neuen Standort zu suchen.

5.2.1.2 Suchtprävention bei Partydrogen

Am 13.02.2009 führten wir eine Aktion zur Suchtprävention bei Partydrogen und HIV-

Prävention bei Partybesuchern im Delta-Musik Park durch. Diese Aktion wurde

ermöglicht durch die Duisburger Stiftung für Umwelt, Gesundheit und Soziales. Für

die Aktion haben wir kleine Päckchen zusammen gestellt: Sie beinhalten Ohrstöpsel,

Kondom und Vitaminbonbon. Ergänzt werden sie entweder durch den Kartensatz

„Drugs, just say know“ oder für Besucher, die keine Ambitionen auf Partydrogen

haben, mit dem „Heutiger Wissensstand“ der DAH. Um das Päckchen zu erhalten,

mussten die BesucherInnen Fragen zu HIV/AIDS oder Partydrogen beantworten.

Nach Auswertung der Aktion stellte sich heraus, dass ein AIDS-Hilfe Stand

Berührungsängste auslöst. Mit Hilfe der Kreativität unserer beiden Praktikantinnen

Sandra und Yvonne, die u. a. auch eine Umfrage bei Partybesuchern vorgenommen

haben, wird das Partydrogenprojekt zukünftig unter dem Namen

@drugthive durchgeführt.

Dieses Projekt wurde zweimal in der Diskothek „RAJ“ in Wesel und bei der

„Ulltraschall-Party“ zum Welt-AIDS-Tag in Duisburg umgesetzt. Das Projekt kommt

sehr gut bei den Partybesuchern und Partyveranstaltern an und soll weiterhin – im

Rahmen der vorhandenen Ressourcen – umgesetzt werden.

Hier sei der ehemaligen Praktikantin Yvonne Leuverink besonderer Dank gesagt, die

unermüdlich für dieses Projekt erfolgreich Kontakte knüpft und ehrenamtlich das

Projekt mit durchführt.

69


Ehrenamtlerin Yvonne Leuverink und Ralf Runniger beim Projekt @drugthive

5.2.2 Substitution

5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe

Auch im Jahre 2009 haben wir über das komplette Jahr an allen Sams-, Sonn- und

Feiertagen die Vergabe von Methadon in der AIDS-Hilfe in Duisburg durchgeführt.

Die Anzahl der Substituierten lag im Durchschnitt bei 85 Personen, wobei die

geringste Teilnehmerzahl 55 und die höchste Zahl 112 Klienten betrug, die die

Vergabe besuchten. Die Vergabezeit beträgt 1,5 Stunden. Weiterhin wird die

Vergabe von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter und einem Arzt durchgeführt. Zur

Vergabe entsenden insgesamt fünf Ärzte ihre Patienten.

Die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten und unseren ehrenamtlichen

MitarbeiterInnen, den Apotheken und der Polizei verlief weiterhin reibungslos. An

dieser Stelle einen Dank an die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen für ihr Engagement

und ihre Mithilfe.

Aufgrund der großen Anzahl der Substituierten innerhalb einer kurzen Zeit gab es im

Jahr 2009 Beschwerden aus der Nachbarschaft. In Rücksprache mit den Ärzten

wurden nochmal Kriterien für die Ausgabe formuliert und den Substituierten mitgeteilt

und in der Nachbarschaft um Verständnis geworben. Bisher hat sich diese

Vorgehensart bewährt.

Am letzten Sonntag im Monat wurde weiterhin ehrenamtlich ein Frühstück für die

Substituierten organisiert. Dieses wird mit Lebensmitteln der Duisburger Tafel

gespeist. Das Frühstück wird sehr gut angenommen. Hier besteht die Möglichkeit,

neben dem reinen „Abschlucken“ des Methadons, Sorgen und Nöte auszutauschen.

Meist können die TeilnehmerInnen noch Lebensmittel mit nach Hause nehmen. Hier

gilt unser Dank den ehrenamtlichen Mitarbeitern und der Duisburger Tafel e. V. und

dem Verein Bürger für Bürger e. V. für ihr Engagement.

70


5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter (PSB)

Die psychosoziale Begleitung von HIV-Positiven / an AIDS erkrankten Substituierten

ist ein weiterer Bestandteil der Drogenarbeit innerhalb der AIDS-Hilfe. Für diese

Begleitung werden konstant zwanzig Plätze zur Verfügung gestellt, wobei sich die

Arbeit auf die in der Begleitung tätigen hauptamtlichen Mitarbeiter verteilt.

Im Vordergrund der PSB steht die Stabilisierung der Klienten, die in ihrer

Lebenssituation gestärkt und unterstützt werden. Die Zielsetzung der PSB erfolgt

dabei im Wesentlichen nach den Bedürfnissen der Klienten. Das bedeutet in erster

Linie, dass das subjektive Wohlbefinden der jeweiligen Person und die

Lebensverhältnisse verbessert werden sollen. Entsprechend dieser Zielsetzung steht

bei einigen Substituierten die Verbesserung des Gesundheitsstatus im Mittelpunkt,

während bei anderen die Sicherung der materiellen Grundversorgung oder der

Aufbau sozialer Netze im Vordergrund stehen kann.

Dies kann in medizinischer Hinsicht bedeuten, dass wir in eine Substitution

vermitteln. Da es sich hier nur um wenige Einzelfälle handelt und wir gute Kontakte

zu den substituierenden Ärzten pflegen, gelingt dies in der Regel problemlos. Des

Weiteren stellen wir den Kontakt zu HIV-Schwerpunkt-Ärzten her und unterstützen

die DrogengebraucherInnen, die zum Teil starke Berührungsängste mit Ärzten dieser

Fachrichtung haben, sich in eine adäquate Behandlung zu begeben. Es ist jedoch

schwierig, neue Klienten in ein relativ schematisches Korsett zu bringen, welches für

eine HIV Behandlung notwendig ist (regelmäßige Überwachung der HIV/AIDS-

Parameter, regelmäßige Tabletteneinnahme (Compliance/Adhärenz).

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Hepatitis C-Beratung, da in den meisten Fällen

bisher die Hepatitis-Behandlung bei DrogengebraucherInnen nicht durchgeführt

wurde und die Behandlung auch bei den Betroffenen große Ängste auslöst. Da

gerade im Bereich Hepatitis C Behandlung neue Medikamente in absehbarer Zeit zur

Verfügung stehen, gilt es für uns, die Begleiteten entsprechend zu beraten.

Im Rahmen der PSB ist es für uns wichtig, die Ressourcen der Begleiteten zu

wecken. Durch die eigene Bewältigung von Problemen und Aufgaben erfahren sie

eine Stärkung ihres Selbstwertgefühles.

Soziale Kontakte sind ein Hauptwunsch der Begleiteten, wobei diese außerhalb der

Szene liegen sollen. Teilweise funktioniert dieses in einer selbst aufgebauten

Vernetzung der von uns Begleiteten untereinander, teilweise ist dieses aber auch

recht schwierig und wir versuchen der Vereinsamung durch ehrenamtliche

Begleitung entgegenzuwirken.

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten DrogengebraucherInnen

Seit Dezember 2008 wird von der AIDS-Hilfe Duisburg Kreis Wesel e. V. auf der

Platte Streetwork durchgeführt. Dies wurde zunächst durch den hauptamtlichen

Mitarbeiter für den Drogenbereich und einen ehemaligen Praktikanten Tim P. eine

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ehemalige Praktikantin Sandra K. durchgeführt. Wir versuchten, das Angebot jede

Woche aufrechtzuerhalten. Ab September nahm die Drogenberatung der Diakonie

das Streetwork wieder auf und wir besuchten die Szene im vierzehntägigen Wechsel.

Beim Streetwork werden Spritzen, Kondome und Care Sets verteilt, Fragen zu

HIV/AIDS und Hepatitiden beantwortet. Ein guter Kontakt und eine vertrauensvolle

Basis haben sich entwickelt. Das Ziel, eine JES-Gruppe zu reaktivieren, ließ sich

jedoch bisher nicht umsetzen. JES (Junkies, Ehemalige, Substiutierte) ist eine

bundesweite Selbsthilfestruktur im illegalen, akzeptierenden Drogengebrauch und

war jahrelang in Duisburg fest etabliert. Aufgrund der Einstellung der Landesmittel in

diesem Bereich wurde eine vorhandene und erfolgreiche Struktur zerschlagen.

5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen“

am 21. Juli

Zum Nationalen Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen haben wir

nachfolgenden Pressetext versandt:

Pressetext++++++Pressetext++++++Pressetext++++++Pressetext

Menschenwürde in der Drogenpolitik – ohne Legalisierung geht es

nicht!

Unter diesem Motto zieht die AIDS—Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. anlässlich des

nationalen Gedenktages für verstorbene Drogengebraucher am 21. Juli Bilanz der

bisherigen Drogenpolitik.

In den vergangenen drei Jahren ist die die Zahl der Drogentoten in Nordrhein-

Westfalen und bundesweit - wie aus nachstehender Tabelle ersichtlich ist –

kontinuierlich angestiegen. In Duisburg ist nach einem Rückgang im Jahr 2007 mit

26 Drogentoten die zweithöchste Zahl an verstorbenen Drogengebrauchern

seit 1999 zu beklagen.

Drogentote 2006-2008

2008 2007 2006

Duisburg 26 9 15

NRW 380 374 350

Deutschland 1449 1394 1296

„Leider hat sich meine Befürchtung aus dem letzten Jahr, dass die Zahl der

Drogentoten in NRW ansteigen wird, bewahrheitet“, erklärt hierzu Rolf Ringeler,

Vorstandsvorsitzender der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V.. „Die

Drogengebraucher sind aufgrund des Runderlasses des Justizministeriums NRW

vom 30.07.07 kriminalisiert worden, da die Eigenbedarfsgrenze für so genannte harte

Drogen, also vor allem Heroin, Kokain und Amphetamin (zuvor 0,5 Gramm)

aufgehoben wurde. Durch diese Kriminalisierung privatisiert sich die Szene

zunehmend, der Konsum findet in privaten Wohnungen statt und erschwert somit

den Zugang der Hilfssysteme zu den Hilfebedürftigen.“

„Verstärkt wird dies in Duisburg durch den Versuch der Ordnungskräfte, durch die

Auflösung von nicht angemeldeten Versammlungen verbunden mit der Androhung

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von Platzverweisen, die Einkaufsmeile frei von Individuen unerwünschten Aussehens

und Verhaltens zu bekommen“, berichtet Ralf Runniger, der hauptamtliche

Mitarbeiter. „Hier wird von der Politik die Unsichtbarmachung von

Drogengebrauchern in den immer größer werdenden ökonomisierten Teilen der

Stadt (mit Passagen und Einkaufscentern) versucht, den Drogengebrauchern, die

bereits weitgehend vom Bildungs- und Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind, auch noch

den öffentlichen Raum der Stadt zu nehmen“, führt Ralf Runniger weiter aus.

„Des Weiteren sollen die Streetworker instrumentalisiert werden, die

Drogengebraucher an die vom Ordnungsamt gewünschten Stellen zu zentrieren.

Dies soll dadurch geschehen, dass die Streetworker nicht – wie üblich – auf der

Platte, die seit Jahren einen festen Standort hat , aufsuchen, sondern das Angebot

der Spritzen- , Care-Pack- und Kondomverteilung am Rande der „schönen und

sauberen Einkaufswelt“ - unterbreiten sollen -“, ergänzt Ralf Runniger.

Wer das Geschehen zwar kritisch aber auch differenziert betrachtet, erkennt

allerdings auch positive Entwicklungen:

„Einen Meilenstein auf dem Weg zu einer praxisnahen Versorgung

Heroinabhängiger sehe ich in der Verabschiedung des Gesetzes zur

diamorphingestützten Substitutionsbehandlung am 28.05.2009“, führt Rolf Ringeler

aus. „Ich bedanke mich bei allen Bundestagsabgeordneten, die dazu beigetragen

haben, dass sich nun eine Parlamentsmehrheit für das seit Jahren von uns

geforderte Gesetz gefunden hat.“

„Nun gilt es, zügig im Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) die Kriterien für die

Abrechenbarkeit der heroingestützten Substitutionsbehandlung festzulegen, damit

weitere Städte Anträge bei den entsprechenden Landesbehörden stellen können“,

ergänzt Ralf Runniger. „Ob Duisburg den Mut hat und sich für eine Beantragung

entscheidet und damit eine Grundlage zur Verringerung der Drogentoten legt?“, ist

für Ralf Runniger allerdings fraglich.

Besonders positiv für Duisburg ist zu vermerken, dass aufgrund des hohen

Engagements einzelner Ärzte eine gut funktionierende Substitutionsbehandlung

ohne Bestehen einer Warteliste vorgehalten wird und durch die Zusammenarbeit

zwischen AIDS-Hilfe und den substituierenden Ärzten die Vergabe an Wochenenden

und an Feiertagen seit über 10 Jahren beispielhaft geregelt ist. Hinzu kommt seit

2004 die Substitutionsbehandlung im Bertha Krankenhaus bei Patienten mit

psychischer Co-Morbidität, wobei hier allerdings nur sehr wenige Plätze zur

Verfügung stehen.

„Letztendlich halten wir unser Fernziel, nämlich die Legalisierung aller Substanzen im

Auge“ erklärt Rolf Ringeler. „Die Vorteile, die die Abkehr in der Drogenpolitik von

Prohibition und Repression bietet, wie z. B.: Austrocknung des Schwarzmarktes,

drastische Reduzierung von Beschaffungsdelikten, deutliche Verringerung

gesundheitlicher Risiken und Schädigungen Drogen gebrauchender Menschen und

somit eine Verringerung der Drogentoten diskutieren wir gern mit Ihnen an unserem

Infostand“, fährt Rolf Ringeler fort.

73


„Drogengebrauch und Drogenmissbrauch sind nicht durch Abschreckung,

Verordnung oder Strafandrohung abschaffbar. Hilfe statt Strafe muss oberstes

Prinzip der Drogenpolitik bleiben“, fordert Ralf Runniger zum Abschluss.

Die AIDS-Hilfe lädt am Dienstag, dem 21.07.09 von 11 bis 13.30 Uhr an ihren

Infostand auf der Königstraße in Höhe des König-Heinrich-Platzes zwischen U-Bahn-

Ausgang und Fontänen-Brunnen zur Diskussion ein.

Aktion zum „Nationalen Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen“

am 21.07.2009

Am 21.07.2009 gedachten wir in der Fußgängerzone auf der Königstraße in Höhe

des König-Heinrich-Platzes der im letzten Jahr verstorbenen

DrogengebraucherInnnen mit einem Infostand.

Wir verteilten einen Folder, der auf der Vorder- und Rückseite mit einem Gedicht

und zusätzlich auf der Vorderseite mit einem Tribal versehen war. Den Folder

versahen wir mit unserer Pressemitteilung, der aktuellen gemeinsamen

Stellungnahme des Bundesverbandes der Eltern und Angehörigen für akzeptierende

Drogenarbeit e. V. , Landesverbandes der Eltern und Angehörigen für humane und

akzeptierende Drogenarbeit NRW e. V., des JES Bundesverbandes, des

Landesverbandes JES NRW e. V., der DAH e. V., der DGS e. V. und von akzept e.

V.. Des Weiteren enthielt der Folder unsere Forderungen zur schrittweisen

Legalisierung bisher illegalisierter Substanzen. Wir postierten 26 Grablichter als Zahl

(die Zahl der im Jahr 2008 verstorbenen DrogengebraucherInnen).

74


Wir verzeichneten eine gute Presseresonanz, vor Ort waren die NRZ und WAZ, das

WDR Lokalfernsehen Duisburg und Sat 1. Es gab einen Artikel in NRZ online und

der 1. Vorsitzende Rolf Ringeler wurde im Studio 47 interviewt.

5.2.5 Teilnahme an Arbeitskreisen

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ist durch den hauptamtlichen Mitarbeiter

für den vorgenannten Bereich in dem Arbeitskreis Suchtmedizin (Qualitätszirkel der

substituierenden Ärzte) und an der PSAG Basisarbeitsgruppe „Suchtkrankenhilfe“

vertreten.

Für den Arbeitskreis Suchtmedizin organisierten wir in Zusammenarbeit mit der

Firma Gilead am 04. Juni eine Fortbildung zum Thema „Grundlagen der HIV-

Therapie in der Suchtmedizin“ mit dem Referenten Herrn Oberarzt Dr. Stefan

Esser von der Uniklinik Essen, der wie immer einen interessanten und kurzweiligen

Vortrag über das aktuelle HIV-Geschehen hielt. Die Veranstaltung fand bei den

substituierenden Ärzten ein sehr positives Feedback, da auch Rückfragen möglich

waren und diese umfassend beantwortet wurden.

5.3 HIV und Strafvollzug

Das Angebot der „Strukturellen HIV- und STI- Präventionsarbeit im Strafvollzug“

wurde auch 2009 durch die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. auf der lokalen und

landesweiten Ebene umgesetzt. Auf der landesweiten Ebene erfolgte die Arbeit

ausschließlich in Vernetzung und Kooperation mit Institutionen, die im Bereich „HIV

und Strafvollzug“ tätig sind (wie z.B. bei dem Landesarbeitskreis Drogen und Haft der

AIDS-Hilfe NRW e.V.).

Auf der lokalen Ebene wurde mit den vorhandenen Untersuchungshaftanstalten, dem

offenen Vollzug sowie den Gerichten und Staatsanwaltschaften der Region

kooperiert, um die Präventionsarbeit Bedienstete und Inhaftierte im Bereich

Strafvollzug zu platzieren. Ziel war die Wissensvermittlung von Übertragungswegen

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und Schutzmöglichkeiten im Themenfeld STD´s, vor allem im Hinblick auf HIV und

die Hepatitiden. Weitere Arbeitsschwerpunkte waren die Begleitung HIV-positiver

Inhaftierter sowie die Einzelberatung von Inhaftierten im Rahmen von

Sprechstunden.

5.3.1 Einführung

Die Arbeit in den Untersuchungshaftanstalten, sowie neuerdings seit dem Jahr 2009

in der Haftanstalt für Männer in Oberhausen, wurde, den Gegebenheiten des

Vollzugsalltages angepasst, umgesetzt. Hierbei ist eine beständige und regelmäßige

Arbeit unabdingbar, da der Vollzug eher durch einen strukturierten Alltag und durch

ein hohes Maß an Regelmäßigkeit geprägt ist.

Daher wurde in dem Berichtszeitraum kein neues innovatives Projekt in den

Haftanstalten umgesetzt.

Was im Jahr 2009 jedoch neu war und den Fachbereich „Gesundheitsförderung bei

Menschen in Haft“ geprägt hat, ist die erstmalig erreichte Refinanzierung der

primärpräventiven Arbeit der AIDS-Hilfe durch das Justizministerium NRW. Diese

unabdingbare Voraussetzung zum Erhalt der entsprechenden Angebote konnte

durch die Überzeugungskraft eines, im vorangegangenen Jahr erstellten Konzeptes

erreicht werden, an dem neben MitarbeiterInnen aus der AIDS-Hilfe NRW e.V. vor

allem auch Personen aus den Haftanstalten beteiligt waren und ihr Wissen mit

eingebracht haben. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, die an der

Konzepterstellung beteiligt waren! Für diese neue, auf einer vertraglichen Grundlage

basierende Kooperation mit der Haftanstalt wurde zu Bewerbungszwecken unserer

Angebote in den Haftanstalten ein Flyer entwickelt. Dieser wurde durch einen

Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Bochum e.V. layoutet. Auch hier ein herzliches

Dankeschön für die Unterstützung!

Es sei zum Ende noch erwähnt, dass nach unseren Kenntnissen die AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel e.V. bundesweit die erste in der Präventionsarbeit tätige

Einrichtung ist, die über ein Justizministerium eine Refinanzierung für ihre

primärpräventivenTätigkeiten im Vollzug erhält.

5.3.2 Landesweite Vernetzung

Teilnahme an Arbeitskreisen

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig an dem Landesarbeitskreis „Drogen

und Haft“ der AIDS-Hilfe NRW e.V. teilgenommen. Durch den regelmäßig

stattfindenden fachlichen Austausch wurde die Arbeit kontinuierlich modifiziert,

einheitliche Standards erarbeitet und somit die lokale Arbeit weiter professionalisiert.

Der hauptamtliche Mitarbeiter nahm im Rahmen der landesweiten Vernetzung an

verschiedenen Arbeitskreisen und Tagungen teil.

Seit mehreren Jahren ist der hauptamtliche Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e.V. Sprecher des Landesarbeitskreises Drogen und Haft. Mit dieser Tätigkeit

ist ein erhöhter zeitlicher Aufwand verbunden, da die Funktion des Sprechers unter

anderem die regelmäßige Absprache mit der zuständigen Mitarbeiterin der

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Landesgeschäftsstelle zu Themenschwerpunkten für Landesarbeitskreise „Drogen

und Haft“ sowie die Vertretung bei landesweiten Gremien beinhaltet.

5.3.3 Lokale Arbeit des Projektes ,HIV und Strafvollzug’

Der Arbeitsbereich „Gesundheitsförderung für Menschen in Haft“ bedient die

Untersuchungshaftanstalt Duisburg-Hamborn sowie die Zweiganstalten Duisburg-

Mitte, Dinslaken, Oberhausen und den offenen Vollzug in Moers Kapellen. Inhaltliche

Schwerpunkte der Arbeit sind:

- Primär- und Sekundärprävention zum Themenfeld HIV/AIDS, Hepatitiden

sowie andere sexuell übertragbare Krankheiten

- Begleitung und Interessensvertretung HIV-positiver Inhaftierter

- Einzelberatung von Inhaftierten

- Mitarbeiterschulungen

- Verschiedene Veranstaltungen

5.3.4 Gesundheitliche Belastungen von Inhaftierten

Die Hauptinfektionswege von HIV und Hepatitiden sind das gemeinsame Benutzen

gebrauchter Spritzutensilien beim i.v. Drogenkonsum, sexuelle Kontakte und

Tätowieren / Piercen. Daher hat die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e.V. eine starke Fokussierung auf diese Übertragungswege.

Hier ein Umriss der Risikosituationen anhand statistischer Forschungsergebnisse:

Drogenkonsum

I.v. Drogenkonsum ist bei inhaftierten Drogenabhängigen zwar weniger verbreitet als

außerhalb, aber die Inhaftierten, die ihren Konsum in Haft fortsetzen, tun dies unter

hoch riskanten Bedingungen und in der Regel in Form eines gemeinsamen

Gebrauches von Spritzen, Nadeln und Spritzutensilien. Wedershoven (s.

Wedershoven C. Katamnese der HIV-Infektion bei drogenabhängigen und nichtdrogenabhängigen

Inhaftierten im Vergleich im Justizvollzug des Landes Nordrhein-

Westfalen. 1998) bestätigt, dass unsterile Spritzutensilien die Hauptinfektionsquelle

der von ihr untersuchten Gefangenen darstellt. Knapp fand, dass bei den von ihm

befragten Inhaftierten positiven Strafgefangenen bis zu neun Personen eine Spritze

zusammen benutzten (s. Knapp R. AIDS im Strafvollzug. Zur Situation HIV-Infizierter

und AIDS-Kranker Strafgefangener unter besonderer Berücksichtigung der

Problematik intramuralen Drogenkonsums: Ergebnisse einer empirischen Erhebung

und rechtliche Konsequenzen. Bonn (Unveröff. Diss.) 1996).

Sexuelle Beziehungen

Sexualität ist in den Haftanstalten genauso präsent, wie der illegale Drogenkonsum.

Die Thematisierung von gleichgeschlechtlicher Sexualität ist jedoch so gut wie

unmöglich. Wenige Haftanstalten gestatten Langzeitinhaftierten heterosexuelle

Kontakte im Rahmen der Besuchszeit von (Ehe-) PartnerInnen (z.B. JVA Werl, JVA

für Frauen Vechta) oder bei Haftlockerungen der Inhaftierten sexuelle Kontakte im

Rahmen des Urlaubes.

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Es scheint jedoch, dass das „Verbot“ der Ausübung von Sexualität als Teil der Strafe

angesehen wird. Dies wird nicht zuletzt von den Inhaftierten selbst so gesehen. Der

Drang nach sexuellen Handlungen führt zu einer Abspaltung der Sexualität von der

allgemeinen sozialen Haltung der Inhaftierten. Es werden gleichgeschlechtliche

Handlungen praktiziert, die konträr zur Haltung und allgemeinen Aussage der

Inhaftierten stehen. Durch diese abgetrennte, nicht akzeptierte Sexualität wird

teilweise bzw. vollständig auf Kondomgebrauch verzichtet. Die Prävention steht hier

vor einem Dilemma. Der Thematisierung von gleichgeschlechtlicher Sexualität in

Präventionsveranstaltungen wird mit Anlehnung begegnet. Um Inhaftierten die

Möglichkeit eines Beratungsgespräches zu ermöglichen, wo Fragen zu

Übertragungswegen vertrauensvoll beantwortet werden, bietet die AIDS-Hilfe daher

seit 2007 eine Hepatitis- / HIV-Sprechstunde in den Haftanstalten Hamborn und

Dinslaken an.

Tätowieren / Piercen

Tätowieren und Piercen ist wie das Benutzen unsteriler Injektionsnadeln eine

Übertragungsmöglichkeit von Hepatitis C und, in geringerem Ausmaß, von HIV.

Leider wurden bis dato keine Studien in Haftanstalten durchgeführt, um hier eine

Aussage in Richtung Risiko, Gebrauch und Infektionszahlen von Inhaftierten über

Tätowieren und Piercen zu treffen.

Die AIDS-Hilfe thematisiert diese gesundheitsgefährdenden Verhaltensweisen bei

ihrer Präventionsarbeit und bietet den Rahmenbedingungen entsprechende

Lösungsansätze an.

5.3.4.1 Primär- und Sekundärprävention

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig Informationsveranstaltungen in den

Justizvollzugsanstalten durchgeführt. Neben den Übertragungswegen von HIV und

Hepatitiden wurden die Behandlungsmöglichkeiten und mögliche Schutzmaßnahmen

angesprochen (Desinfektion von gebrauchten Spritzen, Förderung des

„Blutbewusstseins“, Vorgehen bei Nadelstichverletzungen und Safer Sex - Praktiken

{bei Männern, die Sex mit Männern haben sowie Frauen, die Sex mit Frauen

haben}).

5.3.4.2 Begleitung

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit im Strafvollzug“

bietet den inhaftierten Frauen und Männern die Möglichkeit, regelmäßig (in der Regel

alle zwei Wochen) mit einem Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. zu

sprechen. Die Erstgespräche werden von dem hauptamtlichen Mitarbeiter

durchgeführt. Hier werden folgende Aspekte erörtert: Bedarf des Inhaftierten,

Stadium der HIV-Infektion, medizinische Behandlung sowie die Angebote der AIDS-

Hilfe (z.B. Knastpakete, Therapievermittlung, Resozialisierung nach der

Haftentlassung etc.). Die regelmäßigen Besuche werden durch einen

hauptamtlichen Mitarbeiter oder ggf. von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter

durchgeführt. Im Sinne einer professionellen psycho-sozialen Begleitung besteht für

die ehrenamtlichen Mitarbeiter das Angebot der „Drogen- / Knast-Gruppe“. Ziel des

78


zweiwöchentlich verfügbaren Angebotes ist der fachliche Austausch von

Begleitungsfällen, Absprachen von Veranstaltungen und eine supervisorische

Beratung für die Begleiter.

Außenansicht des neu erstellten Flyers

5.3.4.3 HIV- und Hepatitissprechstunde

Nach Absprache mit dem Anstaltsarzt der JVA-Hamborn bietet die AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel e.V. seit 2006 in der Zweiganstalt Dinslaken eine HIV- und

Hepatitissprechstunde an und seit 2007 in der Haftanstalt Hamborn. Seit 2009

werden auch die Zweiganstalten Duisburg-Innenstadt und Oberhausen bedient.

Ziel der Sprechstunde ist es, in einem geschützten Rahmen Fragen an den

Mitarbeiter der AIDS-Hilfe stellen zu können, die bei einer Informationsveranstaltung

im größeren Rahmen durch Scham, gesellschaftliche Tabuisierung bzw.

Sanktionsgefahr von Seiten der Anstalten nicht thematisiert werden (Needlesharing,

Drogenkonsum, MSM und FSF). Die Sprechstunde wird durch Plakate und den neu

erstellten Flyer beworben und Interessierte können sich durch einen Antrag an den

Sozialdienst für die Sprechstunde anmelden.

Innenansicht des neu erstellten Flyers

79


5.3.4.4 Mitarbeiterschulung

Durch den Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit im

Strafvollzug“ werden für die Bediensteten der Justizvollzugsanstalten, den Gerichten

sowie den Staatsanwaltschaften Informationsveranstaltungen angeboten (siehe

hierzu: Infektionsschutz „Gemeinsamer Runderlass des Ministeriums für Inneres und

Justiz (4550 – IV B. 65) und des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und

Gesundheit (V A 4 – 0392.3)“) . Inhalte der Veranstaltungen sind vornehmlich die

Einhaltung der Hygienestandards, Vorgehen nach einer Nadelstichverletzung und die

Wissensvermittlung von Übertragungswegen, Behandlungsmöglichkeiten im Bezug

auf HIV und Hepatitiden und darüber hinaus die Impfmöglichkeiten bei einigen

Hepatitiden.

5.3.4.5 Veranstaltungen

Der hauptamtliche Mitarbeiter war bei mehreren Veranstaltungen in den

Justizvollzugsanstalten präsent, um als Ansprechpartner bekannt zu werden.

Darüber hinaus wurden medienwirksame Veranstaltungen selbst organisiert, um das

Thema „HIV und Strafvollzug“ in der Öffentlichkeit zu thematisieren.

Zu diesen Veranstaltungen zählten unter anderem die Teilnahme am Sommerfest

der Frauenhaftanstalt sowie die Amtseinführung der neuen Haftanstaltsleiterin sowie

die Teilnahme an einer Weihnachtsfeier in der Haftanstalt Hamborn.

5.3.5 Resümee

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit im Strafvollzug“

kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückschauen. Die Kooperation mit den Anstalten ist

konstant, kontinuierlich und produktiv. Die Angebote der AIDS-Hilfe wurden sehr gut

angenommen.

Gerade durch die vertragliche Grundlage mit den Haftanstalten konnte eine

regelmäßige und kontinuierliche Arbeit sichergestellt werden. Jedoch ist damit auch

eine erhöhte Verbindlichkeit und durch die Ausweitung des Betätigungsfeldes auf die

Haftanstalt Oberhausen auch ein erhöhter zeitlicher Aufwand verbunden.

5.4 Frauen und AIDS - Prävention bei Frauen in besonderen

Lebenslagen

Auch im Jahr 2009 ließ sich das Projekt ‚Frauen und AIDS’ der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V. mithilfe der Zielgruppenspezifischen Mittel des Landes NRW

erfolgreich umsetzen, aufgrund personeller Fluktuation allerdings nur in erheblich

begrenztem Umfang (s. 1.).

Die Stelleninhaberin Judith Dewald trat Anfang April in den Mutterschutzurlaub ein

und ihr Vertrag endete am 14.06. des Berichtsjahres. Wir bedanken uns bei Frau

Dewald für zwei erfolgreiche Jahre, wünschen ihr für die Zukunft alles Gute und

freuen uns, dass sie in begrenztem Umfang im AIDS-Hilfe-Dunstkreis verbleiben

wird. Unter anderem wird sie als ehrenamtliche Mitarbeiterin der AIDS-Hilfe

Oberhausen die Funktion als `Knotenfrau´ des bundesweiten Netzwerkes „Frauen

und AIDS“ für die Region Ruhrgebiet und nordöstliches NRW weiter wahrnehmen.

80


Die im Mai auserwählte Nachfolgerin konnte ihren Dienst erst am 01. August

antreten und hat uns nach vielversprechendem Start bereits nach zwei Wochen aus

unbekannten Gründen wieder verlassen. Somit mussten wir die Stelle erneut

ausschreiben und konnten diese endlich ab dem 01.11.2009 mit der Diplom-

Pädagogin, Frau Petra Kurek, höchst kompetent besetzen. In der fast

siebenmonatigen Vakanz hat natürlich nicht nur der Frauenbereich gelitten, sondern

auch die verbliebene hauptamtliche Mannschaft durch mögliche Vertretungen an

Belastungsgrenzen geführt. Ganz besonders hilfreich zur Wahrnehmung der

dringendsten Angelegenheiten war der Umstand, dass Frau Anika Walther im

Rahmen ihrer geringfügigen Beschäftigung (s. 5.6.) hier eingesprungen ist.

Somit können wir nunmehr auch für das Berichtsjahr über die Umsetzung der

strukturellen Prävention im Arbeitsbereich ‚Frauen und AIDS’ auf lokaler, regionaler

und landesweiter Ebene berichten.

Die Schwerpunkte im Jahr 2009 galten den Arbeitsbereichen Begleitung von HIVpositiven/

an AIDS erkrankten Frauen, Gestaltung bedarfsgerechter

Versorgungsstrukturen, Abbau gesellschaftlicher Diskriminierungen und

Primärprävention spezifischer Zielgruppen innerhalb des Frauenbereiches.

Auch in diesem Jahr erfolgte die Arbeit auf der landesweiten und regionalen Ebene

ausschließlich in Vernetzung und Kooperation mit Institutionen, die im Bereich

‚Frauen und AIDS’ tätig sind. Diese Vorgehensweise stellt vorhandene Ressourcen

sicher und führt zu einer effizienten Arbeit im Bereich ‚Frauen und AIDS’.

In der lokalen Arbeit ließ sich die Ausdifferenzierung der Aufgaben durch die

Einbeziehung von ehrenamtlicher Arbeit –allerdings in reduzierter Weise- bei der

Unterstützung der HIV-positiven / an AIDS erkrankten Frauen realisieren. Darüber

hinaus waren auch auf dieser Ebene Kooperationen mit Institutionen relevant, um die

begrenzten personellen Ressourcen möglichst effizient zu nutzen.

5.4.1 Arbeitsbereich ‚Frauen und AIDS’ auf der lokalen Ebene

Sicherstellung frauenspezifischer Beratung und Begleitung

Auch im Jahr 2009 stellten die Projektnehmerinnen sicher, dass für Frauen, die sich

telefonisch oder persönlich an die AIDS-Hilfe wendeten, die Option bestand, sich mit

einer Frau über ihre Themen auseinandersetzen zu können. Für eine qualifizierte

Beratung und Betreuung spielen geschlechtsspezifische Faktoren eine wichtige

Rolle, die sich nicht ohne weiteres von männlichen Kollegen bearbeiten lassen.

Besonders bei Frauen, deren kultureller oder religiöser Hintergrund einen offenen

Umgang bezüglich Sexualität ausschließlich bei gleichgeschlechtlichen Personen

akzeptiert, ist eine weibliche Ansprechpartnerin wichtig.

Zusammenarbeit mit Ehrenamtlerinnen / betroffenen Frauen

Für die lokale Arbeit ist es weiterhin notwendig, die Kapazitäten mithilfe von

Ehrenamtlerinnen und positiven Frauen zu erweitern. Die Strategie der

Projektnehmerinnen, sowohl Ehrenamtlerinnen als auch betroffene Frauen in die

81


aktuelle frauenspezifische Arbeit mit einzubinden, wurde auch 2009 fortgesetzt und

ließ sich zu Aktionen zum Internationalen Frauentag und zum Welt-Aids-Tag

umsetzen. Trotz der Angst des unfreiwilligen „Outings“, die bei Aktionen vor Ort meist

vorhanden ist, war es den Frauen möglich, uns für ein paar Stunden tatkräftig unter

die Arme zu greifen.

Primärprävention bei Frauen in besonderen Lebenslagen

2009 ließ sich die Präventionsarbeit auf dem Duisburger Straßenstrich –mit nahezu

gleicher Frequenz wie im Vorjahr- erfolgreich mit dem Gesundheitsamt der Stadt

Duisburg fortführen. Mit der regelmäßigen aufsuchenden Arbeit (in einem ca.

zweiwöchigen Rhythmus) wird ein langfristiger Beziehungsaufbau zu den einzelnen

Sexarbeiterinnen ermöglicht.

In dem Arbeitsbereich der Bordelle in Duisburg wurde eine Nikolausaktion

durchgeführt, in der Give-aways und Informationsmaterial zum Beratungs- und

Untersuchungs-angebot an die Sexarbeiterinnen verteilt wurden.

Öffentlichkeitsarbeit

Unsere 3 Frauen in 2009, v. li. n. re.: Judith Dewald, Anika Walther und Petra Kurek

2009 galt es neben der Kommunikationskampagne ‚XXelle’ auch die lokale AIDS-

Hilfe und die Arbeit in dem Bereich ‚Frauen und AIDS’ zu präsentieren. Die

Homepage war aufgrund ungeklärter Administration letztes Jahr nur zeitweise

zugängig. Durch die freundliche finanzielle Unterstützung der AIDS-Hilfe NRW ist es

gelungen, einen neuen Administrator zu finden, der die Seite zum Jahresende neu

gestaltet hat. Mit der Umbenennung der Homepage von ‚venus-ruhrgebiet’ in ‚XXelle-

Ruhrgebiet’ ist die Seite auch inhaltlich überarbeitet und der Internetauftritt der AIDS-

Hilfen aus dem Ruhrgebiet an die landesweite Kommunikationskampagne ‚XXelle’

gekoppelt worden, um einen einheitlichen Bezug zur Frauenarbeit in NRW

herzustellen. An dieser Stelle gilt ein herzlicher Dank an die AH NRW, dass sie uns

die Mittel für den Layouter und das ‚XXelle’-Logo zur Verfügung gestellt hat.

82


Ein wichtiger Anspruch im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit ist es, das Thema

‚Frauen und AIDS’ ins Bewusstsein breiter Bevölkerungskreise zu transportieren.

Neben den eigenen Darstellungsmedien (z. B. Homepage) und

öffentlichkeitswirksamen Aktionen (s. o.), spielen natürlich die Medien dazu eine

Rolle. Trotz wieder einmal nennenswerter Anfragen, konnte es im Berichtsjahr leider

nicht gelingen, Frauen für Interviews oder Reportagen zu gewinnen, die dem Thema

auch für unsere Region gewissermaßen ein authentisches „Gesicht“ hätten verleihen

können.

Es zeigte sich einmal mehr, dass es für HIV-positive Frauen offenbar noch

schwieriger erscheint als für viele Männer, sich selbstbewusst in der Öffentlichkeit

outen zu können. Das bereits erwähnte Beispiel von Nadja B. macht in

erschreckender Weise deutlich, dass dies auch nicht immer empfehlenswert ist.

Schulung Multiplikator/innen

In Duisburg und dem Kreis Wesel steht für den Projektbereich ‚Frauen und HIV/AIDS’

ausschließlich die Stelle der Projektnehmerin zur Verfügung. Diese Situation macht

es notwendig, eine Struktur zu schaffen, in der frauenspezifische Projekte über das

Thema ‚Frauen und AIDS’ informiert sind. Ein Zugang ist mit dem Medium Internet

und der Ruhrgebietshomepage geschaffen worden. Ein weiterer Zugang hat sich

durch die Übernahme der Funktion der ‚Knotenfrau’ ergeben, aus der sich neue

Kooperationsmöglichkeiten zumindest für das erste Quartal des Berichtzeitraumes

ergeben haben. Einige davon sind allerdings gewiss auch ohne die „Knotenfrau-

Funktion“ zu erhalten.

Teilnahme an Arbeitskreisen

83


An dem in Duisburg existierenden Arbeitskreis, der sich an Frauengruppen und

frauenspezifische Institutionen aus Duisburg richtet, nahmen die Projektnehmerinnen

an den Arbeitstreffen teil, die eine thematische Relevanz für die lokale Arbeit hatten.

Durch diese Kontakte wird die Begleitungsarbeit im Frauenbereich optimiert, da enge

Kooperationsmöglichkeiten zwischen den Einrichtungen entstehen. Die

Netzwerkarbeit gewinnt zunehmend an Bedeutung, da HIV-positive Frauen auch in

anderen Einrichtungen in Erscheinung treten, wie z. B. Frauenhäusern oder

Krankenhäusern, und sich die Bedarfe durch das sich verändernde Sozialrecht und

die Gesundheitsreformen weiter ausdifferenzieren.

5.4.2 Regionale Vernetzungsarbeit im Arbeitsbereich ‚Frauen und AIDS’

Homepageprojekt ‚www.XXelle-ruhrgebiet.de’

Wie schon an früherer Stelle erwähnt, wurde im Jahr 2008 die bestehende

Homepage des Ruhrgebietes ‚venus-ruhrgebiet.de’ in www.XXelle-ruhrgebiet.de’

umbenannt. Weiterhin wird die Seite in Kooperation mit der AIDS-Hilfe Dortmund e.V.

gestaltet und präsentiert das Thema ‚Frauen und AIDS’ für positive Frauen,

Multiplikator/innen und Interessierte im Internet im neuen Look. Demnächst wird mit

einem Newsflash auf aktuelle Angebote der AIDS-Hilfen des Ruhrgebietes

aufmerksam gemacht und weiterhin werden unterschiedliche Aspekte des Themas

‚Frauen und AIDS’ dargestellt. Dazu werden Links zu anderen Homepages,

Terminen und Hilfsangeboten für betroffene Frauen aufgeführt.

Somit bietet die Homepage zum einen die Option, frauenspezifische Institutionen im

Ruhrgebiet zu informieren und zu sensibilisieren, und zum anderen schafft sie für

positive Frauen einen niedrigschwelligen und anonymen Zugang zu Informationen

und persönlichen Kontakten. Die neue Homepage steht kurz vor der Freischaltung.

Hintergrund der Stabilisierung und Modifizierung der Homepage bleibt weiterhin,

Frauen mit HIV und AIDS die Möglichkeit zu geben, Informationen zu aktuellen

medizinischen Neuerungen / Veränderungen bedarfsgerecht und anonym über das

Internet jeder Zeit abrufen zu können. Darüber hinaus soll der neue

Veranstaltungskalender online über Vernetzungstreffen im Ruhrgebiet Auskunft

geben sowie Termine der einzelnen AIDS-Hilfen veröffentlicht werden, um den

betroffenen Frauen verbesserte Möglichkeiten zu bieten, sich an den Angeboten

beteiligen zu können.

84


Das sekundärpräventive Angebot auf der Homepage (Austausch von betroffenen

Frauen im Rahmen der Selbsthilfe), konnte im Jahr 2009 noch nicht genutzt werden,

da die Homepage nicht zugänglich war. Hier gilt es zukünftig wieder, die Zielgruppe

durch intensivere Bewerbung auf dieses Angebot hinzuweisen.

Eine Evaluation konnte noch nicht erfolgen, da die Anzahl von Kontakten noch nicht

für eine aussagefähige statistische Auswertung ausreichte.

Rundbriefprojekt ‚Infoletter für HIV-positive Frauen’

Die bestehenden Angebote der AIDS-Hilfe können nicht von allen Frauen genutzt

werden. Zum einen haben viele Klientinnen keinen Internetanschluss und können so

nicht auf die Homepage zugreifen, zum anderen wird das Beratungsangebot in

unserer Einrichtung von einigen Frauen aus unterschiedlichen Gründen nicht

genutzt. Daher wurde von der Stelleninhaberin, Judith Dewald, quartalsweise ein

‚Infoletter für Frauen mit HIV und Aids’ erstellt, der wahrscheinlich fortgesetzt werden

soll. Dieser Infoletter erhält Informationen, die per Post an die Frauen der Einrichtung

versendet werden. Es handelt sich dabei um Artikel aus Fachzeitschriften über

neueste Erkenntnisse von HIV und Schwangerschaft oder der HIV-Medikamente und

Medikamententherapie, die von der Stelleninhaberin zusammengestellt werden.

Darüber hinaus wird der Infoletter zur Bewerbung der DAH-Frauenseminare genutzt,

um den besonders wichtigen Zugang zur Selbsthilfe zu ermöglichen.

Förderung der Selbsthilfepotentiale und Stabilisierung der bestehenden

Selbsthilfeangebote

Ein wesentliches Ziel auf der Ruhrgebietsebene ist es, positiven Frauen eine

Möglichkeit zu geben, sich persönlich auszutauschen und eine Vernetzung zu

ermöglichen. Dies ist besonders relevant, da die Zielgruppe ‚Frauen’ sehr heterogen

ist und sich eine stabile persönliche Beziehung nicht ausschließlich auf die HIV-

Infektion / AIDS-Erkrankung gründen lässt.

In Zusammenarbeit mit der AIDS-Hilfe Dortmund e.V., der AIDS-Hilfe Essen e.V., der

AIDS-Hilfe Oberhausen e.V., der AIDS-Hilfe Bochum e. V. und der AWO Niederrhein

e.V. wurden im Jahr 2009 zwei Vernetzungstreffen mit den frauenrelevanten

Schwerpunktthemen angeboten. Die Evaluation hat ergeben, dass die Frauen

besonders zufrieden damit waren, für zwei Tage die heimische Umgebung verlassen

zu können und ohne die Kinder ein Wochenende für sich zur Entspannung zu haben.

Viele Frauen wären gerne für zwei Nächte verreist, für andere war es mit einer

Übernachtung genug.

Hebammenschulung

Im Jahr 2009 gab es keine Schulung der Hebammen zum Thema ‚HIV / AIDS’,

obwohl die Hebammenschule weiteren Bedarf und Wunsch nach Kooperation

geäußert hat.

Öffentlichkeitsarbeit

In der Öffentlichkeitsarbeit im Jahr 2009 wurde der Schwerpunkt erneut auf die

Präsentation der landesweiten Kommunikationskampagne ‚XXelle’ gelegt. Im

Rahmen der Ruhrgebietsvernetzung ließen sich wieder Öffentlichkeitsaktionen zum

Thema ‚Frauen und AIDS’ platzieren, zu denen es aus den angegebenen Gründen

allerdings keine personelle Beteiligung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel gab .

85


5.4.3 Landesweite Vernetzungsarbeit im Arbeitsbereich ‚Frauen und

AIDS’

Teilnahme an Arbeitskreisen

Die regelmäßige Teilnahme an der Landesarbeitsgemeinschaft ‚Frauen und AIDS’

vertiefte den landesweiten Bezug des Projektes. Dieser ist notwendig, um die

kontinuierliche Modifizierung der Arbeit in dem Bereich ‚Frauen und AIDS’ zu

gewährleisten. Mithilfe der fachlichen Auseinandersetzung auf der Landesebene wird

zum einen die lokale Projektarbeit weiterqualifiziert und zum anderen die Erarbeitung

und Umsetzung von Projektideen in NRW gefördert.

Öffentlichkeitsarbeit

2009 galt es, die landesweite Kommunikationskampagne ‚XXelle’

öffentlichkeitswirksam zu präsentieren.

Die NRW-weit erstellten Materialien ließen sich für unterschiedliche Aktionen (s.

Öffentlichkeitsarbeit auf lokaler / regionaler Ebene) erfolgreich nutzen. Darüber

hinaus trugen die von der AIDS-Hilfe NRW e.V. erstellten Presseartikel zu einer

gelungenen Öffentlichkeitsarbeit bei.

5.5 AIDS und Migration

Zur personellen Situation in diesem Arbeitsbereich verweisen wir auf die

Erläuterungen in den Kapiteln 1. und 5.4.

Lokale Ebene

Interkulturelle Wochen Duisburg

Im Rahmen der Interkulturellen Wochen, die jährlich in Duisburg stattfinden, werden

von städtischer Seite aus auf Vielfalt von Kultur, Lebensweise und Religion von

Mirgrantinnen und Migranten in der Stadt aufmerksam gemacht. Mit über 100

kulturellen Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerten, Vorträgen, Feste für Kinder u.

86


v. m., die von verschiedenen Vereinen organisiert werden, wird auf eine gewisse

Weltoffenheit der Stadt hingewiesen.

Auch die AIDS-Hilfe Duisburg/ Kreis Wesel e. V. hat sich an diesem Fest der Stadt

beteiligt und für Interessierte einen Vortrag zum Thema „Die Welt im Fokus von

HIV/AIDS“ vorbereitet. Thematisiert werden sollten neben einer Power-Point-

Präsentation zum weltweiten Infektionsgeschehen die Besonderheiten, die vor Ort in

der Begleitung Schwarzafrikaner auftreten können (s. Pkt. 5.5.1).

Leider hat der Workshop wie schon im Vorjahr wegen zu geringer Anmeldezahlen

nicht stattfinden können.

Stattgefunden jedoch hat ein Infostand zur Abschlussveranstaltung der

Interkulturellen Wochen, dem Fest der Kulturen am 02. Oktober 09 in der

Innenstadt, bei dem es uns einerseits gelungen ist, mit einer

personalkommunikativen Glücksradaktion Kontakt zur Bevölkerung aufzunehmen,

andererseits konnten wir Kontakte zu vielen anderen Kooperations-partnern

aufnehmen bzw. vertiefen.

Es zeigt sich auf der lokalen Ebene der AIDS-Hilfe Duisburg/ Kreis Wesel, dass die

Begleitungszahlen der Menschen mit HIV / AIDS, die einen Migrationshintergrund

haben, die deutschlandweiten Zahlen widerspiegeln. Die Begleitungsarbeit bei dieser

Zielgruppe erfordert spezifische sprachliche, interkulturelle und fachliche

Kompetenzen. Da sich die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit in der Zielgruppe

der Migranten oftmals problematisch darstellt, weil das Thema ‚HIV/AIDS’

weitestgehend tabuisiert wird, ist hier ein langer Atem erforderlich und immer wieder

Gelegenheiten zu nutzen, um die Theamtik auch öffentlichkeitswirksam wach zu

halten. Im Berichtsjahr konnte dazu aufgrund der personell schwierigen Situation

allerdings wenig umgesetzt werden.

5.5.1 Migration und Begleitung

Von den HIV-positiven / an AIDS-erkrankten Menschen, die im Jahr 2009 von der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. begleitet wurden, hatten ca. 30% einen

Migrationshintergrund. Besonders bei den Frauen zeigte sich, dass Migrantinnen

unsere Institution für sich nutzten. Von den positiven Frauen, die von der AIDS-Hilfe

begleitet wurden, waren 45% Migrantinnen. Bei den Männern hingegen waren nur

22% der Personen, die 2009 begleitet wurden, Migranten.

Besonders Menschen aus Subsahara-Afrika suchten 2009 die AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V. auf. Sie waren, wie auch in vorangegangenen Berichtsjahren die

zahlenmäßig größte Gruppe der Migrant/innen. Als Herkunftsländer ragten dabei

schwerpunktmäßig Togo und Kamerun heraus.

Darüber hinaus begleitete die AIDS-Hilfe Menschen mit italienischem, polnischem,

serbokroatischem und türkischem Migrationshintergrund.

Im Gegensatz zu der Gruppe aus Subsahara-Afrika war diese jedoch zahlenmäßig

deutlich kleiner.

In der Begleitung zeigt sich, dass viele Thematiken, die in der Beratungs- und

Versorgungssituation eine Rolle spielen, kulturell geprägt sind. Dieses führt in

87


Beratungssituationen leicht zu Missverständnissen, Fehlentscheidungen und

kontraproduktiven Unterstützungs- und Behandlungsangeboten. Oft wird die

Verständigung durch die sprachlichen Barrieren erschwert. Zusätzlich zu den

sprachlichen und kulturellen Barrieren ist die Begleitung der HIV-Infizierten / an

AIDS-erkrankten Migrant/innen durch deren spezifische Lebenssituation

gekennzeichnet. So sind die Regelung des Aufenthaltsstatus und der Umgang mit

dem fremden Aufenthaltsland ein existentielles Thema.

Darüber hinaus gilt für viele Migrant/innen, dass sie ihre Familien in den

Herkunftsländern zurück lassen. Besonders in der Begleitung der Menschen aus

Subsahara-Afrika ist die Trennung von Eltern, Geschwistern, Kindern und

Ehepartner/innen Thema. Die Einsamkeit und Isolation verstärkt sich mit der

Diagnose: ‚HIV-positiv’. In der Begleitung der Schwarzafrikaner/innen stellten wir in

diesem Berichtsjahr erneut fest, dass die HIV-Infektion in der Community der

Schwarzafrikaner/innen nicht Thema werden darf. Selbst die eigene Familie wird in

der Regel nicht informiert.

Diese spezifische Lebenssituation führt dazu, dass die HIV/AIDS-Erkrankung

gegenüber den psychischen und existentiellen Belastungen in den Hintergrund treten

kann.

Die aufgeführten Faktoren zeigen, dass die Begleitung der Migrant/innen oftmals

einen anderen inhaltlichen Rahmen einnimmt. Die Problematik, dass ein großer Teil

der Migrant/innen kein Deutsch verstehen bzw. lesen kann, nimmt darüber hinaus

größere zeitliche Ressourcen in Anspruch. Da es keine Stelle gibt, die dafür

zuständig ist, Briefe (u. a. von den jeweiligen Ämtern) zu übersetzen, geschieht

dieses meist innerhalb der AIDS-Hilfe.

Sowohl hinsichtlich der Inhalte als auch im Hinblick auf die Zeitressourcen ist die

Kooperation mit anderen Institutionen bei der Begleitung von Migrant/innen dringend

notwendig.

5.5.2 Arbeitskreis ‚Migration’

Der Arbeitskreis Migration ist ein Zusammenschluss von Organisationen, die regional

im Bereich Migrant/innen mit HIV / AIDS tätig sind (AIDS-Hilfe Duisburg/ Kreis Wesel

e. V., Gesundheitsamt der Stadt Duisburg - Beratungsstelle zu AIDS und anderen

sexuell übertragbaren Krankheiten, AIDS-Hilfe Düsseldorf e.V., AIDS-Hilfe

Oberhausen e. V., AIDS-Hilfe Krefeld e.V., Projekt Aids + Kinder, Köln, Deutsche

AIDS-Stiftung, Bonn).

88


Der Arbeitskreis „Migration & AIDS“, NRW (zu Jahresbeginn2009)

Ziel ist der fachliche Austausch, die Vernetzung regionaler Angebote und die

Durchführung gemeinsamer Projekte und Veranstaltungen.

Im Berichtsjahr 2009 hat der kollegiale Austausch über spezifische Themen im

Rahmen der Begleitung im Vordergrund gestanden. Erste Überlegungen, nochmals,

wie im Jahr 2007, eine Fachtagung anzubieten, sind erfolgt. Eine solche wird im Jahr

2010 wieder einmal in Duisburg durchgeführt und ist im Berichtsjahr intensiv

vorgeplant worden.

Präventions- und Öffentlichkeitsveranstaltungen

Wie für die Jahre zuvor bleibt auch für das Jahr 2009 zu berichten, dass es nach wie

vor schwierig ist, Präventions- oder Öffentlichkeitsveranstaltungen im kleineren Kreis,

wie z. B. in Seminarform, im Migrationsbereich anzubieten.

5.6 Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung

89


„Jugendliche sind umfassend und nachhaltig aufgeklärt

Jede nachwachsende Generation wird erreicht

Im Jugendbereich sind die Themen HIV / AIDS in ein kultursensibles,

sexualpädagogisches Angebot eingebettet

Jugendliche sind für das Thema Solidarität mit Menschen mit HIV / AIDS

sensibilisiert

Jugendliche erfahren, dass offen über den Schutz der eigenen Gesundheit

und den der Sexualpartnerin und des Sexualpartners gesprochen werden

kann und dass Schutzverhalten gesellschaftlich erwünscht ist

Die Wirkung von illegalen und legalen Drogen, insbesondere von Alkohol, auf

das Schutzverhalten wird thematisiert

Sozial benachteiligte Jugendliche werden mit spezifischen Maßnahmen

erreicht“

(Quelle : Aktionsplan zur Umsetzung der HIV / AIDS-Bekämpfungsstrategie der Bundesregierung,

Bonn/Berlin, 3. überarbeitete Aufl., März 2007, S.15)

So lauten die im Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der HIV / AIDS-

Bekämpfungsstrategie vom März 2007 formulierten Ziele für die „besondere

Zielgruppe“ Jugendliche. Eine deutliche Bekräftigung des erfolgreichen `deutschen

Präventionsansatzes´ und eine deutliche Bestätigung für und Stärkung des

Präventionsansatzes des bisherigen NRW-Landesprogrammes „Youthwork“,

welches bei der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. seit nunmehr über 20 Jahren

durch eine hauptamtliche Fachkraft verortet ist und auch nach dem formalen Ende

der alten Richtlinienförderung des Landes hier erhalten werden soll / muss, wie es

die Landesrahmenvereinbarung über Grundsätze zur Umsetzung der

Kommunalisierung der Landesförderung für Präventions- und Hilfemaßnahmen im

Sucht- und AIDS-Bereich in NRW (s. 1.) vorsieht.

Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit dieser AIDS-Prävention in

sexualpädagogischem Kontext mit dem vorrangigen Ziel der Vermeidung von

90


Primärinfektionen hat nichts an Bedeutung verloren. Die stabil hohe Zahl bei den

HIV-Neuinfektionen quer durch alle Bevölkerungsgruppen –so auch bei jugendlichen

und jungen Menschen- sind ein deutlicher Beleg dafür.

Dennoch ist festzuhalten, dass diese Arbeit, die vor allem durch personale

Kommunikation zielgruppenadäquate Informationsarbeit und Aufklärung leistet,

offenbar weiterhin sehr erfolgreich ist. Laut ECDC (European Center for Disease

Control and Prevention, Stockholm) weist Deutschland mit 33,5 Neudiagnosen pro

Million Einwohner die niedrigste Inzidenz in Europa auf. „Das ist auf den Erfolg einer

umfangreichen und nachhaltigen Präventionsstrategie zurückzuführen“ (BZgA

aktuell, November 2009, S. 2).

„Aktuelle Studien zeigen, dass es weder eine wachsende Sorglosigkeit noch

Nachlässigkeit beim Schutz gibt. Schützten sich vor 15 Jahren noch weniger als die

Hälfte der sexuell aktiven jungen Menschen regelmäßig mit Kondomen, so hat sich

ihr Anteil in den letzten Jahren auf etwa zwei Drittel erhöht. In der

Gesamtbevölkerung verwenden zu Beginn neuer Beziehungen 80 Prozent Kondome

– so viele wie noch nie. Parallel zu dieser Entwicklung steigen die

Kondomabsatzzahlen. (…) Dies zeigt, dass es der AIDS-Prävention in Deutschland

erfolgreich gelungen ist, kontinuierlich Wissen über Safer Sex und Schutzverhalten

so zu vermitteln, dass es auch umgesetzt werden kann. Das gilt sowohl für die

heranwachsende Generation als auch für Erwachsene. (…) Bei Jugendlichen tragen

die Schulen entscheidend zur Informationsvermittlung bei. 94 Prozent der 16- bis 20-

Jährigen geben heute an, das Thema AIDS in der Schule behandelt zu haben, vor 10

Jahren waren es 88 Prozent. Schulische Sexualaufklärung gewinnt daher für die

AIDS-Aufklärung immer mehr an Bedeutung“ (BZgA „aktuell“, 11/08, S.2), was sich

auch daran zeigt, dass die spezifischen Youthwork-Angebote der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V. stabil bis vermehrt nachgefragt werden.

Der niedrigschwellige, emanzipatorische und akzeptanzorientierte Ansatz ist richtig.

Repressive Ansätze sind eindeutig kontraproduktiv, wie insbesondere Beispiele aus

Osteuropa, aber auch Ergebnisse von sog. Abstinenzprogrammen der USA und

einiger afrikanischer Länder belegen.

Die besondere Akzeptanz dieses Ansatzes wird uns auch vor Ort durch

Rückmeldungen, Resonanzen und Evaluationserfahrungen zu unseren

Veranstaltungen in diesem Sektor (s. Abb. Veranstaltungsverteilung nach

Arbeitsfeldern) bestätigt.

Dem Rechnung tragend gestalten wir unsere AIDS-Prävention in

sexualpädagogischem Kontext und zielen auf einen Dialog in offener und angstfreier

Atmosphäre und ohne pädagogischen Zeigefinger.

5.6.1 Veranstaltungsinhalte

91


In aller Regel werden personalkommunikative Formen massenmedialen vorgezogen.

Das erfordert allerdings auch eine jeweilige Reduktion auf zielgruppenadäquate und

bedürfnisorientierte Themenbereiche. Um diese Reduktion pädagogisch

verantwortungsvoll vornehmen zu können, finden entsprechende Vor- und

Nachgespräche mit den Veranstaltungspartnern statt.

Je nach Zielgruppe, Zugangsvoraussetzungen und Rahmenbedingungen können

u.a. folgende Themenfelder behandelt werden :








Medizinisch, biologische Grundlagen zu HIV und AIDS, und

andere STI`s (Virologie, Immunologie, ...)

Verlaufsformen der HIV-Infektion

Aktueller Forschungsstand und Therapieansätze

Übertragungswege und –risiken

Infektionsschutzmöglichkeiten

Testverfahren und ihre Problematiken

Epidemiologische Entwicklung und daraus resultierende

Präventionserfordernisse und –strategien









Lebenssituation von Betroffenen und An- oder Zugehörigen

Umgang mit HIV-positiven oder/und an AIDS erkrankten

Menschen

Vorurteile gegenüber sog. Hauptbetroffenengruppen

Drogen- und Substitutionsproblematik

HIV und AIDS als gesellschaftliches Phänomen

Juristische und ethische Fragestellungen

Probleme in der Begleitung und Pflege

Sterbebegleitung, Tod und Trauer







Liebe, Sexualität und Partnerschaft

Probleme im Umgang mit der eigenen Sexualität

Homosexualität (Schwul-lesbische Aufklärungsarbeit)

Geschlechterrollen und ihre Problematiken

Normen, Werte und deren Wandel im Umfeld der Sexualität

u.a.m.

92


5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork

Wir bieten für Sie an:

AIDS-Präventionsveranstaltungen im

Rahmen von Sexualpädagogik und

ganzheitlicher

Gesundheitsförderung

Fort- und Weiterbildung für

MultiplikatorInnen und LehrerInnen

Beratung (telefonisch, persönlich,

schriftlich und via Internet) für

Jugendliche, Eltern, LehrerInnen,

ErzieherInnen etc.

Kooperation, Koordination und

Vernetzung

Geschlechtsspezifische Angebote für

Mädchen und Jungen

Beratung

Einzel-, Paar,

Gruppenberatung;

-telefonisch

-persönlich

-schriftlich

-via Internet

Angebote

Kooperation,

Präventionsveranstaltungen

Weiterbildung

Fort- und

Koordination,

Vernetzung

Gruppenarbeit, Moderation, Workshop,

Seminar, Expertengespräch, Diskussion,

Projekt, Fachtagung, Event, Vortrag,

Referat, Infostand etc.

Arbeitskreise,

Gremien,

Ausschüsse,

Lobbyarbeit, etc.

AIDS-präventive Veranstaltungen in sexualpädagogischem Kontext wurden von der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. für Schülerinnen und Schüler aller

Regelschulformen sowie Kollegschulen durchgeführt. In der Regel werden unsere

Angebote in den Jahrgängen ab der Klasse 8, in einzelnen begründeten Ausnahmen

auch in jüngeren Jahrgängen platziert.

Form und Inhalte werden jeweils bedürfnis- und lebensweltorientiert konzipiert. Das

Angebotsspektrum reicht hier von Formen eines „Expertengespräches“ im Rahmen

von Unterrichtsreihen vor unterschiedlichem Fachhintergrund bis hin zu Projekttagen

und – wochen, die günstigenfalls außerhalb des Schulrahmens durchgeführt werden.

Um darüber hinaus eine zumindest grobe Übersicht über das „Produkt Youthwork“,

über Zielebenen, Methoden und Ansätze bekommen zu können, sei an dieser Stelle

auf die Internetseite www.youthwork-nrw.de verwiesen.

Mit dem Berichtsjahr 2009 blicken wir im Bereich Youthwork / Prävention in der

Allgemeinbevölkerung auf ein sehr aktives Jahr zurück. Weiterhin konzentrieren sich

die schulischen Veranstaltungsanfragen stark auf das erste Halbjahr und

insbesondere auf das erste Quartal. Vor allem die Anfragen von weiterführenden

Schulen sind so stabil, dass wir leider nicht alle Anfragen wunschgemäß bedienen

konnten. Es gibt allerdings viel Bemühen um terminliche Flexibilität von Seiten der

Schulen, die unser Angebot sehr zu schätzen gelernt haben.

Angesichts der Größe des Zuständigkeitsgebietes, der wachsenden Bedarfe, der

wachsenden Notwendigkeit, auch andere sexuell übertragbare Krankheiten

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einzubeziehen und der Einzigartigkeit des Youthwork-Angebotes in der Region

haben wir in den letzten Jahren immer wieder die Sinnhaftigkeit bekräftigt, eine

weitere Fachkraft zu gewinnen. Wünschenswert wäre insbesondere eine

Youthworkerin, die sich verstärkt der Mädchenarbeit widmen könnte. Zumindest

phasenweise und themenabhängig sind geschlechtsspezifische Angebote und

Arbeitsweisen im Bereich der Sexualpädagogik wichtig. Die `Sinnhaftigkeit´ beginnt

gewissermaßen bei dem Eindruck, dass Defizite bzgl. des individuellen

Körperbewusstseins und –verständnisses aus meiner Sicht zunehmen und

Basiskenntnisse zu Körperbau und –funktionen, die zum Verstehen von sexuellen

Vorgängen unentbehrlich sind, oft nur rudimentär vorhanden sind. Dies gilt allerdings

durchaus für beide Geschlechter.

Darüber hinaus können wir uns mit unseren Kapazitäten leider nicht im gewünschten

Maße um sozial benachteiligte Schüler/innen kümmern, die nicht nur, aber gewiss

mit höherer Quote in Haupt- und Förderschulen anzutreffen sind, für die die

beschriebenen Defizite in besonderem Maße gelten und die bei den STI-Inzidenzen

eine Rolle spielen.

Im Berichtsjahr haben wir im Rahmen unserer Möglichkeiten konsequent gehandelt

und mit unserer ehemaligen Fachkraft im Bereich „Frauen & AIDS“ und „AIDS &

Migration“, der Diplom-Pädagogin Anika Walther, auf Basis einer geringfügigen

Beschäftigung im Umfang von sechs Wochenstunden eine zusätzliche Kraft

eingestellt. Das war für uns als kleinem, freien Träger ein mutiger Schritt, da es für

diese Erweiterung keine öffentliche Förderung gab und wir die Finanzierung dieser

Stelle vollständig aus Eigenmitteln bestreiten mussten.

Neben der Kapazitätserweiterung diente diese Maßnahme allerdings auch der

Entlastung des Youthworkers, der in zunehmendem Maße geschäftsführende

Tätigkeiten übernehmen muss. Darüber hinaus hat Frau Walther einige Aufgaben

der o.a. Frauenstelle in der langen Vakanzzeit übernomen, wofür wir ihr äußerst

dankbar sind. Dennoch konnte es gelingen, insbesondere einzelnen Haupt- und

Förderschulen Veranstaltungsangebote zu unterbreiten.

Grundsätzlich aber konstatieren wir für den Arbeitsbereich weiterhin knappe

personelle Ressourcen und somit bleibt die Einbindung und entsprechende

Qualifizierung von ehrenamtlichen Kräften und Multiplikator/innen ein zentrales

Anliegen der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Unser Dank gilt hier insbesondere den aktiven HIV-positiven Ehrenamtler/innen, die

sich immer wieder bereit erklären, in authentischer Weise zur Frage „HIV-positiv sein

– was heißt das?“ Rede und Antwort zu stehen. Die Einbeziehung dieser

Selbsthilfeaktivisten ist hier, wie bei Bedarf auch zum Thema „Homosexualität“ fester

Bestandteil vieler Präventionsveranstaltungen. Der besondere Wert dieser

Authentizität wird uns auch immer wieder rückgemeldet. Hier gilt auch den

Mitarbeitern des Herzenslust-Teams ein herzliches Dankeschön.

Den von uns (mit-) initiierten Präventions-Vernetzungen in Duisburg und für die

Region um Dinslaken kommen ebenfalls besondere Bedeutungen zu. Dabei geht es

uns vor allem darum, über Multiplikator/innen eine kontinuierliche Präsenz der

Präventionsthemen in den Institutionen zu schaffen und von `nur´ punktuellen

Veranstaltungen wegzukommen. Durch die Vernetzung und die damit verbesserte

Kooperation und Koordinierung werden Synergieeffekte erzielt. Durch begleitende

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Öffentlichkeitsarbeit wird für die potentiellen Kunden mehr Transparenz zu den

Präventionsangeboten geschaffen.

Nach der alljährlich durchgeführten repräsentativen Umfrage der BZgA aus dem

Jahre 2007 bezeichnen „nur noch 29 Prozent der Allgemeinbevölkerung und 38

Prozent der 16- bis 20-Jährigen (…) AIDS heute als eine der gefährlichsten

Erkrankungen“ (BZgA-„aktuell“, 11/08; S.2).

Wir konstatieren weiterhin insbesondere Defizite im Bereich von sprachlichen und

kommunikativen Kompetenzen im Feld von Liebe, Sexualität und Partnerschaft. Ein

Erklärungsansatz mag in der neuartigen Nutzung von virtuellen Medien und den

damit verbundenen spezifischen Kommunikationsmustern sein (SMS, Messengerund

Chat-Plattformen, …). Ein anderer Ansatz ist uralt, nämlich dass auch heute der

Eintritt in das Abenteuer „Liebe, Sex und Partnerschaft“ immer noch mit ganz viel

Aufregung, Nervositäten und auch Ängsten und Sorgen verbunden ist, trotz oder

gerade wegen der vermeintlichen Banalisierung der Thematik durch vielfältige

einschlägige Medien, die den Jugendlichen vermeintliche Realitäten und / oder

Normalitäten vorspiegeln. Hier ist einfühlsame Sexualpädagogik gefordert.

Nach unserer Auffassung sind hierzu die Informations- und Vermittlungsmethoden

und der Zeitpunkt der thematischen Auseinandersetzung von entscheidender

Bedeutung. Die Erkenntnis ist nicht neu, dass AIDS-Prävention mit Jugendlichen im

Kontext von Sexualpädagogik anzusiedeln ist, dass personalkommunikative

Methoden (d.h. „Veranstaltungen von Mensch zu Mensch“, vgl. BzgA-Ansatz), die an

der Lebenswelt der Schüler/innen orientiert und hinsichtlich der ersten Erfahrungen

zeitnah zu platzieren sind, massenmedialen oder eindimensionalen

Vermittlungsformen vorzuziehen sind, bzw. diese unbedingt ergänzen sollten.

In den Jahrgangsstufen bis zur 10. Klasse erscheint uns zudem eine – zumindest

phasenweise und themenabhängige – geschlechtergetrennte Bearbeitung sinnvoll

(vgl. o.). Hier müssen einfach die nicht selten durchaus großen Unterschiede im

Reife- und Erfahrungsgrad zwischen Mädchen und Jungen einer Jahrgangsstufe

Berücksichtigung finden. In Anwesenheit des anderen Geschlechtes fällt es

manchmal schwerer, in offene und ehrliche Kommunikationsprozesse

hineinzufinden.

Erst recht, wenn die eigene Identitätsfindung (Wer bin ich? Was mag ich? Was mag

ich nicht? …) noch in vollem Gange ist. Dennoch sind angesichts der mehrheitlich

heterosexuellen Orientierungen, Erfahrungen gelingender Kommunikation zwischen

den Geschlechtern unentbehrlich und nicht zuletzt besonders wichtig für die

Verabredung von Verhütungsmethoden, für die Durchsetzung individueller

Schutzbedürfnisse.

Verstärkt wird der Trend zu problematischer bzw. nicht erfolgreicher Face-to-face-

Kommunikation durch die rasante Nutzung der neuen Medien zur Kontaktanbahnung

oder für Verabredungen. Die anfängliche Anonymität wird einerseits sehr geschätzt,

aber andererseits auch zunehmend missbraucht. Der Ansatz, kommunikative

Kompetenzen zu fördern wird aus unserer Sicht immer wichtiger (vgl. o.).

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Es bleibt dabei, Emanzipation, Selbstbewusstsein und –bestimmung mit sozialer

Verantwortung und solidarischem Handeln in Einklang zu bringen, ist eine zentrale

Aufgabe von Erziehung, (Aus-) Bildung und Präventionsarbeit (Vgl. „Ziele“, o.).

Auch vor diesem Hintergrund ist eine optionale Einbeziehung des Spezialthemas

„Homosexualität“, welches durch die Richtlinien zur Sexualerziehung zum

verbindlichen Thema aufgewertet wurde, wichtig. Umso mehr, als auf den

Schulhöfen wieder deutlich mehr verbale Ausgrenzungsattacken zu vernehmen sind.

Das passt leider zur oben beschriebenen Tendenz. Die nach wie vor stark

klischeegeprägte Vorstellung vom „Schwul-Sein“ gilt sehr häufig geradezu als das

Antivorbild für Jungen. Trotz aller gesamtgesellschaftlichen Fortschritte im Feld der

Akzeptanz und Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen, gilt es

hier aus Sicht des Verfassers sehr genau zu beobachten und frühzeitig den

Anfängen neuer Diskriminierungstendenzen zu wehren.

Hier sei wieder einmal der Hinweis gestattet, dass beim Youthworker der AIDS-Hilfe

Duisburg /Kreis Wesel e.V. die sog. „SCHLAue Kiste“ des MAGS NRW mit Medien

und Materialien zur schwul-lesbischen Aufklärungsarbeit prinzipiell auszuleihen ist.

Darüber hinaus können über den Youthworker der AIDS-Hilfe (ggf. im Verbund mit

dem „Herzenslust-Team der AH) Multiplikatorenfortbildungen zu diesem Themenfeld

vereinbart werden.

Durch Veranstaltungen im Sektor Youthwork und Präventionsveranstaltungen in der

Allgemeinbevölkerung konnten wir im Berichtsjahr über 6.660 Personen mit

personalkommunikativen Formen erreichen, davon 180 sog. Multiplikator/innen

(Lehrkräfte und sonstige Pädagog/innen sowie ehrenamtliche Mitarbeiter/innen).

Allein im schulischen Bereich (-> Youthwork-Angebote) erreichten wir 1471

Jugendliche aus allen Schulformen, über 690 in außerschulischen

Zusammenhängen wie offener Jugendarbeit u.a. und über 4200 Jugendliche im

Rahmen von personalkommunikativen Formen bei Großveranstaltungen (wie z.B.

beim Jugendfestival in Wesel). 31 % der Jugendlichen kamen aus dem

Alterssegment zwischen 14 und 17 Jahren, 19 % der Jugendlichen hatten einen

Migrationshintergrund.

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5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche und Multiplikatoren

Erfreulich war auch in diesem Berichtszeitraum erneut die Nachfrage nach

Präventionsberatungen von Schüler/innen, die für Fach- oder Projektarbeiten

unseren Rat suchten. Dies ist gewiss auch als Zeichen zu deuten, dass die AIDS-

Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bei vielen Schulen als gute und wichtige

Anlaufstelle bekannt ist. Über das direkte Aufsuchen lassen sich im Übrigen leicht

denkbare Schwellenprobleme abbauen. Zudem können wir hierüber natürlich auch

unsere Youthwork-Angebote bekannt machen.

Aus dem Bereich berufsbildender Einrichtungen (z.B. Berufskollegs, insbesondere

der Sektor der sog. Berufsgrundschuljahre) gab es im Berichtsjahr stabil hohe

Anfragen zu vermerken. Hier finden wir in der Regel wichtige Zielgruppen;

Jugendliche im Alter zwischen 16 und 25 Jahren, die oftmals problembehaftete

Sozialisationen und einen geringen Grad an Aufklärungsniveau (z.T. auch

migrationsbedingt) aufweisen.

Bis auf einzelne Ausnahmen – vorwiegend im Zusammenhang mit schulischen

Projekttagen und im Umfeld des Welt-AIDS-Tages – sind direkte Kooperationen mit

Einrichtungen der offenen Jugendarbeit eher selten. Dass wir hier allerdings auch

keine Offensiven starten konnten, hat unsererseits einfach mit Kapazitätsgrenzen zu

tun.

5.6.4 Multiplikatoren- und Erwachsenenbildung

Wie bereits erwähnt, investiert die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. viel in die

Aus- und Weiterbildung ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen, ohne die einfach die

Vielzahl an Anfragen auch aus diesem Präventionsfeld nicht befriedigt werden

könnten. Dies ist und bleibt eine wichtige Aufgabe, der wir uns gerne widmen. Dazu

führen wir u.a. alljährlich intensive Grundlagenausbildungen (s. 6.) im Verbund mit

drei anderen Ruhrgebiets-AIDS-Hilfen durch, um darüber einerseits den

Ehrenamtler/innen eine Möglichkeit zu bieten, ein Einsatzfeld zu finden, dass Ihren

Ressourcen, Fähigkeiten und Neigungen entspricht und andererseits sie gemäß

unserer Qualitätsstandards auszubilden und zu rüsten und die vorhandene

Motivation zu stärken. In 2006 hatten wir diese Schulungsreihe erstmalig inhaltlich

stark auf die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit konzentriert und ein reformiertes

Seminarkonzept entwickelt. Diese neue Form ist nach der Evaluation wieder ein

wenig zurückgeschraubt worden, da von Seiten der Teilnehmer/innen ein großer

Bedarf an möglichst umfassendem Einblick in die Vielfältigkeit der Arbeitsgebiete von

AIDS-Hilfen geäußert wurde. Für den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit ist dies

sicherlich auch besonders bedeutungsvoll, da es ja auch um die Außendarstellung

dessen geht, was insgesamt geleistet und angeboten wird. Es spricht aber vieles

dafür, ehrenamtliche Ressourcen gerade auch im Bereich der (Primär-)

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Präventionsarbeit weiter zu mobilisieren und zu qualifizieren, z.B. für den peer-to

peer-Ansatz. Die aktiven Ehrenamtler/innen sind unsere wichtigste Ressource und

die wichtigsten Multiplikator/innen.

Eine weitere ganz wichtige Gruppe von potentiellen MultiplikatorInnen sind in diesem

Präventionsfeld natürlich die Lehrenden in schulischen und außerschulischen

Einrichtungen. Die Anfragen nach Lehrerfortbildungen im Hinblick auf und im Vorfeld

von Projektformen bleiben allerdings weiterhin noch hinter den Vorjahren zurück.

Dies hat unter anderem mit den vielfältigen Veränderungen im Schulbereich mit

erheblichen Zusatzbelastungen für die Lehrkräfte zu tun. Fortbildungen, die mit

Unterrichtsausfall verbunden sind, sind nicht leicht zu installieren.

Das Themenspektrum reicht hier von der Präsentation des aktuellen Wissensstandes

zu HIV und AIDS über die epidemiologische Entwicklung und daraus resultierender

Präventionskonsequenzen und –strategien bis hin zu Aspekten spezieller Fortbildung

im Feld der Kommunikation, wie Gesprächsführung und Moderation.

Auch vor diesem Hintergrund erweisen sich die erwähnten

Präventionsvernetzungsaktivitäten als höchst sinnvoll. Darüber lassen sich

Synergieeffekte erzielen, mittelfristig gesehen Ressourcen zusammenführen und

nicht zuletzt Chancen eines ökonomischeren Haushaltens mit den vorhandenen

Kapazitäten entwickeln.

Umso mehr gewinnt das Feld der Multiplikatorenausbildung an Bedeutung. Ein

zentrales Anliegen ist es, die Präventionsthemen und die damit verbundenen Ziele

an Schulen und in außerschulischen (Jugend-) Einrichtungen möglichst ganzjährig

zu platzieren. Geschulte Pädagog/innen, Erzieher/innen oder Sozialarbeiter/innen

und –pädagog/innen sollten diese repräsentieren, zumindest mit

Verweisungskompetenzen ausgestattet sein und als AnsprechpartnerInnen für die

Jugendlichen bekannt sein/ werden.

Einmal mehr gut angenommen wurde hier wieder die im Berichtsjahr angebotene 8.

Fachtagung des Präventions-Vernetzungskreises Duisburg am 01. April. Unter dem

Titel „Zu den Risiken und Nebenwirkungen von Sexualität fragen Sie bitte …“

befassten sich fast 80 Teilnehmer/innen schwerpunktmäßig mit den

jugendspezifischen Angeboten und Möglichkeiten der im Arbeitskreis vernetzten

Einrichtungen lernten neben inhaltlichen Anregungen und methodischen

Zugangsformen die Präventionsinfrastruktur in Duisburg kennen.

Der Vernetzungskreis „ProVer“ für die Region um Dinslaken hat sich auf einen

regelmäßigen Erfahrungsaustausch (2 x p.a.) verständigt, mehr ist zur Zeit leider

nicht leistbar. Dennoch erweist sich der gepflegte Kontakt als ungemein sinnvoll, weil

einige Kooperationen über das Jahr verteilt so leichter einzustilen und zu verabreden

sind.

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5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung

Hier sind im Wesentlichen Fortbildungsveranstaltungen in Krankenpflegeschulen, bei

sonstigen Pflegeanbietern und im medizinischen Versorgungssystem verortet. Auch

in diesem Bereich verzeichnen wir stabile Nachfragen und hocherfreuliche

Rückmeldungen. Insbesondere wird geschätzt, dass wir von der medizinischen Seite

bis zu den Tiefen im psychosozialen Bereich die ganze Bandbreite des komplexen

Themenfeldes rund um das Phänomen „HIV / AIDS und andere sexuell übertragbare

Krankheiten“ abdecken können. Nicht zuletzt auch in diesem Tätigkeitsfeld bewährt

sich das „3-Säulen-Modell AIDS-Hilfe“ mit der Verbindung von Selbsthilfe-,

Interessen- und Fachverband sowie der Ansatz der Strukturellen Prävention.

5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Anzuführen sind hier für den Stelleninhaber :

Beteiligung an der Grundlagenausbildung für EhrenamtlerInnen in der

Ruhrgebietsvernetzung der AIDS-Hilfen

Präventionsvernetzungsarbeit im Kreis Wesel und Duisburg

Vertretung der AH DU / KW e.V. bei den NRW-Youthworker-

Arbeitskreisen und dem Youthwork-Qualitätszirkel

Evaluation im Rahmen des Verfahrens beim Youthwork-

Förderprogramm-Controlling des MAGS, NRW

Beratung / Information für Zeitungs- und Radio-Redaktionen sowie für

politische Entscheidungsträger

Koordinierung von haupt- und ehrenamtlichen Einsätzen bei

Informations- und Präventionsprojekten

Einarbeitung in und Bereitstellung von Materialien für Lehrende und

Multiplikator/innen

Beratung von pädagogischen Fachkräften bzgl. der Unterrichts- oder

Projektgestaltung zum Thema HIV / AIDS und anderer STI`s

Telefonische und persönliche Informations- und Beratungsgespräche

E-mail Beratung

Unterstützung von Jugendvertretungs- und

SchülerzeitungsredakteurInnen

Geschäftsführung

u.a.m. (Vgl. 4. Öffentlichkeitsarbeit)

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Abb.: Veranstaltungsverteilung nach Arbeitsfeldern

6. Ehrenamtliche Mitarbeit

6.1. Begleitung der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen

Im Berichtsjahr waren 26 Personen ehrenamtlich für die AIDS-Hilfe tätig.

Die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen engagieren sich in den vielfältigen

Aufgabengebieten der AIDS-Hilfe. Diese umfassen die Begleitung, Knastarbeit,

Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit, Herzenslust, Methadonvergabe, Telefon- und

E-Mail-Beratung, Chat-Beratung, Vorstandsarbeit, Freitagsfrühstück,

Substitionsfrühstück und Weihnachtsfeier. Einige ehrenamtliche MitarbeiterInnen

arbeiten in mehreren Bereichen, andere unterstützen die Arbeit der AIDS-Hilfe

punktuell.

Die ehrenamtlichen MitarbeiterInnnen sind in den unterschiedlichsten Berufen aktiv,

sind HIV-negativ oder HIV-positiv, setzen sich aus Frauen und Männern aus allen

sozialen Lebensbereichen zusammen und stammen aus den unterschiedlichsten

politischen Richtungen. Dies bedeutet für die Arbeit der AIDS-Hilfe einen enormen

Erfahrungsschatz, der in unsere Arbeit mit einfließt.

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Eine Möglichkeit des Austausches bietet weiterhin unser Mittwochs-Café (siehe auch

Punkt 3.5). Hier ist der zentrale Anlaufpunkt, um sich mit Betroffenen zu treffen oder

untereinander oder mit den hauptamtlich Tätigen auszutauschen.

Im Berichtsjahr fanden – wie in 2008 beschlossen - im Anschluss an das Mittwochs-

Café zwei Aktiventreffen (Juni und Oktober) und ein „Sonder-Aktiventreffen“

(Dezember) statt. Bei diesen Aktiventreffen sollen die Mitglieder zwischen den

Mitgliederversammlungen aktuell informiert und in Entscheidungsprozesse mit

eingebunden werden. Des Weiteren soll ein Austausch zwischen den einzelnen

ehrenamtlichen Gruppen erfolgen.

Die Hauptthemen des Juni Treffens waren die Vorbereitungen zum CSD in Duisburg,

der Stand der Dinge zur Benefiz-Veranstaltung im Juni, das Positionspapier zu EKAF

der DAH und die Ergänzung unseres Namens um den Zusatz „Fachstelle für

sexuelle Gesundheitsförderung“.

Im Oktober-Treffen ging es um WAT-Planung und Organisation der Weihnachtsfeier.

Beide Aktiventreffen waren mit 15 Personen gut besucht.

Das Dezember-Aktiven-Treffen ist traditionell als Termin für den Dank an die

ehrenamtlichen MitarbeiterInnen für Ihre geleistete Arbeit bestimmt. An diesem

Termin kochten die hauptamtlichen MitarbeiterInnen für die ehrenamtlichen

MitarbeiterInnen. Der Abend bot die Möglichkeit, sich bei kulinarischen Genüssen in

gemütlicher Atmosphäre über den Verlauf des Jahres auszutauschen.

6.2. Schulung und Fortbildungen für ehrenamtliche MitarbeiterInnen

Wie im Vorjahr geplant, fand in Kooperation mit den AIDS-Hilfen Bochum, Essen und

Oberhausen eine Ehrenamtlerschulung für zukünftige ehrenamtliche Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter Anfang des Jahres 2009 statt. Aufgrund der wenigen

TeilnehmerInnen aus den beteiligten AIDS-Hilfen nahmen auch Interessierte von der

AIDS-Hilfe Kleve an der Schulung teil. Die Schulung umfasste folgende Themen:

Termin Zeitrahmen Inhalt

MO 19.01.09 19.00-21.30 Uhr Grundlagenwissen Teil 1

MO 26.01.09 19.00-21.30 Uhr Grundlagenwissen Teil 2

DI 03.02.09 19.00-21.30 Uhr Positiv sein – was heißt

das?

MO 09.02.09 18.00-22.00 Uhr Kommunikation und

Wahrnehmung

SO 15.02.09 10.00-18.00 Uhr Liebe, Sexualität und

Partnerschaft

DI 24.02.09 19.00-21.30 Uhr Xxelle/Herzenslust

Kampagne

MO 16.03.09 19.00-21.30 Uhr Illegalisierte Drogen,

Knast und Substitution

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Leider war diese Gruppe sehr fragil, die TeilnehmerInnen aus Kleve besuchten in der

Mehrzahl nur die Abende Grundlagenwissen Teil 1 und Teil 2. Einige Abende waren

nur mit 2-3 TeilnehmerInnen besucht. Obwohl aus unserer AIDS-Hilfe nur zwei

Teilnehmer an der Schulung teilnahmen, stellten wir bis auf einen Abendtermin

traditionell mindestens einen Trainer bzw. Trainerin und drücken damit die

Wichtigkeit der Schulung aus.

In der Nachbetrachtung stellte sich heraus, dass die Anfahrtswege für die

ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der AIDS-Hilfe Kleve doch zu weit sind, um an der

vernetzten Schulung der bisherigen AIDS-Hilfen teilzunehmen. Daher wurde eine

weitere Zusammenarbeit für die Zukunft zunächst ausgesetzt.

Da die AIDS-Hilfe Essen hauptsächlich ehrenamtliche Mitarbeiter in der HIV-

Prävention bei MSM hat und diese die Schulung auf Landesebene durch die AIDS-

Hilfe NRW erfolgt, überlegt die AIDS-Hilfe Essen, sich aus der Vernetzung

auszuklinken.

Externe Fortbildungen

Weiterhin besteht in unserer Einrichtung ein Fortbildungsetat für ehrenamtliche und

hauptamtliche MitarbeiterInnen. Nicht nur im eigentlichen HIV/AIDS-Bereich, sondern

auch bei anderen sexuell übertragbaren Krankheiten und in der Sozialgesetzgebung

ergeben sich immer schneller Veränderungen. Fortwährende Weiterbildungen

garantieren somit eine kompetente und aktuelle Beratung.

Im Berichtsjahr sind hierzu insbesondere der SÖDAK (Schweizerisch-Österreichisch-

Deutscher AIDS-Kongress) zu erwähnen. Des Weiteren buchten wir die

Medizinische Rundreise der Deutschen AIDS-Hilfe zum Thema „Sexuelle Gesundheit

schwuler Männer“. In Kooperation mit der AIDS-Hilfe Oberhausen führten wir je ein

Fachgespräch in Duisburg und Oberhausen durch (näheres in Kapitel

Öffentlichkeitsarbeit).

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Bericht der Kassenprüfer /in

Edgar Böhme und Christa Lemm.

Am 21.04.10 wurden von uns die Kassenbelege und Bestände nach

unserem besten Wissen und Gewissen überprüft. Wir konnten keine

Abweichungen feststellen.

Alle Belege waren vollständig und fortlaufend nummeriert, auch

inhaltlich stimmten die Belege mit den Statuten des Vereins überein.

Der Kassenbestand am 31.12.09 belief sich auf 84,98 € . Die Summe

aller Bank und Sparkassenkonten und Sparbücher betrug 145.503,73 € .

Alle Buchungseintragungen waren mit Belegnummern versehen. Die

Verbuchung aller Belege der Monate September, Oktober und

Dezember 09 wurden überprüft. Dabei konnten keine Beanstandungen

festgestellt werden.

Spenden, sind durch Überweisungsbelege oder Einzahlungsquittungen

belegt.

Barauszahlungen waren durch den Empfang quittiert.

Der letzte Körperschaftssteuerfreistellungsbescheid wurde am

21.10.2008 erteilt.

Weiterhin haben wir die Existenz von Vereinsträgern überprüft (/

Haftpflicht, Feuer, Einbruch und Leitungswasserschäden).

Der Verein kommt seiner gesetzlichen Pflicht zur Unfallversicherung der

Haupt- und Ehrenamtlichen Mitarbeiten bei der Berufsgenossenschaft

nach.

Lohnsteuer und Sozialversicherungspflicht wurde überprüft.

Die Beträge wurden ordnungsgemäß abgeführt.

Die Kassenprüfer empfehlen der Hauptversammlung den Vorstand für

das Jahr 2009 zu entlasten.

7. Bericht der Verwaltung

Finanzbuchhaltung

Doppelte Buchführung, Kontierung, Monats-/Jahresabschluss, Erstellung der

jährlichen Einnahme-Überschuss-Rechnung und Mitarbeit bei der Erstellung des

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jährlichen Haushaltsplanes der AIDS-Hilfe, Erstellung von Quartalsübersichten,

Kontoführung, Beleg- und Rechnungsprüfung, ordnungsgemäße Belegablage,

allgemeiner Finanzverkehr, Korrespondenz

Kasse

Verwaltung von Bargeld (Einnahmen und Ausgaben), Ausstellen von Quittungen,

Belegprüfung, Kassenbuchführung, Monatsabschluss, Kassenabstimmung

Personalwesen

Personalführung: Lohn-/Gehaltskarten, Fehlkarten (für Urlaub, Sondertage,

Krankheitstage) Lohnsteuerkarten, Versicherungsnachweis,

Lohn-/Gehaltsabrechnung;

Krankenkassen: An-/Abmeldungen, Beitragsrechnung zur Sozialversicherung

(Kranken-/ Renten-/Arbeitslosenversicherung);

Finanzamt: monatliche Lohnsteueranmeldung und Abführung der Lohn- und

Kirchensteuer;

EDV-Gehalts-Service: Prüfung der Abrechnungs-Journale, Kostenverteilung,

Meldungen und Beiträge an die Berufsgenossenschaft, Fahrt- und

Reisekostenabrechnungen;

Personalmittel: Anträge an Bund, Land NRW und Kommunen,

Zuwendungsbescheide, Verwendungsnachweise, Verwaltungsarbeiten im Bereich

Zivildienst (Personalaktenführung, Soldabrechnung);

Arbeitszeitnachweis: monatliche Ausrechnung der Soll-/Ist-/Überstunden für

Mitarbeitende;

Bußgeldauflagen

vom Land-/Amtsgericht zugunsten der AIDS-Hilfe; Kontrolle der Bußgeld- bzw.

Bußgeldratenzahlungen, Verwendungsnachweise der Bußgelder gegenüber dem

Gericht, Korrespondenz

Vereinsmitglieder

Kontoführung über gezahlte Vereinsbeiträge, Mahnungen bei Nichtzahlung,

Zuordnung neuer Mitglieder, Nummernvergabe, Mitgliedschaftsbestätigungen

Spenden

Vor- und Nachbereitung der rechtlichen und organisatorischen Spendenformalitäten

(z. Bsp. bei Veranstaltungen und Straßensammlungen; Sammelerlaubnis;

Einnahmemeldungen), Dankschreiben und Ausstellung von

Spendenbescheinigungen, Akquise von Spenden allgemein und zweckgebundenen

Spenden (z. Bsp. Positivenfreizeit)

Terminsachen

Einhaltung von Terminen bei Korrespondenz und Zahlungen, z. Bsp.

Mitgliedsbeiträge der AIDS-Hilfe an diverse Organisationen und Vereine,

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Versicherungen, Kfz-Steuer, Lohnsteuer, Krankenkassenbeiträge, Lohn- und

Gehaltsüberweisungen, Verwendungsnachweise, Mieten

Schreibarbeiten

allgemeine Korrespondenz, Protokolle. Konzepte, Statistik, etc...

Zusätzliche Bürotätigkeit

Einkauf von Büromaterial, Inventarbeschaffung, Spritzen, Tupfer, Kondome,

Schleifen, telefonische Beratungsgespräche, Überbrückung von Wartezeiten bei

Klienten und bei Krisenintervention, Vorbereitung für die Jahreshauptversammlung

der Vereinsmitglieder

Wochenendvergabe Methadon

Organisation der Wochenendvergabe, am Freitag bzw. vor Feiertagen Erstellen der

Listen mit den Klienten für die Methadonvergabe in der AIDS-Hilfe. Annahme des

Methadons von den Apotheken und Aufteilung nach den Vergabeterminen.

Abgabe der Kassetten mit dem Methadon bei der Kriminalpolizei.

Sonstiges

Teilnahme an Teamsitzungen (wöchentlich), Supervision (monatlich),

Fortbildungsseminare für den Bereich Personalwesen, Telefondienst,

Spritzentauschprogramm

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Anhang und Pressespiegel

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