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ahdukw-jb2004.pdf

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Inhaltsverzeichnis..............................................................................Seite

1. Geschäftsbericht 2004...................................................................................................... 5

2. Beratung:........................................................................................................................10

2.1 Persönliche Beratung ...............................................................................................10

2.2 Telefonische Beratung...............................................................................................10

2.2.1 Durch hauptamtliche MitarbeiterInnen ...............................................................10

2.2.2 Durch ehrenamtliche MitarbeiterInnen ...............................................................11

2.3 E-Mail Beratung........................................................................................................12

2.4 Zahlen, Daten Fakten ...............................................................................................12

2.4.1 Auswertung der E-Mail Beratung: ......................................................................13

2.4.2 Auswertung der Telefonberatung am Montagabend:............................................14

2.4.3 Auswertung der Homepage-Besuche: ...............................................................15

2.4.4 Auswertung der telefonischen Beratungsgesprächen während der Öffnungszeiten

...................................................................................................................................15

2.4.5 Auswertung der Daten von der abendlichen Telefon- und E-Mailberatung und

deren Interpretation bezüglich Tendenzen und Klientel ................................................15

3. Begleitung ......................................................................................................................17

3.1. Einzelbegleitung ......................................................................................................17

3.2. Begleitergruppe .......................................................................................................18

3.3 Positivenfond............................................................................................................19

3.4 Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern ...............................................................21

3.5 Angebote für HIV-Positive ........................................................................................22

3.6 Trauerarbeit..............................................................................................................25

4. Öffentlichkeitsarbeit........................................................................................................26

4.1 AG Öffentlichkeitsarbeit ............................................................................................28

4.2 Veranstaltungen .......................................................................................................29

4.3 Benefiz-Veranstaltungen ..........................................................................................30

4.4 Veranstaltungen zum Welt-Aids-Tag 2004.................................................................31

4.5 Berichterstattungen in den Medien ...........................................................................36

4.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten ..........................................................................37

5. Prävention (zielgruppenspezifisch)..................................................................................38

5.1 Prävention bei Schwulen, Männern die Sex mit Männern haben und bisexuellen

Männern .........................................................................................................................38

5.1.1 Bestandsaufnahme zur Präventionssituation im Bereich schwuler Männer in

Duisburg und dem Kreis Wesel ..................................................................................38

5.1.2 Die Präventionskampagne der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V.

„Herzenslust“ ..............................................................................................................39

5.1.3 Ziele von Herzenslust ........................................................................................39

5.1.4 Das Herzenslustteam..........................................................................................40

5.1.5 Fachliche Begleitung...........................................................................................40

5.1.6 Aktionen in der Szene.........................................................................................41

5.1.7 Überregionale Beteiligung:..................................................................................44

5.1.8 Teilnahme an regionalen Arbeitskreisen, Kooperationen .....................................44

5.1.9 Überregionale Arbeitskreise................................................................................44

5.2 Drogen und Substitution ...........................................................................................45

5.2.1 Primär- und Sekundärprävention .......................................................................45

5.2.1.2. Suchtprävention bei Partydrogen ....................................................................45

5.2.2 Substitution........................................................................................................47

5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe...............................................................47

5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter (PSB) ................................................4. 7

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten DrogengebraucherInnen ....................48

5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen“ am 21. Juli......49

5.3 HIV und Strafvollzug.................................................................................................51

5.3.1 Die Anstalten und Gerichte ................................................................................51

5.3.2 Tätigkeiten der AIDS-Hilfe...................................................................................52

5.3.3 Begleitung..........................................................................................................52

2


5.3.4 Prävention ..........................................................................................................52

5.3.5 Schulung der Bediensteten aus den Justizvollzugsanstalten, Amtsgerichten und

Justizbehörden zu den Themen HIV und Hepatitiden ...................................................53

5.3.6 Drogen - Knastgruppe.........................................................................................53

5.3.7 Landesarbeitskreis..............................................................................................54

5.4 Frauen und AIDS, Prostitution ..................................................................................55

5.4.1 Frauen und AIDS ...............................................................................................55

5.4.1.1 Sicherstellung und Ausbau der Versorgungsstrukturen für Frauen mit HIV und

AIDS...........................................................................................................................55

5.4.1.2 Öffentlichkeitsarbeit in dem Bereich „Frauen und AIDS’....................................57

5.4.1.3 Präventionsarbeit bei Frauen aus benachteiligten Verhältnissen ......................58

5.4.1.4 Teilnahme an Arbeits- und Vernetzungskreisen und landesweite Gremienarbeit

...................................................................................................................................58

5.4.2 Präventionsarbeit mit Sexarbeiterinnen und illegalisierten DrogengebraucherInnen

...................................................................................................................................59

5.4.2.1 Prostitution.............................. ........................................................................59

5.4.2.2 Präventionsarbeit mit illegalisierten DrogengebraucherInnen............................59

5.5 Migration...................................................................................................................59

5.5.1 Migration und Begleitung ...................................................................................59

5.5.2 Arbeitskreis Afrika..............................................................................................60

5.6 Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung ................................................61

5.6.1 Veranstaltungsinhalte ........................................................................................62

5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork.....................................................................62

5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche und Multiplikatoren ....................65

5.6.4 Multiplikatoren- und Erwachsenenbildung...........................................................65

5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung ..............................................................66

5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten ...................................................................67

6. Ehrenamtliche Mitarbeit...................................................................................................68

6.1. Begleitung der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen.......................................................68

6.2. Schulung und Fortbildungen für ehrenamtliche MitarbeiterInnen ...............................68

7. Bericht der Verwaltung ...................................................................................................70

Finanzbuchhaltung .....................................................................................................70

Kasse ..........................................................................................................................70

Personalwesen ...........................................................................................................70

DAS-Anträge ...............................................................................................................71

Bußgeldauflagen .........................................................................................................71

Vereinsmitglieder........................................................................................................71

Spenden .....................................................................................................................71

Terminsachen.............................................................................................................71

Schreibarbeiten ...........................................................................................................71

Zusätzliche Bürotätigkeit..............................................................................................71

Wochenendvergabe Methadon...................................................................................71

Sonstiges....................................................................................................................71

Bericht der Kassenprüfer Karl-Heinz Winkel und Hans-Jürgen Otto. ................................72

8. Übergreifende Selbsthilfeinitiativen..................................................................................73

8.1. Selbsthilfegruppe und Förderverein SHAlk e.V. ........................................................73

8.2. Gay nach Wesel ......................................................................................................73

8.3. Junge Unschuld.......................................................................................................75

8.4. Hepatitis Selbsthilfegruppe ......................................................................................75

9. Anlagen Pressespiegel...................................................................................................76

3


1. Geschäftsbericht 2004

Der Vorstand (v.l.n.r.): Peter Külpmann, Lisa Kramm, Rolf Ringeler, Karl-Heinz Lemke, Hans Binnenhey

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. blickt w ieder einmal auf ein spannendes

und recht ungewöhnliches Jahr zurück.

Das Berichtsjahr nahm einen fast schon ungewohnten Verlauf, denn es war ein Jahr,

in dem wir uns voll und ganz auf die inhaltliche Arbeit einer AIDS-Hilfe konzentrieren

konnten, in dem wir keine nennenswerten Existenzsicherungskämpfe ausfechten

mussten.

Mit Verabschiedung des Doppelhaushaltes 2004/2005 des Landes NRW am 28.

Januar 04 erhielten wir Planungssicherheit für die anstehende Arbeit und konnten

einen großen Erfolg unserer rsp. der landesweiten Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit

(=> „Säge-Weg-Kampagne“) verbuchen. Denn die ursprünglich formulierten

Kürzungspläne der Landesregierung im AIDS-Etat wurden vollständig

zurückgenommen.

Auch die kommunalen Zuwendungsgeber entwickelten keine neuen „Tränenlisten“

und konzentrierten sich auf die spannenden Kommunalwahlen im September des

Berichtsjahres, die jeweils neue Mehrheitsverhältnisse in Duisburg und dem Kreis

Wesel ergaben. Für die AH haben sich daraus bisher keine Veränderungen ergeben.

Unser Dank gilt allen Beteiligten aus Politik und Verwaltung auf kommunaler und

Landesebene, die sich für den Erhalt unserer Arbeitsstrukturen eingesetzt haben.

Unser Versprechen vom letzten Jahr, die erreichte Planungssicherheit für

intensivierte inhaltliche Arbeit zu nutzen, haben wir eingehalten, wie der vorliegende

Bericht zeigen wird.

Hilfreich war dabei zudem, dass es - im Unterschied zum letzten Jahr – keine

personellen Veränderungen gab, weder im Vorstand noch im hauptamtlichen Team

und somit eine kontinuierliche Arbeit möglich war.

5


Was die Absicherung der über sog. „zielgruppenspezifische Präventionsmittel“ des

Landes NRW finanzierten Projektstellen betrifft (die für unsere Personalstruktur einen

bedeutenden Anteil ausmachen), konnten im Herbst des Berichtsjahres auch die

Weichen für 2005 erfolgreich gestellt werden.

Dass selbst ein derart stabiler Fluss öffentlicher Zuwendungen zur Aufrechterhaltung

des Geschäftsbetriebes und zur Wahrnehmung der vielfältigen Angebotspalette der

AH Du/KW e. V. nicht zu kostendeckender Haushaltsführung ausreicht, ist für die

Leser der Jahresberichte nicht neu. Angesichts steigender Kosten in nahezu allen

Geschäftsbereichen, wächst der Bedarf an zusätzlichen Einnahmen Jahr für Jahr.

Neben einer – traditionell – sehr umsichtigen Haushaltsführung trugen im

Berichtsjahr unverhofft viele Benefiz-Veranstaltungen (2003 keine!), eine

Neuregelung der Methadon-Vergabepraxis in Duisburg und eine recht gute

Spendenakquise im Rahmen der West-Aids-Tags-Veranst altungen dazu bei, dass

wir für das Berichtsjahr eine ausgeglichene Haushaltsbilanz vorlegen können.

Angesichts der relativen `Ruhe´ (s. o.) auf dem Feld der Existenzsicherung, konnten

auch die (inneren) Reformaktivitäten vorangetrieben werden.

Der Prozess zu einem neuen Leitbild gewinnt zunehmend Kontur. Die neuen

Leitlinien im Sektor der Begleitungsarbeit konnten auf der diesjährigen

Mitgliederversammlung verabschiedet werden. Die Leitlinien für die Bereiche

„Beratung“ und „Prävention/Öffentlichkeitsarbeit“ sind in Bearbeitung.

Befördert wurde dieser Prozess im Berichtsjahr nicht nur durch intensive

Diskussionen in den inneren Vereinsgremien, sondern insbesondere auch im

Rahmen der Verbandsarbeit auf den Mitgliederversammlungen der Deutschen-Aids-

Hilfe e. V. und der AIDS-Hilfe NRW e. V. sowie in d en einzelnen

Landesarbeitsgemeinschaften und Vernetzungsstrukturen.

Die Frage nach der Zukunft und der Ausgestaltung der (strukturellen) AIDS-

Prävention muss angesichts der erheblichen Veränderungen im Kontext von HIV und

AIDS einen breiten Raum einnehmen, wenn das „Modell-Aids-Hilfe“ in seinen

Strukturen, Arbeitsansätzen und –qualitäten als zukunftsfähig angesehen werden

soll. Das Potential ist da, wichtige Erfahrungswerte vorhanden – die deutsche und

insbesondere nordrhein-westfälische Geschichte der AIDS-Prävention ist eine

Erfolgsgeschichte, die keinen Vergleich scheuen muss und die u. E. Modellcharakter

auch für andere Krankheitsbilder besitzt.

Der Ansatz der strukturellen Prävention, die konsequente Einbeziehung der

Patientenkompetenzen in die Gesundheitsförderung, die niedrigschwelligen,

zielgruppen- und settingorientierten Arbeitsansätze sind weiterhin beispielhaft,

wenngleich zweifellos hier und da renovierungsbedürftig. Die voranschreitende

Ausdifferenzierung der Zielgruppen, die Tendenz zu einer Normalisierung des

Krankheitsbildes (im Sinne von chronischer Erkrankung), die Focuserweiterung in

Richtung anderer sexuell übertragbarer Krankheiten (STD`s wie HBV, Syphilis,…….)

rsp. der Paradigmenwechsel zur sexuellen Gesundheitsförderung und die

Veränderungen im sozialrechtlichen (Hartz IV u. a.) und gesundheitspolitischen

(GMG, ….) Bereich verlangen dies zwingend.

6


Auf der personellen Qualifikationsebene gab es im Berichtsjahr den

Fortbildungsschwerpunkt zu den „STD´s“; ferner galt es, Meinungsbilder zu den sog.

„Impfstoff-Studien“ zu entwickeln und natürlich die fortlaufende Beschäftigung mit der

Entwicklung der antiretroviralen Therapien sowie deren erwünschten und

unerwünschten Wirkungen und Nebenwirkungen.

Die „alten“ und neuen Kenntnisse konnten ganz im Sinne des Verständnisses vom

Fachverband nicht nur nach innen kommuniziert werden, sondern konnten in drei

überregionalen Fachtagungen in Duisburg einem großen Publikum von

MultiplikatorInnen vermittelt werden. Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. hat

hier als (Mit-)Initiatorin der Fachtagung des Präventions-Vernetzungskreises

Duisburg zu primärpräventiven Aspekten bei Jugendlichen und jungen Menschen

(09.06.04), auf der Fachtagung „Welten begegnen sich……“ (Interkulturelle Aspekte

der HIV-Versorgung von Menschen aus Afrika; 13.10.0 4) sowie bei der Fachtagung

zum Motto des diesjährigen WAT „Frauen, Mädchen HIV und AIDS“ am 01. Dez. 04

im Rathaus Duisburg mitgewirkt.

Im Kernfeld der Begleitung (sekundär- und auch im Berichtsjahr Tertiärprävention)

wächst der Anteil an sozialrechtlicher Beratungs- und Unterstützungsarbeit. Ein

Schwerpunkt der Funktion der AH als Interessenverband ist es und wird es

zunehmend sein, die Entscheidungsträger und –gremien in Politik und Verwaltung

massiv auf die Armutsbeförderung für HIV-Positive rsp. an Aids-Erkrankte wie

generell für chronisch kranke Menschen durch die Reformaktivitäten im Gesundheits-

, Arbeits-, und Sozialwesen aufmerksam zu machen und dringend erforderliche

Nachbesserungen – v. a. im Bereich Härtefallregelungen – einzufordern.

Dies gilt allerdings auch für unsere primärpräventive Arbeit, bei der wir uns noch

intensiver um sozial benachteiligte Menschen kümmern müssen, die bezüglich der

Infektionsinzidenz und –prävalenz eine überproportionale Rolle spielen.

Strukturelle AIDS-Prävention ist u. a. weiterhin emanzipatorische Präventionsarbeit

in gesellschaftlichen Konfliktbereichen. Es geht weiterhin um Aspekte von sozialer

Diskriminierung von Homo- und Bisexuellen, um die Kriminalisierung von

DrogengebraucherInnen, um die Anerkennung von Menschen mit

Migrationshintergründen, um Marginalisierungstendenzen von Prostituierten und

Menschen in Haft und um die Defizite in der Um- und Durchsetzung von (sexuellen)

Selbstbestimmungsrechten von Frauen in besonderen Lebenslagen u. a.

Dazu – und zur Transparentmachung der Leistungen unserer AIDS-Hilfe, nicht

zuletzt der ehrenamtlich erbrachten Leistungen, bekamen wir im Juni des

Berichtsjahres auf Einladung des AK Soziales und Gesundheit der SPD-

Landtagsfraktion die einmalige Gelegenheit, dies im Landtag der zuständigen

Ministerin Frau Fischer und der Ministerialebene darzulegen.

7


Gemessen an den verfügbaren Ressourcen ist die Aufrechterhaltung unserer

Angebotspalette in unserem Zuständigkeitsgebiet (Großstadt und Flächenkreis)

alljährlich ein Kraftakt, der teilweise an Belastungsgrenzen stößt, wie es uns das

Ende des Berichtsjahres mit einem längeren, krankheitsbedingten Ausfall einer

hauptamtlichen Vollzeitkraft in der Hochphase des WAT-Geschehens deutlich vor

Augen führte.

Mit Ausnahme der Tatsache, dass die telefonische Ab endberatung mittwochs in

Wesel aufgegeben werden musste, konnten wir dennoch ansonsten alle Arbeits- und

Geschäftsbereiche aufrechterhalten. An dieser Stelle gilt unser besonderer Dank

einmal mehr unseren aktiven EhrenamtlerInnen.

Nicht nur für unsere Begleitungsarbeit bedeutete der totale Motorschaden unseres

Kleinbusses im Frühjahr einen schmerzlichen Verlust. Schnell zeigte sich, dass er für

viele Zwecke unerlässlich war. Die Entscheidung fü reine Neuanschaffung fiel leicht,

die Finanzierung naturgemäß schwer. Durch die freundliche Unterstützung der

Deutschen AIDS Stiftung und der Volkswagen AG konnt en wir jedoch den

Eigenanteil nennenswert reduzieren und einen Jahreswagen anschaffen. Wir sind

wieder mobil.

Abschließend möchten wir uns an dieser Stelle bei all jenen treuen Freund/Innen und

Förderern, Zuwendungsgebern und Sympathisant/Innen, sowie bei den Vertretern

aus Politik, Verwaltung, den Gesundheitsämtern, medizinischen- und Beratungseinrichtungen,

Schulen und sonstigen Kooperationspartnern und unseren Dachverbänden,

dem DPWV, der DAH e.V. und der AIDS-Hilf e NRW e.V. für ihre

Wertschätzungen, unterstützenden Aktionen und guten Wünsche im Berichtsjahr

aufs Herzlichste bedanken. Hieraus können wir Kraft und Motivation für die nächsten

Jahre schöpfen.

8


Zur finanziellen Situation:

Dank des Doppelhaushaltes 2004/2005 und der stabilen Landesprojektförderung

konnten wir uns in diesem Jahr ganz auf unsere Arbeit konzentrieren. Zudem haben

unsere kommunalen Träger, die Stadt Duisburg und der Kreis Wesel, trotz höchst

kritischer Haushaltslagen ihre Ergänzungsfinanzierungen weitgehend beibehalten.

Die Spendeneinnahmen sind im Jahr 2004 wieder etwas angestiegen, hier gilt u.a.

den Kirchengemeinden in Duisburg und dem Kreis Wesel ein besonderer Dank,

Zu dem gab es einige Benefiz-Veranstaltungen (siehe Punkt 4.3.) und ein Konzert im

Rahmen des WAT-Programms.

Zum WAT gilt es auch positiv zu berichten, dass unsere Aktionen rund um den WAT

auf den Weihnachtsmärkten in Voerde und Duisburg und zum 01.12. traditionell in

der Galeria Duisburg in finanzieller Hinsicht rech terfolgreich waren. Hier haben sich

unsere Verlosung, der Verkauf von Weihnachtssternen und Teddybären bewährt.

Auch das Sammelergebnis war sehr zufrieden stellend.

Aufgrund des erfolgreichen WAT´s, der Einnahmen von Spenden und den Erlösen

aus der Methadonvergabe an den Wochenenden- und Feiertagen konnten wir im

Jahr 2004 ein Plus verbuchen. Dies wurde, für einen dringend erforderlichen neuen

Info-Bus und für die Überbrückung der ersten Monate im Jahre 2005 benötigt.

Gerade im Bereich der „Zielgruppenspezifischen Prävention“ fließen die ersten Mittel

frühestens in den Monaten Mai/Juni. Die AIDS-Hilfe hat aber gegenüber ihren

Arbeitnehmern und anderen Vertragspartnern finanzielle Verpflichtungen, die auch

am Anfang des Jahres erfüllt werden müssen.

Perspektivisch benötigen wir dringend Mittel, um unsere alte Telefonanlage, und

auch unsere EDV-Technik, die zum größten Teil aus p rivaten PCs besteht, im

nächsten Jahr aufrüsten, bzw. neu anschaffen zu können.

An dieser Stelle sei für die finanzielle Unterstützung allen privaten Spendern,

öffentlichen Zuwendungsgebern, Vereins- und Fördermitgliedern sowie der

Stadtsparkasse Duisburg herzlicher Dank gesagt. Für das uns entgegengebrachte

Vertrauen bedanken wir uns.

Wir hoffen, dass der nachfolgende Tätigkeitsbericht transparent macht, was mit ihrer

finanziellen Unterstützung geleistet wurde und sind überzeugt, auch ihren

Vorstellungen entsprechend die zugewandten Mittel verwendet zu haben.

Weihnachtsfeier

Am 24.12. fand unsere inzwischen traditionelle Weihnachtsfeier statt.

In einem festlich geschmückten Raum wurde die weihnachtliche Atmosphäre

zunächst bei Kaffee und Kuchen für Gespräch unter den Teilnehmern genutzt.

Insgesamt waren es 38 Teilnehmer/ -innen, für die unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter

das Fest organisierten. Das reichhaltige Essen bestimmte den Höhepunkt des

Tages, der am Abend mit kleineren Geschenken und ei ner Weihnachtstüte für jeden

endete.

Den Organisatorinnen und Helfern, Spendern verschiedener Einrichtungen noch mal

ein herzliches Dankeschön für das gelungene Weihnachtsfest.

9


2. Beratung:

Die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. wurde, wie in den

vorangegangenen Jahren als ein Hauptschwerpunkt unserer Arbeit durchgeführt.

Bei der Beratung wurden überwiegend folgende Anfragen bedient:

Fragen zu Übertragungswegen von HIV, sexuell übertragbaren Krankheiten und

Hepatitiden, HIV-Antikörper-Testberatung, Fragen ru nd um die medizinische

Versorgung von HIV/AIDS und die Beratung von Menschen, die zeitnah Ihr positives

Testergebnis erhalten haben.

Die Beratung zu Hepatitiden wurde von den Ratsuchenden ebenfalls genutzt. Dies

jedoch nicht in demselben Ausmaß.

Unsere Beratungsangebote konnten von den Ratsuchenden wie folgt genutzt

werden:

Persönliche Beratung in der Einrichtung;

telefonische Beratung durch HauptamtlerInnen während der Öffnungszeiten in

Duisburg und Wesel;

telefonische und E-Mail Beratung durch die ehrenamtlichen Telefonberater in der Zeit

von 19.00-21.00 Uhr am Montag in Duisburg.

2.1 Persönliche Beratung

Während der Öffnungszeiten, sowie nach telefonischer Absprache außerhalb der

Öffnungszeiten, konnten Ratsuchende sich persönlich durch hauptamtliche

MitarbeiterInnen in unseren Büros in Duisburg und Wesel beraten lassen. Bei diesen

Beratungsgesprächen wurde auf eine ruhige und entspannte Atmosphäre geachtet.

Bei Bedarf konnten Ratsuchende, die anonym bleiben wollten, sich auch Termine

außerhalb der Öffnungszeiten und dem damit verbundenen Publikumsverkehr geben

lassen. Bei Beratungen bei Personen, die kürzlich hi r HIV-Positives Testergebnissen

erhalten haben, wurde im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe immer das Angebot

unterbreitet, mit einem HIV-Positiven zu Sprechen, der schon länger mit der Infektion

lebt. Dieses Angebot wurde häufig in Anspruch genommen.

Generell wurde die persönliche Beratung häufig von Menschen in Anspruch

genommen, die entweder die Befürchtung hatten, eine HIV-Infektion zu haben, oder

die kürzlich ihr HIV-Positives Testergebnis erhalten haben.

2.2 Telefonische Beratung

2.2.1 Durch hauptamtliche MitarbeiterInnen

Auch in diesem Jahr blieb die Zahl der Telefonberatungen während der Öffnungszeiten

(im Duisburger Büro: Montags von 8.30-14.00 Uhr, Dienstags bis Donnerstags

von 8.30-17.00 Uhr und Freitags von 8.30-16.00 Uhr; im Weseler Büro: Dienstags

von 14.00-17.00 Uhr und Donnerstags von 9.00-12.00 Uhr) sehr hoch. Die

überwiegend heterosexuellen Ratsuchenden wurden nach eingehender Erörterung

der Risikosituationen aufgeklärt. Falls erwünscht,wurden die Ratsuchenden zwecks

HIV-Antikörper-Test an das Gesundheitsamt verwiesen. Es wurde von unserer Seite

angeboten, einen Termin an dem Tag, wo das Testerge bnis

bekannt gegeben wird, mit uns festzulegen, um den Menschen ggf.

mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Unsere Beratungsnummern sind für Duisburg: 0203-19411 & 0700-

44533203 und für Wesel 0281-19411. Die Rufnummern wurden in

10


den örtlichen Zeitungen unter der Rubrik Beratung beworben. Regelmäßig wurde die

Bewerbung kontrolliert, da die Rubrik von vielen Vereinen genutzt wird, und die

Einstellung der Rufnummer kostenlos ist.

Die Beratungsnummern wurden durch Beantragung bei der Regulierungsbehörde für

Telekommunikation und Post anonymisiert. Dadurch werden bei einem Anruf über

diese Rufnummer die Nummern der Ratsuchenden unterdrückt und bei dem

Ratsuchenden erscheint die Beratungsnummer nicht in der detaillierten

Telefonrechnung.

2.2.2 Durch ehrenamtliche MitarbeiterInnen

Die ehrenamtliche Telefonberatung wurde in diesem J ahr weiterhin von einer

Ehrenamtlerin durchgeführt. Ratsuchende, die außerhalb der Öffnungszeiten in

Wesel anrufen, werden durch die Anrufbeantworter informiert, wann sie in Duisburg

anrufen können.

Die Ehrenamtliche Beratung in Duisburg wurde weiterhin konsequent jeden

Montagabend in der Zeit von 19.00-21.00 Uhr angeboten.

Für die abendliche Telefonberatung wurde die 0700-er Nummer weiter geroutet. Dies

bedeutet, dass die Anrufer in der Zeit von 19.00-21-00 Uhr an allen anderen

Abenden in der Woche automatisch an die Rufnummer der jeweils besetzten

Beratungsnummer weitergeleitet werden.

Telefonberatervernetzung:

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist mit an deren Kooperationspartnern in

der Telefonberatervernetzung zusammengeschlossen. Ziel dieser Vernetzung ist es,

die Beratung von HIV-AIDS an jedem Wochentag abendsim Ruhrgebiet anbieten zu

können. Daher hat sich jeder Kooperationspartner dazu per Vertrag verpflichtet, an

einem Abend in der Woche die Beratung zu besetzen. Die Kooperationspartner sind

die AIDS-Hilfen: Oberhausen, Bochum und Hagen.

Die Zeiten der abendlichen Beratung der Kooperationspartner im Überblick:

Montags: 19.00-21.00 Uhr AH - Duisburg/Kreis Wesel e.V.

Dienstags: 19.00-21.00 Uhr AH - Hagen e.V.

Mittwochs: 19.00-21.00 Uhr AH - Oberhausen e.V.

Freitags: 18.00-20.00 Uhr AH - Bochum e.V.

Bei den Vernetzungstreffen der Kooperationspartner hat die AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel e.V. durch einen hauptamtlichen und/oder einem

ehrenamtlichen Mitarbeiter regelmäßig teilgenommen. In Hagen wurde eine

Fortbildungsveranstaltung zu den Themen Testberatun g bei HIV durchgeführt. Als

Referent wurde die Ansprechpartnerin zu HIV vom Algl emeinen Krankenhaus Hagen

eingeladen. Eine Neueinsteigerschulung konnte mangels interessierter

EhrenamtlerInnen nicht durchgeführt werden.

11


2.3 E-Mail Beratung

Die E-Mail Beratung in der AIDS-Hilfe wurde weiterhin angeboten. Die E-Mailberatung

ist unter der folgenden Adresse zu erreichen:

http:www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

Um die gängigsten Fragen im vorab zu klären, wurde

auf unserer Homepage die acht häufigst gestellten

Fragen (FAQ) eingestellt. Der Ratsuchende konnte

beim Anklicken einer Frage gleich die Antwort lesen.

Durch dieses Beratungsangebot konnten viele

Ratsuchende ohne, das sie an uns eine E-Mail

schreiben mussten, bedient werden. Detailliertere

Fragen konnten dann per E-Mail an uns gesendet

werden. Bei diesen E-Mails wurde im Betreff

automatisch „E-Mailberatung“ eingegeben, sodass die

E-Mails nicht von den Mitarbeitern gelesen wurden,

sondern direkt an die Telefon/E-Mail Beraterin

weitergeleitet werden konnten.

Die E-Mailberatung wird hauptsächlich am

Montagabend in der Zeit der Telefonberatung durch die

ehrenamtliche Mitarbeiterin bedient und die E-Mails in

dieser Zeit beantwortet.

Bei dringenden E-Mails wurden diese von den hauptamtlichen MitarbeiterInnen

während der Öffnungszeiten beantwortet.

Folgende vorgefertigten Fragen wurden im Internet angeboten:

Gibt es extragroße Kondome?

Wo mache ich einen HIV-Test?

Wann muss ich Medikamente einnehmen?

Wie wird mein Partner reagieren?

Ist AIDS ein Grund zur Kündigung?

Wie gefährlich ist oraler Sex?

Wo treffe ich andere Positive?

Information zur E-Mail Beratung!

2.4 Zahlen, Daten Fakten

Es haben sich im Jahr 2004 insgesamt 70 Personen über das Internet bzw. an der

montags stattfindenden Telefonberatung persönlich gewandt.

Aufgegliedert in E-mail- und Telefonberatung:

22 Kontakte über Telefon (31%)

48 Kontakte über das Internet (69%)

Aufteilung der Personen nach Geschlecht:

Weiblich: 19 (27%)

Männlich: 51 (73%)

12


Sexuelle Orientierung der Personen:

Heterosexuell: 51 (73%)

Homosexuell: 17 (24%)

Bisexuell: 2 (3%)

Alle weiblichen Personen waren Heterosexuell, bei den männlichen Personen gab es

erhebliche unterschiede zwischen der E-mail- und Telefonberatung.

2.4.1 Auswertung der E-Mail Beratung:

Kontakte insgesamt: 48

Aufteilung der Personen nach Geschlecht:

Weiblich: 14 (29%)

Männlich: 34 (71%)

Sexuelle Orientierung der weiblichen Personen:

Heterosexuell: 14 (100%)

Sexuelle Orientierung der männlichen Personen:

Heterosexuell: 18 (53%)

Homosexuell: 14 (42%)

Bisexuell: 2 (5%)

Art der Fragen

Bei den heterosexuellen Frauen:

Übertragungswege: 9 (64%)

HIV-Test: 3 (21%)

STD´s: 1 (7,5%)

Leben mit HIV: 1 (7,5%)

Bei den heterosexuellen Männern:

Übertragungswege: 10 (53,5%)

HIV-Test: 6 (31,5%)

Prostitution: 1 (5%)

Phobie: 1 (5%)

Sozialrecht bei HIV: 1 (5%)

Bei den homosexuellen Männern:

HIV-Test: 5 (36%)

Leben mit HIV: 5 (36%)

Übertragungswege: 3 (21%)

STD´s: 1 (7%)

Bei den bisexuellen Männern:

Übertragungswege: 1 (50%)

HIV-Test: 1 (50%)

13


Geschätztes Alter der Personen:

Da bei der E-Mailberatung keinerlei Angaben zum Alet r verlangt werden, können wir

das alter nicht schätzen. Daher wurden die Altersangaben der Personen, die diese

freiwillig angegeben haben (5 Personen), nicht mit in die Auswertung einbezogen.

2.4.2 Auswertung der Telefonberatung am Montagabend:

Kontakte insgesamt: 22

Aufteilung der Personen nach Geschlecht:

Weiblich: 5 (23%)

Männlich: 17 (77%)

Sexuelle Orientierung der weiblichen Personen:

Heterosexuell: 5 (100%)

Sexuelle Orientierung der männlichen Personen:

Heterosexuell: 14 (82%)

Homosexuell: 3 (18%)

Art der Fragen

Bei den heterosexuellen Frauen:

Übertragungswege: 3 (60%)

HIV-Test: 2 (40%)

Bei den heterosexuellen Männern:

Übertragungswege: 4 (23,5%)

HIV-Test: 4 (23,5%)

Sexanrufer: 4 (23,5%)

Prostitution: 3 (17,5%)

Phobie: 1 (6%)

Leben mit HIV: 1 (6%)

Bei den homosexuellen Männern:

HIV-Test: 2 (66,6%)

Leben mit HIV: 1 (33,4%)

Geschätztes Alter der Personen

Das Durchschnittsalter lag bei ca. 35 Jahren

Bei den Frauen:

Bei den Männern:

ca. 32 Jahren

ca. 35 Jahren

14


2.4.3 Auswertung der Homepage-Besuche:

Es wurden 1140 Besucher gezählt, die auf unsere Beratungsseite gekommen sind

und die vorgefertigten Fragen durchgelesen haben. Leider konnten die Besucher, die

in dem Zeitraum vom 15.11.2004 bis 31.12.2004 unsere Fragen angeklickt haben,

durch ein Serverproblem nicht erfasst werden. Dies ist sicherlich eine Begründung

für die Geringere Zahl (2003 waren es 2294 Besuche)r. Eventuell sollte, dem Bedarf

angemessen die Fragen für die Zukunft verändert werden.

Die am häufigsten aufgerufenen Fragen waren:

- Gibt es extragroße Kondome?

- Wo mache ich einen HIV-Test?

- Wie gefährlich ist oraler Sex?

Resümee:

Im letzten Jahr konnten wir durch die Internetpräsenz deutlich mehr Menschen

erreichen. Insgesamt konnten wir 3594 Kontakte zählen. Wir danken hier

ausdrücklich unserer ehrenamtlichen Telefonberateri n und dem ehrenamtlichen

Informatiker, der die Beratungsseite für uns im Internet bedient und aufgebaut hat.

2.4.4 Auswertung der telefonischen Beratungsgesprächen während der

Öffnungszeiten

Da bei Beratungsgesprächen während der Öffnungszeiten kein Protokoll erstellt wird

(im Gegensatz zur abendlichen Beratung, wo in einem Formular Angaben wie

Geschlecht, Art der Frage, Geschätztes Alter u.s.w. festgehalten werden) sind die

Daten nur geschätzt.

Wir haben ca. 1040 Beratungsgespräche im Berichtszeitraum durchgeführt.

Bezüglich der Daten wie Geschlecht, sexuelle Orieniterung und Art der Fragen kann

sicherlich die Ableitung von den oben genannten Angaben bei Punkt 2.4.1-2.4.3

erfolgen (obwohl diese, nach der Menge der Kontakte nur tendenziell zu

übernehmen sind, da sie nicht repräsentativ sind).

2.4.5 Auswertung der Daten von der abendlichen Telefon- und E-Mailberatung

und deren Interpretation bezüglich Tendenzen und Klientel

Wie sich bei der Auswertung herausgestellt hat, gibt es deutliche Unterschiede

zwischen der Nutzung der Telefonberatung und der E-Mailberatung.

Allgemein ist die Nutzung der E-Mailberatung mit 69% deutlich höher als die der

Telefonberatung (31%). Dies hat wahrscheinlich den Grund, dass die E-Mail Nutzung

eine höhere Anonymität gewährleistet. Da das Angebot im Internet immer Abrufbar

ist, kann dies ebenfalls die erhöhte Nutzung erklären.

Zu den Fragen:

Bei der Telefonberatung ist, wie in den letzten Aus wertungen, die Fragen zu

„Übertragungswegen“ und „HIV-Test“ an erster Stelle . Bei heterosexuellen Männern

folgt danach die Kategorie „Sexanrufer“ und „Prostitution“.

Anrufe von Phobiekern sind deutlich Rückläufig. Dies kann mit der allgemeinen

Tendenz in der Bevölkerung und Politik zusammenhängen, wo HIV immer mehr als

chronische Krankheit angesehen wird. In den Medien wird das Thema HIV immer

weniger bearbeitet. Falls das Thema angesprochen wrid, so liegt der Focus eher bei

15


der Situation auf der globalen Ebene. Daher nimmt die allgemeine Angst in der

Bevölkerung immer mehr ab, was sich auch auf die Phobieker auswirkt.

Bei der E-Mailberatung gestaltet sich die Art der Fragen ähnlich wie bei der

Telefonberatung.

Auffällig ist jedoch die erhöhte Zahl der Anfragen von Homo- und Bisexuellen (27%

der männlichen E-Mail Nutzer waren 2004 Homo- Bisexuell gegenüber 18% bei der

Telefonberatung).

Die Art der Fragenstellungen im Bereich der homosexuellen Nutzer ist im Vergleich

der anderen Personengruppen anders Gewichtet. So stellen viele Nutzer neben der

Frage zum HIV-Test (36%) Fragen zum Thema „Leben mi t HIV“ (36%). Erst danach

kommt die Kategorie „Übertragungswege“. Hieraus lässt sich erkennen, dass die

erhöhte Anonymität der E-Mailberatung, HIV-Positive Homosexuelle anspricht und

daher eher genutzt wird, als die telefonische Beratung.

Kontakte von Männern, die sexuelle Bedürfnisse haben, sind bei der E-Mailberatung

gar nicht erfolgt.

Seit der Einführung der E-Mailberatung sind die Zahlen der Kontakte weiterhin

steigend.

Die Übersicht der Kontakte seit 2000:

Anzahl der Kontakte

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

Jahr

2000

Jahr

2001

Jahr

2002

Jahr

2003

Jahr

2004

Anzahl der Kontakte

Da sich herausstellt, dass die E-Mailberatung den Zugang zu einem neuen Klientel

bietet (HIV-Positive Homosexuelle), sollte in Erwägung gezogen werden, die

Beratung mit anderen Seiten von schwulen Gruppen aus Duisburg und dem Kreis

Wesel zu verlinken.

Da die Zahl der telefonischen Anfragen weiter Rückläufig sind (Werden nur die

Kontakte der telefonischen Beratung gezählt, ist die Zahl immer weiter rückläufig),

sollte die Gewichtung auf die E-Mailberatung gelegt werden.

Um das Angebot auch in der Allgemeinbevölkerung bekannt zu machen, sollte die E-

Mailberatung bei verschiedenen Homepages im Internet beworben werden

(Homepage der Stadt Duisburg, Seiten zu Beratungsangeboten in Duisburg und dem

Kreis Wesel).

Da vereinzelt zu anderen sexuell übertragbaren Krankheiten Fragen gestellt wurden,

sollte Beobachtet werden, ob der Bedarf diesbezüglich weiter steigt. Falls diese

Situation eintritt, sollte über eine Ausweitung des Beratungsangebots auf andere

Sexuell übertragbare Krankheiten nachgedacht werden.

16


3. Begleitung

Unsere Einrichtung begleitet weiterhin HIV-Infizierte und an AIDS-Erkrankte, die aus

den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen mit verschiedenem sozialem

Hintergrund stammen. Aufgrund der vorhandenen antiretroviralen Medikamente hat

dies auf die einzelnen Begleitungsfälle unterschiedliche Auswirkungen.

Der Hauptteil der von uns Begleiteten ist bereits an AIDS erkrankt, verrentet und lebt

auf dem Niveau der Sozialhilfe oder leicht darüber. Hier kommt es dann zu Hilfen in

sozialrechtlichen und finanziellen Bereichen, allerdings gibt es auch häufig

medizinische Probleme in der Form von Resistenzen gegen die Medikamente oder

bei Nebenwirkungen der Medikamente. Ebenso gibt es Menschen, die HIV-positiv

sind und Medikamente nehmen oder zumindest sich in einem Monitoring eines

Schwerpunkt-Arztes befinden und die AIDS-Hilfe nur zu einzelnen Fragestellungen in

Anspruch nehmen.

Speziell zu Beginn des Jahres hatten wir sehr viel Beratungs- und

Unterstützungsbedarf zum Gesundheitsmodernisierungsgesetz. Hier ging es darum,

möglichst rasch eine Befreiung von Zuzahlungen zu erlangen und hinsichtlich der

Zuzahlung finanziell zu unterstützen. Die Problematik bestand darin, dass die

Krankenkassen mit der Umsetzung selbst noch Probleme hatten und viele Dinge

noch unklar waren. Es konnte dazu kommen, dass ein AIDS-Kranker direkt im

Januar durch mehrere Medikamente und Arztbesuche 50bis 80 Euro als Zuzahlung

zu leisten hatte und erst nachträglich seine Befreiung erhielt. Diese Beträge sind für

einen Sozialhilfeempfänger nicht zu finanzieren, es ist jedoch wichtig, durchgängig

die antiretroviralen Medikamente zu nehmen, um Resistenzen vorzubeugen. Um

eine kontinuierliche Medikamenteneinnahme zu gewährleisten, haben wir verstärkt

mit unserem Positivenfond (siehe Kapitel 3.3) für Zuzahlungen finanzielle

Unterstützung geleistet.

3.1. Einzelbegleitung

Der größte Anteil der Begleitungsarbeit wurde im Bereich Migration in Anspruch

genommen (siehe 5.5).

Die Begleitungsarbeit umfasste Beratungen zu Medikamentenein- und -

umstellungen, zu Nebenwirkungen der Medikamente, zu Partnerschaftskonflikten,

sozialrechtlichen und finanziellen Problemen des weiteren Kriseninterventionen und

Hilfestellungen bei Depressionen.

Bei geldlichen Problemen stellten wir Anträge an dei Deutsche AIDS-Stiftung, soweit

diese die Kriterien der Stiftung erfüllten u. a. für Urlaube, Zahnersatz, Strom- und

Heizungsschulden.

Neben den unter Punkt 5.2.2.2 erläuterten Besonderheiten in der psychosozialen

Begleitung von DrogengebraucherInnen gab es bei den anderen Begleiteten im

Berichtsjahr beispielhaft folgende Problemstellungen:

Bei einer Begleiteten ging es um die Sterbebegleitung ihres Lebenspartners. Da sie

schon durch ihre eigene gesundheitliche Situation (psychische Erkrankung und AIDS

17


im Vollbild) stark belastet war, war dieses für sieeine äußerst schwierige Zeit, zumal

zu diesem Zeitpunkt ihre zuständige hauptamtliche Ansprechpartnerin länger

erkrankt war. Durch die Einbindung der übrigen hauptamtlichen Mitarbeiter und der

ehrenamtlichen Begleitergruppe konnte die Situation aber aufgefangen werden.

Ein ehemals von uns Begleiteter, der nach Thailand ausgewandert war, kehrte mit

einem sehr schlechten Gesundheitszustand nach Deutschland zurück. Dieser zog

dann zu seiner Mutter ins Saarland und wir haben ihn dort zu der AIDS-Hilfe im

Saarland vermittelt.

Insgesamt begleiteten wir 145 Personen, wobei ein leichter Rückgang bei den

Intensiv-Begleiteten zu verzeichnen war, dafür aber eine Zunahme bei den

Regelmäßig-Begleiteten stattfand.

Tabelle 1:

Betroffene in Einzelbegleitung 2004 2003

Intensiv 18 20

Regelmäßig 46 39

Sporadisch 81 66

Insgesamt 145 125

Tabelle 2:

Betroffene in ehrenamtlicher

Begleitung

2004 2003

insgesamt 15 15

3.2. Begleitergruppe

Weiterhin gibt es zwei ehrenamtliche Begleitergruppen. Über die Drogen- und

Knastgruppe wird unter 5.3.2. näher berichtet.

Aufgrund beruflicher Belastung von zwei ehrenamtlichen MitarbeiterInnen startete die

ehrenamtliche Begleitergruppe mit vier TeilnehmerInnen ins neue Jahr. Der

Gesundheitszustand der Begleiterin, die im Vorjahr schwer erkrankt war, stabilisierte

sich, allerdings ist auch bei ihr die Begleitungsarbeit aufgrund gesundheitlicher und

altersbedingter Gründe im früheren Maße nicht mehr möglich. Eine weitere

Begleiterin nahm aufgrund beruflicher Gründe nur sporadisch an der Begleitergruppe

teil.

Aus der Schulung für neue ehrenamtliche MitarbeiterInnen konnten wir zwei neue

MitarbeiterInnen für die Begleitung gewinnen, so dass jetzt wieder fünf bis sechs

Personen an der Gruppe teilnehmen.

Die Begleitergruppe fand wiederum regelmäßig in 14-tägigem Abstand statt. Hier

erhalten die BegleiterInnen die Möglichkeit, sich über ihre Begleitungen

18


auszutauschen und gemeinsam über ihre Arbeit zu reflektieren. Vom hauptamtlichen

Mitarbeiter werden sie dahingehend unterstützt, ihre Arbeit nach den

Qualitätsstandards, die im Berichtsjahr von der Mitgliederversammlung

verabschiedet wurden, auszurichten. Hier gilt es vor allem, die Ressourcen der

Begleiteten mit einzusetzen, welches häufig einen schwierigen Prozess bedeutet.

Manchmal ist es für einen hauptamtlichen oder ehrenamtlichen Begleiter leichter,

Angelegenheiten für die Begleiteten selbst zu erledigen, um Dinge dann

abgeschlossen zu haben. Hier gilt es, die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen zu

stützen, auch mal Unerledigtes auszuhalten. Die hauptamtlichen Mitarbeiter haben

hierfür das Subsystem Begleitung, in dem sie schwierige Fälle gemeinsam

besprechen und nach den für die Begleiteten angemessenen Lösungen suchen.

Die Aufgaben der ehrenamtlichen BegleiterInnen bestanden in

Krankenhausbesuchen, Fahrten zu Ärzten und Schwerpunktärzten, Einkaufshilfen

und ín dem Zuhören bei Sorgen. Dieses kann auch zu ungewöhnlichen Uhrzeiten der

Fall sein, wobei jeder ehrenamtliche Mitarbeiter für sich selbst entscheiden muss, in

welchem Zeitrahmen er dies zulässt.

Am Begleitertag, der im Oktober stattfand, nahmen alle hauptamtlichen und

ehrenamtlichen MitarbeiterInnen aus dem Begleitungsbereich teil. Hier ging es

zunächst darum, die Kriterien für Anträge an die Deutsche AIDS-Stiftung mit den

ehrenamtlichen MitarbeiterInnen zu besprechen, da diese in ihren Begleitungsfällen

mit diesem Instrument arbeiten. Ein weiterer Schwerpunkt war die Bezeichnung der

von uns Begleiteten. Hier verfestigte sich der von uns überwiegend verwandte Begriff

„Begleitete“. Ein letztendlich hundertprozentiger passender Begriff, mit dem sich alle

identifizieren können, wurde nicht gefunden.

Für den engagierten Einsatz der ehrenamtlichen BegleiterInnen möchten wir uns

herzlich bedanken.

3.3 Positivenfond

Der Positivenfond wird von der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. mit dem Ziel

verwaltet, HIV-positive / an Aids-Erkrankte Menschen in finanziellen Notlagen zu

unterstützen.

Die Verwaltung und die Verteilung der Fondgelder übernahm im Berichtsjahr 2004

ein Gremium, das aus zwei positiven Menschen, drei EhrenamtlerInnen und einem

Hauptamtler besteht. Diese Zusammensetzung schafft innerhalb des Gremiums eine

Perspektivenvielfalt, die für die Entscheidungsfindung bei Anträgen bereichernd ist

und eine bedarfgerechte Verteilung der Mittel ermöglicht.

2004 stand insgesamt eine Summe von 3.850 € zur Verfügung, die in diesem Jahr

fast vollständig ausgeschöpft wurde. Das Geld wurde aus unterschiedlichen Gründen

von positiven Menschen in einer spezifischen Lebenssituation beantragt. Das

Positivenfondgremium entscheidet gemeinsam, ob und in welchem Umfang und

Form eine materielle Unterstützung gewährt wird.

Zur Verfügung stehen dem Gremium unterschiedliche Varianten der finanziellen

Hilfen.

Das aufgeführte Diagramm repräsentiert zum einen die verschiedenen Möglichkeiten

beziehungsweise Formen, für das Geld beantragt werden kann (Säule 1 – 6).

19


Darüber hinaus zeigt das Diagramm Tendenzen beziehu ngsweise Änderungen, die

sich gegenüber dem Vorjahr 2003 ergeben haben.

Säule 1:

Bei einem Krankenhausaufenthalt ist die Beantragung für die dort anfallenden

Telefonkosten möglich, wenn diese nicht selbst übernommen werden können.

Säule 2:

Für HIV-positive / an Aids-Erkrankte Menschen, die sich in einer der

Justizvollzugsanstalten in Duisburg und dem Kreis Wesel befinden, werden so

genannte „Knastpakete“ finanziert. Dieses sind spezielle Lebensmittelzusatzpakete,

die einmal im Monat zusätzlich von den Justizvollzugsanstalten genehmigt werden.

Säule 3:

Die „Soforthilfe“ kann am Ende des Monats ausgezahlt werden, um finanzielle

Engpässe zu überbrücken. Diese finanzielle Hilfe wird gewährt, wenn die finanziellen

Einkünfte den Sozialhilfesatz nicht wesentlich übersteigen.

Säule 4:

Größere Antragssummen (z. B. Ausgleich bei Miet- oder Stromschulden, größere

Anschaffungen) lassen sich als „Außergewöhnliche Zuwendungen“ beantragen. Die

Entscheidung über den Antrag trifft das Gremium des Positiven Fonds. In die

Entscheidungsfindung fließt zum einen die finanzielle Situation des Antragsstellers

ein und zum anderen die Gründe für sein spezielles Anliegen.

Säule 5:

Die „Rückzahlbare Zuwendung“ ist Antragsstellern vorbehalten, deren

Einkommenssatz die Sozialhilfe übersteigt. Hintergrund ist dafür, dass die Person

das gewährte Darlehen in angemessenen Raten zurückzahlen muss. Da dieses

jedoch für einen Sozialhilfeempfänger kaum möglich ist, da die finanzielle

Zuwendung zur Existenzsicherung benötigt wird, ist diese Variante in diesem Fall

nicht angemessen.

Säule 6:

Die „Einnahmen“ des Positiven Fonds resultieren aus der finanziellen Unterstützung

der „Rückzahlbaren Zuwendung“. Da die Darlehen jedoch oftmals mit erheblichem

Zeitverzug begleichen werden, lässt sich ein eindeutiger Zusammenhang oft nicht

herstellen.

Gegenüber dem Jahr 2003 zeigt das Diagramm deutlich, dass die Ausgaben

wesentlich gestiegen sind. Besonders das ‚Gesetz zur Modernisierung der

Gesetzlichen Krankenversicherungen’, das am 01.01.2004 in Kraft getreten ist, lässt

sich als ein wichtiger Auslöser für die vermehrte Antragstellung identifizieren. Für die

gesetzlich Versicherten bedeutete dieses, dass sie 1% (gilt für HIV-positive / an Aids-

Erkrankte Menschen, da sie als ‚schwerwiegend chronisch Kranke’ definiert wurden)

ihrer jährlichen Bruttoeinnahmen zuzahlen mussten, bevor sie eine Befreiung

erhielten. Besonders am Anfang des Jahres 2004 bedeutete dieses für viele

Menschen, die von der AIDS-Hilfe begleitet werden, wesentlich höhere Ausgaben.

Dieses spiegelte sich in den vermehrten Anfragen bezüglich der ‚Soforthilfe’ ebenso

wider, wie in den Anträgen der ‚Außergewöhnlichen Zuwendungen’.

Durch die Antragsstellung bei der Deutschen AIDS-Stiftung gelang es erneut den

internen Fond zu entlasten. Bis Mitte 2004 gestaltete sich dieses zum Teil jedoch als

20


schwierig, da die Antragsbearbeitung oftmals bis zu drei Monaten dauerte.

Kurzfristige Anfragen ließen sich somit nur bedingt über Stiftungsmittel finanzieren.

Eine sehr positive Zusammenarbeit entwickelte sich mit der Deutschen AIDS-Stiftung

im Arbeitsbereich ‚Knast’. Seit Mitte des Jahres sicherte die DAS zu, dass die

monatlichen Knastpakete für aufwendige Ernährung (s.o.) bei Nennung des Namens

übernommen werden. Die Inhaftierten werden dementsprechend gefragt, ob sie

dieser namentlichen Benennung gegenüber der Stiftung zustimmen. Im letzten Jahr

bestanden bezüglich dieser Vorgehensweise keinerlei Einwände von Seiten der

Inhaftierten (siehe dazu 5.3.2 Betreuung von HIV-positiven im Strafvollzug).

Positivenfond 2003 und 2004

2.000,00 €

1.500,00 €

1.000,00 €

500,00 €

0,00 €

1 2 3 4 5 6

2003 240,00 € 0 € 1.598,38 € 612,72 € 0 € 120 €

2004 8,69 € 542,29 € 1.944,11 € 1.142,10 € 120,00 € 80,00 €

3.4 Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern

Die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern bleibt für unsere AIDS-Hilfe wichtig.

HIV-Schwerpunktpraxen

Die Zusammenarbeit mit den beiden in Duisburg offiziell auf HIV spezialisierten

Schwerpunktpraxen wurde 2004 problemlos fortgesetzt. Falls Fragen entstehen,

können diese auf kurzem telefonischen Wege geklärt werden. Allerdings wissen wir

von zwei weiteren Praxen, in denen Patienten mit HIV und AIDS behandelt werden,

zu denen wir aber keinen Kontakt herstellen können.

Krankenhäuser

Die Zahl der stationären Aufenthalte in Krankenhäusern hält sich auf niedrigem

Niveau und meist umfassen diese Aufenthalte nur wenige Tage.

Verstärkt wird für diese Fälle wieder die Uni-Klinki Essen in Anspruch genommen, in

geringem Umfang die Wedau-Kliniken in Duisburg. Bei den Wedau-Kliniken stellt

sich für uns das Problem, dass die Ärztin, die im Bereich HIV und AIDS Erfahrungen

aufzuweisen hatte, nur für kurze Zeit aus dem Mutterschaftsurlaub zurückgekehrt ist.

21


Pflegedienste

Die enge Kooperation mit den Pflegediensten, mit denen wir bisher auch

zusammengearbeitet haben, hat sich bewährt.

Hospize

Im Berichtsjahr wurde von unseren Begleiteten keinHospiz in Anspruch genommen,

jedoch besteht nach wie vor von unserer Seite guter Kontakt zur ambulanten

Hospizbewegung in Duisburg-Hamborn.

Anwaltspraxen

Die Kooperation mit Rechtsanwälten war insbesondere bei der Begleitung von

Migranten wichtig. Hier ergab sich im Berichtsjahr die Problematik, dass ein

Rechtsanwalt, mit dem wir schwerpunktmäßig zusammengearbeitet haben, seine

Tätigkeit plötzlich eingestellt hat.

Flüchtlingsberatung

Zu dem Zeitpunkt, als die hauptamtliche Mitarbeiterin für den Migrationsbereich

erkrankt war, verstärkte sich unsere Zusammenarbeit mit der Flüchtlingsberatung

des Deutschen Roten Kreuzes und wir erhielten von dort in ausländerrechtlichen

Fragen große Unterstützung.

3.5 Angebote für HIV-Positive

Im Jahr 2004 konnten wir einige

neue Angebote für HIV-Positive im

Rahmen eines Solidar-Erlebens

begründen, die auch weiterhin gut

angenommen werden. Hierzu zählen

zum einen eine Kochgruppe

und ein Spielabend. Beides sind monatliche

Angebote, bei denen HIV-Positive und

ehrenamtliche MitarbeiterInnen zusammen

kommen, um einen gemütlichen Abend mit

kochen bzw. spielen zu verbringen. Dieses

Umfeld bietet aber auch die Atmosphäre für den

Austausch von Sorgen und Nöten. Diese

Angebote werden in Eigenregie von

ehrenamtlichen MitarbeiterInnen durchgeführt.

22


Frauenspezifische Angebote wurden wie in den Vorjahren in Kooperation mit den

benachbarten AIDS-Hilfen angeboten. Diese werden in Punkt 5.4 näher beschrieben.

Das weiterhin zahlenmäßig am besten besuchte Angebot ist unser traditionelles

Mittwochs-Café. Dieses ist der Treffpunkt zwischen HIV-Infizierten / an AIDS

Erkrankten und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und der AIDS-Hilfe Sympathie

entgegenbringender Menschen. Auch ist dieses Café eine erste Anlaufstelle für an

ehrenamtlicher Arbeit Interessierter. Auch Bewerber n für den Zivildienst bietet es

eine Plattform, AIDS-Hilfe näher kennen zu lernen.

Bei Kaffee und Kuchen, der zum größten Teil von ein er Bäckerei gespendet wird, ist

ein Austausch möglich zwischen Betroffenen, zwischen Betroffenen und haupt- oder

ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und hauptamtlichen und ehrenamtlichen

MitarbeiterInnen. Hier kann man sich auch über Neuigkeiten in der AIDS-Hilfe

informieren und die Angebote am schwarzen Brett zu rKenntnis nehmen. Zum einen

ist es Abwechslung für die Betroffenen, zum anderen das Treffen in der „Wahl-

Familie“.

Das Café findet zwischen 15.30 Uhr und 18.30 Uhr statt und wird von

durchschnittlich ca. 20 – 25 Personen besucht. Ein(e) hauptamtliche(r) Mitarbeiter(in)

ist Ansprechpartner(in) während der Café-Zeit, vorbereitet wird es überwiegend von

dem Zivildienstleistenden oder Praktikantinnen. Während der Café-Zeit ist immer ein

hauptamtlicher Ansprechpartner präsent, da dieses Treffen von vielen Betroffenen

dazu genutzt wird, um Anliegen an die BeraterInnen und BegleiterInnen

heranzutragen.

Seit Oktober bieten wir am letzten

Freitag im Monat ein Frühstück in der

Zeit von 10 bis 13

Uhr an. Der letzte

Freitag ist ausgewählt worden,

um Begleiteten, die geringe finanzielle

Ressourcen haben, auch zum

Monatsende ein leckeres und

umfangreiches

Frühstück anbieten

zu können. Den größten Teil der

Lebensmittel

bekommen wir von

der Duisburger Tafel gespendet, hierfür

sagen wir herzlichen

Dank. Es sind meist

auch so viele Nahrungsmittel

vorhanden, dass die

TeilnehmerInnen

des Frühstückes noch Essen mit

nach Hause nehmen können.

Personell wird dieses Angebot

ehrenamtlich, durch

einen

hauptamtlichen

Mitarbeiter und den

Zivildienstleistenden

vorbereitet. Da die

Umgebung etwas ruhiger ist als im

Mittwochs-Café, sind hier gute

Gespräche möglich,

an denen sich auch

alle

TeilnehmerInnen

beteiligen.

23


Anfang März haben wir einen Austauschabend zum Gesundheitsmodernisierungsgesetz

angeboten. Hier wurde die Möglichkeit gegeben, seine eigenen

Erfahrungen zu schildern und sich untereinander Tipps zu geben. Die AIDS-Hilfe

verfasste dazu auch eine Pressemeldung, die in den Medien allerdings keine

Berücksichtigung fand.

Unsere traditionelle Weihnachtsfeier fand wieder am Heiligabend von 16 bis 22 Uhr

in der AIDS-Hilfe statt. Sie wurde wie in den Vorjahren hauptsächlich von Betroffenen

und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen organisiert und begleitet. Ein hauptamtlicher

Mitarbeiter hat für letzte organisatorische Fragen an der Weihnachtsfeier

teilgenommen. Durch das Engagement der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und ein

Kirchenmailing konnten wir 1.650 Euro Spenden akquirieren und den 39 Teilnehmern

eine Feier in angemessenem Rahmen bieten. Auch konnten die TeilnehmerInnen

noch kleine Geschenke mit nach Hause nehmen. Allen Spendern sagen wir hiermit

herzlichen Dank, ebenfalls bedanken wir uns bei den ehrenamtlichen

MitarbeiterInnen für Ihr Engagement an diesem besonderen Tage.

2004 fand wieder eine Bundespositiven-

Versammlung statt, die von der Deutschen

AIDS-Hilfe organisiert wurde. Der

Veranstaltungsort war Kassel. Die AIDS-Hilfe hat

ihren Bus für die Fahrt der 8 Teilnehmer zur

Verfügung gestellt, um die Teilnahme zu

ermöglichen.

Auch gab es im Berichtsjahr eine

Positivenfreizeit.

Diese wurde unterstützt mit

Mitteln der „Förderbande

Gelsenkirchen“.

24


3.6 Trauerarbeit

Im Berichtsjahr sind vier unserer

Begleiteten verstorben. Bei drei

Verstorbenen handelte es sich um

langjährig Begleitete. Sie hielten

beständigen Kontakt zu uns, einer von

Ihnen war regelmäßiger Besucher

unseres Mittwochs-Cafés. Sein Tod

hinterlässt eine große Lücke in diesem

Café.

Gedenkstein

Zu vermerken ist, dass diese drei unerwartet und plötzlich verstorben sind und

keinen langen Leidensprozess durchlitten haben. Ob der Tod auf den

Nebenwirkungen der antiretroviralen Therapie beruht, kann nicht eindeutig

zugeordnet werden.

In einem Fall haben wir der Familie bei

der Beerdigung große Unterstützung zu

Teil kommen lassen und haben unser

Café als Platz für die Nachtrauerfeier zur

Verfügung gestellt. Zwei ehrenamtliche

Mitarbeiter haben die Trauerrede

gehalten. Dies geschah vor dem

Hintergrund, dass keine finanziellen

Mittel zur Verfügung standen. Dieses

Problem wurde durch den Wegfall des

Sterbegeldes der Krankenkassen

verschärft.

„Quilt“

Bei einem Begleiteten handelte es sich um einen Drogengebraucher, der lose zu uns

Kontakt hielt und von dessen Tod wir nur durch Zufa ll erfahren haben. Seine

Beerdigung fand am Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher statt.

Am Vorabend des Welt-Aids-Tages, am

30.11. fand unser Candle-Light-Walk

statt, der in einer Gedenkveranstaltung

in der Liebfrauenkirche

mündete.

25


4. Öffentlichkeitsarbeit

Dietmar Heyde

Der im letzten Jahresbericht formulierte Eindruck, dass es hinsichtlich der

Wahrnehmung und Präsenz der Thematik von HIV und AIDS im Bewusstsein der

Öffentlichkeit eine leichte Aufwärtstendenz gebe, hat sich im Berichtsjahr stabilisiert.

Die Anfragen nach den Angeboten unserer AIDS-Hilfe haben sich in nahezu allen

Arbeitsbereichen erhöht. Das spezifische Know-how, die Vermittlungskompetenzen

unserer ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen und die Flexibilität eines

kleinen, freien Trägers in der Wohlfahrtspflege werden offensichtlich sehr geschätzt.

Das zeigen uns die vielen positiven Rückmeldungen, die aus sehr unterschiedlichen

Gruppierungen kommen.

Die Vielfalt der Herkunft der Nachfrager/innen ist auch Ausdruck für eine

`Normalisierung von AIDS´ in dem Sinne, dass sich das Thema „HIV und AIDS“

stärker im Zusammenhang einer weiter gefassten „sexuellen Gesundheitsförderung“

und im Rahmen des „public-health“-Gedankens positioniert und zunehmend als

gesamtgesellschaftliches und globales Thema wahrgenommen wird.

AIDS gilt immer weniger als Synonym für Folgen vermeintlich normabweichenden

Verhaltens und somit als `Spezialthema´ für sehr spezifische (Ziel-) Gruppen. Die in

den letzten Jahren mehrfach beschriebene Focuserweiterung auf die globale

Situation trägt wesentlich dazu bei, aber inzwischen auch die nationale Entwicklung

der HIV-Prävalenz hinsichtlich der Neuinfektionen.

Hinzu kommen sicherlich auch die Erfolge der jahrelangen Enttabuisierungs- und

Entdiskriminierungsbemühungen nicht nur im Rahmen der strukturellen AIDS-

Präventionsarbeit.

Die Marginalisierungstendenzen etwa in Fragen der sexuellen Orientierung nehmen

beispielsweise eher ab.

Dennoch bleibt AIDS-Präventionsarbeit weiterhin im Wesentlichen eine Arbeit in

gesellschaftlichen Konfliktbereichen. HIV-Infektionen sind überproportional in

gesellschaftlichen Gruppen vertreten, die ökonomisch, bildungsmäßig und sozial

benachteiligt sind. „Migration und AIDS“ bleibt ein Riesenthema, die Verhältnisse in

den Justizvollzugsanstalten sind noch lange nicht zufrieden stellend, die Zielgruppe

des Welt-Aids-Tages im Berichtsjahr „Frauen und Mäd chen“ war sehr gut gewählt

etc.

26


Die sozialen und insbesondere materiellen Folgen eni er HIV-Infektion (wie durchaus

auch anderer `chronischer Erkrankungen´) werden durch die Reformen in den

Sozialversicherungs- und Gesundheitssystemen in Deutschland wieder heftig und

bergen hohes Ausgrenzungspotential. Hier sind die AIDS-Hilfen zunehmend gefragt.

HIV / AIDS ist nicht nur im medizinischen Feld ein zunehmend interdisziplinäres

Thema, sondern auch in sozioökonomischer Sicht.

Die seit 2003 beobachteten – leichten – Anstiege der Inzidenzen überraschen uns

nicht. Wir haben sie seit einigen Jahren erwartet (vgl. Jahresberichte der letzten

Jahre). Dass es „so lange gedauert hat“, führen wir nicht zuletzt auf die Fortschritte

der Therapien zurück, d.h. auf die steigende Zahl der HIV-Positiven, deren Viruslast

länger unter der sog. Nachweisgrenze bleibt als je zuvor. Der Serostatus gewinnt in

einzelnen Insiderkreisen geradezu Präventionscharakter, wonach auch

Sexualpraktiken regelrecht `verhandelt´ werden („negotiated safety“-Strategien).

Dass die Neuinfektionen dennoch steigen, hat gewiss mit nachlassender Sensibilität,

defizitärem Aufklärungsniveau, Entwarnungsphantasien (gespeist durch

quotenträchtige Schlagzeilen in den Medien oder den Hochglanz-Verharmlosungs-

Werbeanzeigen der Pharmaindustrie u.a.) angesichts der Therapiefortschritte,

steigender Sorglosigkeit in allen Gesellschaftsgruppen zu tun. Hinzuzurechen ist

sicherlich auch der Umstand, dass es immer mehr HIV-Positive in Deutschland gibt,

die immer später in die antiretrovirale Therapie einsteigen, weil die sog. „Hit hard and

early“-Strategien nicht mehr zeitgemäß zu sein scheinen.

Insbesondere gelten diese Zusammenhänge offenbar auch (wieder) für junge homound

bisexuelle Männer. Diskussionen zum Thema „barebacking“ nehmen zu und

lassen die Präventionsansätze der AIDS-Hilfe hinterfragen. Wir sagen: Das

Phänomen ist uralt – der Begriff relativ neu, die Setthings hier und da vielleicht

`modernisiert´. Immerhin bieten sich hier die Chancen für offensive Präventionsarbeit

und neue Impulse für eine öffentliche Diskussion über HIV und AIDS und anderer

sexuell übertragbarer Krankheiten, die es zu nutzen gilt. Zielgruppenspezifische

Präventionsarbeit im Bereich der „Männer, die Sex mit Männern haben“ bleibt

jedenfalls ein zentrales Arbeitsfeld für AIDS-Hilfen.

Die Öffentlichkeitsarbeit der AIDS-Hilfen gewinnt vor diesen Hintergründen an

Bedeutung. Die differenzierte und seriöse Außendarstellung des Themenfeldes „HIV

und AIDS“ wird allerdings immer vielschichtiger undkomplexer. Nicht nur die alles in

allem erfreuliche Dynamik in medizinischer (Forschungs-) Hinsicht wird immer

komplizierter, schwerer zu begreifen und zu vermitteln. Und dennoch oder gerade

deswegen benötigen wir in der Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit einfache und

doch präzise, verständliche und prägnante Botschaften für unsere Zielgruppen.

Zugleich brauchen wir klare und begreifbare Leitlinien und Haltungen für unsere

ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen für deren Arbeit in der Öffentlichkeit.

Daran arbeiten wir – im Verbund und Kontakt mit unseren Verbandsstrukturen –

intensiv.

27


4.1 AG Öffentlichkeitsarbeit

Die mit diesem Themenspektrum und der entsprechenden Informations- und

Aufklärungsarbeit befasste Arbeitsgruppe trifft sich jeden zweiten und vierten Montag

im Monat um 19.00 Uhr in der AIDS-Hilfe, um Veranstaltungen, Informationsstände

u.a. Aktionen zu konzipieren und zu organisieren. Die Gruppe ist mit sechs bis acht

Mitgliedern besetzt. Um einen Kern von etwa sechs Mitarbeiter/innen herum finden

sich immer wieder neue Interessent/innen über mehr oder minder lange Zeiträume.

Der Zugang zur Gruppe setzt nicht das Durchlaufen der Grundausbildung für

EhrenamtlerInnen voraus, wie dies für die Bereiche der Beratung und Begleitung

zwingend ist. Es kann also jede/r Interessierte unverbindlich hereinschnuppern.

Ohne das intensive Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen wäre die

Menge an Veranstaltungen und Aktionen, die wir auch im Berichtsjahr wieder

durchführen konnten, nicht denkbar. Allen beteiligten EhrenamtlerInnen gilt dafür

unser herzlichster Dank!

Zum Bereich der medialen Außendarstellung gehört die Internet-Homepage der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. Nach der Adr essenvereinfachung im Vorjahr

(www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de) ist auch für das Berichtsjahr 2004 eine

deutliche Erhöhung der Zugriffsfrequenzen um über 1300 Zugriffe im vergleich zu

2003 auf jetzt 7.837 Besucher zu konstatieren. Auch hat sich die Einrichtung einer

extra Beratungsseite mit sog. FAQ`s (frequently asked questions = Häufig gestellte

Fragen) bewährt. Dieses Angebot wird gerade von jüngeren Leuten aufgrund der

besonderen Anonymität und der Attraktivität des Mediums für diese `Besucher´

genutzt. Diese Seiten werden regelmäßig evaluiert und bei Bedarf werden die FAQ`s

variiert (Vgl. 2.).

Als weitere wichtige Werbeträger dienen der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

der Schaukasten im Bus- und S-Bahntunnel am Duisburger Hauptbahnhof, der im

Berichtsjahr sechsmal thematisch neu gestaltet und fortlaufend aktualisiert wurde

und der Schaukasten im Bahnhof Wesel, der insbesondere auch auf die

Beratungsstelle in Wesel aufmerksam macht. Den beiden Ehrenamtlern, die diese

Werbe-, Beratungs- und Ankündigungsträger pflegen gilt, ein besonderer Dank.

Schaukasten Duisburg Hauptbahnhof

Schaukasten im Bahnhof Wesel

28


4.2 Veranstaltungen

Neben dem sehr breiten Spektrum an inhaltlichen Ausrichtungen (HIV und AIDS,

Hepatitiden und andere sexuell übertragbare Krankheiten, Homosexualität,

Drogengebrauch, Frauen/Mädchen und AIDS, Migration und AIDS u.a.m.) ist es

alljährlich aufs Neue schwierig, halbwegs flächendeckend in unserer großen Region

Präsenz zu zeigen.

Wie bereits erwähnt (s. 1.) konnten wir uns im Berichtsjahr im Rahmen unserer

Öffentlichkeitsarbeit stark auf fachlich, inhaltliche Aktivitäten konzentrieren und

brauchten weniger Lobbyarbeit zur Existenzsicherung betreiben.

Ein Ergebnis dessen sind die im Geschäftsbericht (1.) bereits erwähnten größeren

Fachtagungen mit dem Zielpublikum „Multiplikatoren“. Größere Workshops zum

Thema „HIV und AIDS“ konnten durchgeführt werden bei der Unterbezirkskonferenz

der Jusos im Kreis Wesel, die uns in den letzten Jahren zu den Welt-Aids-Tagen

sehr unterstützen sowie im „Initiativkreis für schwul-lesbische Aufklärungsarbeit“ bei

und mit den „Buschnattern e.V.“ im Duisburger Norden.

29

Darüber hinaus ist die AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V. immer

bemüht, ihr Angebot einer breiten

Öffentlichkeit transparent zu machen

und nutzt dazu verschiedene Orte

und Anlässe. Wie könnte man auf

Enttabuisierung, Entdiskriminierung

und Emanzipation ausgelegte

Präventionsarbeit leisten, ohne die

sog. Allgemeinbevölkerung über den

Sinn und Zweck

zielgruppenspezifischer Arbeit zu

informieren?

Karl-Heinz, Christa, Edgar, Dietmar (v.l.n.r)

Dazu gab es unter anderem Informationsstände – in der Regel verbunden mit

Gesprächsanlässe schaffenden Aktionen, wie Glücksradeinsätze o.ä. – beim

Duisburger Umweltmarkt und Selbsthilfetag, den ppp-Tagen in Wesel, dem

Stadtteilfest in Duisburg-Hochfeld.

Im Herbst des

Berichtsjahres stand

die aktive Beteiligung

an

zwei

Großveranstaltungen

an mit der über 4000

Jugendliche

erreichenden Anti-

Drogen-Disco „Zoff

dem Stoff) (10.

November) und der

großen Jugendmesse

„re:spect our future“ der

„Aktion Mensch“ am 26.


und 27. November – beide in der Kraftwerkzentrale des Landschaftsparks Duisburg-

Nord.

Aber auch das sich weiter etablierende große schwul-lesbische Sommerfest

(Duisburger CSD) in der Duisburger City, bei dem sich fast das ganze AIDS-Hilfe-

Netzwerk präsentiert, ist in hohem Maße geeignet, weiter Schritte in Richtung einer

breiteren Akzeptanz von unterschiedlichen Lebenswesi en zu machen (s. auch 5.1.).

Dies ist nach wie vor ein zentraler Bestandteil der strukturellen Präventionsarbeit, die

von der AIDS-Hilfe wahrgenommen wird.

Eine besonders gute Kooperation mit der Kindernothilfe e.V., dem evangelischen

Kirchenkreis Duisburg und der Infostelle 3. Welt mündete in eine wunderbare

Veranstaltung zur „Nacht der Solidarität“ im Rahmen des „Aktionsbündnisses gegen

AIDS“, die gleichzeitig mit vielen anderen bundesweiten Aktionen am 10. Juli 04 in

der Lutherkirche in Duisburg-Duissern stattfand, aber leider nur eine geringe

Resonanz erzielte.

4.3 Benefiz-Veranstaltungen

Hocherfreuliches gibt es für das Berichtsjahr in dei ser Rubrik zu berichten, nachdem

hier in 2003 wenig zu vermelden war.

Am 06. März konnte unser langjähriger

Sympathisant Henning Ladewig, alias „Jennifer

Dean“ mit seiner Benefiz-Gala anlässlich seines

20-jährigen Bühnenjubiläums (Kompliment!)

wieder 400 Gäste begeistern und darüber etwa

2.000,- € für die Arbeit der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V. einwerben. Herzlichen Dank

dafür.

Jennifer Dean

Am 02. April füllte Judy Winter die Duisburger „Säule“

mit ihrem M. Dietrich-Programm „Judy meets Marlene“

restlos und sorgte, weil sie gagenfrei und für die

AIDS-Prävention in unserer Region auftrat, für einen

Erlös in Höhe von 1.500,- €.

Judy Winter

30


Im Juni durften wir die vier Veranstaltungen der „Missfits“ (Gerburg Jahnke und

Stefanie Überall) im

Burghoftheater

Dinslaken im Rahmen

ihrer Abschiedstour mit

einem Infostand

begleiten. Dieses

Angebot wurde sogar

von „Martha und

Lisbeth“ ins

Bühnenprogramm

eingebaut, wodurch

eine verstärkte

Wahrnehmung erreicht

wurde. Daneben

konnten noch 600 € an

Spenden eingesammelt

werden.

„Missfits“ (Gerburg Jahnke und Stefanie Überall)

Ein großes Dankeschön gilt einmal mehr Thomas Seven und Dr. Stefan Scholten,

die mit ihrem traditionellen Grünkohlessen zugunsten der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. im November über 2.000,- € für die Aufre chterhaltung unserer

Angebotspalette bereitstellen konnten.

Darüber hinaus erfreut es uns sehr, an dieser Stelle Jahr für Jahr über sehr stabile

Unterstützungsaktivitäten berichten zu können. Da sind zum einen die

Spendensammlungen vieler Kirchengemeinden zu nennen, die in der Regel auf

unsere Anfrage hin für unsere alljährliche Weihnachtsfeier für Menschen mit HIV und

AIDS eingehen – vielen herzlichen Dank dafür – und zum anderen die

Spendenausschüttung einer Reihe von Sparkassen. Ganz besonders bedanken wir

uns hier bei der Sparkasse Duisburg für ihre Treue hinsichtlich der Teilfinanzierung

unserer aufsuchenden Arbeitsangebote.

Ein besonderes Anliegen ist es uns, den zahlreichen Schülerinnen und Schülern und

engagierten Lehrkräften zu danken, die uns mit hoher Motivation, Überzeugung und

zum Teil sehr kreativen Aktionsideen nicht nur bei der Spendesammlung, sondern

auch bei der Thematisierung von HIV und AIDS in zweifellos wichtigsten Zielgruppen

fantastisch unterstützen. Stellvertretend möchten wir hier die Projektgruppen am

Gymnasium Adolfinum in Moers, dem Gymnasium Voerde und dem Sophie-Scholl-

Berufskolleg Marxloh erwähnen.

4.4 Veranstaltungen zum Welt-Aids-Tag 2004

Im Zentrum der Kampagne von UNAIDS, der AIDS-

Organisation der Vereinten Nationen, rund um den Welt-

Aids-Tag am 01. Dezember standen in diesem Jahr

„Frauen, Mädchen, HIV und AIDS“. Nahezu die Hälfte aller

Menschen mit HIV/AIDS weltweit sind weiblich. Frauen

spielen aber auch eine wichtige Rolle beim Kampf gegen

die Immunschwächekrankheit und ihre Folgen.

31


Unter dem Motto „Wir wissen, was wir wollen:

Leben. Lieben. Schutz vor HIV“ beteiligten sich im

Berichtsjahr die Bundeszentrale für gesundheitliche

Aufklärung (BZgA), die Deutsche AIDS-Stiftung

(DAS) und die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH)

gemeinsam an der nationalen Kampagne.

Unterstützt wurden sie dabei von den drei

prominenten Frauen Hannelore Elsner, Bärbel

Schäfer und Sandy: Selbstbewusst und voller

Lebensfreude machten sie Frauen und Männer

jeden Alters auf das Thema AIDS und den Schutz

vor HIV aufmerksam.

Ein wichtiges Element der weltweiten Bemühungen

zur Eindämmung der AIDS-Katastrophe ist neben

der sachlichen Aufklärung die Entwicklung von

Lebensverhältnissen, in denen Mädchen und

Frauen „Nein“ zu ungeschütztem Sex sagen

können. Und nicht zuletzt sind freier Zugang zur

Behandlung, verstärkte Forschung, Unterstützung

für diejenigen, die Infizierte und Kranke beraten,

betreuen und pflegen und die Förderung von

Selbsthilfestrukturen nötig. Hier müssen Mädchen

und Frauen stärker als bisher einbezogen und

gefördert werden.

Angesichts dieser Zusammenhänge und Forderungen fiel es uns in diesem Jahr

nicht schwer, dieses weltweite Motto eins zu eins zu übernehmen, was allerdings

keineswegs bedeutete, dass wir die anderen Zielgruppen und Arbeitsbereiche im

diesjährigen WAT-Rahmen vernachlässigt hätten.

In über 20 Einzelveranstaltungen boten wir zum Welt-Aids-Tag 2004 im Vergleich

zum Vorjahr ein deutlich erweitertes Programm an, das nicht zuletzt die

verschiedenen Arbeitsgebiete der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

repräsentierte (s. Flyer und Pressespiegel im Anhang).

Zum Thema „Frauen und AIDS“ gab es am 01. Dezember im Rathaus der Stadt

Duisburg eine hochkarätige Fachtagung. Erfreulich war hier auch der um die

Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Duisburg unddes Kreises Wesel und anderer

Einrichtungen erweiterte (Mit-) Veranstalterkreis, der für eine breit gestreute

Bewerbung und darüber für einen breiteren Kreis an potentiellen Multiplikator/innen

sorgte.

Ein Selbstbehauptungstraining für Frauen in der AIDS-Hilfe wurde gut angenommen

und sehr gelobt.

Genauso wie ein ähnliches Angebot für Schwule, das Horst Radtke vom

Kommissariat Vorbeugung in gewohnt souveräner Weise leitete – Danke!

Das brisante Thema „barebacking“ wurde von uns in einer Veranstaltung des

„Schwulen- und Lesbenreferates“ der Uni Duisburg aufgegriffen, die erfreulich gut

besucht war.

32


Die traditionellen Red-Ribbon-Aktionen waren im

Berichtsjahr in Voerde (Weihnachtsmarkt) und Duisburg-

Mitte (Galeria Du und Weihnachtsmarkt) platziert und

brachten einen zufrieden stellenden Erlös, aber auch

wieder Eindrücke eines nachlassenden Bewusstseins

innerhalb der Allgemeinbevölkerung.

Zu einem festen und ausgesprochen hilfreichen Partner

hinsichtlich der Präsenz in den Gemeinden im Kreis Wesel

haben sich die Jungsozialisten im Kreis Wesel entwickelt.

Diese wandten sich zum nunmehr fünften Mal mit einer

Red-Ribbon-Aktion und mit einem Glücksrad-Einsatz an

die Bevölkerung in Moers in neuer –durch einen ganztägigen Workshop mit der AH

(s.o.) angeregter Qualität und regten in offensiverer, zielgerichteter und

kompetenterer Weise zum Nachdenken über das HIV-Geschehen, Akzeptanz und

Toleranz an.

Über die bereits erwähnten Aktionen im Rahmen der großen Jugendmessen im

Landschaftspark Duisburg-Nord (s. 4.2.) konnten viele Jugendliche

personalkommunikativ erreicht werden.

Für uns erfreulich hat sich die Verlegung der Veranstaltungsreihe der Homosexuellen

Kultur Duisburg (HoKuDu e.V.) „Ein Blick zu anderen Ufern“ vom Frühjahr in den

Herbst dargestellt, konnten dadurch doch einige Vear nstaltungen das Programm mit

sehr passenden Inhalten ergänzen.

Kritisch betrachtet hat uns die Vielzahl an Veranstaltungen hier und da aber auch die

Grenzen des Leistbaren aufgezeigt.

Sehr erfreulich gestalteten sich wieder einmal die Kooperationen mit einzelnen

Kirchengemeinden. So erneut die Gedenkveranstaltung im Anschluss an unseren

Candle-Light-Walk in der Liebfrauenkirche in Duisburg-Mitte, die von den

Teilnehmenden besonders gewürdigt wurde.

So auch die enge Kooperation mit der Heilig-Geist-Gemeinde in Dinslaken-Hiesfeld.

Gedenkveranstaltung in der Heilig-Geist-Gemeinde, Dinslaken-Hiesfeld

33


Die erstmalige Einbeziehung von Aktivisten der AIDS-Hilfe hat hier in drei

Gottesdiensten zu sehr schönen Verbindungen und sehr motivierenden Erlebnissen

geführt.

Ein ganz besonderes Highlight bot sich den 140 Gästen des Benefiz-

Kammerkonzertes am 30. November im Lehmbruck-Museum in Duisburg, das von

sechs jungen Musiker/innen der Duisburger Philharmoniker konzipiert und nahezu

vollständig alleine organisiert wurde. Dieses Konzert und die Initiative bleiben uns

allen in nachhaltiger Erinnerung.

34


Mitglieder der Duisburger Philharmoniker

Allen, die uns im WAT 04 durch viel Engagement und Kreativität unterstützt haben,

gilt an dieser Stelle noch mal unser ganz herzlicher Dank!

35


4.5 Berichterstattungen in den Medien

AIDS und die Notwendigkeit von AIDS-Hilfe scheint doch nicht ganz in Vergessenheit

zu geraten. Es bleibt allerdings dabei, dass Erinnerung, Öffentlichkeitsarbeit und

Aufklärung wahrnehmbar bleiben müssen.

Auch die Nachfragen von Seiten der Print- und Funkmedien, die unsere Arbeit zum

Teil sehr aufmerksam begleiten, stimmt uns zuversichtlich und führt uns zu dem

Eindruck, gute Arbeit zu leisten.

Wir waren unsererseits mit der Erreichbarkeit und dem Echo bei Presse und

Lokalfunk über das Berichtsjahr verteilt insgesamt sehr zufrieden (s. Pressespiegel

im Anhang).

36


4.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Hier sind für den Stelleninhaber zu nennen:

- Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. in verschiedenen

regionalen Gremien und Arbeitskreisen in Duisburg und dem Kreis Wesel,

- Vorbereitung, Organisation, und Durchführung von Informationsständen,

Seminar- und Vortragsangeboten,

- Organisatorische Begleitung und Pressearbeit für Benefiz- und

Kooperationsveranstaltungen,

- Akquise von finanziellen Mitteln und personellen Ressourcen

(Ehrenamtleranwerbung)

- Kontaktpflege zu Förderern und Kooperationspartnern,

- Beteiligung an der Substitutionsvergabe an Sonn- und Feiertagen,

- Telefonische und persönliche Beratung,

- Beratungsstellenleitung,

- U.a.m.

Abbildung : Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung

Prävention in der Allgemeinbevölkerung / Youthwork -

Veranstaltungen 2004

20

15

10

Reihe1

5

0

Januar April Juli Oktober

37


5. Prävention (zielgruppenspezifisch)

Rüdiger Wächter

5.1 Prävention bei Schwulen, Männern die Sex mit Männern haben und

bisexuellen Männern

5.1.1 Bestandsaufnahme zur Präventionssituation im Bereich schwuler Männer

in Duisburg und dem Kreis Wesel

In Duisburg gibt es fest etablierte Lokalitäten, in denen sich Schwule und Bisexuelle

aus Duisburg und dem Umland regelmäßig treffen.

Wie schon in den vorangegangenen Jahren eröffnen immer wieder neue Lokale,

welche meistens bald wieder schließen. Meistens sind es ehemalige Hetero-

Kneipen, die sich durch die neue Zielgruppe neue Einnahmen versprechen.

Insgesamt gibt es acht Lokalitäten. Davon sind fünf beständige Szenetreffpunkte.

Neben diesen Lokalen gibt es weitere Treffpunkte für Homo- und Bisexuelle in

Duisburg, wie z.B. eine einmal im Monat stattfindende schwul- lesbische

Tanzveranstaltung (Warm Up), Sexläden mit Kino undÖrtlichkeiten, wo Männer Sex

mit Männern haben (Rastplätze und Parks).

In Duisburg sind mehrere schwule Selbsthilfegruppen ansässig.

In den Räumen der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. treffen sich die folgenden

Gruppen:

„Die Junge Unschuld“ (Schwule Jugendgruppe), „Shalk“ (Selbsthilfegruppe

homosexueller Alkoholiker) ; „AkDuLuS“e.V. (Arbeits kreis Duisburger Lesben und

Schwulen) und „HoKuDu“ (Homosexuelle Kultur Duisburg).

Neben den genannten Gruppen sind folgende Vereine und Gruppen außerhalb der

AIDS-Hilfe zu nennen:

„Pink Power“ (Gruppe für Schwule über vierzig); „Pink Channel“ und „Christofer FM“

(Schwule Radiosender), „SchwuBiLe“ (Schwulen- und Lesbenreferat der GH-

Duisburg/Essen), die „Buschnattern“ (Coming Out Beratung) und „Die Poolspatzen“

(Gruppe von Schwulen die sich in den Niederrhein-Thermen Duisburg wöchentlich

treffen).

In Wesel und Umgebung stellt sich die Präventionssituation wie folgt dar:

38


Im Kreis Wesel ist die schwule Community im Vergleich zu Duisburg sehr klein. So

gibt es nur zwei schwule Lokale (Dinslaken und Moers), die man als etablierte

Lokalitäten bezeichnen kann.

In den Räumen der AIDS-Hilfe in Wesel treffen sich folgende Schwulengruppen:

„Gay nach Wesel“ und „das Schwule Sonntagscafé“. In Moers gibt es die

Jugendgruppe „SLAM“ (Schwule und Lesben aus Moers).

5.1.2 Die Präventionskampagne der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V.

„Herzenslust“

Uwe Altenschmidt

Herzenslust ist eine Kampagne, die von der AIDS-Hilfe NRW e.V. entwickelt wurde.

In jeder größeren Stadt in NRW, die über schwule Tr effpunkte und Szenelokalitäten

verfügt, gibt es eine Herzenslustgruppe, die sich hauptsächlich aus schwulen

ehrenamtlichen Mitarbeitern zusammensetzt. Hauptaufgabe von Herzenslust ist die

HIV/AIDS-Prävention bei Schwulen, Männern die Sex mit Männern haben und

bisexuellen Männern.

5.1.3 Ziele von Herzenslust

Nach den bewährten Herzensluststandards wurde im Rahmen der

zielgruppenspezifischen Prävention gearbeitet. Neben der Einbeziehung von

Alltagsexperten (sprich Schwule für Schwule), wurde niederschwellig gearbeitet. Im

Rahmen der professionellen Gesundheitsförderung wurden über die Vermittlung von

Übertragungswegen zu HIV auch Aktionen zur Stärkung des Selbstbewusstseins und

zur allgemeinen Gesundheitsförderung durchgeführt.

39


Zu diesem Zweck wurden personalkommunikative- wie auch massenmediale Mittel,

wie z.B. ein Glücksrad mit Fragen zum Thema HIV und STD´s sowie verschiedene

Kostüme und Dekorationen zur Präsentation unseres Herzensluststandes auf Partys

benutzt. Ebenfalls wurde unsere Homepage durch Fotoaktionen beworben.

Unsere Arbeitsansätze im Detail:

1) Aufsuchende Arbeit in der schwulen Szene und den Örtlichkeiten, wo Männer Sex

mit Männern haben.

Konzeptionelle Ausarbeitung und Durchführung von Herzenslustaktivitäten in der

Szene und Örtlichkeiten, wo Männer Sex mit Männern haben nach den bewährten

Herzensluststandards.

2) Durchführung von Aktionen in der Szene und Örtlichkeiten, wo Männer Sex mit

Männern haben

Durch vorwiegend personalkommunikative- aber bei größeren Events auch

massenmediale Aktionen wurden die Besucher von Partys, Kneipen und

Cruisingareas sowie größeren Veranstaltungen zu HIV/AIDS und anderen sexuell

übertragbaren Krankheiten informiert. Hierfür wurden unterschiedliche Medien und

Kommunikationsmittel eingesetzt.

3) Versorgung der Szenekneipen

Regelmäßig wurden die Szenekneipen mit Informationsmaterialien bestückt. Darüber

hinaus hat die Fachkraft die Betreiber bei Bedarf über Hygienemaßnahmen

aufgeklärt. Durch die kontinuierlichen Kontakte mit den Wirten konnten in den

Lokalitäten Veranstaltungen sowie regelmäßige Aufklärungsarbeit, mit besonderen

Aktionen verknüpft, durchgeführt werden.

5.1.4 Das Herzenslustteam

Das Herzenslustteam Duisburg/Kreis Wesel hat sich regelmäßig unter der Anleitung

einer hauptamtlichen Fachkraft einmal in der Woche getroffen. Bei diesen Treffen

wurden Aktionen mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern geplant/besprochen und für

besondere Veranstaltungen Give-Aways und Dekorationsmaterialien hergestellt.

5.1.5 Fachliche Begleitung

Die Fachkraft hat sich wöchentlich mit dem Herzenslustkoordinator getroffen. Ziele

dieser Treffen war die Einhaltungen der Herzensluststandards sowie die

Koordinierung und Planung der Herzenslustaktivitäten für die jeweiligen Aktionen bei

den verschiedenen Zielgruppen.

Der Herzenslustkoordinator für Duisburg und den Kreis Wesel begleitete die

fachliche Ausarbeitung der Herzenslustaktionen und sporadisch auch die Vor-Ort-

Aktionen. Des Weiteren wurden durch den Koordinator mit der ehrenamtlichen

Herzenslustgruppe regelmäßige Informationsveranstaltungen durchgeführt, welche

sich hauptsächlich mit der Wissensvermittlung von Übertragungswegen von HIV und

anderen STD´s befassten.

Bei den regelmäßig stattfindenden Arbeitskreisen der Duisburger Lesben- und

Schwulengruppen war die Fachkraft als Stellvertreter für die AIDS-Hilfe beteiligt. Hier

wurden Kooperationspartner zur effizienten Erarbeitung von Veranstaltungen und

Aktionen in der schwulen Szene akquiriert.

40


5.1.6 Aktionen in der Szene

Folgende regelmäßige Aktionen wurden im Berichtsjahr durch Herzenslust Duisburg

/ Kreis Wesel durchgeführt:

1. Präsenz des Herzenslustteams auf der schwullesbischen Party „warm up“ in

Duisburg.

Unter verschiedenen Motto´s wurden Infostände aufgebaut und

personalkommunikativ / massenmedial die Besucher zu HIV und anderen sexuell

übertragbaren Krankheiten aufgeklärt.

Größere Aktionen von Herzenslust auf dieser Party waren:

Ingo und Rüdiger

Zu Karneval trat das Herzenslustteam im Fummel auf der Party auf. Durch die, im

Vorhinein eingeübten, Walking-Acts wurden die Besucher auf den Info-Stand und

das Herzenslustteam aufmerksam gemacht.

Loveletter Wand:

Bei der Januar Warm-Up führte das Herzenslustteam Duisburg/Kreis Wesel eine

Loveletteraktion durch. Jeder Partybesucher bekam beim Einlass eine vorgefertigte

Plakette, die mit einer Nummer versehen war, angeheftet und konnte mit anderen

Partybesuchern per Brief Kontakt aufnehmen. Diese Briefe wurden an der Loveletter

Wand, mit der Nummer des anderen Gastes versehen, angeheftet.

Mr. und Miss Warm up 2004:

Zum 4. Mal wurde vom Herzenslustteam Duisburg/Kreis Wesel die Wahl zu Mr. und

Miss Warm up auf der monatlich stattfindenden Warm-Up Party im

Hundertmeister/Duisburg veranstaltet. Die Aktion ging über 3 Monate. (April-Juni ).

In den ersten beiden Monaten (April &Mai) wurden Kandidaten gesucht, die an der

Wahl teilnehmen wollten. Die Kandidaten mussten einen Fragebogen ausfüllen, der

sich inhaltlich mit persönlichen Haltungen und Meinungen befasste, wodurch

persönliche Gespräche mit den Herzenslustmitarbeitern entstanden. Diese

Möglichkeit der Kontaktaufnahme wurde von vielen Kandidaten dazu benutzt, sich

über HIV und andere sexuell übertragbaren Krankheiten zu informieren. Nach dem

Ausfüllen des Fragebogens wurden die Kandidaten von Herzenslustmitarbeitern

41


fotografiert. Die Fotos der Kandidaten konnte man sich auf der Homepage vom

Herzenslustteam Duisburg/Kreis Wesel ansehen. Dadurch wurde die Homepage

beworben, über die sich die Kandidaten zu HIV und anderen STD´s informieren

konnten.

Herzenslust informierte bei diesen Aktionen verstärkt über die Übertragungswege

von sexuell übertragbaren Krankheiten und versuchte sich einen Überblick zu

verschaffen, wie weit die Partybesucher über STD´s informiert sind. Hierbei stellte

sich heraus dass es bei den meisten Partybesuchern Aufklärungsbedarf hinsichtlich

anderer sexuell übertragbarer Krankheiten gab.

Der Plüschsessel

Mr. und Miss Warm up 2004:

Erstmals wurde der Plüschsessel auf der

November-Warm-Up benutzt. Besucher

konnten sich auf diesem

Sessel ablichten lassen.

Diese Fotos wurden mit Statements über die

schwule Community auf

der

Herzenslusthomepage Duisburg/Kreis Wesel

veröffentlicht. Diese Aktion ist mit

verschiedenen

Örtlichkeiten, wo mannmännliche

Kontakte entstehen, auch für das

nächste Jahr geplant.

Ziel ist einerseits durch diese Aktion

personalkommunikativ

mit den Besuchern zu

Themen über HIV ins

Gespräch zu kommen,

andererseits die Herzenslusthomepage

in der schwulen Szene

aktiv zu bewerben.

Wulf

Durch die verschiedenen Statements kann die breite Facette der schwulen

Community dargestellt werden. Dieser Aspekt zielt in die Richtung der schwulen

Kampagne „Die Szene bist Du!“, wo die verschiedenen Subkulturen angesprochen

werden (Die Schubladen des Regenbogens).

42


Benefizgala zugunsten der AIDS-Hilfe Duisburg/Kr. Wesel e.V.

Bei der Benefizgala von Jennifer Dean, alias Henning Ladewig, war das

Herzenslustteam mit einem Infostand vertreten.

Schwul/lesbisches Sommerfest

Auch auf dem diesjährigen schwul/lesbischen Sommerfest in Duisburg war das

Herzenslustteam vertreten.

Neben der Vermittlung von HIV-Übertragungswegen war ein weiterer Schwerpunkt

die Aufklärung über andere sexuell übertragbare Krankheiten. Zu diesem Zweck

wurden Fragen zu STD´s entwickelt, die die Besucher bei dem Glücksrad

beantworten mussten. Bei dieser Aktion wurde deutlich, dass es einen großen Bedarf

an Informationen zu STD´s bei der Zielgruppe gab.

Rastplatzaktionen

Auch 2004 führte das Herzenslustteam Rastplatzaktionen an Örtlichkeiten, wo

Männer Sex mit Männern haben durch. Auf einem kleinen Infotisch, der etwas

Abseits vom Geschehen aufgestellt wurde, konnten sich Rastplatzbesucher bei

Bedarf über einen persönlichen Kontakt zu HIV und STD´s informieren, als auch

Informationsmaterialien mitnehmen. Das Herzenslustteam verteilte im Bereich der

Zugänge zu den Cruisingareas Kondome und Erfrischungstücher.

Szenerundgänge

In regelmäßigen Abständen führte das Herzenslustteam Duisburg/Kreis Wesel einen

Rundgang durch die Szene durch. Hierbei wurde der Kontakt zu den Szenewirten

gepflegt, Infomaterialien ausgelegt und die Spendendosen der AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel e.V. ausgetauscht sowie die Kondomautomaten aufgefüllt.

Neueröffnung eines Gaykinos

Bei der Neueröffnung eines Gaykinos hat das Herzenslustteam

Informationsmaterialien und Kondome an die Besucher verteilt.

Selbstbehauptungstraining

Auch in diesem Jahr wurde von Herzenslust in Kooperation mit dem Kommissariat

Vorbeugung der Duisburger Polizei ein Selbstbehauptungstraining in der AIDS-Hilfe

angeboten. Die Tagesveranstaltung wurde, wie im letzten Jahr, gut besucht.

Barebacking - Veranstaltung

Zum Thema Barebacking hat Herzenslust Duisburg/Kr. Wesel in Kooperation mit

dem SchwuBiLe ein Referat in der Universität Duisburg angeboten.

Weitere Aktionen

Herzenslust hat sich darüber hinaus an den Aktionen der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel beim Welt-Aids-Tag und dem Candle Light Walk zum Gedenken an die, an

den Folgen von HIV verstorbenen Menschen, beteiligt.

43


5.1.7 Überregionale Beteiligung:

Das Herzenslusteam Duisburg beteiligte sich überregional an folgenden

Veranstaltungen:

- CSD Köln

- Präventionsaktion im Warner Brother Movieworld zum Gay Day.

- Präventionsaktion auf der Cranger Kirmes

- Entwicklung der Kampagne „HZL-On Tour“ im Rahmen Herzenslust

Knotenpunkt Ruhrgebiet

5.1.8 Teilnahme an regionalen Arbeitskreisen, Kooperationen

Der Herzenslustkoordinator hat regelmäßig an den Treffen des Arbeitskreises der

Duisburger Lesben und Schwulen teilgenommen. Hier wurden die Kontakte zu

anderen Schwulengruppen gefestigt und gestärkt. Aus diesen Kontakten sind

Veranstaltungen von Herzenslust mit anderen schwulen Gruppen als

Kooperationspartner entstanden.

In Kooperation mit der Beratungsstelle des Gesundheitsamtes zu HIV und anderen

sexuell übertragbaren Krankheiten wurde einen Hepatitis-B-Impfkampagne für

Männer, die Sex mit Männern haben, entwickelt (deren Umsetzung im Berichtsjahr

aufgrund von Barrieren auf Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung noch nicht

erfolgen konnte).

5.1.9 Überregionale Arbeitskreise

Herzenslust Duisburg/Kreis Wesel hat sowohl bei den Herzenslust-

Koordinatorendtreffen der AIDS-Hilfe NRW als auch bei den Herzenslusttreffen im

Ruhrgebiet teilgenommen

Diese Treffen sind für die Wahrung der Qualität der Herzenslustarbeit und der

Diskussion über neue Wege in der Präventionsarbeit sehr wichtig. Durch die

verschiedenen Erfahrungen der anderen Koordinatorenkann so auf Veränderungen

in der Szene zeitnah reagiert werden und mit Aktionen diesbezüglich auf die

Thematik aufmerksam gemacht werden (z.B. die Verbreitung von Syphilis in den

Ballungszentren Köln und Berlin und die damit zu erwartende Ausbreitung in die

Städte des Ruhrgebietes).

44


5.2 Drogen und Substitution

Ralf Runniger

5.2.1 Primär- und Sekundärprävention

5.2.1.2. Suchtprävention bei Partydrogen

Projekt Trip Lounge

Auch im Jahr 2004 hat die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. am

Vernetzungsprojekt mehrerer Einrichtungen, die im Rahmen der Suchtprophylaxe

tätig sind, teilgenommen. Es handelt sich hierbei um die „Trip Lounge“. Wir waren wir

im Soundgarden Duisburg und zum Welt-Drogen-Tag am 26.06.04 in der

Turbinenhalle in Oberhausen präsent.

Eine nähere Beschreibung des Projektes ist in unserem Jahresbericht 2003

nachzuschlagen. Aufgrund eines Tötungsdeliktes an einem Jugendlichen auf dem

Nachhauseweg vom Soundgarden wurden vom Betreiber strengere Einlasskontrollen

durchgeführt. Dadurch bedingt waren die Besucherzahlen im Jahr 2004 im

Soundgarden rückläufig. Unser Beratungsangebot wurde dennoch rege in Anspruch

genommen. Allerdings mussten die Betreiber des Soundgarden Insolvenz anmelden.

Die Gastronomie wurde direkt vom Betreiber der Turbinenhalle in Oberhausen

übernommen und weitergeführt. Die „Trip Lounge“ wurde leider letztmalig am

18.09.04 durchgeführt und danach das Projekt, das federführend von Ginko

organisiert wurde, eingestellt.

Die Suchtprophylaxe der Stadt Duisburg und die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel

haben überlegt, ob sie das Projekt in Duisburg weiterführen können. Aufgrund

mangelnder Ressourcen und der Absagen der Drogenhilfeeinrichtungen in Duisburg

konnte ein Neustart bis zum Jahresende allerdings nicht erreicht werden.

Ursprünglich wollte unsere AIDS-Hilfe im Rahmen des Weltjugendtages auf dem

ehemaligen Gelände der Landesgartenschau in Oberhausen eine gemeinsame

Präventionsaktion zu HIV/AIDS und Partydrogen mit der AIDS-Hilfe Oberhausen

durchführen. Hier fand ein Open-Air-Rave statt. Der Kontakt zum Veranstalter lief

über Ginko. Da es sich um eine kommerzielle Veranstaltung handelte, wurde uns

kurzfristig mitgeteilt, dass neben der „Trip Lounge“ für die AIDS-Hilfe keine

Standfläche zur Verfügung steht. Daraufhin haben wir die Aktion abgesagt.

45


Aus diesem Grund haben wir als AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel nur an der „Trip

Lounge“ in der Turbinenhalle in Oberhausen teilgenommen, die auf der

Anschlussparty des Open-Air-Raves dort stattfand.

Hier trafen wir erkennbar konsumierende Jugendliche an, die zu Gesprächen bereit

und fähig waren.

Aktion im Rahmen der „Duisburger Suchtpräventionstage“

An den „Duisburger Suchtpräventionstagen“ vom 07.11. – 23.11.2004, die von der

Suchtprophylaxe Stelle der Stadt Duisburg organisiert wurden, nahm die AIDS-Hilfe

mit einer Veranstaltung unter dem Titel „Wissen ist Macht“ teil.

Diese fand im Soundpark (Nachfolgediskothek des Soundgarden) am Hauptbahnhof

statt. Hier haben wir einen Infostand aufgebaut, auf dem Info-Material zu HIV/AIDS

und Flyer zu Partydrogen ausgelegt waren. Des Weiteren hatten wir Fragekarten

vorbereitet. Diese unterteilten wir in zwei Themenbereiche: HIV/AIDS und

Partydrogen. Wir haben die Jugendlichen angesprochen und diese konnten drei

Fragekarten zu einem von ihnen ausgewählten Themenkomplex (HIV/AIDS oder

Partydrogen) ziehen und diese im Anschluss beantworten. Danach durften sie am

Glücksrad drehen und haben einen kleinen Preis erhalten, z. Bsp. ein Kondom. Die

Fragen mussten nicht unbedingt richtig beantwortet werden, so bestand die

Möglichkeit, den Jugendlichen durch die Korrektur der falschen Antworten das

entsprechende Wissen zu vermitteln. Da in Nachbarschaft zu unserem Stand eine

Promotionaktion von E-Plus lief, haben wir sehr viele Jugendliche erreicht, die dieser

Aktion auch sehr aufgeschlossen gegenüber waren.

Durch die Aufteilung HIV/AIDS und Partydrogen haben wir viele Jugendliche erreicht,

da wir es einerseits wichtig finden, dass Jugendliche über den „Safer Use“ von

Partydrogen informiert sein sollen, wenn sie sich den für den Gebrauch dieser

Substanzen entscheiden andererseits aber auf jeden Fall Wissen zu HIV/AIDS

haben sollten.

Mit dem Betreiberwechsel der Diskothek hat sich auch das Publikum merkbar

geändert. Es ist dort jetzt ein größerer Anteil Jugendlicher mit Migrationshintergrund

zugegen.

Multiplikatorenschulung

Im März veranstaltete das Berufskolleg Dinslaken einen Prophylaxe-Tag für seine

Pädagoginnen und Pädagogen. Nachmittags fanden Workshops zu verschiedenen

Themenbereichen statt. Hier übernahm die AIDS-Hilfe zwei Workshops zu dem

Thema Designer-Drogen. In Kleingruppen konnten sich die Lehrer und Lehrerinnen

über Substanzen informieren. Der Schwerpunkt ihres Interesse lag darin, wie sie

erkennen können, ob und welche Substanzen von ihren Schülern konsumiert werden

und wie sie damit umgehen sollen. Es kam zu lebhaften Diskussionen, ob man bei

Konsum restriktive Maßnahmen ergreifen sollte oder welche anderen Möglichkeiten

es gäbe.

46


5.2.2 Substitution

5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe

Im Mai / Juni 2004 wurde die Methadonvergabe in der AIDS-Hilfe Duisburg'/ Kreis

Wesel neu organisiert. Die Vergabe findet nun nicht mehr durch einen Haupt- und

ehrenamtlichen Mitarbeiter nur sonntags statt, sondern durch einen Arzt und einen

Ehrenamtlichen Mitarbeiter hier in den Räumen der AIDS-Hilfe und das an allen

Wochenenden und Feiertagen.

Somit hat der Arzt keinen Hintergrund dienst mehr, sondern ist direkt vor Ort und

kann bei Problemen direkt eingreifen. Das nicht abgeholte Methadon wird dann nach

der Vergabe auch nicht mehr zur Vernichtung in dieApotheke gebracht, sondern der

Arzt nimmt die

nicht abgeholten Methadonfläschchen wieder mit, zum weiteren Gebrauch. Die

zeitliche Belastung ist unterm Strich die gleiche geblieben, nur mit dem Unterschied

das früher zwei Mitarbeiter am Sonntag Dienst hatten und nun jeweils einer am

Samstag und Sonntag, finanziell gesehen haben wir uns dadurch verbessert, da ja

somit an zwei Tagen pro Woche Methadon in der AIDS-Hilfe ausgegeben wird.

An dieser Stelle sagen wir den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen herzlichen Dank für

ihr Engagement und ihre Mithilfe.

5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter (PSB)

Die psychosoziale Begleitung von HIV-Positiven / anAIDS erkrankten Substituierten

nimmt auch in diesem Berichtsjahr den größten Teil der Drogenarbeit innerhalb der

AIDS-Hilfe ein. Für diese Begleitung werden konstant zwanzig Plätze zur Verfügung

gestellt, wobei sich die Arbeit auf die in der Begleitung tätigen hauptamtlichen

Mitarbeiter aufteilt.

Im Vordergrund der PSB steht die Stabilisierung der Klienten, die in ihrer

Lebenssituation gestärkt und unterstützt werden. Die Zielsetzung der PSB erfolgt

dabei im Wesentlichen nach den Bedürfnissen der Klienten. Das bedeutet in erster

Linie, dass das subjektive Wohlbefinden der jeweiligen Person verbessert werden

soll. Entsprechend dieser Zielsetzung steht bei einigen Substituierten die

Verbesserung des Gesundheitsstatus im Mittelpunkt, während bei anderen die

Sicherung der materiellen Grundversorgung oder der Aufbau sozialer Netze im

Vordergrund stehen kann.

Dies kann im medizinischen bedeuten, dass wir in eine Substitution vermitteln,

welches aufgrund unserer guten Kontakte zu den substituierenden Ärzten in der

Regel problemlos gelingt. Günstig wirkt sich hier auch aus, dass es zum Jahresende

erstmalig keine Warteliste für Interessenten der Substitution gab, sondern diese Liste

vollständig abgearbeitet ist. Des Weiteren stellen wir den Kontakt zu HIV-

Schwerpunkt-Ärzten her und versuchen die Drogengebraucher, die zum Teil starke

Berührungsängste mit Ärzten dieser Fachrichtung haben, sich in eine adäquate

Behandlung zu begeben. Es ist jedoch schwierig, neue Klienten in ein relativ

schematisches Korsett zu bringen, welches für eine HIV Behandlung notwendig ist

(regelmäßige Überwachung der HIV/AIDS-Parameter, regelmäßige

Tabletteneinnahme).

47


Im Berichtsjahr gab es im Bereich PSB folgende beispielhafte Besonderheiten: Es

gelang, eine Begleitete, die psychotische Schübe hatte, in enger Zusammenarbeit

mit dem Arzt und Unterstützung einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin ambulant wieder

zu stabilisieren. Ein von uns jahrelang begleitetes Ehepaar, bei dem seit Jahren

Trennungstendenzen vorlagen, hat sich in 2004 endgültig geschieden und hier galt

es, den schwierigen Trennungsprozess zu begleiten. Ein neuer Klient musste

stabilisiert werden und hier galt es vor allen Dingen die medizinische Versorgung zu

gewährleisten.

Weiterhin ist es für uns wichtig, auch im Rahmen der PSB die Ressourcen der

Begleiteten zu wecken. Durch die eigene Bewältigungvon Problemen und Aufgaben

erfahren sie eine Stärkung ihres Selbstwertgefühles.

Soziale Kontakte sind ein Hauptwunsch der Begleiteten, wobei diese außerhalb der

Szene liegen sollen. Teilweise funktioniert dieses in einer selbst aufgebauten

Vernetzung der von uns Begleiteten untereinander, teilweise ist dieses aber auch

recht schwierig und wir versuchen der Vereinsamung durch ehrenamtliche

Begleitung entgegenzuwirken.

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten DrogengebraucherInnen

Weiterhin wurde im Berichtsjahr die Drogenszene in Duisburg regelmäßig von JES

Duisburg und der Drogenhilfe des Diakonischen Werkes aufgesucht. Leider erlitt der

Kleinbus der AIDS-Hilfe, der für diesen Einsatz zur Verfügung gestellt wurde, einen

Motorschaden, so dass eine Reparatur wirtschaftlich nicht vertretbar war und dieser

verschrottet werden musste. Dieses geschah in enger Abstimmung mit der Stadt

Duisburg, die die Kosten für die Umbauten des Kleinbusses zum Zwecke des

Streetworks übernommen hatte.

Das Streetwork wird jedoch weiter aufrechterhalten und einmal wöchentlich wird von

JES und der Drogenhilfe des Diakonischen Werkes die Duisburger „Platte“

aufgesucht.

Für uns ist es wichtig, dass mit der Teilnahme von JES am Streetwork ein

niederschwelliges Angebot für DrogengebraucherInnen aufrechterhalten wird. So

kann durch den Zugang von JES zur „Szene“ eine Verbindung zum etablierten

Drogenhilfe-System hergestellt werden, aber auch die DrogenkonsumentInnen, die

keine Anbindung an das Hilfesystem wünschen, haben die Möglichkeit,

Informationen zum „Safer Use“ zu erhalten und vor Ort Spritzen zu tauschen.

Für die Zukunft ist eine engere Zusammenarbeit mit JES angedacht, welche bisher

an den gesundheitlichen Problemen und den daraus resultierenden finanziellen

Folgen des JES-Aktivisten scheiterte.

48


5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen“ am 21.

Juli

Am 21.07.2004 hat die AIDS-Hilfe zusammen mit JES einen Infostand in Duisburg-

Stadtmitte zum Gedenken an die verstorbenen DrogengebraucherInnen

durchgeführt. Gleichzeitig haben wir auf die Vertreibung auf der Duisburger „Platte“

aufmerksam gemacht. Zynischerweise wurde an diesem Tag ein Drogengebraucher

beerdigt, so dass nicht so viele KonsumentInnen auf der Platte präsent waren. Die

Allgemeinbevölkerung hat unseren Infostand eher gemieden. Hier gilt es für nächste

Aktionen, Dinge zu überlegen, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Angedacht ist

zum Beispiel mit einem Flyer die Besucher der Stadt direkt anzusprechen und somit

das Interesse für den Stand zu wecken.

49


Im Vorfeld haben wir nachfolgenden Pressetext veröffentlicht:

Pressetext-Pressetext-Pressetext-Pressetext-Pressetext-Pressetext

JES Duisburg und die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. erinnern an den

21. Juli – den nationalen Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige

Alle Jahre wieder werden durch die zuständige Bundes-Drogenbeauftragte die aktuellen

Zahlen von verstorbenen DrogengebraucherInnen veröffentlicht. Ist die Tendenz steigend,

werden diese dazu benutzt die Schraube der Repression

wieder einmal anzuziehen. Sind die Zahlen hingegen fallend, so wird uns dies als

ein Erfolg der staatlichen Drogenpolitik „verkauft“.

In Duisburg sind im vergangenen Jahr laut offizieller Statistik 23 Menschen an Drogen

verstorben. Doch was sagen diese Zahlen für die aktuell drogenkonsumierenden Menschen

aus? Leider hat sich in den vergangenen Jahren in der Drogenpolitik wenig verändert. Als

die rot/grüne Bundesregierung im Jahr 1998 begann, waren viele Hoffnungen damit

verbunden, dass der Stillstand in der Drogenpolitik nun über-wunden wird. Leider haben sich

diese Hoffnungen nicht erfüllt. Ganz im Gegenteil überwiegen zurzeit die nachteiligen Dinge.

„Mit den Sozialreformen werden die mehrheitlich finanziell schlechter gestellten

Drogengebraucher weiteren finanziellen Belastungen ausgesetzt", sagt Ralf Runniger,

stellvertretender Beratungsstellenleiter der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V.

„Für substituierte Sozialhilfeempfänger werden keine Fahrtkosten mehr zu ihrem

Substitutions-Arzt übernommen, auch wenn diese ihn täglich zur Methadonausgabe

aufsuchen müssen. Da nur wenige Ärzte substituieren, befindet sich dieser

Arzt auch nicht unbedingt in der angrenzenden Nachbarschaft", fährt Ralf Runniger fort. Vor

Inkrafttreten des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes wurde eine Monatskarte (Ticket

2000) von der Krankenkasse finanziert.

In Duisburg gibt es weiterhin Defizite im Angebot des Drogenbereichs. Für kurze Zeit

war ein niederschwelliges Angebot durch einen Kontaktladen des Selbsthilfevereins

JES e. V. verfügbar. Aufgrund von Kürzungen im Landeshaushalt war

dieses Angebot nicht aufrecht zu erhalten, zumal sich die Stadt Duisburg außerstande sah,

dieses Angebot mit finanziell zu unterstützen. Auch gibt es

n Duisburg weiterhin keinen Drogenkonsumraum, für Interessierte an der

Methadonsubstitution gibt es eine Warteliste. In den Duisburger Knästen ist ein Bereitstellen

von Spritzen in weiter Ferne, obwohl die Gefahr, sich im Knast mit Hepatitis C oder HIV zu

infizieren, erheblich ist.

„Die Antwort in Duisburg auf diese Defizite besteht in der Zerschlagung der

Szene auf der Platte durch Aussprechen von Platzverweisen durch die Polizei“,

führt Klaus Blaumeiser von JES Duisburg aus. „Hier wird mit Hilfe des Polizeigesetzes gegen

den Artikel 11 des Grundgesetzes und somit das Recht

jeden Bürgers, sich im öffentlichen Raum dort aufzuhalten, wo es ihm genehm ist,

ausgehebelt. Dies wohl in Anbetracht dessen, dass man nun in Duisburg-City mit Blick auf

das Urbanum nun auch eine „saubere“ Innenstadt den Investoren vorweisen will, wo das

Miteinander bisher einigermaßen gut funktioniert hat,“ fügt Klaus Blaumeiser hinzu.

Weit entfernt sind wir von einer Orginalstoffvergabe für Schwerstabhängige oder

dem visionären Ziel einer Legalisierung aller Substanzen. Denn die Drogentoten

sind nicht wirklich durch den Gebrauch der Substanzen gestorben, sondern an den

Umständen, die sich mit dem Substanzgebrauch ergeben.

JES Duisburg und die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. fordern für und mit

den DrogengebraucherInnen in unserem Land ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes

Leben sowie ein Recht auf Rausch.

Erst dann werden sich die beklagten „tödlichen“ Umstände für die

DrogengebraucherInnen ändern.

Pressetext-Pressetext-Pressetext-Pressetext-Pressetext-Pressetext

50


5.3 HIV und Strafvollzug

Einführung

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. arbeitet s eit vielen Jahren in dem Bereich

Strafvollzug. Durch den Freiheitsentzug der inhaftierten Frauen und Männer kommt

den Justizvollzugsanstalten eine große Rolle bei der Gesundheitsfürsorge der ihnen

„Anvertrauten“ zu. Hier sehen wir unsere Aufgabe sowohl in dem Unterstützen als

auch in dem Beobachten dieser Gesundheitsfürsorge, vor allem bei Menschen mit

HIV/AIDS und im Rahmen unserer Arbeit in der Primärprävention. Durch die

Problematik, dass das Arbeiten innerhalb der Anstalten durch einen sehr engen

Handlungsrahmen eingegrenzt wird, steht unsere Arbeit unter einer Spannung

zwischen Kooperation mit den Haftanstalten und der Interessensvertretung von

Menschen mit HIV/AIDS und drogengebrauchenden Menschen. Ohne die

Kooperation mit den Anstalten kann die schon unter engen Rahmenbedingungen zu

erfolgende Arbeit (Reglementierungen, Referentenwahl) erschwert werden. Als

Interessensvertreter haben wir gegenüber den Menschen, die von uns begleitet

werden möchten die Rolle des Unterstützers und stehen als „Anwalt“ hinter ihnen.

Durch diese gegensätzlichen Pole wird die Arbeit unserer Einrichtung in dem Bereich

HIV und Strafvollzug bestimmt und geprägt.

5.3.1 Die Anstalten und Gerichte

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist Anspre chpartner für drei

Justizvollzugsanstalten, den Gerichten in Duisburg und Wesel als auch deren

Zweigstellen (Rheinhausen und Hamborn).

Die Justizvollzugsanstalten liegen in Duisburg Hamborn und Duisburg Innenstadt

(jeweils für Männer) sowie in Dinslaken (für Frauen).

Die Anstalten sind für Menschen mit folgenden Verurteilungen/Strafen vorgesehen:

-Untersuchungshaft

Alle Angeklagten, bei denen eine Verwahrung bis zur Gerichtsverhandlung als

notwendig vom Richter/Staatsanwalt erachtet werden wie z.B. bei Fluchtgefahr,

müssen bis zur Urteilsverkündung in Untersuchungshaft.

-Haftstrafen bis zu 3 Monaten

Personen mit einer kurzen Haftstrafe, bei denen ein offener Strafvollzug nicht

geeignet erscheint (hier sind meistens Drogenkonsumenten von betroffen).

-Ersatzfreiheitsstrafe

Personen, die eine Geldstrafe nicht bezahlt haben bzw. nicht zahlen wollen und den

Freiheitsentzug als Alternative vorziehen.. Auch hier kommen Personen in den

Vollzug, bei denen ein offener Vollzug nicht geeignet erscheint.

Die Haftanstalten haben folgende Größe:

Duisburg-Hamborn 270 Plätze für Inhaftierte

Duisburg-Innenstadt 130 Plätze für Inhaftierte

Dinslaken 74 Plätze für Inhaftierte

51


5.3.2 Tätigkeiten der AIDS-Hilfe

Unsere Tätigkeiten sind:

1. Begleitung von HIV-Positiven im Strafvollzug

2. Präventionsarbeit für Insassen in den Justizvolzlugsanstalten

3. Schulung der Bediensteten aus den Justizvollzugsanstalten, Amtsgerichten

und Justizbehörden zu den Themen HIV und Hepatitiden

4. Drogen- und Knastgruppe in der AIDS-Hilfe

5. Überregionale Vernetzungsarbeit der AIDS-Hilfen aus NRW, die im

Strafvollzug tätig sind.

Die Aufgaben wurden von ehrenamtlichen als auch hauptamtlichen MitarbeiterInnen

der AIDS-Hilfe wahrgenommen und durchgeführt.

5.3.3 Begleitung

In diesem Jahr wurden durch unsere ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter

HIV-positive, die dies wünschten, in den Justizvollzugsanstalten begleitet. Die

Insassen wurden je nach Bedarf, von uns besucht. Sokonnten sich die Insassen auf

einen dauerhaften Gesprächspartner zu allen Belangen freuen. Einmal im Monat

wurden den HIV-positiven Insassen, die von uns begleitet wurden, Knastpakete

mitgebracht. Ab Mitte des Jahres wurde das Geld für die Knastpakete über die DAS

beantragt. Nach vorheriger Anfrage bei den Inhaftierten, ob sie mit dem Weiterleiten

ihrer Personalien an die DAS einverstanden seien, wurde für die voraussichtliche

Verweildauer das Geld für die Pakete im Voraus erstattet.

Zu der Begleitung gehörten neben den Besuchen auch die Erstellung von

Sozialberichten, um eine Therapie statt Strafe zu erzielen. Diese Sozialberichte,

welche einen großen zeitlichen Aufwand erforderten, wurden im Sinne der

Begleiteten erstellt, um eine reibungslose und schnelle Abwicklung zu gewährleisten.

Durch diesen Aufwand konnten wir die Wartezeit auf ein Minimum reduzieren.

Bei Begleiteten, die statt Haft in eine Therapieeinrichtung gehen wollten, wurde von

uns die überwachende Aufgabe im Namen der Anwaltschaft übernommen (bei Flucht

sollte die Staatsanwaltschaft informiert werden).

Durch die gute Kooperation mit der Dinslakener Justizvollzugsanstalt konnte unser

Angebot um die Psycho-Sozialen-Begleitung erweitert werden. Hiermit konnten

substituierte Insassen, die HIV-Positiv sind, durchunser Angebot in kürzester Zeit in

das Substitutionsprogramm der Haftanstalt übernommen werden. Dieses Angebot

soll auch für die Anstalten Hamborn und Innenstadt erweitert werden.

5.3.4 Prävention

In diesem Jahr haben wir mehrere Veranstaltungen für Inhaftierte in der

Justizvollzugsanstalt Dinslaken durchgeführt. Es wurden folgende Themen

angesprochen: Übertragungswege von HIV und Hepatitis C. Vermehrt wurde auf die,

in den Haftanstalten begrenzten Möglichkeiten der Sterilisation von benutzten

Spritzen eingegangen. Ebenfalls wurden andere sexuell übertragbare Krankheiten

angesprochen.

52


Die geplante Hepatitis-C Selbsthilfegruppe konnte nicht, wie geplant, installiert

werden.

Nach zwei Gesprächen in der Justizvollzugsanstalt Dinslaken, zwischen der

Hepatitis-Selbsthilfegruppe, der AIDS-Hilfe und der Leitung der JVA, wurde die

Installierung einer monatlich stattfindenden Hepatitis-Selbsthilfegruppe

abgesprochen. Die dafür benötigten Sicherheitsüberprüfungen wurden von der

Leitung in der JVA-Hamborn als nicht ausreichend befunden. Selbst nach dem sich

die Leiterin der Haftanstalt Dinslaken persönlich für die Sicherheitsüberprüften

eingesetzt hat, änderte dies nichts an dem Beschluss.

5.3.5 Schulung der Bediensteten aus den Justizvollzugsanstalten,

Amtsgerichten und Justizbehörden zu den Themen HIV und Hepatitiden

Auch in diesem Jahr wurden Veranstaltungen für Beamte in Justizbehörden, Knästen

und Behörden durchgeführt.

Zwei Veranstaltungen wurden von der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V.

angeboten. Diese wurden für die Bediensteten des Amtsgerichtes Ruhrort und der

Staatsanwaltschaft Duisburg durchgeführt. Die Teilnehmerzahl lag bei jedem Termin

bei 17 Personen.

Bei all diesen Veranstaltungen wurden folgende Themen angesprochen:

- Medizinische Aspekte von HIV/AIDS

- Übertragungswege von HIV/AIDS

- Risiko der Übertragungsmöglichkeiten im Kontext der Arbeit in den Behörden

(Nadelstichverletzungen)

- Übertragungswege von Hepatitisviren, Schwerpunkt war vor allem Hepatitis C,

und deren Unterschiede zu HIV

- Vermittlung der Haltung im Bezug auf illegalisierte Substanzen der AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel e.V., wenn möglich durch Referenten von JES

(Selbsthilfe)

- Diskussionen zu Drogen, bei denen Drogenkonsumenten aus Ihrer Sicht die

Thematik aufgreifen und sich den Fragen der Beamten stellten.

Die zwei geplanten Veranstaltungen für die Bediensteten in der JVA Dinslaken

konnten nicht durchgeführt werden, da diese freiwillig angeboten wurden und es

nicht genügend Interessierte gab.

5.3.6 Drogen - Knastgruppe

Die Drogen- und Knastgruppe traf sich auch in diesem Jahr regelmäßig alle zwei

Wochen. Sie wurde von einem hauptamtlichen Mitarbeiter begleitet. Die

Gruppengröße von 3 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen blieb über die längste Zeit des

Jahres konstant. Zum Ende des Jahres verringerte sie sich auf zwei Personen.

Im Sinne des Arbeitsansatzes der AIDS-Hilfe (strukut relle Prävention), gestaltete die

Gruppe ihre Arbeit.

So setzte sich die Gruppe aktiv mit den politischen Forderungen der AIDS-Hilfe

auseinander. Die Sicherheitsüberprüfung nahm weiterhin viel Zeit für sich in

Anspruch, da Vorgespräche mit einem Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt vor dem

53


eigentlichen Antrag durchgeführt werden mussten. Die Überprüfungen dauerten

danach ca. 4-6 Monate.

Die Begleitung von HIV-positiven im Strafvollzug ist einer der wichtigsten Punkte der

Drogen- und Knastgruppe. In der Gruppe wurde über die einzelnen Personen

gesprochen und die verschiedenen Situationen, wenn Probleme entstanden,

reflektiert. Dies sollte die begleitende Person stärken und die anderen

Gruppenteilnehmer konnten ihre Erfahrungen austauschen.

Bei Anträgen, Briefkontakten und anderweitigen Anfragen von Inhaftierten, Anstalten

und Gerichten wurde die Gruppe als Infopool genutzt, um die anstehenden Aufgaben

zu koordinieren.

Durch die neu angebotene Psycho-Soziale Begleitung wurde der ehrenamtlichen

Begleitung ein noch höherer Stellenwert eingeräumt, da die zweimal im Monat

stattfindenden Besuche die eigentliche PSB darsteltlen. Nur bei speziellen Anfragen

ist der hauptamtliche Mitarbeiter zu Gesprächsterminen in die Anstalt gekommen.

5.3.7 Landesarbeitskreis

Auf überregionaler Ebene beteiligte sich die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. an

der regelmäßig stattfindenden Landesarbeitsgemeinschaft Drogen/Knast der AIDS-

Hilfe NRW e.V. Bei diesem Arbeitskreis wurden die v erschiedenen Erfahrungen der

jeweiligen Mitgliedsorganisationen ausgetauscht. Neben diesem Austausch wurden

verschiedene Themen und Projekte vorgestellt und diskutiert.

Im Rahmen des Landes-Arbeitskreises wurde der hauptamtliche Mitarbeiter der

AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel Ansprechpartner für das Justizvollzugskrankenhaus

Fröndenberg. In diesem Rahmen gab es zwei Treffen mit dem Leitenden Arzt des

Krankenhauses und der hauptamtlichen Mitarbeiterin der AIDS-Hilfe NRW, um die

medizinische Versorgung von HIV-Positiven Inhaftierten und deren externe

Begleitung durch die AIDS-Hilfen abzustimmen.

Resümee

Insgesamt können wir auf ein interessantes Jahr zurückblicken. Die Arbeit mit den

Anstalten ist nicht mehr so stark von Spannungen geprägt wie in den Jahren zuvor.

Jedoch wird das Thema Spritzen im Knast weiterhin ein Spannungsfeld bleiben, mit

dem sich die AIDS-Hilfe NRW befassen muss, da dieses von den einzelnen

Mitgliedorganisationen auf Verbandsebene nicht geleistet werden kann.

Die Thematik Hepatitis C und andere sexuell übertragbaren Krankheiten muss

weiterhin ein Schwerpunkt bei Informationsveranstaltungen bleiben. Der

Wissensbedarf war bei Inhaftierten wie auch bei Bediensteten immens. Zu diesem

Zweck wurde aus der Selbsthilfe eine Referentin akquiriert, die mit uns zusammen

Informationsveranstaltungen durchführt. Die Kooperationen mit den Haftanstalten

Hamborn und Innenstadt sind besser geworden. Es istein Treffen der AIDS-Hilfe mit

den Vertretern der Anstalten geplant. Hier soll die Kooperation weiter gefestigt

werden. Themen wie z.B. das Angebot einer Weihnachtsfeier durch die AIDS-Hilfe in

der Anstalt Hamborn sollen dort besprochen werden.

Auch in diesem Jahr geht ein herzliches Dankeschön an alle ehrenamtlichen

MitarbeiterInnen, ohne deren Engagement die Arbeit im Strafvollzug in diesem

Umfang nicht möglich gewesen wäre.

54


5.4 Frauen und AIDS, Prostitution

Anika Walther

5.4.1 Frauen und AIDS

In dem Jahr 2004 erfolgte die zielgruppenspezifische AIDS-Prävention in dem

Arbeitsbereich ‚Frauen’ in inhaltlich ausdifferenzierten Formen.

Die Zielsetzung, für Frauen mit HIV / AIDS angemessene und bedarfsgerechte

Versorgungsstrukturen zu erschließen und ein Umfeld zu gestalten, dass den Frauen

den Zugang zu persönlichen und strukturellen Ressourcen eröffnet, galt es mit

unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten zu erreichen. Die Umsetzung gelang durch

die Vielfältigkeit der Maßnahmen (u. a. gezielte Veranstaltungen und ein

Internetangebot für betroffene Frauen, Fachtagung zum Thema ‚HIV und AIDS’ für

GynäkologInnen, Allgemeinmediziner und frauenspezifische Institutionen,

landesweite Öffentlichkeitsarbeit zum internationalen Frauentag).

Dieses war jedoch in diesem Umfang nur mit Hilfe der KooperationspartnerInnen

möglich. Die Vernetzung bleibt in dem Arbeitsbereich ‚Frauen und HIV / AIDS’ somit

ein wesentliches Merkmal, um vorhandene Ressourcen zu bündeln und effizienter zu

arbeiten. Auf der Landesebene ebenso wie auf der überregionalen und regionalen

Ebene lassen sich hierdurch Projektideen entwickeln und umsetzen, die die

Projektarbeit weiterqualifizieren.

5.4.1.1 Sicherstellung und Ausbau der Versorgungsstrukturen für Frauen mit

HIV und AIDS

Die Zielsetzung für das Jahr 2004 bestand im Wesentlichen darin, für HIV-infizierte /

an AIDS-erkrankte Frauen soziale und medizinische Ressourcen zu erschließen

bzw. zu erweitern.

Von zentraler Bedeutung im Hinblick auf die sozialen Ressourcen ist dabei die

Bereitstellung eines Rahmens, in dem die Frauen gegenseitige Unterstützung

erfahren.

In der Jahresplanung ließ sich dieser Aspekt durch die zwei Vernetzungstreffen für

betroffene Frauen im Ruhrgebiet und Düsseldorf erfolgreich umsetzen.

Darüber hinaus galt es, die Frauen in ihren Wünschen zu unterstützen, die sich Ende

2003 durch eine durchgeführte Zukunftswerkstatt herauskristallisiert hatten. Die

Frauen formulierten neben den Vernetzungstreffen eni en weitergehenden Bedarf an

55


privaten Treffen. Dieser Wunsch nach gemeinsamer Freizeitgestaltung sollte von

Seiten der Hauptamtlerinnen der AIDS-Hilfen (Dortmund, Essen, Düsseldorf und

Duisburg / Kreis Wesel) in ihrer organisatorischen Umsetzung unterstützt werden.

2004 zeigte sich, dass die Motivation der Frauen, ein privates Treffen zu

organisieren, an der tatsächlichen Planung und Umsetzung scheiterte.

Für die weitere Arbeit heißt dieses, dass die Frauen weiterhin in ihrem Impuls,

private Treffen zu organisieren, motiviert werden. Dabei gilt es jedoch, zwischen dem

Anspruch der Hauptamtlerinnen, die Selbsthilfe der Frauen untereinander zu fördern,

und den tatsächlichen Bedürfnissen der Frauen in ihrem Lebensalltag zu

differenzieren. Möglicherweise besteht zwischen den formulierten Wünschen der

Frauen und dem Wunsch, diese im Alltag tatsächlich umzusetzen, eine Diskrepanz.

Durch die Erweiterung der Vernetzungsstruktur bot sich im Hinblick auf die

gemeinsame Zielsetzung eine weitere Veranstaltung an, welche die AIDS-Hilfe

Düsseldorf e.V. und die AIDS-Hilfe Duisburg e.V. ge meinsam umsetzten. Das

Angebot war schwerpunktmäßig auf die Frauen ausgerichtet, die an einer

künstlerischen Auseinandersetzung mit ihren Gefühlen Interesse hatten. Durch die

Kunsttherapeutin, die bereits seit einigen Jahren mit positiven Frauen arbeitet,

gelang es den Frauen, über das Malen der Bilder eine intensive Auseinandersetzung

mit ihren Gedanken und Gefühlen zu erreichen. Von Seiten der Frauen besteht der

Wunsch, dieses Angebot zu wiederholen. Darüber hinaus entstand der Gedanke, die

gemalten Bilder in einem geeigneten Rahmen auszustellen. Die beiden AIDS-Hilfen

werden dieses in dem Projektjahr 2005 aufgreifen.

Für einen Teil der Frauen, die von der AIDS-Hilfe D uisburg / Kreis Wesel e.V.

begleitet werden, entsprechen die Vernetzungstreffen und Gruppenangebote nicht

den Bedürfnissen (u.a. Angst vor dem Verlust der Anonymität). In der Einzelfallarbeit

mit diesen Frauen zeigte sich 2004, dass frauenspezifische Angebote innerhalb der

AIDS-Hilfe gewünscht werden. Umgesetzt wurde dieses mit einer Veranstaltung zur

Selbstverteidigung. Dieses Training vermittelte den Frauen, dass sie und ihr Körper

es wert sind, sich zu verteidigen. Zum einen ist die Unterstützung des

Selbstwertgefühls der Frauen ein wesentliches Element, da einige Frauen u.a.

wegen körperlicher Veränderung durch die antiretrovirale Therapie ein entfremdetes

Körpergefühl haben. Zum anderen kommt dem Selbstverteidigungstraining im

Hinblick auf die Ergebnisse der AWO Studie eine wichtige Bedeutung zu, in der sich

zeigte, dass HIV-positive / an AIDS-erkrankte Frauen überdurchschnittlich oft

Missbrauchserfahrungen erlitten hatten.

Das Jahr 2004 zeigt, dass die Arbeit mit HIV-infizierten / an Aids-Erkrankten Frauen

vielfältig gestaltet werden muss, um der Heterogenität der Zielgruppe zu

entsprechen. Die Vernetzungsstruktur zwischen den Einrichtungen ist dabei ein

wesentlicher Aspekt, da diese Optionen eröffnet, die mit den jeweiligen zeitlich

eingeschränkten Ressourcen der Hauptamtlerinnen nicht leistbar wären. Nicht alle

Frauen lassen sich durch Gruppenangebote erreichen. Neben der Gruppenarbeit

nimmt besonders die Einzelfallhilfe einen wichtigen Stellenwert ein.

Die Verbesserung der medizinischen Versorgungsstruktur für Frauen mit HIV / AIDS

in Duisburg und Kreis Wesel wurde mit einer Fachtagung zum WAT 2004 angestrebt.

Zielgruppen waren in erster Linie Allgemeinmediziner, Gynäkologen und

Institutionen, die im Frauenbereich tätig sind. DieThemen waren ‚Epidemiologie und

HIV Übertragungswege’, Prävention für Frauen’, ‚Interview mit einer HIV-positiven

56


Mutter und ‚HIV und AIDS bei Frauen / Aids-Assoziierte Krankheitsbilder /

Kinderwunsch’.

Der Projektnehmerin gelang es gemeinsam mit einer Kollegin vom Gesundheitsamt

Duisburg für dieses Projekt KooperationspartnerInnen zu gewinnen. Mit Hilfe des

Fachbereiches Gesundheitswesen des Kreises Wesel, der Gleichstellungsstelle des

Kreises Wesel, dem Frauenbüro der Stadt Duisburg und der Kommunalen

Gesundheitskonferenz Duisburg ließ sich die Veranstaltung erfolgreich durchführen.

Als Teilnehmer konnten Ärzte und Institutionen sowo hl aus Duisburg als auch aus

dem Kreis Wesel begrüßt werden.

5.4.1.2 Öffentlichkeitsarbeit in dem Bereich „Frauen und AIDS’

Das Rundbriefprojekt „Frauen Akt(H)iv“ hat es sich zum Ziel gesetzt

frauenspezifische Institutionen in Duisburg und dem Kreis Wesel regelmäßig über

das Thema ‚HIV / AIDS und Frauen’ zu informieren. Mit diesem Rundbrief soll zum

einen das Thema präsent gehalten werden, zum anderen gilt es die Institutionen

über wichtige Veränderungen in diesem Themenbereich zu informieren. In diesem

Jahr ließ sich das gesetzte Ziel, zwei mal im Jahr den Rundbrief zu erstellen, nicht

verwirklichen. Der geplante Rundbrief zum Welt-Aids-Tag 2004 entfiel aufgrund einer

langwierigen Erkrankung der Projektnehmerin. Im Jahr 2005 ist wieder eine

regelmäßige Herausgabe von zweimal im Jahr geplant.

Die überregionale Vernetzung ist in Kooperation mit der AIDS-Hilfe Dortmund und

Studentinnen der Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Soziales, durch die

Installierung einer Homepage gelungen. Diese richtet sich an Frauen, die HIV-positiv

/ an AIDS erkrankt sind sowie an Personen, die an der Thematik ‚Frauen und AIDS’

interessiert sind.

2004 wurden die Rubriken mit frauenspezifischen Informationen und Angeboten

erstellt. Neben den Rundbriefprojekten der beiden AIDS-Hilfen bietet die Seite

weiterführende Links zu relevanten Seiten (z.B. Link zu AIDS-Hilfe NRW e.V., die in

ihrem Infopool NRW-weit Institutionen präsentieren, die betroffene Frauen

unterstützen) und Veranstaltungen / Gruppentermine für betroffene Frauen im

Ruhrgebiet. Darüber hinaus wurde ein Forum eingerichtet, das positiven Frauen die

Option bietet, auf anonymen Weg miteinander zu kommunizieren und sich

auszutauschen.

Die Bewerbung der Homepage erfolgte zum einen über den Rundbrief der AIDS-Hilfe

NRW e.V. und zum anderen über zwei Bewerbungsaktionen in den Innenstädten von

Dortmund und Duisburg. Dabei wurden an Frauen Karten mit der Homepageadresse

verteilt. Die Homepage war für Interessierte über einen Labtop erreichbar und über

eine Glücksradaktion zum Thema ‚Frauen und HIV / AIDS’ konnten Frauen

zusätzlich über das Thema informiert werden.

Die Presse erschien nicht zum Ortstermin, allerdings wurde zum Teil die

Pressemitteilung veröffentlicht.

Eine weitere Öffentlichkeitsveranstaltung wurde mit der Unterstützung von

Ehrenamtlerinnen und einer Kollegin des Gesundheitsamtes der Stadt Duisburg zum

internationalen Frauentag umgesetzt. Die Idee zu dieser Aktion entwickelte sich in

der Landesarbeitsgemeinschaft ‚Frauen und AIDS’ und wurde dort gemeinsam

geplant. Den organisatorischen Rahmen übernahm dabei die AIDS-Hilfe NRW e.V.,

die die Give-aways für diesen Tag bereitstellte. So konnten an diesem Tag 400

57


gepackte Tüten (mit neu gestalteten Postkarten für die Frauenarbeit in NRW,

Kondomen und einem Bonbon) verteilt werden.

Diese Aktion war besonders in der Hinsicht erfolgreich, dass sie auf der

Landesebene stattfand – und somit größeres Interesse hervorrief – und darüber

hinaus die Ressourcen bündelte, in dem z.B. die Pressemitteilung gemeinsam

genutzt werden konnte.

5.4.1.3 Präventionsarbeit bei Frauen aus benachteiligten Verhältnissen

2004 ließ sich die Präventionsarbeit bei Frauen aus benachteiligten Verhältnissen

nur bedingt umsetzen. Die Veranstaltungen im Rahmen von Solwodi e.V., einer

Anlaufstelle für Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind, wurden

erneut gemeinsam mit der Kollegin vom Gesundheitsamt erfolgreich durchgeführt.

Deutlich zeigte sich, dass es sich bewährt, die Frauen in ihrer vertrauten Umgebung,

d.h. in ihrer Einrichtung, in der sie übergangsweise leben, aufzusuchen. In diesem

Rahmen ist es für die Frauen leichter, sich zu öffnen und über Sexualität zu

sprechen.

Die Zielsetzung weitere Rahmenbedingungen zu identifizieren, in denen

Präventionsveranstaltungen für Frauen aus benachteiligten Verhältnissen angeboten

werden können, gestaltete sich als schwierig.

Zum einen reagierten Einrichtungen nicht auf das Angebot (z.B. ein Frauenhaus),

zum anderen wurde eine Veranstaltung im Rahmen einer Beratungsstelle für Frauen

angeboten, die jedoch nicht angenommen wurde.

Durch die geringen zeitlichen Kapazitäten sind die Möglichkeiten, geeignete

Rahmenbedingungen für Präventionsveranstaltungen zu ermitteln, begrenzt.

Dennoch soll dieses, je nach Zeitkontingent, weiter verfolgt werden, da das Beispiel

Solwodi e.V. zeigt, dass es sinnvoll ist, sich neue Veranstaltungsorte zu erschließen.

5.4.1.4 Teilnahme an Arbeits- und Vernetzungskreisen und landesweite

Gremienarbeit

2004 ließ sich die Frauenarbeit der AIDS-HILFE Duisburg / Kreis Wesel e.V. mit Hilfe

der regionalen und überregionalen Vernetzung weiterentwickeln. Die

Auseinandersetzung mit Fachfrauen auf der Landesebene im Rahmen der LAG

‚Frauen und AIDS’ trägt wesentlich dazu bei, dass sich die Projektnehmerin für ihre

Arbeit vor Ort weiterqualifiziert.

In diesem Jahr wurde darüber hinaus die Idee einer gemeinsamen, landesweiten

Öffentlichkeitsarbeit umgesetzt (siehe 5.4.1.2 Öffentlichkeitsarbeit in dem Bereich

‚Frauen und AIDS’).

Auf der regionalen Ebene gestaltet sich die Integration und Auseinandersetzung mit

dem Thema HIV / AIDS und Frauen weitaus schwieriger. Durch die Kooperation mit

dem Frauenbüro in Duisburg bezüglich der Fachtagung (siehe 5.4.1.1

Sicherstellung und Ausbau der Versorgungsstrukturenfür Frauen mit HIV und

AIDS) konnte jedoch das Thema in dem Arbeitskreis ‚Frauen und Gewalt’

aufgegriffen werden, da dieser vom Frauenbüro initiiert wird. An den Terminen des

Arbeitskreises wird die Projektnehmerin weiterhin nur begrenzt teilnehmen, um den

Kontakt zu den jeweiligen frauenspezifischen Einrichtungen in Duisburg zu erhalten.

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5.4.2 Präventionsarbeit mit Sexarbeiterinnen und illegalisierten

DrogengebraucherInnen

5.4.2.1 Prostitution

2004 bestand der Kontakt zu dem Duisburger Straßenstrich durch die kontinuierliche

aufsuchende Arbeit der Projektnehmerin gemeinsam mit der Kollegin vom

Gesundheitsamt. Der Bedarf an Aufklärung bezüglich HIV / AIDS und STD’s hat sich

in diesem Projektjahr erhöht. Dieses besonders durch jüngere Frauen, die deutlich

weniger Wissen zum Thema Safer Work aufweisen, als ein großer Teil der Frauen

die seit einigen Jahren auf dem Straßenstrich arbeiten. In den Gesprächen mit den

Frauen kristallisiert sich deutlich die Problematik zwischen dem Druck, Geld zu

verdienen und dem Anspruch safe zu arbeiten heraus. In dem Spannungsfeld, in

dem sich die Frauen befinden, zeigen sich die Grenzen der Arbeit, da Safer Work nur

praktiziert wird, wenn der finanzielle Druck nicht zu hoch ist.

In diesem Zusammenhang bekommt die Freierarbeit einen wichtigen Stellenwert. In

diesem Projektjahr war eine Aktion in diesem Bereich geplant, konnte jedoch

aufgrund einer Erkrankung der Projektnehmerin nicht durchgeführt werden.

Erneut wurden zum Nikolaus Päckchen gepackt, die an die Sexarbeiterinnen auf

dem Straßenstrich und den Bordellen verteilt wurden. Neben einem kleinen Präsent

wurde mit Hilfe eines Infoblattes das Untersuchungsangebot des Gesundheitsamtes

beworben.

5.4.2.2 Präventionsarbeit mit illegalisierten DrogengebraucherInnen

Aufgrund der veränderten personellen Situation innerhalb der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V. fällt der Drogenbereich nicht mehr in den Arbeitsbereich der

Hauptamtlerin. Dieser wurde von einem Kollegen der AIDS-Hilfe übernommen.

5.5 Migration

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. setzte s ich in dem Berichtsjahr 2004

erneut mit dem Thema ‚Migration’ auseinander. Dieses erfolgte sowohl intern (zum

Beispiel durch die Schulung der MitarbeiterInnen der AIDS-Hilfe zum Thema

‚Interkulturelle Kompetenz’) als auch extern durch die Arbeit in einem überregionalen

Arbeitskreis.

Die AIDS-Hilfe versteht die Umsetzung des Zieles der ‚Interkulturellen Öffnung’ als

einen Prozess, der eine kontinuierliche Auseinandersetzung in der Einrichtung

voraussetzt.

5.5.1 Migration und Begleitung

Die Gruppe der SchwarzafrikanerInnen war in diesem Berichtsjahr die zahlenmäßig

größte Gruppe der MigrantInnen, die in der AIDS-Hilfe begleitet wurden.

Darüber hinaus hatte die Einrichtung Kontakt zu türkischen und osteuropäischen

MigrantInnen. In der Begleitung zeigt sich, dass viele Thematiken, die in der

Beratungs- und Versorgungssituation eine Rolle spielen, kulturell geprägt sind.

59


Dieses kann in Beratungssituationen zu Missverständnissen, Fehlentscheidungen

und kontraproduktiven Unterstützungs- und Behandlungsangeboten führen. Darüber

hinaus wird die Verständigung oftmals durch die sprachlichen Barrieren erschwert. In

der Alltagsarbeit gestaltet sich die Suche nach geeigneten Dolmetschern für die

Beratungssituation sehr zeitaufwendig. Die Schwiergi keit, über sensible Themen wie

HIV / AIDS, Sex, Drogen u.ä. zu sprechen, wird durch diese eingeschränkte

Verständigungssituation deutlich erschwert.

Die Begleitung von HIV-Infizierten / an Aids-Erkrankten SchwarzafrikanerInnen ist

oftmals durch die unsichere Lebenssituation der MigrantInnen geprägt. Die Regelung

des Aufenthaltsstatus und der Umgang mit dem fremden Aufenthaltsland stehen für

die MigrantInnen oftmals im Vordergrund. Die HIV/AIDS-Erkrankung kann gegenüber

dieser psychischen Belastung in den Hintergrund treten.

In der Begleitung gilt es eine Sensibilität gegenüber dieser spezifischen

Lebenssituation zu entwickeln. Innerhalb der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

ist es dementsprechend ein wichtiges Ziel, dass die MitarbeiterInnen diesbezüglich

weiterhin geschult werden.

Das Thema HIV / AIDS ist in der Community der SchwarzafrikanerInnen meistens

ein Tabuthema. Für die AIDS-Hilfe war es daher eine wichtige Bereicherung

innerhalb der Begleitungsarbeit, dass die Selbsthilfegruppe der infizierten

SchwarzafrikanerInnen in diesem Berichtsjahr ihre Treffen in Duisburg vollzog. Von

unserer Seite galt es, die Gruppe bei der Suche nach Räumlichkeiten und bei der

Finanzierung dieser zu unterstützen.

Für das Berichtsjahr 2004 lässt sich konstatieren, dass die Begleitung von

MigrantInnen in großen Maße davon geprägt ist, ob die MigrantInnen die deutsche

Sprache sprechen, verstehen und lesen können. Ist dieses nicht der Fall, nimmt die

Begleitung innerhalb der AIDS-Hilfe ein sehr großes Ausmaß an, da es keine

‚Übersetzungsstelle’ gibt, die die MigrantInnen im Lesen der Briefe o.ä. unterstützt.

Darüber hinaus ist es oftmals nicht möglich, die MigrantInnen an geeignete Stellen

im Hilfesystem zu verweisen, da die sprachlichen Kompetenzen fehlen.

5.5.2 Arbeitskreis Afrika

Der Arbeitskreis Afrika ist ein Zusammenschluss vonOrganisationen, die im Bereich

MigrantInnen mit HIV / AIDS afrikanischer Herkunft tätig sind. Ziel ist der fachliche

Austausch, die Vernetzung regionaler Angebote und die Durchführung gemeinsamer

Projekte und Veranstaltungen.

In dem Berichtsjahr 2004 setzte der Arbeitskreis das Ziel um, eine landesweite

Fachtagung zu interkulturellen Aspekten der HIV-Ver sorgung von Menschen aus

Afrika vorzubereiten und durchzuführen.

Neben der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. wa ren folgende Institutionen

Veranstalter der Fachtagung: Gesundheitsamt der Stadt Duisburg (Beratungsstelle

zu AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten), AIDS-Hilfe NRW, AIDS-

Hilfe Düsseldorf, AIDS-Hilfe Krefeld, Projekt Aids + Kinder, Düsseldorf.

Die Zielgruppe der Fachtagung waren in der ersten Linie MitarbeiterInnen von

Institutionen, die sich mit der Lebenssituation afrikanischer MigrantInnen mit HIV /

AIDS befassen. Dabei war es für den Arbeitskreis relevant, sowohl AIDS-

Organisationen als auch Organisationen der MigrantInnenberatung bzw. der

öffentlichen Gesundheitsfürsorge zu erreichen.

60


Die Fachtagung ließ sich im Oktober unter dem Titel: ‚Welten

begegnen sich. Interkulturelle Aspekte der HIV-Vers orgung’

erfolgreich umsetzen (siehe Flyer im Anhang).

Die Auseinandersetzung mit den Themenbereichen

Gesundheit / Medizin, Aufenthalts- und Lebenssituation,

Familie / Soziale Bezüge / Community und Religion /

Spiritueller Hintergrund erfolgte in Vorträgen und Workshops.

Dabei wurde das Ziel verfolgt, die Sensibilität für kulturelle

Unterschiede zu erhöhen und zugleich die kulturelle Prägung

der deutschen Kultur zu reflektieren. Den TeilnehmerInnen der

Fachtagung sollten Kompetenzen vermittelt werden, die zum

einen die Rahmenbedingungen für Beratungssituationen

verbessern und zum anderen die BeraterInnen in ihrer

Tätigkeit als Vermittler, z.B. zwischen Patient und Arzt oder

bei Behörden, fachlich stärken.

5.6 Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung

Weltweit nimmt die Bedrohung durch AIDS erheblich zu. In Deutschland und auch in

unserer Region dagegen nimmt die Angst davor immer mehr ab. Das hat einerseits

durchaus günstige Folgen, wenn es um die Akzeptanz und Toleranz gegenüber HIV-

Positiven oder an AIDS-Erkrankten und einen `normalen´ Umgang mit diesen

Menschen geht, andererseits gefährdet dies natürlich auch die Erfolge in der

Primärprävention.

Die jüngsten Anstiege der Neuinfektionen quer durchalle Bevölkerungsgruppen und

insbesondere bei jungen Leuten sind Ausdruck dafür.

Es besteht also keinerlei Anlass, in den Präventionsbemühungen nachzulassen. Im

Gegenteil – der Bedarf an Aufklärung und Information wächst weiter. Dies zeigen uns

vor Ort Rückmeldungen, Resonanzen und Evaluationserfahrungen über Info-Stände

und diverse Veranstaltungen in diesem Sektor (s. Grafik zur Verteilung der

Veranstaltungen auf die verschiedenen Arbeitsfelder, u.). Das zeigen insbesondere

auch die alljährlichen Umfrageergebnisse der BZgA im Bereich Jugendlicher. Das gilt

vor allem weiterhin für die Zielebene der Kommunikationskompetenz. Wie kann es

gelingen, das sehr häufig ungemein hohe Schutzbedürfnis auszudrücken, mitzuteilen

und durchzusetzen? Auch im Berichtsjahr haben wir diese Tendenzen in unseren

verschiedenen Veranstaltungen verstärkt zur Sprache gebracht.

Dem Rechnung tragend gestalten wir unsere AIDS-Prävention in

sexualpädagogischem Kontext und zielen auf einen Dai log in offener und angstfreier

Atmosphäre und ohne pädagogischen Zeigefinger.

61


5.6.1 Veranstaltungsinhalte

In aller Regel werden personalkommunikative Formen massenmedialen vorgezogen.

Das erfordert allerdings auch eine jeweilige Reduktion auf zielgruppenadäquate und

bedürfnisorientierte Themenbereiche. Um diese Reduktion pädagogisch

verantwortungsvoll vornehmen zu können, finden entsprechende Vor- und

Nachgespräche mit den Veranstaltungspartnern statt.

Je nach Zielgruppe, Zugangsvoraussetzungen und Rahmenbedingungen können

u.a. folgende Themenfelder behandelt werden:

- Medizinisch, biologische Grundlagen zu HIV und AIDS, ggf.

Hepatitiden und andere STD`s (Virologie, Immunologie, ...)

- Verlaufsformen der HIV-Infektion

- Aktueller Forschungsstand und Therapieansätze

- Übertragungswege und –risiken

- Infektionsschutzmöglichkeiten

- Testverfahren und ihre Problematiken

- Epidemiologische Entwicklung und daraus resultierend

Präventionserfordernisse und –strategien

- Lebenssituation von Betroffenen und An- oder Zugehörigen

- Umgang mit HIV-positiven oder/und an AIDS erkrankten Menschen

- Vorurteile gegenüber sog. Hauptbetroffenengruppen

- Drogen- und Substitutionsproblematik

- HIV und AIDS als gesellschaftliches Phänomen

- Juristische und ethische Fragestellungen

- Probleme in der Begleitung und Pflege

- Sterbebegleitung, Tod und Trauer

- Liebe, Sexualität und Partnerschaft

- Probleme im Umgang mit der eigenen Sexualität

- Homosexualität (Schwul-lesbische Aufklärungsarbeit)

- Geschlechterrollen und ihre Problematiken

- Normen, Werte und deren Wandel im Umfeld der Sexualität

- u.a.m.

5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork

AIDS-präventive Veranstaltungen in sexualpädagogischem Kontext wurden von der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. für SchülerInnen aller Regelschulformen

sowie Kollegschulen durchgeführt. In der Regel werden unsere Angebote in den

Jahrgängen ab der Klasse 8, in einzelnen begründeten Ausnahmen auch in jüngeren

Jahrgängen platziert.

Form und Inhalte werden jeweils bedürfnis- und lebensweltorientiert konzipiert. Das

Angebotsspektrum reicht hier von Formen eines „Expertengespräches“ im Rahmen

von Unterrichtsreihen vor unterschiedlichem Fachhintergrund bis hin zu Projekttagen

und – wochen, die i.d.R. außerhalb des Schulrahmens durchgeführt werden.

Für das Berichtsjahr ist eine stabile Nachfrage im Youthwork-Bereich zu

konstatieren. Leider bündeln sich die Anfragen weiterhin im Umfeld von

62


Halbjahreswechsel- und Ferienzeiten, was schulorganisatorisch gewiss verständlich

ist. Dies hat allerdings zur Folge, dass wir nicht alle Schulen im gewünschten Maße

bedienen können. Erfreulich ist, dass wieder einzelne neue Schulen an uns

herangetreten sind. Wir führen dies u.a. auf die Auswirkungen der Richtlinien zur

Sexualerziehung von 2001, auf eine weiter verstärkte Verbindlichkeit für AIDS-

Aufklärung im Runderlass der Kultusministerin im Rahmen der BASS im Sommer

des Berichtsjahres. Endlich ist auch das Youthwork-Programm des MGSFF beim

Schulministerium „angekommen“ und wird nunmehr aktiv beworben. Nicht zuletzt

führen wir dies auch auf unsere Präventionsvernetzungsaktivitäten sowie auch auf

die gute alte Mundpropaganda zurück (vgl. u.).

Entsprechend wird die Einbeziehung qualifizierter EhrenamtlerInnen weiter verstärkt

ins Auge gefasst. Dass wir relativ wenig Absagen erteilen müssen, liegt nicht zuletzt

am Engagement einzelner Aktivisten, die mit besonderem Herzblut an diese Aufgabe

herangehen. Dies soll das Engagement der anderen im Präventionsbereich tätigen

EhrenamtlerInnen keineswegs schmälern, die allerdings aufgrund ihrer beruflichen

Einbindung naturgemäß selten zur Verfügung stehen können.

Darüber hinaus gilt unser Dank insbesondere den aktiven HIV-positiven

EhrenamtlerInnen, die sich immer wieder bereit erkäl ren, in authentischer Weise zur

Frage „HIV-positiv sein – was heißt das?“ Rede und Antwort zu stehen. Die

Einbeziehung dieser Selbsthilfeaktivisten ist hier, wie auch zum Thema

„Homosexualität“ fester Bestandteil vieler Präventionsveranstaltungen. Der

besondere Wert dieser Authentizität wird uns auch mi mer wieder rückgemeldet. Hier

gilt den MitarbeiterInnen des Herzenslust-Teams ein herzliches Dankeschön.

Den von uns (mit-) initiierten Präventions-Vernetzungen in Duisburg und für die

Region um Dinslaken kommen ebenfalls besondere Bedeutung zu. Dabei geht es

uns vor allem darum, über MultiplikatorInnen eine kontinuierliche Präsenz der

Präventionsthemen in den Einrichtungen zu schaffen und von `nur´ punktuellen

Veranstaltungen wegzukommen (s. 5.6.4). Durch die Vernetzung und die damit

verbesserte Kooperation und Koordinierung werden Synergieeffekte erzielt. Durch

begleitende Öffentlichkeitsarbeit wird für die potentiellen Kunden mehr Transparenz

zu den Präventionsangeboten geschaffen.

Dem von uns propagierten Ansatz, Projektformen außerhalb des klassischen

Unterrichtsrahmens zu installieren, wird zunehmend Rechnung getragen. Die guten

Beispiele „machen Schule“.

Hier gab es auch im Berichtszeitraum wieder einzelne `neue´ Initiativen (z.B. vom

Konrad-Duden Gymnasium in Wesel und der Gesamtschule Hünxe), die von Schulen

oder z.T. gar von SchülerInnen selbst ausgingen. Hilfreich sind dabei gewiss die

Prozesse zur Entwicklung von Schulprogrammen und –profilen sowie die

Auswirkungen der neueren Richtlinien zur Sexualerziehung in NRW, die allmählich

auch wahr- und ernst genommen werden.

Zum in den letzten Jahren mehrfach beklagten Phänomen einer Art Übersättigung

bzgl. AIDS-präventiver Maßnahmen („Nicht schon wieder AIDS ... Wir wissen nun

wirklich inzwischen Bescheid“) auf Seiten vieler Schüler/innen ist zu sagen, dass dies

nachzulassen scheint. Wir haben doch häufiger eine deutlich verbesserte

Anfangsmotivation vorgefunden. Diese geht allerdings leider nicht einher mit einem

zufrieden stellenden Informations- und Aufklärungsstand bzgl. der

63


Übertragungswege und –risiken und erst recht nicht mit sprachlichen und

kommunikativen Kompetenzen im Feld von Liebe, Sexualität und Partnerschaft.

Nach unserer Auffassung sind hierzu die Informations- und Vermittlungsmethoden

und der Zeitpunkt der thematischen Auseinandersetzung von entscheidender

Bedeutung. Die Erkenntnis ist nicht neu, dass AIDS-Prävention mit Jugendlichen im

Kontext von Sexualpädagogik anzusiedeln ist, dass personalkommunikative

Methoden (d.h. „Veranstaltungen von Mensch zu Mensch“, vgl. BzgA-Ansatz), die an

der Lebenswelt der SchülerInnen orientiert und hinsichtlich der ersten Erfahrungen

zeitnah zu platzieren sind, massenmedialen oder eindimensionalen

Vermittlungsformen vorzuziehen sind.

In den Jahrgangsstufen bis zur 10. Klasse erscheint uns zudem eine – zumindest

phasenweise und themenabhängige – geschlechtergetrennte Bearbeitung

zunehmend sinnvoll. Hier müssen einfach die nicht selten durchaus großen

Unterschiede im Reife- und Erfahrungsgrad zwischen Mädchen und Jungen

Berücksichtigung finden. Hier können ansonsten die Geschlechter sich gegenseitig

blockieren und es fällt schwerer in offene und ehrliche Kommunikationsprozesse

hineinzufinden.

Hinsichtlich der Mädchen und jungen Frauen hat sich der Eindruck des Verfassers

und vieler Lehrender (aller Schulformen) hinsichtlich geradezu antiemanzipatorischer

Haltungen auf Seiten der Mädchen und jungen Frauen, die oftmals mit sehr

romantischen Liebesidealen einhergehen, verfestigt. Nun wäre dagegen prinzipiell

nichts einzuwenden, wenn dies nicht mit Verlusten an Selbstbestimmung und

Eigenverantwortung – auch im sexuellen Bereich - einherginge. Ein Spiegelbild für

dieses Phänomen ist die steigende Zahl der längst nicht nur ungewollten

Schwangerschaften bei 13 bis 17jährigen Mädchen.

Damit einher geht aus Sicht des Verfassers eine Renaissance patriarchalischer –

oder sagen wir: klassisch männlicher- Verhaltensausprägungen auf Seiten der

Jungen. Darüber geraten viele „kleine Helden (wieder verstärkt) in Not“ und die

kommunikative `Auseinandersetzung´ zwischen den Geschlechtern und damit hier

und dort auch die Durchsetzung individueller Schutzbedürfnisse leiden darunter.

Es bleibt dabei, Emanzipation, Selbstbewusstsein und –bestimmung mit sozialer

Verantwortung und solidarischem Handeln in Einklang zu bringen, ist eine zentrale

Aufgabe von Erziehung, (Aus-) Bildung und Präventionsarbeit.

Auch vor diesem Hintergrund ist ein stabiler Trend der Nachfragen zum

Spezialthema „Homosexualität“, welches durch die Richtlinien zur Sexualerziehung

zum verbindlichen Thema aufgewertet wurde, erfreulich. Umso mehr, als auf den

Schulhöfen wieder deutlich mehr verbale Ausgrenzungsattacken zu vernehmen sind.

Das passt leider zur oben beschriebenen Tendenz. Di e nach wie vor stark

Klischeegeprägte Vorstellung vom „Schwul-Sein“ gilt sehr häufig geradezu als das

Antivorbild für Jungen. Trotz aller gesamtgesellschaftlichen Fortschritte im Feld der

Akzeptanz und Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen, gilt es

hier aus Sicht des Verfassers sehr genau zu beobachten und frühzeitig den

Anfängen neuer Diskriminierungstendenzen zu wehren.

Hier sei wieder einmal der Hinweis gestattet, dass beim Youthworker der AIDS-Hilfe

Duisburg /Kreis Wesel e.V. die sog. „SCHLAue Kiste“ des MGSFF NRW mit Medien

und Materialien zur schwul-lesbischen Aufklärungsarbeit prinzipiell auszuleihen ist.

64


Darüber hinaus können über den Youthworker der AIDS -Hilfe (ggf. im Verbund mit

dem „Herzenslust-Team der AH) Multiplikatorenfortblidungen zu diesem Themenfeld

vereinbart werden.

Durch Veranstaltungen im Sektor Youthwork und Präve ntionsveranstaltungen in der

Allgemeinbevölkerung konnten wir im Berichtsjahr über 6700 Personen mit

personalkommunikativen Formen erreichen, davon 220 sog. MultiplikatorInnen

(Lehrkräfte und sonstige PädagogInnen sowie ehrenamtliche MitarbeiterInnen).

Allein im schulischen Bereich (-> Youthwork-Angebote) erreichten wir 2210

Jugendliche aus allen Schulformen, über 800 in außerschulischen

Zusammenhängen wie offener Jugendarbeit u.a. Über 2000 Jugendliche wurden in

den erwähnten Großveranstaltungen (Re.Spect…, Zoff dem Stoff u.a.) in

Präventionsgespräche geführt. 63 % der Jugendlichen kamen aus dem

Alterssegment zwischen 14 und 17 Jahren, 14 % der Jugendlichen hatten einen

Migrationshintergrund.

5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche und Multiplikatoren

Erfreulich war im Berichtszeitraum die Nachfrage nach Präventionsberatungen von

SchülerInnen, die für Fach- oder Projektarbeiten unseren Rat suchten. Dies ist

gewiss auch als Zeichen zu deuten, dass die AIDS-Hlife Duisburg / Kreis Wesel e.V.

bei vielen Schulen als gute und wichtige Anlaufstelle bekannt ist. Über das direkte

Aufsuchen lassen sich im Übrigen leicht denkbare Schwellenprobleme abbauen.

Zudem können wir hierüber natürlich auch unsere Youthwork-Angebote bekannt

machen.

Auch aus dem Bereich berufsbildender Einrichtungen gibt es stabile Anfragen. Hier

finden wir in der Regel wichtige Zielgruppen; Jugendliche im Alter zwischen 16 und

23 Jahren, die oftmals problembehaftete Sozialisationen und einen geringen Grad an

Aufklärungsniveau (z.T. auch migrationsbedingt) aufweisen.

Bedauerlicherweise sind die Kooperationsansätze mit dem Bereich der offenen

Jugendarbeit auch in diesem Berichtsjahr – vor allem auch aus Kapazitätsgründen

beim Stelleninhaber - nicht in wünschenswertem Maße weiter gediehen. Die

lobenswerte Ausnahme bildet seit einigen Jahren das AWO-Kinder- und

Jugendzentrum „Dorfschule“ in Moers-Repelen. Projektformen in Verbindung mit

Jugendzentren wären u.E. von hohem Wert. Vorteilhaft daran erscheint uns vor allem

das „Setting“, in dem sich Jugendliche hier freiwillig zusammenfinden – ein deutlicher

Vorteil gegenüber der `Zwangsveranstaltung Schule´. Allerdings konnte ein solches

„Setting“ im Rahmen der großen Jugendmessen „Zoff dem Stoff“ und „re:spect our

future“ (s.o.) genutzt und viele hundert Jugendliche erreicht werden. Insbesondere

die nicht-kommerzielle Ausrichtung und der interaktive Ansatz bei diesen

Großveranstaltungen waren für den Zugang außerordentlich hilfreich.

5.6.4 Multiplikatoren- und Erwachsenenbildung

Wie bereits erwähnt, investiert die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. viel in die

Aus- und Weiterbildung ihrer ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, ohne die einfach die

Vielzahl an Anfragen auch aus diesem Präventionsfeld nicht befriedigt werden

65


könnten. Dies ist und bleibt eine wichtige Aufgabe, der wir uns gerne widmen. Dazu

führen wir u.a. alljährlich intensive Grundlagenausbildungen (s. 6.) im Verbund mit

drei anderen Ruhrgebiets-AIDS-Hilfen durch, um darüber einerseits den

EhrenamtlerInnen eine Möglichkeit zu bieten, ein Einsatzfeld zu finden, dass Ihren

Ressourcen, Fähigkeiten und Neigungen entspricht, und andererseits sie gemäß

unserer Qualitätsstandards auszubilden und zu rüsten und die vorhandene

Motivation zu stärken. Die Gruppe der aktiven EhrenamtlerInnen sind unsere

wichtigste Ressource und die wichtigsten MultiplikatorInnen.

Eine weitere ganz wichtige Gruppe von potentiellen MultiplikatorInnen sind in diesem

Präventionsfeld natürlich die Lehrenden in schulischen und außerschulischen

Einrichtungen. Die Anfragen nach Lehrerfortbildungen im Hinblick auf und im Vorfeld

von Projektformen sind leicht steigend. Auch hier ist ein Erklärungsansatz die

Wirkung der neuen Richtlinien zur Sexualerziehung sowie zunehmend offenbar das

bedeutungsvolle Werbemittel der sog. Mundpropaganda.

Das Themenspektrum reicht hier von der Präsentation des aktuellen Wissensstandes

zu HIV und AIDS über die epidemiologische Entwicklung und daraus resultierender

Präventionskonsequenzen und –strategien bis hin zu Aspekten spezieller Fortbildung

im Feld der Kommunikation, wie Gesprächsführung und Moderation.

Auch vor diesem Hintergrund erweisen sich die erwähnten

Präventionsvernetzungsaktivitäten als höchst sinnvoll. Darüber lassen sich

Synergieeffekte erzielen, mittelfristig gesehen Ressourcen zusammenführen und

nicht zuletzt Chancen eines ökonomischeren Haushaltens mit den vorhandenen

Kapazitäten entwickeln. Dies scheint uns besonders wichtig zu sein, weil im

Präventionsbereich vorläufig nicht mit einem Ausbau hauptamtlicher Personalstellen

zu rechnen ist.

Umso mehr gewinnt dieses Feld der Multiplikatorenausbildung an Bedeutung. Ein

zentrales Anliegen ist es, die Präventionsthemen und die damit verbundenen Ziele

an Schulen und in außerschulischen (Jugend-) Einrichtungen möglichst ganzjährig

zu platzieren. Geschulte PädagogInnen, ErzieherInnen oder SozialarbeiterInnen und

–PädagogInnen sollten diese repräsentieren, zumindest mit

Verweisungskompetenzen ausgestattet sein und als AnsprechpartnerInnen für die

Jugendlichen bekannt sein/ werden.

Erfreulich gut angenommen wurde hier wieder die im Berichtsjahr angebotene

Fachtagung des Präventions-Vernetzungskreises Duisburg (Vgl. 4.4.) im Juni. Etwa

60 Teilnehmer konnten hierüber neben inhaltlichen A nregungen und methodischen

Zugangsformen die Präventionsinfrastruktur in Duisburg kennen lernen.

5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung

Hier sind im Wesentlichen Fortbildungsveranstaltungen in Alten- und

Krankenpflegeschulen und bei sonstigen Pflegeanbietern verortet. Auch in diesem

Bereich verzeichnen wir stabile Nachfragen und hocherfreuliche Rückmeldungen.

Insbesondere wird geschätzt, dass wir von der medizinischen Seite bis zu den Tiefen

im psychosozialen Bereich die ganze Bandbreite des komplexen Themenfeldes rund

um das Phänomen „HIV und AIDS“ abdecken können. Nicht zuletzt auch in diesem

66


Tätigkeitsfeld bewährt sich das „3-Säulen-Modell AIDS-Hilfe“ mit der Verbindung von

Selbsthilfe-, Interessen- und Fachverband sowie der Ansatz der Strukturellen

Prävention.

5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Anzuführen sind hier für den Stelleninhaber:

-Beteiligung an der Grundlagenausbildung für EhrenamtlerInnen in der

Ruhrgebietsvernetzung der AIDS-Hilfen

-Präventionsvernetzungsarbeit im Kreis Wesel und Duisburg

-Vertretung der AH DU / KW e.V. bei den NRW-Youthwo rker-Arbeitskreisen

und dem Youthwork-Qualitätszirkel

-Beteilung an der Ausgestaltung der Verfahren beim Youthwork - Förderprogramm

- Controlling des MGSFF, NRW

-Beratung / Information für Zeitungs- u. Radio-Redaktionen sowie für politische

Entscheidungsträger

-Koordinierung von haupt- und ehrenamtlichen Einsätzen bei Informations- und

Präventionsprojekten

-Einarbeitung in und Bereitstellung von Materialien für Lehrende und

MultiplikatorInnen

-Beratung von pädagogischen Fachkräften bzgl. der Unterrichts- oder

Projektgestaltung zum Thema HIV und AIDS

-Telefonische und persönliche Informations- und Ber atungsgespräche mit

(u.a.) Jugendlichen

-Unterstützung von Jugendvertretungs- und SchülerzeitungsredakteurInnen

-Beratungsstellenleitung

-u.a.m. (Vgl. 4. Öffentlichkeitsarbeit)

Abb.: Veranstaltungsverteilung nach Arbeitsfeldern

Prävention in der Allgemeinbevölkerung -

Veranstaltungsverteilung nach Arbeitsfeldern - 2004

Präventionsberatun

g

14 %

Schulische

Prävention

27 %

Kooperation /

Vernetzung /

Gremienarbeit

22 %

Öffentlichkeitsarbeit

18 %

Außerschulische

Prävention

7 %

Multiplikatoren-/

Berufsspezifische Erwachsenenbildun

Erwachsenenbildun g

g

8 %

4 %

67


6. Ehrenamtliche Mitarbeit

6.1. Begleitung der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen

Im Berichtsjahr war die Anzahl der ehrenamtlich Tätigen stabil, so dass weiterhin 30

Ehrenamtlerinnen für unsere AH aktiv tätig sind. Anfang des Jahres platzierten wir

einen Presseaufruf zur ehrenamtlichen Mitarbeit undführten einen Infoabend durch.

Mit dieser Aktion konnten wir vier neue ehrenamtliche Mitarbeiterinnen gewinnen.

Die ehrenamtlich Mitarbeitenden sind in den unterschiedlichsten Berufen aktiv, sind

HIV-negativ oder HIV-positiv und setzen sich aus Frauen und Männern aus allen

sozialen Lebensbereichen zusammen und stammen aus den unterschiedlichsten

politischen Richtungen.

Ein Punkt des Austausches bietet unser Mittwochs-Café (siehe auch Punkt 3.5). Hier

bietet sich zum einen die Möglichkeit sich mit Betroffenen zu treffen, die ehrenamtlich

Tätigen nutzen diesen Ort aber auch zum Austausch untereinander.

Im Berichtsjahr fanden im Anschluss an das Mittwochs-Café vier Aktiven-Treffen

(Februar, Juni, August, Oktober) statt. Diese wurden durchschnittlich von 10-15

TeilnehmerInnen besucht.

Am Anfang des Jahres lag der Schwerpunkt in der Vorstellung des Ergebnisses der

Qualitätsstandards aus dem Begleitungsbereich und deren Vorbereitung für die

Mitgliederversammlung. Des Weiteren wurde eine weitere Vorgehensweise für die

Bereiche Öffentlichkeitsarbeit/Prävention und Beratung festgelegt.

Weiterhin führten wir im Aktiventreffen lebhafte Diskussionen zu den Themen

„Mitgliedschaft Voraussetzung für ehrenamtliche Mitarbeit“ und in Anbetracht der

öffentlichen Diskussion erhoben wir ein Meinungsbild zum Thema „Barebacking“.

Das Dezember-Aktiven-Treffen ist traditionell als Termin für den Dank an die

ehrenamtlichen Mitarbeiter für ihre geleistete Arbeit bestimmt, hier kochen die

hauptamtlichen Mitarbeiter für die ehrenamtlichen Mitarbeiter.

6.2. Schulung und Fortbildungen für ehrenamtliche MitarbeiterInnen

Im vergangenen Jahr konnten wir für die neuen ehrenamtlichen Mitarbeiter nur eine

Grundlagenschulung im Frühjahr durchführen. Da im Herbst des Vorjahres keine

Schulung stattgefunden hatte, hatten wir nun das Problem, dass nicht alle

Interessierten an der Schulung im Frühjahr teilnehmen konnten. Da die

Grundlagenschulung in Kooperation mit den AIDS-Hilfen Essen, Oberhausen und

Bochum durchgeführt wurde, standen unserer AIDS-Hilfe sechs Plätze zur

Verfügung, da die TeilnehmerInnenzahl die Zahl zwan zig nicht übersteigen sollte.

Trotz dieser Warteliste kam im Herbst keine weitere Schulung zustande, da bei den

beteiligten AIDS-Hilfen in den Nachbarstädten nur wenige oder gar keine neuen

EhrenamtlerInnen Interesse zeigten. Somit musste die Warteliste weitergeführt

werden.

68


Die Grundlagenschulung umfasste wie im Vorjahr neunAbende und drei ganztägige

Samstage. Neben grundlegenden Informationen zu zenrtalen Fragen der AIDS-Hilfe

steht die persönliche Auseinandersetzung der neuen MitarbeiterInnen mit AIDSspezifischen

Themen im Mittelpunkt. Die Samstage sind selbsterfahrungsbezogen

und bieten Auseinandersetzung mit den Themen Kommunikation und

Wahrnehmung; Liebe, Sexualität und Partnerschaft und ehrenamtliche Mitarbeit,

Umgang mit Grenzerfahrungen.

Zusätzlich fanden auch 2004 themenspezifische Weiterbildungen statt, so u. a. die

„Medizinische Rundreise“, ein Angebot der DAH, welches wir im Berichtsjahr zum

Thema „Sexuell übertragbare Krankheiten“ gebucht hatten.

Externe Fortbildungen

Wir sind froh, weiterhin einen Etat für Fortbildungen für ehrenamtliche und

hauptamtliche MitarbeiterInnen zur Verfügung stellen zu können. Zwar sind im

medizinischen Bereich nur kleine Fortschritte zu beobachten, aber es entwickeln sich

immer mehr Neben- und Wechselwirkungen (metabolische Veränderungen,

Lipodystrophie, Lipatrophie, sexuelle Störungen), so dass der Bereich HIV/AIDS

komplexer wird und nur durch fortwährende Weiterbildungen kompetente Beratung

gewährleistet werden kann.

Neben dem medizinischen Bereich kommen die großen Veränderungen durch

Gesetze im Bereich der Sozialgesetzgebung hinzu. Hier bildete im Berichtsjahr das

Gesundheitsmodernisierungsgesetz einen Schwerpunkt. Auch in diesen Bereichen

wurden Fortbildungen wahrgenommen.

69


7. Bericht der Verwaltung

Werner Garbe

Arbeitsgebiete in Stichworten:

Finanzbuchhaltung

Doppelte Buchführung, Kontierung, Monats-/Jahresabschluss, Erstellung der

jährlichen Einnahme-Überschuss-Rechnung und Erstellung des jährlichen

Haushaltsplanes der AIDS-Hilfe, Erstellung von Quartalsübersichten, Kontoführung,

Beleg- und Rechnungsprüfung, ordnungsgemäße Belegablage, allgemeiner

Finanzverkehr, Korrespondenz

Kasse

Verwaltung von Bargeld (Einnahmen und Ausgaben), Au sstellen von Quittungen,

Belegprüfung, Kassenbuchführung, Monatsabschluss, Kassenabstimmung

Personalwesen

Personalführung: Lohn-/Gehaltskarten, Fehlkarten (für Urlaub, Sondertage,

Krankheitstage) Lohnsteuerkarten, Versicherungsnachweis, Lohn-

/Gehaltsabrechnung;

Krankenkassen: An-/Abmeldungen, Beitragsrechnung zur Sozialversicherung

(Kranken-/ Renten-/Arbeitslosenversicherung);

Finanzamt: monatliche Lohnsteueranmeldung und Abführung der Lohn- und

Kirchensteuer;

EDV-Gehalts-Service: Prüfung der Abrechnungs-Journale, Kostenverteilung,

Meldungen und Beiträge an die Berufsgenossenschaft, Fahrt- und

Reisekostenabrechnungen;

Personalmittel: Anträge an Bund, Land NRW und Kommunen,

Zuwendungsbescheide, Verwendungsnachweise, Verwaltungsarbeiten im Bereich

Zivildienst (Personalaktenführung, Soldabrechnung);

Arbeitszeitnachweis: monatliche Ausrechnung der Soll-/Ist-/Überstunden für

Mitarbeitende;

Projekte (Zielgruppenspezifische Prävention Frauen und AIDS, Herzenslust, ,

Projekte zur Förderung der Selbsthilfe)

Finanzielle Antragstellung, finanzielle Überwachung der Projekte, Beantragung von

Auszahlungen, Verwendungsnachweise

70


DAS-Anträge

Abforderung von zugesagten Geldbeträgen, Auszahlung der Bewilligungen,

Verwendungsnachweise, Rückzahlung überhöhter Auszahlungen

Bußgeldauflagen

vom Land-/Amtsgericht zugunsten der AIDS-Hilfe; Kontrolle der Bußgeld- bzw.

Bußgeldratenzahlungen, Verwendungsnachweise der Bußgelder gegenüber dem

Gericht

Vereinsmitglieder

Kontoführung über gezahlte Vereinsbeiträge, Mahnungen bei Nichtzahlung,

Zuordnung neuer Mitglieder, Nummernvergabe, Mitgliedschaftsbestätigungen

Spenden

Vor- und Nachbereitung der rechtlichen und organisatorischen Spendenformalitäten,

Dankschreiben und Ausstellung von Zuwendungsbescheinigungen, Akquise von

Spenden allgemein und zweckgebundenen Spenden (z. Bsp. Weihnachtsfeier)

Terminsachen

Einhaltung von Terminen bei Korrespondenz und Zahlu ngen, z. B. Mitgliedsbeiträge

der AIDS-Hilfe an diverse Organisationen und Vereine, Versicherungen, Kfz-Steuer,

Lohnsteuer, Krankenkassenbeiträge, Lohn- und Gehaltsüberweisungen,

Verwendungsnachweise, Mieten, Beitragszahlungen an die Dachverbände

Schreibarbeiten

allgemeine Korrespondenz, Protokolle, Konzepte, Statistik, etc...

Zusätzliche Bürotätigkeit

Einkauf von Büromaterial, Inventarbeschaffung, Spritzen, Tupfer, Kondome,

Schleifen, telefonische Beratungsgespräche, Überbrückung von Wartezeiten bei

Klienten und bei Krisenintervention, Vorbereitung für die Jahreshauptversammlung

der Vereinsmitglieder

Wochenendvergabe Methadon

Organisation der Wochenendvergabe, am Freitag bzw. vor Feiertagen Erstellen der

Listen mit den Klienten für die Methadonvergabe in der AIDS-Hilfe Annahme des

Methadons von den Apotheken und Aufteilung nach den Vergabetagen, Informieren

des zuständigen Ehrenamtlichen Mitarbeiters., Abgabe der Kassetten mit dem

Methadon bei der Kriminalpolizei.

Sonstiges

Teilnahme an Teamsitzungen (wöchentlich), Supervisi on (monatlich), ,

Fortbildungsseminare für den Bereich Personalwesen (z. Bsp. Angebote der AOK

Rheinland), Telefondienst, Spritzentauschprogramm.

71


Bericht der Kassenprüfer Karl-Heinz Winkel und Hans-Jürgen Otto.

Am 20.04.05 wurden von uns die Kassenbelege und Bestände nach unserem besten

Wissen und Gewissen überprüft. Wir konnten Keine Abweichungen feststellen.

Alle Belege waren vollständig und fortlaufend nummeriert; auch inhaltlich stimmten

die Belege mit den Statuten des Vereins überein.

Der Kassenbestand am 31.12.04 belief sich auf Euro 917,32. Die Summen aller

Bank- und Sparkassenkonten und Sparbücher betrug Euro 113.371,16. Alle

Buchungseintragungen waren mit Belegnummern versehen. Die Verbuchung aller

Belege des Monats Februar und April 04 wurden überprüft. Dabei konnten keine

Beanstandungen festgestellt werden. Spenden sind durch Überweisungsbelege oder

Einzahlungsquittungen belegt.

Barauszahlungen waren durch den Empfänger quittiert. Der letzte

Körperschaftssteuerfreistellungsbescheid wurde am 02.07.2002 für die Jahre

2002,2003,2004 erteilt. Für das Jahr 2005 und folgende, ist der Antrag auf

Freistellung der Körperschaftssteuer auf den 31.052. 005 terminiert. Weiterhin haben

wir die Existenz von Versicherungsträgern überprüft (Haftpflicht, Feuer, Einbruch und

Leitungswasserschäden.) Der Verein kommt seiner gesetzlichen Pflicht zur

Unfallversicherung der Haupt- und Ehrenamtlichen Mitarbeitern bei der

Berufsgenossenschaft nach.

Lohnsteuer und Sozialversicherungspflicht wurden überprüft. Die Beträge wurden

ordnungsgemäß abgeführt.

Die Kassenprüfer empfehlen der 'Hauptversammlung, den Vorstand für das Jahr

2004 zu entlasten.

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8. Übergreifende Selbsthilfeinitiativen

8.1. Selbsthilfegruppe und Förderverein SHAlk e.V.

Die Gruppenabende am Freitag in den Räumen der Aids-Hilfe Duisburg werden

weiterhin von homosexuellen aus ganz NRW genutzt. Die Besucherzahl war

zeitweise so hoch, dass wir über das Angebot eines zweiten Abends nachdachten.

Da jedoch die Mehrzahl der Besucher die Gruppe nicht wöchentlich besucht, konnten

wir es bei einem Abend belassen.

SHAlk war nach einem Jahr Pause wieder mit einem

Infostand auf dem Duisburger CSD vertreten und nahm

an den runden Tischen von AkDuLuS (Arbeitskreis

Duisburger Lesben und Schwulen e.V.), AGSHG

(Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen) und PSAG –

Sucht teil.

Die Fachkliniken, Gesundheitsämter und andere

therapeutische Einrichtungen im Ruhrgebiet wurden so

gut es ging persönlich besucht und mit Flyer der Gruppe

versorgt.

Austauschtreffen mit der SAAG Frankfurt fanden zum

zweiten Mal in Folge nicht statt, werden aber im Juli 2005

wieder aufgenommen.

Die finanzielle Situation der Gruppe und des Vereins

bleibt weiter sehr schwach. Es ist äußerst schwierig

finanzielle Mittel zu bekommen um Infomaterial zu

finanzieren und laufende Kosten zu decken.

Im Vorstand des Fördervereins wurden Knut Dehnen als

Vereinsvorsitzender und Johann Mangelsdorff als

dessen Stellvertreter im Amt bestätigt. Hans-Jürgen

Lindau wurde zum neuen Kassenwart gewählt.

Für das Jahr 2005 sind neben den Gruppentreffen mit

der SAAG besuche verschiedener Fachkliniken

ausserhalb des Ruhrgebiets geplant. Am Duisburger CSD werden wir wieder mit

einem Infostand vertreten sein.

8.2. Gay nach Wesel

Im Jahre 2004 besteht die Schwulengruppe GAY nach Wesel 14 Jahre.

Nur wenige Schwulengruppen können auf einen so langen Zeitraum kontinuierlicher

Arbeit zurückblicken.

A. Tätigkeiten

Auch im Jahre 2004 gab es jeden Mittwoch von 19 - 21 h einen moderierten

Gesprächskreis, sowie eine Telefonberatung und eine persönliche Einzelberatung für

Schwule. Alle Angebote fanden, bis auf wenige Ausn ahmen, wie Urlaubszeit,

regelmäßig, ohne Unterbrechung wöchentlich statt und wurden von mir allein

durchgeführt. Die neue Adresse - Pastor-Bölitz-Str. hat sich mittlerweile etabliert.

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1) Der Gesprächskreis mit seiner supervisionsähnlichen Struktur ist nach wie vor das

Herzstück der Weseler Schwulengruppe. Trotz wechselnder Teilnehmerzahlen und

unterschiedlich starker Inanspruchnahme dieser themenzentrierten Interaktion bleibt

dieses Angebot für viele, die sich der Weseler Schwulengruppe zugehörig fühlen, ein

wichtiges Stück Lebensqualität. Dafür nehmen einige Teilnehmer auch weite

Anfahrstrecken in Kauf, da es offensichtlich ein ähnliches Angebot in solcher Art und

Regelmäßigkeit selten gibt. Da kommt es vor, dass jemand nur für den

Gesprächskreis aus Münster, Gelsenkirchen oder Essen anreist. Neben den treuen

Gruppenmitgliedern aus Wesel und dem übrigen Niederrhein finden immer wieder

auch "Weggezogene" bei ihrem Besuch zu Hause bei den Eltern in Wesel, den Weg

in ihre "alte" lieb gewonnene Weseler Schwulengruppe "GAY nach Wesel". Nach

dem Motto "schön dass es das noch gibt" .und "ich erinnere mich gern an die Zeit",

"das hat mir viel geholfen". Immer wieder eine schöne, wertvolle Bestätigung für das

notwendige und wichtige Angebot einer Beratung und einer Unterstützung für

Schwule auf ihrem persönlichen Lebensweg.

Die Themen, schwules Coming-Out, HIV, Partnerschaft, Liebe, Eltern, Freunde,

Beruf, Religion bleiben gleich, aber die Menschen die diese Fragestellungen

artikulieren sind sehr verschieden und die Begegnung mit Ihnen jedes Mal eine neue

Herausforderung für Moderation und Teilnehmer der Gruppe.

2) Einzelberatungen und 3) Telefonberatungen wurden im Jahre 2004 ebenfalls,

wenn auch nicht so stark wie der Gesprächskreis, in Anspruch genommen.

Methodisch waren diese Beratungen angelegt auf Basis der klientenzentrierten

Gesprächsführung nach C. Rogers.

Bei Fragen zu HIV und AIDS wurde auf das andere bestehende Beratungsangebot

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel hingewiesen.

4) Das Sonntagscafé

Zu meinem großen Bedauern hat Holger das Sonntagscafé einstellen

müssen. Trotz langer Zeit guter Inanspruchnahme dieses Angebotes haben die

schwindenden Teilnehmerzahlen dem Café ein Ende bereitet.

B. Aussicht und Perspektive

Die dauerhaften, attraktiven Angebote am Mittwoch - schwuler Gesprächskreis,

Einzelberatung und Telefonberatung sind noch langfristig erforderlich. Es besteht die

Absicht die Öffentlichkeitsarbeit weiter zu verstärken um Schwule an diese Angebote

heranzuführen, die bisher davon noch keine Kenntnis hatten.

Unsere Homepage www.gaywesel.de und die E-Mail-Adresse: info@gaywesel.de

sind wichtige Elemente zur Kontaktaufnahme und zum bekannt werden.

Wir sind in etlichen Suchmaschinen des Internets bereits verzeichnet.

Aber auch andere Medien, sowie Mundpropaganda können helfen von unserer

Gruppe zu berichten und auch "Neue" heranzuführen.

Ich danke der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel und allen Freunden von GAY nach

Wesel für die bisherige Unterstützung, und freue mich auf die zukünftige gute

Zusammenarbeit.

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8.3. Junge Unschuld

Die Aktivitäten der Duisburger Jugendgruppe „Junge Unschuld“ war auch in diesem

Jahr sehr vielseitig. Die Gruppenarbeit lässt sich im Groben in einer Dreierteilung

feststellen:

1. Dienstagstreff

2. Besondere Aktivitäten

3. Kooperation mit anderen Gruppen

Zu 1.

Im Mittelpunkt des Dienstagstreffs steht

das Konzept des erklärungsfreien Raums.

Den Mitgliedern (im Alter von 16 bis 25

Jahren) wird hier die Möglichkeit geboten,

aktiv ihre Freizeit zu gestalten, ohne ihre

Homosexualität beschreiben zu müssen.

Das Programm an den Dienstagen ist

bunt gemischt. Neben offenen Abenden

standen Abende, an denen gekocht

wurde, wir gemeinsam ausgegangen sind

oder wir uns Videos angeschaut haben.

Im Sommer wurde der nahe gelegene Park genutzt um Picknicke abzuhalten.

Zu den Dienstagstreffs kam eine unterschiedliche Anzahl an Teilnehmern. Im Schnitt

waren ca. 15 Personen anwesend, sodass wir – im Vergleich zum Vorjahr – die

Besucherzahlen halten konnten.

Zu 2.

Außerhalb der regulären Dienstagstreffs wurden zahlreiche Aktivitäten bestritten, wie

z.B. Gruppenfahrten oder auch Tagestouren. Selbstve rständlich wurde auch der

Besuch des CSD’s in Köln, als gemeinsame Unternehmung, besucht.

Zu 3.

Die Kooperation mit anderen Duisburger Gruppen wurde vor allem im Rahmen der

Arbeit der AkDuLuS e.V. durchgeführt, wie z.B. beim Duisburger Straßenfest. Die

Junge Unschuld stellt in diesem Verein zwei von drei Vorstandsmitgliedern.

8.4. Hepatitis Selbsthilfegruppe

Die Gruppe trifft sich weiterhin jeden 1. Mittwoch im Monat im Haus der Aids-Hilfe

Duisburg.

Die Mitgliederzahl beläuft sich auf 2 bis 5 Personen. Wir hoffen noch auf Zuwachs.

Telefonische Beratung findet nach wie vor statt, doch zur Gruppe kam niemand.

Das Projekt im Frauengefängnis Dinslaken ließ sich nicht umsetzen, da den

infragekommenden Personen kein Einlass gewährt wurde.

Es fällt schwer, die Struktur aufrecht zu erhalten.

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9. Anlagen Pressespiegel

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