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Jahresbericht

2001

der


2

Inhaltsverzeichnis Seite :

1. Geschäftsbericht für das Jahr 2001 4

2. Beratung 7

3. Betreuung 9

3.1 Einzelbetreuung 9

3.2 Betreuergruppe 10

3.3 Positivenfond 10

3.4 Zusammenarbeit mit Koorporationspartnern 12

3.5 Angebote für HIV-Positive 13

3.6 Gruppenfreizeit in der Eifel 15

3.7 Trauerarbeit 17

4. Öffentlichkeitsarbeit 18

4.1 AG Öffentlichkeitsarbeit 19

4.2 Veranstaltungen 19

4.3 Benefizveranstaltungen 20

4.4 Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag 22

4.5 Berichterstattungen in den Medien 23

4.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten 23

5. Prävention (zielgruppenspezifisch) 24

5.1 Männer, die mit Männern Sex haben 24

5.1.1 „Together we stand, devided we fall“, Positivengruppe für Schwule 24

5.1.2 Prävention bei Schwulen/Herzenslust 24

5.2 Drogen und Substitution 28

5.2.1 Primärprävention 28

5.2.1.1 Spritzenaustauschprogramm 28

5.2.1.2 Suchtprävention bei Partydrogen 28

5.2.2 Substitution 28

5.2.2.1. Entwicklung der Wochenendvergabe 29

5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter 29

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten DrogengbraucherInnen 29

5.2.4 21. Juli „Nationaler Gedenktag für alle verstorbenen Drogen- 30

GebraucherInnen“

5.3 HIV und Strafvollzug 33

5.3.1 Arbeitsgruppe Drogen und Knast 33

5.3.2 Betreuung und Begleitung von Menschen mit HIV und AIDS 35

5.3.2.1 Veranstaltungen für Inhaftierte 35

5.4 Frauen und AIDS, Prostitution 36

5.4.1 Frauen und AIDS 36

5.4.1.1 Frauenzeitung „Frauen Akt(H)iv 37

5.4.1.2 Teilnahme an Arbeitskreisen 38


3

5.4.1.3 Veranstaltungen 39

5.4.1.4 Förderung der Hilfe zur Selbsthilfe innerhalb der Frauenarbeit 39

5.4.1.5 Aufbau einer Ehrenamtlerinnengruppe 40

5.4.1.6 Sicherstellung frauenspezifischer Beratung und Betreuung 41

5.4.2 Prostitution 42

5.4.2.1 Aufsuchende Arbeit auf dem Straßenstrich 42

5.5 Migration 42

5.5.1 Aufbau für Selbsthilfestrukturen für Afrikanische Frauen 43

5.5.2 Filmreihe zu afrikanischen Themen im Rahmen des Afrika Marktes 45

5.5.3 Fachtagung „Interkulturelle Aspekte der HIV-Prävention und

............Versorgung für Menschen aus Afrika“ 46

5.6 Prävention in der Allgemeinbevölkerung 47

5.6.1 Veranstaltungsinhalte 48

5.6.2. Schulische Prävention / Youthwork 49

5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche und Multiplikatoren 51

5.6.4 Multiplikatoren und Erwachsenenbildung 51

5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung 52

5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten 52

6. Ehrenamtliche MitarbeiterInnen : Begleitung, Aus- und Weiterbildung,

Supervision 53

6.1 Begleitung der ehrenamtlich MitarbeiterInnen 53

6.2 Schulung neuer ehrenamtliche MitarbeiterInnen, Aus- und Weiterbildung 54

6.3 Supervision 54

7. Bericht der Verwaltung 55

8. Übergreifende Selbshilfeinitiativen 57

8.1 JES Jahresbericht 57

8.2 GAY nach Wesel 58

8.3 Hepatitis 59

8.4 SHALK – Selbsthilfegruppe Homosexueller Alkoholiker 60

8.5 Junge UnSchuLD 61

9. Anlagen (Pressespiegel etc.) 63


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1. Geschäftsbericht für das Jahr 2001

Das Jahr 2001 stand im Zeichen des 15-jährigen Jubiläums der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V.. Mitten in der Pubertät und doch sichtlich gereift präsentierte sich

die Einrichtung mit ihrem vielfältigen Angebotsspektrum. Ist sie in vielen Feldern

etabliert und eine feste Größe im Feld der Gesundheitsförderung in der Region, geht

es doch auch in wachsendem Maße um (Neu-) Orientierungen.

AIDS hat sein Gesicht seit der Verfügbarkeit von (HA-) ART (highly active

antiretroviral therapie) doch erheblich verändert. Und auch die Gesichter

(Zielgruppen) für unsere Ein- und Ansätze im Rahmen der Strukturellen Prävention

ändern sich und stellen neue Anforderungen und Herausforderungen an die ehrenund

hauptamtlichen MitarbeiterInnen.

Personalsituation : Auch im Jahr 2001 galt es phasenweise krankheitsbedingte,

personelle Engpässe in Vorstand und Team zu überbrücken. Letztlich konnten auch

kritische Phasen ohne Einschnitte in der Wahrnehmung der verschiedenen

Arbeitsfelder und trotz der nicht alltäglichen Zusatzprojekte (-> Jubiläum,

Benefizausstellung „Keep yourself alive“ und zielgruppenspezifischer Projekte in den

Bereichen „Aufbau von Selbsthilfestrukturen bei Migrantinnen“ und der

Drogenselbsthilfe „JES“; vgl. u.) überwunden werden. All den ehren- und

hauptamtlichen MitarbeiterInnen, die dabei nicht selten bis an Belastungsgrenzen

gingen, sei an dieser Stelle herzlichst gedankt.

Zur Jahresmitte erfolgte ein erneuter Wechsel in der Leitung, bei dem die Rollen der

Leitung und stellvertretenden Leitung völlig konfliktfrei gewechselt wurden.

Die Personalsituation in Team und Vorstand ist mit Ausnahme einer (aus

Umsiedelungsgründen erforderlichen) Vorstandskooption im Herbst somit über den

Berichtszeitraum hinaus konstant und bietet Gewähr für Kontinuität.

Ergänzt wurde das Fachkräfteteam auch im Jahre 2001 über weite Strecken durch

eine AsS-(Arbeit statt Sozialhilfe)-Stelle und einen Zivildienstleistenden.

Unser Dank gilt – wie immer – auch im Berichtsjahr, dem „Jahr der Freiwilligenarbeit“,

insbesondere den ca. 40 aktiv ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. Ihr Engagement in

den Selbsthilfegruppen, in den Bereichen der Beratung, der Betreuung / Begleitung

von Menschen im Kontext von HIV und AIDS und der Öffentlichkeitsarbeit war wieder

einmal von unschätzbarem Wert. Darüber hinaus wären die Durchführung der oben

erwähnten außergewöhnliche Aktivitäten ohne dieses erhebliche Engagement der

EhrenamtlerInnen nicht denkbar gewesen. Die AIDS-Hilfe hat es geschafft, über

nunmehr 15 Jahre den Charakter einer großen bunten und facettenreichen Familie zu

erhalten, die gerade in schwierigen Phasen zueinandersteht und Außergewöhnliches

zu leisten im Stande ist.

Weiterhin möchten wir uns an dieser Stelle bei all jenen Freunden,

SympathisantInnen und Förderern, Zuwendungsgebern, Vertretern aus Politik,

Verwaltung, medizinischen- und Beratungseinrichtungen, Schulen und sonstigen

Kooperationspartnern für Ihre Wertschätzungen und guten Wünsche aus Anlaß

unseres 15-jährigen Bestehens aufs Herzlichste bedanken. Hieraus können wir Kraft

und Motivation für die nächsten Jahre schöpfen.


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Inhaltliche Schwerpunkte : Die AH Du/KW e.V. stellt sich den neuen

Herausforderungen unter anderem durch eine intensive Beschäftigung mit internen,

regionalen und überregionalen Qualitätssicherungsprozessen. Interne Strukturen

werden kontinuierlich überprüft und bedarfsgerecht angepasst. Hier helfen uns die

interdisziplinäre Teamkonstellation, supervisorische Beratung, gezielte

Fortbildungsaktivitäten von Team und Vorstand, der intensive Austausch in den

einzelnen Gruppen der AH, die Beteiligung an Qualitätszirkeln und

Leitbildentwicklungen bei den Dachverbänden sowie das sog. Aktiven-Treffen, das

haupt- und ehrenamtliche MitarbeiterInnen aus allen Bereichen zusammenführt und

die Geschicke der AIDS-Hilfe immer wieder kritisch beleuchtet und konstruktiv

mitgestaltet. So sollte es gelingen, die AH-spezifische Trias von Selbsthilfe,

Interessenvertretung und Fachverband zu erhalten.

Angesichts wachsender Qualifikationsanforderungen auf der einen Seite und stabiler

personeller und materieller Ressourcen auf der anderen Seite, ist die innere

Neustrukturierung unerlässlich. Im Verbund mit zunehmenden Anforderungen von

Seiten der Landes- und Kommunalorgane in Form von konkreter werdenden

Controlling-Verfahren wächst damit –vorübergehend ?- der administrative Aufwand

für alle hauptamtlichen MitarbeiterInnen.

Es soll allerdings betont werden, dass die AH Du / KW e.V. sich aus Überzeugung

auch in überregionaler Gremien- und Prozessarbeit im Rahmen ihrer Möglichkeiten

einbringt, um aktuelle Entwicklungen frühzeitig aufspüren und auch mitgestalten zu

können. Und letztlich geht es natürlich auch um institutionell und persönlich profitable

Weiterqualifizierung.

Zu erwähnen sind hier Pretest-Verfahren im Rahmen vom Programm-Controlling im

Bereich „Youthwork“ und der „Förderung der örtlichen AIDS-Hilfen“, der Erstellung

eines Handbuches zum Produkt „Youthwork“, der Mitarbeit bei der Leitbildentwicklung

der AH NRW sowie im Projektbeirat zur Vergabe von ZSP-Mitteln in NRW.

Regional (-> Duisburg und Kreis Wesel) engagiert sich die AH Du/KW weiterhin

intensiv in Vernetzungsaktivitäten im Präventions- und Versorgungssektor (s.u.).

Ein stabiler Schwerpunkt ist und bleibt die Öffnung der AIDS-Hilfe bezüglich

interkultureller Zusammenhänge. Das Themenfeld „AIDS und Migration“, dem wir uns

frühzeitig gewidmet haben, gewinnt weiterhin zunehmend an Bedeutung. Demgemäß

weist der vorliegende Jahresbericht erstmals ein eigenständiges Kapitel

„MigrantInnen“ auf.

Das traditionelle Arbeitsfeld „AIDS & Drogen“ bleibt spannend und unser Engagement

ungebrochen. Bei der Förderung übergreifender Selbsthilfeaktivitäten ist von einem

Meilenstein in der Geschichte der AIDS-Hilfe zu berichten. Erstmals konnte es

gelingen, „JES“ in Duisburg auf wirklich eigenständige Beine zu stellen und dank der

Landesförderung für die Drogenselbsthilfe eine eigenständige Kontaktstelle

einzurichten, dessen Projektnehmerschaft die AH bis zum Ende des Berichtsjahres

eingenommen hat. Mit Beginn des Jahres 2002 ist diese an „JES Duisburg e.V.“

abgetreten. Dies soll an der engen Verbindung und Kooperation wenig ändern. Von

dieser Stelle aus : Viel Erfolg, JES !

Die weiteren angestammten Arbeitsbereiche im Rahmen der „Strukturellen

Prävention“ konnten nicht nur unvermindert fortgeführt, sondern z.T. mit frischer


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Motivation forcíert werden. Im Bereich der Frauenarbeit und dem Feld der Prävention

bei Schwulen (z.B. bzgl. der Kampagne „Herzenslust“) konnten die beiden neuen

hauptamtlichen MitarbeiterInnen neue Energien freisetzen (s.u.).

Finanzielle Situation : Das Geschäftsjahr gestaltete sich finanziell gesehen

unerwartet erfreulich. Die zuverlässige Kooperation in der Finanzierung der

Personalmittel mit dem Land NRW, der Stadt Duisburg und dem Kreis Wesel stellte

auch im Berichtsjahr die Basisfinanzierung und damit die Gewähr für Kontinuität und

Stabilität der Arbeit in den originären Tätigkeitsfeldern der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. dar.

Trotz Ausweitung unserer Arbeit konnten die Personalkostenanteile im Berichtsjahr

auf DM 26.423,97 begrenzt werden. Dies gelang zum einen dadurch, dass wir

weiterhin das Projekt Frauen und AIDS aus Mitteln der Zielgruppenspezifischen

Prävention in vollem Umfang fortführen und aus dem gleichen Mitteltopf das Projekt

„Aufbau einer Selbsthilfegruppe für Migrantinnen“ durchführen konnten, bei dem wir

einen Personalkostenanteil von DM 3.895,66 hatten. Zum anderen wurde die JES-

Selbsthilfe ab Mai aus dem Projekt „JES NRW Projekte zur Förderung der

Selbsthilfe“ finanziert. Die vorgenannten Projekte werden von der AIDS-Hilfe NRW e.

V. betreut und wir danken ihr für das abgelaufene Geschäftsjahr für die gute

Zusammenarbeit.

Durch die Durchführung einiger Benefiz-Aktionen, hier sei vor allem die KYA-

Ausstellung in Wesel hervorgehoben, unseren Aktivitäten zur 15-Jahr-Feier, einem

finanziell erfolgreichen WAT und einem stabilen Spendenaufkommen konnten wir

nicht nur unseren Eigenanteil an den Sachmittelausgaben, sondern auch noch einen

Überschuss erwirtschaften und somit ein kleines Polster für die Zukunft legen.

An dieser Stelle sei herzlicher Dank gesagt allen privaten Spendern, öffentlichen

Zuwendungsgebern, Vereins- und Fördermitgliedern sowie der Stadtsparkasse

Duisburg für das uns entgegengebrachte Vertrauen.

Wir hoffen, dass der nachfolgende Tätigkeitsbericht transparent macht, was mit ihrer

finanziellen Unterstützung geleistet wurde und sind überzeugt, auch Ihren

Vorstellungen entsprechend die zugewandten Mittel verwendet zu haben.

Bericht der Kassenprüfer Fred Sandbrink und Reinhard Heikamp

Am 25.03.2002 wurden von uns die Kassenbelege und Bestände nach unserem

besten Wissen und Gewissen überprüft. Wir konnten keine Abweichungen

feststellen. Alle Belege waren vollständig und fortlaufend numeriert; auch inhaltlich

stimmten die Belege mit den Statuten des Vereins überein.

Der Kassenbestand am 31.12.2001 belief sich auf DM 3.269,70 (mit Wesel). Die

Summe aller Bank-, Sparkassenkonten und Sparbücher betrug DM 208.153,90.

Alle Buchungseintragungen waren mit Belegnummern versehen. Die Verbuchung

aller Belege des Monats Januar und Dezember wurden überprüft. Dabei konnten


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keine Beanstandungen festgestellt werden. Spenden waren durch

Überweisungsbelege oder Einzahlungsquittungen belegt. Barauszahlungen waren

durch den Empfänger quittiert. Der letzte Körperschaftsteuerfreistellungsbescheid

wurde am 25.08.1999 für die Jahre 1996, 1997, 1998 erteilt. Weiterhin haben wir die

Existenz von Versicherungsverträgen überprüft (Haftpflicht, Feuer, Einbruch und

Leitungswasserschaden). Der Verein kommt seiner gesetzlichen Pflicht zur

Unfallversicherung der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter bei der

Berufsgenossenschaft nach. Lohnsteuer und Sozialversicherungspflicht wurden

überprüft. Die Beiträge wurden ordnungsgemäß abgeführt.

Die Kassenprüfer empfehlen der Hauptversammlung, den Vorstand für das Jahr 2001

zu entlasten.

2. Beratung:

Die Beratung in der AIDS-Hilfe hatte auch in diesem Jahr einen hohen Stellenwert.

Die Beratung kann in die folgenden drei Gruppen unterteilt werden.

• Persönliche Beratung

• Telefonische Beratung der HauptamtlerInnen während der Öffnungszeiten in

Duisburg und Wesel

• Beratung durch die ehrenamtliche Telefonberatergruppe in der Zeit von 19.00-

21.00 am Montag sowie in Wesel am Mittwoch zwischen 19.00-21.00 Uhr

Während die Zahl der Beratungsgespräche am Telefon ruhrgebietsweit in den

Abendstunden erneut zurückging, hat sich die Anzahl der Ratsuchenden sowohl bei

der telefonischen als auch bei der persönlichen Beratung während der Bürozeiten auf

einem hohen Level stabilisiert.

In der telefonischen Beratung, die während der Bürozeiten von hauptamtlichen

MitarbeiterInnen durchgeführt wird, stehen weiterhin die Informationen über

Ansteckungswege und Übertragungsmöglichkeiten im überwiegend heterosexuellen

Bereich im Vordergrund. Die Ratsuchenden können lediglich dabei unterstützt

werden, ihr persönliches Risikomanagement zu entwickeln, indem sie entsprechende

Informationen erhalten. Allgemeingültige Handlungsanweisungen können nicht

gegeben werden.

Die persönliche Beratung wurde bei Anfrage von einem oder zwei HauptamtlerInnen

durchgeführt. Wenn immer möglich, vereinbart die AIDS-Hilfe mit den Ratsuchenden

einen festen Termin für das persönliche Gespräch. Die AIDS-Hilfe hat sich jedoch

darauf eingestellt, dass während der Öffnungszeiten unseres Büros viele Betroffene

spontan und ohne Voranmeldung zu einer persönlichen Beratung vorbei kommen.

Trotz der beengten Räumlichkeiten konnten die Gespräche in einer abgeschirmten

Beratungsatmosphäre stattfinden. Zum Jahresende konnten die

Rahmenbedingungen durch den Auszug von JES deutlich verbessert werden. Das

Büro von JES wurde zu einem Beratungsraum umgestaltet.

Zur ehrenamtlichen Telefonberatergruppe:

Die Telefonberatung konnte auch in diesem Jahr trotz der geringen Zahl von zwei

EhrenamtlerInnen jeden Montagabend zwischen 19.00 und 21.00 in der AIDS-Hilfe

angeboten werden.


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Die Telefonberatergruppe traf sich zusätzlich einmal im Monat. Bei diesen Treffen

wurden alle anonymen Telefonberatungsgespräche vom Vormonat besprochen.

Darüber hinaus wurde die Teilnahme an den Vernetzungstreffen sichergestellt und

die monatlichen Termine abgeklärt. Begleitet wurde die Gruppe von einem

hauptamtlichen Mitarbeiter. Da eine Telefonberaterin nicht mehr aktiv in der Gruppe

mitarbeiten konnte, beschränkte sich die Telefonberatergruppe auf zwei Personen.

Da in dem letzten Jahr keine weiteren EhrenamtlerInnen Interesse an der

Telefonberatung hatten, war die Stimmung in der Gruppe sehr bedrückend. Wir

hoffen auf Zuwachs im nächsten Jahr.

Telefonberater-Vernetzung der Ruhrgebiets-AIDS-Hilfen:

Wie in den Vorjahren war die AIDS-Hilfe in der Vernetzung von mehreren AIDS-Hilfen

involviert. Durch den Zusammenschluss der AIDS-Hilfen Duisburg/Kreis Wesel,

Hagen, Oberhausen und Dortmund konnte unter der Telefonnummer 19411 an jedem

Wochentag eine Beratung angeboten werden. Diese Kooporationspartner trafen sich

vierteljährlich um Simulationen, Bewerbungsstrategien, Fortbildungen der Berater und

die Tendenzen in der Beratung zu besprechen. Auf diesen Treffen haben die

ehrenamtlichen Telefonberater unter anderem eigenverantwortlich den bereits

existierenden Telefonberatervernetzungsvertrag überarbeitet. Von hauptamtlicher

Seite sind überregional die Bewerbung, Handhabungsmöglichkeiten und die

Vernetzung der 0700er-Nummern auf Ruhrgebietsebene diskutiert worden.

Außerdem wurden Anfragen von anderen AIDS-Hilfen um eine Aufnahme in die oben

aufgeführte Telefon-Vernetzung besprochen.

In diesem Jahr nahm die 0700er-Nummer einen hohen Stellenwert in dem Bereich

Beratung ein. Es wurde in mehreren Gremien über die Handhabung und die Vor- und

Nachteile der Nummer gesprochen und diskutiert. Außerdem wurde von der AIDS-

Hilfe Duisburg/Kreis Wesel ein Antrag zur Anonymisierung bei der Behörde für

Telekommunikation gestellt. Dadurch kann gewährleistet werden, dass der Anrufer

nicht identifiziert werden kann. Auch wurde die Beratungs-Vernetzung während der

Bürozeiten diskutiert. Dies wäre durch die Möglichkeit der Weiterleitungsfunktion bei

der 0700er-Nummer möglich. Es würde bedeuten, dass ein Ratsuchender nicht

bewusst eine AH anrufen kann, da er durch die automatische Weiterleitungsfunktion

an irgendeine für ihn unersichtliche AIDS-Hilfe verbunden wird. Darum wurde von der

AIDS-Hilfe von dieser Vernetzung Abstand genommen.

Auch in diesem Jahr wurde eine Neuenschulung für Telefonberater der Vernetzungs-

AIDS-Hilfen durchgeführt. Die Schulung fand in Dortmund statt und wurde von einer

Hauptamtlerin aus Dortmund und einem Hauptamtler aus Duisburg durchgeführt.

Inhaltlich wurden verschiedene Beratungsmodelle vorgestellt und mögliche

Beratungssituationen durchgespielt. Diese Veranstaltung wurde an zwei aufeinander

folgenden Tagen durchgeführt.

Die Schulung der Berater, die schon längere Zeit in der Beratung tätig waren, wurde

in Hagen durch einen externen Referenten durchgeführt. Die Berater hatten

beschlossen, das Thema Hepatitiden zu bearbeiten.

Im Rahmen der Berater-Vernetzung wurden alle ehrenamtlich telefonisch geführten

Beratergespräche nach einem gemeinsam entwickelten, einheitlichen

Gesprächsleitfaden erfasst und von der halbjährlich für die Koordination zuständigen


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AIDS-Hilfe ausgewertet. Die Zahl der Beratungsgespräche ist in diesem Berichtsjahr

bei allen an der Vernetzung beteiligten AIDS-Hilfen erneut gesunken und liegt damit

im bundesweit beobachteten Trend der rückläufigen Zahlen an Beratungsgesprächen

bei kleinen und mittleren AIDS-Hilfen.

Die Anruferstruktur blieb ähnlich wie im Vorjahr, wobei zwei Drittel der Anrufer

männlich und heterosexuell waren. Die vier häufigsten Themen oder Fragestellungen

waren erneut die Fragen nach den Übertragungswegen, die Einschätzung des

Infektionsrisikos, Fragen zum HIV-Test so wie Hilfe und Unterstützung in

Krisensituationen.

3. Betreuung

3.1. Einzelbetreuung

Umfang der Begleitung

Die Zahl der Betroffenen , die von der AH psychosozial begleitet werden, ist von 120

im Vorjahr auf 135 im Jahr 2001 angestiegen.

Von den 135 Betreuten nahmen 15 Betroffene zeitlich den bei weitem größten Teil

der Betreuungskontakte in Anspruch, da diese 15 mehrmals wöchentlich Begleitung

brauchten, viele davon mehr als dreimal wöchentlich und ein Drittel fast täglich.

Weitere 47 brauchten eine Begleitung bis zu einmal wöchentlich. Die restlichen 73

Betroffenen kamen entweder sporadisch oder während einer kürzeren Krise

mehrmals, durchschnittlich erschienen diese viermal im Jahr.

Bei fast allen 15 Intensivbetreuungen ist die soziale Isolation ein Problem, bei 3 liegen

schwere Mehrfachbehinderungen neben der HIV-Infektion vor, 4 haben schwere

psychiatrische Probleme, 5 sind Drogengebraucher bzw. Substituierte mit regelmäßig

wiederkehrenden Krisen, drei sind Migranten mit nicht geregeltem Aufenthaltsstatus,

bei einer ging es um eine mehrmonatige ambulante Sterbebegleitung.

Von diesen 15 waren 9 in ehrenamtlicher Einzelbegleitung, wobei 6 von diesen 9

zusätzlich zur ehrenamtlichen Begleitung hauptamtliche Einzelbegleitung in Anspruch

nahmen. Für die anderen 6 Betroffenen, die einen besonders hohen Bedarf an

Betreuung haben, konnte keine ehrenamtliche Begleitung gefunden werden und

musste daher von hauptamtlichen Betreuern geleistet werden.

Insgesamt wurden 27% der Begleitung von ehrenamtlichen Betreuern geleistet, 73%

von hauptamtlichen Betreuern.

Veränderungen in der Betreuungsarbeit.

Viele der Betroffenen haben mit ihrer HIV-Infektion einigermaßen zu leben gelernt

und wollen sich auch nicht ständig mit dem Thema HIV und AIDS auseinandersetzen.

Ein Großteil ist regelmäßig bei einer HIV-Schwerpunktpraxis in Behandlung und sucht

auch für das soziale Umfeld wieder verstärkt Kontakte mit anderen Nicht-Betroffenen

bzw. mit der Welt „draußen“. Maßgebend hierfür sind individuelle Hobbys und

Interessen.


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Dies bedeutet, dass die AH zu einer Reihe von Betroffenen sporadischen Kontakt

hat. Hierbei wird mit den Einzelnen abgestimmt, ob, und wenn ja, wie häufig und in

welcher Form das jeweilige Befinden von der AH nachgefragt werden soll. Es gibt

auch eine Reihe von Betroffenen, die selbst initiativ werden und in der AH persönlich

vorbeikommen oder sich telefonisch melden.

Für eine immer größere Zahl von ihnen steht unsere AH für gelegentliche

Dienstleistungen zur Verfügung (z.B. Umzugs- oder Renovierungshilfe) und für viele,

wenn sie in eine Krise geraten. Diese Krisen können durch verschiedene Umstände

ausgelöst werden: Der Gesundheitszustand verschlimmert sich, eine Beziehung geht

zu Ende, Jobverlust, Sinnfragen, Depressionen oder finanzielle Probleme.

3.2.Betreuergruppe

Die zweifellos schwierige Aufgabe der Betreuung von zumeist bereits an AIDS

erkrankten Menschen ist immer noch eine der tragenden Säulen der Arbeit der AIDS-

Hilfe.

Krankenhausbesuche, Fahrten zu Ärzten und Ambulanzterminen, Einkaufshilfen oder

einfach nur mal reden, sind die Hauptaufgaben der BetreuerInnen. Oftmals geht die

Betreuung bis hin zur Sterbebegleitung und ist dementsprechend auch eine

Belastung für die MitarbeiterInnen. Aus einem anfänglichem Betreuungsverhältnis

wird nicht selten eine intensive Freundschaft. Ehrenamtliche BetreuerInnen sind fast

immer einer starken seelischen Belastung ausgesetzt. Aus diesem Grund erhalten

die MitarbeiterInnen die Möglichkeit sich zu entlasten und auf konkrete Hilfe

zurückzugreifen. Dies geschieht in der Regel durch eine in 14-tägigem Abstand

stattfindende Supervision und durch aktive Einzelunterstützung durch hauptamtliche

Mitarbeiter. Dies gilt insbesondere in Krisensituationen. Die Gruppe der Betreuenden

selbst ist darüber hinaus eine arbeitsbegleitende Fortbildung, die dem

Erfahrungsaustausch, der gegenseitigen Hilfe und der Reflektion dient.

In unserer AH gab es auch 2001 zwei Betreuergruppen. Über die Drogen- und

Knastgruppe wird unter dem Punkt 5.3.1 näher berichtet.

Die direkte Einzelbetreuung wurde von sechs Ehrenamtlichen durchgeführt, einer

mehr als 2000. Da keiner die Betreuergruppe verließ, konnte durch die sehr stabile

Zusammensetzung und die vorliegende mehrjährige Erfahrung recht kontinuierlich

gearbeitet werden. Für den engagierten Einsatz der ehrenamtlichen Betreuerinnen

möchten wir uns herzlich bedanken.

3.3 Positivenfond

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. stellte in dem Berichtsjahr 7.500 DM für

den Positivenfond zur Verfügung.

Der Positivenfond wird von einem Gremium verwaltet, welches aus zwei HIVpositiven

Menschen, zwei EhrenamtlerInnen und einer Hauptamtlerin besteht. Diese

heterogene Zusammensetzung gewährleistet, dass die unterschiedlichen

Perspektiven der Mitglieder des Gremiums genutzt werden, um eine bedarfsgerechte

Verteilung der Mittel zu erreichen. Die Entscheidung über die Vergabe der finanziellen

Mittel fällt das Gremium nach der Schilderung der Situation und der Überprüfung der

finanziellen Grundlagen.


11

Der Fond selbst dient in seiner Zielsetzung der Hilfe zur Überbrückung finanzieller

Notlagen bei HIV-positiven Menschen. Es bestehen unterschiedliche Variationen der

finanziellen Unterstützung, die in Übereinstimmung mit der jeweiligen Notlage der

betroffenen Person ermöglicht werden.

Zum einen lässt sich die Soforthilfe anführen, die am Ende des Monats an Personen

ausgezahlt werden kann. Diese Art der Unterstützung dient dazu einen einmaligen

finanziellen Engpass, bis zur nächsten Zahlung (zum Beispiel Sozialhilfe) zu

überbrücken hilft. Zum anderen besteht die Möglichkeit, dass finanzielle Hilfen in

Form einer ‚Außergewöhnlichen Zuwendung’ gewährt werden, falls größere Beträge

(Miet- oder Stromrechnungen o.ä.) nicht gezahlt werden können. Falls der

Einkommenssatz der betroffenen Person die Sozialhilfe übersteigt, ist es möglich

ihr/ihm eine ‚Rückzahlbare Zuwendung’ anzubieten.

Der vereinsinterne Fond wird bei größeren Antragssummen, wenn es möglich ist,

durch die Antragstellung bei der Deutschen AIDS-Stiftung entlastet.

8.000,00 DM

7.000,00 DM

6.000,00 DM

5.000,00 DM

4.000,00 DM

3.000,00 DM

2.000,00 DM

1.000,00 DM

- DM

Krankenhaus Knastpaket Soforthilfe außergew .Z. Rückz.Z. Einnahmen

Pos. F.: 2000 798,90 DM 275,98 DM 2.946,86 DM 7.983,35 DM 2.550,00 DM 5.431,47 DM

Pos. F.: 2001 240,00 DM 301,23 DM 2.577,71 DM 1.921,54 DM 177,00 DM 1.266,87 DM

Im Vergleich zum vorherigen Berichtsjahr zeigt sich deutlich, dass der Positivenfond

weitaus weniger in Anspruch genommen wurde. Insgesamt lassen sich die Ausgaben

in dem Jahr 2001 auf 5.217,48 DM beziffern, während von den ‚Rückzahlbaren

Zuwendungen’ 1.266,87 DM gutgeschrieben worden sind.

Betrachtet man die einzelnen Posten, haben sowohl die ‚Rückzahlbaren

Zuwendungen’, die Kosten im Krankenhaus, als auch die ‚Außergewöhnlichen

Zuwendungen’ im Gegensatz zum Vorjahr deutlich abgenommen. Die Kosten für die

Knastpakete, die in erster Linie von unseren EhrenamterInnen der Drogen- und

Knastgruppe an HIV-positive Inhaftierte verteilt werden, haben im Vergleich zum

Vorjahr leicht zugenommen.

Die Ausgaben für die ‚Soforthilfe’ bleiben weiterhin konstant. Dieser Posten scheint

sich stabil zu halten, da sich bei einem großen Teil der von uns begleiteten Personen

die finanzielle Situation kaum verändert. Positiv lässt sich herausstellen, dass die

‚Soforthilfe’ im Wesentlichen als ‚Nothilfe’ akzeptiert wird und nicht regelmäßig

beantragt wird.


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3.4. Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern

HIV-Schwerpunktpraxen

Mit den Erfolgen der antiretroviralen Therapie hat sich das Hauptgewicht der Arbeit in

den HIV-Schwerpunktpraxen deutlich verändert. Statt der ambulanten Versorgung

von opportunistischen Infektionen und Tumoren liegt der Arbeitsschwerpunkt in den

HIV-Schwerpunktpraxen heute beim Monitoring der unbehandelten Infektion, bei der

Entscheidung zum Therapiebeginn, der Therapiekontrolle, der Aufrechterhaltung von

Compliance und dem Management von Langzeitnebenwirkungen. Hinzu kommt die

Behandlung der chronischen Hepatitis B und C bei Doppelinfizierten.

Der größte Teil der von der AIDS-Hilfe psychosozial begleiteten Betroffenen wird in

einer der beiden HIV- Schwerpunktpraxen medizinisch behandelt. Daher sehen wir

die Kooperation mit diesem Praxistyp als entscheidend an. Die beiden

Schwerpunktpraxen zeichnen sich durch virologische und immunologische, z.T. auch

durch onkologische, hämatologische, hepatologische und suchtmedizinische

Spezialkenntnisse aus. Neben dieser hohen medizinischen Spezialisierung ist auch

eine besonders breite psychologische und soziale Kompetenz notwendig,

insbesondere eine Vertrautheit mit dem Lebensstil in mehreren gesellschaftlichen

Subkulturen und mit Problemen der Migration.

Gerade deshalb ist es entscheidend, dass die Kooperation von Offenheit und

gegenseitigem Vertrauen getragen wird, die es in Notsituationen und bei

Missverständnissen möglich macht, für Betroffene schnell und unbürokratisch nach

Lösungen zu suchen.

Praktische Beispiele für die Kooperation der AIDS-Hilfe mit den Schwerpunktpraxen

sind :

Eine der beiden Schwerpunktpraxen bietet einen Kunsttherapie Workshop für HIVpositive

Frauen an und die hauptamtliche Mitarbeiterin konnte im Rahmen dieser

Kunsttherapiegruppe die Angebote unserer AH und der AH NRW vorstellen und

damit den Frauen weitere Veranstaltungen für positive Frauen eröffnen.

Da in der AH eine Gesprächsgruppe für positive Frauen vorerst nicht zustande

gekommen ist, wurde es einer Frau, die Kontakt zur AIDS-Hilfe aufgenommen hatte,

ermöglicht an der Kunsttherapiegruppe in dieser Praxis teilzunehmen, obwohl sie gar

nicht Patientin in dieser Praxis ist.

Auf der 15-Jahr-Feier der AH stellte die Kunsttherapiegruppe selbstgemalte Bilder der

HIV-positiven Frauen aus.

Die Kooperation bei der Überwindung der interkulturellen Barrieren wird in 5.5 näher

beschrieben.

Krankenhäuser

Die Zahl der AIDS-PatientInnen, die 2001 stationär in Krankenhäusern untergebracht

war, war ähnlich gering wie im Vorjahr. Meistens lag nur ein und selten mehrere

AIDS- Patienten gleichzeitig stationär in den Krankenhäusern in Duisburg. 85% der

stationären Patienten lagen im Klinikum Duisburg, die restlichen meist im St.

Johannes-Hospital.

Durch die Verteilung der AIDS-Patienten auf drei Stationen im Klinikum Duisburg


13

und da sich diese Verteilung im Rahmen der internen Umstrukturierungsmaßnahmen

auch im Laufe des Jahres noch einmal änderte, war es zeitaufwendiger

sicherzustellen, dass AIDS-Patienten, die die AH und ihre Angebote noch nicht

kennen, von den Möglichkeiten der Unterstützung durch uns erfahren. Gerade in

dieser Zeit der strukturellen Veränderungen im Klinikum in Duisburg hat es sich

bewährt, dass wir mit Frau Dr. Seidlitz eine Ansprechpartnerin mit langjähriger HIV-

Erfahrung haben.

Pflegedienste

Seit mehreren Jahren hat sich unser existierendes Konzept der Koordination und

Organisation aller in der Pflege involvierten Personen ( Pflegedienst,

Angehörige/Freunde, Ehrenamtliche, Zivildienstleistender, ASS für handwerkliche

Hilfen) bewährt und wurde daher auch 2001 fortgeschrieben. Die Zivildienststelle war

im Jahre 2001 fast durchgehend besetzt. Dies bedeutete auch in diesem Jahr eine

deutliche Entlastung der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, da das Hinbringen und

Abholen von Betroffenen zu Ämtern sowie die hauswirtschaftlichen Hilfen wie

Einkäufe, Putzen, Aufräum- und Renovierungsarbeiten nun wiederum meist von

Zivildienstleistenden übernommen werden konnten.

Aufgrund der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten war die Zahl der zu

pflegenden Personen Ende der neunziger Jahre zunächst stark zurückgegangen.

Dieser Trend hat sich jedoch im letzten Jahr nicht fortgesetzt und die Zahl der

Pflegenden lag ähnlich hoch wie im Vorjahr.

Da die ambulante Pflege weitgehende Vorteile gegenüber der stationären bietet,

stand die Zusammenarbeit besonders mit den ambulanten Pflegediensten im

Vordergrund.

Mit einigen Pflegediensten hat sich die Kooperation gut bewährt. Gerade in

schwierigen Einzelfällen wenden wir uns an diese, weil wir die Erfahrung gemacht

haben, dass diese in der Lage und willens sind, auf die individuellen Probleme

unserer Betroffenen einzugehen.

Hospize

Im Jahr 2001 hatten wir keinen unserer AIDS-Patienten in einem der Hospize in

Duisburg oder im Kreis Wesel liegen. Es besteht jedoch weiterhin ein gut

funktionierender Kontakt, der im Bedarfsfall intensiviert werden kann.

Zur Hospizbewegung Duisburg Hamborn bestand, wie schon in den Vorjahren, ein

besonders intensiver Kontakt sowohl auf der Ebene der hauptamtlichen als auch auf

der Ebene der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen.

3.5. Angebote für HIV-Positive

Wie in Punkt 3.1. bereits erläutert, nutzt die Mehrzahl der Betroffenen die über die AH

geknüpften sozialen Kontakte auch weiterhin, braucht hierzu jedoch nicht mehr ein

regelmäßiges Gruppenangebot im Rahmen der AIDS-Hilfe.

Wir haben daher eine zunehmende Zahl von Betroffenen, die früher über unsere

verschiedensten Gruppenangebote gegenseitige Unterstützung erfahren konnten. Da

aufgrund der geschilderten Veränderungen die Gruppenangebote stark eingeschränkt

sind, bleibt eine beachtliche Zahl Betroffener mit diesem Bedürfnis nach

Zugehörigkeit zu einer festen Gruppe und damit nach regelmäßigen Kontakten und

menschlicher Nähe allein. Durch Einzelgespräche und Einzelbegleitung ist dies nur

sehr begrenzt aufzufangen.


14

Zielgruppenspezifische Gruppenangebote

Gerade bei den meisten zielgruppenspezifischen Angeboten wirkte sich der

beschriebene Trend massiv aus.

Auf die Entwicklung der schwulen Positivengruppe wird in Punkt 5.1.1 näher

eingegangen.

In Punkt 5.4. wird die Entwicklung der frauenspezifischen Gruppenangebote detailliert

beschrieben.

Mittwochs-Cafe

Eine Ausnahme zu diesem geschilderten Trend bildet bisher das schon langjährig

bewährte Mittwochs-Cafe´.

Solidarität wird seit Beginn der AIDS-Hilfe besonders groß geschrieben, da wir es in

unserer Einrichtung nicht allein mit den Phänomenen Krankheit, Sterben und Tod zu

tun haben. AIDS ist darüber hinaus in besonderer Weise mit stigmatisierten und

marginalisierten Gruppen dieser Gesellschaft verbunden.

Solidarität wird entsprechend in vielfältiger Weise bei der AIDS-Hilfe praktiziert und

bekommt insbesondere auch bei der Initiierung, Förderung und Begleitung von

Selbsthilfe einen wichtigen Rahmen. Ein exemplarischer Rahmen ist unser offenes

Café-Angebot „Solidarerleben“.

Das besagte Café „Solidarerleben“ findet jeden Mittwoch zwischen 16.00 und 19.00

Uhr in unseren Räumen statt und stellt einen Rahmen dar, der Menschen verbindet

und miteinander ins Gespräch bringt. Menschen mit verschiedensten sozialen,

kulturellen und politischen Hintergründen, Menschen mit verschiedenen sexuellen

Orientierungen, HIV-positive und HIV-negative Menschen, Menschen aus sehr

unterschiedlichen Settings, haupt- und ehrenamtliche MitarbeiterInnen. Trotz dieser

Unterschiedlichkeiten hat dieses Café immer einen geradezu familiären Charakter,

der jeder/m „Neuen“ gegenüber offen und aufgeschlossen ist. Das Café ist weiterhin

ein zentraler Ort für den Erfahrungsaustausch und die Initiierung von Selbsthilfe und

wird weiterhin regelmäßig von durchschnittlich 20 -25 Personen besucht.

Sonntagsfrühstück

Von den beiden erfahrenen Ehrenamtlern, die das Sonntagsfrühstück schon im

vergangenen Jahr organisiert hatten, war einer im Sommer verstorben.

Der verbleibende Ehrenamtler bildete ein neues ehrenamtliches Team und so konnte

in den Herbst- und Wintermonaten wieder 14 tägig ein ausschließlich ehrenamtlich

organisiertes Sonntagsfrühstück angeboten werden.

In diesem Herbst kamen jedoch abgesehen von den ehrenamtlichen Mitarbeitern, die

das Sonntagsfrühstück organisierten, und einigen Substituierten, die zur

sonntäglichen Methadonvergabe erschienen, nur sehr wenige HIV – positive

Menschen ins Cafe´, so dass dieses Angebot Ende des Jahres eingestellt wurde.

Krea(k)tHivgruppe

Wie schon im Vorjahr berichtet befand sich in der zweiten Hälfte des letzten Jahres

die sich regelmäßig am Dienstag von 17.00 bis 19.00 Uhr treffende Kreativgruppe in

einem Auflösungsprozess, der dazu führte, dass der zuständige Ehrenamtler diese ab

Februar 2001 nicht mehr anbot.

Im Herbst unternahm ein Betroffener und ein Ehrenamtler einen erneuten Anlauf für

eine Gruppe, die sich „KREA(K)THIV FIT“ nannte und vierzehntägig am Freitag um


15

19.30 Uhr angeboten wurde. Es ging dabei um Tanz und Theaterimprovisation, um

Entspannung , Spiel und Spaß. Jeder sollte sich selbst und andere in kreativer und

spielerischer Form erleben können und Ausdruck finden für Körper, Geist und Seele.

Das Konzept wurde im Mittwochs Cafe´ vorgestellt und zum 1. Treffen am 21.9.01

kamen acht ehrenamtliche TeilnehmerInnen, einer davon war HIV-positiv. Da beim

zweiten Treffen nur noch zwei TeilnehmerInnen kamen, wurde das Angebot dieser

Gruppe nach dem dritten Treffen wieder aufgegeben.

Kochgruppe

Im Jahr 2000 war die Kochgruppe eine stabile Gruppe von 5 TeilnehmerInnen,

bestehend aus Betroffenen, deren PartnerInnen und Angehörigen sowie zwei

ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. Im Mittelpunkt stand der Spaß am gemeinsamen

Kochen.

Die Kochgruppe traf sich zu Beginn des Jahres wie im Vorjahr, jeden ersten

Donnerstag im Monat um 19.00 Uhr

Nach wenigen Monaten erkrankten zwei sehr aktive und engagierte Mitglieder der

Kochgruppe schwer und verstarben im Sommer 2001 innerhalb weniger Wochen.

Von diesem Doppelschlag hat sich die Kochgruppe bisher nicht mehr erholt. Die

beiden verstorbenen Mitglieder waren so zentral und wichtig für die Gruppe, dass

diese danach völlig zusammenbrach.

Weihnachtsfeier

Unsere am Heiligabend stattfindende Weihnachtsfeier wurde erneut hauptsächlich

von Betroffenen und Ehrenamtlichen organisiert und durchgeführt. Die hohe

TeilnehmerInnenzahl von 40 Betroffenen sowie die positive Resonanz zeigen, wie

wichtig das gemeinschaftliche Erleben gerade an so einem Abend ist, den sonst viele

allein verbringen müssten. Durch die im Vorlauf von EhrenamtlerInnen organisierten

Geld- und Sachspenden in Höhe von DM 3.900,00 konnten ein festliches Menue und

kleine Geschenke finanziert werden.

Deshalb auf diesem Wege nochmals vielen Dank für die Spenden und das

Engagement der Ehrenamtlichen.

3.6. Gruppenfreizeit in der Eifel

Unsere Gruppenfreizeit in Gran Dorado Park Heilbachsee in der Eifel war auch

dieses Jahr ein voller Erfolg. Sie setzte sich aus zwei Untergruppen zusammen, der

Schwulen Positivengruppe, die vom 31.8. bis zum 3.9. gefahren ist und einer zweiten

Gruppe, in der sich die meisten Teilnehmer vorher nicht kannten und deren

Lebenswelten sehr heterogen waren. Diese zweite Gruppe fuhr anschließend vom

3.9. bis zum 7.9. 01

Zunächst zur schwulen Positivengruppe vom 31.8. bis 3.9.01.

Bis auf einen Interessenten, der aufgrund eines Krankenhausaufenthaltes kurzfristig

absagen musste, haben alle anderen wie geplant an der Freizeit teilgenommen.

Die Gruppenmitglieder der schwulen Positivengruppe kennen sich untereinander und

planten ihre Freizeit diesmal recht eigenständig, d.h. ohne den zuständigen

hauptamtlichen Mitarbeiter. Ihre begeisterten Berichte und Erzählungen zeigten, dass

sie die Freizeit zu einem sehr intensiven Erfahrungsaustausch genutzt hatten. Sie

organisierten sich ein sehr aktives Freizeit- und Kulturprogramm, wobei der Gran


16

Dorado Urlaubspark „Heilbach-See“ neben seinen eigenen Freizeitangeboten auch

als Ausgangspunkt für Ausflüge in die nähere Umgebung genutzt wurde. Einen Tag

besuchten sie die Klosteranlagen und das Museum in Maria Laach, an einem

anderen fuhren sie nach Cochem, machten dort eine Schiffsfahrt auf der Mosel und

besichtigten auch die Burg in Cochem.

Neben diesen Freizeitaktivitäten hat die Positvengruppe die gemeinsamen Tage auch

zu einer Standortbestimmung und Neuorientierung genutzt.

Die Gruppe beschloss eine Öffnung nach außen, weil im letzten Jahr wenig „Neue“

hinzugekommen sind.

Um „Neuen“ den Zugang zu erleichtern, trifft sich die Gruppe seither einmal im Monat

in einem schwulen Cafe. Falls sich dieser Ansatz bewährt, könnte dieses Angebot

durch eine häufigere Präsenz oder durch die Einbeziehung weiterer Szenekneipen

noch ausgeweitet werden.

Für die zweite Gruppe vom 3.9. bis 7.9.01 ging es neben dem nun schon in den

beiden Vorjahren bewährten Formen der Gruppen und Freizeitaktivitäten zusätzlich

um ein besonderes Ziel: Hemmschwellen und Berührungsängste zwischen

MigrantInnen und unseren anderen Hauptbetroffenengruppen abzubauen. Um

diesem ehrgeizigen Ziel der besseren Integration von MigranntInnen näher zu

kommen, wurde für diese zweite Gruppe schon im Vorfeld ein Kennenlern- und

Vorbereitungstreffen organisiert, an dem auch ein Teilnehmer von der schwulen

Positivengruppe teilnahm.

Da die Interessenten in dieser Gruppe zum Teil nur Englisch bzw. nur Deutsch

sprachen, mussten diese Kennenlerntreffen zweisprachig laufen. Die

unterschiedlichen Wünsche und Vorstellungen für die Freizeit brachten die

Gruppenmitglieder trotz der anstrengenden Zweisprachigkeit ziemlich schnell ins

Gespräch. Die Afrikaner wollten z.B. wissen, ob sie während der Freizeit auch den

amerikanischen Sender CNN empfangen könnten. Dies löste erst einmal

Verwunderung aus, denn den anderen war während der Kurzfreizeit Fernsehen nicht

so wichtig wie andere Freizeitmöglichkeiten. Es kamen Gespräche in Gang, in denen

die Afrikaner erklären konnten, dass sie sich über ihre Situation in ihren

Heimatländern auf dem Laufenden halten wollten, z.B. über den Bürgerkrieg in Sierra

Leone. Es folgten Fragen, wo das denn überhaupt liege und wie die Leute dort

leben? Das Interesse aneinander war geweckt.

Beim zweiten Treffen ging es um die konkrete Planung der Freizeit: welche

Aktivitäten sollen stattfinden, wer bringt was dafür mit, was kochen wir und ob die

Afrikaner auch mal etwas Spezifisches aus ihrem Kulturkreis kochen würden.

Nach diesem erfolgreichen und interessanten Vortreffen kamen trotz der festen

Zusagen in den letzten beiden Wochen doch noch drei kurzfristige Absagen, zwei

davon krankheitsbedingt. So fuhren wir dann mit vier Betroffenen und einer

weiblichen und männlichen Begleitperson los.

Bei der Gestaltung der Tagesaktivitäten standen auch bei dieser Gruppe vielfältige

Ausflüge zu den in der Nähe gelegenen Städten Daun, Mayen und Cochem sowie ein

Besuch im Wildspark Klotten im Mittelpunkt.

Jeweils zwei Teilnehmer übernahmen die Gestaltung eines Abends, d. h. sie wählten

das Motto, bereiteten die vorher überlegten kulinarischen Spezialitäten zu und

suchten dazu passende Musik und Geschichten aus. Am ersten Abend gaben uns die


17

beiden schwulen Männer einen Einblick in ihre schwulen Lebenswelten, am zweiten

gestalteten zwei einen afrikanischen Abend, der dritte war der „Frauenabend“. Zum

vierten Abend haben dann alle beigetragen und fanden es schade, dass dies unser

letzter Abend war.

Nach den Abendessen hatten wir viel Spaß bei den interkulturellen Spieleabenden.

Wir fingen mit einfachen Kartenspielen wie „31“ an. Als ein Renner erwies sich das

Logik-Spiel „Vier gewinnt“. Mühle, Dame und ein afrikanisches Brettspiel aus

Kamerun waren auch sehr beliebt.

Ein weiteres interessantes Thema war die unterschiedlichen Musikrichtungen. Jeder

hatte seine Lieblings CDs mit gebracht und so konnte jeder sein Repertoire erweitern.

Eine Teilnehmerin nutzte diese Tage, um ihr Englisch zu verbessern. Ein

afrikanischer Teilnehmer, der zwar bereits einen gewissen passiven Wortschatz in

Deutsch hatte, begann sein Deutsch auch aktiv einzusetzen, zum einen, weil er

manchmal dazu gezwungen war bei den Teilnehmern, die nicht Englisch sprachen,

zum anderen weil es oft auch eine spielerische Herausforderung für ihn selbst

darstellte, sich im Ausdruck der jeweils fremden Sprache zu versuchen.

Für die Teilnehmer der ersten und zweiten Gruppe war der Kurzurlaub das Highlight

des Jahres. Auch noch Monate danach sprechen sie über die oben beschriebenen

Unternehmungen und Aktivitäten und zeigen die Fotos davon begeistert herum.

Im Namen der Teilnehmer möchten wir uns bei der Deutschen AIDS Stiftung und den

Kirchengemeinden Duisburg Süd und West herzlich für die Finanzierung dieser

Gruppenfreizeit bedanken.

3.7. Trauerarbeit

Im letzten Jahr stieg die Zahl derer, die an AIDS verstorben waren erstmals wieder an

und zwar verstarben sechs Betroffene. Dagegen waren es in den beiden Vorjahren

jeweils nur drei gewesen. Wir hoffen, dass diese erhöhte Zahl keinen neuen Trend

darstellt.

Trauerrituale sind wichtig. Die mittlerweile festen Formen der Trauerarbeit wurden

weitergeführt. Hierzu haben wir zum einen unser Trauerbuch, in dem persönliche

Gedichte und Gedanken niedergeschrieben werden können. Dieses Trauerbuch ist in

der im Cafe´-Raum eingerichteten Trauerecke jederzeit zugänglich.

Zum anderen wurde beim Welt-AIDS-Tag 2001 ein Schwerpunkt auf kollektive

Trauerverarbeitung gelegt. Der Candle-Light-Walk mit etwa 25 TeilnehmerInnen vom

Kuhtor durch die Königstraße bis zum Gebäude der Volkshochschule am König-

Heinrich-Platz war weniger öffentlichkeitswirksam als im letzten Jahr, da wir aufgrund

polizeilicher Auflagen nicht über den Weihnachtsmarkt gehen durften, sondern

gezwungen waren, den Randstreifen der Königstraße auf der Bankenseite zu

benutzen. Durch einen zwanzigminütigen Stopp und Rundgang um den Live–Safer–

Brunnen konnte mit unseren Windlichtern und unserem mehrere Meter großen

Banner jedoch trotzdem Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erzielt werden.

Die Gedenkfeier in der Volkshochschule bestand aus einer Ansprache, mehreren

ausgewählten Songs, Texten und Gedichten, dem Verlesen der Verstorbenen und


18

einem Abschlussritual. Bei letzterem wurde jeder Teilnehmer aufgefordert einen

Knoten in ein Stück Seil zu machen und diesen Knoten mitzunehmen als

Erinnerungshilfe an die AIDS-Verstorbenen, die Verwandten, Partner und Freunde.

4. Öffentlichkeitsarbeit

Die im letztjährigen Bericht geäußerte Hoffnung, dass Wiederbelebungstendenzen

bezüglich der Wahrnehmung und Präsenz des Themenfeldes von HIV und AIDS zu

verzeichnen seien, hat sich nach unserer Einschätzung durchaus bestätigt. Die

Aufmerksamkeit bezüglich der globalen Situation ist geblieben. Dazu haben die

Initiativen von UNO-Generalsekretär Annan und UNAIDS beigetragen, der Wirbel um

den Prozess zwischen der Pharmaindustrie und der Republik Südafrika um Generika

und Patentrechte sowie indirekt auch die Folgen des 11. September, wonach auch

die alltäglichen Katastrophen wie Hunger und AIDS zumindest eine Zeit lang wieder

Aufmerksamkeit erlangten.

National verstärkte sich diese Tendenz durch die Initiative zum sogenannten

„Reminders day“ (06. Juli) und die Kampagne „Vergessen ist ansteckend!“, die zum

8. Deutschen AIDS-Kongreß in Berlin gestartet wurde.

Von dieser `Stimmungslage´ haben wir auch regional durchaus profitiert. Festmachen

können wir dies am erfreulichen Zuspruch und den Resonanzen im Rahmen unserer

Feierlichkeiten zum 15-jährigen Bestehen der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.,

an einem guten Welt-AIDS-Tags-Geschehen, an Benefiz-Aktionen und an

Nachfragen hinsichtlich unserer Präventionsangebote (s.u.).

Diese Wahrnehmung sollte uns allerdings nicht zu allzu optimistischen

Einschätzungen verleiten, denn zum einen ist das Gros der neu und wieder

Erreichbaren gewiss eher in Kreisen von gesellschaftspolitisch Interessierten und

kritischen Beobachtern anzusiedeln und zum anderen gibt es weiterhin

besorgniserregende Tendenzen von Entwarnungsphantasien, Sorglosigkeit, von

Verdrängung und Vergessen. Als besonders erschreckend kann man hier die

Umfrageergebnisse der Jugendstudie der BzgA 2001 ins Feld führen, wonach nur

noch 37 % der Jugendlichen der Auffassung sind, dass AIDS eine ernstzunehmende,

lebensbedrohliche Erkrankung sei. Und selbst aus Kreisen der sogenannten

Hauptrisikogruppen gibt es zunehmend sichere Berichte über nachlassendes Safer-

Sex-Verhalten.

Um dem hehren Ziel, der Primärprävention in – für Deutschland – bewährter und

erfolgreicher Weise nachzukommen, sind zweifellos verstärkte Informations- und

Aufklärungsinitiativen erforderlich. Dabei wachsen die Anforderungen an die

Präventionsaktivisten angesichts einer deutlicheren Ausdifferenzierung der

Zielgruppen. Einige Stichworte dazu sind ...

• Armut und AIDS (Wie erreichen wir materiell und sozial benachteiligte

Gruppen ?)

• Diversifikation der `Szene-Settings´ (z.B. Techno-, House-, Rave-Szene,

Party-People u.v.a.m.)

• Zunahme an Neuinfektionen bei Menschen aus vermeintlich stabilen,

klassischen Beziehungsstrukturen

• Individualisierung der Gesellschaft,


19

• Zuwanderung, Migration und damit verbundene sprachliche, kulturelle,

ethnische und religiöse Heterogenität

• U.a.m.

Was unsere Präventionsstrategien betrifft, sind wir gehalten, uns auf diese Vielfalt

einzustellen und nicht in Routinen zu erstarren. Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. kommt dem im Rahmen ihrer Möglichkeiten nach. Beispielhaft ist hier das

Engagement im Sektor „Migration und AIDS“ zu erwähnen. Im Berichtsjahr waren wir

etwa maßgeblich an der nunmehr dritten Duisburger Fachtagung (s. 5.5.) beteiligt.

Für den sekundär- und tertiärpräventiven Sektor ist zu konstatieren, dass die

(Aussen-) Darstellung der `Gesichter´ von HIV und AIDS immer komplexer und

komplizierter wird, nicht zuletzt dank der Dynamik im Therapie- und

Forschungsbereich, die leider auch einhergeht mit einer Erweiterung im Feld

unerwünschter Wirkungen und deren Einflüsse auf die Lebensqualität.

4.1 AG Öffentlichkeitsarbeit

Die mit diesem Themenspektrum und der entsprechenden Informations- und

Aufklärungsarbeit befasste Arbeitsgruppe trifft sich weiterhin jeden 3. und 4. Montag

im Monat. Die Gruppe ist mit sechs bis zehn Mitgliedern besetzt. Um einen Kern von

sechs MitarbeiterInnen gruppieren sich immer wieder neue Interessenten über mehr

oder minder lange Zeiträume. Der Zugang zur Gruppe setzt nicht das Durchlaufen

der Grundlagenausbildung für EhrenamtlerInnen voraus, wie das für die Bereiche der

Beratung und Betreuung/Begleitung zwingend ist. Es kann also jede/r Interessierte

unverbindlich hereinschnuppern.

Ohne das intensive Engagement dieser EhrenamtlerInnen wäre die Menge an

Veranstaltungen, die wir auch im Berichtsjahr wieder durchführen konnten, nicht

denkbar. Allen beteiligten EhrenamtlerInnen gilt dafür unser herzlichster Dank !

4.2 Veranstaltungen

Neben dem sehr breiten Spektrum an inhaltlichen Ausrichtungen ( HIV/AIDS,

Homosexualität, Drogengebrauch, Frauen/Mädchen und AIDS, Migration und AIDS,

Hepatitiden, STD`s, psychosoziale und sozialrechtlich Aspekte, u.a.m.) ist es

alljährlich aufs neue schwierig, halbwegs flächendeckend Präsenz zu zeigen.

Im Berichtsjahr standen neben Info-Ständen und einer Reihe themenspezifischer

Informationsveranstaltungen die Aktivitäten aus Anlaß des 15-jährigen Bestehens der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. im Zentrum.

Am 08. Juni fand im Vortragssaal der VHS Duisburg ein Empfang für alle Freunde,

Förderer, Zuwendungsgeber, Kooperationspartner und Vertreter aus Politik und

Verwaltung statt, bei dem Bilanz gezogen, die aktuelle Situation präsentiert und

Perspektiven für die Zukunft entwickelt wurden. Umrahmt wurde die sehr gut

besuchte offizielle Feier vom Duisburger Statt-Chor, der die Anwesenden


20

hervorragend unterhielt und mit seinen gesellschaftskritischen und äußerst

humorvollen Beiträgen in seinen Bann ziehen konnte.

Nicht zuletzt die offiziellen Grußworte von Seiten der Stadt Duisburg und der AIDS-

Hilfe NRW e.V. gaben uns nachdrücklich das Gefühl, ein geschätzter, verlässlicher

und wichtiger Kooperationspartner zu sein.

So bunt und vielfältig wie die AIDS-Hilfe selbst, gestaltete sich auch das große

Straßenfest am 09. Juni auf dem Averdunk-Platz in Duisburg-Mitte (s. Anhang), bei

dem sich neben einem bunten Bühnenprogramm auch das ganze „Netzwerk“ der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. einer breiten Öffentlichkeit präsentierte.

An dieser Stelle bedanken wir uns auch für die freundliche Unterstützung von

AkDuLuS e. V.

Insgesamt können wir auf ein rundum gelungenes Jubiläumsfest zurückblicken, das

ohne den enormen Einsatz der vielen ehrenamtlichen MitarbeiterInnen nicht

zustandegekommen wäre. An dieser Stelle daher noch einmal ein ganz herzliches

Danke schön.

Ein weiteres Highlight zum Jubiläum war am 23. Mai die Live-Aufzeichnung vom

schwul-lesbischen Radiomagazin „Pink Channel“ in unserem Café „Solidarerleben“ in

der AH. Dem Pink-Channel-Team gilt unser Dank dafür, dass sie eine sehr

informative Sendung mit einer guten Portion Atmosphäre herübergebracht haben, die

den Café-Besuchern gewiss in schöner Erinnerung bleiben wird.

Natürlich haben wir uns auch im Berichtsjahr bemüht, mit öffentlichkeitswirksamen

Aktionen in Duisburg und dem Kreis Wesel Präsenz zu zeigen. So u.a. beim 2.

Selbsthilfetag des Kreises Wesel in Wesel, beim Jahrmarkt der Informationen in

Dinslaken und dem Afrika-Markt in Duisburg.

4.3 Benefizveranstaltungen

Hocherfreuliches gibt es für das Jahr 2001 in diesem Feld zu berichten.

Einen sehr motivierenden Start ins Berichtsjahr stellte die Gala der „First Lady of

Travestie“, Jennifer Dean alias Henning Ladewig, in der Rheinhausen-Halle dar.

Neben einer reizvollen Show und der Möglichkeit, die AIDS-Hilfe-Arbeit zu

präsentieren und bei 400 Besuchern in Erinnerung zu bringen, brachte sie einen

tollen Erlös in Höhe von DM 3.333,- ein.

Der Initiative von Henning Ladewig und seinen MitstreiterInnen gilt dafür ein großes

Danke schön !

Das Jahr 2001 war nicht nur das Jahr unseres 15-jährigen Jubiläums, sondern auch

das Jahr des 10. Todestages der unvergessenen Musiklegende Freddie Mercury,

dem Frontmann von „QUEEN“, die uns in besonderer Weise begleiteten. Aus diesem

Anlass fanden sich die eingefleischten Fans Birgitt Paff, Sylvester Thiel und Hans-

Joachim Zache zusammen, um eine außergewöhnliche Ausstellung in Wesel auf die

Beine zu stellen. Nach gut dreijähriger Vorarbeit ging die „Keep yourself alive &

QUEEN-Exhibition“ vom 26. August bis zum 30. September 2001 mit einem

reichhaltigen Begleitprogramm über die Bühne.


21

Dank des enormen ehrenamtlichen Engagements und einer hervorzuhebenden

Professionalität hat dieses dreiköpfige Team ein Ereignis geschaffen, welches nicht

nur uns unvergessen bleibt, sondern auch den mehreren Tausend Besuchern aus

dem In- und Ausland.

Von Beginn an war es den OrganisatorInnen wichtig, diese Exhibition und deren

mögliche Erlöse mit einem caritativen Zweck zu koppeln. Und da Freddie Mercury

nun mal an den Folgen von AIDS verstorben ist, kam die Verbindung zur AIDS-Hilfe

recht bald zustande. Es entwickelte sich eine sehr konstruktive und produktive

Kooperation und darüber hinaus eine freundschaftliche Verbindung.

Wer dieses Ereignis nicht live erlebt hat, dem sei ein Rundgang durch die Ausstellung

via Internet unter http://www.queen-tribute.de und der kostbare, weil limitierte,

Katalog anempfohlen, der über diese Adresse noch zu beziehen ist.

Besonders erfreulich für uns war es, dass wir die Ausstellung permanent mit einer

eigenen Gedenkinstallation, einem Informationstisch und weiteren

Rahmenveranstaltungen begleiten durften und somit auch zur Thematik rund um

AIDS und deren Auswirkungen für unsere Region eine Reihe von

öffentlichkeitswirksamen Effekten erzielen konnten.

Der (vorläufige) Erlös zugunsten der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. beläuft

sich auf traumhafte 15.000,- DM. Hierdurch konnten wir eine Reihe von

`haushaltstechnischen Sorgenfalten´ glatt bügeln und Projekte in Angriff nehmen, die

ansonsten eher utopisch, weil existenzbedrohend gewesen wären.

Dem „QUEEN-Dream-Team“ an dieser Stelle tausend Dank.

Damit noch nicht genug mit QUEEN. Am 25. November `01, einen Tag nach Freddie

Mercury`s 10. Todestag, gestalteten vier im Ruhrgebiet bekannte Musiker und

Komödianten – unter Federführung von Hennes Bender aus Bochum – eine

„QUEEN-Celebration“ der besonderen Art in der Duisburger Kulturzentrale

HundertMeister. Einmalige und eigenwillige Interpretationen bekannter Klassiker

amüsierten das Publikum und sorgten für einen unvergesslichen Abend. Und weil alle

Künstler auf ihre Gage verzichteten, konnte ein Reinerlös zugunsten der AIDS-Hilfe in

Höhe von DM 1.500,- erzielt werden. Auch dieser – leider wohl einmaligen – Initiative

gilt ein besonderer Dank.

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. kann sich einem sehr bekannten Wunsch

mit ganzem Herzen anschließen : „God save the QUEEN“.

Sehr erwähnenswert ist für uns auch das Engagement der Heilig-Geist-Gemeinde in

Dinslaken-Hiesfeld, die uns mit einem thematischen Wortgottesdienst in finanzieller

und ideeller Hinsicht unterstützt haben.

Weiterhin ist es uns ein besonderes Anliegen, uns bei den zahlreichen Schülerinnen

und Schülern und engagierten Lehrenden zu bedanken, die uns mit ganz viel

Herzblut und Überzeugung durch diverse Aktionen unterstützt haben.


22

4.4. Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag 2001

„I care ... do you ? – AIDS: das geht mich an … Dich auch ?” Unter diesem Motto

ging es auch im Berichtsjahr eigentlich (wieder) um – v.a. junge - Männer, um ihr

Risiko und ihre Verantwortung.

Wir haben uns in unserer Einrichtung sehr schnell darauf verständigt, dass mit

diesem Motto auch alle anderen Zielgruppen anzusprechen sind. Wie sieht es aus mit

unser aller Aufmerksamkeit und Verantwortung – für uns selbst, unsere Lieben, für

die Menschen mit HIV und AIDS und die Folgen dieser Epidemie ?

Unter dem regionalen Motto „Hab Ich Vergessen !?“ konnten wir auch 2001 wieder

ein vielfältiges und ausgewogenes Spektrum an Veranstaltungen anbieten, das die

verschiedenen Arbeitsgebiete der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

repräsentierte und unterschiedliche Zielgruppen anvisierte (s. dazu den WAT-Flyer

und den Pressespiegel im Anhang).

Neben den traditionellen Fachveranstaltungen (Hier : Fachtagung AIDS & Migration

und das Fachgespräch zu alternativen und komplementären Ansätzen in der HIV-

Therapie) und den großen Informations- & Red-Ribbon-Aktionen, konnten wir auch

einmal wieder ein kulturelles Highlight präsentieren. Das Tanztheater „It`s me ...

positive” von Franklin Talbot, der seine HIV-Geschichte in Form eines

Ausdruckstanzes darbrachte, hat nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Besonders

erwähnenswert dabei war aus unserer Sicht die hervorragende Kooperation mit den

Verantwortlichen der katholischen Liebfrauenkirche in Duisburg-Mitte, die die

Veranstaltung mit einem thematischen Wortgottesdienst wunderbar umrahmten.

Ermöglicht hat uns die Veranstaltung im Wesentlichen AkDuLuS e. v..

Auch in diesem Jahr brachte sich die Johanniter-Apotheke in Duisburg-Hochfeld

wieder mit einer guten Idee ein und versteigerte alte Apotheken-Gefäße zugunsten

der AH. Über 2.500,- DM kamen hier zustande. Danke !

Zu einem festen und ausgesprochen hilfreichen Partner haben sich die Moerser

JuSo`s entwickelt, die sich zum zweiten Mal mit einer Red-Ribbon-Aktion an die

Moerser Bürgerinnen und Bürger wandten und trotz widriger Wetterumstände viel

zum Nachdenken über das HIV-Geschehen, Akzeptanz und Toleranz angeregt sowie

DM 500,- an Spenden erzielt haben.

Die Erlösseite gestaltete sich insgesamt sehr zufriedenstellend. AIDS und die

Notwendigkeit von AIDS-Hilfe scheint doch noch nicht ganz vergessen, wenngleich

es dabei bleibt, dass Erinnerungen, Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung laut und

wahrnehmbar bleiben müssen (Vgl. 5.6.).

Den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die sich beim WAT-Geschehen

eingebracht haben gilt unser herzlichster Dank.


23

4.5 Berichterstattung in den Medien

Nach der guten Resonanz zum Anlaß unserer Jubiläumsfeiern auf Presse- und

Rundfunkseiten konnten wir insgesamt auch mit dem Echo zum Welt-AIDS-Tag

zufrieden sein. Die inhaltliche Qualität bei einigen Printmedien ist allerdings

verbesserungsfähig (s. Pressespiegel); wir arbeiten daran.

4.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Hier sind zu nennen :

• Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. in regionalen

Gremien (Round-Table AIDS, Duisburg u.a.)

• Vorbereitung, Organisation und Durchführung von Informationsständen

• Organisatorische Begleitung und Pressearbeit für Benefiz- und

Kooperationsveranstaltungen

• Acquise von finanziellen Mitteln und personellen Ressourcen

(Ehrenamtleranwerbung)

• Kontaktpflege zu Förderern und Kooperationspartnern

• Beteiligung an der Substitutionsvergabe an Sonn- und Feiertagen

• Telefonische- und persönliche Beratung

• U.a.m.

Anlagen im Anhang :


o

o

Pressespiegel

Veranstaltungsankündigungen & Programme

Veranstaltungen aus den Bereichen 4. und 5.6. (Übersicht)

Prävention in der Allgemeinbevölkerung - Veranstaltungen

insgesamt

25

20

15

10

Series1

5

0

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

August

September

Oktober

November

Dezember

5. Prävention (zielgruppenspezifisch)


24

5.1 Männer, die mit Männern Sex haben

5.1.1 Together we stand, devided we fall“ – Positivengruppe für

Schwule

Die Positivengruppe für Schwule traf sich auch in diesem Jahr Mittwochs regelmäßig.

Die Gruppe wandelte sich während dieser Zeit zu einer kleinen aber konstanten

Selbsthilfegruppe von vier bis fünf Personen. Sie wurde nicht, wie in

vorangegangenen Jahren, von einem Hauptamtler begleitet.

Ausnahme ist das einmal im Monat stattfindende Treffen im Café Berlin. Dort ist

neben der Gruppe auch ein Hauptamtler der AIDS-Hilfe anwesend, um für Fragen

und Informationen zu HIV/AIDS zur Verfügung zu stehen und über Aktionen der

AIDS-Hilfe Auskunft zu geben.

Die Gruppe organisierte auch in diesem Jahr selbständig eine Positiven-Freizeit. Das

Interesse war sehr groß, so dass die acht Plätze für diese Fahrt sehr schnell belegt

waren.

Auch eine „Fahrt in`s Blaue“ mit Picknick wurde von der Gruppe organisiert.

Die Schwerpunkte in den Gesprächsthemen zeigte auch im letzten Jahr, dass

Sterben –Tod und Trauer in den Hintergrund rückten. Hier sah man deutlich die

Wandlung der Arbeit in der AIDS-Hilfe von der Sterbebegleitung zur

Lebensbegleitung.

Zum Jahresende wurde ein Weihnachtsessen veranstaltet.

5.1.2 Prävention bei Schwulen/Herzenslust

Das Herzenslust-Team stellte auch in diesem Jahr eine kontinuierliche schwule

Präventionsgruppe. Sie wurde von einem Hauptamtler und einer hauptamtlichen

Teilzeitkraft begleitet. Diese Beständigkeit wurde über das ganze Jahr beibehalten.

Jeden Montagabend traf sich das Team, das eine Gruppe von sieben Ehrenamtler

umfasste. Die Gruppe hat an diesen Treffen etablierte Aktionen vorbereitet und neue

Aktionen entwickelt und organisiert. Die hauptamtlichen Herzenslustmitarbeiter trafen

sich jeden Dienstag. Es wurden Präventionsstrategien entwickelt. Ebenso wurden

Informationen und Termine insbesondere hinsichtlich der Umsetzung der

Landeskampagne abgesprochen und ausgetauscht.

Das Engagement der Gruppe ist sehr erfreulich. So ist es nicht verwunderlich, dass

zwei aus der Gruppe die Ehrenamtler-Neuenschulung der AIDS-Hilfe-

Ruhrgebietsvernetzung besucht haben. Dieses Beispiel findet sicherlich Nachahmer

in der Gruppe.

Herzenslust war auf der westlichen Ruhrgebietsvernetzung durch die Teilzeitkraft

vertreten. Diese Treffen fanden jedoch nicht regelmäßig statt. Auch nach


25

mehrmaligem Nachfragen unserer Teilzeitkraft an den Koordinator westliches

Ruhrgebiet blieben die Treffen aus.

Ebenso war Herzenslust auf der überregionalen Ebene vertreten. Unter anderem bei

den Herzenslustkoordinationstreffen. Des weiteren hat Herzenslust bei der

Konzeptionierung und dem Aufbau der Campagne „Die Szene bist Du!“ mitgewirkt.

Warm-Up:

Regelmäßig war Herzenslust bei der Warm-Up vertreten. Diese Tanzveranstaltung

wird von AkDuLuS e.V. (Arbeitskreis Duisburger Lesben und Schwuler) veranstaltet.

Sie findet einmal im Monat statt. Hier werden regelmäßig 300-400 BesucherInnen

erreicht.

Hier hat Herzenslust Präventionsarbeit geleistet. Falls die Veranstaltung ohne ein

besonderes Motto durchgeführt wurde, stellte Herzenslust einen Infostand auf. Dieser

wurde mit Broschüren zu HIV, Hepatitiden und Themen, Inhalten und Angeboten von

Herzenslust; Kondomen und Süßigkeiten bestückt. Zwei Ansprechpartner von

Herzenslust waren an dem Stand präsent. So konnten die Besucher Fragen

bezüglich Infektionsrisiken, Safer Sex und anderen Präventionsfragen sowie

Veranstaltungen von Herzenslust an das Team stellen.

Zu den Veranstaltungen mit einem Motto:

Im Januar führte Herzenslust eine Love-Letter-Aktion für Singles durch. Die Besucher

bekamen Nummern und konnten auf Zetteln für anderen Besucher Mitteilungen an

die Wand heften. Diese Aktion soll die Botschaft von Herzenslust, „Lust am Sex“,

untermauern.

Im Februar wurde zu Karneval eine Aktion durchgeführt. Das Herzenslustteam

verkleidete sich als Ledermänner, Tucken, Partysternchen und Sportler. So wurde

schnell Kontakt zu den Besuchern aufgebaut. Namensschilder wiesen die

Ehrenamtler als Herzenslust-Mitarbeiter aus.

Im März, April und Mai wurde die Aktion „Mr. und Mrs. Warm-Up“ durchgeführt.

Bei jeder Warm-Up Party konnten sich die Besucher zur Teilnahme an der Wahl zum

Mr. oder Mrs. Warm-Up melden. Mit einer Digitalkamera wurden von den Bewerbern

Fotos geschossen und ein Steckbrief angefertigt. Diese Steckbriefe wurden im

Internet zugänglich gemacht. In der Juni-Veranstaltung wurde dann gewählt.

Herzenslust hatte tolle Preise für die Sieger der Wahl.

Herzenslust konnte sich durch die Steckbrieffragen einen groben Überblick über das

Safer Sex Verhalten der BesucherInnen machen. Diese Evaluations-Fragen sollen

bei der nächsten Mr. und Mrs. Warm-Up Wahl noch differenzierter werden. Durch die

Auswertung der Umfrage können dann Tendenzen der Szene in Duisburg überschaut

werden. Diese Auswertungen sollen dem Herzenslustteam Richtungen aufzeigen und

als Grundlage für Aktionen und Präventionsangebote dienen.

Ein weiterer Aspekt dieser Veranstaltung war die Bewerbung des Teams. Durch die

Wahl wurden viele Leute auf die Gruppe aufmerksam. Es gab viele, die Interesse am

Herzenslustteam kundtaten.

Im Juli gab es eine Veranstaltung unter dem Motto „Safer Sex auch nach dem

Urlaub“. An die Besucher wurden Cruisingpacks mit Erfrischungstüchern verteilt.


26

Neben der Warm-Up wurden auch andere Aktionen durchgeführt.

- Im Januar war Herzenslust bei der Benefizgala zugunsten der AIDS-Hilfe von

Jennifer Dean, alias Henning Ladewig mit einem Info-Stand vertreten.

- Im Februar war Herzenslust beim Duisburger Karnevalszug präsent und aktiv.

Das Team verteilte Wurfmaterial und zeigte der Allgemeinbevölkerung, dass auch in

Duisburg eine schwule Kultur präsent ist. Dies war ein Zeichen von

Selbstbewusstsein, das das Team auch als emanzipatorische Präventionsbotschaft

vermittelt.

- Ab Mitte Juni hat Herzenslust mit einem Rundgang durch die Szene begonnen.

Seit diesem Zeitraum geht das Herzenslustteam alle vier Wochen durch die

Duisburger Szenelokale. Dabei werden Informationsmaterialien ausgelegt und

Spendendosen ausgewechselt. Durch die regelmäßigen Rundgänge werden die

Kontakte zu den Szenewirten intensiviert.

Um sich als Herzenslustteam zu repräsentieren und neue Teammitglieder zu

bewerben, wurden in diesem Zusammenhang Schaukästen angeschafft. Diese

wurden mit Informationen zu Herzenslust bestückt und wurden an die Szenewirte

verteilt.

-Herzenslust führte eine Rastplatzaktion durch. Dort konnten die Besucher einen

Kaffee oder Tee trinken und Informationsmaterial zu HIV, Hepatitiden und

Herzenslust bzw. Cruisingpack´s mitnehmen. Da der AIDS-Hilfe Bus sehr weit von

der eigentliche Cruising-Area abgelegen war, gingen einzelne vom Herzenslustteam

in die Nähe der Kontaktbereiche. Mit einem Bauchladen wurden, mit einem hohen

Aufforderungscharakter, die Cruising-Packs dort verteilt und auf Informationsblätter

bzw. Gesprächsmöglichkeiten am Bus hingewiesen.

- Auch in der schwulen Sauna „Oasis“ hat Herzenslust eine Veranstaltung

durchgeführt. Mit einem Glücksrad ausgestattet wurden die Besucher zu den Themen

Prävention und HIV, Infektionsmöglichkeiten von HIV und allgemeinen Fragen zur

Sexualität befragt. An einem Luftballon und Nassrasierern wurde das Infektionsrisiko

bei Nassrasierern auf eine lustige Art demonstriert.

-Herzenslust hat außerdem bei Veranstaltungen von Szenenwirten teilgenommen. So

war das Team bei der Übergabe von Spendenerlösen der Bingoabenden an die

AIDS-Hilfe im Café Berlin vertreten. Ebenso mit einem Glücksrad ausgestattet bei der

Neueröffnung von dem Lokal „BJ´s“.

- Herzenslust organisierte ein „Szene Treffen“ in den Räumen der AIDS-Hilfe

Zu diesem Treffen wurden alle Szenewirte und schwul-lesbische Gruppen

eingeladen. Es wurden verschiedene Aspekte behandelt. So zum Beispiel die Frage,

welche Anforderungen die Szene an Herzenslust stellt und welche Aktivitäten

(Karneval oder schwul-lesbisches Straßenfest) gemeinsam koordiniert und organisiert

werden könnten.


27

Campagne „Die Szene bist Du!“:

Herzenslust hat sich wie oben angesprochen beim Aufbau der Campagne auf

überregionaler Ebene engagiert. Die Monatsthemen von Juli 2001 bis Juni 2002

wurden hierbei entwickelt wie auch das Logo und der Name der Campagne.

Auf der regionalen Ebene wurde die Campagne nicht so gut aufgenommen. Auch

dem Herzenslustteam fehlte in der Anfangszeit der Wille und die Zeit für die

Umsetzung der Campagne.

Dies ist sicherlich mit dem Bestreben zu erklären, dass Herzenslust erst einen neuen

Kontakt zu den Szenelokalen aufbauen wollte. Diese Kontakte sind für die

Umsetzung der Campagne notwendig.

Erst zum Ende des Jahres konnte Herzenslust Aktionen zu der Campagne

durchführen.

Ausgestattet mit einem neu erworbenen Glücksrad wurde in zwei schwulen Lokalen

zu dem Monatsthema „Sieh es doch mal positiv“ und „Die Schubladen des

Regenbogens“ Aktionen durchgeführt. Weiter wurde das Thema „Die Schubladen des

Regenbogens“ als Thema für den Karnevalzug 2002 ausgesucht. Verschiedene

Szenegruppen werden bei dem Umzug dargestellt. So z.B. Lederkerle,

Partysternchen und Tucken.

15-Jahresfeier der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V.

Herzenslust war bei der Feier durch einen eigenen Stand vertreten. Es wurde Sekt

angeboten, und durch gesponosorte Tassen, Schirmmützen und Feuerzeugen konnte

das Glücksrad mit seinen Präventionsfragen als attraktives und informatives Angebot

für die Besucher verbucht werden. Zu dieser Veranstaltung wurde eine große

Regenbogenfahne angeschafft.

Welt AIDS Tag 2001

Herzenslust hat sich beim Welt AIDS Tag engagiert. Mit Körben beladen voller

Bären, roten Schleifen, Losen und Spendendosen wurden Besucher des

Weihnachtsmarktes angesprochen und Spenden für die AIDS-Hilfe gesammelt. Bei

dem Stand der AIDS-Hilfe wurden Sticker, Informationsmaterialien für Schwule und

Weihnachtssterne verkauft und verteilt.

Candle-Light-Walk 2001

Herzenslust war als Gruppe bei dem Gedenkmarsch und der anknüpfenden

Gedenkveranstaltung für die an den Folgen von AIDS verstorbenen Menschen

präsent.

Weitere Aktivitäten:

Herzenslust hat über das ganze Jahr an der Internet Homepage gearbeitet und

Veränderungen/Aktualisierungen vorgenommen. Zum Ende des Jahres ist aus dieser

Hompage ein repräsentatives Werbe- und Informationsforum geworden. Unter der

Adresse http://www.herzenslustteam-du.de kann die Seite eingesehen werde.


28

5.2 Drogen und Substitution

5.2.1 Primärprävention

5.2.1.1 Spritzenaustauschprogramm

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. nimmt weiterhin mit vier

Spritzenautomaten am Projekt der AIDS-Hilfe NRW teil und zwar an den Standorten

Wesel, Moers, Duisburg-Walsum und Duisburg-Hochfeld. Auffällig im Jahr 2001 war,

dass der Spritzenautomat in Duisburg-Walsum einen sehr geringen Umsatz aufwies.

Dies liegt aus unserer Sicht vor allem daran, dass hier durch eine rigorose

Zurückschneidung des Buschwerkes in der kleinen Grünanlage bewusst die Szene

vertrieben werden sollte, welches offensichtlich auch gelungen ist. Die anderen drei

Automaten werden nach Nutzung im wöchentlichen bzw. zweiwöchigem Abstand

nachgefüllt und die Entsorgungsschächte für alte Spritzen geleert. Der

Spritzenautomat in Wesel wurde im Jahr 2001 durch einen Ehrenamtler betreut,

hierfür sagen wir recht herzlichen Dank.

Zum Jahresende begann der Austausch der nicht auf Euro umstellungsfähigen

Automaten durch eine von der AIDS-Hilfe NRW e. V. beauftragte Firma. Im Januar

2002 wurden von uns die Platinen der Automaten auf Euro umgestellt und die

Beschriftung entsprechend angepasst.

Des weiteren erhält die AIDS-Hilfe von der Stadt Duisburg Spritzen zur Verfügung

gestellt, die in den Räumen der AIDS-Hilfe zu den Öffnungszeiten gegen benutzte

Spritzen getauscht werden.

5.2.1.2 Suchprävention bei Partydrogen

Auch im Jahr 2001 hat die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ihr Konzept für

Suchtprävention bei Partydrogen im Kontext von HIV und AIDS fortgeführt. So

wurden wieder Anfang des Jahres bei Projekttagen in der Gesamtschule Voerde bei

5 Klassen des 8. Jahrgangs das von uns erarbeitete Konzept angewandt und im

Dialog mit den SchülerInnen unter anderem anhand von Originalsubstanzen die

negativen und positiven Wirkungen von Partydrogen erarbeitet. Weiterhin setzt die

AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. hier auf hohen Glaubwürdigkeitsfaktor, wozu

auch die Originalsubstanzen beitragen und einer der Referenten eigene Erfahrungen

aus dem Bereich vorweisen kann. Die Projekttage in der Gesamtschule Voerde

wurden in diesem Jahr von den beteiligten LehrerInnen sehr unterschiedlich

aufgenommen. Von einem Teil der LehrerInnen wurde das Konzept gelobt und voll

mitgetragen, andere LehrerInnen hatten mit unserem Ansatz massive Probleme und

wollten die Veranstaltung schwerpunktmäßig auf HIV- und AIDS-Prävention

ausgerichtet haben. Ein Argument hierfür war, dass es Probleme in der Schule mit

illegalem Drogenkonsum gäbe, des weiteren wurde die These von Einstiegsdrogen

und Umstiegsdrogen verwandt. Auch seien unsere Ausführungen nicht abschreckend

genug. Diesen Ansatz wollen wir aber auch nicht anbieten. Dass wir in einer

zweistündigen Veranstaltung keine starken Persönlichkeiten entwickeln können, ist

uns klar. Dies beginnt im Elternhaus und muss im Kindergarten und in der Schule

weiter fortgeführt werden. Uns geht es weder darum, legale und illegale Drogen zu


29

glorifizieren, noch jemanden zu bekehren. Wir wollen mündige Jugendliche schaffen,

die, falls sie Drogen konsumieren, über Drogen das entsprechende Wissen haben

und auch die Risiken kennen. Nur so ist ein bewusster Drogenkonsum möglich, der

auch eine Selbstreflexion zulässt.

In den o. a. Veranstaltungen ist auch ein Teil zu HIV- und AIDS-Prävention enthalten,

da gerade unter Drogeneinfluss (legal und illegal) das „Safer-Sex-Verhalten“ in vielen

Fällen beeinträchtigt ist.

Neben den Projekttagen haben wir eine Veranstaltung zur Suchtprävention bei

Partydrogen im Kontext von HIV und AIDS für angehende ErzieherInnen in unserer

Einrichtung durchgeführt. Hierbei ging es im Wesentlichen um die Stoffkunde. Des

weiteren führten wir eine Diskussion, in welchem Alter eine Aufklärung über Drogen

bei den Kindern beginnen soll.

Im September haben wir in Zusammenarbeit mit Eve & Rave NRW e. V. und Helmut

Ahrens aus Berlin eine Veranstaltung für Multiplikatoren, initiiert von der AIDS-Hilfe

Herne e. V., in Herne durchgeführt. Hierbei ging es um unterschiedliche Partyszenen

(schwul, hetero, mannigfache Musikstile) und der Vorstellung des

Präventionsansatzes von Partyprojekten und der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.

V.. Leider ist bei derartigen Veranstaltungen der Informationsstand so

unterschiedlich, dass meist ein großes Interesse an Stoffinformationen besteht und

die Informationen hierüber den Teil der interessanten Auseinandersetzung, wie man

sinnvoll Suchtprävention umsetzen kann, aus unserer Sicht einen zu geringen Teil

einnimmt.

Durch die Übernahme der Verwaltung des Projektes „Kontakt- und Informationsstelle

für Drogenselbsthilfe in Duisburg“ aus den Landesmitteln JES NRW Projekte zur

Förderung der Selbsthilfe 2001 waren die geringen Personalressourcen im Bereich

dieses Kapitels noch weiter eingeschränkt.

5.2.2 Substitution

5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe

Im Jahre 2001 hat die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. die

Methadonsubstitution an 63 Sonn- und Feiertagen organisiert und in Zusammenarbeit

mit der Diakoniestation Duisburg-Rheinhausen und am Anfang des Jahres einem

privaten Pflegedienst, anschließend mit dem Caritasverband für die Stadt Duisburg

an drei Vergabestellen durchgeführt.

Die Anzahl der Klienten lagen zwischen 22 und 75 Klienten. Die Durchschnittszahl lag

bei 47,3 Klienten. Somit hat die AIDS-Hilfe im Jahr 2001 einen geldmässig

überschaubaren Eigenanteil in Höhe von DM 220,50 sowie die in der AIDS-Hilfe

durchgeführten Vergaben getragen. Ab Mitte September übernahm ein Arzt aus dem

Duisburger Norden die Versorgung seiner PatientInnen in Eigenregie, so dass wir ab

diesem Zeitpunkt durchschnittlich nur noch 29 KlientInnen versorgt haben. Im Januar

2002 setzt sich die Entwicklung der geringeren Klientenanzahl fort, so dass im

Januar/Februar 2002 durchschnittlich 23 Klienten substituiert wurden. Ohne die

Kosten für den Aufwand der AIDS-Hilfe zu rechnen, fallen für uns durch die


30

eingegangenen Verträge mit Diakonie und Caritas je Vergabetag DM 240,00

(€122,71) an. Um Kostendeckung zu erreichen, ist eine Klientenzahl von 48 nötig.

Hinzu kommt, dass in der Vergabestelle in Duisburg Walsum zum Teil nur ein KlientIn

zu versorgen war und ist.

Unseren Grundsatz, das großflächige Stadtgebiet möglichst ortsnah zu den

KlientInnen abzudecken, ist uns leider daher nicht mehr möglich und wir betreiben zur

Zeit zwei Vergabestellen und zwar in Duisburg-Hochfeld in der AIDS-Hilfe und in

Duisburg-Rheinhausen in der Diakoniestation Duisburg-West.

In der AIDS-Hilfe führen wir die Vergabe jeweils im Team mit einem hauptamtlichen

und einem ehrenamtlichen MitarbeiterIn durch. Wir sagen den beteiligten

EhrenamtlerInnen herzlichen Dank für ihr hohes Engagement bei dieser Tätigkeit.

5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter (PSB)

In diesem Berichtsjahr nahm die Begleitung von HIV-Positiven und an AIDS-

Erkrankten Substituierten einen wesentlichen Anteil in der Drogenarbeit ein.

Diese Begleitung wird von zwei HauptamtlerInnen mit dem Einsatz einer halben

Personalstelle geleistet, wobei Kapazität für zwanzig Begleitungsplätze geschaffen

wird. Auch in diesem Berichtsjahr waren diese Plätze in erster Linie von langjährig

Substituierten belegt.

In Hinblick auf die Begleitung der Substituierten nimmt die Verbesserung des

Gesundheitsstatus, die psychosoziale Stabilisierung, die Aktivierung der

Selbsthilfepotenziale und die Förderung der Selbstbestimmung einen hohen

Stellenwert ein. Die Zielsetzung beinhaltet dabei immer die Verbesserung des

subjektiven Wohlbefindens der jeweiligen Person.

Der Arbeitsschwerpunkt liegt bei der psychosozialen Begleitung der Substituierten

darin, gemeinsam mit den KlientInnen zum einen zu ermitteln, in welcher Form eine

Verbesserung der Lebenssituation erfolgen kann und zum anderen welche

Unterstützung der/die KlientIn dazu benötigt.

Dementsprechend zeigt sich die Unterstützung bei der Sicherung der materiellen

Grundversorgung beispielsweise durch das Klären von Ansprüchen bei Ämtern oder

auch in der Unterstützung der Wohnsituation (Sicherung / Suche).

Ein weiterer Arbeitsbereich ergibt sich in Bezug auf die Gesundheitsförderung. An

dieser Stelle gilt es unter anderem die medizinische Versorgung zu unterstützen, die

Informationsübermittlung/Beratung zur Infektion und Erkrankung zu geben,

Krankenhausbesuche zu machen und die Organisation der Pflege und den Kontakt

zu den substituierenden Ärzten zu unterstützen.

In Hinblick auf das subjektive Wohlbefinden nimmt auch die Wahrnehmung der

Lebensperspektive einen zentralen Stellenwert ein. Auch an dieser Stelle ist ein

vertrauensvolles Verhältnis zwischen HauptamtlerInnen und KlientInnen

unverzichtbar, um gemeinsam ermitteln zu können, welche neue Optionen das

subjektive Lebensgefühl positiv fördern. Diese Entwicklung kann unterschiedliche

Zielsetzungen verfolgen, die von der jeweiligen KlientIn abhängig sind. Zu nennen

wäre zum Beispiel die Schaffung neuer Beziehungsstrukturen oder die Motivation zu

Freizeitaktivitäten. Die Unterstützung eines positiven Lebensgefühls scheint

besonders wichtig, da hierdurch auch neue Motivationen hinsichtlich des Schutzes

der eigenen Gesundheit und der Existenzsicherung entstehen. Wünschenswert wäre


31

es, wenn die KlientInnen auch in beruflicher Hinsicht Chancen geboten bekämen, die

ihrer Situation angemessen sind. Es gibt bisher jedoch kaum Projekte (eines ist zum

Beispiel in Köln angesiedelt), die es sich zur Aufgabe machen, diese Zielgruppe für

den Arbeitsmarkt zu qualifizieren und zu vermitteln.

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten

DrogengebraucherInnen

Im Bereich der Straßensozialarbeit bei DrogengebraucherInnen konnte am

01.05.2000 ein Vertrag zwischen der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V., JES und

den beiden Drogenberatungsstellten der Stadt Duisburg geschlossen werden.

Streetwork gilt als eine unverzichtbare Methode in der Sozialen Arbeit, um

Zielgruppen, für die der Zugang zu den Institutionen zu hochschwellig ist, zu

erreichen. Besonders der Mitarbeiter von JES, der jeweils eine/einen MitarbeiterIn der

Drogenberatungsstellen Mitte und Nord begleitet, schafft zum einen durch seine

Haltung eine Akzeptanz bei den DrogengebraucherInnen und zum anderen schützt

die Teilnahme der Selbsthilfe die ‚professionellen Kräfte’ vor einem zu großen Eingriff

in die Szene. Der Zugang durch das wöchentliche Streetwork bietet die Möglichkeiten

für die DrogengebraucherInnen, Spritzen zu tauschen, Informationen zum ‚Safer use’

bekanntzumachen und Beratungs- /Informationsgespräche bezüglich einer Therapie

oder einer Substitution zu führen. Die Arbeit innerhalb der Szene verdeutlicht in

besonderem Maße, dass Lebensstilakzeptanz im Vordergrund steht und die

MitarbeiterInnen vor Ort ‚Gäste’ sind, die Angebote eröffnen und Anregungen

entgegennehmen. So entstand auf Anfragen der Szene die Veranstaltung: ‚Erste Hilfe

im Drogennotfall’ und ‚Safer use’, die von JES, der Drogenhilfe Mitte und der AIDS-

Hilfe angeboten wurde. Dieses Angebot ließ sich leider nicht umsetzen, da zu wenig

Anmeldungen vorlagen. Die Veranstaltung wird jedoch in einer ‚niedrigschwelligeren’

Form (nicht ein ganzer Tag, sondern nur ca. zwei Stunden) erneut angeboten. Es gilt

auch weiterhin, Streetwork für die Wahrnehmung der spezifischen Szeneinteressen

zu nutzen und, wenn möglich, diese umzusetzen.

Das Kooperationsmodell zwischen den Institutionen besteht weiterhin, wobei die

Mitarbeiterin der AIDS-Hilfe als Vertretung für JES fungiert, um bei Verhinderung von

JES eine Kontinuität der Arbeit zu gewährleisten. Des weiteren stellt die AIDS-Hilfe

ihren Kleinbus zur Verfügung, wobei ihr eine KM-Vergütung nach Aufwand

hinsichtlich des Benzins, der Versicherung, der KfZ-Steuer und der Reparatur- und

Abschreibekosten zugestanden wird.

Die am Ende des Jahres 2000 stattgefundene Evaluation des Streetworkprojektes

führte bislang dazu, dass einmal wöchentlich die Drogenszene in der Duisburger

Innenstadt und einmal in der Woche die Basarstrasse im Duisburger Norden

aufgesucht wird. Während in der Innenstadt oft bis zu zwanzig

DrogengebraucherInnen erreicht werden, scheint im Norden Duisburgs momentan

kein akuter Bedarf vorzuliegen. Dieses lässt sich möglicherweise damit erklären,

dass es im Norden keine obdachlosen DrogengebraucherInnen gibt und der Konsum

eher in privatisierten Szenen stattfindet. Des weiteren werden Szenen, zum Beispiel

in Marxloh, oftmals zu schnell von der Polizei zerschlagen, um ein regelmäßiges

Angebot zu installieren.

Für das Jahr 2002 steht es im Hinblick auf das Streetworkprojekt erneut an, eine

Bedarfsanalyse zu erstellen. Ebenso wird eine Vertragsänderung notwendig, da JES


32

Duisburg inzwischen ein eingetragener Verein ist, der als eigenständige juristische

Person zu verstehen ist.

5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene

DrogengebraucherInnen“ am 21. Juli

In diesem Berichtsjahr beteiligte sich die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. erneut

an der Ausrichtung des Nationalen Gedenktages aller verstorbenen

DrogengebraucherInnen. Die Schirmherrschaft übernahm für diesen Tag Frau

Caspers-Merk.

Gemeinsam mit JES sollte dieser Tag genutzt werden, um die Allgemeinbevölkerung

darauf aufmerksam zu machen, dass jeder Drogentote nicht nur durch den Gebrauch

der Substanz, sondern auch durch die gesellschaftlichen Umstände gestorben ist.

Der 21. Juli wurde dementsprechend zum Anlass genommen, um mit einer

öffentlichkeitswirksamen Aktion auf dem Averdunk Platz in Duisburg die

Allgemeinbevölkerung über die gesellschaftliche Diskriminierung der

DrogengebraucherInnen aufzuklären. Zu diesem Zweck verteilten EhrenamtlerInnen

und HauptamtlerInnen der beiden Institutionen Flyer mit einem Gedicht und der

Presseerklärung an Passanten. Ebenso sollte ein Infostand interessierte BürgerInnen

zu einem Gespräch animieren.

Um 12.00 Uhr ließen die AH Duisburg/Kreis Wesel e.V. und JES 500 schwarze

Ballons fliegen an denen Postkarten befestigt waren, die von der einen Seite mit dem

Gedicht eines Drogengebrauchers bedruckt waren und auf der anderen Seite von

einigen Menschen zum Gedenken eines/einer verstorbenen DrogengebraucherIn mit

dem jeweiligen Namen beschrieben wurden. Diese Möglichkeit des Gedenkens

nutzten neben den InitiatorInnen der Aktion auch DrogengebraucherInnen und einige

Passanten.

An dieser Stelle möchte ich herzlich den EhrenamtlerInnen danken, die diese Aktion

tatkräftig unterstützt haben!

Im Anschluss folgt der Text des Flyers, der zum einen als Presseerklärung diente und

zum anderen an diesem Tag an die Allgemeinbevölkerung verteilt wurde.

Presseerklärung zum Anstieg der „Drogentodesfälle“ von JES und der AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel e. V.

Alle Jahre wieder werden durch die zuständige Bundes-Drogenbeauftragte die

aktuellen Zahlen von verstorbenen DrogengebraucherInnen veröffentlicht. Ist die

Tendenz steigend, werden diese dazu benutzt die Schraube der Repression wieder

einmal anzuziehen. Sind die Zahlen hingegen fallend, so wird uns dies als ein Erfolg

der staatlichen Drogenpolitik „verkauft“.

Wir von JES und von der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. meinen, dass sich

dieses alljährlich wiederkehrende traurige „Zahlenspiel“ solange wiederholen wird, bis

die maßgeblichen Volksvertreter begreifen, dass es sich bei den verstorbenen

DrogengebraucherInnen nicht um „Drogentote“ sondern um „Drogenpolitik-Tote“

handelt; Menschen, die nicht in erster Linie durch den Gebrauch von Substanzen

gestorben sind, sondern an den Umständen, in denen sie diese Substanzen

konsumieren müssen; Umstände, die im 21. Jahrhundert für diejenigen


33

DrogengebraucherInnen, die nicht in den „Genuss“ einer Substitution kommen oder

kommen wollen, mittelalterlich anmuten.

So muss ein/e DrogengebraucherIn aufgrund der bestehenden Prohibition ein

Vielfaches des eigentlichen Preises für die Drogen bezahlen, wofür er/sie erst einmal

klauen, dealen und/oder sich prostituieren muss. Fast zwangsläufig gerät der/die

DrogengebraucherIn in einen Teufelskreis, der auch ohne Beschaffungskriminalität,

allein bei dem Besitz von Heroin zum Eigengebrauch in der Justizvollzugsanstalt

enden kann. Einmal in den Mühlen der Staatsgewalt gibt es für die

DrogengebraucherInnen kaum eine Möglichkeit, ihre Gesundheit zu schützen. Sie

infizieren sich mit Hepatitiden und/oder HIV, weil sie gebrauchte Spritzen nicht

tauschen können - außer sie kommen in den „Genuss“ an einem der wenigen

Spritzenumtauschprojekte im Vollzug teilzunehmen, die den Drogenkonsum innerhalb

der JVA nicht länger verleugnen.

Sind sie nicht gerade inhaftiert geraten DrogengebraucherInnen leicht in die soziale

Verelendung. Viele von ihnen sind obdachlos, haben keinerlei ärztliche Versorgung

( außer irgendwann einmal in der Gerichtsmedizin ), ihnen sitzt die Justiz und der

„cold turkey“ im Nacken, sie sind der permanenten Gratwanderung zwischen

Überdosis und den diversen Streckmitteln ausgesetzt...

Dieses Leben führen DrogengebraucherInnen rund um die Uhr ohne freies

Wochenende, ohne Urlaub - sie müssen immer und überall „betriebsbereit“ sein.

JES und die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. fordern für und mit den

DrogengebraucherInnen in unserem Land ein menschenwürdiges und

selbstbestimmtes Leben sowie ein Recht auf Rausch.

Erst dann werden sich die beklagten „tödlichen“ Umstände für die

DrogengebraucherInnen ändern.

5.3 HIV und Strafvollzug

Wie auch im letzten Jahr konnte die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. für drei

Justiz- Vollzugsanstalten (JVA für Männer in Duisburg-Hamborn,

Untersuchungshaftanstalt für Männer in Duisburg-Mitte und die JVA für Frauen in

Dinslaken) als Ansprechpartnerin bereit stehen. In jeder Anstalt wurde mit den

dortigen AnsprechpartnerInnen vereinbart, dass im Falle eines neu inhaftierten

Positiven, die Bereitschaft der AIDS-Hilfe auf Unterstützung mitgeteilt wurde. Falls

dieser Wunsch bestand, wurde die AIDS-Hilfe benachrichtigt und es konnte Kontakt

zu dieser Person hergestellt werden. Da die AIDS-Hilfe Oberhausen e.V. einen

Mitarbeiter für den Bereich Knast angestellt hatte, konnte die Zweiganstalt in

Oberhausen an diesen Mitarbeiter übergeben werden. Von Seiten der AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel e.V. wurde Unterstützung in der Einarbeitungsphase des

neuen Hauptamtlers signalisiert und auch geleistet.

5.3.1 Arbeitsgruppe Drogen und Knast

Die Drogen- und Knastgruppe traf sich auch in diesem Jahr konstant alle zwei

Wochen. Begleitet wurde die Gruppe von zwei hauptamtlichen MitarbeiterInnen.

Durch den Wegfall eines Ehrenamtlers und dem Zuwachs von zwei neuen

EhrenamtlerInnen im Laufe des Jahres, stieg die Gruppenzahl auf drei

EhrenamtlerInnen. Zum Jahresende meldete ein Ehrenamtler Interesse an der


34

Drogen-Knastgruppe an. Wir hoffen, dass deshalb die Gruppe im nächsten Jahr

weiteren Zuwachs bekommt.

Im Sinne des Arbeitsansatzes der AIDS-Hilfe (strukturelle Prävention), gestaltete die

Drogen- und Knastgruppe ihre Arbeit.

So setzte sich die Gruppe aktiv mit politischen Forderungen der AIDS-Hilfe

auseinander.

Ein Grund dafür lag bei dem Anspruch der Justizvollzugsanstalt bezüglich der

Sicherheitsüberprüfung. Jeder aus der Drogen- Knastgruppe musste diese

Sicherheitsüberprüfung mit allen damit verbundenen Fragestellungen über sich

ergehen lassen. Diese Fragen waren zum Teil persönlicher Natur und stießen bei

allen Gruppenmitgliedern auf großen Unmut.

Deshalb war die Haltung in der Drogen-Knastgruppe bezüglich der Überprüfung sehr

ablehnend.

An dieser Stelle danken wir allen Gruppenmitgliedern für Ihr Durchhaltevermögen!

Diese gespannte Situation steigerte sich durch die Ablehnung eines

Gruppenmitgliedes in Folge der Sicherheitsüberprüfung. Sie löste bei der Gruppe

große Bitterkeit aus.

Gerade dieses Mitglied war sehr aktiv in dem Bereich Knast und als Vertreter der

Selbsthilfegruppe JES ein höchst bedeutsamer Faktor im Rahmen unseres Ansatzes

der strukturellen Prävention.

Für die Gruppe war diese Entscheidung nicht akzeptabel. Zeitgleich meldeten wir

eine Informationsveranstaltung zu HIV/AIDS und Hepatitis A,B,C mit dem

abgelehnten Gruppenmitglied als Referenten an.

Darauf wurde uns ein Brief gesendet, der die Ablehnung untermauerte. Nach unserer

Antwort, in der die Gruppe eine genauere Begründung forderte, kam eine

Rückmeldung, die jedoch keine genauere Erklärung beinhaltete.

Auch nach mehreren Briefen, insbesondere einer Forderung durch den Leiter der

AIDS-Hilfe, um Erklärung, blieb die Haftanstalt bei Ihrer Entscheidung.

Deshalb lehnte die Gruppe aus qualitativen und solidarischen Gründen die

Durchführung der Veranstaltung ab.

Des weiteren wurde die AIDS-Hilfe NRW e.V. über diese Situation informiert. Auch

auf Landesebene stieß die Haltung der JVA auf Kritik.

Zur Zeit setzt sich eine Mitarbeiterin der AIDS-Hilfe NRW e.V. mit diesem Konflikt

auseinander. Zum Jahresende hat sich an dieser Situation noch nichts verändert.

Landesarbeitskreis Drogen-Knast

Die AIDS-Hilfe war durch die überregionale Vernetzung in dem Landesarbeitskreis

Drogen/Knast aktiv beteiligt. In diesem Arbeitskreis trafen sich alle hauptamtlichen

und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der in NRW angesiedelten AIDS-Hilfen und den

Drogenselbsthilfen ¼-jährlich. Begleitet wurde dieser Arbeitskreis durch eine

HauptamtlerIn der AIDS-Hilfe NRW e.V.. Bei diesen Treffen wurden Informationen zu

den zwei Arbeitsfeldern ausgetauscht und Veranstaltungen geplant, die einen

überregionalen Charakter haben sollten. Auch konnten die einzelnen

TeilnehmerInnen Ideen und Anregungen von anderen AIDS-Hilfen übernehmen.

Ebenso wurde auf diesen Treffen politischen Themen und Fragestellungen erörtert.


35

5.3.2 Betreuung und Begleitung von Menschen mit HIV und AIDS

Auch in diesem Jahr wurden Menschen mit HIV und AIDS in den Haftanstalten

begleitet. Es waren, wie im letzten Jahr, eher wenige Menschen die diese Begleitung

benötigten. Die Inhaftierten, die begleitet wurden, bekamen Unterstützung auf den

Gebieten Medizin, Sozialrecht, Recht und psychologischer Begleitung. Auch materiell

konnte den Inhaftierten geholfen werden. So wurden Knast-Pakete für die Inhaftierten

von der AIDS-Hilfe bezahlt. Diese Pakete beinhalteten Nahrungs- und Genussmittel.

Die Begleitung wurde hauptsächlich von den ehrenamtlichen Gruppenmitgliedern

durchgeführt. In Absprache mit den Inhaftierten wurde geklärt, in welchen Abständen

der Kontakt zur AIDS-Hilfe erfolgen sollte. Meistens pendelte sich der regelmäßige

Kontakt bei einmal pro Woche ein.

In den zweiwöchigen Drogen-/Knastgruppentreffen wurden die Fälle besprochen und

Informationen ausgetauscht. Bei Anträgen jeglicher Art und rechtlichen

Fragestellungen übernahmen die hauptamtlichen MitarbeiterInnen bei Bedarf die

anfallenden Schreiben und arbeiteten mit dem/der begleiteten ehrenamtlichen

MitarbeiterInnen eng zusammen.

In diesem Zusammenhang bedanken wir uns für die unermüdliche Unterstützung der

EhrenamtlerInnen und ihr Engagement in der Drogen- / Knastgruppe.

5.3.2.1 Veranstaltungen für Inhaftierte

Im Jahr 2001 wurden zwei Veranstaltungen durchgeführt.

In der JVA für Frauen in Dinslaken boten wir einen Gesprächskreis mit dem dort

zuständigen Pastor an.

Es konnten Fragen bezüglich der Infektionsrisiken bzw. den Übertragungswegen von

HIV / Hepatitiden und deren Behandlungsmöglichkeiten an die MitarbeiterInnen der

AIDS-Hilfe gestellt werden. Die Veranstaltung wurde von einem Hauptamtler der

AIDS-Hilfe und einer EhrenamtlerIn aus der Hep-C Gruppe durchgeführt. Während

der Veranstaltung erkannten die Referenten, dass hohes Interesse an der

Behandlung von Hep-C in den JVA`s bestand. Darauf gingen die ReferentInnen ein.

Informationsmaterial zu HIV und Hepatitis wurde an die Inhaftierten verteilt.

Die zweite Veranstaltung wurde in der JVA-Hamborn durchgeführt. Hierbei handelte

es sich ausschließlich um eine Weihnachtsfeier für die Inhaftierten. Es wurden

Kaffee, Kuchen als auch Stuten, Käse und Lachs angeboten. Der Kuchen wurde

durch EhrenamtlerInnen selbst akquiriert. Dadurch konnte diese Feier kostengünstig

durchgeführt werden. Auch Knast-Pakete wurden an die Teilnehmer verteilt.

Unsere Intention für diese Feier war die Solidarität für die Inhaftierten, die keiner

Religion angehörten und/oder keinen Kontakt zur Familie hatten. Auch für diese

Menschen wollten wir ein Angebot durchführen. Bei dieser Feier konnten die

Besucher Fragen zu HIV und AIDS an die HauptamtlerInnen und EhrenamtlerInnen

stellen.

Wir hätten gerne eine Informationsveranstaltung in der JVA-Hamborn angeboten. Da

wir jedoch, wie oben beschrieben, aus Solidarität die Veranstaltung abgelehnt haben,

hoffen wir, dass im nächsten Jahr die JVA ihre Haltung überdenkt.


36

5.4 Frauen und AIDS, Prostitution

5.4.1 Frauen und AIDS

Die zielgruppenspezifische Prävention des Projektes ‚Frauen und AIDS’ der AIDS-

Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. wird seit nunmehr fünf Jahren kontinuierlich

fortgeführt.

Die Projektdurchführung 2001 verfolgte als ein wichtiges Ziel, das Thema ‚HIV/AIDS

und Frauen’ in frauenspezifischen Kontexten zu etablieren. Entsprechend dieser

Zielsetzung entwickelten sich unterschiedliche Möglichkeiten und Wege, dieses

Thema präsent zu machen und/oder zu halten. Das Rundbriefprojekt der Zeitung

Frauen Akt(H)iv informierte Fraueneinrichtungen in Duisburg und im Kreis Wesel

über neue Entwicklungen im Bereich Frauen und HIV/AIDS. Darüber hinaus bestand

die Hoffnung durch das Schwerpunktthema ‚Prävention’ (Frauen Akt(H)iv, Mai 2001)

Frauen als Multiplikatorinnen in diesem Arbeitsfeld zu gewinnen.

Es stellte sich als sehr wichtig heraus, neben dem Rundbriefprojekt auch persönliche

Kontakte zu spezifischen Fraueneinrichtungen aufzubauen. Diese Art der Vernetzung

eröffnet neue Optionen in der Planung gemeinsamer Aktionen und schafft einen

Zugang zu den jeweiligen Einrichtungen. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, bei

einem niedrigschwelligen Frauencafe bei Bedarf eine Sprechstunde einzurichten oder

eine Informationsveranstaltung zum Thema HIV/AIDS und Frauen durchzuführen.

Die Öffentlichkeitsarbeit bleibt weiterhin ein Schwerpunkt in der Frauenarbeit, da über

Informationsveranstaltungen und Radiosendungen immer wieder die Möglichkeit

genutzt wird, ein Klima zu schaffen, in dem positive Frauen ohne Angst vor

Vorurteilen ermöglicht wird, ihre Infektion preiszugeben. Ebenso werden über diese

Wege positive Frauen, die bisher noch nicht erreicht werden konnten, über Angebote

und Unterstützungsmöglichkeiten in Kenntnis gesetzt.

Ebenso galt es in diesem Projektjahr, über verschiedene Zugänge das Ziel der

Begleitung und Stärkung positiver Frauen zu erreichen. Dabei stand der Gedanke im

Vordergrund, für und mit betroffenen Frauen einen Rahmen zu schaffen, in dem eine

gegenseitige Unterstützung möglich wird. Die Umsetzung dieses Zieles wurde mit

Hilfe neuer Angebotsformen für betroffene Frauen verfolgt. Hier ist besonders das

‚Frauenvernetzungstreffen’ hervorzuheben, das in Kooperation mit positiven Frauen

und den Hauptamtlerinnen der AIDS-Hilfen Essen, Oberhausen, Dortmund, Hagen,

Duisburg/Kreis Wesel und einer Hauptamtlerin der AWO in Essen veranstaltet wurde.

Dieses Angebot schaffte für die teilnehmenden Frauen neue Austauschmöglichkeiten

und Kontakte mit positiven Frauen, die in dieser Form in den einzelnen AIDS-Hilfen

nur bedingt leistbar sind. Insbesondere schien dieses Treffen eine von den

betroffenen Frauen oft gewünschte höhere Anonymität zu ermöglichen, die sie so

nicht in einer Einrichtung der AIDS-Hilfe gewährleistet sehen. Trotz dieser

Überlegung fiel es vielen Frauen schwer, sich zu ‚outen’ – für diejenigen, die das

Angebot trotz ihrer Ängste wahrgenommen haben, war es jedoch eine große

Bereicherung.

Es zeigt sich an diesem Beispiel, dass immer wieder neue Möglichkeiten und Wege

gefunden werden müssen, damit positive Frauen eine gegenseitige Unterstützung

erfahren. Dieses beginnt etwa mit ersten Schritten einer kreativen

Auseinandersetzung mit ihrem Positiv-sein, in dem positive Frauen beispielsweise


37

ihre selbstgemalten Bilder in der Öffentlichkeit präsentieren. Ebenso wurde die

Möglichkeit genutzt, zwischen infizierten Frauen Zweiergespräche zu organisieren, in

denen den Frauen die Gelegenheit zum Austausch und zur gegenseitigen Stärkung

gegeben wurde.

Feststeht, dass die Zahl infizierter Frauen tendenziell wächst und es eine Aufgabe

der örtlichen AIDS-Hilfen ist, diese Frauen zu erreichen und ihnen eine

bedarfsgerechte Unterstützung zu geben.

In diesem Sinne gilt es, immer wieder neue Zugangs- und Begleitmöglichkeiten für

infizierte Frauen zu schaffen, die für die Frauen adäquat sind.

5.4.1.1 Frauenzeitung „Frauen Akt(H)iv

Die Zeitung ‚Frauen Akt(H)iv’, die seit 1999 als Rundbriefprojekt herausgegeben

wurde, diente auch in diesem Jahr zur Weitervermittlung von Informationen über HIV

und AIDS an frauenspezifische Einrichtungen in Duisburg und dem Kreis Wesel. Der

Verteiler für die Frauenzeitung umfasst inzwischen 75 Einrichtungen.

Nicht nur im Hinblick auf die tendenziell steigenden Zahlen der Neuinfektionen bei

Frauen, ist es weiterhin als sinnvoll zu erachten, dass frauenspezifische

Einrichtungen und/oder Beratungsstellen das Thema Frauen und AIDS weiterhin

präsent haben und es nicht in Vergessenheit gerät. Um diesen Aspekt zu

unterstützen, fiel im Mai 2001 die Entscheidung, das Schwerpunktthema: ‚HIV-

Prävention bei Mädchen und Frauen’ aufzugreifen. In der Zeitung sollten neben der

Theorie einige ausgewählte Methoden die Fachkräfte in den jeweiligen Einrichtungen

motivieren, diese gemeinsam mit ihren Klientinnen auszuprobieren.

In der nächsten Ausgabe im September 2001 stand der Aspekt ‚Frauen leben mit HIV

und AIDS’ im Vordergrund. In dieser Zeitung ‚Frauen Akt(H)iv’ wurden hauptsächlich

Artikel zu dem Thema ‚HIV-positive/an AIDS erkrankte Frauen’ und

‚Sex/Partnerschaft’ zusammengefasst. Dieses erschien besonders vor dem

Hintergrund, dass viele Frauen Fragen zu dem Thema Sex und Partnerschaft haben,

jedoch bisher nur begrenzte Literatur zur Verfügung steht, relevant.

Als ein sehr wichtiger Aspekt bezüglich der Herausgabe der Zeitung wird die

Beteiligung positiver Frauen erachtet. Obwohl sich dieses anfangs als sehr schwierig

darstellte, ist es in der Januar Ausgabe 2002 gelungen, zwei positive Frauen zum

Schreiben eigener Artikel zu motivieren. Die Veröffentlichung eigener Gefühle und

Gedanken bedeutete für beide Frauen zum einen eine neue Form der

Auseinandersetzung mit ihrer HIV-Infektion und zum anderen stellte es für sie einen

bedeutsamen Schritt dar, selbstständig mit ihren Texten an die Öffentlichkeit zu

treten. Dieser Überwindungsprozess der eigenen Scheu und Angst bestärkt die

Frauen darin, selbstbewusster mit ihrer Krankheit umzugehen. In der ersten Ausgabe

der Zeitung ‚Frauen Akt(H)iv’ beteiligte sich eine Ehrenamtlerin, in dem sie zwei

lesbische Paare zum Thema HIV und AIDS interviewte.

In Bezug auf das Zeitungsprojekt besteht der Anspruch, dass die Zeitung von den

Einrichtungen als Informationsvermittlung zum Thema HIV/AIDS genutzt wird

und/oder sie in den spezifischen Einrichtungen für die Klientinnen erreichbar, ausliegt.

Auf Anfragen in der Zeitung im Hinblick auf Wünsche/Anregung zur Gestaltung der

Zeitung gab es keine Rückmeldungen. Aus diesem Grund scheint es wichtig zu sein,

das Zeitungsprojekt auf seine Zweckmäßigkeit hin zu prüfen. In der folgenden

Ausgabe befindet sich nun ein kurze Befragung, ob und in welcher Form weiterhin


38

Interesse an der Zeitung ‚Frauen Akt(H)iv’ besteht. Es bleibt zu hoffen, dass sich

zumindest einige Empfänger auf diese Anfrage hin zurückmelden, um das

Rundbriefprojekt weiterhin bedarfsgerecht zu gestalten.

5.4.1.2 Teilnahme an Arbeitskreisen

Der im Herbst 1997 gegründete Arbeitskreis „Frauenhandel und Prostitution“ gilt seit

Ende 2000 als aufgelöst. Grund war zum einen die Ineffizienz bezüglich der

Kooperation zwischen Ordnungsamt, Ausländeramt, Polizei etc. und zum anderen

das mangelnde Engagement der Teilnehmerinnen. Dementsprechend entfiel diese

Möglichkeit der Vernetzung für die Projektnehmerin.

Die Ruhrgebietskooperation der AIDS-Hilfen Hagen, Essen, Oberhausen, Dortmund

und der AWO-Beratung aus Essen hatte 2001 weiterhin Bestand. Die

Themenschwerpunkte der Treffen richteten sich in erster Linie auf das Frauen-

Vernetzungstreffen im Mai, dem im Januar 2002 ein weiteres folgt. Darüber hinaus

entwickelten sich bei den Planungstreffen der Hauptamtlichen und Betroffenen

Frauen Ideen bezüglich weiterer gemeinsamer Projekte.

Diese Vernetzungstreffen scheinen besonders wichtig zu sein, da die einzelnen

AIDS-Hilfen oftmals das Problem haben, Veranstaltungen vor Ort auf Grund geringer

Teilnehmerinnenzahlen umzusetzen.

Die Hauptamtlerin nimmt an dem Arbeitskreis ‚Frauen und Gewalt’ in Duisburg nur

vereinzelnd teil, da die Themen oftmals nur bedingt den Arbeitsbereich der

Projektnehmerin berühren. Der Kontakt bleibt jedoch wichtig, um z. B. bei der

Vermittlung von wohnungslosen Frauen o. ä. direkte Ansprechpartnerinnen in den

jeweiligen Einrichtungen zu haben.

Im Arbeitsbereich Migration kommt der Vernetzung eine immer größere Bedeutung

zu. Diese hat sich sowohl mit Duisburger Institutionen, die für die Planung Duisburger

Projekte genutzt werden als auch mit überregionalen Einrichtungen bewährt. Als ein

Ergebnis der überregionalen Vernetzung ist die gemeinsame Fachtagung zum Thema

‚Interkulturelle Aspekte der HIV Prävention und Versorgung für Menschen aus Afrika’,

die am 14. November 2001 in Duisburg stattfand, zu nennen.

Die regionale Vernetzung bietet die Option, weitere Sprechstunden innerhalb der HIV-

Schwerpunktpraxis in Duisburg für afrikanische Frauen anzubieten. Ebenso ergeben

sich aus der engen Zusammenarbeit mit Duisburger Einrichtungen für MigrantInnen

neue Möglichkeiten innerhalb der afrikanischen Communitys das Thema HIV und

AIDS zu plazieren.

Die Möglichkeit, an der LAG Frauen teilzunehmen, wurde auch im Jahr 2001

kontinuierlich genutzt. Für die Projektnehmerin sind diese Treffen weiterhin relevant,

um neue Informationen zum Thema HIV/AIDS und Frauen zu erhalten. Darüber

hinaus ergibt sich in diesen Vernetzungstreffen die Möglichkeit, seine eigene Arbeit

vor Ort zu reflektieren und aus den Erfahrungen der anderen Frauenprojekte zu

lernen.


39

5.4.1.3 Veranstaltungen

Im Jahr 2001 galt es erneut mit öffentlichkeitswirksamen Informations- und

Präventionsveranstaltungen das Thema Frauen und AIDS präsent zu halten. Unter

anderem wurde dazu eine Aktion von Duisburger Fraueneinrichtungen zum

internationalen Frauentag genutzt, die mit Infoständen und einer Vorstellung der

einzelnen Einrichtungen in der Duisburger Innenstadt die Allgemeinbevölkerung

informierte. Ebenso nutzte die Hauptamtlerin gemeinsam mit Ehrenamtlerinnen

weitere Veranstaltungen, um in Form eines Infostandes oder über gemalte Bilder von

betroffenen Frauen das Interesse für das Thema Frauen und AIDS zu gewinnen.

Darüber hinaus ist es der Hauptamtlerin gemeinsam mit der Kooperationspartnerin

des Gesundheitsamtes gelungen, eine Radiosendung zum Thema ‚Prostitution’ zu

gestalten. Dieses stellte sich als besonders wichtig dar, um die neuen

Gesetzesänderungen zu diskutieren und in der Öffentlichkeit das Bild von ‚der’

Sexarbeiterin zu korrigieren, die ausschließlich für und unter dem Druck ihres

Zuhälters arbeitet.

5.4.1.4 Förderung der Hilfe zur Selbsthilfe innerhalb der

Frauenarbeit

Aus dem Jahresbericht 2000 lässt sich entnehmen, dass die Frauengruppe nach ca.

drei Jahren Bestand als aufgelöst angesehen werden musste. Für die Frauen, die in

der letzten Zeit an der Gruppe teilnahmen, entsprach diese aufgrund sich ändernder

Lebensumstände nicht mehr ihren Bedürfnissen. Der intensive Kontakt zu den

Frauen bestand jedoch weiterhin durch Einzelgespräche. Es stellte sich in diesen

Beratungsgesprächen heraus, dass einige der Frauen in großem Maße von der

Einsamkeit betroffen sind und sich Kontakte zu anderen Frauen wünschen.

Anfang April wurde dementsprechend der Wunsch einzelner Frauen nach dem

Angebot eines Frauentreffpunktes realisiert. Dieses Frauencafe sollte einmal in der

Woche Nachmittags stattfinden, da die Frauen oftmals auf das Problem der

abendlichen Busfahrten hingewiesen hatten. Das Bewerben des Frauencafes konnte

zum einen durch die Plazierung von Plakaten in den beiden HIV/AIDS

Schwerpunktpraxen in Duisburg und zum anderen durch den Verteiler der Zeitung

‚Frauen Akt(H)iv’, in dem die Termine und Uhrzeiten bekannt gegeben wurden,

gewährleistet werden. Darüber hinaus bestand die Hoffnung, dass sich über das

gemeinsame Erlebnis des Frauen-Vernetzungstreffens der AIDS-Hilfen Dortmund,

Oberhausen, Essen, Hagen und Duisburg/Kreis Wesel am 12.05.2001 eine

Frauengruppe in Duisburg etablieren könnte.

Das Frauen-Vernetzungstreffen zeigte jedoch deutlich, dass es einen großen Teil der

Frauen einige Überwindungen gekostet hat, zu diesem Angebot zu erscheinen.

Hierbei stand wieder die Angst im Vordergrund, ‚erkannt’ zu werden und sich zu

‚outen’. Dementsprechend nahm aus Duisburg statt der sechs interessierten Frauen

nur eine an diesem Treffen teil. Bezüglich der Frauencafes scheint diese Angst ein

wichtiger Faktor zu sein, der es bisher unmöglich macht, eine funktionierende und

stabile Frauengruppe ins Leben zu rufen. Vielmehr stellt sich das Angebot momentan

eher als ‚Frauensprechstunde’ dar, die von den Frauen einzeln genutzt wird.

Die Option eines Frauencafes sollte jedoch vorerst Bestand haben, da die Frauen,

die an dem Vernetzungstreffen teilgenommen haben, ausnahmslos begeistert waren,


40

obwohl sie ihre Ängste überwinden mussten. Es ist ein weiterer Vernetzungstag im

Januar 2002 geplant, der eine weitere Chance darstellt, Frauen über ein

gemeinsames Erlebnis einander näher zu bringen.

Aufgrund der positiven Erfahrungen aus dem Frauen-Vernetzungstreffens entstand

die Idee, gemeinsam mit der Drogenberatung Duisburg-Mitte (im gleichen Haus)

einen Frauen-Wohlfühltag zu veranstalten. Dieses bot sich besonders vor dem

Hintergrund an, dass die Klientinnen der AIDS-Hilfe und die Klientinnen der

Drogenberatung zum Teil beide Einrichtungen nutzen. Auch hier bestand die

Hoffnung, dass sich durch dieses Projekt Frauen finden, die sich in ihrem Alltag

gegenseitig unterstützen. Leider war es aufgrund der geringen Teilnehmerinnenzahl

(drei feste Anmeldungen) nicht möglich, diesen Tag zu realisieren. Auch bei diesem

Angebot herrschte leider nur anfangs bei den Frauen reges Interesse –eine feste

Zusage sicherten jedoch nur wenige zu. Die Option eines weiteren Versuchs auf ein

gemeinsames Angebot im Frauenbereich bleibt jedoch vorerst durch die fortlaufende

Kooperation mit der Drogenhilfe bestehen.

Ein weiterer Schritt zur Unterstützung HIV-positiver und an AIDS-erkrankter Frauen

lässt sich in der Kooperation mit der entstandenen Frauengruppe in der HIV/AIDS-

Schwerpunktpraxis sehen. Für diese Frauen, die monatlich an einem

Kunsttherapieabend innerhalb der Praxis teilnehmen, ist der Zugang zur AIDS-Hilfe

zum einen durch ihre Ängste unmöglich, zum anderen scheint es den Bedürfnissen

einiger Frauen nicht zu entsprechen. Diese Frauengruppe wurde mit Informationen,

Angeboten und Terminen der AIDS-Hilfen versorgt, so dass sie gezielt nach ihren

Interessen und Bedürfnissen Unterstützungs- oder Informationsangebote annehmen

konnten. Ebenso griffen die Frauen dieser Gruppe die Idee auf, ihre Bilder als

Ausstellungsstücke für die 15-Jahres Feier der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. zur Verfügung zu stellen. So konnten die Bilder, die mit kurzen Texten versehen

waren, das Interesse der Allgemeinbevölkerung an dem Thema HIV-infizierte Frauen

wecken und zu Gesprächen anregen.

Auf die Förderung der Hilfe zur Selbsthilfe bei der Zielgruppe der afrikanischen

Frauen wird an dieser Stelle auf das Kaptitel Migration 5.5.1. verwiesen.

5.4.1.5 Aufbau einer Ehrenamtlerinnengruppe

Die Vernetzung der AIDS-Hilfen im Ruhrgebiet besteht weiterhin hinsichtlich der

NeueinsteigerInnenschulungen für zukünftige ehrenamtliche MitarbeiterInnen. Der

Abend ‚Frauen und AIDS’ wird gemeinsam mit der Mitarbeiterin der AIDS-Hilfe

Gelsenkirchen gestaltet. Die letzten Schulungen haben erneut deutlich gemacht, dass

über diese Abende nicht nur das Thema präsent gehalten werden kann, sondern es

auch in der Schulung möglich ist, für die örtlichen AIDS-Hilfen Frauen zu gewinnen,

die sehr engagiert und interessiert in der Frauenarbeit mitwirken. So konnte 2001

eine Frau für diesen Bereich gefunden werden, die inzwischen sowohl an der

Erstellung der Frauen Zeitung ‚Frauen Akt(H)iv beteiligt ist als auch an

frauenspezifischen Informationsveranstaltungen.


41

5.4.1.6 Sicherstellung frauenspezifischer Beratung und Betreuung

Die frauenspezifische telefonische und persönliche Beratung und Betreuung wird in

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. kontinuierlich durch die hauptamtliche

Mitarbeiterin sichergestellt. Montags Abends wird dieses Angebot durch

ehrenamtliche MitarbeiterInnen gewährleistet.

Es gilt, dieses Angebot weiterhin aufrechtzuerhalten. Besonders eine AIDS-Hilfe, die

sich durch einen großen Anteil von Männern auszeichnet, kann auf eine Mitarbeiterin,

die Frauen in ihrer Selbsthilfe unterstützt, nicht verzichten. Zum einen ist hier das

gezielte Sammeln und die Weitergabe von Informationen zu frauenspezifischen

Themen bei HIV und AIDS zu nennen. Zum anderen wenden sich die Frauen häufig

aufgrund konflikthafter Beziehungen an die hauptamtliche Mitarbeiterin, wobei es in

diesen Gesprächen gilt, die Frauen innerhalb ihrer Beziehungen zu stärken und zu

unterstützen. Ebenso werden oftmals die eigenen sexuellen Bedürfnisse und die

Probleme der Attraktivität/Weiblichkeit thematisiert. Dementsprechend sollte für

Frauen weiterhin dieser Schutzraum angeboten werden.

Projektergebnisse und Aussicht

Die bisherigen Erfahrungen aus diesem Berichtsjahr zeigen, dass besonders das

Zeitungsprojekt kritisch hinterfragt werden sollte. Reaktionen von den jeweiligen

Fraueneinrichtungen sind im Hinblick auf die Zeitungsgestaltung trotz eindringlicher

Aufforderung von Seiten der Hauptamtlerin nicht eingegangen. Diese

Rückmeldungen sind jedoch zum einen wichtig, um die Zeitung den Bedürfnissen der

Leserinnen anzupassen und zum anderen, um die generelle Zweckmäßigkeit der

Zeitung zu überprüfen. Vorerst wird der Versuch unternommen, mit Hilfe eines

vorgefertigten Faxes Rückmeldungen bezüglich der Zeitung ‚Frauen Akt(H)iv’ zu

erhalten. Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob zur Informationsvermittlung an die

spezifischen Fraueneinrichtungen Alternativen erarbeitet werden sollten. Eine sehr

zeitaufwendige Möglichkeit stellt zum Beispiel die Anfrage eines

Frauenberatungsteams nach einer Informationsveranstaltung dar. Auch über diese

gezielten Besuche durch die Projektnehmerin wäre es möglich, das Thema HIV/AIDS

und Frauen in den jeweiligen Institutionen zu etablieren.

An dieser Stelle sollte jedoch die Beteiligung der zwei positiven Frauen und der

Ehrenamtlerin herausgestellt werden. Es besteht von Seiten der Hauptamtlerin die

Hoffnung, dass sich die beiden Frauen zu weiteren Texten motivieren lassen. Dieses

stärkt zum einen ihr Selbstbewusstsein, da sie etwas eigenes verfasst haben, auf das

sie stolz sein können und zum anderen bieten die Texte in der Begleitung die

Möglichkeit, beschriebene Ängste aufzugreifen und zu bearbeiten.

Veranstaltungen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit sollen weiterhin zur Aufklärung

und Prävention genutzt werden. Diesbezüglich wurden gemeinsam mit der AIDS-Hilfe

Essen und Dortmund neue Ideen zum internationalen Frauentag entwickelt. Dieser

Tag soll zum Anlass genommen werden, um in den jeweiligen Innenstädten mit

öffentlichkeitswirksamen Aktionen das Thema HIV/AIDS und Frauen zu

transportieren. Dabei steht im Vordergrund, dass die Allgemeinbevölkerung und

speziell die Frauen sich mit dem Thema auseinandersetzen und Frauen in dem

Bewusstsein gestärkt werden, sich und ihre Gesundheit bewusst zu schützen.

Als weiteres Ergebnis ist deutlich geworden, dass es schwierig bleibt, betroffene

Frauen angemessen zu erreichen und zu unterstützen. Besonders der Schritt aus der

Anonymität und die Schwellenangst vor der Institution AIDS-Hilfe stehen einer

angestrebten Selbsthilfe zwischen betroffenen Frauen immer wieder im Weg. Dieses


42

Wissen motiviert jedoch, Formen zu finden, in der die Stärkung und Begleitung

positiver Frauen trotz der Hemmungen möglich wird. Ein Kennzeichen der Ansätze in

der Frauenarbeit ist somit die Entwicklung niedrigschwelliger Zugänge. Neue

Möglichkeiten sind zum Beispiel mit Kontakten zu Frauencafes geschaffen worden,

um dort Informationen über HIV und AIDS bereitzustellen. Ebenso soll der Kontakt

mit der Frauengruppe der HIV-Schwerpunktpraxis weitergeführt werden, aus dem

sich weitere Kooperationen (Ausstellung der Bilder o.ä.) ergeben können. Es ist

durch die bisher gesammelten Erfahrungen deutlich geworden, dass betroffene

Frauen einen großen Bedarf an Unterstützung und Stärkung in der Öffentlichkeit

benötigen. Auch hier gilt es für die - und wenn möglich auch mit den - Frauen, ein

Umfeld zu schaffen, welches den Schritt aus der Anonymität für die Frauen

erleichtert. Der Schritt an die Öffentlichkeit bietet die Perspektive, auf weiteren

Ebenen präventiv tätig zu werden und Frauen zu Angeboten der AIDS-Hilfe

einzuladen, die bisher nicht erreicht werden konnten.

5.4.2 Prostitution

5.4.2.1 Aufsuchende Arbeit auf dem Straßenstrich

Im Bereich der Sexarbeit wurde die Straßensozialarbeit gemeinsam mit dem

Gesundheitsamt kontinuierlich geleistet. In diesem Arbeitsbereich bestand weiterhin

der Bedarf an Streetwork, da die Sexarbeiterinnen häufig ihren Arbeitsplatz wechseln

und somit immer wieder neuen Frauen die Informationen über die Hilfsangebote in

Duisburg zur Verfügung gestellt werden müssen. Des weiteren ist diese Arbeit durch

die Informationsweitergabe bezüglich neuer Entwicklungen der gesetzlichen Situation

geprägt. Hier besteht für die Frauen Aufklärungsbedarf in Hinblick auf ihre

Arbeitssituation.

Auch durch das Verteilen von ‚Give-aways’ in den Bordellen und auf dem

Strassenstrich zu Weihnachten wurden erneut Kontakt- und Gesprächsmöglichkeiten

(auch mit Freiern) geschaffen, die die Frauen nutzten. Besonderer Informationsbedarf

zeigte sich in Bezug auf die Umsetzung des neuen Gesetzes für Prostituierte und den

sich daraus ergebenen Konsequenzen. Die Prostituiertenberatung des

Gesundheitsamtes wird dieses aufgreifen und eine Veranstaltung zu diesem Thema

anbieten. Die Gesetzesänderungen wurden zum Anlaß genommen, um eine

Radiosendung im Duisburger Bürgerfunk zu gestalten. Gemeinsam mit der Kollegin

vom Gesundheitsamt Duisburg wurde das Ziel verfolgt, Vorurteile gegenüber dem

Beruf der Sexarbeiterin, der von manchen Frauen durchaus selbstbestimmt gewählt

wird, in Frage zu stellen

5.5. Migration

Es entspricht unserer Erfahrung in der AH und wird auch belegt durch die Zahlen

vom Robert-Koch-Institut, dass der prozentuale Anteil HIV-Positiver aus Pattern II-

Ländern (Länder mit endemischer Verbreitung von AIDS) weiter angestiegen ist. Das

Themenfeld AIDS und Migration gewinnt damit weiter an Bedeutung. Daher hat sich

unsere AH sehr früh interkulturellen Fragestellungen geöffnet.

Interkulturelle Öffnung bedeutet nicht notwendigerweise ein mehr an Arbeit, sondern

eine andere Qualität von Arbeit, die es ermöglicht, innerhalb der bestehenden


43

Kapazitäten und Strukturen auch MigrantInnen zu erreichen. Im Sinne der

Qualitätssicherung ist eine interkulturelle Öffnung ein Teil der fortlaufenden

Organisationsentwicklung.

Bei diesem Prozess der interkulturellen Öffnung ist es notwendig, Angebote an die

spezifischen Bedürfnisse von MigrantInnen anzupassen.

In der Beratung und psychosozialen Begleitung zeigte sich schon im Vorjahr ein

steigender Bedarf für HIV-positive Menschen aus Afrika, insbesondere für

afrikanische Frauen.

Ein Schwerpunkt war deshalb der Aufbau einer Selbsthilfegruppe für afrikanische

Frauen (siehe Punkt 5.5.1) sowie eine Filmreihe zu afrikanischen Themen (siehe

5.5.2)

Ein weiterer Schwerpunkt war die Weiterentwicklung der interkulturellen Kompetenz.

Unsere AH initiierte und organisierte zusammen mit dem AK „AIDS und Migration“

eine sehr erfolgreiche Fachtagung zu „Interkulturellen Aspekten der HIV-Prävention

und – Versorgung für Menschen aus Afrika“, die in 5.5.3 näher beschrieben wird.

Durch die Planung dieser Fachtagung wurde auch die Kooperation mit anderen

Einrichtungen stark intensiviert, insbesondere mit den Einrichtungen, die sich an der

Vorbereitung dieser Fachtagung im Rahmen des AK AIDS und Migration beteiligt

haben.

Unsere AH ist darüber hinaus bei der Landeskommission AIDS in der gegen Ende

des Jahres gegründeten AG „AIDS und Migration“ durch einen hauptamtlichen

Mitarbeiter vertreten.

5.5.1 Aufbau von Selbsthilfestrukturen für positive afrikanische

Frauen

Im Jahr 2001 wurde im Rahmen der zielgruppenspezifischen Prävention das Projekt

„Ausbau von Selbsthilfestrukturen für Afrikanische Frauen“ erstmals durchgeführt.

Ziel des Projektes war, auf direktem oder indirektem Wege Kontakt zu afrikanischen

Frauen herzustellen. Hierfür war es notwendig, eine Frau als Projektnehmerin zu

finden, die zum einen mehrsprachig und zum anderen eingebunden in eine

afrikanische Gemeinde ist.

Es gelang eine Projektnehmerin zu finden, die beste Voraussetzungen mitbrachte,

um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, eine Selbsthilfegruppe für afrikanische Frauen

aufzubauen.

Die Projektnehmerin war selbst Migrantin, HIV positiv, lebt seit Jahren mit einem

Schwarzafrikanischen Lebenspartner zusammen, spricht 5 Sprachen, ist aktives

Mitglied in einer schwarzafrikanischen Kirchengemeinde und brachte Erfahrungen im

Umfeld einer anderen AIDS-Hilfe(AH) mit.

Die Umsetzung des Zieles, eine Selbsthilfegruppe aufzubauen, gestaltete sich sehr

schwierig.

Mit viel persönlichem Engagement hat die Projektnehmerin durch verschiedene

Einzelmaßnahmen und Strategien versucht, diese zu überwinden.

Zunächst stellte sich die Projektnehmerin bei den Kooperationspartnern vor, mit

denen wir bereits Kontakt hatten. Dabei ging es darum, wie die Vernetzung der

bisherigen Hilfestrukturen für Migrantinnen verbessert werden könnte, sowohl auf

lokaler Ebene in Duisburg aber auch mit Organisationen und Initiativen in den


44

benachbarten Städten. Darüber hinaus nahm sie zu einer Vielzahl von Afro-Läden,

afrikanischen Kirchengemeinden sowie anderen afrikanischen Organisationen

Kontakt auf, um zu erkunden, inwieweit diese für die Versorgung und Prävention von

HIV-positiven Frauen aus Afrika offen sind.

Außerdem nahm die Projektnehmerin Kontakt zu den von uns in der AH bereits

betreuten HIV-positiven afrikanischen Frauen auf und sprach in Einzelgesprächen mit

diesen darüber wie eine für diese Frauen angemessene Selbsthilfe aussehen könnte.

Des weiteren hat sie über die HIV- Schwerpunktpraxis, bei der über 10 afrikanische

HIV-positive Frauen in ärztlicher Behandlung sind und mit der wir sehr eng

kooperieren, durch mehrmalige Treffen versucht, mit weiteren Frauen ins Gespräch

zu kommen.

In diesen Gesprächen stellte sich heraus, dass die Frauen größte Skepsis zeigten,

sich einer HIV-positiven Gruppe direkt anzuschließen.

Aus diesen Gesprächen heraus entwickelten sich jedoch mehrere innovative

Ansätze:

• -Mit Hilfe eines Workshop-Angebotes eine Ehrenamtlerinnen-Gruppe

(möglichst mit HIV-positiven Afrikanerinnen) zu gründen.

• -Treffs mit Freizeitangeboten wie z.B. gemeinsames Kochen oder Workshops

anzubieten zu relevanten Themen wie z. B. Krankenversicherung, Asylrecht

und Medikamenteneinnahme.

• -Ein Workshop-Angebot zu Informationen über antiretrovirale Medikamente

wurde in einer Apotheke in Wuppertal abgehalten und war mit einem Besuch

der Stadt Wuppertal verbunden worden. Hierzu kamen drei afrikanische

Frauen.

• -Für einen Abend waren afrikanische Snacks mit ghanaischer Musik

vorbereitet. Am verabredeten Abend blieb die Projektnehmerin auf dem

vorbereiteten afrikanischen Essen alleine sitzen.

• Als eine weitere Idee wurde die Gründung eines Clubs für afrikanische Frauen

mit einem für HIV – Infizierte unverfänglichen Namen entwickelt. Dieser Club

nannte sich „ Der African Lions Club“. Das Motto des Clubs war: Life & Joy;

Africans for health und safety; Seine Angebotewaren: Aktionen, Filme und und

alles was Spaß macht. Die Poster und Handzettel wurden über Kirchen, Afro-

Läden und sonstige Einrichtungen, die mit afrikanischen Frauen zu tun haben,

verteilt.

Leider sind trotz einer sehr intensiven personalkommunikativen Werbung (neben der

Poster- und Handzettelwerbung ) nie Frauen zu diesen Treffen erschienen, nicht

einmal die Frauen, die in Einzelgesprächen diesen Vorschlag gemacht hatten.

Diese Erfahrungen haben gezeigt, dass der Auf- und Ausbau von

Selbsthilfestrukturen für afrikanische Frauen und der Aufbau einer EhrenamtlerInnen-

Gruppe nicht in direkter Weise angegangen werden kann.

Deshalb wurde in den letzten drei Monaten überlegt, wie trotz dieser oben

angeführten Schwierigkeiten ein Zugang zu betroffenen afrikanischen Frauen

gefunden werden kann.

Da fast alle afrikanischen Frauen in verschiedenen afrikanischen Kirchengemeinden

eingebunden sind, wurde versucht, eine afrikanische Kirchengemeinde zu finden, die

offen für das Thema HIV und AIDS war. Die Projektnehmerin kontaktierte deshalb

afrikanische Kirchengemeinden in Duisburg selbst und in den angrenzenden Städten

Mülheim, Essen und Düsseldorf.


45

Im weiteren Verlauf dieser Gespräche entwickelte die Projektnehmerin die Idee, ein

Krippenspiel als Theaterstück aufzuführen, wobei das Krippenspiel in unsere Zeit

transportiert werden sollte und Themen und Problematiken von afrikanischen Frauen

wie Asyl und HIV aufgreifen und spielerisch darstellen sollte.

Die Methodistische Ghanaische Kirchengemeinde in Düsseldorf war offen für dieses

Projekt.

Das Krippenspiel wurde im Rahmen einer dreistündigen Messe am 23.12.01

aufgeführt und kam bei der afrikanischen Kirchengemeinde (etwa 80

TeilnehmerInnen ) sehr gut an. Viele haben sich danach bei der Projektnehmerin

bedankt und haben Interesse an weiteren Veranstaltungen dieser Art bekundet.

5.5.2 Filmreihe zu afrikanischen Themen im Rahmen des Afrika

Marktes

Will man die Zielgruppe afrikanischer MigrantInnen erreichen, so bietet es sich für

Duisburg an, den jährlich im Frühsommer stattfindenden Afrika Markt dafür zu nutzen,

da er aufgrund seiner überregionalen Bedeutung für die Afrikaner selbst und die an

Afrika interessierten Menschen Tausende von Besuchern anzieht.

Der Afrika Markt fand am Sonntag, den 10. Juni auf dem Flachsmarkt und am

Innenhafen statt. Hier war Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel mit einem

gemeinsam mit dem Afrika Projekt von der Caritas in Essen organisierten Info-Stand

auf diesem sehr gut besuchten Afrika Markt vertreten.

Für den Afrika Markt wurde vom Internationalen Zentrum (IZ) der Volkshochschule

ein Flyer mit Begleitprogramm in einer Auflage von 20 000 Stück gedruckt und über

den Verteiler des IZ an ein spezifisch an Afrika interessiertes Publikum verteilt.

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. hatte bereits im Vorjahr eine Filmreihe zu

afrikanischen Themen beim Regionalfond 2000 beantragt. Nachdem die finanzielle

Zusage vorlag, konnte die AH das IZ dazu bewegen, die 4 Filmabende zu

afrikanischen Themen im Begleitprogramm zum Afrika-Markt mit einer

Kurzbeschreibung anzukündigen. Dadurch erreichten wir zeitnah ein spezifisch an

afrikanischen Themen interessiertes Publikum.

Im Juni und Juli 2001 wurden diese 4 Filmabende zu afrikanischen Themen im

Internationalen Zentrum (IZ) der Volkshochschule durchgeführt. Wie geplant trat das

IZ nach außen hin als Veranstalter auf.

Da das IZ vor mehreren Jahren bereits einige Filme zu Afrika mit sehr geringer

Resonanz (durchschnittlich weniger als 5 Personen) gezeigt hatte, waren wir positiv

überrascht, dass diesmal im Durchschnitt zu jedem Film 15 Personen erschienen. Es

kamen Betroffene und Mitarbeiter aus dem Umfeld unserer AIDS-Hilfe, die meisten

jedoch waren Menschen, die das Thema Afrika interessierte. Sie wurden über das

Begleitprogramm des Afrika Marktes erreicht und hatten bisher keinen Kontakt zur

AIDS-Hilfe.

Wie motiviert die Teilnehmer waren, zeigte die Tatsache, dass bei dem Film „Road to

Accra“ kein einziger Zuschauer vorzeitig ging, obwohl wir den Film aufgrund

technischer Probleme ohne Ton zeigen mussten.

Nach der Filmvorführung wurden sowohl die Inhalte als auch die Situation des

jeweiligen Landes ausführlich diskutiert.


46

Die Gespräche und Diskussionen mit einer Ex-Guerilla-Kämpferin (Sie war aus

Hamburg angereist) beim Film „Flame“ über den Befreiungskampf in Simbabwe war

ein besonderer Höhepunkt innerhalb der Filmreihe.

Der Film „Otomo“, der die Problematik von Asylbewerbern thematisiert, löste sehr

lebhafte und kontroverse Diskussionen aus. Es war schade, dass der Regisseur des

Films, kurzfristig seine zugesagte Anreise nach Duisburg absagen musste.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Filmreihe hinsichtlich zweier Ziele

recht erfolgreich war:

Gängigen Klischees von Afrika als Kontinent, der mit Chaos, Krieg und Krisen

verbunden wird konnte erfolgreich entgegengewirkt werden, da die Filme einen

Einblick in differenzierte kulturelle und politische Situationen zu einzelnen Ländern

oder Themen ermöglichten. In den Gesprächen und Diskussionen nach den Filmen

ergaben sich fast immer auch Fragen zur gesundheitlichen Versorgung.

Damit rückte auch das Thema AIDS unter verschiedenen Aspekten in den Blickpunkt,

ohne dass sich Einzelne „outen“ mussten und damit wurde ein niedrigschwelliger

Zugang zu Infomaterial und Kondomen geschaffen. Bei den Gesprächen war es

möglich, unsere AIDS-Hilfe als eine Einrichtung mit starkem Selbsthilfecharakter zu

präsentieren und auf verschiedene Aspekte der HIV-Prävention und Versorgung

hinzuweisen. Es ergaben sich auch wichtige Kontakte zu anderen Einrichtungen.

Es ist uns - mit einer Ausnahme - jedoch nicht gelungen, Schwarzafrikaner selbst

durch die Filme anzusprechen, obwohl in die Vorauswahl der Filme Schwarzafrikaner

miteinbezogen worden waren.

5.5.3 Fachtagung „Interkulturelle Aspekte der HIV-Prävention und

Versorgung für Menschen aus Afrika“

Die Fachtagung „Interkulturelle Aspekte der HIV-Prävention und Versorgung für

Menschen aus Afrika“ war die dritte Tagung, die auf Initiative der AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel e.V. und der AIDS-Beratung des Gesundheitsamtes der Stadt

Duisburg zum Themenbereich „Migration“ stattfand und es war die 1. Tagung für

Multiplikatoren, die mit afrikanischen MigrantInnen arbeiten, in Deutschland.

Vorbereitet wurde sie von dem Arbeitskreis „Aids und Migration“, der sich aus

MitarbeiterInnen von Aids-Hilfen, Gesundheitsämtern und Wohlfahrtsverbänden

zusammensetzt.

Die Tagung stieß auf eine sehr gute Resonanz. Ca. 70 Teilnehmer nahmen an der

Vorstellung und Auswertung der bisherigen Erfahrungen in der Prävention und

Versorgung von HIV-betroffenen AfrikanerInnen teil.

Besonders eindrucksvoll und hilfreich wurden die Beiträge der afrikanischen

Referenten erlebt, die die Situation und den Erlebnishintergrund afrikanischer

Menschen hier in Deutschland „hautnah“ vermittelten.

Aufgrund von Wissensdefiziten und der Tabuisierung der Aids-Erkrankung kann

davon ausgegangen werden, dass vielen afrikanischen MigrantInnen die

Verhaltenskompetenzen beim Umgang mit Infektionsrisiken fehlen und die hiesigen

Präventionsbotschaften sie nicht erreichen.

Das Gesundheitssystem in Deutschland ist ihnen fremd. Nur sehr wenige

Einrichtungen bieten bisher psychosoziale Beratung, Betreuung und Versorgung für

MigrantInnen aus Afrika an.


47

Die Professionellen, die sich dem Anspruch der „interkulturellen Öffnung und

Sensibilisierung“ für die hier lebenden AfrikanerInnen stellen wollen, sehen sich vor

eine schwierige Aufgabe gestellt. Es gibt so wenig „die Afrikaner“ wie es „die

Europäer“ gibt. In den 51 Ländern Afrikas gibt es ganz verschiedene ethnische

Gruppen mit wiederum eigenen spezifischen Kulturen. Auf diesem Hintergrund wird

deutlich, dass eine Kooperation und Vernetzung der Präventions- und

Versorgungseinrichtungen mit den Migrationsdiensten nicht ausreichend ist. Eine

Einbindung von muttersprachlichen Professionellen aus dem jeweiligen Kulturkreis ist

unbedingt erforderlich.

Die Fachtagung zeigte Möglichkeiten der HIV-Prävention für AfrikanerInnen auf und

gab Anstöße zum Aufbau eines regionalen Netzwerks zur psychosozialen Beratung

und Betreuung für AfrikanerInnen, die von HIV und AIDS betroffen sind. Die

vermittelten Erfahrungen sollen als Basis zur Entwicklung von Standards für die

weitere Arbeit in diesem Bereich dienen.

Angesprochen waren MitarbeiterInnen in Beratungsstellen und Migrationsdiensten, an

die sich AfrikanerInnen wenden, auch in Ausländer-, Gesundheits-, Ordnungs- und

Sozialämtern.

5.6 Prävention in der Allgemeinbevölkerung

„Vergessen ist ansteckend!“ – lautet der Titel der Kampagne, die von verschiedenen

Kooperationspartnern zum sogenannten „Reminders day“ (06. Juli) in Deutschland im

Rahmen des 8. Deutschen AIDS-Kongresses in Berlin gestartet wurde. Eine – aus

unserer Sicht – leider höchst zeitgemäße Kampagne, die das aufgreift, was wir (auch

in unseren Jahresberichten) seit geraumer Zeit beschreiben: Einschlafens- und

Sorglosigkeitstendenzen, gespeist und zum Teil ausgelöst durch

Entwarnungsphantasien bezüglich der Problematiken von HIV und AIDS.

Diese nachlassende Wahrnehmung zieht sich offenbar durch alle denkbaren

gesellschaftlichen Gruppen – so auch durch die sogenannte Allgemeinbevölkerung.

Die Gründe dafür sind vielfältiger Art. Der Verfasser möchte dazu an dieser Stelle auf

die Erläuterungen und Erklärungsansätze der letzten Berichte verweisen. Dieser

Verweis gilt auch für die tendenziellen Verschiebungen bei den

Infektionshintergründen (s. RKI-Statistiken).

Alles in allem besteht jedenfalls weiterhin keinerlei Anlass, in den

Präventionsbemühungen nachzulassen. Im Gegenteil – der Bedarf an Aufklärung und

Information wächst weiter. Dies zeigen uns vor Ort Rückmeldungen, Resonanzen und

Evaluationserfahrungen über Info-Stände und diverse Veranstaltungen in diesem

Sektor (s. Grafik zur Verteilung der Veranstaltungen auf die verschiedenen

Arbeitsfelder, u.). Das zeigen insbesondere auch die alljährlichen Umfrageergebnisse

der BzgA im Bereich Jugendlicher, wonach etwa in 2001 nur noch 37 % der

Befragten der Auffassung waren, dass AIDS eine ernstzunehmende,

lebensbedrohliche Erkrankung sei.

Im Berichtsjahr haben wir diese Tendenzen in unseren verschiedenen

Veranstaltungen verstärkt zur Sprache gebracht (Vgl. etwa auch die

Schwerpunktsetzungen zu Welt-AIDS-Tags-Veranstaltungen, s. Flyer im Anhang).


48

Wo immer möglich, geschieht dies in Dialog-Formen und ohne pädagogischen

Zeigefinger.

5.6.1 Veranstaltungsinhalte

In aller Regel werden personalkommunikative Formen massenmedialen vorgezogen.

Das erfordert allerdings auch eine jeweilige Reduktion auf zielgruppenadäquate und

bedürfnisorientierte Themenbereiche. Um diese Reduktion pädagogisch

verantwortungsvoll vornehmen zu können, finden entsprechende Vor- und

Nachgespräche mit den Veranstaltungspartnern statt.

Je nach Zielgruppe, Zugangsvoraussetzungen und Rahmenbedingungen können u.a.

folgende Themenfelder behandelt werden :

• Medizinisch, biologische Grundlagen zu HIV und AIDS, ggf.

Hepatitiden und andere STD`s (Virologie, Immunologie, ...)

• Verlaufsformen der HIV-Infektion

• Aktueller Forschungsstand und Therapieansätze

• Übertragungswege und –risiken

• Infektionsschutzmöglichkeiten

• Testverfahren und ihre Problematiken

• Epidemiologische Entwicklung und daraus resultierende

Präventionserfordernisse und –strategien

• Lebenssituation von Betroffenen und An- oder Zugehörigen

• Umgang mit HIV-positiven oder/und an AIDS erkrankten

Menschen

• Vorurteile gegenüber sog. Hauptbetroffenengruppen

• Drogen- und Substitutionsproblematik

• HIV und AIDS als gesellschaftliches Phänomen

• Juristische und ethische Fragestellungen

• Probleme in der Betreuung und Pflege

• Sterbebegleitung, Tod und Trauer

• Liebe, Sexualität und Partnerschaft

• Probleme im Umgang mit der eigenen Sexualität

• Homosexualität (Schwul-lesbische Aufklärungsarbeit)

• Geschlechterrollen und ihre Problematiken

• Normen, Werte und deren Wandel im Umfeld der Sexualität

• U.a.m.


49

5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork

AIDS-präventive Veranstaltungen in sexualpädagogischem Kontext wurden von der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. für SchülerInnen aller Regelschulformen

sowie Kollegschulen durchgeführt. In der Regel werden unsere Angebote in den

Jahrgängen ab der Klasse 8, in einzelnen begründeten Ausnahmen auch in jüngeren

Jahrgängen plaziert.

Form und Inhalte werden jeweils bedürfnis- und lebensweltorientiert konzipiert. Das

Angebotsspektrum reicht hier von Formen eines „Expertengespräches“ im Rahmen

von Unterrichtsreihen vor unterschiedlichem Fachhintergrund bis hin zu Projekttagen

und – wochen, die i.d.R. außerhalb des Schulrahmens durchgeführt werden.

Für das Berichtsjahr ist eine weitere Zunahme an Nachfragen im Youthwork-Bereich

zu konstatieren. Leider bündeln sich die Anfragen weiterhin im Umfeld von

Halbjahreswechsel- und Ferienzeiten, was schulorganisatorisch gewiss verständlich

ist. Dies hat allerdings zur Folge, dass wir nicht alle Schulen im gewünschten Maße

bedienen können.

Entsprechend wird die Einbeziehung qualifizierter EhrenamtlerInnen weiter verstärkt

ins Auge gefasst. Hervorzuheben ist an dieser Stelle das enorme Engagement

unseres Ehrenamtlers Dr. Berthold Thiele, der uns in mannigfaltiger Weise unterstützt

und damit wesentlich dazu beiträgt, dass wir relativ wenig Absagen erteilen müssen.

Dies soll das Engagement der anderen im Präventionsbereich tätigen

EhrenamtlerInnen keineswegs schmälern, die allerdings aufgrund ihrer beruflichen

Einbindung naturgemäß selten zur Verfügung stehen können.

Darüber hinaus gilt unser Dank insbesondere den aktiven HIV-positiven

EhrenamtlerInnen, die sich immer wieder bereit erklären, in authentischer Weise zur

Frage „HIV-positiv – was heißt das ?“ Rede und Antwort zu stehen. Die Einbeziehung

dieser Selbsthilfeaktivisten ist hier, wie auch zum Thema „Homosexualität“ fester

Bestandteil vieler Präventionsveranstaltungen. Der besondere Wert dieser

Authentizität wird uns auch immer wieder rückgemeldet. Hier gilt den MitarbeiterInnen

des Herzenslust-Teams ein herzliches Dankeschön.

Den von uns (mit-) initiierten Präventions-Vernetzungen in Duisburg und für die

Region um Dinslaken kommen ebenfalls besondere Bedeutung zu. Dabei geht es uns

vor allem darum, über MultiplikatorInnen eine kontinuierliche Präsenz der

Präventionsthemen in den Einrichtungen zu schaffen und von `nur´ punktuellen

Veranstaltungen wegzukommen (s. 5.6.4). Durch die Vernetzung und die damit

verbesserte Kooperation und Koordinierung werden Synergieeffekte erzielt. Durch

begleitende Öffentlichkeitsarbeit wird für die potentiellen Kunden mehr Transparenz

zu den Präventionsangeboten geschaffen (s. PROphylaxe VERnetzungskreis für die

Region um Dinslaken; Flyer und Pressespiegel im Anhang).

In die gleiche Richtung zielt die Arbeit des Verfassers im Rahmen eines

Qualitätszirkels der Youthworker NRW. Unter dem Zugang „Total Quality

Management“ ist hier eine Art Handbuch entstanden, das u.a. für Kunden und

Zuwendungsgeber ein klareres Bild vom Produkt „Youthwork“, den Angeboten,

Leistungen, Leitlinien und Rahmenbedingungen schafft. Dies ist ab sofort beim

Youthworker der AH DU/KW e.V. abrufbar.


50

Dem von uns propagierten Ansatz, Projektformen außerhalb des klassischen

Unterrichtsrahmens zu installieren wird zunehmend Rechnung getragen. Die guten

Beispiele „machen Schule“.

Hier gab es auch im Berichtszeitraum wieder einzelne `neue´ Initiativen (z.B. von der

Ernst-Barlach-Gesamtschule Dinslaken, der Realschule Hamminkeln, der LB-Schule

in Duisburg-Neumühl oder dem Gertrud-Bäumler-Kolleg in Duisburg), die von

Schulen oder z.T. gar von SchülerInnen selbst ausgingen. Hilfreich sind dabei gewiss

die Prozesse zur Entwicklung von Schulprogrammen und –profilen sowie die

Auswirkungen der neueren Richtlinien zur Sexualerziehung in NRW, die allmählich

auch wahr- und ernstgenommen werden.

Erneut möchte der Verfasser in diesem Sektor auf zwei Tendenzen aufmerksam

machen, die zunehmend Anlass zur Sorge bereiten. Zum einen ist dies das

Phänomen einer Art Übersättigung bzgl. AIDS-präventiver Maßnahmen („Nicht schon

wieder AIDS ... Wir wissen nun wirklich inzwischen Bescheid“).

Die sich dahinter verbergenden Haltungen sind nach den Erfahrungen des Verfassers

sowie vieler LehrerInnen allerdings leider kein Spiegelbild für einen ausreichenden

Informations- und Aufklärungsstand bzgl. der Übertragungswege und –risiken und

erst recht nicht bezüglich sprachlicher und kommunikativer Kompetenzen im Feld von

Liebe, Sexualität und Partnerschaft. Sie zeigen eher, dass mehr oder weniger

isolierte oder aber zum falschen Zeitpunkt (weil fern von der intensiven thematischen

Auseinandersetzung oder gar realen Erfahrungen) plazierte AIDS-Aufklärung nicht

(mehr) in erwünschtem Maße greift. Auf den Prüfstand gehören die Informations- und

Vermittlungsmethoden. Die Erkenntnis ist nicht neu, dass AIDS-Prävention mit

Jugendlichen im Kontext von Sexualpädagogik anzusiedeln ist, dass

personalkommunikative Methoden (d.h. „Veranstaltungen von Mensch zu Mensch“,

vgl. BzgA-Ansatz), die an der Lebenswelt der SchülerInnen orientiert sind,

massenmedialen oder eindimensionalen Vermittlungsformen vorzuziehen sind.

Zum anderen beobachten Verfasser und viele Lehrende (aller Schulformen) verstärkt

geradezu antiemanzipatorische Haltungen auf Seiten der Mädchen und jungen

Frauen, die oftmals mit sehr romantischen Liebesidealen einhergehen. Nun wäre

dagegen prinzipiell nichts einzuwenden, wenn dies nicht mit Verlusten an

Selbstbestimmung und Eigenverantwortung – auch im sexuellen Bereich -

einherginge. Damit einher geht aus Sicht des Verfassers eine Renaissance

patriarchalischer –oder sagen wir: klassischer männlicher- Verhaltensausprägungen

auf Seiten der Jungen. Darüber geraten viele „kleine Helden (wieder verstärkt) in Not“

und die kommunikative `Auseinandersetzung´ zwischen den Geschlechtern und damit

hier und dort auch die Durchsetzung individueller Schutzbedürfnisse leiden darunter.

Es bleibt dabei, Emanzipation, Selbstbewusstsein und –bestimmung mit sozialer

Verantwortung und solidarischem Handeln in Einklang zu bringen, ist eine zentrale

Aufgabe von Erziehung, (Aus-) Bildung und Präventionsarbeit.

Auch vor diesem Hintergrund ist ein stabiler Trend der Nachfragen zum Spezialthema

„Homosexualität“ erfreulich. Umso mehr, als auf den Schulhöfen wieder deutlich mehr

verbale Ausgrenzungsattacken zu vernehmen sind. Das passt leider zur oben

beschriebenen Tendenz. Die nach wie vor stark klischeegeprägte Vorstellung vom

„Schwul-Sein“ gilt sehr häufig geradezu als das Antivorbild für Jungen. Trotz aller

gesamtgesellschaftlichen Fortschritte im Feld der Akzeptanz und Toleranz gegenüber


51

gleichgeschlechtlichen Lebensweisen, gilt es hier aus Sicht des Verfassers sehr

genau zu beobachten und frühzeitig den Anfängen neuer Diskriminierungstendenzen

zu wehren.

Hier sei noch einmal der Hinweis gestattet, dass beim Youthworker der AH die sog.

„SCHLAue Kiste“ des MFJFG NRW mit Medien und Materialien zur schwullesbischen

Aufklärungsarbeit prinzipiell auszuleihen ist.

5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche und

Multiplikatoren

Erfreulich war im Berichtszeitraum die Nachfrage nach Präventionsberatungen von

SchülerInnen, die für Fach- oder Projektarbeiten unseren Rat suchten. Dies ist

gewiss auch als Zeichen zu deuten, dass die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

bei vielen Schulen als gute und wichtige Anlaufstelle bekannt ist. Über das direkte

Aufsuchen lassen sich im übrigen leicht denkbare Schwellenprobleme abbauen.

Zudem können wir hierüber natürlich auch unsere Youthwork-Angebote bekannt

machen.

Auch aus dem Bereich berufsbildender Einrichtungen (z.B. das AWO-

Ausbildungszentrum in Duisburg-Huckingen) gibt es vermehrt Anfragen. Hier finden

wir in der Regel wichtige Zielgruppen; Jugendliche im Alter zwischen 16 und 23

Jahren, die oftmals problembehaftete Sozialisationen und einen geringen Grad an

Aufklärungsniveau (z.T. auch migrationsbedingt) aufweisen.

Eine interessante Kooperation entwickelt sich mit dem städtischen Jugendzentrum

„Karo“ in Wesel. Der Bereich der offenen Jugendarbeit ist in Bewegung.

Projektformen in Verbindung mit Präventionseinrichtungen kommen mehr und mehr

in Betracht. Vorteilhaft daran erscheint uns vor allem das „Setting“, in dem sich

Jugendliche hier freiwillig zusammenfinden – ein deutlicher Vorteil gegenüber der

`Zwangsveranstaltung Schule´.

Weiterhin ist zu berichten, dass uns auch aus einzelnen Firm- und

Konfirmandengruppen Anfragen erreichten, die wir sehr gerne bedient haben.

5.6.4 Multiplikatoren- und Erwachsenenbildung

Wie bereits erwähnt, investiert die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. viel in die

Aus- und Weiterbildung ihrer ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, ohne die einfach die

Vielzahl an Anfragen auch aus diesem Präventionsfeld nicht befriedigt werden

könnten. Dies ist und bleibt eine wichtige Aufgabe, der wir uns gerne widmen. Dazu

führen wir u.a. alljährlich zwei intensive Grundlagenausbildungen (s. 6.) im Verbund

mit drei anderen Ruhrgebiets-AIDS-Hilfen durch, um darüber einerseits den

EhrenamtlerInnen eine Möglichkeit zu bieten, ein Einsatzfeld zu finden, dass Ihren

Ressourcen, Fähigkeiten und Neigungen entspricht, und andererseits sie gemäß

unseren Qualitätsstandards auszubilden und zu rüsten und die vorhandene

Motivation zu stärken. Die Gruppe der aktiven EhrenamtlerInnen sind unsere

wichtigste Ressource und die wichtigsten MultiplikatorInnen.


52

Eine weitere ganz wichtige Gruppe von potentiellen MultiplikatorInnen sind in diesem

Präventionsfeld natürlich die Lehrenden in schulischen und außerschulischen

Einrichtungen. Die Anfragen nach Lehrerfortbildungen im Hinblick auf und im Vorfeld

von Projektformen sind leicht steigend. Auch hier ist ein Erklärungsansatz die

Wirkung der neuen Richtlinien zur Sexualerziehung sowie zunehmend offenbar das

bedeutungsvolle Werbemittel der sog. Mundpropaganda.

Das Themenspektrum reicht hier von der Präsentation des aktuellen Wissensstandes

zu HIV und AIDS über die epidemiologische Entwicklung und daraus resultierender

Präventionskonsequenzen und –strategien bis hin zu Aspekten spezieller Fortbildung

im Bereich von Gesprächsführung, Kommunikation und Moderation.

Auch vor diesem Hintergrund erweisen sich die erwähnten

Präventionsvernetzungsaktivitäten als höchst sinnvoll. Darüber lassen sich

Synergieeffekte erzielen, mittelfristig gesehen Ressourcen zusammenführen und

nicht zuletzt Chancen eines ökonomischeren Haushaltens mit den vorhandenen

Kapazitäten entwickeln. Dies scheint uns besonders wichtig zu sein, weil im

Präventionsbereich vorläufig nicht mit einem Ausbau hauptamtlicher Personalstellen

zu rechnen ist.

Umso mehr gewinnt dieses Feld der Multiplikatorenausbildung an Bedeutung. Ein

zentrales Anliegen ist es, die Präventionsthemen und die damit verbundenen Ziele an

Schulen und in außerschulischen (Jugend-) Einrichtungen möglichst ganzjährig zu

plazieren. Geschulte PädagogInnen, ErzieherInnen oder SozialarbeiterInnen und –

pädagogInnen sollten diese repräsentieren, zumindest mit Verweisungskompetenzen

ausgestattet sein und als AnsprechpartnerInnen für die Jugendlichen bekannt sein/

werden.

5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung

Hier sind im wesentlichen Fortbildungsveranstaltungen in Alten- und

Krankenpflegeschulen und bei sonstigen Pflegeanbietern verortet. Auch in diesem

Bereich verzeichnen wir stabile Nachfragen und hocherfreuliche Rückmeldungen.

Insbesondere wird geschätzt, dass wir von der medizinischen Seite bis zu den Tiefen

im psychosozialen Bereich die ganze Bandbreite des komplexen Themenfeldes rund

um das Phänomen „HIV und AIDS“ abdecken können. Nicht zuletzt auch in diesem

Tätigkeitsfeld bewährt sich das „3-Säulen-Modell AIDS-Hilfe“ mit der Verbindung von

Selbsthilfe-, Interessen- und Fachverband sowie der Ansatz der Strukturellen

Prävention.

5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Anzuführen sind hier :

• Beteiligung an der Grundlagenausbildung für EhrenamtlerInnen in der

Ruhrgebietsvernetzung der AIDS-Hilfen

• Präventionsvernetzungsarbeit in Dinslaken und Duisburg

• Vertretung der AH DU / KW e.V. bei den NRW-Youthworker-

Arbeitskreisen und dem Youthwork-Qualitätszirkel (s.o.)

• Beteilung an Pretest-Verfahren beim Youthwork-Förderprogramm-

Controlling des MFJFG, NRW


53

• Koordinierung von haupt- und ehrenamtlichen Einsätzen bei

Informations- und Präventionsprojekten

• Einarbeitung in und Bereitstellung von Materialien für Lehrende und

MultiplikatorInnen

• Beratung von pädagogischen Fachkräften bzgl. der Unterrichts- oder

Projektgestaltung zum Thema HIV und AIDS

• Telefonische und persönliche Informations- und Beratungsgespräche

mit (u.a.) Jugendlichen

• Unterstützung von Jugendvertretungs- und

SchülerzeitungsredakteurInnen

• U.a.m. (Vgl. 4. Öffentlichkeitsarbeit)

6. Ehrenamtliche MitarbeiterInnen: Begleitung, Aus- und

Weiterbildung

6.1 Begleitung der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen

Wir hatten auch in diesem Jahr eine beachtliche Gruppe von aktiven

EhrenamtlerInnen. Wie in den Vorjahren blieb die Anzahl der Aktiven konstant bei

ca. 40 Personen. Die EhrenamtlerInnen kommen aus den verschiedensten sozialen,

sexuellen Orientierungen und politischen Richtungen. Trotz dieser unterschiedlichen

Einstellungen war die Intention bei der Unterstützung der AIDS-Hilfe Arbeit dieselbe.

Alle standen hinter den Aufgaben und Zielen der AIDS-Hilfe um im Sinne der

Betroffenen zu Handeln und diese in den verschiedensten Bereichen zu begleiten.

Diese solidarische Intention kann man sehr gut anhand des Mittwochs Café

„Solidarerleben“ erleben. Hier kann man deutlich die Motivation der AIDS-Hilfe

erkennen, die Grenzen zwischen den verschiedensten Gruppen fließend zu machen.

Diese Arbeit ist stetig und bleibt weiterhin unser Leitmotiv.

In dem Mittwochscafé konnten die EhrenamtlerInnen in der lockeren Atmosphäre

untereinander Ihre Erfahrungen austauschen und bei Komplikationen bezüglich der

Arbeit in der AIDS-Hilfe bzw. persönlichen Umfeld mit den HauptamtlerInnen diese

ansprechen.

Als Dankeschön für die unermüdliche Arbeit unserer EhrenamtlerInnen boten wir im

Dezember eine „kulinarische Reise“ durch die Kochkünste der HauptamtlerInnen an.

Dieses Essen soll das Engagement der EhrenamtlerInnen würdigen. Die Teilnahme

an dem Essen war sehr hoch und wir Danken allen EhrenamtlerInnen für das

entgegengebrachte Vertrauen in die Kochkünste der HauptamtlerInnen.


54

6.2 Schulung neuer ehrenamtlicher MitarbeiterInnen, Aus- und

Weiterbildung

Schulungen für EhrenamtlerInnen

Auch in diesem Jahr konnten wir für die ehrenamtlichen Mitarbeiter zwei

Neuenschulungen anbieten. Diese Neuenschulungen wurden mit den AIDS-Hilfen

Gelsenkirchen, Essen und Oberhausen in Kooperation durchgeführt. Bei den

Schulungen wurden die verschiedenen Arbeitsbereiche der AIDS-Hilfe vorgestellt.

Darüber hinaus wurde die Haltung der AIDS-Hilfe, die medizinischen

Grundkenntnisse und die verschieden Formen der Sexualität bearbeitet und

vermittelt.

Im Vorfeld der Schulung wurden mit den interessierten Personen ein Gespräch

geführt. Zwei HauptamtlerInnen besprachen mit dem Interessierten die Aspekte

Intention, Erfahrungen mit Drogenkonsumenten/Schwulen/Tod und über die

Vorstellungen der Interessierten über die etwaigen zukünftigen Arbeitsfelder. Dieses

Gespräch sollte dem Interessierten die Möglichkeit geben, sich ein Bild über die

AIDS-Hilfe zu verschaffen, um somit für sich zu klären, ob die Arbeit für Ihn/Sie das

Richtige ist.

Externe Fortbildungen

Wie in den Vorjahren gab es für die MitarbeiterInnen die Möglichkeiten der externen

Weiterbildung. Für alle ersichtlich wurden die verschiedenen Angebote an unserem

schwarzen Brett im Flur ausgehangen. Um die Kosten für die Mitarbeiter so gering

wie nur möglich zu halten, konnten die EhrenamtlerInnen ein Kontingent aus dem

Etat der AIDS-Hilfe zu dem Zweck der Fortbildung ausschöpfen.

Themenspezifische Fortbildungen

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. konnte in diesem Jahr eine Klausurtagung

zum Thema Migration anbieten. In Kooperation mit dem Gesundheitsamt Duisburg

und anderen Einrichtungen wurden die verschiedenen Aspekte der Migration für den

Bereich Schwarz-AfrikanerInnen behandelt.

Im Februar konnte, durch die in der AIDS-Hilfe angesiedelte Hepatitis-C Gruppe, eine

Veranstaltung zu den extrahepatischen Manifestationen in Hinblick auf Hepatitis-C

und den neuen Erkenntnissen zu der Interferontherapie angeboten werden.

An externen Weiterbildungen kann sicherlich der im Juli stattgefundene 8. Deutsche

AIDS-Kongress in Berlin hervorgehoben werden. Diese Veranstaltung in Verbindung

mit der Bundespositivenversammlung „Positive-Begegnungen“ wurde von unseren

EhrenamtlerInnen gut besucht.

6.3. Supervision

Interne Supervision für ehrenamtliche MitarbeiterInnen

Die Mitarbeitenden aus dem Beratungs- und Betreuungsbereiche erhielten

regelmäßige Supervision durch einen hauptamtlichen Mitarbeiter

Teamsupervision

Die Teamsupervision für HauptamtlerInnen wurde mit neun Sitzungen jährlich mit

derselben Supervisorin wie in den Vorjahren fortgesetzt. Zwischenzeitlich wurde von


55

der Supervisorin eine Beendigung angedacht, aufgrund der veränderten

Leitungssituation wurde eine Verlängerung für 6 Sitzungen bis zum Februar 2002

vereinbart.

7. Bericht der Verwaltung

Finanzbuchhaltung

Doppelte Buchführung, Kontierung, Monats-/Jahresabschluß, Erstellung der

jährlichen Einnahme-Überschuß-Rechnung und Erstellung des jährlichen

Haushaltsplanes der AIDS-Hilfe, Erstellung von Quartalsübersichten, Kontoführung,

Beleg- und Rechnungsprüfung, ordnungsgemäße Belegablage, allgemeiner

Finanzverkehr, Korrespondenz

Kasse

Verwaltung von Bargeld (Einnahmen und Ausgaben), Ausstellen von Quittungen,

Belegprüfung, Kassenbuchführung, Monatsabschluß, Kassenabstimmung

Personalwesen

Personalführung: Lohn-/Gehaltskarten, Fehlkarten (für Urlaub, Sondertage,

Krankheitstage) Lohnsteuerkarten, Versicherungsnachweis, Lohn-

/Gehaltsabrechnung;

Krankenkassen: An-/Abmeldungen, Beitragsrechnung zur Sozialversicherung

(Kranken-/ Renten-/Arbeitslosenversicherung);

Finanzamt: monatliche Lohnsteueranmeldung und Abführung der Lohn- und

Kirchensteuer;

EDV-Gehalts-Service: Prüfung der Abrechnungs-Journale, Kostenverteilung,

Meldungen und Beiträge an die Berufsgenossenschaft, Fahrt- und

Reisekostenabrechnungen;

Personalmittel: Anträge an Bund, Land NRW und Kommunen,

Zuwendungsbescheide, Verwendungsnachweise, Verwaltungsarbeiten im Bereich

Zivildienst (Personalaktenführung, Soldabrechnung);

Arbeitszeitnachweis: monatliche Ausrechnung der Soll-/Ist-/Überstunden für

Mitarbeitende;

Projekte (Herzenslust, Aufbau einer Selbsthilfegruppe für Migrantinnen, Projekte im

Rahmen JES NRW Projekte zur Förderung der Selbsthilfe 2001)

Finanzielle Antragstellung, finanzielle Überwachung der Projekte, Beantragung von

Auszahlungen, Verwendungsnachweise

DAS-Anträge

Abforderung von zugesagten Geldbeträgen, Auszahlung der Bewilligungen,

Verwendungsnachweise, Rückzahlung überhöhter Auszahlungen


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Bußgeldauflagen

vom Land-/Amtsgericht zugunsten der AIDS-Hilfe; Kontrolle der Bußgeld- bzw.

Bußgeldratenzahlungen, Verwendungsnachweise der Bußgelder gegenüber dem

Gericht, Korrespondenz

Vereinsmitglieder

Kontoführung über gezahlte Vereinsbeiträge, Mahnungen bei Nichtzahlung,

Zuordnung neuer Mitglieder, Nummernvergabe, Mitgliedschaftsbestätigungen

Spenden

Vor- und Nachbereitung der rechtlichen und organisatorischen Spendenformalitäten,

Dankschreiben und Ausstellung von Spendenbescheinigungen, Akquise von

Spenden allgemein und zweckgebundenen Spenden (z. Bsp. Positivenfreizeit)

Terminsachen

Einhaltung von Terminen bei Korrespondenz und Zahlungen, z. Bsp.

Mitgliedsbeiträge der AIDS-Hilfe an diverse Organisationen und Vereine,

Versicherungen, Kfz-Steuer, Lohnsteuer, Krankenkassenbeiträge, Lohn- und

Gehaltsüberweisungen, Verwendungsnachweise, Mieten

Schreibarbeiten

allgemeine Korrespondenz, Protokolle, Konzepte, Statistik, etc...

Zusätzliche Bürotätigkeit

Einkauf von Büromaterial, Inventarbeschaffung, Spritzen, Tupfer, Kondome,

Schleifen, telefonische Beratungsgespräche, Überbrückung von Wartezeiten bei

Klienten und bei Krisenintervention, Vorbereitung für die Jahreshauptversammlung

der Vereinsmitglieder

Wochenendvergabe Methadon

Organisation der Wochenendvergabe, am Freitag bzw. vor Feiertagen Erstellen der

Listen mit den Klienten für die Methadonvergabe in der AIDS-Hilfe Diakoniestation

Duisburg-West, Drogenberatungsstelle der Stadt Duisburg in Walsum, Annahme des

Methadons von den Apotheken und Aufteilung nach den Vergabeorten, Informieren

des für den Hintergrunddienst zuständigen Arztes, Abgabe der Kassetten mit dem

Methadon bei der Kriminalpolizei, bei der Diakoniestation Duisburg-West,

Organisation des Hintergrunddienstes für die Methadonvergabe

Sonstiges

Teilnahme an Teamsitzungen (wöchentlich), Supervision (monatlich), Arbeitskreis

AIDS mit dem Gesundheitsamt, Arbeitskreis AIDS und Drogen (der niedergelassenen


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Ärzte), Fortbildungsseminare für den Bereich Personalwesen (z. Bsp. Angebote der

AOK Rheinland), Telefondienst, Spritzentauschprogramm

8. Übergreifende Selbsthilfeinitiativen

Hier stellen sich die Selbsthilfegruppen, die mit Infrastruktur der AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel e. V. unterstützt werden, mit ihren Tätigkeiten vor. Für die

Inhalte der folgenden Darstellungen zeichnen die Gruppen selbst verantwortlich.

8.1 Jahresbericht 2001 JES-Duisburg e.V.

im letzten jahr gründete sich die arbeitsgruppe jes / eltern 21.july ( nationaler gedenktag der

verstorbenen drogenkonsumentInnen ). die idee dieser zusammenführung beider gruppen

entstand aus dem gedanken heraus die gemeinsamen kräfte zu bündeln um das stetig größer

werdende interesse an diesem gedenktag optimal nutzen zu können um so erfolgreicher

arbeiten zu können.

im gleichen zeitraum begannen auch die vorbereitungen zur 15 jahrfeier der aids-hilfe

duisburg kreis wesel e.v. bei der jes mit einem infostand sowie der mitarbeit an der tombola

am averdunkplatz vertreten war.die drogenpolitischen themen die durch unsere jes-gruppe

publik gemacht wurden stießen bei den besuchern auf reges interesse.

über alldem schwebten die vorbereitungen zur gründung eines eigenen jes e.v. da erstmalig

für die bundesweiten jes-gruppen projektgelder zur verfügung gestellt werden sollten. Um die

gunst dieser stunde zu nutzen, unterstützte die duisburger aids-hilfe unser vorhaben und

übernahm die patenschaft des projekts“ kontakt und informationsstelle für

drogengebraucherInnen“ bis zum ende des jahres..

in kooperation mit der hiesigen spd veranstalteten wir in der duisburger innenstadt einen

aktionstag bei dem es um die themen „o-stoff und druckräume“ gehen sollte.

Der wunsch der spd diese veranstaltung mit uns gemeinsam durchführen zu wollen zeigt

wieder einmal wie ernst die drogenselbsthilfe mittlerweile von den politischen parteien

genommen wird.

der 21july der nationale gedenktag für verstorbene drogengebraucherInnen stand in diesem

jahr unter der schirmherrschaft von frau caspers-merk. es sollte nicht nur ein tag des

gedenken sein sondern auch ein tag der aktionen und des protestes. in zusammenarbeit mit

der aids-hilfe duisburg kreis/wesel e.v.und der diakonie duisburg fand in der innenstadt eine

mehrstündige informationsveranstaltung statt, zahlreiche vertreter aus politik und presse

waren vertreten so dass die aktuellen themen in den regionalen zeitungen platzziert werden

konnten. gegen 12.00uhr ließen wir und die mittlerweile eingetroffenen angehörigen und

bekannten von verstorbenen, schwarze luftballons mit namensschildern in die luft steigen.


58

der „erste arbeitstag der bundesweiten selbsthilfe gruppen“ fand in diesem jahr in oberhausen

im centro o statt. unter dem motto hapatitis-c besetzten wir dort zusammen mit der duisburger

hepatitis gruppe einen stand und verteilten informationsmaterial speziell zu diesem thema.

das interesse der „normal“ bevölkerung an den hepatitiden wird mittlerweile mit großer

aufmerksamkeit wahrgenommen.

im september war es dann endlich soweit 30 gründungsmitglieder fanden sich in der

friedenstrasse ein und gründeten jes duisburg e.v. so dass im oktober die eröffnung unseres

mittlerweile angemieteten ladenlokals als büroräume stattfinden konnte. Hier gilt noch mal

einen ganz besonderen dank an die kollegen der aids-hilfe ohne deren mitarbeit und der

unerschütterliche glaube an die jes idee wir heute nicht soweit wären.

auch war das vergangene jahr geprägt von den diversen arbeitskreisen streetwork

veranstaltungen und seminaren.an denen einzelne jeslerInnen oder die gesamte jes-gruppe

beteildigt waren.

fazit: das jahr 2001 war vornehmlich von umbrüchen geprägt. zum einen wurde die

legalisierung der druckräume verabschiedet zum anderen wurden die originalstoffvergabe als

projekt mit begleitender studie zugelassen.

leider kommen die veränderungen nur in wenigen regionen zum tragen. die legalisierung von

druckräumen scheitert in den meisten städten an der aktuellen politischen lage sowie den

finanzen; der „genuss“ von originalstoff bleibt einigen wenigen vorbehalten, namentlich den

schwerstabhängigen, die auf grund ihrer lebenssituation leider nicht in der lage sind die

geforderte compliance über einen längeren zeitraum überhaupt einzuhalten. in anbetracht

dieser tatsachen wäre es überlebensnotwendig, die hochschwelligen vergabemodalitäten

herunter zu schrauben. ein weiterer kritikpunkt an dem bisherigen modell ist der umstand der

sehr begrenzten teilnehmerkapazität.

trotzdem haben diese beiden wesentlichen punkte zur verbesserung der situation von

drogengebraucherInnen im gesundheitssystem für die duisburger drogenszene noch keine

rolle gespielt, da beide punkte zur verbesserung der situation von drogengebrauchern im

gesamtgesundheitssystem noch keine rolle gespielt, da es in duisburg zur zeit noch darum

geht die substitution mit methadon auszubauen, entgiftungsplätze zu schaffen, straßenarbeit

als aufsuchende hilfe zu etablieren und notschlafplätze einzurichten.

8.2. GAY nach Wesel

GAY nach Wesel

Jahresbericht 2001

von Werner Sondermann.

Im Jahr 2001 konnte die Schwulengruppe, GAY nach Wesel, auf 11jährige ununterbrochene

Tätigkeit zurückblicken. Seit nunmehr 11 Jahren findet wöchentlich jeden Mittwoch von 19 –

21 h ein Gesprächskreis für Schwule statt. Auch im letzten Jahr war das Interesse an diesem

Austausch ungebrochen. Neben denjenigen, die schon seit längerer Zeit diesen

Gesprächskreis aufsuchen, kamen auch im Jahr 2001 einige neue Teilnehmer dazu, die ein

solches Angebot für sich nutzten konnten. Die über 500 Gruppenabende am Mittwoch wurden


59

von mir auf der Basis klientenzentrierter Gesprächstechnik mit analytisch-psychologischer

Orientierung moderiert. Häufig erscheinen schwule Teilnehmer die ihre Interessen und

Themen intensiver besprochen haben wollen als in anderen Schwulengruppen üblich. Da das

Konzept der Weseler Schwulengruppen eher selten ist, wurde sie dadurch umso bekannter.

Einige Schwule nehmen lange Anfahrtstrecken in Kauf um zu uns zu kommen. Ebenso

ungewöhnlich ist die große Altersmischung von 18 bis über 60 Jahren. Hier findet eine

generationsübergreifende schwule Basisarbeit, ein wechselseitiges Zuhören, Lernen und

Begreifen des Anderen statt. Die wesentlichsten Ziele der Gesprächsgruppe ist die Festigung

des Selbstwertgefühls, die Akzeptanz des eigenen Schwulseins und die Erlangung und

Festigung eigener Kompetenzen zur Konflikt- und Problemlösung.

Zusätzlich zu diesem Gruppenangebot findet mittwochs auch eine Telefonberatung für

Schwule statt. Diese Beratung ist ebenfalls auf klientenzentrierter Gesprächsbasis.

Manchmal findet hier auch lediglich Erstkontakt zur Gruppe statt.

Über das beratende Setting hinaus findet jeden Sonntag auch noch zusätzlich ein

SonntagsCafé auf 16 Uhr statt. Hier geht es um gemütliches Zusammensitzen und Plaudern.

Kaffee und Kuchen stehen zur Verfügung und werden durch eine kleine Umlage abgerechnet.

Dieses SonntagsCafé wird von Gerd Wochnik, einem weiteren Aktiven der Weseler

Schwulenszene, seit Jahren erfolgreich gestaltet. Der Zuspruch zum SonntagsCafé ist ebenso

rege, wie der zum mittwöchlichen Gesprächskreis.

Trotz schwuler „Ehe“ und allgemeiner liberaler Situation in der Gesellschaft gegenüber

schwuler Thematik, ist aus der Beratungstätigkeit des letzten Jahres doch zu erkennen, das

eine intensive Weiterführung solcher Angebote für Schwule, wie das in Wesel, dringend

nötig ist. Klare Bekundungen von Schwulen im Gesprächskreis weisen ganz deutlich darauf

hin. Manche sagen dann immer ... eigentlich fängt die Woche erst am Mittwoch an.

von

Werner Sondermann

Dipl. Sozialpädagoge

Weidenweg 22

46485 Wesel

8.3. Hepatitis

Selbsthilfe bei Hepatitis C

Im Haus der Aidshilfe Duisburg

Jahresbericht 2001 der Hepatitis C Selbsthilfegruppe

Auch im Jahr 2001 hat sich die Gruppe keinem Verband angeschlossen. Mitte

Des Jahres machte Andrea Täufer den Vorschlag, das die Gruppe sich der JES–


60

Selbsthilfe anschließen könnte. Dieser Vorschlag wurde diskutiert, aber von der

Mehrheit abgelehnt.

Immer noch trifft sich die Gruppe jeden ersten Mittwoch im Monat in den

Räumen der Aidshilfe Duisburg. Die Gruppenstärke hat sich vermindert, die

Teilnehmerzahl von ca. 15 Betroffenen wird nicht mehr erreicht. Es hat sich

jedoch ein „harter Kern“ gebildet, wodurch die Probleme der einzelnen

Betroffenen mehr in den Vordergrund rückten. Die feste Teilnehmerzahl beträgt

z.Zt. ca. 10 Betroffene.

Im Februar 2001 veranstaltete die Gruppe ein Arzt–Patienten–Seminar mit Dr.

Quabeck und Professor Petrasch, die Veranstaltung war mit ca. 30 Betroffenen

gut besucht und fand großen Anklang. Da nicht alle Fragen an diesem Abend

geklärt werden konnten, kam Dr. Quabeck im April nochmals in die Selbsthilfe

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit nahm die Gruppe am Oberhausener

Selbsthilfetag und an der 15–Jahresfeier der Aidshilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V.

teil. Darüber hinaus fand im August beim Bürgerfunk Duisburg eine

Radiosendung zum Thema Hepatitis C statt. Die Gruppe wurde durch Franz

Schneider vertreten. Als weiteren Teilnehmer hatte die Gruppe Professor

Petrasch eingeladen.

Kooperation mit anderen Gruppen:

• Vortrag bei den Guttemplern, durchgeführt von Andrea Täufer und Franz

Schneider

• Knastprojekt in Zusammenarbeit mit der Aidshilfe Duisburg/Kreis Wesel

e.V. fand wegen der Unflexibilität der Gefängnisleitung nicht statt.

• Fortbildung für Ansprechpartner am 27.+28.10.01, die Gruppe wurde

durch Karin Helbing vertreten

Die bisherige Ansprechpartnerin Andrea Täufer ist aus privaten Gründen nicht

mehr in der Lage ihr Amt auszuführen. Ein neuer Ansprechpartner ist noch nicht

gefunden worden. Durch den plötzlichen Wegfall der bisherigen

Ansprechpartnerin muß sich die Gruppe erstmal neu organisieren.

8.4 SHALK – Selbsthilfegruppe Homosexueller Alkoholiker

SHALK zählte zum Ende des Jahres 2001 etwa 20 Gruppenbesucher wöchentlich.

Wie bereits in den vergangenen Jahren kommen die Besucher aus ganz

Nordrhein-Westfahlen, seltener auch aus Luxemburg und den Niederlanden.

Zu 95% besuchen homosexuelle Männer SHAlk, seltener homosexuelle Frauen.

Die Treffen finden nach wie vor in den Räumen der Aids-Hilfe Duisburg/kreis Wesel,

Freitags um 19.30 statt.


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Die Anfrage der Fachkliniken aus Nordrhein-Westfahlen, seltener auch Hessen und

den Niederlanden nach Infomaterial, Erstgesprächen und Einladungen, nehmen stetig

zu. Unser Flyer wurde auch in englisch, niederländisch und polnisch übersetzt,

türkisch soll in diesem Jahr folgen.

Die enormen Kosten zum Druck unseres Infomaterials, Reisekosten zu den

Fachkliniken, die finanziellen Beiträge an mittellose Gruppenbesucher für

z.B. Reisekosten zu den Gruppenveranstaltungen, sowie Mitgliedsbeiträge, haben

unsin ernste finanzielle Schwierigkeiten gebracht.

Trotz intensiver Bemühungen (z.B. Rundbriefe an die Amtsgerichte durch den

Förderverein SHAlk e.V.) hielten sich die Spenden in Grenzen.

Eine Privatspende von 100,-DM und eine Spende der AOK von 180,-DM, waren im

Jahr 2001 die einzigen Spenden, den Rest haben einige wenige Gruppenmitglieder

aufgebracht.

Die Austauschtreffen mit der SAAG aus Frankfurt fanden wie in den vergangen

Jahren wieder im Mai und Oktober statt. Für das Jahr 2002 ist bis jetzt nur der

Besuch

Der SAAG am Niederrhein geplant, den Gegenbesuch nach Frankfurt werden wir

kurzfristig anhand unserer finanziellen Situation entscheiden müssen.

Die Webseite www.shalk.de wurde weiter ausgebaut, einige Arbeit wartet hier aber

noch auf uns.

Der Förderverein SHAlk e.V. zählt zur Zeit 14 aktive und 2 passive Mitglieder.

Mitglied kann nach wie vor jeder werden, der die Arbeit von SHAlk unterstützen

möchte.

Mitgliedsbeiträge sowie Spenden sind steuerlich absetzbar, da die Gemeinnützigkeit

des Vereins durch das Finanzamt anerkannt ist.

Knut Dehnen (Vereinsvorsitzender)

8.5 Junge UnSchuLD

Jahresbericht „Junge Unschuld“ 2001 / 2002

Die Junge Unschuld ist als schwul lesbisch bisexuelle Jungendgruppe für den Großraum

Duisburg bereits im achten Jahr in Folge tätig.

Im Mittelpunkt der Gruppenaktivitäten standen auch im vergangenen Jahr regelmäßige

Gruppenveranstaltung in den Räumen der Aidshilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. Neben den

„Offenen“ Abenden. waren vor allen Kochabende sehr beliebt und gut frequentiert. Aber

auch Spiele-, Tee- und Videoabende wurden häufig angeboten. Als neues Highlight wurden

Tanzabende ins Programm aufgenommen, die eine Einführung in die Kunst der

Standardtänze realisierten. All diese Aktivitäten dienten der Umsetzung des Konzeptes des

„erklärungsfreien Raumes“, d.h. Jugendlichen wird ein Raum geboten, in dem sie sich wohl


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fühlen und ohne äußeren Druck ihre sexuelle Orientierung als etwas Normales hinnehmen

können. Sie sehen sich nicht in dem Handlungszwang ihre Wünsche und Bedürfnisse zu

erklären, bzw. zu rechtfertigen. In diesem Rahmen fanden auch außerhalb des

Dienstagstermins Veranstaltungen statt: so wurden unter anderem Grillpartys, Picknicks oder

ein Schwimmen am Entenfang organisiert.

Zudem wurde das oben beschriebene Konzept durch weitere Aktivitäten (meist am

Wochenende) unterstützt, die auch eine Einführung in die facettenreiche schwul-lesbische

Szene darstellten. Im Sommer wurden oft Ausflüge zum Angermunder Badesee

unternommen. Der CSD in Köln wurde gemeinsam besucht. Des Weiteren wurde

Kneipentouren in Düsseldorf und im Duisburger Norden (sog Nord-Touren, incl.

Dinslaken) arrangiert. Ein Gruppenfahrt nach Berlin wurde im Rahmen des „Warmen

Winters“ zum Jahresende angeboten. Für die Berlinfahrt wurde beim AkDuLuS e.V. ein

finanzieller Zuschuss beantragt. Dabei wurden neben Partys und ähnlichen auch Workshops

(Safersex, etc.) besucht. Zudem konnten Kontakte zu anderen Jugendgruppen geknüpft oder

gefestigt werden. Leider war die Junge Unschuld im vergangenem Jahr nicht mehr in der

LAG Jugend tätig.

Auf dem Straßenfestes zum 15 jährigen Bestehens der Aidshilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. war die Junge Unschuld mit einem eigenen Stand vertreten. Neben den nun (mit Mitteln

des AkDuLuS e.V.) farbig gedruckten Flyern wurde die Öffentlichkeitsarbeit vor allem

durch das Internet geleistet. Die eigenen Homepage (http://www.junge- unschuld.de) wurde

gepflegt und ausgebaut. Neben einem Duisburg-Szeneguide, werden auch zahlreiche Links

geboten. Vor allem das Forum wurde stark genutzt; hier wurde diskutiert und geplaudert.

Eine extra eingerichtete Seite für Buchrezensionen rundet das Informationsangebot ab.

Seit Januar dieses Jahres wird die Graderobe der WarmUp! - Party wieder durch die Junge

Unschuld betrieben, so dass sich die finanzielle Situation für die Gruppe gebessert hat.

Zuvor war man vor allen auf die Unterstützung durch den AkDuLuS e.V. (Projektförderung)

und die Aidshilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. (Räume, etc). angewiesen.

Die Duisburger Gruppe zählt zurzeit etwa 35 Mitglieder, die im gesamten Ruhrgebiet und den

Niederrhein verteilt leben. Ein weit gefächertes Repertoire an Angeboten ist auch im

kommenden Jahr geplant.

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