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raphael12130

Vorstand / Team Vorstellung

Der Vorstand der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. stellt sich vor:

Rainer Wille, Karl-Heinz Lemke, Silke Stützel, Peter Külpmann, Rolf Ringeler

(von links nach rechts)


Das Team der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. stellt sich vor:

seit

8.1997

Dietmar Heyde

Youthwork, Prävention in

der Allgemeinbevölkerung,

Öffentlichkeitsarbeit,

Geschäftsführung

seit

4.1998

seit

Ralf Runniger

Begleitung von Menschen

mit HIV und AIDS, Drogen,

Ehrenamtlerkoordination

seit

11.2000

Rüdiger Wächter

Begleitung von Menschen

mit HIV und AIDS,

Herzenslust Koordinator,

Prävention für Menschen

in Haft, Koordination

Beratung

seit

9.2003

Werner Garbe

Verwaltung und

Organisation,

Beratung

seit

11.2009

Petra Kurek

Begleitung von Menschen

mit HIV und AIDS,

Frauen,

Migration, XXelle

Koordinatorin

seit

10.2000

Uwe Altenschmidt

Teamleitung

Herzenslust

seit

Raphael Diaz Fernandez

10.2010

Zivildienstleistender,

Layouter u.a.

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Geschäftsbericht für das Jahr 2010

Geschäftsbericht für das Jahr 2010

„POSITIV ZUSAMMEN LEBEN. Aber sicher!“ – so lautete das neue Kampagnenmotto zum Welt-AIDS-Tag 2010,

welches zwar erst zum 01. November bundesweit gestartet ist, aber dennoch den Jahresbericht einleiten soll, denn

es steht für einen wichtigen Paradigmenwechsel, der in diesem Jahr vollzogen wurde.

Erstmalig in der bundesdeutschen AIDS-Präventionsgeschichte rückten die wichtigsten Dachorganisationen

(Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit, Deutsche

AIDS-Stiftung und Deutsche AIDS-Hilfe) vom Focus „Gemeinsam gegen AIDS“ mit schwerpunktmäßiger Ausrichtung

auf die Primärprävention ab und wandten sich dem (Zusammen-) Leben mit HIV-positiven oder an AIDS erkrankten

Menschen zu.

Ein unseres Erachtens durchaus mutiger und zugleich konsequenter Schritt in die Aktualität. Denn zum einen trägt

dies dem medizinischen Fortschritt Rechnung, der heute Menschen mit HIV und AIDS – bei frühzeitiger Diagnose

und rechtzeitiger Behandlung – eine nahezu „normale“ Lebenserwartung bescheren und häufig auch mit einer deutlich

verbesserten Lebensqualität einher gehen kann.

Somit ist es an der Zeit, sich zum anderen stärker dem gleichsam gesellschaftlichen Teil der Erkrankung zu widmen.

Denn nur begrenzt weiterentwickelt ist die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit HIV und AIDS. Die einzigartige

Verknüpfung der HIV-Infektion mit Tabuisierungs-, Stigmatisierungs- oder gar Diskriminierungspotentialen ist

nach wie vor gegeben – oder vielleicht sogar wieder gewachsen – in der Gesellschaft, am Arbeitsplatz oder auch im

engsten sozialen Umfeld.

Insofern halten wir die Neuausrichtung der Kampagne für gelungen, denn sie zielt auch darauf, viele Menschen und

Institutionen zusammen zu bringen, die sich für Respekt, Toleranz und Unterstützung und gegen Unwissenheit und


Gleichgültigkeit engagieren. Denn eines bleibt: HIV/AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten gehen uns

alle an und gemeinsam erreichen wir mehr!

Gerade auch wegen der medizinischen Fortschritte, die inzwischen auch eindeutig günstige Effekte für die Primärprävention

bringen, brauchen wir ein Klima, in dem Betroffene nicht ausgegrenzt werden, sondern offen und selbstbewusst

mit ihrer Infektion umgehen und Ungetestete die Bereitschaft für einen HIV-Test entwickeln können, um überhaupt

Aussicht auf die oben angesprochenen Optionen bekommen zu können. „Nur so können wir alle verantwortungsvoll

mit HIV umgehen – und positiv zusammen leben“ – heißt es in der Faltbroschüre zur Welt-AIDS-Tags-

Kampagne 2010 zu Recht.

„HIV/AIDS-Prävention bleibt Herausforderung“ – wird der im Dezember 2010 vorgelegte Entwurf zur

„Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention in NRW“ der Landesregierung (der erste Teil einer neuen Landespräventionskonzeption

mit dem Schwerpunkt: „Neuinfektionen minimieren“) eingeleitet. Das ist angesichts der enormen

Dynamik in den Feldern von virologischen, immunologischen und insbesondere auch epidemiologischen Erkenntnissen

völlig richtig. Bestätigt wird dieser Satz zudem durch das Paradoxon, „dass aufgrund der guten Behandelbarkeit

immer mehr Menschen mit HIV in Deutschland leben, gleichzeitig die Krankheit aber immer unsichtbarer wird

…“ (BZgA aktuell, 11/2010).

Allerdings sind wir in Deutschland in der glücklichen Lage, auf eine mehr als 25-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken

und darauf aufbauen zu können. Denn der Ansatz der „Strukturellen AIDS-Prävention“ der Deutschen-AIDS-

Hilfe, die zielgruppenspezifischen Ansätze sowie die praktizierte Arbeitsteilung zwischen staatlichen und nichtstaatlichen

Organisationen sind eine ausgesprochen gute Basis für stete Weiterentwicklung einer erfolgreichen Arbeit.

Mit einer bundesweiten HIV-Inzidenz von etwa 3000 Neuinfektionen für das Jahr 2010 (RKI Daten zum WAT vom

22.11.10) stellt Deutschland weiterhin eine der niedrigsten Inzidenzraten in Europa.

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Geschäftsbericht für das Jahr 2010

Für NRW geht das RKI von ca. 700 Neuinfektionen 2010 aus.

In Duisburg liegt die Inzidenzrate für 2010 bei 0,81 pro 100.000 Einwohnern = vier Neudiagnosen (Stand vom

01.11.2010; Vgl. 2009: 2,23), wobei u. E. aber auch ein verschlechtertes und recht hochschwelliges Testangebot zu

berücksichtigen ist; im Kreis Wesel liegt die Inzidenz realistisch geschätzt bei 1,14 (Stand 01.11.10 (entspricht etwa

7,5 Fällen im Berichtsjahr; Vgl. 2009: 2,81); also in beiden Regionen auf einem ungewöhnlich niedrigem Niveau. In

dieser Rubrik der Neudiagnosen ist zu berücksichtigen, dass es sich um Erstmanifestationen und nicht zwingend um

Neuinfektionen aus dem Erhebungsjahr handelt.

Zu berücksichtigen ist sicher eine nicht zu beziffernde Quote von Menschen, die sich –z.T. aus Anonymitätsgründenan

anderen Orten testen lassen. Und möglicherweise spielt dabei auch das in diesem Jahr erneut medien- und öffentlichkeitswirksam

ergangene Urteil mit Bewährungsstrafe gegen die Sängerin der „No Angels“, Nadja B., eine Rolle.

Denn es signalisiert auch: Unwissenheit schützt vor Strafe!

Wir können nur hoffen, dass sich hier was ändert und die Eigenverantwortung eines jeden (also auch von Ungetesteten

oder noch HIV-negativen Menschen) Einzug in das (auch juristische-) Denken hält. Alles andere wäre nicht nur

für die erfolgreichen Präventionsbemühungen äußerst kontraproduktiv, sondern birgt wiederum anachronistisches

Diskriminierungspotential.

Gemessen an der noch im Jahre 2008 formulierten Erwartung aber, „dass die registrierten Neuinfektionen auch in

den nächsten Jahren steigen werden“ (BZgA aktuell, 07/2008, S. 2) ist dieses Niveau als großer Erfolg zu werten,

was insbesondere unsere Region betrifft.

Das zeigt: Prävention wirkt! Der „deutsche“ Ansatz der strukturellen Prävention, der zielgruppenspezifischen Information-

und Aufklärung in Arbeitsteilung zwischen öffentlichem Gesundheitswesen und nichtstaatlichen Trägern, professionellen-

und Selbsthilfeakteuren, mit massenmedialen und personalkommunikativen Strategien ist im Unterschied

zu repressiven Ge- und Verbotsstrategien oder moralisierenden Abstinenzansätzen eindeutig erfolgreicher.

Doch auch wenn in Deutschland eine vergleichsweise günstige Situation erreicht werden konnte, dürfen wir in unserer

Arbeit nicht nachlassen, müssen die etablierten Strukturen erhalten werden, um die Erfolgsgeschichte weiter zu

schreiben, um nicht zuletzt auch die wirtschaftlichen Einspareffekte von preiswerter und wirksamer Prävention gegenüber

nach wie vor teurer Therapie zu halten.

Mit dem Paradigmenwechsel, dass die antiretrovirale Therapie als originär sekundär- und tertiärpräventives Instrument

mittlerweile Teil einer Primärpräventionsstrategie ist, müssen u.a. die folgenden Erkenntnisse Berücksichtigung

finden:

Eine möglichst frühe Diagnosestellung ist nicht nur sinnvoll, um dem Infizierten eine frühe Auseinandersetzung

mit der Infektion, die Chance auf eine längere asymptomatische Zeit zur Annahme und Verarbeitung zu ermöglichen,

Erhalt von Therapieoptionen und möglichst selbstbestimmten Entscheidungen zu wahren sowie

natürlich sich mit der eigenen potentiellen Infektiösität zu beschäftigen.

Eine frühe Diagnose ist insbesondere bedeutungsvoll, weil wir heute wissen, dass vermutlich mehr als 50 % der

Neuinfektionen von „Frisch-Infizierten“ stammen, die nichts von ihrer Infektion wissen, weil sie kein Risikobewusstsein

entwickelt haben oder weil sie noch im Bereich des diagnostischen Fensters sind und somit ihren

Status gar nicht wissen können.

Demzufolge muss sowohl die Aufklärung unvermindert oder besser noch intensiver fortgeführt als auch die Testbereitschaft

gefördert werden.

Letzteres gilt vor allem für besonders riskierte Gruppen, z.B. für besondere Netzwerke in der Gruppe der sog. MSM,

Männer, die Sex mit Männern haben (s. 5.1.).

Die Bedeutung der Einbeziehung und weiteren Verbesserung von STI (sexual transmitted infections)-

Diagnostiken, Screening-Möglichkeiten (inkl. deren Finanzierung etwa als Kassenleistung – zumindest für

besonders riskierte Gruppen) und spezifischer Aufklärung und Beratung wird wachsen, weil vorliegende

STI`s das HIV-Infektionsrisiko enorm steigern.


Auch diese Erkenntnis ist in konsequenter Weise in den o.a. Entwurf der Landesregierung eingeflossen (s. ebd. S. 3),

der insgesamt auf der Höhe der fachwissenschaftlichen Diskussion ist, wie die nachfolgende Passage untermauert:

„Da Menschen, die durch HIV besonders gefährdet sind, eine sehr heterogene Gruppe bilden, besteht die Herausforderung

erfolgreicher Prävention darin, die Maßnahmen so zu gestalten, dass sie die jeweiligen Zielgruppen tatsächlich

erreichen. Wichtig ist, dass die sexuelle Orientierung, geschlechtsspezifische Faktoren sowie kulturelle Hintergründe

konsequent berücksichtigt werden.

Besonderes Augenmerk muss dabei auch auf Menschen gerichtet werden, die aufgrund sozialer, kultureller und persönlicher

Faktoren ihre Gesundheit nicht ausreichend schützen können. HIV/AIDS-Prävention muss deshalb zukünftig

stärker mit Maßnahmen der Gesundheitsförderung verknüpft werden“ (a.a.O.; S. 3).

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel mit ihrem traditionellen Auftrag der zielgruppenspezifischen Prävention arbeitet

schon immer nach diesem Grundsatz. Um diesen Ansatz, das Know-how und die damit verbundenen Angebotsmöglichkeiten

auch unseren Nachfragern und Kunden konsequenter transparent zu machen, haben wir unserem Vereinsnamen

nach Rücksprache mit unseren Zuwendungsgebern im Jahre 2009 den Zusatz Fachstelle für sexuelle

Gesundheitsförderung gegeben.

Im Unterschied zu HIV / AIDS ist im Übrigen bezüglich der STD`s zu konstatieren, dass das Aufklärungsniveau in der

Bevölkerung darüber weitaus geringer ist und wir hier vor großen Präventionsherausforderungen stehen, weil die Botschaften

immer komplexer und differenzierter werden.

Dies müssen wir u.E. aber in gleicher Weise aufgreifen wie bei der erfolgreichen HIV-Prävention, nämlich in lebensstilakzeptierender

Weise und im Sinne der WHO-Charta zur Gesundheitsförderung. Das heißt, wir sollten auch hier

emanzipatorische und identitätsstärkende Verhaltens- und Verhältnisprävention umsetzen.

Die medizinischen Chancen bzw. Erfolge und ihre primärpräventiven Effekte haben natürlich auch eine enorme

Bedeutung für die Begleitungsarbeit. Sie untermauern immer mehr die Wichtigkeit einer besonders guten

und lebenslangen Adhärenz oder Compliance (Therapieeinnahmedisziplin). Diese kann nur bei psychisch

starken Identitäten und unter möglichst stabilen Lebensumständen gelingen. Entsprechend gilt diesem Zusammenhang

besonderes Augenmerk; es geht um die Förderung einer möglichst guten Lebensqualität und

die Mobilisierung der individuellen und allgemeinen Lebenskompetenzen unter Berücksichtigung der persönlichen

Ressourcen.

Diese Ausrichtung prägt schon länger unsere Leitlinien für die Begleitungsarbeit von Menschen mit HIV und AIDS

und findet fortwährend Berücksichtigung bei der Auswahl von Fort- und Weiterbildung unserer ehren- und hauptamtlichen

Mitarbeiter/innen.

„Älter werden mit HIV“ ist weiterhin das Schwerpunktthema im Bereich der Sekundär- und Tertiärprävention

und zieht neue medizinisch-therapeutische - wie natürlich auch psychosoziale Begleitungserfordernisse

nach sich. Eine sich häufende Frage ist hier etwa die nach einer (Re-) Integration in das Erwerbsleben.

In diesem Zusammenhang ist auch das medizinische Versorgungssystem weiterhin gefordert, multi- und interdisziplinärer

zu screenen, also gleichsam die sehr fokussierte HIV-Behandlungsbrille immer wieder auch zu heben und auf

potentielle Koinfektionen und auch auf nicht-HIV-assoziierte Erkrankungen sowie „normale“ Alterungsprozesse zu

schauen. Es gilt, Aspekte der Vorsorge und Früherkennung hinsichtlich Tumor-, Herz-Kreislauf- und orthopädischen

Erkrankungen stärker zu berücksichtigen. Dazu muss es u. E. möglich sein oder werden, bei HIV-positiven Menschen

sicherlich auch schon mal vor den von den GKV-Richtlinien anempfohlenen Altersphasen abrechnungsfähige Untersuchungen

durchführen zu können!

Die geschilderten Zusammenhänge, Analysen und Schlussfolgerungen werden in deutlicher Weise von der Kommission

der Europäischen Gemeinschaften in ihrem Aktionsplan gegen HIV und AIDS für die Jahre 2009 – 2013

bekräftigt, in dem es einleitend heißt: „Von entscheidender Bedeutung in der Bekämpfung von HIV/Aids ist es daher,

die Prävention zu intensivieren, - dies nicht zu tun, hieße Menschenleben aufs Spiel zu setzen und Ressourcen zu

vergeuden. (…) Die beste Antwort auf die Epidemie bleibt eine Kombination von gesundheitsspezifischen und umfassenderen

Sozialmaßnahmen. Ein Ende des Leidens ist nicht abzusehen, wenn nicht die Prävention beschleunigt und

der allgemeine Zugang zu Behandlung, Versorgung und Unterstützung für alle Betroffenen gewährleistet

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Geschäftsbericht für das Jahr 2010

wird.“ (Aktionsplan zur Bekämpfung von HIV/Aids in der Europäischen

Union und in den Nachbarländern 2009-2013, Brüssel, KOM(2009) 569/3, S. 2). Wichtigste Voraussetzungen

sind für die Kommission „evidenzbasierte Präventionsstrategien, die den lokalen Gegebenheiten Rechnung tragen

und auf die prioritären Gruppen zugeschnitten sind“ (ebd., S. 7).

Der Ansatz der strukturellen Präventionsarbeit im Kontext von Gesundheitsförderung hat sich hier eindeutig

bewährt. Angesichts der epidemiologischen Daten in Deutschland erweist sich die zielgruppenspezifische Präventionsarbeit

als immer bedeutungsvoller. Präventionsmittel und –maßnahmen müssen demzufolge dort zur Verfügung

stehen, wo sie besonders benötigt werden – z.B. in Bereichen von (Beschaffungs-) Prostitution oder bei der Versorgung

von Suchterkrankten (s. 5.2.) und eindeutig im Bereich von homo- und bisexuellen Männern, insbesondere in

besonderen MSM-Netzwerken, die bisher nur unzureichend erreicht wurden (s. 5.1.). Ein weitere sehr wichtige Zielgruppe

stellen Menschen in Haft dar, wo wir leider immer noch höhere Infektionsgefährdungspotentiale (besonders

bzgl. der Hepatitiden B und C, aber durchaus auch bezogen auf HIV) konstatieren, die im Wesentlichen in den hygienisch

höchst bedenklichen (Drogen-) Konsumbedingungen begründet sind (s. 5.3.).

„Unverzichtbar ist dabei nach wie vor die Primärprävention für Kinder und Jugendliche. Wichtig ist, HIV/AIDS-

Prävention als Teil von Gesundheitsförderung und Sexualaufklärung zu verstehen und Jugendliche frühzeitig zu Beginn

ihrer sexuellen Aktivität zu erreichen“ (Entwurf zur Weiterentwicklung, a.a.O., S. 3; s. 5.6.).

Ein vielfach betonter und wichtiger Faktor für den bisherigen Erfolg ist das gelungene und gelingende Zusammenwirken

von Bund, Ländern und Kommunen (vgl. auch Aktionsplan zur Umsetzung der HIV/AIDS-

Bekämpfungsstrategie der Bundesregierung, März 2007) sowie von Öffentlichem Gesundheitsdienst und verschiedenen

nichtstaatlichen Trägerstrukturen wie den AIDS-Hilfen und die abgestimmten Aufgabenverteilungen – so auch

im Kreis Wesel und in der Stadt Duisburg. Wir möchten an dieser Stelle betonen, dass wir diese synergetische Strategie

in unserer Zusammenarbeit im Wesentlichen umgesetzt sehen und dass wir es für wichtig erachten, dass die

partnerschaftliche und partizipative Kooperation erhalten und günstigenfalls gestärkt wird („Gemeinsam gegen

AIDS“).

Genau dies ist wird nicht nur im Bundes-Infektionsschutzgesetz und dem Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst

(ÖGDG) des Landes NRW, sondern in dem schon erwähnten Entwurf zur „Weiterentwicklung der HIV/AIDS-

Prävention in NRW“ vom Dezember 2010 in erfreulich klarer Weise betont.

Dies alles erfordert natürlich personelle und materielle Ressourcen, verbunden mit zeitlichen Perspektiven. Nur so

können einerseits nachhaltige Effekte erzielt werden und andererseits flexible Anpassungsprozesse an epidemiologische

und soziodemographische Entwicklungen insbesondere in der Vor-Ort-Arbeit erfolgen.

Nun ist dies nicht zum Nulltarif zu bekommen. Angesichts der bekannten Haushaltssituationen der meisten NRW-

Kommunen, so auch bei „unseren“ kommunalen Partnern, stehen die Beteiligten vor großen Herausforderungen. Im

Berichtsjahr hat uns das Einfrieren der kommunalen Ergänzungsfinanzierung durch die Stadt Duisburg auf das Niveau

von 2009 sehr geschmerzt. Die Schere zwischen öffentlicher Förderung und Haushaltsbedarfen geht immer

weiter auseinander.

Um einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt hinzubekommen, benötigen wir im Durchschnitt zwischen 40.000

und 50.000 Euro p.a. aus nicht-öffentlichen Drittmitteln, das sind zwischen 15 und 20 % des Haushaltsvolumens. Betriebswirtschaftlich

betrachtet generiert jeder aus öffentlichen Mitteln eingesetzte Euro wiederum 15 – 20 Cent aus

Drittmitteln. Eigentlich doch eine richtig gute Investition.

Und dabei ist der „Gegenwert“ von ca. 4000 Stunden ehrenamtlicher (honorarfreier) Arbeit per anno (entspricht ca. 3

Vollzeitäquivalenten!) nicht eingerechnet.

Selbst bei stabiler öffentlicher Förderung wächst der Eigenmittelanteil alleine durch tarifrechtliche Steigerungen im

Personalkostenetat sowie natürlich wachsender Sachkostenausgaben (Mehrwertsteuer, Technische Ausstattung

durch z.B. online-taugliche Medien, Fahrtkosten, vom Land geforderte, aber nicht refinanzierte Qualitätsmanagementmaßnahmen,

Nebenkosten für den Gebäudeunterhalt, Personalbeschaffungs- und Fortbildungskosten und vieles

mehr).

Weiterhin mag es etwas zynisch klingen, es ist aber so: die Begleitungsverhältnisse steigen Jahr für Jahr, weil auch

HIV-positive Menschen glücklicherweise länger leben. Das geht leider nicht unbedingt mit adäquat wachsender Lebensqualität

oder gar schrumpfenden sozialrechtlichen oder psychosozialen Problemlagen unserer Klienten einher.

Wer länger lebt und Anspruch auf Leistungen für den Lebensunterhalt oder/und medizinische Versorgungsleistungen


hat – ist rein ökonomisch betrachtet auch länger teuer.

Dieser Ausgangslage stehen wachsende Anforderungen an die fachliche Arbeit im Sektor der strukturellen Prävention

entgegen, wie sie etwa im Aktionsplan der Bundesregierung von 2007, durch die Rahmenvereinbarung für

NRW von 2009 und auch in besagtem Entwurf zum HIV-Präventionskonzept der AG HIV/AIDS-Prävention auf Landesebene

formuliert sind, Stichworte:

Vor dem Hintergrund des sich verändernden Krankheitsbildes durch bessere Behandlungsoptionen erwachsen Folgen

für die Begleitungsarbeit:

Wachsende Klientenzahlen; sich verändernde Sozialstruktur (immer mehr Menschen mit diversen Formen sozialer

Benachteiligungen und materiellen Notlagen)

sich verändernde Bedarfe in der psychosozialen Begleitung, wie Verlagerungen in verschiedene sozialrechtliche

Belange,

älter werdende Klienten mit wachsenden Multimorbiditäten (z.B. Demenzformen o.a. neurologische Problemlagen,

orthopädische und kardiologische Erkrankungen etc.) und zunehmenden Bedarfen für Formen betreuten Wohnens,

(Re-) Integrationsfragen in Erwerbsstrukturen, …

Soziale Aspekte/Umstände und daraus resultierende Konsequenzen für eine nicht nachlassende - oder besser : Weiterentwicklung

der (zielgruppenspezifischen -) Primärprävention:

Sich immer weiter ausdifferenzierende Zielgruppen, Milieuveränderungen (Zunahme von interkulturellen Aspekten;

mehr Menschen mit Formen sozialer, intellektueller und materieller Benachteiligung …)

Individualisierung und Privatisierung,

Medialisierung (Kontaktanbahnung und –pflege online, virtuelles social networking, s. etwa auch die Erfolge bei

den Frequenzen beim health-support über gay romeo et al., 5.1.) => wachsende Bedeutung der online-

Beratungsansätze;

=> schwerere Erreichbarkeit: Konsequenz unter anderem: Ausbau von aufsuchender Arbeit (abnehmende Akzeptanz

und Annahme von Komm-Strukturen), erfordert allerdings mehr personelle und finanzielle Ressourcen;

Stärkere Einbeziehung von STI-Prävention;

Über reine/pure Prävention hinausgehende Ansätze der ganzheitlichen Gesundheitsförderung;

Intensivere Einbeziehung von HIV-Positiven in die Präventionsarbeit erfordert eher mehr (hauptamtliche) personelle

und finanzielle Ressourcen;

Fachliche – und personelle Anpassungs- und Weiterentwicklungsprozesse erfordern mehr Ressourcen für Aus-,

Fort- und Weiterbildung sowie für Netzwerkarbeit (lokal, regional und überregional, z.B. AK`s, …);

Weiterer Anstieg von Dokumentations- und Evaluationstätigkeiten (u.a. auch durch die Landes- und Bundesverbände

sowie anderer Dachverbände, z.B. „Futter“ für deren Lobbyarbeit);

Wachsende Gremienarbeit im Bereich der kommunalen Infrastruktur, etwa durch einen zu erwartenden Trend in

Richtung Leistungs- und Werkverträgen;

Bei stabiler oder weiter rückläufiger öffentlicher Förderung wachsender Bedarf zur Akquise von Drittmitteln;

U.a.m.

Sparen ist für die angeschlagenen öffentlichen Haushalte gewiss unerlässlich, es sollte aber nachhaltig wirken und

nicht kurz- und mittelfristig gegenteilige Effekte produzieren – so jedenfalls unsere Auffassung.

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Geschäftsbericht für das Jahr 2010

Die Erhaltung unseres Angebotsspektrums sowie die stete Weiterentwicklung dessen ist in erster Linie nur deshalb

noch möglich, weil wir trotz immer wiederkehrender Konfrontation mit Kürzungsszenarien ein immer noch hochmotiviertes

ehren- und hauptamtliches Team haben.

Darüber hinaus wäre dieses Spektrum ohne Spenden- und Sponsoring durch verschiedene zivilgesellschaftliche

Gruppierungen und Einzelpersonen überhaupt nicht denkbar.

Der vorliegende Jahresbericht wird über eine Vielfalt von derartigem Engagement Auskunft geben. Da halten wir es

gerne mit Erich Kästner und wollen über gutes Tun reden (s. etwa 4.). So auch einmal schon an dieser Stelle.

In diesem Zusammenhang haben wir uns im Rahmen der diesjährigen Jahreshauptversammlung am 10.05.10 zu

einer besonderen Premiere entschieden und erstmalig Ehrennadeln für besonderes (und treues) Engagement für die

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. verliehen. Die ersten beiden Träger sind der Duisburger Gastronom Thomas

Seven und die „first Lady of travestie Jennifer Dean“ alias Henning Ladewig, die uns seit vielen Jahren in unterschiedlicher

Weise enorm unterstützen (s.a. 4.)

Unsere ersten Ehrennadelträger Thomas Seven und Henning Ladewig umrahmt von den Vorständlern Silke Stützel,

Peter Külpmann, Rainer Wille u. Karl-Heinz Lemke (v. li. n. re.)

Eine der wichtigsten Pfunde und Ressourcen für die Aufrechterhaltung unserer Angebotspalette sind und bleiben unsere

ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen, denen einmal mehr ein riesiges „Danke schön!“ gilt.

Angefangen vom Vorstand über nahezu alle anderen Arbeitsfelder können wir hier auf eine sehr stabile „Mannschaft“

bauen. Allerdings gibt es leider auch nur wenig Andrang von neuen Interessent/innen. Daher möchten wir Sie, verehrte

Leserinnen und Leser, bitten, potentiell interessierte Menschen auf uns aufmerksam zu machen, denn: AIDS-

Hilfe-Arbeit ist spannend, kann intensiv und unter Umständen belastend sein, aber auch dankbar und für die eigene

Persönlichkeitsentwicklung gewinnbringend. Das gilt nach wie vor auch für die ehrenamtliche Mitarbeit auf allen Ebenen.

Und: sie wird wahrgenommen.

So sind wir recht stolz, dass mit Thomas Schachten nunmehr schon der zweite Ehrenamtspreisträger der AIDS-Hilfe


NRW aus unseren Reihen stammt. „Merk I würdig“ heißt der Titel, den der Landesvorstand für außergewöhnliches

und über den lokalen Raum hinausgehendes Engagement vergibt. Im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums der AIDS-

Hilfe NRW wurde dieser am 09.03.10 im Düsseldorfer Landtag unter Beteiligung des damaligen Gesundheitsministers,

Karl-Josef Laumann, und weiterer Repräsentant/innen des Landtages ausgehändigt. In seiner Laudatio hob der

arbeitsmarktpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, der Duisburger Abgeordnete, Rainer Bischoff, das wahrlich

merkwürdige Engagement von Thomas Schachten, aber auch die „bemerkenswerte Arbeit“ der AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel insgesamt hervor.

V.li.n.re.: Rainer Bischoff (SPD-MdL), Tom Schachten, K.-

P. Hackbarth u. K.-P. Schäfer (Landesvorstand der AIDS-

Hilfe NRW)

Nicht weniger stolz sind wir über die Ehrung unserer langjährigen ehrenamtlichen Mitarbeiterin aus der Präventionsund

Öffentlichkeitsarbeitsgruppe, Christa Lemm, die im Rahmen der Mitgliederversammlung des PARITÄTISCHEN

Kreisverbandes Wesel/Kleve im Weseler Kreishaus für ihr eher „stilles“ aber wirksames Engagement ausgezeichnet

wurde.

Seit dem November 2009 ist auch unser hauptamtliches Team wieder

sehr stabil und stark besetzt und so konnte die fachlich-inhaltliche Arbeit

wieder - auf die angestammte Schulterzahl verteilt – umgesetzt werden.

Der vorliegende Bericht legt Zeugnis über ein intensives, ereignisreiches

Jahr mit vielfältigen, z.T. sehr beachteten Aktivitäten und Initiativen

ab.

Mit Rüdiger Wächter (Prävention bei Schwulen und MSM, Psychosoziale Begleitung, Herzenslust-Koordinator und

„Knastarbeit“), Uwe Altenschmidt (Teamleiter „Herzenslust“ Duisburg/ Kreis Wesel) und Anika Walther (8 Jahre Frauen

& AIDS, Psychosoziale Begleitung, Migration & AIDS und zuletzt im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung

im Youthwork-Bereich) konnten gleich drei Mitarbeiter/innen auf ein 10-jähriges Dienstjubiläum blicken – gewiss auch

ein Zeichen für ein sehr gutes Betriebsklima. Leider – aber mit jedem Verständnis dieser Welt und Mitfreude – haben

wir Anika Walther in eine weitere Erziehungsurlaubsphase „entlassen“ müssen. Aufgefangen werden konnte die entstandene

Lücke im Arbeitsfeld Youthwork durch den hervorragenden Einsatz unserer studentischen Honorarkraft,

Sandra Kohlhase.

Einzig ungewöhnlich viel Fluktuation hatten wir in unserer Zivildienststelle. Hier blicken wir auf ein Jahr mit drei

„Zivi`s“ zurück. Kurz vor dem Ende dieser Form des Wehrersatzdienstes sollten wir diesen wohl noch einmal in vollen

Zügen genießen dürfen. Hinweise auf Interessent/innen für einen künftigen „Bundesfreiwilligendienst“ bitten wir uns

zukommen zu lassen.

Dauerhaft Abschied nehmen mussten wir im November von unserem langjährigen Kollegen, der Verkörperung der

Duisburger Drogenselbsthilfe und JES-Koordinator, Klaus Blaumeiser, dessen plötzlicher Tod uns geschockt hat. Es

bleibt ein tiefer Dank für viele Einblicke in „außergewöhnliche Lebenswelten“, für damit verbundene Erkenntnis- und

Verständnisgewinne und für viele humorvolle Stunden.

Klaus Blaumeiser hat enorm viel dazu beigetragen, dass wir die Arbeit mit der Zielgruppe drogengebrauchender

Menschen nie aus dem Auge verloren haben und so sind wir gerade mit der Entwicklung in diesem Arbeitsgebiet im

Berichtsjahr sehr zufrieden. So hat Ralf Runniger (verstärkt durch die tatkräftige Unterstützung unserer ehemaligen

Praktikant/innen Yvonne Leuverink und Tim Prysztupa) das Streetwork wieder intensivieren können, was insbesondere

deshalb enorm wichtig war und ist, weil der neu entstandene Suchthilfeverbund Duisburg diese Arbeit eingestellt

hat. Darüber hinaus konnte das recht neue (Party-) Drogenprojekt „@drugtHiv“ weiter etabliert und im ersten Quartal

sogar durch das Schulprojekt „No drugs – no party?“ ergänzt werden (s. 5.2.).

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Geschäftsbericht für das Jahr 2010

Weiterhin äußerst stabil gestaltet sich die Duisburger Substitutionsregelung, welche nicht nur für die Klienten von

hohem gesundheitlichen und psychosozialen Nutzen ist, sondern auch für die AIDS-Hilfe ein finanzieller Segen. Hier

gilt den Ärzten Dr. Hander, Herrn Harzem und Dr. El Khaled sowie unseren begleitenden Ehrenamtler/innen ein ganz

großes Danke schön!

Ein wichtiges Ziel der AIDS-Hilfe konnte im Berichtsjahr leider nicht erreicht werden, nämlich mit unserem Duisburger

„headquarter“ endlich in barrierefreiere Räumlichkeiten umzuziehen, was angesichts der Entwicklungen beim

Krankheitsbild immer wichtiger wird (s.o., Älter werden mit HIV …). Nach dem Auszug der Drogenberatung der Diakonie

aus den Parterreräumen im Hause Friedenstr. 100, haben wir dem objektverwaltenden Immobilienmanagement

Duisburg (IMD) unser Interesse und unsere Erfordernisse monatlich signalisiert, aber leider kein ernsthaftes Aufgreifen

von dieser Seite erfahren dürfen. So stehen die Räumlichkeiten nunmehr seit Dezember 2009 leer. Wir sind hier

für jede Unterstützung äußerst dankbar.

Erfolgreich solidarisiert haben wir uns mit unseren Kolleginnen von der Beratungsstelle zu AIDS und anderen STD`s

des Gesundheitsamtes Duisburg. Hier waren im Zuge der Haushaltsplanberatungen für das Jahr 2010 zwei Stellen

mit sog. kw-Vermerken versehen – und zwar für die Arbeitsbereiche der AIDS-Koordination sowie der Prostituiertenberatung.

Gerade im letzteren Arbeitsfeld wächst allerdings die Notwendigkeit für eine sozialarbeiterische und präventive

Betätigung wegen des enormen Anstieges des Angebotes in Duisburg ungemein (s. 5.4.). Unsere fachliche

Stellungnahme in Form eines offenen Briefes an den Oberbürgermeister und die politischen Gremien hat gewiss mit

dazu beigetragen, dass zumindest die Politik diese Kürzungsabsichten zunächst einmal zurückgezogen hat.

Wir sind insgesamt zufrieden über den politischen Rückhalt für unsere Arbeit – und zwar auf allen föderalen Ebenen.

Mit der Duisburger Bundestagsabgeordneten (SPD) Bärbel Bas, die sich in Berlin auch um die Belange des

Fonds zur Entschädigung von HIV-infizierten Transfusionsopfern kümmert, haben wir im Berichtsjahr ein weiteres

neues Vereinsmitglied mit Bundestagsmandat gewinnen können. Auf der Landesebene genießen wir Anerkennung

und Wertschätzung quer durch alle Parteien. Ein fast schon traditionelles Highlight haben wir im Februar wieder bei

einem Arbeitsfrühstück im Landtag erleben dürfen, zu dem uns der Duisburger FDP-Abgeordnete, Holger Ellerbrock,

erneut eingeladen hatte. Herr Ellerbrock hat uns insbesondere im schwierigen Bereich der „Knastarbeit“ sehr unterstützt.

Auch auf das Engagement von Rainer Bischoff (SPD-MdL) können wir jederzeit bauen, so stand er uns nicht

nur bei der Ehrung im Landtag (s.o.), sondern auch gerne bei der Podiumsdiskussion im Rahmen des Aktionstages

zum Welt-AIDS-Tag im Duisburger Forum zur Verfügung. Gegenüber diesem Engagement zeigen sich die Lokalpolitiker

sehr viel defensiver, aber das kann ja noch besser werden, etwa durch Unterstützung bei unseren Umzugsplänen

(s.o.) oder gewiss im Zuge der kommenden problematischen Haushaltsberatungen werden sie vermutlich Flagge

rsp. „Schleife zeigen“ müssen und können.

Hier mag der Umstand eine Rolle spielen, dass die Arbeit am Thema „AIDS“ und mit spezifischen Zielgruppen, welche

sich nicht selten in gesellschaftlichen Konfliktbereichen bewegen, nicht besonders „populär“ ist und somit die Diskussion

darüber auf - vom Bürger etwas weiter entfernten Ebenen - leichter sein mag. Umso mehr ist es von großer

Bedeutung, dass die Kommunalisierungsprozesse nicht dazu führen, dass das Thema aus der landespolitischen Diskussion

und Verantwortung verschwindet.

Wir werden weiter unser Scherflein dazu beitragen, dass eben dieses nicht geschieht. Für das Berichtsjahr kann hier

das Beispiel der landesweiten Fachtagung des Landesarbeitskreises „AIDS und Migration“ dienen, die unter Mitinitiative

und Mitwirkung unserer Migrationsfachfrau, Petra Kurek, schon zum sechsten Male in Duisburg stattfand. Am

16. Juni 2010 trafen sich im Zentrum für Personalentwicklung der Stadt Duisburg über 50 Teilnehmer/innen mit unterschiedlichen

beruflichen Hintergründen aus allen Teilen von NRW, um sich unter dem Titel „Unsichtbar – Menschen

ohne Papiere in Deutschland“ mit Aspekten der Gesundheitsförderung mit dem Schwerpunkt HIV/AIDS bei Menschen

ohne klaren Aufenthaltsstatus zu beschäftigen (s. 5.5.)

Unser migrationsspezifisches Know-how war auch im Rahmen der Konferenz der Mitglieder des PARITÄTISCHEN,

Kreisgruppe Duisburg, am 20.09.10 zum Thema „Interkulturelle Öffnung“ gefragt, bei der Petra Kurek mit Ihrem Referat

„Von der interkulturellen Öffnung zur transkulturellen Orientierung“ deutlich machen konnte, dass wir in diesem

Themenfeld schon lange intensiv aktiv sind.

Wir sind interkulturell sogar so offen, dass wir gerne eine Spende des englischen Partnerkreises des Kreises Wesel,

der County Durham, entgegengenommen haben. Im Rahmen des Delegationsbesuches aus Durham in Wesel, am

02.09.10, konnten wir unsere Arbeit ein wenig vorstellen und uns angeregt über die Präventionsstrategien und –

erfordernisse austauschen – eine bereichernde Erfahrung. Many thanks to Durham! Und vielen Dank an die Kreisverwaltung,

die uns dies ermöglicht hat.


Natürlich haben wir uns im Berichtsjahr auch mit uns selbst beschäftigt und den Organisationsentwicklungsprozess

vorangetrieben, in dem wir die verabredeten inneren Zuständigkeiten einer externen Überprüfung durch eine mit

AIDS-Hilfe-Strukturen vertrauten Trainerin haben unterziehen lassen. Im Rahmen einer Klausurtagung am 12.06.10

mit Vorstand und Team sind darüber hinaus Bearbeitungsfelder erarbeitet und mit klaren Prioritäten versehen worden.

Die Bearbeitung läuft stetig parallel zum operativen Geschäft, allerdings leider nicht in dem Tempo, das wir uns wünschen

würden. Das liegt allerdings nicht zuletzt an den sehr begrenzten Ressourcen, die etwa zur Wahrnehmung der

Geschäftsführung zur Verfügung stehen.

Das lag in diesem Berichtsjahr aber auch daran, dass unsere relativ neuen Projekte Zeit zur Etablierung benötigten

(u.a. Knastarbeit, BuT, @drugtHiv, Frauengruppe). Und es lag nicht zuletzt daran, dass wir im Jahre 2010 bei einer

ganzen Reihe von Großveranstaltungen mit Präventionsaktionen intensiv beteiligt waren. Das Kulturhauptstadtjahr

Ruhr 2010 hat viele tolle Veranstaltungen hervorgebracht und sehr viel Beteiligung von AIDS-Hilfe(n) gesehen, beispielhaft

sei hier das A40-Stillleben am 18.07.10 erwähnt (s. 5.1.).

Das –nicht nur für uns- alles überstrahlende Ereignis in unserer Region sollte die Loveparade am 24.07.2010 sein.

Wir haben viel Zeit, Kapazitäten und Ressourcen aus den Arbeitsfeldern „XXelle – Frauen“, „Herzenslust“,

„Youthwork“ und „@drugtHiv“ in Planung, Organisation und Durchführung investiert und die Loveparade auch tatsächlich

bis zum Durchsickern der schrecklichen Ereignisse als das tolle Event mit einem so nicht zu erwartenden,

sehr gut erreich- und ansprechbaren Zielpublikum erlebt – bis alles überdeckt wurde durch die grausame Realität von

21 Toten, vielen Hundert Verletzten und unzähligen schwer traumatisierten Menschen!

Die Verarbeitung dieser Ereignisse dauert bis heute an. Sie haben uns ins Mark getroffen, in tief empfundene Trauer

und Erschütterung gestürzt, auch weil uns in unfassbarer Weise vor Augen geführt wurde, wie nah Leben, Lust, Fröhlichkeit

und Sterben, Tod und Trauer beieinander liegen können – etwas, das wir in unserer Arbeit doch eigentlich

scheinbar gewohnt sind. Einige unserer ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter sind – entgegen der zuvor abgestimmten

Planung! – nur wenige Minuten vor der Katastrophe auch durch das tödliche Nadelöhr der Rampe geschoben

worden…

Und leider wirkt auch das Trauerspiel der Nachbearbeitung durch die beteiligten Entscheidungsträger und Verantwortlichen

so nach, dass Verärgerung, Wut und Enttäuschung bis heute nicht gewichen sind. Wir waren wie gelähmt

und längere Zeit nicht in der Lage, unsere Arbeit so fortzuführen, wie es sein sollte.

Diese Gefühlslage und der Respekt vor den Toten haben uns auch dazu geführt, den für den 14.08.2010 vorgesehenen

„Ersatz“ für den Duisburger CSD, das Schwul-lesbische Straßenfest „Sommerlust“ auf der Königstr. abzusagen

(s. 5.1.), für das wir infolge der CSD-Absage durch den Arbeitskreis Duisburger Lesben und Schwule (AKDuLuS e.V.)

als Veranstalter eingesprungen sind. Die spontane Bereitschaft der Duisburger Community, uns bei der Umsetzung

zu unterstützen, war einfach klasse. Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich dafür bedanken und

hoffen immer noch, dass unsere Entscheidung zur Absage auf Akzeptanz gestoßen ist. Weiterhin hoffen wir auf ein

ähnliches Engagement im Hinblick auf 2011.

Zivilgesellschaftliches Engagement ist immer noch und nicht nur vor dem Hintergrund rückläufiger öffentlicher Förderung

immer mehr gefragt. Diesbezüglich können wir auf ein Jahr mit wirklich großartiger Unterstützung zurückblicken

(s. 4.). Insbesondere im Zusammenhang mit dem diesjährigen Welt-AIDS-Tags-Geschehen erlebten wir viel

Engagement von verschiedensten Gruppen und Einzelpersonen. Stellvertretend verweisen wir hier schon mal auf die

„bärenstarken“ Initiativen des Centermanagements des FORUM Duisburg, was zu einem hervorragend angenommenen

zweiten großen Aktionstag am 01.12.10 geführt hat.

Es gibt nicht nur „bad banks“ wie wir wissen. Es gibt auch hier viel zivilgesellschaftliches Engagement. Wir bedanken

uns bei den Sparkassen aus unserer Region, bei der Deutschen Bank, der Sparda-Bank West und insbesondere

beim GudsO-Team der Targobank Duisburg, die einmal mehr eine unglaublich kreative Soli-Bären-Verkaufsaktion

durchgeführt haben und gewissermaßen unser Platin-Vertriebs-Partner für die beliebten „AIDS-Teddies“ sind.

Mehr Geschichten von Menschen und Gruppen, über deren gutes Tun wir reden wollen finden sich im Kapitel 4.

Diese und weitere Aktivitäten haben neben einer sehr umsichtigen Haushaltsführung erheblich dazu beigetragen,

dass wir das Haushaltsjahr 2010 voraussichtlich mit einem sehr überschaubaren Defizit abschließen können – ein

phantastisches, weil wahrlich nicht zu erwartendes Ergebnis.

Abschließend möchten wir uns natürlich an dieser Stelle bei all jenen treuen Freund/innen und Förderern, Zuwendungsgebern

und Sympathisant/innen sowie bei den Vertretern aus Politik, Verwaltungen und Gesundheitsämtern,

medizinischen und Beratungseinrichtungen, Schulen und sonstigen Kooperationspartnern und unseren Dachverbänden,

dem „Paritätischen“, der Deutschen AIDS-Hilfe und der AIDS-Hilfe NRW für ihre Wertschätzungen, unterstützenden

Aktionen und guten Wünsche im Berichtsjahr aufs Herzlichste bedanken.

15


Beratung

2. Beratung

2.1 Einleitung

Die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. wurde wie in den vorangegangenen Jahren als ein Hauptschwerpunkt

unserer Arbeit durchgeführt.

Die Beratung erfordert ein hohes Maß an Kompetenzen. So gilt es, dass sich die BeraterInnen zu den Themenfeld

„neuer Wissensstand zu Übertragungswegen rund um HIV und andere sexuell übertragbaren Krankheiten (im folgenden

STD genannt)“ regelmäßig fortbilden und eine eigene, für sie passende Haltung entwickeln und reflektieren. Dies

wird durch die Änderungen von Risikoeinschätzungen durch wissenschaftliche Erkenntnisse immer wieder bestätigt

und auch gefordert.

Zur Konkretisierung hier ein Beispiel aus dem Bereich Risikoeinschätzung:

Auszug aus der „Infomappe für die Telefonberatung in AIDS-Hilfen 2001“ der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.

„Orale Stimulation des Mannes mit Abspritzen- aufnehmend:

Risikoeinschätzung

hohes Risiko in Hinblick auf HIV und andere STD

- erhöhtes Risiko, wenn der Samen geschluckt wird. Das Risiko ist noch höher bei Entzündungen in Hals, Rachen

oder Speiseröhre

- bei Verletzungen der Mundschleimhaut und Zahnfleischentzündungen erhöht sich das Risiko

Schutzmöglichkeiten

Wenn man bis zum Erguss blasen will, sollte ein Kondom verwendet werden. Notfallmaßnahmen: Sperma ausspucken

und möglichst mit hochprozentigem Alkohol, wenn vorhanden, sonst mit Wasser fünf mal ca. 15 Sekunden lang

spülen.“

Aktuell ist der folgende Beratungsstandard:

Auszug aus der „Infomappe für die Beratung in Aidshilfen 2009/2010“ der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.

„Orale Stimulation des Mannes mit Abspritzen (Ejakulation):

- ein geringes HIV-Risiko besteht, vor allem bei längerer Verweildauer des Ejakulats im Mund, bei der Entzündungen

in Hals, Rachen, bei Zahnfleischentzündungen oder STD. Insgesamt ist das Risiko auch mit Ejakulation aber deutlich

(!) geringer als bei ungeschütztem Vaginal- oder Analverkehr!

Falls ejakuliert wurde: Es ist wissenschaftlich nicht erwiesen, ob „Schlucken“ gefährlicher ist als „Spucken“. Trotzdem

empfehlen wir „Spucken“, da es dadurch zu einer nur kurzen Verweildauer einer infektiösen Flüssigkeit im Mund

kommt und die Flüssigkeit nicht im Körper bleibt.“

An diesem Beispiel wird eindrucksvoll geschildert, wie sich die Risikoeinschätzungen in den letzten Jahren aus Sicht

der medizinischen Fachabteilung der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. erheblich verändert hat. Dies wird im weiteren Verlauf

der Beratermappe noch deutlicher durch die Einschätzung, wenn der Mann im oberen Beispiel zwar HIV-Positiv

ist, aber sich die Viruslast unter der Nachweisgrenze befindet:

„Viruslast unter der Nachweisgrenze“:

Wenn die Viruslast des Sexualpartners unter der Nachweisgrenze ist, reduziert sich (auch bei Ejakulation) das ohne-


hin geringe Risiko weiter (Safer Sex Bereich).“

Diese Aussagen, die ihren Grund in der Aussage der „Eidgenössischen Kommission für AIDS-Fragen (EKAF)“ hat,

wird deutlich, wie sich das Bild von Risiken immer wieder verschiebt und verändert. Diese Wandlungen, und die damit

einhergehenden Änderungen, sind eine der schwierigsten Aufgaben im Feld der Fortbildung von BeraterInnen.

Gerade die „Alten Hasen“ von BeraterInnen, die ein anderes Bild von Risiken zu HIV und AIDS gelernt und verinnerlicht

haben, auf diesem Weg mitzunehmen, ist ein wichtiges Ziel.

Wichtige Neuerungen in der Beratung haben sich neben der Aussage der EKAF (siehe dazu „HIV-Therapie und Prävention,

Positionspapier der Deutschen AIDS-Hilfe e.V., April 2009 unter www.aidshilfe.de) auch im Bereich der HIV-

Testung ergeben. Neben den immer besseren Antikörpertestverfahren, welche heutzutage auch direkt Virusbestandteile

nachweisen, ist durch die Entwicklung der HIV-Schnelltests ein neues Angebot zur Entscheidung der Ratsuchenden

für oder gegen einen HIV-Antikörpertest erschienen. Neben dem präventiven Nutzen (siehe dazu Punkt 5.1

„Beratung und Test“ Rastplatz Sommeraktion von der Kampagne Herzenslust), stellt die Wissensvermittlung zu diesem

„Schnelltestverfahren“, welches nicht die diagnostische Lücke verkürzt (wie manche Ratsuchenden fälschlicherweise

meinen), sondern nur die Ergebnismitteilung und die damit verbundenen Erläuterungen (nur aussagekräftig bei

einem reaktiv negativen Ergebnis) eine wichtige Beraterkompetenz dar. Erschwert wird dies (und zwar nicht nur in

diesem Sektor) durch die unterschiedlichsten Aussagen und Haltungen, die im „world wide web“ kursieren.

Neben diesen „fachlichen Anforderungen“ an die BeraterInnen nimmt der Bereich von Ratsuchenden mit psychischen

Störungen einen weiteren Schwerpunkt im Sektor der Fortbildungen ein. Menschen, die durch eine „doppelte Verdrängung“

Ängste oder einschneidende Situationen in ihrem Leben verdrängen, kompensieren dies (da das Unterbewusstsein

immer einen Weg findet, indirekt Emotionen und Ängste zu verarbeiten) möglicherweise durch eine „AIDS-

Ängstlichkeit bzw. AIDS-Phobie“. Dies vor allem, da HIV nicht zu sehen ist und die einzige Art von Diagnostik die

Entscheidung zu einem HIV-Antikörpertest wäre, der Aufgrund der Diagnostischen Lücke dann jedoch immer noch

den Nährboden für Unsicherheiten birgt. Hier die BeraterInnen zu schulen (z.B. sich selbst als Indikator zur Identifizierung

von AIDS- Phobikern (s dazu Thure von Uexküll, Psychosomatische Medizin, Urban & Fischer Verlag / Elsevier

GmbH; Auflage: 6 (6. Dezember 2002)) zu nutzen), stellt einen wichtigen qualitativen Schwerpunkt in der BeraterInnenfortbildung

dar.

2.2 Die Angebote der AIDS-Hilfe im Sektor Beratung

Unsere Beratungsangebote konnten von den Ratsuchenden wie folgt genutzt werden:

1. persönliche Beratung in den Einrichtungen;

2. telefonische Beratung durch HauptamtlerInnen während der Öffnungszeiten in Duisburg und Wesel;

telefonische und E-Mail Beratung durch die ehrenamtlichen Telefonberater in der Zeit von 19.00-21.00 Uhr am Montag

in Duisburg.

2.2.1 Persönliche Beratung

Während der Öffnungszeiten sowie nach telefonischer Absprache auch außerhalb der Öffnungszeiten, konnten Ratsuchende

sich persönlich durch hauptamtliche MitarbeiterInnen in unseren Büros in Duisburg und Wesel beraten lassen.

Bei diesen Beratungsgesprächen wurde auf eine ruhige und entspannte Atmosphäre geachtet. Bei Bedarf konnten

Ratsuchende, die anonym bleiben wollten, sich auch Termine außerhalb der Öffnungszeiten und dem damit verbundenen

Publikumsverkehr geben lassen. Bei Beratungen von Personen, die kürzlich ihr HIV-positives Testergebnis

erhalten haben, wurde im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe immer das Angebot unterbreitet, mit einem HIV-Positiven zu

sprechen, der schon länger mit der Infektion lebt. Dieses Angebot wurde häufig in Anspruch genommen.

Generell wurde die persönliche Beratung immer weniger von Ratsuchenden in Anspruch genommen. Als mögliche

Begründung sind hier die anonymen Möglichkeiten durch das world wide web (www) zu nennen (z.B. durch die Onlineberatung

der Deutschen AIDS-Hilfe www.aidshilfe-beratung.de oder für schwule und bisexuelle Männer bei

www.gayromeo.com der healthsupport). Immer mehr Menschen nutzen das www, und haben gelernt, sich dort zu

Informieren und diesem neuen Medium zu vertrauen.

17


Beratung

2.2.2 Telefonische Beratung

Auch in diesem Jahr blieb die Zahl der Telefonberatungen während der Öffnungszeiten sehr hoch. Die Ratsuchenden

wurden nach eingehender Erörterung der Risikosituationen aufgeklärt. Falls erwünscht, wurden die Ratsuchenden

zwecks HIV-Antikörper-Test an das örtliche Gesundheitsamt verwiesen.

Unsere Beratungsnummern sind für Duisburg: 0203-19411 und für Wesel

0281-19411. Die Rufnummern wurden in den örtlichen Zeitungen

unter der Rubrik Beratung beworben. Regelmäßig wurde die Bewerbung

kontrolliert, da die Rubrik von vielen Vereinen genutzt wird und

die Einstellung der Rufnummer kostenlos ist.

Die Beratungsnummern wurden durch Beantragung bei der Regulierungsbehörde

für Telekommunikation und Post anonymisiert. Dadurch

werden bei einem Anruf über diese Rufnummer die Nummern der Ratsuchenden

unterdrückt und bei dem Ratsuchenden erscheint die Beratungsnummer

nicht in der detaillierten Telefonrechnung.

2.2.3 Die Bundesweite Telefonberatung

Nach der Beendigung der Testphase beteiligt sich nun die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. kontinuierlich an

der bundesweiten Beratungshotline der Deutschen AIDS-Hilfe e.V..

An 62 Stunden pro Woche können sich so Ratsuchende mit ihren Fragen rund um HIV/AIDS telefonisch an die Berater

der AIDS-Hilfen wenden. Die Hotline ist erreichbar in den Zeiten: Montags bis Freitags von 9.00-21.00 Uhr und am

Sonntag von 12.00-14.00 Uhr.

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. beteiligt sich als eine von bundesweit 28 Einrichtungen an diesem nunmehr

fest etablierten Angebot. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

bedienen Ratsuchende aus dem ganzen Bundesgebiet am Montagabend von 19.00-21.00 Uhr und am Donnerstag

von 11.00-14.00 Uhr. Die regionalen Angebote bleiben im vollen Umfang bestehen. So können sich Menschen telefonisch,

persönlich und per E-Mail zu den gewohnten Zeiten an die MitarbeiterInnen der AIDS-Hilfe wenden. Das überregionale

Angebot wird zusätzlich zu dem bestehenden Angebot hinzugefügt.

Die Telefonberatung spielt bei der Aufklärung zu HIV nach wie vor eine große Rolle. Sie ist das Medium zur Beantwortung

persönlicher Fragen und zur Abklärung eines individuellen HIV-Übertragungsrisikos. Mit der neuen Rufnummer

werden bestehende Angebote unter einer bundesweiten Nummer zusammengeführt und damit die Erreichbarkeit

für Ratsuchende weiter verbessert. Durch die Intensivierung der Weiterbildung und die Einrichtung eines Online-

Portals für BeraterInnen wird die Qualität der Beratung langfristig gesichert.

Um die Wichtigkeit der Bundesweiten Telefonberatung aufzuzeigen, sind hier die Zahlen der Beratungskontakte

(Monitorings) und die Art der Anfragen für das Jahr 2010 aufgelistet:


Beratung

Durch die Anonymität der Beratung bedingt, können die o. a. Daten nur als richtungweisende Orientierung dienen.

Trotzdem kann hier auf wichtige Aspekte im Konkreten hingewiesen werden:

Die Zahl der Menschen, die als „AIDS-Ängstlich bzw. AIDS-Phobisch“ eingestuft wurden, lag bei knapp 23%.

Bei den Themen der Beratung ist der Hauptschwerpunkt mit knapp 50% die Risikoeinschätzung zu benennen. Gefolgt

von dem Thema HIV-Test mit 27%.

Weiterhin ist der Anteil von heterosexuellen Ratsuchenden mit knapp 63% extrem hoch.

Der Anteil von Männern, die die telefonische Beratung in Anspruch genommen haben, ist mit 73,5% unerwartet hoch.

Zur Erläuterung diesbezüglich: Männer gehen viel seltener zum Arzt als Frauen. Von medizinischen Kreisen werden

daher immer mehr präventive Maßnahmen gefordert, um die Bereitschaft der Männer, für die meist kostenlosen medizinischen

Kontrolluntersuchungen, zu erhöhen. Was die Sensibilisierung und den Wissensdurst bezüglich HIV angeht,

scheint dies nicht dem allgemeinen Trend zu entsprechen.

Da die Beratungskontakte unter der 19411 im Rahmen der Büro-Besetzung nicht detailliert erfasst werden, nehmen

wir die o.a. Monitorings als Tendenz, die wir auf alle Kontakte übernehmen.


2.2.4 Die Telefonberatervernetzung im Ruhrgebiet:

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist mit anderen Kooperationspartnern aus dem Ruhrgebiet in einer Telefonberatervernetzung

zusammengeschlossen. Ziel dieser Vernetzung war es, die Beratung zu HIV-AIDS an jedem Wochentag

abends im Ruhrgebiet anzubieten. Bei den Treffen in der Ruhrgebietsvernetzung 2010 war ein Hauptthema

die Sinnhaftigkeit der Vernetzung, da durch die bundesweite Beratungsvernetzung möglicherweise eine Doppelstruktur

entstanden wäre (da durch dieses neue Angebot täglich Abends und auch am Wochenende die Beratung sichergestellt

ist und durch die Bundesweite Vernetzung ebenfalls die Qualitätssicherung und Fortbildung der BeraterInnen

erfolgt). Bei dem Austausch der Bundesweiten Telefonberater (wo der hauptamtliche Mitarbeiter der AIDS-Hilfe im

Jahr 2010 aus diesem Grund an dem Treffen in Berlin teilnahm) konnte dieser Punkt angesprochen werden. Erfreulicherweise

wurde entschieden, dass die Ruhrgebietsvernetzung einen Sonderstatus bekommt. So kann die Ruhrgebietsvernetzung

Repräsentanten zu den bundesweiten Treffen senden (Vertraglich ist jede Einrichtung verpflichtet,

regelmäßig an den Treffen in Berlin teilzunehmen). Die Informationsweitergabe an die Ruhrgebiets - AIDS-Hilfen erfolgt

dann bei den 2 mal im Jahr durchgeführten Treffen in der Ruhrgebietsvernetzung. Dadurch wird die zeitliche

Belastung für die haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen extrem reduziert.

Ein weiterer Schwerpunkt bei den Vernetzungstreffen ist weiterhin die Fortbildung der BeraterInnen. So hat der zuständige

Mitarbeit der der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. 2010 bei einem der Treffen der Berater im Ruhrgebiet

ein Referat zu dem Themenfeld Hepatitiden gehalten.

2.2.5 E-Mail Beratung

Die E-Mail Beratung in der AIDS-Hilfe wurde weiterhin angeboten. Die E-Mailberatung ist unter der folgenden Adresse

zu erreichen: www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de.

Um die gängigsten Fragen im Voraus zu klären, wurden auf unserer Homepage die acht häufigsten gestellten Fragen

(FAQ) eingestellt. Der Ratsuchende konnte beim Anklicken einer Frage gleich die Antwort lesen. Durch dieses Beratungsangebot

konnten viele Ratsuchende ohne dass sie an uns eine E-Mail schreiben mussten, bedient werden. Detailliertere

Fragen konnten dann per E-Mail an uns gesendet werden. Bei diesen E-Mails wurde im Betreff automatisch

„E-Mailberatung“ eingegeben, sodass die E-Mails nicht von den Mitarbeitern gelesen wurden, sondern direkt an

die Telefon/E-Mail Beraterin weitergeleitet werden konnten.

Die E-Mailberatung wird hauptsächlich am Montagabend in der Zeit der Telefonberatung durch die ehrenamtliche

Mitarbeiterin bedient und die E-Mails in dieser Zeit beantwortet.

Bei dringenden E-Mails wurden diese von den hauptamtlichen MitarbeiterInnen während der Öffnungszeiten beantwortet.

Folgende vorgefertigten Fragen wurden im Internet angeboten:

Insgesamt wurde die E-Mailberatung im Jahr 2010 kaum genutzt. Die schon bei Punkt 2.2.1 beschriebenen Erklärungen

sind sicherlich auch hierfür maßgeblich.

2.3 Danksagung:

Wir danken unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterin aus der persönlichen, telefonischen und online -

Beratung, ohne deren Einsatz die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. nicht in diesem

bemerkenswerten Umfang vorgehalten werden könnte.

21


Begleitung

3. Begleitung

Unsere Einrichtung begleitet weiterhin HIV-Infizierte / an AIDS-Erkrankte, die aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen

mit verschiedenen sozialen Hintergründen stammen. Die einzelnen Begleitungsfälle befinden sich in

unterschiedlichen Lebens- und Behandlungssituationen. Vereinzelte Begleitete haben sich gegen die Einnahme von

Medikamenten entschieden oder benötigen auch noch keine Medikation. Die Gründe für die Verweigerung der Medikamente

sind vielfältig. Es kann die Folge von gravierenden Ereignissen sein (z. Bsp. Tod eines nahen Angehörigen),

die dann zunächst bearbeitet werden müssen und der Lebenswille wieder gestärkt werden muss. Ein Grund ist auch

die Angst vor den Nebenwirkungen und evtl. einhergehenden körperlichen Veränderungen und der lebenslangen Einnahme

von Medikamenten oder aber auch Verdrängung der Infektion.

Ein großer Teil der Infizierten kommt mit den Medikamenten gut klar. Während aufgrund der Vielzahl der Medikamente

die akuten Nebenwirkungen weniger werden, treten häufiger Langzeitnebenwirkungen auf wie zum Beispiel im

Herz-Kreislaufbereich. Hier gilt es andere Risiken wie Rauchen oder ungesunde Ernährung zu minimieren. Des Weiteren

werden unsere Begleiteten auch älter und es gilt, sie für bestimmte Vorsorgeuntersuchungen zu sensibilisieren

und altersbedingte Erkrankungen mit in den Fokus zu nehmen.

Viele von uns langfristig Begleitete waren bereits an AIDS erkrankt, sind verrentet und leben auf dem Niveau des Arbeitslosengeldes

II, der Grundsicherung oder leicht darüber. Hierbei handelt es sich um Leistungen, die in ihrem Ursprung

zur Überbrückung einer kurzen Zeit angedacht waren. Letztendlich verharren diese Begleiteten in einer Lebenssituation,

die Ihnen finanziell keinen Spielraum lässt und wenig Perspektiven für die Zukunft bietet. Leider hat

hieran auch der monatelange Streit um die Erhöhung der ALG II-Sätze, die auch das Niveau der Grundsicherung darstellen,

keine grundlegende Änderung herbeigeführt. Aufgrund der fehlenden materiellen Ressourcen fehlt es an Lebensqualität,

da die Teilhabe am gesellschaftlichten Leben wie Ausgehen, Kino und andere Freizeitaktivitäten einen

Faktor für Lebensqualität darstellen. Dadurch kommt es oft zu Vereinsamung und Depressionen, so dass auch von

Einzelnen suizidale Gedanken geäußert werden, denen es zu begegnen gilt. Um der Vereinzelung vorzubeugen, haben

wir einige Angebote, die weiter unten beschrieben sind, auch im Berichtsjahr vorgehalten bzw. freuen uns, dass

Angebote in Selbsthilfe ausgestaltet werden. Des Weiteren bieten wir Unterstützung bei sozialrechtlichen und finanziellen

Schwierigkeiten.

Ein anderer Teil dieser Begleiteten versucht, das Beste aus ihrer Lebenssituation zu machen und gestaltet unter anderem

die Freizeit für HIV-Positive mit, nimmt an der Kochgruppe teil und engagiert sich auf landes- und bundesweiter

Ebene in Landesarbeitsgemeinschaften und Netzwerken.

Andere HIV-Infizierte gehen einer geregelten Arbeit nach und nehmen die AIDS-Hilfe nur punktuell zu bestimmten

Fragen in Anspruch oder besuchen unser Mittwochs-Café oder von uns durchgeführte Fortbildungsveranstaltungen.

In einzelnen Fällen von Neudiagnosen gilt es, Krisenintervention zu gewährleisten und die Situation zu stabilisieren.

Auch in Zeiten von Behandelbarkeit von HIV gilt es nach einem Testergebnis unterschiedliche Problematiken zu bearbeiten.

So gibt es bei vielen HIV-Infizierten das Gefühl, an der Infektion selbst schuld zu sein und sich zu schämen

und in eine Depression und Antriebslosigkeit zu gelangen. Auch ist es für HIV-positive Menschen heute immer noch

schwer, sich gegenüber anderen Menschen und Freunden zu ihrer HIV-Infektion zu bekennen. Hier bietet die AIDS-

Hilfe Unterstützung durch die psychosoziale Begleitung der hauptamtlichen Mitarbeiter oder durch Kontakt mit anderen

HIV-Positiven (z. Bsp. in unserer Positivengruppe oder in Einzelgesprächen mit HIV-Positiven, die wir vermitteln).

Bei komplexen Begleitungen, die im Zeitumfang unsere Ressourcen übersteigen, vermitteln wir Begleitete in ambulant

betreutes Wohnen, zukünftig arbeiten wir in diesem Bereich mit der AIDS-Hilfe Essen zusammen.

Unsere Öffnungszeiten für persönliche Beratung - montags 11- 14 Uhr, mittwochs 14 – 19 Uhr, freitags 11 – 16 Uhr –

haben sich bewährt. In dieser Zeit haben wir eine offene Sprechstunde und man kann uns ohne Termin aufsuchen.

Selbstverständlich ist es auch weiterhin möglich, außerhalb der Öffnungszeiten einen Beratungstermin zu vereinbaren.

Des Weiteren ist unser Büro in Wesel dienstags von 14 – 17 Uhr und donnerstags von 9 – 12 Uhr besetzt, so

dass von montags bis freitags die Möglichkeit zur persönlichen unterminierten Beratung besteht.


Zur qualitativen Verbesserung der Begleitungsarbeit nahm ein hauptamtlicher Mitarbeiter aus dem Begleitungsbereich

an den Treffen des auf Landesebene stattfindenden Arbeitskreises Sozialberatung teil. Bei diesem Arbeitskreis

handelt es sich um ein wichtiges Fort- und Weiterbildungsangebot, da hier MitarbeiterInnen aus unterschiedlichen

AIDS-Hilfen zur Reflektion ihrer Arbeit zusammen treffen. Des Weiteren dient das Treffen dem Erfahrungsaustausch

und es gibt die Möglichkeit zur Fallbesprechung.

3.1. Einzelbegleitung

Die Einzelbegleitung wird von drei hauptamtlichen MitarbeiterInnen mit unterschiedlichem Zeitanteil ihrer Vollzeitstellen

neben ihren anderen Aufgabenbereichen durchgeführt. In der Begleitungsarbeit bieten wir Beratungen zu Nebenwirkungen

der Medikamente, zu Partnerschaftskonflikten, sozialrechtlichen und finanziellen Problemen an. Bei

weiter gehenden und komplexeren Problematiken stellen wir Kontakt zu entsprechenden Beratungsstellen her (wie

zum Beispiel Schuldnerberatung). Immer häufiger gilt es, finanzielle Engpässe bei der Zuzahlung zu Medikamenten

und Praxisgebühr zu überbrücken, bis die Zuzahlungsgrenze erreicht ist und die Befreiungskarte ausgestellt werden

kann. Bei Menschen mit Migrationshintergrund stellt die Passverlängerung ein großes finanzielles und logistisches

Problem dar, für die sich keiner zuständig fühlt. Die Gebühren sind exorbitant hoch und meistens müssen die Pässe

bei der Botschaft persönlich abgeholt werden, welches wiederum hohe Fahrtkosten verursacht.

Bei finanziellen Problemen halfen wir mit unserem Positivenfond, bei größeren Beträgen stellten wir Anträge an die

Deutsche AIDS-Stiftung, soweit die Antragshintergründe die Kriterien der Stiftung erfüllen. Die Bearbeitungszeiten

haben sich aufgrund von Personaleinsparungen bei der Deutschen AIDS-Stiftung jedoch auf ca. 8 – 10 Wochen je

Antrag ausgeweitet.

Im Berichtsjahr verstarb eine unserer Begleiteten, die aufgrund ihrer persönlichen Situation für sich den Freitod gewählt

hat.

Insgesamt begleiteten wir 196 Personen einschließlich der im Knast begleiteten Personen.

Intensive Begleitung bedeutet mindestens 1 Kontakt pro Woche, welches aber auch bis zu täglichem Kontakt beinhalten

kann. Intensiv bedeutet aber auch, einmaliger monatlicher Kontakt mit anschließendem hohem Regelungsbedarf.

In der Rubrik „Regelmäßig“ erfassen wir Begleitete mit mindestens einmal monatlichem Kontakt und „Sporadisch“

einmal jährlichen Beratungskontakt.

Im Berichtsjahr wird weiterhin eine Betroffene durch einen ehrenamtlichen Mitarbeiter begleitet.

Die übrigen werden durch das hauptamtliche Team versorgt und halten sich auf stabilem Niveau.

23


Beratung

3.2. Begleitergruppe

Wie im vorherigen Abschnitt schon erwähnt, wird derzeit nur noch eine Person ehrenamtlich begleitet. Es bestand im

Berichtsjahr jedoch der Wunsch, dass sich der ehrenamtliche Begleiter und die „Ehemaligen“ mit dem hauptamtlichen

Mitarbeiter regelmäßig treffen. Diese Treffen fanden im Berichtsjahr viermal statt und dienten zum einen zum Austausch

und zur Reflektion über die bestehende Begleitung und zum anderen zum Informationsaustausch über die

AIDS-Hilfe, da die zwei „Ehemaligen“ nur noch lose Kontakt zur AIDS-Hilfe haben.

Die Aufgabe der ehrenamtlichen Begleitung bestand überwiegend darin, als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen.

Dies kann auch zu ungewöhnlichen Uhrzeiten der Fall sein, wobei der ehrenamtliche Mitarbeiter für sich entscheiden

muss, in welchem Zeitrahmen er dies zulässt.

Da alle ehrenamtlichen BegleiterInnen berufstätig sind, müssen Fahrten zu Ärzten und Ämtern durch die AIDS-Hilfe

(Zivildienstleistender oder letztendlich auch durch hauptamtliche Mitarbeiter) durchgeführt werden.

Für den Einsatz der ehrenamtlichen BegleiterInnen möchten wir uns herzlich bedanken.

3.3. Positivenfond

Der Positivenfond wird von der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. mit dem Ziel verwaltet, HIV-positive / an AIDS-

Erkrankte Menschen in finanziellen Notlagen zu unterstützen.

Die Verteilung der Fondgelder übernahm im Berichtsjahr 2010 ein Gremium, das aus zwei HIV-positiven Menschen,

einem Ehrenamtler aus dem Begleitungsbereich und einem Hauptamtler besteht. Diese Zusammensetzung schafft

innerhalb des Gremiums eine Perspektivenvielfalt, die für die Entscheidungsfindung bei Anträgen bereichernd ist.

Mindestens drei Personen dieses Gremiums entscheiden mit einfacher Mehrheit über außergewöhnliche und rückzahlbare

Zuwendungen. Die Soforthilfe wird primär von den drei im Begleitungsbereich tätigen hauptamtlichen Mitarbeitern

ausgezahlt. In die Entscheidungsfindung fließt zum einen die finanzielle Situation des Antragsstellers ein und

zum anderen die Gründe für sein spezielles Anliegen. Die Verwaltung des Fonds obliegt einem hauptamtlichen Mitarbeiter.

Wie in den Vorjahren stellte der Vorstand aus Spendengeldern insgesamt eine Summe in Höhe von 3.850 € zur Verfügung.

Unser besonderer Dank gilt allen Spendern, die uns damit diese Form der Hilfe in diesem Umfang ermöglicht

haben. Die Summe wurde im Berichtsjahr nicht ausgeschöpft.

Bei einem Krankhausaufenthalt ist die Beantragung für die dort anfallenden „Telefonkosten“ möglich, wenn diese

nicht selbst übernommen werden können. Hierdurch soll der Kontakt nach außen aufrechterhalten und die Möglichkeit

gegeben werden, sich bei Schwierigkeiten mit jemandem zu bereden. Da es nur wenige stationäre Aufenthalte

gab und die Begleiteten zumeist über Handy erreichbar sind, fielen im Berichtsjahr in diesem Bereich wiederum keine

Ausgaben an.

Für den Bereich „Knast“ haben wir in 2010 230,45 € für sogenannte Knastpakete aufgewandt. Da diese nicht mehr

über die Deutsche AIDS-Stiftung finanziert werden, werden diese zurzeit vom Positivenfond getragen. Die Summe

hat sich im Vergleich zum Vorjahr halbiert.

Der Bereich „Soforthilfe“ lag mit 1.850 € ungefähr gleichauf mit den Ausgaben in diesem Bereich im Jahr 2009, und

stellt weiterhin den höchsten Ausgabenposten des Positivenfonds dar. Bei der Soforthilfe handelt es sich um eine

finanzielle Hilfe am Ende des Monats, um Engpässe zu überbrücken. Diese Hilfe wird gewährt, wenn sich die Einkünfte

auf dem Niveau des Arbeitslosengeldes II belaufen. Die Soforthilfe wurde im Durchschnitt von den Personen,

die die Kriterien des Positivenfond erfüllen in der Regel fünfmal jährlich in Anspruch genommen.


Die „Außergewöhnlichen Zuwendungen“ erhöhten sich im Berichtsjahr von 627 € auf 843 € um ein Drittel. Außergewöhnliche

Zuwendungen werden für den Ausgleich von Stromschulden, Telefonrechnungen, Zuschüsse zum

Zahnersatz, Unterstützung zur Erlangung der Befreiungskarte für Zuzahlungen bei Medikamenten und Praxisgebühr

und anderes gewährt.

„Rückzahlbare Zuwendungen“ sind für Ausgaben gedacht, die die Begleiteten dringend benötigen, für die sie aber

aktuell kein Geld haben. Das gewährte Darlehen muss in angemessenen Raten zurückgezahlt werden. Um den Begleiteten

dies zu ermöglichen und das Begleitungsverhältnis durch offene Beträge nicht zu belasten, muss der Einkommenssatz

bei diesen Zuwendungen die Sozialhilfe bzw. das Arbeitslosengeld II übersteigen.

Die rückzahlbaren Zuwendungen sind im Berichtsjahr von 152 € auf 326 € angestiegen. Hier wurde auch der Wunsch

der Begleiteten berücksichtigt, die zunächst einmal eine Rückzahlung leisten wollen.

Rückzahlbare Zuwendungen wurden in den meisten Fällen für Zuzahlungen für Medikamente und Praxisgebühr gewährt,

damit der Betroffene direkt seine Befreiungskarte erhält und die Rückzahlung an die AIDS-Hilfe vornehmen

kann. Mit der Befreiungskarte ist ein regelmäßiger Arztbesuch und regelmäßiger Medikamentenbezug möglich.

Die „Einnahmen“ (s. Abb. u.) des Positivenfonds resultieren aus den Rückzahlungen der rückzahlbaren Zuwendungen.

Da die Darlehen nicht unbedingt in dem Jahr der Auszahlung zurückgezahlt werden, kommt es zu Differenzen in

den Bereichen Auszahlung und Einnahme.

Auch im Berichtsjahr konnten wir durch Anträge bei der Deutschen AIDS-Stiftung unseren Begleiteten mit größeren

Beträgen aushelfen. Hier besteht weiterhin eine gute Zusammenarbeit, für die wir uns recht herzlich bedanken.

Telef. Knast Sorforth. Außergew. Z. Rückz. Z. Einnahmen Summe

2010 0,00 € 230,45 € 1.850,59 € 843,64 € 326,07 € 168,00 € 3.250,75 €

2009 0,00 € 464,74 € 1.818,60 € 627,07 € 152,00 € 262,98 € 3.062,41 €

25


Beratung

3.4. Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern

Die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern bleibt für unsere AIDS-Hilfe wichtig. Im Einzelnen handelt es sich um

folgende Partner:

HIV-Schwerpunktpraxen

Die Zusammenarbeit mit den beiden in Duisburg offiziell auf HIV spezialisierten Schwerpunktpraxen wurde 2010

problemlos fortgesetzt. Unklarheiten und Fragen können auf kurzem Weg geklärt werden. Regelmäßig haben wir

Austauschgespräche mit dem Gesundheitsamt Duisburg, dem Gesundheitsamt des Kreises Wesel, der AIDS-Hilfe

Oberhausen und den beiden Schwerpunktärzten. Es ist für uns eine Möglichkeit, die Arbeit der AIDS-Hilfe vorzustellen

und transparent zu machen. Unter anderem war auch Teil dieses Gespräches der Rück- und Ausblick auf das

Fachgespräch mit den beiden Schwerpunktärzten.

Krankenhäuser

Bei Krankenhausaufenthalten in Bezug auf HIV/AIDS werden unsere Begleiteten in die umliegenden Uni-Kliniken

Essen, Bochum und Düsseldorf eingewiesen. Insbesondere zur Uniklinik Essen bestehen gute Kontakte zu dem medizinischen

und auch zum sozialarbeiterischen Personal. In Duisburg hat sich bezüglich der stationären Versorgung

aufgrund weiterhin geringer Fälle keine Veränderung ergeben.

Pflegedienste

Die Kooperation mit den Pflegediensten, mit denen wir bisher zusammen gearbeitet haben, wurde erfolgreich fortgeführt.

Hospize

Im Berichtsjahr wurde von unseren Begleiteten kein Hospiz in Anspruch genommen, jedoch besteht von unserer Seite

Kontakt zur Hospizbewegung.

Anwaltspraxen

Die Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten läuft im migrationsrechtlichen Bereich - soweit von Nöten - ohne Probleme.

Ambulant Betreutes Wohnen

Hier arbeiten wir mit örtlichen Anbietern zusammen und für zukünftige Fälle ist eine Zusammenarbeit mit der AIDS-

Hilfe Essen vereinbart.

3.5 Angebote für HIV-Positive und an AIDS-Erkrankte

Im Berichtsjahr wurde im Rahmen des Solidar-Erleben-Ansatzes die Kochgruppe fortgeführt. Die Kochgruppe ist ein

monatliches Angebot, bei dem HIV-Positive und ehrenamtliche MitarbeiterInnen zusammen kommen, um Abwechslung

in den Alltag zu bringen. Gleichzeitig bietet sich hier ein Raum zum Austausch von Sorgen und Nöten. Seit 2009

hat der Vorstand die Kochgruppe mit einem Budget ausgestattet, so dass die TeilnehmerInnen keinen Eigenanteil

entrichten mussten. An der Kochgruppe nehmen im Durchschnitt 5 – 7 Personen teil.

Seit Anfang 2007 trifft sich regelmäßig einmal monatlich eine Positivengruppe. Zugang haben die unterschiedlichen

sexuellen Präferenzen, auch der Ansteckungsweg spielt keine Rolle. Es ist eine sehr bunt gemischte Gruppe, welche

in Selbsthilfe eigenständig durchgeführt wird.

Frauenspezifische Angebote wurden wie in den Vorjahren in Kooperation mit den benachbarten AIDS-Hilfen angebo-


ten. Im Berichtsjahr wurde auch das Angebot einer Frauengruppe eingerichtet. Diese erfreut sich großer Beliebtheit

und wachsendem Zuspruch. Hierbei gilt es besonders zu erwähnen, dass es hier eine Kooperation mit den niedergelassenen

HIV-Schwerpunktpraxen gibt und die AIDS-Hilfe mit diesem Angebot HIV-positive Frauen erreicht, die bisher

keinen Zugang zur AIDS-Hilfe hatten. Weitere Einzelheiten werden in Kapitel 5.4 näher beschrieben.

Unser traditionelles Mittwochs-Café ist weiterhin das best besuchte Angebot. Dieses ist ein beliebter Treffpunkt zwischen

HIV-Infizierten / an AIDS Erkrankten, ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und der AIDS-Hilfe Sympathie entgegenbringender

Menschen. Darüber hinaus ist dieses Café eine erste Anlaufstelle für an ehrenamtlicher Arbeit Interessierte.

Auch Bewerbern für den Zivildienst bietet es eine Plattform fürs Kennen lernen der AIDS-Hilfe.

Das Café haben wir mit Aufbackkuchen,

eigenen Backwerken und

Spenden der Duisburger Tafel

bzw. Bürger für Bürger bestückt.

Im Café ist ein Austausch zwischen

Betroffenen, hauptamtlichen

und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen

möglich. Hier kann

man sich auch über Neuigkeiten

in der AIDS-Hilfe informieren und

die Angebote an Infotafel zur

Kenntnis nehmen. Zum einen ist

es eine willkommene Abwechselung

für die Betroffenen, zum anderen

ist er das Treffen in der

„Wahl-Familie“.

Weiterhin fährt eine ehrenamtliche Mitarbeiterin jeweils vor dem Café bei Bürger für Bürger vorbei und holt dort Lebensmittel,

die dann im Mittwochs-Café verteilt werden.

Da der Besucherstrom schon um 15 Uhr für das Café startete, wurden die Öffnungszeiten des Cafe´s im Jahr 2010

auf 15 bis 18 Uhr geändert. Es wird von durchschnittlich ca. 12 - 20 Personen besucht. Vorbereitet wird es – soweit

vorhanden - überwiegend von dem Zivildienstleistenden und einem ehrenamtlichen Mitarbeiter. Während der Café-

Zeit ist immer ein hauptamtlicher Ansprechpartner präsent, da diese Treffen von vielen Betroffenen dazu genutzt werden,

Anliegen an die BeraterInnen und BegleiterInnen heranzutragen. Über die Cafézeit hinaus hat die AIDS-Hilfe

mittwochs bis 19 Uhr für persönliche und telefonische Beratung geöffnet.

27


Beratung

Unsere traditionelle Weihnachtsfeier fand Heiligabend wie im Vorjahr in der Uhrzeit von 15.30 bis 20 Uhr statt.

Die Weihnachtsfeier wurde letztendlich von 22 TeilnehmerInnen besucht und fand wieder in den Räumen von SHAlk

statt, denen wir für die Überlassung der Räumlichkeiten recht herzlichen Dank sagen. Die geringe Teilnehmerzahl ist

auf die extremen Wetterbedingungen am Heiligabend zurückzuführen. Durch starken Schneefall war der öffentliche

Personennahverkehr eingestellt und es war weiterhin schwierig, ein Taxi zu bekommen. Die Weihnachtsfeier konnte

über Spenden in Höhe von 2.400 € der Kirchen aufgrund eines Mailings und Einzelspenden ausgerichtet werden.

Wie in den Vorjahren konnten wir ein festliches Menü anbieten und Weihnachtstüten mit Süßigkeiten, Obst, Kaffee

und Tabak verteilen. Die Vorbereitung und die Durchführung der Weihnachtsfeier liegt schwerpunktmäßig in ehrenamtlicher

Hand, von hauptamtlichen Mitarbeitern gab es einen Ansprechpartner, der auch bei der Weihnachtsfeier

selbst anwesend war und für Rückfragen bei Unklarheiten zur Verfügung stand.

Auch im Berichtsjahr gab es wieder eine Positivenfreizeit. Die diesjährige Freizeit führte vom 24.09. bis 01.10.2010

in die Ferienanlage Schloss Dankern, in Haren an der Ems. Die geringe Teilnehmerzahl von sechs Personen ist auf

langwierige Erkrankungen zurück zu führen, die es 2 Teilnehmern unmöglich machte, mit zu fahren. Andere Teilnehmer

aus den vergangenen Jahren hatten für dies Jahr andere Pläne.

Das angemietete Haus lag am Rand der sehr großen Ferienanlage und war ideal für die Gruppe, die aus vier Männern

und zwei Frauen bestand.

Bewährt hat sich hier durch gemeinsame Unternehmungen und Aktivitäten im vertrauensvollen Gespräch Probleme

anzusprechen, sich mit anderen auszutauschen und Lösungsmöglichkeiten kennen zu lernen. Des weiteren ist für die

Gruppe das gemeinsame Kochen und Essen wichtig, da zuhause aufgrund des Alleinseins dieses meistens zu kurz

kommt.


3.6 Trauerarbeit

Im Berichtsjahr ist eine der von uns Begleiteten verstorben. Diese hatte sich für den Freitod entschieden, welches

uns alle tief berührt hat. Des Weiteren mussten wir von der Mutter unseres Vorstandsvorsitzenden, die regelmäßig

unser Mittwochs-Café und weitere Angebote der AIDS-Hilfe aufsuchte und damit sehr präsent war, und von Klaus

Blaumeiser, einem langjährigen JES-Aktivisten und ehemaligen Mitarbeiter Abschied nehmen.

Wir gedenken der Verstorbenen in der Mitgliederversammlung und mit unserer Trauerecke, die sich im Café befindet.

Hier befinden sich unser Trauerbuch und weitere Informationen zu Verstorbenen.

29


Öffentlichkeitsarbeit

4. Öffentlichkeitsarbeit

„Positiv zusammen leben. Aber sicher!“ – das ist die neue, alte Botschaft, die unsere Öffentlichkeitsarbeit von Beginn

an prägt (vgl. 1.).

Und es gibt mehr Anlass als je zuvor, dass diese Botschaft gesellschaftlich-flächendeckend ankommt und gelebt

wird, denn immer mehr Menschen mit HIV und AIDS leben in unserer Gesellschaft – und leben länger in unserer Mitte.

„Menschen mit HIV und AIDS können heute bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung oft mit einer fast normalen

Lebenserwartung rechnen. In den Medien werden HIV-Positive aber häufig auf ihre Infektion reduziert und nicht als

Menschen mit einer Krankheit gesehen. Wer HIV hat oder erkrankt ist, fühlt sich oft sozial isoliert und wagt vielleicht

nicht, mit anderen darüber zu sprechen. Hinzu kommt: Wohl kaum eine Krankheit ist so eng mit Tabuthemen verknüpft

wie eine HIV-Infektion und AIDS. Unbewusst oder bewusst schieben viele den Betroffenen die Schuld an ihrer

Situation zu. Verantwortung für den Schutz vor HIV tragen beim Sex aber beide Partner. (…)

Wir alle können dazu beitragen, dass Isolation und Stigmatisierung von Menschen mit HIV abgebaut werden: indem

wir Betroffenen unvoreingenommen begegnen und ihnen so erleichtern, offen und verantwortungsvoll mit ihrer Infektion

oder Krankheit umzugehen.“ (Broschüre zur Welt-AIDS-Tag`s-Kampagne 2010, hrsgg. von der Bundeszentrale für gesundheitliche

Aufklärung, BZgA, im Auftrag vom Bundesministerium für Gesundheit, BMG, in Partnerschaft mit der Deutschen AIDS-

Hilfe und der Deutschen AIDS-Stiftung, S.3)

Dies zu ermöglichen ist nicht mehr nur ein gesellschaftspolitisches Anliegen, sondern ist mehr denn je auch ein ungemein

wichtiger Pfeil im Köcher der Primärprävention. Denn eines bleibt: Nur wer sich schätzt und von seinem sozialen

Umfeld angenommen wird, legt wirklich Wert auf den Selbstschutz und den seiner Mitmenschen. Die Erkenntnis


ist nicht neu und deshalb hat die AIDS-Hilfe mit ihrem Ansatz der strukturellen Prävention schon immer im Kontext

einer über reine Prävention hinausgehenden Gesundheitsförderung agiert. Nicht zuletzt, um dies auch unseren Kunden

transparent zu machen, haben wir uns 2009 ja den Zusatz „Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung“ gegeben

(vgl. Jahresbericht 2009).

Die offene Kommunikation benötigt ein adäquates soziales Klima und sie braucht gewissermaßen den Geist der Aufklärung.

Wer informiert ist, ist –nicht nur- beim Thema HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten klar im

Vorteil – hinsichtlich des Umganges mit Menschen mit HIV, aber eben auch hinsichtlich des Schutzes vor einer Infektion

und ihren Folgen.

Auch wenn ein positives Testergebnis heute und hierzulande dank der modernen Therapiemöglichkeiten kein mittelbares

Todesurteil mehr ist, so erleben es viele doch zurecht als ganz tiefen Einschnitt ins Leben mit all seinen Facetten

– eben nicht nur physisch-gesundheitlichen Seiten.

„Das Leben mit HIV ist keine Party!“ (ein zentraler Satz der diesjährigen WAT-Kampagne). Auch wenn die Lebenserwartung

erheblich gestiegen ist, geht dieses Mehr an Jahren keineswegs immer einher mit einer guten Lebensqualität.

Es bleiben eine ganze Reihe von Einschränkungen, welche leicht dazu führen können, dass Betroffene die Erwartungen

des sozialen und beruflichen „Funktionierens“ nicht mehr erfüllen können. Es drohen der Verlust des Arbeitsplatzes,

Armut und Isolation. Die Folgen davon belasten nicht nur die Betroffenen selbst, sondern eben auch die

sozialen Sicherungssysteme und diejenigen Einrichtungen, die Leistungen für eine existentielle Grundversorgung

übernehmen, wie etwa auch die AIDS-Hilfen.

Aus unserer Sicht wird es daher endlich Zeit für einen grundlegenden gesellschafts- und gesundheitspolitischen Paradigmenwechsel

– eine konsequente Ausrichtung auf einen salutogenetischen Ansatz. Hier ist der Gesetzgeber gefordert.

Die ehemalige Staatssekretärin und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Frau Marion Caspers-Merk, hat

diese Forderung prägnant formuliert und untermauert:

„Prävention und Gesundheitsförderung müssen dringend zu einer vollwertigen Säule unseres Gesundheitssystems

ausgebaut werden – gleichberechtigt neben der Behandlung von Krankheiten (… Kuration …) sowie der Rehabilitation

und Pflege.“ (in: Gesundheit braucht Initiative, Verbandsschrift des PARITÄTISCHEN 01/2011, S. 6).

Und dass Prävention wirkt, haben wir beschrieben und belegt (vgl. 1.). Das Verhältnis bei der Finanzierung zwischen

Kuration (Pathogenetische Ausrichtung) und Prävention/Gesundheitsförderung weist allerdings ein krasses Gefälle

aus. „Pro Jahr und Versichertem wenden die Krankenkassen durchschnittlich ca. 3.000 Euro für die medizinische

Behandlung auf. Für Prävention und Gesundheitsförderung sind es nicht einmal fünf Euro“, so Caspers-Merk (ebd.).

Und bei der genaueren Analyse, wen diese Ausgaben erreichen, ist zu konstatieren, dass Zielgruppen, die es besonders

nötig hätten, dabei kaum erreicht werden. Bei –höchst sinnvollen- Angeboten wie Yoga, Rückenschulen, Fitness

oder Walking sind berufstätige Männer, alleinerziehende, ökonomisch schwache Frauen, Suchtbelastete, Menschen

mit anderen Formen sozialer Benachteiligung, solche mit Migrationshintergrund oder gar Menschen ohne Papiere

eher selten vertreten, beim Infektionsgeschehen dagegen eher häufig. Das hat zur Folge, dass Angebote deutlicher

„lebensweltbezogen“ ausgerichtet werden müssten – oder, wie wir es von Beginn an formulieren: zielgruppenspezifisch,

niedrigschwellig, akzeptanzorientiert, aufsuchend, etc.

Wir betrachten es als die Kernaufgabe der Öffentlichkeitsarbeit von AIDS-Hilfe als Selbsthilfe-, Interessen- und Fachverband,

die Bevölkerung und auch die Beteiligten im Gesundheitswesen seriös, differenziert und bestmöglich über

die aktuellen Entwicklungen im Kontext von (sexueller) Gesundheitsförderung zu informieren.

Diese Aufgabe wird allerdings immer schwerer, denn die Materie wird mit zunehmenden Erkenntnisgewinnen zum

Virus, seinen Infektionswegen, zum Immunsystem und zu den Therapieoptionen immer komplexer und in bestimmten

Szenen oder/und Settings ist das Spektrum der Präventionsbotschaften gewiss weiter und differenzierter zu gestalten

als es die hinlänglichen Safer Sex-Botschaften bisher hergeben.

31


Öffentlichkeitsarbeit

Die strukturelle HIV-Prävention wird immer komplexer. Die Präventionsbotschaften sind immer mehr zu differenzieren

und zum Teil zu individualisieren. Wenn wir heute erkennen, dass das Infektionsrisiko, das von einem HIV-Infizierten

unter stabiler antiretroviraler Therapie (sART) ausgeht, „sich in der Größenordnung unserer normalen Lebensrisiken

wie z.B. dem Besteigen eines Flugzeuges“ (Schweizerische Ärztezeitung, 2008; 98:5, S. 163) bewegt, dann ist es

richtig und wichtig, HIV-positive Menschen davon zu unterrichten, denn dann ist die häufig tief verwurzelte Angst, andere

zu infizieren, sehr zu relativieren. Diese Erkenntnis hat enorme Chancen zur Folge, denn sie kann zu einer erheblichen

Verbesserung der Lebensqualität von HIV-Infizierten und der von HIV-Betroffenen führen.

Inwieweit diese Erkenntnisse auch offensiv in die Allgemeinbevölkerung getragen werden sollten, ist weiterhin sehr

umstritten, denn sie bergen durchaus das Risiko, die Präventionserfolge zu gefährden. Die antiretrovirale Therapie

als Instrument im Köcher der Primärprävention ist aber eindeutig als Zugewinn zu betrachten.

Im Zuge dieser noch relativ jungen Errungenschaften muss die Förderung der Testbereitschaft ein immer stärkeres

Anliegen der Präventionsarbeit werden.

Dies spiegelt sich in der Fachwelt vielfach wieder, so auch im Aktionsplan gegen HIV und AIDS der Europäischen

Kommission für die Jahre 2009 – 2013 und so auch bei einem deutschen Expertenworkshop zur HIV-Testung, der im

Oktober 2009 auf Einladung des Gemeinsamen Wissenschaftlichen Beirates des BMG und der Deutschen AIDS-

Gesellschaft (DAIG) stattfand und dessen Ergebnisse wir an dieser Stelle noch einmal im Überblick wiederholen wollen,

weil sie unsere Haltung und Arbeitsansätze sehr gut wiedergeben:

„1. Ein allgemeines HIV-Screening in medizinischen Einrichtungen in Deutschland ist angesichts der vergleichsweise

niedrigen HIV-Prävalenz in der Gesamtbevölkerung weder sinnvoll noch wünschenswert.

2. Eine gezielte Vermehrung von Angeboten zur freiwilligen Testung auf HIV verknüpft mit einer qualifizierten Beratung

ist erwünscht und notwendig. Die Durchführung der HIV-Testung ist dabei kein eigenständiges Ziel, sondern Teil

einer HIV/AIDS Gesamtstrategie, die auch präventive, gesundheitsfördernde und kurative Maßnahmen einschließt.

(…) Anonyme und kostenlose Testangebote können die Akzeptanz eines Testangebotes erhöhen. (…) Zielgruppenspezifische

Testermutigung und möglichst niedrigschwellige Testangebote sollen gestärkt und weiter ausgebaut werden.

(…) Insbesondere muss sichergestellt sein, dass alle Personen, bei denen eine HIV-Infektion diagnostiziert wird,

einen ausreichenden Zugang zum medizinischen Versorgungssystem in Deutschland erhalten – auch Personen ohne

gesicherten Aufenthaltsstatus und Krankenversicherungsschutz sowie Inhaftierte. Dies erfordert unter anderem eine

engere Zusammenarbeit zwischen dem medizinischen Versorgungssystem, dem öffentlichen Gesundheitsdienst und

Nichtregierungsorganisationen.

HIV-Testung muss grundsätzlich freiwillig und mit informiertem Einverständnis der Getesteten erfolgen. Die Testung

muss begleitet sein von einer den konkreten Umständen angepassten Beratung vor dem Test und einer ausführlichen

Beratung zum Testergebnis nach dem Test. (…) Zur Testberatung gehört auch, die Notwendigkeit wiederholter

Testung bei Fortbestehen von Infektionsrisiken anzusprechen. Etwa die Hälfte der neu mit HIV diagnostizierten Personen

in Deutschland hat sich vor der HIV-Diagnose bereits mindestens einmal mit negativem Ergebnis auf HIV testen

lassen.

3. Möglichkeiten ärztlich initiierter Testung sollten stärker als bisher genutzt werden. Dies erfordert folgende Maßnahmen

und Strukturen:

- Anlässlich der Untersuchung auf andere sexuell übertragbare Erkrankungen sollte die Frage eines HIV-Testes regelmäßiger

als bisher üblich angesprochen werden.

– Niedrigschwellige STI-Test- und Beratungsangebote sollten ausgebaut werden und ihr Angebot sollte sich vor allem

an besonders betroffene Gruppen richten, für die Zugangsbarrieren zum regulären Versorgungssystem bestehen (…)

4. Diskriminierung und soziale Ausgrenzung von HIV-Infizierten wirken sich demotivierend auf die HIV Testbereitschaft

von gefährdeten Personen und Personengruppen aus.

Zwar ist beim Abbau von Diskriminierung HIV-Infizierter in Deutschland schon viel erreicht worden, weitere Anstrengungen

sind aber notwendig. Sowohl innerhalb betroffener Bevölkerungsgruppen als auch im medizinischen Versorgungssystem,

beim Kontakt mit Behörden, am Arbeitsplatz und im sozialen Umfeld erfahren auch heute noch in

Deutschland viele HIV-Infizierte bei der Offenlegung ihrer Infektion Diskriminierung und Ausgrenzung.“

(Dr. U. Marcus u. Dr. O. Hamuda, Späte HIV-Diagnose und später Behandlungsbeginn in Deutschland, in HIV&more,


4/2009, S.62)

Letzteres hat uns im Berichtsjahr insbesondere der erneute mediale Hype um die Urteilsfindung und –verkündung im

„Fall Nadja B.“ wieder einmal sehr deutlich vor Augen geführt (s. 1.).

Der `präventive Spagat´ zwischen Entdiskriminierungsarbeit im Umgang mit HIV-positiven und an AIDS erkrankten

Menschen und der Mahnung vor einer keineswegs „normalen chronischen Erkrankung“, die noch dazu letztlich immer

noch tödlich ist, bleibt eine große Herausforderung für die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit.

Und angesichts der skizzierten vielfältigen Veränderungen sind wir stetig gefordert, unsere Arbeitsweisen zu überdenken

und hier und da zu reformieren.

„HIV-Prävention kann nur in einer Gesellschaft erfolgreich sein, in der Menschen mit HIV und ihre Partner mit ihren

besonderen Bedürfnissen und Ängsten akzeptiert und unterstützt werden“ (Stellungnahme der Deutschen AIDS-

Gesellschaft, DAIG, zur Frage der Infektiosität von Patienten unter HIV-Therapie vom 23.04.2009).

Der Ansatz, allein auf individuelle Verhaltensänderung zu setzen, reicht nicht aus. Auch die Verhältnisse, in denen

Menschen leben, müssen lebenswert und so gestaltet sein, dass Menschen sich darin angenommen fühlen können.

Hier sind alle gesellschaftlichen Gruppen weiter gefordert.

„Positiv zusammen leben. Aber sicher!“. Das deutsche Welt-AIDS-Tags-Motto des Jahres 2010 setzte insofern das

Thema „Solidarität“ konsequenter in den Mittelpunkt als je zuvor (s.o).

Wir haben eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung auch und gerade gegenüber den Schwächeren in unserer

Leistungsgesellschaft. Nicht nur im HIV-Infektionsgeschehen sind Menschen überproportional vertreten, die ökonomisch,

bildungsmäßig und sozial benachteiligt sind. Somit bleibt AIDS-Präventionsarbeit zu einem großen Teil weiterhin

Arbeit in gesellschaftlichen Konfliktbereichen. Es geht weiter um Aspekte von sozialer Diskriminierung von Homound

Bisexuellen, um die Kriminalisierung von Drogengebraucher/innen, um die Ausgrenzung von Menschen mit Migrationshintergrund,

um Marginalisierungstendenzen von Prostituierten und Menschen in Haft und um die Defizite in

der Um- und Durchsetzung von (sexuellen -) Selbstbestimmungsrechten von Frauen in besonderen Lebenslagen.

Von besonderer Bedeutung ist dabei die konsequente Einbeziehung und Thematisierung anderer sexuell übertragbarer

Infektionen (STI`s, wie Syphilis, Chlamydien u.a.), da diese eine zunehmende Relevanz für die HIV-Inzidenzen

besitzen (vgl. 1.).

Während wir nach 25 Jahren AIDS-Prävention sicherlich behaupten können, dass das Aufklärungsniveau bezüglich

HIV/AIDS in der deutschen Bevölkerung vergleichsweise gut ist, gilt dies hinsichtlich der STI`s in keinster Weise. Hier

muss ein Schwerpunkt in der künftigen Präventionsarbeit gesetzt werden.

Erfreulicherweise sind Anfragen nach den Angeboten unserer AIDS-Hilfe in allen Arbeitsbereichen stabil hoch. Das

spezifische Know-how, die Vermittlungskompetenzen unserer ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen und die

Flexibilität eines kleinen, freien Trägers in der Wohlfahrtspflege werden offensichtlich sehr geschätzt. Das zeigen uns

die vielen positiven Rückmeldungen, die aus sehr unterschiedlichen Gruppierungen kommen.

Es ist von großer Bedeutung, dass die Arbeit und die Haltungen der AIDS-Hilfe(n) als sinnvoll wahrgenommen und

der Diskurs zu Ansätzen, Konzepten und deren Förderung angenommen werden. Dies ist nicht zuletzt auch für die

Arbeit und die Motivation unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen sehr wichtig.

Grundlagen für den Erhalt und die Anpassung unserer Arbeitsqualitäten sind die Qualitätsstandards für die Präventions-

und Öffentlichkeitsarbeit, die Teil unseres Leitbildes (s. www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ) sind.

33


Öffentlichkeitsarbeit

4.1. AG Öffentlichkeitsarbeit

Die mit dem skizzierten Themenspektrum und der entsprechenden Informations- und Aufklärungsarbeit befasste Arbeitsgruppe

trifft sich jeden dritten Donnerstag im Monat um 18.30 Uhr in der AIDS-Hilfe, um Veranstaltungen, Informationsstände

u.a. Aktionen zu konzipieren und zu organisieren. Die Gruppe ist mit stabil acht Mitgliedern besetzt.

Um diesen Kern von Mitarbeiter/innen herum finden sich immer wieder neue Interessent/innen über mehr oder minder

lange Zeiträume. Der Zugang zur Gruppe setzt nicht das Durchlaufen der Grundausbildung für Ehrenamtler/innen

voraus, wie dies für die Bereiche der Beratung und Begleitung zwingend ist. Es kann also jede/r Interessierte unverbindlich

hereinschnuppern.

Ohne das intensive Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen wäre die Menge an Veranstaltungen und Aktionen,

die wir auch im Berichtsjahr wieder durchführen konnten, nicht denkbar. Allen beteiligten Ehrenamtler/innen gilt

dafür unser herzlichster Dank!

Weiterhin suchen wir gerade für das Feld der Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit ehrenamtliche Mitarbeiter/

innen. Wer hier aktiv werden möchte oder Interessenten kennt … nur zu!

Zum Bereich der medialen Außendarstellung gehört die Internet-Homepage der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. ( www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ). Ein Medium, das immer mehr an Bedeutung gewinnt und auf die

Schnelle nicht nur Informationen zum Verein und seinen Angeboten bietet, sondern auch zu Beratungszwecken gerne

genutzt wird. Dazu hat sich die Einrichtung einer extra Beratungsseite mit sog. FAQ`s (frequently asked questions

= Häufig gestellte Fragen) bewährt. Dieses Angebot wird gerade von jüngeren Leuten aufgrund der besonderen Anonymität

und der Attraktivität des Mediums für diese `Besucher´ genutzt. Diese Seiten werden regelmäßig evaluiert

und bei Bedarf werden die FAQ`s variiert (Vgl. 2.).

Im Berichtsjahr konnte es nach längerer Vorlaufzeit endlich gelingen, das wichtigste Printmedium, unsere Hausbroschüre,

neu aufzulegen. Mit Hilfe der Grafikdesignerin Britta Plien (s.a. 5.6.) ist uns –so meinen wir- ein attraktiver

Wurf gelungen, dessen Gestaltung nunmehr als Muster für ein neues „corporate design“ dienen soll.


Als weiterer wichtiger Werbeträger dient der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. der Schaukasten im Bus- und S-

Bahntunnel am Duisburger Hauptbahnhof, der im Berichtsjahr wieder mehrmals thematisch neu gestaltet und fortlaufend

aktualisiert wurde. Unserem Gründungs- und inzwischen Ehrenmitglied Wulf Thomas, der diesen Werbe-, Beratungs-

und Ankündigungsträger seit über 20 Jahren pflegt und regelmäßig aktualisiert, gilt ein besonderer Dank.

Schaukasten Duisburg

35


Öffentlichkeitsarbeit

4.2. Veranstaltungen

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist immer bemüht, ihr Angebot einer breiten Öffentlichkeit transparent zu

machen und nutzt dazu verschiedene Orte und Anlässe. Wie könnte man auf Enttabuisierung, Entdiskriminierung und

Emanzipation ausgelegte Präventionsarbeit leisten, ohne die sog. Allgemeinbevölkerung über den Sinn und Zweck

zielgruppenspezifischer Arbeit zu informieren?

Neben dem sehr breiten Spektrum an inhaltlichen Ausrichtungen (HIV und AIDS, Hepatitiden und andere sexuell

übertragbare Krankheiten, Homosexualität, Drogengebrauch, Frauen/Mädchen und AIDS, Migration und AIDS

u.a.m.) ist es alljährlich aufs Neue schwierig, halbwegs flächendeckend in unserer großen Region Präsenz zu zeigen.

Der Jahresauftakt ist traditionell geprägt durch eine Fülle an Präventionsveranstaltungen im Bereich „Youthwork“ (s.

5.6.) sowie durch intensive Berichts- und Dokumentationsarbeit zum Vorjahr. Darüber hinaus ist im ersten Quartal

auch die Grundlagenausbildung für Ehrenamtliche in der Ruhrgebietsvernetzung platziert, bei der wir mit allen Fachkräften

als Trainer/innen intensiv beteiligt sind (s. 6.)

Im Berichtsjahr haben uns hier auch die Folgen der angespannten Haushaltsberatungen in Duisburg und dem Kreis

Wesel beschäftigt durch die Abfragen nach spezifischen „Fallzahlen“. Der aufwendige Nachweis dazu hat aber gewiss

auch dazu geführt, dass unsere kommunalen Zuwendungsgeber wahrnehmen konnten, wie viel Leistung sie für

vergleichsweise wenig Mittel bekommen. Dieses äußerst günstige Verhältnis dürfte bei anderen Trägern nur schwerlich

zu finden sein – erst recht, wenn man noch das Volumen an ehrenamtlicher Arbeit in die Betrachtungen einbezieht.

Der auch für uns günstige Umstand, zwei kommunale Partner zu haben, führt allerdings an einigen Stellen zu nicht

unerheblichem bürokratischem Mehraufwand, für den es leider keine finanzielle Anerkennung gibt.

Parallel aber liefen natürlich auch die Planungen zur Öffentlichkeitsarbeit an sowie die fachliche Fort- und Weiterbildung,

die angesichts der schon mehrfach beschriebenen Dynamik im Themenfeld unerlässlich ist. Die Teilnahme des

Verfassers an den Münchener-AIDS-Tagen im März hat hier wichtige updates bringen können.

In bewährter Kooperation mit der AIDS-Hilfe Oberhausen gab es die fachliche Einstimmung am 16. Juni mit einem

Fachgespräch zur HIV-Therapie. Unter dem Dauerthema „Älter Werden mit HIV“ haben wir uns dem Schwerpunkt

„HIV und Psyche – Begleiterscheinungen einer HIV-Therapie“ gewidmet. Der Bochumer Psychologe und Psychotherapeut,

Dr. Armin Bader, seit vielen Jahren im HIV-Geschehen tätig, hat uns hier in hervorragender Weise eingestimmt.

Mit Infoständen ging es am 19.06. beim Umweltmarkt Duisburg los, bei dem wir uns inhaltlich auf die Vorstellung der

neuen Kampagne des bundesweiten Aktionsbündnisses gegen AIDS „in 9 Monaten“ konzentrierten. Dabei sollen die

Menschen darauf aufmerksam gemacht werden, dass es heute eigentlich sehr einfach ist, durch den Zugang zu Therapien

die sog. vertikale Transmission von der HIV-positiven Mutter auf ihr Kind zu vermeiden, dies allerdings nur in

recht wenigen privilegierten Regionen dieser Welt umgesetzt werden kann. Babys ohne HIV ist das Ziel, für das

durch Unterschriftensammlungen Druck auf die Regierungsorganisationen der „ersten Welt“ aufgebaut werden soll.

Sie sollte ein Fest werden – und ein Highlight des diesjährigen Präventionsgeschehens – und sie war es auch eine

ganze Zeit lang, bis die Loveparade am 24. Juli zu einer unfassbaren Katastrophe wurde, die uns noch lange verfol-


gen wird. Ich verweise an dieser Stelle auf die Passagen im Geschäftsbericht (1.). Wir wollen allerdings auch die positiven

Momente in Erinnerung behalten und präsentieren dazu ein paar Eindrücke unserer Aktivitäten.

Impressionen von der Loveparade als die Welt noch in Ordnung war

Für das nächste angedachte Duisburger Highlight, der „CSD-Ersatz“, das geplante schwul-lesbische Straßenfest

„Sommerlust“, welches am 14.08. über die Duisburger City-Bühne gehen sollte, haben wir uns –wie berichtet, s. 1.-

für eine Absage entschieden.

Im entfernteren Wesel haben wir dagegen am 07.08. nach einer zweijährigen Pause wieder das Vereinsfest der ppp-

Tage begleitet und die Bevölkerung mit Informationen versorgt.

Beim Stadtteilfest in Duisburg-Hochfeld am 11.09. haben wir „unsere gute Nachbarschaft“ gepflegt und die

„Vereinsallee“ im Bönninger Park bereichert. Und auch beim Bergheimer Mühlenfest in Duisburg-Rheinhausen waren

wir am 25.09. wieder mal dabei, allerdings schlecht platziert.

Am 30.10. hat uns die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) in Moers auf dem Altmarkt ganz fantastisch

bei der Beteiligung an der Kampagne „in9Monaten“ unterstützt und sehr viele Unterschriften gesammelt (s.

Anhang, Pressespiegel).

4.3. Benefiz-Veranstaltungen

Nicht nur in finanzieller Hinsicht sind Benefiz-Aktionen für uns sehr wichtig, bieten Aktionen mit Künstlern oder anderen

Prominenten doch meist die Möglichkeit, unser Thema auch außerhalb der Welt-AIDS-Tags-Zeit öffentlichkeitswirksam

zu platzieren.

Im Berichtsjahr 2010 gab es erneut viele „zivilgesellschaftliche“ Gruppen und Einzelpersonen, die für uns und unsere

Arbeit sehr Gutes getan haben und wir wollen darüber reden und schreiben.

Ein riesengroßes Dankeschön gilt einmal mehr dem Duisburger Gastronomen und neuem Ehrennadelträger (s. 1.),

Thomas Seven, der im Berichtsjahr mit seinem traditionellen Grünkohlessen im November wieder viele Gäste zu

Spenden animieren und darüber über 5.000,- € für die Aufrechterhaltung unserer Angebotspalette bereitstellen konnte.

Treue Unterstützung erfahren wir seit nunmehr fünf Jahren durch einen Teil der ehemaligen Citi-Pride-Group der Duisburger

citibank, die nunmehr unter neuer französischer Führung „Targobank“ heißt und weiß „wie Bank geht“. Aber

nicht nur das – sie wissen auch, wie soziales Engagement sinnvoll funktioniert und dass dies auch einen nicht zu unterschätzenden

Benefit für das Image der Institution sowie das soziale Betriebsklima bringt. Die neue „diversitygroup“,

die sich jetzt „GudsO-Netzwerk“ nennt hat unter Federführung von Frau Corinna Voigt und Herrn Guido Kuhl

zum Welt-AIDS-Tag wieder eine äußerst starke „Bärenaktion“ entwickelt mit super moderner medialer Promotion umgesetzt

und über 450 Solibären verkauft.

37


Öffentlichkeitsarbeit

Vertreterinnen des GudsO-Teams der Targobank umrahmt von Peter Külpmann und Rainer Wille vom Vorstand

Das gute Beispiel für social networking hat Schule gemacht, denn im Berichtsjahr gab es schon zum dritten Mal auch

eine Unterstützungsaktion der Deutschen Bank, die zum Welt-AIDS-Tag nicht nur eine höchst engagierte und aktive

Mitarbeiterin abstellte, sondern diesen Einsatz auch noch mit 500,- € belohnte.

Sehr erwähnenswert ist weiterhin die treue Unterstützung der ehemaligen Betriebsrätin von KARSTADT-Walsum,

Frau Graschtat, die mittlerweile in Privatinitiative Kund/innen in der Adventszeit dazu einladen, Präsente für Menschen

mit HIV und AIDS zu erwerben und zu hinterlegen. Im Namen der –wirklich bedürftigen- Empfänger/innen sagen

wir dazu ganz herzlichen Dank!

Unermüdliche Kämpfer im Kampf gegen AIDS sind schon lange Dr. Günther Bittel, seine Frau Ingrid und ihr Mitstreiter-Team

in Duisburg-Rheinhausen, die unter anderem zum sechsten Mal das Benefiz-Konzert „Treatment for all“ im

Haus der Jugend in Rheinhausen durchführten und nicht nur inhaltlich wachrüttelten, sondern darüber hinaus auch

einen Teil des Erlöses für unsere Arbeit vorsahen. Ein besonderer Dank gilt den gagenfrei auftretenden Bands, „die

bandbreite“, Violin key, „dead London“ und „Fresh Game“ sowie dem Jugendzentrum „Haus der Jugend“ an der

Friedrich-Alfred-Str.

Darüber hinaus erfreut es uns sehr, an dieser Stelle Jahr für Jahr über sehr stabile Unterstützungsaktivitäten berichten

zu können. Da sind zum einen die Spendensammlungen und thematischen Veranstaltungen vieler Kirchengemeinden

zu nennen, die zudem in der Regel auf unsere Anfrage hin für unsere alljährliche Weihnachtsfeier für Menschen

mit HIV und AIDS eingehen – vielen herzlichen Dank dafür – und zum anderen die Spendenausschüttung einer

Reihe von Sparkassen. Ganz besonders bedanken wir uns hier bei der Sparkasse Duisburg für ihre Treue hinsichtlich

der Teilfinanzierung unserer aufsuchenden Arbeitsangebote.

Ein besonderes Anliegen ist es uns, den zahlreichen Schülerinnen und Schülern

und engagierten Lehrkräften zu danken, die uns mit hoher Motivation, Überzeugung

und zum Teil sehr kreativen Aktionsideen nicht nur bei der Spendensammlung,

sondern auch bei der Thematisierung von HIV und AIDS in zweifellos wichtigsten

Zielgruppen fantastisch unterstützen. Stellvertretend möchten wir hier die

Projektgruppen am Gymnasium Adolfinum in Moers, dem Sophie-Scholl-

Berufskolleg in Duisburg-Marxloh, die Projektgruppe am Gymnasium Moers-

Rheinkamp und die Gustav-Heinemann-Realschule Duisburg-Mitte erwähnen.

DANKE für einen bärenstarken Einsatz für die

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Der „Soli-Bär“ 2010


4.4. Veranstaltungen zum 2010

„Stop AIDS. Keep the Promise!“ Das war und ist das internationale Motto der Welt-AIDS-Kampagnen seit 2005. Es

erinnerte daran, dass im Juni 2001 Politiker aus aller Welt auf einer Sondersitzung der Vereinten Nationen zu HIV

und AIDS das Versprechen gaben, sich national und international stärker im Kampf gegen die weltweite HIV- und

AIDS-Epidemie zu engagieren. Die stetige Erinnerung daran wird im Grunde immer wichtiger, denn je länger diese

Verabredung zurückliegt, desto mehr scheint sie bei den beteiligten in Vergessenheit zu geraten. Wenn man bedenkt,

in welchen Dimensionen und wie schnell die Regierungen einen „Bankenrettungsschirm“ organisieren konnten und

wie „wenig“ demgegenüber erforderlich wäre, um lebensbedrohte Menschen mit dem Notwendigsten versorgen oder

durch präventive Maßnahmen eine deutliche Reduzierung von Neuinfektionen (z.B. bei Säuglingen, vgl.

„in9Monaten.de“) erreichen zu können, dann kann man „um den Schlaf gebracht werden“, um nicht noch deutlicher

zu werden. Das deutsche Versprechen, die Beteiligung zur Einspeisung in den globalen Fonds zur Bekämpfung von

AIDS, Tuberkulose und Malaria beliefe sich auf 300 Mio. Euro per anno – ein Bruchteil des o.a. Rettungsschirmvolumens.

Und auch die globale HIV-Epidemie hat verheerende Folgen viele nationale Ökonomien, aber auch für die

Weltwirtschaft.

Wir werden uns im Rahmen unserer Möglichkeiten weiter im bundesweiten „Aktionsbündnis gegen AIDS“ engagieren

und mit an die Versprechen erinnern.

Wie bereits berichtet (s. 1.) hat die deutsche Welt-AIDS-Tag`s-Kampagne einen deutlichen Paradigmenwechsel vollzogen.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Kampagne stehen HIV-positive Menschen, die authentisch Einblick in ihr Leben

geben und von ihren alltäglichen Erfahrungen berichten. Ziel der Kampagne ist es, Stigmatisierung und Diskriminierung

abzubauen und eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung über HIV und AIDS zu initiieren. Sie ist auf

mehrere Jahre angelegt und in dieser Form europaweit einzigartig.

Sie ruft dazu auf, Betroffene nicht weiter auszugrenzen, Menschen mit HIV mit Respekt zu begegnen, denn nur so

kann ein verantwortungsvoller Umgang und ein „positives Zusammenleben“ wirklich gelingen.

Angesichts dieser Ausrichtung und Forderungen fiel es uns auch in diesem Jahr nicht schwer, das deutsche Motto für

unsere WAT-Veranstaltungen voranzustellen.

Mit neun eigenen Veranstaltungen und weiteren mit und von Kooperationspartnern durchgeführten Aktionen konnte

auch im Berichtsjahr wieder ein umfangreiches Angebot vorgehalten (s. Flyer und Pressespiegel im Anhang) und viele

Menschen darüber erreicht werden.

Am 16. November ging es los mit dem Fachgespräch zur HIV-Therapie im WAT-Rahmen. In der thematischen Anknüpfung

an das übergeordnete Thema „Älter werden mit HIV“ haben sich unsere beiden Duisburger HIV-

Schwerpunktbehandler, Dr. Kwirant und Dr. Becker-Boost, im Rahmen eines interaktiven Fachgespräches auf -über

das reine HIV-Geschehen hinausgehende- Aspekte der Vorsorge und der Früherkennung konzentriert, die erfreulicherweise

eine immer größere Rolle spielen können. Unter dem Titel „HIV – und was es sonst noch zu bedenken

gibt“ haben die Teilnehmer erkenntnisreiche und gut abgestimmte Vorträge erleben können und im Anschluss ausführliche

Antworten auf individuelle Fragen erhalten.

Dr. Becker-Boost und Dr. Kwirant

… und ihr aufmerksames Publikum

39


Öffentlichkeitsarbeit

Bei der traditionellen WAT-Warm-up-Party, der schwul-lesbischen Tanzparty im Kulturzentrum „HundertMeister“ am

Duisburger Dellplatz, bei der neben spezifischen Informationsangeboten auch die „mister and misses Warm-up-Wahl“

von unserem Herzenslust-Team durchgeführt wurde (s. a. 5.1), konnte die Aufmerksamkeit von ca. 400 Partybesuchern

genutzt werden.

Sehr erfreulich gestalteten sich wieder einmal die Kooperationen mit einzelnen Kirchengemeinden. So erneut die Gedenkveranstaltung

im Anschluss an unseren Candle-Light-Walk am Mittwoch, dem 24. November in der Liebfrauen-

Kirche in Duisburg-Mitte, die von den Teilnehmenden besonders gewürdigt wurde. Ein besonderes „Danke schön!“

gilt unserem langjährigen Begleiter, Unterstützer und Lenker der Gedenkveranstaltung, Herrn Sven Köpnick.

Impressionen vom Candle-Light-Walk 2010

Das letzte Wochenende vor dem 01.12.2009 widmeten wir konzentriert Aktionen im Kreis Wesel. Am 27.11.10 zeigte

Moers Schleife! Auf dem Altmarkt boten sich den Passanten Bilder vieler Menschen, die nicht nur das Grau in Grau

Unser Vorsitzender Rolf Ringeler und …

Sven Köpnick bei der Gedenkveranstaltung

mit roten Schleifenfarbtupfern auflockerten, sondern eben damit auch ein deutliches Zeichen der Solidarität mit Menschen

mit HIV und AIDS –nicht nur durch ihre Spenden- setzten.


Information, Beratung, Bären, Schleifen, aus erster Hand – mit den freundlichen Mitarbeiter/innen Ihrer AIDS-Hilfe

Bitter kalt und räumlich etwas knapp war es dann am Sonntag, dem 28.11.10 auf dem Adventsmarkt in Wesel. Dennoch

konnten wir auch hier mit vielen Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen und erfuhren viel Zuspruch in

Form von Spenden, aber eben auch mit solidarischen und motivierenden Worten. So kann Spendensammeln durchaus

auch Spaß machen.

Gerne würden wir in unserem Zuständigkeitsgebiet wandern, um insbesondere auch in den einzelnen Gemeinden

des Kreises Wesel zum WAT Präsenz zu zeigen, aber hier bieten sich im Umfeld des 01. Dezember leider kein Weihnachtsmarkt

oder andere publikumswirksame Veranstaltungen mehr an. Der Weihnachtsmarkt in Voerde ist räumlich

und terminlich „weggezogen“ und in Xanten etwa werden erst gar keine „Bettel-Stände“ zugelassen.

41


Öffentlichkeitsarbeit

Wie erhofft, ist für uns seit der Premiere des großen Aktionstages zum

WAT im FORUM Duisburg, am 01. Dezember 2009 eine neue Ära

eine eingetreten mit deren Entwicklung wir äußerst zufrieden sind. Mit

den Möglichkeiten im FORUM Duisburg können wir einen großen Aktionstag

zum Welt-AIDS-Tag umsetzen, mit dem wir einerseits möglichst

viele Menschen an diesem Tag erreichen und andererseits

durch ein breiter gefächertes Angebot auch interaktive Auseinandersetzungen

mit dem Thema für verschiedene Bevölkerungs- und Altersgruppen

vorhalten zu können.

Dabei zeigte sich das Centermanagement des FORUM einmal mehr nicht nur äußerst kooperativ, sondern auch kreativ,

was ideelle und materielle Unterstützung dieses Aktionstages betraf. Und damit nicht genug: Mitarbeiter des

Centermanagements sowie einzelner Filialen zeigten „livehaftig“ Schleife und damit Solidarität mit Menschen mit HIV

und AIDS – vielen Dank für diese tolle Aktion!

Die „FORUM`s – Schleife“ zum Welt-AIDS-Tag 2010

Zudem konnten sich Teile des Duisburger Aktionsbündnisses wieder mit einbringen, so insbesondere auch die Kindernothilfe,

die die globale Seite der AIDS-Problematik mit ihrem Mitmach-Parcour sowie der offensiven Bewerbung

der Kampagne „in9Monaten“ (vgl. o.) aufgriff.


Für ein weiteres besonderes Highlight hatte das FORUM gesorgt,

indem Sie eine Kletterwand mit Betreuung gebucht hatten, an der

es insbesondere um das Thema „Verantwortung übernehmen –

für sich und für andere“ ging.

Die Kindernothilfe –mit Unterstützung- beim WAT-Aktionstag im FORUM Duisburg

Besonders bei Jugendlichen beliebt war das Angebot unseres Kooperationspartners, von ProFamilia, Ortsverband

Duisburg, die u.a. den Kondomführerschein ausstellten – natürlich nur nach bestandener Prüfung.

Ein Foto-Shooting, bei dem sich die Teilnehmenden als „Botschafter gegen AIDS“ neben Philipp Lahm ablichten und

persönliche Statements abgeben konnten war ebenfalls stark nachgefragt.

43


Öffentlichkeitsarbeit

Einblicke in europäische Präventionsarbeit in verschiedenen Ländern lieferte die Plakatausstellung „Europe against

AIDS“ im Untergeschoss des FORUMs.

Eine ganze Reihe von Filialen aus dem FORUM beteiligte sich an einer Orientierungsrallye für interessierte Gruppen

oder Einzelpersonen mit speziellen Fragen zum Thema und stifteten sogar kleine Präsente für die Aktiven, die dann

im Rahmen einer Preisverleihung ausgehändigt werden konnten.

Moderator Dietmar Heyde im Gespräch mit Gewinner/innen

Zentrale Anlaufstelle und Ausgangspunkt für die traditionelle Red-Ribbon-Aktion war unser Infostand im Erdgeschoss,

an dem uns auch die diesjährigen Solidaritäts-Bären fast aus den Händen gerissen wurden.


Ein ganz herzlicher Dank geht wieder einmal an die Show-Tanz-Gruppe der „Cherry-girls“, die mit ihrem Auftritt für

besonders hohes Publikumsaufkommen sorgte, welches genutzt wurde, um anschließend den Aktionstag durch eine

interessant besetzte Podiumsdiskussion abzurunden.

Impressionen vom Auftritt der „Cherry-girls“ unter der Leitung von Peter Kirsch

V. li. n. re.: Iris Sperg (Gesundheitsamt Duisburg), Moderator Dietmar Heyde, Rolf Ringeler (Vorstandsvorsitzender der AIDS-Hilfe), Frank Mischo

(Kindernothilfe & Aktionsbündnis), Dr. Ingulf Becker-Boost, und Rainer Bischoff (SPD-MdL) es fehlt: Lutz Müller (Centermanager FORUM Duisburg)

Welt-AIDS-Tag 2009 im FORUM Duisburg – eine tolle Geschichte, die nach Aussage aller Beteiligten weiter etabliert

werden soll.

HIV und AIDS sind schon sehr lange globalisiert und die Pandemie ist weltweit sehr unterschiedlich verteilt. Während

wir hier erfreulicherweise auf eine letztlich sehr kleine Infektionsdimension schauen, sieht es in den sog. Entwicklungsländern

immer noch ganz anders aus. 90 Prozent der HIV-positiven Menschen leben und sterben hier. Ganz

besonders betroffen ist nach wie vor Subsahara-Afrika.

Es ist gute Tradition, dass wir mindestens im Rahmen des Welt-AIDS-Tages den Blick über den nationalen Tellerrand

heben und unser Augenmerk dorthin lenken. Ganz besonders eindrucksvoll ist dies im Berichtsjahr wieder beim

„Abendgebet zum Welt-AIDS-Tag“ am 03. Dezember gelungen.

45


Öffentlichkeitsarbeit

Diese Solidaritätsveranstaltung der Veranstaltergemeinschaft des Duisburger Aktionsbündnisses gegen AIDS (i.e.:

Kindernothilfe, Ev. Kirchenkreis Duisburg, Infostelle dritte Welt, die ev. Kirchengemeinde Alt-Duissern, die AIDS- und

STD-Beratungsstelle des Gesundheitsamtes und die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.) fand wieder in der Luther-Kirche

in Duisburg-Duissern statt. Etwa vierzig Besucher/innen waren –wie wir alljährlich- sehr angetan vom Veranstaltungskonzept,

den z.T. authentischen Lebensbildern von Menschen mit HIV und AIDS, den symbolischen Aktionen

sowie von den musikalischen Darbietungen. In diesem Jahr unterstützte uns musikalisch der hervorragende

Chor der evangelischen Kirchengemeinde Trinitas unter der Leitung von Kantorin Mechthild Dühr-Knödler und am

Klavier Martina Grosse-Verspohl mit mitreißenden Darbietungen. Für diese hervorragenden Gesten der Solidarität

sagen wir ganz herzlichen Dank. Das Duisburger Aktionsbündnis gegen AIDS ist weiterhin offen für weitere Kooperationspartner.

Interessierte Personen und/oder Einrichtungen sind immer willkommen.

Allen, die uns zum Welt-AIDS-Tag 2010 durch viel Engagement und Kreativität unterstützt

haben, gilt an dieser Stelle noch einmal unser ganz herzlicher Dank !! – Ein Engel

hat Euch / Sie geschickt.

Und: … nach dem Welt-AIDS-Tag ist vor dem Welt-AIDS-Tag!

Interessierte, die 2011 dabei sein wollen, können sich jederzeit

gerne bei uns melden.

4.5. Berichterstattung in den Medien

Die Nachfragen von Seiten der Print-, Funk- und TV-Medien, die unsere Arbeit zum Teil sehr aufmerksam begleiten,

stimmt uns zuversichtlich und führt uns zu dem Eindruck, gute Arbeit zu leisten.

Wir waren unsererseits mit der Erreichbarkeit und dem Echo bei Presse, Lokalfunk und –fernsehen über das Berichtsjahr

verteilt insgesamt sehr zufrieden (s. Pressespiegel im Anhang).

Das schon mehrmals zitierte Stadtfernsehen „Studio 47“ ist mittlerweile ein treues Begleiter- und Unterstützermedium,

genau so wie die Lokalradios von Radio DU inkl. dem Bürgerfunk und Radio KW.

Im Printmedienbereich gab es im Berichtszeitraum große Portraits über Menschen und Angebote der AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel e.V.

Dem stabil hohen Niveau bei den Neuinfektionen im Berichtsjahr muss aus unserer Sicht aber auch wieder mit einer

Kommunikationsoffensive begegnet werden, um die Präventionserfolge der vergangenen Jahre nicht weiter zu gefährden.

Aufklärung, sachliche Information und Erinnerung müssen wahrnehmbar bleiben.


4.6. Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Hier sind für den Stelleninhaber zu nennen :

Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. in verschiedenen regionalen

Gremien und Arbeitskreisen in Duisburg, dem Kreis Wesel und auf Landesebene

Vorbereitung, Organisation, und Durchführung von Informationsständen, Seminar- und

Vortragsangeboten,

Organisatorische Begleitung und Pressearbeit für Benefiz- und

Kooperationsveranstatungen,

Akquise von finanziellen Mitteln und personellen Ressourcen (Ehrenamtleranwerbung)

Kontaktpflege zu Förderern und Kooperationspartnern,

Telefonische und persönliche Beratung,

Geschäftsführung,

U.a.m.

Abbildung : Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung

im Jahre 2010 – Veranstaltungen insgesamt

47


Zielgruppenspezifische Prävention

5.1 HIV/AIDS-Prävention bei Schwulen, Männern die Sex mit Männern haben

sowie bisexuellen Männern

Das Projekt homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) im Kontext von

HIV / STI´s der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist durch Zielgruppenspezifische Mittel des Landes NRW gefördert

worden. Durch diese Förderung konnte eine ½ Personalstelle finanziert werden, mit der die strukturelle Prävention

im Arbeitsbereich „homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM im Kontext HIV / STI´s“ auf der lokalen, regionalen

und landesweiten Ebene umgesetzt wurde. Zusätzlich hat das Projekt auf der lokalen Ebene das Ziel, HIV-

Positive Männer niedrigschwellig zu erreichen und ihnen die möglichen Angebote in der Region zu vermitteln bzw.

die Begleitung durch die AIDS-Hilfe anzubieten (Streetwork).

Auf der landesweiten Ebene erfolgte die Arbeit ausschließlich in Gremien, die sich überregional mit dem Thema homosexuelle

Männer sowie MSM im Kontext HIV / STI´s befassen.

Auf der regionalen Ebene wurden in der Vernetzung mit anderen Institutionen Kampagnen und Präventionsaktionen

erarbeitet und durchgeführt. Durch diese Kooperationen konnten größere Veranstaltungen geplant, koordiniert und

umgesetzt werden. Die in diesen Gremien vorhandenen Ressourcen konnten so gebündelt werden und es ergaben

sich sinnvolle Synergieeffekte.

Auf der lokalen Ebene wurden gemeinsam mit Kooperationspartnern, durch die Einbeziehung von ehrenamtlichen

Mitarbeitern sowie HIV-positiven schwulen Männern die ausdifferenzierten Angebote/Präventionsaktionen erfolgreich

umgesetzt. Durch diese Kooperationen konnten die begrenzten personellen Ressourcen optimal genutzt werden.

5.1.1 Vorwort

Auch im Jahr 2010 wurde ein Großteil unserer Ressourcen für den Bereich der Prävention im Sektor schwule und

bisexuelle Männer sowie MSM genutzt.

Die Notwendigkeit dieses Arbeitsaufwandes lässt sich anhand der folgenden Zahlen eindrucksvoll belegen:

„Die Anzahl der Menschen, die sich in Nordrhein-Westfalen mit HIV infizierten, blieb auch in diesem Jahr stabil. Nach

den vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin anlässlich des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember veröffentlichten Schätzungen

sank sie 2010 sogar auf etwa 680. Insgesamt leben rund 14.000 Menschen mit HIV in NRW. Aufgrund der

guten medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten ist ihre Lebenserwartung heute höher als noch vor Jahren. Etwa

160 starben in diesem Jahr an den Folgen der Krankheit. Die von HIV am meisten gefährdete Gruppe sind Männer,

die Sex mit Männern haben. 72 Prozent der Neuinfektionen sind hier zu verzeichnen (490). 22 Prozent der Infektionen

erfolgen über heterosexuelle Kontakte (150), nur noch 6 Prozent durch gemeinsam benutzte Spritzen bei intravenösem

Drogenkonsum (40) (siehe dazu: www.nrw.aidshilfe.de. sowie www.rki.de).“

Dass die Neudiagnosen im Bereich schwuler und bisexueller Männer konstant geblieben sind bzw. mit der Tendenz

eher rückläufig zu sein scheinen, kann mit der erfolgreichen Umsetzung der landesweiten Kampagne „Herzenslust“

begründet werden. Belegt wird dies durch die bundesweiten Zahlen zu HIV-Neudiagnosen, da in den Bundesländern,

in denen flächendeckende Präventionsangebote im Bereich schwuler Männer vorgehalten werden, die Zahlen wesentlich

geringer sind im Gegensatz zu den anderen Bundesländern.

Die kompetente und qualifizierte Arbeit von Herzenslust hat ihren Ursprung in dem Ansatz der strukturellen Prävention

(hier vor allem die Primärprävention und in der Sekundärprävention) sowie der regelmäßigen Aus- und Fortbildungsarbeit

der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern auf der landesweiten Ebene. Herzenslust steht für die Arbeit

von schwulen Männern für schwule Männern. Die Feldkompetenzen der einzelnen Mitarbeiter können so für die Präventionsarbeit

im Rahmen der niedrigschwelligen Präventionsarbeit genutzt werden. Weiterhin steht Herzenslust für

lustvolle und lebensstilakzeptierende Präventionsarbeit. Auch der Schwerpunkt, die Zielgruppe ausreichend zu informieren,

damit jeder einzelne selbst bestimmt entscheiden kann, welches Risiko er eingehen möchte oder welches

eben nicht, hat sich bewährt. Durch die Einbeziehung von HIV-positiven schwulen Männern in die Präventionsarbeit

(z.B. bei Beratung und Test) hat sich ebenfalls bewährt und sollte weiterhin unterstützt und forciert werden. Die Datenlage

aus der Bochow-Studie (s. Schwule Männer und HIV/Aids: Lebenstile, Szene, Sex 2007; Michael Bochow,

Axel J. Schmidt, Stefanie Grote; AIDS-Forum DAH; 2010) hat maßgeblich dazu beigetragen, die Rastplatz Sommeraktion

im Kreis Wesel umzusetzen. Nach Bochow, der eine breit angelegte Befragung zu Risikoverhalten von schwulen

und bisexuellen Männern in regelmäßigen abständen durchführt, gehören MSM aus ländlichen Regionen zu einer

der Risikogruppen bezüglich einer HIV-Infektion. Ebenfalls zur Risikogruppe gehören schwule Männer aus sozial

schwachen Verhältnissen; ein Grund, warum die Testangebote auf dem Rastplatz kostenlos zur Verfügung gestellt

werden.


Die Arbeitsfelder im Berichtszeitraum können wie folgt umrissen werden:

Die zielgruppenspezifische Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. im Bereich MSM hatte im

Berichtszeitraum mehrere Arbeitsschwerpunkte. So gelang es dem Arbeitsbereich weiterhin, die Kampagne für MSM

„ich weiss was ich tu“ (IWWIT) der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. in die landesweite Kampagne Herzenslust zu integrieren.

Ein Arbeitsschwerpunkt war die Umsetzung des HIV-Schnelltestsangebotes im niedrigschwelligen Bereich, welcher

unter dem Label „BuT“ (Beratung und Test) angeboten wurde. Die Vorarbeit (Schulung der ehrenamtlichen Mitarbeiter,

konzeptionelle Planung der Umsetzung lokal und in Arbeitskreisen landesweit, Absprache mit Kooperationspartnern)

nahm einen Hauptteil der zeitlichen Ressourcen in Anspruch.

Die ausdifferenzierte Arbeit im Bereich der Primärprävention bei MSM (z.B. GAY ROMEO health support, Vor-Ort

Arbeit, Beratung und Test) fordert immer mehr eine detaillierte fachlich qualifizierte Schulung der Mitarbeiter. Diese

neuen Anforderungen gehen mit einer hohen zeitlichen Kapazität an Schulungsanteilen für die haupt- und ehrenamtlichen

Mitarbeiter einher. Dieser Trend wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Hier gilt es, einerseits die Mitarbeiter fachlich

gut auf die Arbeit vorzubereiten und andererseits die Schulungsanteile für die einzelnen Trainer / Referenten in

einem „gesunden Maß“ zu halten. Durch die geforderten Qualitätssicherungsmaßnahmen und damit einergehenden

Verpflichtungen (Teilnahme an (Schulungs-) Veranstaltungen, Berichtswesen, Datenerhebung) wurden zeitliche

Ressourcen ebenfalls gebunden.

5.1.2 Landesweite Vernetzung

Teilnahme an Arbeitskreisen

Landesarbeitsgemeinschaft Herzenslust

Unter dem Namen „Herzenslust“ wird strukturelle HIV-Prävention im Bereich homosexuelle und bisexuelle Männer

sowie MSM in ganz NRW durchgeführt. Herzenslust ist eine Kampagne der AIDS-Hilfe NRW e.V.. Auf der landesweiten

Ebene finden regelmäßige Arbeitskreise unter dem Namen „Landesarbeitskreis schwule Prävention“ statt, wo die

Herzenslustgruppen sich inhaltlich austauschen können. Der Projektnehmer hat regelmäßig an diesen Arbeitskreisen

teilgenommen. In diesem Gremium wurden neu entwickelte Aktionen vorgestellt, Tendenzen in der schwulen

Community erörtert sowie zu bestimmten Themenfeldern Referenten eingeladen. Auf diesen landesweiten Arbeitskreisen

konnten so Ideen für Präventionsaktionen ausgetauscht, Kampagnen entwickelt und nicht erfolgreiche Projekte

analysiert werden. So wurden durch den Erfahrungsaustausch und die fachliche Unterstützung der unterschiedlichen

lokalen Herzenslustgruppen die regionale und lokale Arbeit sinnvoll modifiziert.

GAY Romeo / health support

Herzenslust hat auf der landesweiten Ebene die Onlinepräventionsarbeitet konzipiert und umgesetzt. Bei Gay

Romeo, einem Onlineportal für schwule und bisexuelle Männer, wurde ein health support geschaltet. Hier werden

Fragen von Ratsuchenden zu HIV/AIDS, Hepatitiden und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, schwuler Gesundheit

und Szeneorten in der Region von örtlichen Herzenslustmitarbeitern beantwortet. Der Projektnehmer hat für

die lokale Herzenslustgruppe ein Profil erstellt und Chatberatung durchgeführt. An diesem Projekt sind neben dem

Projektnehmer ehrenamtliche Onlinepräventionisten beteiligt. Das lokale Gay Romeo-Projekt war regelmäßig bei den

bundesweiten Austauschtreffen vertreten. Diese Treffen dienen als Plattform, sich zu Themenfeldern der Online-

Beratung auszutauschen sowie der Erarbeitung und Erhaltung von Präventions- und Beratungsstandards.

Beratung und Test (BuT)

Das Pilot-Projekt der AIDS-Hilfe NRW e.V. hat das Ziel, bestimmte Subgruppen aus dem Bereich der MSM (Männer,

die Sex mit Männern haben) mit Hilfe eines HIV-Schnelltest-Angebotes im Zusammenhang mit einer davor durchgeführten

intensiven Beratung zu erreichen. Solche Subgruppen (oder auch „Netzwerke“) sind von den bestehenden

HIV-Test-Angeboten nicht erreicht worden (siehe auch Konzept BuT).

Der Projektnehmer hat an den Steuerungskreisen von BuT auf der landesweiten Ebene von BuT teilgenommen.

51


Zielgruppenspezifische Prävention

Teilnahme an Landesweiten Präventionsaktionen

CSD in Köln

Auch in diesem Jahr beteiligte sich das Herzenslustteam Duisburg / Kreis Wesel an der Fußtruppe von Herzenslust.

Als Präventionsaktion wurde das Motto „Fair Play, ran an die Bällchen“ konzipiert, welches als breit angelegte Aktion

auch für die Gay-Games genutzt wurde. Die Herzenslustmitarbeiter waren als Schiedsrichter verkleidet mit dem dazu

passenden Accessoires (u. a. Trillerpfeife, Taschen für Cruisingpacks und „Pinke Karten“).

.

Gay-Games

Herzenslust Duisburg/Kreis Wesel hat sich bei der Großveranstaltung in Köln mit mehreren Herzenslustteams aus

ganz NRW aktiv beteiligt. Verweisen möchte ich diesbezüglich an den Sachbericht der Kollegen aus Köln, die hauptverantwortlich

in Kooperation mit iwwit diese Aktion entwickelt, koordiniert und strukturiert haben.

5.1.3 Projektarbeit auf der regionalen Ebene

Regionale Vernetzung

Auf der regionalen Vernetzungsebene arbeitete der Projektnehmer eng mit den regionalen Herzenslustgruppen im

Ruhrgebiet zusammen. Im Ruhrgebiet wurden aus dieser Vernetzung heraus Aktionen entwickelt, koordiniert und

durchgeführt, welche einen überregionalen Charakter besaßen. Gerade bei größeren Events können die einzelnen

Herzenslustgruppen nur schwer alleine öffentlichkeitswirksame Aktionen durchführen.


Aktionen waren unter anderem:

Still-Leben Ruhrschnellweg

In Kooperation mit der AIDS-Hilfe Essen wurde

auf der A40 im Rahmen der Kulturhauptstadt

Ruhrgebiet 2010 eine Präventionsaktion umgesetzt.

Unter dem Motto „Abschleppdienst“ wurden

die Besucher auf die Präventionsteams aufmerksam.

Neben dem Outfit (Warnwesten, Warndreiecke,

Warnlampen sowie Handwerkskisten) wurden

von der AIDS-Hilfe Bochum Aufkleber neu

layoutet. Die Aktion wurde von dem Herzenslustteam

Duisburg / Kreis Wesel im Jahr 2008 konzipiert

und für die Aktion auf der A40 zur Verfügung

gestellt.

Love-Parade Duisburg

In Kooperation mit IWWIT sowie den Herzenslustteams aus Essen und Bochum wurde auf

der Love-Parade zielgruppenspezifische Prävention umgesetzt. Unter dem Label

„Loveteam“ wurde auf das Thema „Schutz vor HIV und anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten“ hingewiesen.

5.1.4 Projektarbeit auf der lokalen Ebene

Kooperation mit lokalen Einrichtungen/Selbsthilfegruppen

Auf der lokalen Ebene wurde mit verschiedenen Einrichtungen, Vereinen und Selbsthilfegruppen kooperiert (wie z.B.

mit AkDuLuS e.V. sowie dem Kommissariat Vorbeugung der Polizei Duisburg).

AkDuLuS e.V.

Der Projektnehmer hat an den regelmäßig stattfindenden Arbeitskreisen der regional ansässigen

schwul-lesbischen Vereine und Selbsthilfegruppen „AkDuLuS e.V.“ teilgenommen und

beteiligte sich dort an der Entwicklung und Durchführung von schwul lesbischen Angeboten

für den Raum Duisburg. Dieser Arbeitskreis hat z.B. die schwul lesbische Disco „Warm Up“

initiiert und organisiert jährlich das schwul lesbische Straßenfest in Duisburg.

Der Projektnehmer hat an den regelmäßig stattfindenden Mitgliederversammlungen

von AkDuLuS teilgenommen. Da AkDuLuS e.V. im

Jahr 2010 keine personellen Ressourcen aufbringen konnte, das

schwul-lesbische Strassenfest zu organisieren, hat sich der Projektnehmer

dafür eingesetzt, dass die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel

e.V. in Kooperation mit lokalen Organisationen sowie Personen aus

der schwulen Community sowie schwulen Gastwirten, das

Sommerfest umsetzt. Herzenslust, als Hauptorganisator, entwickelte den Namen des Festes

„Sommerlust“. Durch die Loveparade-Tragödie bedingt, hat sich jedoch der Vorstand der

AIDS-Hilfe dagegen entschieden, das Sommerfest durchzuführen (welches kurz nach der

Loveparade stattfinden sollte s. 1.).

53


Zielgruppenspezifische Prävention

Primärpräventive Aktionen auf der lokalen Ebene

Streetwork

Der Projektnehmer hat durch regelmäßige Vor-Ort-Arbeit und Anwesenheit in der Szene HIV-positive Männer erreicht

und begleitet diese im Rahmen der psycho-sozialen Betreuung. Durch dieses niedrigschwellige und anonyme Angebot

konnten Männer erreicht werden, die sich durch eigenen Antrieb nicht an eine Hilfs-Organisation wie die AIDS-

Hilfe gewendet hätten.

Sprechstunden in der Szene

Der Projektnehmer hat Sprechstunden für schwule Männer in einem Szenelokal durchgeführt. Durch die enge Zusammenarbeit

mit dem Szenewirt wurde die Sprechstunde gut beworben und erfreute sich einer guten Resonanz.

Neben dem hauptamtlichen Mitarbeiter stand ein HIV-positiver schwuler Mann als Ansprechpartner zu dem Thema

„HIV-Positiv sein, was heißt das?“ zur Verfügung sowie der Ansprechpartner der Polizei Duisburg zu gleichgeschlechtlichen

Lebensfragen.

BuT – Rastplatz Sommeraktion

In Kooperation mit der AIDS-Hilfe NRW e.V., dem Fachbereich Gesundheitswesen

des Kreises Wesel sowie mit der Unterstützung des Kommissariats

Vorbeugung des Polizeipräsidiums Duisburg wurde BuT von

dem Projektnehmer umgesetzt.

Ziel der BuT- Rastplatz Sommeraktion war die niedrigschwellige Beratung

von MSM (hier vor allem Männer, die durch die bestehenden Beratungs-

und Testangebote nicht erreicht werden), intensiv vor Ort zu HIV-

Übertragungsrisiken und dem Schnelltestverfahren zu beraten und ggf.

ein Schnelltest anzubieten.

Konzeptionelle Ausarbeitung:

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. hat sich, nach dem erfolgreichen Beginn der Aktion 2009 entschieden,

dieses Projekt weiterhin auf einem Rastplatz im Kreis Wesel umzusetzen.

Die ausschlaggebenden Argumente waren:

Die Beratung der Zielgruppe steht im Vordergrund der Vor-Ort-Aktion.

Die Testdurchführung soll durch einen Arzt des Gesundheitsamtes vorgenommen werden (Aktive Einbindung des

ÖGD).

Die anvisierte Zielgruppe sind MSM, die anonym Sex mit Männern auf den Rastplatz haben, durch ihre allgemeine

Lebensführung (viele Leben in „herkömmlichen“ Familienstrukturen) bedingt, jedoch keine Möglichkeiten

haben oder diese bewusst ablehnen oder wegen Unkenntnis der Infrastruktur die schon bestehenden Beratungs-

und Testangebote von Gesundheitsämtern und AIDS-Hilfen in Anspruch zu nehmen.

Reaktiv getestete Personen können sich durch Buddys (geschulte HIV-positive schwule Männer) bis zum Ergebnis

des regulären HIV-Labortests begleiten lassen.

Die Vor- und Nachteile des Schnelltestes werden den Interessierten mitgeteilt. Die Entscheidung zu dem Test,

oder dagegen obliegt einzig und alleine dem Ratsuchenden.

Nach der Entscheidung für die „BuT-Rastplatz Sommeraktion“ wurden konkret die weiteren Schritte besprochen:

1. Akquirierung und Ausbildung der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter (für die Beratung und für die


Funktion des Buddys).

2. Entwicklung der Qualitätsstandards für die Beratung auf dem Rastplatz sowie die Testdurchführung (Anonymität,

Beratungssetting).

3. Absprachen mit dem Fachbereich Gesundheitswesen der Kreisverwaltung Wesel zwecks Beteiligung eines Arztes

bei dem Projekt.

4. Behördliche Genehmigung zur Durchführung des Angebotes auf einem Rastplatz.

Kosten für den „Schnelltest“.

Zu 1.

In der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist es seit Jahren üblich, frisch HIV positiv getesteten ratsuchenden

Menschen ein Gespräch mit einem HIV-positiven ehrenamtlichen Mitarbeiter anzubieten. Diese Mitarbeiter wurden

angesprochen und ihnen das Pilotprojekt erläutert. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter waren sofort dazu bereit, sich bei

dem Projekt zu beteiligen und besuchten das Grundlagentraining, welches von der AIDS-Hilfe NRW e.V. zur Ausbildung

der BuT-Projektteilnehmer angeboten wurde.

Zu 2.

Glücklicherweise konnte die AIDS-Hilfe NRW e.V. ein Wohnmobil anschaffen, welches zu einem „BuT-Mobil“ umgebaut

wurde. So können in einem abgetrennten Beratungsraum die interessierten Männer beraten werden und in dem

anderen Raum der Schnelltest durchgeführt werden (Arzt-Raum).

Den interessierten Männern sollten die Optionen / der Vorgang zum Testverfahren im Rahmen der Beratung erklärt

werden. Diese waren:

Im Falle eines reaktiven Testergebnisses kann eine Fehldiagnose nicht zu 100% ausgeschlossen werden.

Daher müsste sofort im Anschluss intravenöses Blut zwecks Bestätigung des Ergebnisses

durch einen herkömmlichen Antikörpertest erfolgen; mit den damit einhergehenden psychischen Belastungen,

die die Wartezeit dann mit sich bringen könnte.

Im Falle eines reaktiven Testergebnisses wurde den Ratsuchenden angeboten, dass ein Mitarbeiter des

BuT-Projektes (ein Buddy; HIV-positiver schwuler Mann) während der Wartezeit als Ansprechperson

zur Verfügung steht.

Die getestete Person hätte die Möglichkeit, mit einem Auto nach Hause/zur nächsten Haltestelle des

ÖPNV gefahren werden zu können.

Es wurde angeboten, den Schnelltest durchführen zu lassen, das Ergebnis jedoch erst am nächsten Tag

im Gesundheitsamt „abzuholen“.

Zu 3.

Nach dem erfolgreichen Start der Kampagne 2009 konnte der Arzt des Gesundheitsamtes des Kreises Wesel für die

Mitarbeit an diesem Pilotprojekt wiederholt gewonnen werden. Vor allem die Argumentation (die sich durch die Datenlage

aus 2009 bestätigte), dass die Zielgruppe Männer sind, die nicht vom bestehenden Beratungs- und Testangebot

der Gesundheitsämter und AIDS-Hilfen erreicht werden, war ausschlaggebend zur weiteren Kooperation. Vom

Arzt wurde für diese spezielle Form der aufsuchenden Arbeit eine Verfahrensanleitung erstellt, einschließlich der erforderlichen

Genehmigung durch die Verwaltungsleitung des Fachbereichs Gesundheitswesen des Kreises Wesel

und der Ärztekammer Nordrhein. Die ärztliche Tätigkeit (spezielle Testberatung, Testdurchführung und Ergebnismitteilung,

sowie auf Wunsch die Beratung zu anderen sexuell übertragbaren Krankheiten erfolgte unabhängig vom Beratungs-

und Betreuungsangebot der AIDS-Hilfe-Mitarbeiter. Die ärztliche Schweigepflicht wurde gewahrt, u. a. auch

dadurch, dass den Getesteten vom Arzt das Angebot der Begleitung durch einen Buddy unterbreitet wurde, der Getestete

jedoch selbst entschied, dieses Angebot anzunehmen bzw. über sein Testergebnis mit jemand anderen zu

sprechen.

Zu 4.

Eigentümer des Rastplatzes ist das Amt für Straßenbau NRW. Die zuständige Mitarbeiterin gab die Erlaubnis unter

gewissen Auflagen (An- und Abmelden der Aktion bei der zuständigen Autobahnmeisterei sowie nur eine Parkbucht

zu besetzen). Im Vorfeld musste bei der Bezirksregierung Düsseldorf abgeklärt werden, ob die Aktion

mit einer finanziellen Bereicherung einhergehen würde. Da die AIDS-Hilfe die Testdurchführung

kostenlos anbietet, wurde daher auch von dieser Seite die Erlaubnis erteilt.

55


Zielgruppenspezifische Prävention

Zu 5.

Da vor allem die Zielgruppe „MSM mit einem unterdurchschnittlichen sozialen Status“ im Focus unserer Aktion stehen,

sollte der Test möglichst kostenlos angeboten werden. Durch die AIDS-Hilfe NRW e.V. konnten die BuT-

Projekte kostenlos Testkits bestellen. Die ärztliche Tätigkeit wurde als Dienstleistung des Fachbereichs Gesundheitswesen

Kreis Wesel erbracht, so dass auch hier keinerlei Kosten für die Aktion entstanden. Daher konnten wir die Beratung

sowie die Testdurchführung anonym und kostenlos anbieten.

Die Umsetzung:

In dem Zeitraum Mai-September 2010 wurde die „Rastplatzsommeraktion“ am 1. und 3. Mittwoch im Monat in der

Zeit von 18.00-21.00 Uhr umgesetzt.

Das BuT-Mobil wurde in einer Parkbucht, in der Nähe des Gehweges zu den Toiletten geparkt. Unter der seitlich angebrachten

Markise des Busses wurde ein Tisch mit Kondomen und Informationsmaterialien aufgestellt. Um Aufmerksamkeit

zu erregen wurden Fahnen (Tripols) mit dem Logo von Herzenslust aufgestellt.

Auf einem der Rastplatz-Sitzbänke in der Nähe des BuT-Mobils saßen die Mitarbeiter des Projektes. Hier wurden für

Gäste Kaffee, Wasser und Kekse angeboten.

Zwei Mitarbeiter sprachen die Männer an und verteilten Kondome sowie Visitenkarten mit einer Erklärung zum

Schnelltestangebot.

Interessierte wurden zu den Mitarbeitern an der Sitzbank weitergeleitet, wo Sie einen anonymisierten Fragebogen zu

sexuellen Vorlieben, Risikosituationen etc. ausfüllen mussten.

Nach dem der Testwillige den Beratungsbogen ausgefüllt hat, wurde ein Beratungsgespräch anhand des Fragebogens

im hinteren Teil des BuT-Mobils durchgeführt. Hier wurde explizit auf die Vor- und Nachteile des HIV-

Schnelltestverfahrens hingewiesen.

Nach einer ausführlichen Beratung und der Entscheidung des Ratsuchenden wurde er ggf. zum Arzt in den vorderen

Teil des BuT-Mobils weiter verwiesen. Nach einem Gespräch mit dem Arzt wurde dann der Test durchgeführt. Das

ganze Verfahren dauerte ca. 1 Stunde (vom Zeitpunkt der Ansprache, Ausfüllen des Fragebogens, Beratungsgespräch,

Testdurchführung bis hin zum Testergebnis).

5.1.4.1 Die Herzenslustgruppe Duisburg / Kreis Wesel

Der Projektnehmer für den Bereich MSM hat regelmäßig mit der Herzenslustteilzeitkraft die inhaltliche Arbeit der lokalen

Herzenslustgruppe erörtert und bei Bedarf angeleitet. Neben der fachlichen Aufsicht des lokalen Projektes Herzenslust

wurden die ehrenamtlichen Herzenslustmitarbeiter in den Bereichen HIV und anderen sexuell übertragbare

Krankheiten ergänzend zum bestehenden Schulungsangebot der AIDS-Hilfe NRW, qualifiziert.

Das Herzenslustteam hat im Jahr 2010 wie in den vorangegangenen Jahren zielgruppenspezifische Prävention im

Bereich schwule und bisexuelle Männer sowie Männer, die Sex mit Männern haben entwickelt und durchgeführt.

Hierbei ist die konstante Begleitung der umgesetzten Präventionsaktionen sowie die Begleitung der lokalen Herzenslustgruppen

durch die aus Eigenmitteln der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. finanzierte Teilzeitkraft von sehr

hohem Stellenwert.

Durch die Teilzeitkraft wurden folgende Aufgaben erfüllt:

- Fachliche Begleitung der ehrenamtlichen Herzenslustmitarbeiter

Die Teilzeitkraft sowie punktuell der Projektnehmer waren bei den primärpräventiven Vor-Ort-Aktionen von Herzenslust

anwesend. So konnten Ratsuchende bei Bedarf von den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Herzenslustteams an


die hauptamtlichen Mitarbeiter weiter verwiesen werden.

- Begleitung der wöchentlichen Gruppentreffen des Herzenslustteams

Durch die regelmäßigen Gruppentreffen, die durch die Teilzeitkraft angeleitet wurden, wurde die beständige ehrenamtliche

Herzenslustarbeit sichergestellt. Neben diesem Aspekt wurden mit dem Herzenslustteam Veranstaltungen

abgesprochen und deren Umsetzung diskutiert und konzipiert.

- Die Pflege und Aktualisierung der Herzenslusthomepage (www.herzenslustteam-du.de) war ein ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt

der Teilzeitkraft, da sich viele schwule Männer vorwiegend über das Internet Informationen zu HIV,

STD´s und Angeboten in der schwulen Community beschaffen.

- Überregionale Teilnahme an den Herzenslusttreffen im Ruhrgebiet sowie die Beteiligung an überregionalen Aktionen,

die in diesen Gremien entwickelt worden sind.

Im Rahmen der Vernetzungsarbeit der lokalen Herzenslustgruppen nahm Herzenslust Duisburg / Kreis Wesel bei den

regelmäßig stattfindenden Ruhrgebietsvernetzungstreffen teil und konzipierte mit anderen Herzenslustmitarbeitern

überregionale primärpräventive Aktionen und beteiligte sich mit der lokalen Herzenslustgruppe an der Umsetzung

dieser Präventionsaktionen überregional.

Auf der lokalen Ebene wurden folgende primärpräventive Aktionen in Duisburg durchgeführt:

Regelmäßig war das Herzenslustteam Duisburg/Kreis Wesel auf der schwul/lesbischen Party „warm up“ vertreten.

Die Veranstaltung findet in einem monatlichen Turnus statt. Die Besucher konnten sich bei dem Herzenslustteam zu

HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten informieren sowie die ausgelegten Informationsbroschüren der

DAH e.V. sowie Bewerbungsbroschüren zur ehrenamtlichen Mitarbeit in den Herzenslustgruppen mitnehmen.

Größere Aktionen von Herzenslust auf diesen Veranstaltungen waren:

- Wahl zum „Mr. und Mrs. Warm Up 2010“

Auf der im Oktober und November stattfindenden

Warm Up konnten sich Gäste für

die Wahl casten lassen. Neben einem Foto

wurden die interessierten Gäste gebeten,

ein Statement zu HIV abzugeben. Auf der

im Dezember stattfindenden „warm up“

wurden dann die Kandidaten auf der Bühne

von zwei Moderatoren vorgestellt. Danach

wurden durch die Gäste die „Mrs. und der

Mr. Warm Up 2010“ gewählt. Die Sieger

wurden gekürt und erhielten Preise. Neben

der Platzierung / Bewerbung von

„Herzenslust“ und deren Homepage, wurde

das Thema HIV bei der Vorstellung der

Kandidaten massenmedial platziert. Weitere

Informationen hierzu auf:

www.herzenslustteam-du.de.

57


Zielgruppenspezifische Prävention

- „Die Gemüsehändler“

Das Herzenslustteam baute auf einer Warm Up einen Gemüsestand auf und verkleidete

sich als Gemüsehändler. Die so angelegte Aktion wurde von den Besuchern der

Warm Up als sehr gelungen wahrgenommen und die verteilten Cruisingpacks, mit dem

oben gezeigten Layout „Samentüte“ wurden gerne angenommen.

Weitere Aktionen auf lokaler Ebene waren:

Samentüte

Herzenslustteam

Duisburg / Kreis Wesel

- Szenerundgänge

Regelmäßig führte das Herzenslustteam Duisburg / Kreis Wesel einen

Rundgang durch die Duisburger Szene durch. Ziel der Rundgänge war die

Kontaktpflege mit den Szenewirten, Verteilung von Informationsmaterialien

zu HIV und andere STD´s in den Lokalen sowie die Befüllung des Kondomautomaten.

- Welt AIDS Tag

Das Herzenslustteam Duisburg beteiligte sich an den Veranstaltungen zum Welt AIDS Tag der AIDS-Hilfe Duisburg/

Kreis Wesel e.V.

- Rastplätze

In regelmäßigen Abständen wurden Aktionen auf Rastplätzen im Kreis Wesel durchgeführt, wo Männer Sex mit Männern

haben. Hier wurden Informationsmaterialien und Kondompackungen auf einem Informationsstand den Besuchern

angeboten. Da viele der dort verkehrenden Männer sich nicht eindeutig als schwul oder bisexuell definieren,

wurde auf allgemeine Informationsbroschüren der DAH / BZgA zurückgegriffen.

5.1.5 Controllingzahlen Prävention bei MSM / Herzenslust 2010

Herzenslust:

Kontakte insgesamt: 3575

Prävention bei MSM / Überregionale Aktionen:

Beteiligung an der CSD-Parade in Köln, GayGames, Loveparade, Ruhr 2010

Insgesamt wurden 10050 Personen erreicht!

BuT - Rastplatz Sommeraktion:

Kontakte insgesamt: 252

Gay Romeo:

Kontakte insgesamt: 1498

Es wurden 2010 insgesamt 15375 Personen erreicht.


5.1.6 Projektkritik / Projektausblick

Das Projekt der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. setzte die strukturelle Prävention im Arbeitsbereich homosexuelle

und bisexuelle Männer sowie MSM auf den unterschiedlichen Ebenen (landes-, regionaler- und lokaler Ebene)

um.

Die Arbeit konnte auf den jeweiligen Ebenen mit verschiedenen Aspekten und Zielsetzungen ausdifferenziert und mit

angemessenen Methoden verfolgt werden. Die im Projektantrag formulierten Ziele wurden realisiert und innovative

Aktionen / Projektideen umgesetzt.

Mittels der Kampagne „Herzenslust“ konnte der Projektnehmer ressourcenorientiert und zeitsparend seine Projektziele

umsetzen. Die Wichtigkeit der Kampagne zeigte sich zum einen durch die professionelle Öffentlichkeitsarbeit der

AIDS-Hilfe NRW (Homepage der Kampagne Herzenslust mit der Verlinkung zu den regionalen Herzenslusthomepages,

Bewerbung der Kampagne durch schwule Medien) und durch den fachlichen Austausch bei den landesweiten

Arbeitskreisen. Ebenso sind die zentral eingekauften Give-aways für eine professionelle Außendarstellung in der Vor-

Ort-Arbeit unabkömmlich (z.B. Cruisingpacks in einer Herzenslust-Umverpackung).

Durch die jahrelange Präventionsarbeit in dem Bereich homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM müssen

immer wieder neue Präventionsstrategien entwickelt und umgesetzt werden, damit die Präventionsbotschaften die

Zielgruppe erreichen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das auf der überregionalen Ebene entwickelte Pilotprojekt BuT,

welches erfolgreich umgesetzt wurde.

Die Vernetzungsarbeit auf der lokalen und regionalen Ebene verlief kontinuierlich und stabil. Auch hier konnten durch

die vorhandenen Ressourcen effizient die verfolgten Ziele umgesetzt werden.

Ein großer Dank gilt den ehrenamtlichen Mitarbeitern der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V., ohne deren Engagement

das Projekt „homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM“ nicht in diesem Umfang hätte realisiert werden

können.


Zielgruppenspezifische Prävention

5.2 Drogen und Substitution

Drogenpolitisch treten wir in Duisburg und dem Kreis Wesel auf der Stelle. Zwar ist Diamorphin als Arzneimittel zugelassen,

allerdings hat der Gemeinsame Bundesausschuss die Kriterien für die Vergabe des Diamorphins so hoch

angesetzt, dass diese Vorgaben aus finanziellen Gründen nur wenige Einrichtungen erbringen können. So müssen

unter anderem mindestens drei ärztliche Vollzeitstellen eingerichtet und Öffnungszeiten von mindestens 7 bis 19 Uhr

gewährleistet werden. Diese Anforderungen sind unabhängig von der Zahl der mit Diamorphin Substituierten. Daher

wäre auf jeden Fall ein kommunaler Zuschuss von Nöten. Bei der Haushaltslage der Stadt Duisburg lässt sich dieses

allerdings wohl schwer umsetzen. Denn in Duisburg wurde bereits im Berichtsjahr aufgrund finanzieller Gründe im

Suchthilfeverbund eine Vollzeitstelle eingespart und entsprechend das Angebot eingeschränkt.

Positiv zu vermerken ist, dass die neue rot-grüne Landesregierung die sogenannte Eigenbedarfsgrenze für “weiche”

Drogen von sechs auf zehn Gramm erhöhen will und bei Heroin, Kokain und Amphetaminen wieder 0,5 Gramm zum

Eigenverbrauch erlaubt sein sollen.

Im Kreis Wesel ging es im Berichtsjahr darum, die Substitutionsbehandlung im Bereich der Städte Wesel und Hamminkeln

sowie der Gemeinde Schermbeck aufrecht zu erhalten, da der bisherige Arzt, Herr Lemm, zum Jahresende

die Substitutionsbehandlung nicht mehr fortführen wollte. Es konnte Dr. Wefelnberg, substituierender Arzt aus Hünxe,

dafür gewonnen werden, in Wesel eine Zweigpraxis zu eröffnen. Die Substitution findet in den Räumlichkeiten des

Kreisgesundheitsamtes Wesel statt.

5.2.1 Primär- und Sekundärprävention

5.2.1.1 Spritzenaustauschprogramm

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel nimmt weiterhin mit den von ihr

betreuten Spritzenautomaten am Projekt der AIDS-Hilfe NRW e. V.

teil. Die Standorte befanden sich in Wesel und Duisburg-Hochfeld.

Die Spritzenautomaten werden je nach Frequentierung von uns regelmäßig

in ein- bis zweiwöchigem Rhythmus neu bestückt.

Für den Spritzenautomaten in Moers haben wir nach Abriss des

Feuerwehrgerätehauses an der Abteistr. 9 einen neuen Standort

beantragt. Das Ordnungsamt hatte keine ordnungsrechtlichen Bedenken

und hat den Antrag an den Fachdienst Grünflächen weitergeleitet.

Da jedoch an dem von uns favorisierten Standort – dem

Bahnhof Moers – umfangreiche Bauarbeiten durchgeführt wurden,

mussten wir die Neuaufstellung des Automaten in Moers zurückstellen.

Durch den Zusammenschluss der städtischen Drogenberatung und der Drogenberatung

der Diakonie zum Suchthilfeverbund Duisburg wurde der Standort der Drogenberatung in

Duisburg-Walsum aufgelöst. Da hier unser Spritzenautomat betrieben wurde und die

Räumlichkeiten zunächst von einer Grundschule genutzt werden sollen und anschließend

der Abriss vorgesehen ist, musste auch dieser Spritzenautomat abgebaut werden. Hierfür

gilt es einen neuen Standort zu suchen.

5.2.1.2 Suchtprävention bei Partydrogen

Schulprojekt „No Drugs – no Party?“

Im Frühjahr erarbeitete unsere Praktikantin, Yvonne Leuverink, ein Konzept für ein Angebot in Schulen unter dem

Namen „No Drugs – no Party?“. Dieses beinhaltet – ähnlich wie unser Projekt @drugthive – mit einem akzeptierendem

Ansatz Jugendlichen der Klasse 9 einen Überblick über die gängigsten Partysubstanzen und deren positive und

negative Wirkungsweisen zu geben. Das Projekt hatte den Umfang von zwei Unterrichtsstunden und wurde von den


hauptamtlichen Mitarbeitern Ralf Runniger und vertretungsweise von Petra Kurek begleitet. Das Angebot wurde von

drei Gesamtschulen gebucht und in insgesamt 12 Klassen durchgeführt. Obwohl es sich dabei um Schulen mit Schülern

mit hohem Migrationsanteil handelte, waren die Schüler sehr interessiert an dem Projekt und es wurde auch von

den Pädagogen mit Interesse aufgenommen.

@drugthive

Mit unserem Projekt @drugthive haben wir im 1. Halbjahr eine Aktion zu Suchtprävention bei Partydrogen und

Primärprävention zu HIV/AIDS in der Diskothek RAJ in Wesel durchgeführt. Diese Aktion wurde ermöglicht durch die

Duisburger Stiftung für Umwelt, Gesundheit und Soziales. Für die Aktion haben wir kleine Päckchen zusammen gestellt:

Sie beinhalten Ohrstöpsel, Kondom und Vitaminbonbon. Ergänzt werden sie entweder durch den Kartensatz

„Drugs, just say know“ oder für Besucher, die keine Ambitionen auf Partydrogen haben, mit dem „Heutiger Wissensstand“

der DAH. Um das Päckchen zu erhalten, mussten die BesucherInnen Fragen zu HIV/AIDS oder Partydrogen

beantworten.

Aufgrund des Schulprojektes hatten wir im ersten Halbjahr keine weiteren Kapazitäten. Für das zweite Halbjahr war

eine Aktion im Rahmen der Dinslakener Suchtwoche „Sucht hat immer eine Geschichte“ in der Bierklinik geplant. Leider

hatte die Bierklinik jedoch ihre Aktivitäten eingestellt, so dass unsere Aktion abgesagt werden musste.

Bei der 9. Fachtagung Arbeitskreis Prävention am 5. Mai in Duisburg-Buchholz führten wir zusammen mit dem Landeskriminalamt

und dem Kriminalkommissariat Vorbeugung einen Workshop durch, bei dem wir unser Projekt

@drugthive

vorstellten.

Loveparade

Bei der Loveparade in Duisburg am 24.07.10 beteiligten wir uns mit drei MitarbeiterInnen an einem Gemeinschaftsstand

des Suchthilfeverbundes Duisburg, weiterer Drogenberatungseinrichtungen aus NRW und der Selbsthilfe. Hier

gab es mehrere Angebote: Zum einen die Flash-Box, hier konnten Teilnehmer ein Statement in eine Videokamera

abgeben, eine Glücksradaktion, eine Fragebogenaktion zum Testen des Wissens über einzelne Substanzen wie z.

Bsp. Cannabis, XTC etc. Des Weiteren wurde über die AIDS-Hilfe der Kartensatz „Drugs, just say know“ zum Selbstkostenpreis

von 1 € angeboten. Den Besuchern wurden Kondome und Ohrstöpsel angeboten, die vom Veranstalter

akquiriert wurden (30.000 Kondome und 8.000 Ohrstöpsel). Gleichzeitig war der Stand Anlaufstelle für die weiteren

MitarbeiterInnen der AIDS-Hilfe, da vom Veranstalter keine weitere Standfläche bereit gestellt werden konnte. Federführend

in der Vorbereitung und Organisation des Standes und der Aktion waren Werner Wicher vom Suchthilfeverbund

und Ralf Runniger von der AIDS-Hilfe. Die Organisation von Seiten des Veranstalters ließ leider etwas zu wünschen

übrig. Als ein Beispiel gilt es zu benennen, dass die Durchgangspässe am Tag der Loveparade keinen Durchgang

durch den vereinbarten Eingang ermöglichten und die Helfer eine 2 KM längere Wegstrecke zurück legen

mussten.

Tim Przystupa und Yvonne Leuverink

Yvonne hatte alle Ohrstöpsel und

Kondome verteilt

Fragebogenaktion an Stehtischen

´

63


Zielgruppenspezifische Prävention

Es wurde das ehemalige Trip-Lounge Zelt – aus früheren Jahresberichten bekannt – aufgebaut. Da es sich bei der

Loveparade um eine Massenveranstaltung handelt und sich unser Stand am entgegengesetzten Ende des Einganges

befand, kam es in Bezug auf die Besucherzahl sehr verhalten zu personalkommunikativen Gelegenheiten. Daher

haben wir uns auch entschlossen, in die Menge hinein zu gehen und mit Taschen Ohrstöpsel und Kondome zu verteilen,

welches bei den Besuchern gut aufgenommen wurde.

Als gegen 18 Uhr langsam Nachrichten von Todesfällen bei der Loveparade am Stand ankamen, entwickelten sich

emotionale Spannungen aufgrund der skurrilen Situation, dass die Katastrophe bekannt war und die Party weiter lief.

Bis 20 Uhr hielten wir unser Angebot aufrecht und haben anschließend unseren Stand abgebaut. Es handelte sich

insgesamt um eine gelungene Zusammenarbeit mit anderen Anbietern im Drogenbereich.

5.2.2 Substitution

5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe

Auch im Jahre 2010 haben wir über das komplette Jahr an allen Sams-, Sonn- und Feiertagen die Vergabe von Methadon

in der AIDS-Hilfe in Duisburg durchgeführt. Die Anzahl der Substituierten lag im Durchschnitt bei 88 Personen,

wobei die geringste Teilnehmerzahl 46 und die höchste Zahl 138 Klienten betrug, die die Vergabe besuchten.

Die Vergabezeit beträgt 1,5 Stunden. Weiterhin wird die Vergabe von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter und einem

Arzt durchgeführt. Zur Vergabe entsenden insgesamt fünf Ärzte ihre Patienten, die Vergabe in der AIDS-Hilfe führen

drei Ärzte durch.

Die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten und unseren ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, den Apotheken und der

Polizei verlief weiterhin reibungslos. An dieser Stelle einen Dank an die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen für ihr Engagement

und ihre Mithilfe.

Bei jeder Vergabe wird für die Substituierten Kaffee angeboten und am letzten Sonntag im Monat wurde weiterhin

ehrenamtlich ein Frühstück für die Substituierten organisiert. Dieses wird mit Lebensmitteln der Duisburger Tafel und

dem Verein „Bürger für Bürger“ gespeist. So wird die Möglichkeit gegeben, sich in einem geschützten Raum über

Sorgen und Nöte auszutauschen. Unser Dank gilt den ehrenamtlichen Mitarbeitern und der Duisburger Tafel e. V.

und dem Verein Bürger für Bürger e. V. für ihr solidarisches Engagement.

5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter (PSB)

Die psychosoziale Begleitung von HIV-Positiven / an AIDS erkrankten Substituierten ist ein weiterer Bestandteil der

Drogenarbeit innerhalb der AIDS-Hilfe. Aufgrund von Todesfällen in den vergangenen Jahren ist dieser Arbeitsbereich

leicht zurück gegangen.

Im Vordergrund der PSB steht die Stabilisierung der Klienten, die in ihrer Lebenssituation gestärkt und unterstützt

werden. Die Zielsetzung der PSB erfolgt dabei im Wesentlichen nach den Bedürfnissen der Klienten. Das bedeutet in

erster Linie, dass das subjektive Wohlbefinden der jeweiligen Person und die Lebensverhältnisse verbessert werden

sollen. Entsprechend dieser Zielsetzung steht bei einigen Substituierten die Verbesserung des Gesundheitsstatus im

Mittelpunkt, während bei anderen die Sicherung der materiellen Grundversorgung oder der Aufbau sozialer Netze im

Vordergrund stehen kann.

Dies kann in medizinischer Hinsicht bedeuten, dass wir in eine Substitution vermitteln. Da es sich hier nur um wenige

Einzelfälle handelt und wir gute Kontakte zu den substituierenden Ärzten pflegen, gelingt dies in der Regel problemlos.

Des Weiteren stellen wir den Kontakt zu HIV-Schwerpunkt-Ärzten her und unterstützen die DrogengebraucherInnen,

die zum Teil starke Berührungsängste mit Ärzten dieser Fachrichtung haben, sich in eine adäquate Behandlung

zu begeben. Es ist jedoch schwierig, neue Klienten in ein relativ schematisches Korsett zu bringen, welches für eine

HIV Behandlung notwendig ist (regelmäßige Überwachung der HIV/AIDS-Parameter, regelmäßige Tabletteneinnahme

(Compliance/Adhärenz).


Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Hepatitis –C-Beratung, da in den meisten Fällen bisher die Hepatitis-

Behandlung bei DrogengebraucherInnen nicht durchgeführt wurde und die Behandlung auch bei den Betroffenen

große Ängste auslöst. Da gerade im Bereich Hepatitis C Behandlung neue Medikamente in absehbarer Zeit zur Verfügung

stehen, gilt es für uns, die Begleiteten entsprechend zu beraten.

Im Rahmen der PSB ist es für uns wichtig, die Ressourcen der Begleiteten zu wecken. Durch die eigene Bewältigung

von Problemen und Aufgaben erfahren sie eine Stärkung ihres Selbstwertgefühles.

Soziale Kontakte sind ein Hauptwunsch der Begleiteten, wobei diese außerhalb der Szene liegen sollen. Teilweise

funktioniert dieses in einer selbst aufgebauten Vernetzung der von uns Begleiteten untereinander, teilweise ist dieses

aber auch recht schwierig.

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten DrogengebraucherInnen

Im Berichtsjahr führten wir das Streetwork auf der „Platte“ weiterhin im vierzehntägigen Abstand durch. Durch den

Zusammenschluss der Drogenberatung der Diakonie und der städtischen Drogenberatung in den „Suchthilfeverbund

Duisburg“, wurde dort im niedrigschwelligen Bereich eine Stelle eingespart. Daher hat die Drogenberatung derzeit

keine Möglichkeit, Streetwork in Duisburg anzubieten.

Somit hält die AIDS-Hilfe in diesem Bereich das einzige Angebot für Duisburg vor. Beim Streetwork werden Spritzen,

Kondome und Care Sets verteilt, Fragen zu HIV/AIDS und Hepatitiden beantwortet. Der gute Kontakt und die vertrauensvolle

Basis haben sich weiter entwickelt. Aufgrund der Anstrengungen des Ordnungsamtes, die Einkaufsmeile in

Duisburg möglichst von drogengebrauchenden Menschen frei zu halten, haben sich diese auf drei Standorte in der

Innenstadt verteilt, so dass beim Streetwork drei Orte, an denen sich DrogengebraucherInnen aufhalten, aufgesucht

werden.

Da der Suchthilfeverbund durch den Umzug in neue Räumlichkeiten

keinen Café-Bereich mehr anbietet, führte die AIDS-

Hilfe ab März am letzten Freitag im Monat ein Frühstück für

DrogengebraucherInnen und Interessierte durch. Falls der letzte

Freitag im Monat der Zahltag ist, wird dieses Frühstück einen

Freitag früher durchgeführt. Im Juli und August fand eine

Sommerpause statt. Das Frühstück wird überwiegend von zwei

ehrenamtlichen Mitarbeitern vorbereitet und mit Lebensmittelspenden

vom Verein „Bürger für Bürger“ unterstützt. Hierfür

sagen wir recht herzlichen Dank. Das Frühstücksangebot wird

gut angenommen, so dass im November sogar BesucherInnen

in der Küche auf einen freien Platz im Café warten mussten.

Das Frühstück wird auch zukünftig fortgeführt.

5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen“ am 21. Juli

Zum Nationalen Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen haben wir nachfolgenden Pressetext versandt:

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. fordert anlässlich des 21. Juli – dem nationalen Gedenktag für verstorbene

Drogengebraucherinnen und Drogengebraucher – Heroin für alle, die es brauchen

Erfreulicherweise ist im vergangenen Jahr die Zahl der verstorbenen DrogengebraucherInnen sowohl

in Duisburg als auch in NRW und deutschlandweit zurück gegangen.

65


Zielgruppenspezifische Prävention

Drogentote 2008-2009

2009 2008

Duisburg 11 26

NRW 344 380

Deutschland 1331 1449

„Diesen positiven Trend würde die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. gerne verbunden sehen mit der Originalstoffvergabe“,

stellt Ralf Runniger, hauptamtlicher Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. für den Drogenbereich

fest.

Hierbei handelt es sich jedoch um einen langen Weg.

Das Ministerium für Arbeit Gesundheit und Soziales (MAGS) hat die NRW-Kriterien für die Ausweitung der Diamorphinvergabe

über die bestehenden Modellprojekte hinaus bekannt gegeben. Damit hat ein weiterer Baustein bei der

medizinischen Versorgung suchtkranker Menschen Gestalt angenommen. Im letzten Jahr hatte der Bundestag das

„Gesetz zur Diamorphin gestützten Substitutionsbehandlung“ auf den Weg gebracht. Für dessen Realisierung mussten

mehrere Bundesgesetze sowie die Behandlungsrichtlinien der Bundesärztekammer und der Regelleistungskatalog

des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geändert werden. Weiter mussten landesbehördliche Genehmigungsverfahren

erarbeitet werden für Einrichtungen, die ab jetzt eine Diamorphin gestützte Substitutionsbehandlung

durchführen wollen.

„Insgesamt stellen die Voraussetzungen zur Durchführung der Behandlung, die speziellen Anforderungen an

Transport und Lagerung des Medikaments sowie die überhöhten Vorschriften zur Vergabe, für die jeweiligen Einrichtungen

eine enorme finanzielle Belastung dar. Dies steht in keinem Verhältnis zu den Kosten des Diamorphins einerseits

und zum notwendigen flächendeckenden Zugang andererseits“, erklärt Rolf Ringeler, Vorsitzender der AIDS-

Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V.

„Die flächendeckende Versorgung auch in Städten wie Duisburg muss möglich werden, ohne dass zuvor nicht refinanzierbare

Investitionen für Sicherheitskonzepte getätigt werden müssen“, fordert Ralf Runniger. „Die AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel sieht die Diamorphinvergabe als Baustein von Prävention und Schadenminimierung in der Gesundheitsversorgung

und wird sich nach Kräften weiterhin dafür einsetzen“, fährt Ralf Runniger weiter fort.

Konkret bedeutet dies, langjährig in der Drogenabhängigkeit verhafteten, psychisch und somatisch schwer kranken

Personen das Überleben zu sichern und Zukunftsperspektive zu geben.

In Duisburg verstärkt sich jedoch der Eindruck, dass die offiziellen Stellen Kreativität und finanzielle Ressourcen eher

in die Vertreibung der Szene investieren. Als Beispiel hierfür benennt Ralf Runniger den Gedanken der Umzäunung

des Kant Parkes und den Austausch der Sitzbänke durch Fahrradständer in der Fußgängerzone Düsseldorfer Str. (in

dem Teilbereich zwischen Friedrich-Wilhelm-Str. und Börsenstr.). Daneben gibt es in Duisburg im Gegensatz zu anderen

Städten keinen offenen Café- Bereich mehr für DrogengebraucherInnen. Dies nahm die AIDS-Hilfe zum Anlass,

zumindest am letzten Freitag im Monat ein Frühstück für DrogengebraucherInnen anzubieten, da hierfür auch

weiterhin ein Bedarf besteht.

Die AIDS-Hilfe lädt am Mittwoch, dem 21.07.2010 von 11 bis 13 Uhr an ihren Infostand auf der Königstraße in Höhe

des König-Heinrich-Platzes zwischen U-Bahn-Ausgang und Fontänebrunnen. Es besteht die Möglichkeit, eine Kerze

zum Gedenken an einen verstorbenen Menschen zu entzünden.

Die MitarbeiterInnen des Infostandes tragen T-Shirts mit der Aufschrift: „Heroin für alle, die es brauchen“ und „Insulin

für alle, die es brauchen“. „Hiermit wollen wir darauf aufmerksam machen, dass Heroin als Medikament zugelassen

ist und Kranken, die die Kriterien erfüllen, genauso verfügbar gemacht werden muss wie zum Beispiel Insulin bei Diabetes“,

erläutert Ralf Runniger.


Am 21.07.2010 führten wir in der Fußgängerzone in Nähe der Platte einen Infostand durch. Die MitarbeiterInnen der

Aids-Hilfe waren mit T-Shirts ausgestattet, die mit den Texten „Heroin, für alle die, es brauchen“ und „Insulin, für alle,

die es brauchen“ versehen waren.

Damit unterstützten wir die bundesweite Aktion vom Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende

Drogenarbeit und den JES Bundesverband, die diese Aktion initiiert hatten. Mit dieser provokanten Formulierung sollte

die Bevölkerung darauf aufmerksam gemacht werden, dass nun Diamorphin als Arzneimittel zugelassen ist und

somit genauso wie Insulin zumindest all denjenigen Patienten zur Verfügung gestellt werden muss, die die Bedingungen

erfüllen. Des Weiteren formten wir mit Grablichtern die Zahl 11, das ist die Zahl der im Jahr 2009 in Duisburg

verstorbenen DrogengebraucherInnen. Als Pressefeedback war dieses Jahr nur ein Auftritt im Studio 47 – dem Lokalfernsehen

für Duisburg und den Niederrhein - zu verzeichnen, da ansonsten die örtlichen Medien wohl mit der Loveparade

in Duisburg ausreichend beschäftigt waren und keine weiteren Kapazitäten hatten.

5.2.5 Teilnahme an Arbeitskreisen

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ist durch den hauptamtlichen Mitarbeiter für den vorgenannten Bereich in

dem Arbeitskreis Suchtmedizin (Qualitätszirkel der substituierenden Ärzte) und an der PSAG Basisarbeitsgruppe

„Suchtkrankenhilfe“ vertreten.

5.2.6 Teilnahme an Mitgliederversammlungen und JES-Treffen, Fachtagen

Der Mitarbeiter für den Drogenbereich hat an verschiedenen Veranstaltungen teilgenommen. Hierzu gehört der 1.

Wuppertaler Suchtfachtag,

Titel: Vom Substitut zum Original, der von den akzeptierenden Eltern durchgeführt wurde. Hier wurde deutlich,

dass trotz Arzneimittelzulassung eine flächendeckende Umsetzung der Diamorphinvergabe zeitnah

nicht umsetzbar ist.

Des Weiteren nahm der Mitarbeiter am JES-West-Schienen-Treffen im Februar teil, auf dem Dr. Martin Vogel von der

Uniklinik Bonn einen Vortrag zu Hepatitis C zugeschnitten auf drogengebrauchende Menschen hielt. Hier konnten die

DrogengebraucherInnen viele Fragen stellen und so erhielt der Mitarbeiter der AIDS-Hilfe zum einen Einblick in die

Anliegen der User bzgl. Hepatitiden und wurde gleichzeitig über die neuesten medizinischen Erkenntnisse fortgebildet.

Der Mitarbeiter nahm an den Mitgliederversammlungen von JES NRW und Akzept e. V. teil und am 20 jährigen Jubiläum

von Vision e. V.. Da es sich um Vereine handelt, deren Mitglieder JES´ler sind oder die im niedrigschwelligen

Drogenbereich tätig sind, ist hier immer ein interessanter Austausch für den Arbeitsbereich möglich.

67


Zielgruppenspezifische Prävention

5.3 HIV und Strafvollzug

Das Angebot der „Strukturellen HIV- und STI- Präventionsarbeit im Strafvollzug“ wurde auch 2010 durch die AIDS-

Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. auf der lokalen und landesweiten Ebene umgesetzt. Auf der landesweiten Ebene erfolgte

die Arbeit ausschließlich in Vernetzung und Kooperation mit Institutionen, die im Bereich „HIV und Strafvollzug“

tätig sind (wie z.B. bei dem Landesarbeitskreis Drogen und Haft der AIDS-Hilfe NRW e.V.).

Auf der lokalen Ebene wurde mit den vorhandenen Untersuchungshaftanstalten, dem offenen Vollzug sowie den Gerichten

und Staatsanwaltschaften der Region kooperiert, um die Präventionsarbeit für Bedienstete und Inhaftierte im

Bereich Strafvollzug zu platzieren. Ziel war die Wissensvermittlung von Übertragungswegen und Schutzmöglichkeiten

im Themenfeld STD´s, vor allem im Hinblick auf HIV und die Hepatitiden. Weitere Arbeitsschwerpunkte waren die

Begleitung HIV-positiver Inhaftierter sowie die Einzelberatung von Inhaftierten im Rahmen von Sprechstunden.

5.3.1 Einführung

Die Arbeit in den Untersuchungshaftanstalten wurde, den Gegebenheiten des Vollzugsalltages angepasst, umgesetzt.

Hierbei ist eine beständige und regelmäßige Arbeit unabdingbar, da der Vollzug eher durch einen strukturierten

Alltag und durch ein hohes Maß an Regelmäßigkeit geprägt ist.

Die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. im Sektor Strafvollzug wurde erfreulicherweise weiterhin

über das Justizministerium NRW zum Teil refinanziert. Wir sehen dies als ein Zeichen, dass unser Ansatz über

die Region Duisburg hinaus anerkannt und gewürdigt wird. Durch die anstehende Umstrukturierung der Haftanstalt

Duisburg Hamborn (Schließung der Haftanstalt Innenstadt sowie Oberhausen) ist ein weiterer Schwerpunkt zum Ende

des Jahres 2010 die konzeptionelle Arbeit an einer möglichen Kooperation mit der Fachabteilung Strafvollzug der

AIDS-Hilfe Düsseldorf e.V. gewesen. Die Grundlage dafür ist die Planung von Seiten der Justiz, die Haftanstalt Düsseldorf

und die o. a. Zweiganstalten aus Duisburg zusammen zu legen zu der im Bau befindlichen neuen Haftanstalt

in Ratingen.

5.3.2 Landesweite Vernetzung

Teilnahme an Arbeitskreisen

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig an dem Landesarbeitskreis „Drogen und Haft“ der AIDS-Hilfe NRW e.V.

teilgenommen. Durch den regelmäßig stattfindenden fachlichen Austausch wurde die Arbeit kontinuierlich modifiziert,

einheitliche Standards erarbeitet und somit die lokale Arbeit weiter professionalisiert.

Der hauptamtliche Mitarbeiter nahm im Rahmen der landesweiten Vernetzung an verschiedenen Arbeitskreisen und

Tagungen teil.

Seit mehreren Jahren ist der hauptamtliche Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. Sprecher des Landesarbeitskreises

Drogen und Haft. Mit dieser Tätigkeit ist ein erhöhter zeitlicher Aufwand verbunden, da die Funktion

des Sprechers unter anderem die regelmäßige Absprache mit der zuständigen Mitarbeiterin der Landesgeschäftsstelle

zu Themenschwerpunkten für Landesarbeitskreise „Drogen und Haft“ sowie die Vertretung bei landesweiten Gremien

beinhaltet.

Im Jahr 2010 hat das Sprecherteam des Landesarbeitskreises Drogen und Haft der AIDS-Hilfe NRW e.V. in Kooperation

mit der AIDS-Hilfe München e.V. einen Workshop auf dem Kongress „Gesundheitsförderung in Haft“ in Hamburg

konzipiert und angeboten.

Hier eine detaillierte Beschreibung des Workshops:

Infektionsprophylaxe in Haft

Förderung des Gesundheitsbewusstseins von Inhaftierten –

Der partizipative Ansatz der AIDS-Hilfen in der HIV- / Hepatitisprävention im Strafvollzug


Referenten:

Rüdiger Wächter, AIDS-Hilfe Duisburg Kreis Wesel e.V., Landesarbeitskreis

Drogen/Haft der AIDS-Hilfe NRW e.V.

Indra Kraft, AIDS-Hilfe im Kreis Unna e.V., Landesarbeitskreis Drogen/Haft der AIDS-Hilfe NRW e.V.

Martin Jautz, Münchner AIDS-Hilfe e.V., AG AIDS & Haft in Bayern

Die Ausschreibung des Workshops traf auf reges Interesse der Teilnehmer, so dass

diese Arbeitsgruppe mit 25 Personen gut besucht war. Innerhalb des Workshops entwickelte sich eine lebhafte Diskussion,

die die verschiedenen Aspekte des partizipativen Arbeitsansatzes der AIDS-Hilfen und die Möglichkeiten der

Zusammenarbeit mit den einzelnen Haftanstalten aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtete. Inhalt des

Workshops war die Darstellung und Begründung des von AIDS-Hilfen gewählten Selbstverständnisses und Haltungsansatzes

mit anschließendem Austausch und der Möglichkeit für die Teilnehmer zur eigenen Entwicklung von ganz

praktischen Methoden der Infektionsprophylaxe nach den Prinzipien der AIDS-Hilfearbeit. Im Anschluss daran wurde

den Teilnehmern des Workshops beispielhaft das Modellprojekt „Gesundheitswochen in Haft“ zur Hepatitis-

Prophylaxe der AG AIDS & Haft in Bayern vorgestellt.

I. Der partizipative Ansatz der AIDS-Hilfen im Strafvollzug

Zur Einführung wurden zunächst das Aufgabengebiet und der partizipative Ansatz der AIDS-Hilfen den Teilnehmern

anhand eines Kurzreferates und einer Power-Point-

Präsentation erläutert. Die AIDS-Hilfen sind gemeinnützige Vereine, die im Feld der Gesundheitsförderung tätig sind.

In den Justizvollzugsanstalten wird dieser Arbeitsauftrag, den Gegebenheiten angepasst, umgesetzt. In Haft steht die

belegt hohe Infektions-Vulnerabilität der Inhaftierten im Gegensatz zum geschlossenen System „Haft“ und den damit

verbundenen Einschränkungen, was sich vor allem in der fehlenden freien Wählbarkeit von medizinischen und sozialen

Angeboten und damit einhergehend auch in der schwierigeren gesunden Aufrechterhaltung der Psychohygiene

der Inhaftierten niederschlägt. Gleichermaßen besteht in Haft aber auch die Möglichkeit, Menschen durch spezifische

Angebote anzusprechen, die außerhalb der Haft z.B. aufgrund ihres Lebensstils durch vorhandene Angebote bislang

nicht erreicht wurden. Ein wesentlicher Arbeitsauftrag von AIDS-Hilfen ist hier somit die zielgruppenspezifische AIDSund

Hepatitisprävention von Menschen in Haft.

Ziele der Arbeit sind hier

- die Verhinderung und Verminderung von Neuinfektionen mit HIV bzw.

Hepatitiden (Primärprävention)

- die psychosoziale Stabilisierung und Gesunderhaltung durch Maßnahmen zur Verzögerung der HIV-

Krankheitsprogression sowie Prophylaxe von Begleiterkrankungen oder Co-Infektionen HIV-positiver Menschen und

die Schaffung politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, die zu einem gesundheitsförderlichen Verhalten

beitragen (Sekundärprävention)

- die weitestgehende Erhaltung der Lebensqualität und Selbstbestimmung von an HIV/AIDS erkrankten Menschen

(Tertiärprävention)

und zudem die Fortbildung der MitarbeiterInnen der Haftanstalten zu relevanten Themenfeldern im Rahmen der Infektionsprophylaxe

und des Umgangs mit HIV-positiven Inhaftierten. Um nachhaltig wirkende Präventionsarbeit leisten

zu können, beschäftigt sich AIDS-Hilfe in Haft im Rahmen der Aufklärung vor allem mit den Themen Drogenkonsum,

Sexualität, Tätowieren und Piercen.

Aufgrund des Selbstverständnisses von AIDS-Hilfen greift hier der partizipative Ansatz, der AIDS-Hilfe dazu befähigt,

als eine Organisation der Selbsthilfe und als Interessenvertretung von Menschen mit HIV und AIDS zielgruppennah

und akzeptanzorientiert zu agieren.

II. Diskussion

Die anschließende Diskussion zeigte deutlich, dass eine Zusammenarbeit mit

71


Zielgruppenspezifische Prävention

externen Organisationen wie die der AIDS-Hilfe sowohl für Inhaftierte als auch für

Bedienstete gleichermaßen gewinnbringend sein kann. Gerade die illegalen Verhaltensrisiken wie i.v. Drogenkonsum

können nicht mit den Beamten oder dem Sanitätsdienst besprochen werden. Da die Mitarbeiter der AIDS-Hilfe der

Schweigepflicht unterliegen, können Inhaftierte ohne Angst vor Sanktionen die Beratung zur Vermeidung und Verhinderung

von riskanten Konsummustern in

Anspruch nehmen. Durch die Beauftragung der AIDS-Hilfe als externe Beratungsstelle kann so die Haftanstalt ihre

Angebote im Hinblick auf die Resozialisierung der Inhaftierten erweitern, ohne gleichzeitig mit Mehrarbeit belastet zu

werden. Ein bewegendes Thema ist nach wie vor – vor allem unter Berücksichtigung der durchaus unterschiedlichen

politischen Einstellungen der verschiedenen Bundesländer in Deutschland und der in Europa – der akzeptanzorientierte

Haltungsansatz der AIDS-Hilfen, vor allem in der Zusammenarbeit mit drogenkonsumierenden Menschen in

Haft. So können einige Forderungen, die die Arbeit der AIDS-Hilfen seit Jahren begleiten, (noch) nicht eins zu eins

von den Haftanstalten umgesetzt werden. Beispiel ist hier die Forderung der AIDS-Hilfen „Spritzen in die Knäste“, um

– gleichermaßen wie es außerhalb von Haftanstalten durchgeführt wird - Neuinfektionen durch das Bereitstellen von

sterilem Spritzbesteck auch in Haft verhindern zu können. Der Umgang in Haft mit den Themen HIV/AIDS und Hepatitis

sowie die Zusammenarbeit mit Beratungsstellen wie die der AIDS-Hilfe gestaltet sich von Land zu Land und von

Haftanstalt zu Haftanstalt sehr unterschiedlich und ist individuellen Voraussetzungen unterworfen. Die bewegte Diskussion

zeigte deutlich, dass die Notwendigkeit und der Wunsch, sich mit Themen wie HIV und AIDS, HIV-Testung

und auch Hepatitis aktiv zu beschäftigen in Haftanstalten weiterhin immens gegeben ist. Sie machte aber auch deutlich,

dass eine Herangehensweise nicht pauschal zu regeln sein kann, sondern sich stets auch an den örtlich gegebenen

Möglichkeiten und Voraussetzungen orientieren muss und hier in der Zusammenarbeit stetig neue Wege gefunden

werden müssen, eine nachhaltige Prävention in diesem Bereich möglich machen zu können. Gelingen kann

dies nur, wenn Bereitschaft auf beiden Seiten besteht, sich für die jeweils andere Profession öffnen zu können.

5.3.3 Lokale Arbeit des Projektes ,HIV und Strafvollzug’

Der Arbeitsbereich „Gesundheitsförderung für Menschen in Haft“ bedient die Untersuchungshaftanstalt Duisburg-

Hamborn sowie die Zweiganstalten Duisburg-Mitte, Dinslaken, Oberhausen und den offenen Vollzug in Moers-

Kapellen. Inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit sind:

Primär- und Sekundärprävention zum Themenfeld HIV/AIDS, Hepatitiden sowie anderen sexuell übertragbare

Krankheiten

Begleitung und Interessensvertretung HIV-positiver Inhaftierter

Einzelberatung von Inhaftierten

Mitarbeiterschulungen

Verschiedene Veranstaltungen

5.3.4 Gesundheitliche Belastungen von Inhaftierten

Die Hauptinfektionswege von HIV und Hepatitiden sind das gemeinsame Benutzen gebrauchter Spritzutensilien beim

i.v. Drogenkonsum, sexuelle Kontakte und Tätowieren / Piercen. Daher hat die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e.V. eine starke Fokussierung auf diese Übertragungswege.

Hier ein Umriss der Risikosituationen anhand statistischer Forschungsergebnisse:

Drogenkonsum

I.v. Drogenkonsum ist bei inhaftierten Drogenabhängigen zwar weniger verbreitet als außerhalb, aber die Inhaftierten,

die ihren Konsum in Haft fortsetzen, tun dies unter hoch riskanten Bedingungen und in der Regel in Form eines gemeinsamen

Gebrauches von Spritzen, Nadeln und Spritzutensilien. Wedershoven (s. Wedershoven C. Katamnese

der HIV-Infektion bei drogenabhängigen und nicht-drogenabhängigen Inhaftierten im Vergleich im Justizvollzug des

Landes Nordrhein-Westfalen. 1998) bestätigt, dass unsterile Spritzutensilien die Hauptinfektionsquelle der von ihr

untersuchten Gefangenen darstellt. Knapp fand, dass bei den von ihm befragten Inhaftierten positiven Strafgefangenen

bis zu neun Personen eine Spritze zusammen benutzten (s. Knapp R. AIDS im Strafvollzug. Zur Situation HIV-

Infizierter und AIDS-Kranker Strafgefangener unter besonderer Berücksichtigung der Problematik intramuralen Drogenkonsums:

Ergebnisse einer empirischen Erhebung und rechtliche Konsequenzen. Bonn (Unveröff. Diss.) 1996).


Sexuelle Beziehungen

Sexualität ist in den Haftanstalten genauso präsent wie der illegale Drogenkonsum. Die Thematisierung von gleichgeschlechtlicher

Sexualität ist jedoch so gut wie unmöglich. Wenige Haftanstalten gestatten Langzeitinhaftierten heterosexuelle

Kontakte im Rahmen der Besuchszeit von (Ehe-) PartnerInnen (z.B. JVA Werl, JVA für Frauen Vechta) oder

bei Haftlockerungen der Inhaftierten sexuelle Kontakte im Rahmen des Urlaubes.

Es scheint jedoch, dass das „Verbot“ der Ausübung von Sexualität als Teil der Strafe angesehen wird. Dies wird nicht

zuletzt von den Inhaftierten selbst so gesehen. Der Drang nach sexuellen Handlungen führt zu einer Abspaltung der

Sexualität von der allgemeinen sozialen Haltung der Inhaftierten. Es werden gleichgeschlechtliche Handlungen praktiziert,

die konträr zur Haltung und allgemeinen Aussage der Inhaftierten stehen. Durch diese abgetrennte, nicht akzeptierte

Sexualität wird teilweise bzw. vollständig auf Kondomgebrauch verzichtet. Die Prävention steht hier vor einem

Dilemma. Der Thematisierung von gleichgeschlechtlicher Sexualität in Präventionsveranstaltungen wird mit Ablehnung

begegnet. Um Inhaftierten die Möglichkeit eines Beratungsgespräches zu ermöglichen, wo Fragen zu Übertragungswegen

vertrauensvoll beantwortet werden, bietet die AIDS-Hilfe daher seit 2007 eine Hepatitis- / HIV-

Sprechstunde in den Haftanstalten Hamborn und Dinslaken an.

Tätowieren / Piercen

Tätowieren und Piercen ist wie das Benutzen unsteriler Injektionsnadeln eine Übertragungsmöglichkeit von Hepatitis

C und, in geringerem Ausmaß, von HIV. Leider wurden bis dato keine Studien in Haftanstalten durchgeführt, um hier

eine Aussage in Richtung Risiko, Gebrauch und Infektionszahlen von Inhaftierten über Tätowieren und Piercen zu

treffen.

Die AIDS-Hilfe thematisiert diese gesundheitsgefährdenden Verhaltensweisen bei ihrer Präventionsarbeit und bietet

den Rahmenbedingungen entsprechende Lösungsansätze an.

5.3.4.1 Primär- und Sekundärprävention

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig Informationsveranstaltungen in den Justizvollzugsanstalten durchgeführt.

Neben den Übertragungswegen von HIV und Hepatitiden wurden die Behandlungsmöglichkeiten und mögliche

Schutzmaßnahmen angesprochen (Desinfektion von gebrauchten Spritzen, Förderung des „Blutbewusstseins“,

Vorgehen bei Nadelstichverletzungen und Safer Sex - Praktiken {bei Männern, die Sex mit Männern haben sowie

Frauen, die Sex mit Frauen haben}).

5.3.4.2 Begleitung

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit im Strafvollzug“ bietet den inhaftierten Frauen und

Männern die Möglichkeit, regelmäßig (in der Regel alle zwei Wochen) mit einem Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg/

Kreis Wesel e.V. zu sprechen. Die Erstgespräche werden von dem hauptamtlichen Mitarbeiter durchgeführt. Hier

werden folgende Aspekte erörtert: Bedarf des Inhaftierten, Stadium der HIV-Infektion, medizinische Behandlung sowie

die Angebote der AIDS-Hilfe (z.B. Knastpakete, Therapievermittlung, Resozialisierung nach der Haftentlassung

etc.). Die regelmäßigen Besuche werden durch einen hauptamtlichen Mitarbeiter oder ggf. von einem ehrenamtlichen

Mitarbeiter durchgeführt. Im Sinne einer professionellen psycho-sozialen Begleitung besteht für die ehrenamtlichen

Mitarbeiter das Angebot der „Drogen- / Knast-Gruppe“. Ziel des zweiwöchentlich verfügbaren Angebotes ist der

fachliche Austausch von Begleitungsfällen, Absprachen von Veranstaltungen und eine supervisorische Beratung für

die Begleiter.

73


Zielgruppenspezifische Prävention

Außenansicht des neu erstellten Flyers

5.3.4.3 HIV- und Hepatitissprechstunde

Nach Absprache mit dem Anstaltsarzt der JVA-Hamborn bietet die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. seit 2006 in

der Zweiganstalt Dinslaken eine HIV- und Hepatitissprechstunde an und seit 2007 in der Haftanstalt Hamborn. Seit

2009 werden auch die Zweiganstalten Duisburg-Innenstadt und Oberhausen bedient.

Ziel der Sprechstunde ist es, in einem geschützten Rahmen Fragen an den Mitarbeiter der AIDS-Hilfe stellen zu können,

die bei einer Informationsveranstaltung im größeren Rahmen durch Scham, gesellschaftliche Tabuisierung bzw.

Sanktionsgefahr von Seiten der Anstalten nicht thematisiert werden (Needlesharing [das gemeinsame Benutzen von

Spritzen], Drogenkonsum, Mann-Männliche Sexualität sowie die Thematik „Frauen die Sex mit Frauen haben“). Die

Sprechstunde wird durch Plakate und den neu erstellten Flyer beworben und Interessierte können sich durch einen

Antrag an den Sozialdienst für die Sprechstunde anmelden.

Innenansicht des neu erstellten Flyers

5.3.4.4 Mitarbeiterschulung

Durch den Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit im Strafvollzug“ werden für die Bediensteten

der Justizvollzugsanstalten, den Gerichten sowie den Staatsanwaltschaften Informationsveranstaltungen angeboten

(siehe hierzu: Infektionsschutz „Gemeinsamer Runderlass des Ministeriums für Inneres und Justiz (4550 – IV B. 65)

und des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit (V A 4 – 0392.3)“) . Inhalte der Veranstaltungen

sind vornehmlich die Einhaltung der Hygienestandards, Vorgehen nach einer Nadelstichverletzung und die Wissensvermittlung

von Übertragungswegen, Behandlungsmöglichkeiten im Bezug auf HIV und Hepatitiden und darüber hinaus

die Impfmöglichkeiten bei einigen Hepatitiden.

5.3.4.5 Veranstaltungen

Der hauptamtliche Mitarbeiter war bei mehreren Veranstaltungen in den Justizvollzugsanstalten präsent, um als Ansprechpartner

bekannt zu werden. Darüber hinaus wurden medienwirksame Veranstaltungen selbst organisiert, um

das Thema „HIV und Strafvollzug“ in der Öffentlichkeit zu thematisieren.

Zu diesen Veranstaltungen zählten unter anderem die Teilnahme am Sommerfest der Frauenhaftanstalt sowie die

Teilnahme an einer Weihnachtsfeier in der Haftanstalt Hamborn.


5.3.5 Daten, Zahlen, Fakten

Begleitung:

Es wurden im Jahr 2010 84 Einzelbesuche von HIV-positiven Inhaftierten Menschen im Rahmen der Begleitet durch

den zuständigen Mitarbeiter der AIDS-Hilfe durchgeführt.

Prävention:

Es wurden insgesamt 502 Menschen in Haft durch primärpräventive Aktionen erreicht; unter anderem durch 11 Präventionsveranstaltungen

für Inhaftierte sowie 4 Präventionsveranstaltungen für Bedienstete (in den vier von uns bedienten

Haftanstalten).

5.3.6 Resümee

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit im Strafvollzug“ kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückschauen.

Die Kooperation mit den Anstalten ist konstant, kontinuierlich und produktiv. Die Angebote der AIDS-

Hilfe wurden sehr gut angenommen.

Gerade durch die vertragliche Grundlage mit den Haftanstalten konnte eine regelmäßige und kontinuierliche Arbeit

sichergestellt werden. Jedoch ist damit auch eine erhöhte Verbindlichkeit und durch die Ausweitung des Betätigungsfeldes

auf die Haftanstalt Oberhausen auch ein erhöhter zeitlicher Aufwand verbunden.

75


Zielgruppenspezifische Prävention

5.4 Frauen und AIDS -

Prävention bei Frauen in besonderen Lebenslagen

Auch im Jahr 2010 ließ sich das Projekt ‚XXelle AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.“ mithilfe der zielgruppenspezifischen

Mittel des Landes NRW erfolgreich umsetzen.

Die Schwerpunkte galten auch im Jahr 2010 den Arbeitsbereichen Begleitung von HIV-positiven / an AIDS erkrankten

Frauen, Gestaltung bedarfsgerechter Versorgungsstrukturen, Abbau gesellschaftlicher Diskriminierungen und

Primärprävention spezifischer Zielgruppen innerhalb des Frauenbereiches.

Erneut erfolgte in diesem Jahr die Arbeit auf der landesweiten und regionalen Ebene ausschließlich in Vernetzung

und Kooperation mit Institutionen, die im Bereich ‚Frauen und AIDS’ tätig sind. Diese Vorgehensweise stellt vorhandene

Ressourcen sicher und führt zu einer effizienten Arbeit im Bereich ‚Frauen und AIDS’.

In der lokalen Arbeit ließ sich die Ausdifferenzierung der Aufgaben durch die Einbeziehung von ehrenamtlicher Arbeit

–allerdings in reduzierter Weise- bei der Unterstützung der HIV-positiven / an AIDS erkrankten Frauen realisieren.

Darüber hinaus waren auch auf dieser Ebene Kooperationen mit Institutionen relevant, um die begrenzten personellen

Ressourcen möglichst effizient zu nutzen.

5.4.1 Arbeitsbereich ‚Frauen und AIDS’ auf der lokalen Ebene

Sicherstellung frauenspezifischer Beratung und Begleitung

Auch im Jahr 2010 stellten die Projektnehmerinnen sicher, dass für Frauen, die sich telefonisch oder persönlich an

die AIDS-Hilfe wendeten, die Option bestand, sich mit einer Frau über ihre Themen auseinandersetzen zu können.

Für eine qualifizierte Beratung und Betreuung spielen geschlechtsspezifische Faktoren eine wichtige Rolle, die sich

nicht ohne weiteres von männlichen Kollegen bearbeiten lassen. Besonders bei Frauen, deren kultureller oder religiöser

Hintergrund einen offenen Umgang bezüglich Sexualität ausschließlich bei gleichgeschlechtlichen Personen akzeptiert,

ist eine weibliche Ansprechpartnerin wichtig.

Zu Beginn des Jahres 2010 ist es gelungen, eine regelmäßige Frauengruppe zu etablieren, die sich mittlerweile

schon über ein Jahr einmal monatlich trifft und bereits diverse gemeinsame Aktionen der Freizeitgestaltung unternommen

hat. Diese Angebote tragen dazu bei, die Isolation von Frauen zu durchbrechen.

Beispielhaft lassen sich hier aufzählen:

ein gemeinsames Picknick

ein Kochnachmittag

ein Massageangebot

eine Farb – und Stilberatung

ein Besuch im Zoo


Ein schöner Effekt ist, dass ein großer Teil der Gruppe sich angemeldet hat zum Frauen-Wohlfühlwochenende der

XXelle-Ruhrgebietsvernetzung am 22./23. Oktober und somit fünf Duisburger Frauen daran teilgenommen haben.

Zusammenarbeit mit Ehrenamtlerinnen / betroffenen Frauen

Für die lokale Arbeit ist es weiterhin notwendig, die Kapazitäten mithilfe von Ehrenamtlerinnen und positiven Frauen

zu erweitern. Die Strategie der Projektnehmerinnen, sowohl Ehrenamtlerinnen als auch betroffene Frauen in die aktuelle

frauenspezifische Arbeit mit einzubinden, wurde 2010 fortgesetzt und ließ sich zum Welt-Aids-Tag umsetzen.

Trotz der Angst des unfreiwilligen „Outings“, die bei Aktionen vor Ort meist vorhanden ist, war es den Frauen möglich,

uns für ein paar Stunden tatkräftig unter die Arme zu greifen.

Primärprävention bei Frauen in besonderen Lebenslagen

2010 ließ sich die Präventionsarbeit auf dem Duisburger Straßenstrich –mit nahezu gleicher Frequenz wie im Vorjahr

- erfolgreich mit dem Gesundheitsamt der Stadt Duisburg fortführen. Mit der regelmäßigen aufsuchenden Arbeit (in

einem ca. zweiwöchigen Rhythmus) wird ein langfristiger Beziehungsaufbau zu den einzelnen Sexarbeiterinnen ermöglicht.

In dem Arbeitsbereich der Bordelle in Duisburg wurde eine Nikolausaktion durchgeführt, in der Give-aways und Informationsmaterial

zum Beratungs- und Untersuchungsangebot an die Sexarbeiterinnen verteilt wurden.

Für den Einsatzbereich Kreis Wesel kam es im Oktober des Jahres zu Kooperationsaktionen mit dem Gesundheitsamt

des Kreises im Rahmen von gemeinsamen Besuchen innerhalb der Clubszene in Häusern in Xanten, Hamminkeln,

Voerde und Wesel. Im April dieses Jahres waren wir für diesen Arbeitszusammenhang mit eingeladen

auf einem europäischen, grenzüberschreitenden Treffen zum Thema der Kooperation im Bereich Prostitution

und STDs.

Öffentlichkeitsarbeit

2010 galt es neben der Kommunikationskampagne ‚XXelle’ auch die lokale AIDS-Hilfe und die Arbeit in dem Bereich

‚Frauen und AIDS’ zu präsentieren. Der Internetauftritt von XXelle-Ruhrgebiet wurde inhaltlich überarbeitet.

Seit Mitte des Jahres 2010 trägt die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. neben der AIDS-Hilfe Dortmund die presserechtliche

Verantwortung für die Homepage.

www.xxelle-ruhrgebiet.de

77


Zielgruppenspezifische Prävention

Ein wichtiger Anspruch im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit ist es, das Thema ‚Frauen und AIDS’ ins Bewusstsein

breiter Bevölkerungskreise zu transportieren. Neben den eigenen Darstellungsmedien (z. B. Homepage) und öffentlichkeitswirksamen

Aktionen (s. o.), spielen natürlich die Medien dazu eine Rolle. Trotz wieder einmal nennenswerter

Anfragen, konnte es im Berichtsjahr leider nicht gelingen, Frauen für Interviews oder Reportagen zu gewinnen, die

dem Thema auch für unsere Region gewissermaßen ein authentisches „Gesicht“ hätten verleihen können.

Es zeigte sich einmal mehr, dass es für HIV-positive Frauen offenbar noch schwieriger erscheint als für viele Männer,

sich selbstbewusst in der Öffentlichkeit outen zu können.

Teilnahme an Arbeitskreisen

An dem in Duisburg existierenden Arbeitskreis, der sich an Frauengruppen und frauenspezifische Institutionen aus

Duisburg richtet, nahmen die Projektnehmerinnen an den Arbeitstreffen teil, die eine thematische Relevanz für die

lokale Arbeit hatten.

Durch diese Kontakte wird die Begleitungsarbeit im Frauenbereich optimiert, da enge Kooperationsmöglichkeiten zwischen

den Einrichtungen entstehen. Die Netzwerkarbeit gewinnt zunehmend an Bedeutung, da HIV-positive Frauen

auch in anderen Einrichtungen in Erscheinung treten, wie z. B. Frauenhäusern oder Krankenhäusern, und sich die

Bedarfe durch das sich verändernde Sozialrecht und die Gesundheitsreformen weiter ausdifferenzieren.

5.4.2 Regionale Vernetzungsarbeit im Arbeitsbereich ‚Frauen und AIDS’

Homepageprojekt ‚www.XXelle-ruhrgebiet.de’

Die neue Homepage bietet zum einen die Option, frauenspezifische Institutionen im Ruhrgebiet zu informieren und zu

sensibilisieren, und zum anderen schafft sie für positive Frauen einen niedrigschwelligen und anonymen Zugang zu

Informationen und persönlichen Kontakten.

Hintergrund der Stabilisierung und Modifizierung der Homepage bleibt weiterhin, Frauen mit HIV und AIDS die Möglichkeit

zu geben, Informationen zu aktuellen medizinischen Neuerungen / Veränderungen bedarfsgerecht und anonym

über das Internet jeder Zeit abrufen zu können. Darüber hinaus soll der neue Veranstaltungskalender online

über Vernetzungstreffen im Ruhrgebiet Auskunft geben sowie Termine der einzelnen AIDS-Hilfen veröffentlicht werden,

um den betroffenen Frauen verbesserte Möglichkeiten zu bieten, sich an den Angeboten beteiligen zu können.

Förderung der Selbsthilfepotentiale und Stabilisierung der bestehenden Selbsthilfeangebote

Ein wesentliches Ziel auf der Ruhrgebietsebene ist es, positiven Frauen eine Möglichkeit zu geben, sich persönlich

auszutauschen und eine Vernetzung zu ermöglichen. Dies ist besonders relevant, da die Zielgruppe ‚Frauen’ sehr

heterogen ist und sich eine stabile persönliche Beziehung nicht ausschließlich auf die HIV-Infektion / AIDS-


Erkrankung gründen lässt.

In Zusammenarbeit mit der AIDS-Hilfe Dortmund e.V., der AIDS-Hilfe Essen e.V., der AIDS-Hilfe Oberhausen e.V., der AIDS-Hilfe

Bochum e. V. und der AWO Niederrhein e.V. wurde im Jahr 2010 am 22./23. Oktober ein Vernetzungswochenende mit frauenrelevanten

Schwerpunktthemen angeboten. Erfreulicherweise konnte dieses Angebot mithilfe der Münsteraner Aidsstiftung

und einiger Krankenkassen finanziert werden.

Die Evaluation hat ergeben, dass die Frauen besonders zufrieden damit waren, für zwei Tage die heimische Umgebung verlassen

zu können und ohne die Kinder ein Wochenende für sich zur Entspannung zu haben.

Positiver Nebeneffekt des Wochenendes war das darauf folgende Bedürfnis der Gruppe, sich möglichst schnell wieder zu treffen.

Dieser Wunsch führte dann am 13. Dezember zu einem gemeinsamen Weihnachtsessen bei der Aidshilfe Essen.

Öffentlichkeitsarbeit

In der Öffentlichkeitsarbeit im Jahr 2010 wurde der Schwerpunkt erneut auf die Präsentation der landesweiten Kommunikationskampagne

‚XXelle’ gelegt. Im Rahmen der Ruhrgebietsvernetzung ließen sich wieder Öffentlichkeitsaktionen

zum Thema ‚Frauen und AIDS’ platzieren, zu denen es aus den angegebenen Gründen allerdings keine personelle

Beteiligung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel gab.

5.4.3 Landesweite Vernetzungsarbeit im Arbeitsbereich ‚Frauen und Aids’

Teilnahme an Arbeitskreisen

Die regelmäßige Teilnahme an der Landesarbeitsgemeinschaft ‚Frauen und Aids’ vertiefte den landesweiten Bezug

des Projektes. Dieser ist notwendig, um die kontinuierliche Modifizierung der Arbeit in dem Bereich ‚Frauen und

AIDS’ zu gewährleisten. Mithilfe der fachlichen Auseinandersetzung auf der Landesebene wird zum einen die lokale

Projektarbeit weiterqualifiziert und zum anderen die Erarbeitung und Umsetzung von Projektideen in NRW gefördert.

Seit 2010 ist die Aidshilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. auch engagiert in der Öffentlichkeits-AG der Landesarbeitsgemeinschaft.

Öffentlichkeitsarbeit

2010 galt es, die landesweite Kommunikationskampagne ‚XXelle’ öffentlichkeitswirksam zu präsentieren.

Die NRW-weit erstellten Materialien ließen sich für unterschiedliche Aktionen (s. Öffentlichkeitsarbeit auf lokaler / regionaler

Ebene) erfolgreich nutzen. Darüber hinaus trugen die von der AIDS-Hilfe NRW e.V. erstellten Presseartikel

zu einer gelungenen Öffentlichkeitsarbeit bei.

79


Zielgruppenspezifische Prävention

Zum Internationalen Frauentag hat sich die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V.an zwei zentralen Vernetzungsaktionen beteiligt:

an der landesweiten Briefaktion der LAG Frauen und Aids , die sich an die

Gynäkologinnen und Gynäkologen der Kommunen richtete mit dem Fokus

der Kooperation mit den örtlichen Aidshilfen in Zusammenhang mit Beratung

zum Testangebot für Schwangere und an der Durchführung des Benefizkonzertes

„XXelle RoXX“ am 12. März in der Zeche Carl in Essen.

Ein weiteres zentrales landesweites Ereignis war der bundesweite Hebammenkongress

im Messezentrum Düsseldorf , an der die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel im Rahmen von Standbetreuung beteiligt war.

Für die Verknüpfung der landesweiten Kampagne mit lokalem Engagement auf Vorstandsebene

lässt sich von einem weiteren Novum berichten:

Seit Herbst 2010 präsentiert sich Vorstandsfrau Silke Stützel als XXelle Botschafterin auf den

Seiten von XXelle NRW .

Silke (44) aus Duisburg

„XXelle bedeutet für mich ein Netzwerk, das HIV-positiven

Frauen ein Gesicht gibt und ihre Energien und Aktivitäten,

aber auch Ängste sichtbar macht.“


5.5. AIDS und Migration

5.5.1. Migration und Begleitung

Von den HIV-positiven / an AIDS-erkrankten Menschen, die im Jahr 2010 von der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. begleitet wurden, hatten ca. ein Drittel einen Migrationshintergrund. Insbesondere bei den Frauen zeigte sich

erneut, dass Migrantinnen unsere Institution für sich nutzten.

Besonders Menschen aus Subsahara-Afrika suchten 2010 die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. auf. Sie waren,

wie auch in vorangegangenen Berichtsjahren die zahlenmäßig größte Gruppe der Migrant/innen. Als Herkunftsländer

ragten dabei schwerpunktmäßig Togo und Kamerun heraus.

Darüber hinaus begleitete die AIDS-Hilfe Menschen mit italienischem, polnischem, serbokroatischem und türkischem

Migrationshintergrund.

Im Gegensatz zu der Gruppe aus Subsahara-Afrika war diese jedoch zahlenmäßig deutlich kleiner.

In der Begleitung zeigt sich, dass viele Thematiken, die in der Beratungs- und Versorgungssituation eine Rolle spielen,

kulturell geprägt sind. Dieses führt in Beratungssituationen leicht zu Missverständnissen, Fehlentscheidungen

und kontraproduktiven Unterstützungs- und Behandlungsangeboten. Oft wird die Verständigung durch die sprachlichen

Barrieren erschwert. Zusätzlich zu den sprachlichen und kulturellen Barrieren ist die Begleitung der HIV-

Infizierten / an AIDS-erkrankten Migrant/innen durch deren spezifische Lebenssituation gekennzeichnet. So sind die

Regelung des Aufenthaltsstatus und der Umgang mit dem fremden Aufenthaltsland ein existentielles Thema.

Darüber hinaus gilt für viele Migrant/innen, dass sie ihre Familien in den Herkunftsländern zurück lassen. Besonders

in der Begleitung der Menschen aus Subsahara-Afrika ist die Trennung von Eltern, Geschwistern, Kindern und Ehepartner/innen

Thema. Die Einsamkeit und Isolation verstärkt sich mit der Diagnose: ‚HIV-positiv’. In der Begleitung

der Schwarzafrikaner/innen stellten wir in diesem Berichtsjahr erneut fest, dass die HIV-Infektion in der Community

der Schwarzafrikaner/innen nicht Thema werden darf. Selbst die eigene Familie wird in der Regel nicht informiert.

Diese spezifische Lebenssituation führt dazu, dass die HIV/AIDS-Erkrankung gegenüber den psychischen und existentiellen

Belastungen in den Hintergrund treten kann.

Die aufgeführten Faktoren zeigen, dass die Begleitung der Migrant/innen oftmals einen anderen inhaltlichen Rahmen

einnimmt. Die Problematik, dass ein großer Teil der Migrant/innen kein Deutsch verstehen bzw. lesen kann, nimmt

darüber hinaus größere zeitliche Ressourcen in Anspruch. Da es keine Stelle gibt, die dafür zuständig ist, Briefe (u. a.

von den jeweiligen Ämtern) zu übersetzen, geschieht dieses meist innerhalb der AIDS-Hilfe.

Sowohl hinsichtlich der Inhalte als auch im Hinblick auf die Zeitressourcen ist die Kooperation mit anderen Institutionen

bei der Begleitung von Migrant/innen dringend notwendig.

5.5.2. Arbeitskreis ‚Migration’

Der Arbeitskreis Migration ist ein Zusammenschluss von Organisationen, die regional im Bereich Migrant/innen mit

HIV / AIDS tätig sind (AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V., Gesundheitsamt der Stadt Duisburg - Beratungsstelle

zu AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, AIDS-Hilfe Düsseldorf e.V., AIDS-Hilfe Oberhausen e. V.,

AIDS-Hilfe Krefeld e.V., Projekt Aids + Kinder, Köln, Deutsche AIDS-Stiftung, Bonn).

Ziel ist der fachliche Austausch, die Vernetzung regionaler Angebote und die Durchführung gemeinsamer Projekte

und Veranstaltungen.

Zentrale Veranstaltung des laufenden Jahres zum Thema Migration war am 16. Juni die sehr erfolgreiche

Fachtagung des Arbeitskreises Migration, an deren Vorbereitung und Durchführung wir wie in

den letzten Jahren auch beteiligt waren.

81


Zielgruppenspezifische Prävention

Unsichtbar – Menschen ohne Papiere in Deutschland.

Die rege Teilnahme von Fachleuten - teilweise über die Landesgrenzen hinaus – war eindeutiges Anzeichen für den

Bedarf nach fachlichem Austausch zum Thema.

Lokale Ebene

Interkulturelle Wochen Duisburg

Im Rahmen der Interkulturellen Wochen, die jährlich in Duisburg stattfinden, wird von städtischer Seite aus auf Vielfalt

von Kultur, Lebensweise und Religion von Migrantinnen und Migranten in der Stadt aufmerksam gemacht. Mit zahlreichen

kulturellen Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerten, Vorträgen, Festen für Kinder u. v. m., die von verschiedenen

Vereinen organisiert werden, wird auf die Weltoffenheit der Stadt Duisburg hingewiesen.

Im Jahr 2010 war unsere Schwerpunktaktion innerhalb der Interkulturellen Wochen die Wochenmarktaktion am

23.September auf dem großen Wochenmarkt auf dem Hamborner Altmarkt - gemeinsam mit der IG Metall und den

beiden Paritätischen Mitgliedsorganisationen Mabilda e.V. und der Dersim Gemeinde aus Marxloh, beides für Duisburg

relevante Migrantenselbstorganisationen. Die Kontakte zu beiden Organisationen sind gleichzeitig Teil unserer

Bestrebungen, die Beziehungen zur türkisch / kurdischen Community im Duisburger Norden zu verfestigen.

Es zeigt sich auf der lokalen Ebene der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel, dass die Begleitungszahlen der Menschen

mit HIV / AIDS, die einen Migrationshintergrund haben, die deutschlandweiten Zahlen widerspiegeln. Die Begleitungsarbeit

bei dieser Zielgruppe erfordert spezifische sprachliche, interkulturelle und fachliche Kompetenzen. Da

sich die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit in der Zielgruppe der Migranten oftmals problematisch darstellt, weil

das Thema ‚HIV/AIDS’ weitestgehend tabuisiert wird, ist hier ein langer Atem erforderlich und sind immer wieder die

Gelegenheiten zu nutzen, um die Thematik auch öffentlichkeitswirksam wach zu halten.

Innerhalb unseres Paritätischen Dachverbandes haben wir über die Beteiligung an der Interkulturellen Woche hinaus

auch intern das Thema Migration und transkulturelle Öffnung auf der diesjährigen Mitgliederversammlung am 20.

September zum Thema gemacht.

Mit einer eigenen PowerPointPräsentation und offiziellem Redebeitrag haben wir zur Intensivierung und Belebung der

innerverbandlichen Diskussion beigetragen.


am Beispiel der Strukturellen Präventionsarbeit der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung

Konferenz der Mitglieder der Kreisgruppe Duisburg des PARITÄTISCHEN, 20.09.201 0

83


Youthwork

5.6 Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung

So sieht es aus – das neue Logo für unser Arbeitsfeld “Youthwork”. Frisch kommt es daher- so wie die Arbeit mit Jugendlichen

sein sollte und so frisch, wie sie die Mitarbeiter/innen in diesem Sektor hält (!?!). Der Rheinberger Grafikerin

und Designerin, Britta Plien, die unser neues „corporate design“ (s. auch neue Hausbroschüre, 4.) gestaltet hat,

gilt Dank dafür.

Seit 1989 ist „Youthwork“ (AIDS-Prävention in sexualpädagogischem Kontext) ein fester und wichtiger Bestandteil der

Angebotspalette der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. Und wenn auch das alte richtliniengestützte Förderprogramm

(1988 vom damaligen MAGS NRW eingeführt, s. www.youthwork-nrw.de ) im Zuge des Kommunalisierungsprozesses

im Prinzip erledigt ist, so ist aufgrund der unzweifelhaften Sinnhaftigkeit nicht nur die Landesförderung erhalten

geblieben, sondern auch die kommunalen Ergänzungsfinanzierungen (wenn auch gedeckelt, s.o.). Und der

schon mehrfach zitierte Entwurf der neuen Landesregierung bestärkt den spezifischen Arbeitsansatz auch sehr eindeutig.

„Jugendliche gehören bislang nicht zu den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Da sie am Anfang ihrer

sexuellen Aktivität stehen, sind sie jedoch eine wichtige Zielgruppe für die Primärprävention. Jugendliche stehen vor

der Herausforderung, zu Beginn ihrer partnerschaftlich ausgerichteten Sexualität sich sowohl mit Fragen der Verhütung

und des Schutzes vor sexuell übertragbaren Infektionen als auch mit physischen und psychischen Veränderungen

auseinanderzusetzen. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass personalkommunikative Ansätze in der

Sexualaufklärung und Prävention diese Lernprozesse besonders fördern und unterstützen. Sie müssen jedoch frühzeitig

einsetzen, kontinuierlich weitergeführt werden und sich an dem jeweiligen Entwicklungsstand, der sexuellen

Orientierung und den sozialen, kulturellen und ethischen Hintergründen der Jugendlichen ausrichten.

Da andere sexuell übertragbare Infektionen, insbesondere Syphilis, Tripper und Chlamydien auch Jugendliche betreffen

und sich damit das Risiko einer HIV-Infektion erhöht, müssen die Inhalte der HIV/AIDS-Prävention und Sexualaufklärung

mit den Informationen zur Verhinderung der o.g. Infektionen verknüpft werden. (…)

Die Angebote der Schule und der außerschulischen Jugendarbeit werden durch HIV- uns STI-

Präventionsmaßnahmen der AIDS-, Sexual- und Jugendberatungsstellen unterstützt und ergänzt. Notwendig sind

kontinuierliche und strukturierte Kooperationen und gemeinsame Projekte zwischen AIDS-/STI- und Sexualberatungsstellen,

Jugendhilfe, Suchthilfe, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen in öffentlicher und freier Trägerschaft.“

(Entwurf „Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention in NRW“ vom Dezember 2010; S. 13 f)

Einmal mehr gilt der Landes-Arbeitsgruppe Prävention unter Federführung des Gesundheitsministeriums ein Kompliment

für die Analyse und die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen (vgl. 1.). Diese sind auf der Höhe der

Zeit. Und - aufmerksame Leser/innen unserer Jahresberichte haben es längst bemerkt – sie bestätigen unsere Y-

outhwork-Arbeit und ihre Ansätze in eindrucksvoller Weise. Das gilt insbesondere auch für die kooperativen Projektformen,

die wir seit je her propagieren, initiieren und umsetzen und die in besonderer Weise für nachhaltige Synergieeffekte

prädestiniert sind.


Auch darüber erklärt sich gewiss zu einem nicht unerheblichen Teil, dass Jugendliche in Deutschland und in unserer

Region tatsächlich nicht zu den besonders riskierten Zielgruppen zählen – Prävention im Kontext von Gesundheitsförderung

wirkt und ist zielführend im Hinblick auf eine Verankerung von Präventionswissen und die Stärkung der

Handlungskompetenzen für die individuelle Gesunderhaltung sowie die Förderung eines nachhaltigen Schutzverhaltens

und dessen Implementierung im persönlichen Lebensstil.

Diese und weitere Ziele und Ansätze sind im Berichtsjahr auch auf der Bundesebene unter besonderer Berücksichtigung

der notwendigen stärkeren Einbeziehung der STI`s / STD`s und ihrer Relevanz für die HIV-Prävention weiter

bestärkt worden. Erstmalig wurden im April 2010 sechs Standards für die STI/STD-Prävention verabschiedet und

zahlreich ratifiziert (so etwa auch vom Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit des Landes Nordrhein-Westfalen)

sowie im Epidemiologischen Bulletin Nr. 35 des Robert-Koch-Instituts (s. www.rki.de ) veröffentlicht. Entwickelt wurden

diese von der bundesweiten, multiprofessionellen, interdisziplinären und intersektoriellen Arbeitsgemeinschaft

sexuelle Gesundheit der Deutschen STD-Gesellschaft (DSTDG) – ein weiterer Meilenstein hinsichtlich der Verbindlichkeit

von Voraussetzungen für eine gute Präventionsarbeit.

Die Standards und deren Grundpositionen sind im ganz Wesentlichen eine Bekräftigung des –alten, aber eben immer

noch modernen- Konzeptes der „strukturellen AIDS-Prävention“ der Deutschen AIDS-Hilfe, nach dem auch wir unsere

Arbeit ausrichten. Und dabei ist AIDS-Prävention schon immer auch einzubetten in einen ganzheitlichen Kontext

von Gesundheitsförderung.

Zentrale Grundpositionen dieser Standards sind:

● Sexualität ist eine zentrale Lebensäußerung, Ausdruck lustvollen Lebens und Grundbestandteil der Gesundheit in

einem umfassenden Sinn.

● Die Prävention von STD/STI ist daher Bestandteil allgemeiner Förderung der Gesundheit und positiver Lebenseinstellungen.

● Die Verhältnisprävention soll untrennbar mit der Förderung sexueller Gesundheit verbunden sein.

● Es sollen spezielle Infektionen und Erkrankungen verhindert werden, aber auch gesellschaftliche und soziale Bedingungen

geschaffen werden, unter denen es lohnend und möglich ist, die eigene Gesundheit zu schützen und lustvoll

zu leben

(vgl. Epidemiologisches Bulletin des RKI, 35/2010, S. 352 ff).

Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von AIDS-Prävention in sexualpädagogischem Kontext mit dem vorrangigen

Ziel der Vermeidung von Primärinfektionen hat nichts an Bedeutung verloren. Die stabil hohe Zahl bei den HIV-

Neuinfektionen (ca. 3000 in Deutschland in 2010) quer durch alle Bevölkerungsgruppen –so durchaus auch bei jugendlichen

und jungen Menschen- sind ein deutlicher Beleg dafür.

Dennoch ist festzuhalten, dass diese Arbeit, die vor allem durch personale Kommunikation zielgruppenadäquate Informationsarbeit

und Aufklärung leistet, offenbar weiterhin sehr erfolgreich ist.

Dies belegt auch die Studie „Jugendsexualität 2010“ der BZgA, die im September vorgestellt wurde (s.

www.forschung.sexualaufklaerung.de ), bei der regelmäßig repräsentativ Einstellungen und Verhaltensweisen 14-

bis 17-jähriger Jugendlicher zur Aufklärung, Sexualität und Verhütung erhoben werden. Demnach wird das Verhütungsverhalten

immer besser und das Kondom immer mehr zum beliebtesten Verhütungsverhalten. „Sexuell aktive

deutsche Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren verhüten heute bereits beim ersten Mal besser als je zuvor: Nur je

acht Prozent der Mädchen und Jungen geben an, keine Verhütungsmittel benutzt zu haben. 1980 lag dieser Anteil

mit 20 Prozent bei den Mädchen und 29 Prozent bei den Jungen um ein Vielfaches höher. Die neuen Zahlen zeigen

zudem, dass Jungen beim ersten Mal mittlerweile ebenso gut verhüten wie Mädchen.

Auch bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund hat sich das Verhütungsverhalten verbessert. Doch verglichen

mit ihren deutschen Altersgenossen verhüten sie noch immer seltener. So geben 12 Prozent der Mädchen und 18

Prozent der Jungen mit Migrationshintergrund an, beim ersten Geschlechtsverkehr keine Verhütungsmittel benutzt zu

haben. Im Jahr 2005 waren es noch mehr als ein Drittel der Jungen und etwa jedes fünfte Mädchen“

(Pressemitteilung der BZgA vom 02. September 2010; s. www.bzga.de )

Bei Jugendlichen tragen die Schulen entscheidend zur Informationsvermittlung bei. 94 Prozent der 16- bis 20-

Jährigen geben heute an, das Thema AIDS in der Schule behandelt zu haben, vor 10 Jahren waren es 88 Prozent.

Schulische Sexualaufklärung gewinnt daher für die AIDS-Aufklärung immer mehr an Bedeutung“

(BZgA „aktuell“, 11/08, S.2), was sich auch daran zeigt, dass die spezifischen Youthwork-

Angebote der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. stabil bis vermehrt nachgefragt werden.

87


Youthwork

Der niedrigschwellige, emanzipatorische und akzeptanzorientierte Ansatz ist richtig. Repressive Ansätze sind eindeutig

kontraproduktiv. Die besondere Akzeptanz dieses Ansatzes wird uns auch vor Ort durch Rückmeldungen, Resonanzen

und Evaluationserfahrungen zu unseren Veranstaltungen in diesem Sektor (s. Abb. Veranstaltungsverteilung

nach Arbeitsfeldern) bestätigt.

Dem Rechnung tragend gestalten wir unsere AIDS-Prävention in sexualpädagogischem Kontext und

zielen auf einen Dialog in offener und angstfreier Atmosphäre und ohne pädagogischen Zeigefinger.

5.6.1 Veranstaltungsinhalte

In aller Regel werden personalkommunikative Formen massenmedialen vorgezogen. Das erfordert allerdings auch eine jeweilige

Reduktion auf zielgruppenadäquate und bedürfnisorientierte Themenbereiche. Um diese Reduktion pädagogisch verantwortungsvoll

vornehmen zu können, finden entsprechende Vor- und Nachgespräche mit den Veranstaltungspartnern statt.

Je nach Zielgruppe, Zugangsvoraussetzungen und Rahmenbedingungen können u.a. folgende Themenfelder behandelt

werden :

- Medizinisch, biologische Grundlagen zu HIV und AIDS, und andere STI`s (Virologie, Immunologie,

...)

- Verlaufsformen der HIV-Infektion

- Aktueller Forschungsstand und Therapieansätze

- Übertragungswege und –risiken

- Infektionsschutzmöglichkeiten

-Testverfahren und ihre Problematiken

- Epidemiologische Entwicklung und daraus resultierende Präventionserfordernisse und –

strategien

- Lebenssituation von Betroffenen und An- oder Zugehörigen

- Umgang mit HIV-positiven oder/und an AIDS erkrankten Menschen

- Vorurteile gegenüber sog. Hauptbetroffenengruppen

- Drogen- und Substitutionsproblematik

- HIV und AIDS als gesellschaftliches Phänomen

- Juristische und ethische Fragestellungen

- Probleme in der Begleitung und Pflege

- Sterbebegleitung, Tod und Trauer

- Liebe, Sexualität und Partnerschaft

- Probleme im Umgang mit der eigenen Sexualität

- Homosexualität (Schwul-lesbische Aufklärungsarbeit)

- Geschlechterrollen und ihre Problematiken

- Normen, Werte und deren Wandel im Umfeld der Sexualität

- u.a.m.


5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork

AIDS-Präventionsveranstaltungen im

Rahmen von Sexualpädagogik

und ganzheitlicher Gesundheitsförderung

Fort- und Weiterbildung für MultiplikatorInnen

und LehrerInnen

Beratung (telefonisch, persönlich,

schriftlich und via Internet) für

Jugendliche, Eltern, LehrerInnen,

ErzieherInnen etc.

Kooperation, Koordination und Vernetzung

Geschlechtsspezifische Angebote für

Mädchen und Jungen

Wir bieten für Sie an:

Beratung

Einzel-, Paar, Gruppenberatung;

-telefonisch

-persönlich

-schriftlich

-via Internet

Angebote

Präventionsveranstaltungen

Fort- und

Weiterbildung

Gruppenarbeit, Moderation, Workshop, Seminar, Expertengespräch,

Diskussion, Projekt, Fachtagung,

Event, Vortrag, Referat, Infostand etc.

Kooperation,

Koordination,

Vernetzung

Arbeitskreise, Gremien,

Ausschüsse, Lobbyarbeit,

etc.

AIDS-präventive Veranstaltungen in sexualpädagogischem Kontext wurden von der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. für Schülerinnen und Schüler aller Regelschulformen sowie Kollegschulen durchgeführt. In der Regel werden

unsere Angebote in den Jahrgängen ab der Klasse 8, in einzelnen begründeten Ausnahmen auch in jüngeren Jahrgängen

platziert.

Form und Inhalte werden jeweils bedürfnis- und lebensweltorientiert konzipiert. Das Angebotsspektrum reicht hier von

Formen eines „Expertengespräches“ im Rahmen von Unterrichtsreihen vor unterschiedlichem Fachhintergrund bis

hin zu Projekttagen und – wochen, die günstigenfalls außerhalb des Schulrahmens durchgeführt werden. Um darüber

hinaus eine zumindest grobe Übersicht über das „Produkt Youthwork“, über Zielebenen, Methoden und Ansätze bekommen

zu können, sei an dieser Stelle auf die Internetseite www.youthwork-nrw.de verwiesen.

Mit dem Berichtsjahr 2010 blicken wir im Bereich Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung auf ein wieder

einmal sehr aktives Jahr zurück. Weiterhin konzentrieren sich die schulischen Veranstaltungsanfragen stark auf das

erste Halbjahr, allerdings im Vergleich zu den letzten Vorjahren nicht mehr so geballt auf das erste Quartal. Das Bemühen

um terminliche Flexibilität von Seiten der Schulen ist weiter gewachsen. Unser Angebot scheint nach wie vor

so attraktiv, dass hier Bewegung zu vernehmen ist.

Angesichts der Größe des Zuständigkeitsgebietes, der wachsenden Bedarfe, der wachsenden Notwendigkeit, auch

andere sexuell übertragbare Krankheiten einzubeziehen und der Einzigartigkeit des Youthwork-Angebotes in der Region

haben wir in den letzten Jahren immer wieder die Sinnhaftigkeit bekräftigt, eine weitere Fachkraft zu gewinnen.

Wünschenswert wäre insbesondere eine Youthworkerin, die sich verstärkt der Mädchenarbeit widmen könnte. Zumindest

phasenweise und themenabhängig sind geschlechtsspezifische Angebote und Arbeitsweisen im Bereich der

Sexualpädagogik wichtig.

Die `Sinnhaftigkeit´ beginnt gewissermaßen bei dem Eindruck, dass Defizite bzgl. des individuellen Körperbewusstseins

und –verständnisses aus Sicht des Verfassers eher zunehmen und Basiskenntnisse zu Körperbau und –

funktionen, die zum Verstehen von sexuellen Vorgängen unentbehrlich sind, oft nur rudimentär vorhanden sind. Dies

gilt allerdings durchaus für beide Geschlechter.

Darüber hinaus können wir uns mit unseren Kapazitäten leider nicht im gewünschten Maße um sozial benachteiligte

Schüler/innen kümmern, die nicht nur, aber gewiss mit höherer Quote in Haupt- und Förderschulen anzutreffen sind,

für die die beschriebenen Defizite in besonderem Maße gelten und die bei den STI-Inzidenzen eine Rolle spielen.

89


Youthwork

Nach den sehr guten Erfahrungen aus dem Vorjahr, in dem wir mit unserer ehemaligen Fachkraft im Bereich „Frauen

& AIDS“ und „AIDS & Migration“, der Diplom-Pädagogin Anika Walther, auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung

im Umfang von sechs Wochenstunden eine zusätzliche Kraft ein

gestellt hatten, mussten wir im Berichtsjahr leider erneut handeln, da Frau Walther in eine weitere Erziehungsurlaubsphase

ging. Aber auch hier war uns das Glück beschieden, diesen Ausfall durch unsere Ex-Praktikantin, die Soziale

Arbeit studierende Sandra Kohlhase, als Honorarkraft weitgehend aufzufangen.

Mit unserer Praktikantin Yvonne Leuverink, ebenfalls Studentin der sozialen Arbeit, konnten wir im ersten Quartal

sogar ein weiteres Projektangebot für Schulen unterbreiten. Das im Wesentlichen von Frau Leuverink konzipierte

Präventionsprojekt „No drugs – no party?“, welches für Klassen der Jahrgangsstufe 9 neben dem Schwerpunkt

auf der (Party-) Drogenprävention auch Risiken und Nebenwirkungen hinsichtlich der Sexualität aufgriff, wurde erfreulich

gut nachgefragt – insbesondere von Duisburger Gesamtschulen.

Grundsätzlich aber konstatieren wir für den Arbeitsbereich weiterhin knappe personelle Ressourcen und somit bleibt

die Einbindung und entsprechende Qualifizierung von ehrenamtlichen Kräften und Multiplikator/innen ein zentrales

Anliegen der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Unser Dank gilt hier insbesondere den aktiven HIV-positiven Ehrenamtler/innen, die sich immer wieder bereit erklären,

in authentischer Weise zur Frage „HIV-positiv sein – was heißt das?“ Rede und Antwort zu stehen. Die Einbeziehung

dieser Selbsthilfeaktivisten ist hier, wie bei Bedarf auch zum Thema „Homosexualität“ fester Bestandteil vieler

Präventionsveranstaltungen. Der besondere Wert dieser Authentizität wird uns auch immer wieder rückgemeldet.

Hier gilt auch den Mitarbeitern des Herzenslust-Teams ein herzliches Dankeschön.

Den von uns (mit-) initiierten Präventions-Vernetzungen in Duisburg und für die Region um Dinslaken kommen

ebenfalls besondere Bedeutungen zu. Dabei geht es uns vor allem darum, über Multiplikator/innen eine kontinuierliche

Präsenz der Präventionsthemen in den Institutionen zu schaffen und von `nur´ punktuellen Veranstaltungen wegzukommen.

Durch die Vernetzung und die damit verbesserte Kooperation und Koordinierung werden Synergieeffekte

erzielt. Durch begleitende Öffentlichkeitsarbeit wird für die potentiellen Kunden mehr Transparenz zu den Präventionsangeboten

geschaffen und den Schülerinnen und Schülern die Beratungseinrichtungen und ihre Mitarbeiter/innen

bekannt gemacht. Leider läuft der AK ProVer in Dinslaken zuletzt eher auf Sparflamme, aber immerhin bleiben die

guten Vernetzungskenntnisse und –effekte erhalten.

Wir konstatieren weiterhin insbesondere Defizite im Bereich von sprachlichen und kommunikativen Kompetenzen im

Feld von Liebe, Sexualität und Partnerschaft. Ein Erklärungsansatz mag in der neuartigen Nutzung von virtuellen Medien

und den damit verbundenen spezifischen Kommunikationsmustern zu finden sein (SMS, Messenger- und Chat-

Plattformen, …). Ein anderer Ansatz ist uralt, nämlich dass auch heute der Eintritt in das Abenteuer „Liebe, Sex und

Partnerschaft“ immer noch mit ganz viel Aufregung, Nervositäten und auch Ängsten und Sorgen verbunden ist, trotz

oder gerade wegen der vermeintlichen Banalisierung der Thematik durch vielfältige einschlägige Medien, die den Jugendlichen

vermeintliche Realitäten und / oder Normalitäten vorspiegeln. Hier ist einfühlsame Sexualpädagogik gefordert.

Nach unserer Auffassung sind hierzu die Informations- und Vermittlungsmethoden und der Zeitpunkt der thematischen

Auseinandersetzung von entscheidender Bedeutung. Die Erkenntnis ist nicht neu, dass AIDS-Prävention mit

Jugendlichen im Kontext von Sexualpädagogik anzusiedeln ist, dass personalkommunikative Methoden (d.h.

„Veranstaltungen von Mensch zu Mensch“, vgl. BzgA-Ansatz), die an der Lebenswelt der Schüler/innen orientiert und

hinsichtlich der ersten Erfahrungen zeitnah zu platzieren sind, massenmedialen oder eindimensionalen Vermittlungsformen

vorzuziehen sind, bzw. diese unbedingt ergänzen sollten (vgl. Entwurf zum Landespräventionskonzept o.).

In den Jahrgangsstufen bis zur 10. Klasse erscheint uns zudem eine – zumindest phasenweise und themenabhängige

– geschlechtergetrennte Bearbeitung sinnvoll (vgl. o.). Hier müssen einfach die nicht selten durchaus großen Unterschiede

im Reife- und Erfahrungsgrad zwischen Mädchen und Jungen einer Jahrgangsstufe Berücksichtigung

finden. In Anwesenheit des anderen Geschlechtes fällt es manchmal schwerer, in offene und ehrliche Kommunikationsprozesse

hineinzufinden.

Erst recht, wenn die eigene Identitätsfindung (Wer bin ich? Was mag ich? Was mag ich nicht? …) noch in vollem

Gange ist. Dennoch sind angesichts der mehrheitlich heterosexuellen Orientierungen, Erfahrungen gelingender Kom-


munikation zwischen den Geschlechtern unentbehrlich und nicht zuletzt besonders wichtig für die Verabredung von

Verhütungsmethoden, für die Durchsetzung individueller Schutzbedürfnisse.

Verstärkt wird der Trend zu problematischer bzw. nicht erfolgreicher Face-to-face-Kommunikation durch die rasante

Nutzung der neuen Medien zur Kontaktanbahnung oder für Verabredungen. Die anfängliche Anonymität wird einerseits

sehr geschätzt, aber andererseits auch zunehmend missbraucht. Der Ansatz, kommunikative Kompetenzen zu

fördern wird aus unserer Sicht immer wichtiger (vgl. o.).

Es bleibt dabei, Emanzipation, Selbstbewusstsein und –bestimmung mit sozialer Verantwortung und solidarischem

Handeln in Einklang zu bringen, ist eine zentrale Aufgabe von Erziehung, (Aus-) Bildung und Präventionsarbeit.

Auch vor diesem Hintergrund ist eine optionale Einbeziehung des Spezialthemas „Homosexualität“, welches durch

die Richtlinien zur Sexualerziehung zum verbindlichen Thema aufgewertet wurde, wichtig. Die nach wie vor stark klischeegeprägte

Vorstellung vom „Schwul-Sein“ gilt sehr häufig geradezu als das Antivorbild für Jungen. Trotz aller

gesamtgesellschaftlichen Fortschritte im Feld der Akzeptanz und Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen,

gilt es hier aus Sicht des Verfassers sehr genau zu beobachten und frühzeitig den Anfängen neuer Diskriminierungstendenzen

zu wehren.

Hier sei wieder einmal der Hinweis gestattet, dass beim Youthworker

der AIDS-Hilfe Duisburg /Kreis Wesel e.V. die sog. „SCHLAue Kiste“

des Gesundheitsministeriums NRW mit Medien und Materialien zur

schwul-lesbischen Aufklärungsarbeit prinzipiell auszuleihen ist. Darüber

hinaus können über den Youthworker der AIDS-Hilfe (ggf. im Verbund

mit dem „Herzenslust-Team der AH) Multiplikatorenfortbildungen zu

diesem Themenfeld vereinbart werden.

Durch Veranstaltungen im Sektor Youthwork und Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung konnten

wir im Berichtsjahr 6.070 Personen mit personalkommunikativen Formen erreichen, davon 168 sog. Multiplikator/

innen (Lehrkräfte und sonstige Pädagog/innen sowie ehrenamtliche Mitarbeiter/innen). Allein im schulischen Bereich

(-> Youthwork-Angebote) erreichten wir in 24 Schulen 1930 Jugendliche aus allen Schulformen, über 510 in außerschulischen

Zusammenhängen wie offener Jugendarbeit u.a. und 3300 Jugendliche im Rahmen von personalkommunikativen

Formen bei Großveranstaltungen (wie z.B. bei der LoveParade). 35 % der Jugendlichen kamen aus

dem Alterssegment zwischen 14 und 17 Jahren, 22 % der Jugendlichen hatten einen Migrationshintergrund.

5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche und Multiplikatoren

Erfreulich war auch in diesem Berichtszeitraum erneut die Nachfrage nach Präventionsberatungen von Schüler/

innen, die für Fach- oder Projektarbeiten unseren Rat suchten. Dies ist gewiss auch als Zeichen zu deuten, dass die

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bei vielen Schulen als gute und wichtige Anlaufstelle bekannt ist. Über das

direkte Aufsuchen lassen sich im Übrigen leicht denkbare Schwellenprobleme abbauen. Zudem können wir hierüber

natürlich auch unsere Youthwork-Angebote bekannt machen.

Aus dem Bereich berufsbildender Einrichtungen (z.B. Berufskollegs, insbesondere der Sektor der sog. Berufsgrundschuljahre)

gab es im Berichtsjahr stabil hohe Anfragen zu vermerken. Hier finden wir in der Regel wichtige Zielgruppen;

Jugendliche im Alter zwischen 16 und 25 Jahren, die oftmals problembehaftete Sozialisationen und einen geringen

Grad an Aufklärungsniveau (z.T. auch migrationsbedingt) aufweisen.

Bis auf einzelne Ausnahmen – vorwiegend im Zusammenhang mit schulischen Projekttagen und im Umfeld des Welt-

AIDS-Tages – sind direkte Kooperationen mit Einrichtungen der offenen Jugendarbeit eher selten. Dass wir hier allerdings

auch keine Offensiven starten konnten, hat unsererseits einfach mit Kapazitätsgrenzen zu tun. Erwähnenswert

in diesem Zusammenhang ist allerdings das tolle Angebot insbesondere für Jugendliche im Rahmen des großen Aktionstages

zum Welt-AIDS-Tag im Duisburger FORUM (s. 4.4., z.B. die „Orientierungsrally“), welches in diesem Jahr

von Gruppen vieler verschiedener Schulen wahrgenommen wurde.

91


Youthwork

5.6.4 Multiplikatoren- und Erwachsenenbildung

Wie bereits erwähnt, investiert die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. viel in die Aus- und Weiterbildung ihrer

ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen, ohne die einfach die Vielzahl an Anfragen auch aus diesem Präventionsfeld

nicht befriedigt werden könnten. Dies ist und bleibt eine wichtige Aufgabe, der wir uns gerne widmen. Dazu führen wir

u.a. alljährlich intensive Grundlagenausbildungen (s. 6.) im Verbund mit drei anderen Ruhrgebiets-AIDS-Hilfen durch,

um darüber einerseits den Ehrenamtler/innen eine Möglichkeit zu bieten, ein Einsatzfeld zu finden, dass Ihren Ressourcen,

Fähigkeiten und Neigungen entspricht und andererseits sie gemäß unserer Qualitätsstandards auszubilden

und zu rüsten und die vorhandene Motivation zu stärken. Es spricht vieles dafür, ehrenamtliche Ressourcen gerade

auch im Bereich der (Primär-) Präventionsarbeit weiter zu mobilisieren und zu qualifizieren, z.B. für den peer-to peer-

Ansatz. Die aktiven Ehrenamtler/innen sind unsere wichtigste Ressource und die wichtigsten Multiplikator/innen.

Eine weitere ganz wichtige Gruppe von potentiellen MultiplikatorInnen sind in diesem Präventionsfeld natürlich die

Lehrenden in schulischen und außerschulischen Einrichtungen. Die Anfragen nach Lehrerfortbildungen im Hinblick

auf und im Vorfeld von Projektformen bleiben allerdings weiterhin noch hinter den Vorjahren zurück. Dies hat unter

anderem mit den vielfältigen Veränderungen im Schulbereich mit erheblichen Zusatzbelastungen für die Lehrkräfte

zu tun. Fortbildungen, die mit Unterrichtsausfall verbunden sind, sind nicht leicht zu installieren. Dies hat auch damit

zu tun, dass wir überwiegend bei z.T. schon sehr lange etablierten Projekten agieren und hier nicht mehr viel Überzeugungsarbeit

leisten müssen. Natürlich wäre eine Ausweitung des Angebotes (s.o.) wünschenswert, aber wir sind

nach wie vor froh, wenn wir mit unseren begrenzten Ressourcen die Nachfragen weitestgehend bedienen können.

Das Themenspektrum reicht hier von der Präsentation des aktuellen Wissensstandes zu HIV und AIDS über die epidemiologische

Entwicklung und daraus resultierender Präventionskonsequenzen und –strategien bis hin zu Aspekten

spezieller Fortbildung im Feld der Kommunikation, wie Gesprächsführung und Moderation.

Auch vor diesem Hintergrund erweisen sich die erwähnten Präventionsvernetzungsaktivitäten als höchst sinnvoll.

Darüber lassen sich Synergieeffekte erzielen, mittelfristig gesehen Ressourcen zusammenführen und nicht zuletzt

Chancen eines ökonomischeren Haushaltens mit den vorhandenen Kapazitäten entwickeln.

Umso mehr gewinnt das Feld der Multiplikatorenausbildung an Bedeutung. Ein zentrales Anliegen ist es, die Präventionsthemen

und die damit verbundenen Ziele an Schulen und in außerschulischen (Jugend-) Einrichtungen möglichst

ganzjährig zu platzieren. Geschulte Pädagog/innen, Erzieher/innen oder Sozialarbeiter/innen und –pädagog/

innen sollten diese repräsentieren, zumindest mit Verweisungskompetenzen ausgestattet sein und als AnsprechpartnerInnen

für die Jugendlichen bekannt sein / werden.

Einmal mehr gut angenommen wurde hier wieder die im Berichtsjahr angebotene 9. Fachtagung des Präventions-

Vernetzungskreises Duisburg am 05. Mai. Unter dem Titel „Jugend, Kulturen, Jugendkulturen …“ befassten sich

fast 80 Teilnehmer/innen schwerpunktmäßig mit aktuellen Trends und Bewegungen und lernten neben inhaltlichen

Anregungen und methodischen Zugangsformen die Präventionsinfrastruktur in Duisburg kennen.

Der Vernetzungskreis „ProVer“ für die Region um Dinslaken hat sich auf einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch (2

x p.a.) verständigt, mehr ist zur Zeit leider nicht leistbar. Dennoch erweist sich der gepflegte Kontakt als ungemein

sinnvoll, weil einige Kooperationen über das Jahr verteilt so leichter einzustilen und zu verabreden sind.

5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung

Hier sind im Wesentlichen Fortbildungsveranstaltungen in Krankenpflegeschulen, bei sonstigen Pflegeanbietern und

im medizinischen Versorgungssystem verortet. In diesem Bereich verzeichnen wir sehr stabile Nachfragen und hocherfreuliche

Rückmeldungen. Insbesondere wird geschätzt, dass wir von der medizinischen Seite bis zu den Tiefen im

psychosozialen Bereich die ganze Bandbreite des komplexen Themenfeldes rund um das Phänomen „HIV / AIDS

und andere sexuell übertragbare Krankheiten“ abdecken können. Nicht zuletzt auch in diesem Tätigkeitsfeld bewährt

sich das „3-Säulen-Modell AIDS-Hilfe“ mit der Verbindung von Selbsthilfe-, Interessen- und Fachverband sowie der

Ansatz der Strukturellen Prävention immer wieder aufs Neue.


5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Anzuführen sind hier für den Stelleninhaber :

- Beteiligung an der Grundlagenausbildung für EhrenamtlerInnen in der Ruhrgebietsvernetzung der

AIDS-Hilfen

- Präventionsvernetzungsarbeit im Kreis Wesel und Duisburg

- Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bei den NRW-Youthworker-Arbeitskreisen und

dem Youthwork-Qualitätszirkel

- Evaluation im Rahmen des Verfahrens beim Youthwork-Förderprogramm-Controlling des MAGS /

MGEPA, NRW

- Beratung / Information für Zeitungs- und Radio-Redaktionen sowie für politische Entscheidungsträger

- Koordinierung von haupt- und ehrenamtlichen Einsätzen bei Informations- und Präventionsprojekten

- Einarbeitung in und Bereitstellung von Materialien für Lehrende und Multiplikator/innen

- Beratung von pädagogischen Fachkräften bzgl. der Unterrichts- oder Projektgestaltung zum Thema

HIV / AIDS und anderer STI`s

- Telefonische und persönliche Informations- und Beratungsgespräche

- E-mail Beratung

- Unterstützung von Jugendvertretungs- und SchülerzeitungsredakteurInnen

- Geschäftsführung

- u.a.m. (Vgl. 4. Öffentlichkeitsarbeit)

Abb.:

Veranstaltungsverteilung

nach Arbeitsfeldern

93


Ehrenamtliche Mitarbeit

6. Ehrenamtliche Mitarbeit

6.1. Begleitung der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen

Im Berichtsjahr waren weiterhin 26 Personen ehrenamtlich für die AIDS-Hilfe tätig, da die Zahl der ausscheidenden

Mitarbeiter durch neue Interessierte ausgeglichen werden konnte.

Die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen engagieren sich in den vielfältigen Aufgabengebieten der AIDS-Hilfe. Diese umfassen

die Begleitung, Knastarbeit, Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit, Herzenslust, Substitutionsvergabe, Telefon

- und E-Mail-Beratung, Chat-Beratung, Vorstandsarbeit, Freitagsfrühstück, Substitionsfrühstück und Weihnachtsfeier.

Einige ehrenamtliche MitarbeiterInnen arbeiten in mehreren Bereichen, andere unterstützen die Arbeit der AIDS-Hilfe

punktuell.

Die ehrenamtlichen MitarbeiterInnnen sind in den unterschiedlichsten Berufen aktiv, sind HIV-negativ oder HIVpositiv,

setzen sich aus Frauen und Männern aus allen sozialen Lebensbereichen zusammen und stammen aus den

unterschiedlichsten politischen Richtungen. Dies bedeutet für die Arbeit der AIDS-Hilfe einen enormen Erfahrungsschatz,

der in unsere Arbeit mit einfließt.

Eine Möglichkeit des Austausches bietet weiterhin unser Mittwochs-Café (siehe auch Punkt 3.5). Hier ist der zentrale

Anlaufpunkt, um sich mit Betroffenen zu treffen oder sich untereinander oder mit den hauptamtlich Tätigen auszutauschen.

Im Berichtsjahr fanden – wie in 2008 beschlossen - im Anschluss an das Mittwochs-Café zwei Aktiventreffen (Juni

und Oktober) und ein „Sonder-Aktiventreffen“ (Dezember) statt. Das Juni Aktiventreffen soll schwerpunktmäßig für

die Vorbereitung des Duisburger CSD bzw. des Straßenfestes, das Treffen im Oktober zur Bekanntgabe der Aktivitäten

und zur Werbung von ehrenamtlicher Teilnahme am Welt-AIDS-Tag genutzt werden.

In diesem Jahr ging es im Juni Treffen zum einen um die Vorstellung der geplanten Aktionen zur Loveparade am

24.07.10. Ein weiteres Thema war der von AkDuLuS abgesagte CSD in Duisburg. Hier ging es darum, ein Votum

einzuholen, ob es genügend Helfer aus Reihen der AIDS-Hilfe für ein alternativ stattfindendes schwul-lesbisches

Sommerfest gibt. Es meldeten sieben TeilnehmerInnen ihr Interesse an und es wurde beschlossen, das Sommerfest

durchzuführen.

Im Oktober-Treffen ging es um die WAT-Planung und die Organisation der Weihnachtsfeier. Als weiterer Punkt wurde

unser 25-jähriges Jubiläum im Jahr 2011 besprochen und die ersten Planungen vorgestellt.

Beide Aktiventreffen waren mit 12 Personen gut besucht.

Das Dezember-Aktiven-Treffen ist traditionell als Termin für den Dank an die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen für Ihre

geleistete Arbeit bestimmt. An diesem Termin kochten die hauptamtlichen MitarbeiterInnen für die ehrenamtlichen

MitarbeiterInnen. Der Abend bot wieder die Möglichkeit, sich bei kulinarischen Genüssen in gemütlicher Atmosphäre

über den Verlauf des Jahres auszutauschen. Hierbei ist von Vorteil, dass das gesamte Team hobbykochmäßige und

darüber hinaus gehende Fähigkeiten vorzuweisen hat.

6.2. Schulung und Fortbildungen für ehrenamtliche MitarbeiterInnen

Anfang des Jahres hat eine Ehrenamtlerschulung für zukünftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kooperation mit

den AIDS-Hilfen Bochum, Essen und Oberhausen stattgefunden. Die Schulung bestand aus sieben Abendterminen

und zwei Ganztagesveranstaltungen, die mit folgenden Themen und Zeitrahmen konzipiert waren:

Termin Zeitrahmen Inhalt

Mo 11.01.2010 19.00 – 21.30 Uhr Grundlagenwissen Teil 1

Mo 18.01.2010 19.00 – 21.30 Uhr Grundlagenwissen Teil 2

Mo 25.01.2010 19.00 – 21.30 Uhr MSM Lebenswelten, männliche

Prostitution

Mo 01.02.2010 19.00 – 21.30 Uhr Positiv Sein – Was heißt das? –

AIDS verändert sein Gesicht

Mo 08.02.2010 19.00 – 21.30 Uhr Sexuell übertragbare Krankheiten

Sa 20.02.2010 10.00 – 18.00 Uhr Kommunikation und Wahrnehmung

So 21.02.2010 10.00 – 18.00 Uhr Liebe, Sexualität und Partnerschaft

Mo 01.03.2010 19.00 – 21.30 Uhr Frauen und AIDS / weibliche

Prostitution

Mo 08.03.2010 19.00 – 21.30 Uhr Illegalisierte Drogen, Knast und

Substitution


Im Vergleich zum Vorjahr wurde den Bereichen „Schwules“ und „Frauen“ mit den entsprechenden Prostitutionsangeboten

wieder jeweils eine komplette Schulungseinheit eingeräumt, da sich gezeigt hatte, dass die Themen für einen

gemeinsamen Block zu umfangreich waren.

Von unserer AIDS-Hilfe waren drei TeilnehmerInnen vertreten und wir gratulieren zu erfolgreich durchlaufener Schulung

Sandra Kohlhase, Anette Fiering und Thomas Hammer. Insgesamt hatte die Schulung 12 TeilnehmerInnen, wobei

die meisten von der AIDS-Hilfe Oberhausen stammten. In der Nachbetrachtung wurde von den durchführenden

AIDS-Hilfen festgestellt, dass es sich um eine sehr stabile Gruppe handelte und die TeilnehmerInnen mit großem

Interesse bei der Sache waren. Obwohl die AIDS-Hilfe Essen keine Teilnehmerin oder Teilnehmer hatte, will sie sich

weiter personell und konzeptionell an der Neuenschulung beteiligen und es wurde eine neue Schulung beginnend

ab Januar 2011 geplant.

Von unserem Ehrenamtlerkoordinator wurden Mappen für die zukünftigen EhrenamtlerInnen mit Wegbeschreibungen

zu den einzelnen AIDS-Hilfen und Evaluationsbögen zu den Schulungseinheiten zusammengestellt. Die Anwesenheit

wurde von ihm nachgehalten, da die TeilnehmerInnen, die an 80 vH der Schulung teilgenommen hatten, am

Ende ein Zertifikat erhielten. Dieses wurde auch von unserer AIDS-Hilfe erstellt und am letzten Abend bei Erfüllung

der vorgenannten Kriterien den TeilnehmerInnen überreicht. Des Weiteren wurden vom Ehrenamtlerkoordinator die

Evaluationsbögen ausgewertet.

Von den neun Schulungseinheiten war bei acht mindestens ein Referent unserer AIDS-Hilfe tätig.

6. 3 Externe Fortbildungen

Weiterhin besteht in unserer Einrichtung ein Fortbildungsetat für ehrenamtliche und hauptamtliche MitarbeiterInnen.

Nicht nur im eigentlichen HIV/AIDS-Bereich, sondern auch bei anderen sexuell übertragbaren Krankheiten und in der

Sozialgesetzgebung ergeben sich immer schneller Veränderungen. Fortwährende Weiterbildungen garantieren somit

eine kompetente und aktuelle Beratung.

In Kooperation mit der AIDS-Hilfe Oberhausen führten wir je ein Fachgespräch in Oberhausen und Duisburg durch

(näheres im Kapitel Öffentlichkeitsarbeit).

6.4 Ehrung von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen

Wie im Geschäftsbericht schon erwähnt, wurden im Berichtsjahr Tom Schachten von der AIDS-Hilfe NRW mit dem

Ehrenamtspreis „Merk-würdig“ und Christa Lemm vom paritätischen Wohlfahrtsband geehrt.

6. 5 Sonstiges

Im September wurde von einigen ehrenamtlichen MitarbeiterInnen ein Grillfest veranstaltet. Hier kam es zum geselligen

Austausch der ehrenamtlichen Mitarbeiter untereinander.

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Verwaltung

7. Bericht der Verwaltung

Finanzbuchhaltung

Doppelte Buchführung, Kontierung, Monats- / Jahresabschluss, Erstellung der jährlichen Einnahme-Überschuss-

Rechnung und Mitarbeit bei der Erstellung des jährlichen Haushaltsplanes der AIDS-Hilfe, Erstellung von Quartalsübersichten,

Kontoführung, Beleg- und Rechnungsprüfung, ordnungsgemäße Belegablage, allgemeiner Finanzverkehr,

Korrespondenz

Kasse

Verwaltung von Bargeld (Einnahmen und Ausgaben), Ausstellen von Quittungen, Belegprüfung, Kassenbuchführung,

Monatsabschluss, Kassenabstimmung

Personalwesen

Personalführung: Lohn-/Gehaltskarten, Fehlkarten (für Urlaub, Sondertage, Krankheitstage) Lohnsteuerkarten, Versicherungsnachweis,

Lohn-/Gehaltsabrechnung;

Krankenkassen: An-/Abmeldungen, Beitragsrechnung zur Sozialversicherung (Kranken-/ Renten-/

Arbeitslosenversicherung);

Finanzamt: monatliche Lohnsteueranmeldung und Abführung der Lohn- und Kirchensteuer;

EDV-Gehalts-Service: Prüfung der Abrechnungs-Journale, Kostenverteilung, Meldungen und Beiträge an die Berufsgenossenschaft,

Fahrt- und Reisekostenabrechnungen;

Personalmittel: Anträge an Bund, Land NRW und Kommunen, Zuwendungsbescheide, Verwendungsnachweise, Verwaltungsarbeiten

im Bereich Zivildienst (Personalaktenführung, Soldabrechnung);

Arbeitszeitnachweis: monatliche Ausrechnung der Soll-/Ist-/Überstunden für Mitarbeitende;

Bußgeldauflagen

vom Land-/Amtsgericht zugunsten der AIDS-Hilfe; Kontrolle der Bußgeld- bzw. Bußgeldratenzahlungen, Verwendungsnachweise

der Bußgelder gegenüber dem Gericht, Korrespondenz

Vereinsmitglieder

Kontoführung über gezahlte Vereinsbeiträge, Mahnungen bei Nichtzahlung, Zuordnung neuer Mitglieder, Nummernvergabe,

Mitgliedschaftsbestätigungen

Spenden

Vor- und Nachbereitung der rechtlichen und organisatorischen Spendenformalitäten (z. Bsp. bei Veranstaltungen und

Straßensammlungen; Sammelerlaubnis; Einnahmemeldungen), Dankschreiben und Ausstellung von Spendenbescheinigungen,

Akquise von Spenden allgemein und zweckgebundenen Spenden (z. Bsp. Positivenfreizeit)


Terminsachen

Einhaltung von Terminen bei Korrespondenz und Zahlungen, z. Bsp. Mitgliedsbeiträge der AIDS-Hilfe an diverse Organisationen

und Vereine, Versicherungen, Kfz-Steuer, Lohnsteuer, Krankenkassenbeiträge, Lohn- und Gehaltsüberweisungen,

Verwendungsnachweise, Mieten

Schreibarbeiten

allgemeine Korrespondenz, Protokolle. Konzepte, Statistik, etc...

Zusätzliche Bürotätigkeit

Einkauf von Büromaterial, Inventarbeschaffung, Spritzen, Tupfer, Kondome, Schleifen, telefonische Beratungsgespräche,

Überbrückung von Wartezeiten bei Klienten und bei Krisenintervention, Vorbereitung für die Jahreshauptversammlung

der Vereinsmitglieder

Wochenendvergabe Methadon

Organisation der Wochenendvergabe, am Freitag bzw. vor Feiertagen Erstellen der Listen mit den Klienten für die

Methadonvergabe in der AIDS-Hilfe. Annahme des Methadons von den Apotheken und Aufteilung nach den Vergabeterminen.

Abgabe der Kassetten mit dem Methadon bei der Kriminalpolizei.

Sonstiges

Teilnahme an Teamsitzungen (wöchentlich), Supervision (monatlich), Fortbildungsseminare für den Bereich Personalwesen,

Telefondienst, Spritzentauschprogramm

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