ahdukw-jb2010.pdf
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Vorstand / Team Vorstellung<br />
Der Vorstand der<br />
AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. stellt sich vor:<br />
Rainer Wille, Karl-Heinz Lemke, Silke Stützel, Peter Külpmann, Rolf Ringeler<br />
(von links nach rechts)
Das Team der<br />
AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. stellt sich vor:<br />
seit<br />
8.1997<br />
Dietmar Heyde<br />
Youthwork, Prävention in<br />
der Allgemeinbevölkerung,<br />
Öffentlichkeitsarbeit,<br />
Geschäftsführung<br />
seit<br />
4.1998<br />
seit<br />
Ralf Runniger<br />
Begleitung von Menschen<br />
mit HIV und AIDS, Drogen,<br />
Ehrenamtlerkoordination<br />
seit<br />
11.2000<br />
Rüdiger Wächter<br />
Begleitung von Menschen<br />
mit HIV und AIDS,<br />
Herzenslust Koordinator,<br />
Prävention für Menschen<br />
in Haft, Koordination<br />
Beratung<br />
seit<br />
9.2003<br />
Werner Garbe<br />
Verwaltung und<br />
Organisation,<br />
Beratung<br />
seit<br />
11.2009<br />
Petra Kurek<br />
Begleitung von Menschen<br />
mit HIV und AIDS,<br />
Frauen,<br />
Migration, XXelle<br />
Koordinatorin<br />
seit<br />
10.2000<br />
Uwe Altenschmidt<br />
Teamleitung<br />
Herzenslust<br />
seit<br />
Raphael Diaz Fernandez<br />
10.2010<br />
Zivildienstleistender,<br />
Layouter u.a.<br />
3
Geschäftsbericht für das Jahr 2010<br />
Geschäftsbericht für das Jahr 2010<br />
„POSITIV ZUSAMMEN LEBEN. Aber sicher!“ – so lautete das neue Kampagnenmotto zum Welt-AIDS-Tag 2010,<br />
welches zwar erst zum 01. November bundesweit gestartet ist, aber dennoch den Jahresbericht einleiten soll, denn<br />
es steht für einen wichtigen Paradigmenwechsel, der in diesem Jahr vollzogen wurde.<br />
Erstmalig in der bundesdeutschen AIDS-Präventionsgeschichte rückten die wichtigsten Dachorganisationen<br />
(Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit, Deutsche<br />
AIDS-Stiftung und Deutsche AIDS-Hilfe) vom Focus „Gemeinsam gegen AIDS“ mit schwerpunktmäßiger Ausrichtung<br />
auf die Primärprävention ab und wandten sich dem (Zusammen-) Leben mit HIV-positiven oder an AIDS erkrankten<br />
Menschen zu.<br />
Ein unseres Erachtens durchaus mutiger und zugleich konsequenter Schritt in die Aktualität. Denn zum einen trägt<br />
dies dem medizinischen Fortschritt Rechnung, der heute Menschen mit HIV und AIDS – bei frühzeitiger Diagnose<br />
und rechtzeitiger Behandlung – eine nahezu „normale“ Lebenserwartung bescheren und häufig auch mit einer deutlich<br />
verbesserten Lebensqualität einher gehen kann.<br />
Somit ist es an der Zeit, sich zum anderen stärker dem gleichsam gesellschaftlichen Teil der Erkrankung zu widmen.<br />
Denn nur begrenzt weiterentwickelt ist die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit HIV und AIDS. Die einzigartige<br />
Verknüpfung der HIV-Infektion mit Tabuisierungs-, Stigmatisierungs- oder gar Diskriminierungspotentialen ist<br />
nach wie vor gegeben – oder vielleicht sogar wieder gewachsen – in der Gesellschaft, am Arbeitsplatz oder auch im<br />
engsten sozialen Umfeld.<br />
Insofern halten wir die Neuausrichtung der Kampagne für gelungen, denn sie zielt auch darauf, viele Menschen und<br />
Institutionen zusammen zu bringen, die sich für Respekt, Toleranz und Unterstützung und gegen Unwissenheit und
Gleichgültigkeit engagieren. Denn eines bleibt: HIV/AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten gehen uns<br />
alle an und gemeinsam erreichen wir mehr!<br />
Gerade auch wegen der medizinischen Fortschritte, die inzwischen auch eindeutig günstige Effekte für die Primärprävention<br />
bringen, brauchen wir ein Klima, in dem Betroffene nicht ausgegrenzt werden, sondern offen und selbstbewusst<br />
mit ihrer Infektion umgehen und Ungetestete die Bereitschaft für einen HIV-Test entwickeln können, um überhaupt<br />
Aussicht auf die oben angesprochenen Optionen bekommen zu können. „Nur so können wir alle verantwortungsvoll<br />
mit HIV umgehen – und positiv zusammen leben“ – heißt es in der Faltbroschüre zur Welt-AIDS-Tags-<br />
Kampagne 2010 zu Recht.<br />
„HIV/AIDS-Prävention bleibt Herausforderung“ – wird der im Dezember 2010 vorgelegte Entwurf zur<br />
„Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention in NRW“ der Landesregierung (der erste Teil einer neuen Landespräventionskonzeption<br />
mit dem Schwerpunkt: „Neuinfektionen minimieren“) eingeleitet. Das ist angesichts der enormen<br />
Dynamik in den Feldern von virologischen, immunologischen und insbesondere auch epidemiologischen Erkenntnissen<br />
völlig richtig. Bestätigt wird dieser Satz zudem durch das Paradoxon, „dass aufgrund der guten Behandelbarkeit<br />
immer mehr Menschen mit HIV in Deutschland leben, gleichzeitig die Krankheit aber immer unsichtbarer wird<br />
…“ (BZgA aktuell, 11/2010).<br />
Allerdings sind wir in Deutschland in der glücklichen Lage, auf eine mehr als 25-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken<br />
und darauf aufbauen zu können. Denn der Ansatz der „Strukturellen AIDS-Prävention“ der Deutschen-AIDS-<br />
Hilfe, die zielgruppenspezifischen Ansätze sowie die praktizierte Arbeitsteilung zwischen staatlichen und nichtstaatlichen<br />
Organisationen sind eine ausgesprochen gute Basis für stete Weiterentwicklung einer erfolgreichen Arbeit.<br />
Mit einer bundesweiten HIV-Inzidenz von etwa 3000 Neuinfektionen für das Jahr 2010 (RKI Daten zum WAT vom<br />
22.11.10) stellt Deutschland weiterhin eine der niedrigsten Inzidenzraten in Europa.<br />
7
Geschäftsbericht für das Jahr 2010<br />
Für NRW geht das RKI von ca. 700 Neuinfektionen 2010 aus.<br />
In Duisburg liegt die Inzidenzrate für 2010 bei 0,81 pro 100.000 Einwohnern = vier Neudiagnosen (Stand vom<br />
01.11.2010; Vgl. 2009: 2,23), wobei u. E. aber auch ein verschlechtertes und recht hochschwelliges Testangebot zu<br />
berücksichtigen ist; im Kreis Wesel liegt die Inzidenz realistisch geschätzt bei 1,14 (Stand 01.11.10 (entspricht etwa<br />
7,5 Fällen im Berichtsjahr; Vgl. 2009: 2,81); also in beiden Regionen auf einem ungewöhnlich niedrigem Niveau. In<br />
dieser Rubrik der Neudiagnosen ist zu berücksichtigen, dass es sich um Erstmanifestationen und nicht zwingend um<br />
Neuinfektionen aus dem Erhebungsjahr handelt.<br />
Zu berücksichtigen ist sicher eine nicht zu beziffernde Quote von Menschen, die sich –z.T. aus Anonymitätsgründenan<br />
anderen Orten testen lassen. Und möglicherweise spielt dabei auch das in diesem Jahr erneut medien- und öffentlichkeitswirksam<br />
ergangene Urteil mit Bewährungsstrafe gegen die Sängerin der „No Angels“, Nadja B., eine Rolle.<br />
Denn es signalisiert auch: Unwissenheit schützt vor Strafe!<br />
Wir können nur hoffen, dass sich hier was ändert und die Eigenverantwortung eines jeden (also auch von Ungetesteten<br />
oder noch HIV-negativen Menschen) Einzug in das (auch juristische-) Denken hält. Alles andere wäre nicht nur<br />
für die erfolgreichen Präventionsbemühungen äußerst kontraproduktiv, sondern birgt wiederum anachronistisches<br />
Diskriminierungspotential.<br />
Gemessen an der noch im Jahre 2008 formulierten Erwartung aber, „dass die registrierten Neuinfektionen auch in<br />
den nächsten Jahren steigen werden“ (BZgA aktuell, 07/2008, S. 2) ist dieses Niveau als großer Erfolg zu werten,<br />
was insbesondere unsere Region betrifft.<br />
Das zeigt: Prävention wirkt! Der „deutsche“ Ansatz der strukturellen Prävention, der zielgruppenspezifischen Information-<br />
und Aufklärung in Arbeitsteilung zwischen öffentlichem Gesundheitswesen und nichtstaatlichen Trägern, professionellen-<br />
und Selbsthilfeakteuren, mit massenmedialen und personalkommunikativen Strategien ist im Unterschied<br />
zu repressiven Ge- und Verbotsstrategien oder moralisierenden Abstinenzansätzen eindeutig erfolgreicher.<br />
Doch auch wenn in Deutschland eine vergleichsweise günstige Situation erreicht werden konnte, dürfen wir in unserer<br />
Arbeit nicht nachlassen, müssen die etablierten Strukturen erhalten werden, um die Erfolgsgeschichte weiter zu<br />
schreiben, um nicht zuletzt auch die wirtschaftlichen Einspareffekte von preiswerter und wirksamer Prävention gegenüber<br />
nach wie vor teurer Therapie zu halten.<br />
Mit dem Paradigmenwechsel, dass die antiretrovirale Therapie als originär sekundär- und tertiärpräventives Instrument<br />
mittlerweile Teil einer Primärpräventionsstrategie ist, müssen u.a. die folgenden Erkenntnisse Berücksichtigung<br />
finden:<br />
Eine möglichst frühe Diagnosestellung ist nicht nur sinnvoll, um dem Infizierten eine frühe Auseinandersetzung<br />
mit der Infektion, die Chance auf eine längere asymptomatische Zeit zur Annahme und Verarbeitung zu ermöglichen,<br />
Erhalt von Therapieoptionen und möglichst selbstbestimmten Entscheidungen zu wahren sowie<br />
natürlich sich mit der eigenen potentiellen Infektiösität zu beschäftigen.<br />
Eine frühe Diagnose ist insbesondere bedeutungsvoll, weil wir heute wissen, dass vermutlich mehr als 50 % der<br />
Neuinfektionen von „Frisch-Infizierten“ stammen, die nichts von ihrer Infektion wissen, weil sie kein Risikobewusstsein<br />
entwickelt haben oder weil sie noch im Bereich des diagnostischen Fensters sind und somit ihren<br />
Status gar nicht wissen können.<br />
Demzufolge muss sowohl die Aufklärung unvermindert oder besser noch intensiver fortgeführt als auch die Testbereitschaft<br />
gefördert werden.<br />
Letzteres gilt vor allem für besonders riskierte Gruppen, z.B. für besondere Netzwerke in der Gruppe der sog. MSM,<br />
Männer, die Sex mit Männern haben (s. 5.1.).<br />
Die Bedeutung der Einbeziehung und weiteren Verbesserung von STI (sexual transmitted infections)-<br />
Diagnostiken, Screening-Möglichkeiten (inkl. deren Finanzierung etwa als Kassenleistung – zumindest für<br />
besonders riskierte Gruppen) und spezifischer Aufklärung und Beratung wird wachsen, weil vorliegende<br />
STI`s das HIV-Infektionsrisiko enorm steigern.
Auch diese Erkenntnis ist in konsequenter Weise in den o.a. Entwurf der Landesregierung eingeflossen (s. ebd. S. 3),<br />
der insgesamt auf der Höhe der fachwissenschaftlichen Diskussion ist, wie die nachfolgende Passage untermauert:<br />
„Da Menschen, die durch HIV besonders gefährdet sind, eine sehr heterogene Gruppe bilden, besteht die Herausforderung<br />
erfolgreicher Prävention darin, die Maßnahmen so zu gestalten, dass sie die jeweiligen Zielgruppen tatsächlich<br />
erreichen. Wichtig ist, dass die sexuelle Orientierung, geschlechtsspezifische Faktoren sowie kulturelle Hintergründe<br />
konsequent berücksichtigt werden.<br />
Besonderes Augenmerk muss dabei auch auf Menschen gerichtet werden, die aufgrund sozialer, kultureller und persönlicher<br />
Faktoren ihre Gesundheit nicht ausreichend schützen können. HIV/AIDS-Prävention muss deshalb zukünftig<br />
stärker mit Maßnahmen der Gesundheitsförderung verknüpft werden“ (a.a.O.; S. 3).<br />
Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel mit ihrem traditionellen Auftrag der zielgruppenspezifischen Prävention arbeitet<br />
schon immer nach diesem Grundsatz. Um diesen Ansatz, das Know-how und die damit verbundenen Angebotsmöglichkeiten<br />
auch unseren Nachfragern und Kunden konsequenter transparent zu machen, haben wir unserem Vereinsnamen<br />
nach Rücksprache mit unseren Zuwendungsgebern im Jahre 2009 den Zusatz Fachstelle für sexuelle<br />
Gesundheitsförderung gegeben.<br />
Im Unterschied zu HIV / AIDS ist im Übrigen bezüglich der STD`s zu konstatieren, dass das Aufklärungsniveau in der<br />
Bevölkerung darüber weitaus geringer ist und wir hier vor großen Präventionsherausforderungen stehen, weil die Botschaften<br />
immer komplexer und differenzierter werden.<br />
Dies müssen wir u.E. aber in gleicher Weise aufgreifen wie bei der erfolgreichen HIV-Prävention, nämlich in lebensstilakzeptierender<br />
Weise und im Sinne der WHO-Charta zur Gesundheitsförderung. Das heißt, wir sollten auch hier<br />
emanzipatorische und identitätsstärkende Verhaltens- und Verhältnisprävention umsetzen.<br />
Die medizinischen Chancen bzw. Erfolge und ihre primärpräventiven Effekte haben natürlich auch eine enorme<br />
Bedeutung für die Begleitungsarbeit. Sie untermauern immer mehr die Wichtigkeit einer besonders guten<br />
und lebenslangen Adhärenz oder Compliance (Therapieeinnahmedisziplin). Diese kann nur bei psychisch<br />
starken Identitäten und unter möglichst stabilen Lebensumständen gelingen. Entsprechend gilt diesem Zusammenhang<br />
besonderes Augenmerk; es geht um die Förderung einer möglichst guten Lebensqualität und<br />
die Mobilisierung der individuellen und allgemeinen Lebenskompetenzen unter Berücksichtigung der persönlichen<br />
Ressourcen.<br />
Diese Ausrichtung prägt schon länger unsere Leitlinien für die Begleitungsarbeit von Menschen mit HIV und AIDS<br />
und findet fortwährend Berücksichtigung bei der Auswahl von Fort- und Weiterbildung unserer ehren- und hauptamtlichen<br />
Mitarbeiter/innen.<br />
„Älter werden mit HIV“ ist weiterhin das Schwerpunktthema im Bereich der Sekundär- und Tertiärprävention<br />
und zieht neue medizinisch-therapeutische - wie natürlich auch psychosoziale Begleitungserfordernisse<br />
nach sich. Eine sich häufende Frage ist hier etwa die nach einer (Re-) Integration in das Erwerbsleben.<br />
In diesem Zusammenhang ist auch das medizinische Versorgungssystem weiterhin gefordert, multi- und interdisziplinärer<br />
zu screenen, also gleichsam die sehr fokussierte HIV-Behandlungsbrille immer wieder auch zu heben und auf<br />
potentielle Koinfektionen und auch auf nicht-HIV-assoziierte Erkrankungen sowie „normale“ Alterungsprozesse zu<br />
schauen. Es gilt, Aspekte der Vorsorge und Früherkennung hinsichtlich Tumor-, Herz-Kreislauf- und orthopädischen<br />
Erkrankungen stärker zu berücksichtigen. Dazu muss es u. E. möglich sein oder werden, bei HIV-positiven Menschen<br />
sicherlich auch schon mal vor den von den GKV-Richtlinien anempfohlenen Altersphasen abrechnungsfähige Untersuchungen<br />
durchführen zu können!<br />
Die geschilderten Zusammenhänge, Analysen und Schlussfolgerungen werden in deutlicher Weise von der Kommission<br />
der Europäischen Gemeinschaften in ihrem Aktionsplan gegen HIV und AIDS für die Jahre 2009 – 2013<br />
bekräftigt, in dem es einleitend heißt: „Von entscheidender Bedeutung in der Bekämpfung von HIV/Aids ist es daher,<br />
die Prävention zu intensivieren, - dies nicht zu tun, hieße Menschenleben aufs Spiel zu setzen und Ressourcen zu<br />
vergeuden. (…) Die beste Antwort auf die Epidemie bleibt eine Kombination von gesundheitsspezifischen und umfassenderen<br />
Sozialmaßnahmen. Ein Ende des Leidens ist nicht abzusehen, wenn nicht die Prävention beschleunigt und<br />
der allgemeine Zugang zu Behandlung, Versorgung und Unterstützung für alle Betroffenen gewährleistet<br />
9
Geschäftsbericht für das Jahr 2010<br />
wird.“ (Aktionsplan zur Bekämpfung von HIV/Aids in der Europäischen<br />
Union und in den Nachbarländern 2009-2013, Brüssel, KOM(2009) 569/3, S. 2). Wichtigste Voraussetzungen<br />
sind für die Kommission „evidenzbasierte Präventionsstrategien, die den lokalen Gegebenheiten Rechnung tragen<br />
und auf die prioritären Gruppen zugeschnitten sind“ (ebd., S. 7).<br />
Der Ansatz der strukturellen Präventionsarbeit im Kontext von Gesundheitsförderung hat sich hier eindeutig<br />
bewährt. Angesichts der epidemiologischen Daten in Deutschland erweist sich die zielgruppenspezifische Präventionsarbeit<br />
als immer bedeutungsvoller. Präventionsmittel und –maßnahmen müssen demzufolge dort zur Verfügung<br />
stehen, wo sie besonders benötigt werden – z.B. in Bereichen von (Beschaffungs-) Prostitution oder bei der Versorgung<br />
von Suchterkrankten (s. 5.2.) und eindeutig im Bereich von homo- und bisexuellen Männern, insbesondere in<br />
besonderen MSM-Netzwerken, die bisher nur unzureichend erreicht wurden (s. 5.1.). Ein weitere sehr wichtige Zielgruppe<br />
stellen Menschen in Haft dar, wo wir leider immer noch höhere Infektionsgefährdungspotentiale (besonders<br />
bzgl. der Hepatitiden B und C, aber durchaus auch bezogen auf HIV) konstatieren, die im Wesentlichen in den hygienisch<br />
höchst bedenklichen (Drogen-) Konsumbedingungen begründet sind (s. 5.3.).<br />
„Unverzichtbar ist dabei nach wie vor die Primärprävention für Kinder und Jugendliche. Wichtig ist, HIV/AIDS-<br />
Prävention als Teil von Gesundheitsförderung und Sexualaufklärung zu verstehen und Jugendliche frühzeitig zu Beginn<br />
ihrer sexuellen Aktivität zu erreichen“ (Entwurf zur Weiterentwicklung, a.a.O., S. 3; s. 5.6.).<br />
Ein vielfach betonter und wichtiger Faktor für den bisherigen Erfolg ist das gelungene und gelingende Zusammenwirken<br />
von Bund, Ländern und Kommunen (vgl. auch Aktionsplan zur Umsetzung der HIV/AIDS-<br />
Bekämpfungsstrategie der Bundesregierung, März 2007) sowie von Öffentlichem Gesundheitsdienst und verschiedenen<br />
nichtstaatlichen Trägerstrukturen wie den AIDS-Hilfen und die abgestimmten Aufgabenverteilungen – so auch<br />
im Kreis Wesel und in der Stadt Duisburg. Wir möchten an dieser Stelle betonen, dass wir diese synergetische Strategie<br />
in unserer Zusammenarbeit im Wesentlichen umgesetzt sehen und dass wir es für wichtig erachten, dass die<br />
partnerschaftliche und partizipative Kooperation erhalten und günstigenfalls gestärkt wird („Gemeinsam gegen<br />
AIDS“).<br />
Genau dies ist wird nicht nur im Bundes-Infektionsschutzgesetz und dem Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst<br />
(ÖGDG) des Landes NRW, sondern in dem schon erwähnten Entwurf zur „Weiterentwicklung der HIV/AIDS-<br />
Prävention in NRW“ vom Dezember 2010 in erfreulich klarer Weise betont.<br />
Dies alles erfordert natürlich personelle und materielle Ressourcen, verbunden mit zeitlichen Perspektiven. Nur so<br />
können einerseits nachhaltige Effekte erzielt werden und andererseits flexible Anpassungsprozesse an epidemiologische<br />
und soziodemographische Entwicklungen insbesondere in der Vor-Ort-Arbeit erfolgen.<br />
Nun ist dies nicht zum Nulltarif zu bekommen. Angesichts der bekannten Haushaltssituationen der meisten NRW-<br />
Kommunen, so auch bei „unseren“ kommunalen Partnern, stehen die Beteiligten vor großen Herausforderungen. Im<br />
Berichtsjahr hat uns das Einfrieren der kommunalen Ergänzungsfinanzierung durch die Stadt Duisburg auf das Niveau<br />
von 2009 sehr geschmerzt. Die Schere zwischen öffentlicher Förderung und Haushaltsbedarfen geht immer<br />
weiter auseinander.<br />
Um einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt hinzubekommen, benötigen wir im Durchschnitt zwischen 40.000<br />
und 50.000 Euro p.a. aus nicht-öffentlichen Drittmitteln, das sind zwischen 15 und 20 % des Haushaltsvolumens. Betriebswirtschaftlich<br />
betrachtet generiert jeder aus öffentlichen Mitteln eingesetzte Euro wiederum 15 – 20 Cent aus<br />
Drittmitteln. Eigentlich doch eine richtig gute Investition.<br />
Und dabei ist der „Gegenwert“ von ca. 4000 Stunden ehrenamtlicher (honorarfreier) Arbeit per anno (entspricht ca. 3<br />
Vollzeitäquivalenten!) nicht eingerechnet.<br />
Selbst bei stabiler öffentlicher Förderung wächst der Eigenmittelanteil alleine durch tarifrechtliche Steigerungen im<br />
Personalkostenetat sowie natürlich wachsender Sachkostenausgaben (Mehrwertsteuer, Technische Ausstattung<br />
durch z.B. online-taugliche Medien, Fahrtkosten, vom Land geforderte, aber nicht refinanzierte Qualitätsmanagementmaßnahmen,<br />
Nebenkosten für den Gebäudeunterhalt, Personalbeschaffungs- und Fortbildungskosten und vieles<br />
mehr).<br />
Weiterhin mag es etwas zynisch klingen, es ist aber so: die Begleitungsverhältnisse steigen Jahr für Jahr, weil auch<br />
HIV-positive Menschen glücklicherweise länger leben. Das geht leider nicht unbedingt mit adäquat wachsender Lebensqualität<br />
oder gar schrumpfenden sozialrechtlichen oder psychosozialen Problemlagen unserer Klienten einher.<br />
Wer länger lebt und Anspruch auf Leistungen für den Lebensunterhalt oder/und medizinische Versorgungsleistungen
hat – ist rein ökonomisch betrachtet auch länger teuer.<br />
Dieser Ausgangslage stehen wachsende Anforderungen an die fachliche Arbeit im Sektor der strukturellen Prävention<br />
entgegen, wie sie etwa im Aktionsplan der Bundesregierung von 2007, durch die Rahmenvereinbarung für<br />
NRW von 2009 und auch in besagtem Entwurf zum HIV-Präventionskonzept der AG HIV/AIDS-Prävention auf Landesebene<br />
formuliert sind, Stichworte:<br />
Vor dem Hintergrund des sich verändernden Krankheitsbildes durch bessere Behandlungsoptionen erwachsen Folgen<br />
für die Begleitungsarbeit:<br />
Wachsende Klientenzahlen; sich verändernde Sozialstruktur (immer mehr Menschen mit diversen Formen sozialer<br />
Benachteiligungen und materiellen Notlagen)<br />
sich verändernde Bedarfe in der psychosozialen Begleitung, wie Verlagerungen in verschiedene sozialrechtliche<br />
Belange,<br />
älter werdende Klienten mit wachsenden Multimorbiditäten (z.B. Demenzformen o.a. neurologische Problemlagen,<br />
orthopädische und kardiologische Erkrankungen etc.) und zunehmenden Bedarfen für Formen betreuten Wohnens,<br />
(Re-) Integrationsfragen in Erwerbsstrukturen, …<br />
Soziale Aspekte/Umstände und daraus resultierende Konsequenzen für eine nicht nachlassende - oder besser : Weiterentwicklung<br />
der (zielgruppenspezifischen -) Primärprävention:<br />
Sich immer weiter ausdifferenzierende Zielgruppen, Milieuveränderungen (Zunahme von interkulturellen Aspekten;<br />
mehr Menschen mit Formen sozialer, intellektueller und materieller Benachteiligung …)<br />
Individualisierung und Privatisierung,<br />
Medialisierung (Kontaktanbahnung und –pflege online, virtuelles social networking, s. etwa auch die Erfolge bei<br />
den Frequenzen beim health-support über gay romeo et al., 5.1.) => wachsende Bedeutung der online-<br />
Beratungsansätze;<br />
=> schwerere Erreichbarkeit: Konsequenz unter anderem: Ausbau von aufsuchender Arbeit (abnehmende Akzeptanz<br />
und Annahme von Komm-Strukturen), erfordert allerdings mehr personelle und finanzielle Ressourcen;<br />
Stärkere Einbeziehung von STI-Prävention;<br />
Über reine/pure Prävention hinausgehende Ansätze der ganzheitlichen Gesundheitsförderung;<br />
Intensivere Einbeziehung von HIV-Positiven in die Präventionsarbeit erfordert eher mehr (hauptamtliche) personelle<br />
und finanzielle Ressourcen;<br />
Fachliche – und personelle Anpassungs- und Weiterentwicklungsprozesse erfordern mehr Ressourcen für Aus-,<br />
Fort- und Weiterbildung sowie für Netzwerkarbeit (lokal, regional und überregional, z.B. AK`s, …);<br />
Weiterer Anstieg von Dokumentations- und Evaluationstätigkeiten (u.a. auch durch die Landes- und Bundesverbände<br />
sowie anderer Dachverbände, z.B. „Futter“ für deren Lobbyarbeit);<br />
Wachsende Gremienarbeit im Bereich der kommunalen Infrastruktur, etwa durch einen zu erwartenden Trend in<br />
Richtung Leistungs- und Werkverträgen;<br />
Bei stabiler oder weiter rückläufiger öffentlicher Förderung wachsender Bedarf zur Akquise von Drittmitteln;<br />
U.a.m.<br />
Sparen ist für die angeschlagenen öffentlichen Haushalte gewiss unerlässlich, es sollte aber nachhaltig wirken und<br />
nicht kurz- und mittelfristig gegenteilige Effekte produzieren – so jedenfalls unsere Auffassung.<br />
11
Geschäftsbericht für das Jahr 2010<br />
Die Erhaltung unseres Angebotsspektrums sowie die stete Weiterentwicklung dessen ist in erster Linie nur deshalb<br />
noch möglich, weil wir trotz immer wiederkehrender Konfrontation mit Kürzungsszenarien ein immer noch hochmotiviertes<br />
ehren- und hauptamtliches Team haben.<br />
Darüber hinaus wäre dieses Spektrum ohne Spenden- und Sponsoring durch verschiedene zivilgesellschaftliche<br />
Gruppierungen und Einzelpersonen überhaupt nicht denkbar.<br />
Der vorliegende Jahresbericht wird über eine Vielfalt von derartigem Engagement Auskunft geben. Da halten wir es<br />
gerne mit Erich Kästner und wollen über gutes Tun reden (s. etwa 4.). So auch einmal schon an dieser Stelle.<br />
In diesem Zusammenhang haben wir uns im Rahmen der diesjährigen Jahreshauptversammlung am 10.05.10 zu<br />
einer besonderen Premiere entschieden und erstmalig Ehrennadeln für besonderes (und treues) Engagement für die<br />
AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. verliehen. Die ersten beiden Träger sind der Duisburger Gastronom Thomas<br />
Seven und die „first Lady of travestie Jennifer Dean“ alias Henning Ladewig, die uns seit vielen Jahren in unterschiedlicher<br />
Weise enorm unterstützen (s.a. 4.)<br />
Unsere ersten Ehrennadelträger Thomas Seven und Henning Ladewig umrahmt von den Vorständlern Silke Stützel,<br />
Peter Külpmann, Rainer Wille u. Karl-Heinz Lemke (v. li. n. re.)<br />
Eine der wichtigsten Pfunde und Ressourcen für die Aufrechterhaltung unserer Angebotspalette sind und bleiben unsere<br />
ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen, denen einmal mehr ein riesiges „Danke schön!“ gilt.<br />
Angefangen vom Vorstand über nahezu alle anderen Arbeitsfelder können wir hier auf eine sehr stabile „Mannschaft“<br />
bauen. Allerdings gibt es leider auch nur wenig Andrang von neuen Interessent/innen. Daher möchten wir Sie, verehrte<br />
Leserinnen und Leser, bitten, potentiell interessierte Menschen auf uns aufmerksam zu machen, denn: AIDS-<br />
Hilfe-Arbeit ist spannend, kann intensiv und unter Umständen belastend sein, aber auch dankbar und für die eigene<br />
Persönlichkeitsentwicklung gewinnbringend. Das gilt nach wie vor auch für die ehrenamtliche Mitarbeit auf allen Ebenen.<br />
Und: sie wird wahrgenommen.<br />
So sind wir recht stolz, dass mit Thomas Schachten nunmehr schon der zweite Ehrenamtspreisträger der AIDS-Hilfe
NRW aus unseren Reihen stammt. „Merk I würdig“ heißt der Titel, den der Landesvorstand für außergewöhnliches<br />
und über den lokalen Raum hinausgehendes Engagement vergibt. Im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums der AIDS-<br />
Hilfe NRW wurde dieser am 09.03.10 im Düsseldorfer Landtag unter Beteiligung des damaligen Gesundheitsministers,<br />
Karl-Josef Laumann, und weiterer Repräsentant/innen des Landtages ausgehändigt. In seiner Laudatio hob der<br />
arbeitsmarktpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, der Duisburger Abgeordnete, Rainer Bischoff, das wahrlich<br />
merkwürdige Engagement von Thomas Schachten, aber auch die „bemerkenswerte Arbeit“ der AIDS-Hilfe Duisburg<br />
/ Kreis Wesel insgesamt hervor.<br />
V.li.n.re.: Rainer Bischoff (SPD-MdL), Tom Schachten, K.-<br />
P. Hackbarth u. K.-P. Schäfer (Landesvorstand der AIDS-<br />
Hilfe NRW)<br />
Nicht weniger stolz sind wir über die Ehrung unserer langjährigen ehrenamtlichen Mitarbeiterin aus der Präventionsund<br />
Öffentlichkeitsarbeitsgruppe, Christa Lemm, die im Rahmen der Mitgliederversammlung des PARITÄTISCHEN<br />
Kreisverbandes Wesel/Kleve im Weseler Kreishaus für ihr eher „stilles“ aber wirksames Engagement ausgezeichnet<br />
wurde.<br />
Seit dem November 2009 ist auch unser hauptamtliches Team wieder<br />
sehr stabil und stark besetzt und so konnte die fachlich-inhaltliche Arbeit<br />
wieder - auf die angestammte Schulterzahl verteilt – umgesetzt werden.<br />
Der vorliegende Bericht legt Zeugnis über ein intensives, ereignisreiches<br />
Jahr mit vielfältigen, z.T. sehr beachteten Aktivitäten und Initiativen<br />
ab.<br />
Mit Rüdiger Wächter (Prävention bei Schwulen und MSM, Psychosoziale Begleitung, Herzenslust-Koordinator und<br />
„Knastarbeit“), Uwe Altenschmidt (Teamleiter „Herzenslust“ Duisburg/ Kreis Wesel) und Anika Walther (8 Jahre Frauen<br />
& AIDS, Psychosoziale Begleitung, Migration & AIDS und zuletzt im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung<br />
im Youthwork-Bereich) konnten gleich drei Mitarbeiter/innen auf ein 10-jähriges Dienstjubiläum blicken – gewiss auch<br />
ein Zeichen für ein sehr gutes Betriebsklima. Leider – aber mit jedem Verständnis dieser Welt und Mitfreude – haben<br />
wir Anika Walther in eine weitere Erziehungsurlaubsphase „entlassen“ müssen. Aufgefangen werden konnte die entstandene<br />
Lücke im Arbeitsfeld Youthwork durch den hervorragenden Einsatz unserer studentischen Honorarkraft,<br />
Sandra Kohlhase.<br />
Einzig ungewöhnlich viel Fluktuation hatten wir in unserer Zivildienststelle. Hier blicken wir auf ein Jahr mit drei<br />
„Zivi`s“ zurück. Kurz vor dem Ende dieser Form des Wehrersatzdienstes sollten wir diesen wohl noch einmal in vollen<br />
Zügen genießen dürfen. Hinweise auf Interessent/innen für einen künftigen „Bundesfreiwilligendienst“ bitten wir uns<br />
zukommen zu lassen.<br />
Dauerhaft Abschied nehmen mussten wir im November von unserem langjährigen Kollegen, der Verkörperung der<br />
Duisburger Drogenselbsthilfe und JES-Koordinator, Klaus Blaumeiser, dessen plötzlicher Tod uns geschockt hat. Es<br />
bleibt ein tiefer Dank für viele Einblicke in „außergewöhnliche Lebenswelten“, für damit verbundene Erkenntnis- und<br />
Verständnisgewinne und für viele humorvolle Stunden.<br />
Klaus Blaumeiser hat enorm viel dazu beigetragen, dass wir die Arbeit mit der Zielgruppe drogengebrauchender<br />
Menschen nie aus dem Auge verloren haben und so sind wir gerade mit der Entwicklung in diesem Arbeitsgebiet im<br />
Berichtsjahr sehr zufrieden. So hat Ralf Runniger (verstärkt durch die tatkräftige Unterstützung unserer ehemaligen<br />
Praktikant/innen Yvonne Leuverink und Tim Prysztupa) das Streetwork wieder intensivieren können, was insbesondere<br />
deshalb enorm wichtig war und ist, weil der neu entstandene Suchthilfeverbund Duisburg diese Arbeit eingestellt<br />
hat. Darüber hinaus konnte das recht neue (Party-) Drogenprojekt „@drugtHiv“ weiter etabliert und im ersten Quartal<br />
sogar durch das Schulprojekt „No drugs – no party?“ ergänzt werden (s. 5.2.).<br />
13
Geschäftsbericht für das Jahr 2010<br />
Weiterhin äußerst stabil gestaltet sich die Duisburger Substitutionsregelung, welche nicht nur für die Klienten von<br />
hohem gesundheitlichen und psychosozialen Nutzen ist, sondern auch für die AIDS-Hilfe ein finanzieller Segen. Hier<br />
gilt den Ärzten Dr. Hander, Herrn Harzem und Dr. El Khaled sowie unseren begleitenden Ehrenamtler/innen ein ganz<br />
großes Danke schön!<br />
Ein wichtiges Ziel der AIDS-Hilfe konnte im Berichtsjahr leider nicht erreicht werden, nämlich mit unserem Duisburger<br />
„headquarter“ endlich in barrierefreiere Räumlichkeiten umzuziehen, was angesichts der Entwicklungen beim<br />
Krankheitsbild immer wichtiger wird (s.o., Älter werden mit HIV …). Nach dem Auszug der Drogenberatung der Diakonie<br />
aus den Parterreräumen im Hause Friedenstr. 100, haben wir dem objektverwaltenden Immobilienmanagement<br />
Duisburg (IMD) unser Interesse und unsere Erfordernisse monatlich signalisiert, aber leider kein ernsthaftes Aufgreifen<br />
von dieser Seite erfahren dürfen. So stehen die Räumlichkeiten nunmehr seit Dezember 2009 leer. Wir sind hier<br />
für jede Unterstützung äußerst dankbar.<br />
Erfolgreich solidarisiert haben wir uns mit unseren Kolleginnen von der Beratungsstelle zu AIDS und anderen STD`s<br />
des Gesundheitsamtes Duisburg. Hier waren im Zuge der Haushaltsplanberatungen für das Jahr 2010 zwei Stellen<br />
mit sog. kw-Vermerken versehen – und zwar für die Arbeitsbereiche der AIDS-Koordination sowie der Prostituiertenberatung.<br />
Gerade im letzteren Arbeitsfeld wächst allerdings die Notwendigkeit für eine sozialarbeiterische und präventive<br />
Betätigung wegen des enormen Anstieges des Angebotes in Duisburg ungemein (s. 5.4.). Unsere fachliche<br />
Stellungnahme in Form eines offenen Briefes an den Oberbürgermeister und die politischen Gremien hat gewiss mit<br />
dazu beigetragen, dass zumindest die Politik diese Kürzungsabsichten zunächst einmal zurückgezogen hat.<br />
Wir sind insgesamt zufrieden über den politischen Rückhalt für unsere Arbeit – und zwar auf allen föderalen Ebenen.<br />
Mit der Duisburger Bundestagsabgeordneten (SPD) Bärbel Bas, die sich in Berlin auch um die Belange des<br />
Fonds zur Entschädigung von HIV-infizierten Transfusionsopfern kümmert, haben wir im Berichtsjahr ein weiteres<br />
neues Vereinsmitglied mit Bundestagsmandat gewinnen können. Auf der Landesebene genießen wir Anerkennung<br />
und Wertschätzung quer durch alle Parteien. Ein fast schon traditionelles Highlight haben wir im Februar wieder bei<br />
einem Arbeitsfrühstück im Landtag erleben dürfen, zu dem uns der Duisburger FDP-Abgeordnete, Holger Ellerbrock,<br />
erneut eingeladen hatte. Herr Ellerbrock hat uns insbesondere im schwierigen Bereich der „Knastarbeit“ sehr unterstützt.<br />
Auch auf das Engagement von Rainer Bischoff (SPD-MdL) können wir jederzeit bauen, so stand er uns nicht<br />
nur bei der Ehrung im Landtag (s.o.), sondern auch gerne bei der Podiumsdiskussion im Rahmen des Aktionstages<br />
zum Welt-AIDS-Tag im Duisburger Forum zur Verfügung. Gegenüber diesem Engagement zeigen sich die Lokalpolitiker<br />
sehr viel defensiver, aber das kann ja noch besser werden, etwa durch Unterstützung bei unseren Umzugsplänen<br />
(s.o.) oder gewiss im Zuge der kommenden problematischen Haushaltsberatungen werden sie vermutlich Flagge<br />
rsp. „Schleife zeigen“ müssen und können.<br />
Hier mag der Umstand eine Rolle spielen, dass die Arbeit am Thema „AIDS“ und mit spezifischen Zielgruppen, welche<br />
sich nicht selten in gesellschaftlichen Konfliktbereichen bewegen, nicht besonders „populär“ ist und somit die Diskussion<br />
darüber auf - vom Bürger etwas weiter entfernten Ebenen - leichter sein mag. Umso mehr ist es von großer<br />
Bedeutung, dass die Kommunalisierungsprozesse nicht dazu führen, dass das Thema aus der landespolitischen Diskussion<br />
und Verantwortung verschwindet.<br />
Wir werden weiter unser Scherflein dazu beitragen, dass eben dieses nicht geschieht. Für das Berichtsjahr kann hier<br />
das Beispiel der landesweiten Fachtagung des Landesarbeitskreises „AIDS und Migration“ dienen, die unter Mitinitiative<br />
und Mitwirkung unserer Migrationsfachfrau, Petra Kurek, schon zum sechsten Male in Duisburg stattfand. Am<br />
16. Juni 2010 trafen sich im Zentrum für Personalentwicklung der Stadt Duisburg über 50 Teilnehmer/innen mit unterschiedlichen<br />
beruflichen Hintergründen aus allen Teilen von NRW, um sich unter dem Titel „Unsichtbar – Menschen<br />
ohne Papiere in Deutschland“ mit Aspekten der Gesundheitsförderung mit dem Schwerpunkt HIV/AIDS bei Menschen<br />
ohne klaren Aufenthaltsstatus zu beschäftigen (s. 5.5.)<br />
Unser migrationsspezifisches Know-how war auch im Rahmen der Konferenz der Mitglieder des PARITÄTISCHEN,<br />
Kreisgruppe Duisburg, am 20.09.10 zum Thema „Interkulturelle Öffnung“ gefragt, bei der Petra Kurek mit Ihrem Referat<br />
„Von der interkulturellen Öffnung zur transkulturellen Orientierung“ deutlich machen konnte, dass wir in diesem<br />
Themenfeld schon lange intensiv aktiv sind.<br />
Wir sind interkulturell sogar so offen, dass wir gerne eine Spende des englischen Partnerkreises des Kreises Wesel,<br />
der County Durham, entgegengenommen haben. Im Rahmen des Delegationsbesuches aus Durham in Wesel, am<br />
02.09.10, konnten wir unsere Arbeit ein wenig vorstellen und uns angeregt über die Präventionsstrategien und –<br />
erfordernisse austauschen – eine bereichernde Erfahrung. Many thanks to Durham! Und vielen Dank an die Kreisverwaltung,<br />
die uns dies ermöglicht hat.
Natürlich haben wir uns im Berichtsjahr auch mit uns selbst beschäftigt und den Organisationsentwicklungsprozess<br />
vorangetrieben, in dem wir die verabredeten inneren Zuständigkeiten einer externen Überprüfung durch eine mit<br />
AIDS-Hilfe-Strukturen vertrauten Trainerin haben unterziehen lassen. Im Rahmen einer Klausurtagung am 12.06.10<br />
mit Vorstand und Team sind darüber hinaus Bearbeitungsfelder erarbeitet und mit klaren Prioritäten versehen worden.<br />
Die Bearbeitung läuft stetig parallel zum operativen Geschäft, allerdings leider nicht in dem Tempo, das wir uns wünschen<br />
würden. Das liegt allerdings nicht zuletzt an den sehr begrenzten Ressourcen, die etwa zur Wahrnehmung der<br />
Geschäftsführung zur Verfügung stehen.<br />
Das lag in diesem Berichtsjahr aber auch daran, dass unsere relativ neuen Projekte Zeit zur Etablierung benötigten<br />
(u.a. Knastarbeit, BuT, @drugtHiv, Frauengruppe). Und es lag nicht zuletzt daran, dass wir im Jahre 2010 bei einer<br />
ganzen Reihe von Großveranstaltungen mit Präventionsaktionen intensiv beteiligt waren. Das Kulturhauptstadtjahr<br />
Ruhr 2010 hat viele tolle Veranstaltungen hervorgebracht und sehr viel Beteiligung von AIDS-Hilfe(n) gesehen, beispielhaft<br />
sei hier das A40-Stillleben am 18.07.10 erwähnt (s. 5.1.).<br />
Das –nicht nur für uns- alles überstrahlende Ereignis in unserer Region sollte die Loveparade am 24.07.2010 sein.<br />
Wir haben viel Zeit, Kapazitäten und Ressourcen aus den Arbeitsfeldern „XXelle – Frauen“, „Herzenslust“,<br />
„Youthwork“ und „@drugtHiv“ in Planung, Organisation und Durchführung investiert und die Loveparade auch tatsächlich<br />
bis zum Durchsickern der schrecklichen Ereignisse als das tolle Event mit einem so nicht zu erwartenden,<br />
sehr gut erreich- und ansprechbaren Zielpublikum erlebt – bis alles überdeckt wurde durch die grausame Realität von<br />
21 Toten, vielen Hundert Verletzten und unzähligen schwer traumatisierten Menschen!<br />
Die Verarbeitung dieser Ereignisse dauert bis heute an. Sie haben uns ins Mark getroffen, in tief empfundene Trauer<br />
und Erschütterung gestürzt, auch weil uns in unfassbarer Weise vor Augen geführt wurde, wie nah Leben, Lust, Fröhlichkeit<br />
und Sterben, Tod und Trauer beieinander liegen können – etwas, das wir in unserer Arbeit doch eigentlich<br />
scheinbar gewohnt sind. Einige unserer ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter sind – entgegen der zuvor abgestimmten<br />
Planung! – nur wenige Minuten vor der Katastrophe auch durch das tödliche Nadelöhr der Rampe geschoben<br />
worden…<br />
Und leider wirkt auch das Trauerspiel der Nachbearbeitung durch die beteiligten Entscheidungsträger und Verantwortlichen<br />
so nach, dass Verärgerung, Wut und Enttäuschung bis heute nicht gewichen sind. Wir waren wie gelähmt<br />
und längere Zeit nicht in der Lage, unsere Arbeit so fortzuführen, wie es sein sollte.<br />
Diese Gefühlslage und der Respekt vor den Toten haben uns auch dazu geführt, den für den 14.08.2010 vorgesehenen<br />
„Ersatz“ für den Duisburger CSD, das Schwul-lesbische Straßenfest „Sommerlust“ auf der Königstr. abzusagen<br />
(s. 5.1.), für das wir infolge der CSD-Absage durch den Arbeitskreis Duisburger Lesben und Schwule (AKDuLuS e.V.)<br />
als Veranstalter eingesprungen sind. Die spontane Bereitschaft der Duisburger Community, uns bei der Umsetzung<br />
zu unterstützen, war einfach klasse. Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich dafür bedanken und<br />
hoffen immer noch, dass unsere Entscheidung zur Absage auf Akzeptanz gestoßen ist. Weiterhin hoffen wir auf ein<br />
ähnliches Engagement im Hinblick auf 2011.<br />
Zivilgesellschaftliches Engagement ist immer noch und nicht nur vor dem Hintergrund rückläufiger öffentlicher Förderung<br />
immer mehr gefragt. Diesbezüglich können wir auf ein Jahr mit wirklich großartiger Unterstützung zurückblicken<br />
(s. 4.). Insbesondere im Zusammenhang mit dem diesjährigen Welt-AIDS-Tags-Geschehen erlebten wir viel<br />
Engagement von verschiedensten Gruppen und Einzelpersonen. Stellvertretend verweisen wir hier schon mal auf die<br />
„bärenstarken“ Initiativen des Centermanagements des FORUM Duisburg, was zu einem hervorragend angenommenen<br />
zweiten großen Aktionstag am 01.12.10 geführt hat.<br />
Es gibt nicht nur „bad banks“ wie wir wissen. Es gibt auch hier viel zivilgesellschaftliches Engagement. Wir bedanken<br />
uns bei den Sparkassen aus unserer Region, bei der Deutschen Bank, der Sparda-Bank West und insbesondere<br />
beim GudsO-Team der Targobank Duisburg, die einmal mehr eine unglaublich kreative Soli-Bären-Verkaufsaktion<br />
durchgeführt haben und gewissermaßen unser Platin-Vertriebs-Partner für die beliebten „AIDS-Teddies“ sind.<br />
Mehr Geschichten von Menschen und Gruppen, über deren gutes Tun wir reden wollen finden sich im Kapitel 4.<br />
Diese und weitere Aktivitäten haben neben einer sehr umsichtigen Haushaltsführung erheblich dazu beigetragen,<br />
dass wir das Haushaltsjahr 2010 voraussichtlich mit einem sehr überschaubaren Defizit abschließen können – ein<br />
phantastisches, weil wahrlich nicht zu erwartendes Ergebnis.<br />
Abschließend möchten wir uns natürlich an dieser Stelle bei all jenen treuen Freund/innen und Förderern, Zuwendungsgebern<br />
und Sympathisant/innen sowie bei den Vertretern aus Politik, Verwaltungen und Gesundheitsämtern,<br />
medizinischen und Beratungseinrichtungen, Schulen und sonstigen Kooperationspartnern und unseren Dachverbänden,<br />
dem „Paritätischen“, der Deutschen AIDS-Hilfe und der AIDS-Hilfe NRW für ihre Wertschätzungen, unterstützenden<br />
Aktionen und guten Wünsche im Berichtsjahr aufs Herzlichste bedanken.<br />
15
Beratung<br />
2. Beratung<br />
2.1 Einleitung<br />
Die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. wurde wie in den vorangegangenen Jahren als ein Hauptschwerpunkt<br />
unserer Arbeit durchgeführt.<br />
Die Beratung erfordert ein hohes Maß an Kompetenzen. So gilt es, dass sich die BeraterInnen zu den Themenfeld<br />
„neuer Wissensstand zu Übertragungswegen rund um HIV und andere sexuell übertragbaren Krankheiten (im folgenden<br />
STD genannt)“ regelmäßig fortbilden und eine eigene, für sie passende Haltung entwickeln und reflektieren. Dies<br />
wird durch die Änderungen von Risikoeinschätzungen durch wissenschaftliche Erkenntnisse immer wieder bestätigt<br />
und auch gefordert.<br />
Zur Konkretisierung hier ein Beispiel aus dem Bereich Risikoeinschätzung:<br />
Auszug aus der „Infomappe für die Telefonberatung in AIDS-Hilfen 2001“ der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.<br />
„Orale Stimulation des Mannes mit Abspritzen- aufnehmend:<br />
Risikoeinschätzung<br />
hohes Risiko in Hinblick auf HIV und andere STD<br />
- erhöhtes Risiko, wenn der Samen geschluckt wird. Das Risiko ist noch höher bei Entzündungen in Hals, Rachen<br />
oder Speiseröhre<br />
- bei Verletzungen der Mundschleimhaut und Zahnfleischentzündungen erhöht sich das Risiko<br />
Schutzmöglichkeiten<br />
Wenn man bis zum Erguss blasen will, sollte ein Kondom verwendet werden. Notfallmaßnahmen: Sperma ausspucken<br />
und möglichst mit hochprozentigem Alkohol, wenn vorhanden, sonst mit Wasser fünf mal ca. 15 Sekunden lang<br />
spülen.“<br />
Aktuell ist der folgende Beratungsstandard:<br />
Auszug aus der „Infomappe für die Beratung in Aidshilfen 2009/2010“ der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.<br />
„Orale Stimulation des Mannes mit Abspritzen (Ejakulation):<br />
- ein geringes HIV-Risiko besteht, vor allem bei längerer Verweildauer des Ejakulats im Mund, bei der Entzündungen<br />
in Hals, Rachen, bei Zahnfleischentzündungen oder STD. Insgesamt ist das Risiko auch mit Ejakulation aber deutlich<br />
(!) geringer als bei ungeschütztem Vaginal- oder Analverkehr!<br />
Falls ejakuliert wurde: Es ist wissenschaftlich nicht erwiesen, ob „Schlucken“ gefährlicher ist als „Spucken“. Trotzdem<br />
empfehlen wir „Spucken“, da es dadurch zu einer nur kurzen Verweildauer einer infektiösen Flüssigkeit im Mund<br />
kommt und die Flüssigkeit nicht im Körper bleibt.“<br />
An diesem Beispiel wird eindrucksvoll geschildert, wie sich die Risikoeinschätzungen in den letzten Jahren aus Sicht<br />
der medizinischen Fachabteilung der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. erheblich verändert hat. Dies wird im weiteren Verlauf<br />
der Beratermappe noch deutlicher durch die Einschätzung, wenn der Mann im oberen Beispiel zwar HIV-Positiv<br />
ist, aber sich die Viruslast unter der Nachweisgrenze befindet:<br />
„Viruslast unter der Nachweisgrenze“:<br />
Wenn die Viruslast des Sexualpartners unter der Nachweisgrenze ist, reduziert sich (auch bei Ejakulation) das ohne-
hin geringe Risiko weiter (Safer Sex Bereich).“<br />
Diese Aussagen, die ihren Grund in der Aussage der „Eidgenössischen Kommission für AIDS-Fragen (EKAF)“ hat,<br />
wird deutlich, wie sich das Bild von Risiken immer wieder verschiebt und verändert. Diese Wandlungen, und die damit<br />
einhergehenden Änderungen, sind eine der schwierigsten Aufgaben im Feld der Fortbildung von BeraterInnen.<br />
Gerade die „Alten Hasen“ von BeraterInnen, die ein anderes Bild von Risiken zu HIV und AIDS gelernt und verinnerlicht<br />
haben, auf diesem Weg mitzunehmen, ist ein wichtiges Ziel.<br />
Wichtige Neuerungen in der Beratung haben sich neben der Aussage der EKAF (siehe dazu „HIV-Therapie und Prävention,<br />
Positionspapier der Deutschen AIDS-Hilfe e.V., April 2009 unter www.aidshilfe.de) auch im Bereich der HIV-<br />
Testung ergeben. Neben den immer besseren Antikörpertestverfahren, welche heutzutage auch direkt Virusbestandteile<br />
nachweisen, ist durch die Entwicklung der HIV-Schnelltests ein neues Angebot zur Entscheidung der Ratsuchenden<br />
für oder gegen einen HIV-Antikörpertest erschienen. Neben dem präventiven Nutzen (siehe dazu Punkt 5.1<br />
„Beratung und Test“ Rastplatz Sommeraktion von der Kampagne Herzenslust), stellt die Wissensvermittlung zu diesem<br />
„Schnelltestverfahren“, welches nicht die diagnostische Lücke verkürzt (wie manche Ratsuchenden fälschlicherweise<br />
meinen), sondern nur die Ergebnismitteilung und die damit verbundenen Erläuterungen (nur aussagekräftig bei<br />
einem reaktiv negativen Ergebnis) eine wichtige Beraterkompetenz dar. Erschwert wird dies (und zwar nicht nur in<br />
diesem Sektor) durch die unterschiedlichsten Aussagen und Haltungen, die im „world wide web“ kursieren.<br />
Neben diesen „fachlichen Anforderungen“ an die BeraterInnen nimmt der Bereich von Ratsuchenden mit psychischen<br />
Störungen einen weiteren Schwerpunkt im Sektor der Fortbildungen ein. Menschen, die durch eine „doppelte Verdrängung“<br />
Ängste oder einschneidende Situationen in ihrem Leben verdrängen, kompensieren dies (da das Unterbewusstsein<br />
immer einen Weg findet, indirekt Emotionen und Ängste zu verarbeiten) möglicherweise durch eine „AIDS-<br />
Ängstlichkeit bzw. AIDS-Phobie“. Dies vor allem, da HIV nicht zu sehen ist und die einzige Art von Diagnostik die<br />
Entscheidung zu einem HIV-Antikörpertest wäre, der Aufgrund der Diagnostischen Lücke dann jedoch immer noch<br />
den Nährboden für Unsicherheiten birgt. Hier die BeraterInnen zu schulen (z.B. sich selbst als Indikator zur Identifizierung<br />
von AIDS- Phobikern (s dazu Thure von Uexküll, Psychosomatische Medizin, Urban & Fischer Verlag / Elsevier<br />
GmbH; Auflage: 6 (6. Dezember 2002)) zu nutzen), stellt einen wichtigen qualitativen Schwerpunkt in der BeraterInnenfortbildung<br />
dar.<br />
2.2 Die Angebote der AIDS-Hilfe im Sektor Beratung<br />
Unsere Beratungsangebote konnten von den Ratsuchenden wie folgt genutzt werden:<br />
1. persönliche Beratung in den Einrichtungen;<br />
2. telefonische Beratung durch HauptamtlerInnen während der Öffnungszeiten in Duisburg und Wesel;<br />
telefonische und E-Mail Beratung durch die ehrenamtlichen Telefonberater in der Zeit von 19.00-21.00 Uhr am Montag<br />
in Duisburg.<br />
2.2.1 Persönliche Beratung<br />
Während der Öffnungszeiten sowie nach telefonischer Absprache auch außerhalb der Öffnungszeiten, konnten Ratsuchende<br />
sich persönlich durch hauptamtliche MitarbeiterInnen in unseren Büros in Duisburg und Wesel beraten lassen.<br />
Bei diesen Beratungsgesprächen wurde auf eine ruhige und entspannte Atmosphäre geachtet. Bei Bedarf konnten<br />
Ratsuchende, die anonym bleiben wollten, sich auch Termine außerhalb der Öffnungszeiten und dem damit verbundenen<br />
Publikumsverkehr geben lassen. Bei Beratungen von Personen, die kürzlich ihr HIV-positives Testergebnis<br />
erhalten haben, wurde im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe immer das Angebot unterbreitet, mit einem HIV-Positiven zu<br />
sprechen, der schon länger mit der Infektion lebt. Dieses Angebot wurde häufig in Anspruch genommen.<br />
Generell wurde die persönliche Beratung immer weniger von Ratsuchenden in Anspruch genommen. Als mögliche<br />
Begründung sind hier die anonymen Möglichkeiten durch das world wide web (www) zu nennen (z.B. durch die Onlineberatung<br />
der Deutschen AIDS-Hilfe www.aidshilfe-beratung.de oder für schwule und bisexuelle Männer bei<br />
www.gayromeo.com der healthsupport). Immer mehr Menschen nutzen das www, und haben gelernt, sich dort zu<br />
Informieren und diesem neuen Medium zu vertrauen.<br />
17
Beratung<br />
2.2.2 Telefonische Beratung<br />
Auch in diesem Jahr blieb die Zahl der Telefonberatungen während der Öffnungszeiten sehr hoch. Die Ratsuchenden<br />
wurden nach eingehender Erörterung der Risikosituationen aufgeklärt. Falls erwünscht, wurden die Ratsuchenden<br />
zwecks HIV-Antikörper-Test an das örtliche Gesundheitsamt verwiesen.<br />
Unsere Beratungsnummern sind für Duisburg: 0203-19411 und für Wesel<br />
0281-19411. Die Rufnummern wurden in den örtlichen Zeitungen<br />
unter der Rubrik Beratung beworben. Regelmäßig wurde die Bewerbung<br />
kontrolliert, da die Rubrik von vielen Vereinen genutzt wird und<br />
die Einstellung der Rufnummer kostenlos ist.<br />
Die Beratungsnummern wurden durch Beantragung bei der Regulierungsbehörde<br />
für Telekommunikation und Post anonymisiert. Dadurch<br />
werden bei einem Anruf über diese Rufnummer die Nummern der Ratsuchenden<br />
unterdrückt und bei dem Ratsuchenden erscheint die Beratungsnummer<br />
nicht in der detaillierten Telefonrechnung.<br />
2.2.3 Die Bundesweite Telefonberatung<br />
Nach der Beendigung der Testphase beteiligt sich nun die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. kontinuierlich an<br />
der bundesweiten Beratungshotline der Deutschen AIDS-Hilfe e.V..<br />
An 62 Stunden pro Woche können sich so Ratsuchende mit ihren Fragen rund um HIV/AIDS telefonisch an die Berater<br />
der AIDS-Hilfen wenden. Die Hotline ist erreichbar in den Zeiten: Montags bis Freitags von 9.00-21.00 Uhr und am<br />
Sonntag von 12.00-14.00 Uhr.<br />
Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. beteiligt sich als eine von bundesweit 28 Einrichtungen an diesem nunmehr<br />
fest etablierten Angebot. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.<br />
bedienen Ratsuchende aus dem ganzen Bundesgebiet am Montagabend von 19.00-21.00 Uhr und am Donnerstag<br />
von 11.00-14.00 Uhr. Die regionalen Angebote bleiben im vollen Umfang bestehen. So können sich Menschen telefonisch,<br />
persönlich und per E-Mail zu den gewohnten Zeiten an die MitarbeiterInnen der AIDS-Hilfe wenden. Das überregionale<br />
Angebot wird zusätzlich zu dem bestehenden Angebot hinzugefügt.<br />
Die Telefonberatung spielt bei der Aufklärung zu HIV nach wie vor eine große Rolle. Sie ist das Medium zur Beantwortung<br />
persönlicher Fragen und zur Abklärung eines individuellen HIV-Übertragungsrisikos. Mit der neuen Rufnummer<br />
werden bestehende Angebote unter einer bundesweiten Nummer zusammengeführt und damit die Erreichbarkeit<br />
für Ratsuchende weiter verbessert. Durch die Intensivierung der Weiterbildung und die Einrichtung eines Online-<br />
Portals für BeraterInnen wird die Qualität der Beratung langfristig gesichert.<br />
Um die Wichtigkeit der Bundesweiten Telefonberatung aufzuzeigen, sind hier die Zahlen der Beratungskontakte<br />
(Monitorings) und die Art der Anfragen für das Jahr 2010 aufgelistet:
Beratung<br />
Durch die Anonymität der Beratung bedingt, können die o. a. Daten nur als richtungweisende Orientierung dienen.<br />
Trotzdem kann hier auf wichtige Aspekte im Konkreten hingewiesen werden:<br />
Die Zahl der Menschen, die als „AIDS-Ängstlich bzw. AIDS-Phobisch“ eingestuft wurden, lag bei knapp 23%.<br />
Bei den Themen der Beratung ist der Hauptschwerpunkt mit knapp 50% die Risikoeinschätzung zu benennen. Gefolgt<br />
von dem Thema HIV-Test mit 27%.<br />
Weiterhin ist der Anteil von heterosexuellen Ratsuchenden mit knapp 63% extrem hoch.<br />
Der Anteil von Männern, die die telefonische Beratung in Anspruch genommen haben, ist mit 73,5% unerwartet hoch.<br />
Zur Erläuterung diesbezüglich: Männer gehen viel seltener zum Arzt als Frauen. Von medizinischen Kreisen werden<br />
daher immer mehr präventive Maßnahmen gefordert, um die Bereitschaft der Männer, für die meist kostenlosen medizinischen<br />
Kontrolluntersuchungen, zu erhöhen. Was die Sensibilisierung und den Wissensdurst bezüglich HIV angeht,<br />
scheint dies nicht dem allgemeinen Trend zu entsprechen.<br />
Da die Beratungskontakte unter der 19411 im Rahmen der Büro-Besetzung nicht detailliert erfasst werden, nehmen<br />
wir die o.a. Monitorings als Tendenz, die wir auf alle Kontakte übernehmen.
2.2.4 Die Telefonberatervernetzung im Ruhrgebiet:<br />
Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist mit anderen Kooperationspartnern aus dem Ruhrgebiet in einer Telefonberatervernetzung<br />
zusammengeschlossen. Ziel dieser Vernetzung war es, die Beratung zu HIV-AIDS an jedem Wochentag<br />
abends im Ruhrgebiet anzubieten. Bei den Treffen in der Ruhrgebietsvernetzung 2010 war ein Hauptthema<br />
die Sinnhaftigkeit der Vernetzung, da durch die bundesweite Beratungsvernetzung möglicherweise eine Doppelstruktur<br />
entstanden wäre (da durch dieses neue Angebot täglich Abends und auch am Wochenende die Beratung sichergestellt<br />
ist und durch die Bundesweite Vernetzung ebenfalls die Qualitätssicherung und Fortbildung der BeraterInnen<br />
erfolgt). Bei dem Austausch der Bundesweiten Telefonberater (wo der hauptamtliche Mitarbeiter der AIDS-Hilfe im<br />
Jahr 2010 aus diesem Grund an dem Treffen in Berlin teilnahm) konnte dieser Punkt angesprochen werden. Erfreulicherweise<br />
wurde entschieden, dass die Ruhrgebietsvernetzung einen Sonderstatus bekommt. So kann die Ruhrgebietsvernetzung<br />
Repräsentanten zu den bundesweiten Treffen senden (Vertraglich ist jede Einrichtung verpflichtet,<br />
regelmäßig an den Treffen in Berlin teilzunehmen). Die Informationsweitergabe an die Ruhrgebiets - AIDS-Hilfen erfolgt<br />
dann bei den 2 mal im Jahr durchgeführten Treffen in der Ruhrgebietsvernetzung. Dadurch wird die zeitliche<br />
Belastung für die haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen extrem reduziert.<br />
Ein weiterer Schwerpunkt bei den Vernetzungstreffen ist weiterhin die Fortbildung der BeraterInnen. So hat der zuständige<br />
Mitarbeit der der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. 2010 bei einem der Treffen der Berater im Ruhrgebiet<br />
ein Referat zu dem Themenfeld Hepatitiden gehalten.<br />
2.2.5 E-Mail Beratung<br />
Die E-Mail Beratung in der AIDS-Hilfe wurde weiterhin angeboten. Die E-Mailberatung ist unter der folgenden Adresse<br />
zu erreichen: www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de.<br />
Um die gängigsten Fragen im Voraus zu klären, wurden auf unserer Homepage die acht häufigsten gestellten Fragen<br />
(FAQ) eingestellt. Der Ratsuchende konnte beim Anklicken einer Frage gleich die Antwort lesen. Durch dieses Beratungsangebot<br />
konnten viele Ratsuchende ohne dass sie an uns eine E-Mail schreiben mussten, bedient werden. Detailliertere<br />
Fragen konnten dann per E-Mail an uns gesendet werden. Bei diesen E-Mails wurde im Betreff automatisch<br />
„E-Mailberatung“ eingegeben, sodass die E-Mails nicht von den Mitarbeitern gelesen wurden, sondern direkt an<br />
die Telefon/E-Mail Beraterin weitergeleitet werden konnten.<br />
Die E-Mailberatung wird hauptsächlich am Montagabend in der Zeit der Telefonberatung durch die ehrenamtliche<br />
Mitarbeiterin bedient und die E-Mails in dieser Zeit beantwortet.<br />
Bei dringenden E-Mails wurden diese von den hauptamtlichen MitarbeiterInnen während der Öffnungszeiten beantwortet.<br />
Folgende vorgefertigten Fragen wurden im Internet angeboten:<br />
Insgesamt wurde die E-Mailberatung im Jahr 2010 kaum genutzt. Die schon bei Punkt 2.2.1 beschriebenen Erklärungen<br />
sind sicherlich auch hierfür maßgeblich.<br />
2.3 Danksagung:<br />
Wir danken unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterin aus der persönlichen, telefonischen und online -<br />
Beratung, ohne deren Einsatz die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. nicht in diesem<br />
bemerkenswerten Umfang vorgehalten werden könnte.<br />
21
Begleitung<br />
3. Begleitung<br />
Unsere Einrichtung begleitet weiterhin HIV-Infizierte / an AIDS-Erkrankte, die aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen<br />
mit verschiedenen sozialen Hintergründen stammen. Die einzelnen Begleitungsfälle befinden sich in<br />
unterschiedlichen Lebens- und Behandlungssituationen. Vereinzelte Begleitete haben sich gegen die Einnahme von<br />
Medikamenten entschieden oder benötigen auch noch keine Medikation. Die Gründe für die Verweigerung der Medikamente<br />
sind vielfältig. Es kann die Folge von gravierenden Ereignissen sein (z. Bsp. Tod eines nahen Angehörigen),<br />
die dann zunächst bearbeitet werden müssen und der Lebenswille wieder gestärkt werden muss. Ein Grund ist auch<br />
die Angst vor den Nebenwirkungen und evtl. einhergehenden körperlichen Veränderungen und der lebenslangen Einnahme<br />
von Medikamenten oder aber auch Verdrängung der Infektion.<br />
Ein großer Teil der Infizierten kommt mit den Medikamenten gut klar. Während aufgrund der Vielzahl der Medikamente<br />
die akuten Nebenwirkungen weniger werden, treten häufiger Langzeitnebenwirkungen auf wie zum Beispiel im<br />
Herz-Kreislaufbereich. Hier gilt es andere Risiken wie Rauchen oder ungesunde Ernährung zu minimieren. Des Weiteren<br />
werden unsere Begleiteten auch älter und es gilt, sie für bestimmte Vorsorgeuntersuchungen zu sensibilisieren<br />
und altersbedingte Erkrankungen mit in den Fokus zu nehmen.<br />
Viele von uns langfristig Begleitete waren bereits an AIDS erkrankt, sind verrentet und leben auf dem Niveau des Arbeitslosengeldes<br />
II, der Grundsicherung oder leicht darüber. Hierbei handelt es sich um Leistungen, die in ihrem Ursprung<br />
zur Überbrückung einer kurzen Zeit angedacht waren. Letztendlich verharren diese Begleiteten in einer Lebenssituation,<br />
die Ihnen finanziell keinen Spielraum lässt und wenig Perspektiven für die Zukunft bietet. Leider hat<br />
hieran auch der monatelange Streit um die Erhöhung der ALG II-Sätze, die auch das Niveau der Grundsicherung darstellen,<br />
keine grundlegende Änderung herbeigeführt. Aufgrund der fehlenden materiellen Ressourcen fehlt es an Lebensqualität,<br />
da die Teilhabe am gesellschaftlichten Leben wie Ausgehen, Kino und andere Freizeitaktivitäten einen<br />
Faktor für Lebensqualität darstellen. Dadurch kommt es oft zu Vereinsamung und Depressionen, so dass auch von<br />
Einzelnen suizidale Gedanken geäußert werden, denen es zu begegnen gilt. Um der Vereinzelung vorzubeugen, haben<br />
wir einige Angebote, die weiter unten beschrieben sind, auch im Berichtsjahr vorgehalten bzw. freuen uns, dass<br />
Angebote in Selbsthilfe ausgestaltet werden. Des Weiteren bieten wir Unterstützung bei sozialrechtlichen und finanziellen<br />
Schwierigkeiten.<br />
Ein anderer Teil dieser Begleiteten versucht, das Beste aus ihrer Lebenssituation zu machen und gestaltet unter anderem<br />
die Freizeit für HIV-Positive mit, nimmt an der Kochgruppe teil und engagiert sich auf landes- und bundesweiter<br />
Ebene in Landesarbeitsgemeinschaften und Netzwerken.<br />
Andere HIV-Infizierte gehen einer geregelten Arbeit nach und nehmen die AIDS-Hilfe nur punktuell zu bestimmten<br />
Fragen in Anspruch oder besuchen unser Mittwochs-Café oder von uns durchgeführte Fortbildungsveranstaltungen.<br />
In einzelnen Fällen von Neudiagnosen gilt es, Krisenintervention zu gewährleisten und die Situation zu stabilisieren.<br />
Auch in Zeiten von Behandelbarkeit von HIV gilt es nach einem Testergebnis unterschiedliche Problematiken zu bearbeiten.<br />
So gibt es bei vielen HIV-Infizierten das Gefühl, an der Infektion selbst schuld zu sein und sich zu schämen<br />
und in eine Depression und Antriebslosigkeit zu gelangen. Auch ist es für HIV-positive Menschen heute immer noch<br />
schwer, sich gegenüber anderen Menschen und Freunden zu ihrer HIV-Infektion zu bekennen. Hier bietet die AIDS-<br />
Hilfe Unterstützung durch die psychosoziale Begleitung der hauptamtlichen Mitarbeiter oder durch Kontakt mit anderen<br />
HIV-Positiven (z. Bsp. in unserer Positivengruppe oder in Einzelgesprächen mit HIV-Positiven, die wir vermitteln).<br />
Bei komplexen Begleitungen, die im Zeitumfang unsere Ressourcen übersteigen, vermitteln wir Begleitete in ambulant<br />
betreutes Wohnen, zukünftig arbeiten wir in diesem Bereich mit der AIDS-Hilfe Essen zusammen.<br />
Unsere Öffnungszeiten für persönliche Beratung - montags 11- 14 Uhr, mittwochs 14 – 19 Uhr, freitags 11 – 16 Uhr –<br />
haben sich bewährt. In dieser Zeit haben wir eine offene Sprechstunde und man kann uns ohne Termin aufsuchen.<br />
Selbstverständlich ist es auch weiterhin möglich, außerhalb der Öffnungszeiten einen Beratungstermin zu vereinbaren.<br />
Des Weiteren ist unser Büro in Wesel dienstags von 14 – 17 Uhr und donnerstags von 9 – 12 Uhr besetzt, so<br />
dass von montags bis freitags die Möglichkeit zur persönlichen unterminierten Beratung besteht.
Zur qualitativen Verbesserung der Begleitungsarbeit nahm ein hauptamtlicher Mitarbeiter aus dem Begleitungsbereich<br />
an den Treffen des auf Landesebene stattfindenden Arbeitskreises Sozialberatung teil. Bei diesem Arbeitskreis<br />
handelt es sich um ein wichtiges Fort- und Weiterbildungsangebot, da hier MitarbeiterInnen aus unterschiedlichen<br />
AIDS-Hilfen zur Reflektion ihrer Arbeit zusammen treffen. Des Weiteren dient das Treffen dem Erfahrungsaustausch<br />
und es gibt die Möglichkeit zur Fallbesprechung.<br />
3.1. Einzelbegleitung<br />
Die Einzelbegleitung wird von drei hauptamtlichen MitarbeiterInnen mit unterschiedlichem Zeitanteil ihrer Vollzeitstellen<br />
neben ihren anderen Aufgabenbereichen durchgeführt. In der Begleitungsarbeit bieten wir Beratungen zu Nebenwirkungen<br />
der Medikamente, zu Partnerschaftskonflikten, sozialrechtlichen und finanziellen Problemen an. Bei<br />
weiter gehenden und komplexeren Problematiken stellen wir Kontakt zu entsprechenden Beratungsstellen her (wie<br />
zum Beispiel Schuldnerberatung). Immer häufiger gilt es, finanzielle Engpässe bei der Zuzahlung zu Medikamenten<br />
und Praxisgebühr zu überbrücken, bis die Zuzahlungsgrenze erreicht ist und die Befreiungskarte ausgestellt werden<br />
kann. Bei Menschen mit Migrationshintergrund stellt die Passverlängerung ein großes finanzielles und logistisches<br />
Problem dar, für die sich keiner zuständig fühlt. Die Gebühren sind exorbitant hoch und meistens müssen die Pässe<br />
bei der Botschaft persönlich abgeholt werden, welches wiederum hohe Fahrtkosten verursacht.<br />
Bei finanziellen Problemen halfen wir mit unserem Positivenfond, bei größeren Beträgen stellten wir Anträge an die<br />
Deutsche AIDS-Stiftung, soweit die Antragshintergründe die Kriterien der Stiftung erfüllen. Die Bearbeitungszeiten<br />
haben sich aufgrund von Personaleinsparungen bei der Deutschen AIDS-Stiftung jedoch auf ca. 8 – 10 Wochen je<br />
Antrag ausgeweitet.<br />
Im Berichtsjahr verstarb eine unserer Begleiteten, die aufgrund ihrer persönlichen Situation für sich den Freitod gewählt<br />
hat.<br />
Insgesamt begleiteten wir 196 Personen einschließlich der im Knast begleiteten Personen.<br />
Intensive Begleitung bedeutet mindestens 1 Kontakt pro Woche, welches aber auch bis zu täglichem Kontakt beinhalten<br />
kann. Intensiv bedeutet aber auch, einmaliger monatlicher Kontakt mit anschließendem hohem Regelungsbedarf.<br />
In der Rubrik „Regelmäßig“ erfassen wir Begleitete mit mindestens einmal monatlichem Kontakt und „Sporadisch“<br />
einmal jährlichen Beratungskontakt.<br />
Im Berichtsjahr wird weiterhin eine Betroffene durch einen ehrenamtlichen Mitarbeiter begleitet.<br />
Die übrigen werden durch das hauptamtliche Team versorgt und halten sich auf stabilem Niveau.<br />
23
Beratung<br />
3.2. Begleitergruppe<br />
Wie im vorherigen Abschnitt schon erwähnt, wird derzeit nur noch eine Person ehrenamtlich begleitet. Es bestand im<br />
Berichtsjahr jedoch der Wunsch, dass sich der ehrenamtliche Begleiter und die „Ehemaligen“ mit dem hauptamtlichen<br />
Mitarbeiter regelmäßig treffen. Diese Treffen fanden im Berichtsjahr viermal statt und dienten zum einen zum Austausch<br />
und zur Reflektion über die bestehende Begleitung und zum anderen zum Informationsaustausch über die<br />
AIDS-Hilfe, da die zwei „Ehemaligen“ nur noch lose Kontakt zur AIDS-Hilfe haben.<br />
Die Aufgabe der ehrenamtlichen Begleitung bestand überwiegend darin, als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen.<br />
Dies kann auch zu ungewöhnlichen Uhrzeiten der Fall sein, wobei der ehrenamtliche Mitarbeiter für sich entscheiden<br />
muss, in welchem Zeitrahmen er dies zulässt.<br />
Da alle ehrenamtlichen BegleiterInnen berufstätig sind, müssen Fahrten zu Ärzten und Ämtern durch die AIDS-Hilfe<br />
(Zivildienstleistender oder letztendlich auch durch hauptamtliche Mitarbeiter) durchgeführt werden.<br />
Für den Einsatz der ehrenamtlichen BegleiterInnen möchten wir uns herzlich bedanken.<br />
3.3. Positivenfond<br />
Der Positivenfond wird von der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. mit dem Ziel verwaltet, HIV-positive / an AIDS-<br />
Erkrankte Menschen in finanziellen Notlagen zu unterstützen.<br />
Die Verteilung der Fondgelder übernahm im Berichtsjahr 2010 ein Gremium, das aus zwei HIV-positiven Menschen,<br />
einem Ehrenamtler aus dem Begleitungsbereich und einem Hauptamtler besteht. Diese Zusammensetzung schafft<br />
innerhalb des Gremiums eine Perspektivenvielfalt, die für die Entscheidungsfindung bei Anträgen bereichernd ist.<br />
Mindestens drei Personen dieses Gremiums entscheiden mit einfacher Mehrheit über außergewöhnliche und rückzahlbare<br />
Zuwendungen. Die Soforthilfe wird primär von den drei im Begleitungsbereich tätigen hauptamtlichen Mitarbeitern<br />
ausgezahlt. In die Entscheidungsfindung fließt zum einen die finanzielle Situation des Antragsstellers ein und<br />
zum anderen die Gründe für sein spezielles Anliegen. Die Verwaltung des Fonds obliegt einem hauptamtlichen Mitarbeiter.<br />
Wie in den Vorjahren stellte der Vorstand aus Spendengeldern insgesamt eine Summe in Höhe von 3.850 € zur Verfügung.<br />
Unser besonderer Dank gilt allen Spendern, die uns damit diese Form der Hilfe in diesem Umfang ermöglicht<br />
haben. Die Summe wurde im Berichtsjahr nicht ausgeschöpft.<br />
Bei einem Krankhausaufenthalt ist die Beantragung für die dort anfallenden „Telefonkosten“ möglich, wenn diese<br />
nicht selbst übernommen werden können. Hierdurch soll der Kontakt nach außen aufrechterhalten und die Möglichkeit<br />
gegeben werden, sich bei Schwierigkeiten mit jemandem zu bereden. Da es nur wenige stationäre Aufenthalte<br />
gab und die Begleiteten zumeist über Handy erreichbar sind, fielen im Berichtsjahr in diesem Bereich wiederum keine<br />
Ausgaben an.<br />
Für den Bereich „Knast“ haben wir in 2010 230,45 € für sogenannte Knastpakete aufgewandt. Da diese nicht mehr<br />
über die Deutsche AIDS-Stiftung finanziert werden, werden diese zurzeit vom Positivenfond getragen. Die Summe<br />
hat sich im Vergleich zum Vorjahr halbiert.<br />
Der Bereich „Soforthilfe“ lag mit 1.850 € ungefähr gleichauf mit den Ausgaben in diesem Bereich im Jahr 2009, und<br />
stellt weiterhin den höchsten Ausgabenposten des Positivenfonds dar. Bei der Soforthilfe handelt es sich um eine<br />
finanzielle Hilfe am Ende des Monats, um Engpässe zu überbrücken. Diese Hilfe wird gewährt, wenn sich die Einkünfte<br />
auf dem Niveau des Arbeitslosengeldes II belaufen. Die Soforthilfe wurde im Durchschnitt von den Personen,<br />
die die Kriterien des Positivenfond erfüllen in der Regel fünfmal jährlich in Anspruch genommen.
Die „Außergewöhnlichen Zuwendungen“ erhöhten sich im Berichtsjahr von 627 € auf 843 € um ein Drittel. Außergewöhnliche<br />
Zuwendungen werden für den Ausgleich von Stromschulden, Telefonrechnungen, Zuschüsse zum<br />
Zahnersatz, Unterstützung zur Erlangung der Befreiungskarte für Zuzahlungen bei Medikamenten und Praxisgebühr<br />
und anderes gewährt.<br />
„Rückzahlbare Zuwendungen“ sind für Ausgaben gedacht, die die Begleiteten dringend benötigen, für die sie aber<br />
aktuell kein Geld haben. Das gewährte Darlehen muss in angemessenen Raten zurückgezahlt werden. Um den Begleiteten<br />
dies zu ermöglichen und das Begleitungsverhältnis durch offene Beträge nicht zu belasten, muss der Einkommenssatz<br />
bei diesen Zuwendungen die Sozialhilfe bzw. das Arbeitslosengeld II übersteigen.<br />
Die rückzahlbaren Zuwendungen sind im Berichtsjahr von 152 € auf 326 € angestiegen. Hier wurde auch der Wunsch<br />
der Begleiteten berücksichtigt, die zunächst einmal eine Rückzahlung leisten wollen.<br />
Rückzahlbare Zuwendungen wurden in den meisten Fällen für Zuzahlungen für Medikamente und Praxisgebühr gewährt,<br />
damit der Betroffene direkt seine Befreiungskarte erhält und die Rückzahlung an die AIDS-Hilfe vornehmen<br />
kann. Mit der Befreiungskarte ist ein regelmäßiger Arztbesuch und regelmäßiger Medikamentenbezug möglich.<br />
Die „Einnahmen“ (s. Abb. u.) des Positivenfonds resultieren aus den Rückzahlungen der rückzahlbaren Zuwendungen.<br />
Da die Darlehen nicht unbedingt in dem Jahr der Auszahlung zurückgezahlt werden, kommt es zu Differenzen in<br />
den Bereichen Auszahlung und Einnahme.<br />
Auch im Berichtsjahr konnten wir durch Anträge bei der Deutschen AIDS-Stiftung unseren Begleiteten mit größeren<br />
Beträgen aushelfen. Hier besteht weiterhin eine gute Zusammenarbeit, für die wir uns recht herzlich bedanken.<br />
Telef. Knast Sorforth. Außergew. Z. Rückz. Z. Einnahmen Summe<br />
2010 0,00 € 230,45 € 1.850,59 € 843,64 € 326,07 € 168,00 € 3.250,75 €<br />
2009 0,00 € 464,74 € 1.818,60 € 627,07 € 152,00 € 262,98 € 3.062,41 €<br />
25
Beratung<br />
3.4. Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern<br />
Die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern bleibt für unsere AIDS-Hilfe wichtig. Im Einzelnen handelt es sich um<br />
folgende Partner:<br />
HIV-Schwerpunktpraxen<br />
Die Zusammenarbeit mit den beiden in Duisburg offiziell auf HIV spezialisierten Schwerpunktpraxen wurde 2010<br />
problemlos fortgesetzt. Unklarheiten und Fragen können auf kurzem Weg geklärt werden. Regelmäßig haben wir<br />
Austauschgespräche mit dem Gesundheitsamt Duisburg, dem Gesundheitsamt des Kreises Wesel, der AIDS-Hilfe<br />
Oberhausen und den beiden Schwerpunktärzten. Es ist für uns eine Möglichkeit, die Arbeit der AIDS-Hilfe vorzustellen<br />
und transparent zu machen. Unter anderem war auch Teil dieses Gespräches der Rück- und Ausblick auf das<br />
Fachgespräch mit den beiden Schwerpunktärzten.<br />
Krankenhäuser<br />
Bei Krankenhausaufenthalten in Bezug auf HIV/AIDS werden unsere Begleiteten in die umliegenden Uni-Kliniken<br />
Essen, Bochum und Düsseldorf eingewiesen. Insbesondere zur Uniklinik Essen bestehen gute Kontakte zu dem medizinischen<br />
und auch zum sozialarbeiterischen Personal. In Duisburg hat sich bezüglich der stationären Versorgung<br />
aufgrund weiterhin geringer Fälle keine Veränderung ergeben.<br />
Pflegedienste<br />
Die Kooperation mit den Pflegediensten, mit denen wir bisher zusammen gearbeitet haben, wurde erfolgreich fortgeführt.<br />
Hospize<br />
Im Berichtsjahr wurde von unseren Begleiteten kein Hospiz in Anspruch genommen, jedoch besteht von unserer Seite<br />
Kontakt zur Hospizbewegung.<br />
Anwaltspraxen<br />
Die Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten läuft im migrationsrechtlichen Bereich - soweit von Nöten - ohne Probleme.<br />
Ambulant Betreutes Wohnen<br />
Hier arbeiten wir mit örtlichen Anbietern zusammen und für zukünftige Fälle ist eine Zusammenarbeit mit der AIDS-<br />
Hilfe Essen vereinbart.<br />
3.5 Angebote für HIV-Positive und an AIDS-Erkrankte<br />
Im Berichtsjahr wurde im Rahmen des Solidar-Erleben-Ansatzes die Kochgruppe fortgeführt. Die Kochgruppe ist ein<br />
monatliches Angebot, bei dem HIV-Positive und ehrenamtliche MitarbeiterInnen zusammen kommen, um Abwechslung<br />
in den Alltag zu bringen. Gleichzeitig bietet sich hier ein Raum zum Austausch von Sorgen und Nöten. Seit 2009<br />
hat der Vorstand die Kochgruppe mit einem Budget ausgestattet, so dass die TeilnehmerInnen keinen Eigenanteil<br />
entrichten mussten. An der Kochgruppe nehmen im Durchschnitt 5 – 7 Personen teil.<br />
Seit Anfang 2007 trifft sich regelmäßig einmal monatlich eine Positivengruppe. Zugang haben die unterschiedlichen<br />
sexuellen Präferenzen, auch der Ansteckungsweg spielt keine Rolle. Es ist eine sehr bunt gemischte Gruppe, welche<br />
in Selbsthilfe eigenständig durchgeführt wird.<br />
Frauenspezifische Angebote wurden wie in den Vorjahren in Kooperation mit den benachbarten AIDS-Hilfen angebo-
ten. Im Berichtsjahr wurde auch das Angebot einer Frauengruppe eingerichtet. Diese erfreut sich großer Beliebtheit<br />
und wachsendem Zuspruch. Hierbei gilt es besonders zu erwähnen, dass es hier eine Kooperation mit den niedergelassenen<br />
HIV-Schwerpunktpraxen gibt und die AIDS-Hilfe mit diesem Angebot HIV-positive Frauen erreicht, die bisher<br />
keinen Zugang zur AIDS-Hilfe hatten. Weitere Einzelheiten werden in Kapitel 5.4 näher beschrieben.<br />
Unser traditionelles Mittwochs-Café ist weiterhin das best besuchte Angebot. Dieses ist ein beliebter Treffpunkt zwischen<br />
HIV-Infizierten / an AIDS Erkrankten, ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und der AIDS-Hilfe Sympathie entgegenbringender<br />
Menschen. Darüber hinaus ist dieses Café eine erste Anlaufstelle für an ehrenamtlicher Arbeit Interessierte.<br />
Auch Bewerbern für den Zivildienst bietet es eine Plattform fürs Kennen lernen der AIDS-Hilfe.<br />
Das Café haben wir mit Aufbackkuchen,<br />
eigenen Backwerken und<br />
Spenden der Duisburger Tafel<br />
bzw. Bürger für Bürger bestückt.<br />
Im Café ist ein Austausch zwischen<br />
Betroffenen, hauptamtlichen<br />
und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen<br />
möglich. Hier kann<br />
man sich auch über Neuigkeiten<br />
in der AIDS-Hilfe informieren und<br />
die Angebote an Infotafel zur<br />
Kenntnis nehmen. Zum einen ist<br />
es eine willkommene Abwechselung<br />
für die Betroffenen, zum anderen<br />
ist er das Treffen in der<br />
„Wahl-Familie“.<br />
Weiterhin fährt eine ehrenamtliche Mitarbeiterin jeweils vor dem Café bei Bürger für Bürger vorbei und holt dort Lebensmittel,<br />
die dann im Mittwochs-Café verteilt werden.<br />
Da der Besucherstrom schon um 15 Uhr für das Café startete, wurden die Öffnungszeiten des Cafe´s im Jahr 2010<br />
auf 15 bis 18 Uhr geändert. Es wird von durchschnittlich ca. 12 - 20 Personen besucht. Vorbereitet wird es – soweit<br />
vorhanden - überwiegend von dem Zivildienstleistenden und einem ehrenamtlichen Mitarbeiter. Während der Café-<br />
Zeit ist immer ein hauptamtlicher Ansprechpartner präsent, da diese Treffen von vielen Betroffenen dazu genutzt werden,<br />
Anliegen an die BeraterInnen und BegleiterInnen heranzutragen. Über die Cafézeit hinaus hat die AIDS-Hilfe<br />
mittwochs bis 19 Uhr für persönliche und telefonische Beratung geöffnet.<br />
27
Beratung<br />
Unsere traditionelle Weihnachtsfeier fand Heiligabend wie im Vorjahr in der Uhrzeit von 15.30 bis 20 Uhr statt.<br />
Die Weihnachtsfeier wurde letztendlich von 22 TeilnehmerInnen besucht und fand wieder in den Räumen von SHAlk<br />
statt, denen wir für die Überlassung der Räumlichkeiten recht herzlichen Dank sagen. Die geringe Teilnehmerzahl ist<br />
auf die extremen Wetterbedingungen am Heiligabend zurückzuführen. Durch starken Schneefall war der öffentliche<br />
Personennahverkehr eingestellt und es war weiterhin schwierig, ein Taxi zu bekommen. Die Weihnachtsfeier konnte<br />
über Spenden in Höhe von 2.400 € der Kirchen aufgrund eines Mailings und Einzelspenden ausgerichtet werden.<br />
Wie in den Vorjahren konnten wir ein festliches Menü anbieten und Weihnachtstüten mit Süßigkeiten, Obst, Kaffee<br />
und Tabak verteilen. Die Vorbereitung und die Durchführung der Weihnachtsfeier liegt schwerpunktmäßig in ehrenamtlicher<br />
Hand, von hauptamtlichen Mitarbeitern gab es einen Ansprechpartner, der auch bei der Weihnachtsfeier<br />
selbst anwesend war und für Rückfragen bei Unklarheiten zur Verfügung stand.<br />
Auch im Berichtsjahr gab es wieder eine Positivenfreizeit. Die diesjährige Freizeit führte vom 24.09. bis 01.10.2010<br />
in die Ferienanlage Schloss Dankern, in Haren an der Ems. Die geringe Teilnehmerzahl von sechs Personen ist auf<br />
langwierige Erkrankungen zurück zu führen, die es 2 Teilnehmern unmöglich machte, mit zu fahren. Andere Teilnehmer<br />
aus den vergangenen Jahren hatten für dies Jahr andere Pläne.<br />
Das angemietete Haus lag am Rand der sehr großen Ferienanlage und war ideal für die Gruppe, die aus vier Männern<br />
und zwei Frauen bestand.<br />
Bewährt hat sich hier durch gemeinsame Unternehmungen und Aktivitäten im vertrauensvollen Gespräch Probleme<br />
anzusprechen, sich mit anderen auszutauschen und Lösungsmöglichkeiten kennen zu lernen. Des weiteren ist für die<br />
Gruppe das gemeinsame Kochen und Essen wichtig, da zuhause aufgrund des Alleinseins dieses meistens zu kurz<br />
kommt.
3.6 Trauerarbeit<br />
Im Berichtsjahr ist eine der von uns Begleiteten verstorben. Diese hatte sich für den Freitod entschieden, welches<br />
uns alle tief berührt hat. Des Weiteren mussten wir von der Mutter unseres Vorstandsvorsitzenden, die regelmäßig<br />
unser Mittwochs-Café und weitere Angebote der AIDS-Hilfe aufsuchte und damit sehr präsent war, und von Klaus<br />
Blaumeiser, einem langjährigen JES-Aktivisten und ehemaligen Mitarbeiter Abschied nehmen.<br />
Wir gedenken der Verstorbenen in der Mitgliederversammlung und mit unserer Trauerecke, die sich im Café befindet.<br />
Hier befinden sich unser Trauerbuch und weitere Informationen zu Verstorbenen.<br />
29
Öffentlichkeitsarbeit<br />
4. Öffentlichkeitsarbeit<br />
„Positiv zusammen leben. Aber sicher!“ – das ist die neue, alte Botschaft, die unsere Öffentlichkeitsarbeit von Beginn<br />
an prägt (vgl. 1.).<br />
Und es gibt mehr Anlass als je zuvor, dass diese Botschaft gesellschaftlich-flächendeckend ankommt und gelebt<br />
wird, denn immer mehr Menschen mit HIV und AIDS leben in unserer Gesellschaft – und leben länger in unserer Mitte.<br />
„Menschen mit HIV und AIDS können heute bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung oft mit einer fast normalen<br />
Lebenserwartung rechnen. In den Medien werden HIV-Positive aber häufig auf ihre Infektion reduziert und nicht als<br />
Menschen mit einer Krankheit gesehen. Wer HIV hat oder erkrankt ist, fühlt sich oft sozial isoliert und wagt vielleicht<br />
nicht, mit anderen darüber zu sprechen. Hinzu kommt: Wohl kaum eine Krankheit ist so eng mit Tabuthemen verknüpft<br />
wie eine HIV-Infektion und AIDS. Unbewusst oder bewusst schieben viele den Betroffenen die Schuld an ihrer<br />
Situation zu. Verantwortung für den Schutz vor HIV tragen beim Sex aber beide Partner. (…)<br />
Wir alle können dazu beitragen, dass Isolation und Stigmatisierung von Menschen mit HIV abgebaut werden: indem<br />
wir Betroffenen unvoreingenommen begegnen und ihnen so erleichtern, offen und verantwortungsvoll mit ihrer Infektion<br />
oder Krankheit umzugehen.“ (Broschüre zur Welt-AIDS-Tag`s-Kampagne 2010, hrsgg. von der Bundeszentrale für gesundheitliche<br />
Aufklärung, BZgA, im Auftrag vom Bundesministerium für Gesundheit, BMG, in Partnerschaft mit der Deutschen AIDS-<br />
Hilfe und der Deutschen AIDS-Stiftung, S.3)<br />
Dies zu ermöglichen ist nicht mehr nur ein gesellschaftspolitisches Anliegen, sondern ist mehr denn je auch ein ungemein<br />
wichtiger Pfeil im Köcher der Primärprävention. Denn eines bleibt: Nur wer sich schätzt und von seinem sozialen<br />
Umfeld angenommen wird, legt wirklich Wert auf den Selbstschutz und den seiner Mitmenschen. Die Erkenntnis
ist nicht neu und deshalb hat die AIDS-Hilfe mit ihrem Ansatz der strukturellen Prävention schon immer im Kontext<br />
einer über reine Prävention hinausgehenden Gesundheitsförderung agiert. Nicht zuletzt, um dies auch unseren Kunden<br />
transparent zu machen, haben wir uns 2009 ja den Zusatz „Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung“ gegeben<br />
(vgl. Jahresbericht 2009).<br />
Die offene Kommunikation benötigt ein adäquates soziales Klima und sie braucht gewissermaßen den Geist der Aufklärung.<br />
Wer informiert ist, ist –nicht nur- beim Thema HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten klar im<br />
Vorteil – hinsichtlich des Umganges mit Menschen mit HIV, aber eben auch hinsichtlich des Schutzes vor einer Infektion<br />
und ihren Folgen.<br />
Auch wenn ein positives Testergebnis heute und hierzulande dank der modernen Therapiemöglichkeiten kein mittelbares<br />
Todesurteil mehr ist, so erleben es viele doch zurecht als ganz tiefen Einschnitt ins Leben mit all seinen Facetten<br />
– eben nicht nur physisch-gesundheitlichen Seiten.<br />
„Das Leben mit HIV ist keine Party!“ (ein zentraler Satz der diesjährigen WAT-Kampagne). Auch wenn die Lebenserwartung<br />
erheblich gestiegen ist, geht dieses Mehr an Jahren keineswegs immer einher mit einer guten Lebensqualität.<br />
Es bleiben eine ganze Reihe von Einschränkungen, welche leicht dazu führen können, dass Betroffene die Erwartungen<br />
des sozialen und beruflichen „Funktionierens“ nicht mehr erfüllen können. Es drohen der Verlust des Arbeitsplatzes,<br />
Armut und Isolation. Die Folgen davon belasten nicht nur die Betroffenen selbst, sondern eben auch die<br />
sozialen Sicherungssysteme und diejenigen Einrichtungen, die Leistungen für eine existentielle Grundversorgung<br />
übernehmen, wie etwa auch die AIDS-Hilfen.<br />
Aus unserer Sicht wird es daher endlich Zeit für einen grundlegenden gesellschafts- und gesundheitspolitischen Paradigmenwechsel<br />
– eine konsequente Ausrichtung auf einen salutogenetischen Ansatz. Hier ist der Gesetzgeber gefordert.<br />
Die ehemalige Staatssekretärin und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Frau Marion Caspers-Merk, hat<br />
diese Forderung prägnant formuliert und untermauert:<br />
„Prävention und Gesundheitsförderung müssen dringend zu einer vollwertigen Säule unseres Gesundheitssystems<br />
ausgebaut werden – gleichberechtigt neben der Behandlung von Krankheiten (… Kuration …) sowie der Rehabilitation<br />
und Pflege.“ (in: Gesundheit braucht Initiative, Verbandsschrift des PARITÄTISCHEN 01/2011, S. 6).<br />
Und dass Prävention wirkt, haben wir beschrieben und belegt (vgl. 1.). Das Verhältnis bei der Finanzierung zwischen<br />
Kuration (Pathogenetische Ausrichtung) und Prävention/Gesundheitsförderung weist allerdings ein krasses Gefälle<br />
aus. „Pro Jahr und Versichertem wenden die Krankenkassen durchschnittlich ca. 3.000 Euro für die medizinische<br />
Behandlung auf. Für Prävention und Gesundheitsförderung sind es nicht einmal fünf Euro“, so Caspers-Merk (ebd.).<br />
Und bei der genaueren Analyse, wen diese Ausgaben erreichen, ist zu konstatieren, dass Zielgruppen, die es besonders<br />
nötig hätten, dabei kaum erreicht werden. Bei –höchst sinnvollen- Angeboten wie Yoga, Rückenschulen, Fitness<br />
oder Walking sind berufstätige Männer, alleinerziehende, ökonomisch schwache Frauen, Suchtbelastete, Menschen<br />
mit anderen Formen sozialer Benachteiligung, solche mit Migrationshintergrund oder gar Menschen ohne Papiere<br />
eher selten vertreten, beim Infektionsgeschehen dagegen eher häufig. Das hat zur Folge, dass Angebote deutlicher<br />
„lebensweltbezogen“ ausgerichtet werden müssten – oder, wie wir es von Beginn an formulieren: zielgruppenspezifisch,<br />
niedrigschwellig, akzeptanzorientiert, aufsuchend, etc.<br />
Wir betrachten es als die Kernaufgabe der Öffentlichkeitsarbeit von AIDS-Hilfe als Selbsthilfe-, Interessen- und Fachverband,<br />
die Bevölkerung und auch die Beteiligten im Gesundheitswesen seriös, differenziert und bestmöglich über<br />
die aktuellen Entwicklungen im Kontext von (sexueller) Gesundheitsförderung zu informieren.<br />
Diese Aufgabe wird allerdings immer schwerer, denn die Materie wird mit zunehmenden Erkenntnisgewinnen zum<br />
Virus, seinen Infektionswegen, zum Immunsystem und zu den Therapieoptionen immer komplexer und in bestimmten<br />
Szenen oder/und Settings ist das Spektrum der Präventionsbotschaften gewiss weiter und differenzierter zu gestalten<br />
als es die hinlänglichen Safer Sex-Botschaften bisher hergeben.<br />
31
Öffentlichkeitsarbeit<br />
Die strukturelle HIV-Prävention wird immer komplexer. Die Präventionsbotschaften sind immer mehr zu differenzieren<br />
und zum Teil zu individualisieren. Wenn wir heute erkennen, dass das Infektionsrisiko, das von einem HIV-Infizierten<br />
unter stabiler antiretroviraler Therapie (sART) ausgeht, „sich in der Größenordnung unserer normalen Lebensrisiken<br />
wie z.B. dem Besteigen eines Flugzeuges“ (Schweizerische Ärztezeitung, 2008; 98:5, S. 163) bewegt, dann ist es<br />
richtig und wichtig, HIV-positive Menschen davon zu unterrichten, denn dann ist die häufig tief verwurzelte Angst, andere<br />
zu infizieren, sehr zu relativieren. Diese Erkenntnis hat enorme Chancen zur Folge, denn sie kann zu einer erheblichen<br />
Verbesserung der Lebensqualität von HIV-Infizierten und der von HIV-Betroffenen führen.<br />
Inwieweit diese Erkenntnisse auch offensiv in die Allgemeinbevölkerung getragen werden sollten, ist weiterhin sehr<br />
umstritten, denn sie bergen durchaus das Risiko, die Präventionserfolge zu gefährden. Die antiretrovirale Therapie<br />
als Instrument im Köcher der Primärprävention ist aber eindeutig als Zugewinn zu betrachten.<br />
Im Zuge dieser noch relativ jungen Errungenschaften muss die Förderung der Testbereitschaft ein immer stärkeres<br />
Anliegen der Präventionsarbeit werden.<br />
Dies spiegelt sich in der Fachwelt vielfach wieder, so auch im Aktionsplan gegen HIV und AIDS der Europäischen<br />
Kommission für die Jahre 2009 – 2013 und so auch bei einem deutschen Expertenworkshop zur HIV-Testung, der im<br />
Oktober 2009 auf Einladung des Gemeinsamen Wissenschaftlichen Beirates des BMG und der Deutschen AIDS-<br />
Gesellschaft (DAIG) stattfand und dessen Ergebnisse wir an dieser Stelle noch einmal im Überblick wiederholen wollen,<br />
weil sie unsere Haltung und Arbeitsansätze sehr gut wiedergeben:<br />
„1. Ein allgemeines HIV-Screening in medizinischen Einrichtungen in Deutschland ist angesichts der vergleichsweise<br />
niedrigen HIV-Prävalenz in der Gesamtbevölkerung weder sinnvoll noch wünschenswert.<br />
2. Eine gezielte Vermehrung von Angeboten zur freiwilligen Testung auf HIV verknüpft mit einer qualifizierten Beratung<br />
ist erwünscht und notwendig. Die Durchführung der HIV-Testung ist dabei kein eigenständiges Ziel, sondern Teil<br />
einer HIV/AIDS Gesamtstrategie, die auch präventive, gesundheitsfördernde und kurative Maßnahmen einschließt.<br />
(…) Anonyme und kostenlose Testangebote können die Akzeptanz eines Testangebotes erhöhen. (…) Zielgruppenspezifische<br />
Testermutigung und möglichst niedrigschwellige Testangebote sollen gestärkt und weiter ausgebaut werden.<br />
(…) Insbesondere muss sichergestellt sein, dass alle Personen, bei denen eine HIV-Infektion diagnostiziert wird,<br />
einen ausreichenden Zugang zum medizinischen Versorgungssystem in Deutschland erhalten – auch Personen ohne<br />
gesicherten Aufenthaltsstatus und Krankenversicherungsschutz sowie Inhaftierte. Dies erfordert unter anderem eine<br />
engere Zusammenarbeit zwischen dem medizinischen Versorgungssystem, dem öffentlichen Gesundheitsdienst und<br />
Nichtregierungsorganisationen.<br />
HIV-Testung muss grundsätzlich freiwillig und mit informiertem Einverständnis der Getesteten erfolgen. Die Testung<br />
muss begleitet sein von einer den konkreten Umständen angepassten Beratung vor dem Test und einer ausführlichen<br />
Beratung zum Testergebnis nach dem Test. (…) Zur Testberatung gehört auch, die Notwendigkeit wiederholter<br />
Testung bei Fortbestehen von Infektionsrisiken anzusprechen. Etwa die Hälfte der neu mit HIV diagnostizierten Personen<br />
in Deutschland hat sich vor der HIV-Diagnose bereits mindestens einmal mit negativem Ergebnis auf HIV testen<br />
lassen.<br />
3. Möglichkeiten ärztlich initiierter Testung sollten stärker als bisher genutzt werden. Dies erfordert folgende Maßnahmen<br />
und Strukturen:<br />
- Anlässlich der Untersuchung auf andere sexuell übertragbare Erkrankungen sollte die Frage eines HIV-Testes regelmäßiger<br />
als bisher üblich angesprochen werden.<br />
– Niedrigschwellige STI-Test- und Beratungsangebote sollten ausgebaut werden und ihr Angebot sollte sich vor allem<br />
an besonders betroffene Gruppen richten, für die Zugangsbarrieren zum regulären Versorgungssystem bestehen (…)<br />
4. Diskriminierung und soziale Ausgrenzung von HIV-Infizierten wirken sich demotivierend auf die HIV Testbereitschaft<br />
von gefährdeten Personen und Personengruppen aus.<br />
Zwar ist beim Abbau von Diskriminierung HIV-Infizierter in Deutschland schon viel erreicht worden, weitere Anstrengungen<br />
sind aber notwendig. Sowohl innerhalb betroffener Bevölkerungsgruppen als auch im medizinischen Versorgungssystem,<br />
beim Kontakt mit Behörden, am Arbeitsplatz und im sozialen Umfeld erfahren auch heute noch in<br />
Deutschland viele HIV-Infizierte bei der Offenlegung ihrer Infektion Diskriminierung und Ausgrenzung.“<br />
(Dr. U. Marcus u. Dr. O. Hamuda, Späte HIV-Diagnose und später Behandlungsbeginn in Deutschland, in HIV&more,
4/2009, S.62)<br />
Letzteres hat uns im Berichtsjahr insbesondere der erneute mediale Hype um die Urteilsfindung und –verkündung im<br />
„Fall Nadja B.“ wieder einmal sehr deutlich vor Augen geführt (s. 1.).<br />
Der `präventive Spagat´ zwischen Entdiskriminierungsarbeit im Umgang mit HIV-positiven und an AIDS erkrankten<br />
Menschen und der Mahnung vor einer keineswegs „normalen chronischen Erkrankung“, die noch dazu letztlich immer<br />
noch tödlich ist, bleibt eine große Herausforderung für die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit.<br />
Und angesichts der skizzierten vielfältigen Veränderungen sind wir stetig gefordert, unsere Arbeitsweisen zu überdenken<br />
und hier und da zu reformieren.<br />
„HIV-Prävention kann nur in einer Gesellschaft erfolgreich sein, in der Menschen mit HIV und ihre Partner mit ihren<br />
besonderen Bedürfnissen und Ängsten akzeptiert und unterstützt werden“ (Stellungnahme der Deutschen AIDS-<br />
Gesellschaft, DAIG, zur Frage der Infektiosität von Patienten unter HIV-Therapie vom 23.04.2009).<br />
Der Ansatz, allein auf individuelle Verhaltensänderung zu setzen, reicht nicht aus. Auch die Verhältnisse, in denen<br />
Menschen leben, müssen lebenswert und so gestaltet sein, dass Menschen sich darin angenommen fühlen können.<br />
Hier sind alle gesellschaftlichen Gruppen weiter gefordert.<br />
„Positiv zusammen leben. Aber sicher!“. Das deutsche Welt-AIDS-Tags-Motto des Jahres 2010 setzte insofern das<br />
Thema „Solidarität“ konsequenter in den Mittelpunkt als je zuvor (s.o).<br />
Wir haben eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung auch und gerade gegenüber den Schwächeren in unserer<br />
Leistungsgesellschaft. Nicht nur im HIV-Infektionsgeschehen sind Menschen überproportional vertreten, die ökonomisch,<br />
bildungsmäßig und sozial benachteiligt sind. Somit bleibt AIDS-Präventionsarbeit zu einem großen Teil weiterhin<br />
Arbeit in gesellschaftlichen Konfliktbereichen. Es geht weiter um Aspekte von sozialer Diskriminierung von Homound<br />
Bisexuellen, um die Kriminalisierung von Drogengebraucher/innen, um die Ausgrenzung von Menschen mit Migrationshintergrund,<br />
um Marginalisierungstendenzen von Prostituierten und Menschen in Haft und um die Defizite in<br />
der Um- und Durchsetzung von (sexuellen -) Selbstbestimmungsrechten von Frauen in besonderen Lebenslagen.<br />
Von besonderer Bedeutung ist dabei die konsequente Einbeziehung und Thematisierung anderer sexuell übertragbarer<br />
Infektionen (STI`s, wie Syphilis, Chlamydien u.a.), da diese eine zunehmende Relevanz für die HIV-Inzidenzen<br />
besitzen (vgl. 1.).<br />
Während wir nach 25 Jahren AIDS-Prävention sicherlich behaupten können, dass das Aufklärungsniveau bezüglich<br />
HIV/AIDS in der deutschen Bevölkerung vergleichsweise gut ist, gilt dies hinsichtlich der STI`s in keinster Weise. Hier<br />
muss ein Schwerpunkt in der künftigen Präventionsarbeit gesetzt werden.<br />
Erfreulicherweise sind Anfragen nach den Angeboten unserer AIDS-Hilfe in allen Arbeitsbereichen stabil hoch. Das<br />
spezifische Know-how, die Vermittlungskompetenzen unserer ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen und die<br />
Flexibilität eines kleinen, freien Trägers in der Wohlfahrtspflege werden offensichtlich sehr geschätzt. Das zeigen uns<br />
die vielen positiven Rückmeldungen, die aus sehr unterschiedlichen Gruppierungen kommen.<br />
Es ist von großer Bedeutung, dass die Arbeit und die Haltungen der AIDS-Hilfe(n) als sinnvoll wahrgenommen und<br />
der Diskurs zu Ansätzen, Konzepten und deren Förderung angenommen werden. Dies ist nicht zuletzt auch für die<br />
Arbeit und die Motivation unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen sehr wichtig.<br />
Grundlagen für den Erhalt und die Anpassung unserer Arbeitsqualitäten sind die Qualitätsstandards für die Präventions-<br />
und Öffentlichkeitsarbeit, die Teil unseres Leitbildes (s. www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ) sind.<br />
33
Öffentlichkeitsarbeit<br />
4.1. AG Öffentlichkeitsarbeit<br />
Die mit dem skizzierten Themenspektrum und der entsprechenden Informations- und Aufklärungsarbeit befasste Arbeitsgruppe<br />
trifft sich jeden dritten Donnerstag im Monat um 18.30 Uhr in der AIDS-Hilfe, um Veranstaltungen, Informationsstände<br />
u.a. Aktionen zu konzipieren und zu organisieren. Die Gruppe ist mit stabil acht Mitgliedern besetzt.<br />
Um diesen Kern von Mitarbeiter/innen herum finden sich immer wieder neue Interessent/innen über mehr oder minder<br />
lange Zeiträume. Der Zugang zur Gruppe setzt nicht das Durchlaufen der Grundausbildung für Ehrenamtler/innen<br />
voraus, wie dies für die Bereiche der Beratung und Begleitung zwingend ist. Es kann also jede/r Interessierte unverbindlich<br />
hereinschnuppern.<br />
Ohne das intensive Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen wäre die Menge an Veranstaltungen und Aktionen,<br />
die wir auch im Berichtsjahr wieder durchführen konnten, nicht denkbar. Allen beteiligten Ehrenamtler/innen gilt<br />
dafür unser herzlichster Dank!<br />
Weiterhin suchen wir gerade für das Feld der Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit ehrenamtliche Mitarbeiter/<br />
innen. Wer hier aktiv werden möchte oder Interessenten kennt … nur zu!<br />
Zum Bereich der medialen Außendarstellung gehört die Internet-Homepage der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel<br />
e.V. ( www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ). Ein Medium, das immer mehr an Bedeutung gewinnt und auf die<br />
Schnelle nicht nur Informationen zum Verein und seinen Angeboten bietet, sondern auch zu Beratungszwecken gerne<br />
genutzt wird. Dazu hat sich die Einrichtung einer extra Beratungsseite mit sog. FAQ`s (frequently asked questions<br />
= Häufig gestellte Fragen) bewährt. Dieses Angebot wird gerade von jüngeren Leuten aufgrund der besonderen Anonymität<br />
und der Attraktivität des Mediums für diese `Besucher´ genutzt. Diese Seiten werden regelmäßig evaluiert<br />
und bei Bedarf werden die FAQ`s variiert (Vgl. 2.).<br />
Im Berichtsjahr konnte es nach längerer Vorlaufzeit endlich gelingen, das wichtigste Printmedium, unsere Hausbroschüre,<br />
neu aufzulegen. Mit Hilfe der Grafikdesignerin Britta Plien (s.a. 5.6.) ist uns –so meinen wir- ein attraktiver<br />
Wurf gelungen, dessen Gestaltung nunmehr als Muster für ein neues „corporate design“ dienen soll.
Als weiterer wichtiger Werbeträger dient der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. der Schaukasten im Bus- und S-<br />
Bahntunnel am Duisburger Hauptbahnhof, der im Berichtsjahr wieder mehrmals thematisch neu gestaltet und fortlaufend<br />
aktualisiert wurde. Unserem Gründungs- und inzwischen Ehrenmitglied Wulf Thomas, der diesen Werbe-, Beratungs-<br />
und Ankündigungsträger seit über 20 Jahren pflegt und regelmäßig aktualisiert, gilt ein besonderer Dank.<br />
Schaukasten Duisburg<br />
35
Öffentlichkeitsarbeit<br />
4.2. Veranstaltungen<br />
Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist immer bemüht, ihr Angebot einer breiten Öffentlichkeit transparent zu<br />
machen und nutzt dazu verschiedene Orte und Anlässe. Wie könnte man auf Enttabuisierung, Entdiskriminierung und<br />
Emanzipation ausgelegte Präventionsarbeit leisten, ohne die sog. Allgemeinbevölkerung über den Sinn und Zweck<br />
zielgruppenspezifischer Arbeit zu informieren?<br />
Neben dem sehr breiten Spektrum an inhaltlichen Ausrichtungen (HIV und AIDS, Hepatitiden und andere sexuell<br />
übertragbare Krankheiten, Homosexualität, Drogengebrauch, Frauen/Mädchen und AIDS, Migration und AIDS<br />
u.a.m.) ist es alljährlich aufs Neue schwierig, halbwegs flächendeckend in unserer großen Region Präsenz zu zeigen.<br />
Der Jahresauftakt ist traditionell geprägt durch eine Fülle an Präventionsveranstaltungen im Bereich „Youthwork“ (s.<br />
5.6.) sowie durch intensive Berichts- und Dokumentationsarbeit zum Vorjahr. Darüber hinaus ist im ersten Quartal<br />
auch die Grundlagenausbildung für Ehrenamtliche in der Ruhrgebietsvernetzung platziert, bei der wir mit allen Fachkräften<br />
als Trainer/innen intensiv beteiligt sind (s. 6.)<br />
Im Berichtsjahr haben uns hier auch die Folgen der angespannten Haushaltsberatungen in Duisburg und dem Kreis<br />
Wesel beschäftigt durch die Abfragen nach spezifischen „Fallzahlen“. Der aufwendige Nachweis dazu hat aber gewiss<br />
auch dazu geführt, dass unsere kommunalen Zuwendungsgeber wahrnehmen konnten, wie viel Leistung sie für<br />
vergleichsweise wenig Mittel bekommen. Dieses äußerst günstige Verhältnis dürfte bei anderen Trägern nur schwerlich<br />
zu finden sein – erst recht, wenn man noch das Volumen an ehrenamtlicher Arbeit in die Betrachtungen einbezieht.<br />
Der auch für uns günstige Umstand, zwei kommunale Partner zu haben, führt allerdings an einigen Stellen zu nicht<br />
unerheblichem bürokratischem Mehraufwand, für den es leider keine finanzielle Anerkennung gibt.<br />
Parallel aber liefen natürlich auch die Planungen zur Öffentlichkeitsarbeit an sowie die fachliche Fort- und Weiterbildung,<br />
die angesichts der schon mehrfach beschriebenen Dynamik im Themenfeld unerlässlich ist. Die Teilnahme des<br />
Verfassers an den Münchener-AIDS-Tagen im März hat hier wichtige updates bringen können.<br />
In bewährter Kooperation mit der AIDS-Hilfe Oberhausen gab es die fachliche Einstimmung am 16. Juni mit einem<br />
Fachgespräch zur HIV-Therapie. Unter dem Dauerthema „Älter Werden mit HIV“ haben wir uns dem Schwerpunkt<br />
„HIV und Psyche – Begleiterscheinungen einer HIV-Therapie“ gewidmet. Der Bochumer Psychologe und Psychotherapeut,<br />
Dr. Armin Bader, seit vielen Jahren im HIV-Geschehen tätig, hat uns hier in hervorragender Weise eingestimmt.<br />
Mit Infoständen ging es am 19.06. beim Umweltmarkt Duisburg los, bei dem wir uns inhaltlich auf die Vorstellung der<br />
neuen Kampagne des bundesweiten Aktionsbündnisses gegen AIDS „in 9 Monaten“ konzentrierten. Dabei sollen die<br />
Menschen darauf aufmerksam gemacht werden, dass es heute eigentlich sehr einfach ist, durch den Zugang zu Therapien<br />
die sog. vertikale Transmission von der HIV-positiven Mutter auf ihr Kind zu vermeiden, dies allerdings nur in<br />
recht wenigen privilegierten Regionen dieser Welt umgesetzt werden kann. Babys ohne HIV ist das Ziel, für das<br />
durch Unterschriftensammlungen Druck auf die Regierungsorganisationen der „ersten Welt“ aufgebaut werden soll.<br />
Sie sollte ein Fest werden – und ein Highlight des diesjährigen Präventionsgeschehens – und sie war es auch eine<br />
ganze Zeit lang, bis die Loveparade am 24. Juli zu einer unfassbaren Katastrophe wurde, die uns noch lange verfol-
gen wird. Ich verweise an dieser Stelle auf die Passagen im Geschäftsbericht (1.). Wir wollen allerdings auch die positiven<br />
Momente in Erinnerung behalten und präsentieren dazu ein paar Eindrücke unserer Aktivitäten.<br />
Impressionen von der Loveparade als die Welt noch in Ordnung war<br />
Für das nächste angedachte Duisburger Highlight, der „CSD-Ersatz“, das geplante schwul-lesbische Straßenfest<br />
„Sommerlust“, welches am 14.08. über die Duisburger City-Bühne gehen sollte, haben wir uns –wie berichtet, s. 1.-<br />
für eine Absage entschieden.<br />
Im entfernteren Wesel haben wir dagegen am 07.08. nach einer zweijährigen Pause wieder das Vereinsfest der ppp-<br />
Tage begleitet und die Bevölkerung mit Informationen versorgt.<br />
Beim Stadtteilfest in Duisburg-Hochfeld am 11.09. haben wir „unsere gute Nachbarschaft“ gepflegt und die<br />
„Vereinsallee“ im Bönninger Park bereichert. Und auch beim Bergheimer Mühlenfest in Duisburg-Rheinhausen waren<br />
wir am 25.09. wieder mal dabei, allerdings schlecht platziert.<br />
Am 30.10. hat uns die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) in Moers auf dem Altmarkt ganz fantastisch<br />
bei der Beteiligung an der Kampagne „in9Monaten“ unterstützt und sehr viele Unterschriften gesammelt (s.<br />
Anhang, Pressespiegel).<br />
4.3. Benefiz-Veranstaltungen<br />
Nicht nur in finanzieller Hinsicht sind Benefiz-Aktionen für uns sehr wichtig, bieten Aktionen mit Künstlern oder anderen<br />
Prominenten doch meist die Möglichkeit, unser Thema auch außerhalb der Welt-AIDS-Tags-Zeit öffentlichkeitswirksam<br />
zu platzieren.<br />
Im Berichtsjahr 2010 gab es erneut viele „zivilgesellschaftliche“ Gruppen und Einzelpersonen, die für uns und unsere<br />
Arbeit sehr Gutes getan haben und wir wollen darüber reden und schreiben.<br />
Ein riesengroßes Dankeschön gilt einmal mehr dem Duisburger Gastronomen und neuem Ehrennadelträger (s. 1.),<br />
Thomas Seven, der im Berichtsjahr mit seinem traditionellen Grünkohlessen im November wieder viele Gäste zu<br />
Spenden animieren und darüber über 5.000,- € für die Aufrechterhaltung unserer Angebotspalette bereitstellen konnte.<br />
Treue Unterstützung erfahren wir seit nunmehr fünf Jahren durch einen Teil der ehemaligen Citi-Pride-Group der Duisburger<br />
citibank, die nunmehr unter neuer französischer Führung „Targobank“ heißt und weiß „wie Bank geht“. Aber<br />
nicht nur das – sie wissen auch, wie soziales Engagement sinnvoll funktioniert und dass dies auch einen nicht zu unterschätzenden<br />
Benefit für das Image der Institution sowie das soziale Betriebsklima bringt. Die neue „diversitygroup“,<br />
die sich jetzt „GudsO-Netzwerk“ nennt hat unter Federführung von Frau Corinna Voigt und Herrn Guido Kuhl<br />
zum Welt-AIDS-Tag wieder eine äußerst starke „Bärenaktion“ entwickelt mit super moderner medialer Promotion umgesetzt<br />
und über 450 Solibären verkauft.<br />
37
Öffentlichkeitsarbeit<br />
Vertreterinnen des GudsO-Teams der Targobank umrahmt von Peter Külpmann und Rainer Wille vom Vorstand<br />
Das gute Beispiel für social networking hat Schule gemacht, denn im Berichtsjahr gab es schon zum dritten Mal auch<br />
eine Unterstützungsaktion der Deutschen Bank, die zum Welt-AIDS-Tag nicht nur eine höchst engagierte und aktive<br />
Mitarbeiterin abstellte, sondern diesen Einsatz auch noch mit 500,- € belohnte.<br />
Sehr erwähnenswert ist weiterhin die treue Unterstützung der ehemaligen Betriebsrätin von KARSTADT-Walsum,<br />
Frau Graschtat, die mittlerweile in Privatinitiative Kund/innen in der Adventszeit dazu einladen, Präsente für Menschen<br />
mit HIV und AIDS zu erwerben und zu hinterlegen. Im Namen der –wirklich bedürftigen- Empfänger/innen sagen<br />
wir dazu ganz herzlichen Dank!<br />
Unermüdliche Kämpfer im Kampf gegen AIDS sind schon lange Dr. Günther Bittel, seine Frau Ingrid und ihr Mitstreiter-Team<br />
in Duisburg-Rheinhausen, die unter anderem zum sechsten Mal das Benefiz-Konzert „Treatment for all“ im<br />
Haus der Jugend in Rheinhausen durchführten und nicht nur inhaltlich wachrüttelten, sondern darüber hinaus auch<br />
einen Teil des Erlöses für unsere Arbeit vorsahen. Ein besonderer Dank gilt den gagenfrei auftretenden Bands, „die<br />
bandbreite“, Violin key, „dead London“ und „Fresh Game“ sowie dem Jugendzentrum „Haus der Jugend“ an der<br />
Friedrich-Alfred-Str.<br />
Darüber hinaus erfreut es uns sehr, an dieser Stelle Jahr für Jahr über sehr stabile Unterstützungsaktivitäten berichten<br />
zu können. Da sind zum einen die Spendensammlungen und thematischen Veranstaltungen vieler Kirchengemeinden<br />
zu nennen, die zudem in der Regel auf unsere Anfrage hin für unsere alljährliche Weihnachtsfeier für Menschen<br />
mit HIV und AIDS eingehen – vielen herzlichen Dank dafür – und zum anderen die Spendenausschüttung einer<br />
Reihe von Sparkassen. Ganz besonders bedanken wir uns hier bei der Sparkasse Duisburg für ihre Treue hinsichtlich<br />
der Teilfinanzierung unserer aufsuchenden Arbeitsangebote.<br />
Ein besonderes Anliegen ist es uns, den zahlreichen Schülerinnen und Schülern<br />
und engagierten Lehrkräften zu danken, die uns mit hoher Motivation, Überzeugung<br />
und zum Teil sehr kreativen Aktionsideen nicht nur bei der Spendensammlung,<br />
sondern auch bei der Thematisierung von HIV und AIDS in zweifellos wichtigsten<br />
Zielgruppen fantastisch unterstützen. Stellvertretend möchten wir hier die<br />
Projektgruppen am Gymnasium Adolfinum in Moers, dem Sophie-Scholl-<br />
Berufskolleg in Duisburg-Marxloh, die Projektgruppe am Gymnasium Moers-<br />
Rheinkamp und die Gustav-Heinemann-Realschule Duisburg-Mitte erwähnen.<br />
DANKE für einen bärenstarken Einsatz für die<br />
AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.<br />
Der „Soli-Bär“ 2010
4.4. Veranstaltungen zum 2010<br />
„Stop AIDS. Keep the Promise!“ Das war und ist das internationale Motto der Welt-AIDS-Kampagnen seit 2005. Es<br />
erinnerte daran, dass im Juni 2001 Politiker aus aller Welt auf einer Sondersitzung der Vereinten Nationen zu HIV<br />
und AIDS das Versprechen gaben, sich national und international stärker im Kampf gegen die weltweite HIV- und<br />
AIDS-Epidemie zu engagieren. Die stetige Erinnerung daran wird im Grunde immer wichtiger, denn je länger diese<br />
Verabredung zurückliegt, desto mehr scheint sie bei den beteiligten in Vergessenheit zu geraten. Wenn man bedenkt,<br />
in welchen Dimensionen und wie schnell die Regierungen einen „Bankenrettungsschirm“ organisieren konnten und<br />
wie „wenig“ demgegenüber erforderlich wäre, um lebensbedrohte Menschen mit dem Notwendigsten versorgen oder<br />
durch präventive Maßnahmen eine deutliche Reduzierung von Neuinfektionen (z.B. bei Säuglingen, vgl.<br />
„in9Monaten.de“) erreichen zu können, dann kann man „um den Schlaf gebracht werden“, um nicht noch deutlicher<br />
zu werden. Das deutsche Versprechen, die Beteiligung zur Einspeisung in den globalen Fonds zur Bekämpfung von<br />
AIDS, Tuberkulose und Malaria beliefe sich auf 300 Mio. Euro per anno – ein Bruchteil des o.a. Rettungsschirmvolumens.<br />
Und auch die globale HIV-Epidemie hat verheerende Folgen viele nationale Ökonomien, aber auch für die<br />
Weltwirtschaft.<br />
Wir werden uns im Rahmen unserer Möglichkeiten weiter im bundesweiten „Aktionsbündnis gegen AIDS“ engagieren<br />
und mit an die Versprechen erinnern.<br />
Wie bereits berichtet (s. 1.) hat die deutsche Welt-AIDS-Tag`s-Kampagne einen deutlichen Paradigmenwechsel vollzogen.<br />
Im Mittelpunkt der diesjährigen Kampagne stehen HIV-positive Menschen, die authentisch Einblick in ihr Leben<br />
geben und von ihren alltäglichen Erfahrungen berichten. Ziel der Kampagne ist es, Stigmatisierung und Diskriminierung<br />
abzubauen und eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung über HIV und AIDS zu initiieren. Sie ist auf<br />
mehrere Jahre angelegt und in dieser Form europaweit einzigartig.<br />
Sie ruft dazu auf, Betroffene nicht weiter auszugrenzen, Menschen mit HIV mit Respekt zu begegnen, denn nur so<br />
kann ein verantwortungsvoller Umgang und ein „positives Zusammenleben“ wirklich gelingen.<br />
Angesichts dieser Ausrichtung und Forderungen fiel es uns auch in diesem Jahr nicht schwer, das deutsche Motto für<br />
unsere WAT-Veranstaltungen voranzustellen.<br />
Mit neun eigenen Veranstaltungen und weiteren mit und von Kooperationspartnern durchgeführten Aktionen konnte<br />
auch im Berichtsjahr wieder ein umfangreiches Angebot vorgehalten (s. Flyer und Pressespiegel im Anhang) und viele<br />
Menschen darüber erreicht werden.<br />
Am 16. November ging es los mit dem Fachgespräch zur HIV-Therapie im WAT-Rahmen. In der thematischen Anknüpfung<br />
an das übergeordnete Thema „Älter werden mit HIV“ haben sich unsere beiden Duisburger HIV-<br />
Schwerpunktbehandler, Dr. Kwirant und Dr. Becker-Boost, im Rahmen eines interaktiven Fachgespräches auf -über<br />
das reine HIV-Geschehen hinausgehende- Aspekte der Vorsorge und der Früherkennung konzentriert, die erfreulicherweise<br />
eine immer größere Rolle spielen können. Unter dem Titel „HIV – und was es sonst noch zu bedenken<br />
gibt“ haben die Teilnehmer erkenntnisreiche und gut abgestimmte Vorträge erleben können und im Anschluss ausführliche<br />
Antworten auf individuelle Fragen erhalten.<br />
Dr. Becker-Boost und Dr. Kwirant<br />
… und ihr aufmerksames Publikum<br />
39
Öffentlichkeitsarbeit<br />
Bei der traditionellen WAT-Warm-up-Party, der schwul-lesbischen Tanzparty im Kulturzentrum „HundertMeister“ am<br />
Duisburger Dellplatz, bei der neben spezifischen Informationsangeboten auch die „mister and misses Warm-up-Wahl“<br />
von unserem Herzenslust-Team durchgeführt wurde (s. a. 5.1), konnte die Aufmerksamkeit von ca. 400 Partybesuchern<br />
genutzt werden.<br />
Sehr erfreulich gestalteten sich wieder einmal die Kooperationen mit einzelnen Kirchengemeinden. So erneut die Gedenkveranstaltung<br />
im Anschluss an unseren Candle-Light-Walk am Mittwoch, dem 24. November in der Liebfrauen-<br />
Kirche in Duisburg-Mitte, die von den Teilnehmenden besonders gewürdigt wurde. Ein besonderes „Danke schön!“<br />
gilt unserem langjährigen Begleiter, Unterstützer und Lenker der Gedenkveranstaltung, Herrn Sven Köpnick.<br />
Impressionen vom Candle-Light-Walk 2010<br />
Das letzte Wochenende vor dem 01.12.2009 widmeten wir konzentriert Aktionen im Kreis Wesel. Am 27.11.10 zeigte<br />
Moers Schleife! Auf dem Altmarkt boten sich den Passanten Bilder vieler Menschen, die nicht nur das Grau in Grau<br />
Unser Vorsitzender Rolf Ringeler und …<br />
Sven Köpnick bei der Gedenkveranstaltung<br />
mit roten Schleifenfarbtupfern auflockerten, sondern eben damit auch ein deutliches Zeichen der Solidarität mit Menschen<br />
mit HIV und AIDS –nicht nur durch ihre Spenden- setzten.
Information, Beratung, Bären, Schleifen, aus erster Hand – mit den freundlichen Mitarbeiter/innen Ihrer AIDS-Hilfe<br />
Bitter kalt und räumlich etwas knapp war es dann am Sonntag, dem 28.11.10 auf dem Adventsmarkt in Wesel. Dennoch<br />
konnten wir auch hier mit vielen Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen und erfuhren viel Zuspruch in<br />
Form von Spenden, aber eben auch mit solidarischen und motivierenden Worten. So kann Spendensammeln durchaus<br />
auch Spaß machen.<br />
Gerne würden wir in unserem Zuständigkeitsgebiet wandern, um insbesondere auch in den einzelnen Gemeinden<br />
des Kreises Wesel zum WAT Präsenz zu zeigen, aber hier bieten sich im Umfeld des 01. Dezember leider kein Weihnachtsmarkt<br />
oder andere publikumswirksame Veranstaltungen mehr an. Der Weihnachtsmarkt in Voerde ist räumlich<br />
und terminlich „weggezogen“ und in Xanten etwa werden erst gar keine „Bettel-Stände“ zugelassen.<br />
41
Öffentlichkeitsarbeit<br />
Wie erhofft, ist für uns seit der Premiere des großen Aktionstages zum<br />
WAT im FORUM Duisburg, am 01. Dezember 2009 eine neue Ära<br />
eine eingetreten mit deren Entwicklung wir äußerst zufrieden sind. Mit<br />
den Möglichkeiten im FORUM Duisburg können wir einen großen Aktionstag<br />
zum Welt-AIDS-Tag umsetzen, mit dem wir einerseits möglichst<br />
viele Menschen an diesem Tag erreichen und andererseits<br />
durch ein breiter gefächertes Angebot auch interaktive Auseinandersetzungen<br />
mit dem Thema für verschiedene Bevölkerungs- und Altersgruppen<br />
vorhalten zu können.<br />
Dabei zeigte sich das Centermanagement des FORUM einmal mehr nicht nur äußerst kooperativ, sondern auch kreativ,<br />
was ideelle und materielle Unterstützung dieses Aktionstages betraf. Und damit nicht genug: Mitarbeiter des<br />
Centermanagements sowie einzelner Filialen zeigten „livehaftig“ Schleife und damit Solidarität mit Menschen mit HIV<br />
und AIDS – vielen Dank für diese tolle Aktion!<br />
Die „FORUM`s – Schleife“ zum Welt-AIDS-Tag 2010<br />
Zudem konnten sich Teile des Duisburger Aktionsbündnisses wieder mit einbringen, so insbesondere auch die Kindernothilfe,<br />
die die globale Seite der AIDS-Problematik mit ihrem Mitmach-Parcour sowie der offensiven Bewerbung<br />
der Kampagne „in9Monaten“ (vgl. o.) aufgriff.
Für ein weiteres besonderes Highlight hatte das FORUM gesorgt,<br />
indem Sie eine Kletterwand mit Betreuung gebucht hatten, an der<br />
es insbesondere um das Thema „Verantwortung übernehmen –<br />
für sich und für andere“ ging.<br />
Die Kindernothilfe –mit Unterstützung- beim WAT-Aktionstag im FORUM Duisburg<br />
Besonders bei Jugendlichen beliebt war das Angebot unseres Kooperationspartners, von ProFamilia, Ortsverband<br />
Duisburg, die u.a. den Kondomführerschein ausstellten – natürlich nur nach bestandener Prüfung.<br />
Ein Foto-Shooting, bei dem sich die Teilnehmenden als „Botschafter gegen AIDS“ neben Philipp Lahm ablichten und<br />
persönliche Statements abgeben konnten war ebenfalls stark nachgefragt.<br />
43
Öffentlichkeitsarbeit<br />
Einblicke in europäische Präventionsarbeit in verschiedenen Ländern lieferte die Plakatausstellung „Europe against<br />
AIDS“ im Untergeschoss des FORUMs.<br />
Eine ganze Reihe von Filialen aus dem FORUM beteiligte sich an einer Orientierungsrallye für interessierte Gruppen<br />
oder Einzelpersonen mit speziellen Fragen zum Thema und stifteten sogar kleine Präsente für die Aktiven, die dann<br />
im Rahmen einer Preisverleihung ausgehändigt werden konnten.<br />
Moderator Dietmar Heyde im Gespräch mit Gewinner/innen<br />
Zentrale Anlaufstelle und Ausgangspunkt für die traditionelle Red-Ribbon-Aktion war unser Infostand im Erdgeschoss,<br />
an dem uns auch die diesjährigen Solidaritäts-Bären fast aus den Händen gerissen wurden.
Ein ganz herzlicher Dank geht wieder einmal an die Show-Tanz-Gruppe der „Cherry-girls“, die mit ihrem Auftritt für<br />
besonders hohes Publikumsaufkommen sorgte, welches genutzt wurde, um anschließend den Aktionstag durch eine<br />
interessant besetzte Podiumsdiskussion abzurunden.<br />
Impressionen vom Auftritt der „Cherry-girls“ unter der Leitung von Peter Kirsch<br />
V. li. n. re.: Iris Sperg (Gesundheitsamt Duisburg), Moderator Dietmar Heyde, Rolf Ringeler (Vorstandsvorsitzender der AIDS-Hilfe), Frank Mischo<br />
(Kindernothilfe & Aktionsbündnis), Dr. Ingulf Becker-Boost, und Rainer Bischoff (SPD-MdL) es fehlt: Lutz Müller (Centermanager FORUM Duisburg)<br />
Welt-AIDS-Tag 2009 im FORUM Duisburg – eine tolle Geschichte, die nach Aussage aller Beteiligten weiter etabliert<br />
werden soll.<br />
HIV und AIDS sind schon sehr lange globalisiert und die Pandemie ist weltweit sehr unterschiedlich verteilt. Während<br />
wir hier erfreulicherweise auf eine letztlich sehr kleine Infektionsdimension schauen, sieht es in den sog. Entwicklungsländern<br />
immer noch ganz anders aus. 90 Prozent der HIV-positiven Menschen leben und sterben hier. Ganz<br />
besonders betroffen ist nach wie vor Subsahara-Afrika.<br />
Es ist gute Tradition, dass wir mindestens im Rahmen des Welt-AIDS-Tages den Blick über den nationalen Tellerrand<br />
heben und unser Augenmerk dorthin lenken. Ganz besonders eindrucksvoll ist dies im Berichtsjahr wieder beim<br />
„Abendgebet zum Welt-AIDS-Tag“ am 03. Dezember gelungen.<br />
45
Öffentlichkeitsarbeit<br />
Diese Solidaritätsveranstaltung der Veranstaltergemeinschaft des Duisburger Aktionsbündnisses gegen AIDS (i.e.:<br />
Kindernothilfe, Ev. Kirchenkreis Duisburg, Infostelle dritte Welt, die ev. Kirchengemeinde Alt-Duissern, die AIDS- und<br />
STD-Beratungsstelle des Gesundheitsamtes und die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.) fand wieder in der Luther-Kirche<br />
in Duisburg-Duissern statt. Etwa vierzig Besucher/innen waren –wie wir alljährlich- sehr angetan vom Veranstaltungskonzept,<br />
den z.T. authentischen Lebensbildern von Menschen mit HIV und AIDS, den symbolischen Aktionen<br />
sowie von den musikalischen Darbietungen. In diesem Jahr unterstützte uns musikalisch der hervorragende<br />
Chor der evangelischen Kirchengemeinde Trinitas unter der Leitung von Kantorin Mechthild Dühr-Knödler und am<br />
Klavier Martina Grosse-Verspohl mit mitreißenden Darbietungen. Für diese hervorragenden Gesten der Solidarität<br />
sagen wir ganz herzlichen Dank. Das Duisburger Aktionsbündnis gegen AIDS ist weiterhin offen für weitere Kooperationspartner.<br />
Interessierte Personen und/oder Einrichtungen sind immer willkommen.<br />
Allen, die uns zum Welt-AIDS-Tag 2010 durch viel Engagement und Kreativität unterstützt<br />
haben, gilt an dieser Stelle noch einmal unser ganz herzlicher Dank !! – Ein Engel<br />
hat Euch / Sie geschickt.<br />
Und: … nach dem Welt-AIDS-Tag ist vor dem Welt-AIDS-Tag!<br />
Interessierte, die 2011 dabei sein wollen, können sich jederzeit<br />
gerne bei uns melden.<br />
4.5. Berichterstattung in den Medien<br />
Die Nachfragen von Seiten der Print-, Funk- und TV-Medien, die unsere Arbeit zum Teil sehr aufmerksam begleiten,<br />
stimmt uns zuversichtlich und führt uns zu dem Eindruck, gute Arbeit zu leisten.<br />
Wir waren unsererseits mit der Erreichbarkeit und dem Echo bei Presse, Lokalfunk und –fernsehen über das Berichtsjahr<br />
verteilt insgesamt sehr zufrieden (s. Pressespiegel im Anhang).<br />
Das schon mehrmals zitierte Stadtfernsehen „Studio 47“ ist mittlerweile ein treues Begleiter- und Unterstützermedium,<br />
genau so wie die Lokalradios von Radio DU inkl. dem Bürgerfunk und Radio KW.<br />
Im Printmedienbereich gab es im Berichtszeitraum große Portraits über Menschen und Angebote der AIDS-Hilfe Duisburg<br />
/ Kreis Wesel e.V.<br />
Dem stabil hohen Niveau bei den Neuinfektionen im Berichtsjahr muss aus unserer Sicht aber auch wieder mit einer<br />
Kommunikationsoffensive begegnet werden, um die Präventionserfolge der vergangenen Jahre nicht weiter zu gefährden.<br />
Aufklärung, sachliche Information und Erinnerung müssen wahrnehmbar bleiben.
4.6. Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten<br />
Hier sind für den Stelleninhaber zu nennen :<br />
Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. in verschiedenen regionalen<br />
Gremien und Arbeitskreisen in Duisburg, dem Kreis Wesel und auf Landesebene<br />
Vorbereitung, Organisation, und Durchführung von Informationsständen, Seminar- und<br />
Vortragsangeboten,<br />
Organisatorische Begleitung und Pressearbeit für Benefiz- und<br />
Kooperationsveranstatungen,<br />
Akquise von finanziellen Mitteln und personellen Ressourcen (Ehrenamtleranwerbung)<br />
Kontaktpflege zu Förderern und Kooperationspartnern,<br />
Telefonische und persönliche Beratung,<br />
Geschäftsführung,<br />
U.a.m.<br />
Abbildung : Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung<br />
im Jahre 2010 – Veranstaltungen insgesamt<br />
47
Zielgruppenspezifische Prävention<br />
5.1 HIV/AIDS-Prävention bei Schwulen, Männern die Sex mit Männern haben<br />
sowie bisexuellen Männern<br />
Das Projekt homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) im Kontext von<br />
HIV / STI´s der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist durch Zielgruppenspezifische Mittel des Landes NRW gefördert<br />
worden. Durch diese Förderung konnte eine ½ Personalstelle finanziert werden, mit der die strukturelle Prävention<br />
im Arbeitsbereich „homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM im Kontext HIV / STI´s“ auf der lokalen, regionalen<br />
und landesweiten Ebene umgesetzt wurde. Zusätzlich hat das Projekt auf der lokalen Ebene das Ziel, HIV-<br />
Positive Männer niedrigschwellig zu erreichen und ihnen die möglichen Angebote in der Region zu vermitteln bzw.<br />
die Begleitung durch die AIDS-Hilfe anzubieten (Streetwork).<br />
Auf der landesweiten Ebene erfolgte die Arbeit ausschließlich in Gremien, die sich überregional mit dem Thema homosexuelle<br />
Männer sowie MSM im Kontext HIV / STI´s befassen.<br />
Auf der regionalen Ebene wurden in der Vernetzung mit anderen Institutionen Kampagnen und Präventionsaktionen<br />
erarbeitet und durchgeführt. Durch diese Kooperationen konnten größere Veranstaltungen geplant, koordiniert und<br />
umgesetzt werden. Die in diesen Gremien vorhandenen Ressourcen konnten so gebündelt werden und es ergaben<br />
sich sinnvolle Synergieeffekte.<br />
Auf der lokalen Ebene wurden gemeinsam mit Kooperationspartnern, durch die Einbeziehung von ehrenamtlichen<br />
Mitarbeitern sowie HIV-positiven schwulen Männern die ausdifferenzierten Angebote/Präventionsaktionen erfolgreich<br />
umgesetzt. Durch diese Kooperationen konnten die begrenzten personellen Ressourcen optimal genutzt werden.<br />
5.1.1 Vorwort<br />
Auch im Jahr 2010 wurde ein Großteil unserer Ressourcen für den Bereich der Prävention im Sektor schwule und<br />
bisexuelle Männer sowie MSM genutzt.<br />
Die Notwendigkeit dieses Arbeitsaufwandes lässt sich anhand der folgenden Zahlen eindrucksvoll belegen:<br />
„Die Anzahl der Menschen, die sich in Nordrhein-Westfalen mit HIV infizierten, blieb auch in diesem Jahr stabil. Nach<br />
den vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin anlässlich des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember veröffentlichten Schätzungen<br />
sank sie 2010 sogar auf etwa 680. Insgesamt leben rund 14.000 Menschen mit HIV in NRW. Aufgrund der<br />
guten medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten ist ihre Lebenserwartung heute höher als noch vor Jahren. Etwa<br />
160 starben in diesem Jahr an den Folgen der Krankheit. Die von HIV am meisten gefährdete Gruppe sind Männer,<br />
die Sex mit Männern haben. 72 Prozent der Neuinfektionen sind hier zu verzeichnen (490). 22 Prozent der Infektionen<br />
erfolgen über heterosexuelle Kontakte (150), nur noch 6 Prozent durch gemeinsam benutzte Spritzen bei intravenösem<br />
Drogenkonsum (40) (siehe dazu: www.nrw.aidshilfe.de. sowie www.rki.de).“<br />
Dass die Neudiagnosen im Bereich schwuler und bisexueller Männer konstant geblieben sind bzw. mit der Tendenz<br />
eher rückläufig zu sein scheinen, kann mit der erfolgreichen Umsetzung der landesweiten Kampagne „Herzenslust“<br />
begründet werden. Belegt wird dies durch die bundesweiten Zahlen zu HIV-Neudiagnosen, da in den Bundesländern,<br />
in denen flächendeckende Präventionsangebote im Bereich schwuler Männer vorgehalten werden, die Zahlen wesentlich<br />
geringer sind im Gegensatz zu den anderen Bundesländern.<br />
Die kompetente und qualifizierte Arbeit von Herzenslust hat ihren Ursprung in dem Ansatz der strukturellen Prävention<br />
(hier vor allem die Primärprävention und in der Sekundärprävention) sowie der regelmäßigen Aus- und Fortbildungsarbeit<br />
der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern auf der landesweiten Ebene. Herzenslust steht für die Arbeit<br />
von schwulen Männern für schwule Männern. Die Feldkompetenzen der einzelnen Mitarbeiter können so für die Präventionsarbeit<br />
im Rahmen der niedrigschwelligen Präventionsarbeit genutzt werden. Weiterhin steht Herzenslust für<br />
lustvolle und lebensstilakzeptierende Präventionsarbeit. Auch der Schwerpunkt, die Zielgruppe ausreichend zu informieren,<br />
damit jeder einzelne selbst bestimmt entscheiden kann, welches Risiko er eingehen möchte oder welches<br />
eben nicht, hat sich bewährt. Durch die Einbeziehung von HIV-positiven schwulen Männern in die Präventionsarbeit<br />
(z.B. bei Beratung und Test) hat sich ebenfalls bewährt und sollte weiterhin unterstützt und forciert werden. Die Datenlage<br />
aus der Bochow-Studie (s. Schwule Männer und HIV/Aids: Lebenstile, Szene, Sex 2007; Michael Bochow,<br />
Axel J. Schmidt, Stefanie Grote; AIDS-Forum DAH; 2010) hat maßgeblich dazu beigetragen, die Rastplatz Sommeraktion<br />
im Kreis Wesel umzusetzen. Nach Bochow, der eine breit angelegte Befragung zu Risikoverhalten von schwulen<br />
und bisexuellen Männern in regelmäßigen abständen durchführt, gehören MSM aus ländlichen Regionen zu einer<br />
der Risikogruppen bezüglich einer HIV-Infektion. Ebenfalls zur Risikogruppe gehören schwule Männer aus sozial<br />
schwachen Verhältnissen; ein Grund, warum die Testangebote auf dem Rastplatz kostenlos zur Verfügung gestellt<br />
werden.
Die Arbeitsfelder im Berichtszeitraum können wie folgt umrissen werden:<br />
Die zielgruppenspezifische Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. im Bereich MSM hatte im<br />
Berichtszeitraum mehrere Arbeitsschwerpunkte. So gelang es dem Arbeitsbereich weiterhin, die Kampagne für MSM<br />
„ich weiss was ich tu“ (IWWIT) der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. in die landesweite Kampagne Herzenslust zu integrieren.<br />
Ein Arbeitsschwerpunkt war die Umsetzung des HIV-Schnelltestsangebotes im niedrigschwelligen Bereich, welcher<br />
unter dem Label „BuT“ (Beratung und Test) angeboten wurde. Die Vorarbeit (Schulung der ehrenamtlichen Mitarbeiter,<br />
konzeptionelle Planung der Umsetzung lokal und in Arbeitskreisen landesweit, Absprache mit Kooperationspartnern)<br />
nahm einen Hauptteil der zeitlichen Ressourcen in Anspruch.<br />
Die ausdifferenzierte Arbeit im Bereich der Primärprävention bei MSM (z.B. GAY ROMEO health support, Vor-Ort<br />
Arbeit, Beratung und Test) fordert immer mehr eine detaillierte fachlich qualifizierte Schulung der Mitarbeiter. Diese<br />
neuen Anforderungen gehen mit einer hohen zeitlichen Kapazität an Schulungsanteilen für die haupt- und ehrenamtlichen<br />
Mitarbeiter einher. Dieser Trend wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Hier gilt es, einerseits die Mitarbeiter fachlich<br />
gut auf die Arbeit vorzubereiten und andererseits die Schulungsanteile für die einzelnen Trainer / Referenten in<br />
einem „gesunden Maß“ zu halten. Durch die geforderten Qualitätssicherungsmaßnahmen und damit einergehenden<br />
Verpflichtungen (Teilnahme an (Schulungs-) Veranstaltungen, Berichtswesen, Datenerhebung) wurden zeitliche<br />
Ressourcen ebenfalls gebunden.<br />
5.1.2 Landesweite Vernetzung<br />
Teilnahme an Arbeitskreisen<br />
Landesarbeitsgemeinschaft Herzenslust<br />
Unter dem Namen „Herzenslust“ wird strukturelle HIV-Prävention im Bereich homosexuelle und bisexuelle Männer<br />
sowie MSM in ganz NRW durchgeführt. Herzenslust ist eine Kampagne der AIDS-Hilfe NRW e.V.. Auf der landesweiten<br />
Ebene finden regelmäßige Arbeitskreise unter dem Namen „Landesarbeitskreis schwule Prävention“ statt, wo die<br />
Herzenslustgruppen sich inhaltlich austauschen können. Der Projektnehmer hat regelmäßig an diesen Arbeitskreisen<br />
teilgenommen. In diesem Gremium wurden neu entwickelte Aktionen vorgestellt, Tendenzen in der schwulen<br />
Community erörtert sowie zu bestimmten Themenfeldern Referenten eingeladen. Auf diesen landesweiten Arbeitskreisen<br />
konnten so Ideen für Präventionsaktionen ausgetauscht, Kampagnen entwickelt und nicht erfolgreiche Projekte<br />
analysiert werden. So wurden durch den Erfahrungsaustausch und die fachliche Unterstützung der unterschiedlichen<br />
lokalen Herzenslustgruppen die regionale und lokale Arbeit sinnvoll modifiziert.<br />
GAY Romeo / health support<br />
Herzenslust hat auf der landesweiten Ebene die Onlinepräventionsarbeitet konzipiert und umgesetzt. Bei Gay<br />
Romeo, einem Onlineportal für schwule und bisexuelle Männer, wurde ein health support geschaltet. Hier werden<br />
Fragen von Ratsuchenden zu HIV/AIDS, Hepatitiden und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, schwuler Gesundheit<br />
und Szeneorten in der Region von örtlichen Herzenslustmitarbeitern beantwortet. Der Projektnehmer hat für<br />
die lokale Herzenslustgruppe ein Profil erstellt und Chatberatung durchgeführt. An diesem Projekt sind neben dem<br />
Projektnehmer ehrenamtliche Onlinepräventionisten beteiligt. Das lokale Gay Romeo-Projekt war regelmäßig bei den<br />
bundesweiten Austauschtreffen vertreten. Diese Treffen dienen als Plattform, sich zu Themenfeldern der Online-<br />
Beratung auszutauschen sowie der Erarbeitung und Erhaltung von Präventions- und Beratungsstandards.<br />
Beratung und Test (BuT)<br />
Das Pilot-Projekt der AIDS-Hilfe NRW e.V. hat das Ziel, bestimmte Subgruppen aus dem Bereich der MSM (Männer,<br />
die Sex mit Männern haben) mit Hilfe eines HIV-Schnelltest-Angebotes im Zusammenhang mit einer davor durchgeführten<br />
intensiven Beratung zu erreichen. Solche Subgruppen (oder auch „Netzwerke“) sind von den bestehenden<br />
HIV-Test-Angeboten nicht erreicht worden (siehe auch Konzept BuT).<br />
Der Projektnehmer hat an den Steuerungskreisen von BuT auf der landesweiten Ebene von BuT teilgenommen.<br />
51
Zielgruppenspezifische Prävention<br />
Teilnahme an Landesweiten Präventionsaktionen<br />
CSD in Köln<br />
Auch in diesem Jahr beteiligte sich das Herzenslustteam Duisburg / Kreis Wesel an der Fußtruppe von Herzenslust.<br />
Als Präventionsaktion wurde das Motto „Fair Play, ran an die Bällchen“ konzipiert, welches als breit angelegte Aktion<br />
auch für die Gay-Games genutzt wurde. Die Herzenslustmitarbeiter waren als Schiedsrichter verkleidet mit dem dazu<br />
passenden Accessoires (u. a. Trillerpfeife, Taschen für Cruisingpacks und „Pinke Karten“).<br />
.<br />
Gay-Games<br />
Herzenslust Duisburg/Kreis Wesel hat sich bei der Großveranstaltung in Köln mit mehreren Herzenslustteams aus<br />
ganz NRW aktiv beteiligt. Verweisen möchte ich diesbezüglich an den Sachbericht der Kollegen aus Köln, die hauptverantwortlich<br />
in Kooperation mit iwwit diese Aktion entwickelt, koordiniert und strukturiert haben.<br />
5.1.3 Projektarbeit auf der regionalen Ebene<br />
Regionale Vernetzung<br />
Auf der regionalen Vernetzungsebene arbeitete der Projektnehmer eng mit den regionalen Herzenslustgruppen im<br />
Ruhrgebiet zusammen. Im Ruhrgebiet wurden aus dieser Vernetzung heraus Aktionen entwickelt, koordiniert und<br />
durchgeführt, welche einen überregionalen Charakter besaßen. Gerade bei größeren Events können die einzelnen<br />
Herzenslustgruppen nur schwer alleine öffentlichkeitswirksame Aktionen durchführen.
Aktionen waren unter anderem:<br />
Still-Leben Ruhrschnellweg<br />
In Kooperation mit der AIDS-Hilfe Essen wurde<br />
auf der A40 im Rahmen der Kulturhauptstadt<br />
Ruhrgebiet 2010 eine Präventionsaktion umgesetzt.<br />
Unter dem Motto „Abschleppdienst“ wurden<br />
die Besucher auf die Präventionsteams aufmerksam.<br />
Neben dem Outfit (Warnwesten, Warndreiecke,<br />
Warnlampen sowie Handwerkskisten) wurden<br />
von der AIDS-Hilfe Bochum Aufkleber neu<br />
layoutet. Die Aktion wurde von dem Herzenslustteam<br />
Duisburg / Kreis Wesel im Jahr 2008 konzipiert<br />
und für die Aktion auf der A40 zur Verfügung<br />
gestellt.<br />
Love-Parade Duisburg<br />
In Kooperation mit IWWIT sowie den Herzenslustteams aus Essen und Bochum wurde auf<br />
der Love-Parade zielgruppenspezifische Prävention umgesetzt. Unter dem Label<br />
„Loveteam“ wurde auf das Thema „Schutz vor HIV und anderen sexuell übertragbaren<br />
Krankheiten“ hingewiesen.<br />
5.1.4 Projektarbeit auf der lokalen Ebene<br />
Kooperation mit lokalen Einrichtungen/Selbsthilfegruppen<br />
Auf der lokalen Ebene wurde mit verschiedenen Einrichtungen, Vereinen und Selbsthilfegruppen kooperiert (wie z.B.<br />
mit AkDuLuS e.V. sowie dem Kommissariat Vorbeugung der Polizei Duisburg).<br />
AkDuLuS e.V.<br />
Der Projektnehmer hat an den regelmäßig stattfindenden Arbeitskreisen der regional ansässigen<br />
schwul-lesbischen Vereine und Selbsthilfegruppen „AkDuLuS e.V.“ teilgenommen und<br />
beteiligte sich dort an der Entwicklung und Durchführung von schwul lesbischen Angeboten<br />
für den Raum Duisburg. Dieser Arbeitskreis hat z.B. die schwul lesbische Disco „Warm Up“<br />
initiiert und organisiert jährlich das schwul lesbische Straßenfest in Duisburg.<br />
Der Projektnehmer hat an den regelmäßig stattfindenden Mitgliederversammlungen<br />
von AkDuLuS teilgenommen. Da AkDuLuS e.V. im<br />
Jahr 2010 keine personellen Ressourcen aufbringen konnte, das<br />
schwul-lesbische Strassenfest zu organisieren, hat sich der Projektnehmer<br />
dafür eingesetzt, dass die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel<br />
e.V. in Kooperation mit lokalen Organisationen sowie Personen aus<br />
der schwulen Community sowie schwulen Gastwirten, das<br />
Sommerfest umsetzt. Herzenslust, als Hauptorganisator, entwickelte den Namen des Festes<br />
„Sommerlust“. Durch die Loveparade-Tragödie bedingt, hat sich jedoch der Vorstand der<br />
AIDS-Hilfe dagegen entschieden, das Sommerfest durchzuführen (welches kurz nach der<br />
Loveparade stattfinden sollte s. 1.).<br />
53
Zielgruppenspezifische Prävention<br />
Primärpräventive Aktionen auf der lokalen Ebene<br />
Streetwork<br />
Der Projektnehmer hat durch regelmäßige Vor-Ort-Arbeit und Anwesenheit in der Szene HIV-positive Männer erreicht<br />
und begleitet diese im Rahmen der psycho-sozialen Betreuung. Durch dieses niedrigschwellige und anonyme Angebot<br />
konnten Männer erreicht werden, die sich durch eigenen Antrieb nicht an eine Hilfs-Organisation wie die AIDS-<br />
Hilfe gewendet hätten.<br />
Sprechstunden in der Szene<br />
Der Projektnehmer hat Sprechstunden für schwule Männer in einem Szenelokal durchgeführt. Durch die enge Zusammenarbeit<br />
mit dem Szenewirt wurde die Sprechstunde gut beworben und erfreute sich einer guten Resonanz.<br />
Neben dem hauptamtlichen Mitarbeiter stand ein HIV-positiver schwuler Mann als Ansprechpartner zu dem Thema<br />
„HIV-Positiv sein, was heißt das?“ zur Verfügung sowie der Ansprechpartner der Polizei Duisburg zu gleichgeschlechtlichen<br />
Lebensfragen.<br />
BuT – Rastplatz Sommeraktion<br />
In Kooperation mit der AIDS-Hilfe NRW e.V., dem Fachbereich Gesundheitswesen<br />
des Kreises Wesel sowie mit der Unterstützung des Kommissariats<br />
Vorbeugung des Polizeipräsidiums Duisburg wurde BuT von<br />
dem Projektnehmer umgesetzt.<br />
Ziel der BuT- Rastplatz Sommeraktion war die niedrigschwellige Beratung<br />
von MSM (hier vor allem Männer, die durch die bestehenden Beratungs-<br />
und Testangebote nicht erreicht werden), intensiv vor Ort zu HIV-<br />
Übertragungsrisiken und dem Schnelltestverfahren zu beraten und ggf.<br />
ein Schnelltest anzubieten.<br />
Konzeptionelle Ausarbeitung:<br />
Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. hat sich, nach dem erfolgreichen Beginn der Aktion 2009 entschieden,<br />
dieses Projekt weiterhin auf einem Rastplatz im Kreis Wesel umzusetzen.<br />
Die ausschlaggebenden Argumente waren:<br />
Die Beratung der Zielgruppe steht im Vordergrund der Vor-Ort-Aktion.<br />
Die Testdurchführung soll durch einen Arzt des Gesundheitsamtes vorgenommen werden (Aktive Einbindung des<br />
ÖGD).<br />
Die anvisierte Zielgruppe sind MSM, die anonym Sex mit Männern auf den Rastplatz haben, durch ihre allgemeine<br />
Lebensführung (viele Leben in „herkömmlichen“ Familienstrukturen) bedingt, jedoch keine Möglichkeiten<br />
haben oder diese bewusst ablehnen oder wegen Unkenntnis der Infrastruktur die schon bestehenden Beratungs-<br />
und Testangebote von Gesundheitsämtern und AIDS-Hilfen in Anspruch zu nehmen.<br />
Reaktiv getestete Personen können sich durch Buddys (geschulte HIV-positive schwule Männer) bis zum Ergebnis<br />
des regulären HIV-Labortests begleiten lassen.<br />
Die Vor- und Nachteile des Schnelltestes werden den Interessierten mitgeteilt. Die Entscheidung zu dem Test,<br />
oder dagegen obliegt einzig und alleine dem Ratsuchenden.<br />
Nach der Entscheidung für die „BuT-Rastplatz Sommeraktion“ wurden konkret die weiteren Schritte besprochen:<br />
1. Akquirierung und Ausbildung der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter (für die Beratung und für die
Funktion des Buddys).<br />
2. Entwicklung der Qualitätsstandards für die Beratung auf dem Rastplatz sowie die Testdurchführung (Anonymität,<br />
Beratungssetting).<br />
3. Absprachen mit dem Fachbereich Gesundheitswesen der Kreisverwaltung Wesel zwecks Beteiligung eines Arztes<br />
bei dem Projekt.<br />
4. Behördliche Genehmigung zur Durchführung des Angebotes auf einem Rastplatz.<br />
Kosten für den „Schnelltest“.<br />
Zu 1.<br />
In der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist es seit Jahren üblich, frisch HIV positiv getesteten ratsuchenden<br />
Menschen ein Gespräch mit einem HIV-positiven ehrenamtlichen Mitarbeiter anzubieten. Diese Mitarbeiter wurden<br />
angesprochen und ihnen das Pilotprojekt erläutert. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter waren sofort dazu bereit, sich bei<br />
dem Projekt zu beteiligen und besuchten das Grundlagentraining, welches von der AIDS-Hilfe NRW e.V. zur Ausbildung<br />
der BuT-Projektteilnehmer angeboten wurde.<br />
Zu 2.<br />
Glücklicherweise konnte die AIDS-Hilfe NRW e.V. ein Wohnmobil anschaffen, welches zu einem „BuT-Mobil“ umgebaut<br />
wurde. So können in einem abgetrennten Beratungsraum die interessierten Männer beraten werden und in dem<br />
anderen Raum der Schnelltest durchgeführt werden (Arzt-Raum).<br />
Den interessierten Männern sollten die Optionen / der Vorgang zum Testverfahren im Rahmen der Beratung erklärt<br />
werden. Diese waren:<br />
Im Falle eines reaktiven Testergebnisses kann eine Fehldiagnose nicht zu 100% ausgeschlossen werden.<br />
Daher müsste sofort im Anschluss intravenöses Blut zwecks Bestätigung des Ergebnisses<br />
durch einen herkömmlichen Antikörpertest erfolgen; mit den damit einhergehenden psychischen Belastungen,<br />
die die Wartezeit dann mit sich bringen könnte.<br />
Im Falle eines reaktiven Testergebnisses wurde den Ratsuchenden angeboten, dass ein Mitarbeiter des<br />
BuT-Projektes (ein Buddy; HIV-positiver schwuler Mann) während der Wartezeit als Ansprechperson<br />
zur Verfügung steht.<br />
Die getestete Person hätte die Möglichkeit, mit einem Auto nach Hause/zur nächsten Haltestelle des<br />
ÖPNV gefahren werden zu können.<br />
Es wurde angeboten, den Schnelltest durchführen zu lassen, das Ergebnis jedoch erst am nächsten Tag<br />
im Gesundheitsamt „abzuholen“.<br />
Zu 3.<br />
Nach dem erfolgreichen Start der Kampagne 2009 konnte der Arzt des Gesundheitsamtes des Kreises Wesel für die<br />
Mitarbeit an diesem Pilotprojekt wiederholt gewonnen werden. Vor allem die Argumentation (die sich durch die Datenlage<br />
aus 2009 bestätigte), dass die Zielgruppe Männer sind, die nicht vom bestehenden Beratungs- und Testangebot<br />
der Gesundheitsämter und AIDS-Hilfen erreicht werden, war ausschlaggebend zur weiteren Kooperation. Vom<br />
Arzt wurde für diese spezielle Form der aufsuchenden Arbeit eine Verfahrensanleitung erstellt, einschließlich der erforderlichen<br />
Genehmigung durch die Verwaltungsleitung des Fachbereichs Gesundheitswesen des Kreises Wesel<br />
und der Ärztekammer Nordrhein. Die ärztliche Tätigkeit (spezielle Testberatung, Testdurchführung und Ergebnismitteilung,<br />
sowie auf Wunsch die Beratung zu anderen sexuell übertragbaren Krankheiten erfolgte unabhängig vom Beratungs-<br />
und Betreuungsangebot der AIDS-Hilfe-Mitarbeiter. Die ärztliche Schweigepflicht wurde gewahrt, u. a. auch<br />
dadurch, dass den Getesteten vom Arzt das Angebot der Begleitung durch einen Buddy unterbreitet wurde, der Getestete<br />
jedoch selbst entschied, dieses Angebot anzunehmen bzw. über sein Testergebnis mit jemand anderen zu<br />
sprechen.<br />
Zu 4.<br />
Eigentümer des Rastplatzes ist das Amt für Straßenbau NRW. Die zuständige Mitarbeiterin gab die Erlaubnis unter<br />
gewissen Auflagen (An- und Abmelden der Aktion bei der zuständigen Autobahnmeisterei sowie nur eine Parkbucht<br />
zu besetzen). Im Vorfeld musste bei der Bezirksregierung Düsseldorf abgeklärt werden, ob die Aktion<br />
mit einer finanziellen Bereicherung einhergehen würde. Da die AIDS-Hilfe die Testdurchführung<br />
kostenlos anbietet, wurde daher auch von dieser Seite die Erlaubnis erteilt.<br />
55
Zielgruppenspezifische Prävention<br />
Zu 5.<br />
Da vor allem die Zielgruppe „MSM mit einem unterdurchschnittlichen sozialen Status“ im Focus unserer Aktion stehen,<br />
sollte der Test möglichst kostenlos angeboten werden. Durch die AIDS-Hilfe NRW e.V. konnten die BuT-<br />
Projekte kostenlos Testkits bestellen. Die ärztliche Tätigkeit wurde als Dienstleistung des Fachbereichs Gesundheitswesen<br />
Kreis Wesel erbracht, so dass auch hier keinerlei Kosten für die Aktion entstanden. Daher konnten wir die Beratung<br />
sowie die Testdurchführung anonym und kostenlos anbieten.<br />
Die Umsetzung:<br />
In dem Zeitraum Mai-September 2010 wurde die „Rastplatzsommeraktion“ am 1. und 3. Mittwoch im Monat in der<br />
Zeit von 18.00-21.00 Uhr umgesetzt.<br />
Das BuT-Mobil wurde in einer Parkbucht, in der Nähe des Gehweges zu den Toiletten geparkt. Unter der seitlich angebrachten<br />
Markise des Busses wurde ein Tisch mit Kondomen und Informationsmaterialien aufgestellt. Um Aufmerksamkeit<br />
zu erregen wurden Fahnen (Tripols) mit dem Logo von Herzenslust aufgestellt.<br />
Auf einem der Rastplatz-Sitzbänke in der Nähe des BuT-Mobils saßen die Mitarbeiter des Projektes. Hier wurden für<br />
Gäste Kaffee, Wasser und Kekse angeboten.<br />
Zwei Mitarbeiter sprachen die Männer an und verteilten Kondome sowie Visitenkarten mit einer Erklärung zum<br />
Schnelltestangebot.<br />
Interessierte wurden zu den Mitarbeitern an der Sitzbank weitergeleitet, wo Sie einen anonymisierten Fragebogen zu<br />
sexuellen Vorlieben, Risikosituationen etc. ausfüllen mussten.<br />
Nach dem der Testwillige den Beratungsbogen ausgefüllt hat, wurde ein Beratungsgespräch anhand des Fragebogens<br />
im hinteren Teil des BuT-Mobils durchgeführt. Hier wurde explizit auf die Vor- und Nachteile des HIV-<br />
Schnelltestverfahrens hingewiesen.<br />
Nach einer ausführlichen Beratung und der Entscheidung des Ratsuchenden wurde er ggf. zum Arzt in den vorderen<br />
Teil des BuT-Mobils weiter verwiesen. Nach einem Gespräch mit dem Arzt wurde dann der Test durchgeführt. Das<br />
ganze Verfahren dauerte ca. 1 Stunde (vom Zeitpunkt der Ansprache, Ausfüllen des Fragebogens, Beratungsgespräch,<br />
Testdurchführung bis hin zum Testergebnis).<br />
5.1.4.1 Die Herzenslustgruppe Duisburg / Kreis Wesel<br />
Der Projektnehmer für den Bereich MSM hat regelmäßig mit der Herzenslustteilzeitkraft die inhaltliche Arbeit der lokalen<br />
Herzenslustgruppe erörtert und bei Bedarf angeleitet. Neben der fachlichen Aufsicht des lokalen Projektes Herzenslust<br />
wurden die ehrenamtlichen Herzenslustmitarbeiter in den Bereichen HIV und anderen sexuell übertragbare<br />
Krankheiten ergänzend zum bestehenden Schulungsangebot der AIDS-Hilfe NRW, qualifiziert.<br />
Das Herzenslustteam hat im Jahr 2010 wie in den vorangegangenen Jahren zielgruppenspezifische Prävention im<br />
Bereich schwule und bisexuelle Männer sowie Männer, die Sex mit Männern haben entwickelt und durchgeführt.<br />
Hierbei ist die konstante Begleitung der umgesetzten Präventionsaktionen sowie die Begleitung der lokalen Herzenslustgruppen<br />
durch die aus Eigenmitteln der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. finanzierte Teilzeitkraft von sehr<br />
hohem Stellenwert.<br />
Durch die Teilzeitkraft wurden folgende Aufgaben erfüllt:<br />
- Fachliche Begleitung der ehrenamtlichen Herzenslustmitarbeiter<br />
Die Teilzeitkraft sowie punktuell der Projektnehmer waren bei den primärpräventiven Vor-Ort-Aktionen von Herzenslust<br />
anwesend. So konnten Ratsuchende bei Bedarf von den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Herzenslustteams an
die hauptamtlichen Mitarbeiter weiter verwiesen werden.<br />
- Begleitung der wöchentlichen Gruppentreffen des Herzenslustteams<br />
Durch die regelmäßigen Gruppentreffen, die durch die Teilzeitkraft angeleitet wurden, wurde die beständige ehrenamtliche<br />
Herzenslustarbeit sichergestellt. Neben diesem Aspekt wurden mit dem Herzenslustteam Veranstaltungen<br />
abgesprochen und deren Umsetzung diskutiert und konzipiert.<br />
- Die Pflege und Aktualisierung der Herzenslusthomepage (www.herzenslustteam-du.de) war ein ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt<br />
der Teilzeitkraft, da sich viele schwule Männer vorwiegend über das Internet Informationen zu HIV,<br />
STD´s und Angeboten in der schwulen Community beschaffen.<br />
- Überregionale Teilnahme an den Herzenslusttreffen im Ruhrgebiet sowie die Beteiligung an überregionalen Aktionen,<br />
die in diesen Gremien entwickelt worden sind.<br />
Im Rahmen der Vernetzungsarbeit der lokalen Herzenslustgruppen nahm Herzenslust Duisburg / Kreis Wesel bei den<br />
regelmäßig stattfindenden Ruhrgebietsvernetzungstreffen teil und konzipierte mit anderen Herzenslustmitarbeitern<br />
überregionale primärpräventive Aktionen und beteiligte sich mit der lokalen Herzenslustgruppe an der Umsetzung<br />
dieser Präventionsaktionen überregional.<br />
Auf der lokalen Ebene wurden folgende primärpräventive Aktionen in Duisburg durchgeführt:<br />
Regelmäßig war das Herzenslustteam Duisburg/Kreis Wesel auf der schwul/lesbischen Party „warm up“ vertreten.<br />
Die Veranstaltung findet in einem monatlichen Turnus statt. Die Besucher konnten sich bei dem Herzenslustteam zu<br />
HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten informieren sowie die ausgelegten Informationsbroschüren der<br />
DAH e.V. sowie Bewerbungsbroschüren zur ehrenamtlichen Mitarbeit in den Herzenslustgruppen mitnehmen.<br />
Größere Aktionen von Herzenslust auf diesen Veranstaltungen waren:<br />
- Wahl zum „Mr. und Mrs. Warm Up 2010“<br />
Auf der im Oktober und November stattfindenden<br />
Warm Up konnten sich Gäste für<br />
die Wahl casten lassen. Neben einem Foto<br />
wurden die interessierten Gäste gebeten,<br />
ein Statement zu HIV abzugeben. Auf der<br />
im Dezember stattfindenden „warm up“<br />
wurden dann die Kandidaten auf der Bühne<br />
von zwei Moderatoren vorgestellt. Danach<br />
wurden durch die Gäste die „Mrs. und der<br />
Mr. Warm Up 2010“ gewählt. Die Sieger<br />
wurden gekürt und erhielten Preise. Neben<br />
der Platzierung / Bewerbung von<br />
„Herzenslust“ und deren Homepage, wurde<br />
das Thema HIV bei der Vorstellung der<br />
Kandidaten massenmedial platziert. Weitere<br />
Informationen hierzu auf:<br />
www.herzenslustteam-du.de.<br />
57
Zielgruppenspezifische Prävention<br />
- „Die Gemüsehändler“<br />
Das Herzenslustteam baute auf einer Warm Up einen Gemüsestand auf und verkleidete<br />
sich als Gemüsehändler. Die so angelegte Aktion wurde von den Besuchern der<br />
Warm Up als sehr gelungen wahrgenommen und die verteilten Cruisingpacks, mit dem<br />
oben gezeigten Layout „Samentüte“ wurden gerne angenommen.<br />
Weitere Aktionen auf lokaler Ebene waren:<br />
Samentüte<br />
Herzenslustteam<br />
Duisburg / Kreis Wesel<br />
- Szenerundgänge<br />
Regelmäßig führte das Herzenslustteam Duisburg / Kreis Wesel einen<br />
Rundgang durch die Duisburger Szene durch. Ziel der Rundgänge war die<br />
Kontaktpflege mit den Szenewirten, Verteilung von Informationsmaterialien<br />
zu HIV und andere STD´s in den Lokalen sowie die Befüllung des Kondomautomaten.<br />
- Welt AIDS Tag<br />
Das Herzenslustteam Duisburg beteiligte sich an den Veranstaltungen zum Welt AIDS Tag der AIDS-Hilfe Duisburg/<br />
Kreis Wesel e.V.<br />
- Rastplätze<br />
In regelmäßigen Abständen wurden Aktionen auf Rastplätzen im Kreis Wesel durchgeführt, wo Männer Sex mit Männern<br />
haben. Hier wurden Informationsmaterialien und Kondompackungen auf einem Informationsstand den Besuchern<br />
angeboten. Da viele der dort verkehrenden Männer sich nicht eindeutig als schwul oder bisexuell definieren,<br />
wurde auf allgemeine Informationsbroschüren der DAH / BZgA zurückgegriffen.<br />
5.1.5 Controllingzahlen Prävention bei MSM / Herzenslust 2010<br />
Herzenslust:<br />
Kontakte insgesamt: 3575<br />
Prävention bei MSM / Überregionale Aktionen:<br />
Beteiligung an der CSD-Parade in Köln, GayGames, Loveparade, Ruhr 2010<br />
Insgesamt wurden 10050 Personen erreicht!<br />
BuT - Rastplatz Sommeraktion:<br />
Kontakte insgesamt: 252<br />
Gay Romeo:<br />
Kontakte insgesamt: 1498<br />
Es wurden 2010 insgesamt 15375 Personen erreicht.
5.1.6 Projektkritik / Projektausblick<br />
Das Projekt der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. setzte die strukturelle Prävention im Arbeitsbereich homosexuelle<br />
und bisexuelle Männer sowie MSM auf den unterschiedlichen Ebenen (landes-, regionaler- und lokaler Ebene)<br />
um.<br />
Die Arbeit konnte auf den jeweiligen Ebenen mit verschiedenen Aspekten und Zielsetzungen ausdifferenziert und mit<br />
angemessenen Methoden verfolgt werden. Die im Projektantrag formulierten Ziele wurden realisiert und innovative<br />
Aktionen / Projektideen umgesetzt.<br />
Mittels der Kampagne „Herzenslust“ konnte der Projektnehmer ressourcenorientiert und zeitsparend seine Projektziele<br />
umsetzen. Die Wichtigkeit der Kampagne zeigte sich zum einen durch die professionelle Öffentlichkeitsarbeit der<br />
AIDS-Hilfe NRW (Homepage der Kampagne Herzenslust mit der Verlinkung zu den regionalen Herzenslusthomepages,<br />
Bewerbung der Kampagne durch schwule Medien) und durch den fachlichen Austausch bei den landesweiten<br />
Arbeitskreisen. Ebenso sind die zentral eingekauften Give-aways für eine professionelle Außendarstellung in der Vor-<br />
Ort-Arbeit unabkömmlich (z.B. Cruisingpacks in einer Herzenslust-Umverpackung).<br />
Durch die jahrelange Präventionsarbeit in dem Bereich homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM müssen<br />
immer wieder neue Präventionsstrategien entwickelt und umgesetzt werden, damit die Präventionsbotschaften die<br />
Zielgruppe erreichen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das auf der überregionalen Ebene entwickelte Pilotprojekt BuT,<br />
welches erfolgreich umgesetzt wurde.<br />
Die Vernetzungsarbeit auf der lokalen und regionalen Ebene verlief kontinuierlich und stabil. Auch hier konnten durch<br />
die vorhandenen Ressourcen effizient die verfolgten Ziele umgesetzt werden.<br />
Ein großer Dank gilt den ehrenamtlichen Mitarbeitern der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V., ohne deren Engagement<br />
das Projekt „homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM“ nicht in diesem Umfang hätte realisiert werden<br />
können.
Zielgruppenspezifische Prävention<br />
5.2 Drogen und Substitution<br />
Drogenpolitisch treten wir in Duisburg und dem Kreis Wesel auf der Stelle. Zwar ist Diamorphin als Arzneimittel zugelassen,<br />
allerdings hat der Gemeinsame Bundesausschuss die Kriterien für die Vergabe des Diamorphins so hoch<br />
angesetzt, dass diese Vorgaben aus finanziellen Gründen nur wenige Einrichtungen erbringen können. So müssen<br />
unter anderem mindestens drei ärztliche Vollzeitstellen eingerichtet und Öffnungszeiten von mindestens 7 bis 19 Uhr<br />
gewährleistet werden. Diese Anforderungen sind unabhängig von der Zahl der mit Diamorphin Substituierten. Daher<br />
wäre auf jeden Fall ein kommunaler Zuschuss von Nöten. Bei der Haushaltslage der Stadt Duisburg lässt sich dieses<br />
allerdings wohl schwer umsetzen. Denn in Duisburg wurde bereits im Berichtsjahr aufgrund finanzieller Gründe im<br />
Suchthilfeverbund eine Vollzeitstelle eingespart und entsprechend das Angebot eingeschränkt.<br />
Positiv zu vermerken ist, dass die neue rot-grüne Landesregierung die sogenannte Eigenbedarfsgrenze für “weiche”<br />
Drogen von sechs auf zehn Gramm erhöhen will und bei Heroin, Kokain und Amphetaminen wieder 0,5 Gramm zum<br />
Eigenverbrauch erlaubt sein sollen.<br />
Im Kreis Wesel ging es im Berichtsjahr darum, die Substitutionsbehandlung im Bereich der Städte Wesel und Hamminkeln<br />
sowie der Gemeinde Schermbeck aufrecht zu erhalten, da der bisherige Arzt, Herr Lemm, zum Jahresende<br />
die Substitutionsbehandlung nicht mehr fortführen wollte. Es konnte Dr. Wefelnberg, substituierender Arzt aus Hünxe,<br />
dafür gewonnen werden, in Wesel eine Zweigpraxis zu eröffnen. Die Substitution findet in den Räumlichkeiten des<br />
Kreisgesundheitsamtes Wesel statt.<br />
5.2.1 Primär- und Sekundärprävention<br />
5.2.1.1 Spritzenaustauschprogramm<br />
Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel nimmt weiterhin mit den von ihr<br />
betreuten Spritzenautomaten am Projekt der AIDS-Hilfe NRW e. V.<br />
teil. Die Standorte befanden sich in Wesel und Duisburg-Hochfeld.<br />
Die Spritzenautomaten werden je nach Frequentierung von uns regelmäßig<br />
in ein- bis zweiwöchigem Rhythmus neu bestückt.<br />
Für den Spritzenautomaten in Moers haben wir nach Abriss des<br />
Feuerwehrgerätehauses an der Abteistr. 9 einen neuen Standort<br />
beantragt. Das Ordnungsamt hatte keine ordnungsrechtlichen Bedenken<br />
und hat den Antrag an den Fachdienst Grünflächen weitergeleitet.<br />
Da jedoch an dem von uns favorisierten Standort – dem<br />
Bahnhof Moers – umfangreiche Bauarbeiten durchgeführt wurden,<br />
mussten wir die Neuaufstellung des Automaten in Moers zurückstellen.<br />
Durch den Zusammenschluss der städtischen Drogenberatung und der Drogenberatung<br />
der Diakonie zum Suchthilfeverbund Duisburg wurde der Standort der Drogenberatung in<br />
Duisburg-Walsum aufgelöst. Da hier unser Spritzenautomat betrieben wurde und die<br />
Räumlichkeiten zunächst von einer Grundschule genutzt werden sollen und anschließend<br />
der Abriss vorgesehen ist, musste auch dieser Spritzenautomat abgebaut werden. Hierfür<br />
gilt es einen neuen Standort zu suchen.<br />
5.2.1.2 Suchtprävention bei Partydrogen<br />
Schulprojekt „No Drugs – no Party?“<br />
Im Frühjahr erarbeitete unsere Praktikantin, Yvonne Leuverink, ein Konzept für ein Angebot in Schulen unter dem<br />
Namen „No Drugs – no Party?“. Dieses beinhaltet – ähnlich wie unser Projekt @drugthive – mit einem akzeptierendem<br />
Ansatz Jugendlichen der Klasse 9 einen Überblick über die gängigsten Partysubstanzen und deren positive und<br />
negative Wirkungsweisen zu geben. Das Projekt hatte den Umfang von zwei Unterrichtsstunden und wurde von den
hauptamtlichen Mitarbeitern Ralf Runniger und vertretungsweise von Petra Kurek begleitet. Das Angebot wurde von<br />
drei Gesamtschulen gebucht und in insgesamt 12 Klassen durchgeführt. Obwohl es sich dabei um Schulen mit Schülern<br />
mit hohem Migrationsanteil handelte, waren die Schüler sehr interessiert an dem Projekt und es wurde auch von<br />
den Pädagogen mit Interesse aufgenommen.<br />
@drugthive<br />
Mit unserem Projekt @drugthive haben wir im 1. Halbjahr eine Aktion zu Suchtprävention bei Partydrogen und<br />
Primärprävention zu HIV/AIDS in der Diskothek RAJ in Wesel durchgeführt. Diese Aktion wurde ermöglicht durch die<br />
Duisburger Stiftung für Umwelt, Gesundheit und Soziales. Für die Aktion haben wir kleine Päckchen zusammen gestellt:<br />
Sie beinhalten Ohrstöpsel, Kondom und Vitaminbonbon. Ergänzt werden sie entweder durch den Kartensatz<br />
„Drugs, just say know“ oder für Besucher, die keine Ambitionen auf Partydrogen haben, mit dem „Heutiger Wissensstand“<br />
der DAH. Um das Päckchen zu erhalten, mussten die BesucherInnen Fragen zu HIV/AIDS oder Partydrogen<br />
beantworten.<br />
Aufgrund des Schulprojektes hatten wir im ersten Halbjahr keine weiteren Kapazitäten. Für das zweite Halbjahr war<br />
eine Aktion im Rahmen der Dinslakener Suchtwoche „Sucht hat immer eine Geschichte“ in der Bierklinik geplant. Leider<br />
hatte die Bierklinik jedoch ihre Aktivitäten eingestellt, so dass unsere Aktion abgesagt werden musste.<br />
Bei der 9. Fachtagung Arbeitskreis Prävention am 5. Mai in Duisburg-Buchholz führten wir zusammen mit dem Landeskriminalamt<br />
und dem Kriminalkommissariat Vorbeugung einen Workshop durch, bei dem wir unser Projekt<br />
@drugthive<br />
vorstellten.<br />
Loveparade<br />
Bei der Loveparade in Duisburg am 24.07.10 beteiligten wir uns mit drei MitarbeiterInnen an einem Gemeinschaftsstand<br />
des Suchthilfeverbundes Duisburg, weiterer Drogenberatungseinrichtungen aus NRW und der Selbsthilfe. Hier<br />
gab es mehrere Angebote: Zum einen die Flash-Box, hier konnten Teilnehmer ein Statement in eine Videokamera<br />
abgeben, eine Glücksradaktion, eine Fragebogenaktion zum Testen des Wissens über einzelne Substanzen wie z.<br />
Bsp. Cannabis, XTC etc. Des Weiteren wurde über die AIDS-Hilfe der Kartensatz „Drugs, just say know“ zum Selbstkostenpreis<br />
von 1 € angeboten. Den Besuchern wurden Kondome und Ohrstöpsel angeboten, die vom Veranstalter<br />
akquiriert wurden (30.000 Kondome und 8.000 Ohrstöpsel). Gleichzeitig war der Stand Anlaufstelle für die weiteren<br />
MitarbeiterInnen der AIDS-Hilfe, da vom Veranstalter keine weitere Standfläche bereit gestellt werden konnte. Federführend<br />
in der Vorbereitung und Organisation des Standes und der Aktion waren Werner Wicher vom Suchthilfeverbund<br />
und Ralf Runniger von der AIDS-Hilfe. Die Organisation von Seiten des Veranstalters ließ leider etwas zu wünschen<br />
übrig. Als ein Beispiel gilt es zu benennen, dass die Durchgangspässe am Tag der Loveparade keinen Durchgang<br />
durch den vereinbarten Eingang ermöglichten und die Helfer eine 2 KM längere Wegstrecke zurück legen<br />
mussten.<br />
Tim Przystupa und Yvonne Leuverink<br />
Yvonne hatte alle Ohrstöpsel und<br />
Kondome verteilt<br />
Fragebogenaktion an Stehtischen<br />
´<br />
63
Zielgruppenspezifische Prävention<br />
Es wurde das ehemalige Trip-Lounge Zelt – aus früheren Jahresberichten bekannt – aufgebaut. Da es sich bei der<br />
Loveparade um eine Massenveranstaltung handelt und sich unser Stand am entgegengesetzten Ende des Einganges<br />
befand, kam es in Bezug auf die Besucherzahl sehr verhalten zu personalkommunikativen Gelegenheiten. Daher<br />
haben wir uns auch entschlossen, in die Menge hinein zu gehen und mit Taschen Ohrstöpsel und Kondome zu verteilen,<br />
welches bei den Besuchern gut aufgenommen wurde.<br />
Als gegen 18 Uhr langsam Nachrichten von Todesfällen bei der Loveparade am Stand ankamen, entwickelten sich<br />
emotionale Spannungen aufgrund der skurrilen Situation, dass die Katastrophe bekannt war und die Party weiter lief.<br />
Bis 20 Uhr hielten wir unser Angebot aufrecht und haben anschließend unseren Stand abgebaut. Es handelte sich<br />
insgesamt um eine gelungene Zusammenarbeit mit anderen Anbietern im Drogenbereich.<br />
5.2.2 Substitution<br />
5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe<br />
Auch im Jahre 2010 haben wir über das komplette Jahr an allen Sams-, Sonn- und Feiertagen die Vergabe von Methadon<br />
in der AIDS-Hilfe in Duisburg durchgeführt. Die Anzahl der Substituierten lag im Durchschnitt bei 88 Personen,<br />
wobei die geringste Teilnehmerzahl 46 und die höchste Zahl 138 Klienten betrug, die die Vergabe besuchten.<br />
Die Vergabezeit beträgt 1,5 Stunden. Weiterhin wird die Vergabe von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter und einem<br />
Arzt durchgeführt. Zur Vergabe entsenden insgesamt fünf Ärzte ihre Patienten, die Vergabe in der AIDS-Hilfe führen<br />
drei Ärzte durch.<br />
Die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten und unseren ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, den Apotheken und der<br />
Polizei verlief weiterhin reibungslos. An dieser Stelle einen Dank an die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen für ihr Engagement<br />
und ihre Mithilfe.<br />
Bei jeder Vergabe wird für die Substituierten Kaffee angeboten und am letzten Sonntag im Monat wurde weiterhin<br />
ehrenamtlich ein Frühstück für die Substituierten organisiert. Dieses wird mit Lebensmitteln der Duisburger Tafel und<br />
dem Verein „Bürger für Bürger“ gespeist. So wird die Möglichkeit gegeben, sich in einem geschützten Raum über<br />
Sorgen und Nöte auszutauschen. Unser Dank gilt den ehrenamtlichen Mitarbeitern und der Duisburger Tafel e. V.<br />
und dem Verein Bürger für Bürger e. V. für ihr solidarisches Engagement.<br />
5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter (PSB)<br />
Die psychosoziale Begleitung von HIV-Positiven / an AIDS erkrankten Substituierten ist ein weiterer Bestandteil der<br />
Drogenarbeit innerhalb der AIDS-Hilfe. Aufgrund von Todesfällen in den vergangenen Jahren ist dieser Arbeitsbereich<br />
leicht zurück gegangen.<br />
Im Vordergrund der PSB steht die Stabilisierung der Klienten, die in ihrer Lebenssituation gestärkt und unterstützt<br />
werden. Die Zielsetzung der PSB erfolgt dabei im Wesentlichen nach den Bedürfnissen der Klienten. Das bedeutet in<br />
erster Linie, dass das subjektive Wohlbefinden der jeweiligen Person und die Lebensverhältnisse verbessert werden<br />
sollen. Entsprechend dieser Zielsetzung steht bei einigen Substituierten die Verbesserung des Gesundheitsstatus im<br />
Mittelpunkt, während bei anderen die Sicherung der materiellen Grundversorgung oder der Aufbau sozialer Netze im<br />
Vordergrund stehen kann.<br />
Dies kann in medizinischer Hinsicht bedeuten, dass wir in eine Substitution vermitteln. Da es sich hier nur um wenige<br />
Einzelfälle handelt und wir gute Kontakte zu den substituierenden Ärzten pflegen, gelingt dies in der Regel problemlos.<br />
Des Weiteren stellen wir den Kontakt zu HIV-Schwerpunkt-Ärzten her und unterstützen die DrogengebraucherInnen,<br />
die zum Teil starke Berührungsängste mit Ärzten dieser Fachrichtung haben, sich in eine adäquate Behandlung<br />
zu begeben. Es ist jedoch schwierig, neue Klienten in ein relativ schematisches Korsett zu bringen, welches für eine<br />
HIV Behandlung notwendig ist (regelmäßige Überwachung der HIV/AIDS-Parameter, regelmäßige Tabletteneinnahme<br />
(Compliance/Adhärenz).
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Hepatitis –C-Beratung, da in den meisten Fällen bisher die Hepatitis-<br />
Behandlung bei DrogengebraucherInnen nicht durchgeführt wurde und die Behandlung auch bei den Betroffenen<br />
große Ängste auslöst. Da gerade im Bereich Hepatitis C Behandlung neue Medikamente in absehbarer Zeit zur Verfügung<br />
stehen, gilt es für uns, die Begleiteten entsprechend zu beraten.<br />
Im Rahmen der PSB ist es für uns wichtig, die Ressourcen der Begleiteten zu wecken. Durch die eigene Bewältigung<br />
von Problemen und Aufgaben erfahren sie eine Stärkung ihres Selbstwertgefühles.<br />
Soziale Kontakte sind ein Hauptwunsch der Begleiteten, wobei diese außerhalb der Szene liegen sollen. Teilweise<br />
funktioniert dieses in einer selbst aufgebauten Vernetzung der von uns Begleiteten untereinander, teilweise ist dieses<br />
aber auch recht schwierig.<br />
5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten DrogengebraucherInnen<br />
Im Berichtsjahr führten wir das Streetwork auf der „Platte“ weiterhin im vierzehntägigen Abstand durch. Durch den<br />
Zusammenschluss der Drogenberatung der Diakonie und der städtischen Drogenberatung in den „Suchthilfeverbund<br />
Duisburg“, wurde dort im niedrigschwelligen Bereich eine Stelle eingespart. Daher hat die Drogenberatung derzeit<br />
keine Möglichkeit, Streetwork in Duisburg anzubieten.<br />
Somit hält die AIDS-Hilfe in diesem Bereich das einzige Angebot für Duisburg vor. Beim Streetwork werden Spritzen,<br />
Kondome und Care Sets verteilt, Fragen zu HIV/AIDS und Hepatitiden beantwortet. Der gute Kontakt und die vertrauensvolle<br />
Basis haben sich weiter entwickelt. Aufgrund der Anstrengungen des Ordnungsamtes, die Einkaufsmeile in<br />
Duisburg möglichst von drogengebrauchenden Menschen frei zu halten, haben sich diese auf drei Standorte in der<br />
Innenstadt verteilt, so dass beim Streetwork drei Orte, an denen sich DrogengebraucherInnen aufhalten, aufgesucht<br />
werden.<br />
Da der Suchthilfeverbund durch den Umzug in neue Räumlichkeiten<br />
keinen Café-Bereich mehr anbietet, führte die AIDS-<br />
Hilfe ab März am letzten Freitag im Monat ein Frühstück für<br />
DrogengebraucherInnen und Interessierte durch. Falls der letzte<br />
Freitag im Monat der Zahltag ist, wird dieses Frühstück einen<br />
Freitag früher durchgeführt. Im Juli und August fand eine<br />
Sommerpause statt. Das Frühstück wird überwiegend von zwei<br />
ehrenamtlichen Mitarbeitern vorbereitet und mit Lebensmittelspenden<br />
vom Verein „Bürger für Bürger“ unterstützt. Hierfür<br />
sagen wir recht herzlichen Dank. Das Frühstücksangebot wird<br />
gut angenommen, so dass im November sogar BesucherInnen<br />
in der Küche auf einen freien Platz im Café warten mussten.<br />
Das Frühstück wird auch zukünftig fortgeführt.<br />
5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen“ am 21. Juli<br />
Zum Nationalen Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen haben wir nachfolgenden Pressetext versandt:<br />
AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. fordert anlässlich des 21. Juli – dem nationalen Gedenktag für verstorbene<br />
Drogengebraucherinnen und Drogengebraucher – Heroin für alle, die es brauchen<br />
Erfreulicherweise ist im vergangenen Jahr die Zahl der verstorbenen DrogengebraucherInnen sowohl<br />
in Duisburg als auch in NRW und deutschlandweit zurück gegangen.<br />
65
Zielgruppenspezifische Prävention<br />
Drogentote 2008-2009<br />
2009 2008<br />
Duisburg 11 26<br />
NRW 344 380<br />
Deutschland 1331 1449<br />
„Diesen positiven Trend würde die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. gerne verbunden sehen mit der Originalstoffvergabe“,<br />
stellt Ralf Runniger, hauptamtlicher Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. für den Drogenbereich<br />
fest.<br />
Hierbei handelt es sich jedoch um einen langen Weg.<br />
Das Ministerium für Arbeit Gesundheit und Soziales (MAGS) hat die NRW-Kriterien für die Ausweitung der Diamorphinvergabe<br />
über die bestehenden Modellprojekte hinaus bekannt gegeben. Damit hat ein weiterer Baustein bei der<br />
medizinischen Versorgung suchtkranker Menschen Gestalt angenommen. Im letzten Jahr hatte der Bundestag das<br />
„Gesetz zur Diamorphin gestützten Substitutionsbehandlung“ auf den Weg gebracht. Für dessen Realisierung mussten<br />
mehrere Bundesgesetze sowie die Behandlungsrichtlinien der Bundesärztekammer und der Regelleistungskatalog<br />
des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geändert werden. Weiter mussten landesbehördliche Genehmigungsverfahren<br />
erarbeitet werden für Einrichtungen, die ab jetzt eine Diamorphin gestützte Substitutionsbehandlung<br />
durchführen wollen.<br />
„Insgesamt stellen die Voraussetzungen zur Durchführung der Behandlung, die speziellen Anforderungen an<br />
Transport und Lagerung des Medikaments sowie die überhöhten Vorschriften zur Vergabe, für die jeweiligen Einrichtungen<br />
eine enorme finanzielle Belastung dar. Dies steht in keinem Verhältnis zu den Kosten des Diamorphins einerseits<br />
und zum notwendigen flächendeckenden Zugang andererseits“, erklärt Rolf Ringeler, Vorsitzender der AIDS-<br />
Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V.<br />
„Die flächendeckende Versorgung auch in Städten wie Duisburg muss möglich werden, ohne dass zuvor nicht refinanzierbare<br />
Investitionen für Sicherheitskonzepte getätigt werden müssen“, fordert Ralf Runniger. „Die AIDS-Hilfe<br />
Duisburg/Kreis Wesel sieht die Diamorphinvergabe als Baustein von Prävention und Schadenminimierung in der Gesundheitsversorgung<br />
und wird sich nach Kräften weiterhin dafür einsetzen“, fährt Ralf Runniger weiter fort.<br />
Konkret bedeutet dies, langjährig in der Drogenabhängigkeit verhafteten, psychisch und somatisch schwer kranken<br />
Personen das Überleben zu sichern und Zukunftsperspektive zu geben.<br />
In Duisburg verstärkt sich jedoch der Eindruck, dass die offiziellen Stellen Kreativität und finanzielle Ressourcen eher<br />
in die Vertreibung der Szene investieren. Als Beispiel hierfür benennt Ralf Runniger den Gedanken der Umzäunung<br />
des Kant Parkes und den Austausch der Sitzbänke durch Fahrradständer in der Fußgängerzone Düsseldorfer Str. (in<br />
dem Teilbereich zwischen Friedrich-Wilhelm-Str. und Börsenstr.). Daneben gibt es in Duisburg im Gegensatz zu anderen<br />
Städten keinen offenen Café- Bereich mehr für DrogengebraucherInnen. Dies nahm die AIDS-Hilfe zum Anlass,<br />
zumindest am letzten Freitag im Monat ein Frühstück für DrogengebraucherInnen anzubieten, da hierfür auch<br />
weiterhin ein Bedarf besteht.<br />
Die AIDS-Hilfe lädt am Mittwoch, dem 21.07.2010 von 11 bis 13 Uhr an ihren Infostand auf der Königstraße in Höhe<br />
des König-Heinrich-Platzes zwischen U-Bahn-Ausgang und Fontänebrunnen. Es besteht die Möglichkeit, eine Kerze<br />
zum Gedenken an einen verstorbenen Menschen zu entzünden.<br />
Die MitarbeiterInnen des Infostandes tragen T-Shirts mit der Aufschrift: „Heroin für alle, die es brauchen“ und „Insulin<br />
für alle, die es brauchen“. „Hiermit wollen wir darauf aufmerksam machen, dass Heroin als Medikament zugelassen<br />
ist und Kranken, die die Kriterien erfüllen, genauso verfügbar gemacht werden muss wie zum Beispiel Insulin bei Diabetes“,<br />
erläutert Ralf Runniger.
Am 21.07.2010 führten wir in der Fußgängerzone in Nähe der Platte einen Infostand durch. Die MitarbeiterInnen der<br />
Aids-Hilfe waren mit T-Shirts ausgestattet, die mit den Texten „Heroin, für alle die, es brauchen“ und „Insulin, für alle,<br />
die es brauchen“ versehen waren.<br />
Damit unterstützten wir die bundesweite Aktion vom Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende<br />
Drogenarbeit und den JES Bundesverband, die diese Aktion initiiert hatten. Mit dieser provokanten Formulierung sollte<br />
die Bevölkerung darauf aufmerksam gemacht werden, dass nun Diamorphin als Arzneimittel zugelassen ist und<br />
somit genauso wie Insulin zumindest all denjenigen Patienten zur Verfügung gestellt werden muss, die die Bedingungen<br />
erfüllen. Des Weiteren formten wir mit Grablichtern die Zahl 11, das ist die Zahl der im Jahr 2009 in Duisburg<br />
verstorbenen DrogengebraucherInnen. Als Pressefeedback war dieses Jahr nur ein Auftritt im Studio 47 – dem Lokalfernsehen<br />
für Duisburg und den Niederrhein - zu verzeichnen, da ansonsten die örtlichen Medien wohl mit der Loveparade<br />
in Duisburg ausreichend beschäftigt waren und keine weiteren Kapazitäten hatten.<br />
5.2.5 Teilnahme an Arbeitskreisen<br />
Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ist durch den hauptamtlichen Mitarbeiter für den vorgenannten Bereich in<br />
dem Arbeitskreis Suchtmedizin (Qualitätszirkel der substituierenden Ärzte) und an der PSAG Basisarbeitsgruppe<br />
„Suchtkrankenhilfe“ vertreten.<br />
5.2.6 Teilnahme an Mitgliederversammlungen und JES-Treffen, Fachtagen<br />
Der Mitarbeiter für den Drogenbereich hat an verschiedenen Veranstaltungen teilgenommen. Hierzu gehört der 1.<br />
Wuppertaler Suchtfachtag,<br />
Titel: Vom Substitut zum Original, der von den akzeptierenden Eltern durchgeführt wurde. Hier wurde deutlich,<br />
dass trotz Arzneimittelzulassung eine flächendeckende Umsetzung der Diamorphinvergabe zeitnah<br />
nicht umsetzbar ist.<br />
Des Weiteren nahm der Mitarbeiter am JES-West-Schienen-Treffen im Februar teil, auf dem Dr. Martin Vogel von der<br />
Uniklinik Bonn einen Vortrag zu Hepatitis C zugeschnitten auf drogengebrauchende Menschen hielt. Hier konnten die<br />
DrogengebraucherInnen viele Fragen stellen und so erhielt der Mitarbeiter der AIDS-Hilfe zum einen Einblick in die<br />
Anliegen der User bzgl. Hepatitiden und wurde gleichzeitig über die neuesten medizinischen Erkenntnisse fortgebildet.<br />
Der Mitarbeiter nahm an den Mitgliederversammlungen von JES NRW und Akzept e. V. teil und am 20 jährigen Jubiläum<br />
von Vision e. V.. Da es sich um Vereine handelt, deren Mitglieder JES´ler sind oder die im niedrigschwelligen<br />
Drogenbereich tätig sind, ist hier immer ein interessanter Austausch für den Arbeitsbereich möglich.<br />
67
Zielgruppenspezifische Prävention<br />
5.3 HIV und Strafvollzug<br />
Das Angebot der „Strukturellen HIV- und STI- Präventionsarbeit im Strafvollzug“ wurde auch 2010 durch die AIDS-<br />
Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. auf der lokalen und landesweiten Ebene umgesetzt. Auf der landesweiten Ebene erfolgte<br />
die Arbeit ausschließlich in Vernetzung und Kooperation mit Institutionen, die im Bereich „HIV und Strafvollzug“<br />
tätig sind (wie z.B. bei dem Landesarbeitskreis Drogen und Haft der AIDS-Hilfe NRW e.V.).<br />
Auf der lokalen Ebene wurde mit den vorhandenen Untersuchungshaftanstalten, dem offenen Vollzug sowie den Gerichten<br />
und Staatsanwaltschaften der Region kooperiert, um die Präventionsarbeit für Bedienstete und Inhaftierte im<br />
Bereich Strafvollzug zu platzieren. Ziel war die Wissensvermittlung von Übertragungswegen und Schutzmöglichkeiten<br />
im Themenfeld STD´s, vor allem im Hinblick auf HIV und die Hepatitiden. Weitere Arbeitsschwerpunkte waren die<br />
Begleitung HIV-positiver Inhaftierter sowie die Einzelberatung von Inhaftierten im Rahmen von Sprechstunden.<br />
5.3.1 Einführung<br />
Die Arbeit in den Untersuchungshaftanstalten wurde, den Gegebenheiten des Vollzugsalltages angepasst, umgesetzt.<br />
Hierbei ist eine beständige und regelmäßige Arbeit unabdingbar, da der Vollzug eher durch einen strukturierten<br />
Alltag und durch ein hohes Maß an Regelmäßigkeit geprägt ist.<br />
Die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. im Sektor Strafvollzug wurde erfreulicherweise weiterhin<br />
über das Justizministerium NRW zum Teil refinanziert. Wir sehen dies als ein Zeichen, dass unser Ansatz über<br />
die Region Duisburg hinaus anerkannt und gewürdigt wird. Durch die anstehende Umstrukturierung der Haftanstalt<br />
Duisburg Hamborn (Schließung der Haftanstalt Innenstadt sowie Oberhausen) ist ein weiterer Schwerpunkt zum Ende<br />
des Jahres 2010 die konzeptionelle Arbeit an einer möglichen Kooperation mit der Fachabteilung Strafvollzug der<br />
AIDS-Hilfe Düsseldorf e.V. gewesen. Die Grundlage dafür ist die Planung von Seiten der Justiz, die Haftanstalt Düsseldorf<br />
und die o. a. Zweiganstalten aus Duisburg zusammen zu legen zu der im Bau befindlichen neuen Haftanstalt<br />
in Ratingen.<br />
5.3.2 Landesweite Vernetzung<br />
Teilnahme an Arbeitskreisen<br />
Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig an dem Landesarbeitskreis „Drogen und Haft“ der AIDS-Hilfe NRW e.V.<br />
teilgenommen. Durch den regelmäßig stattfindenden fachlichen Austausch wurde die Arbeit kontinuierlich modifiziert,<br />
einheitliche Standards erarbeitet und somit die lokale Arbeit weiter professionalisiert.<br />
Der hauptamtliche Mitarbeiter nahm im Rahmen der landesweiten Vernetzung an verschiedenen Arbeitskreisen und<br />
Tagungen teil.<br />
Seit mehreren Jahren ist der hauptamtliche Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. Sprecher des Landesarbeitskreises<br />
Drogen und Haft. Mit dieser Tätigkeit ist ein erhöhter zeitlicher Aufwand verbunden, da die Funktion<br />
des Sprechers unter anderem die regelmäßige Absprache mit der zuständigen Mitarbeiterin der Landesgeschäftsstelle<br />
zu Themenschwerpunkten für Landesarbeitskreise „Drogen und Haft“ sowie die Vertretung bei landesweiten Gremien<br />
beinhaltet.<br />
Im Jahr 2010 hat das Sprecherteam des Landesarbeitskreises Drogen und Haft der AIDS-Hilfe NRW e.V. in Kooperation<br />
mit der AIDS-Hilfe München e.V. einen Workshop auf dem Kongress „Gesundheitsförderung in Haft“ in Hamburg<br />
konzipiert und angeboten.<br />
Hier eine detaillierte Beschreibung des Workshops:<br />
Infektionsprophylaxe in Haft<br />
Förderung des Gesundheitsbewusstseins von Inhaftierten –<br />
Der partizipative Ansatz der AIDS-Hilfen in der HIV- / Hepatitisprävention im Strafvollzug
Referenten:<br />
Rüdiger Wächter, AIDS-Hilfe Duisburg Kreis Wesel e.V., Landesarbeitskreis<br />
Drogen/Haft der AIDS-Hilfe NRW e.V.<br />
Indra Kraft, AIDS-Hilfe im Kreis Unna e.V., Landesarbeitskreis Drogen/Haft der AIDS-Hilfe NRW e.V.<br />
Martin Jautz, Münchner AIDS-Hilfe e.V., AG AIDS & Haft in Bayern<br />
Die Ausschreibung des Workshops traf auf reges Interesse der Teilnehmer, so dass<br />
diese Arbeitsgruppe mit 25 Personen gut besucht war. Innerhalb des Workshops entwickelte sich eine lebhafte Diskussion,<br />
die die verschiedenen Aspekte des partizipativen Arbeitsansatzes der AIDS-Hilfen und die Möglichkeiten der<br />
Zusammenarbeit mit den einzelnen Haftanstalten aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtete. Inhalt des<br />
Workshops war die Darstellung und Begründung des von AIDS-Hilfen gewählten Selbstverständnisses und Haltungsansatzes<br />
mit anschließendem Austausch und der Möglichkeit für die Teilnehmer zur eigenen Entwicklung von ganz<br />
praktischen Methoden der Infektionsprophylaxe nach den Prinzipien der AIDS-Hilfearbeit. Im Anschluss daran wurde<br />
den Teilnehmern des Workshops beispielhaft das Modellprojekt „Gesundheitswochen in Haft“ zur Hepatitis-<br />
Prophylaxe der AG AIDS & Haft in Bayern vorgestellt.<br />
I. Der partizipative Ansatz der AIDS-Hilfen im Strafvollzug<br />
Zur Einführung wurden zunächst das Aufgabengebiet und der partizipative Ansatz der AIDS-Hilfen den Teilnehmern<br />
anhand eines Kurzreferates und einer Power-Point-<br />
Präsentation erläutert. Die AIDS-Hilfen sind gemeinnützige Vereine, die im Feld der Gesundheitsförderung tätig sind.<br />
In den Justizvollzugsanstalten wird dieser Arbeitsauftrag, den Gegebenheiten angepasst, umgesetzt. In Haft steht die<br />
belegt hohe Infektions-Vulnerabilität der Inhaftierten im Gegensatz zum geschlossenen System „Haft“ und den damit<br />
verbundenen Einschränkungen, was sich vor allem in der fehlenden freien Wählbarkeit von medizinischen und sozialen<br />
Angeboten und damit einhergehend auch in der schwierigeren gesunden Aufrechterhaltung der Psychohygiene<br />
der Inhaftierten niederschlägt. Gleichermaßen besteht in Haft aber auch die Möglichkeit, Menschen durch spezifische<br />
Angebote anzusprechen, die außerhalb der Haft z.B. aufgrund ihres Lebensstils durch vorhandene Angebote bislang<br />
nicht erreicht wurden. Ein wesentlicher Arbeitsauftrag von AIDS-Hilfen ist hier somit die zielgruppenspezifische AIDSund<br />
Hepatitisprävention von Menschen in Haft.<br />
Ziele der Arbeit sind hier<br />
- die Verhinderung und Verminderung von Neuinfektionen mit HIV bzw.<br />
Hepatitiden (Primärprävention)<br />
- die psychosoziale Stabilisierung und Gesunderhaltung durch Maßnahmen zur Verzögerung der HIV-<br />
Krankheitsprogression sowie Prophylaxe von Begleiterkrankungen oder Co-Infektionen HIV-positiver Menschen und<br />
die Schaffung politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, die zu einem gesundheitsförderlichen Verhalten<br />
beitragen (Sekundärprävention)<br />
- die weitestgehende Erhaltung der Lebensqualität und Selbstbestimmung von an HIV/AIDS erkrankten Menschen<br />
(Tertiärprävention)<br />
und zudem die Fortbildung der MitarbeiterInnen der Haftanstalten zu relevanten Themenfeldern im Rahmen der Infektionsprophylaxe<br />
und des Umgangs mit HIV-positiven Inhaftierten. Um nachhaltig wirkende Präventionsarbeit leisten<br />
zu können, beschäftigt sich AIDS-Hilfe in Haft im Rahmen der Aufklärung vor allem mit den Themen Drogenkonsum,<br />
Sexualität, Tätowieren und Piercen.<br />
Aufgrund des Selbstverständnisses von AIDS-Hilfen greift hier der partizipative Ansatz, der AIDS-Hilfe dazu befähigt,<br />
als eine Organisation der Selbsthilfe und als Interessenvertretung von Menschen mit HIV und AIDS zielgruppennah<br />
und akzeptanzorientiert zu agieren.<br />
II. Diskussion<br />
Die anschließende Diskussion zeigte deutlich, dass eine Zusammenarbeit mit<br />
71
Zielgruppenspezifische Prävention<br />
externen Organisationen wie die der AIDS-Hilfe sowohl für Inhaftierte als auch für<br />
Bedienstete gleichermaßen gewinnbringend sein kann. Gerade die illegalen Verhaltensrisiken wie i.v. Drogenkonsum<br />
können nicht mit den Beamten oder dem Sanitätsdienst besprochen werden. Da die Mitarbeiter der AIDS-Hilfe der<br />
Schweigepflicht unterliegen, können Inhaftierte ohne Angst vor Sanktionen die Beratung zur Vermeidung und Verhinderung<br />
von riskanten Konsummustern in<br />
Anspruch nehmen. Durch die Beauftragung der AIDS-Hilfe als externe Beratungsstelle kann so die Haftanstalt ihre<br />
Angebote im Hinblick auf die Resozialisierung der Inhaftierten erweitern, ohne gleichzeitig mit Mehrarbeit belastet zu<br />
werden. Ein bewegendes Thema ist nach wie vor – vor allem unter Berücksichtigung der durchaus unterschiedlichen<br />
politischen Einstellungen der verschiedenen Bundesländer in Deutschland und der in Europa – der akzeptanzorientierte<br />
Haltungsansatz der AIDS-Hilfen, vor allem in der Zusammenarbeit mit drogenkonsumierenden Menschen in<br />
Haft. So können einige Forderungen, die die Arbeit der AIDS-Hilfen seit Jahren begleiten, (noch) nicht eins zu eins<br />
von den Haftanstalten umgesetzt werden. Beispiel ist hier die Forderung der AIDS-Hilfen „Spritzen in die Knäste“, um<br />
– gleichermaßen wie es außerhalb von Haftanstalten durchgeführt wird - Neuinfektionen durch das Bereitstellen von<br />
sterilem Spritzbesteck auch in Haft verhindern zu können. Der Umgang in Haft mit den Themen HIV/AIDS und Hepatitis<br />
sowie die Zusammenarbeit mit Beratungsstellen wie die der AIDS-Hilfe gestaltet sich von Land zu Land und von<br />
Haftanstalt zu Haftanstalt sehr unterschiedlich und ist individuellen Voraussetzungen unterworfen. Die bewegte Diskussion<br />
zeigte deutlich, dass die Notwendigkeit und der Wunsch, sich mit Themen wie HIV und AIDS, HIV-Testung<br />
und auch Hepatitis aktiv zu beschäftigen in Haftanstalten weiterhin immens gegeben ist. Sie machte aber auch deutlich,<br />
dass eine Herangehensweise nicht pauschal zu regeln sein kann, sondern sich stets auch an den örtlich gegebenen<br />
Möglichkeiten und Voraussetzungen orientieren muss und hier in der Zusammenarbeit stetig neue Wege gefunden<br />
werden müssen, eine nachhaltige Prävention in diesem Bereich möglich machen zu können. Gelingen kann<br />
dies nur, wenn Bereitschaft auf beiden Seiten besteht, sich für die jeweils andere Profession öffnen zu können.<br />
5.3.3 Lokale Arbeit des Projektes ,HIV und Strafvollzug’<br />
Der Arbeitsbereich „Gesundheitsförderung für Menschen in Haft“ bedient die Untersuchungshaftanstalt Duisburg-<br />
Hamborn sowie die Zweiganstalten Duisburg-Mitte, Dinslaken, Oberhausen und den offenen Vollzug in Moers-<br />
Kapellen. Inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit sind:<br />
Primär- und Sekundärprävention zum Themenfeld HIV/AIDS, Hepatitiden sowie anderen sexuell übertragbare<br />
Krankheiten<br />
Begleitung und Interessensvertretung HIV-positiver Inhaftierter<br />
Einzelberatung von Inhaftierten<br />
Mitarbeiterschulungen<br />
Verschiedene Veranstaltungen<br />
5.3.4 Gesundheitliche Belastungen von Inhaftierten<br />
Die Hauptinfektionswege von HIV und Hepatitiden sind das gemeinsame Benutzen gebrauchter Spritzutensilien beim<br />
i.v. Drogenkonsum, sexuelle Kontakte und Tätowieren / Piercen. Daher hat die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis<br />
Wesel e.V. eine starke Fokussierung auf diese Übertragungswege.<br />
Hier ein Umriss der Risikosituationen anhand statistischer Forschungsergebnisse:<br />
Drogenkonsum<br />
I.v. Drogenkonsum ist bei inhaftierten Drogenabhängigen zwar weniger verbreitet als außerhalb, aber die Inhaftierten,<br />
die ihren Konsum in Haft fortsetzen, tun dies unter hoch riskanten Bedingungen und in der Regel in Form eines gemeinsamen<br />
Gebrauches von Spritzen, Nadeln und Spritzutensilien. Wedershoven (s. Wedershoven C. Katamnese<br />
der HIV-Infektion bei drogenabhängigen und nicht-drogenabhängigen Inhaftierten im Vergleich im Justizvollzug des<br />
Landes Nordrhein-Westfalen. 1998) bestätigt, dass unsterile Spritzutensilien die Hauptinfektionsquelle der von ihr<br />
untersuchten Gefangenen darstellt. Knapp fand, dass bei den von ihm befragten Inhaftierten positiven Strafgefangenen<br />
bis zu neun Personen eine Spritze zusammen benutzten (s. Knapp R. AIDS im Strafvollzug. Zur Situation HIV-<br />
Infizierter und AIDS-Kranker Strafgefangener unter besonderer Berücksichtigung der Problematik intramuralen Drogenkonsums:<br />
Ergebnisse einer empirischen Erhebung und rechtliche Konsequenzen. Bonn (Unveröff. Diss.) 1996).
Sexuelle Beziehungen<br />
Sexualität ist in den Haftanstalten genauso präsent wie der illegale Drogenkonsum. Die Thematisierung von gleichgeschlechtlicher<br />
Sexualität ist jedoch so gut wie unmöglich. Wenige Haftanstalten gestatten Langzeitinhaftierten heterosexuelle<br />
Kontakte im Rahmen der Besuchszeit von (Ehe-) PartnerInnen (z.B. JVA Werl, JVA für Frauen Vechta) oder<br />
bei Haftlockerungen der Inhaftierten sexuelle Kontakte im Rahmen des Urlaubes.<br />
Es scheint jedoch, dass das „Verbot“ der Ausübung von Sexualität als Teil der Strafe angesehen wird. Dies wird nicht<br />
zuletzt von den Inhaftierten selbst so gesehen. Der Drang nach sexuellen Handlungen führt zu einer Abspaltung der<br />
Sexualität von der allgemeinen sozialen Haltung der Inhaftierten. Es werden gleichgeschlechtliche Handlungen praktiziert,<br />
die konträr zur Haltung und allgemeinen Aussage der Inhaftierten stehen. Durch diese abgetrennte, nicht akzeptierte<br />
Sexualität wird teilweise bzw. vollständig auf Kondomgebrauch verzichtet. Die Prävention steht hier vor einem<br />
Dilemma. Der Thematisierung von gleichgeschlechtlicher Sexualität in Präventionsveranstaltungen wird mit Ablehnung<br />
begegnet. Um Inhaftierten die Möglichkeit eines Beratungsgespräches zu ermöglichen, wo Fragen zu Übertragungswegen<br />
vertrauensvoll beantwortet werden, bietet die AIDS-Hilfe daher seit 2007 eine Hepatitis- / HIV-<br />
Sprechstunde in den Haftanstalten Hamborn und Dinslaken an.<br />
Tätowieren / Piercen<br />
Tätowieren und Piercen ist wie das Benutzen unsteriler Injektionsnadeln eine Übertragungsmöglichkeit von Hepatitis<br />
C und, in geringerem Ausmaß, von HIV. Leider wurden bis dato keine Studien in Haftanstalten durchgeführt, um hier<br />
eine Aussage in Richtung Risiko, Gebrauch und Infektionszahlen von Inhaftierten über Tätowieren und Piercen zu<br />
treffen.<br />
Die AIDS-Hilfe thematisiert diese gesundheitsgefährdenden Verhaltensweisen bei ihrer Präventionsarbeit und bietet<br />
den Rahmenbedingungen entsprechende Lösungsansätze an.<br />
5.3.4.1 Primär- und Sekundärprävention<br />
Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig Informationsveranstaltungen in den Justizvollzugsanstalten durchgeführt.<br />
Neben den Übertragungswegen von HIV und Hepatitiden wurden die Behandlungsmöglichkeiten und mögliche<br />
Schutzmaßnahmen angesprochen (Desinfektion von gebrauchten Spritzen, Förderung des „Blutbewusstseins“,<br />
Vorgehen bei Nadelstichverletzungen und Safer Sex - Praktiken {bei Männern, die Sex mit Männern haben sowie<br />
Frauen, die Sex mit Frauen haben}).<br />
5.3.4.2 Begleitung<br />
Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit im Strafvollzug“ bietet den inhaftierten Frauen und<br />
Männern die Möglichkeit, regelmäßig (in der Regel alle zwei Wochen) mit einem Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg/<br />
Kreis Wesel e.V. zu sprechen. Die Erstgespräche werden von dem hauptamtlichen Mitarbeiter durchgeführt. Hier<br />
werden folgende Aspekte erörtert: Bedarf des Inhaftierten, Stadium der HIV-Infektion, medizinische Behandlung sowie<br />
die Angebote der AIDS-Hilfe (z.B. Knastpakete, Therapievermittlung, Resozialisierung nach der Haftentlassung<br />
etc.). Die regelmäßigen Besuche werden durch einen hauptamtlichen Mitarbeiter oder ggf. von einem ehrenamtlichen<br />
Mitarbeiter durchgeführt. Im Sinne einer professionellen psycho-sozialen Begleitung besteht für die ehrenamtlichen<br />
Mitarbeiter das Angebot der „Drogen- / Knast-Gruppe“. Ziel des zweiwöchentlich verfügbaren Angebotes ist der<br />
fachliche Austausch von Begleitungsfällen, Absprachen von Veranstaltungen und eine supervisorische Beratung für<br />
die Begleiter.<br />
73
Zielgruppenspezifische Prävention<br />
Außenansicht des neu erstellten Flyers<br />
5.3.4.3 HIV- und Hepatitissprechstunde<br />
Nach Absprache mit dem Anstaltsarzt der JVA-Hamborn bietet die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. seit 2006 in<br />
der Zweiganstalt Dinslaken eine HIV- und Hepatitissprechstunde an und seit 2007 in der Haftanstalt Hamborn. Seit<br />
2009 werden auch die Zweiganstalten Duisburg-Innenstadt und Oberhausen bedient.<br />
Ziel der Sprechstunde ist es, in einem geschützten Rahmen Fragen an den Mitarbeiter der AIDS-Hilfe stellen zu können,<br />
die bei einer Informationsveranstaltung im größeren Rahmen durch Scham, gesellschaftliche Tabuisierung bzw.<br />
Sanktionsgefahr von Seiten der Anstalten nicht thematisiert werden (Needlesharing [das gemeinsame Benutzen von<br />
Spritzen], Drogenkonsum, Mann-Männliche Sexualität sowie die Thematik „Frauen die Sex mit Frauen haben“). Die<br />
Sprechstunde wird durch Plakate und den neu erstellten Flyer beworben und Interessierte können sich durch einen<br />
Antrag an den Sozialdienst für die Sprechstunde anmelden.<br />
Innenansicht des neu erstellten Flyers<br />
5.3.4.4 Mitarbeiterschulung<br />
Durch den Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit im Strafvollzug“ werden für die Bediensteten<br />
der Justizvollzugsanstalten, den Gerichten sowie den Staatsanwaltschaften Informationsveranstaltungen angeboten<br />
(siehe hierzu: Infektionsschutz „Gemeinsamer Runderlass des Ministeriums für Inneres und Justiz (4550 – IV B. 65)<br />
und des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit (V A 4 – 0392.3)“) . Inhalte der Veranstaltungen<br />
sind vornehmlich die Einhaltung der Hygienestandards, Vorgehen nach einer Nadelstichverletzung und die Wissensvermittlung<br />
von Übertragungswegen, Behandlungsmöglichkeiten im Bezug auf HIV und Hepatitiden und darüber hinaus<br />
die Impfmöglichkeiten bei einigen Hepatitiden.<br />
5.3.4.5 Veranstaltungen<br />
Der hauptamtliche Mitarbeiter war bei mehreren Veranstaltungen in den Justizvollzugsanstalten präsent, um als Ansprechpartner<br />
bekannt zu werden. Darüber hinaus wurden medienwirksame Veranstaltungen selbst organisiert, um<br />
das Thema „HIV und Strafvollzug“ in der Öffentlichkeit zu thematisieren.<br />
Zu diesen Veranstaltungen zählten unter anderem die Teilnahme am Sommerfest der Frauenhaftanstalt sowie die<br />
Teilnahme an einer Weihnachtsfeier in der Haftanstalt Hamborn.
5.3.5 Daten, Zahlen, Fakten<br />
Begleitung:<br />
Es wurden im Jahr 2010 84 Einzelbesuche von HIV-positiven Inhaftierten Menschen im Rahmen der Begleitet durch<br />
den zuständigen Mitarbeiter der AIDS-Hilfe durchgeführt.<br />
Prävention:<br />
Es wurden insgesamt 502 Menschen in Haft durch primärpräventive Aktionen erreicht; unter anderem durch 11 Präventionsveranstaltungen<br />
für Inhaftierte sowie 4 Präventionsveranstaltungen für Bedienstete (in den vier von uns bedienten<br />
Haftanstalten).<br />
5.3.6 Resümee<br />
Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit im Strafvollzug“ kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückschauen.<br />
Die Kooperation mit den Anstalten ist konstant, kontinuierlich und produktiv. Die Angebote der AIDS-<br />
Hilfe wurden sehr gut angenommen.<br />
Gerade durch die vertragliche Grundlage mit den Haftanstalten konnte eine regelmäßige und kontinuierliche Arbeit<br />
sichergestellt werden. Jedoch ist damit auch eine erhöhte Verbindlichkeit und durch die Ausweitung des Betätigungsfeldes<br />
auf die Haftanstalt Oberhausen auch ein erhöhter zeitlicher Aufwand verbunden.<br />
75
Zielgruppenspezifische Prävention<br />
5.4 Frauen und AIDS -<br />
Prävention bei Frauen in besonderen Lebenslagen<br />
Auch im Jahr 2010 ließ sich das Projekt ‚XXelle AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.“ mithilfe der zielgruppenspezifischen<br />
Mittel des Landes NRW erfolgreich umsetzen.<br />
Die Schwerpunkte galten auch im Jahr 2010 den Arbeitsbereichen Begleitung von HIV-positiven / an AIDS erkrankten<br />
Frauen, Gestaltung bedarfsgerechter Versorgungsstrukturen, Abbau gesellschaftlicher Diskriminierungen und<br />
Primärprävention spezifischer Zielgruppen innerhalb des Frauenbereiches.<br />
Erneut erfolgte in diesem Jahr die Arbeit auf der landesweiten und regionalen Ebene ausschließlich in Vernetzung<br />
und Kooperation mit Institutionen, die im Bereich ‚Frauen und AIDS’ tätig sind. Diese Vorgehensweise stellt vorhandene<br />
Ressourcen sicher und führt zu einer effizienten Arbeit im Bereich ‚Frauen und AIDS’.<br />
In der lokalen Arbeit ließ sich die Ausdifferenzierung der Aufgaben durch die Einbeziehung von ehrenamtlicher Arbeit<br />
–allerdings in reduzierter Weise- bei der Unterstützung der HIV-positiven / an AIDS erkrankten Frauen realisieren.<br />
Darüber hinaus waren auch auf dieser Ebene Kooperationen mit Institutionen relevant, um die begrenzten personellen<br />
Ressourcen möglichst effizient zu nutzen.<br />
5.4.1 Arbeitsbereich ‚Frauen und AIDS’ auf der lokalen Ebene<br />
Sicherstellung frauenspezifischer Beratung und Begleitung<br />
Auch im Jahr 2010 stellten die Projektnehmerinnen sicher, dass für Frauen, die sich telefonisch oder persönlich an<br />
die AIDS-Hilfe wendeten, die Option bestand, sich mit einer Frau über ihre Themen auseinandersetzen zu können.<br />
Für eine qualifizierte Beratung und Betreuung spielen geschlechtsspezifische Faktoren eine wichtige Rolle, die sich<br />
nicht ohne weiteres von männlichen Kollegen bearbeiten lassen. Besonders bei Frauen, deren kultureller oder religiöser<br />
Hintergrund einen offenen Umgang bezüglich Sexualität ausschließlich bei gleichgeschlechtlichen Personen akzeptiert,<br />
ist eine weibliche Ansprechpartnerin wichtig.<br />
Zu Beginn des Jahres 2010 ist es gelungen, eine regelmäßige Frauengruppe zu etablieren, die sich mittlerweile<br />
schon über ein Jahr einmal monatlich trifft und bereits diverse gemeinsame Aktionen der Freizeitgestaltung unternommen<br />
hat. Diese Angebote tragen dazu bei, die Isolation von Frauen zu durchbrechen.<br />
Beispielhaft lassen sich hier aufzählen:<br />
ein gemeinsames Picknick<br />
ein Kochnachmittag<br />
ein Massageangebot<br />
eine Farb – und Stilberatung<br />
ein Besuch im Zoo
Ein schöner Effekt ist, dass ein großer Teil der Gruppe sich angemeldet hat zum Frauen-Wohlfühlwochenende der<br />
XXelle-Ruhrgebietsvernetzung am 22./23. Oktober und somit fünf Duisburger Frauen daran teilgenommen haben.<br />
Zusammenarbeit mit Ehrenamtlerinnen / betroffenen Frauen<br />
Für die lokale Arbeit ist es weiterhin notwendig, die Kapazitäten mithilfe von Ehrenamtlerinnen und positiven Frauen<br />
zu erweitern. Die Strategie der Projektnehmerinnen, sowohl Ehrenamtlerinnen als auch betroffene Frauen in die aktuelle<br />
frauenspezifische Arbeit mit einzubinden, wurde 2010 fortgesetzt und ließ sich zum Welt-Aids-Tag umsetzen.<br />
Trotz der Angst des unfreiwilligen „Outings“, die bei Aktionen vor Ort meist vorhanden ist, war es den Frauen möglich,<br />
uns für ein paar Stunden tatkräftig unter die Arme zu greifen.<br />
Primärprävention bei Frauen in besonderen Lebenslagen<br />
2010 ließ sich die Präventionsarbeit auf dem Duisburger Straßenstrich –mit nahezu gleicher Frequenz wie im Vorjahr<br />
- erfolgreich mit dem Gesundheitsamt der Stadt Duisburg fortführen. Mit der regelmäßigen aufsuchenden Arbeit (in<br />
einem ca. zweiwöchigen Rhythmus) wird ein langfristiger Beziehungsaufbau zu den einzelnen Sexarbeiterinnen ermöglicht.<br />
In dem Arbeitsbereich der Bordelle in Duisburg wurde eine Nikolausaktion durchgeführt, in der Give-aways und Informationsmaterial<br />
zum Beratungs- und Untersuchungsangebot an die Sexarbeiterinnen verteilt wurden.<br />
Für den Einsatzbereich Kreis Wesel kam es im Oktober des Jahres zu Kooperationsaktionen mit dem Gesundheitsamt<br />
des Kreises im Rahmen von gemeinsamen Besuchen innerhalb der Clubszene in Häusern in Xanten, Hamminkeln,<br />
Voerde und Wesel. Im April dieses Jahres waren wir für diesen Arbeitszusammenhang mit eingeladen<br />
auf einem europäischen, grenzüberschreitenden Treffen zum Thema der Kooperation im Bereich Prostitution<br />
und STDs.<br />
Öffentlichkeitsarbeit<br />
2010 galt es neben der Kommunikationskampagne ‚XXelle’ auch die lokale AIDS-Hilfe und die Arbeit in dem Bereich<br />
‚Frauen und AIDS’ zu präsentieren. Der Internetauftritt von XXelle-Ruhrgebiet wurde inhaltlich überarbeitet.<br />
Seit Mitte des Jahres 2010 trägt die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. neben der AIDS-Hilfe Dortmund die presserechtliche<br />
Verantwortung für die Homepage.<br />
www.xxelle-ruhrgebiet.de<br />
77
Zielgruppenspezifische Prävention<br />
Ein wichtiger Anspruch im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit ist es, das Thema ‚Frauen und AIDS’ ins Bewusstsein<br />
breiter Bevölkerungskreise zu transportieren. Neben den eigenen Darstellungsmedien (z. B. Homepage) und öffentlichkeitswirksamen<br />
Aktionen (s. o.), spielen natürlich die Medien dazu eine Rolle. Trotz wieder einmal nennenswerter<br />
Anfragen, konnte es im Berichtsjahr leider nicht gelingen, Frauen für Interviews oder Reportagen zu gewinnen, die<br />
dem Thema auch für unsere Region gewissermaßen ein authentisches „Gesicht“ hätten verleihen können.<br />
Es zeigte sich einmal mehr, dass es für HIV-positive Frauen offenbar noch schwieriger erscheint als für viele Männer,<br />
sich selbstbewusst in der Öffentlichkeit outen zu können.<br />
Teilnahme an Arbeitskreisen<br />
An dem in Duisburg existierenden Arbeitskreis, der sich an Frauengruppen und frauenspezifische Institutionen aus<br />
Duisburg richtet, nahmen die Projektnehmerinnen an den Arbeitstreffen teil, die eine thematische Relevanz für die<br />
lokale Arbeit hatten.<br />
Durch diese Kontakte wird die Begleitungsarbeit im Frauenbereich optimiert, da enge Kooperationsmöglichkeiten zwischen<br />
den Einrichtungen entstehen. Die Netzwerkarbeit gewinnt zunehmend an Bedeutung, da HIV-positive Frauen<br />
auch in anderen Einrichtungen in Erscheinung treten, wie z. B. Frauenhäusern oder Krankenhäusern, und sich die<br />
Bedarfe durch das sich verändernde Sozialrecht und die Gesundheitsreformen weiter ausdifferenzieren.<br />
5.4.2 Regionale Vernetzungsarbeit im Arbeitsbereich ‚Frauen und AIDS’<br />
Homepageprojekt ‚www.XXelle-ruhrgebiet.de’<br />
Die neue Homepage bietet zum einen die Option, frauenspezifische Institutionen im Ruhrgebiet zu informieren und zu<br />
sensibilisieren, und zum anderen schafft sie für positive Frauen einen niedrigschwelligen und anonymen Zugang zu<br />
Informationen und persönlichen Kontakten.<br />
Hintergrund der Stabilisierung und Modifizierung der Homepage bleibt weiterhin, Frauen mit HIV und AIDS die Möglichkeit<br />
zu geben, Informationen zu aktuellen medizinischen Neuerungen / Veränderungen bedarfsgerecht und anonym<br />
über das Internet jeder Zeit abrufen zu können. Darüber hinaus soll der neue Veranstaltungskalender online<br />
über Vernetzungstreffen im Ruhrgebiet Auskunft geben sowie Termine der einzelnen AIDS-Hilfen veröffentlicht werden,<br />
um den betroffenen Frauen verbesserte Möglichkeiten zu bieten, sich an den Angeboten beteiligen zu können.<br />
Förderung der Selbsthilfepotentiale und Stabilisierung der bestehenden Selbsthilfeangebote<br />
Ein wesentliches Ziel auf der Ruhrgebietsebene ist es, positiven Frauen eine Möglichkeit zu geben, sich persönlich<br />
auszutauschen und eine Vernetzung zu ermöglichen. Dies ist besonders relevant, da die Zielgruppe ‚Frauen’ sehr<br />
heterogen ist und sich eine stabile persönliche Beziehung nicht ausschließlich auf die HIV-Infektion / AIDS-
Erkrankung gründen lässt.<br />
In Zusammenarbeit mit der AIDS-Hilfe Dortmund e.V., der AIDS-Hilfe Essen e.V., der AIDS-Hilfe Oberhausen e.V., der AIDS-Hilfe<br />
Bochum e. V. und der AWO Niederrhein e.V. wurde im Jahr 2010 am 22./23. Oktober ein Vernetzungswochenende mit frauenrelevanten<br />
Schwerpunktthemen angeboten. Erfreulicherweise konnte dieses Angebot mithilfe der Münsteraner Aidsstiftung<br />
und einiger Krankenkassen finanziert werden.<br />
Die Evaluation hat ergeben, dass die Frauen besonders zufrieden damit waren, für zwei Tage die heimische Umgebung verlassen<br />
zu können und ohne die Kinder ein Wochenende für sich zur Entspannung zu haben.<br />
Positiver Nebeneffekt des Wochenendes war das darauf folgende Bedürfnis der Gruppe, sich möglichst schnell wieder zu treffen.<br />
Dieser Wunsch führte dann am 13. Dezember zu einem gemeinsamen Weihnachtsessen bei der Aidshilfe Essen.<br />
Öffentlichkeitsarbeit<br />
In der Öffentlichkeitsarbeit im Jahr 2010 wurde der Schwerpunkt erneut auf die Präsentation der landesweiten Kommunikationskampagne<br />
‚XXelle’ gelegt. Im Rahmen der Ruhrgebietsvernetzung ließen sich wieder Öffentlichkeitsaktionen<br />
zum Thema ‚Frauen und AIDS’ platzieren, zu denen es aus den angegebenen Gründen allerdings keine personelle<br />
Beteiligung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel gab.<br />
5.4.3 Landesweite Vernetzungsarbeit im Arbeitsbereich ‚Frauen und Aids’<br />
Teilnahme an Arbeitskreisen<br />
Die regelmäßige Teilnahme an der Landesarbeitsgemeinschaft ‚Frauen und Aids’ vertiefte den landesweiten Bezug<br />
des Projektes. Dieser ist notwendig, um die kontinuierliche Modifizierung der Arbeit in dem Bereich ‚Frauen und<br />
AIDS’ zu gewährleisten. Mithilfe der fachlichen Auseinandersetzung auf der Landesebene wird zum einen die lokale<br />
Projektarbeit weiterqualifiziert und zum anderen die Erarbeitung und Umsetzung von Projektideen in NRW gefördert.<br />
Seit 2010 ist die Aidshilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. auch engagiert in der Öffentlichkeits-AG der Landesarbeitsgemeinschaft.<br />
Öffentlichkeitsarbeit<br />
2010 galt es, die landesweite Kommunikationskampagne ‚XXelle’ öffentlichkeitswirksam zu präsentieren.<br />
Die NRW-weit erstellten Materialien ließen sich für unterschiedliche Aktionen (s. Öffentlichkeitsarbeit auf lokaler / regionaler<br />
Ebene) erfolgreich nutzen. Darüber hinaus trugen die von der AIDS-Hilfe NRW e.V. erstellten Presseartikel<br />
zu einer gelungenen Öffentlichkeitsarbeit bei.<br />
79
Zielgruppenspezifische Prävention<br />
Zum Internationalen Frauentag hat sich die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel<br />
e.V.an zwei zentralen Vernetzungsaktionen beteiligt:<br />
an der landesweiten Briefaktion der LAG Frauen und Aids , die sich an die<br />
Gynäkologinnen und Gynäkologen der Kommunen richtete mit dem Fokus<br />
der Kooperation mit den örtlichen Aidshilfen in Zusammenhang mit Beratung<br />
zum Testangebot für Schwangere und an der Durchführung des Benefizkonzertes<br />
„XXelle RoXX“ am 12. März in der Zeche Carl in Essen.<br />
Ein weiteres zentrales landesweites Ereignis war der bundesweite Hebammenkongress<br />
im Messezentrum Düsseldorf , an der die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis<br />
Wesel im Rahmen von Standbetreuung beteiligt war.<br />
Für die Verknüpfung der landesweiten Kampagne mit lokalem Engagement auf Vorstandsebene<br />
lässt sich von einem weiteren Novum berichten:<br />
Seit Herbst 2010 präsentiert sich Vorstandsfrau Silke Stützel als XXelle Botschafterin auf den<br />
Seiten von XXelle NRW .<br />
Silke (44) aus Duisburg<br />
„XXelle bedeutet für mich ein Netzwerk, das HIV-positiven<br />
Frauen ein Gesicht gibt und ihre Energien und Aktivitäten,<br />
aber auch Ängste sichtbar macht.“
5.5. AIDS und Migration<br />
5.5.1. Migration und Begleitung<br />
Von den HIV-positiven / an AIDS-erkrankten Menschen, die im Jahr 2010 von der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel<br />
e.V. begleitet wurden, hatten ca. ein Drittel einen Migrationshintergrund. Insbesondere bei den Frauen zeigte sich<br />
erneut, dass Migrantinnen unsere Institution für sich nutzten.<br />
Besonders Menschen aus Subsahara-Afrika suchten 2010 die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. auf. Sie waren,<br />
wie auch in vorangegangenen Berichtsjahren die zahlenmäßig größte Gruppe der Migrant/innen. Als Herkunftsländer<br />
ragten dabei schwerpunktmäßig Togo und Kamerun heraus.<br />
Darüber hinaus begleitete die AIDS-Hilfe Menschen mit italienischem, polnischem, serbokroatischem und türkischem<br />
Migrationshintergrund.<br />
Im Gegensatz zu der Gruppe aus Subsahara-Afrika war diese jedoch zahlenmäßig deutlich kleiner.<br />
In der Begleitung zeigt sich, dass viele Thematiken, die in der Beratungs- und Versorgungssituation eine Rolle spielen,<br />
kulturell geprägt sind. Dieses führt in Beratungssituationen leicht zu Missverständnissen, Fehlentscheidungen<br />
und kontraproduktiven Unterstützungs- und Behandlungsangeboten. Oft wird die Verständigung durch die sprachlichen<br />
Barrieren erschwert. Zusätzlich zu den sprachlichen und kulturellen Barrieren ist die Begleitung der HIV-<br />
Infizierten / an AIDS-erkrankten Migrant/innen durch deren spezifische Lebenssituation gekennzeichnet. So sind die<br />
Regelung des Aufenthaltsstatus und der Umgang mit dem fremden Aufenthaltsland ein existentielles Thema.<br />
Darüber hinaus gilt für viele Migrant/innen, dass sie ihre Familien in den Herkunftsländern zurück lassen. Besonders<br />
in der Begleitung der Menschen aus Subsahara-Afrika ist die Trennung von Eltern, Geschwistern, Kindern und Ehepartner/innen<br />
Thema. Die Einsamkeit und Isolation verstärkt sich mit der Diagnose: ‚HIV-positiv’. In der Begleitung<br />
der Schwarzafrikaner/innen stellten wir in diesem Berichtsjahr erneut fest, dass die HIV-Infektion in der Community<br />
der Schwarzafrikaner/innen nicht Thema werden darf. Selbst die eigene Familie wird in der Regel nicht informiert.<br />
Diese spezifische Lebenssituation führt dazu, dass die HIV/AIDS-Erkrankung gegenüber den psychischen und existentiellen<br />
Belastungen in den Hintergrund treten kann.<br />
Die aufgeführten Faktoren zeigen, dass die Begleitung der Migrant/innen oftmals einen anderen inhaltlichen Rahmen<br />
einnimmt. Die Problematik, dass ein großer Teil der Migrant/innen kein Deutsch verstehen bzw. lesen kann, nimmt<br />
darüber hinaus größere zeitliche Ressourcen in Anspruch. Da es keine Stelle gibt, die dafür zuständig ist, Briefe (u. a.<br />
von den jeweiligen Ämtern) zu übersetzen, geschieht dieses meist innerhalb der AIDS-Hilfe.<br />
Sowohl hinsichtlich der Inhalte als auch im Hinblick auf die Zeitressourcen ist die Kooperation mit anderen Institutionen<br />
bei der Begleitung von Migrant/innen dringend notwendig.<br />
5.5.2. Arbeitskreis ‚Migration’<br />
Der Arbeitskreis Migration ist ein Zusammenschluss von Organisationen, die regional im Bereich Migrant/innen mit<br />
HIV / AIDS tätig sind (AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V., Gesundheitsamt der Stadt Duisburg - Beratungsstelle<br />
zu AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, AIDS-Hilfe Düsseldorf e.V., AIDS-Hilfe Oberhausen e. V.,<br />
AIDS-Hilfe Krefeld e.V., Projekt Aids + Kinder, Köln, Deutsche AIDS-Stiftung, Bonn).<br />
Ziel ist der fachliche Austausch, die Vernetzung regionaler Angebote und die Durchführung gemeinsamer Projekte<br />
und Veranstaltungen.<br />
Zentrale Veranstaltung des laufenden Jahres zum Thema Migration war am 16. Juni die sehr erfolgreiche<br />
Fachtagung des Arbeitskreises Migration, an deren Vorbereitung und Durchführung wir wie in<br />
den letzten Jahren auch beteiligt waren.<br />
81
Zielgruppenspezifische Prävention<br />
Unsichtbar – Menschen ohne Papiere in Deutschland.<br />
Die rege Teilnahme von Fachleuten - teilweise über die Landesgrenzen hinaus – war eindeutiges Anzeichen für den<br />
Bedarf nach fachlichem Austausch zum Thema.<br />
Lokale Ebene<br />
Interkulturelle Wochen Duisburg<br />
Im Rahmen der Interkulturellen Wochen, die jährlich in Duisburg stattfinden, wird von städtischer Seite aus auf Vielfalt<br />
von Kultur, Lebensweise und Religion von Migrantinnen und Migranten in der Stadt aufmerksam gemacht. Mit zahlreichen<br />
kulturellen Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerten, Vorträgen, Festen für Kinder u. v. m., die von verschiedenen<br />
Vereinen organisiert werden, wird auf die Weltoffenheit der Stadt Duisburg hingewiesen.<br />
Im Jahr 2010 war unsere Schwerpunktaktion innerhalb der Interkulturellen Wochen die Wochenmarktaktion am<br />
23.September auf dem großen Wochenmarkt auf dem Hamborner Altmarkt - gemeinsam mit der IG Metall und den<br />
beiden Paritätischen Mitgliedsorganisationen Mabilda e.V. und der Dersim Gemeinde aus Marxloh, beides für Duisburg<br />
relevante Migrantenselbstorganisationen. Die Kontakte zu beiden Organisationen sind gleichzeitig Teil unserer<br />
Bestrebungen, die Beziehungen zur türkisch / kurdischen Community im Duisburger Norden zu verfestigen.<br />
Es zeigt sich auf der lokalen Ebene der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel, dass die Begleitungszahlen der Menschen<br />
mit HIV / AIDS, die einen Migrationshintergrund haben, die deutschlandweiten Zahlen widerspiegeln. Die Begleitungsarbeit<br />
bei dieser Zielgruppe erfordert spezifische sprachliche, interkulturelle und fachliche Kompetenzen. Da<br />
sich die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit in der Zielgruppe der Migranten oftmals problematisch darstellt, weil<br />
das Thema ‚HIV/AIDS’ weitestgehend tabuisiert wird, ist hier ein langer Atem erforderlich und sind immer wieder die<br />
Gelegenheiten zu nutzen, um die Thematik auch öffentlichkeitswirksam wach zu halten.<br />
Innerhalb unseres Paritätischen Dachverbandes haben wir über die Beteiligung an der Interkulturellen Woche hinaus<br />
auch intern das Thema Migration und transkulturelle Öffnung auf der diesjährigen Mitgliederversammlung am 20.<br />
September zum Thema gemacht.<br />
Mit einer eigenen PowerPointPräsentation und offiziellem Redebeitrag haben wir zur Intensivierung und Belebung der<br />
innerverbandlichen Diskussion beigetragen.
am Beispiel der Strukturellen Präventionsarbeit der<br />
AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.<br />
Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung<br />
Konferenz der Mitglieder der Kreisgruppe Duisburg des PARITÄTISCHEN, 20.09.201 0<br />
83
Youthwork<br />
5.6 Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung<br />
So sieht es aus – das neue Logo für unser Arbeitsfeld “Youthwork”. Frisch kommt es daher- so wie die Arbeit mit Jugendlichen<br />
sein sollte und so frisch, wie sie die Mitarbeiter/innen in diesem Sektor hält (!?!). Der Rheinberger Grafikerin<br />
und Designerin, Britta Plien, die unser neues „corporate design“ (s. auch neue Hausbroschüre, 4.) gestaltet hat,<br />
gilt Dank dafür.<br />
Seit 1989 ist „Youthwork“ (AIDS-Prävention in sexualpädagogischem Kontext) ein fester und wichtiger Bestandteil der<br />
Angebotspalette der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. Und wenn auch das alte richtliniengestützte Förderprogramm<br />
(1988 vom damaligen MAGS NRW eingeführt, s. www.youthwork-nrw.de ) im Zuge des Kommunalisierungsprozesses<br />
im Prinzip erledigt ist, so ist aufgrund der unzweifelhaften Sinnhaftigkeit nicht nur die Landesförderung erhalten<br />
geblieben, sondern auch die kommunalen Ergänzungsfinanzierungen (wenn auch gedeckelt, s.o.). Und der<br />
schon mehrfach zitierte Entwurf der neuen Landesregierung bestärkt den spezifischen Arbeitsansatz auch sehr eindeutig.<br />
„Jugendliche gehören bislang nicht zu den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Da sie am Anfang ihrer<br />
sexuellen Aktivität stehen, sind sie jedoch eine wichtige Zielgruppe für die Primärprävention. Jugendliche stehen vor<br />
der Herausforderung, zu Beginn ihrer partnerschaftlich ausgerichteten Sexualität sich sowohl mit Fragen der Verhütung<br />
und des Schutzes vor sexuell übertragbaren Infektionen als auch mit physischen und psychischen Veränderungen<br />
auseinanderzusetzen. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass personalkommunikative Ansätze in der<br />
Sexualaufklärung und Prävention diese Lernprozesse besonders fördern und unterstützen. Sie müssen jedoch frühzeitig<br />
einsetzen, kontinuierlich weitergeführt werden und sich an dem jeweiligen Entwicklungsstand, der sexuellen<br />
Orientierung und den sozialen, kulturellen und ethischen Hintergründen der Jugendlichen ausrichten.<br />
Da andere sexuell übertragbare Infektionen, insbesondere Syphilis, Tripper und Chlamydien auch Jugendliche betreffen<br />
und sich damit das Risiko einer HIV-Infektion erhöht, müssen die Inhalte der HIV/AIDS-Prävention und Sexualaufklärung<br />
mit den Informationen zur Verhinderung der o.g. Infektionen verknüpft werden. (…)<br />
Die Angebote der Schule und der außerschulischen Jugendarbeit werden durch HIV- uns STI-<br />
Präventionsmaßnahmen der AIDS-, Sexual- und Jugendberatungsstellen unterstützt und ergänzt. Notwendig sind<br />
kontinuierliche und strukturierte Kooperationen und gemeinsame Projekte zwischen AIDS-/STI- und Sexualberatungsstellen,<br />
Jugendhilfe, Suchthilfe, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen in öffentlicher und freier Trägerschaft.“<br />
(Entwurf „Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention in NRW“ vom Dezember 2010; S. 13 f)<br />
Einmal mehr gilt der Landes-Arbeitsgruppe Prävention unter Federführung des Gesundheitsministeriums ein Kompliment<br />
für die Analyse und die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen (vgl. 1.). Diese sind auf der Höhe der<br />
Zeit. Und - aufmerksame Leser/innen unserer Jahresberichte haben es längst bemerkt – sie bestätigen unsere Y-<br />
outhwork-Arbeit und ihre Ansätze in eindrucksvoller Weise. Das gilt insbesondere auch für die kooperativen Projektformen,<br />
die wir seit je her propagieren, initiieren und umsetzen und die in besonderer Weise für nachhaltige Synergieeffekte<br />
prädestiniert sind.
Auch darüber erklärt sich gewiss zu einem nicht unerheblichen Teil, dass Jugendliche in Deutschland und in unserer<br />
Region tatsächlich nicht zu den besonders riskierten Zielgruppen zählen – Prävention im Kontext von Gesundheitsförderung<br />
wirkt und ist zielführend im Hinblick auf eine Verankerung von Präventionswissen und die Stärkung der<br />
Handlungskompetenzen für die individuelle Gesunderhaltung sowie die Förderung eines nachhaltigen Schutzverhaltens<br />
und dessen Implementierung im persönlichen Lebensstil.<br />
Diese und weitere Ziele und Ansätze sind im Berichtsjahr auch auf der Bundesebene unter besonderer Berücksichtigung<br />
der notwendigen stärkeren Einbeziehung der STI`s / STD`s und ihrer Relevanz für die HIV-Prävention weiter<br />
bestärkt worden. Erstmalig wurden im April 2010 sechs Standards für die STI/STD-Prävention verabschiedet und<br />
zahlreich ratifiziert (so etwa auch vom Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit des Landes Nordrhein-Westfalen)<br />
sowie im Epidemiologischen Bulletin Nr. 35 des Robert-Koch-Instituts (s. www.rki.de ) veröffentlicht. Entwickelt wurden<br />
diese von der bundesweiten, multiprofessionellen, interdisziplinären und intersektoriellen Arbeitsgemeinschaft<br />
sexuelle Gesundheit der Deutschen STD-Gesellschaft (DSTDG) – ein weiterer Meilenstein hinsichtlich der Verbindlichkeit<br />
von Voraussetzungen für eine gute Präventionsarbeit.<br />
Die Standards und deren Grundpositionen sind im ganz Wesentlichen eine Bekräftigung des –alten, aber eben immer<br />
noch modernen- Konzeptes der „strukturellen AIDS-Prävention“ der Deutschen AIDS-Hilfe, nach dem auch wir unsere<br />
Arbeit ausrichten. Und dabei ist AIDS-Prävention schon immer auch einzubetten in einen ganzheitlichen Kontext<br />
von Gesundheitsförderung.<br />
Zentrale Grundpositionen dieser Standards sind:<br />
● Sexualität ist eine zentrale Lebensäußerung, Ausdruck lustvollen Lebens und Grundbestandteil der Gesundheit in<br />
einem umfassenden Sinn.<br />
● Die Prävention von STD/STI ist daher Bestandteil allgemeiner Förderung der Gesundheit und positiver Lebenseinstellungen.<br />
● Die Verhältnisprävention soll untrennbar mit der Förderung sexueller Gesundheit verbunden sein.<br />
● Es sollen spezielle Infektionen und Erkrankungen verhindert werden, aber auch gesellschaftliche und soziale Bedingungen<br />
geschaffen werden, unter denen es lohnend und möglich ist, die eigene Gesundheit zu schützen und lustvoll<br />
zu leben<br />
(vgl. Epidemiologisches Bulletin des RKI, 35/2010, S. 352 ff).<br />
Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von AIDS-Prävention in sexualpädagogischem Kontext mit dem vorrangigen<br />
Ziel der Vermeidung von Primärinfektionen hat nichts an Bedeutung verloren. Die stabil hohe Zahl bei den HIV-<br />
Neuinfektionen (ca. 3000 in Deutschland in 2010) quer durch alle Bevölkerungsgruppen –so durchaus auch bei jugendlichen<br />
und jungen Menschen- sind ein deutlicher Beleg dafür.<br />
Dennoch ist festzuhalten, dass diese Arbeit, die vor allem durch personale Kommunikation zielgruppenadäquate Informationsarbeit<br />
und Aufklärung leistet, offenbar weiterhin sehr erfolgreich ist.<br />
Dies belegt auch die Studie „Jugendsexualität 2010“ der BZgA, die im September vorgestellt wurde (s.<br />
www.forschung.sexualaufklaerung.de ), bei der regelmäßig repräsentativ Einstellungen und Verhaltensweisen 14-<br />
bis 17-jähriger Jugendlicher zur Aufklärung, Sexualität und Verhütung erhoben werden. Demnach wird das Verhütungsverhalten<br />
immer besser und das Kondom immer mehr zum beliebtesten Verhütungsverhalten. „Sexuell aktive<br />
deutsche Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren verhüten heute bereits beim ersten Mal besser als je zuvor: Nur je<br />
acht Prozent der Mädchen und Jungen geben an, keine Verhütungsmittel benutzt zu haben. 1980 lag dieser Anteil<br />
mit 20 Prozent bei den Mädchen und 29 Prozent bei den Jungen um ein Vielfaches höher. Die neuen Zahlen zeigen<br />
zudem, dass Jungen beim ersten Mal mittlerweile ebenso gut verhüten wie Mädchen.<br />
Auch bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund hat sich das Verhütungsverhalten verbessert. Doch verglichen<br />
mit ihren deutschen Altersgenossen verhüten sie noch immer seltener. So geben 12 Prozent der Mädchen und 18<br />
Prozent der Jungen mit Migrationshintergrund an, beim ersten Geschlechtsverkehr keine Verhütungsmittel benutzt zu<br />
haben. Im Jahr 2005 waren es noch mehr als ein Drittel der Jungen und etwa jedes fünfte Mädchen“<br />
(Pressemitteilung der BZgA vom 02. September 2010; s. www.bzga.de )<br />
Bei Jugendlichen tragen die Schulen entscheidend zur Informationsvermittlung bei. 94 Prozent der 16- bis 20-<br />
Jährigen geben heute an, das Thema AIDS in der Schule behandelt zu haben, vor 10 Jahren waren es 88 Prozent.<br />
Schulische Sexualaufklärung gewinnt daher für die AIDS-Aufklärung immer mehr an Bedeutung“<br />
(BZgA „aktuell“, 11/08, S.2), was sich auch daran zeigt, dass die spezifischen Youthwork-<br />
Angebote der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. stabil bis vermehrt nachgefragt werden.<br />
87
Youthwork<br />
Der niedrigschwellige, emanzipatorische und akzeptanzorientierte Ansatz ist richtig. Repressive Ansätze sind eindeutig<br />
kontraproduktiv. Die besondere Akzeptanz dieses Ansatzes wird uns auch vor Ort durch Rückmeldungen, Resonanzen<br />
und Evaluationserfahrungen zu unseren Veranstaltungen in diesem Sektor (s. Abb. Veranstaltungsverteilung<br />
nach Arbeitsfeldern) bestätigt.<br />
Dem Rechnung tragend gestalten wir unsere AIDS-Prävention in sexualpädagogischem Kontext und<br />
zielen auf einen Dialog in offener und angstfreier Atmosphäre und ohne pädagogischen Zeigefinger.<br />
5.6.1 Veranstaltungsinhalte<br />
In aller Regel werden personalkommunikative Formen massenmedialen vorgezogen. Das erfordert allerdings auch eine jeweilige<br />
Reduktion auf zielgruppenadäquate und bedürfnisorientierte Themenbereiche. Um diese Reduktion pädagogisch verantwortungsvoll<br />
vornehmen zu können, finden entsprechende Vor- und Nachgespräche mit den Veranstaltungspartnern statt.<br />
Je nach Zielgruppe, Zugangsvoraussetzungen und Rahmenbedingungen können u.a. folgende Themenfelder behandelt<br />
werden :<br />
- Medizinisch, biologische Grundlagen zu HIV und AIDS, und andere STI`s (Virologie, Immunologie,<br />
...)<br />
- Verlaufsformen der HIV-Infektion<br />
- Aktueller Forschungsstand und Therapieansätze<br />
- Übertragungswege und –risiken<br />
- Infektionsschutzmöglichkeiten<br />
-Testverfahren und ihre Problematiken<br />
- Epidemiologische Entwicklung und daraus resultierende Präventionserfordernisse und –<br />
strategien<br />
- Lebenssituation von Betroffenen und An- oder Zugehörigen<br />
- Umgang mit HIV-positiven oder/und an AIDS erkrankten Menschen<br />
- Vorurteile gegenüber sog. Hauptbetroffenengruppen<br />
- Drogen- und Substitutionsproblematik<br />
- HIV und AIDS als gesellschaftliches Phänomen<br />
- Juristische und ethische Fragestellungen<br />
- Probleme in der Begleitung und Pflege<br />
- Sterbebegleitung, Tod und Trauer<br />
- Liebe, Sexualität und Partnerschaft<br />
- Probleme im Umgang mit der eigenen Sexualität<br />
- Homosexualität (Schwul-lesbische Aufklärungsarbeit)<br />
- Geschlechterrollen und ihre Problematiken<br />
- Normen, Werte und deren Wandel im Umfeld der Sexualität<br />
- u.a.m.
5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork<br />
AIDS-Präventionsveranstaltungen im<br />
Rahmen von Sexualpädagogik<br />
und ganzheitlicher Gesundheitsförderung<br />
Fort- und Weiterbildung für MultiplikatorInnen<br />
und LehrerInnen<br />
Beratung (telefonisch, persönlich,<br />
schriftlich und via Internet) für<br />
Jugendliche, Eltern, LehrerInnen,<br />
ErzieherInnen etc.<br />
Kooperation, Koordination und Vernetzung<br />
Geschlechtsspezifische Angebote für<br />
Mädchen und Jungen<br />
Wir bieten für Sie an:<br />
Beratung<br />
Einzel-, Paar, Gruppenberatung;<br />
-telefonisch<br />
-persönlich<br />
-schriftlich<br />
-via Internet<br />
Angebote<br />
Präventionsveranstaltungen<br />
Fort- und<br />
Weiterbildung<br />
Gruppenarbeit, Moderation, Workshop, Seminar, Expertengespräch,<br />
Diskussion, Projekt, Fachtagung,<br />
Event, Vortrag, Referat, Infostand etc.<br />
Kooperation,<br />
Koordination,<br />
Vernetzung<br />
Arbeitskreise, Gremien,<br />
Ausschüsse, Lobbyarbeit,<br />
etc.<br />
AIDS-präventive Veranstaltungen in sexualpädagogischem Kontext wurden von der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel<br />
e.V. für Schülerinnen und Schüler aller Regelschulformen sowie Kollegschulen durchgeführt. In der Regel werden<br />
unsere Angebote in den Jahrgängen ab der Klasse 8, in einzelnen begründeten Ausnahmen auch in jüngeren Jahrgängen<br />
platziert.<br />
Form und Inhalte werden jeweils bedürfnis- und lebensweltorientiert konzipiert. Das Angebotsspektrum reicht hier von<br />
Formen eines „Expertengespräches“ im Rahmen von Unterrichtsreihen vor unterschiedlichem Fachhintergrund bis<br />
hin zu Projekttagen und – wochen, die günstigenfalls außerhalb des Schulrahmens durchgeführt werden. Um darüber<br />
hinaus eine zumindest grobe Übersicht über das „Produkt Youthwork“, über Zielebenen, Methoden und Ansätze bekommen<br />
zu können, sei an dieser Stelle auf die Internetseite www.youthwork-nrw.de verwiesen.<br />
Mit dem Berichtsjahr 2010 blicken wir im Bereich Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung auf ein wieder<br />
einmal sehr aktives Jahr zurück. Weiterhin konzentrieren sich die schulischen Veranstaltungsanfragen stark auf das<br />
erste Halbjahr, allerdings im Vergleich zu den letzten Vorjahren nicht mehr so geballt auf das erste Quartal. Das Bemühen<br />
um terminliche Flexibilität von Seiten der Schulen ist weiter gewachsen. Unser Angebot scheint nach wie vor<br />
so attraktiv, dass hier Bewegung zu vernehmen ist.<br />
Angesichts der Größe des Zuständigkeitsgebietes, der wachsenden Bedarfe, der wachsenden Notwendigkeit, auch<br />
andere sexuell übertragbare Krankheiten einzubeziehen und der Einzigartigkeit des Youthwork-Angebotes in der Region<br />
haben wir in den letzten Jahren immer wieder die Sinnhaftigkeit bekräftigt, eine weitere Fachkraft zu gewinnen.<br />
Wünschenswert wäre insbesondere eine Youthworkerin, die sich verstärkt der Mädchenarbeit widmen könnte. Zumindest<br />
phasenweise und themenabhängig sind geschlechtsspezifische Angebote und Arbeitsweisen im Bereich der<br />
Sexualpädagogik wichtig.<br />
Die `Sinnhaftigkeit´ beginnt gewissermaßen bei dem Eindruck, dass Defizite bzgl. des individuellen Körperbewusstseins<br />
und –verständnisses aus Sicht des Verfassers eher zunehmen und Basiskenntnisse zu Körperbau und –<br />
funktionen, die zum Verstehen von sexuellen Vorgängen unentbehrlich sind, oft nur rudimentär vorhanden sind. Dies<br />
gilt allerdings durchaus für beide Geschlechter.<br />
Darüber hinaus können wir uns mit unseren Kapazitäten leider nicht im gewünschten Maße um sozial benachteiligte<br />
Schüler/innen kümmern, die nicht nur, aber gewiss mit höherer Quote in Haupt- und Förderschulen anzutreffen sind,<br />
für die die beschriebenen Defizite in besonderem Maße gelten und die bei den STI-Inzidenzen eine Rolle spielen.<br />
89
Youthwork<br />
Nach den sehr guten Erfahrungen aus dem Vorjahr, in dem wir mit unserer ehemaligen Fachkraft im Bereich „Frauen<br />
& AIDS“ und „AIDS & Migration“, der Diplom-Pädagogin Anika Walther, auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung<br />
im Umfang von sechs Wochenstunden eine zusätzliche Kraft ein<br />
gestellt hatten, mussten wir im Berichtsjahr leider erneut handeln, da Frau Walther in eine weitere Erziehungsurlaubsphase<br />
ging. Aber auch hier war uns das Glück beschieden, diesen Ausfall durch unsere Ex-Praktikantin, die Soziale<br />
Arbeit studierende Sandra Kohlhase, als Honorarkraft weitgehend aufzufangen.<br />
Mit unserer Praktikantin Yvonne Leuverink, ebenfalls Studentin der sozialen Arbeit, konnten wir im ersten Quartal<br />
sogar ein weiteres Projektangebot für Schulen unterbreiten. Das im Wesentlichen von Frau Leuverink konzipierte<br />
Präventionsprojekt „No drugs – no party?“, welches für Klassen der Jahrgangsstufe 9 neben dem Schwerpunkt<br />
auf der (Party-) Drogenprävention auch Risiken und Nebenwirkungen hinsichtlich der Sexualität aufgriff, wurde erfreulich<br />
gut nachgefragt – insbesondere von Duisburger Gesamtschulen.<br />
Grundsätzlich aber konstatieren wir für den Arbeitsbereich weiterhin knappe personelle Ressourcen und somit bleibt<br />
die Einbindung und entsprechende Qualifizierung von ehrenamtlichen Kräften und Multiplikator/innen ein zentrales<br />
Anliegen der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.<br />
Unser Dank gilt hier insbesondere den aktiven HIV-positiven Ehrenamtler/innen, die sich immer wieder bereit erklären,<br />
in authentischer Weise zur Frage „HIV-positiv sein – was heißt das?“ Rede und Antwort zu stehen. Die Einbeziehung<br />
dieser Selbsthilfeaktivisten ist hier, wie bei Bedarf auch zum Thema „Homosexualität“ fester Bestandteil vieler<br />
Präventionsveranstaltungen. Der besondere Wert dieser Authentizität wird uns auch immer wieder rückgemeldet.<br />
Hier gilt auch den Mitarbeitern des Herzenslust-Teams ein herzliches Dankeschön.<br />
Den von uns (mit-) initiierten Präventions-Vernetzungen in Duisburg und für die Region um Dinslaken kommen<br />
ebenfalls besondere Bedeutungen zu. Dabei geht es uns vor allem darum, über Multiplikator/innen eine kontinuierliche<br />
Präsenz der Präventionsthemen in den Institutionen zu schaffen und von `nur´ punktuellen Veranstaltungen wegzukommen.<br />
Durch die Vernetzung und die damit verbesserte Kooperation und Koordinierung werden Synergieeffekte<br />
erzielt. Durch begleitende Öffentlichkeitsarbeit wird für die potentiellen Kunden mehr Transparenz zu den Präventionsangeboten<br />
geschaffen und den Schülerinnen und Schülern die Beratungseinrichtungen und ihre Mitarbeiter/innen<br />
bekannt gemacht. Leider läuft der AK ProVer in Dinslaken zuletzt eher auf Sparflamme, aber immerhin bleiben die<br />
guten Vernetzungskenntnisse und –effekte erhalten.<br />
Wir konstatieren weiterhin insbesondere Defizite im Bereich von sprachlichen und kommunikativen Kompetenzen im<br />
Feld von Liebe, Sexualität und Partnerschaft. Ein Erklärungsansatz mag in der neuartigen Nutzung von virtuellen Medien<br />
und den damit verbundenen spezifischen Kommunikationsmustern zu finden sein (SMS, Messenger- und Chat-<br />
Plattformen, …). Ein anderer Ansatz ist uralt, nämlich dass auch heute der Eintritt in das Abenteuer „Liebe, Sex und<br />
Partnerschaft“ immer noch mit ganz viel Aufregung, Nervositäten und auch Ängsten und Sorgen verbunden ist, trotz<br />
oder gerade wegen der vermeintlichen Banalisierung der Thematik durch vielfältige einschlägige Medien, die den Jugendlichen<br />
vermeintliche Realitäten und / oder Normalitäten vorspiegeln. Hier ist einfühlsame Sexualpädagogik gefordert.<br />
Nach unserer Auffassung sind hierzu die Informations- und Vermittlungsmethoden und der Zeitpunkt der thematischen<br />
Auseinandersetzung von entscheidender Bedeutung. Die Erkenntnis ist nicht neu, dass AIDS-Prävention mit<br />
Jugendlichen im Kontext von Sexualpädagogik anzusiedeln ist, dass personalkommunikative Methoden (d.h.<br />
„Veranstaltungen von Mensch zu Mensch“, vgl. BzgA-Ansatz), die an der Lebenswelt der Schüler/innen orientiert und<br />
hinsichtlich der ersten Erfahrungen zeitnah zu platzieren sind, massenmedialen oder eindimensionalen Vermittlungsformen<br />
vorzuziehen sind, bzw. diese unbedingt ergänzen sollten (vgl. Entwurf zum Landespräventionskonzept o.).<br />
In den Jahrgangsstufen bis zur 10. Klasse erscheint uns zudem eine – zumindest phasenweise und themenabhängige<br />
– geschlechtergetrennte Bearbeitung sinnvoll (vgl. o.). Hier müssen einfach die nicht selten durchaus großen Unterschiede<br />
im Reife- und Erfahrungsgrad zwischen Mädchen und Jungen einer Jahrgangsstufe Berücksichtigung<br />
finden. In Anwesenheit des anderen Geschlechtes fällt es manchmal schwerer, in offene und ehrliche Kommunikationsprozesse<br />
hineinzufinden.<br />
Erst recht, wenn die eigene Identitätsfindung (Wer bin ich? Was mag ich? Was mag ich nicht? …) noch in vollem<br />
Gange ist. Dennoch sind angesichts der mehrheitlich heterosexuellen Orientierungen, Erfahrungen gelingender Kom-
munikation zwischen den Geschlechtern unentbehrlich und nicht zuletzt besonders wichtig für die Verabredung von<br />
Verhütungsmethoden, für die Durchsetzung individueller Schutzbedürfnisse.<br />
Verstärkt wird der Trend zu problematischer bzw. nicht erfolgreicher Face-to-face-Kommunikation durch die rasante<br />
Nutzung der neuen Medien zur Kontaktanbahnung oder für Verabredungen. Die anfängliche Anonymität wird einerseits<br />
sehr geschätzt, aber andererseits auch zunehmend missbraucht. Der Ansatz, kommunikative Kompetenzen zu<br />
fördern wird aus unserer Sicht immer wichtiger (vgl. o.).<br />
Es bleibt dabei, Emanzipation, Selbstbewusstsein und –bestimmung mit sozialer Verantwortung und solidarischem<br />
Handeln in Einklang zu bringen, ist eine zentrale Aufgabe von Erziehung, (Aus-) Bildung und Präventionsarbeit.<br />
Auch vor diesem Hintergrund ist eine optionale Einbeziehung des Spezialthemas „Homosexualität“, welches durch<br />
die Richtlinien zur Sexualerziehung zum verbindlichen Thema aufgewertet wurde, wichtig. Die nach wie vor stark klischeegeprägte<br />
Vorstellung vom „Schwul-Sein“ gilt sehr häufig geradezu als das Antivorbild für Jungen. Trotz aller<br />
gesamtgesellschaftlichen Fortschritte im Feld der Akzeptanz und Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen,<br />
gilt es hier aus Sicht des Verfassers sehr genau zu beobachten und frühzeitig den Anfängen neuer Diskriminierungstendenzen<br />
zu wehren.<br />
Hier sei wieder einmal der Hinweis gestattet, dass beim Youthworker<br />
der AIDS-Hilfe Duisburg /Kreis Wesel e.V. die sog. „SCHLAue Kiste“<br />
des Gesundheitsministeriums NRW mit Medien und Materialien zur<br />
schwul-lesbischen Aufklärungsarbeit prinzipiell auszuleihen ist. Darüber<br />
hinaus können über den Youthworker der AIDS-Hilfe (ggf. im Verbund<br />
mit dem „Herzenslust-Team der AH) Multiplikatorenfortbildungen zu<br />
diesem Themenfeld vereinbart werden.<br />
Durch Veranstaltungen im Sektor Youthwork und Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung konnten<br />
wir im Berichtsjahr 6.070 Personen mit personalkommunikativen Formen erreichen, davon 168 sog. Multiplikator/<br />
innen (Lehrkräfte und sonstige Pädagog/innen sowie ehrenamtliche Mitarbeiter/innen). Allein im schulischen Bereich<br />
(-> Youthwork-Angebote) erreichten wir in 24 Schulen 1930 Jugendliche aus allen Schulformen, über 510 in außerschulischen<br />
Zusammenhängen wie offener Jugendarbeit u.a. und 3300 Jugendliche im Rahmen von personalkommunikativen<br />
Formen bei Großveranstaltungen (wie z.B. bei der LoveParade). 35 % der Jugendlichen kamen aus<br />
dem Alterssegment zwischen 14 und 17 Jahren, 22 % der Jugendlichen hatten einen Migrationshintergrund.<br />
5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche und Multiplikatoren<br />
Erfreulich war auch in diesem Berichtszeitraum erneut die Nachfrage nach Präventionsberatungen von Schüler/<br />
innen, die für Fach- oder Projektarbeiten unseren Rat suchten. Dies ist gewiss auch als Zeichen zu deuten, dass die<br />
AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bei vielen Schulen als gute und wichtige Anlaufstelle bekannt ist. Über das<br />
direkte Aufsuchen lassen sich im Übrigen leicht denkbare Schwellenprobleme abbauen. Zudem können wir hierüber<br />
natürlich auch unsere Youthwork-Angebote bekannt machen.<br />
Aus dem Bereich berufsbildender Einrichtungen (z.B. Berufskollegs, insbesondere der Sektor der sog. Berufsgrundschuljahre)<br />
gab es im Berichtsjahr stabil hohe Anfragen zu vermerken. Hier finden wir in der Regel wichtige Zielgruppen;<br />
Jugendliche im Alter zwischen 16 und 25 Jahren, die oftmals problembehaftete Sozialisationen und einen geringen<br />
Grad an Aufklärungsniveau (z.T. auch migrationsbedingt) aufweisen.<br />
Bis auf einzelne Ausnahmen – vorwiegend im Zusammenhang mit schulischen Projekttagen und im Umfeld des Welt-<br />
AIDS-Tages – sind direkte Kooperationen mit Einrichtungen der offenen Jugendarbeit eher selten. Dass wir hier allerdings<br />
auch keine Offensiven starten konnten, hat unsererseits einfach mit Kapazitätsgrenzen zu tun. Erwähnenswert<br />
in diesem Zusammenhang ist allerdings das tolle Angebot insbesondere für Jugendliche im Rahmen des großen Aktionstages<br />
zum Welt-AIDS-Tag im Duisburger FORUM (s. 4.4., z.B. die „Orientierungsrally“), welches in diesem Jahr<br />
von Gruppen vieler verschiedener Schulen wahrgenommen wurde.<br />
91
Youthwork<br />
5.6.4 Multiplikatoren- und Erwachsenenbildung<br />
Wie bereits erwähnt, investiert die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. viel in die Aus- und Weiterbildung ihrer<br />
ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen, ohne die einfach die Vielzahl an Anfragen auch aus diesem Präventionsfeld<br />
nicht befriedigt werden könnten. Dies ist und bleibt eine wichtige Aufgabe, der wir uns gerne widmen. Dazu führen wir<br />
u.a. alljährlich intensive Grundlagenausbildungen (s. 6.) im Verbund mit drei anderen Ruhrgebiets-AIDS-Hilfen durch,<br />
um darüber einerseits den Ehrenamtler/innen eine Möglichkeit zu bieten, ein Einsatzfeld zu finden, dass Ihren Ressourcen,<br />
Fähigkeiten und Neigungen entspricht und andererseits sie gemäß unserer Qualitätsstandards auszubilden<br />
und zu rüsten und die vorhandene Motivation zu stärken. Es spricht vieles dafür, ehrenamtliche Ressourcen gerade<br />
auch im Bereich der (Primär-) Präventionsarbeit weiter zu mobilisieren und zu qualifizieren, z.B. für den peer-to peer-<br />
Ansatz. Die aktiven Ehrenamtler/innen sind unsere wichtigste Ressource und die wichtigsten Multiplikator/innen.<br />
Eine weitere ganz wichtige Gruppe von potentiellen MultiplikatorInnen sind in diesem Präventionsfeld natürlich die<br />
Lehrenden in schulischen und außerschulischen Einrichtungen. Die Anfragen nach Lehrerfortbildungen im Hinblick<br />
auf und im Vorfeld von Projektformen bleiben allerdings weiterhin noch hinter den Vorjahren zurück. Dies hat unter<br />
anderem mit den vielfältigen Veränderungen im Schulbereich mit erheblichen Zusatzbelastungen für die Lehrkräfte<br />
zu tun. Fortbildungen, die mit Unterrichtsausfall verbunden sind, sind nicht leicht zu installieren. Dies hat auch damit<br />
zu tun, dass wir überwiegend bei z.T. schon sehr lange etablierten Projekten agieren und hier nicht mehr viel Überzeugungsarbeit<br />
leisten müssen. Natürlich wäre eine Ausweitung des Angebotes (s.o.) wünschenswert, aber wir sind<br />
nach wie vor froh, wenn wir mit unseren begrenzten Ressourcen die Nachfragen weitestgehend bedienen können.<br />
Das Themenspektrum reicht hier von der Präsentation des aktuellen Wissensstandes zu HIV und AIDS über die epidemiologische<br />
Entwicklung und daraus resultierender Präventionskonsequenzen und –strategien bis hin zu Aspekten<br />
spezieller Fortbildung im Feld der Kommunikation, wie Gesprächsführung und Moderation.<br />
Auch vor diesem Hintergrund erweisen sich die erwähnten Präventionsvernetzungsaktivitäten als höchst sinnvoll.<br />
Darüber lassen sich Synergieeffekte erzielen, mittelfristig gesehen Ressourcen zusammenführen und nicht zuletzt<br />
Chancen eines ökonomischeren Haushaltens mit den vorhandenen Kapazitäten entwickeln.<br />
Umso mehr gewinnt das Feld der Multiplikatorenausbildung an Bedeutung. Ein zentrales Anliegen ist es, die Präventionsthemen<br />
und die damit verbundenen Ziele an Schulen und in außerschulischen (Jugend-) Einrichtungen möglichst<br />
ganzjährig zu platzieren. Geschulte Pädagog/innen, Erzieher/innen oder Sozialarbeiter/innen und –pädagog/<br />
innen sollten diese repräsentieren, zumindest mit Verweisungskompetenzen ausgestattet sein und als AnsprechpartnerInnen<br />
für die Jugendlichen bekannt sein / werden.<br />
Einmal mehr gut angenommen wurde hier wieder die im Berichtsjahr angebotene 9. Fachtagung des Präventions-<br />
Vernetzungskreises Duisburg am 05. Mai. Unter dem Titel „Jugend, Kulturen, Jugendkulturen …“ befassten sich<br />
fast 80 Teilnehmer/innen schwerpunktmäßig mit aktuellen Trends und Bewegungen und lernten neben inhaltlichen<br />
Anregungen und methodischen Zugangsformen die Präventionsinfrastruktur in Duisburg kennen.<br />
Der Vernetzungskreis „ProVer“ für die Region um Dinslaken hat sich auf einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch (2<br />
x p.a.) verständigt, mehr ist zur Zeit leider nicht leistbar. Dennoch erweist sich der gepflegte Kontakt als ungemein<br />
sinnvoll, weil einige Kooperationen über das Jahr verteilt so leichter einzustilen und zu verabreden sind.<br />
5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung<br />
Hier sind im Wesentlichen Fortbildungsveranstaltungen in Krankenpflegeschulen, bei sonstigen Pflegeanbietern und<br />
im medizinischen Versorgungssystem verortet. In diesem Bereich verzeichnen wir sehr stabile Nachfragen und hocherfreuliche<br />
Rückmeldungen. Insbesondere wird geschätzt, dass wir von der medizinischen Seite bis zu den Tiefen im<br />
psychosozialen Bereich die ganze Bandbreite des komplexen Themenfeldes rund um das Phänomen „HIV / AIDS<br />
und andere sexuell übertragbare Krankheiten“ abdecken können. Nicht zuletzt auch in diesem Tätigkeitsfeld bewährt<br />
sich das „3-Säulen-Modell AIDS-Hilfe“ mit der Verbindung von Selbsthilfe-, Interessen- und Fachverband sowie der<br />
Ansatz der Strukturellen Prävention immer wieder aufs Neue.
5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten<br />
Anzuführen sind hier für den Stelleninhaber :<br />
- Beteiligung an der Grundlagenausbildung für EhrenamtlerInnen in der Ruhrgebietsvernetzung der<br />
AIDS-Hilfen<br />
- Präventionsvernetzungsarbeit im Kreis Wesel und Duisburg<br />
- Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bei den NRW-Youthworker-Arbeitskreisen und<br />
dem Youthwork-Qualitätszirkel<br />
- Evaluation im Rahmen des Verfahrens beim Youthwork-Förderprogramm-Controlling des MAGS /<br />
MGEPA, NRW<br />
- Beratung / Information für Zeitungs- und Radio-Redaktionen sowie für politische Entscheidungsträger<br />
- Koordinierung von haupt- und ehrenamtlichen Einsätzen bei Informations- und Präventionsprojekten<br />
- Einarbeitung in und Bereitstellung von Materialien für Lehrende und Multiplikator/innen<br />
- Beratung von pädagogischen Fachkräften bzgl. der Unterrichts- oder Projektgestaltung zum Thema<br />
HIV / AIDS und anderer STI`s<br />
- Telefonische und persönliche Informations- und Beratungsgespräche<br />
- E-mail Beratung<br />
- Unterstützung von Jugendvertretungs- und SchülerzeitungsredakteurInnen<br />
- Geschäftsführung<br />
- u.a.m. (Vgl. 4. Öffentlichkeitsarbeit)<br />
Abb.:<br />
Veranstaltungsverteilung<br />
nach Arbeitsfeldern<br />
93
Ehrenamtliche Mitarbeit<br />
6. Ehrenamtliche Mitarbeit<br />
6.1. Begleitung der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen<br />
Im Berichtsjahr waren weiterhin 26 Personen ehrenamtlich für die AIDS-Hilfe tätig, da die Zahl der ausscheidenden<br />
Mitarbeiter durch neue Interessierte ausgeglichen werden konnte.<br />
Die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen engagieren sich in den vielfältigen Aufgabengebieten der AIDS-Hilfe. Diese umfassen<br />
die Begleitung, Knastarbeit, Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit, Herzenslust, Substitutionsvergabe, Telefon<br />
- und E-Mail-Beratung, Chat-Beratung, Vorstandsarbeit, Freitagsfrühstück, Substitionsfrühstück und Weihnachtsfeier.<br />
Einige ehrenamtliche MitarbeiterInnen arbeiten in mehreren Bereichen, andere unterstützen die Arbeit der AIDS-Hilfe<br />
punktuell.<br />
Die ehrenamtlichen MitarbeiterInnnen sind in den unterschiedlichsten Berufen aktiv, sind HIV-negativ oder HIVpositiv,<br />
setzen sich aus Frauen und Männern aus allen sozialen Lebensbereichen zusammen und stammen aus den<br />
unterschiedlichsten politischen Richtungen. Dies bedeutet für die Arbeit der AIDS-Hilfe einen enormen Erfahrungsschatz,<br />
der in unsere Arbeit mit einfließt.<br />
Eine Möglichkeit des Austausches bietet weiterhin unser Mittwochs-Café (siehe auch Punkt 3.5). Hier ist der zentrale<br />
Anlaufpunkt, um sich mit Betroffenen zu treffen oder sich untereinander oder mit den hauptamtlich Tätigen auszutauschen.<br />
Im Berichtsjahr fanden – wie in 2008 beschlossen - im Anschluss an das Mittwochs-Café zwei Aktiventreffen (Juni<br />
und Oktober) und ein „Sonder-Aktiventreffen“ (Dezember) statt. Das Juni Aktiventreffen soll schwerpunktmäßig für<br />
die Vorbereitung des Duisburger CSD bzw. des Straßenfestes, das Treffen im Oktober zur Bekanntgabe der Aktivitäten<br />
und zur Werbung von ehrenamtlicher Teilnahme am Welt-AIDS-Tag genutzt werden.<br />
In diesem Jahr ging es im Juni Treffen zum einen um die Vorstellung der geplanten Aktionen zur Loveparade am<br />
24.07.10. Ein weiteres Thema war der von AkDuLuS abgesagte CSD in Duisburg. Hier ging es darum, ein Votum<br />
einzuholen, ob es genügend Helfer aus Reihen der AIDS-Hilfe für ein alternativ stattfindendes schwul-lesbisches<br />
Sommerfest gibt. Es meldeten sieben TeilnehmerInnen ihr Interesse an und es wurde beschlossen, das Sommerfest<br />
durchzuführen.<br />
Im Oktober-Treffen ging es um die WAT-Planung und die Organisation der Weihnachtsfeier. Als weiterer Punkt wurde<br />
unser 25-jähriges Jubiläum im Jahr 2011 besprochen und die ersten Planungen vorgestellt.<br />
Beide Aktiventreffen waren mit 12 Personen gut besucht.<br />
Das Dezember-Aktiven-Treffen ist traditionell als Termin für den Dank an die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen für Ihre<br />
geleistete Arbeit bestimmt. An diesem Termin kochten die hauptamtlichen MitarbeiterInnen für die ehrenamtlichen<br />
MitarbeiterInnen. Der Abend bot wieder die Möglichkeit, sich bei kulinarischen Genüssen in gemütlicher Atmosphäre<br />
über den Verlauf des Jahres auszutauschen. Hierbei ist von Vorteil, dass das gesamte Team hobbykochmäßige und<br />
darüber hinaus gehende Fähigkeiten vorzuweisen hat.<br />
6.2. Schulung und Fortbildungen für ehrenamtliche MitarbeiterInnen<br />
Anfang des Jahres hat eine Ehrenamtlerschulung für zukünftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kooperation mit<br />
den AIDS-Hilfen Bochum, Essen und Oberhausen stattgefunden. Die Schulung bestand aus sieben Abendterminen<br />
und zwei Ganztagesveranstaltungen, die mit folgenden Themen und Zeitrahmen konzipiert waren:<br />
Termin Zeitrahmen Inhalt<br />
Mo 11.01.2010 19.00 – 21.30 Uhr Grundlagenwissen Teil 1<br />
Mo 18.01.2010 19.00 – 21.30 Uhr Grundlagenwissen Teil 2<br />
Mo 25.01.2010 19.00 – 21.30 Uhr MSM Lebenswelten, männliche<br />
Prostitution<br />
Mo 01.02.2010 19.00 – 21.30 Uhr Positiv Sein – Was heißt das? –<br />
AIDS verändert sein Gesicht<br />
Mo 08.02.2010 19.00 – 21.30 Uhr Sexuell übertragbare Krankheiten<br />
Sa 20.02.2010 10.00 – 18.00 Uhr Kommunikation und Wahrnehmung<br />
So 21.02.2010 10.00 – 18.00 Uhr Liebe, Sexualität und Partnerschaft<br />
Mo 01.03.2010 19.00 – 21.30 Uhr Frauen und AIDS / weibliche<br />
Prostitution<br />
Mo 08.03.2010 19.00 – 21.30 Uhr Illegalisierte Drogen, Knast und<br />
Substitution
Im Vergleich zum Vorjahr wurde den Bereichen „Schwules“ und „Frauen“ mit den entsprechenden Prostitutionsangeboten<br />
wieder jeweils eine komplette Schulungseinheit eingeräumt, da sich gezeigt hatte, dass die Themen für einen<br />
gemeinsamen Block zu umfangreich waren.<br />
Von unserer AIDS-Hilfe waren drei TeilnehmerInnen vertreten und wir gratulieren zu erfolgreich durchlaufener Schulung<br />
Sandra Kohlhase, Anette Fiering und Thomas Hammer. Insgesamt hatte die Schulung 12 TeilnehmerInnen, wobei<br />
die meisten von der AIDS-Hilfe Oberhausen stammten. In der Nachbetrachtung wurde von den durchführenden<br />
AIDS-Hilfen festgestellt, dass es sich um eine sehr stabile Gruppe handelte und die TeilnehmerInnen mit großem<br />
Interesse bei der Sache waren. Obwohl die AIDS-Hilfe Essen keine Teilnehmerin oder Teilnehmer hatte, will sie sich<br />
weiter personell und konzeptionell an der Neuenschulung beteiligen und es wurde eine neue Schulung beginnend<br />
ab Januar 2011 geplant.<br />
Von unserem Ehrenamtlerkoordinator wurden Mappen für die zukünftigen EhrenamtlerInnen mit Wegbeschreibungen<br />
zu den einzelnen AIDS-Hilfen und Evaluationsbögen zu den Schulungseinheiten zusammengestellt. Die Anwesenheit<br />
wurde von ihm nachgehalten, da die TeilnehmerInnen, die an 80 vH der Schulung teilgenommen hatten, am<br />
Ende ein Zertifikat erhielten. Dieses wurde auch von unserer AIDS-Hilfe erstellt und am letzten Abend bei Erfüllung<br />
der vorgenannten Kriterien den TeilnehmerInnen überreicht. Des Weiteren wurden vom Ehrenamtlerkoordinator die<br />
Evaluationsbögen ausgewertet.<br />
Von den neun Schulungseinheiten war bei acht mindestens ein Referent unserer AIDS-Hilfe tätig.<br />
6. 3 Externe Fortbildungen<br />
Weiterhin besteht in unserer Einrichtung ein Fortbildungsetat für ehrenamtliche und hauptamtliche MitarbeiterInnen.<br />
Nicht nur im eigentlichen HIV/AIDS-Bereich, sondern auch bei anderen sexuell übertragbaren Krankheiten und in der<br />
Sozialgesetzgebung ergeben sich immer schneller Veränderungen. Fortwährende Weiterbildungen garantieren somit<br />
eine kompetente und aktuelle Beratung.<br />
In Kooperation mit der AIDS-Hilfe Oberhausen führten wir je ein Fachgespräch in Oberhausen und Duisburg durch<br />
(näheres im Kapitel Öffentlichkeitsarbeit).<br />
6.4 Ehrung von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen<br />
Wie im Geschäftsbericht schon erwähnt, wurden im Berichtsjahr Tom Schachten von der AIDS-Hilfe NRW mit dem<br />
Ehrenamtspreis „Merk-würdig“ und Christa Lemm vom paritätischen Wohlfahrtsband geehrt.<br />
6. 5 Sonstiges<br />
Im September wurde von einigen ehrenamtlichen MitarbeiterInnen ein Grillfest veranstaltet. Hier kam es zum geselligen<br />
Austausch der ehrenamtlichen Mitarbeiter untereinander.<br />
95
Verwaltung<br />
7. Bericht der Verwaltung<br />
Finanzbuchhaltung<br />
Doppelte Buchführung, Kontierung, Monats- / Jahresabschluss, Erstellung der jährlichen Einnahme-Überschuss-<br />
Rechnung und Mitarbeit bei der Erstellung des jährlichen Haushaltsplanes der AIDS-Hilfe, Erstellung von Quartalsübersichten,<br />
Kontoführung, Beleg- und Rechnungsprüfung, ordnungsgemäße Belegablage, allgemeiner Finanzverkehr,<br />
Korrespondenz<br />
Kasse<br />
Verwaltung von Bargeld (Einnahmen und Ausgaben), Ausstellen von Quittungen, Belegprüfung, Kassenbuchführung,<br />
Monatsabschluss, Kassenabstimmung<br />
Personalwesen<br />
Personalführung: Lohn-/Gehaltskarten, Fehlkarten (für Urlaub, Sondertage, Krankheitstage) Lohnsteuerkarten, Versicherungsnachweis,<br />
Lohn-/Gehaltsabrechnung;<br />
Krankenkassen: An-/Abmeldungen, Beitragsrechnung zur Sozialversicherung (Kranken-/ Renten-/<br />
Arbeitslosenversicherung);<br />
Finanzamt: monatliche Lohnsteueranmeldung und Abführung der Lohn- und Kirchensteuer;<br />
EDV-Gehalts-Service: Prüfung der Abrechnungs-Journale, Kostenverteilung, Meldungen und Beiträge an die Berufsgenossenschaft,<br />
Fahrt- und Reisekostenabrechnungen;<br />
Personalmittel: Anträge an Bund, Land NRW und Kommunen, Zuwendungsbescheide, Verwendungsnachweise, Verwaltungsarbeiten<br />
im Bereich Zivildienst (Personalaktenführung, Soldabrechnung);<br />
Arbeitszeitnachweis: monatliche Ausrechnung der Soll-/Ist-/Überstunden für Mitarbeitende;<br />
Bußgeldauflagen<br />
vom Land-/Amtsgericht zugunsten der AIDS-Hilfe; Kontrolle der Bußgeld- bzw. Bußgeldratenzahlungen, Verwendungsnachweise<br />
der Bußgelder gegenüber dem Gericht, Korrespondenz<br />
Vereinsmitglieder<br />
Kontoführung über gezahlte Vereinsbeiträge, Mahnungen bei Nichtzahlung, Zuordnung neuer Mitglieder, Nummernvergabe,<br />
Mitgliedschaftsbestätigungen<br />
Spenden<br />
Vor- und Nachbereitung der rechtlichen und organisatorischen Spendenformalitäten (z. Bsp. bei Veranstaltungen und<br />
Straßensammlungen; Sammelerlaubnis; Einnahmemeldungen), Dankschreiben und Ausstellung von Spendenbescheinigungen,<br />
Akquise von Spenden allgemein und zweckgebundenen Spenden (z. Bsp. Positivenfreizeit)
Terminsachen<br />
Einhaltung von Terminen bei Korrespondenz und Zahlungen, z. Bsp. Mitgliedsbeiträge der AIDS-Hilfe an diverse Organisationen<br />
und Vereine, Versicherungen, Kfz-Steuer, Lohnsteuer, Krankenkassenbeiträge, Lohn- und Gehaltsüberweisungen,<br />
Verwendungsnachweise, Mieten<br />
Schreibarbeiten<br />
allgemeine Korrespondenz, Protokolle. Konzepte, Statistik, etc...<br />
Zusätzliche Bürotätigkeit<br />
Einkauf von Büromaterial, Inventarbeschaffung, Spritzen, Tupfer, Kondome, Schleifen, telefonische Beratungsgespräche,<br />
Überbrückung von Wartezeiten bei Klienten und bei Krisenintervention, Vorbereitung für die Jahreshauptversammlung<br />
der Vereinsmitglieder<br />
Wochenendvergabe Methadon<br />
Organisation der Wochenendvergabe, am Freitag bzw. vor Feiertagen Erstellen der Listen mit den Klienten für die<br />
Methadonvergabe in der AIDS-Hilfe. Annahme des Methadons von den Apotheken und Aufteilung nach den Vergabeterminen.<br />
Abgabe der Kassetten mit dem Methadon bei der Kriminalpolizei.<br />
Sonstiges<br />
Teilnahme an Teamsitzungen (wöchentlich), Supervision (monatlich), Fortbildungsseminare für den Bereich Personalwesen,<br />
Telefondienst, Spritzentauschprogramm<br />
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