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Vorstand / Team Vorstellung<br />

Der Vorstand der<br />

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. stellt sich vor:<br />

Rainer Wille, Karl-Heinz Lemke, Silke Stützel, Peter Külpmann, Rolf Ringeler<br />

(von links nach rechts)


Das Team der<br />

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. stellt sich vor:<br />

seit<br />

8.1997<br />

Dietmar Heyde<br />

Youthwork, Prävention in<br />

der Allgemeinbevölkerung,<br />

Öffentlichkeitsarbeit,<br />

Geschäftsführung<br />

seit<br />

4.1998<br />

seit<br />

Ralf Runniger<br />

Begleitung von Menschen<br />

mit HIV und AIDS, Drogen,<br />

Ehrenamtlerkoordination<br />

seit<br />

11.2000<br />

Rüdiger Wächter<br />

Begleitung von Menschen<br />

mit HIV und AIDS,<br />

Herzenslust Koordinator,<br />

Prävention für Menschen<br />

in Haft, Koordination<br />

Beratung<br />

seit<br />

9.2003<br />

Werner Garbe<br />

Verwaltung und<br />

Organisation,<br />

Beratung<br />

seit<br />

11.2009<br />

Petra Kurek<br />

Begleitung von Menschen<br />

mit HIV und AIDS,<br />

Frauen,<br />

Migration, XXelle<br />

Koordinatorin<br />

seit<br />

10.2000<br />

Uwe Altenschmidt<br />

Teamleitung<br />

Herzenslust<br />

seit<br />

Raphael Diaz Fernandez<br />

10.2010<br />

Zivildienstleistender,<br />

Layouter u.a.<br />

3


Geschäftsbericht für das Jahr 2010<br />

Geschäftsbericht für das Jahr 2010<br />

„POSITIV ZUSAMMEN LEBEN. Aber sicher!“ – so lautete das neue Kampagnenmotto zum Welt-AIDS-Tag 2010,<br />

welches zwar erst zum 01. November bundesweit gestartet ist, aber dennoch den Jahresbericht einleiten soll, denn<br />

es steht für einen wichtigen Paradigmenwechsel, der in diesem Jahr vollzogen wurde.<br />

Erstmalig in der bundesdeutschen AIDS-Präventionsgeschichte rückten die wichtigsten Dachorganisationen<br />

(Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit, Deutsche<br />

AIDS-Stiftung und Deutsche AIDS-Hilfe) vom Focus „Gemeinsam gegen AIDS“ mit schwerpunktmäßiger Ausrichtung<br />

auf die Primärprävention ab und wandten sich dem (Zusammen-) Leben mit HIV-positiven oder an AIDS erkrankten<br />

Menschen zu.<br />

Ein unseres Erachtens durchaus mutiger und zugleich konsequenter Schritt in die Aktualität. Denn zum einen trägt<br />

dies dem medizinischen Fortschritt Rechnung, der heute Menschen mit HIV und AIDS – bei frühzeitiger Diagnose<br />

und rechtzeitiger Behandlung – eine nahezu „normale“ Lebenserwartung bescheren und häufig auch mit einer deutlich<br />

verbesserten Lebensqualität einher gehen kann.<br />

Somit ist es an der Zeit, sich zum anderen stärker dem gleichsam gesellschaftlichen Teil der Erkrankung zu widmen.<br />

Denn nur begrenzt weiterentwickelt ist die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit HIV und AIDS. Die einzigartige<br />

Verknüpfung der HIV-Infektion mit Tabuisierungs-, Stigmatisierungs- oder gar Diskriminierungspotentialen ist<br />

nach wie vor gegeben – oder vielleicht sogar wieder gewachsen – in der Gesellschaft, am Arbeitsplatz oder auch im<br />

engsten sozialen Umfeld.<br />

Insofern halten wir die Neuausrichtung der Kampagne für gelungen, denn sie zielt auch darauf, viele Menschen und<br />

Institutionen zusammen zu bringen, die sich für Respekt, Toleranz und Unterstützung und gegen Unwissenheit und


Gleichgültigkeit engagieren. Denn eines bleibt: HIV/AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten gehen uns<br />

alle an und gemeinsam erreichen wir mehr!<br />

Gerade auch wegen der medizinischen Fortschritte, die inzwischen auch eindeutig günstige Effekte für die Primärprävention<br />

bringen, brauchen wir ein Klima, in dem Betroffene nicht ausgegrenzt werden, sondern offen und selbstbewusst<br />

mit ihrer Infektion umgehen und Ungetestete die Bereitschaft für einen HIV-Test entwickeln können, um überhaupt<br />

Aussicht auf die oben angesprochenen Optionen bekommen zu können. „Nur so können wir alle verantwortungsvoll<br />

mit HIV umgehen – und positiv zusammen leben“ – heißt es in der Faltbroschüre zur Welt-AIDS-Tags-<br />

Kampagne 2010 zu Recht.<br />

„HIV/AIDS-Prävention bleibt Herausforderung“ – wird der im Dezember 2010 vorgelegte Entwurf zur<br />

„Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention in NRW“ der Landesregierung (der erste Teil einer neuen Landespräventionskonzeption<br />

mit dem Schwerpunkt: „Neuinfektionen minimieren“) eingeleitet. Das ist angesichts der enormen<br />

Dynamik in den Feldern von virologischen, immunologischen und insbesondere auch epidemiologischen Erkenntnissen<br />

völlig richtig. Bestätigt wird dieser Satz zudem durch das Paradoxon, „dass aufgrund der guten Behandelbarkeit<br />

immer mehr Menschen mit HIV in Deutschland leben, gleichzeitig die Krankheit aber immer unsichtbarer wird<br />

…“ (BZgA aktuell, 11/2010).<br />

Allerdings sind wir in Deutschland in der glücklichen Lage, auf eine mehr als 25-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken<br />

und darauf aufbauen zu können. Denn der Ansatz der „Strukturellen AIDS-Prävention“ der Deutschen-AIDS-<br />

Hilfe, die zielgruppenspezifischen Ansätze sowie die praktizierte Arbeitsteilung zwischen staatlichen und nichtstaatlichen<br />

Organisationen sind eine ausgesprochen gute Basis für stete Weiterentwicklung einer erfolgreichen Arbeit.<br />

Mit einer bundesweiten HIV-Inzidenz von etwa 3000 Neuinfektionen für das Jahr 2010 (RKI Daten zum WAT vom<br />

22.11.10) stellt Deutschland weiterhin eine der niedrigsten Inzidenzraten in Europa.<br />

7


Geschäftsbericht für das Jahr 2010<br />

Für NRW geht das RKI von ca. 700 Neuinfektionen 2010 aus.<br />

In Duisburg liegt die Inzidenzrate für 2010 bei 0,81 pro 100.000 Einwohnern = vier Neudiagnosen (Stand vom<br />

01.11.2010; Vgl. 2009: 2,23), wobei u. E. aber auch ein verschlechtertes und recht hochschwelliges Testangebot zu<br />

berücksichtigen ist; im Kreis Wesel liegt die Inzidenz realistisch geschätzt bei 1,14 (Stand 01.11.10 (entspricht etwa<br />

7,5 Fällen im Berichtsjahr; Vgl. 2009: 2,81); also in beiden Regionen auf einem ungewöhnlich niedrigem Niveau. In<br />

dieser Rubrik der Neudiagnosen ist zu berücksichtigen, dass es sich um Erstmanifestationen und nicht zwingend um<br />

Neuinfektionen aus dem Erhebungsjahr handelt.<br />

Zu berücksichtigen ist sicher eine nicht zu beziffernde Quote von Menschen, die sich –z.T. aus Anonymitätsgründenan<br />

anderen Orten testen lassen. Und möglicherweise spielt dabei auch das in diesem Jahr erneut medien- und öffentlichkeitswirksam<br />

ergangene Urteil mit Bewährungsstrafe gegen die Sängerin der „No Angels“, Nadja B., eine Rolle.<br />

Denn es signalisiert auch: Unwissenheit schützt vor Strafe!<br />

Wir können nur hoffen, dass sich hier was ändert und die Eigenverantwortung eines jeden (also auch von Ungetesteten<br />

oder noch HIV-negativen Menschen) Einzug in das (auch juristische-) Denken hält. Alles andere wäre nicht nur<br />

für die erfolgreichen Präventionsbemühungen äußerst kontraproduktiv, sondern birgt wiederum anachronistisches<br />

Diskriminierungspotential.<br />

Gemessen an der noch im Jahre 2008 formulierten Erwartung aber, „dass die registrierten Neuinfektionen auch in<br />

den nächsten Jahren steigen werden“ (BZgA aktuell, 07/2008, S. 2) ist dieses Niveau als großer Erfolg zu werten,<br />

was insbesondere unsere Region betrifft.<br />

Das zeigt: Prävention wirkt! Der „deutsche“ Ansatz der strukturellen Prävention, der zielgruppenspezifischen Information-<br />

und Aufklärung in Arbeitsteilung zwischen öffentlichem Gesundheitswesen und nichtstaatlichen Trägern, professionellen-<br />

und Selbsthilfeakteuren, mit massenmedialen und personalkommunikativen Strategien ist im Unterschied<br />

zu repressiven Ge- und Verbotsstrategien oder moralisierenden Abstinenzansätzen eindeutig erfolgreicher.<br />

Doch auch wenn in Deutschland eine vergleichsweise günstige Situation erreicht werden konnte, dürfen wir in unserer<br />

Arbeit nicht nachlassen, müssen die etablierten Strukturen erhalten werden, um die Erfolgsgeschichte weiter zu<br />

schreiben, um nicht zuletzt auch die wirtschaftlichen Einspareffekte von preiswerter und wirksamer Prävention gegenüber<br />

nach wie vor teurer Therapie zu halten.<br />

Mit dem Paradigmenwechsel, dass die antiretrovirale Therapie als originär sekundär- und tertiärpräventives Instrument<br />

mittlerweile Teil einer Primärpräventionsstrategie ist, müssen u.a. die folgenden Erkenntnisse Berücksichtigung<br />

finden:<br />

Eine möglichst frühe Diagnosestellung ist nicht nur sinnvoll, um dem Infizierten eine frühe Auseinandersetzung<br />

mit der Infektion, die Chance auf eine längere asymptomatische Zeit zur Annahme und Verarbeitung zu ermöglichen,<br />

Erhalt von Therapieoptionen und möglichst selbstbestimmten Entscheidungen zu wahren sowie<br />

natürlich sich mit der eigenen potentiellen Infektiösität zu beschäftigen.<br />

Eine frühe Diagnose ist insbesondere bedeutungsvoll, weil wir heute wissen, dass vermutlich mehr als 50 % der<br />

Neuinfektionen von „Frisch-Infizierten“ stammen, die nichts von ihrer Infektion wissen, weil sie kein Risikobewusstsein<br />

entwickelt haben oder weil sie noch im Bereich des diagnostischen Fensters sind und somit ihren<br />

Status gar nicht wissen können.<br />

Demzufolge muss sowohl die Aufklärung unvermindert oder besser noch intensiver fortgeführt als auch die Testbereitschaft<br />

gefördert werden.<br />

Letzteres gilt vor allem für besonders riskierte Gruppen, z.B. für besondere Netzwerke in der Gruppe der sog. MSM,<br />

Männer, die Sex mit Männern haben (s. 5.1.).<br />

Die Bedeutung der Einbeziehung und weiteren Verbesserung von STI (sexual transmitted infections)-<br />

Diagnostiken, Screening-Möglichkeiten (inkl. deren Finanzierung etwa als Kassenleistung – zumindest für<br />

besonders riskierte Gruppen) und spezifischer Aufklärung und Beratung wird wachsen, weil vorliegende<br />

STI`s das HIV-Infektionsrisiko enorm steigern.


Auch diese Erkenntnis ist in konsequenter Weise in den o.a. Entwurf der Landesregierung eingeflossen (s. ebd. S. 3),<br />

der insgesamt auf der Höhe der fachwissenschaftlichen Diskussion ist, wie die nachfolgende Passage untermauert:<br />

„Da Menschen, die durch HIV besonders gefährdet sind, eine sehr heterogene Gruppe bilden, besteht die Herausforderung<br />

erfolgreicher Prävention darin, die Maßnahmen so zu gestalten, dass sie die jeweiligen Zielgruppen tatsächlich<br />

erreichen. Wichtig ist, dass die sexuelle Orientierung, geschlechtsspezifische Faktoren sowie kulturelle Hintergründe<br />

konsequent berücksichtigt werden.<br />

Besonderes Augenmerk muss dabei auch auf Menschen gerichtet werden, die aufgrund sozialer, kultureller und persönlicher<br />

Faktoren ihre Gesundheit nicht ausreichend schützen können. HIV/AIDS-Prävention muss deshalb zukünftig<br />

stärker mit Maßnahmen der Gesundheitsförderung verknüpft werden“ (a.a.O.; S. 3).<br />

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel mit ihrem traditionellen Auftrag der zielgruppenspezifischen Prävention arbeitet<br />

schon immer nach diesem Grundsatz. Um diesen Ansatz, das Know-how und die damit verbundenen Angebotsmöglichkeiten<br />

auch unseren Nachfragern und Kunden konsequenter transparent zu machen, haben wir unserem Vereinsnamen<br />

nach Rücksprache mit unseren Zuwendungsgebern im Jahre 2009 den Zusatz Fachstelle für sexuelle<br />

Gesundheitsförderung gegeben.<br />

Im Unterschied zu HIV / AIDS ist im Übrigen bezüglich der STD`s zu konstatieren, dass das Aufklärungsniveau in der<br />

Bevölkerung darüber weitaus geringer ist und wir hier vor großen Präventionsherausforderungen stehen, weil die Botschaften<br />

immer komplexer und differenzierter werden.<br />

Dies müssen wir u.E. aber in gleicher Weise aufgreifen wie bei der erfolgreichen HIV-Prävention, nämlich in lebensstilakzeptierender<br />

Weise und im Sinne der WHO-Charta zur Gesundheitsförderung. Das heißt, wir sollten auch hier<br />

emanzipatorische und identitätsstärkende Verhaltens- und Verhältnisprävention umsetzen.<br />

Die medizinischen Chancen bzw. Erfolge und ihre primärpräventiven Effekte haben natürlich auch eine enorme<br />

Bedeutung für die Begleitungsarbeit. Sie untermauern immer mehr die Wichtigkeit einer besonders guten<br />

und lebenslangen Adhärenz oder Compliance (Therapieeinnahmedisziplin). Diese kann nur bei psychisch<br />

starken Identitäten und unter möglichst stabilen Lebensumständen gelingen. Entsprechend gilt diesem Zusammenhang<br />

besonderes Augenmerk; es geht um die Förderung einer möglichst guten Lebensqualität und<br />

die Mobilisierung der individuellen und allgemeinen Lebenskompetenzen unter Berücksichtigung der persönlichen<br />

Ressourcen.<br />

Diese Ausrichtung prägt schon länger unsere Leitlinien für die Begleitungsarbeit von Menschen mit HIV und AIDS<br />

und findet fortwährend Berücksichtigung bei der Auswahl von Fort- und Weiterbildung unserer ehren- und hauptamtlichen<br />

Mitarbeiter/innen.<br />

„Älter werden mit HIV“ ist weiterhin das Schwerpunktthema im Bereich der Sekundär- und Tertiärprävention<br />

und zieht neue medizinisch-therapeutische - wie natürlich auch psychosoziale Begleitungserfordernisse<br />

nach sich. Eine sich häufende Frage ist hier etwa die nach einer (Re-) Integration in das Erwerbsleben.<br />

In diesem Zusammenhang ist auch das medizinische Versorgungssystem weiterhin gefordert, multi- und interdisziplinärer<br />

zu screenen, also gleichsam die sehr fokussierte HIV-Behandlungsbrille immer wieder auch zu heben und auf<br />

potentielle Koinfektionen und auch auf nicht-HIV-assoziierte Erkrankungen sowie „normale“ Alterungsprozesse zu<br />

schauen. Es gilt, Aspekte der Vorsorge und Früherkennung hinsichtlich Tumor-, Herz-Kreislauf- und orthopädischen<br />

Erkrankungen stärker zu berücksichtigen. Dazu muss es u. E. möglich sein oder werden, bei HIV-positiven Menschen<br />

sicherlich auch schon mal vor den von den GKV-Richtlinien anempfohlenen Altersphasen abrechnungsfähige Untersuchungen<br />

durchführen zu können!<br />

Die geschilderten Zusammenhänge, Analysen und Schlussfolgerungen werden in deutlicher Weise von der Kommission<br />

der Europäischen Gemeinschaften in ihrem Aktionsplan gegen HIV und AIDS für die Jahre 2009 – 2013<br />

bekräftigt, in dem es einleitend heißt: „Von entscheidender Bedeutung in der Bekämpfung von HIV/Aids ist es daher,<br />

die Prävention zu intensivieren, - dies nicht zu tun, hieße Menschenleben aufs Spiel zu setzen und Ressourcen zu<br />

vergeuden. (…) Die beste Antwort auf die Epidemie bleibt eine Kombination von gesundheitsspezifischen und umfassenderen<br />

Sozialmaßnahmen. Ein Ende des Leidens ist nicht abzusehen, wenn nicht die Prävention beschleunigt und<br />

der allgemeine Zugang zu Behandlung, Versorgung und Unterstützung für alle Betroffenen gewährleistet<br />

9


Geschäftsbericht für das Jahr 2010<br />

wird.“ (Aktionsplan zur Bekämpfung von HIV/Aids in der Europäischen<br />

Union und in den Nachbarländern 2009-2013, Brüssel, KOM(2009) 569/3, S. 2). Wichtigste Voraussetzungen<br />

sind für die Kommission „evidenzbasierte Präventionsstrategien, die den lokalen Gegebenheiten Rechnung tragen<br />

und auf die prioritären Gruppen zugeschnitten sind“ (ebd., S. 7).<br />

Der Ansatz der strukturellen Präventionsarbeit im Kontext von Gesundheitsförderung hat sich hier eindeutig<br />

bewährt. Angesichts der epidemiologischen Daten in Deutschland erweist sich die zielgruppenspezifische Präventionsarbeit<br />

als immer bedeutungsvoller. Präventionsmittel und –maßnahmen müssen demzufolge dort zur Verfügung<br />

stehen, wo sie besonders benötigt werden – z.B. in Bereichen von (Beschaffungs-) Prostitution oder bei der Versorgung<br />

von Suchterkrankten (s. 5.2.) und eindeutig im Bereich von homo- und bisexuellen Männern, insbesondere in<br />

besonderen MSM-Netzwerken, die bisher nur unzureichend erreicht wurden (s. 5.1.). Ein weitere sehr wichtige Zielgruppe<br />

stellen Menschen in Haft dar, wo wir leider immer noch höhere Infektionsgefährdungspotentiale (besonders<br />

bzgl. der Hepatitiden B und C, aber durchaus auch bezogen auf HIV) konstatieren, die im Wesentlichen in den hygienisch<br />

höchst bedenklichen (Drogen-) Konsumbedingungen begründet sind (s. 5.3.).<br />

„Unverzichtbar ist dabei nach wie vor die Primärprävention für Kinder und Jugendliche. Wichtig ist, HIV/AIDS-<br />

Prävention als Teil von Gesundheitsförderung und Sexualaufklärung zu verstehen und Jugendliche frühzeitig zu Beginn<br />

ihrer sexuellen Aktivität zu erreichen“ (Entwurf zur Weiterentwicklung, a.a.O., S. 3; s. 5.6.).<br />

Ein vielfach betonter und wichtiger Faktor für den bisherigen Erfolg ist das gelungene und gelingende Zusammenwirken<br />

von Bund, Ländern und Kommunen (vgl. auch Aktionsplan zur Umsetzung der HIV/AIDS-<br />

Bekämpfungsstrategie der Bundesregierung, März 2007) sowie von Öffentlichem Gesundheitsdienst und verschiedenen<br />

nichtstaatlichen Trägerstrukturen wie den AIDS-Hilfen und die abgestimmten Aufgabenverteilungen – so auch<br />

im Kreis Wesel und in der Stadt Duisburg. Wir möchten an dieser Stelle betonen, dass wir diese synergetische Strategie<br />

in unserer Zusammenarbeit im Wesentlichen umgesetzt sehen und dass wir es für wichtig erachten, dass die<br />

partnerschaftliche und partizipative Kooperation erhalten und günstigenfalls gestärkt wird („Gemeinsam gegen<br />

AIDS“).<br />

Genau dies ist wird nicht nur im Bundes-Infektionsschutzgesetz und dem Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst<br />

(ÖGDG) des Landes NRW, sondern in dem schon erwähnten Entwurf zur „Weiterentwicklung der HIV/AIDS-<br />

Prävention in NRW“ vom Dezember 2010 in erfreulich klarer Weise betont.<br />

Dies alles erfordert natürlich personelle und materielle Ressourcen, verbunden mit zeitlichen Perspektiven. Nur so<br />

können einerseits nachhaltige Effekte erzielt werden und andererseits flexible Anpassungsprozesse an epidemiologische<br />

und soziodemographische Entwicklungen insbesondere in der Vor-Ort-Arbeit erfolgen.<br />

Nun ist dies nicht zum Nulltarif zu bekommen. Angesichts der bekannten Haushaltssituationen der meisten NRW-<br />

Kommunen, so auch bei „unseren“ kommunalen Partnern, stehen die Beteiligten vor großen Herausforderungen. Im<br />

Berichtsjahr hat uns das Einfrieren der kommunalen Ergänzungsfinanzierung durch die Stadt Duisburg auf das Niveau<br />

von 2009 sehr geschmerzt. Die Schere zwischen öffentlicher Förderung und Haushaltsbedarfen geht immer<br />

weiter auseinander.<br />

Um einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt hinzubekommen, benötigen wir im Durchschnitt zwischen 40.000<br />

und 50.000 Euro p.a. aus nicht-öffentlichen Drittmitteln, das sind zwischen 15 und 20 % des Haushaltsvolumens. Betriebswirtschaftlich<br />

betrachtet generiert jeder aus öffentlichen Mitteln eingesetzte Euro wiederum 15 – 20 Cent aus<br />

Drittmitteln. Eigentlich doch eine richtig gute Investition.<br />

Und dabei ist der „Gegenwert“ von ca. 4000 Stunden ehrenamtlicher (honorarfreier) Arbeit per anno (entspricht ca. 3<br />

Vollzeitäquivalenten!) nicht eingerechnet.<br />

Selbst bei stabiler öffentlicher Förderung wächst der Eigenmittelanteil alleine durch tarifrechtliche Steigerungen im<br />

Personalkostenetat sowie natürlich wachsender Sachkostenausgaben (Mehrwertsteuer, Technische Ausstattung<br />

durch z.B. online-taugliche Medien, Fahrtkosten, vom Land geforderte, aber nicht refinanzierte Qualitätsmanagementmaßnahmen,<br />

Nebenkosten für den Gebäudeunterhalt, Personalbeschaffungs- und Fortbildungskosten und vieles<br />

mehr).<br />

Weiterhin mag es etwas zynisch klingen, es ist aber so: die Begleitungsverhältnisse steigen Jahr für Jahr, weil auch<br />

HIV-positive Menschen glücklicherweise länger leben. Das geht leider nicht unbedingt mit adäquat wachsender Lebensqualität<br />

oder gar schrumpfenden sozialrechtlichen oder psychosozialen Problemlagen unserer Klienten einher.<br />

Wer länger lebt und Anspruch auf Leistungen für den Lebensunterhalt oder/und medizinische Versorgungsleistungen


hat – ist rein ökonomisch betrachtet auch länger teuer.<br />

Dieser Ausgangslage stehen wachsende Anforderungen an die fachliche Arbeit im Sektor der strukturellen Prävention<br />

entgegen, wie sie etwa im Aktionsplan der Bundesregierung von 2007, durch die Rahmenvereinbarung für<br />

NRW von 2009 und auch in besagtem Entwurf zum HIV-Präventionskonzept der AG HIV/AIDS-Prävention auf Landesebene<br />

formuliert sind, Stichworte:<br />

Vor dem Hintergrund des sich verändernden Krankheitsbildes durch bessere Behandlungsoptionen erwachsen Folgen<br />

für die Begleitungsarbeit:<br />

Wachsende Klientenzahlen; sich verändernde Sozialstruktur (immer mehr Menschen mit diversen Formen sozialer<br />

Benachteiligungen und materiellen Notlagen)<br />

sich verändernde Bedarfe in der psychosozialen Begleitung, wie Verlagerungen in verschiedene sozialrechtliche<br />

Belange,<br />

älter werdende Klienten mit wachsenden Multimorbiditäten (z.B. Demenzformen o.a. neurologische Problemlagen,<br />

orthopädische und kardiologische Erkrankungen etc.) und zunehmenden Bedarfen für Formen betreuten Wohnens,<br />

(Re-) Integrationsfragen in Erwerbsstrukturen, …<br />

Soziale Aspekte/Umstände und daraus resultierende Konsequenzen für eine nicht nachlassende - oder besser : Weiterentwicklung<br />

der (zielgruppenspezifischen -) Primärprävention:<br />

Sich immer weiter ausdifferenzierende Zielgruppen, Milieuveränderungen (Zunahme von interkulturellen Aspekten;<br />

mehr Menschen mit Formen sozialer, intellektueller und materieller Benachteiligung …)<br />

Individualisierung und Privatisierung,<br />

Medialisierung (Kontaktanbahnung und –pflege online, virtuelles social networking, s. etwa auch die Erfolge bei<br />

den Frequenzen beim health-support über gay romeo et al., 5.1.) => wachsende Bedeutung der online-<br />

Beratungsansätze;<br />

=> schwerere Erreichbarkeit: Konsequenz unter anderem: Ausbau von aufsuchender Arbeit (abnehmende Akzeptanz<br />

und Annahme von Komm-Strukturen), erfordert allerdings mehr personelle und finanzielle Ressourcen;<br />

Stärkere Einbeziehung von STI-Prävention;<br />

Über reine/pure Prävention hinausgehende Ansätze der ganzheitlichen Gesundheitsförderung;<br />

Intensivere Einbeziehung von HIV-Positiven in die Präventionsarbeit erfordert eher mehr (hauptamtliche) personelle<br />

und finanzielle Ressourcen;<br />

Fachliche – und personelle Anpassungs- und Weiterentwicklungsprozesse erfordern mehr Ressourcen für Aus-,<br />

Fort- und Weiterbildung sowie für Netzwerkarbeit (lokal, regional und überregional, z.B. AK`s, …);<br />

Weiterer Anstieg von Dokumentations- und Evaluationstätigkeiten (u.a. auch durch die Landes- und Bundesverbände<br />

sowie anderer Dachverbände, z.B. „Futter“ für deren Lobbyarbeit);<br />

Wachsende Gremienarbeit im Bereich der kommunalen Infrastruktur, etwa durch einen zu erwartenden Trend in<br />

Richtung Leistungs- und Werkverträgen;<br />

Bei stabiler oder weiter rückläufiger öffentlicher Förderung wachsender Bedarf zur Akquise von Drittmitteln;<br />

U.a.m.<br />

Sparen ist für die angeschlagenen öffentlichen Haushalte gewiss unerlässlich, es sollte aber nachhaltig wirken und<br />

nicht kurz- und mittelfristig gegenteilige Effekte produzieren – so jedenfalls unsere Auffassung.<br />

11


Geschäftsbericht für das Jahr 2010<br />

Die Erhaltung unseres Angebotsspektrums sowie die stete Weiterentwicklung dessen ist in erster Linie nur deshalb<br />

noch möglich, weil wir trotz immer wiederkehrender Konfrontation mit Kürzungsszenarien ein immer noch hochmotiviertes<br />

ehren- und hauptamtliches Team haben.<br />

Darüber hinaus wäre dieses Spektrum ohne Spenden- und Sponsoring durch verschiedene zivilgesellschaftliche<br />

Gruppierungen und Einzelpersonen überhaupt nicht denkbar.<br />

Der vorliegende Jahresbericht wird über eine Vielfalt von derartigem Engagement Auskunft geben. Da halten wir es<br />

gerne mit Erich Kästner und wollen über gutes Tun reden (s. etwa 4.). So auch einmal schon an dieser Stelle.<br />

In diesem Zusammenhang haben wir uns im Rahmen der diesjährigen Jahreshauptversammlung am 10.05.10 zu<br />

einer besonderen Premiere entschieden und erstmalig Ehrennadeln für besonderes (und treues) Engagement für die<br />

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. verliehen. Die ersten beiden Träger sind der Duisburger Gastronom Thomas<br />

Seven und die „first Lady of travestie Jennifer Dean“ alias Henning Ladewig, die uns seit vielen Jahren in unterschiedlicher<br />

Weise enorm unterstützen (s.a. 4.)<br />

Unsere ersten Ehrennadelträger Thomas Seven und Henning Ladewig umrahmt von den Vorständlern Silke Stützel,<br />

Peter Külpmann, Rainer Wille u. Karl-Heinz Lemke (v. li. n. re.)<br />

Eine der wichtigsten Pfunde und Ressourcen für die Aufrechterhaltung unserer Angebotspalette sind und bleiben unsere<br />

ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen, denen einmal mehr ein riesiges „Danke schön!“ gilt.<br />

Angefangen vom Vorstand über nahezu alle anderen Arbeitsfelder können wir hier auf eine sehr stabile „Mannschaft“<br />

bauen. Allerdings gibt es leider auch nur wenig Andrang von neuen Interessent/innen. Daher möchten wir Sie, verehrte<br />

Leserinnen und Leser, bitten, potentiell interessierte Menschen auf uns aufmerksam zu machen, denn: AIDS-<br />

Hilfe-Arbeit ist spannend, kann intensiv und unter Umständen belastend sein, aber auch dankbar und für die eigene<br />

Persönlichkeitsentwicklung gewinnbringend. Das gilt nach wie vor auch für die ehrenamtliche Mitarbeit auf allen Ebenen.<br />

Und: sie wird wahrgenommen.<br />

So sind wir recht stolz, dass mit Thomas Schachten nunmehr schon der zweite Ehrenamtspreisträger der AIDS-Hilfe


NRW aus unseren Reihen stammt. „Merk I würdig“ heißt der Titel, den der Landesvorstand für außergewöhnliches<br />

und über den lokalen Raum hinausgehendes Engagement vergibt. Im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums der AIDS-<br />

Hilfe NRW wurde dieser am 09.03.10 im Düsseldorfer Landtag unter Beteiligung des damaligen Gesundheitsministers,<br />

Karl-Josef Laumann, und weiterer Repräsentant/innen des Landtages ausgehändigt. In seiner Laudatio hob der<br />

arbeitsmarktpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, der Duisburger Abgeordnete, Rainer Bischoff, das wahrlich<br />

merkwürdige Engagement von Thomas Schachten, aber auch die „bemerkenswerte Arbeit“ der AIDS-Hilfe Duisburg<br />

/ Kreis Wesel insgesamt hervor.<br />

V.li.n.re.: Rainer Bischoff (SPD-MdL), Tom Schachten, K.-<br />

P. Hackbarth u. K.-P. Schäfer (Landesvorstand der AIDS-<br />

Hilfe NRW)<br />

Nicht weniger stolz sind wir über die Ehrung unserer langjährigen ehrenamtlichen Mitarbeiterin aus der Präventionsund<br />

Öffentlichkeitsarbeitsgruppe, Christa Lemm, die im Rahmen der Mitgliederversammlung des PARITÄTISCHEN<br />

Kreisverbandes Wesel/Kleve im Weseler Kreishaus für ihr eher „stilles“ aber wirksames Engagement ausgezeichnet<br />

wurde.<br />

Seit dem November 2009 ist auch unser hauptamtliches Team wieder<br />

sehr stabil und stark besetzt und so konnte die fachlich-inhaltliche Arbeit<br />

wieder - auf die angestammte Schulterzahl verteilt – umgesetzt werden.<br />

Der vorliegende Bericht legt Zeugnis über ein intensives, ereignisreiches<br />

Jahr mit vielfältigen, z.T. sehr beachteten Aktivitäten und Initiativen<br />

ab.<br />

Mit Rüdiger Wächter (Prävention bei Schwulen und MSM, Psychosoziale Begleitung, Herzenslust-Koordinator und<br />

„Knastarbeit“), Uwe Altenschmidt (Teamleiter „Herzenslust“ Duisburg/ Kreis Wesel) und Anika Walther (8 Jahre Frauen<br />

& AIDS, Psychosoziale Begleitung, Migration & AIDS und zuletzt im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung<br />

im Youthwork-Bereich) konnten gleich drei Mitarbeiter/innen auf ein 10-jähriges Dienstjubiläum blicken – gewiss auch<br />

ein Zeichen für ein sehr gutes Betriebsklima. Leider – aber mit jedem Verständnis dieser Welt und Mitfreude – haben<br />

wir Anika Walther in eine weitere Erziehungsurlaubsphase „entlassen“ müssen. Aufgefangen werden konnte die entstandene<br />

Lücke im Arbeitsfeld Youthwork durch den hervorragenden Einsatz unserer studentischen Honorarkraft,<br />

Sandra Kohlhase.<br />

Einzig ungewöhnlich viel Fluktuation hatten wir in unserer Zivildienststelle. Hier blicken wir auf ein Jahr mit drei<br />

„Zivi`s“ zurück. Kurz vor dem Ende dieser Form des Wehrersatzdienstes sollten wir diesen wohl noch einmal in vollen<br />

Zügen genießen dürfen. Hinweise auf Interessent/innen für einen künftigen „Bundesfreiwilligendienst“ bitten wir uns<br />

zukommen zu lassen.<br />

Dauerhaft Abschied nehmen mussten wir im November von unserem langjährigen Kollegen, der Verkörperung der<br />

Duisburger Drogenselbsthilfe und JES-Koordinator, Klaus Blaumeiser, dessen plötzlicher Tod uns geschockt hat. Es<br />

bleibt ein tiefer Dank für viele Einblicke in „außergewöhnliche Lebenswelten“, für damit verbundene Erkenntnis- und<br />

Verständnisgewinne und für viele humorvolle Stunden.<br />

Klaus Blaumeiser hat enorm viel dazu beigetragen, dass wir die Arbeit mit der Zielgruppe drogengebrauchender<br />

Menschen nie aus dem Auge verloren haben und so sind wir gerade mit der Entwicklung in diesem Arbeitsgebiet im<br />

Berichtsjahr sehr zufrieden. So hat Ralf Runniger (verstärkt durch die tatkräftige Unterstützung unserer ehemaligen<br />

Praktikant/innen Yvonne Leuverink und Tim Prysztupa) das Streetwork wieder intensivieren können, was insbesondere<br />

deshalb enorm wichtig war und ist, weil der neu entstandene Suchthilfeverbund Duisburg diese Arbeit eingestellt<br />

hat. Darüber hinaus konnte das recht neue (Party-) Drogenprojekt „@drugtHiv“ weiter etabliert und im ersten Quartal<br />

sogar durch das Schulprojekt „No drugs – no party?“ ergänzt werden (s. 5.2.).<br />

13


Geschäftsbericht für das Jahr 2010<br />

Weiterhin äußerst stabil gestaltet sich die Duisburger Substitutionsregelung, welche nicht nur für die Klienten von<br />

hohem gesundheitlichen und psychosozialen Nutzen ist, sondern auch für die AIDS-Hilfe ein finanzieller Segen. Hier<br />

gilt den Ärzten Dr. Hander, Herrn Harzem und Dr. El Khaled sowie unseren begleitenden Ehrenamtler/innen ein ganz<br />

großes Danke schön!<br />

Ein wichtiges Ziel der AIDS-Hilfe konnte im Berichtsjahr leider nicht erreicht werden, nämlich mit unserem Duisburger<br />

„headquarter“ endlich in barrierefreiere Räumlichkeiten umzuziehen, was angesichts der Entwicklungen beim<br />

Krankheitsbild immer wichtiger wird (s.o., Älter werden mit HIV …). Nach dem Auszug der Drogenberatung der Diakonie<br />

aus den Parterreräumen im Hause Friedenstr. 100, haben wir dem objektverwaltenden Immobilienmanagement<br />

Duisburg (IMD) unser Interesse und unsere Erfordernisse monatlich signalisiert, aber leider kein ernsthaftes Aufgreifen<br />

von dieser Seite erfahren dürfen. So stehen die Räumlichkeiten nunmehr seit Dezember 2009 leer. Wir sind hier<br />

für jede Unterstützung äußerst dankbar.<br />

Erfolgreich solidarisiert haben wir uns mit unseren Kolleginnen von der Beratungsstelle zu AIDS und anderen STD`s<br />

des Gesundheitsamtes Duisburg. Hier waren im Zuge der Haushaltsplanberatungen für das Jahr 2010 zwei Stellen<br />

mit sog. kw-Vermerken versehen – und zwar für die Arbeitsbereiche der AIDS-Koordination sowie der Prostituiertenberatung.<br />

Gerade im letzteren Arbeitsfeld wächst allerdings die Notwendigkeit für eine sozialarbeiterische und präventive<br />

Betätigung wegen des enormen Anstieges des Angebotes in Duisburg ungemein (s. 5.4.). Unsere fachliche<br />

Stellungnahme in Form eines offenen Briefes an den Oberbürgermeister und die politischen Gremien hat gewiss mit<br />

dazu beigetragen, dass zumindest die Politik diese Kürzungsabsichten zunächst einmal zurückgezogen hat.<br />

Wir sind insgesamt zufrieden über den politischen Rückhalt für unsere Arbeit – und zwar auf allen föderalen Ebenen.<br />

Mit der Duisburger Bundestagsabgeordneten (SPD) Bärbel Bas, die sich in Berlin auch um die Belange des<br />

Fonds zur Entschädigung von HIV-infizierten Transfusionsopfern kümmert, haben wir im Berichtsjahr ein weiteres<br />

neues Vereinsmitglied mit Bundestagsmandat gewinnen können. Auf der Landesebene genießen wir Anerkennung<br />

und Wertschätzung quer durch alle Parteien. Ein fast schon traditionelles Highlight haben wir im Februar wieder bei<br />

einem Arbeitsfrühstück im Landtag erleben dürfen, zu dem uns der Duisburger FDP-Abgeordnete, Holger Ellerbrock,<br />

erneut eingeladen hatte. Herr Ellerbrock hat uns insbesondere im schwierigen Bereich der „Knastarbeit“ sehr unterstützt.<br />

Auch auf das Engagement von Rainer Bischoff (SPD-MdL) können wir jederzeit bauen, so stand er uns nicht<br />

nur bei der Ehrung im Landtag (s.o.), sondern auch gerne bei der Podiumsdiskussion im Rahmen des Aktionstages<br />

zum Welt-AIDS-Tag im Duisburger Forum zur Verfügung. Gegenüber diesem Engagement zeigen sich die Lokalpolitiker<br />

sehr viel defensiver, aber das kann ja noch besser werden, etwa durch Unterstützung bei unseren Umzugsplänen<br />

(s.o.) oder gewiss im Zuge der kommenden problematischen Haushaltsberatungen werden sie vermutlich Flagge<br />

rsp. „Schleife zeigen“ müssen und können.<br />

Hier mag der Umstand eine Rolle spielen, dass die Arbeit am Thema „AIDS“ und mit spezifischen Zielgruppen, welche<br />

sich nicht selten in gesellschaftlichen Konfliktbereichen bewegen, nicht besonders „populär“ ist und somit die Diskussion<br />

darüber auf - vom Bürger etwas weiter entfernten Ebenen - leichter sein mag. Umso mehr ist es von großer<br />

Bedeutung, dass die Kommunalisierungsprozesse nicht dazu führen, dass das Thema aus der landespolitischen Diskussion<br />

und Verantwortung verschwindet.<br />

Wir werden weiter unser Scherflein dazu beitragen, dass eben dieses nicht geschieht. Für das Berichtsjahr kann hier<br />

das Beispiel der landesweiten Fachtagung des Landesarbeitskreises „AIDS und Migration“ dienen, die unter Mitinitiative<br />

und Mitwirkung unserer Migrationsfachfrau, Petra Kurek, schon zum sechsten Male in Duisburg stattfand. Am<br />

16. Juni 2010 trafen sich im Zentrum für Personalentwicklung der Stadt Duisburg über 50 Teilnehmer/innen mit unterschiedlichen<br />

beruflichen Hintergründen aus allen Teilen von NRW, um sich unter dem Titel „Unsichtbar – Menschen<br />

ohne Papiere in Deutschland“ mit Aspekten der Gesundheitsförderung mit dem Schwerpunkt HIV/AIDS bei Menschen<br />

ohne klaren Aufenthaltsstatus zu beschäftigen (s. 5.5.)<br />

Unser migrationsspezifisches Know-how war auch im Rahmen der Konferenz der Mitglieder des PARITÄTISCHEN,<br />

Kreisgruppe Duisburg, am 20.09.10 zum Thema „Interkulturelle Öffnung“ gefragt, bei der Petra Kurek mit Ihrem Referat<br />

„Von der interkulturellen Öffnung zur transkulturellen Orientierung“ deutlich machen konnte, dass wir in diesem<br />

Themenfeld schon lange intensiv aktiv sind.<br />

Wir sind interkulturell sogar so offen, dass wir gerne eine Spende des englischen Partnerkreises des Kreises Wesel,<br />

der County Durham, entgegengenommen haben. Im Rahmen des Delegationsbesuches aus Durham in Wesel, am<br />

02.09.10, konnten wir unsere Arbeit ein wenig vorstellen und uns angeregt über die Präventionsstrategien und –<br />

erfordernisse austauschen – eine bereichernde Erfahrung. Many thanks to Durham! Und vielen Dank an die Kreisverwaltung,<br />

die uns dies ermöglicht hat.


Natürlich haben wir uns im Berichtsjahr auch mit uns selbst beschäftigt und den Organisationsentwicklungsprozess<br />

vorangetrieben, in dem wir die verabredeten inneren Zuständigkeiten einer externen Überprüfung durch eine mit<br />

AIDS-Hilfe-Strukturen vertrauten Trainerin haben unterziehen lassen. Im Rahmen einer Klausurtagung am 12.06.10<br />

mit Vorstand und Team sind darüber hinaus Bearbeitungsfelder erarbeitet und mit klaren Prioritäten versehen worden.<br />

Die Bearbeitung läuft stetig parallel zum operativen Geschäft, allerdings leider nicht in dem Tempo, das wir uns wünschen<br />

würden. Das liegt allerdings nicht zuletzt an den sehr begrenzten Ressourcen, die etwa zur Wahrnehmung der<br />

Geschäftsführung zur Verfügung stehen.<br />

Das lag in diesem Berichtsjahr aber auch daran, dass unsere relativ neuen Projekte Zeit zur Etablierung benötigten<br />

(u.a. Knastarbeit, BuT, @drugtHiv, Frauengruppe). Und es lag nicht zuletzt daran, dass wir im Jahre 2010 bei einer<br />

ganzen Reihe von Großveranstaltungen mit Präventionsaktionen intensiv beteiligt waren. Das Kulturhauptstadtjahr<br />

Ruhr 2010 hat viele tolle Veranstaltungen hervorgebracht und sehr viel Beteiligung von AIDS-Hilfe(n) gesehen, beispielhaft<br />

sei hier das A40-Stillleben am 18.07.10 erwähnt (s. 5.1.).<br />

Das –nicht nur für uns- alles überstrahlende Ereignis in unserer Region sollte die Loveparade am 24.07.2010 sein.<br />

Wir haben viel Zeit, Kapazitäten und Ressourcen aus den Arbeitsfeldern „XXelle – Frauen“, „Herzenslust“,<br />

„Youthwork“ und „@drugtHiv“ in Planung, Organisation und Durchführung investiert und die Loveparade auch tatsächlich<br />

bis zum Durchsickern der schrecklichen Ereignisse als das tolle Event mit einem so nicht zu erwartenden,<br />

sehr gut erreich- und ansprechbaren Zielpublikum erlebt – bis alles überdeckt wurde durch die grausame Realität von<br />

21 Toten, vielen Hundert Verletzten und unzähligen schwer traumatisierten Menschen!<br />

Die Verarbeitung dieser Ereignisse dauert bis heute an. Sie haben uns ins Mark getroffen, in tief empfundene Trauer<br />

und Erschütterung gestürzt, auch weil uns in unfassbarer Weise vor Augen geführt wurde, wie nah Leben, Lust, Fröhlichkeit<br />

und Sterben, Tod und Trauer beieinander liegen können – etwas, das wir in unserer Arbeit doch eigentlich<br />

scheinbar gewohnt sind. Einige unserer ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter sind – entgegen der zuvor abgestimmten<br />

Planung! – nur wenige Minuten vor der Katastrophe auch durch das tödliche Nadelöhr der Rampe geschoben<br />

worden…<br />

Und leider wirkt auch das Trauerspiel der Nachbearbeitung durch die beteiligten Entscheidungsträger und Verantwortlichen<br />

so nach, dass Verärgerung, Wut und Enttäuschung bis heute nicht gewichen sind. Wir waren wie gelähmt<br />

und längere Zeit nicht in der Lage, unsere Arbeit so fortzuführen, wie es sein sollte.<br />

Diese Gefühlslage und der Respekt vor den Toten haben uns auch dazu geführt, den für den 14.08.2010 vorgesehenen<br />

„Ersatz“ für den Duisburger CSD, das Schwul-lesbische Straßenfest „Sommerlust“ auf der Königstr. abzusagen<br />

(s. 5.1.), für das wir infolge der CSD-Absage durch den Arbeitskreis Duisburger Lesben und Schwule (AKDuLuS e.V.)<br />

als Veranstalter eingesprungen sind. Die spontane Bereitschaft der Duisburger Community, uns bei der Umsetzung<br />

zu unterstützen, war einfach klasse. Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich dafür bedanken und<br />

hoffen immer noch, dass unsere Entscheidung zur Absage auf Akzeptanz gestoßen ist. Weiterhin hoffen wir auf ein<br />

ähnliches Engagement im Hinblick auf 2011.<br />

Zivilgesellschaftliches Engagement ist immer noch und nicht nur vor dem Hintergrund rückläufiger öffentlicher Förderung<br />

immer mehr gefragt. Diesbezüglich können wir auf ein Jahr mit wirklich großartiger Unterstützung zurückblicken<br />

(s. 4.). Insbesondere im Zusammenhang mit dem diesjährigen Welt-AIDS-Tags-Geschehen erlebten wir viel<br />

Engagement von verschiedensten Gruppen und Einzelpersonen. Stellvertretend verweisen wir hier schon mal auf die<br />

„bärenstarken“ Initiativen des Centermanagements des FORUM Duisburg, was zu einem hervorragend angenommenen<br />

zweiten großen Aktionstag am 01.12.10 geführt hat.<br />

Es gibt nicht nur „bad banks“ wie wir wissen. Es gibt auch hier viel zivilgesellschaftliches Engagement. Wir bedanken<br />

uns bei den Sparkassen aus unserer Region, bei der Deutschen Bank, der Sparda-Bank West und insbesondere<br />

beim GudsO-Team der Targobank Duisburg, die einmal mehr eine unglaublich kreative Soli-Bären-Verkaufsaktion<br />

durchgeführt haben und gewissermaßen unser Platin-Vertriebs-Partner für die beliebten „AIDS-Teddies“ sind.<br />

Mehr Geschichten von Menschen und Gruppen, über deren gutes Tun wir reden wollen finden sich im Kapitel 4.<br />

Diese und weitere Aktivitäten haben neben einer sehr umsichtigen Haushaltsführung erheblich dazu beigetragen,<br />

dass wir das Haushaltsjahr 2010 voraussichtlich mit einem sehr überschaubaren Defizit abschließen können – ein<br />

phantastisches, weil wahrlich nicht zu erwartendes Ergebnis.<br />

Abschließend möchten wir uns natürlich an dieser Stelle bei all jenen treuen Freund/innen und Förderern, Zuwendungsgebern<br />

und Sympathisant/innen sowie bei den Vertretern aus Politik, Verwaltungen und Gesundheitsämtern,<br />

medizinischen und Beratungseinrichtungen, Schulen und sonstigen Kooperationspartnern und unseren Dachverbänden,<br />

dem „Paritätischen“, der Deutschen AIDS-Hilfe und der AIDS-Hilfe NRW für ihre Wertschätzungen, unterstützenden<br />

Aktionen und guten Wünsche im Berichtsjahr aufs Herzlichste bedanken.<br />

15


Beratung<br />

2. Beratung<br />

2.1 Einleitung<br />

Die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. wurde wie in den vorangegangenen Jahren als ein Hauptschwerpunkt<br />

unserer Arbeit durchgeführt.<br />

Die Beratung erfordert ein hohes Maß an Kompetenzen. So gilt es, dass sich die BeraterInnen zu den Themenfeld<br />

„neuer Wissensstand zu Übertragungswegen rund um HIV und andere sexuell übertragbaren Krankheiten (im folgenden<br />

STD genannt)“ regelmäßig fortbilden und eine eigene, für sie passende Haltung entwickeln und reflektieren. Dies<br />

wird durch die Änderungen von Risikoeinschätzungen durch wissenschaftliche Erkenntnisse immer wieder bestätigt<br />

und auch gefordert.<br />

Zur Konkretisierung hier ein Beispiel aus dem Bereich Risikoeinschätzung:<br />

Auszug aus der „Infomappe für die Telefonberatung in AIDS-Hilfen 2001“ der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.<br />

„Orale Stimulation des Mannes mit Abspritzen- aufnehmend:<br />

Risikoeinschätzung<br />

hohes Risiko in Hinblick auf HIV und andere STD<br />

- erhöhtes Risiko, wenn der Samen geschluckt wird. Das Risiko ist noch höher bei Entzündungen in Hals, Rachen<br />

oder Speiseröhre<br />

- bei Verletzungen der Mundschleimhaut und Zahnfleischentzündungen erhöht sich das Risiko<br />

Schutzmöglichkeiten<br />

Wenn man bis zum Erguss blasen will, sollte ein Kondom verwendet werden. Notfallmaßnahmen: Sperma ausspucken<br />

und möglichst mit hochprozentigem Alkohol, wenn vorhanden, sonst mit Wasser fünf mal ca. 15 Sekunden lang<br />

spülen.“<br />

Aktuell ist der folgende Beratungsstandard:<br />

Auszug aus der „Infomappe für die Beratung in Aidshilfen 2009/2010“ der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.<br />

„Orale Stimulation des Mannes mit Abspritzen (Ejakulation):<br />

- ein geringes HIV-Risiko besteht, vor allem bei längerer Verweildauer des Ejakulats im Mund, bei der Entzündungen<br />

in Hals, Rachen, bei Zahnfleischentzündungen oder STD. Insgesamt ist das Risiko auch mit Ejakulation aber deutlich<br />

(!) geringer als bei ungeschütztem Vaginal- oder Analverkehr!<br />

Falls ejakuliert wurde: Es ist wissenschaftlich nicht erwiesen, ob „Schlucken“ gefährlicher ist als „Spucken“. Trotzdem<br />

empfehlen wir „Spucken“, da es dadurch zu einer nur kurzen Verweildauer einer infektiösen Flüssigkeit im Mund<br />

kommt und die Flüssigkeit nicht im Körper bleibt.“<br />

An diesem Beispiel wird eindrucksvoll geschildert, wie sich die Risikoeinschätzungen in den letzten Jahren aus Sicht<br />

der medizinischen Fachabteilung der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. erheblich verändert hat. Dies wird im weiteren Verlauf<br />

der Beratermappe noch deutlicher durch die Einschätzung, wenn der Mann im oberen Beispiel zwar HIV-Positiv<br />

ist, aber sich die Viruslast unter der Nachweisgrenze befindet:<br />

„Viruslast unter der Nachweisgrenze“:<br />

Wenn die Viruslast des Sexualpartners unter der Nachweisgrenze ist, reduziert sich (auch bei Ejakulation) das ohne-


hin geringe Risiko weiter (Safer Sex Bereich).“<br />

Diese Aussagen, die ihren Grund in der Aussage der „Eidgenössischen Kommission für AIDS-Fragen (EKAF)“ hat,<br />

wird deutlich, wie sich das Bild von Risiken immer wieder verschiebt und verändert. Diese Wandlungen, und die damit<br />

einhergehenden Änderungen, sind eine der schwierigsten Aufgaben im Feld der Fortbildung von BeraterInnen.<br />

Gerade die „Alten Hasen“ von BeraterInnen, die ein anderes Bild von Risiken zu HIV und AIDS gelernt und verinnerlicht<br />

haben, auf diesem Weg mitzunehmen, ist ein wichtiges Ziel.<br />

Wichtige Neuerungen in der Beratung haben sich neben der Aussage der EKAF (siehe dazu „HIV-Therapie und Prävention,<br />

Positionspapier der Deutschen AIDS-Hilfe e.V., April 2009 unter www.aidshilfe.de) auch im Bereich der HIV-<br />

Testung ergeben. Neben den immer besseren Antikörpertestverfahren, welche heutzutage auch direkt Virusbestandteile<br />

nachweisen, ist durch die Entwicklung der HIV-Schnelltests ein neues Angebot zur Entscheidung der Ratsuchenden<br />

für oder gegen einen HIV-Antikörpertest erschienen. Neben dem präventiven Nutzen (siehe dazu Punkt 5.1<br />

„Beratung und Test“ Rastplatz Sommeraktion von der Kampagne Herzenslust), stellt die Wissensvermittlung zu diesem<br />

„Schnelltestverfahren“, welches nicht die diagnostische Lücke verkürzt (wie manche Ratsuchenden fälschlicherweise<br />

meinen), sondern nur die Ergebnismitteilung und die damit verbundenen Erläuterungen (nur aussagekräftig bei<br />

einem reaktiv negativen Ergebnis) eine wichtige Beraterkompetenz dar. Erschwert wird dies (und zwar nicht nur in<br />

diesem Sektor) durch die unterschiedlichsten Aussagen und Haltungen, die im „world wide web“ kursieren.<br />

Neben diesen „fachlichen Anforderungen“ an die BeraterInnen nimmt der Bereich von Ratsuchenden mit psychischen<br />

Störungen einen weiteren Schwerpunkt im Sektor der Fortbildungen ein. Menschen, die durch eine „doppelte Verdrängung“<br />

Ängste oder einschneidende Situationen in ihrem Leben verdrängen, kompensieren dies (da das Unterbewusstsein<br />

immer einen Weg findet, indirekt Emotionen und Ängste zu verarbeiten) möglicherweise durch eine „AIDS-<br />

Ängstlichkeit bzw. AIDS-Phobie“. Dies vor allem, da HIV nicht zu sehen ist und die einzige Art von Diagnostik die<br />

Entscheidung zu einem HIV-Antikörpertest wäre, der Aufgrund der Diagnostischen Lücke dann jedoch immer noch<br />

den Nährboden für Unsicherheiten birgt. Hier die BeraterInnen zu schulen (z.B. sich selbst als Indikator zur Identifizierung<br />

von AIDS- Phobikern (s dazu Thure von Uexküll, Psychosomatische Medizin, Urban & Fischer Verlag / Elsevier<br />

GmbH; Auflage: 6 (6. Dezember 2002)) zu nutzen), stellt einen wichtigen qualitativen Schwerpunkt in der BeraterInnenfortbildung<br />

dar.<br />

2.2 Die Angebote der AIDS-Hilfe im Sektor Beratung<br />

Unsere Beratungsangebote konnten von den Ratsuchenden wie folgt genutzt werden:<br />

1. persönliche Beratung in den Einrichtungen;<br />

2. telefonische Beratung durch HauptamtlerInnen während der Öffnungszeiten in Duisburg und Wesel;<br />

telefonische und E-Mail Beratung durch die ehrenamtlichen Telefonberater in der Zeit von 19.00-21.00 Uhr am Montag<br />

in Duisburg.<br />

2.2.1 Persönliche Beratung<br />

Während der Öffnungszeiten sowie nach telefonischer Absprache auch außerhalb der Öffnungszeiten, konnten Ratsuchende<br />

sich persönlich durch hauptamtliche MitarbeiterInnen in unseren Büros in Duisburg und Wesel beraten lassen.<br />

Bei diesen Beratungsgesprächen wurde auf eine ruhige und entspannte Atmosphäre geachtet. Bei Bedarf konnten<br />

Ratsuchende, die anonym bleiben wollten, sich auch Termine außerhalb der Öffnungszeiten und dem damit verbundenen<br />

Publikumsverkehr geben lassen. Bei Beratungen von Personen, die kürzlich ihr HIV-positives Testergebnis<br />

erhalten haben, wurde im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe immer das Angebot unterbreitet, mit einem HIV-Positiven zu<br />

sprechen, der schon länger mit der Infektion lebt. Dieses Angebot wurde häufig in Anspruch genommen.<br />

Generell wurde die persönliche Beratung immer weniger von Ratsuchenden in Anspruch genommen. Als mögliche<br />

Begründung sind hier die anonymen Möglichkeiten durch das world wide web (www) zu nennen (z.B. durch die Onlineberatung<br />

der Deutschen AIDS-Hilfe www.aidshilfe-beratung.de oder für schwule und bisexuelle Männer bei<br />

www.gayromeo.com der healthsupport). Immer mehr Menschen nutzen das www, und haben gelernt, sich dort zu<br />

Informieren und diesem neuen Medium zu vertrauen.<br />

17


Beratung<br />

2.2.2 Telefonische Beratung<br />

Auch in diesem Jahr blieb die Zahl der Telefonberatungen während der Öffnungszeiten sehr hoch. Die Ratsuchenden<br />

wurden nach eingehender Erörterung der Risikosituationen aufgeklärt. Falls erwünscht, wurden die Ratsuchenden<br />

zwecks HIV-Antikörper-Test an das örtliche Gesundheitsamt verwiesen.<br />

Unsere Beratungsnummern sind für Duisburg: 0203-19411 und für Wesel<br />

0281-19411. Die Rufnummern wurden in den örtlichen Zeitungen<br />

unter der Rubrik Beratung beworben. Regelmäßig wurde die Bewerbung<br />

kontrolliert, da die Rubrik von vielen Vereinen genutzt wird und<br />

die Einstellung der Rufnummer kostenlos ist.<br />

Die Beratungsnummern wurden durch Beantragung bei der Regulierungsbehörde<br />

für Telekommunikation und Post anonymisiert. Dadurch<br />

werden bei einem Anruf über diese Rufnummer die Nummern der Ratsuchenden<br />

unterdrückt und bei dem Ratsuchenden erscheint die Beratungsnummer<br />

nicht in der detaillierten Telefonrechnung.<br />

2.2.3 Die Bundesweite Telefonberatung<br />

Nach der Beendigung der Testphase beteiligt sich nun die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. kontinuierlich an<br />

der bundesweiten Beratungshotline der Deutschen AIDS-Hilfe e.V..<br />

An 62 Stunden pro Woche können sich so Ratsuchende mit ihren Fragen rund um HIV/AIDS telefonisch an die Berater<br />

der AIDS-Hilfen wenden. Die Hotline ist erreichbar in den Zeiten: Montags bis Freitags von 9.00-21.00 Uhr und am<br />

Sonntag von 12.00-14.00 Uhr.<br />

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. beteiligt sich als eine von bundesweit 28 Einrichtungen an diesem nunmehr<br />

fest etablierten Angebot. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.<br />

bedienen Ratsuchende aus dem ganzen Bundesgebiet am Montagabend von 19.00-21.00 Uhr und am Donnerstag<br />

von 11.00-14.00 Uhr. Die regionalen Angebote bleiben im vollen Umfang bestehen. So können sich Menschen telefonisch,<br />

persönlich und per E-Mail zu den gewohnten Zeiten an die MitarbeiterInnen der AIDS-Hilfe wenden. Das überregionale<br />

Angebot wird zusätzlich zu dem bestehenden Angebot hinzugefügt.<br />

Die Telefonberatung spielt bei der Aufklärung zu HIV nach wie vor eine große Rolle. Sie ist das Medium zur Beantwortung<br />

persönlicher Fragen und zur Abklärung eines individuellen HIV-Übertragungsrisikos. Mit der neuen Rufnummer<br />

werden bestehende Angebote unter einer bundesweiten Nummer zusammengeführt und damit die Erreichbarkeit<br />

für Ratsuchende weiter verbessert. Durch die Intensivierung der Weiterbildung und die Einrichtung eines Online-<br />

Portals für BeraterInnen wird die Qualität der Beratung langfristig gesichert.<br />

Um die Wichtigkeit der Bundesweiten Telefonberatung aufzuzeigen, sind hier die Zahlen der Beratungskontakte<br />

(Monitorings) und die Art der Anfragen für das Jahr 2010 aufgelistet:


Beratung<br />

Durch die Anonymität der Beratung bedingt, können die o. a. Daten nur als richtungweisende Orientierung dienen.<br />

Trotzdem kann hier auf wichtige Aspekte im Konkreten hingewiesen werden:<br />

Die Zahl der Menschen, die als „AIDS-Ängstlich bzw. AIDS-Phobisch“ eingestuft wurden, lag bei knapp 23%.<br />

Bei den Themen der Beratung ist der Hauptschwerpunkt mit knapp 50% die Risikoeinschätzung zu benennen. Gefolgt<br />

von dem Thema HIV-Test mit 27%.<br />

Weiterhin ist der Anteil von heterosexuellen Ratsuchenden mit knapp 63% extrem hoch.<br />

Der Anteil von Männern, die die telefonische Beratung in Anspruch genommen haben, ist mit 73,5% unerwartet hoch.<br />

Zur Erläuterung diesbezüglich: Männer gehen viel seltener zum Arzt als Frauen. Von medizinischen Kreisen werden<br />

daher immer mehr präventive Maßnahmen gefordert, um die Bereitschaft der Männer, für die meist kostenlosen medizinischen<br />

Kontrolluntersuchungen, zu erhöhen. Was die Sensibilisierung und den Wissensdurst bezüglich HIV angeht,<br />

scheint dies nicht dem allgemeinen Trend zu entsprechen.<br />

Da die Beratungskontakte unter der 19411 im Rahmen der Büro-Besetzung nicht detailliert erfasst werden, nehmen<br />

wir die o.a. Monitorings als Tendenz, die wir auf alle Kontakte übernehmen.


2.2.4 Die Telefonberatervernetzung im Ruhrgebiet:<br />

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist mit anderen Kooperationspartnern aus dem Ruhrgebiet in einer Telefonberatervernetzung<br />

zusammengeschlossen. Ziel dieser Vernetzung war es, die Beratung zu HIV-AIDS an jedem Wochentag<br />

abends im Ruhrgebiet anzubieten. Bei den Treffen in der Ruhrgebietsvernetzung 2010 war ein Hauptthema<br />

die Sinnhaftigkeit der Vernetzung, da durch die bundesweite Beratungsvernetzung möglicherweise eine Doppelstruktur<br />

entstanden wäre (da durch dieses neue Angebot täglich Abends und auch am Wochenende die Beratung sichergestellt<br />

ist und durch die Bundesweite Vernetzung ebenfalls die Qualitätssicherung und Fortbildung der BeraterInnen<br />

erfolgt). Bei dem Austausch der Bundesweiten Telefonberater (wo der hauptamtliche Mitarbeiter der AIDS-Hilfe im<br />

Jahr 2010 aus diesem Grund an dem Treffen in Berlin teilnahm) konnte dieser Punkt angesprochen werden. Erfreulicherweise<br />

wurde entschieden, dass die Ruhrgebietsvernetzung einen Sonderstatus bekommt. So kann die Ruhrgebietsvernetzung<br />

Repräsentanten zu den bundesweiten Treffen senden (Vertraglich ist jede Einrichtung verpflichtet,<br />

regelmäßig an den Treffen in Berlin teilzunehmen). Die Informationsweitergabe an die Ruhrgebiets - AIDS-Hilfen erfolgt<br />

dann bei den 2 mal im Jahr durchgeführten Treffen in der Ruhrgebietsvernetzung. Dadurch wird die zeitliche<br />

Belastung für die haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen extrem reduziert.<br />

Ein weiterer Schwerpunkt bei den Vernetzungstreffen ist weiterhin die Fortbildung der BeraterInnen. So hat der zuständige<br />

Mitarbeit der der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. 2010 bei einem der Treffen der Berater im Ruhrgebiet<br />

ein Referat zu dem Themenfeld Hepatitiden gehalten.<br />

2.2.5 E-Mail Beratung<br />

Die E-Mail Beratung in der AIDS-Hilfe wurde weiterhin angeboten. Die E-Mailberatung ist unter der folgenden Adresse<br />

zu erreichen: www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de.<br />

Um die gängigsten Fragen im Voraus zu klären, wurden auf unserer Homepage die acht häufigsten gestellten Fragen<br />

(FAQ) eingestellt. Der Ratsuchende konnte beim Anklicken einer Frage gleich die Antwort lesen. Durch dieses Beratungsangebot<br />

konnten viele Ratsuchende ohne dass sie an uns eine E-Mail schreiben mussten, bedient werden. Detailliertere<br />

Fragen konnten dann per E-Mail an uns gesendet werden. Bei diesen E-Mails wurde im Betreff automatisch<br />

„E-Mailberatung“ eingegeben, sodass die E-Mails nicht von den Mitarbeitern gelesen wurden, sondern direkt an<br />

die Telefon/E-Mail Beraterin weitergeleitet werden konnten.<br />

Die E-Mailberatung wird hauptsächlich am Montagabend in der Zeit der Telefonberatung durch die ehrenamtliche<br />

Mitarbeiterin bedient und die E-Mails in dieser Zeit beantwortet.<br />

Bei dringenden E-Mails wurden diese von den hauptamtlichen MitarbeiterInnen während der Öffnungszeiten beantwortet.<br />

Folgende vorgefertigten Fragen wurden im Internet angeboten:<br />

Insgesamt wurde die E-Mailberatung im Jahr 2010 kaum genutzt. Die schon bei Punkt 2.2.1 beschriebenen Erklärungen<br />

sind sicherlich auch hierfür maßgeblich.<br />

2.3 Danksagung:<br />

Wir danken unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterin aus der persönlichen, telefonischen und online -<br />

Beratung, ohne deren Einsatz die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. nicht in diesem<br />

bemerkenswerten Umfang vorgehalten werden könnte.<br />

21


Begleitung<br />

3. Begleitung<br />

Unsere Einrichtung begleitet weiterhin HIV-Infizierte / an AIDS-Erkrankte, die aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen<br />

mit verschiedenen sozialen Hintergründen stammen. Die einzelnen Begleitungsfälle befinden sich in<br />

unterschiedlichen Lebens- und Behandlungssituationen. Vereinzelte Begleitete haben sich gegen die Einnahme von<br />

Medikamenten entschieden oder benötigen auch noch keine Medikation. Die Gründe für die Verweigerung der Medikamente<br />

sind vielfältig. Es kann die Folge von gravierenden Ereignissen sein (z. Bsp. Tod eines nahen Angehörigen),<br />

die dann zunächst bearbeitet werden müssen und der Lebenswille wieder gestärkt werden muss. Ein Grund ist auch<br />

die Angst vor den Nebenwirkungen und evtl. einhergehenden körperlichen Veränderungen und der lebenslangen Einnahme<br />

von Medikamenten oder aber auch Verdrängung der Infektion.<br />

Ein großer Teil der Infizierten kommt mit den Medikamenten gut klar. Während aufgrund der Vielzahl der Medikamente<br />

die akuten Nebenwirkungen weniger werden, treten häufiger Langzeitnebenwirkungen auf wie zum Beispiel im<br />

Herz-Kreislaufbereich. Hier gilt es andere Risiken wie Rauchen oder ungesunde Ernährung zu minimieren. Des Weiteren<br />

werden unsere Begleiteten auch älter und es gilt, sie für bestimmte Vorsorgeuntersuchungen zu sensibilisieren<br />

und altersbedingte Erkrankungen mit in den Fokus zu nehmen.<br />

Viele von uns langfristig Begleitete waren bereits an AIDS erkrankt, sind verrentet und leben auf dem Niveau des Arbeitslosengeldes<br />

II, der Grundsicherung oder leicht darüber. Hierbei handelt es sich um Leistungen, die in ihrem Ursprung<br />

zur Überbrückung einer kurzen Zeit angedacht waren. Letztendlich verharren diese Begleiteten in einer Lebenssituation,<br />

die Ihnen finanziell keinen Spielraum lässt und wenig Perspektiven für die Zukunft bietet. Leider hat<br />

hieran auch der monatelange Streit um die Erhöhung der ALG II-Sätze, die auch das Niveau der Grundsicherung darstellen,<br />

keine grundlegende Änderung herbeigeführt. Aufgrund der fehlenden materiellen Ressourcen fehlt es an Lebensqualität,<br />

da die Teilhabe am gesellschaftlichten Leben wie Ausgehen, Kino und andere Freizeitaktivitäten einen<br />

Faktor für Lebensqualität darstellen. Dadurch kommt es oft zu Vereinsamung und Depressionen, so dass auch von<br />

Einzelnen suizidale Gedanken geäußert werden, denen es zu begegnen gilt. Um der Vereinzelung vorzubeugen, haben<br />

wir einige Angebote, die weiter unten beschrieben sind, auch im Berichtsjahr vorgehalten bzw. freuen uns, dass<br />

Angebote in Selbsthilfe ausgestaltet werden. Des Weiteren bieten wir Unterstützung bei sozialrechtlichen und finanziellen<br />

Schwierigkeiten.<br />

Ein anderer Teil dieser Begleiteten versucht, das Beste aus ihrer Lebenssituation zu machen und gestaltet unter anderem<br />

die Freizeit für HIV-Positive mit, nimmt an der Kochgruppe teil und engagiert sich auf landes- und bundesweiter<br />

Ebene in Landesarbeitsgemeinschaften und Netzwerken.<br />

Andere HIV-Infizierte gehen einer geregelten Arbeit nach und nehmen die AIDS-Hilfe nur punktuell zu bestimmten<br />

Fragen in Anspruch oder besuchen unser Mittwochs-Café oder von uns durchgeführte Fortbildungsveranstaltungen.<br />

In einzelnen Fällen von Neudiagnosen gilt es, Krisenintervention zu gewährleisten und die Situation zu stabilisieren.<br />

Auch in Zeiten von Behandelbarkeit von HIV gilt es nach einem Testergebnis unterschiedliche Problematiken zu bearbeiten.<br />

So gibt es bei vielen HIV-Infizierten das Gefühl, an der Infektion selbst schuld zu sein und sich zu schämen<br />

und in eine Depression und Antriebslosigkeit zu gelangen. Auch ist es für HIV-positive Menschen heute immer noch<br />

schwer, sich gegenüber anderen Menschen und Freunden zu ihrer HIV-Infektion zu bekennen. Hier bietet die AIDS-<br />

Hilfe Unterstützung durch die psychosoziale Begleitung der hauptamtlichen Mitarbeiter oder durch Kontakt mit anderen<br />

HIV-Positiven (z. Bsp. in unserer Positivengruppe oder in Einzelgesprächen mit HIV-Positiven, die wir vermitteln).<br />

Bei komplexen Begleitungen, die im Zeitumfang unsere Ressourcen übersteigen, vermitteln wir Begleitete in ambulant<br />

betreutes Wohnen, zukünftig arbeiten wir in diesem Bereich mit der AIDS-Hilfe Essen zusammen.<br />

Unsere Öffnungszeiten für persönliche Beratung - montags 11- 14 Uhr, mittwochs 14 – 19 Uhr, freitags 11 – 16 Uhr –<br />

haben sich bewährt. In dieser Zeit haben wir eine offene Sprechstunde und man kann uns ohne Termin aufsuchen.<br />

Selbstverständlich ist es auch weiterhin möglich, außerhalb der Öffnungszeiten einen Beratungstermin zu vereinbaren.<br />

Des Weiteren ist unser Büro in Wesel dienstags von 14 – 17 Uhr und donnerstags von 9 – 12 Uhr besetzt, so<br />

dass von montags bis freitags die Möglichkeit zur persönlichen unterminierten Beratung besteht.


Zur qualitativen Verbesserung der Begleitungsarbeit nahm ein hauptamtlicher Mitarbeiter aus dem Begleitungsbereich<br />

an den Treffen des auf Landesebene stattfindenden Arbeitskreises Sozialberatung teil. Bei diesem Arbeitskreis<br />

handelt es sich um ein wichtiges Fort- und Weiterbildungsangebot, da hier MitarbeiterInnen aus unterschiedlichen<br />

AIDS-Hilfen zur Reflektion ihrer Arbeit zusammen treffen. Des Weiteren dient das Treffen dem Erfahrungsaustausch<br />

und es gibt die Möglichkeit zur Fallbesprechung.<br />

3.1. Einzelbegleitung<br />

Die Einzelbegleitung wird von drei hauptamtlichen MitarbeiterInnen mit unterschiedlichem Zeitanteil ihrer Vollzeitstellen<br />

neben ihren anderen Aufgabenbereichen durchgeführt. In der Begleitungsarbeit bieten wir Beratungen zu Nebenwirkungen<br />

der Medikamente, zu Partnerschaftskonflikten, sozialrechtlichen und finanziellen Problemen an. Bei<br />

weiter gehenden und komplexeren Problematiken stellen wir Kontakt zu entsprechenden Beratungsstellen her (wie<br />

zum Beispiel Schuldnerberatung). Immer häufiger gilt es, finanzielle Engpässe bei der Zuzahlung zu Medikamenten<br />

und Praxisgebühr zu überbrücken, bis die Zuzahlungsgrenze erreicht ist und die Befreiungskarte ausgestellt werden<br />

kann. Bei Menschen mit Migrationshintergrund stellt die Passverlängerung ein großes finanzielles und logistisches<br />

Problem dar, für die sich keiner zuständig fühlt. Die Gebühren sind exorbitant hoch und meistens müssen die Pässe<br />

bei der Botschaft persönlich abgeholt werden, welches wiederum hohe Fahrtkosten verursacht.<br />

Bei finanziellen Problemen halfen wir mit unserem Positivenfond, bei größeren Beträgen stellten wir Anträge an die<br />

Deutsche AIDS-Stiftung, soweit die Antragshintergründe die Kriterien der Stiftung erfüllen. Die Bearbeitungszeiten<br />

haben sich aufgrund von Personaleinsparungen bei der Deutschen AIDS-Stiftung jedoch auf ca. 8 – 10 Wochen je<br />

Antrag ausgeweitet.<br />

Im Berichtsjahr verstarb eine unserer Begleiteten, die aufgrund ihrer persönlichen Situation für sich den Freitod gewählt<br />

hat.<br />

Insgesamt begleiteten wir 196 Personen einschließlich der im Knast begleiteten Personen.<br />

Intensive Begleitung bedeutet mindestens 1 Kontakt pro Woche, welches aber auch bis zu täglichem Kontakt beinhalten<br />

kann. Intensiv bedeutet aber auch, einmaliger monatlicher Kontakt mit anschließendem hohem Regelungsbedarf.<br />

In der Rubrik „Regelmäßig“ erfassen wir Begleitete mit mindestens einmal monatlichem Kontakt und „Sporadisch“<br />

einmal jährlichen Beratungskontakt.<br />

Im Berichtsjahr wird weiterhin eine Betroffene durch einen ehrenamtlichen Mitarbeiter begleitet.<br />

Die übrigen werden durch das hauptamtliche Team versorgt und halten sich auf stabilem Niveau.<br />

23


Beratung<br />

3.2. Begleitergruppe<br />

Wie im vorherigen Abschnitt schon erwähnt, wird derzeit nur noch eine Person ehrenamtlich begleitet. Es bestand im<br />

Berichtsjahr jedoch der Wunsch, dass sich der ehrenamtliche Begleiter und die „Ehemaligen“ mit dem hauptamtlichen<br />

Mitarbeiter regelmäßig treffen. Diese Treffen fanden im Berichtsjahr viermal statt und dienten zum einen zum Austausch<br />

und zur Reflektion über die bestehende Begleitung und zum anderen zum Informationsaustausch über die<br />

AIDS-Hilfe, da die zwei „Ehemaligen“ nur noch lose Kontakt zur AIDS-Hilfe haben.<br />

Die Aufgabe der ehrenamtlichen Begleitung bestand überwiegend darin, als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen.<br />

Dies kann auch zu ungewöhnlichen Uhrzeiten der Fall sein, wobei der ehrenamtliche Mitarbeiter für sich entscheiden<br />

muss, in welchem Zeitrahmen er dies zulässt.<br />

Da alle ehrenamtlichen BegleiterInnen berufstätig sind, müssen Fahrten zu Ärzten und Ämtern durch die AIDS-Hilfe<br />

(Zivildienstleistender oder letztendlich auch durch hauptamtliche Mitarbeiter) durchgeführt werden.<br />

Für den Einsatz der ehrenamtlichen BegleiterInnen möchten wir uns herzlich bedanken.<br />

3.3. Positivenfond<br />

Der Positivenfond wird von der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. mit dem Ziel verwaltet, HIV-positive / an AIDS-<br />

Erkrankte Menschen in finanziellen Notlagen zu unterstützen.<br />

Die Verteilung der Fondgelder übernahm im Berichtsjahr 2010 ein Gremium, das aus zwei HIV-positiven Menschen,<br />

einem Ehrenamtler aus dem Begleitungsbereich und einem Hauptamtler besteht. Diese Zusammensetzung schafft<br />

innerhalb des Gremiums eine Perspektivenvielfalt, die für die Entscheidungsfindung bei Anträgen bereichernd ist.<br />

Mindestens drei Personen dieses Gremiums entscheiden mit einfacher Mehrheit über außergewöhnliche und rückzahlbare<br />

Zuwendungen. Die Soforthilfe wird primär von den drei im Begleitungsbereich tätigen hauptamtlichen Mitarbeitern<br />

ausgezahlt. In die Entscheidungsfindung fließt zum einen die finanzielle Situation des Antragsstellers ein und<br />

zum anderen die Gründe für sein spezielles Anliegen. Die Verwaltung des Fonds obliegt einem hauptamtlichen Mitarbeiter.<br />

Wie in den Vorjahren stellte der Vorstand aus Spendengeldern insgesamt eine Summe in Höhe von 3.850 € zur Verfügung.<br />

Unser besonderer Dank gilt allen Spendern, die uns damit diese Form der Hilfe in diesem Umfang ermöglicht<br />

haben. Die Summe wurde im Berichtsjahr nicht ausgeschöpft.<br />

Bei einem Krankhausaufenthalt ist die Beantragung für die dort anfallenden „Telefonkosten“ möglich, wenn diese<br />

nicht selbst übernommen werden können. Hierdurch soll der Kontakt nach außen aufrechterhalten und die Möglichkeit<br />

gegeben werden, sich bei Schwierigkeiten mit jemandem zu bereden. Da es nur wenige stationäre Aufenthalte<br />

gab und die Begleiteten zumeist über Handy erreichbar sind, fielen im Berichtsjahr in diesem Bereich wiederum keine<br />

Ausgaben an.<br />

Für den Bereich „Knast“ haben wir in 2010 230,45 € für sogenannte Knastpakete aufgewandt. Da diese nicht mehr<br />

über die Deutsche AIDS-Stiftung finanziert werden, werden diese zurzeit vom Positivenfond getragen. Die Summe<br />

hat sich im Vergleich zum Vorjahr halbiert.<br />

Der Bereich „Soforthilfe“ lag mit 1.850 € ungefähr gleichauf mit den Ausgaben in diesem Bereich im Jahr 2009, und<br />

stellt weiterhin den höchsten Ausgabenposten des Positivenfonds dar. Bei der Soforthilfe handelt es sich um eine<br />

finanzielle Hilfe am Ende des Monats, um Engpässe zu überbrücken. Diese Hilfe wird gewährt, wenn sich die Einkünfte<br />

auf dem Niveau des Arbeitslosengeldes II belaufen. Die Soforthilfe wurde im Durchschnitt von den Personen,<br />

die die Kriterien des Positivenfond erfüllen in der Regel fünfmal jährlich in Anspruch genommen.


Die „Außergewöhnlichen Zuwendungen“ erhöhten sich im Berichtsjahr von 627 € auf 843 € um ein Drittel. Außergewöhnliche<br />

Zuwendungen werden für den Ausgleich von Stromschulden, Telefonrechnungen, Zuschüsse zum<br />

Zahnersatz, Unterstützung zur Erlangung der Befreiungskarte für Zuzahlungen bei Medikamenten und Praxisgebühr<br />

und anderes gewährt.<br />

„Rückzahlbare Zuwendungen“ sind für Ausgaben gedacht, die die Begleiteten dringend benötigen, für die sie aber<br />

aktuell kein Geld haben. Das gewährte Darlehen muss in angemessenen Raten zurückgezahlt werden. Um den Begleiteten<br />

dies zu ermöglichen und das Begleitungsverhältnis durch offene Beträge nicht zu belasten, muss der Einkommenssatz<br />

bei diesen Zuwendungen die Sozialhilfe bzw. das Arbeitslosengeld II übersteigen.<br />

Die rückzahlbaren Zuwendungen sind im Berichtsjahr von 152 € auf 326 € angestiegen. Hier wurde auch der Wunsch<br />

der Begleiteten berücksichtigt, die zunächst einmal eine Rückzahlung leisten wollen.<br />

Rückzahlbare Zuwendungen wurden in den meisten Fällen für Zuzahlungen für Medikamente und Praxisgebühr gewährt,<br />

damit der Betroffene direkt seine Befreiungskarte erhält und die Rückzahlung an die AIDS-Hilfe vornehmen<br />

kann. Mit der Befreiungskarte ist ein regelmäßiger Arztbesuch und regelmäßiger Medikamentenbezug möglich.<br />

Die „Einnahmen“ (s. Abb. u.) des Positivenfonds resultieren aus den Rückzahlungen der rückzahlbaren Zuwendungen.<br />

Da die Darlehen nicht unbedingt in dem Jahr der Auszahlung zurückgezahlt werden, kommt es zu Differenzen in<br />

den Bereichen Auszahlung und Einnahme.<br />

Auch im Berichtsjahr konnten wir durch Anträge bei der Deutschen AIDS-Stiftung unseren Begleiteten mit größeren<br />

Beträgen aushelfen. Hier besteht weiterhin eine gute Zusammenarbeit, für die wir uns recht herzlich bedanken.<br />

Telef. Knast Sorforth. Außergew. Z. Rückz. Z. Einnahmen Summe<br />

2010 0,00 € 230,45 € 1.850,59 € 843,64 € 326,07 € 168,00 € 3.250,75 €<br />

2009 0,00 € 464,74 € 1.818,60 € 627,07 € 152,00 € 262,98 € 3.062,41 €<br />

25


Beratung<br />

3.4. Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern<br />

Die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern bleibt für unsere AIDS-Hilfe wichtig. Im Einzelnen handelt es sich um<br />

folgende Partner:<br />

HIV-Schwerpunktpraxen<br />

Die Zusammenarbeit mit den beiden in Duisburg offiziell auf HIV spezialisierten Schwerpunktpraxen wurde 2010<br />

problemlos fortgesetzt. Unklarheiten und Fragen können auf kurzem Weg geklärt werden. Regelmäßig haben wir<br />

Austauschgespräche mit dem Gesundheitsamt Duisburg, dem Gesundheitsamt des Kreises Wesel, der AIDS-Hilfe<br />

Oberhausen und den beiden Schwerpunktärzten. Es ist für uns eine Möglichkeit, die Arbeit der AIDS-Hilfe vorzustellen<br />

und transparent zu machen. Unter anderem war auch Teil dieses Gespräches der Rück- und Ausblick auf das<br />

Fachgespräch mit den beiden Schwerpunktärzten.<br />

Krankenhäuser<br />

Bei Krankenhausaufenthalten in Bezug auf HIV/AIDS werden unsere Begleiteten in die umliegenden Uni-Kliniken<br />

Essen, Bochum und Düsseldorf eingewiesen. Insbesondere zur Uniklinik Essen bestehen gute Kontakte zu dem medizinischen<br />

und auch zum sozialarbeiterischen Personal. In Duisburg hat sich bezüglich der stationären Versorgung<br />

aufgrund weiterhin geringer Fälle keine Veränderung ergeben.<br />

Pflegedienste<br />

Die Kooperation mit den Pflegediensten, mit denen wir bisher zusammen gearbeitet haben, wurde erfolgreich fortgeführt.<br />

Hospize<br />

Im Berichtsjahr wurde von unseren Begleiteten kein Hospiz in Anspruch genommen, jedoch besteht von unserer Seite<br />

Kontakt zur Hospizbewegung.<br />

Anwaltspraxen<br />

Die Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten läuft im migrationsrechtlichen Bereich - soweit von Nöten - ohne Probleme.<br />

Ambulant Betreutes Wohnen<br />

Hier arbeiten wir mit örtlichen Anbietern zusammen und für zukünftige Fälle ist eine Zusammenarbeit mit der AIDS-<br />

Hilfe Essen vereinbart.<br />

3.5 Angebote für HIV-Positive und an AIDS-Erkrankte<br />

Im Berichtsjahr wurde im Rahmen des Solidar-Erleben-Ansatzes die Kochgruppe fortgeführt. Die Kochgruppe ist ein<br />

monatliches Angebot, bei dem HIV-Positive und ehrenamtliche MitarbeiterInnen zusammen kommen, um Abwechslung<br />

in den Alltag zu bringen. Gleichzeitig bietet sich hier ein Raum zum Austausch von Sorgen und Nöten. Seit 2009<br />

hat der Vorstand die Kochgruppe mit einem Budget ausgestattet, so dass die TeilnehmerInnen keinen Eigenanteil<br />

entrichten mussten. An der Kochgruppe nehmen im Durchschnitt 5 – 7 Personen teil.<br />

Seit Anfang 2007 trifft sich regelmäßig einmal monatlich eine Positivengruppe. Zugang haben die unterschiedlichen<br />

sexuellen Präferenzen, auch der Ansteckungsweg spielt keine Rolle. Es ist eine sehr bunt gemischte Gruppe, welche<br />

in Selbsthilfe eigenständig durchgeführt wird.<br />

Frauenspezifische Angebote wurden wie in den Vorjahren in Kooperation mit den benachbarten AIDS-Hilfen angebo-


ten. Im Berichtsjahr wurde auch das Angebot einer Frauengruppe eingerichtet. Diese erfreut sich großer Beliebtheit<br />

und wachsendem Zuspruch. Hierbei gilt es besonders zu erwähnen, dass es hier eine Kooperation mit den niedergelassenen<br />

HIV-Schwerpunktpraxen gibt und die AIDS-Hilfe mit diesem Angebot HIV-positive Frauen erreicht, die bisher<br />

keinen Zugang zur AIDS-Hilfe hatten. Weitere Einzelheiten werden in Kapitel 5.4 näher beschrieben.<br />

Unser traditionelles Mittwochs-Café ist weiterhin das best besuchte Angebot. Dieses ist ein beliebter Treffpunkt zwischen<br />

HIV-Infizierten / an AIDS Erkrankten, ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und der AIDS-Hilfe Sympathie entgegenbringender<br />

Menschen. Darüber hinaus ist dieses Café eine erste Anlaufstelle für an ehrenamtlicher Arbeit Interessierte.<br />

Auch Bewerbern für den Zivildienst bietet es eine Plattform fürs Kennen lernen der AIDS-Hilfe.<br />

Das Café haben wir mit Aufbackkuchen,<br />

eigenen Backwerken und<br />

Spenden der Duisburger Tafel<br />

bzw. Bürger für Bürger bestückt.<br />

Im Café ist ein Austausch zwischen<br />

Betroffenen, hauptamtlichen<br />

und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen<br />

möglich. Hier kann<br />

man sich auch über Neuigkeiten<br />

in der AIDS-Hilfe informieren und<br />

die Angebote an Infotafel zur<br />

Kenntnis nehmen. Zum einen ist<br />

es eine willkommene Abwechselung<br />

für die Betroffenen, zum anderen<br />

ist er das Treffen in der<br />

„Wahl-Familie“.<br />

Weiterhin fährt eine ehrenamtliche Mitarbeiterin jeweils vor dem Café bei Bürger für Bürger vorbei und holt dort Lebensmittel,<br />

die dann im Mittwochs-Café verteilt werden.<br />

Da der Besucherstrom schon um 15 Uhr für das Café startete, wurden die Öffnungszeiten des Cafe´s im Jahr 2010<br />

auf 15 bis 18 Uhr geändert. Es wird von durchschnittlich ca. 12 - 20 Personen besucht. Vorbereitet wird es – soweit<br />

vorhanden - überwiegend von dem Zivildienstleistenden und einem ehrenamtlichen Mitarbeiter. Während der Café-<br />

Zeit ist immer ein hauptamtlicher Ansprechpartner präsent, da diese Treffen von vielen Betroffenen dazu genutzt werden,<br />

Anliegen an die BeraterInnen und BegleiterInnen heranzutragen. Über die Cafézeit hinaus hat die AIDS-Hilfe<br />

mittwochs bis 19 Uhr für persönliche und telefonische Beratung geöffnet.<br />

27


Beratung<br />

Unsere traditionelle Weihnachtsfeier fand Heiligabend wie im Vorjahr in der Uhrzeit von 15.30 bis 20 Uhr statt.<br />

Die Weihnachtsfeier wurde letztendlich von 22 TeilnehmerInnen besucht und fand wieder in den Räumen von SHAlk<br />

statt, denen wir für die Überlassung der Räumlichkeiten recht herzlichen Dank sagen. Die geringe Teilnehmerzahl ist<br />

auf die extremen Wetterbedingungen am Heiligabend zurückzuführen. Durch starken Schneefall war der öffentliche<br />

Personennahverkehr eingestellt und es war weiterhin schwierig, ein Taxi zu bekommen. Die Weihnachtsfeier konnte<br />

über Spenden in Höhe von 2.400 € der Kirchen aufgrund eines Mailings und Einzelspenden ausgerichtet werden.<br />

Wie in den Vorjahren konnten wir ein festliches Menü anbieten und Weihnachtstüten mit Süßigkeiten, Obst, Kaffee<br />

und Tabak verteilen. Die Vorbereitung und die Durchführung der Weihnachtsfeier liegt schwerpunktmäßig in ehrenamtlicher<br />

Hand, von hauptamtlichen Mitarbeitern gab es einen Ansprechpartner, der auch bei der Weihnachtsfeier<br />

selbst anwesend war und für Rückfragen bei Unklarheiten zur Verfügung stand.<br />

Auch im Berichtsjahr gab es wieder eine Positivenfreizeit. Die diesjährige Freizeit führte vom 24.09. bis 01.10.2010<br />

in die Ferienanlage Schloss Dankern, in Haren an der Ems. Die geringe Teilnehmerzahl von sechs Personen ist auf<br />

langwierige Erkrankungen zurück zu führen, die es 2 Teilnehmern unmöglich machte, mit zu fahren. Andere Teilnehmer<br />

aus den vergangenen Jahren hatten für dies Jahr andere Pläne.<br />

Das angemietete Haus lag am Rand der sehr großen Ferienanlage und war ideal für die Gruppe, die aus vier Männern<br />

und zwei Frauen bestand.<br />

Bewährt hat sich hier durch gemeinsame Unternehmungen und Aktivitäten im vertrauensvollen Gespräch Probleme<br />

anzusprechen, sich mit anderen auszutauschen und Lösungsmöglichkeiten kennen zu lernen. Des weiteren ist für die<br />

Gruppe das gemeinsame Kochen und Essen wichtig, da zuhause aufgrund des Alleinseins dieses meistens zu kurz<br />

kommt.


3.6 Trauerarbeit<br />

Im Berichtsjahr ist eine der von uns Begleiteten verstorben. Diese hatte sich für den Freitod entschieden, welches<br />

uns alle tief berührt hat. Des Weiteren mussten wir von der Mutter unseres Vorstandsvorsitzenden, die regelmäßig<br />

unser Mittwochs-Café und weitere Angebote der AIDS-Hilfe aufsuchte und damit sehr präsent war, und von Klaus<br />

Blaumeiser, einem langjährigen JES-Aktivisten und ehemaligen Mitarbeiter Abschied nehmen.<br />

Wir gedenken der Verstorbenen in der Mitgliederversammlung und mit unserer Trauerecke, die sich im Café befindet.<br />

Hier befinden sich unser Trauerbuch und weitere Informationen zu Verstorbenen.<br />

29


Öffentlichkeitsarbeit<br />

4. Öffentlichkeitsarbeit<br />

„Positiv zusammen leben. Aber sicher!“ – das ist die neue, alte Botschaft, die unsere Öffentlichkeitsarbeit von Beginn<br />

an prägt (vgl. 1.).<br />

Und es gibt mehr Anlass als je zuvor, dass diese Botschaft gesellschaftlich-flächendeckend ankommt und gelebt<br />

wird, denn immer mehr Menschen mit HIV und AIDS leben in unserer Gesellschaft – und leben länger in unserer Mitte.<br />

„Menschen mit HIV und AIDS können heute bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung oft mit einer fast normalen<br />

Lebenserwartung rechnen. In den Medien werden HIV-Positive aber häufig auf ihre Infektion reduziert und nicht als<br />

Menschen mit einer Krankheit gesehen. Wer HIV hat oder erkrankt ist, fühlt sich oft sozial isoliert und wagt vielleicht<br />

nicht, mit anderen darüber zu sprechen. Hinzu kommt: Wohl kaum eine Krankheit ist so eng mit Tabuthemen verknüpft<br />

wie eine HIV-Infektion und AIDS. Unbewusst oder bewusst schieben viele den Betroffenen die Schuld an ihrer<br />

Situation zu. Verantwortung für den Schutz vor HIV tragen beim Sex aber beide Partner. (…)<br />

Wir alle können dazu beitragen, dass Isolation und Stigmatisierung von Menschen mit HIV abgebaut werden: indem<br />

wir Betroffenen unvoreingenommen begegnen und ihnen so erleichtern, offen und verantwortungsvoll mit ihrer Infektion<br />

oder Krankheit umzugehen.“ (Broschüre zur Welt-AIDS-Tag`s-Kampagne 2010, hrsgg. von der Bundeszentrale für gesundheitliche<br />

Aufklärung, BZgA, im Auftrag vom Bundesministerium für Gesundheit, BMG, in Partnerschaft mit der Deutschen AIDS-<br />

Hilfe und der Deutschen AIDS-Stiftung, S.3)<br />

Dies zu ermöglichen ist nicht mehr nur ein gesellschaftspolitisches Anliegen, sondern ist mehr denn je auch ein ungemein<br />

wichtiger Pfeil im Köcher der Primärprävention. Denn eines bleibt: Nur wer sich schätzt und von seinem sozialen<br />

Umfeld angenommen wird, legt wirklich Wert auf den Selbstschutz und den seiner Mitmenschen. Die Erkenntnis


ist nicht neu und deshalb hat die AIDS-Hilfe mit ihrem Ansatz der strukturellen Prävention schon immer im Kontext<br />

einer über reine Prävention hinausgehenden Gesundheitsförderung agiert. Nicht zuletzt, um dies auch unseren Kunden<br />

transparent zu machen, haben wir uns 2009 ja den Zusatz „Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung“ gegeben<br />

(vgl. Jahresbericht 2009).<br />

Die offene Kommunikation benötigt ein adäquates soziales Klima und sie braucht gewissermaßen den Geist der Aufklärung.<br />

Wer informiert ist, ist –nicht nur- beim Thema HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten klar im<br />

Vorteil – hinsichtlich des Umganges mit Menschen mit HIV, aber eben auch hinsichtlich des Schutzes vor einer Infektion<br />

und ihren Folgen.<br />

Auch wenn ein positives Testergebnis heute und hierzulande dank der modernen Therapiemöglichkeiten kein mittelbares<br />

Todesurteil mehr ist, so erleben es viele doch zurecht als ganz tiefen Einschnitt ins Leben mit all seinen Facetten<br />

– eben nicht nur physisch-gesundheitlichen Seiten.<br />

„Das Leben mit HIV ist keine Party!“ (ein zentraler Satz der diesjährigen WAT-Kampagne). Auch wenn die Lebenserwartung<br />

erheblich gestiegen ist, geht dieses Mehr an Jahren keineswegs immer einher mit einer guten Lebensqualität.<br />

Es bleiben eine ganze Reihe von Einschränkungen, welche leicht dazu führen können, dass Betroffene die Erwartungen<br />

des sozialen und beruflichen „Funktionierens“ nicht mehr erfüllen können. Es drohen der Verlust des Arbeitsplatzes,<br />

Armut und Isolation. Die Folgen davon belasten nicht nur die Betroffenen selbst, sondern eben auch die<br />

sozialen Sicherungssysteme und diejenigen Einrichtungen, die Leistungen für eine existentielle Grundversorgung<br />

übernehmen, wie etwa auch die AIDS-Hilfen.<br />

Aus unserer Sicht wird es daher endlich Zeit für einen grundlegenden gesellschafts- und gesundheitspolitischen Paradigmenwechsel<br />

– eine konsequente Ausrichtung auf einen salutogenetischen Ansatz. Hier ist der Gesetzgeber gefordert.<br />

Die ehemalige Staatssekretärin und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Frau Marion Caspers-Merk, hat<br />

diese Forderung prägnant formuliert und untermauert:<br />

„Prävention und Gesundheitsförderung müssen dringend zu einer vollwertigen Säule unseres Gesundheitssystems<br />

ausgebaut werden – gleichberechtigt neben der Behandlung von Krankheiten (… Kuration …) sowie der Rehabilitation<br />

und Pflege.“ (in: Gesundheit braucht Initiative, Verbandsschrift des PARITÄTISCHEN 01/2011, S. 6).<br />

Und dass Prävention wirkt, haben wir beschrieben und belegt (vgl. 1.). Das Verhältnis bei der Finanzierung zwischen<br />

Kuration (Pathogenetische Ausrichtung) und Prävention/Gesundheitsförderung weist allerdings ein krasses Gefälle<br />

aus. „Pro Jahr und Versichertem wenden die Krankenkassen durchschnittlich ca. 3.000 Euro für die medizinische<br />

Behandlung auf. Für Prävention und Gesundheitsförderung sind es nicht einmal fünf Euro“, so Caspers-Merk (ebd.).<br />

Und bei der genaueren Analyse, wen diese Ausgaben erreichen, ist zu konstatieren, dass Zielgruppen, die es besonders<br />

nötig hätten, dabei kaum erreicht werden. Bei –höchst sinnvollen- Angeboten wie Yoga, Rückenschulen, Fitness<br />

oder Walking sind berufstätige Männer, alleinerziehende, ökonomisch schwache Frauen, Suchtbelastete, Menschen<br />

mit anderen Formen sozialer Benachteiligung, solche mit Migrationshintergrund oder gar Menschen ohne Papiere<br />

eher selten vertreten, beim Infektionsgeschehen dagegen eher häufig. Das hat zur Folge, dass Angebote deutlicher<br />

„lebensweltbezogen“ ausgerichtet werden müssten – oder, wie wir es von Beginn an formulieren: zielgruppenspezifisch,<br />

niedrigschwellig, akzeptanzorientiert, aufsuchend, etc.<br />

Wir betrachten es als die Kernaufgabe der Öffentlichkeitsarbeit von AIDS-Hilfe als Selbsthilfe-, Interessen- und Fachverband,<br />

die Bevölkerung und auch die Beteiligten im Gesundheitswesen seriös, differenziert und bestmöglich über<br />

die aktuellen Entwicklungen im Kontext von (sexueller) Gesundheitsförderung zu informieren.<br />

Diese Aufgabe wird allerdings immer schwerer, denn die Materie wird mit zunehmenden Erkenntnisgewinnen zum<br />

Virus, seinen Infektionswegen, zum Immunsystem und zu den Therapieoptionen immer komplexer und in bestimmten<br />

Szenen oder/und Settings ist das Spektrum der Präventionsbotschaften gewiss weiter und differenzierter zu gestalten<br />

als es die hinlänglichen Safer Sex-Botschaften bisher hergeben.<br />

31


Öffentlichkeitsarbeit<br />

Die strukturelle HIV-Prävention wird immer komplexer. Die Präventionsbotschaften sind immer mehr zu differenzieren<br />

und zum Teil zu individualisieren. Wenn wir heute erkennen, dass das Infektionsrisiko, das von einem HIV-Infizierten<br />

unter stabiler antiretroviraler Therapie (sART) ausgeht, „sich in der Größenordnung unserer normalen Lebensrisiken<br />

wie z.B. dem Besteigen eines Flugzeuges“ (Schweizerische Ärztezeitung, 2008; 98:5, S. 163) bewegt, dann ist es<br />

richtig und wichtig, HIV-positive Menschen davon zu unterrichten, denn dann ist die häufig tief verwurzelte Angst, andere<br />

zu infizieren, sehr zu relativieren. Diese Erkenntnis hat enorme Chancen zur Folge, denn sie kann zu einer erheblichen<br />

Verbesserung der Lebensqualität von HIV-Infizierten und der von HIV-Betroffenen führen.<br />

Inwieweit diese Erkenntnisse auch offensiv in die Allgemeinbevölkerung getragen werden sollten, ist weiterhin sehr<br />

umstritten, denn sie bergen durchaus das Risiko, die Präventionserfolge zu gefährden. Die antiretrovirale Therapie<br />

als Instrument im Köcher der Primärprävention ist aber eindeutig als Zugewinn zu betrachten.<br />

Im Zuge dieser noch relativ jungen Errungenschaften muss die Förderung der Testbereitschaft ein immer stärkeres<br />

Anliegen der Präventionsarbeit werden.<br />

Dies spiegelt sich in der Fachwelt vielfach wieder, so auch im Aktionsplan gegen HIV und AIDS der Europäischen<br />

Kommission für die Jahre 2009 – 2013 und so auch bei einem deutschen Expertenworkshop zur HIV-Testung, der im<br />

Oktober 2009 auf Einladung des Gemeinsamen Wissenschaftlichen Beirates des BMG und der Deutschen AIDS-<br />

Gesellschaft (DAIG) stattfand und dessen Ergebnisse wir an dieser Stelle noch einmal im Überblick wiederholen wollen,<br />

weil sie unsere Haltung und Arbeitsansätze sehr gut wiedergeben:<br />

„1. Ein allgemeines HIV-Screening in medizinischen Einrichtungen in Deutschland ist angesichts der vergleichsweise<br />

niedrigen HIV-Prävalenz in der Gesamtbevölkerung weder sinnvoll noch wünschenswert.<br />

2. Eine gezielte Vermehrung von Angeboten zur freiwilligen Testung auf HIV verknüpft mit einer qualifizierten Beratung<br />

ist erwünscht und notwendig. Die Durchführung der HIV-Testung ist dabei kein eigenständiges Ziel, sondern Teil<br />

einer HIV/AIDS Gesamtstrategie, die auch präventive, gesundheitsfördernde und kurative Maßnahmen einschließt.<br />

(…) Anonyme und kostenlose Testangebote können die Akzeptanz eines Testangebotes erhöhen. (…) Zielgruppenspezifische<br />

Testermutigung und möglichst niedrigschwellige Testangebote sollen gestärkt und weiter ausgebaut werden.<br />

(…) Insbesondere muss sichergestellt sein, dass alle Personen, bei denen eine HIV-Infektion diagnostiziert wird,<br />

einen ausreichenden Zugang zum medizinischen Versorgungssystem in Deutschland erhalten – auch Personen ohne<br />

gesicherten Aufenthaltsstatus und Krankenversicherungsschutz sowie Inhaftierte. Dies erfordert unter anderem eine<br />

engere Zusammenarbeit zwischen dem medizinischen Versorgungssystem, dem öffentlichen Gesundheitsdienst und<br />

Nichtregierungsorganisationen.<br />

HIV-Testung muss grundsätzlich freiwillig und mit informiertem Einverständnis der Getesteten erfolgen. Die Testung<br />

muss begleitet sein von einer den konkreten Umständen angepassten Beratung vor dem Test und einer ausführlichen<br />

Beratung zum Testergebnis nach dem Test. (…) Zur Testberatung gehört auch, die Notwendigkeit wiederholter<br />

Testung bei Fortbestehen von Infektionsrisiken anzusprechen. Etwa die Hälfte der neu mit HIV diagnostizierten Personen<br />

in Deutschland hat sich vor der HIV-Diagnose bereits mindestens einmal mit negativem Ergebnis auf HIV testen<br />

lassen.<br />

3. Möglichkeiten ärztlich initiierter Testung sollten stärker als bisher genutzt werden. Dies erfordert folgende Maßnahmen<br />

und Strukturen:<br />

- Anlässlich der Untersuchung auf andere sexuell übertragbare Erkrankungen sollte die Frage eines HIV-Testes regelmäßiger<br />

als bisher üblich angesprochen werden.<br />

– Niedrigschwellige STI-Test- und Beratungsangebote sollten ausgebaut werden und ihr Angebot sollte sich vor allem<br />

an besonders betroffene Gruppen richten, für die Zugangsbarrieren zum regulären Versorgungssystem bestehen (…)<br />

4. Diskriminierung und soziale Ausgrenzung von HIV-Infizierten wirken sich demotivierend auf die HIV Testbereitschaft<br />

von gefährdeten Personen und Personengruppen aus.<br />

Zwar ist beim Abbau von Diskriminierung HIV-Infizierter in Deutschland schon viel erreicht worden, weitere Anstrengungen<br />

sind aber notwendig. Sowohl innerhalb betroffener Bevölkerungsgruppen als auch im medizinischen Versorgungssystem,<br />

beim Kontakt mit Behörden, am Arbeitsplatz und im sozialen Umfeld erfahren auch heute noch in<br />

Deutschland viele HIV-Infizierte bei der Offenlegung ihrer Infektion Diskriminierung und Ausgrenzung.“<br />

(Dr. U. Marcus u. Dr. O. Hamuda, Späte HIV-Diagnose und später Behandlungsbeginn in Deutschland, in HIV&more,


4/2009, S.62)<br />

Letzteres hat uns im Berichtsjahr insbesondere der erneute mediale Hype um die Urteilsfindung und –verkündung im<br />

„Fall Nadja B.“ wieder einmal sehr deutlich vor Augen geführt (s. 1.).<br />

Der `präventive Spagat´ zwischen Entdiskriminierungsarbeit im Umgang mit HIV-positiven und an AIDS erkrankten<br />

Menschen und der Mahnung vor einer keineswegs „normalen chronischen Erkrankung“, die noch dazu letztlich immer<br />

noch tödlich ist, bleibt eine große Herausforderung für die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit.<br />

Und angesichts der skizzierten vielfältigen Veränderungen sind wir stetig gefordert, unsere Arbeitsweisen zu überdenken<br />

und hier und da zu reformieren.<br />

„HIV-Prävention kann nur in einer Gesellschaft erfolgreich sein, in der Menschen mit HIV und ihre Partner mit ihren<br />

besonderen Bedürfnissen und Ängsten akzeptiert und unterstützt werden“ (Stellungnahme der Deutschen AIDS-<br />

Gesellschaft, DAIG, zur Frage der Infektiosität von Patienten unter HIV-Therapie vom 23.04.2009).<br />

Der Ansatz, allein auf individuelle Verhaltensänderung zu setzen, reicht nicht aus. Auch die Verhältnisse, in denen<br />

Menschen leben, müssen lebenswert und so gestaltet sein, dass Menschen sich darin angenommen fühlen können.<br />

Hier sind alle gesellschaftlichen Gruppen weiter gefordert.<br />

„Positiv zusammen leben. Aber sicher!“. Das deutsche Welt-AIDS-Tags-Motto des Jahres 2010 setzte insofern das<br />

Thema „Solidarität“ konsequenter in den Mittelpunkt als je zuvor (s.o).<br />

Wir haben eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung auch und gerade gegenüber den Schwächeren in unserer<br />

Leistungsgesellschaft. Nicht nur im HIV-Infektionsgeschehen sind Menschen überproportional vertreten, die ökonomisch,<br />

bildungsmäßig und sozial benachteiligt sind. Somit bleibt AIDS-Präventionsarbeit zu einem großen Teil weiterhin<br />

Arbeit in gesellschaftlichen Konfliktbereichen. Es geht weiter um Aspekte von sozialer Diskriminierung von Homound<br />

Bisexuellen, um die Kriminalisierung von Drogengebraucher/innen, um die Ausgrenzung von Menschen mit Migrationshintergrund,<br />

um Marginalisierungstendenzen von Prostituierten und Menschen in Haft und um die Defizite in<br />

der Um- und Durchsetzung von (sexuellen -) Selbstbestimmungsrechten von Frauen in besonderen Lebenslagen.<br />

Von besonderer Bedeutung ist dabei die konsequente Einbeziehung und Thematisierung anderer sexuell übertragbarer<br />

Infektionen (STI`s, wie Syphilis, Chlamydien u.a.), da diese eine zunehmende Relevanz für die HIV-Inzidenzen<br />

besitzen (vgl. 1.).<br />

Während wir nach 25 Jahren AIDS-Prävention sicherlich behaupten können, dass das Aufklärungsniveau bezüglich<br />

HIV/AIDS in der deutschen Bevölkerung vergleichsweise gut ist, gilt dies hinsichtlich der STI`s in keinster Weise. Hier<br />

muss ein Schwerpunkt in der künftigen Präventionsarbeit gesetzt werden.<br />

Erfreulicherweise sind Anfragen nach den Angeboten unserer AIDS-Hilfe in allen Arbeitsbereichen stabil hoch. Das<br />

spezifische Know-how, die Vermittlungskompetenzen unserer ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen und die<br />

Flexibilität eines kleinen, freien Trägers in der Wohlfahrtspflege werden offensichtlich sehr geschätzt. Das zeigen uns<br />

die vielen positiven Rückmeldungen, die aus sehr unterschiedlichen Gruppierungen kommen.<br />

Es ist von großer Bedeutung, dass die Arbeit und die Haltungen der AIDS-Hilfe(n) als sinnvoll wahrgenommen und<br />

der Diskurs zu Ansätzen, Konzepten und deren Förderung angenommen werden. Dies ist nicht zuletzt auch für die<br />

Arbeit und die Motivation unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen sehr wichtig.<br />

Grundlagen für den Erhalt und die Anpassung unserer Arbeitsqualitäten sind die Qualitätsstandards für die Präventions-<br />

und Öffentlichkeitsarbeit, die Teil unseres Leitbildes (s. www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ) sind.<br />

33


Öffentlichkeitsarbeit<br />

4.1. AG Öffentlichkeitsarbeit<br />

Die mit dem skizzierten Themenspektrum und der entsprechenden Informations- und Aufklärungsarbeit befasste Arbeitsgruppe<br />

trifft sich jeden dritten Donnerstag im Monat um 18.30 Uhr in der AIDS-Hilfe, um Veranstaltungen, Informationsstände<br />

u.a. Aktionen zu konzipieren und zu organisieren. Die Gruppe ist mit stabil acht Mitgliedern besetzt.<br />

Um diesen Kern von Mitarbeiter/innen herum finden sich immer wieder neue Interessent/innen über mehr oder minder<br />

lange Zeiträume. Der Zugang zur Gruppe setzt nicht das Durchlaufen der Grundausbildung für Ehrenamtler/innen<br />

voraus, wie dies für die Bereiche der Beratung und Begleitung zwingend ist. Es kann also jede/r Interessierte unverbindlich<br />

hereinschnuppern.<br />

Ohne das intensive Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen wäre die Menge an Veranstaltungen und Aktionen,<br />

die wir auch im Berichtsjahr wieder durchführen konnten, nicht denkbar. Allen beteiligten Ehrenamtler/innen gilt<br />

dafür unser herzlichster Dank!<br />

Weiterhin suchen wir gerade für das Feld der Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit ehrenamtliche Mitarbeiter/<br />

innen. Wer hier aktiv werden möchte oder Interessenten kennt … nur zu!<br />

Zum Bereich der medialen Außendarstellung gehört die Internet-Homepage der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel<br />

e.V. ( www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ). Ein Medium, das immer mehr an Bedeutung gewinnt und auf die<br />

Schnelle nicht nur Informationen zum Verein und seinen Angeboten bietet, sondern auch zu Beratungszwecken gerne<br />

genutzt wird. Dazu hat sich die Einrichtung einer extra Beratungsseite mit sog. FAQ`s (frequently asked questions<br />

= Häufig gestellte Fragen) bewährt. Dieses Angebot wird gerade von jüngeren Leuten aufgrund der besonderen Anonymität<br />

und der Attraktivität des Mediums für diese `Besucher´ genutzt. Diese Seiten werden regelmäßig evaluiert<br />

und bei Bedarf werden die FAQ`s variiert (Vgl. 2.).<br />

Im Berichtsjahr konnte es nach längerer Vorlaufzeit endlich gelingen, das wichtigste Printmedium, unsere Hausbroschüre,<br />

neu aufzulegen. Mit Hilfe der Grafikdesignerin Britta Plien (s.a. 5.6.) ist uns –so meinen wir- ein attraktiver<br />

Wurf gelungen, dessen Gestaltung nunmehr als Muster für ein neues „corporate design“ dienen soll.


Als weiterer wichtiger Werbeträger dient der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. der Schaukasten im Bus- und S-<br />

Bahntunnel am Duisburger Hauptbahnhof, der im Berichtsjahr wieder mehrmals thematisch neu gestaltet und fortlaufend<br />

aktualisiert wurde. Unserem Gründungs- und inzwischen Ehrenmitglied Wulf Thomas, der diesen Werbe-, Beratungs-<br />

und Ankündigungsträger seit über 20 Jahren pflegt und regelmäßig aktualisiert, gilt ein besonderer Dank.<br />

Schaukasten Duisburg<br />

35


Öffentlichkeitsarbeit<br />

4.2. Veranstaltungen<br />

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist immer bemüht, ihr Angebot einer breiten Öffentlichkeit transparent zu<br />

machen und nutzt dazu verschiedene Orte und Anlässe. Wie könnte man auf Enttabuisierung, Entdiskriminierung und<br />

Emanzipation ausgelegte Präventionsarbeit leisten, ohne die sog. Allgemeinbevölkerung über den Sinn und Zweck<br />

zielgruppenspezifischer Arbeit zu informieren?<br />

Neben dem sehr breiten Spektrum an inhaltlichen Ausrichtungen (HIV und AIDS, Hepatitiden und andere sexuell<br />

übertragbare Krankheiten, Homosexualität, Drogengebrauch, Frauen/Mädchen und AIDS, Migration und AIDS<br />

u.a.m.) ist es alljährlich aufs Neue schwierig, halbwegs flächendeckend in unserer großen Region Präsenz zu zeigen.<br />

Der Jahresauftakt ist traditionell geprägt durch eine Fülle an Präventionsveranstaltungen im Bereich „Youthwork“ (s.<br />

5.6.) sowie durch intensive Berichts- und Dokumentationsarbeit zum Vorjahr. Darüber hinaus ist im ersten Quartal<br />

auch die Grundlagenausbildung für Ehrenamtliche in der Ruhrgebietsvernetzung platziert, bei der wir mit allen Fachkräften<br />

als Trainer/innen intensiv beteiligt sind (s. 6.)<br />

Im Berichtsjahr haben uns hier auch die Folgen der angespannten Haushaltsberatungen in Duisburg und dem Kreis<br />

Wesel beschäftigt durch die Abfragen nach spezifischen „Fallzahlen“. Der aufwendige Nachweis dazu hat aber gewiss<br />

auch dazu geführt, dass unsere kommunalen Zuwendungsgeber wahrnehmen konnten, wie viel Leistung sie für<br />

vergleichsweise wenig Mittel bekommen. Dieses äußerst günstige Verhältnis dürfte bei anderen Trägern nur schwerlich<br />

zu finden sein – erst recht, wenn man noch das Volumen an ehrenamtlicher Arbeit in die Betrachtungen einbezieht.<br />

Der auch für uns günstige Umstand, zwei kommunale Partner zu haben, führt allerdings an einigen Stellen zu nicht<br />

unerheblichem bürokratischem Mehraufwand, für den es leider keine finanzielle Anerkennung gibt.<br />

Parallel aber liefen natürlich auch die Planungen zur Öffentlichkeitsarbeit an sowie die fachliche Fort- und Weiterbildung,<br />

die angesichts der schon mehrfach beschriebenen Dynamik im Themenfeld unerlässlich ist. Die Teilnahme des<br />

Verfassers an den Münchener-AIDS-Tagen im März hat hier wichtige updates bringen können.<br />

In bewährter Kooperation mit der AIDS-Hilfe Oberhausen gab es die fachliche Einstimmung am 16. Juni mit einem<br />

Fachgespräch zur HIV-Therapie. Unter dem Dauerthema „Älter Werden mit HIV“ haben wir uns dem Schwerpunkt<br />

„HIV und Psyche – Begleiterscheinungen einer HIV-Therapie“ gewidmet. Der Bochumer Psychologe und Psychotherapeut,<br />

Dr. Armin Bader, seit vielen Jahren im HIV-Geschehen tätig, hat uns hier in hervorragender Weise eingestimmt.<br />

Mit Infoständen ging es am 19.06. beim Umweltmarkt Duisburg los, bei dem wir uns inhaltlich auf die Vorstellung der<br />

neuen Kampagne des bundesweiten Aktionsbündnisses gegen AIDS „in 9 Monaten“ konzentrierten. Dabei sollen die<br />

Menschen darauf aufmerksam gemacht werden, dass es heute eigentlich sehr einfach ist, durch den Zugang zu Therapien<br />

die sog. vertikale Transmission von der HIV-positiven Mutter auf ihr Kind zu vermeiden, dies allerdings nur in<br />

recht wenigen privilegierten Regionen dieser Welt umgesetzt werden kann. Babys ohne HIV ist das Ziel, für das<br />

durch Unterschriftensammlungen Druck auf die Regierungsorganisationen der „ersten Welt“ aufgebaut werden soll.<br />

Sie sollte ein Fest werden – und ein Highlight des diesjährigen Präventionsgeschehens – und sie war es auch eine<br />

ganze Zeit lang, bis die Loveparade am 24. Juli zu einer unfassbaren Katastrophe wurde, die uns noch lange verfol-


gen wird. Ich verweise an dieser Stelle auf die Passagen im Geschäftsbericht (1.). Wir wollen allerdings auch die positiven<br />

Momente in Erinnerung behalten und präsentieren dazu ein paar Eindrücke unserer Aktivitäten.<br />

Impressionen von der Loveparade als die Welt noch in Ordnung war<br />

Für das nächste angedachte Duisburger Highlight, der „CSD-Ersatz“, das geplante schwul-lesbische Straßenfest<br />

„Sommerlust“, welches am 14.08. über die Duisburger City-Bühne gehen sollte, haben wir uns –wie berichtet, s. 1.-<br />

für eine Absage entschieden.<br />

Im entfernteren Wesel haben wir dagegen am 07.08. nach einer zweijährigen Pause wieder das Vereinsfest der ppp-<br />

Tage begleitet und die Bevölkerung mit Informationen versorgt.<br />

Beim Stadtteilfest in Duisburg-Hochfeld am 11.09. haben wir „unsere gute Nachbarschaft“ gepflegt und die<br />

„Vereinsallee“ im Bönninger Park bereichert. Und auch beim Bergheimer Mühlenfest in Duisburg-Rheinhausen waren<br />

wir am 25.09. wieder mal dabei, allerdings schlecht platziert.<br />

Am 30.10. hat uns die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) in Moers auf dem Altmarkt ganz fantastisch<br />

bei der Beteiligung an der Kampagne „in9Monaten“ unterstützt und sehr viele Unterschriften gesammelt (s.<br />

Anhang, Pressespiegel).<br />

4.3. Benefiz-Veranstaltungen<br />

Nicht nur in finanzieller Hinsicht sind Benefiz-Aktionen für uns sehr wichtig, bieten Aktionen mit Künstlern oder anderen<br />

Prominenten doch meist die Möglichkeit, unser Thema auch außerhalb der Welt-AIDS-Tags-Zeit öffentlichkeitswirksam<br />

zu platzieren.<br />

Im Berichtsjahr 2010 gab es erneut viele „zivilgesellschaftliche“ Gruppen und Einzelpersonen, die für uns und unsere<br />

Arbeit sehr Gutes getan haben und wir wollen darüber reden und schreiben.<br />

Ein riesengroßes Dankeschön gilt einmal mehr dem Duisburger Gastronomen und neuem Ehrennadelträger (s. 1.),<br />

Thomas Seven, der im Berichtsjahr mit seinem traditionellen Grünkohlessen im November wieder viele Gäste zu<br />

Spenden animieren und darüber über 5.000,- € für die Aufrechterhaltung unserer Angebotspalette bereitstellen konnte.<br />

Treue Unterstützung erfahren wir seit nunmehr fünf Jahren durch einen Teil der ehemaligen Citi-Pride-Group der Duisburger<br />

citibank, die nunmehr unter neuer französischer Führung „Targobank“ heißt und weiß „wie Bank geht“. Aber<br />

nicht nur das – sie wissen auch, wie soziales Engagement sinnvoll funktioniert und dass dies auch einen nicht zu unterschätzenden<br />

Benefit für das Image der Institution sowie das soziale Betriebsklima bringt. Die neue „diversitygroup“,<br />

die sich jetzt „GudsO-Netzwerk“ nennt hat unter Federführung von Frau Corinna Voigt und Herrn Guido Kuhl<br />

zum Welt-AIDS-Tag wieder eine äußerst starke „Bärenaktion“ entwickelt mit super moderner medialer Promotion umgesetzt<br />

und über 450 Solibären verkauft.<br />

37


Öffentlichkeitsarbeit<br />

Vertreterinnen des GudsO-Teams der Targobank umrahmt von Peter Külpmann und Rainer Wille vom Vorstand<br />

Das gute Beispiel für social networking hat Schule gemacht, denn im Berichtsjahr gab es schon zum dritten Mal auch<br />

eine Unterstützungsaktion der Deutschen Bank, die zum Welt-AIDS-Tag nicht nur eine höchst engagierte und aktive<br />

Mitarbeiterin abstellte, sondern diesen Einsatz auch noch mit 500,- € belohnte.<br />

Sehr erwähnenswert ist weiterhin die treue Unterstützung der ehemaligen Betriebsrätin von KARSTADT-Walsum,<br />

Frau Graschtat, die mittlerweile in Privatinitiative Kund/innen in der Adventszeit dazu einladen, Präsente für Menschen<br />

mit HIV und AIDS zu erwerben und zu hinterlegen. Im Namen der –wirklich bedürftigen- Empfänger/innen sagen<br />

wir dazu ganz herzlichen Dank!<br />

Unermüdliche Kämpfer im Kampf gegen AIDS sind schon lange Dr. Günther Bittel, seine Frau Ingrid und ihr Mitstreiter-Team<br />

in Duisburg-Rheinhausen, die unter anderem zum sechsten Mal das Benefiz-Konzert „Treatment for all“ im<br />

Haus der Jugend in Rheinhausen durchführten und nicht nur inhaltlich wachrüttelten, sondern darüber hinaus auch<br />

einen Teil des Erlöses für unsere Arbeit vorsahen. Ein besonderer Dank gilt den gagenfrei auftretenden Bands, „die<br />

bandbreite“, Violin key, „dead London“ und „Fresh Game“ sowie dem Jugendzentrum „Haus der Jugend“ an der<br />

Friedrich-Alfred-Str.<br />

Darüber hinaus erfreut es uns sehr, an dieser Stelle Jahr für Jahr über sehr stabile Unterstützungsaktivitäten berichten<br />

zu können. Da sind zum einen die Spendensammlungen und thematischen Veranstaltungen vieler Kirchengemeinden<br />

zu nennen, die zudem in der Regel auf unsere Anfrage hin für unsere alljährliche Weihnachtsfeier für Menschen<br />

mit HIV und AIDS eingehen – vielen herzlichen Dank dafür – und zum anderen die Spendenausschüttung einer<br />

Reihe von Sparkassen. Ganz besonders bedanken wir uns hier bei der Sparkasse Duisburg für ihre Treue hinsichtlich<br />

der Teilfinanzierung unserer aufsuchenden Arbeitsangebote.<br />

Ein besonderes Anliegen ist es uns, den zahlreichen Schülerinnen und Schülern<br />

und engagierten Lehrkräften zu danken, die uns mit hoher Motivation, Überzeugung<br />

und zum Teil sehr kreativen Aktionsideen nicht nur bei der Spendensammlung,<br />

sondern auch bei der Thematisierung von HIV und AIDS in zweifellos wichtigsten<br />

Zielgruppen fantastisch unterstützen. Stellvertretend möchten wir hier die<br />

Projektgruppen am Gymnasium Adolfinum in Moers, dem Sophie-Scholl-<br />

Berufskolleg in Duisburg-Marxloh, die Projektgruppe am Gymnasium Moers-<br />

Rheinkamp und die Gustav-Heinemann-Realschule Duisburg-Mitte erwähnen.<br />

DANKE für einen bärenstarken Einsatz für die<br />

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.<br />

Der „Soli-Bär“ 2010


4.4. Veranstaltungen zum 2010<br />

„Stop AIDS. Keep the Promise!“ Das war und ist das internationale Motto der Welt-AIDS-Kampagnen seit 2005. Es<br />

erinnerte daran, dass im Juni 2001 Politiker aus aller Welt auf einer Sondersitzung der Vereinten Nationen zu HIV<br />

und AIDS das Versprechen gaben, sich national und international stärker im Kampf gegen die weltweite HIV- und<br />

AIDS-Epidemie zu engagieren. Die stetige Erinnerung daran wird im Grunde immer wichtiger, denn je länger diese<br />

Verabredung zurückliegt, desto mehr scheint sie bei den beteiligten in Vergessenheit zu geraten. Wenn man bedenkt,<br />

in welchen Dimensionen und wie schnell die Regierungen einen „Bankenrettungsschirm“ organisieren konnten und<br />

wie „wenig“ demgegenüber erforderlich wäre, um lebensbedrohte Menschen mit dem Notwendigsten versorgen oder<br />

durch präventive Maßnahmen eine deutliche Reduzierung von Neuinfektionen (z.B. bei Säuglingen, vgl.<br />

„in9Monaten.de“) erreichen zu können, dann kann man „um den Schlaf gebracht werden“, um nicht noch deutlicher<br />

zu werden. Das deutsche Versprechen, die Beteiligung zur Einspeisung in den globalen Fonds zur Bekämpfung von<br />

AIDS, Tuberkulose und Malaria beliefe sich auf 300 Mio. Euro per anno – ein Bruchteil des o.a. Rettungsschirmvolumens.<br />

Und auch die globale HIV-Epidemie hat verheerende Folgen viele nationale Ökonomien, aber auch für die<br />

Weltwirtschaft.<br />

Wir werden uns im Rahmen unserer Möglichkeiten weiter im bundesweiten „Aktionsbündnis gegen AIDS“ engagieren<br />

und mit an die Versprechen erinnern.<br />

Wie bereits berichtet (s. 1.) hat die deutsche Welt-AIDS-Tag`s-Kampagne einen deutlichen Paradigmenwechsel vollzogen.<br />

Im Mittelpunkt der diesjährigen Kampagne stehen HIV-positive Menschen, die authentisch Einblick in ihr Leben<br />

geben und von ihren alltäglichen Erfahrungen berichten. Ziel der Kampagne ist es, Stigmatisierung und Diskriminierung<br />

abzubauen und eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung über HIV und AIDS zu initiieren. Sie ist auf<br />

mehrere Jahre angelegt und in dieser Form europaweit einzigartig.<br />

Sie ruft dazu auf, Betroffene nicht weiter auszugrenzen, Menschen mit HIV mit Respekt zu begegnen, denn nur so<br />

kann ein verantwortungsvoller Umgang und ein „positives Zusammenleben“ wirklich gelingen.<br />

Angesichts dieser Ausrichtung und Forderungen fiel es uns auch in diesem Jahr nicht schwer, das deutsche Motto für<br />

unsere WAT-Veranstaltungen voranzustellen.<br />

Mit neun eigenen Veranstaltungen und weiteren mit und von Kooperationspartnern durchgeführten Aktionen konnte<br />

auch im Berichtsjahr wieder ein umfangreiches Angebot vorgehalten (s. Flyer und Pressespiegel im Anhang) und viele<br />

Menschen darüber erreicht werden.<br />

Am 16. November ging es los mit dem Fachgespräch zur HIV-Therapie im WAT-Rahmen. In der thematischen Anknüpfung<br />

an das übergeordnete Thema „Älter werden mit HIV“ haben sich unsere beiden Duisburger HIV-<br />

Schwerpunktbehandler, Dr. Kwirant und Dr. Becker-Boost, im Rahmen eines interaktiven Fachgespräches auf -über<br />

das reine HIV-Geschehen hinausgehende- Aspekte der Vorsorge und der Früherkennung konzentriert, die erfreulicherweise<br />

eine immer größere Rolle spielen können. Unter dem Titel „HIV – und was es sonst noch zu bedenken<br />

gibt“ haben die Teilnehmer erkenntnisreiche und gut abgestimmte Vorträge erleben können und im Anschluss ausführliche<br />

Antworten auf individuelle Fragen erhalten.<br />

Dr. Becker-Boost und Dr. Kwirant<br />

… und ihr aufmerksames Publikum<br />

39


Öffentlichkeitsarbeit<br />

Bei der traditionellen WAT-Warm-up-Party, der schwul-lesbischen Tanzparty im Kulturzentrum „HundertMeister“ am<br />

Duisburger Dellplatz, bei der neben spezifischen Informationsangeboten auch die „mister and misses Warm-up-Wahl“<br />

von unserem Herzenslust-Team durchgeführt wurde (s. a. 5.1), konnte die Aufmerksamkeit von ca. 400 Partybesuchern<br />

genutzt werden.<br />

Sehr erfreulich gestalteten sich wieder einmal die Kooperationen mit einzelnen Kirchengemeinden. So erneut die Gedenkveranstaltung<br />

im Anschluss an unseren Candle-Light-Walk am Mittwoch, dem 24. November in der Liebfrauen-<br />

Kirche in Duisburg-Mitte, die von den Teilnehmenden besonders gewürdigt wurde. Ein besonderes „Danke schön!“<br />

gilt unserem langjährigen Begleiter, Unterstützer und Lenker der Gedenkveranstaltung, Herrn Sven Köpnick.<br />

Impressionen vom Candle-Light-Walk 2010<br />

Das letzte Wochenende vor dem 01.12.2009 widmeten wir konzentriert Aktionen im Kreis Wesel. Am 27.11.10 zeigte<br />

Moers Schleife! Auf dem Altmarkt boten sich den Passanten Bilder vieler Menschen, die nicht nur das Grau in Grau<br />

Unser Vorsitzender Rolf Ringeler und …<br />

Sven Köpnick bei der Gedenkveranstaltung<br />

mit roten Schleifenfarbtupfern auflockerten, sondern eben damit auch ein deutliches Zeichen der Solidarität mit Menschen<br />

mit HIV und AIDS –nicht nur durch ihre Spenden- setzten.


Information, Beratung, Bären, Schleifen, aus erster Hand – mit den freundlichen Mitarbeiter/innen Ihrer AIDS-Hilfe<br />

Bitter kalt und räumlich etwas knapp war es dann am Sonntag, dem 28.11.10 auf dem Adventsmarkt in Wesel. Dennoch<br />

konnten wir auch hier mit vielen Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen und erfuhren viel Zuspruch in<br />

Form von Spenden, aber eben auch mit solidarischen und motivierenden Worten. So kann Spendensammeln durchaus<br />

auch Spaß machen.<br />

Gerne würden wir in unserem Zuständigkeitsgebiet wandern, um insbesondere auch in den einzelnen Gemeinden<br />

des Kreises Wesel zum WAT Präsenz zu zeigen, aber hier bieten sich im Umfeld des 01. Dezember leider kein Weihnachtsmarkt<br />

oder andere publikumswirksame Veranstaltungen mehr an. Der Weihnachtsmarkt in Voerde ist räumlich<br />

und terminlich „weggezogen“ und in Xanten etwa werden erst gar keine „Bettel-Stände“ zugelassen.<br />

41


Öffentlichkeitsarbeit<br />

Wie erhofft, ist für uns seit der Premiere des großen Aktionstages zum<br />

WAT im FORUM Duisburg, am 01. Dezember 2009 eine neue Ära<br />

eine eingetreten mit deren Entwicklung wir äußerst zufrieden sind. Mit<br />

den Möglichkeiten im FORUM Duisburg können wir einen großen Aktionstag<br />

zum Welt-AIDS-Tag umsetzen, mit dem wir einerseits möglichst<br />

viele Menschen an diesem Tag erreichen und andererseits<br />

durch ein breiter gefächertes Angebot auch interaktive Auseinandersetzungen<br />

mit dem Thema für verschiedene Bevölkerungs- und Altersgruppen<br />

vorhalten zu können.<br />

Dabei zeigte sich das Centermanagement des FORUM einmal mehr nicht nur äußerst kooperativ, sondern auch kreativ,<br />

was ideelle und materielle Unterstützung dieses Aktionstages betraf. Und damit nicht genug: Mitarbeiter des<br />

Centermanagements sowie einzelner Filialen zeigten „livehaftig“ Schleife und damit Solidarität mit Menschen mit HIV<br />

und AIDS – vielen Dank für diese tolle Aktion!<br />

Die „FORUM`s – Schleife“ zum Welt-AIDS-Tag 2010<br />

Zudem konnten sich Teile des Duisburger Aktionsbündnisses wieder mit einbringen, so insbesondere auch die Kindernothilfe,<br />

die die globale Seite der AIDS-Problematik mit ihrem Mitmach-Parcour sowie der offensiven Bewerbung<br />

der Kampagne „in9Monaten“ (vgl. o.) aufgriff.


Für ein weiteres besonderes Highlight hatte das FORUM gesorgt,<br />

indem Sie eine Kletterwand mit Betreuung gebucht hatten, an der<br />

es insbesondere um das Thema „Verantwortung übernehmen –<br />

für sich und für andere“ ging.<br />

Die Kindernothilfe –mit Unterstützung- beim WAT-Aktionstag im FORUM Duisburg<br />

Besonders bei Jugendlichen beliebt war das Angebot unseres Kooperationspartners, von ProFamilia, Ortsverband<br />

Duisburg, die u.a. den Kondomführerschein ausstellten – natürlich nur nach bestandener Prüfung.<br />

Ein Foto-Shooting, bei dem sich die Teilnehmenden als „Botschafter gegen AIDS“ neben Philipp Lahm ablichten und<br />

persönliche Statements abgeben konnten war ebenfalls stark nachgefragt.<br />

43


Öffentlichkeitsarbeit<br />

Einblicke in europäische Präventionsarbeit in verschiedenen Ländern lieferte die Plakatausstellung „Europe against<br />

AIDS“ im Untergeschoss des FORUMs.<br />

Eine ganze Reihe von Filialen aus dem FORUM beteiligte sich an einer Orientierungsrallye für interessierte Gruppen<br />

oder Einzelpersonen mit speziellen Fragen zum Thema und stifteten sogar kleine Präsente für die Aktiven, die dann<br />

im Rahmen einer Preisverleihung ausgehändigt werden konnten.<br />

Moderator Dietmar Heyde im Gespräch mit Gewinner/innen<br />

Zentrale Anlaufstelle und Ausgangspunkt für die traditionelle Red-Ribbon-Aktion war unser Infostand im Erdgeschoss,<br />

an dem uns auch die diesjährigen Solidaritäts-Bären fast aus den Händen gerissen wurden.


Ein ganz herzlicher Dank geht wieder einmal an die Show-Tanz-Gruppe der „Cherry-girls“, die mit ihrem Auftritt für<br />

besonders hohes Publikumsaufkommen sorgte, welches genutzt wurde, um anschließend den Aktionstag durch eine<br />

interessant besetzte Podiumsdiskussion abzurunden.<br />

Impressionen vom Auftritt der „Cherry-girls“ unter der Leitung von Peter Kirsch<br />

V. li. n. re.: Iris Sperg (Gesundheitsamt Duisburg), Moderator Dietmar Heyde, Rolf Ringeler (Vorstandsvorsitzender der AIDS-Hilfe), Frank Mischo<br />

(Kindernothilfe & Aktionsbündnis), Dr. Ingulf Becker-Boost, und Rainer Bischoff (SPD-MdL) es fehlt: Lutz Müller (Centermanager FORUM Duisburg)<br />

Welt-AIDS-Tag 2009 im FORUM Duisburg – eine tolle Geschichte, die nach Aussage aller Beteiligten weiter etabliert<br />

werden soll.<br />

HIV und AIDS sind schon sehr lange globalisiert und die Pandemie ist weltweit sehr unterschiedlich verteilt. Während<br />

wir hier erfreulicherweise auf eine letztlich sehr kleine Infektionsdimension schauen, sieht es in den sog. Entwicklungsländern<br />

immer noch ganz anders aus. 90 Prozent der HIV-positiven Menschen leben und sterben hier. Ganz<br />

besonders betroffen ist nach wie vor Subsahara-Afrika.<br />

Es ist gute Tradition, dass wir mindestens im Rahmen des Welt-AIDS-Tages den Blick über den nationalen Tellerrand<br />

heben und unser Augenmerk dorthin lenken. Ganz besonders eindrucksvoll ist dies im Berichtsjahr wieder beim<br />

„Abendgebet zum Welt-AIDS-Tag“ am 03. Dezember gelungen.<br />

45


Öffentlichkeitsarbeit<br />

Diese Solidaritätsveranstaltung der Veranstaltergemeinschaft des Duisburger Aktionsbündnisses gegen AIDS (i.e.:<br />

Kindernothilfe, Ev. Kirchenkreis Duisburg, Infostelle dritte Welt, die ev. Kirchengemeinde Alt-Duissern, die AIDS- und<br />

STD-Beratungsstelle des Gesundheitsamtes und die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.) fand wieder in der Luther-Kirche<br />

in Duisburg-Duissern statt. Etwa vierzig Besucher/innen waren –wie wir alljährlich- sehr angetan vom Veranstaltungskonzept,<br />

den z.T. authentischen Lebensbildern von Menschen mit HIV und AIDS, den symbolischen Aktionen<br />

sowie von den musikalischen Darbietungen. In diesem Jahr unterstützte uns musikalisch der hervorragende<br />

Chor der evangelischen Kirchengemeinde Trinitas unter der Leitung von Kantorin Mechthild Dühr-Knödler und am<br />

Klavier Martina Grosse-Verspohl mit mitreißenden Darbietungen. Für diese hervorragenden Gesten der Solidarität<br />

sagen wir ganz herzlichen Dank. Das Duisburger Aktionsbündnis gegen AIDS ist weiterhin offen für weitere Kooperationspartner.<br />

Interessierte Personen und/oder Einrichtungen sind immer willkommen.<br />

Allen, die uns zum Welt-AIDS-Tag 2010 durch viel Engagement und Kreativität unterstützt<br />

haben, gilt an dieser Stelle noch einmal unser ganz herzlicher Dank !! – Ein Engel<br />

hat Euch / Sie geschickt.<br />

Und: … nach dem Welt-AIDS-Tag ist vor dem Welt-AIDS-Tag!<br />

Interessierte, die 2011 dabei sein wollen, können sich jederzeit<br />

gerne bei uns melden.<br />

4.5. Berichterstattung in den Medien<br />

Die Nachfragen von Seiten der Print-, Funk- und TV-Medien, die unsere Arbeit zum Teil sehr aufmerksam begleiten,<br />

stimmt uns zuversichtlich und führt uns zu dem Eindruck, gute Arbeit zu leisten.<br />

Wir waren unsererseits mit der Erreichbarkeit und dem Echo bei Presse, Lokalfunk und –fernsehen über das Berichtsjahr<br />

verteilt insgesamt sehr zufrieden (s. Pressespiegel im Anhang).<br />

Das schon mehrmals zitierte Stadtfernsehen „Studio 47“ ist mittlerweile ein treues Begleiter- und Unterstützermedium,<br />

genau so wie die Lokalradios von Radio DU inkl. dem Bürgerfunk und Radio KW.<br />

Im Printmedienbereich gab es im Berichtszeitraum große Portraits über Menschen und Angebote der AIDS-Hilfe Duisburg<br />

/ Kreis Wesel e.V.<br />

Dem stabil hohen Niveau bei den Neuinfektionen im Berichtsjahr muss aus unserer Sicht aber auch wieder mit einer<br />

Kommunikationsoffensive begegnet werden, um die Präventionserfolge der vergangenen Jahre nicht weiter zu gefährden.<br />

Aufklärung, sachliche Information und Erinnerung müssen wahrnehmbar bleiben.


4.6. Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten<br />

Hier sind für den Stelleninhaber zu nennen :<br />

Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. in verschiedenen regionalen<br />

Gremien und Arbeitskreisen in Duisburg, dem Kreis Wesel und auf Landesebene<br />

Vorbereitung, Organisation, und Durchführung von Informationsständen, Seminar- und<br />

Vortragsangeboten,<br />

Organisatorische Begleitung und Pressearbeit für Benefiz- und<br />

Kooperationsveranstatungen,<br />

Akquise von finanziellen Mitteln und personellen Ressourcen (Ehrenamtleranwerbung)<br />

Kontaktpflege zu Förderern und Kooperationspartnern,<br />

Telefonische und persönliche Beratung,<br />

Geschäftsführung,<br />

U.a.m.<br />

Abbildung : Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung<br />

im Jahre 2010 – Veranstaltungen insgesamt<br />

47


Zielgruppenspezifische Prävention<br />

5.1 HIV/AIDS-Prävention bei Schwulen, Männern die Sex mit Männern haben<br />

sowie bisexuellen Männern<br />

Das Projekt homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) im Kontext von<br />

HIV / STI´s der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist durch Zielgruppenspezifische Mittel des Landes NRW gefördert<br />

worden. Durch diese Förderung konnte eine ½ Personalstelle finanziert werden, mit der die strukturelle Prävention<br />

im Arbeitsbereich „homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM im Kontext HIV / STI´s“ auf der lokalen, regionalen<br />

und landesweiten Ebene umgesetzt wurde. Zusätzlich hat das Projekt auf der lokalen Ebene das Ziel, HIV-<br />

Positive Männer niedrigschwellig zu erreichen und ihnen die möglichen Angebote in der Region zu vermitteln bzw.<br />

die Begleitung durch die AIDS-Hilfe anzubieten (Streetwork).<br />

Auf der landesweiten Ebene erfolgte die Arbeit ausschließlich in Gremien, die sich überregional mit dem Thema homosexuelle<br />

Männer sowie MSM im Kontext HIV / STI´s befassen.<br />

Auf der regionalen Ebene wurden in der Vernetzung mit anderen Institutionen Kampagnen und Präventionsaktionen<br />

erarbeitet und durchgeführt. Durch diese Kooperationen konnten größere Veranstaltungen geplant, koordiniert und<br />

umgesetzt werden. Die in diesen Gremien vorhandenen Ressourcen konnten so gebündelt werden und es ergaben<br />

sich sinnvolle Synergieeffekte.<br />

Auf der lokalen Ebene wurden gemeinsam mit Kooperationspartnern, durch die Einbeziehung von ehrenamtlichen<br />

Mitarbeitern sowie HIV-positiven schwulen Männern die ausdifferenzierten Angebote/Präventionsaktionen erfolgreich<br />

umgesetzt. Durch diese Kooperationen konnten die begrenzten personellen Ressourcen optimal genutzt werden.<br />

5.1.1 Vorwort<br />

Auch im Jahr 2010 wurde ein Großteil unserer Ressourcen für den Bereich der Prävention im Sektor schwule und<br />

bisexuelle Männer sowie MSM genutzt.<br />

Die Notwendigkeit dieses Arbeitsaufwandes lässt sich anhand der folgenden Zahlen eindrucksvoll belegen:<br />

„Die Anzahl der Menschen, die sich in Nordrhein-Westfalen mit HIV infizierten, blieb auch in diesem Jahr stabil. Nach<br />

den vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin anlässlich des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember veröffentlichten Schätzungen<br />

sank sie 2010 sogar auf etwa 680. Insgesamt leben rund 14.000 Menschen mit HIV in NRW. Aufgrund der<br />

guten medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten ist ihre Lebenserwartung heute höher als noch vor Jahren. Etwa<br />

160 starben in diesem Jahr an den Folgen der Krankheit. Die von HIV am meisten gefährdete Gruppe sind Männer,<br />

die Sex mit Männern haben. 72 Prozent der Neuinfektionen sind hier zu verzeichnen (490). 22 Prozent der Infektionen<br />

erfolgen über heterosexuelle Kontakte (150), nur noch 6 Prozent durch gemeinsam benutzte Spritzen bei intravenösem<br />

Drogenkonsum (40) (siehe dazu: www.nrw.aidshilfe.de. sowie www.rki.de).“<br />

Dass die Neudiagnosen im Bereich schwuler und bisexueller Männer konstant geblieben sind bzw. mit der Tendenz<br />

eher rückläufig zu sein scheinen, kann mit der erfolgreichen Umsetzung der landesweiten Kampagne „Herzenslust“<br />

begründet werden. Belegt wird dies durch die bundesweiten Zahlen zu HIV-Neudiagnosen, da in den Bundesländern,<br />

in denen flächendeckende Präventionsangebote im Bereich schwuler Männer vorgehalten werden, die Zahlen wesentlich<br />

geringer sind im Gegensatz zu den anderen Bundesländern.<br />

Die kompetente und qualifizierte Arbeit von Herzenslust hat ihren Ursprung in dem Ansatz der strukturellen Prävention<br />

(hier vor allem die Primärprävention und in der Sekundärprävention) sowie der regelmäßigen Aus- und Fortbildungsarbeit<br />

der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern auf der landesweiten Ebene. Herzenslust steht für die Arbeit<br />

von schwulen Männern für schwule Männern. Die Feldkompetenzen der einzelnen Mitarbeiter können so für die Präventionsarbeit<br />

im Rahmen der niedrigschwelligen Präventionsarbeit genutzt werden. Weiterhin steht Herzenslust für<br />

lustvolle und lebensstilakzeptierende Präventionsarbeit. Auch der Schwerpunkt, die Zielgruppe ausreichend zu informieren,<br />

damit jeder einzelne selbst bestimmt entscheiden kann, welches Risiko er eingehen möchte oder welches<br />

eben nicht, hat sich bewährt. Durch die Einbeziehung von HIV-positiven schwulen Männern in die Präventionsarbeit<br />

(z.B. bei Beratung und Test) hat sich ebenfalls bewährt und sollte weiterhin unterstützt und forciert werden. Die Datenlage<br />

aus der Bochow-Studie (s. Schwule Männer und HIV/Aids: Lebenstile, Szene, Sex 2007; Michael Bochow,<br />

Axel J. Schmidt, Stefanie Grote; AIDS-Forum DAH; 2010) hat maßgeblich dazu beigetragen, die Rastplatz Sommeraktion<br />

im Kreis Wesel umzusetzen. Nach Bochow, der eine breit angelegte Befragung zu Risikoverhalten von schwulen<br />

und bisexuellen Männern in regelmäßigen abständen durchführt, gehören MSM aus ländlichen Regionen zu einer<br />

der Risikogruppen bezüglich einer HIV-Infektion. Ebenfalls zur Risikogruppe gehören schwule Männer aus sozial<br />

schwachen Verhältnissen; ein Grund, warum die Testangebote auf dem Rastplatz kostenlos zur Verfügung gestellt<br />

werden.


Die Arbeitsfelder im Berichtszeitraum können wie folgt umrissen werden:<br />

Die zielgruppenspezifische Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. im Bereich MSM hatte im<br />

Berichtszeitraum mehrere Arbeitsschwerpunkte. So gelang es dem Arbeitsbereich weiterhin, die Kampagne für MSM<br />

„ich weiss was ich tu“ (IWWIT) der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. in die landesweite Kampagne Herzenslust zu integrieren.<br />

Ein Arbeitsschwerpunkt war die Umsetzung des HIV-Schnelltestsangebotes im niedrigschwelligen Bereich, welcher<br />

unter dem Label „BuT“ (Beratung und Test) angeboten wurde. Die Vorarbeit (Schulung der ehrenamtlichen Mitarbeiter,<br />

konzeptionelle Planung der Umsetzung lokal und in Arbeitskreisen landesweit, Absprache mit Kooperationspartnern)<br />

nahm einen Hauptteil der zeitlichen Ressourcen in Anspruch.<br />

Die ausdifferenzierte Arbeit im Bereich der Primärprävention bei MSM (z.B. GAY ROMEO health support, Vor-Ort<br />

Arbeit, Beratung und Test) fordert immer mehr eine detaillierte fachlich qualifizierte Schulung der Mitarbeiter. Diese<br />

neuen Anforderungen gehen mit einer hohen zeitlichen Kapazität an Schulungsanteilen für die haupt- und ehrenamtlichen<br />

Mitarbeiter einher. Dieser Trend wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Hier gilt es, einerseits die Mitarbeiter fachlich<br />

gut auf die Arbeit vorzubereiten und andererseits die Schulungsanteile für die einzelnen Trainer / Referenten in<br />

einem „gesunden Maß“ zu halten. Durch die geforderten Qualitätssicherungsmaßnahmen und damit einergehenden<br />

Verpflichtungen (Teilnahme an (Schulungs-) Veranstaltungen, Berichtswesen, Datenerhebung) wurden zeitliche<br />

Ressourcen ebenfalls gebunden.<br />

5.1.2 Landesweite Vernetzung<br />

Teilnahme an Arbeitskreisen<br />

Landesarbeitsgemeinschaft Herzenslust<br />

Unter dem Namen „Herzenslust“ wird strukturelle HIV-Prävention im Bereich homosexuelle und bisexuelle Männer<br />

sowie MSM in ganz NRW durchgeführt. Herzenslust ist eine Kampagne der AIDS-Hilfe NRW e.V.. Auf der landesweiten<br />

Ebene finden regelmäßige Arbeitskreise unter dem Namen „Landesarbeitskreis schwule Prävention“ statt, wo die<br />

Herzenslustgruppen sich inhaltlich austauschen können. Der Projektnehmer hat regelmäßig an diesen Arbeitskreisen<br />

teilgenommen. In diesem Gremium wurden neu entwickelte Aktionen vorgestellt, Tendenzen in der schwulen<br />

Community erörtert sowie zu bestimmten Themenfeldern Referenten eingeladen. Auf diesen landesweiten Arbeitskreisen<br />

konnten so Ideen für Präventionsaktionen ausgetauscht, Kampagnen entwickelt und nicht erfolgreiche Projekte<br />

analysiert werden. So wurden durch den Erfahrungsaustausch und die fachliche Unterstützung der unterschiedlichen<br />

lokalen Herzenslustgruppen die regionale und lokale Arbeit sinnvoll modifiziert.<br />

GAY Romeo / health support<br />

Herzenslust hat auf der landesweiten Ebene die Onlinepräventionsarbeitet konzipiert und umgesetzt. Bei Gay<br />

Romeo, einem Onlineportal für schwule und bisexuelle Männer, wurde ein health support geschaltet. Hier werden<br />

Fragen von Ratsuchenden zu HIV/AIDS, Hepatitiden und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, schwuler Gesundheit<br />

und Szeneorten in der Region von örtlichen Herzenslustmitarbeitern beantwortet. Der Projektnehmer hat für<br />

die lokale Herzenslustgruppe ein Profil erstellt und Chatberatung durchgeführt. An diesem Projekt sind neben dem<br />

Projektnehmer ehrenamtliche Onlinepräventionisten beteiligt. Das lokale Gay Romeo-Projekt war regelmäßig bei den<br />

bundesweiten Austauschtreffen vertreten. Diese Treffen dienen als Plattform, sich zu Themenfeldern der Online-<br />

Beratung auszutauschen sowie der Erarbeitung und Erhaltung von Präventions- und Beratungsstandards.<br />

Beratung und Test (BuT)<br />

Das Pilot-Projekt der AIDS-Hilfe NRW e.V. hat das Ziel, bestimmte Subgruppen aus dem Bereich der MSM (Männer,<br />

die Sex mit Männern haben) mit Hilfe eines HIV-Schnelltest-Angebotes im Zusammenhang mit einer davor durchgeführten<br />

intensiven Beratung zu erreichen. Solche Subgruppen (oder auch „Netzwerke“) sind von den bestehenden<br />

HIV-Test-Angeboten nicht erreicht worden (siehe auch Konzept BuT).<br />

Der Projektnehmer hat an den Steuerungskreisen von BuT auf der landesweiten Ebene von BuT teilgenommen.<br />

51


Zielgruppenspezifische Prävention<br />

Teilnahme an Landesweiten Präventionsaktionen<br />

CSD in Köln<br />

Auch in diesem Jahr beteiligte sich das Herzenslustteam Duisburg / Kreis Wesel an der Fußtruppe von Herzenslust.<br />

Als Präventionsaktion wurde das Motto „Fair Play, ran an die Bällchen“ konzipiert, welches als breit angelegte Aktion<br />

auch für die Gay-Games genutzt wurde. Die Herzenslustmitarbeiter waren als Schiedsrichter verkleidet mit dem dazu<br />

passenden Accessoires (u. a. Trillerpfeife, Taschen für Cruisingpacks und „Pinke Karten“).<br />

.<br />

Gay-Games<br />

Herzenslust Duisburg/Kreis Wesel hat sich bei der Großveranstaltung in Köln mit mehreren Herzenslustteams aus<br />

ganz NRW aktiv beteiligt. Verweisen möchte ich diesbezüglich an den Sachbericht der Kollegen aus Köln, die hauptverantwortlich<br />

in Kooperation mit iwwit diese Aktion entwickelt, koordiniert und strukturiert haben.<br />

5.1.3 Projektarbeit auf der regionalen Ebene<br />

Regionale Vernetzung<br />

Auf der regionalen Vernetzungsebene arbeitete der Projektnehmer eng mit den regionalen Herzenslustgruppen im<br />

Ruhrgebiet zusammen. Im Ruhrgebiet wurden aus dieser Vernetzung heraus Aktionen entwickelt, koordiniert und<br />

durchgeführt, welche einen überregionalen Charakter besaßen. Gerade bei größeren Events können die einzelnen<br />

Herzenslustgruppen nur schwer alleine öffentlichkeitswirksame Aktionen durchführen.


Aktionen waren unter anderem:<br />

Still-Leben Ruhrschnellweg<br />

In Kooperation mit der AIDS-Hilfe Essen wurde<br />

auf der A40 im Rahmen der Kulturhauptstadt<br />

Ruhrgebiet 2010 eine Präventionsaktion umgesetzt.<br />

Unter dem Motto „Abschleppdienst“ wurden<br />

die Besucher auf die Präventionsteams aufmerksam.<br />

Neben dem Outfit (Warnwesten, Warndreiecke,<br />

Warnlampen sowie Handwerkskisten) wurden<br />

von der AIDS-Hilfe Bochum Aufkleber neu<br />

layoutet. Die Aktion wurde von dem Herzenslustteam<br />

Duisburg / Kreis Wesel im Jahr 2008 konzipiert<br />

und für die Aktion auf der A40 zur Verfügung<br />

gestellt.<br />

Love-Parade Duisburg<br />

In Kooperation mit IWWIT sowie den Herzenslustteams aus Essen und Bochum wurde auf<br />

der Love-Parade zielgruppenspezifische Prävention umgesetzt. Unter dem Label<br />

„Loveteam“ wurde auf das Thema „Schutz vor HIV und anderen sexuell übertragbaren<br />

Krankheiten“ hingewiesen.<br />

5.1.4 Projektarbeit auf der lokalen Ebene<br />

Kooperation mit lokalen Einrichtungen/Selbsthilfegruppen<br />

Auf der lokalen Ebene wurde mit verschiedenen Einrichtungen, Vereinen und Selbsthilfegruppen kooperiert (wie z.B.<br />

mit AkDuLuS e.V. sowie dem Kommissariat Vorbeugung der Polizei Duisburg).<br />

AkDuLuS e.V.<br />

Der Projektnehmer hat an den regelmäßig stattfindenden Arbeitskreisen der regional ansässigen<br />

schwul-lesbischen Vereine und Selbsthilfegruppen „AkDuLuS e.V.“ teilgenommen und<br />

beteiligte sich dort an der Entwicklung und Durchführung von schwul lesbischen Angeboten<br />

für den Raum Duisburg. Dieser Arbeitskreis hat z.B. die schwul lesbische Disco „Warm Up“<br />

initiiert und organisiert jährlich das schwul lesbische Straßenfest in Duisburg.<br />

Der Projektnehmer hat an den regelmäßig stattfindenden Mitgliederversammlungen<br />

von AkDuLuS teilgenommen. Da AkDuLuS e.V. im<br />

Jahr 2010 keine personellen Ressourcen aufbringen konnte, das<br />

schwul-lesbische Strassenfest zu organisieren, hat sich der Projektnehmer<br />

dafür eingesetzt, dass die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel<br />

e.V. in Kooperation mit lokalen Organisationen sowie Personen aus<br />

der schwulen Community sowie schwulen Gastwirten, das<br />

Sommerfest umsetzt. Herzenslust, als Hauptorganisator, entwickelte den Namen des Festes<br />

„Sommerlust“. Durch die Loveparade-Tragödie bedingt, hat sich jedoch der Vorstand der<br />

AIDS-Hilfe dagegen entschieden, das Sommerfest durchzuführen (welches kurz nach der<br />

Loveparade stattfinden sollte s. 1.).<br />

53


Zielgruppenspezifische Prävention<br />

Primärpräventive Aktionen auf der lokalen Ebene<br />

Streetwork<br />

Der Projektnehmer hat durch regelmäßige Vor-Ort-Arbeit und Anwesenheit in der Szene HIV-positive Männer erreicht<br />

und begleitet diese im Rahmen der psycho-sozialen Betreuung. Durch dieses niedrigschwellige und anonyme Angebot<br />

konnten Männer erreicht werden, die sich durch eigenen Antrieb nicht an eine Hilfs-Organisation wie die AIDS-<br />

Hilfe gewendet hätten.<br />

Sprechstunden in der Szene<br />

Der Projektnehmer hat Sprechstunden für schwule Männer in einem Szenelokal durchgeführt. Durch die enge Zusammenarbeit<br />

mit dem Szenewirt wurde die Sprechstunde gut beworben und erfreute sich einer guten Resonanz.<br />

Neben dem hauptamtlichen Mitarbeiter stand ein HIV-positiver schwuler Mann als Ansprechpartner zu dem Thema<br />

„HIV-Positiv sein, was heißt das?“ zur Verfügung sowie der Ansprechpartner der Polizei Duisburg zu gleichgeschlechtlichen<br />

Lebensfragen.<br />

BuT – Rastplatz Sommeraktion<br />

In Kooperation mit der AIDS-Hilfe NRW e.V., dem Fachbereich Gesundheitswesen<br />

des Kreises Wesel sowie mit der Unterstützung des Kommissariats<br />

Vorbeugung des Polizeipräsidiums Duisburg wurde BuT von<br />

dem Projektnehmer umgesetzt.<br />

Ziel der BuT- Rastplatz Sommeraktion war die niedrigschwellige Beratung<br />

von MSM (hier vor allem Männer, die durch die bestehenden Beratungs-<br />

und Testangebote nicht erreicht werden), intensiv vor Ort zu HIV-<br />

Übertragungsrisiken und dem Schnelltestverfahren zu beraten und ggf.<br />

ein Schnelltest anzubieten.<br />

Konzeptionelle Ausarbeitung:<br />

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. hat sich, nach dem erfolgreichen Beginn der Aktion 2009 entschieden,<br />

dieses Projekt weiterhin auf einem Rastplatz im Kreis Wesel umzusetzen.<br />

Die ausschlaggebenden Argumente waren:<br />

Die Beratung der Zielgruppe steht im Vordergrund der Vor-Ort-Aktion.<br />

Die Testdurchführung soll durch einen Arzt des Gesundheitsamtes vorgenommen werden (Aktive Einbindung des<br />

ÖGD).<br />

Die anvisierte Zielgruppe sind MSM, die anonym Sex mit Männern auf den Rastplatz haben, durch ihre allgemeine<br />

Lebensführung (viele Leben in „herkömmlichen“ Familienstrukturen) bedingt, jedoch keine Möglichkeiten<br />

haben oder diese bewusst ablehnen oder wegen Unkenntnis der Infrastruktur die schon bestehenden Beratungs-<br />

und Testangebote von Gesundheitsämtern und AIDS-Hilfen in Anspruch zu nehmen.<br />

Reaktiv getestete Personen können sich durch Buddys (geschulte HIV-positive schwule Männer) bis zum Ergebnis<br />

des regulären HIV-Labortests begleiten lassen.<br />

Die Vor- und Nachteile des Schnelltestes werden den Interessierten mitgeteilt. Die Entscheidung zu dem Test,<br />

oder dagegen obliegt einzig und alleine dem Ratsuchenden.<br />

Nach der Entscheidung für die „BuT-Rastplatz Sommeraktion“ wurden konkret die weiteren Schritte besprochen:<br />

1. Akquirierung und Ausbildung der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter (für die Beratung und für die


Funktion des Buddys).<br />

2. Entwicklung der Qualitätsstandards für die Beratung auf dem Rastplatz sowie die Testdurchführung (Anonymität,<br />

Beratungssetting).<br />

3. Absprachen mit dem Fachbereich Gesundheitswesen der Kreisverwaltung Wesel zwecks Beteiligung eines Arztes<br />

bei dem Projekt.<br />

4. Behördliche Genehmigung zur Durchführung des Angebotes auf einem Rastplatz.<br />

Kosten für den „Schnelltest“.<br />

Zu 1.<br />

In der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist es seit Jahren üblich, frisch HIV positiv getesteten ratsuchenden<br />

Menschen ein Gespräch mit einem HIV-positiven ehrenamtlichen Mitarbeiter anzubieten. Diese Mitarbeiter wurden<br />

angesprochen und ihnen das Pilotprojekt erläutert. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter waren sofort dazu bereit, sich bei<br />

dem Projekt zu beteiligen und besuchten das Grundlagentraining, welches von der AIDS-Hilfe NRW e.V. zur Ausbildung<br />

der BuT-Projektteilnehmer angeboten wurde.<br />

Zu 2.<br />

Glücklicherweise konnte die AIDS-Hilfe NRW e.V. ein Wohnmobil anschaffen, welches zu einem „BuT-Mobil“ umgebaut<br />

wurde. So können in einem abgetrennten Beratungsraum die interessierten Männer beraten werden und in dem<br />

anderen Raum der Schnelltest durchgeführt werden (Arzt-Raum).<br />

Den interessierten Männern sollten die Optionen / der Vorgang zum Testverfahren im Rahmen der Beratung erklärt<br />

werden. Diese waren:<br />

Im Falle eines reaktiven Testergebnisses kann eine Fehldiagnose nicht zu 100% ausgeschlossen werden.<br />

Daher müsste sofort im Anschluss intravenöses Blut zwecks Bestätigung des Ergebnisses<br />

durch einen herkömmlichen Antikörpertest erfolgen; mit den damit einhergehenden psychischen Belastungen,<br />

die die Wartezeit dann mit sich bringen könnte.<br />

Im Falle eines reaktiven Testergebnisses wurde den Ratsuchenden angeboten, dass ein Mitarbeiter des<br />

BuT-Projektes (ein Buddy; HIV-positiver schwuler Mann) während der Wartezeit als Ansprechperson<br />

zur Verfügung steht.<br />

Die getestete Person hätte die Möglichkeit, mit einem Auto nach Hause/zur nächsten Haltestelle des<br />

ÖPNV gefahren werden zu können.<br />

Es wurde angeboten, den Schnelltest durchführen zu lassen, das Ergebnis jedoch erst am nächsten Tag<br />

im Gesundheitsamt „abzuholen“.<br />

Zu 3.<br />

Nach dem erfolgreichen Start der Kampagne 2009 konnte der Arzt des Gesundheitsamtes des Kreises Wesel für die<br />

Mitarbeit an diesem Pilotprojekt wiederholt gewonnen werden. Vor allem die Argumentation (die sich durch die Datenlage<br />

aus 2009 bestätigte), dass die Zielgruppe Männer sind, die nicht vom bestehenden Beratungs- und Testangebot<br />

der Gesundheitsämter und AIDS-Hilfen erreicht werden, war ausschlaggebend zur weiteren Kooperation. Vom<br />

Arzt wurde für diese spezielle Form der aufsuchenden Arbeit eine Verfahrensanleitung erstellt, einschließlich der erforderlichen<br />

Genehmigung durch die Verwaltungsleitung des Fachbereichs Gesundheitswesen des Kreises Wesel<br />

und der Ärztekammer Nordrhein. Die ärztliche Tätigkeit (spezielle Testberatung, Testdurchführung und Ergebnismitteilung,<br />

sowie auf Wunsch die Beratung zu anderen sexuell übertragbaren Krankheiten erfolgte unabhängig vom Beratungs-<br />

und Betreuungsangebot der AIDS-Hilfe-Mitarbeiter. Die ärztliche Schweigepflicht wurde gewahrt, u. a. auch<br />

dadurch, dass den Getesteten vom Arzt das Angebot der Begleitung durch einen Buddy unterbreitet wurde, der Getestete<br />

jedoch selbst entschied, dieses Angebot anzunehmen bzw. über sein Testergebnis mit jemand anderen zu<br />

sprechen.<br />

Zu 4.<br />

Eigentümer des Rastplatzes ist das Amt für Straßenbau NRW. Die zuständige Mitarbeiterin gab die Erlaubnis unter<br />

gewissen Auflagen (An- und Abmelden der Aktion bei der zuständigen Autobahnmeisterei sowie nur eine Parkbucht<br />

zu besetzen). Im Vorfeld musste bei der Bezirksregierung Düsseldorf abgeklärt werden, ob die Aktion<br />

mit einer finanziellen Bereicherung einhergehen würde. Da die AIDS-Hilfe die Testdurchführung<br />

kostenlos anbietet, wurde daher auch von dieser Seite die Erlaubnis erteilt.<br />

55


Zielgruppenspezifische Prävention<br />

Zu 5.<br />

Da vor allem die Zielgruppe „MSM mit einem unterdurchschnittlichen sozialen Status“ im Focus unserer Aktion stehen,<br />

sollte der Test möglichst kostenlos angeboten werden. Durch die AIDS-Hilfe NRW e.V. konnten die BuT-<br />

Projekte kostenlos Testkits bestellen. Die ärztliche Tätigkeit wurde als Dienstleistung des Fachbereichs Gesundheitswesen<br />

Kreis Wesel erbracht, so dass auch hier keinerlei Kosten für die Aktion entstanden. Daher konnten wir die Beratung<br />

sowie die Testdurchführung anonym und kostenlos anbieten.<br />

Die Umsetzung:<br />

In dem Zeitraum Mai-September 2010 wurde die „Rastplatzsommeraktion“ am 1. und 3. Mittwoch im Monat in der<br />

Zeit von 18.00-21.00 Uhr umgesetzt.<br />

Das BuT-Mobil wurde in einer Parkbucht, in der Nähe des Gehweges zu den Toiletten geparkt. Unter der seitlich angebrachten<br />

Markise des Busses wurde ein Tisch mit Kondomen und Informationsmaterialien aufgestellt. Um Aufmerksamkeit<br />

zu erregen wurden Fahnen (Tripols) mit dem Logo von Herzenslust aufgestellt.<br />

Auf einem der Rastplatz-Sitzbänke in der Nähe des BuT-Mobils saßen die Mitarbeiter des Projektes. Hier wurden für<br />

Gäste Kaffee, Wasser und Kekse angeboten.<br />

Zwei Mitarbeiter sprachen die Männer an und verteilten Kondome sowie Visitenkarten mit einer Erklärung zum<br />

Schnelltestangebot.<br />

Interessierte wurden zu den Mitarbeitern an der Sitzbank weitergeleitet, wo Sie einen anonymisierten Fragebogen zu<br />

sexuellen Vorlieben, Risikosituationen etc. ausfüllen mussten.<br />

Nach dem der Testwillige den Beratungsbogen ausgefüllt hat, wurde ein Beratungsgespräch anhand des Fragebogens<br />

im hinteren Teil des BuT-Mobils durchgeführt. Hier wurde explizit auf die Vor- und Nachteile des HIV-<br />

Schnelltestverfahrens hingewiesen.<br />

Nach einer ausführlichen Beratung und der Entscheidung des Ratsuchenden wurde er ggf. zum Arzt in den vorderen<br />

Teil des BuT-Mobils weiter verwiesen. Nach einem Gespräch mit dem Arzt wurde dann der Test durchgeführt. Das<br />

ganze Verfahren dauerte ca. 1 Stunde (vom Zeitpunkt der Ansprache, Ausfüllen des Fragebogens, Beratungsgespräch,<br />

Testdurchführung bis hin zum Testergebnis).<br />

5.1.4.1 Die Herzenslustgruppe Duisburg / Kreis Wesel<br />

Der Projektnehmer für den Bereich MSM hat regelmäßig mit der Herzenslustteilzeitkraft die inhaltliche Arbeit der lokalen<br />

Herzenslustgruppe erörtert und bei Bedarf angeleitet. Neben der fachlichen Aufsicht des lokalen Projektes Herzenslust<br />

wurden die ehrenamtlichen Herzenslustmitarbeiter in den Bereichen HIV und anderen sexuell übertragbare<br />

Krankheiten ergänzend zum bestehenden Schulungsangebot der AIDS-Hilfe NRW, qualifiziert.<br />

Das Herzenslustteam hat im Jahr 2010 wie in den vorangegangenen Jahren zielgruppenspezifische Prävention im<br />

Bereich schwule und bisexuelle Männer sowie Männer, die Sex mit Männern haben entwickelt und durchgeführt.<br />

Hierbei ist die konstante Begleitung der umgesetzten Präventionsaktionen sowie die Begleitung der lokalen Herzenslustgruppen<br />

durch die aus Eigenmitteln der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. finanzierte Teilzeitkraft von sehr<br />

hohem Stellenwert.<br />

Durch die Teilzeitkraft wurden folgende Aufgaben erfüllt:<br />

- Fachliche Begleitung der ehrenamtlichen Herzenslustmitarbeiter<br />

Die Teilzeitkraft sowie punktuell der Projektnehmer waren bei den primärpräventiven Vor-Ort-Aktionen von Herzenslust<br />

anwesend. So konnten Ratsuchende bei Bedarf von den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Herzenslustteams an


die hauptamtlichen Mitarbeiter weiter verwiesen werden.<br />

- Begleitung der wöchentlichen Gruppentreffen des Herzenslustteams<br />

Durch die regelmäßigen Gruppentreffen, die durch die Teilzeitkraft angeleitet wurden, wurde die beständige ehrenamtliche<br />

Herzenslustarbeit sichergestellt. Neben diesem Aspekt wurden mit dem Herzenslustteam Veranstaltungen<br />

abgesprochen und deren Umsetzung diskutiert und konzipiert.<br />

- Die Pflege und Aktualisierung der Herzenslusthomepage (www.herzenslustteam-du.de) war ein ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt<br />

der Teilzeitkraft, da sich viele schwule Männer vorwiegend über das Internet Informationen zu HIV,<br />

STD´s und Angeboten in der schwulen Community beschaffen.<br />

- Überregionale Teilnahme an den Herzenslusttreffen im Ruhrgebiet sowie die Beteiligung an überregionalen Aktionen,<br />

die in diesen Gremien entwickelt worden sind.<br />

Im Rahmen der Vernetzungsarbeit der lokalen Herzenslustgruppen nahm Herzenslust Duisburg / Kreis Wesel bei den<br />

regelmäßig stattfindenden Ruhrgebietsvernetzungstreffen teil und konzipierte mit anderen Herzenslustmitarbeitern<br />

überregionale primärpräventive Aktionen und beteiligte sich mit der lokalen Herzenslustgruppe an der Umsetzung<br />

dieser Präventionsaktionen überregional.<br />

Auf der lokalen Ebene wurden folgende primärpräventive Aktionen in Duisburg durchgeführt:<br />

Regelmäßig war das Herzenslustteam Duisburg/Kreis Wesel auf der schwul/lesbischen Party „warm up“ vertreten.<br />

Die Veranstaltung findet in einem monatlichen Turnus statt. Die Besucher konnten sich bei dem Herzenslustteam zu<br />

HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten informieren sowie die ausgelegten Informationsbroschüren der<br />

DAH e.V. sowie Bewerbungsbroschüren zur ehrenamtlichen Mitarbeit in den Herzenslustgruppen mitnehmen.<br />

Größere Aktionen von Herzenslust auf diesen Veranstaltungen waren:<br />

- Wahl zum „Mr. und Mrs. Warm Up 2010“<br />

Auf der im Oktober und November stattfindenden<br />

Warm Up konnten sich Gäste für<br />

die Wahl casten lassen. Neben einem Foto<br />

wurden die interessierten Gäste gebeten,<br />

ein Statement zu HIV abzugeben. Auf der<br />

im Dezember stattfindenden „warm up“<br />

wurden dann die Kandidaten auf der Bühne<br />

von zwei Moderatoren vorgestellt. Danach<br />

wurden durch die Gäste die „Mrs. und der<br />

Mr. Warm Up 2010“ gewählt. Die Sieger<br />

wurden gekürt und erhielten Preise. Neben<br />

der Platzierung / Bewerbung von<br />

„Herzenslust“ und deren Homepage, wurde<br />

das Thema HIV bei der Vorstellung der<br />

Kandidaten massenmedial platziert. Weitere<br />

Informationen hierzu auf:<br />

www.herzenslustteam-du.de.<br />

57


Zielgruppenspezifische Prävention<br />

- „Die Gemüsehändler“<br />

Das Herzenslustteam baute auf einer Warm Up einen Gemüsestand auf und verkleidete<br />

sich als Gemüsehändler. Die so angelegte Aktion wurde von den Besuchern der<br />

Warm Up als sehr gelungen wahrgenommen und die verteilten Cruisingpacks, mit dem<br />

oben gezeigten Layout „Samentüte“ wurden gerne angenommen.<br />

Weitere Aktionen auf lokaler Ebene waren:<br />

Samentüte<br />

Herzenslustteam<br />

Duisburg / Kreis Wesel<br />

- Szenerundgänge<br />

Regelmäßig führte das Herzenslustteam Duisburg / Kreis Wesel einen<br />

Rundgang durch die Duisburger Szene durch. Ziel der Rundgänge war die<br />

Kontaktpflege mit den Szenewirten, Verteilung von Informationsmaterialien<br />

zu HIV und andere STD´s in den Lokalen sowie die Befüllung des Kondomautomaten.<br />

- Welt AIDS Tag<br />

Das Herzenslustteam Duisburg beteiligte sich an den Veranstaltungen zum Welt AIDS Tag der AIDS-Hilfe Duisburg/<br />

Kreis Wesel e.V.<br />

- Rastplätze<br />

In regelmäßigen Abständen wurden Aktionen auf Rastplätzen im Kreis Wesel durchgeführt, wo Männer Sex mit Männern<br />

haben. Hier wurden Informationsmaterialien und Kondompackungen auf einem Informationsstand den Besuchern<br />

angeboten. Da viele der dort verkehrenden Männer sich nicht eindeutig als schwul oder bisexuell definieren,<br />

wurde auf allgemeine Informationsbroschüren der DAH / BZgA zurückgegriffen.<br />

5.1.5 Controllingzahlen Prävention bei MSM / Herzenslust 2010<br />

Herzenslust:<br />

Kontakte insgesamt: 3575<br />

Prävention bei MSM / Überregionale Aktionen:<br />

Beteiligung an der CSD-Parade in Köln, GayGames, Loveparade, Ruhr 2010<br />

Insgesamt wurden 10050 Personen erreicht!<br />

BuT - Rastplatz Sommeraktion:<br />

Kontakte insgesamt: 252<br />

Gay Romeo:<br />

Kontakte insgesamt: 1498<br />

Es wurden 2010 insgesamt 15375 Personen erreicht.


5.1.6 Projektkritik / Projektausblick<br />

Das Projekt der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. setzte die strukturelle Prävention im Arbeitsbereich homosexuelle<br />

und bisexuelle Männer sowie MSM auf den unterschiedlichen Ebenen (landes-, regionaler- und lokaler Ebene)<br />

um.<br />

Die Arbeit konnte auf den jeweiligen Ebenen mit verschiedenen Aspekten und Zielsetzungen ausdifferenziert und mit<br />

angemessenen Methoden verfolgt werden. Die im Projektantrag formulierten Ziele wurden realisiert und innovative<br />

Aktionen / Projektideen umgesetzt.<br />

Mittels der Kampagne „Herzenslust“ konnte der Projektnehmer ressourcenorientiert und zeitsparend seine Projektziele<br />

umsetzen. Die Wichtigkeit der Kampagne zeigte sich zum einen durch die professionelle Öffentlichkeitsarbeit der<br />

AIDS-Hilfe NRW (Homepage der Kampagne Herzenslust mit der Verlinkung zu den regionalen Herzenslusthomepages,<br />

Bewerbung der Kampagne durch schwule Medien) und durch den fachlichen Austausch bei den landesweiten<br />

Arbeitskreisen. Ebenso sind die zentral eingekauften Give-aways für eine professionelle Außendarstellung in der Vor-<br />

Ort-Arbeit unabkömmlich (z.B. Cruisingpacks in einer Herzenslust-Umverpackung).<br />

Durch die jahrelange Präventionsarbeit in dem Bereich homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM müssen<br />

immer wieder neue Präventionsstrategien entwickelt und umgesetzt werden, damit die Präventionsbotschaften die<br />

Zielgruppe erreichen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das auf der überregionalen Ebene entwickelte Pilotprojekt BuT,<br />

welches erfolgreich umgesetzt wurde.<br />

Die Vernetzungsarbeit auf der lokalen und regionalen Ebene verlief kontinuierlich und stabil. Auch hier konnten durch<br />

die vorhandenen Ressourcen effizient die verfolgten Ziele umgesetzt werden.<br />

Ein großer Dank gilt den ehrenamtlichen Mitarbeitern der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V., ohne deren Engagement<br />

das Projekt „homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM“ nicht in diesem Umfang hätte realisiert werden<br />

können.


Zielgruppenspezifische Prävention<br />

5.2 Drogen und Substitution<br />

Drogenpolitisch treten wir in Duisburg und dem Kreis Wesel auf der Stelle. Zwar ist Diamorphin als Arzneimittel zugelassen,<br />

allerdings hat der Gemeinsame Bundesausschuss die Kriterien für die Vergabe des Diamorphins so hoch<br />

angesetzt, dass diese Vorgaben aus finanziellen Gründen nur wenige Einrichtungen erbringen können. So müssen<br />

unter anderem mindestens drei ärztliche Vollzeitstellen eingerichtet und Öffnungszeiten von mindestens 7 bis 19 Uhr<br />

gewährleistet werden. Diese Anforderungen sind unabhängig von der Zahl der mit Diamorphin Substituierten. Daher<br />

wäre auf jeden Fall ein kommunaler Zuschuss von Nöten. Bei der Haushaltslage der Stadt Duisburg lässt sich dieses<br />

allerdings wohl schwer umsetzen. Denn in Duisburg wurde bereits im Berichtsjahr aufgrund finanzieller Gründe im<br />

Suchthilfeverbund eine Vollzeitstelle eingespart und entsprechend das Angebot eingeschränkt.<br />

Positiv zu vermerken ist, dass die neue rot-grüne Landesregierung die sogenannte Eigenbedarfsgrenze für “weiche”<br />

Drogen von sechs auf zehn Gramm erhöhen will und bei Heroin, Kokain und Amphetaminen wieder 0,5 Gramm zum<br />

Eigenverbrauch erlaubt sein sollen.<br />

Im Kreis Wesel ging es im Berichtsjahr darum, die Substitutionsbehandlung im Bereich der Städte Wesel und Hamminkeln<br />

sowie der Gemeinde Schermbeck aufrecht zu erhalten, da der bisherige Arzt, Herr Lemm, zum Jahresende<br />

die Substitutionsbehandlung nicht mehr fortführen wollte. Es konnte Dr. Wefelnberg, substituierender Arzt aus Hünxe,<br />

dafür gewonnen werden, in Wesel eine Zweigpraxis zu eröffnen. Die Substitution findet in den Räumlichkeiten des<br />

Kreisgesundheitsamtes Wesel statt.<br />

5.2.1 Primär- und Sekundärprävention<br />

5.2.1.1 Spritzenaustauschprogramm<br />

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel nimmt weiterhin mit den von ihr<br />

betreuten Spritzenautomaten am Projekt der AIDS-Hilfe NRW e. V.<br />

teil. Die Standorte befanden sich in Wesel und Duisburg-Hochfeld.<br />

Die Spritzenautomaten werden je nach Frequentierung von uns regelmäßig<br />

in ein- bis zweiwöchigem Rhythmus neu bestückt.<br />

Für den Spritzenautomaten in Moers haben wir nach Abriss des<br />

Feuerwehrgerätehauses an der Abteistr. 9 einen neuen Standort<br />

beantragt. Das Ordnungsamt hatte keine ordnungsrechtlichen Bedenken<br />

und hat den Antrag an den Fachdienst Grünflächen weitergeleitet.<br />

Da jedoch an dem von uns favorisierten Standort – dem<br />

Bahnhof Moers – umfangreiche Bauarbeiten durchgeführt wurden,<br />

mussten wir die Neuaufstellung des Automaten in Moers zurückstellen.<br />

Durch den Zusammenschluss der städtischen Drogenberatung und der Drogenberatung<br />

der Diakonie zum Suchthilfeverbund Duisburg wurde der Standort der Drogenberatung in<br />

Duisburg-Walsum aufgelöst. Da hier unser Spritzenautomat betrieben wurde und die<br />

Räumlichkeiten zunächst von einer Grundschule genutzt werden sollen und anschließend<br />

der Abriss vorgesehen ist, musste auch dieser Spritzenautomat abgebaut werden. Hierfür<br />

gilt es einen neuen Standort zu suchen.<br />

5.2.1.2 Suchtprävention bei Partydrogen<br />

Schulprojekt „No Drugs – no Party?“<br />

Im Frühjahr erarbeitete unsere Praktikantin, Yvonne Leuverink, ein Konzept für ein Angebot in Schulen unter dem<br />

Namen „No Drugs – no Party?“. Dieses beinhaltet – ähnlich wie unser Projekt @drugthive – mit einem akzeptierendem<br />

Ansatz Jugendlichen der Klasse 9 einen Überblick über die gängigsten Partysubstanzen und deren positive und<br />

negative Wirkungsweisen zu geben. Das Projekt hatte den Umfang von zwei Unterrichtsstunden und wurde von den


hauptamtlichen Mitarbeitern Ralf Runniger und vertretungsweise von Petra Kurek begleitet. Das Angebot wurde von<br />

drei Gesamtschulen gebucht und in insgesamt 12 Klassen durchgeführt. Obwohl es sich dabei um Schulen mit Schülern<br />

mit hohem Migrationsanteil handelte, waren die Schüler sehr interessiert an dem Projekt und es wurde auch von<br />

den Pädagogen mit Interesse aufgenommen.<br />

@drugthive<br />

Mit unserem Projekt @drugthive haben wir im 1. Halbjahr eine Aktion zu Suchtprävention bei Partydrogen und<br />

Primärprävention zu HIV/AIDS in der Diskothek RAJ in Wesel durchgeführt. Diese Aktion wurde ermöglicht durch die<br />

Duisburger Stiftung für Umwelt, Gesundheit und Soziales. Für die Aktion haben wir kleine Päckchen zusammen gestellt:<br />

Sie beinhalten Ohrstöpsel, Kondom und Vitaminbonbon. Ergänzt werden sie entweder durch den Kartensatz<br />

„Drugs, just say know“ oder für Besucher, die keine Ambitionen auf Partydrogen haben, mit dem „Heutiger Wissensstand“<br />

der DAH. Um das Päckchen zu erhalten, mussten die BesucherInnen Fragen zu HIV/AIDS oder Partydrogen<br />

beantworten.<br />

Aufgrund des Schulprojektes hatten wir im ersten Halbjahr keine weiteren Kapazitäten. Für das zweite Halbjahr war<br />

eine Aktion im Rahmen der Dinslakener Suchtwoche „Sucht hat immer eine Geschichte“ in der Bierklinik geplant. Leider<br />

hatte die Bierklinik jedoch ihre Aktivitäten eingestellt, so dass unsere Aktion abgesagt werden musste.<br />

Bei der 9. Fachtagung Arbeitskreis Prävention am 5. Mai in Duisburg-Buchholz führten wir zusammen mit dem Landeskriminalamt<br />

und dem Kriminalkommissariat Vorbeugung einen Workshop durch, bei dem wir unser Projekt<br />

@drugthive<br />

vorstellten.<br />

Loveparade<br />

Bei der Loveparade in Duisburg am 24.07.10 beteiligten wir uns mit drei MitarbeiterInnen an einem Gemeinschaftsstand<br />

des Suchthilfeverbundes Duisburg, weiterer Drogenberatungseinrichtungen aus NRW und der Selbsthilfe. Hier<br />

gab es mehrere Angebote: Zum einen die Flash-Box, hier konnten Teilnehmer ein Statement in eine Videokamera<br />

abgeben, eine Glücksradaktion, eine Fragebogenaktion zum Testen des Wissens über einzelne Substanzen wie z.<br />

Bsp. Cannabis, XTC etc. Des Weiteren wurde über die AIDS-Hilfe der Kartensatz „Drugs, just say know“ zum Selbstkostenpreis<br />

von 1 € angeboten. Den Besuchern wurden Kondome und Ohrstöpsel angeboten, die vom Veranstalter<br />

akquiriert wurden (30.000 Kondome und 8.000 Ohrstöpsel). Gleichzeitig war der Stand Anlaufstelle für die weiteren<br />

MitarbeiterInnen der AIDS-Hilfe, da vom Veranstalter keine weitere Standfläche bereit gestellt werden konnte. Federführend<br />

in der Vorbereitung und Organisation des Standes und der Aktion waren Werner Wicher vom Suchthilfeverbund<br />

und Ralf Runniger von der AIDS-Hilfe. Die Organisation von Seiten des Veranstalters ließ leider etwas zu wünschen<br />

übrig. Als ein Beispiel gilt es zu benennen, dass die Durchgangspässe am Tag der Loveparade keinen Durchgang<br />

durch den vereinbarten Eingang ermöglichten und die Helfer eine 2 KM längere Wegstrecke zurück legen<br />

mussten.<br />

Tim Przystupa und Yvonne Leuverink<br />

Yvonne hatte alle Ohrstöpsel und<br />

Kondome verteilt<br />

Fragebogenaktion an Stehtischen<br />

´<br />

63


Zielgruppenspezifische Prävention<br />

Es wurde das ehemalige Trip-Lounge Zelt – aus früheren Jahresberichten bekannt – aufgebaut. Da es sich bei der<br />

Loveparade um eine Massenveranstaltung handelt und sich unser Stand am entgegengesetzten Ende des Einganges<br />

befand, kam es in Bezug auf die Besucherzahl sehr verhalten zu personalkommunikativen Gelegenheiten. Daher<br />

haben wir uns auch entschlossen, in die Menge hinein zu gehen und mit Taschen Ohrstöpsel und Kondome zu verteilen,<br />

welches bei den Besuchern gut aufgenommen wurde.<br />

Als gegen 18 Uhr langsam Nachrichten von Todesfällen bei der Loveparade am Stand ankamen, entwickelten sich<br />

emotionale Spannungen aufgrund der skurrilen Situation, dass die Katastrophe bekannt war und die Party weiter lief.<br />

Bis 20 Uhr hielten wir unser Angebot aufrecht und haben anschließend unseren Stand abgebaut. Es handelte sich<br />

insgesamt um eine gelungene Zusammenarbeit mit anderen Anbietern im Drogenbereich.<br />

5.2.2 Substitution<br />

5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe<br />

Auch im Jahre 2010 haben wir über das komplette Jahr an allen Sams-, Sonn- und Feiertagen die Vergabe von Methadon<br />

in der AIDS-Hilfe in Duisburg durchgeführt. Die Anzahl der Substituierten lag im Durchschnitt bei 88 Personen,<br />

wobei die geringste Teilnehmerzahl 46 und die höchste Zahl 138 Klienten betrug, die die Vergabe besuchten.<br />

Die Vergabezeit beträgt 1,5 Stunden. Weiterhin wird die Vergabe von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter und einem<br />

Arzt durchgeführt. Zur Vergabe entsenden insgesamt fünf Ärzte ihre Patienten, die Vergabe in der AIDS-Hilfe führen<br />

drei Ärzte durch.<br />

Die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten und unseren ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, den Apotheken und der<br />

Polizei verlief weiterhin reibungslos. An dieser Stelle einen Dank an die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen für ihr Engagement<br />

und ihre Mithilfe.<br />

Bei jeder Vergabe wird für die Substituierten Kaffee angeboten und am letzten Sonntag im Monat wurde weiterhin<br />

ehrenamtlich ein Frühstück für die Substituierten organisiert. Dieses wird mit Lebensmitteln der Duisburger Tafel und<br />

dem Verein „Bürger für Bürger“ gespeist. So wird die Möglichkeit gegeben, sich in einem geschützten Raum über<br />

Sorgen und Nöte auszutauschen. Unser Dank gilt den ehrenamtlichen Mitarbeitern und der Duisburger Tafel e. V.<br />

und dem Verein Bürger für Bürger e. V. für ihr solidarisches Engagement.<br />

5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter (PSB)<br />

Die psychosoziale Begleitung von HIV-Positiven / an AIDS erkrankten Substituierten ist ein weiterer Bestandteil der<br />

Drogenarbeit innerhalb der AIDS-Hilfe. Aufgrund von Todesfällen in den vergangenen Jahren ist dieser Arbeitsbereich<br />

leicht zurück gegangen.<br />

Im Vordergrund der PSB steht die Stabilisierung der Klienten, die in ihrer Lebenssituation gestärkt und unterstützt<br />

werden. Die Zielsetzung der PSB erfolgt dabei im Wesentlichen nach den Bedürfnissen der Klienten. Das bedeutet in<br />

erster Linie, dass das subjektive Wohlbefinden der jeweiligen Person und die Lebensverhältnisse verbessert werden<br />

sollen. Entsprechend dieser Zielsetzung steht bei einigen Substituierten die Verbesserung des Gesundheitsstatus im<br />

Mittelpunkt, während bei anderen die Sicherung der materiellen Grundversorgung oder der Aufbau sozialer Netze im<br />

Vordergrund stehen kann.<br />

Dies kann in medizinischer Hinsicht bedeuten, dass wir in eine Substitution vermitteln. Da es sich hier nur um wenige<br />

Einzelfälle handelt und wir gute Kontakte zu den substituierenden Ärzten pflegen, gelingt dies in der Regel problemlos.<br />

Des Weiteren stellen wir den Kontakt zu HIV-Schwerpunkt-Ärzten her und unterstützen die DrogengebraucherInnen,<br />

die zum Teil starke Berührungsängste mit Ärzten dieser Fachrichtung haben, sich in eine adäquate Behandlung<br />

zu begeben. Es ist jedoch schwierig, neue Klienten in ein relativ schematisches Korsett zu bringen, welches für eine<br />

HIV Behandlung notwendig ist (regelmäßige Überwachung der HIV/AIDS-Parameter, regelmäßige Tabletteneinnahme<br />

(Compliance/Adhärenz).


Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Hepatitis –C-Beratung, da in den meisten Fällen bisher die Hepatitis-<br />

Behandlung bei DrogengebraucherInnen nicht durchgeführt wurde und die Behandlung auch bei den Betroffenen<br />

große Ängste auslöst. Da gerade im Bereich Hepatitis C Behandlung neue Medikamente in absehbarer Zeit zur Verfügung<br />

stehen, gilt es für uns, die Begleiteten entsprechend zu beraten.<br />

Im Rahmen der PSB ist es für uns wichtig, die Ressourcen der Begleiteten zu wecken. Durch die eigene Bewältigung<br />

von Problemen und Aufgaben erfahren sie eine Stärkung ihres Selbstwertgefühles.<br />

Soziale Kontakte sind ein Hauptwunsch der Begleiteten, wobei diese außerhalb der Szene liegen sollen. Teilweise<br />

funktioniert dieses in einer selbst aufgebauten Vernetzung der von uns Begleiteten untereinander, teilweise ist dieses<br />

aber auch recht schwierig.<br />

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten DrogengebraucherInnen<br />

Im Berichtsjahr führten wir das Streetwork auf der „Platte“ weiterhin im vierzehntägigen Abstand durch. Durch den<br />

Zusammenschluss der Drogenberatung der Diakonie und der städtischen Drogenberatung in den „Suchthilfeverbund<br />

Duisburg“, wurde dort im niedrigschwelligen Bereich eine Stelle eingespart. Daher hat die Drogenberatung derzeit<br />

keine Möglichkeit, Streetwork in Duisburg anzubieten.<br />

Somit hält die AIDS-Hilfe in diesem Bereich das einzige Angebot für Duisburg vor. Beim Streetwork werden Spritzen,<br />

Kondome und Care Sets verteilt, Fragen zu HIV/AIDS und Hepatitiden beantwortet. Der gute Kontakt und die vertrauensvolle<br />

Basis haben sich weiter entwickelt. Aufgrund der Anstrengungen des Ordnungsamtes, die Einkaufsmeile in<br />

Duisburg möglichst von drogengebrauchenden Menschen frei zu halten, haben sich diese auf drei Standorte in der<br />

Innenstadt verteilt, so dass beim Streetwork drei Orte, an denen sich DrogengebraucherInnen aufhalten, aufgesucht<br />

werden.<br />

Da der Suchthilfeverbund durch den Umzug in neue Räumlichkeiten<br />

keinen Café-Bereich mehr anbietet, führte die AIDS-<br />

Hilfe ab März am letzten Freitag im Monat ein Frühstück für<br />

DrogengebraucherInnen und Interessierte durch. Falls der letzte<br />

Freitag im Monat der Zahltag ist, wird dieses Frühstück einen<br />

Freitag früher durchgeführt. Im Juli und August fand eine<br />

Sommerpause statt. Das Frühstück wird überwiegend von zwei<br />

ehrenamtlichen Mitarbeitern vorbereitet und mit Lebensmittelspenden<br />

vom Verein „Bürger für Bürger“ unterstützt. Hierfür<br />

sagen wir recht herzlichen Dank. Das Frühstücksangebot wird<br />

gut angenommen, so dass im November sogar BesucherInnen<br />

in der Küche auf einen freien Platz im Café warten mussten.<br />

Das Frühstück wird auch zukünftig fortgeführt.<br />

5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen“ am 21. Juli<br />

Zum Nationalen Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen haben wir nachfolgenden Pressetext versandt:<br />

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. fordert anlässlich des 21. Juli – dem nationalen Gedenktag für verstorbene<br />

Drogengebraucherinnen und Drogengebraucher – Heroin für alle, die es brauchen<br />

Erfreulicherweise ist im vergangenen Jahr die Zahl der verstorbenen DrogengebraucherInnen sowohl<br />

in Duisburg als auch in NRW und deutschlandweit zurück gegangen.<br />

65


Zielgruppenspezifische Prävention<br />

Drogentote 2008-2009<br />

2009 2008<br />

Duisburg 11 26<br />

NRW 344 380<br />

Deutschland 1331 1449<br />

„Diesen positiven Trend würde die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. gerne verbunden sehen mit der Originalstoffvergabe“,<br />

stellt Ralf Runniger, hauptamtlicher Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. für den Drogenbereich<br />

fest.<br />

Hierbei handelt es sich jedoch um einen langen Weg.<br />

Das Ministerium für Arbeit Gesundheit und Soziales (MAGS) hat die NRW-Kriterien für die Ausweitung der Diamorphinvergabe<br />

über die bestehenden Modellprojekte hinaus bekannt gegeben. Damit hat ein weiterer Baustein bei der<br />

medizinischen Versorgung suchtkranker Menschen Gestalt angenommen. Im letzten Jahr hatte der Bundestag das<br />

„Gesetz zur Diamorphin gestützten Substitutionsbehandlung“ auf den Weg gebracht. Für dessen Realisierung mussten<br />

mehrere Bundesgesetze sowie die Behandlungsrichtlinien der Bundesärztekammer und der Regelleistungskatalog<br />

des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geändert werden. Weiter mussten landesbehördliche Genehmigungsverfahren<br />

erarbeitet werden für Einrichtungen, die ab jetzt eine Diamorphin gestützte Substitutionsbehandlung<br />

durchführen wollen.<br />

„Insgesamt stellen die Voraussetzungen zur Durchführung der Behandlung, die speziellen Anforderungen an<br />

Transport und Lagerung des Medikaments sowie die überhöhten Vorschriften zur Vergabe, für die jeweiligen Einrichtungen<br />

eine enorme finanzielle Belastung dar. Dies steht in keinem Verhältnis zu den Kosten des Diamorphins einerseits<br />

und zum notwendigen flächendeckenden Zugang andererseits“, erklärt Rolf Ringeler, Vorsitzender der AIDS-<br />

Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V.<br />

„Die flächendeckende Versorgung auch in Städten wie Duisburg muss möglich werden, ohne dass zuvor nicht refinanzierbare<br />

Investitionen für Sicherheitskonzepte getätigt werden müssen“, fordert Ralf Runniger. „Die AIDS-Hilfe<br />

Duisburg/Kreis Wesel sieht die Diamorphinvergabe als Baustein von Prävention und Schadenminimierung in der Gesundheitsversorgung<br />

und wird sich nach Kräften weiterhin dafür einsetzen“, fährt Ralf Runniger weiter fort.<br />

Konkret bedeutet dies, langjährig in der Drogenabhängigkeit verhafteten, psychisch und somatisch schwer kranken<br />

Personen das Überleben zu sichern und Zukunftsperspektive zu geben.<br />

In Duisburg verstärkt sich jedoch der Eindruck, dass die offiziellen Stellen Kreativität und finanzielle Ressourcen eher<br />

in die Vertreibung der Szene investieren. Als Beispiel hierfür benennt Ralf Runniger den Gedanken der Umzäunung<br />

des Kant Parkes und den Austausch der Sitzbänke durch Fahrradständer in der Fußgängerzone Düsseldorfer Str. (in<br />

dem Teilbereich zwischen Friedrich-Wilhelm-Str. und Börsenstr.). Daneben gibt es in Duisburg im Gegensatz zu anderen<br />

Städten keinen offenen Café- Bereich mehr für DrogengebraucherInnen. Dies nahm die AIDS-Hilfe zum Anlass,<br />

zumindest am letzten Freitag im Monat ein Frühstück für DrogengebraucherInnen anzubieten, da hierfür auch<br />

weiterhin ein Bedarf besteht.<br />

Die AIDS-Hilfe lädt am Mittwoch, dem 21.07.2010 von 11 bis 13 Uhr an ihren Infostand auf der Königstraße in Höhe<br />

des König-Heinrich-Platzes zwischen U-Bahn-Ausgang und Fontänebrunnen. Es besteht die Möglichkeit, eine Kerze<br />

zum Gedenken an einen verstorbenen Menschen zu entzünden.<br />

Die MitarbeiterInnen des Infostandes tragen T-Shirts mit der Aufschrift: „Heroin für alle, die es brauchen“ und „Insulin<br />

für alle, die es brauchen“. „Hiermit wollen wir darauf aufmerksam machen, dass Heroin als Medikament zugelassen<br />

ist und Kranken, die die Kriterien erfüllen, genauso verfügbar gemacht werden muss wie zum Beispiel Insulin bei Diabetes“,<br />

erläutert Ralf Runniger.


Am 21.07.2010 führten wir in der Fußgängerzone in Nähe der Platte einen Infostand durch. Die MitarbeiterInnen der<br />

Aids-Hilfe waren mit T-Shirts ausgestattet, die mit den Texten „Heroin, für alle die, es brauchen“ und „Insulin, für alle,<br />

die es brauchen“ versehen waren.<br />

Damit unterstützten wir die bundesweite Aktion vom Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende<br />

Drogenarbeit und den JES Bundesverband, die diese Aktion initiiert hatten. Mit dieser provokanten Formulierung sollte<br />

die Bevölkerung darauf aufmerksam gemacht werden, dass nun Diamorphin als Arzneimittel zugelassen ist und<br />

somit genauso wie Insulin zumindest all denjenigen Patienten zur Verfügung gestellt werden muss, die die Bedingungen<br />

erfüllen. Des Weiteren formten wir mit Grablichtern die Zahl 11, das ist die Zahl der im Jahr 2009 in Duisburg<br />

verstorbenen DrogengebraucherInnen. Als Pressefeedback war dieses Jahr nur ein Auftritt im Studio 47 – dem Lokalfernsehen<br />

für Duisburg und den Niederrhein - zu verzeichnen, da ansonsten die örtlichen Medien wohl mit der Loveparade<br />

in Duisburg ausreichend beschäftigt waren und keine weiteren Kapazitäten hatten.<br />

5.2.5 Teilnahme an Arbeitskreisen<br />

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ist durch den hauptamtlichen Mitarbeiter für den vorgenannten Bereich in<br />

dem Arbeitskreis Suchtmedizin (Qualitätszirkel der substituierenden Ärzte) und an der PSAG Basisarbeitsgruppe<br />

„Suchtkrankenhilfe“ vertreten.<br />

5.2.6 Teilnahme an Mitgliederversammlungen und JES-Treffen, Fachtagen<br />

Der Mitarbeiter für den Drogenbereich hat an verschiedenen Veranstaltungen teilgenommen. Hierzu gehört der 1.<br />

Wuppertaler Suchtfachtag,<br />

Titel: Vom Substitut zum Original, der von den akzeptierenden Eltern durchgeführt wurde. Hier wurde deutlich,<br />

dass trotz Arzneimittelzulassung eine flächendeckende Umsetzung der Diamorphinvergabe zeitnah<br />

nicht umsetzbar ist.<br />

Des Weiteren nahm der Mitarbeiter am JES-West-Schienen-Treffen im Februar teil, auf dem Dr. Martin Vogel von der<br />

Uniklinik Bonn einen Vortrag zu Hepatitis C zugeschnitten auf drogengebrauchende Menschen hielt. Hier konnten die<br />

DrogengebraucherInnen viele Fragen stellen und so erhielt der Mitarbeiter der AIDS-Hilfe zum einen Einblick in die<br />

Anliegen der User bzgl. Hepatitiden und wurde gleichzeitig über die neuesten medizinischen Erkenntnisse fortgebildet.<br />

Der Mitarbeiter nahm an den Mitgliederversammlungen von JES NRW und Akzept e. V. teil und am 20 jährigen Jubiläum<br />

von Vision e. V.. Da es sich um Vereine handelt, deren Mitglieder JES´ler sind oder die im niedrigschwelligen<br />

Drogenbereich tätig sind, ist hier immer ein interessanter Austausch für den Arbeitsbereich möglich.<br />

67


Zielgruppenspezifische Prävention<br />

5.3 HIV und Strafvollzug<br />

Das Angebot der „Strukturellen HIV- und STI- Präventionsarbeit im Strafvollzug“ wurde auch 2010 durch die AIDS-<br />

Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. auf der lokalen und landesweiten Ebene umgesetzt. Auf der landesweiten Ebene erfolgte<br />

die Arbeit ausschließlich in Vernetzung und Kooperation mit Institutionen, die im Bereich „HIV und Strafvollzug“<br />

tätig sind (wie z.B. bei dem Landesarbeitskreis Drogen und Haft der AIDS-Hilfe NRW e.V.).<br />

Auf der lokalen Ebene wurde mit den vorhandenen Untersuchungshaftanstalten, dem offenen Vollzug sowie den Gerichten<br />

und Staatsanwaltschaften der Region kooperiert, um die Präventionsarbeit für Bedienstete und Inhaftierte im<br />

Bereich Strafvollzug zu platzieren. Ziel war die Wissensvermittlung von Übertragungswegen und Schutzmöglichkeiten<br />

im Themenfeld STD´s, vor allem im Hinblick auf HIV und die Hepatitiden. Weitere Arbeitsschwerpunkte waren die<br />

Begleitung HIV-positiver Inhaftierter sowie die Einzelberatung von Inhaftierten im Rahmen von Sprechstunden.<br />

5.3.1 Einführung<br />

Die Arbeit in den Untersuchungshaftanstalten wurde, den Gegebenheiten des Vollzugsalltages angepasst, umgesetzt.<br />

Hierbei ist eine beständige und regelmäßige Arbeit unabdingbar, da der Vollzug eher durch einen strukturierten<br />

Alltag und durch ein hohes Maß an Regelmäßigkeit geprägt ist.<br />

Die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. im Sektor Strafvollzug wurde erfreulicherweise weiterhin<br />

über das Justizministerium NRW zum Teil refinanziert. Wir sehen dies als ein Zeichen, dass unser Ansatz über<br />

die Region Duisburg hinaus anerkannt und gewürdigt wird. Durch die anstehende Umstrukturierung der Haftanstalt<br />

Duisburg Hamborn (Schließung der Haftanstalt Innenstadt sowie Oberhausen) ist ein weiterer Schwerpunkt zum Ende<br />

des Jahres 2010 die konzeptionelle Arbeit an einer möglichen Kooperation mit der Fachabteilung Strafvollzug der<br />

AIDS-Hilfe Düsseldorf e.V. gewesen. Die Grundlage dafür ist die Planung von Seiten der Justiz, die Haftanstalt Düsseldorf<br />

und die o. a. Zweiganstalten aus Duisburg zusammen zu legen zu der im Bau befindlichen neuen Haftanstalt<br />

in Ratingen.<br />

5.3.2 Landesweite Vernetzung<br />

Teilnahme an Arbeitskreisen<br />

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig an dem Landesarbeitskreis „Drogen und Haft“ der AIDS-Hilfe NRW e.V.<br />

teilgenommen. Durch den regelmäßig stattfindenden fachlichen Austausch wurde die Arbeit kontinuierlich modifiziert,<br />

einheitliche Standards erarbeitet und somit die lokale Arbeit weiter professionalisiert.<br />

Der hauptamtliche Mitarbeiter nahm im Rahmen der landesweiten Vernetzung an verschiedenen Arbeitskreisen und<br />

Tagungen teil.<br />

Seit mehreren Jahren ist der hauptamtliche Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. Sprecher des Landesarbeitskreises<br />

Drogen und Haft. Mit dieser Tätigkeit ist ein erhöhter zeitlicher Aufwand verbunden, da die Funktion<br />

des Sprechers unter anderem die regelmäßige Absprache mit der zuständigen Mitarbeiterin der Landesgeschäftsstelle<br />

zu Themenschwerpunkten für Landesarbeitskreise „Drogen und Haft“ sowie die Vertretung bei landesweiten Gremien<br />

beinhaltet.<br />

Im Jahr 2010 hat das Sprecherteam des Landesarbeitskreises Drogen und Haft der AIDS-Hilfe NRW e.V. in Kooperation<br />

mit der AIDS-Hilfe München e.V. einen Workshop auf dem Kongress „Gesundheitsförderung in Haft“ in Hamburg<br />

konzipiert und angeboten.<br />

Hier eine detaillierte Beschreibung des Workshops:<br />

Infektionsprophylaxe in Haft<br />

Förderung des Gesundheitsbewusstseins von Inhaftierten –<br />

Der partizipative Ansatz der AIDS-Hilfen in der HIV- / Hepatitisprävention im Strafvollzug


Referenten:<br />

Rüdiger Wächter, AIDS-Hilfe Duisburg Kreis Wesel e.V., Landesarbeitskreis<br />

Drogen/Haft der AIDS-Hilfe NRW e.V.<br />

Indra Kraft, AIDS-Hilfe im Kreis Unna e.V., Landesarbeitskreis Drogen/Haft der AIDS-Hilfe NRW e.V.<br />

Martin Jautz, Münchner AIDS-Hilfe e.V., AG AIDS & Haft in Bayern<br />

Die Ausschreibung des Workshops traf auf reges Interesse der Teilnehmer, so dass<br />

diese Arbeitsgruppe mit 25 Personen gut besucht war. Innerhalb des Workshops entwickelte sich eine lebhafte Diskussion,<br />

die die verschiedenen Aspekte des partizipativen Arbeitsansatzes der AIDS-Hilfen und die Möglichkeiten der<br />

Zusammenarbeit mit den einzelnen Haftanstalten aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtete. Inhalt des<br />

Workshops war die Darstellung und Begründung des von AIDS-Hilfen gewählten Selbstverständnisses und Haltungsansatzes<br />

mit anschließendem Austausch und der Möglichkeit für die Teilnehmer zur eigenen Entwicklung von ganz<br />

praktischen Methoden der Infektionsprophylaxe nach den Prinzipien der AIDS-Hilfearbeit. Im Anschluss daran wurde<br />

den Teilnehmern des Workshops beispielhaft das Modellprojekt „Gesundheitswochen in Haft“ zur Hepatitis-<br />

Prophylaxe der AG AIDS & Haft in Bayern vorgestellt.<br />

I. Der partizipative Ansatz der AIDS-Hilfen im Strafvollzug<br />

Zur Einführung wurden zunächst das Aufgabengebiet und der partizipative Ansatz der AIDS-Hilfen den Teilnehmern<br />

anhand eines Kurzreferates und einer Power-Point-<br />

Präsentation erläutert. Die AIDS-Hilfen sind gemeinnützige Vereine, die im Feld der Gesundheitsförderung tätig sind.<br />

In den Justizvollzugsanstalten wird dieser Arbeitsauftrag, den Gegebenheiten angepasst, umgesetzt. In Haft steht die<br />

belegt hohe Infektions-Vulnerabilität der Inhaftierten im Gegensatz zum geschlossenen System „Haft“ und den damit<br />

verbundenen Einschränkungen, was sich vor allem in der fehlenden freien Wählbarkeit von medizinischen und sozialen<br />

Angeboten und damit einhergehend auch in der schwierigeren gesunden Aufrechterhaltung der Psychohygiene<br />

der Inhaftierten niederschlägt. Gleichermaßen besteht in Haft aber auch die Möglichkeit, Menschen durch spezifische<br />

Angebote anzusprechen, die außerhalb der Haft z.B. aufgrund ihres Lebensstils durch vorhandene Angebote bislang<br />

nicht erreicht wurden. Ein wesentlicher Arbeitsauftrag von AIDS-Hilfen ist hier somit die zielgruppenspezifische AIDSund<br />

Hepatitisprävention von Menschen in Haft.<br />

Ziele der Arbeit sind hier<br />

- die Verhinderung und Verminderung von Neuinfektionen mit HIV bzw.<br />

Hepatitiden (Primärprävention)<br />

- die psychosoziale Stabilisierung und Gesunderhaltung durch Maßnahmen zur Verzögerung der HIV-<br />

Krankheitsprogression sowie Prophylaxe von Begleiterkrankungen oder Co-Infektionen HIV-positiver Menschen und<br />

die Schaffung politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, die zu einem gesundheitsförderlichen Verhalten<br />

beitragen (Sekundärprävention)<br />

- die weitestgehende Erhaltung der Lebensqualität und Selbstbestimmung von an HIV/AIDS erkrankten Menschen<br />

(Tertiärprävention)<br />

und zudem die Fortbildung der MitarbeiterInnen der Haftanstalten zu relevanten Themenfeldern im Rahmen der Infektionsprophylaxe<br />

und des Umgangs mit HIV-positiven Inhaftierten. Um nachhaltig wirkende Präventionsarbeit leisten<br />

zu können, beschäftigt sich AIDS-Hilfe in Haft im Rahmen der Aufklärung vor allem mit den Themen Drogenkonsum,<br />

Sexualität, Tätowieren und Piercen.<br />

Aufgrund des Selbstverständnisses von AIDS-Hilfen greift hier der partizipative Ansatz, der AIDS-Hilfe dazu befähigt,<br />

als eine Organisation der Selbsthilfe und als Interessenvertretung von Menschen mit HIV und AIDS zielgruppennah<br />

und akzeptanzorientiert zu agieren.<br />

II. Diskussion<br />

Die anschließende Diskussion zeigte deutlich, dass eine Zusammenarbeit mit<br />

71


Zielgruppenspezifische Prävention<br />

externen Organisationen wie die der AIDS-Hilfe sowohl für Inhaftierte als auch für<br />

Bedienstete gleichermaßen gewinnbringend sein kann. Gerade die illegalen Verhaltensrisiken wie i.v. Drogenkonsum<br />

können nicht mit den Beamten oder dem Sanitätsdienst besprochen werden. Da die Mitarbeiter der AIDS-Hilfe der<br />

Schweigepflicht unterliegen, können Inhaftierte ohne Angst vor Sanktionen die Beratung zur Vermeidung und Verhinderung<br />

von riskanten Konsummustern in<br />

Anspruch nehmen. Durch die Beauftragung der AIDS-Hilfe als externe Beratungsstelle kann so die Haftanstalt ihre<br />

Angebote im Hinblick auf die Resozialisierung der Inhaftierten erweitern, ohne gleichzeitig mit Mehrarbeit belastet zu<br />

werden. Ein bewegendes Thema ist nach wie vor – vor allem unter Berücksichtigung der durchaus unterschiedlichen<br />

politischen Einstellungen der verschiedenen Bundesländer in Deutschland und der in Europa – der akzeptanzorientierte<br />

Haltungsansatz der AIDS-Hilfen, vor allem in der Zusammenarbeit mit drogenkonsumierenden Menschen in<br />

Haft. So können einige Forderungen, die die Arbeit der AIDS-Hilfen seit Jahren begleiten, (noch) nicht eins zu eins<br />

von den Haftanstalten umgesetzt werden. Beispiel ist hier die Forderung der AIDS-Hilfen „Spritzen in die Knäste“, um<br />

– gleichermaßen wie es außerhalb von Haftanstalten durchgeführt wird - Neuinfektionen durch das Bereitstellen von<br />

sterilem Spritzbesteck auch in Haft verhindern zu können. Der Umgang in Haft mit den Themen HIV/AIDS und Hepatitis<br />

sowie die Zusammenarbeit mit Beratungsstellen wie die der AIDS-Hilfe gestaltet sich von Land zu Land und von<br />

Haftanstalt zu Haftanstalt sehr unterschiedlich und ist individuellen Voraussetzungen unterworfen. Die bewegte Diskussion<br />

zeigte deutlich, dass die Notwendigkeit und der Wunsch, sich mit Themen wie HIV und AIDS, HIV-Testung<br />

und auch Hepatitis aktiv zu beschäftigen in Haftanstalten weiterhin immens gegeben ist. Sie machte aber auch deutlich,<br />

dass eine Herangehensweise nicht pauschal zu regeln sein kann, sondern sich stets auch an den örtlich gegebenen<br />

Möglichkeiten und Voraussetzungen orientieren muss und hier in der Zusammenarbeit stetig neue Wege gefunden<br />

werden müssen, eine nachhaltige Prävention in diesem Bereich möglich machen zu können. Gelingen kann<br />

dies nur, wenn Bereitschaft auf beiden Seiten besteht, sich für die jeweils andere Profession öffnen zu können.<br />

5.3.3 Lokale Arbeit des Projektes ,HIV und Strafvollzug’<br />

Der Arbeitsbereich „Gesundheitsförderung für Menschen in Haft“ bedient die Untersuchungshaftanstalt Duisburg-<br />

Hamborn sowie die Zweiganstalten Duisburg-Mitte, Dinslaken, Oberhausen und den offenen Vollzug in Moers-<br />

Kapellen. Inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit sind:<br />

Primär- und Sekundärprävention zum Themenfeld HIV/AIDS, Hepatitiden sowie anderen sexuell übertragbare<br />

Krankheiten<br />

Begleitung und Interessensvertretung HIV-positiver Inhaftierter<br />

Einzelberatung von Inhaftierten<br />

Mitarbeiterschulungen<br />

Verschiedene Veranstaltungen<br />

5.3.4 Gesundheitliche Belastungen von Inhaftierten<br />

Die Hauptinfektionswege von HIV und Hepatitiden sind das gemeinsame Benutzen gebrauchter Spritzutensilien beim<br />

i.v. Drogenkonsum, sexuelle Kontakte und Tätowieren / Piercen. Daher hat die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis<br />

Wesel e.V. eine starke Fokussierung auf diese Übertragungswege.<br />

Hier ein Umriss der Risikosituationen anhand statistischer Forschungsergebnisse:<br />

Drogenkonsum<br />

I.v. Drogenkonsum ist bei inhaftierten Drogenabhängigen zwar weniger verbreitet als außerhalb, aber die Inhaftierten,<br />

die ihren Konsum in Haft fortsetzen, tun dies unter hoch riskanten Bedingungen und in der Regel in Form eines gemeinsamen<br />

Gebrauches von Spritzen, Nadeln und Spritzutensilien. Wedershoven (s. Wedershoven C. Katamnese<br />

der HIV-Infektion bei drogenabhängigen und nicht-drogenabhängigen Inhaftierten im Vergleich im Justizvollzug des<br />

Landes Nordrhein-Westfalen. 1998) bestätigt, dass unsterile Spritzutensilien die Hauptinfektionsquelle der von ihr<br />

untersuchten Gefangenen darstellt. Knapp fand, dass bei den von ihm befragten Inhaftierten positiven Strafgefangenen<br />

bis zu neun Personen eine Spritze zusammen benutzten (s. Knapp R. AIDS im Strafvollzug. Zur Situation HIV-<br />

Infizierter und AIDS-Kranker Strafgefangener unter besonderer Berücksichtigung der Problematik intramuralen Drogenkonsums:<br />

Ergebnisse einer empirischen Erhebung und rechtliche Konsequenzen. Bonn (Unveröff. Diss.) 1996).


Sexuelle Beziehungen<br />

Sexualität ist in den Haftanstalten genauso präsent wie der illegale Drogenkonsum. Die Thematisierung von gleichgeschlechtlicher<br />

Sexualität ist jedoch so gut wie unmöglich. Wenige Haftanstalten gestatten Langzeitinhaftierten heterosexuelle<br />

Kontakte im Rahmen der Besuchszeit von (Ehe-) PartnerInnen (z.B. JVA Werl, JVA für Frauen Vechta) oder<br />

bei Haftlockerungen der Inhaftierten sexuelle Kontakte im Rahmen des Urlaubes.<br />

Es scheint jedoch, dass das „Verbot“ der Ausübung von Sexualität als Teil der Strafe angesehen wird. Dies wird nicht<br />

zuletzt von den Inhaftierten selbst so gesehen. Der Drang nach sexuellen Handlungen führt zu einer Abspaltung der<br />

Sexualität von der allgemeinen sozialen Haltung der Inhaftierten. Es werden gleichgeschlechtliche Handlungen praktiziert,<br />

die konträr zur Haltung und allgemeinen Aussage der Inhaftierten stehen. Durch diese abgetrennte, nicht akzeptierte<br />

Sexualität wird teilweise bzw. vollständig auf Kondomgebrauch verzichtet. Die Prävention steht hier vor einem<br />

Dilemma. Der Thematisierung von gleichgeschlechtlicher Sexualität in Präventionsveranstaltungen wird mit Ablehnung<br />

begegnet. Um Inhaftierten die Möglichkeit eines Beratungsgespräches zu ermöglichen, wo Fragen zu Übertragungswegen<br />

vertrauensvoll beantwortet werden, bietet die AIDS-Hilfe daher seit 2007 eine Hepatitis- / HIV-<br />

Sprechstunde in den Haftanstalten Hamborn und Dinslaken an.<br />

Tätowieren / Piercen<br />

Tätowieren und Piercen ist wie das Benutzen unsteriler Injektionsnadeln eine Übertragungsmöglichkeit von Hepatitis<br />

C und, in geringerem Ausmaß, von HIV. Leider wurden bis dato keine Studien in Haftanstalten durchgeführt, um hier<br />

eine Aussage in Richtung Risiko, Gebrauch und Infektionszahlen von Inhaftierten über Tätowieren und Piercen zu<br />

treffen.<br />

Die AIDS-Hilfe thematisiert diese gesundheitsgefährdenden Verhaltensweisen bei ihrer Präventionsarbeit und bietet<br />

den Rahmenbedingungen entsprechende Lösungsansätze an.<br />

5.3.4.1 Primär- und Sekundärprävention<br />

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig Informationsveranstaltungen in den Justizvollzugsanstalten durchgeführt.<br />

Neben den Übertragungswegen von HIV und Hepatitiden wurden die Behandlungsmöglichkeiten und mögliche<br />

Schutzmaßnahmen angesprochen (Desinfektion von gebrauchten Spritzen, Förderung des „Blutbewusstseins“,<br />

Vorgehen bei Nadelstichverletzungen und Safer Sex - Praktiken {bei Männern, die Sex mit Männern haben sowie<br />

Frauen, die Sex mit Frauen haben}).<br />

5.3.4.2 Begleitung<br />

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit im Strafvollzug“ bietet den inhaftierten Frauen und<br />

Männern die Möglichkeit, regelmäßig (in der Regel alle zwei Wochen) mit einem Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg/<br />

Kreis Wesel e.V. zu sprechen. Die Erstgespräche werden von dem hauptamtlichen Mitarbeiter durchgeführt. Hier<br />

werden folgende Aspekte erörtert: Bedarf des Inhaftierten, Stadium der HIV-Infektion, medizinische Behandlung sowie<br />

die Angebote der AIDS-Hilfe (z.B. Knastpakete, Therapievermittlung, Resozialisierung nach der Haftentlassung<br />

etc.). Die regelmäßigen Besuche werden durch einen hauptamtlichen Mitarbeiter oder ggf. von einem ehrenamtlichen<br />

Mitarbeiter durchgeführt. Im Sinne einer professionellen psycho-sozialen Begleitung besteht für die ehrenamtlichen<br />

Mitarbeiter das Angebot der „Drogen- / Knast-Gruppe“. Ziel des zweiwöchentlich verfügbaren Angebotes ist der<br />

fachliche Austausch von Begleitungsfällen, Absprachen von Veranstaltungen und eine supervisorische Beratung für<br />

die Begleiter.<br />

73


Zielgruppenspezifische Prävention<br />

Außenansicht des neu erstellten Flyers<br />

5.3.4.3 HIV- und Hepatitissprechstunde<br />

Nach Absprache mit dem Anstaltsarzt der JVA-Hamborn bietet die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. seit 2006 in<br />

der Zweiganstalt Dinslaken eine HIV- und Hepatitissprechstunde an und seit 2007 in der Haftanstalt Hamborn. Seit<br />

2009 werden auch die Zweiganstalten Duisburg-Innenstadt und Oberhausen bedient.<br />

Ziel der Sprechstunde ist es, in einem geschützten Rahmen Fragen an den Mitarbeiter der AIDS-Hilfe stellen zu können,<br />

die bei einer Informationsveranstaltung im größeren Rahmen durch Scham, gesellschaftliche Tabuisierung bzw.<br />

Sanktionsgefahr von Seiten der Anstalten nicht thematisiert werden (Needlesharing [das gemeinsame Benutzen von<br />

Spritzen], Drogenkonsum, Mann-Männliche Sexualität sowie die Thematik „Frauen die Sex mit Frauen haben“). Die<br />

Sprechstunde wird durch Plakate und den neu erstellten Flyer beworben und Interessierte können sich durch einen<br />

Antrag an den Sozialdienst für die Sprechstunde anmelden.<br />

Innenansicht des neu erstellten Flyers<br />

5.3.4.4 Mitarbeiterschulung<br />

Durch den Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit im Strafvollzug“ werden für die Bediensteten<br />

der Justizvollzugsanstalten, den Gerichten sowie den Staatsanwaltschaften Informationsveranstaltungen angeboten<br />

(siehe hierzu: Infektionsschutz „Gemeinsamer Runderlass des Ministeriums für Inneres und Justiz (4550 – IV B. 65)<br />

und des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit (V A 4 – 0392.3)“) . Inhalte der Veranstaltungen<br />

sind vornehmlich die Einhaltung der Hygienestandards, Vorgehen nach einer Nadelstichverletzung und die Wissensvermittlung<br />

von Übertragungswegen, Behandlungsmöglichkeiten im Bezug auf HIV und Hepatitiden und darüber hinaus<br />

die Impfmöglichkeiten bei einigen Hepatitiden.<br />

5.3.4.5 Veranstaltungen<br />

Der hauptamtliche Mitarbeiter war bei mehreren Veranstaltungen in den Justizvollzugsanstalten präsent, um als Ansprechpartner<br />

bekannt zu werden. Darüber hinaus wurden medienwirksame Veranstaltungen selbst organisiert, um<br />

das Thema „HIV und Strafvollzug“ in der Öffentlichkeit zu thematisieren.<br />

Zu diesen Veranstaltungen zählten unter anderem die Teilnahme am Sommerfest der Frauenhaftanstalt sowie die<br />

Teilnahme an einer Weihnachtsfeier in der Haftanstalt Hamborn.


5.3.5 Daten, Zahlen, Fakten<br />

Begleitung:<br />

Es wurden im Jahr 2010 84 Einzelbesuche von HIV-positiven Inhaftierten Menschen im Rahmen der Begleitet durch<br />

den zuständigen Mitarbeiter der AIDS-Hilfe durchgeführt.<br />

Prävention:<br />

Es wurden insgesamt 502 Menschen in Haft durch primärpräventive Aktionen erreicht; unter anderem durch 11 Präventionsveranstaltungen<br />

für Inhaftierte sowie 4 Präventionsveranstaltungen für Bedienstete (in den vier von uns bedienten<br />

Haftanstalten).<br />

5.3.6 Resümee<br />

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit im Strafvollzug“ kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückschauen.<br />

Die Kooperation mit den Anstalten ist konstant, kontinuierlich und produktiv. Die Angebote der AIDS-<br />

Hilfe wurden sehr gut angenommen.<br />

Gerade durch die vertragliche Grundlage mit den Haftanstalten konnte eine regelmäßige und kontinuierliche Arbeit<br />

sichergestellt werden. Jedoch ist damit auch eine erhöhte Verbindlichkeit und durch die Ausweitung des Betätigungsfeldes<br />

auf die Haftanstalt Oberhausen auch ein erhöhter zeitlicher Aufwand verbunden.<br />

75


Zielgruppenspezifische Prävention<br />

5.4 Frauen und AIDS -<br />

Prävention bei Frauen in besonderen Lebenslagen<br />

Auch im Jahr 2010 ließ sich das Projekt ‚XXelle AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.“ mithilfe der zielgruppenspezifischen<br />

Mittel des Landes NRW erfolgreich umsetzen.<br />

Die Schwerpunkte galten auch im Jahr 2010 den Arbeitsbereichen Begleitung von HIV-positiven / an AIDS erkrankten<br />

Frauen, Gestaltung bedarfsgerechter Versorgungsstrukturen, Abbau gesellschaftlicher Diskriminierungen und<br />

Primärprävention spezifischer Zielgruppen innerhalb des Frauenbereiches.<br />

Erneut erfolgte in diesem Jahr die Arbeit auf der landesweiten und regionalen Ebene ausschließlich in Vernetzung<br />

und Kooperation mit Institutionen, die im Bereich ‚Frauen und AIDS’ tätig sind. Diese Vorgehensweise stellt vorhandene<br />

Ressourcen sicher und führt zu einer effizienten Arbeit im Bereich ‚Frauen und AIDS’.<br />

In der lokalen Arbeit ließ sich die Ausdifferenzierung der Aufgaben durch die Einbeziehung von ehrenamtlicher Arbeit<br />

–allerdings in reduzierter Weise- bei der Unterstützung der HIV-positiven / an AIDS erkrankten Frauen realisieren.<br />

Darüber hinaus waren auch auf dieser Ebene Kooperationen mit Institutionen relevant, um die begrenzten personellen<br />

Ressourcen möglichst effizient zu nutzen.<br />

5.4.1 Arbeitsbereich ‚Frauen und AIDS’ auf der lokalen Ebene<br />

Sicherstellung frauenspezifischer Beratung und Begleitung<br />

Auch im Jahr 2010 stellten die Projektnehmerinnen sicher, dass für Frauen, die sich telefonisch oder persönlich an<br />

die AIDS-Hilfe wendeten, die Option bestand, sich mit einer Frau über ihre Themen auseinandersetzen zu können.<br />

Für eine qualifizierte Beratung und Betreuung spielen geschlechtsspezifische Faktoren eine wichtige Rolle, die sich<br />

nicht ohne weiteres von männlichen Kollegen bearbeiten lassen. Besonders bei Frauen, deren kultureller oder religiöser<br />

Hintergrund einen offenen Umgang bezüglich Sexualität ausschließlich bei gleichgeschlechtlichen Personen akzeptiert,<br />

ist eine weibliche Ansprechpartnerin wichtig.<br />

Zu Beginn des Jahres 2010 ist es gelungen, eine regelmäßige Frauengruppe zu etablieren, die sich mittlerweile<br />

schon über ein Jahr einmal monatlich trifft und bereits diverse gemeinsame Aktionen der Freizeitgestaltung unternommen<br />

hat. Diese Angebote tragen dazu bei, die Isolation von Frauen zu durchbrechen.<br />

Beispielhaft lassen sich hier aufzählen:<br />

ein gemeinsames Picknick<br />

ein Kochnachmittag<br />

ein Massageangebot<br />

eine Farb – und Stilberatung<br />

ein Besuch im Zoo


Ein schöner Effekt ist, dass ein großer Teil der Gruppe sich angemeldet hat zum Frauen-Wohlfühlwochenende der<br />

XXelle-Ruhrgebietsvernetzung am 22./23. Oktober und somit fünf Duisburger Frauen daran teilgenommen haben.<br />

Zusammenarbeit mit Ehrenamtlerinnen / betroffenen Frauen<br />

Für die lokale Arbeit ist es weiterhin notwendig, die Kapazitäten mithilfe von Ehrenamtlerinnen und positiven Frauen<br />

zu erweitern. Die Strategie der Projektnehmerinnen, sowohl Ehrenamtlerinnen als auch betroffene Frauen in die aktuelle<br />

frauenspezifische Arbeit mit einzubinden, wurde 2010 fortgesetzt und ließ sich zum Welt-Aids-Tag umsetzen.<br />

Trotz der Angst des unfreiwilligen „Outings“, die bei Aktionen vor Ort meist vorhanden ist, war es den Frauen möglich,<br />

uns für ein paar Stunden tatkräftig unter die Arme zu greifen.<br />

Primärprävention bei Frauen in besonderen Lebenslagen<br />

2010 ließ sich die Präventionsarbeit auf dem Duisburger Straßenstrich –mit nahezu gleicher Frequenz wie im Vorjahr<br />

- erfolgreich mit dem Gesundheitsamt der Stadt Duisburg fortführen. Mit der regelmäßigen aufsuchenden Arbeit (in<br />

einem ca. zweiwöchigen Rhythmus) wird ein langfristiger Beziehungsaufbau zu den einzelnen Sexarbeiterinnen ermöglicht.<br />

In dem Arbeitsbereich der Bordelle in Duisburg wurde eine Nikolausaktion durchgeführt, in der Give-aways und Informationsmaterial<br />

zum Beratungs- und Untersuchungsangebot an die Sexarbeiterinnen verteilt wurden.<br />

Für den Einsatzbereich Kreis Wesel kam es im Oktober des Jahres zu Kooperationsaktionen mit dem Gesundheitsamt<br />

des Kreises im Rahmen von gemeinsamen Besuchen innerhalb der Clubszene in Häusern in Xanten, Hamminkeln,<br />

Voerde und Wesel. Im April dieses Jahres waren wir für diesen Arbeitszusammenhang mit eingeladen<br />

auf einem europäischen, grenzüberschreitenden Treffen zum Thema der Kooperation im Bereich Prostitution<br />

und STDs.<br />

Öffentlichkeitsarbeit<br />

2010 galt es neben der Kommunikationskampagne ‚XXelle’ auch die lokale AIDS-Hilfe und die Arbeit in dem Bereich<br />

‚Frauen und AIDS’ zu präsentieren. Der Internetauftritt von XXelle-Ruhrgebiet wurde inhaltlich überarbeitet.<br />

Seit Mitte des Jahres 2010 trägt die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. neben der AIDS-Hilfe Dortmund die presserechtliche<br />

Verantwortung für die Homepage.<br />

www.xxelle-ruhrgebiet.de<br />

77


Zielgruppenspezifische Prävention<br />

Ein wichtiger Anspruch im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit ist es, das Thema ‚Frauen und AIDS’ ins Bewusstsein<br />

breiter Bevölkerungskreise zu transportieren. Neben den eigenen Darstellungsmedien (z. B. Homepage) und öffentlichkeitswirksamen<br />

Aktionen (s. o.), spielen natürlich die Medien dazu eine Rolle. Trotz wieder einmal nennenswerter<br />

Anfragen, konnte es im Berichtsjahr leider nicht gelingen, Frauen für Interviews oder Reportagen zu gewinnen, die<br />

dem Thema auch für unsere Region gewissermaßen ein authentisches „Gesicht“ hätten verleihen können.<br />

Es zeigte sich einmal mehr, dass es für HIV-positive Frauen offenbar noch schwieriger erscheint als für viele Männer,<br />

sich selbstbewusst in der Öffentlichkeit outen zu können.<br />

Teilnahme an Arbeitskreisen<br />

An dem in Duisburg existierenden Arbeitskreis, der sich an Frauengruppen und frauenspezifische Institutionen aus<br />

Duisburg richtet, nahmen die Projektnehmerinnen an den Arbeitstreffen teil, die eine thematische Relevanz für die<br />

lokale Arbeit hatten.<br />

Durch diese Kontakte wird die Begleitungsarbeit im Frauenbereich optimiert, da enge Kooperationsmöglichkeiten zwischen<br />

den Einrichtungen entstehen. Die Netzwerkarbeit gewinnt zunehmend an Bedeutung, da HIV-positive Frauen<br />

auch in anderen Einrichtungen in Erscheinung treten, wie z. B. Frauenhäusern oder Krankenhäusern, und sich die<br />

Bedarfe durch das sich verändernde Sozialrecht und die Gesundheitsreformen weiter ausdifferenzieren.<br />

5.4.2 Regionale Vernetzungsarbeit im Arbeitsbereich ‚Frauen und AIDS’<br />

Homepageprojekt ‚www.XXelle-ruhrgebiet.de’<br />

Die neue Homepage bietet zum einen die Option, frauenspezifische Institutionen im Ruhrgebiet zu informieren und zu<br />

sensibilisieren, und zum anderen schafft sie für positive Frauen einen niedrigschwelligen und anonymen Zugang zu<br />

Informationen und persönlichen Kontakten.<br />

Hintergrund der Stabilisierung und Modifizierung der Homepage bleibt weiterhin, Frauen mit HIV und AIDS die Möglichkeit<br />

zu geben, Informationen zu aktuellen medizinischen Neuerungen / Veränderungen bedarfsgerecht und anonym<br />

über das Internet jeder Zeit abrufen zu können. Darüber hinaus soll der neue Veranstaltungskalender online<br />

über Vernetzungstreffen im Ruhrgebiet Auskunft geben sowie Termine der einzelnen AIDS-Hilfen veröffentlicht werden,<br />

um den betroffenen Frauen verbesserte Möglichkeiten zu bieten, sich an den Angeboten beteiligen zu können.<br />

Förderung der Selbsthilfepotentiale und Stabilisierung der bestehenden Selbsthilfeangebote<br />

Ein wesentliches Ziel auf der Ruhrgebietsebene ist es, positiven Frauen eine Möglichkeit zu geben, sich persönlich<br />

auszutauschen und eine Vernetzung zu ermöglichen. Dies ist besonders relevant, da die Zielgruppe ‚Frauen’ sehr<br />

heterogen ist und sich eine stabile persönliche Beziehung nicht ausschließlich auf die HIV-Infektion / AIDS-


Erkrankung gründen lässt.<br />

In Zusammenarbeit mit der AIDS-Hilfe Dortmund e.V., der AIDS-Hilfe Essen e.V., der AIDS-Hilfe Oberhausen e.V., der AIDS-Hilfe<br />

Bochum e. V. und der AWO Niederrhein e.V. wurde im Jahr 2010 am 22./23. Oktober ein Vernetzungswochenende mit frauenrelevanten<br />

Schwerpunktthemen angeboten. Erfreulicherweise konnte dieses Angebot mithilfe der Münsteraner Aidsstiftung<br />

und einiger Krankenkassen finanziert werden.<br />

Die Evaluation hat ergeben, dass die Frauen besonders zufrieden damit waren, für zwei Tage die heimische Umgebung verlassen<br />

zu können und ohne die Kinder ein Wochenende für sich zur Entspannung zu haben.<br />

Positiver Nebeneffekt des Wochenendes war das darauf folgende Bedürfnis der Gruppe, sich möglichst schnell wieder zu treffen.<br />

Dieser Wunsch führte dann am 13. Dezember zu einem gemeinsamen Weihnachtsessen bei der Aidshilfe Essen.<br />

Öffentlichkeitsarbeit<br />

In der Öffentlichkeitsarbeit im Jahr 2010 wurde der Schwerpunkt erneut auf die Präsentation der landesweiten Kommunikationskampagne<br />

‚XXelle’ gelegt. Im Rahmen der Ruhrgebietsvernetzung ließen sich wieder Öffentlichkeitsaktionen<br />

zum Thema ‚Frauen und AIDS’ platzieren, zu denen es aus den angegebenen Gründen allerdings keine personelle<br />

Beteiligung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel gab.<br />

5.4.3 Landesweite Vernetzungsarbeit im Arbeitsbereich ‚Frauen und Aids’<br />

Teilnahme an Arbeitskreisen<br />

Die regelmäßige Teilnahme an der Landesarbeitsgemeinschaft ‚Frauen und Aids’ vertiefte den landesweiten Bezug<br />

des Projektes. Dieser ist notwendig, um die kontinuierliche Modifizierung der Arbeit in dem Bereich ‚Frauen und<br />

AIDS’ zu gewährleisten. Mithilfe der fachlichen Auseinandersetzung auf der Landesebene wird zum einen die lokale<br />

Projektarbeit weiterqualifiziert und zum anderen die Erarbeitung und Umsetzung von Projektideen in NRW gefördert.<br />

Seit 2010 ist die Aidshilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. auch engagiert in der Öffentlichkeits-AG der Landesarbeitsgemeinschaft.<br />

Öffentlichkeitsarbeit<br />

2010 galt es, die landesweite Kommunikationskampagne ‚XXelle’ öffentlichkeitswirksam zu präsentieren.<br />

Die NRW-weit erstellten Materialien ließen sich für unterschiedliche Aktionen (s. Öffentlichkeitsarbeit auf lokaler / regionaler<br />

Ebene) erfolgreich nutzen. Darüber hinaus trugen die von der AIDS-Hilfe NRW e.V. erstellten Presseartikel<br />

zu einer gelungenen Öffentlichkeitsarbeit bei.<br />

79


Zielgruppenspezifische Prävention<br />

Zum Internationalen Frauentag hat sich die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel<br />

e.V.an zwei zentralen Vernetzungsaktionen beteiligt:<br />

an der landesweiten Briefaktion der LAG Frauen und Aids , die sich an die<br />

Gynäkologinnen und Gynäkologen der Kommunen richtete mit dem Fokus<br />

der Kooperation mit den örtlichen Aidshilfen in Zusammenhang mit Beratung<br />

zum Testangebot für Schwangere und an der Durchführung des Benefizkonzertes<br />

„XXelle RoXX“ am 12. März in der Zeche Carl in Essen.<br />

Ein weiteres zentrales landesweites Ereignis war der bundesweite Hebammenkongress<br />

im Messezentrum Düsseldorf , an der die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis<br />

Wesel im Rahmen von Standbetreuung beteiligt war.<br />

Für die Verknüpfung der landesweiten Kampagne mit lokalem Engagement auf Vorstandsebene<br />

lässt sich von einem weiteren Novum berichten:<br />

Seit Herbst 2010 präsentiert sich Vorstandsfrau Silke Stützel als XXelle Botschafterin auf den<br />

Seiten von XXelle NRW .<br />

Silke (44) aus Duisburg<br />

„XXelle bedeutet für mich ein Netzwerk, das HIV-positiven<br />

Frauen ein Gesicht gibt und ihre Energien und Aktivitäten,<br />

aber auch Ängste sichtbar macht.“


5.5. AIDS und Migration<br />

5.5.1. Migration und Begleitung<br />

Von den HIV-positiven / an AIDS-erkrankten Menschen, die im Jahr 2010 von der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel<br />

e.V. begleitet wurden, hatten ca. ein Drittel einen Migrationshintergrund. Insbesondere bei den Frauen zeigte sich<br />

erneut, dass Migrantinnen unsere Institution für sich nutzten.<br />

Besonders Menschen aus Subsahara-Afrika suchten 2010 die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. auf. Sie waren,<br />

wie auch in vorangegangenen Berichtsjahren die zahlenmäßig größte Gruppe der Migrant/innen. Als Herkunftsländer<br />

ragten dabei schwerpunktmäßig Togo und Kamerun heraus.<br />

Darüber hinaus begleitete die AIDS-Hilfe Menschen mit italienischem, polnischem, serbokroatischem und türkischem<br />

Migrationshintergrund.<br />

Im Gegensatz zu der Gruppe aus Subsahara-Afrika war diese jedoch zahlenmäßig deutlich kleiner.<br />

In der Begleitung zeigt sich, dass viele Thematiken, die in der Beratungs- und Versorgungssituation eine Rolle spielen,<br />

kulturell geprägt sind. Dieses führt in Beratungssituationen leicht zu Missverständnissen, Fehlentscheidungen<br />

und kontraproduktiven Unterstützungs- und Behandlungsangeboten. Oft wird die Verständigung durch die sprachlichen<br />

Barrieren erschwert. Zusätzlich zu den sprachlichen und kulturellen Barrieren ist die Begleitung der HIV-<br />

Infizierten / an AIDS-erkrankten Migrant/innen durch deren spezifische Lebenssituation gekennzeichnet. So sind die<br />

Regelung des Aufenthaltsstatus und der Umgang mit dem fremden Aufenthaltsland ein existentielles Thema.<br />

Darüber hinaus gilt für viele Migrant/innen, dass sie ihre Familien in den Herkunftsländern zurück lassen. Besonders<br />

in der Begleitung der Menschen aus Subsahara-Afrika ist die Trennung von Eltern, Geschwistern, Kindern und Ehepartner/innen<br />

Thema. Die Einsamkeit und Isolation verstärkt sich mit der Diagnose: ‚HIV-positiv’. In der Begleitung<br />

der Schwarzafrikaner/innen stellten wir in diesem Berichtsjahr erneut fest, dass die HIV-Infektion in der Community<br />

der Schwarzafrikaner/innen nicht Thema werden darf. Selbst die eigene Familie wird in der Regel nicht informiert.<br />

Diese spezifische Lebenssituation führt dazu, dass die HIV/AIDS-Erkrankung gegenüber den psychischen und existentiellen<br />

Belastungen in den Hintergrund treten kann.<br />

Die aufgeführten Faktoren zeigen, dass die Begleitung der Migrant/innen oftmals einen anderen inhaltlichen Rahmen<br />

einnimmt. Die Problematik, dass ein großer Teil der Migrant/innen kein Deutsch verstehen bzw. lesen kann, nimmt<br />

darüber hinaus größere zeitliche Ressourcen in Anspruch. Da es keine Stelle gibt, die dafür zuständig ist, Briefe (u. a.<br />

von den jeweiligen Ämtern) zu übersetzen, geschieht dieses meist innerhalb der AIDS-Hilfe.<br />

Sowohl hinsichtlich der Inhalte als auch im Hinblick auf die Zeitressourcen ist die Kooperation mit anderen Institutionen<br />

bei der Begleitung von Migrant/innen dringend notwendig.<br />

5.5.2. Arbeitskreis ‚Migration’<br />

Der Arbeitskreis Migration ist ein Zusammenschluss von Organisationen, die regional im Bereich Migrant/innen mit<br />

HIV / AIDS tätig sind (AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V., Gesundheitsamt der Stadt Duisburg - Beratungsstelle<br />

zu AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, AIDS-Hilfe Düsseldorf e.V., AIDS-Hilfe Oberhausen e. V.,<br />

AIDS-Hilfe Krefeld e.V., Projekt Aids + Kinder, Köln, Deutsche AIDS-Stiftung, Bonn).<br />

Ziel ist der fachliche Austausch, die Vernetzung regionaler Angebote und die Durchführung gemeinsamer Projekte<br />

und Veranstaltungen.<br />

Zentrale Veranstaltung des laufenden Jahres zum Thema Migration war am 16. Juni die sehr erfolgreiche<br />

Fachtagung des Arbeitskreises Migration, an deren Vorbereitung und Durchführung wir wie in<br />

den letzten Jahren auch beteiligt waren.<br />

81


Zielgruppenspezifische Prävention<br />

Unsichtbar – Menschen ohne Papiere in Deutschland.<br />

Die rege Teilnahme von Fachleuten - teilweise über die Landesgrenzen hinaus – war eindeutiges Anzeichen für den<br />

Bedarf nach fachlichem Austausch zum Thema.<br />

Lokale Ebene<br />

Interkulturelle Wochen Duisburg<br />

Im Rahmen der Interkulturellen Wochen, die jährlich in Duisburg stattfinden, wird von städtischer Seite aus auf Vielfalt<br />

von Kultur, Lebensweise und Religion von Migrantinnen und Migranten in der Stadt aufmerksam gemacht. Mit zahlreichen<br />

kulturellen Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerten, Vorträgen, Festen für Kinder u. v. m., die von verschiedenen<br />

Vereinen organisiert werden, wird auf die Weltoffenheit der Stadt Duisburg hingewiesen.<br />

Im Jahr 2010 war unsere Schwerpunktaktion innerhalb der Interkulturellen Wochen die Wochenmarktaktion am<br />

23.September auf dem großen Wochenmarkt auf dem Hamborner Altmarkt - gemeinsam mit der IG Metall und den<br />

beiden Paritätischen Mitgliedsorganisationen Mabilda e.V. und der Dersim Gemeinde aus Marxloh, beides für Duisburg<br />

relevante Migrantenselbstorganisationen. Die Kontakte zu beiden Organisationen sind gleichzeitig Teil unserer<br />

Bestrebungen, die Beziehungen zur türkisch / kurdischen Community im Duisburger Norden zu verfestigen.<br />

Es zeigt sich auf der lokalen Ebene der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel, dass die Begleitungszahlen der Menschen<br />

mit HIV / AIDS, die einen Migrationshintergrund haben, die deutschlandweiten Zahlen widerspiegeln. Die Begleitungsarbeit<br />

bei dieser Zielgruppe erfordert spezifische sprachliche, interkulturelle und fachliche Kompetenzen. Da<br />

sich die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit in der Zielgruppe der Migranten oftmals problematisch darstellt, weil<br />

das Thema ‚HIV/AIDS’ weitestgehend tabuisiert wird, ist hier ein langer Atem erforderlich und sind immer wieder die<br />

Gelegenheiten zu nutzen, um die Thematik auch öffentlichkeitswirksam wach zu halten.<br />

Innerhalb unseres Paritätischen Dachverbandes haben wir über die Beteiligung an der Interkulturellen Woche hinaus<br />

auch intern das Thema Migration und transkulturelle Öffnung auf der diesjährigen Mitgliederversammlung am 20.<br />

September zum Thema gemacht.<br />

Mit einer eigenen PowerPointPräsentation und offiziellem Redebeitrag haben wir zur Intensivierung und Belebung der<br />

innerverbandlichen Diskussion beigetragen.


am Beispiel der Strukturellen Präventionsarbeit der<br />

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.<br />

Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung<br />

Konferenz der Mitglieder der Kreisgruppe Duisburg des PARITÄTISCHEN, 20.09.201 0<br />

83


Youthwork<br />

5.6 Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung<br />

So sieht es aus – das neue Logo für unser Arbeitsfeld “Youthwork”. Frisch kommt es daher- so wie die Arbeit mit Jugendlichen<br />

sein sollte und so frisch, wie sie die Mitarbeiter/innen in diesem Sektor hält (!?!). Der Rheinberger Grafikerin<br />

und Designerin, Britta Plien, die unser neues „corporate design“ (s. auch neue Hausbroschüre, 4.) gestaltet hat,<br />

gilt Dank dafür.<br />

Seit 1989 ist „Youthwork“ (AIDS-Prävention in sexualpädagogischem Kontext) ein fester und wichtiger Bestandteil der<br />

Angebotspalette der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. Und wenn auch das alte richtliniengestützte Förderprogramm<br />

(1988 vom damaligen MAGS NRW eingeführt, s. www.youthwork-nrw.de ) im Zuge des Kommunalisierungsprozesses<br />

im Prinzip erledigt ist, so ist aufgrund der unzweifelhaften Sinnhaftigkeit nicht nur die Landesförderung erhalten<br />

geblieben, sondern auch die kommunalen Ergänzungsfinanzierungen (wenn auch gedeckelt, s.o.). Und der<br />

schon mehrfach zitierte Entwurf der neuen Landesregierung bestärkt den spezifischen Arbeitsansatz auch sehr eindeutig.<br />

„Jugendliche gehören bislang nicht zu den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Da sie am Anfang ihrer<br />

sexuellen Aktivität stehen, sind sie jedoch eine wichtige Zielgruppe für die Primärprävention. Jugendliche stehen vor<br />

der Herausforderung, zu Beginn ihrer partnerschaftlich ausgerichteten Sexualität sich sowohl mit Fragen der Verhütung<br />

und des Schutzes vor sexuell übertragbaren Infektionen als auch mit physischen und psychischen Veränderungen<br />

auseinanderzusetzen. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass personalkommunikative Ansätze in der<br />

Sexualaufklärung und Prävention diese Lernprozesse besonders fördern und unterstützen. Sie müssen jedoch frühzeitig<br />

einsetzen, kontinuierlich weitergeführt werden und sich an dem jeweiligen Entwicklungsstand, der sexuellen<br />

Orientierung und den sozialen, kulturellen und ethischen Hintergründen der Jugendlichen ausrichten.<br />

Da andere sexuell übertragbare Infektionen, insbesondere Syphilis, Tripper und Chlamydien auch Jugendliche betreffen<br />

und sich damit das Risiko einer HIV-Infektion erhöht, müssen die Inhalte der HIV/AIDS-Prävention und Sexualaufklärung<br />

mit den Informationen zur Verhinderung der o.g. Infektionen verknüpft werden. (…)<br />

Die Angebote der Schule und der außerschulischen Jugendarbeit werden durch HIV- uns STI-<br />

Präventionsmaßnahmen der AIDS-, Sexual- und Jugendberatungsstellen unterstützt und ergänzt. Notwendig sind<br />

kontinuierliche und strukturierte Kooperationen und gemeinsame Projekte zwischen AIDS-/STI- und Sexualberatungsstellen,<br />

Jugendhilfe, Suchthilfe, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen in öffentlicher und freier Trägerschaft.“<br />

(Entwurf „Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention in NRW“ vom Dezember 2010; S. 13 f)<br />

Einmal mehr gilt der Landes-Arbeitsgruppe Prävention unter Federführung des Gesundheitsministeriums ein Kompliment<br />

für die Analyse und die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen (vgl. 1.). Diese sind auf der Höhe der<br />

Zeit. Und - aufmerksame Leser/innen unserer Jahresberichte haben es längst bemerkt – sie bestätigen unsere Y-<br />

outhwork-Arbeit und ihre Ansätze in eindrucksvoller Weise. Das gilt insbesondere auch für die kooperativen Projektformen,<br />

die wir seit je her propagieren, initiieren und umsetzen und die in besonderer Weise für nachhaltige Synergieeffekte<br />

prädestiniert sind.


Auch darüber erklärt sich gewiss zu einem nicht unerheblichen Teil, dass Jugendliche in Deutschland und in unserer<br />

Region tatsächlich nicht zu den besonders riskierten Zielgruppen zählen – Prävention im Kontext von Gesundheitsförderung<br />

wirkt und ist zielführend im Hinblick auf eine Verankerung von Präventionswissen und die Stärkung der<br />

Handlungskompetenzen für die individuelle Gesunderhaltung sowie die Förderung eines nachhaltigen Schutzverhaltens<br />

und dessen Implementierung im persönlichen Lebensstil.<br />

Diese und weitere Ziele und Ansätze sind im Berichtsjahr auch auf der Bundesebene unter besonderer Berücksichtigung<br />

der notwendigen stärkeren Einbeziehung der STI`s / STD`s und ihrer Relevanz für die HIV-Prävention weiter<br />

bestärkt worden. Erstmalig wurden im April 2010 sechs Standards für die STI/STD-Prävention verabschiedet und<br />

zahlreich ratifiziert (so etwa auch vom Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit des Landes Nordrhein-Westfalen)<br />

sowie im Epidemiologischen Bulletin Nr. 35 des Robert-Koch-Instituts (s. www.rki.de ) veröffentlicht. Entwickelt wurden<br />

diese von der bundesweiten, multiprofessionellen, interdisziplinären und intersektoriellen Arbeitsgemeinschaft<br />

sexuelle Gesundheit der Deutschen STD-Gesellschaft (DSTDG) – ein weiterer Meilenstein hinsichtlich der Verbindlichkeit<br />

von Voraussetzungen für eine gute Präventionsarbeit.<br />

Die Standards und deren Grundpositionen sind im ganz Wesentlichen eine Bekräftigung des –alten, aber eben immer<br />

noch modernen- Konzeptes der „strukturellen AIDS-Prävention“ der Deutschen AIDS-Hilfe, nach dem auch wir unsere<br />

Arbeit ausrichten. Und dabei ist AIDS-Prävention schon immer auch einzubetten in einen ganzheitlichen Kontext<br />

von Gesundheitsförderung.<br />

Zentrale Grundpositionen dieser Standards sind:<br />

● Sexualität ist eine zentrale Lebensäußerung, Ausdruck lustvollen Lebens und Grundbestandteil der Gesundheit in<br />

einem umfassenden Sinn.<br />

● Die Prävention von STD/STI ist daher Bestandteil allgemeiner Förderung der Gesundheit und positiver Lebenseinstellungen.<br />

● Die Verhältnisprävention soll untrennbar mit der Förderung sexueller Gesundheit verbunden sein.<br />

● Es sollen spezielle Infektionen und Erkrankungen verhindert werden, aber auch gesellschaftliche und soziale Bedingungen<br />

geschaffen werden, unter denen es lohnend und möglich ist, die eigene Gesundheit zu schützen und lustvoll<br />

zu leben<br />

(vgl. Epidemiologisches Bulletin des RKI, 35/2010, S. 352 ff).<br />

Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von AIDS-Prävention in sexualpädagogischem Kontext mit dem vorrangigen<br />

Ziel der Vermeidung von Primärinfektionen hat nichts an Bedeutung verloren. Die stabil hohe Zahl bei den HIV-<br />

Neuinfektionen (ca. 3000 in Deutschland in 2010) quer durch alle Bevölkerungsgruppen –so durchaus auch bei jugendlichen<br />

und jungen Menschen- sind ein deutlicher Beleg dafür.<br />

Dennoch ist festzuhalten, dass diese Arbeit, die vor allem durch personale Kommunikation zielgruppenadäquate Informationsarbeit<br />

und Aufklärung leistet, offenbar weiterhin sehr erfolgreich ist.<br />

Dies belegt auch die Studie „Jugendsexualität 2010“ der BZgA, die im September vorgestellt wurde (s.<br />

www.forschung.sexualaufklaerung.de ), bei der regelmäßig repräsentativ Einstellungen und Verhaltensweisen 14-<br />

bis 17-jähriger Jugendlicher zur Aufklärung, Sexualität und Verhütung erhoben werden. Demnach wird das Verhütungsverhalten<br />

immer besser und das Kondom immer mehr zum beliebtesten Verhütungsverhalten. „Sexuell aktive<br />

deutsche Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren verhüten heute bereits beim ersten Mal besser als je zuvor: Nur je<br />

acht Prozent der Mädchen und Jungen geben an, keine Verhütungsmittel benutzt zu haben. 1980 lag dieser Anteil<br />

mit 20 Prozent bei den Mädchen und 29 Prozent bei den Jungen um ein Vielfaches höher. Die neuen Zahlen zeigen<br />

zudem, dass Jungen beim ersten Mal mittlerweile ebenso gut verhüten wie Mädchen.<br />

Auch bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund hat sich das Verhütungsverhalten verbessert. Doch verglichen<br />

mit ihren deutschen Altersgenossen verhüten sie noch immer seltener. So geben 12 Prozent der Mädchen und 18<br />

Prozent der Jungen mit Migrationshintergrund an, beim ersten Geschlechtsverkehr keine Verhütungsmittel benutzt zu<br />

haben. Im Jahr 2005 waren es noch mehr als ein Drittel der Jungen und etwa jedes fünfte Mädchen“<br />

(Pressemitteilung der BZgA vom 02. September 2010; s. www.bzga.de )<br />

Bei Jugendlichen tragen die Schulen entscheidend zur Informationsvermittlung bei. 94 Prozent der 16- bis 20-<br />

Jährigen geben heute an, das Thema AIDS in der Schule behandelt zu haben, vor 10 Jahren waren es 88 Prozent.<br />

Schulische Sexualaufklärung gewinnt daher für die AIDS-Aufklärung immer mehr an Bedeutung“<br />

(BZgA „aktuell“, 11/08, S.2), was sich auch daran zeigt, dass die spezifischen Youthwork-<br />

Angebote der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. stabil bis vermehrt nachgefragt werden.<br />

87


Youthwork<br />

Der niedrigschwellige, emanzipatorische und akzeptanzorientierte Ansatz ist richtig. Repressive Ansätze sind eindeutig<br />

kontraproduktiv. Die besondere Akzeptanz dieses Ansatzes wird uns auch vor Ort durch Rückmeldungen, Resonanzen<br />

und Evaluationserfahrungen zu unseren Veranstaltungen in diesem Sektor (s. Abb. Veranstaltungsverteilung<br />

nach Arbeitsfeldern) bestätigt.<br />

Dem Rechnung tragend gestalten wir unsere AIDS-Prävention in sexualpädagogischem Kontext und<br />

zielen auf einen Dialog in offener und angstfreier Atmosphäre und ohne pädagogischen Zeigefinger.<br />

5.6.1 Veranstaltungsinhalte<br />

In aller Regel werden personalkommunikative Formen massenmedialen vorgezogen. Das erfordert allerdings auch eine jeweilige<br />

Reduktion auf zielgruppenadäquate und bedürfnisorientierte Themenbereiche. Um diese Reduktion pädagogisch verantwortungsvoll<br />

vornehmen zu können, finden entsprechende Vor- und Nachgespräche mit den Veranstaltungspartnern statt.<br />

Je nach Zielgruppe, Zugangsvoraussetzungen und Rahmenbedingungen können u.a. folgende Themenfelder behandelt<br />

werden :<br />

- Medizinisch, biologische Grundlagen zu HIV und AIDS, und andere STI`s (Virologie, Immunologie,<br />

...)<br />

- Verlaufsformen der HIV-Infektion<br />

- Aktueller Forschungsstand und Therapieansätze<br />

- Übertragungswege und –risiken<br />

- Infektionsschutzmöglichkeiten<br />

-Testverfahren und ihre Problematiken<br />

- Epidemiologische Entwicklung und daraus resultierende Präventionserfordernisse und –<br />

strategien<br />

- Lebenssituation von Betroffenen und An- oder Zugehörigen<br />

- Umgang mit HIV-positiven oder/und an AIDS erkrankten Menschen<br />

- Vorurteile gegenüber sog. Hauptbetroffenengruppen<br />

- Drogen- und Substitutionsproblematik<br />

- HIV und AIDS als gesellschaftliches Phänomen<br />

- Juristische und ethische Fragestellungen<br />

- Probleme in der Begleitung und Pflege<br />

- Sterbebegleitung, Tod und Trauer<br />

- Liebe, Sexualität und Partnerschaft<br />

- Probleme im Umgang mit der eigenen Sexualität<br />

- Homosexualität (Schwul-lesbische Aufklärungsarbeit)<br />

- Geschlechterrollen und ihre Problematiken<br />

- Normen, Werte und deren Wandel im Umfeld der Sexualität<br />

- u.a.m.


5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork<br />

AIDS-Präventionsveranstaltungen im<br />

Rahmen von Sexualpädagogik<br />

und ganzheitlicher Gesundheitsförderung<br />

Fort- und Weiterbildung für MultiplikatorInnen<br />

und LehrerInnen<br />

Beratung (telefonisch, persönlich,<br />

schriftlich und via Internet) für<br />

Jugendliche, Eltern, LehrerInnen,<br />

ErzieherInnen etc.<br />

Kooperation, Koordination und Vernetzung<br />

Geschlechtsspezifische Angebote für<br />

Mädchen und Jungen<br />

Wir bieten für Sie an:<br />

Beratung<br />

Einzel-, Paar, Gruppenberatung;<br />

-telefonisch<br />

-persönlich<br />

-schriftlich<br />

-via Internet<br />

Angebote<br />

Präventionsveranstaltungen<br />

Fort- und<br />

Weiterbildung<br />

Gruppenarbeit, Moderation, Workshop, Seminar, Expertengespräch,<br />

Diskussion, Projekt, Fachtagung,<br />

Event, Vortrag, Referat, Infostand etc.<br />

Kooperation,<br />

Koordination,<br />

Vernetzung<br />

Arbeitskreise, Gremien,<br />

Ausschüsse, Lobbyarbeit,<br />

etc.<br />

AIDS-präventive Veranstaltungen in sexualpädagogischem Kontext wurden von der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel<br />

e.V. für Schülerinnen und Schüler aller Regelschulformen sowie Kollegschulen durchgeführt. In der Regel werden<br />

unsere Angebote in den Jahrgängen ab der Klasse 8, in einzelnen begründeten Ausnahmen auch in jüngeren Jahrgängen<br />

platziert.<br />

Form und Inhalte werden jeweils bedürfnis- und lebensweltorientiert konzipiert. Das Angebotsspektrum reicht hier von<br />

Formen eines „Expertengespräches“ im Rahmen von Unterrichtsreihen vor unterschiedlichem Fachhintergrund bis<br />

hin zu Projekttagen und – wochen, die günstigenfalls außerhalb des Schulrahmens durchgeführt werden. Um darüber<br />

hinaus eine zumindest grobe Übersicht über das „Produkt Youthwork“, über Zielebenen, Methoden und Ansätze bekommen<br />

zu können, sei an dieser Stelle auf die Internetseite www.youthwork-nrw.de verwiesen.<br />

Mit dem Berichtsjahr 2010 blicken wir im Bereich Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung auf ein wieder<br />

einmal sehr aktives Jahr zurück. Weiterhin konzentrieren sich die schulischen Veranstaltungsanfragen stark auf das<br />

erste Halbjahr, allerdings im Vergleich zu den letzten Vorjahren nicht mehr so geballt auf das erste Quartal. Das Bemühen<br />

um terminliche Flexibilität von Seiten der Schulen ist weiter gewachsen. Unser Angebot scheint nach wie vor<br />

so attraktiv, dass hier Bewegung zu vernehmen ist.<br />

Angesichts der Größe des Zuständigkeitsgebietes, der wachsenden Bedarfe, der wachsenden Notwendigkeit, auch<br />

andere sexuell übertragbare Krankheiten einzubeziehen und der Einzigartigkeit des Youthwork-Angebotes in der Region<br />

haben wir in den letzten Jahren immer wieder die Sinnhaftigkeit bekräftigt, eine weitere Fachkraft zu gewinnen.<br />

Wünschenswert wäre insbesondere eine Youthworkerin, die sich verstärkt der Mädchenarbeit widmen könnte. Zumindest<br />

phasenweise und themenabhängig sind geschlechtsspezifische Angebote und Arbeitsweisen im Bereich der<br />

Sexualpädagogik wichtig.<br />

Die `Sinnhaftigkeit´ beginnt gewissermaßen bei dem Eindruck, dass Defizite bzgl. des individuellen Körperbewusstseins<br />

und –verständnisses aus Sicht des Verfassers eher zunehmen und Basiskenntnisse zu Körperbau und –<br />

funktionen, die zum Verstehen von sexuellen Vorgängen unentbehrlich sind, oft nur rudimentär vorhanden sind. Dies<br />

gilt allerdings durchaus für beide Geschlechter.<br />

Darüber hinaus können wir uns mit unseren Kapazitäten leider nicht im gewünschten Maße um sozial benachteiligte<br />

Schüler/innen kümmern, die nicht nur, aber gewiss mit höherer Quote in Haupt- und Förderschulen anzutreffen sind,<br />

für die die beschriebenen Defizite in besonderem Maße gelten und die bei den STI-Inzidenzen eine Rolle spielen.<br />

89


Youthwork<br />

Nach den sehr guten Erfahrungen aus dem Vorjahr, in dem wir mit unserer ehemaligen Fachkraft im Bereich „Frauen<br />

& AIDS“ und „AIDS & Migration“, der Diplom-Pädagogin Anika Walther, auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung<br />

im Umfang von sechs Wochenstunden eine zusätzliche Kraft ein<br />

gestellt hatten, mussten wir im Berichtsjahr leider erneut handeln, da Frau Walther in eine weitere Erziehungsurlaubsphase<br />

ging. Aber auch hier war uns das Glück beschieden, diesen Ausfall durch unsere Ex-Praktikantin, die Soziale<br />

Arbeit studierende Sandra Kohlhase, als Honorarkraft weitgehend aufzufangen.<br />

Mit unserer Praktikantin Yvonne Leuverink, ebenfalls Studentin der sozialen Arbeit, konnten wir im ersten Quartal<br />

sogar ein weiteres Projektangebot für Schulen unterbreiten. Das im Wesentlichen von Frau Leuverink konzipierte<br />

Präventionsprojekt „No drugs – no party?“, welches für Klassen der Jahrgangsstufe 9 neben dem Schwerpunkt<br />

auf der (Party-) Drogenprävention auch Risiken und Nebenwirkungen hinsichtlich der Sexualität aufgriff, wurde erfreulich<br />

gut nachgefragt – insbesondere von Duisburger Gesamtschulen.<br />

Grundsätzlich aber konstatieren wir für den Arbeitsbereich weiterhin knappe personelle Ressourcen und somit bleibt<br />

die Einbindung und entsprechende Qualifizierung von ehrenamtlichen Kräften und Multiplikator/innen ein zentrales<br />

Anliegen der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.<br />

Unser Dank gilt hier insbesondere den aktiven HIV-positiven Ehrenamtler/innen, die sich immer wieder bereit erklären,<br />

in authentischer Weise zur Frage „HIV-positiv sein – was heißt das?“ Rede und Antwort zu stehen. Die Einbeziehung<br />

dieser Selbsthilfeaktivisten ist hier, wie bei Bedarf auch zum Thema „Homosexualität“ fester Bestandteil vieler<br />

Präventionsveranstaltungen. Der besondere Wert dieser Authentizität wird uns auch immer wieder rückgemeldet.<br />

Hier gilt auch den Mitarbeitern des Herzenslust-Teams ein herzliches Dankeschön.<br />

Den von uns (mit-) initiierten Präventions-Vernetzungen in Duisburg und für die Region um Dinslaken kommen<br />

ebenfalls besondere Bedeutungen zu. Dabei geht es uns vor allem darum, über Multiplikator/innen eine kontinuierliche<br />

Präsenz der Präventionsthemen in den Institutionen zu schaffen und von `nur´ punktuellen Veranstaltungen wegzukommen.<br />

Durch die Vernetzung und die damit verbesserte Kooperation und Koordinierung werden Synergieeffekte<br />

erzielt. Durch begleitende Öffentlichkeitsarbeit wird für die potentiellen Kunden mehr Transparenz zu den Präventionsangeboten<br />

geschaffen und den Schülerinnen und Schülern die Beratungseinrichtungen und ihre Mitarbeiter/innen<br />

bekannt gemacht. Leider läuft der AK ProVer in Dinslaken zuletzt eher auf Sparflamme, aber immerhin bleiben die<br />

guten Vernetzungskenntnisse und –effekte erhalten.<br />

Wir konstatieren weiterhin insbesondere Defizite im Bereich von sprachlichen und kommunikativen Kompetenzen im<br />

Feld von Liebe, Sexualität und Partnerschaft. Ein Erklärungsansatz mag in der neuartigen Nutzung von virtuellen Medien<br />

und den damit verbundenen spezifischen Kommunikationsmustern zu finden sein (SMS, Messenger- und Chat-<br />

Plattformen, …). Ein anderer Ansatz ist uralt, nämlich dass auch heute der Eintritt in das Abenteuer „Liebe, Sex und<br />

Partnerschaft“ immer noch mit ganz viel Aufregung, Nervositäten und auch Ängsten und Sorgen verbunden ist, trotz<br />

oder gerade wegen der vermeintlichen Banalisierung der Thematik durch vielfältige einschlägige Medien, die den Jugendlichen<br />

vermeintliche Realitäten und / oder Normalitäten vorspiegeln. Hier ist einfühlsame Sexualpädagogik gefordert.<br />

Nach unserer Auffassung sind hierzu die Informations- und Vermittlungsmethoden und der Zeitpunkt der thematischen<br />

Auseinandersetzung von entscheidender Bedeutung. Die Erkenntnis ist nicht neu, dass AIDS-Prävention mit<br />

Jugendlichen im Kontext von Sexualpädagogik anzusiedeln ist, dass personalkommunikative Methoden (d.h.<br />

„Veranstaltungen von Mensch zu Mensch“, vgl. BzgA-Ansatz), die an der Lebenswelt der Schüler/innen orientiert und<br />

hinsichtlich der ersten Erfahrungen zeitnah zu platzieren sind, massenmedialen oder eindimensionalen Vermittlungsformen<br />

vorzuziehen sind, bzw. diese unbedingt ergänzen sollten (vgl. Entwurf zum Landespräventionskonzept o.).<br />

In den Jahrgangsstufen bis zur 10. Klasse erscheint uns zudem eine – zumindest phasenweise und themenabhängige<br />

– geschlechtergetrennte Bearbeitung sinnvoll (vgl. o.). Hier müssen einfach die nicht selten durchaus großen Unterschiede<br />

im Reife- und Erfahrungsgrad zwischen Mädchen und Jungen einer Jahrgangsstufe Berücksichtigung<br />

finden. In Anwesenheit des anderen Geschlechtes fällt es manchmal schwerer, in offene und ehrliche Kommunikationsprozesse<br />

hineinzufinden.<br />

Erst recht, wenn die eigene Identitätsfindung (Wer bin ich? Was mag ich? Was mag ich nicht? …) noch in vollem<br />

Gange ist. Dennoch sind angesichts der mehrheitlich heterosexuellen Orientierungen, Erfahrungen gelingender Kom-


munikation zwischen den Geschlechtern unentbehrlich und nicht zuletzt besonders wichtig für die Verabredung von<br />

Verhütungsmethoden, für die Durchsetzung individueller Schutzbedürfnisse.<br />

Verstärkt wird der Trend zu problematischer bzw. nicht erfolgreicher Face-to-face-Kommunikation durch die rasante<br />

Nutzung der neuen Medien zur Kontaktanbahnung oder für Verabredungen. Die anfängliche Anonymität wird einerseits<br />

sehr geschätzt, aber andererseits auch zunehmend missbraucht. Der Ansatz, kommunikative Kompetenzen zu<br />

fördern wird aus unserer Sicht immer wichtiger (vgl. o.).<br />

Es bleibt dabei, Emanzipation, Selbstbewusstsein und –bestimmung mit sozialer Verantwortung und solidarischem<br />

Handeln in Einklang zu bringen, ist eine zentrale Aufgabe von Erziehung, (Aus-) Bildung und Präventionsarbeit.<br />

Auch vor diesem Hintergrund ist eine optionale Einbeziehung des Spezialthemas „Homosexualität“, welches durch<br />

die Richtlinien zur Sexualerziehung zum verbindlichen Thema aufgewertet wurde, wichtig. Die nach wie vor stark klischeegeprägte<br />

Vorstellung vom „Schwul-Sein“ gilt sehr häufig geradezu als das Antivorbild für Jungen. Trotz aller<br />

gesamtgesellschaftlichen Fortschritte im Feld der Akzeptanz und Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen,<br />

gilt es hier aus Sicht des Verfassers sehr genau zu beobachten und frühzeitig den Anfängen neuer Diskriminierungstendenzen<br />

zu wehren.<br />

Hier sei wieder einmal der Hinweis gestattet, dass beim Youthworker<br />

der AIDS-Hilfe Duisburg /Kreis Wesel e.V. die sog. „SCHLAue Kiste“<br />

des Gesundheitsministeriums NRW mit Medien und Materialien zur<br />

schwul-lesbischen Aufklärungsarbeit prinzipiell auszuleihen ist. Darüber<br />

hinaus können über den Youthworker der AIDS-Hilfe (ggf. im Verbund<br />

mit dem „Herzenslust-Team der AH) Multiplikatorenfortbildungen zu<br />

diesem Themenfeld vereinbart werden.<br />

Durch Veranstaltungen im Sektor Youthwork und Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung konnten<br />

wir im Berichtsjahr 6.070 Personen mit personalkommunikativen Formen erreichen, davon 168 sog. Multiplikator/<br />

innen (Lehrkräfte und sonstige Pädagog/innen sowie ehrenamtliche Mitarbeiter/innen). Allein im schulischen Bereich<br />

(-> Youthwork-Angebote) erreichten wir in 24 Schulen 1930 Jugendliche aus allen Schulformen, über 510 in außerschulischen<br />

Zusammenhängen wie offener Jugendarbeit u.a. und 3300 Jugendliche im Rahmen von personalkommunikativen<br />

Formen bei Großveranstaltungen (wie z.B. bei der LoveParade). 35 % der Jugendlichen kamen aus<br />

dem Alterssegment zwischen 14 und 17 Jahren, 22 % der Jugendlichen hatten einen Migrationshintergrund.<br />

5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche und Multiplikatoren<br />

Erfreulich war auch in diesem Berichtszeitraum erneut die Nachfrage nach Präventionsberatungen von Schüler/<br />

innen, die für Fach- oder Projektarbeiten unseren Rat suchten. Dies ist gewiss auch als Zeichen zu deuten, dass die<br />

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bei vielen Schulen als gute und wichtige Anlaufstelle bekannt ist. Über das<br />

direkte Aufsuchen lassen sich im Übrigen leicht denkbare Schwellenprobleme abbauen. Zudem können wir hierüber<br />

natürlich auch unsere Youthwork-Angebote bekannt machen.<br />

Aus dem Bereich berufsbildender Einrichtungen (z.B. Berufskollegs, insbesondere der Sektor der sog. Berufsgrundschuljahre)<br />

gab es im Berichtsjahr stabil hohe Anfragen zu vermerken. Hier finden wir in der Regel wichtige Zielgruppen;<br />

Jugendliche im Alter zwischen 16 und 25 Jahren, die oftmals problembehaftete Sozialisationen und einen geringen<br />

Grad an Aufklärungsniveau (z.T. auch migrationsbedingt) aufweisen.<br />

Bis auf einzelne Ausnahmen – vorwiegend im Zusammenhang mit schulischen Projekttagen und im Umfeld des Welt-<br />

AIDS-Tages – sind direkte Kooperationen mit Einrichtungen der offenen Jugendarbeit eher selten. Dass wir hier allerdings<br />

auch keine Offensiven starten konnten, hat unsererseits einfach mit Kapazitätsgrenzen zu tun. Erwähnenswert<br />

in diesem Zusammenhang ist allerdings das tolle Angebot insbesondere für Jugendliche im Rahmen des großen Aktionstages<br />

zum Welt-AIDS-Tag im Duisburger FORUM (s. 4.4., z.B. die „Orientierungsrally“), welches in diesem Jahr<br />

von Gruppen vieler verschiedener Schulen wahrgenommen wurde.<br />

91


Youthwork<br />

5.6.4 Multiplikatoren- und Erwachsenenbildung<br />

Wie bereits erwähnt, investiert die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. viel in die Aus- und Weiterbildung ihrer<br />

ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen, ohne die einfach die Vielzahl an Anfragen auch aus diesem Präventionsfeld<br />

nicht befriedigt werden könnten. Dies ist und bleibt eine wichtige Aufgabe, der wir uns gerne widmen. Dazu führen wir<br />

u.a. alljährlich intensive Grundlagenausbildungen (s. 6.) im Verbund mit drei anderen Ruhrgebiets-AIDS-Hilfen durch,<br />

um darüber einerseits den Ehrenamtler/innen eine Möglichkeit zu bieten, ein Einsatzfeld zu finden, dass Ihren Ressourcen,<br />

Fähigkeiten und Neigungen entspricht und andererseits sie gemäß unserer Qualitätsstandards auszubilden<br />

und zu rüsten und die vorhandene Motivation zu stärken. Es spricht vieles dafür, ehrenamtliche Ressourcen gerade<br />

auch im Bereich der (Primär-) Präventionsarbeit weiter zu mobilisieren und zu qualifizieren, z.B. für den peer-to peer-<br />

Ansatz. Die aktiven Ehrenamtler/innen sind unsere wichtigste Ressource und die wichtigsten Multiplikator/innen.<br />

Eine weitere ganz wichtige Gruppe von potentiellen MultiplikatorInnen sind in diesem Präventionsfeld natürlich die<br />

Lehrenden in schulischen und außerschulischen Einrichtungen. Die Anfragen nach Lehrerfortbildungen im Hinblick<br />

auf und im Vorfeld von Projektformen bleiben allerdings weiterhin noch hinter den Vorjahren zurück. Dies hat unter<br />

anderem mit den vielfältigen Veränderungen im Schulbereich mit erheblichen Zusatzbelastungen für die Lehrkräfte<br />

zu tun. Fortbildungen, die mit Unterrichtsausfall verbunden sind, sind nicht leicht zu installieren. Dies hat auch damit<br />

zu tun, dass wir überwiegend bei z.T. schon sehr lange etablierten Projekten agieren und hier nicht mehr viel Überzeugungsarbeit<br />

leisten müssen. Natürlich wäre eine Ausweitung des Angebotes (s.o.) wünschenswert, aber wir sind<br />

nach wie vor froh, wenn wir mit unseren begrenzten Ressourcen die Nachfragen weitestgehend bedienen können.<br />

Das Themenspektrum reicht hier von der Präsentation des aktuellen Wissensstandes zu HIV und AIDS über die epidemiologische<br />

Entwicklung und daraus resultierender Präventionskonsequenzen und –strategien bis hin zu Aspekten<br />

spezieller Fortbildung im Feld der Kommunikation, wie Gesprächsführung und Moderation.<br />

Auch vor diesem Hintergrund erweisen sich die erwähnten Präventionsvernetzungsaktivitäten als höchst sinnvoll.<br />

Darüber lassen sich Synergieeffekte erzielen, mittelfristig gesehen Ressourcen zusammenführen und nicht zuletzt<br />

Chancen eines ökonomischeren Haushaltens mit den vorhandenen Kapazitäten entwickeln.<br />

Umso mehr gewinnt das Feld der Multiplikatorenausbildung an Bedeutung. Ein zentrales Anliegen ist es, die Präventionsthemen<br />

und die damit verbundenen Ziele an Schulen und in außerschulischen (Jugend-) Einrichtungen möglichst<br />

ganzjährig zu platzieren. Geschulte Pädagog/innen, Erzieher/innen oder Sozialarbeiter/innen und –pädagog/<br />

innen sollten diese repräsentieren, zumindest mit Verweisungskompetenzen ausgestattet sein und als AnsprechpartnerInnen<br />

für die Jugendlichen bekannt sein / werden.<br />

Einmal mehr gut angenommen wurde hier wieder die im Berichtsjahr angebotene 9. Fachtagung des Präventions-<br />

Vernetzungskreises Duisburg am 05. Mai. Unter dem Titel „Jugend, Kulturen, Jugendkulturen …“ befassten sich<br />

fast 80 Teilnehmer/innen schwerpunktmäßig mit aktuellen Trends und Bewegungen und lernten neben inhaltlichen<br />

Anregungen und methodischen Zugangsformen die Präventionsinfrastruktur in Duisburg kennen.<br />

Der Vernetzungskreis „ProVer“ für die Region um Dinslaken hat sich auf einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch (2<br />

x p.a.) verständigt, mehr ist zur Zeit leider nicht leistbar. Dennoch erweist sich der gepflegte Kontakt als ungemein<br />

sinnvoll, weil einige Kooperationen über das Jahr verteilt so leichter einzustilen und zu verabreden sind.<br />

5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung<br />

Hier sind im Wesentlichen Fortbildungsveranstaltungen in Krankenpflegeschulen, bei sonstigen Pflegeanbietern und<br />

im medizinischen Versorgungssystem verortet. In diesem Bereich verzeichnen wir sehr stabile Nachfragen und hocherfreuliche<br />

Rückmeldungen. Insbesondere wird geschätzt, dass wir von der medizinischen Seite bis zu den Tiefen im<br />

psychosozialen Bereich die ganze Bandbreite des komplexen Themenfeldes rund um das Phänomen „HIV / AIDS<br />

und andere sexuell übertragbare Krankheiten“ abdecken können. Nicht zuletzt auch in diesem Tätigkeitsfeld bewährt<br />

sich das „3-Säulen-Modell AIDS-Hilfe“ mit der Verbindung von Selbsthilfe-, Interessen- und Fachverband sowie der<br />

Ansatz der Strukturellen Prävention immer wieder aufs Neue.


5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten<br />

Anzuführen sind hier für den Stelleninhaber :<br />

- Beteiligung an der Grundlagenausbildung für EhrenamtlerInnen in der Ruhrgebietsvernetzung der<br />

AIDS-Hilfen<br />

- Präventionsvernetzungsarbeit im Kreis Wesel und Duisburg<br />

- Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bei den NRW-Youthworker-Arbeitskreisen und<br />

dem Youthwork-Qualitätszirkel<br />

- Evaluation im Rahmen des Verfahrens beim Youthwork-Förderprogramm-Controlling des MAGS /<br />

MGEPA, NRW<br />

- Beratung / Information für Zeitungs- und Radio-Redaktionen sowie für politische Entscheidungsträger<br />

- Koordinierung von haupt- und ehrenamtlichen Einsätzen bei Informations- und Präventionsprojekten<br />

- Einarbeitung in und Bereitstellung von Materialien für Lehrende und Multiplikator/innen<br />

- Beratung von pädagogischen Fachkräften bzgl. der Unterrichts- oder Projektgestaltung zum Thema<br />

HIV / AIDS und anderer STI`s<br />

- Telefonische und persönliche Informations- und Beratungsgespräche<br />

- E-mail Beratung<br />

- Unterstützung von Jugendvertretungs- und SchülerzeitungsredakteurInnen<br />

- Geschäftsführung<br />

- u.a.m. (Vgl. 4. Öffentlichkeitsarbeit)<br />

Abb.:<br />

Veranstaltungsverteilung<br />

nach Arbeitsfeldern<br />

93


Ehrenamtliche Mitarbeit<br />

6. Ehrenamtliche Mitarbeit<br />

6.1. Begleitung der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen<br />

Im Berichtsjahr waren weiterhin 26 Personen ehrenamtlich für die AIDS-Hilfe tätig, da die Zahl der ausscheidenden<br />

Mitarbeiter durch neue Interessierte ausgeglichen werden konnte.<br />

Die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen engagieren sich in den vielfältigen Aufgabengebieten der AIDS-Hilfe. Diese umfassen<br />

die Begleitung, Knastarbeit, Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit, Herzenslust, Substitutionsvergabe, Telefon<br />

- und E-Mail-Beratung, Chat-Beratung, Vorstandsarbeit, Freitagsfrühstück, Substitionsfrühstück und Weihnachtsfeier.<br />

Einige ehrenamtliche MitarbeiterInnen arbeiten in mehreren Bereichen, andere unterstützen die Arbeit der AIDS-Hilfe<br />

punktuell.<br />

Die ehrenamtlichen MitarbeiterInnnen sind in den unterschiedlichsten Berufen aktiv, sind HIV-negativ oder HIVpositiv,<br />

setzen sich aus Frauen und Männern aus allen sozialen Lebensbereichen zusammen und stammen aus den<br />

unterschiedlichsten politischen Richtungen. Dies bedeutet für die Arbeit der AIDS-Hilfe einen enormen Erfahrungsschatz,<br />

der in unsere Arbeit mit einfließt.<br />

Eine Möglichkeit des Austausches bietet weiterhin unser Mittwochs-Café (siehe auch Punkt 3.5). Hier ist der zentrale<br />

Anlaufpunkt, um sich mit Betroffenen zu treffen oder sich untereinander oder mit den hauptamtlich Tätigen auszutauschen.<br />

Im Berichtsjahr fanden – wie in 2008 beschlossen - im Anschluss an das Mittwochs-Café zwei Aktiventreffen (Juni<br />

und Oktober) und ein „Sonder-Aktiventreffen“ (Dezember) statt. Das Juni Aktiventreffen soll schwerpunktmäßig für<br />

die Vorbereitung des Duisburger CSD bzw. des Straßenfestes, das Treffen im Oktober zur Bekanntgabe der Aktivitäten<br />

und zur Werbung von ehrenamtlicher Teilnahme am Welt-AIDS-Tag genutzt werden.<br />

In diesem Jahr ging es im Juni Treffen zum einen um die Vorstellung der geplanten Aktionen zur Loveparade am<br />

24.07.10. Ein weiteres Thema war der von AkDuLuS abgesagte CSD in Duisburg. Hier ging es darum, ein Votum<br />

einzuholen, ob es genügend Helfer aus Reihen der AIDS-Hilfe für ein alternativ stattfindendes schwul-lesbisches<br />

Sommerfest gibt. Es meldeten sieben TeilnehmerInnen ihr Interesse an und es wurde beschlossen, das Sommerfest<br />

durchzuführen.<br />

Im Oktober-Treffen ging es um die WAT-Planung und die Organisation der Weihnachtsfeier. Als weiterer Punkt wurde<br />

unser 25-jähriges Jubiläum im Jahr 2011 besprochen und die ersten Planungen vorgestellt.<br />

Beide Aktiventreffen waren mit 12 Personen gut besucht.<br />

Das Dezember-Aktiven-Treffen ist traditionell als Termin für den Dank an die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen für Ihre<br />

geleistete Arbeit bestimmt. An diesem Termin kochten die hauptamtlichen MitarbeiterInnen für die ehrenamtlichen<br />

MitarbeiterInnen. Der Abend bot wieder die Möglichkeit, sich bei kulinarischen Genüssen in gemütlicher Atmosphäre<br />

über den Verlauf des Jahres auszutauschen. Hierbei ist von Vorteil, dass das gesamte Team hobbykochmäßige und<br />

darüber hinaus gehende Fähigkeiten vorzuweisen hat.<br />

6.2. Schulung und Fortbildungen für ehrenamtliche MitarbeiterInnen<br />

Anfang des Jahres hat eine Ehrenamtlerschulung für zukünftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kooperation mit<br />

den AIDS-Hilfen Bochum, Essen und Oberhausen stattgefunden. Die Schulung bestand aus sieben Abendterminen<br />

und zwei Ganztagesveranstaltungen, die mit folgenden Themen und Zeitrahmen konzipiert waren:<br />

Termin Zeitrahmen Inhalt<br />

Mo 11.01.2010 19.00 – 21.30 Uhr Grundlagenwissen Teil 1<br />

Mo 18.01.2010 19.00 – 21.30 Uhr Grundlagenwissen Teil 2<br />

Mo 25.01.2010 19.00 – 21.30 Uhr MSM Lebenswelten, männliche<br />

Prostitution<br />

Mo 01.02.2010 19.00 – 21.30 Uhr Positiv Sein – Was heißt das? –<br />

AIDS verändert sein Gesicht<br />

Mo 08.02.2010 19.00 – 21.30 Uhr Sexuell übertragbare Krankheiten<br />

Sa 20.02.2010 10.00 – 18.00 Uhr Kommunikation und Wahrnehmung<br />

So 21.02.2010 10.00 – 18.00 Uhr Liebe, Sexualität und Partnerschaft<br />

Mo 01.03.2010 19.00 – 21.30 Uhr Frauen und AIDS / weibliche<br />

Prostitution<br />

Mo 08.03.2010 19.00 – 21.30 Uhr Illegalisierte Drogen, Knast und<br />

Substitution


Im Vergleich zum Vorjahr wurde den Bereichen „Schwules“ und „Frauen“ mit den entsprechenden Prostitutionsangeboten<br />

wieder jeweils eine komplette Schulungseinheit eingeräumt, da sich gezeigt hatte, dass die Themen für einen<br />

gemeinsamen Block zu umfangreich waren.<br />

Von unserer AIDS-Hilfe waren drei TeilnehmerInnen vertreten und wir gratulieren zu erfolgreich durchlaufener Schulung<br />

Sandra Kohlhase, Anette Fiering und Thomas Hammer. Insgesamt hatte die Schulung 12 TeilnehmerInnen, wobei<br />

die meisten von der AIDS-Hilfe Oberhausen stammten. In der Nachbetrachtung wurde von den durchführenden<br />

AIDS-Hilfen festgestellt, dass es sich um eine sehr stabile Gruppe handelte und die TeilnehmerInnen mit großem<br />

Interesse bei der Sache waren. Obwohl die AIDS-Hilfe Essen keine Teilnehmerin oder Teilnehmer hatte, will sie sich<br />

weiter personell und konzeptionell an der Neuenschulung beteiligen und es wurde eine neue Schulung beginnend<br />

ab Januar 2011 geplant.<br />

Von unserem Ehrenamtlerkoordinator wurden Mappen für die zukünftigen EhrenamtlerInnen mit Wegbeschreibungen<br />

zu den einzelnen AIDS-Hilfen und Evaluationsbögen zu den Schulungseinheiten zusammengestellt. Die Anwesenheit<br />

wurde von ihm nachgehalten, da die TeilnehmerInnen, die an 80 vH der Schulung teilgenommen hatten, am<br />

Ende ein Zertifikat erhielten. Dieses wurde auch von unserer AIDS-Hilfe erstellt und am letzten Abend bei Erfüllung<br />

der vorgenannten Kriterien den TeilnehmerInnen überreicht. Des Weiteren wurden vom Ehrenamtlerkoordinator die<br />

Evaluationsbögen ausgewertet.<br />

Von den neun Schulungseinheiten war bei acht mindestens ein Referent unserer AIDS-Hilfe tätig.<br />

6. 3 Externe Fortbildungen<br />

Weiterhin besteht in unserer Einrichtung ein Fortbildungsetat für ehrenamtliche und hauptamtliche MitarbeiterInnen.<br />

Nicht nur im eigentlichen HIV/AIDS-Bereich, sondern auch bei anderen sexuell übertragbaren Krankheiten und in der<br />

Sozialgesetzgebung ergeben sich immer schneller Veränderungen. Fortwährende Weiterbildungen garantieren somit<br />

eine kompetente und aktuelle Beratung.<br />

In Kooperation mit der AIDS-Hilfe Oberhausen führten wir je ein Fachgespräch in Oberhausen und Duisburg durch<br />

(näheres im Kapitel Öffentlichkeitsarbeit).<br />

6.4 Ehrung von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen<br />

Wie im Geschäftsbericht schon erwähnt, wurden im Berichtsjahr Tom Schachten von der AIDS-Hilfe NRW mit dem<br />

Ehrenamtspreis „Merk-würdig“ und Christa Lemm vom paritätischen Wohlfahrtsband geehrt.<br />

6. 5 Sonstiges<br />

Im September wurde von einigen ehrenamtlichen MitarbeiterInnen ein Grillfest veranstaltet. Hier kam es zum geselligen<br />

Austausch der ehrenamtlichen Mitarbeiter untereinander.<br />

95


Verwaltung<br />

7. Bericht der Verwaltung<br />

Finanzbuchhaltung<br />

Doppelte Buchführung, Kontierung, Monats- / Jahresabschluss, Erstellung der jährlichen Einnahme-Überschuss-<br />

Rechnung und Mitarbeit bei der Erstellung des jährlichen Haushaltsplanes der AIDS-Hilfe, Erstellung von Quartalsübersichten,<br />

Kontoführung, Beleg- und Rechnungsprüfung, ordnungsgemäße Belegablage, allgemeiner Finanzverkehr,<br />

Korrespondenz<br />

Kasse<br />

Verwaltung von Bargeld (Einnahmen und Ausgaben), Ausstellen von Quittungen, Belegprüfung, Kassenbuchführung,<br />

Monatsabschluss, Kassenabstimmung<br />

Personalwesen<br />

Personalführung: Lohn-/Gehaltskarten, Fehlkarten (für Urlaub, Sondertage, Krankheitstage) Lohnsteuerkarten, Versicherungsnachweis,<br />

Lohn-/Gehaltsabrechnung;<br />

Krankenkassen: An-/Abmeldungen, Beitragsrechnung zur Sozialversicherung (Kranken-/ Renten-/<br />

Arbeitslosenversicherung);<br />

Finanzamt: monatliche Lohnsteueranmeldung und Abführung der Lohn- und Kirchensteuer;<br />

EDV-Gehalts-Service: Prüfung der Abrechnungs-Journale, Kostenverteilung, Meldungen und Beiträge an die Berufsgenossenschaft,<br />

Fahrt- und Reisekostenabrechnungen;<br />

Personalmittel: Anträge an Bund, Land NRW und Kommunen, Zuwendungsbescheide, Verwendungsnachweise, Verwaltungsarbeiten<br />

im Bereich Zivildienst (Personalaktenführung, Soldabrechnung);<br />

Arbeitszeitnachweis: monatliche Ausrechnung der Soll-/Ist-/Überstunden für Mitarbeitende;<br />

Bußgeldauflagen<br />

vom Land-/Amtsgericht zugunsten der AIDS-Hilfe; Kontrolle der Bußgeld- bzw. Bußgeldratenzahlungen, Verwendungsnachweise<br />

der Bußgelder gegenüber dem Gericht, Korrespondenz<br />

Vereinsmitglieder<br />

Kontoführung über gezahlte Vereinsbeiträge, Mahnungen bei Nichtzahlung, Zuordnung neuer Mitglieder, Nummernvergabe,<br />

Mitgliedschaftsbestätigungen<br />

Spenden<br />

Vor- und Nachbereitung der rechtlichen und organisatorischen Spendenformalitäten (z. Bsp. bei Veranstaltungen und<br />

Straßensammlungen; Sammelerlaubnis; Einnahmemeldungen), Dankschreiben und Ausstellung von Spendenbescheinigungen,<br />

Akquise von Spenden allgemein und zweckgebundenen Spenden (z. Bsp. Positivenfreizeit)


Terminsachen<br />

Einhaltung von Terminen bei Korrespondenz und Zahlungen, z. Bsp. Mitgliedsbeiträge der AIDS-Hilfe an diverse Organisationen<br />

und Vereine, Versicherungen, Kfz-Steuer, Lohnsteuer, Krankenkassenbeiträge, Lohn- und Gehaltsüberweisungen,<br />

Verwendungsnachweise, Mieten<br />

Schreibarbeiten<br />

allgemeine Korrespondenz, Protokolle. Konzepte, Statistik, etc...<br />

Zusätzliche Bürotätigkeit<br />

Einkauf von Büromaterial, Inventarbeschaffung, Spritzen, Tupfer, Kondome, Schleifen, telefonische Beratungsgespräche,<br />

Überbrückung von Wartezeiten bei Klienten und bei Krisenintervention, Vorbereitung für die Jahreshauptversammlung<br />

der Vereinsmitglieder<br />

Wochenendvergabe Methadon<br />

Organisation der Wochenendvergabe, am Freitag bzw. vor Feiertagen Erstellen der Listen mit den Klienten für die<br />

Methadonvergabe in der AIDS-Hilfe. Annahme des Methadons von den Apotheken und Aufteilung nach den Vergabeterminen.<br />

Abgabe der Kassetten mit dem Methadon bei der Kriminalpolizei.<br />

Sonstiges<br />

Teilnahme an Teamsitzungen (wöchentlich), Supervision (monatlich), Fortbildungsseminare für den Bereich Personalwesen,<br />

Telefondienst, Spritzentauschprogramm<br />

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