ahdukw-jb2011.pdf

raphael12130

Der Vorstand der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. stellt sich vor:

seit

1997

Rolf Ringeler

Vorstandsvorsitzender

seit

2005

Rainer Wille

stellvertretender

Vorsitzender

seit

2003

Peter Külpmann

Kassenwart

seit

2005

Silke Stützel

erste Beisitzerin

seit

2011

Thomas Hilgers

zweiter Beisitzer

2


Das Team der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. stellt sich vor:

seit

8.1997

Dietmar Heyde

Youthwork

Prävention in der

Allgemeinbevölkerung

Öffentlichkeitsarbeit

Geschäftsführung

seit

11.2000

Rüdiger Wächter

Begleitung von Menschen

mit HIV und

AIDS

Herzenslust Koordinator

seit

4.1998

Ralf Runniger

Begleitung von Menschen

mit HIV und

AIDS

seit

9.2003

Werner Garbe

Verwaltung und

Organisation

Prävention für Menschen

in Haft

Koordination Beratung

Drogen

Ehrenamtlerkoordination

Beratung

seit

11.2009

bis

11.2011

Petra Kurek

Begleitung von Menschen

mit HIV und

AIDS

Frauen

Migration

XXelle Koordinatorin

seit

10.2

000

Uwe Altenschmidt

Teamleitung

Herzenslust

seit

4.20

11

Sandra Kohlhase

Sozialpädagogin (BA)

im Anerkennungsjahr

Youthwork u.a.

Raphael Diaz Fernandez

seit

10.2010

bis

8.2011

Zivildienstleistender

3


Geschäftsbericht

1. Geschäftsbericht

Das Berichtsjahr 2011 stand ganz im Zeichen eines

besonderen Jubiläums:

25 Jahre AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. – oder:

25 Jahre „AIDS-Hilfe Stadt, Land, Fluss“ –

so wird unsere Einrichtung inzwischen nicht selten

- auch dank unserer unermüdlichen Hinweise

auf unser Zuständigkeitsgebiet – auf Verbandsebenen

benannt. Damit ist tatsächlich ein bundesweites

Alleinstellungsmerkmal verbunden, sind wir

doch dem Namen nach die einzige AIDS-Hilfe, die

sowohl für eine Großstadt als auch für einen Flächenkreis

zuständig ist. Das vermittelt in der Tat

interessante, weil in Teilen sehr unterschiedliche

Eindrücke. Ja - es gibt in einigen Bereichen ein

Stadt-Land-Gefälle (z.B. hinsichtlich der Akzeptanz

von und Offenheit gegenüber gleichgeschlechtlichen

Lebensweisen) und Ja - der große Fluss

„Rhein“ teilt die Region in verschiedentlich unterschiedliche

„Mentalitätszonen“. Das macht die

Arbeit durchaus reizvoll und nicht selten geradezu

amüsant, es erfordert aber auch eine besondere

Flexibilität hinsichtlich der Anpassung jeweils ziel

gruppenorientierter Präventionsstrategien, was

angesichts der Vielfalt an Themen und Zielpersonen

und –gruppen eh schon ein Qualitätsmerkmal,

aber auch ein positiver Reizfaktor unserer

Arbeit ist.

25 Jahre strukturelle Prävention von A – Z

Mit einer –für die Größe und die Einwohnerzahl

der Region- vergleichsweise kleinen Mannschaft

von ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen

halten wir im Kontext der (sexuellen) Gesundheitsförderung

im wahrsten Sinne Angebote

von A – Z vor. Vom Einsatz für die Akzeptanz

von Lebensweisen und besonders für die von HIV

und AIDS betroffenen oder bedrohten Menschen

bis hin zur Zielgruppenspezifischen AIDS- und STI

-Prävention reicht das Spektrum unserer Tätigkeitsfelder.

In der vorangestellten Abbildung findet

sich ein ausgewähltes Spektrum an zentralen

Begrifflichkeiten für unsere Arbeit – bei weitem

nicht vollständig. In der Sammlungsphase sind wir

auf über 150 Begriffe gestoßen und haben tatsächlich

jeden Buchstaben des Alphabetes belegen

können (mehr zum Jubiläum, s. 4.2.1.).

6


30 Jahre Beschäftigung mit dem Phänomen

HIV / AIDS

30 Jahre nach den ersten öffentlichen Erwähnungen

von HIV/AIDS vom Juni 1981 ist die öffentliche

Diskussion leiser geworden – und das ist gut

so! Denn wir erinnern uns nur ungern an die Panik

und Hysterie der 80er, die für einen offenen

Umgang mit dem Thema für Menschen mit HIV

und AIDS nicht gerade förderlich war. Seitdem ist

vieles erreicht – vieles besser geworden. Nicht

zuletzt die therapeutischen Optionen, die im Spiegel

der Medizingeschichte in einem geradezu rekordverdächtigen

Tempo erreicht wurden. Die

Intensität der Forschung auf dem Gebiet der HIV-

Therapie sucht sicher ihres gleichen bei anderen

Krankheitsbildern. Wir sind auf dem Wege zu einer

„normalen“, chronischen Erkrankung und unter

der Bedingung, dass Menschen mit HIV Zugang

zu den hoch wirksamen Kombinationstherapien

haben, können diese eine annähernd

„normale“ Lebenserwartung erzielen. Insofern

könnten wir eigentlich recht zufrieden sein und

die Erinnerung ruhen lassen, wäre da nicht das

ebenso einzigartige andere Gesicht dieser

„Krankheit“, das die Gesellschaft befällt und immer

noch zu Verunsicherung, Angst, Gleichgültigkeit

oder gar zu Diskriminierung und Ausgrenzung

führen kann.

„Zu sehr ist die HIV-Infektion (immer noch) mit

der Vorstellung verknüpft, dass der oder die Infizierte

andere Menschen gefährdet. Und obwohl

eine Übertragung des Virus durch alltäglichen

Kontakt nicht möglich ist, haben viele Menschen

auch nach 30 Jahren vor HIV noch große Angst –

mit der Folge, dass Ausgrenzung nach wie vor

zum Alltag von HIV-Positiven gehört. Daran etwas

zu ändern, sehen wir als eine unserer wichtigsten

Aufgaben.“ (DAH-Jahrbuch 2010/2011,

Berlin, 09/2011, S. 5)

Und das Jahr 2011 lieferte uns dazu beste Argumentationshilfen.

30 Jahre nach der `Entdeckung´,

25 Jahre nach Gründung der AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel, 15 Jahre nach Vancouver

(Präsentation der Protease-Inhibitoren), 3 Jahre

nach EKAF (Positionspapier der Eidgenössischen

Kommission für Aidsfragen) war die Vorstellung

der großen Interventionsstudie mit dem schönen

Namen HPTN 052 (Cohen MS, Chen YC,

McCauley M, Gamble T., Hosseinipour MC et al.:

Prevention of HIV-1 Infection with early Antiretroviral

Therapy. NEJM 2011) auf der Internationalen

AIDS-Konferenz in Rom im Juli 2011 ein

weiterer wichtiger Meilenstein in der (Präventions

-) Geschichte von HIV / AIDS.

HIV-Therapie schützt vor Infektionen.

Mit der HPTN 052-Studie liegen nunmehr repräsentative

(1763 serodiskordante Paare über im

Median 1,7 Jahre beobachtet), beweisende Daten

vor, wonach die Infektionswahrscheinlichkeit der

Sexualpartner von frühzeitig behandelten HIV-

Positiven um mindestens 96% (!) reduziert werden

kann. Damit ist die sogenannte

„Viruslastmethode“ –auf individueller Ebene unter

den nach EKAF bekannten Bedingungen- „auf

höchstem Evidenzniveau bewiesen“ (DAH, HIVreport

05/2011, S. 3ff).

Damit liegt die Viruslastmethode noch über der

„Sicherheitsrate“ von safer sex mit Kondomen.

Oder etwas provokanter formuliert: Sex mit einer/m

ungetesteten Partner/in ist riskanter als mit

der/dem (monogamen!) HIV-positivenPartner/in

unter stabiler ART.

„Die Erkenntnis, dass HIV-Positive unter funktionierender

Therapie praktisch nicht mehr infektiös

sind, ist kaum zu unterschätzen. Sie kann in erheblichem

Maß Ängste vor Menschen mit HIV reduzieren

– und damit Ausgrenzung entgegenwirken.

Auch Paare, bei denen ein Partner HIVpositiv

ist, erfahren eine enorme Erleichterung:

Viele haben nun endlich ohne Angst miteinander

Sex – wenn sie wollen auch ohne Kondom. Und

gegebenenfalls können sie auch auf natürlichem

Wege Kinder zeugen und gebären.

Mit anderen Worten: Die Safer-Sex-Regeln müssen

nach drei Jahrzehnten umgeschrieben werden.

Auch kondomloser Sex ist geschützter Sex, wenn

die genannten Bedingungen erfüllt sind.

Dieser Durchbruch überfordert heute allerdings

noch viele Menschen.“ (Bis hierher – und noch

weiter!, Jahrbuch 2010/2011, Deutsche AIDS-

Hilfe, Berlin,09/2011, S. 4f)

Dennoch: HIV/AIDS-Prävention bleibt Herausforderung

und bleibt unverzichtbar, weil eine

HIV-Infektion weiterhin ein lebensbedrohendes

und auf vielen Ebenen einschneidendes und die

Lebensqualität einschränkendes Ereignis bleibt.

7


Geschäftsbericht

Und weil – auch das darf erwähnt werden - Prävention

erheblich preiswerter ist als nach wie vor

sehr teure Therapie. Sie darf allerdings die gewonnen

Erkenntnisse nicht außer acht lassen,

wenn sie seriös und differenziert sein/bleiben soll.

Wir betrachten es als die Kernaufgabe der Präventions-

und Öffentlichkeitsarbeit von AIDS-

Hilfe als Selbsthilfe-, Interessen- und Fachverband,

die Bevölkerung und auch die Beteiligten im Gesundheitswesen

seriös, differenziert und bestmöglich

über die aktuellen Entwicklungen im Kontext

von (sexueller) Gesundheitsförderung zu informieren.

Diese Aufgabe wird allerdings immer schwerer,

denn die Materie wird mit zunehmenden Erkenntnisgewinnen

zum Virus, seinen Infektionswegen,

zum Immunsystem und zu den Therapieoptionen

immer komplexer und in bestimmten Szenen

oder/und Settings ist das Spektrum der Präventionsbotschaften

mittlerweile eindeutig weiter und

differenzierter zu gestalten als es die hinlänglichen

Safer Sex-Botschaften bisher hergeben.

Die strukturelle HIV-Prävention wird immer

komplexer. Die Präventionsbotschaften sind immer

mehr zu differenzieren und zum Teil zu individualisieren.

Die Erkenntnis, dass HIV-

Medikamente genauso gut vor einer HIV-

Übertragung schützen können wie Kondome ist ja

geradezu revolutionär, aber dennoch nicht in der

breiteren Öffentlichkeit angekommen.

Inwieweit diese Erkenntnisse auch offensiv in die

Allgemeinbevölkerung getragen werden sollten,

bleibt weiterhin umstritten, denn sie bergen

durchaus das Risiko, die Präventionserfolge zu

gefährden. Die antiretrovirale Therapie als Instrument

im Köcher der Primärprävention ist aber

eindeutig als Zugewinn zu betrachten (s.o.).

Unverändert gilt, dass der Ansatz der strukturellen

Prävention richtig und wichtig ist. Und dazu

gehören eben nicht zuletzt auch die Verhältnisse,

in denen Menschen mit oder ohne HIV positiv

zusammen leben können. Aus unserer Sicht wird

es daher Zeit für einen grundlegenden gesellschafts-

und gesundheitspolitischen Paradigmenwechsel

– eine konsequente Ausrichtung auf einen

salutogenetischen Ansatz. Hier ist nicht zuletzt

der Gesetzgeber gefordert. Die ehemalige

8

Staatssekretärin und Drogenbeauftragte der Bundesregierung,

Frau Marion Caspers-Merk, hat diese

Forderung prägnant formuliert und untermauert:

„Prävention und Gesundheitsförderung müssen

dringend zu einer vollwertigen Säule unseres Gesundheitssystems

ausgebaut werden – gleichberechtigt

neben der Behandlung von Krankheiten

(… Kuration …) sowie der Rehabilitation und

Pflege.“ (in: Gesundheit braucht Initiative, Verbandsschrift

des PARITÄTISCHEN 01/2011, S. 6).

Das Verhältnis bei der Finanzierung zwischen Kuration

(Pathogenetische Ausrichtung) und Prävention/Gesundheitsförderung

weist allerdings ein

krasses Gefälle aus. „Pro Jahr und Versichertem

wenden die Krankenkassen durchschnittlich ca.

3.000 Euro für die medizinische Behandlung auf.

Für Prävention und Gesundheitsförderung sind es

nicht einmal fünf Euro“, so Caspers-Merk (ebd.).

Und bei der genaueren Analyse, wen diese Ausgaben

erreichen, ist zu konstatieren, dass Zielgruppen,

die es besonders nötig hätten, dabei kaum

erreicht werden. Bei – höchst sinnvollen - Angeboten

wie Yoga, Rückenschulen, Fitness oder

Walking sind berufstätige Männer, alleinerziehende,

ökonomisch schwache Frauen, Suchtbelastete,

Menschen mit anderen Formen sozialer Benachteiligung,

solche mit Migrationshintergrund oder

gar Menschen ohne Papiere eher selten vertreten,

beim Infektionsgeschehen dagegen eher häufig.

Das hat zur Folge, dass Angebote deutlicher

„lebensweltbezogen“ ausgerichtet werden müssten

– oder, wie wir es von Beginn an formulieren:

zielgruppenspezifisch, niedrigschwellig, akzeptanzorientiert,

aufsuchend, etc.

Und dass Prävention wirkt, haben die Inzidenzzahlen

des Berichtsjahres eindrucksvoll untermauert.

Früher als wir es gehofft haben, ist aufgrund

verbesserter epidemiologischer Berechnungsverfahren

schon seit den letzten vier Jahren ein

Rückgang der Neudiagnosen zu verzeichnen (s.

RKI-Epidemiologisches Bulletin 11/2011; Schätzung

der Neuinfektionen für 2011: ca. 2700).

In Duisburg liegt die Inzidenzrate für 2011 bei

2,86 pro 100.000 Einwohnern = acht Neudiagnosen

(Stand vom 01.11.2011; Vgl. 2010: 0,81), wobei

u. E. aber auch ein verschlechtertes und recht

hochschwelliges Testangebot zu berücksichtigen


ist; im Kreis Wesel liegt die Inzidenz realistisch

geschätzt bei 2,08 (Stand 01.11.11 (entspricht etwa

9 Fällen im Berichtsjahr; Vgl. 2010: 1,14); also

in beiden Regionen auf einem niedrigen, aber im

Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegenen Niveau.

In dieser Rubrik der Neudiagnosen ist zu berücksichtigen,

dass es sich um Erstmanifestationen und

nicht zwingend um Neuinfektionen aus dem Erhebungsjahr

handelt. Zu berücksichtigen ist weiterhin

eine nicht zu beziffernde Quote von Menschen,

die sich –z.T. aus Anonymitätsgründen- an

anderen Orten testen lassen.

Im Zuge dieser noch relativ jungen Errungenschaften

muss die Förderung der Testbereitschaft

ein immer stärkeres Anliegen der Präventionsarbeit

werden.

Dies spiegelt sich in der Fachwelt vielfach wieder,

so auch im Aktionsplan gegen HIV und AIDS der

Europäischen Kommission für die Jahre 2009 –

2013 und so auch bei einem deutschen Expertenworkshop

zur HIV-Testung, der im Oktober 2009

auf Einladung des Gemeinsamen Wissenschaftlichen

Beirates des BMG und der Deutschen AIDS-

Gesellschaft (DAIG) stattfand und dessen Ergebnisse

wir an dieser Stelle noch einmal im Überblick

wiederholen wollen, weil sie unsere Haltung

und Arbeitsansätze sehr gut wiedergeben:

„1. Ein allgemeines HIV-Screening in medizinischen

Einrichtungen in Deutschland ist angesichts

der vergleichsweise niedrigen HIV-Prävalenz in

der Gesamtbevölkerung weder sinnvoll noch

wünschenswert.

2. Eine gezielte Vermehrung von Angeboten zur

freiwilligen Testung auf HIV verknüpft mit einer

qualifizierten Beratung ist erwünscht und notwendig.

Die Durchführung der HIV-Testung ist dabei

kein eigenständiges Ziel, sondern Teil einer HIV/

AIDS Gesamtstrategie, die auch präventive, gesundheitsfördernde

und kurative Maßnahmen einschließt.

(…) Anonyme und kostenlose Testangebote

können die Akzeptanz eines Testangebotes

erhöhen. (…) Zielgruppenspezifische Testermutigung

und möglichst niedrigschwellige Testangebote

sollen gestärkt und weiter ausgebaut werden.

(…) Insbesondere muss sichergestellt sein, dass

alle Personen, bei denen eine HIV-Infektion diagnostiziert

wird, einen ausreichenden Zugang zum

medizinischen Versorgungssystem in Deutschland

erhalten – auch Personen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus

und Krankenversicherungsschutz

sowie Inhaftierte. Dies erfordert unter anderem

eine engere Zusammenarbeit zwischen dem medizinischen

Versorgungssystem, dem öffentlichen

Gesundheitsdienst und Nichtregierungsorganisationen.

HIV-Testung muss grundsätzlich freiwillig und mit

informiertem Einverständnis der Getesteten erfolgen.

Die Testung muss begleitet sein von einer

den konkreten Umständen angepassten Beratung

vor dem Test und einer ausführlichen Beratung

zum Testergebnis nach dem Test. (…) Zur Testberatung

gehört auch, die Notwendigkeit wiederholter

Testung bei Fortbestehen von Infektionsrisiken

anzusprechen. Etwa die Hälfte der neu mit

HIV diagnostizierten Personen in Deutschland hat

sich vor der HIV-Diagnose bereits mindestens

einmal mit negativem Ergebnis auf HIV testen lassen.

3. Möglichkeiten ärztlich initiierter Testung sollten

stärker als bisher genutzt werden. Dies erfordert

folgende Maßnahmen und Strukturen:

- Anlässlich der Untersuchung auf andere sexuell

übertragbare Erkrankungen sollte die Frage eines

HIV-Testes regelmäßiger als bisher üblich angesprochen

werden.

– Niedrigschwellige STI-Test- und Beratungsangebote

sollten ausgebaut werden und ihr Angebot

sollte sich vor allem an besonders betroffene

Gruppen richten, für die Zugangsbarrieren zum

regulären Versorgungssystem bestehen (…)

4. Diskriminierung und soziale Ausgrenzung von

HIV-Infizierten wirken sich demotivierend auf die

HIV Testbereitschaft von gefährdeten Personen

und Personengruppen aus.

Zwar ist beim Abbau von Diskriminierung HIV-

Infizierter in Deutschland schon viel erreicht worden,

weitere Anstrengungen sind aber notwendig.

Sowohl innerhalb betroffener Bevölkerungsgruppen

als auch im medizinischen Versorgungssystem,

beim Kontakt mit Behörden, am Arbeitsplatz

und im sozialen Umfeld erfahren auch heute noch

in Deutschland viele HIV-Infizierte bei der Offenlegung

ihrer Infektion Diskriminierung und Ausgrenzung.“

(Dr. U. Marcus u. Dr. O. Hamuda, Späte HIV-

9


Geschäftsbericht

Diagnose und später Behandlungsbeginn in

Deutschland, in HIV&more, 4/2009, S.62)

Auch wenn in Deutschland eine vergleichsweise

günstige Situation erreicht werden konnte, dürfen

wir in unserer Arbeit nicht nachlassen, müssen

die etablierten Strukturen erhalten werden, um

die Erfolgsgeschichte weiter zu schreiben, um

nicht zuletzt auch die wirtschaftlichen Einspareffekte

von preiswerter und wirksamer Prävention

gegenüber nach wie vor teurer Therapie zu halten.

„Besonderes Augenmerk muss dabei auch auf

Menschen gerichtet werden, die aufgrund sozialer,

kultureller und persönlicher Faktoren ihre Gesundheit

nicht ausreichend schützen können.

HIV/AIDS-Prävention muss deshalb zukünftig

stärker mit Maßnahmen der Gesundheitsförderung

verknüpft werden“ (Entwurf

Landeskonzept „Weiterentwicklung der HIV/

AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen“, Juli

2011, S. 3)

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. –

Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung -

mit ihrem traditionellen Auftrag der zielgruppenspezifischen

Prävention arbeitet schon immer

nach diesem Grundsatz.

Der Ansatz der strukturellen Präventionsarbeit

im Kontext von Gesundheitsförderung

hat sich hier eindeutig bewährt. Angesichts

der epidemiologischen Daten in Deutschland erweist

sich die zielgruppenspezifische Präventionsarbeit

als immer bedeutungsvoller. Präventionsmittel

und –maßnahmen müssen demzufolge

dort zur Verfügung stehen, wo sie besonders benötigt

werden – z.B. in Bereichen von

(Beschaffungs-) Prostitution (s. 5.4.) oder bei der

Versorgung von Suchterkrankten (s. 5.2.) und

eindeutig im Bereich von homo- und bisexuellen

Männern, insbesondere in besonderen MSM-

Netzwerken, die bisher nur unzureichend erreicht

wurden (s. 5.1.). Eine weitere sehr wichtige

Zielgruppe stellen Menschen in Haft dar, wo

wir leider immer noch höhere Infektionsgefährdungspotentiale

(besonders bzgl. der Hepatitiden

B und C, aber durchaus auch bezogen auf HIV)

konstatieren, die im Wesentlichen in den hygienisch

höchst bedenklichen (Drogen-) Konsumbedingungen

begründet sind (s. 5.3.).

„Unverzichtbar ist dabei nach wie vor die Primärprävention

für Kinder und Jugendliche. Wichtig

ist, HIV/AIDS-Prävention als Teil von Gesundheitsförderung

und Sexualaufklärung zu verstehen

und Jugendliche frühzeitig zu Beginn ihrer sexuellen

Aktivität zu erreichen“ (Entwurf zum Landeskonzept

„Weiterentwicklung der HIV/AIDS-

Prävention in Nordrhein-Westfalen“, Juli 2011, S.

3; s. auch 5.6.).

Ein vielfach betonter und wichtiger Faktor für den

bisherigen Erfolg ist das gelungene und gelingende

Zusammenwirken von Bund, Ländern und

Kommunen sowie von Öffentlichem Gesundheitsdienst

und verschiedenen nichtstaatlichen

Trägerstrukturen wie den AIDS-Hilfen und

die abgestimmten Aufgabenverteilungen – so auch

im Kreis Wesel und in der Stadt Duisburg. Wir

möchten an dieser Stelle betonen, dass wir diese

synergetische Strategie in unserer Zusammenarbeit

im Wesentlichen umgesetzt sehen und dass

wir es für wichtig erachten, dass die partnerschaftliche

und partizipative Kooperation erhalten

und günstigenfalls gestärkt wird („Gemeinsam gegen

AIDS“).

Dies alles erfordert natürlich personelle und

materielle Ressourcen, verbunden mit zeitlichen

Perspektiven. Nur so können einerseits

nachhaltige Effekte erzielt werden und andererseits

flexible Anpassungsprozesse an epidemiologische

und soziodemographische Entwicklungen

insbesondere in der Vor-Ort-Arbeit erfolgen. Vor

allem auch, weil die Erfordernisse für Netzwerkarbeit

stetig anwachsen, diese allerdings nur dann

auch effektiv wirken können, wenn hier personelle

Kontinuität gewährleistet werden kann.

Nun ist dies nicht zum Nulltarif zu bekommen.

Angesichts der bekannten Haushaltssituationen

der meisten NRW-Kommunen, so auch bei

„unseren“ kommunalen Partnern, stehen die Beteiligten

vor großen Herausforderungen. Die seit

einigen Jahren gedeckelten Landes- und kommunalen

Fördermittel führen dazu, dass die Schere

zwischen öffentlicher Förderung und Haushaltsbedarfen

immer weiter auseinander driftet und darüber

allein schon die Aufrechterhaltung unseres

Angebotsspektrums immer schwieriger wird. Zu

betonen ist, dass ein ganz überwiegender Teil dieser

Angebote kommunale Pflichtaufgaben abdeckt.

Auskunft über das Leistungsspektrum unserer

10


strukturellen Präventionsarbeit geben etwa unsere

Controlling-Daten für das Berichtsjahr im Anhang.

Selbst bei stabiler öffentlicher Förderung wächst

der Eigenmittelanteil alleine durch tarifrechtliche

Steigerungen im Personalkostenetat sowie natürlich

steigender Sachkostenausgaben

(Mehrwertsteuer, technische Ausstattung durch

z.B. online-taugliche Medien, Fahrtkosten, vom

Land geforderte, aber nicht refinanzierte Qualitätsmanagementmaßnahmen,

Nebenkosten für

den Gebäudeunterhalt, Personalbeschaffungs- und

Fortbildungskosten und vieles mehr).

Im Berichtsjahr hatten wir zwar eine stabile öffentliche

Förderung (auf gedeckeltem Niveau, s.o.)

zugesagt bekommen, stießen aber im dritten und

vierten Quartal dennoch an Liquiditätsgrenzen,

weil kommunalisierte Landesmittel und kommunale

Ergänzungsfinanzierung durch und über die

Stadt Duisburg nicht zur Auszahlung kamen, weil

dort erhebliche Probleme mit dem neuen kommunalen

Finanzierungsmanagement und vor allem

mit der Steuerungssoftware SAP sowie dem dafür

nötigen Know-how vorlagen. Wir können nur

hoffen, dass dies im kommenden Jahr besser läuft

und wir von weitergehenden Kürzungen verschont

bleiben. Gerade angesichts der geschilderten

Zusammenhänge brauchen wir unbedingt eine

möglichst stabile Planungssicherheit.

Vor dem Hintergrund der verbesserten Behandlungsoptionen

und der gestiegenen Lebenserwartung

steigt auch die Zahl unserer Begleitungsverhältnisse

kontinuierlich an. Das geht leider nicht

unbedingt mit adäquat wachsender Lebensqualität

oder gar schrumpfenden sozialrechtlichen oder

psychosozialen Problemlagen unserer Klienten

einher. Im Gegenteil wächst leider auch die Zahl

derjenigen Klient/innen, die aufgrund vielfältiger

lebenspraktischer Problemlagen eine besonders

hohe Begleitungs- und Betreuungsintensität benötigen.

Hier stoßen wir zunehmend an Kapazitätsgrenzen

und werden uns in naher Zukunft intensiver

mit Formen ambulant betreuten Wohnens

beschäftigen müssen.

Um einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt

hinzubekommen, benötigen wir im Durchschnitt

etwa 50.000 Euro p.a. aus nicht-öffentlichen Drittmitteln,

das sind zwischen 15 und 20 % des Haushaltsvolumens.

Betriebswirtschaftlich betrachtet

generiert jeder aus öffentlichen Mitteln eingesetzte

Euro wiederum 15 – 20 Cent aus Drittmitteln.

Eigentlich doch eine richtig gute Investition.

Und dabei ist der „Gegenwert“ von ca. 4000

Stunden ehrenamtlicher (honorarfreier, aber

nicht kostenfreier!) Arbeit per anno (entspricht

ca. 3 Vollzeitäquivalenten!) nicht eingerechnet.

Die Erhaltung unseres Angebotsspektrums sowie

die stete Weiterentwicklung dessen ist in erster

Linie nur deshalb noch möglich, weil wir trotz immer

wiederkehrender Konfrontation mit Kürzungsszenarien

ein immer noch hochmotiviertes

ehren- und hauptamtliches Team haben.

Aber das alleine würde nicht reichen: ohne Spenden-

und Sponsoring durch verschiedene

zivilgesellschaftliche Gruppierungen und

Einzelpersonen wäre die Aufrechterhaltung des

Angebots- und Leistungsspektrums überhaupt

nicht denkbar.

Der vorliegende Jahresbericht wird über eine

Vielfalt von derartigem Engagement Auskunft geben.

Da halten wir es gerne mit Erich Kästner und

wollen über gutes Tun reden (s. 4.).

Eine der wichtigsten Pfunde und Ressourcen für

die Aufrechterhaltung unserer Angebotspalette

sind und bleiben unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen,

denen einmal mehr ein riesiges

„Danke schön!“ gilt.

Angefangen beim Vorstand über nahezu alle anderen

Arbeitsfelder können wir hier auf eine sehr

stabile „Mannschaft“ bauen. Allerdings gibt es leider

auch nur wenig Andrang von neuen Interessent/innen.

Daher möchten wir Sie, verehrte Leserinnen

und Leser, bitten, potentiell interessierte

Menschen auf uns aufmerksam zu machen, denn:

AIDS-Hilfe-Arbeit ist spannend, kann intensiv und

unter Umständen belastend sein, aber auch dankbar

und für die eigene Persönlichkeitsentwicklung

gewinnbringend. Das gilt nach wie vor auch für

die ehrenamtliche Mitarbeit auf allen Ebenen.

Und: sie wird wahrgenommen.

So sind wir recht stolz, dass auch in diesem Jahr

erneut zwei langjährig aktiv-ehrenamtliche Mitarbeiter/innen

ausgezeichnet wurden:

11


Geschäftsbericht

Andrea Täufer (11 Jahre Telefonberatung, einige

Jahre Begleitung der HCV-Selbsthilfe) und Edgar

Böhme (über 15 Jahre Youthwork und Öffentlichkeitsarbeit)

erhielten am 09. Mai 2011 die silberne

Ehrennadel des PARITÄTISCHEN Landesverbandes

NRW und jeweils sehr schöne und individuelle

Würdigungen (s. Pressespiegel).

Vorstandes hat davon viele Jahre stabil und erfolgreich

mitgestaltet.

So war es gewiss auch

nicht verwunderlich,

dass auf der Jahreshauptversammlung

am 06.06.12 vier der

fünf Amtierenden in

„Rekordzeit“ wiedergewählt

wurden. Für

den ausscheidenden

Karl-Heinz Lemke

wurde mit Thomas

Hilgers mal wieder ein

Vertreter des Kreisgebietes

hinzu gewählt.

Thomas Hilgers

Andrea Täufer (li.) bei der Ehrennadelüberreichung

des PARITÄTISCHEN

25 Jahre AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

heißt auch 25 Jahre ehrenamtliche Vorstandsarbeit.

Der Kern des im Berichtsjahr amtierenden

Nach den anstrengenden aber sehr schönen Jubiläumsaktivitäten

stellte das Berichtsjahr 2011 den

alten und neuen Vorstand vor neue, schwierige

Herausforderungen und Entscheidungen.

Zum einen haben schwerere und langfristigere

Krankheitsphasen sowohl im Vorstand als auch im

hauptamtlichen Team große Teile des Jahres

(mit-) geprägt und für erhebliche zusätzliche Be-

12

Der „Jubiläumsvorstand“: v. li. n. re.: Karl-Heinz Lemke, Rainer Wille, Rolf Ringeler, Silke Stützel, Peter

Külpmann


lastung der „Gesunden“ geführt – und das in einem

Jahr mit ohnehin besonders hoher Betriebstemperatur.

Aber unver(ge)hofft kommt in der

AIDS-Hilfe oft. Und dass diese teilweise über

mehrere Jahre andauernde (und vor allem im Bereich

der psychosozialen Begleitungsarbeit wachsende

-, vgl. o.) Intensität der Arbeit auch einmal

Spuren hinterlassen würde, damit war im Grunde

zu rechnen.

So fehlten uns zwei Hauptamtliche über das Berichtsjahr

verteilt gleich über viele Wochen. Im

Falle unserer geschätzten Kollegin, Petra Kurek,

führten die gesundheitlichen Belastungen sogar

zum Ausscheiden aus der AIDS-Hilfe, was wir alle

sehr bedauert haben. Wir bedanken uns an dieser

Stelle für die sehr gute Arbeit für die AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel und wünschen ihr für den

weiteren Werdegang alles erdenklich Gute.

An dieser Stelle hat sich wieder einmal der Mut

von Vorstand und Geschäftsführung ausgezahlt,

dass man sich ohne klare Refinanzierung gemeinsam

für die hauptamtliche Übernahme unserer

ehemaligen Praktikantin und Honorarkraft, Sandra

Kohlhase, im wesentlichen für die Arbeitsbereiche

„Youthwork“ und „Öffentlichkeitsarbeit“ im Rahmen

eines Tarifvertrages für Praktikantinnen im

öffentlichen Dienst (TVPÖD – analog dem ehemaligen

Anerkennungsjahr für Diplom-

Sozialarbeiter/-pädagogen) entschieden hatte.

Was anders geplant war und vom April bis Ende

Juli auch bestens funktioniert hatte, musste zwar

schon wieder beendet werden, aber somit konnte

die Stelle der sehr wichtigen „Frauenarbeit“ fast

nahtlos von Frau Kohlhase übernommen werden

– ein Segen.

Im August des Berichtsjahres musste eine weitere

„Ära“ beendet werden. Mit Raphael Diaz-

Fernandez ging der letzte „ZIVI“ von Bord –

und zwar ein besonderer zur besonderen Zeit,

denn unter anderem verdanken wir ihm und seinem

IT-Geschick die ungewöhnlichen Lay-out-

Qualitäten nicht nur beim letztjährigen Jahresbericht,

sondern auch einiger weiterer Jubiläums-

Medien. Nun standen wir fortan ohne Zivi da und

merkten rasch, wie sehr uns die Unterstützung

dieser Kraft fehlen würde und vor allem wie sehr

uns die Zivis bei vielen Arbeiten des täglichen Geschäftes

entlastet haben. Dies können (und sollten)

FSJler oder BFDler nicht leisten. Aber hier

gab es auch keine Anfragen im Berichtszeitraum.

So mussten wir etwa die Reinigung der Räumlichkeiten

fortan einkaufen.

Dass wir trotz der zum Teil sehr widrigen Umstände

unsere angestammten Arbeitsbereiche und

–angebote in gewohnter Form und Qualität fast

durchgehend vorhalten und an der ein oder anderen

Stelle sogar verstärken konnten, darüber legt

der vorliegende Jahresbericht (und die Controlling-Daten

im Anhang) Zeugnis ab.

So ist etwa von einem wichtigen Primärpräventionsbereich,

der Duisburger Substitutionsregelung,

welches nicht unbedingt zum Kernbereich

zählt, erfreuliches zu berichten. Diese Regelung

ist nicht nur für die Klient/innen von hohem

gesundheitlichen und psychosozialen Nutzen ist,

sondern auch für die AIDS-Hilfe ein finanzieller

Segen. Hier gilt den Ärzten Dr. Hander, Herrn

Harzem und Dr. El Khaled und seit diesem Jahr

auch Dr. Sondag und Dr. Paul sowie unseren begleitenden

Ehrenamtler/innen ein ganz großes

Dankeschön! (s. 5.2.2.).

Trotz krankheitsbedingter Ausfälle im Bereich der

Präventions-, Beratungs- und Begleitungsarbeit in

den Justizvollzugsanstalten im vierten Quartal,

ist die Anstaltsleitung mit der Arbeit von Rüdiger

Wächter offensichtlich so zufrieden, dass wir bereits

zum Jahresende den Vertrag für das Jahr

2012 unterzeichnen konnten, worüber auch Fördermittel

des Justizministeriums NRW abgerufen

werden können. Indiz für die hohe Wertschätzung

unserer Arbeit in diesem Bereich ist die Einladung

von Rüdiger Wächter zur Expertenanhörung

im Rechtsausschuss des Landtags NRW im

Juni zum Thema der Umschlusserklärungen (s.

5.3).

Anlass zur Hoffnung, im Bereich der Drogenarbeit

demnächst in Duisburg wieder eine JES

(Junkies, Ehemalige und Substituierte) Selbsthilfegruppe

entstehen zu sehen, bot sich im Berichtsjahr

in Folge der intensiven Streetworkarbeit

durch Ralf Runniger, der sich inzwischen als fester

und gern gesehener Ansprechpartner der zu erreichenden

Gruppe drogengebrauchender Duisburger/innen

etabliert hat. Ein ganz wichtiges Angebot,

welches leider nicht durch den Suchthilfeverbund

oder andere Träger (mit-) begleitet wird.

13


Geschäftsbericht

Umso mehr ist es unser erklärtes Ziel, im Sinne

eines partizipativen Ansatzes, Selbsthilfestrukturen

anzuschieben und so gut es geht zu fördern.

gelernt, aber auch das hat bisher keinerlei Wirkung

erzielt. Wir sind hier weiterhin für jede Unterstützung

äußerst dankbar.

Trotz des Personalwechsels und der längeren

Krankheitsphasen im Arbeitsfeld unserer Frauenarbeit,

sind wir froh und ein wenig stolz, dass

es gelingen konnte, die Frauengruppe innerhalb

der AIDS-Hilfe zu etablieren (ein besonderes

Dankeschön gilt hier auch den äußerst engagierten

Ehrenamtlerinnen Annette F. und Bettina

K. !) und darüber hinaus auch die Öffentlichkeitsarbeit

der NRW-Kommunikationskampagne

XXelle zu bereichern (u.a. mit einem tollen Filmfeature)

(s. 5.4.). Petra Kurek und Sandra Kohlhase

haben hier richtig gute und wichtige Arbeit geleistet.

Zudem waren und sind wir hier auf dem

Sektor der (Beschaffungs-) Prostitution angesichts

erheblicher Zuwanderung im Praktischen und

Konzeptionellen zunehmend gefordert.

Im Arbeitsbereich der Prävention bei Männern,

die Sex mit Männern haben, gab es nicht zuletzt

durch die erfolgreiche Fortführung unseres

„Leuchtturmprojektes“ Beratung und Test auf

einem Autobahnrastplatzes, durch reichlich

„Bewegung“ bei den organisierten schwullesbischen

Parties in Duisburg und Moers und insbesondere

durch die federführende Organisation

des diesjährigen schwul-lesbischen Sommerfestes

in Duisburg ebenfalls wieder viel „Action“ für die

Abteilung Herzenslust (Rüdiger Wächter, Uwe

Altenschmidt und „ihre“ ehrenamtlichen Mitstreiter)

– und auch hier viel Anerkennung für das Geleistete

(s. 5.1.).

Ein wichtiges Ziel der AIDS-Hilfe konnte leider

auch in diesem Berichtsjahr nicht erreicht werden,

nämlich mit unserem Duisburger

„headquarter“ endlich in barrierefreiere

Räumlichkeiten umzuziehen, was angesichts der

Entwicklungen beim Krankheitsbild immer wichtiger

wird. Nach dem Auszug der Drogenberatung

der Diakonie aus den Parterreräumen im Hause

Friedenstr. 100, haben wir dem objektverwaltenden

Immobilienmanagement Duisburg (IMD) unser

Interesse und unsere Erfordernisse monatlich

signalisiert, aber leider kein ernsthaftes Aufgreifen

von dieser Seite erfahren dürfen. So stehen die

Räumlichkeiten nunmehr seit Dezember 2009 (!)

leer. Wir haben zwar in der Zwischenzeit viele

„Kümmerer“ aus Politik und Verwaltung kennen

Dennoch sind wir auch das Jahr 2011 betreffend

insgesamt zufrieden über den politischen Rückhalt

für unsere Arbeit – und zwar auf allen föderalen

Ebenen. Das haben uns insbesondere die

vielen wertschätzenden Worte und Taten im Rahmen

unserer Jubiläumsaktivitäten einmal mehr

gezeigt (s. 4.2.1.). Ausdruck dafür ist beispielsweise

die Jubiläumsfestschrift, von der noch ein paar

Exemplare in der Duisburger Geschäftsstelle erhältlich

sind.

Natürlich haben wir uns im Berichtsjahr auch intensiv

mit uns selbst beschäftigt und nicht nur wegen

des Jubiläums. Der fortlaufende Organisationsentwicklungsprozess

konnte im Berichtsjahr

allerdings kaum vorangetrieben werden, weil

natürlich die Jubiläumsaktivitäten Kapazitäten banden,

aber vor allem, weil –wie schon angesprochen-

sowohl im Vorstand als auch im Team längere,

zum Teil ernsthafte Krankheitsphasen dies

nicht zuließen. Darüber hinaus mussten sehr

schwierige Entscheidungsprozesse im zweiten

Halbjahr bewältigt werden, die erstmalig zu Dissonanzen

zwischen Vorstand und Geschäftsführung

geführt haben, deren Bearbeitung sicherlich

noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. 25

Jahre Vereinsgeschichte kann nicht ohne Krisenzeiten

ablaufen. Da wir solche allerdings bisher

immer wieder bewältigen konnten, gehen wir

auch diesmal mit Zuversicht in das nächste Jahr.

Wir können allerdings mit gewissem Stolz behaupten,

dass das operative Geschäft darunter

nur minimal gelitten hat, was insbesondere für die

professionelle Grundhaltung der Mitarbeiterinnen

spricht. So konnte etwa auch das umfängliche

Veranstaltungsprogramm zum Welt-AIDS-Tag

trotz reduzierter Ressourcen insgesamt hervorragend

umgesetzt werden (s. 4.4.).

Zivilgesellschaftliches Engagement ist immer

noch und nicht nur vor dem Hintergrund rückläufiger

öffentlicher Förderung immer mehr gefragt.

Diesbezüglich können wir einmal mehr auf ein

Jahr mit wirklich großartiger Unterstützung zurückblicken

(s. 4.). Insbesondere im Zusammenhang

mit dem diesjährigen Welt-AIDS-Tags-

14


Geschehen erlebten wir viel Engagement von verschiedensten

Gruppen und Einzelpersonen. Stellvertretend

verweisen wir hier schon mal auf die

„bärenstarken“ Initiativen des Centermanagements

des FORUM Duisburg, was zu einem hervorragend

angenommenen dritten großen Aktionstag

am 01.12.10 geführt hat.

weil wahrlich nicht zu erwartendes Ergebnis.

Die Ausstellung „HIV-positiv – und mitten im Leben!“ – ein Highlight Welt-AIDS-Tages im FORUM

Es gibt nicht nur „bad banks“ wie wir wissen. Es

gibt auch hier viel zivilgesellschaftliches Engagement.

Wir bedanken uns bei den Sparkassen aus

unserer Region, der Sparda-Bank West und insbesondere

beim GudsO-Team der Targobank Duisburg,

die einmal mehr eine unglaublich kreative

Soli-Bären-Verkaufsaktion durchgeführt haben

und gewissermaßen unser Platin-Vertriebs-

Partner für die beliebten „AIDS-Teddies“ sind.

Mehr Geschichten von Menschen und Gruppen

über deren gutes Tun wir reden wollen finden

sich im Kapitel 4.

Diese und weitere Aktivitäten haben neben einer

erneut sehr umsichtigen Haushaltsführung erheblich

dazu beigetragen, dass wir das Haushaltsjahr

2011 voraussichtlich mit einem sehr überschaubaren

Defizit abschließen können – ein sehr gutes,

DANKE!

Abschließend möchten wir uns natürlich an dieser

Stelle bei all jenen treuen Freund/innen und Förderern,

Zuwendungsgebern und Sympathisant/

innen sowie bei den Vertreter/innen aus Politik,

Verwaltungen und Gesundheitsämtern, medizinischen

und Beratungseinrichtungen, Schulen und

sonstigen Kooperationspartnern und unseren

Dachverbänden, dem „Paritätischen“, der Deutschen

AIDS-Hilfe und der AIDS-Hilfe NRW für

ihre Wertschätzungen, unterstützenden Aktionen

und guten Wünsche im Berichtsjahr aufs Herzlichste

bedanken.

15


Beratung

2. Beratung

2.1 Einleitung

Die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. wurde wie in den vorangegangenen

Jahren als ein Hauptschwerpunkt unserer Arbeit

durchgeführt.

Neben den im vergangenen Jahresbericht erläuterten

Ausdifferenzierungen bezüglich der Einschätzung

von Übertragungswegen bei HIV rückte

das Angebot der Testverfahren (Antikörper-

Suchtest, p24-Kombinationstest sowie der Nukleinsäure-Nachweis

[PCR]) in den Focus der Berater.

Die Frage, ab wann ein Test aussagekräftig

ist, wurde von vielen Ratsuchenden gestellt. Häufig

waren die Aussagen von Ärzten und die Informationen

im Internet der Anlass dafür. Demnach

sei der HIV-Test schon vor den sonst üblichen 12

Wochen aussagekräftig. Dies trifft jedoch nur für

eine Bestätigung einer HIV-Infektion zu. Es gilt

weiterhin das diagnostische Fenster von 12 Wochen,

wenn der Testling wissen möchte, ob er

HIV-negativ ist. Siehe hierzu: „HIV- und STI-Tests,

Informationen und Standards“, Deutsche AIDS-

Hilfe e.V., www.aidshilfe.de, 3. Auflage.

Erfreulicher Weise wurde im Mai des vergangenen

Jahres unsere ehrenamtliche Mitarbeiterin,

Frau Andrea Täufer, für ihr jahrelanges Engagement

in der abendlichen Telefonberatung mit der

silbernen Ehrennadel des Paritätischen geehrt.

Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung und

bedanken uns für die jahrelange Arbeit (s. 1.).

2.2 Die Angebote der AIDS-Hilfe im Sektor

Beratung

Unsere Beratungsangebote konnten von den Ratsuchenden

wie folgt genutzt werden:

1. persönliche Beratung in den Einrichtungen;

2. telefonische Beratung durch HauptamtlerInnen

während der Öffnungszeiten in Duisburg und

Wesel;

telefonische und E-Mail Beratung durch die ehrenamtlichen

Telefonberater in der Zeit von 19.00-

21.00 Uhr am Montag in Duisburg.

2.2.1 Persönliche Beratung

Während der Öffnungszeiten sowie nach telefonischer

Absprache auch außerhalb der Öffnungszeiten,

konnten Ratsuchende sich persönlich durch

hauptamtliche MitarbeiterInnen in unseren Büros

in Duisburg und Wesel beraten lassen. Bei diesen

Beratungsgesprächen wurde auf eine ruhige und

entspannte Atmosphäre geachtet. Bei Bedarf

konnten Ratsuchende, die anonym bleiben wollten,

sich auch Termine außerhalb der Öffnungszeiten

und dem damit verbundenen Publikumsverkehr

geben lassen. Bei Beratungen von Personen,

die kürzlich ihr HIV-positives Testergebnis erhalten

haben, wurde im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe

immer das Angebot unterbreitet, mit einem

HIV-Positiven zu sprechen, der schon länger mit

der Infektion lebt. Dieses Angebot wurde häufig

in Anspruch genommen.

Generell wurde die persönliche Beratung immer

weniger von Ratsuchenden in Anspruch genommen.

Als mögliche Begründung sind hier die anonymen

Möglichkeiten durch das world wide web

(www) zu nennen (z.B. durch die Onlineberatung

der Deutschen AIDS-Hilfe www.aidshilfeberatung.de

oder für schwule und bisexuelle Männer

bei www.gayromeo.com der healthsupport).

Immer mehr Menschen nutzen das www, und haben

gelernt, sich dort zu informieren und diesem

neuen Medium zu vertrauen. Gleichzeitig ist aber

auch festzustellen, dass für nicht wenige das Surfen

im Internet aufgrund unterschiedlichster Informationen

und schwerer Einschätzbarkeit von Seriösität

der Informationen eher zur Verwirrung führen

kann. Für diejenigen ist dann insbesondere die

qualifizierte telefonische Beratung sehr wichtig.

2.2.2 Telefonische Beratung

Auch in diesem Jahr blieb die Zahl der Telefonberatungen

während der Öffnungszeiten sehr hoch.

Die Ratsuchenden wurden nach eingehender Erörterung

der Risikosituationen aufgeklärt. Falls

erwünscht, wurden die Ratsuchenden zwecks HIV

-Antikörper-Test an das örtliche Gesundheitsamt

verwiesen.

Unsere Beratungsnummern sind für Duisburg:

16


0203-19411 und für Wesel 0281-19411. Die Rufnummern

wurden in den örtlichen Zeitungen unter

der Rubrik Beratung beworben. Regelmäßig

wurde die Bewerbung kontrolliert, da die Rubrik

von vielen Vereinen genutzt wird und die Einstellung

der Rufnummer kostenlos ist.

Die Beratungsnummern wurden durch Beantragung

bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation

und Post anonymisiert. Dadurch werden

bei einem Anruf über diese Rufnummer die

Nummern der Ratsuchenden unterdrückt und bei

dem Ratsuchenden erscheint die Beratungsnummer

nicht in der detaillierten Telefonrechnung.

2.2.3 Die Bundesweite Telefonberatung

Nach der Beendigung der Testphase beteiligt sich

nun die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

kontinuierlich an der bundesweiten Beratungshotline

der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.

An 62 Stunden pro Woche können sich so Ratsuchende

mit ihren Fragen rund um HIV/AIDS telefonisch

an die Berater der AIDS-Hilfen wenden.

Die Hotline ist erreichbar in den Zeiten: Montags

bis Freitags von 9.00-21.00 Uhr und am Sonntag

von 12.00-14.00 Uhr.

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. beteiligt

sich als eine von bundesweit 28 Einrichtungen

an diesem nunmehr fest etablierten Angebot.

Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bedienen

Ratsuchende aus dem ganzen Bundesgebiet am

Montagabend von 19.00-21.00 Uhr und am Donnerstag

von 11.00-14.00 Uhr. Die regionalen Angebote

bleiben im vollen Umfang bestehen. So

können sich Menschen telefonisch, persönlich und

per E-Mail zu den gewohnten Zeiten an die MitarbeiterInnen

der AIDS-Hilfe wenden. Das überregionale

Angebot wird zusätzlich zu dem bestehenden

Angebot hinzugefügt.

Die Telefonberatung spielt bei der Aufklärung zu

HIV nach wie vor eine große Rolle. Sie ist das Medium

zur Beantwortung persönlicher Fragen und

zur Abklärung eines individuellen HIV-

Übertragungsrisikos. Mit der neuen Rufnummer

werden bestehende Angebote unter einer bun-

17


Beratung

desweiten Nummer zusammengeführt und damit

die Erreichbarkeit für Ratsuchende weiter verbessert.

Durch die Intensivierung der Weiterbildung

und die Einrichtung eines Online-Portals für BeraterInnen

wird die Qualität der Beratung langfristig

gesichert.

Um die Wichtigkeit der bundesweiten Telefonberatung

aufzuzeigen, sind hier die Zahlen der Beratungskontakte

(Monitorings) bei der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel und die Art der Anfragen

für das Jahr 2011 aufgelistet:

372 Monitorings mit den gewählten Parametern

gefunden.

Gesprächsdauer Prozent Anzahl

Bis 5 Minuten 51,9 % 193

5 bis 15 Minuten 39,5 % 147

15 bis 30 Minuten 8,6 % 32

Länger als 30 Minuten 0 % 0

Gesamt 372

Beratungsanlass Prozent Anzahl

Drogengebrauch 0 % 0

Familie und soziales Umfeld 0 % 0

Hepatitis 1,1 % 4

HIV-Ansteckungsrisiken 69,6 % 259

HIV-Test 16,7 % 62

Leben mit einer HIV-Infektion 4,3 % 16

Migration 0 % 0

Partnerschaft 0,3 % 1

Prostitution 0,5 % 2

Schutz vor HIV 0,5 % 2

Schwangerschaft 0 % 0

Seelische Probleme 1,1 % 4

Sexualität 0 % 0

Sexuell übertragbare Krankheiten (STD) 1,6 % 6

Sofortmaßnahmen nach Risikokontakt (PEP) 1,3 % 5

Sonstige Fragen 2,7 % 10

Soziale und rechtliche Fragen 0,3 % 1

Gesamt 372

Geschlecht Prozent Anzahl

Männlich 78,6 % 290

Weiblich 21,4 % 79

Transidentisch 0 % 0

Gesamt 369

18


Sexuelle Orientierung Prozent Anzahl

Heterosexuell 66,1 % 244

Homosexuell 16,5 % 61

Bisexuell 1,6 % 6

Unbekannt 15,7 % 58

Gesamt 369

HIV-Status Prozent Anzahl

Negativ 57,1 % 209

Positiv 5,5 % 20

unbekannt 37,4 % 137

Gesamt 366

geschätztes Alter Prozent Anzahl

bis 20 3,5 % 13

20 bis 29 35,8 % 132

30 bis 39 43,9 % 162

40 bis 49 11,7 % 43

50 und älter 2,4 % 9

Nicht einzuschätzen 2,7 % 10

Gesamt 369

19


Beratung

Anrufer/in kann diesen Gruppen zugeordnet werden

mit Informationsbedarf (Übertragungswege, Adressen)

Prozent

Anzahl

61,7 % 279

Freier 13,3 % 60

Aids-ängstlich oder Aids-phobisch 0 % 0

Aids-ängstlich 18,4 % 83

Aids-phobisch 2,9 % 13

Sexanrufer/in 0 % 0

Mensch in akuter Krise 2,9 % 13

Angehörige/r 0,7 % 3

Multiplikator/in 0,2 % 1

Gesamt 452

Themen der Beratung Prozent Anzahl

HIV-Ansteckungsrisiken & Schutz vor HIV 45 % 283

HIV-Ansteckungsrisiken 0 % 0

HIV-Test 28 % 176

Schutz vor HIV 0 % 0

Leben mit HIV 5,4 % 34

Sofortmaßnahmen nach Risikokontakt (PEP) 2,4 % 15

Hepatitis 1,4 % 9

(andere) sexuell übertragbare Krankheiten 3,2 % 20

Prostitution 1,3 % 8

Drogengebrauch 0 % 0

Soziale und rechtliche Fragen 1,7 % 11

Schwangerschaft 0,5 % 3

Sexualität 1,6 % 10

Partnerschaft 2,4 % 15

Familie und soziales Umfeld 1,3 % 8

Seelische Probleme 3,3 % 21

Migration 0,2 % 1

Sonstige Fragen 2,4 % 15

Gesamt 629

Verweise Prozent Anzahl

Aidshilfen-Intern 12,9 % 49

HIV-Teststellen 24,1 % 92

Arzt/Ärztin, Therapeut/Therapeutin 11 % 42

Kriseneinrichtung 0,3 % 1

Andere Beratungsstellen 1,6 % 6

Kein Verweis 50,1 % 191

Gesamt 381

20


Antahl der Personen

Durch die Anonymität der Beratung bedingt, können

die o. a. Daten nur als richtungweisende Orientierung

dienen. Trotzdem kann hier auf wichtige

Aspekte im Konkreten hingewiesen werden:

Beratungsanlass:

259

Beratungsanlass

62

16

25

HIV-Ansteckungsrisiken

HIV-Test

Leben mit einer HIV-

Infektion

Andere

180

160

140

120

100

80

60

40

20

0

bis 20

13

20 bis 29

geschätztes Alter

132

30 bis 39

162

40 bis 49

Nach der Gruppe der 30-39 Jährigen ist die an

zweiter Stelle angeführte Gruppe die der 20-29

Jährigen.

43

50 und älter

9 13

Nicht einzuschätzen

Weiterhin ist die Frage nach HIV-

Ansteckungsrisiken der häufigste Anlass, warum

sich Menschen an uns wenden (gefolgt von Fragen

zum HIV-Test).

Geschlecht:

Geschlecht

Dauer der Beratung:

22%

Dauer der Telefonberatungen

Männlich

Weiblich

32

78%

Bis 5 Minuten

147

193

5 bis 15 Minuten

15 bis 30 Minuten

Mit 78% ist der Anteil der männlichen Ratsuchenden

eindeutig höher.

Sexuelle Orientierung:

Anhand dieser Daten wird ersichtlich, dass unsere

Berater selten länger als 15 Minuten mit einem

Ratsuchenden sprechen.

Dies ist insofern ein Parameter für eine qualitativ

hochwertige Beratung, da als Faustregel gilt, dass

meistens nach ca. 15 Minuten alle wesentlichen

Informationen ausgetauscht wurden und das Risiko

von Wiederholungen getroffener Aussagen

stark zunimmt.

Sexuelle Orientierung

2% 16% Heterosexuell

Homosexuell

16%

Bisexuell

66%

Unbekannt

Geschätztes Alter:

Hier ist am stärksten der Anteil der Menschen

21


Beratung

mit einer heterosexuellen Orientierung vertreten.

Verbindet man die jeweiligen Daten miteinander

(hier die Daten von geschätztem Alter, Geschlecht

und sexueller Orientierung) kann tendenziell

festgehalten werden, dass sich am ehesten

heterosexuelle 20-39 jährige Männer an uns

wenden.

Dies ist insofern relevant, da nach vorliegender

Datenlage Männer bezüglich präventiver Gesundheitsaspekte

im Gegensatz zu Frauen im Gesundheitssektor

stark unterrepräsentiert sind (siehe

hierzu „Erster Deutscher Männergesundheitsbericht,

Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit

e.V., Herausgeber: Prof. Dr. med. Lothar

Weißbach, www.stiftung-maennergesundheit.de).

Da die Beratungskontakte unter der 19411 im

Rahmen der Büro-Besetzung nicht detailliert erfasst

werden, nehmen wir die o.a. Monitorings als

Tendenz, die wir durchaus auf alle Kontakte übernehmen

können.

2.2.4 Die Telefonberatervernetzung im

Ruhrgebiet:

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist mit

anderen Kooperationspartnern aus dem Ruhrgebiet

in einer Telefonberatervernetzung zusammengeschlossen.

Ziel dieser Vernetzung war es,

die Beratung zu HIV-AIDS an jedem Wochentag

abends im Ruhrgebiet anzubieten. Bei den Treffen

in der Ruhrgebietsvernetzung 2010 war ein

Hauptthema die Sinnhaftigkeit der Vernetzung, da

durch die bundesweite Beratungsvernetzung möglicherweise

eine Doppelstruktur entstanden wäre

(da durch dieses neue Angebot täglich Abends

und auch am Wochenende die Beratung sichergestellt

ist und durch die bundesweite Vernetzung

ebenfalls die Qualitätssicherung und Fortbildung

der BeraterInnen erfolgt). Bei dem Austausch der

bundesweiten Telefonberater (an dem der hauptamtliche

Mitarbeiter der AIDS-Hilfe im Jahr 2011

aus o.a. Grund an dem Treffen in Berlin teilnahm)

konnte dieser Punkt angesprochen werden. Erfreulicherweise

wurde entschieden, dass die

Ruhrgebietsvernetzung einen Sonderstatus bekommt.

So kann die Ruhrgebietsvernetzung Repräsentanten

zu den bundesweiten Treffen senden

(Vertraglich ist jede Einrichtung verpflichtet, regelmäßig

an den Treffen in Berlin teilzunehmen).

22

Die Informationsweitergabe an die Ruhrgebiets -

AIDS-Hilfen erfolgt dann bei den 2 mal im Jahr

durchgeführten Treffen in der Ruhrgebietsvernetzung.

Dadurch wird die zeitliche Belastung für die

haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen extrem

reduziert.

Ein weiterer Schwerpunkt bei den Vernetzungstreffen

ist weiterhin die Fortbildung der BeraterInnen.

So hat der zuständige Mitarbeit der der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. 2011 bei

einem der Treffen der Berater im Ruhrgebiet ein

Referat zu dem Themenfeld Hepatitiden gehalten.

2.2.5 E-Mail Beratung

Die E-Mail Beratung in der AIDS-Hilfe wurde weiterhin

angeboten. Die E-Mailberatung ist unter

der folgenden Adresse zu erreichen:

www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de.

Um die gängigsten Fragen im Voraus zu klären,

wurden auf unserer Homepage die acht häufigsten

gestellten Fragen (FAQ) eingestellt. Der Ratsuchende

konnte beim Anklicken einer Frage gleich

die Antwort lesen. Durch dieses Beratungsangebot

konnten viele Ratsuchende ohne dass sie an

uns eine E-Mail schreiben mussten, bedient werden.

Detailliertere Fragen konnten dann per E-

Mail an uns gesendet werden. Bei diesen E-Mails

wurde im Betreff automatisch „E-Mailberatung“

eingegeben, sodass die E-Mails nicht von den Mitarbeitern

gelesen wurden, sondern direkt an die

Telefon/E-Mail Beraterin weitergeleitet werden

konnten.

Die E-Mailberatung wird hauptsächlich am Montagabend

in der Zeit der Telefonberatung durch

die ehrenamtlichen Mitarbeiter bedient und die E-

Mails in dieser Zeit beantwortet.

Bei dringenden E-Mails wurden diese von den

hauptamtlichen MitarbeiterInnen während der

Öffnungszeiten beantwortet.


Folgende vorgefertigten Fragen wurden im Internet

angeboten:

Insgesamt wurde die E-Mailberatung im Jahr 2011

wenig genutzt. Die schon bei Punkt 2.2.1 beschriebenen

Erklärungen sind sicherlich auch hierfür

maßgeblich.

2.3 Danksagung

Leider mussten wir Ende 2011 von unserer ehrenamtlichen

Mitarbeiterin Frau Andrea Täufer

aufgrund persönlicher Gründe Abschied nehmen.

Wir danken ihr daher besonders an dieser Stelle

für ihr Engagement. Dank ihres Einsatzes konnte

die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. in diesem bemerkenswerten Umfang

vorgehalten werden.

Telefonberatung trotz des Verlustes von Frau

Täufer aufrecht erhalten und begrüßen (und bedanken

uns in diesem Zusammenhang) recht

herzlich Herrn Hilgers in unserem kleinen, aber

feinen Team!

Erfreulicher Weise konnten wir durch einen Zuwachs

unseres ehrenamtlichen Beraterteams die

23


Begleitung

3. Begleitung

Unsere Einrichtung begleitet weiterhin HIV-

Infizierte / an AIDS-Erkrankte, die aus den unterschiedlichsten

Bevölkerungsgruppen mit verschiedenen

sozialen Hintergründen stammen. So begleiten

wir auch die HIV-positiven Menschen in

der JVA Duisburg-Hamborn mit ihren Zweiganstalten

Duisburg-Innenstadt und Dinslaken (siehe

Kapitel 5.3).

Die einzelnen Begleitungsfälle befinden sich in

unterschiedlichen Lebens- und Behandlungssituationen.

Einige Begleitete nehmen keine Medikamente,

weil sie nach den Leitlinien noch keine

Medikamente benötigen, sich bewusst dagegen

entschieden haben oder derzeit nicht dazu in der

Lage sind. Die Gründe für die Ablehnung der Medikamente

sind vielfältig. Es kann die Folge von

gravierenden Ereignissen sein (z. Bsp. Tod eines

nahen Angehörigen), die dann zunächst bearbeitet

werden müssen und der eigene Lebenswille wieder

gestärkt werden muss. Ein Grund ist auch die

Angst vor den Nebenwirkungen und evtl. einhergehenden

körperlichen Veränderungen, und die

lebenslange Einnahme von Medikamenten oder

aber auch Verdrängung der Infektion. Bei anderen

Begleiteten sind aber auch finanzielle Gründe der

Anlass für das Weglassen der Antiretroviralen

Therapie. Zwar sind die Zuzahlungen zu den Medikamenten

prozentual beschränkt (1vH bzw. 2

vH vom Bruttoeinkommen), es kann allerdings

doch zu Geldknappheit kommen wenn für einen

Arztbesuch mit anschließender Medikamentenverordnung

40 – 50 € auf einen Schlag anfallen. Hinzu

kommt, dass ein Teil der Medikamente von den

Patienten selbst bezahlt werden muß (nicht erstattungsfähig)

und somit sich die Zuzahlung erhöht.

Hier versuchen wir die Begleiteten zu unterstützen,

indem wir mit unserem Positivenfonds die

Zuzahlung am Anfang des Jahres übernehmen, damit

diese die Befreiuungskarte erhalten und somit

lückenlos ihre Arztbesuche wahrnehmen und ihre

HIV-Medikamente einnehmen können. Dies erfolgt

entweder über eine außergewöhnliche oder

rückzahlbare Zuwendung, je nach Einschätzung

der Lebenssituation

darin, dass ein großer Teil der Infizierten mit den

Medikamenten gut klar kommt. Während aufgrund

der Vielzahl der Medikamente die akuten

Nebenwirkungen weniger werden, treten häufiger

Langzeitnebenwirkungen auf wie zum Beispiel im

Herz-Kreislaufbereich. Hier gilt es andere Risiken

wie Rauchen oder ungesunde Ernährung zu minimieren.

Des Weiteren werden unsere Begleiteten

auch älter und es gilt, sie für bestimmte Vorsorgeuntersuchungen

zu sensibilisieren und altersbedingte

Erkrankungen mit in den Fokus zu nehmen.

Ein weiteres Themenfeld unserer Beratung von

Begleiteten liegt in der Koinfektion mit Hepatitis

C. Einige von Ihnen haben neben ihrer HIV-

Infektion zusätzlich noch einen Hepatitis C-

Infektion. Da es derzeit neue Behandlungsmöglichkeiten

gibt, gilt es für uns, uns hier das Wissen

zu verschaffen, um die Begleiteten mit Doppelinfektion

entsprechend informieren zu können.

Viele von unserer langfristig Begleiteten waren

bereits an AIDS erkrankt, sind verrentet und leben

auf dem Niveau des Arbeitslosengeldes II, der

Grundsicherung oder leicht darüber. Hierbei handelt

es sich um Leistungen, die ihrem Ursprung

nach zur Überbrückung einer kurzen Zeit angedacht

waren. Letztendlich verharren diese Begleiteten

nicht selten in einer Lebenssituation, die

Ihnen finanziell keinen Spielraum lässt und wenig

Perspektiven für die Zukunft bietet. Leider hat

hieran auch der monatelange Streit um die Erhöhung

der ALG II-Sätze, die auch das Niveau der

Grundsicherung darstellen, keine grundlegende

Änderung herbeigeführt. Aufgrund der fehlenden

materiellen Ressourcen fehlt es an Lebensqualität,

da die Teilhabe am gesellschaftlichten Leben wie

Ausgehen, Kino und andere Freizeitaktivitäten

einen Faktor für Lebensqualität darstellen kann.

Dadurch kommt es oft zu Vereinsamung und Depressionen,

so dass auch von Einzelnen suizidale

Gedanken geäußert werden, denen es zu begegnen

gilt. Um der Vereinzelung vorzubeugen, haben

wir einige Angebote, die weiter unten beschrieben

sind, auch im Berichtsjahr vorgehalten

bzw. freuen uns, dass Angebote in Selbsthilfe ausgestaltet

werden. Des Weiteren bieten wir Unterstützung

bei sozialrechtlichen und finanziellen

Schwierigkeiten.

HIV entwickelt sich immer mehr in Richtung einer

chronischen Erkrankung. Dieses zeigt sich auch

Teile unserer Begleiteten bringen sich aktiv ein

und gestalten unter anderem die Freizeit für HIV-

24


Positive mit, nimmt an der Kochgruppe teil, die

selbstorganisiert ist und engagiert sich auf landesund

bundesweiter Ebene in Landesarbeitsgemeinschaften

und Netzwerken.

und somit Treffpunkte außerhalb der AIDS-Hilfe

an. Dies kann bei dem Begleiteten zuhause oder

einem neutralen Ort außerhalb von AIDS-Hilfe

und Wohnung sein.

Andere HIV-Infizierte gehen einer geregelten Arbeit

nach und nehmen die AIDS-Hilfe nur punktuell

zu bestimmten Fragen in Anspruch oder besuchen

unser Mittwochs-Café oder von uns durchgeführte

Fortbildungsveranstaltungen.

In einzelnen Fällen von Neudiagnosen gilt es, Krisenintervention

zu gewährleisten und die Situation

zu stabilisieren. Auch in Zeiten von Behandelbarkeit

von HIV gibt es nach einem Testergebnis

unterschiedliche Problematiken zu bearbeiten.

Viele HIV-Infizierte haben das Gefühl, an der Infektion

selbst schuld zu sein und schämen sich. Zu

Beginn ihres Infektionsverarbeitungsprozesses

kann es zu Anpassungsstörungen oder Depressionen

kommen. Auch ist es für HIV-positive Menschen

heute immer noch schwer, sich gegenüber

anderen Menschen und Freunden zu ihrer HIV-

Infektion zu bekennen. Hier bietet die AIDS-Hilfe

Unterstützung durch die psychosoziale Begleitung

der hauptamtlichen Mitarbeiter oder durch Kontakt

mit anderen HIV-Positiven (z. Bsp. in unserer

Positivengruppe oder in Einzelgesprächen mit HIV

-Positiven, die wir vermitteln).

Bei komplexen Begleitungen, die im Zeitumfang

unsere Ressourcen übersteigen, vermitteln wir

Begleitete in Formen ambulant betreuten Wohnens.

Unsere Öffnungszeiten für persönliche Beratung -

montags 11- 14 Uhr, mittwochs 14 – 19 Uhr, freitags

11 – 16 Uhr – haben sich bewährt. In dieser

Zeit haben wir eine offene Sprechstunde und man

kann uns ohne Termin aufsuchen. Selbstverständlich

ist es auch weiterhin möglich, außerhalb der

Öffnungszeiten einen Beratungstermin zu vereinbaren.

Des Weiteren ist unser Büro in Wesel

dienstags von 14 – 17 Uhr und donnerstags von 9

– 12 Uhr besetzt, so dass von montags bis freitags

die Möglichkeit zur persönlichen unterminierten

Beratung besteht.

Neben dem Beratungsangebot in der AIDS-Hilfe

bieten wir in Einzelfällen auch aufsuchende Arbeit

Zur qualitativen Verbesserung der Begleitungsarbeit

nahm ein hauptamtlicher Mitarbeiter aus dem

Begleitungsbereich an den Treffen des auf Landesebene

stattfindenden Arbeitskreises Sozialberatung

teil. Bei diesem Arbeitskreis handelt es sich

um ein wichtiges Fort- und Weiterbildungsangebot,

da hier MitarbeiterInnen aus unterschiedlichen

AIDS-Hilfen zur Reflektion ihrer Arbeit zusammen

treffen. Des Weiteren dient das Treffen

dem Erfahrungsaustausch und es gibt die Möglichkeit

zur Fallbesprechung.

3.1. Einzelbegleitung

Die Einzelbegleitung wird von drei hauptamtlichen

MitarbeiterInnen mit unterschiedlichem Zeitanteil

ihrer Vollzeitstellen neben ihren anderen Aufgabenbereichen

durchgeführt. Im Berichtsjahr war

durch krankheitsbedingte längere Ausfälle von

zwei MitarbeiterInnen die Belastung bei den verbliebenen

Mitarbeitern stark gestiegen, zumal die

Stelleninhaberin für den Frauenbereich im Oktober

gekündigt hatte und im Vorfeld längere

Krankheitsphasen hatte. Hier war zwar mit der

Jahrespraktikantin eine Vertretung geschaffen, die

aber noch großen Einarbeitungsbedarf in der Begleitungsarbeit

aufwies. In der Begleitungsarbeit

bieten wir Beratungen zu Nebenwirkungen der

Medikamente, zu Partnerschaftskonflikten, sozialrechtlichen

und finanziellen Problemen an. Bei

weiter gehenden und komplexeren Problematiken

stellen wir Kontakt zu entsprechenden Beratungsstellen

her (wie zum Beispiel der Schuldnerberatung).

Wie in den Vorjahren gilt es, finanzielle

Engpässe bei der Zuzahlung zu Medikamenten und

der Praxisgebühr zu überbrücken, bis die Zuzahlungsgrenze

erreicht ist und die Befreiungskarte

ausgestellt werden kann. Bei Menschen mit Migrationshintergrund

stellt die Passverlängerung ein

großes finanzielles und logistisches Problem dar,

für die sich keiner zuständig fühlt. Die Gebühren

sind exorbitant hoch und meistens müssen die

Pässe bei der Botschaft persönlich abgeholt werden,

welches wiederum hohe Fahrtkosten verursacht.

Bei finanziellen Problemen halfen wir mit unserem

25


Begleitung

Positivenfond, bei größeren Beträgen stellten wir

Anträge an die Deutsche AIDS-Stiftung, soweit

die Antragshintergründe die Kriterien der Stiftung

erfüllen. Die Bearbeitungszeiten haben sich aufgrund

von Personaleinsparungen bei der Deutschen

AIDS-Stiftung jedoch auf ca. 8 – 10 Wochen

je Antrag ausgeweitet.

Das Berichtsjahr war geprägt von verstärkt aufgetretenen

stationären Aufenthalten von Begleiteten

mit zum Teil lebensbedrohenden Szenarien. So

wurde ein Begleiteter mit akutem Nierenversagen

ins Krankenhaus eingeliefert, ein Betroffener hatte

einen schweren Herzinfarkt, ein weiterer Herzprobleme

mit der Notwendigkeit zur Legung von

Bypässen. Bei den Herzproblemen schlossen sich

Reha- Maßnahmen an. Zwei weitere Begleitete

mussten aufgrund ihrer Krebserkrankung stationär

behandelt werden, einer wegen einer schweren

Gürtelrose wegen nicht eingenommener antiretroviraler

Therapie. Insgesamt waren dreizehn

unserer Begleiteten zum Teil mehrfach in stationärer

Behandlung, welches wir aus den Vorjahren

so nicht mehr kannten. Hier zeigt sich, wie aktuell

das Thema unseres Fachgespräches „Auf dem

Prüfstand: Leber, Herz und Nieren – Aspekte der

allgemeinen Gesundheitsförderung für Menschen

mit HIV und AIDS“ gewählt war, da Krankheiten

dieser Organe vermehrt Probleme bereiten.

Krankenhausaufenthalte bedeuten für uns hohe

zeitliche Aufwände, da wir die Begleiteten im

Krankenhaus aufsuchen und die stationären Aufenthalte

zum großen Teil in Städten außerhalb

Duisburgs stattfinden.

kritisierte die deutschen Ärzte für Ihre Ausgrenzung

von HIV-Infizierten. Zitat: „Es ist erschreckend,

dass Berufsgruppen, die eigentlich eine

entsprechende Ausbildung haben müssten, ein

solches Verhalten an den Tag legen.“ Dies bezog

sich auf ein Gespräch des Ministers mit Experten

und Betroffenen, die berichteten, dass Ärzte sich

oft weigerten, sie zu behandeln.

Letztendlich stellten wir Kontakt zwischen der

Rehaklinik und der AIDS-Hilfe Paderborn her.

Zwei unserer Begleiteten sind im Berichtsjahr

verstorben, zum Teil nach längeren stationären

Aufenthalten.

Insgesamt begleiteten wir 196 Personen einschließlich

der im Knast begleiteten Personen.

Intensive Begleitung bedeutet mindestens 1 Kontakt

pro Woche, welches aber durchaus auch bis

zu tägliche Kontakte beinhalten kann. Intensiv bedeutet

aber auch, einmaliger monatlicher Kontakt

mit anschließendem hohem Regelungsbedarf.

In der Rubrik „Regelmäßig“ erfassen wir Begleitete

mit mindestens einmal monatlichem Kontakt

und „Sporadisch“ einmal jährlichen Beratungskontakt.

Betroffene in

Einzelbegleitung

2011 2010 2009 2008 2007

Intensiv 25 24 24 24 18

Regelmäßig 65 62 55 55 55

Und leider gibt es auch im Jahr 2011 noch Reha-

Einrichtungen, die nicht die Infektionswege einer

HIV-Übertragung kennen und aufgrund dessen

Begleitete diskriminieren: so geschehen in Bad

Driburg. Hier wurde eine Untersuchung eines

HIV-Positiven nicht vorgenommen, da die Ärztin

keine Handschuhe zur Verfügung hatte. Des Weiteren

sollte der Patient nicht am Schwimmen teilnehmen,

um andere Patienten nicht zu gefährden.

In unserer Stellungnahme verwiesen wir auf Daniel

Bahr: Wir können uns da nur den Worten

des Bundesgesundheitsministers Daniel Bahr anlässlich

der Vorstellung der Kampagne zum Welt-

AIDS-Tag am 28.10.2011 anschließen. Herr Bahr

Sporadisch 112 110 115 112 104

Insgesamt 202 196 194 191 177

Betroffene in

ehrenamtl. Begleitung

2011 2010 2009 2008 2007

insgesamt 1 1 1 9 10

Im Berichtsjahr wird weiterhin eine Betroffene

durch einen ehrenamtlichen Mitarbeiter begleitet.

Die übrigen werden durch das hauptamtliche

Team versorgt und halten sich auf stabilem Niveau.

26


3.2. Begleitergruppe

Wie im vorherigen Abschnitt schon erwähnt,

wird derzeit nur noch eine Person ehrenamtlich

begleitet. Einmal im Berichtsjahr trafen sich der

ehrenamtliche Begleiter und die „Ehemaligen“ mit

dem hauptamtlichen Mitarbeiter. Dieses Treffen

diente zum einen zum Austausch und zur Reflektion

über die bestehende Begleitung und zum anderen

zum Informationsaustausch über die AIDS-

Hilfe, da die zwei „Ehemaligen“ nur noch lose

Kontakt zur AIDS-Hilfe haben.

Die Aufgabe der ehrenamtlichen Begleitung bestand

überwiegend darin, als Gesprächspartner –

zum Teil auch in Krisensituationen - zur Verfügung

zu stehen. Dies kann auch zu ungewöhnlichen

Uhrzeiten der Fall sein, wobei der ehrenamtliche

Mitarbeiter für sich entscheiden muss, in

welchem Zeitrahmen er dies zulässt.

Eigentlich halten wir noch die Gruppe „Du darfst,

die Frau, der Mann für kurze Fälle“ vor. Hierüber

sollten zum Beispiel Fahrten zu Ärzten organisiert

werden. Da jedoch viele ehrenamtliche MitarbeiterInnen

berufstätig, andere ohne Führerschein

sind, müssen Fahrten zu Ärzten und Ämtern

durch die AIDS-Hilfe (Zivildienstleistender oder

letztendlich auch durch hauptamtliche Mitarbeiter)

durchgeführt werden.

Für den Einsatz des ehrenamtlichen Begleiters

möchten wir uns herzlich bedanken.

3.3. Positivenfond

Der Positivenfond wird von der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e. V. mit dem Ziel verwaltet,

HIV-positive / an AIDS-Erkrankte Menschen in

finanziellen Notlagen zu unterstützen.

Die Verteilung der Fondgelder übernahm im Berichtsjahr

2011 ein Gremium, das aus zwei HIVpositiven

Menschen, einem Ehrenamtler aus dem

Begleitungsbereich und einem Hauptamtler besteht.

Diese Zusammensetzung schafft innerhalb

des Gremiums eine Perspektivenvielfalt, die für

die Entscheidungsfindung bei Anträgen bereichernd

ist. Mindestens drei Personen dieses Gremiums

entscheiden mit einfacher Mehrheit über

außergewöhnliche und rückzahlbare Zuwendungen.

Die Soforthilfe wird primär von den drei im

Begleitungsbereich tätigen hauptamtlichen Mitarbeitern

ausgezahlt. In die Entscheidungsfindung

fließt zum einen die finanzielle Situation des Antragsstellers

ein und zum anderen die Gründe für

sein spezielles Anliegen. Die Verwaltung des

Fonds obliegt einem hauptamtlichen Mitarbeiter.

Wie in den Vorjahren stellte der Vorstand aus

Spendengeldern insgesamt eine Summe in Höhe

von 3.850 € zur Verfügung. Unser besonderer

Dank gilt allen Spendern, die uns damit diese

Form der Hilfe in diesem Umfang ermöglicht haben.

Die Summe wurde im Berichtsjahr nicht ausgeschöpft.

Bei einem Krankhausaufenthalt ist die Beantragung

für die dort anfallenden „Telefonkosten“

möglich, wenn diese nicht selbst übernommen

werden können. Hierdurch soll der Kontakt nach

außen aufrechterhalten und die Möglichkeit gegeben

werden, sich bei Schwierigkeiten mit jemandem

zu bereden. Da es im Berichtsjahr eine

Mehrzahl stationärer Aufenthalte gab, fallen in

dieser Rubrik auch Ausgaben an. Diese sind aber

im Vergleich zu den Aufenthalten sehr niedrig,

was daran liegt, dass die Begleiteten zumeist über

Handy erreichbar sind.

Für den Bereich „Knast“ haben wir in 2011

130,46 € für sogenannte Knastpakete aufgewandt.

Da diese nicht mehr über die Deutsche AIDS-

Stiftung finanziert werden, werden sie zurzeit vom

Positivenfond getragen. Die Summe hat sich im

Vergleich zum Vorjahr fast halbiert.

Der Bereich „Soforthilfe“ lag mit 1.915 € etwas

höher als die Ausgaben in diesem Bereich im Jahr

2010. Dieses hängt wohl damit zusammen, dass

wir neue Klienten aus Wesel haben, die berechtigt

sind, Leistungen aus dem Positivenfonds zu

erhalten. Die „Soforthilfe“ stellt weiterhin den

höchsten Ausgabenposten des Positivenfonds dar.

Bei der Soforthilfe handelt es sich um eine finanzielle

Hilfe am Ende des Monats, um Engpässe zu

überbrücken. Diese Hilfe wird gewährt, wenn sich

die Einkünfte auf dem Niveau des Arbeitslosengeldes

II belaufen. Die Soforthilfe wurde im Durchschnitt

von den Personen, die die Kriterien des

Positivenfond erfüllen, in der Regel fünfmal jährlich

in Anspruch genommen.

27


Ausgaben

Begleitung

Die „Außergewöhnlichen Zuwendungen“

verringerten sich im Berichtsjahr von 843 € auf

387 €. Außergewöhnliche Zuwendungen werden

für den Ausgleich von Stromschulden, Telefonrechnungen,

Zuschüsse zum Zahnersatz, Unterstützung

zur Erlangung der Befreiungskarte für

Zuzahlungen bei Medikamenten und Praxisgebühr

und anderes gewährt.

„Rückzahlbare Zuwendungen“ sind für Ausgaben

gedacht, die die Begleiteten dringend benötigen,

für die sie aber aktuell kein Geld haben. Das

gewährte Darlehen muss in angemessenen Raten

zurückgezahlt werden. Um den Begleiteten dies

zu ermöglichen und das Begleitungsverhältnis

durch offene Beträge nicht zu belasten, muss der

Einkommenssatz bei diesen Zuwendungen die Sozialhilfe

bzw. das Arbeitslosengeld II übersteigen.

Die rückzahlbaren Zuwendungen sind im Berichtsjahr

im Vergleich zum Vorjahr ungefähr

gleich geblieben.

Rückzahlbare Zuwendungen wurden in den meisten

Fällen für Zuzahlungen für Medikamente und

Praxisgebühr gewährt, damit der Betroffene direkt

seine Befreiungskarte erhält und die Rückzahlung

an die AIDS-Hilfe vornehmen kann. Mit

der Befreiungskarte ist ein regelmäßiger Arztbesuch

und regelmäßiger Medikamentenbezug möglich.

Da es bei rückzahlbaren Zuwendungen immer

wieder vorkam, dass es zu Schwierigkeiten bei

den Rückzahlungen kam, werden diese sehr restriktiv

vergeben.

Die „Einnahmen“ (s. Abb. u.) des Positivenfonds

resultieren aus den Rückzahlungen der

rückzahlbaren Zuwendungen. Da die Darlehen

nicht unbedingt in dem Jahr der Auszahlung zurückgezahlt

werden, kommt es zu Differenzen in

den Bereichen Auszahlung und Einnahme.

Auch im Berichtsjahr konnten wir durch Anträge

bei der Deutschen AIDS-Stiftung und für HIVpositive

Kinder bei der Michael-Stich-Stiftung unseren

Begleiteten mit größeren Beträgen aushelfen.

Hier besteht weiterhin eine gute Zusammenarbeit,

für die wir uns recht herzlich bedanken.

Positivenfond 2010 und 2011

2.500,00 €

2.000,00 €

1.500,00 €

1.000,00 €

2011

2010

500,00 €

0,00 €

Rubriken

28

Telef. Knast Sorforth. Außergew. Z. Rückz. Z. Einnahmen Summe

2011 52,81 € 130,46 € 1.915,00 € 387,88 € 349,75 € 284,10 € 2.835,90 €

2010 0,00 € 230,45 € 1.850,59 € 843,64 € 326,07 € 168,00 € 3.250,75 €


3.4. Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern

Die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern

bleibt für unsere AIDS-Hilfe wichtig. Im Einzelnen

handelt es sich um folgende Partner:

HIV-Schwerpunktpraxen

Die Zusammenarbeit mit den beiden in Duisburg

auf HIV spezialisierten Schwerpunktpraxen wurde

2011 problemlos fortgesetzt. Unklarheiten und

Fragen können auf kurzem Weg geklärt werden.

Regelmäßig haben wir Austauschgespräche mit

dem Gesundheitsamt Duisburg, dem Gesundheitsamt

des Kreises Wesel, der AIDS-Hilfe

Oberhausen und den beiden Schwerpunktärzten.

Es ist für uns eine Möglichkeit, die Arbeit der

AIDS-Hilfe vorzustellen und transparent zu machen.

Unter anderem war auch Teil dieses Gespräches

der Rück- und Ausblick auf das Fachgespräch

mit den beiden Schwerpunktärzten.

Krankenhäuser

Bei Krankenhausaufenthalten in Bezug auf HIV/

AIDS werden unsere Begleiteten in die umliegenden

Uni-Kliniken Essen, Bochum und Düsseldorf

eingewiesen. Insbesondere zur Uniklinik Essen

bestehen gute Kontakte zu dem medizinischen

und auch zum sozialarbeiterischen Personal. In

Duisburg hat sich bezüglich der stationären Versorgung

keine Veränderung ergeben.

Pflegedienste

Die Kooperation mit den Pflegediensten, mit denen

wir bisher zusammen gearbeitet haben, wurde

erfolgreich fortgeführt.

Hospize

Im Berichtsjahr wurde von unseren Begleiteten

kein Hospiz in Anspruch genommen, jedoch besteht

von unserer Seite Kontakt zur Hospizbewegung.

Anwaltspraxen

Die Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten läuft im

migrationsrechtlichen Bereich - soweit von Nöten

- ohne Probleme.

Flüchtlingsberatung

Gerade aufgrund der häufigen Vakanz im Bereich

der Stelle Frauen und Migration war eine enge

Zusammenarbeit in Fragen des Aufenthaltrechts

mit der Flüchtlingsberatung des Deutschen Roten

Kreuzes erfreulicherweise gegeben.

Ambulant Betreutes Wohnen

Hier arbeiten wir mit örtlichen Anbietern zusammen

und für zukünftige Fälle ist eine Zusammenarbeit

mit der AIDS-Hilfe Essen vereinbart.

3.5 Angebote für HIV-Positive und an AIDS

-Erkrankte

Im Berichtsjahr wurde im Rahmen des Solidar-

Erleben-Ansatzes die Kochgruppe fortgeführt.

Die Kochgruppe ist ein monatliches Angebot, bei

dem überwiegend HIV-Positive zusammen kommen

und den Abend in Selbsthilfe organisieren.

Dieses dient zum eine dazu, Abwechslung in den

Alltag zu bringen bietet aber gleichzeitig Raum

zum Austausch von Sorgen und Nöten. Es handelt

sich um ein kostenloses Angebot, da der Vorstand

die Kochgruppe mit einem Budget ausgestattet

hat. An der Kochgruppe nehmen im Durchschnitt

3 – 5 Personen teil, da auch aus diesem Teilnehmerkreis

viele stationäre Aufenthalte zu verzeichnen

waren.

Seit Anfang 2007 trifft sich regelmäßig einmal monatlich

eine Positivengruppe. Zugang haben die

unterschiedlichen sexuellen Präferenzen, auch der

Ansteckungsweg spielt keine Rolle. Es ist eine

sehr bunt gemischte Gruppe, welche in Selbsthilfe

eigenständig durchgeführt wird.

Frauenspezifische Angebote wurden wie in den

Vorjahren in Kooperation mit den benachbarten

AIDS-Hilfen angeboten. Im Berichtsjahr wurde

auch das Angebot einer Frauengruppe weiter

geführt. Diese erfreut sich großer Beliebtheit und

stabilem Zuspruch. Hierbei gilt es besonders zu

erwähnen, dass es hier eine Kooperation mit den

niedergelassenen HIV-Schwerpunktpraxen gibt

und die AIDS-Hilfe mit diesem Angebot HIVpositive

Frauen erreicht, die bisher keinen Zugang

zur AIDS-Hilfe hatten. Weitere Einzelheiten werden

in Kapitel 5.4 näher beschrieben.

29


Begleitung

Unser traditionelles Mittwochs-Café ist weiterhin

das best besuchte Angebot. Dieses ist ein beliebter

Treffpunkt zwischen HIV-Infizierten / an

AIDS Erkrankten, ehrenamtlichen MitarbeiterInnen

und der AIDS-Hilfe Sympathie entgegenbringender

Menschen. Darüber hinaus ist dieses Café

eine erste Anlaufstelle für an ehrenamtlicher Arbeit

Interessierte.

Das Café haben wir mit hauptsächlich mit Aufbackkuchen

und Spenden der Duisburger Tafel

bzw. Bürger für Bürger bestückt. Im Café ist ein

Austausch zwischen Betroffenen, hauptamtlichen

und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen möglich.

Hier kann man sich auch über Neuigkeiten in der

AIDS-Hilfe informieren und die Angebote an der

Infotafel zur Kenntnis nehmen. Zum einen ist es

eine willkommene Abwechselung für die Betroffenen,

zum anderen ist es das Treffen in der „Wahl-

Familie“.

Weiterhin fährt eine ehrenamtliche Mitarbeiterin

jeweils vor dem Café bei Bürger für Bürger vorbei

und holt dort Lebensmittel, die dann im Mittwochs-Café

verteilt werden.

Das Café startet um 15 Uhr, wobei einige Besucher

schon von 15 Uhr eintreffen und endet um

18 Uhr. Es wird von durchschnittlich ca. 12 - 20

Personen besucht. Vorbereitet wird es – soweit

vorhanden - überwiegend von dem Zivildienstleistenden

und einem ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Während der Café-Zeit ist immer ein hauptamtlicher

Ansprechpartner präsent, da diese Treffen

von vielen Betroffenen dazu genutzt werden, Anliegen

an die BeraterInnen und BegleiterInnen heranzutragen.

Über die Cafézeit hinaus hat die

AIDS-Hilfe mittwochs bis 19 Uhr für persönliche

und telefonische Beratung geöffnet.

Unsere traditionelle Weihnachtsfeier fand Heiligabend

wie im Vorjahr in der Uhrzeit von 15.30

bis 20 Uhr statt.

Die Weihnachtsfeier wurde 28 TeilnehmerInnen

besucht und wurde in den Räumen von SHAlk

durchgeführt, denen wir für die Überlassung der

Räumlichkeiten recht herzlichen Dank sagen. Die

Weihnachtsfeier konnte über Spenden in Höhe

von 1.800 € der Kirchen aufgrund eines Mailings

und privater Einzelspenden in Höhe von 1.500 €

ausgerichtet werden. Wie in den Vorjahren konnten

wir ein festliches Menü anbieten und Weihnachtstüten

mit Süßigkeiten, Obst, Kaffee und Tabak

verteilen. Die Vorbereitung und die Durchführung

der Weihnachtsfeier liegen schwerpunktmäßig

in ehrenamtlicher Hand, von hauptamtlichen

Mitarbeitern gab es einen Ansprechpartner,

der auch bei der Weihnachtsfeier selbst anwe-

30


send war und für Rückfragen bei Unklarheiten zur

Verfügung stand.

Auch im Berichtsjahr gab es wieder eine Positivenfreizeit.

Die diesjährige Freizeit führte vom

16.09. bis 25.09.2011 nach Hooksiel. Es waren

zwei Häuser angemietet worden, so dass für die

aus sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmern bestehende

Gruppe bestand genügend Platz zum

Rückzug gegeben war.

Die Gruppe war wiederum heterogen zusammengesetzt,

mit verschiedenen sexuellen Orientierungen

und Infektionswegen.

Bewährt hat sich hier durch gemeinsame Unternehmungen

und Aktivitäten im vertrauensvollen

Gespräch Probleme anzusprechen, sich mit anderen

auszutauschen und Lösungsmöglichkeiten kennen

zu lernen. So wurden Ausflüge nach Bremen,

zur Insel Wangerooge und nach Jever unternommen.

Des Weiteren fand eine „Sieltour“ statt, den

an der Küste entlang ging und in Hooksiel startete

und in Greetsiel endetet. Besucht wurden weiterhin

Esens und der Bauern-/Ernte-Dank-Markt in

Varel.

Für die Gruppe ist das gemeinsame Kochen und

Essen wichtig, da zuhause aufgrund des Alleinseins

dieses meistens zu kurz kommt.

3.6 Trauerarbeit

Im Berichtsjahr sind zwei unserer Begleiteten verstorben.

Wir gedenken der Verstorbenen in der Mitgliederversammlung

und mit unserer Trauerecke, die

sich im Café befindet. Hier befinden sich unser

Trauerbuch und weitere Informationen zu Verstorbenen.

Eine weitere Möglichkeit des Gedenkens besteht

bei dem Candle-Light-Walk und der sich anschließenden

Gedenkveranstaltung im Rahmen

der WAT-Veranstaltungen.

31


Öffentlichkeitsarbeit

4. Öffentlichkeitsarbeit

HIV / AIDS-Prävention bleibt Herausforderung

(s. 1.)

Auch nach 30 bzw. 25 Jahren ist die Präventionsund

Öffentlichkeitsarbeit (leider) immer noch

notwendig und muss fortgeführt und weiterentwickelt

werden, denn nach 25 Jahren und erheblichen

medizinischen Fortschritten, welche allerdings

auch die Erfolge in der Prävention immer

wieder gefährden (können), sind wir längst noch

nicht am Ziel unserer Wünsche. Und gleichzeitig

wird es angesichts der langen Zeit, in der es darum

geht, das Thema im Bewusstsein der Bevölkerung

wach und bewusst zu halten nicht gerade

leichter, die Menschen zu erreichen, denn: schon

der gute Freiherr von Knigge wusste:

„Die Menschen wollen lieber unterhalten als belehrt

werden“.

Und getreu dieser Erkenntnis ist auch unsere Öffentlichkeitsarbeit

nicht von Zeigefingerpädagogik

geprägt, sondern sehr darum bemüht, Information

& Aufklärung so zu gestalten, dass sie die Menschen

erreichen kann.

„Positiv zusammen leben. Aber sicher!“ – das ist

32

Prävention darf und muss Spaß machen – auch den Präventionisten!

die neue, alte Botschaft – nicht nur zum Welt-

AIDS-Tag, die unsere Öffentlichkeitsarbeit von

Beginn an prägt.

Und es gibt mehr Anlass als je zuvor, dass diese

Botschaft gesellschaftlich-flächendeckend ankommt

und gelebt wird, denn immer mehr Menschen

mit HIV und AIDS leben in unserer Gesellschaft

– und leben länger in unserer Mitte.

„Menschen mit HIV und AIDS können heute bei

rechtzeitiger Diagnose und Behandlung oft mit

einer fast normalen Lebenserwartung rechnen. In

den Medien werden HIV-Positive aber häufig auf

ihre Infektion reduziert und nicht als Menschen

mit einer Krankheit gesehen. Wer HIV hat oder

erkrankt ist, fühlt sich oft sozial isoliert und wagt

vielleicht nicht, mit anderen darüber zu sprechen.

Hinzu kommt: Wohl kaum eine Krankheit ist so

eng mit Tabuthemen verknüpft wie eine HIV-

Infektion und AIDS. Unbewusst oder bewusst

schieben viele den Betroffenen die Schuld an ihrer

Situation zu. Verantwortung für den Schutz vor


HIV tragen beim Sex aber beide Partner. (…)

Wir alle können dazu beitragen, dass Isolation

und Stigmatisierung von Menschen mit HIV abgebaut

werden: indem wir Betroffenen unvoreingenommen

begegnen und ihnen so erleichtern, offen

und verantwortungsvoll mit ihrer Infektion oder

Krankheit umzugehen.“ (Broschüre zur Welt-

AIDS-Tag`s-Kampagne 2010, hrsgg. von der Bundeszentrale

für gesundheitliche Aufklärung, BZgA,

im Auftrag vom Bundesministerium für Gesundheit,

BMG, in Partnerschaft mit der Deutschen

AIDS-Hilfe und der Deutschen AIDS-Stiftung, S.3)

Die offene Kommunikation benötigt allerdings ein

adäquates soziales Klima und sie braucht gewissermaßen

den Geist der Aufklärung. Wer informiert

ist, ist –nicht nur- beim Thema HIV und anderen

sexuell übertragbaren Krankheiten klar im

Vorteil – hinsichtlich des Umganges mit Menschen

mit HIV, aber eben auch hinsichtlich des Schutzes

vor einer Infektion und ihren Folgen.

Auch wenn ein positives Testergebnis heute und

hierzulande dank der modernen Therapiemöglichkeiten

kein mittelbares Todesurteil mehr ist, so

erleben es viele doch zurecht als ganz tiefen Einschnitt

ins Leben mit all seinen Facetten – eben

nicht nur den physisch-gesundheitlichen Seiten.

Die zentrale Frage der diesjährigen deutschen

Kampagne zum Welt-AIDS-Tag 2011 „HIV-

POSITIV & MITTEN IM LEBEN?“ stellt sich zurecht.

Können HIV-Positive sich heute angstfrei

outen ohne immer noch Formen von Diskriminierung

erleben zu müssen? Sind sie mitten im Leben,

können sie im besten Sinne des Inklusionsgedankens

teilhaben am gesellschaftlichen Leben und

sich gleichberechtigt einbringen? Wir meinen – es

ist an der Zeit, in die Offensive zu gehen. Doch es

braucht zunächst noch die Mutigen, die

„Eisbrecher“, die Vorbilder und die Mut machenden

Erfahrungen. Umso mehr gilt den Botschaftern

der Kampagne unser tiefer Respekt. Menschen

mit HIV – Menschen wie Du und ich.

Der `präventive Spagat´ zwischen Entdiskriminierungsarbeit

im Umgang mit HIV-positiven und an

AIDS erkrankten Menschen und der Mahnung vor

einer keineswegs „normalen chronischen Erkrankung“,

die noch dazu letztlich immer noch lebensbedrohlich

ist, bleibt eine große Herausforderung

für die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit.

Und angesichts der skizzierten vielfältigen Veränderungen

sind wir stetig gefordert, unsere Arbeitsweisen

zu überdenken und hier und da zu

reformieren.

Wir haben eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung

auch und gerade gegenüber den Schwächeren

in unserer Leistungsgesellschaft. Nicht nur

im HIV-Infektionsgeschehen sind Menschen überproportional

vertreten, die ökonomisch, bildungsmäßig

und sozial benachteiligt sind. Somit bleibt

AIDS-Präventionsarbeit zu einem großen Teil weiterhin

Arbeit in gesellschaftlichen Konfliktbereichen.

Es geht weiter um Aspekte von sozialer

Diskriminierung von Homo- und Bisexuellen, um

die Kriminalisierung von Drogengebraucher/innen,

um die Ausgrenzung von Menschen mit Migrationshintergrund,

um Marginalisierungstendenzen

von Prostituierten und Menschen in Haft und um

die Defizite in der Um- und Durchsetzung von

(sexuellen -) Selbstbestimmungsrechten von Frauen

in besonderen Lebenslagen.

Von wachsender Bedeutung ist dabei die konsequente

Einbeziehung und Thematisierung anderer

sexuell übertragbarer Infektionen (STI`s, wie Syphilis,

Chlamydien u.a.), da diese eine zunehmende

Relevanz für die HIV-Inzidenzen besitzen, denn

STI`s erhöhen das HIV-Übertragungsrisiko auf das

Doppelte bis Fünffache.

Während wir nach 25 Jahren AIDS-Prävention

sicherlich behaupten können, dass das Aufklärungsniveau

bezüglich HIV/AIDS in der deutschen

Bevölkerung vergleichsweise gut ist, gilt dies hinsichtlich

der STI`s in keinster Weise. Hier muss

ein Schwerpunkt in der künftigen Präventionsarbeit

gesetzt werden.

Erfreulicherweise sind Anfragen nach den Angeboten

unserer AIDS-Hilfe in allen Arbeitsbereichen

stabil hoch. Das spezifische Know-how, die

Vermittlungskompetenzen unserer ehren- und

hauptamtlichen Mitarbeiter/innen und die Flexibilität

eines kleinen, freien Trägers in der Wohlfahrtspflege

werden offensichtlich sehr geschätzt.

Das zeigen uns die vielen positiven Rückmeldungen,

die aus sehr unterschiedlichen Gruppierungen

kommen.

33


Öffentlichkeitsarbeit

Es ist von großer Bedeutung, dass die Arbeit und

die Haltungen der AIDS-Hilfe(n) als sinnvoll wahrgenommen

und der Diskurs zu Ansätzen, Konzepten

und deren Förderung angenommen werden.

Dies ist nicht zuletzt auch für die Arbeit und

die Motivation unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen

sehr wichtig.

Grundlagen für den Erhalt und die Anpassung unserer

Arbeitsqualitäten sind die Qualitätsstandards

für die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit,

die Teil unseres Leitbildes (s. www.aidshilfeduisburg-kreis-wesel.de

) sind.

4.1. AG Öffentlichkeitsarbeit

Die mit dem skizzierten Themenspektrum und

der entsprechenden Informations- und Aufklärungsarbeit

befasste Arbeitsgruppe trifft sich jeden

dritten Donnerstag im Monat um 18.30 Uhr

in der AIDS-Hilfe, um Veranstaltungen, Informationsstände

u.a. Aktionen zu konzipieren und zu

organisieren. Die Gruppe ist mit stabil acht Mitgliedern

besetzt. Um diesen Kern von Mitarbeiter/innen

herum finden sich immer wieder neue

Interessent/innen über mehr oder minder lange

Zeiträume. Der Zugang zur Gruppe setzt nicht

das Durchlaufen der Grundausbildung für Ehrenamtler/innen

voraus, wie dies für die Bereiche

der Beratung und Begleitung zwingend ist. Es kann

also jede/r Interessierte unverbindlich hereinschnuppern.

Ohne das intensive Engagement der ehrenamtlichen

Mitarbeiter/innen wäre die Menge an Veranstaltungen

und Aktionen, die wir auch im Berichtsjahr

wieder durchführen konnten, nicht

denkbar. Allen beteiligten Ehrenamtler/innen gilt

dafür unser herzlichster Dank!

Weiterhin suchen wir gerade für das Feld der

Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit ehrenamtliche

Mitarbeiter/innen. Wer hier aktiv

werden möchte oder Interessenten kennt … nur

zu!

Zum Bereich der medialen Außendarstellung gehört

die Internet-Homepage der AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel e.V. ( www.aidshilfe-duisburgkreis-wesel.de

). Ein Medium, das immer mehr an

Bedeutung gewinnt und auf die Schnelle nicht nur

Informationen zum Verein und seinen Angeboten

bietet, sondern auch zu Beratungszwecken gerne

genutzt wird. Dazu hat sich die Einrichtung einer

extra Beratungsseite mit sog. FAQ`s (frequently

asked questions = Häufig gestellte Fragen) bewährt.

Dieses Angebot wird gerade von jüngeren

Leuten aufgrund der besonderen Anonymität und

der Attraktivität des Mediums für diese

`Besucher´ genutzt. Diese Seiten werden regelmäßig

evaluiert und bei Bedarf werden die FAQ`s

variiert (Vgl. 2.).

Neben den Printmedien zur Außendarstellung,

wie unsere Hausbroschüre, diente als weiterer

wichtiger Werbeträger der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V. der Schaukasten im Bus- und S-

Bahntunnel am Duisburger Hauptbahnhof, der im

Berichtsjahr wieder mehrmals thematisch neu

gestaltet und fortlaufend aktualisiert wurde. Unserem

Gründungs- und inzwischen Ehrenmitglied

Wulf Thomas, der diesen Werbe-, Beratungs- und

Ankündigungsträger seit über 20 Jahren pflegt und

regelmäßig aktualisiert, gilt ein besonderer Dank.

34


Schaukasten Duisburg

Da allerdings die Unterhaltskosten für das kommende

Jahr nahezu verdoppelt würden, mussten

wir dieses Medium zum Ende des Berichtsjahres

aufgeben.

4.2. Veranstaltungen

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist

immer bemüht, ihr Angebot einer breiten Öffentlichkeit

transparent zu machen und nutzt dazu

verschiedene Orte und Anlässe. Wie könnte man

auf Enttabuisierung, Entdiskriminierung und Emanzipation

ausgelegte Präventionsarbeit leisten, ohne

die sog. Allgemeinbevölkerung über den Sinn und

Zweck zielgruppenspezifischer Arbeit zu informieren?

Neben der Herausforderung, das sehr breite

Spektrum an inhaltlichen Ausrichtungen (HIV und

AIDS, Hepatitiden und andere sexuell übertragbare

Krankheiten, Homosexualität, Drogengebrauch,

Frauen/Mädchen und AIDS, Migration

und AIDS u.a.m.) über öffentlichkeitswirksame

Veranstaltungen abzubilden, ist es alljährlich aufs

Neue schwierig, halbwegs flächendeckend in unserer

großen Region Präsenz zu zeigen.

Der Jahresauftakt ist traditionell geprägt durch

eine Fülle an Präventionsveranstaltungen im Bereich

„Youthwork“ (s. 5.6.) sowie durch intensive

Berichts- und Dokumentationsarbeit zum Vorjahr.

Darüber hinaus ist im ersten Quartal auch die

Grundlagenausbildung für Ehrenamtliche in der

Ruhrgebietsvernetzung platziert, bei der wir mit

allen Fachkräften als Trainer/innen intensiv beteiligt

sind (s. 6.).

Auch in diesem Berichtsjahr haben uns wieder die

Folgen der angespannten Haushaltsberatungen in

Duisburg und dem Kreis Wesel beschäftigt durch

Abfragen nach spezifischen Leistungsdaten. Der

aufwendige Nachweis dazu hat aber gewiss auch

dazu geführt, dass unsere kommunalen Zuwendungsgeber

wahrnehmen konnten, wie viel Leistung

sie für vergleichsweise wenig Mittel bekommen.

Dieses äußerst günstige Verhältnis dürfte bei

anderen Trägern nur schwerlich zu finden sein –

erst recht, wenn man noch das Volumen an ehrenamtlicher

Arbeit in die Betrachtungen einbezieht.

Der auch für uns günstige Umstand, zwei kommunale

Partner zu haben, führt allerdings an einigen

Stellen zu nicht unerheblichem bürokratischen

Mehraufwand, für den es leider keine finanzielle

Anerkennung gibt.

Parallel aber liefen natürlich auch die Planungen

zur Öffentlichkeitsarbeit an sowie die fachliche

Fort- und Weiterbildung, die angesichts der schon

mehrfach beschriebenen Dynamik im Themenfeld

unerlässlich ist. Die Teilnahme zweier Mitarbeiter

am 5. Deutsch-österreichischen AIDS-Kongress

im Juni in Hannover hat hier wichtige updates

bringen können.

In bewährter Kooperation mit der AIDS-Hilfe

Oberhausen haben wir auch in diesem Jahr zwei

Fachgespräche zur HIV-Therapie umgesetzt, die

weiterhin insbesondere von Klient/innen gut besucht

und genutzt wurden. Am 05. Juli widmeten

wir uns dem Spektrum an Ko-Morbiditäten und

nicht zwingend HIV-assoziierten Erkrankungen

unter dem Titel „Auf dem Prüfstand: Leber, Herz

35


Öffentlichkeitsarbeit

und Sandra Kohlhase (beide unverkleidet!)

im „Rocky-Horror-Show“-Foyer

Bei Fragen zu Risiken und Nebenwirkungen …

stehen sie gerne zur Verfügung; Dr. Becker-Boost und Dr. Kwirant (v. li.)

Duisburg. Sandra Kohlhase und ihre ehrenamtlichen

Mitstreiter erlebten kurzweilige

Abende mit gutgelauntem Publikum.

und Nieren – Aspekte der allgemeinen Gesundheitsförderung

für Menschen mit HIV und AIDS“

im neuen Gesundheitszentrum Duisburg Süd.

Hier zeigten „unsere“ beiden Lokalmatadoren

und HIV-Schwerpunktbehandler, Dr. Becker-

Boost (Hämatologe und Onkologe) und Dr. Kwirant

(Internist), ihr breites medizinisches Spektrum.

Mit Infoständen

ging es wieder

einmal am 04.06.

beim Umweltmarkt

Duisburg

los, bei dem wir

uns inhaltlich auf

„Klassisches“

konzentrierten,

nämlich auf die

Übertragungswege von HIV – insbesondere die

Tatsache, dass im alltäglichen Miteinander keinerlei

Gefahr droht. Dazu haben wir als gesprächsöffnende

Methode unsere Tastboxen gewählt, um

mit Hilfe der darin befindlichen symbolischen Materialien

(Seife, Kondome, Taschentücher, Zahnbürste,

etc.) gleichsam gegenständliches und kognitives

Begreifen zu initiieren.

36

Um die

Pfingsttage

(11. –

13.06.11) begleiteten

wir

mit einem

Infostand die

drei Preview-

Veranstaltungen

der

„Rocky-

Horror-

Show“ im

Theater am

Marientor in

Thomas Hilgers (frisch gewähltes Vorstandsmitglied)

-

Beim großen Jugendfestival der Stadt Wesel

rund um das Berliner Tor am 08. Juli durften

wir nicht fehlen, liegt uns die Zielgruppe jugendlicher

und junger Menschen doch besonders

am Herzen.

Erwähnenswert erfreulich war der Umstand,

dass uns eine ganze Reihe von Weseler Schülerinnen

und Schülern,

die wir

in schulischen

Pro- jekten

begleiteten,

wiedererkannten

und

erfreut

ansprachen.

So konnten

wir gleichzeitig

auch eine

kleine

Evaluation

starten

und sehen, dass wir

offenbar

nachhaltige

Präventi-

onsarbeit

geleistet ha-

ben.

Einer ganz anderen Zielgruppe

galt unser Informations-

und Beratungsangebot

beim Selbsthilfe-

Tag des Kreises Wesel

am 23. Juli auf dem Dinslakener

Altmarkt, der

vom Kreisverband des

PARITÄTISCHEN bestens

organisiert war.


Gemäß unserem Versprechen gegenüber der

schwul-lesbischen Community nach der Absage

des letztjährigen Sommerfestes infolge der Love-

Parade-Katastrophe haben wir bzw. im Wesentlichen

unser Herzenslust-Team im Berichtsjahr

Wort gehalten und die Federführung für das

schwul-lesbische Sommerfest am 30.07.11 übernommen

(Ausführlicher s. 5.1.). Dass dieses ein

schönes, fast familiäres Ereignis in der Duisburger

Innenstadt wurde, bei dem die Präventions- und

Beratungsinfrastruktur bestens vertreten war, ist

nicht zuletzt einigen Unterstützern aus dem Duisburger

Umfeld zu verdanken. Hier gilt unser besonderer

Dank einmal mehr Henning Ladewig sowie

Thomas Seven, Lutz Stuckmann, Manfred Simon

und Christof Dornscheid neben vielen anderen

ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.

„Zurück“ zu den Jugendlichen im Kreis Wesel

ging es am 27. August im Rahmen der Jugend-DIN

-Tage in Dinslaken an der Burghofbühne. Im Kreise

der kooperierenden Einrichtungen des AK

ProVer (Prophylaxe-Vernetzung für die Region

um Dinslaken) gestalteten wir einen zielgruppenorientierten

Informationsstand mit Aktionsmöglichkeiten,

welcher im Vergleich zum letzten Mal

(2009) wieder besser angenommen wurde.

Aus Anlass unseres Jubiläums hatten wir am 20

September Gelegenheit einer weiteren, sehr

wichtigen „Zielgruppe“ unsere Leistungs- und Angebotspalette

zu präsentieren: dem Ausschuss für

Gesundheits- und Ordnungsangelegenheiten des

Kreises Wesel, mithin also den politischen Entscheidungsträgern

des Kreises und der Verwaltungsspitze

des Fachbereiches Gesundheitswesen,

die über unsere Förderung aus Mitteln des Kreises

Wesel entscheiden. Den Reaktionen der Fraktionsvertreter

im Ausschuss und der Pressemitteilung

des Fachbereiches zufolge, dürfen wir

wohl zu recht mit unseren bisherigen Leistungen

sehr zufrieden sein und weiter mit Förderung

rechnen.

Somit hatten wir wieder einmal ein sehr bewegtes

Sommerprogramm mit hoher Taktzahl bewältigt,

was uns nicht ganz leicht fiel, denn da war im Berichtsjahr

ja noch was …

4.2.1. Veranstaltungen zum 25-jährigen Jubiläum

Als im September 2010 die erste Sitzung der Arbeitsgruppe

„Jubiläum“ zusammenkam, wurde zunächst

die Frage diskutiert, ob ein 25-jähriges Jubiläum

einer AIDS-Hilfe überhaupt ein Anlass zum

„Feiern“ sei? Denn eigentlich ist das erklärte Ziel

einer AIDS-Hilfe ihre Auflösung bzw. die Verzichtbarkeit

einer solchen Einrichtung. Dies wurde

nicht erreicht und es ist auch noch nicht in

Sichtweite. Also war das Jubiläumsereignis jedenfalls

ein Anlass, um eine Zwischenbilanz zu

ziehen. Und dabei ist die Arbeitsgruppe

schnell zu der Ansicht gelangt, dass wir

durchaus Grund haben, gemeinsam mit

vielen unserer Kooperationspartner und

Wegbegleiter, Sympathisanten und Förderern

mit ein wenig Stolz oder Zufriedenheit

auf das bisher Erreichte und Geleistete

zu schauen. Nicht zuletzt auch, um daraus

Motivation für die anstehenden Herausforderungen

zu schöpfen.

Wir können sagen: das ist sehr gelungen! Die Fülle

an wertschätzenden und geradezu dankbaren

Äußerungen von verschiedensten Seiten und von

allen föderalen Ebenen war für uns beeindruckend.

Ein kleiner Ausschnitt davon findet sich in

den Grußworten der Festschrift, wovon es noch

ein paar Restexemplare gibt.

Stellvertretend für die vielen guten Worte sei an

dieser Stelle eine Passage aus der Laudatio unseres

Landesverbandes, der AIDS-Hilfe NRW, wiedergegeben:

„AIDS-Hilfe Stadt, Land, Fluss – strukturelle Prävention

von A-Z. Die Vielfalt der Angebote und

der Themen ist beeindruckend, die durch die ehren-

und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter bewegt werden. Genauso viel wie die

Breite der Themen zählen auch der Mut und die

Freundschaftlichkeit, mit der diese Themen umgesetzt

werden.“

Wir haben vielfach die Erfahrungen machen dürfen,

dass es sich bei den wertschätzenden Äußerungen

nicht um sogenannte „Sonntagsreden“

handelte, sondern um ernsthafte und aufrichtige

37


Öffentlichkeitsarbeit

Einschätzungen. So wurde uns bei den ersten Gesprächen

mit der Stadt Duisburg sehr rasch die

gute Stube der Stadt, der Ratssaal für einen Festakt

angeboten nebst einer Versorgung unserer

Gäste mit Getränken – vielen herzlichen Dank!

Somit hatten wir einen räumlichen Rahmen, der

sogar hervorragend zu unserem Jubiläumsmotto

„Stadt, Land, Fluss …“ passte, finden sich doch

hier die drei Ebenen durch das „Stadtfenster“, das

„Landesfenster“ und das „Niederrheinfenster“ (s.

Abb. Auditorium u.) abgebildet wieder.

Am Freitag, dem 27. Mai 2011 durften wir unsere

Gäste im Rathaus willkommen heißen.

Die Musikkünstlerinnen und der Moderator

Monika Dahms und Verena Merder

Das Duo vom Trio „Melanchoholica“

Die Laudator/innen und die Musikkünstlerinnen von

„Melanchoholica“ umrahmt vom Vorstand der AIDS-

Hilfe – dann doch in „Feierlaune“

Die Rednerinnen und Redner:

Dietmar Heyde

Rolf Ringeler

unser Vorstandsvorsitzender

Das Auditorium:

Adolf Sauerland

Oberbürgermeister

Stadt Duisburg

Herr Heselmann

stv. Landrat

Kreis Wesel

Arne Kayser

Vorstand AH NRW

Bärbel Bas

MdB-SPD

38

Die Festaktversammlung vor dem Niederrhein-, dem Stadt-, und dem Landesfenster (v. li. n. re.)


Ein ganz besonderer Dank gilt dem „Duo“ vom

Trio „Melanchoholica“, Verena Merder und Monika

Dahms, die sehr kurzfristig eingesprungen sind

und uns noch dazu gagenfrei wunderbar unterhalten

haben. Und wir danken der Stadt Duisburg

noch einmal explizit für die tolle und völlig unbürokratische

Unterstützung.

Im Anschluss an den Festakt ging es zunächst

noch im stilvollen Mercator-Saal des Rathauses in

einen eher informellen Teil mit Gelegenheiten zu

Gesprächen über.

Leider konnten wir im Rahmen des Festaktes nur

einen eher kleinen Teil unserer Freunde, Kooperationspartner,

Sympathisanten, Förderer, Klienten,

ehemalige Mitarbeiter/innen und Vereinsmitglieder

einladen. Daher hat sich die AG Jubiläum

entschieden, all jenen auch eine Möglichkeit zum

gemeinsamen Feiern einzuräumen, die 25 Jahre

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel mitgestaltet

und miterlebt haben.

Dank bester Unterstützung der Stadt sowie der

Teams vom Veranstaltungsmanagement und der

Gastronomie des „Kleinen Prinzen“ hatten wir

nur einen kurzen Weg vom Rathaus aus zum fast

nahtlosen Übergang in das weitere „Come together“

in der sehr schön dekorierten „Black

Box“ des Kleinen Prinzen.

Der amtierende Vorstand … .. und die gut gelaunten Gäste

Dort entwickelte sich das Gewünschte: ein wunderbarer

Abend mit Gelegenheit für viele Gespräche,

bei denen auch das ein oder andere Anekdötchen

aus 25 Jahren ausgetauscht werden konnte.

Ein außergewöhnlicher Tag, der sicher noch

lange in bester Erinnerung bleiben wird.

Mit dem Applaus der Jubiläumsgesellschaft verbinden

wir an dieser Stelle unseren ganz herzlichen

Dank an die „Arbeitsgruppe Jubiläum“!

Natürlich sollte das Jubiläum auch genutzt werden,

unserem Auftrag der Öffentlichkeitsarbeit

nachzukommen, die Thematik und Problematik

von HIV und AIDS zu transportieren. Das Medieninteresse

war dann auch erfreulich. Von den

Printmedien zwar eher übersichtlich (s. Pressespiegel),

dafür gab es aber sogar zwei schöne TV-

Berichte in der WDR-Lokalzeit (Schaufenster

Duisburg) und im Duisburger Lokalsender

„Studio47“, für dessen außergewöhnliche Unterstützung

wir uns in besonderem Maße bedanken

wollen. Studio47 begleitete unser Jubiläumsjahr

allein mit fünf! gesendeten Beiträgen.

So auch unsere Benefiz-Comedy-Veranstaltung

am Sonntag, dem 11. September. Dieses denkwürdige

Datum wurde allerdings rein zufällig gewählt,

weil die beteiligten Künstler hier frühzeitig

zusagen konnten. Warum aber ausgerechnet Comedy?

haben sich vielleicht manche gefragt – bei

einem so ernsten Thema. Ganz einfach: Lachen ist

gesund! Und als Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung

haben wir mit dieser Veranstaltung

gewissermaßen einen Therapieansatz verfolgt, gilt

ein ganz wesentlicher Schwerpunkt unserer Arbeit

doch der Steigerung der Lebensqualität auf

allen Ebenen der Prävention.

Angeregt und großartig unterstützt wurden wir

dabei von Frau Bärbel Zimmermann von der

Duisburger Künstleragentur „All in one e.K.“, der

ein großer Dank gilt. Ebenso erwähnenswert war

die engagierte und sehr flexible Unterstützung

durch die Betreiber der Location, dem Duisburger

„High5Club“ auf der Düsseldorfer Str. sowie

das Engagement unserer Medienpartner, dem

Stadtpanorama Duisburg, Radio DU und Studio47,

die uns bei der Bewerbung und der Berichterstattung

enorm geholfen haben. Und darüber hinaus

haben sie – neben den allesamt gagenfrei auftretenden

Künstlern! - nicht nur zu einem herrlichen

Event beigetragen, sondern auch mitgeholfen, dass

wir die Veranstaltung kostendeckend umsetzen

konnten.

Ein weiterer ganz besonderer Dank gilt einmal

mehr unserem zweiten Ehrennadelträger, Henning

Ladewig alias „Jennifer Dean – the first Lady

of travestie“, der sehr schnell bereit war, nicht

39


Öffentlichkeitsarbeit

nur die Moderation zu übernehmen, sondern darüber

hinaus als Jennifer Dean den besonderen

Flair von Travestiekunst einzubringen. Und so trafen

Travestie auf Comedy und beide auf ein bestens

unterhaltenes und begeistertes Publikum.

PRESSEMITTEILUNG PRESSEMITTEILUNG

PRESSEMITTEILUNG

Comedy trifft Travestie –

Benefiz-Gala der besonderen Art aus Anlass

des 25-jährigen Jubiläums der AIDS-

Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Der Ehrennadelträger der AIDS-Hilfe und überregional

bekannte „Henning“ alias Jennifer Dean, die

„first lady of travestie“, freut sich schon sehr darauf,

die Kolleg/innen aus der Comedy-Sparte anmoderieren

zu können. Und auch das sind keine

Unbekannten, denn alle haben ihre Wurzeln in

der Region von „Stadt, Land, Fluss“, sind inzwischen

allerdings weit über unsere Region hinaus

geschätzt und durch Funk und Fernsehen bekannt

bis berüchtigt.

Am Sonntag, dem 11. September 2011, wartet auf

die Besucher/innen im „High5Club“ auf der Düsseldorfer

Str. 5 (Ex-Europa-Kino) eine geballte

Ladung Vergnügen verbunden mit einem guten

Zweck, nämlich der Unterstützung der Arbeit der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel.

Mit den Highlights aus seinem aktuellen Programm

„Geht nicht GIBT’s“ startet Ralf Benrath

(Ex-Moderator von Studio47). „Zusammen mit

seiner Gitarre ist ihm kein Thema und keine Frage

zu schade. Etwa die Frage „Was wäre geschehen,

wenn es vor 35 Jahren schon DSDS gegeben

hätte?“, hätte Dieter Bohlen etwa auch Hubert

Gröhlemeyer eiskalt abserviert?

„Wer glaubt, sein Leben sei arm an Höhepunkten,

steht einfach zu weit oben“, behauptet der aus

Moers stammende und durch zahlreiche Fernsehauftritte

(wie Quatsch Comedy Club, Night Wash

oder TV Total) bundesweit bekannte Heino

Trusheim und widmet sich seiner Stand-up-

Comedy-Spezialität, dem Karikieren von Alltagsszenen.

Kabarett, Gesang und Jazz mit Ruhrpottcharme

und „geballte Frauenpower im Schleudergang“

bieten die in Dinslaken beheimateten Heike Becker

und Kerstin Saddeler-Sierp als Duo Thekentratsch.

Die „Meisterinnen im Kaschieren“

und frisch gekührten Gewinnerinnen des Nachwuchswettbewerbs

für Kabarettistinnen und Comedians,

„Amici Articum“ 2011 geben Einblicke in

Ihr Programm „Schönheit hat immer 2 Gesichter“.

„So ist dat im Pott – dat gib`et nur hier …“, diese

Liedzeile von Thekentratsch hätte auch aus der

Feder von Wolfgang Trepper stammen können,

der die Veranstaltung abrundet. Der gelernte

Hörfunkjournalist aus Duisburg ist auch als Wahl-

Hamburger mit „Leib und Seele Ruhrgebietsmensch“

geblieben, was in seinen sieben bisherigen

Soloprogrammen (wie z.B. „Dinner for DU“)

immer wieder durchschlägt und jeden Sonntag um

11.40 Uhr bei Radio Duisburg, seinem

„Heimathafen“, zu hören ist.

40


Danke für einen tollen Abend:

Jennifer Dean, Heino Trusheim, Ralf Benrath, Kerstin Saddeler-Sierp & Heike Becker (Thekentratsch)

und Wolfgang Trepper (v. li.).

4.3. Benefiz-Veranstaltungen

Nicht nur in finanzieller Hinsicht sind Benefiz-

Aktionen für uns sehr wichtig, bieten Aktionen

mit Künstlern oder anderen Prominenten doch

meist die Möglichkeit, unser Thema

auch außerhalb der Welt-AIDS-

Tags-Zeit öffentlichkeitswirksam zu

platzieren.

Im Berichtsjahr 2011 gab es erneut

viele „zivilgesellschaftliche“ Gruppen

und Einzelpersonen, die für uns

und unsere Arbeit sehr Gutes getan

haben und wir wollen darüber

reden und schreiben.

Ein riesengroßes Dankeschön gilt einmal mehr

dem Duisburger Gastronomen und Ehrennadelträger

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel,

Thomas Seven, der im Berichtsjahr mit seinem

traditionellen Grünkohlessen am 20. November

wieder viele Gäste zu Spenden animieren und

darüber über 5.400,- € für die Aufrechterhaltung

unserer Angebotspalette bereitstellen konnte.

Treue Unterstützung erfahren wir seit nunmehr

sechs Jahren durch einen Teil der ehemaligen Citi-

Pride-Group der Duisburger „Targobank“, die

weiß, „wie Bank geht“. Aber nicht nur das – sie

wissen auch, wie soziales Engagement sinnvoll

funktioniert und dass dies auch einen nicht zu unterschätzenden

Benefit für das Image der Institution

sowie das soziale Betriebsklima bringt. Die

neue „diversity-group“, die sich jetzt „GudsO-

Netzwerk“ (Gleichberechtigung unabhängig von

der sexuellen Orientierung) nennt hat unter Federführung

von Frau Corinna Voigt und Herrn

Guido Kuhl zum Welt-AIDS-Tag wieder eine äußerst

starke „Bärenaktion“ entwickelt mit medialer

Promotion umgesetzt und über 550 Solibären

verkauft.

Guido Kuhl und Corinna

Voigt vom GudsO-Team

der Targobank bei der

Scheckübergabe am

01.12.2011

Unermüdliche Kämpfer im Kampf gegen AIDS

sind schon lange Dr. Günther Bittel, seine Frau

Ingrid und ihr Mitstreiter-Team in Duisburg-

Rheinhausen, die unter anderem zum siebten Male

das Benefiz-Konzert „Treatment for all“ im

Haus der Jugend in Rheinhausen am 26.11. durchführten

und nicht nur inhaltlich wachrüttelten,

sondern darüber hinaus auch

den Erlös für unsere Arbeit

vorsahen. Ein besonderer Dank

gilt den gagenfrei auftretenden

Bands, „die bandbreite“, „Violin

key“, „drive“ und „Fresh Game“

sowie dem Jugendzentrum

„Haus der Jugend“ an der

Friedrich-Alfred-Str.14.

41


Öffentlichkeitsarbeit

Darüber hinaus erfreut es uns sehr, an dieser

Stelle Jahr für Jahr über sehr stabile Unterstützungsaktivitäten

berichten zu können. Da sind

zum einen die Spendensammlungen und thematischen

Veranstaltungen vieler Kirchengemeinden

zu nennen, die zudem in der Regel auf unsere Anfrage

hin für unsere alljährliche Weihnachtsfeier

für Menschen mit HIV und AIDS eingehen – vielen

herzlichen Dank dafür – und zum anderen die

Spendenausschüttung einer Reihe von Sparkassen.

Ganz besonders bedanken wir uns hier bei der

Sparkasse Duisburg für ihre Treue hinsichtlich der

Teilfinanzierung unserer aufsuchenden Arbeitsangebote.

Ein besonderes Anliegen ist es uns, den zahlreichen

Schülerinnen und Schülern und engagierten

Lehrkräften zu danken, die uns mit hoher Motivation,

Überzeugung und zum Teil sehr kreativen

Aktionsideen nicht nur bei der Spendensammlung,

sondern auch bei der Thematisierung von HIV

und AIDS in zweifellos wichtigsten Zielgruppen

fantastisch unterstützen. Stellvertretend möchten

wir hier die Projektgruppen am Gymnasium Adolfinum

in Moers, dem Sophie-Scholl-Berufskolleg in

Duisburg-Marxloh, die Projektgruppe am Gymnasium

Moers-Rheinkamp und die Gustav-

Heinemann-Realschule Duisburg-Mitte erwähnen.

DANKE für einen bärenstarken Einsatz für die

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Der „Soli-Bär“ 2011

4.4. Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag

2011

HIV-positiv & mitten im Leben?“ – ob diese

zentrale (Motto-) Frage zum diesjährigen Welt-

AIDS-Tag gut gewählt wurde, haben wir bereits

zuvor besprochen und eindeutig bejaht. Damit

wurde der in 2010 vollzogene Paradigmenwechsel

in der Ausrichtung der bundesweiten Kampagne

konsequent fortgesetzt und mit einem wichtigen

Impuls verstärkt. Insbesondere die vier Schwerpunktthemen

„HIV & Freundschaft“, „HIV & Familie“,

„HIV & Beschäftigung“ (Erwerbsarbeit) und

„HIV & Behandlung“, die zentrale Bereiche des

gesellschaftlichen Lebens und der damit verbundenen

Werteorientierung berühren, verdeutlichen

sehr anschaulich, worum es heute gehen (darf):

um gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen

Leben unter der Bedingung, dass der Status

HIV-Positiv bekannt sein darf!

Umso besser, dass man dazu nicht mehr nur auf

prominente „Zugpferde“ setzen will, sondern authentische

HIV-positive Botschafter in den Vordergrund

stellt, die wissen wovon und worüber

sie sprechen. Noch ist es sicherlich so, dass dies

eine gehörige Portion Mut benötigt (s.o.), das Eis

allmählich zu brechen. Aber wir setzen hier geduldig

auf eine „positive“ Entwicklung, die wir aktiv

begleiten und mitgestalten wollen.

Ziel der übergeordneten Kampagne „Positiv zusammen

leben. Aber sicher!“, ist es, Stigmatisierung

und Diskriminierung abzubauen und eine breite

gesellschaftliche Auseinandersetzung über HIV

und AIDS zu initiieren. Sie ist auf mehrere Jahre

angelegt und in dieser Form immmer noch europaweit

einzigartig.

Sie ruft dazu auf, Betroffene nicht weiter auszugrenzen,

Menschen mit HIV mit Respekt zu begegnen,

denn nur so kann ein verantwortungsvoller

Umgang und ein „positives Zusammenleben“

wirklich gelingen.

42


Angesichts dieser Ausrichtung(en) und Forderungen

fiel es uns auch in diesem Jahr nicht schwer,

das deutsche Motto für unsere WAT-

Veranstaltungen voranzustellen.

Mit sieben eigenen Veranstaltungen und weiteren

mit und von Kooperationspartnern durchgeführten

Aktionen konnte auch im Berichtsjahr wieder

ein umfangreiches Angebot vorgehalten (s. Flyer

und Pressespiegel im Anhang) und viele Menschen

darüber erreicht werden.

Das letzte Wochenende vor dem 01.12.2011 widmeten

wir konzentriert Aktionen im Kreis Wesel.

Am 26.11.11 zeigte Moers Schleife! Auf dem Altmarkt

boten sich den Passanten Bilder vieler Menschen,

die nicht nur das Grau in Grau mit roten

Schleifenfarbtupfern auflockerten, sondern eben

damit auch ein deutliches Zeichen der Solidarität

mit Menschen mit HIV und AIDS –nicht nur durch

ihre Spenden- setzten.

Die sog. IWWIT-Kampagne

der Deutschen AIDS-Hilfe

für die Zielgruppe der Männer,

die Sex mit Männern

haben, die seit einigen Jahren

läuft, setzte von Beginn an

auf authentische Botschafter,

sogenannte „role-models“ und lieferte wegen

ihres Erfolges gleichsam das Vorbild für die aktuelle

WAT-Kampagne mit ihren Botschaftern. Das

Motto „Ich weiss was ich tu“ stand auch beim

Auftakt der diesjährigen Veranstaltungen zum

Welt-AIDS-Tag, bei der schwul-lesbischen Tanzparty

„RadioAktive“ am 25.11. im High5Club in

der Duisburger City im Vordergrund der Aktionen,

die unser Herzenslust-Team durchführte (s.

a. 5.1).

Sehr erfreulich gestalteten sich wieder einmal die

Kooperationen mit einzelnen Kirchengemeinden.

So erneut die Gedenkveranstaltung im Anschluss

an unseren Candle-Light-Walk am Mittwoch, dem

24. November in der Liebfrauen-Kirche in Duisburg-Mitte,

die von den Teilnehmenden besonders

gewürdigt wurde. Ein besonderes „Danke

schön!“ gilt unserem langjährigen Begleiter, Unterstützer

und Lenker der Gedenkveranstaltung,

Herrn Sven Köpnick

Impressionen vom Candle-Light-Walk 2011

Information, Beratung, Bären, Schleifen, aus erster

Hand – mit den freundlichen Mitarbeiter/innen Ihrer

AIDS-Hilfe

43


Öffentlichkeitsarbeit

Auf dem Adventsmarkt in Wesel am Sonntag,

dem 27.11. trotzten wir gemeinsam mit unseren

„Budennachbarn“ und Kooperationspartnern der

Drogenhilfe Wesel dem nasskalten Wetter. Dennoch

konnten wir auch hier mit vielen Bürgerinnen

und Bürgern ins Gespräch kommen und erfuhren

viel Zuspruch in Form von Spenden, aber

eben auch mit solidarischen und motivierenden

Worten. So kann Spendensammeln durchaus auch

Spaß machen. Reißenden Absatz fanden in Moers

und Wesel die diesjährigen Soli-Bären – ihr

Sammlerwert hat sich mittlerweile schon weit herumgesprochen.

Das „warming up“ für den großen Tag, den 01.

Dezember war mit einer vergleichsweise kleinen,

aber super motivierten und effektiven Mannschaft

an ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen

sowie einigen „Spontanunterstützerinnen“, die

sich über die Ausschreibungen auf der bundesweiten

Internetseite www.welt-aids-tag.de gemeldet

hatten (Danke Marie, Sabrina, Halima und Raphael

!!!), schon sehr gut gelaufen. Und aufgrund der

intensiven Planung und Vorbereitung sowie einer

spürbar etablierten Kooperation mit dem Management

des FORUM Duisburg, der besten Einkaufs-Mall

Europas (Auszeichnung in 2010) und

den festen Partnern für den nunmehr dritten großen

Aktionstag zum WAT wuchs neben der gesteigerten

Anspannung auch die Vorfreude stetig

an.

Mit den Möglichkeiten im FORUM Duisburg und

dank der großzügigen Unterstützung des Centermanagements

sowie der Werbegemeinschaft

konnten wir erneut einen großen Aktionstag zum

Welt-AIDS-Tag umsetzen, mit dem wir einerseits

möglichst viele Menschen an diesem Tag erreichen

und andererseits durch ein breiter gefächertes

Angebot auch interaktive Auseinandersetzungen

mit dem Thema für verschiedene Bevölkerungs-

und Altersgruppen vorhalten.

Dabei zeigte sich das Centermanagement des FO-

RUM einmal mehr nicht nur äußerst kooperativ,

sondern auch kreativ, was die ideelle und materielle

Unterstützung dieses Aktionstages betraf.

Im Zeichen der „Solidarität“:

Kooperationspartner und

„Künstler/innen“ der Menschenaufsteller

zum WAT 2011

44


Zudem konnten sich Teile des Duisburger Aktionsbündnisses

wieder mit einbringen, so insbesondere

auch die Kindernothilfe, die die globale

Seite der AIDS-Problematik mit ihrem Mitmach-

Parcour sowie der offensiven Bewerbung der

Kampagne „in9Monaten“ fortsetzen und darüber

hinaus noch die brandneue Kampagne „Stop AIDS

– Versprechen halten!“ präsentieren konnten.

Unterstützung von „Picture People“ (Danke für

die tolle Aktion!!) konnten sich die Besucher als

Botschafter gegen AIDS nicht nur ablichten lassen,

sondern auch ihre Botschaft und ihre Meinung

bundesweit einbringen, denn es gab eine direkte

Verbindung zur Kampagnenseite www.welt-aidstag.de

. Eine kleine Auswahl s.u.

Frank Mischo (o. li.) und Antje Weber (u. li.) Die Kindernothilfe

–mit Unterstützung- beim WAT-

Aktionstag im FORUM Duisburg

Besonders bei Jugendlichen beliebt war das Angebot

unseres Kooperationspartners, von ProFamilia,

Ortsverband Duisburg, die u.a. den Kondomführerschein

ausstellten – natürlich nur nach bestandener

Prüfung.

Der „Botschafter-Gedanke“ spielte auch bei unserem

Aktionstag eine ganz zentrale Rolle. Und weil

es leider immer noch schwierig erscheint und

sehr viel Mut kostet, sich zu „outen“ haben wir

die anonymisierte Idee der Ausstellung des bayerischen

Landesinstitutes für Gesundheit „Der lange

Weg - Leben mit HIV und Aids heute“ aufgegriffen,

Menschenaufsteller mit Botschaften, Gedanken

oder Forderungen von Menschen mit HIV

und AIDS aus unserer Begleitung versehen und

damit eine Parcour-Installation gebildet.

Das „ProFamilia-Team“ in freudiger Erwartung (Gina

Bieberich, Marlenen Lang-Mielke u. Peter Rüttgers, v.

li.)

Beim Foto-Shooting mit höchst professioneller

„HIV-Positiv & mitten im Leben!“ – Menschenaufsteller

aus der Werkgrupe „Holzbearbeitung“ der GfB

Duisburg

45


Öffentlichkeitsarbeit

Insgesamt 12 lebensgroße Figuren wurden von

den Werkgruppen „Holzbearbeitung“ und

„Metall“ der Duisburger Gesellschaft für Beschäftigungsförderung

unter der Anleitung von Herrn

Franz Alraun extra zu diesem Zweck geschaffen.

Begleitet wurde die Entstehung durch eine Präventionsveranstaltung

mit den Teilnehmer/innen

der Maßnahmen, so dass eine Auseinandersetzung

mit der dahinter stehenden Thematik und ein besonderer

Bezug zu den „Produkten“ entwickelt

werden konnte. Wir bedanken uns für diese hervorragenden

Arbeiten bei den Beschäftigten der

Gfb-Maßnahmen, bei

Herrn Alraun für seinen

sehr solidarischen

Einsatz, bei Frau Iris

Sperg vom Gesundheitsamt

Duisburg für

die Kontaktaufnahme

und bei der Werbegemeinschaft

des FORUM

Duisburg für die Finanzierung.

Die Figuren sind nunmehr grundsätzlich bei der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ausleihbar.

Ein weiteres Novum beim diesjährigen Aktionstag

war das Beratungs- und Testangebot der AIDSund

STD-Beratungsstelle des Gesundheitsamtes

der Stadt Duisburg in einem räumlich geschützten

Setting, bei der auch der sog. Schnelltest gemacht

werden konnte. Zwischen 13.00 und 17.00 Uhr

wurde dieses Angebot auch sehr gut angenommen.

Erholung vom stressigen Shopping mit Informationsmöglichkeiten

bot die gemütliche „Lounge

Ecke“ im 2. Obergeschoss mit Film- und Fernsehspots

zum Thema HIV und AIDS und Gelegenheit

zum Reden und Diskutieren.

Für weitere besondere Highlights hatte das Centermanagement

des FORUM gesorgt. Passend zur

Adventszeit ließen es sich sogar die Engel nicht

nehmen, sich zu beteiligen (s.o.). Und himmlisch

waren auch die Kunstwerke des Ballonkünstlers

Marc Lampert, der Unglaubliches aus Ballons

schaffen kann, wie nicht nur das Kleid von Nina

Role-model Nina & Marc Lampert in Aktion

zeigt, welches noch dazu für den guten Zweck

versteigert wurde (s.u.)

Eine ganze Reihe von Filialen aus dem FORUM

beteiligte sich wieder an einer Orientierungsrallye

für interessierte Gruppen oder Einzelpersonen

mit speziellen Fragen zum Thema und stifteten

sogar kleine Präsente für die Aktiven, die dann im

Rahmen einer Preisverleihung ausgehändigt werden

konnten.

Die Medien-Lounge

Michaela Spatz (li.) Centermanagerin FORUM und „ihre“ solidarischen Engel

46


Um 18.00 Uhr ging es weiter mit himmlischem

Beistand – sie gehören inzwischen schon zum festen

Programm: Ein ganz herzlicher Dank geht einmal

mehr an die Show-Tanz-Gruppe der „Cherrygirls“,

die mit ihrem Auftritt für besonders hohes

Publikumsaufkommen sorgte.

Moderator Dietmar Heyde im

Gespräch mit Gewinner/innen (li.); die

„Glücksfeen“ Sandra Kohlhase und Thomas Hilgers

bei der Preisvergabe (re.)

Zentrale Anlaufstelle und Ausgangspunkt für die

traditionelle Red-Ribbon-Aktion war unser Infostand

im Erdgeschoss, an dem uns auch die diesjährigen

Solidaritäts-Bären fast aus den Händen

gerissen wurden.

Das Bühnenprogramm konnte in diesem Jahr dank

des Engagements des FORUM-Managements erweitert

werden und sorgte für Begegnung & Begeisterung.

Um 16.00 Uhr sorgten die –sehr professionellen-

Laiendarstellerinnen des Musicalvereins „Pro You

e.V.“ mit Kostproben aus ihrem brandneuen Musical

„Das Lazarett“ für gebannte Aufmerksamkeit

und Lust auf den Besuch der Premiere.

Ab 17.00 Uhr ertönte die unglaublich umfangreiche

Stimme von Simone Helle, die mit der bewußten,

weil sehr gut zur Kampagnenausrichtung

passenden, Auswahl eigener Arrangements der

Klassiker „Bei mir bist du schoen“, „Dat Dere“

und „We shall overcome“ Gänsehaut bei den Zuhörern

erzeugte.

!!! DANKE !!!

Impressionen vom Auftritt der „Cherry-girls“ unter

der Leitung von Peter Kirsch

Welt-AIDS-Tag 2011 im FORUM Duisburg – eine

tolle Geschichte, die nach Aussage aller Beteiligten

weiter etabliert werden soll.

HIV und AIDS sind schon sehr lange globalisiert

und die Pandemie ist weltweit sehr unterschiedlich

verteilt. Während wir hier erfreulicherweise

auf eine letztlich sehr kleine Infektionsdimension

schauen, sieht es in den sog. Entwicklungsländern

immer noch ganz anders aus. 90 Prozent der HIVpositiven

Menschen leben und sterben hier. Ganz

besonders betroffen ist nach wie vor Subsahara-

Afrika.

„Stop AIDS. Keep the Promise!“ Das war und ist

das internationale Motto der Welt-AIDS-

Kampagnen seit 2005. Es erinnerte daran, dass im

Juni 2001 Politiker aus aller Welt auf einer

Sondersitzung der Vereinten Nationen zu HIV

und AIDS das Versprechen gaben, sich national

und international stärker im Kampf gegen die

weltweite HIV- und AIDS-Epidemie zu engagieren.

Die stetige Erinnerung daran wird im Grunde immer

wichtiger, denn je länger diese Verabredung

zurückliegt, desto mehr scheint sie bei den Beteiligten

in Vergessenheit zu geraten. Wenn man

bedenkt, in welchen Dimensionen und wie schnell

die Regierungen einen „Bankenrettungsschirm“

organisieren konnten und wie „wenig“ demgegenüber

erforderlich wäre, um lebensbedrohte

Menschen mit dem Notwendigsten versorgen

oder durch präventive Maßnahmen eine deutliche

Reduzierung von Neuinfektionen (z.B. bei Säuglingen,

vgl. „in9Monaten.de“) erreichen zu können,

dann kann man „um den Schlaf gebracht werden“,

um nicht noch deutlicher zu werden. Das

deutsche Versprechen, die Beteiligung zur Ein-

Das Ensemble von „Pro You e.V“

Simone Helle

47


Öffentlichkeitsarbeit

speisung in den globalen Fonds zur Bekämpfung

von AIDS, Tuberkulose und Malaria beliefe sich

auf 300 Mio. Euro per anno – ein Bruchteil des

o.a. Rettungsschirmvolumens. Und auch die

globale HIV-Epidemie hat verheerende Folgen

viele nationale Ökonomien, aber auch für die

Weltwirtschaft. Die neue Kampagne

„Versprechen halten!“ richtet sich insbesondere

an unseren Entwicklungsminister Niebel, der

jüngst sogar die Zahlungen in den globalen Fonds

gegen AIDS, Tuberculose und Malaria gestoppt

hat.

Wir werden uns im Rahmen unserer Möglichkeiten

weiter im bundesweiten „Aktionsbündnis gegen

AIDS“ engagieren und mit an die Versprechen

erinnern.

Und so ist es gute Tradition, dass wir mindestens

im Rahmen des Welt-AIDS-Tags-Programmes den

Blick über den nationalen Tellerrand heben und

unser Augenmerk dorthin lenken. Ganz besonders

eindrucksvoll ist dies im Berichtsjahr wieder

beim „Abendgebet zum Welt-AIDS-Tag“ am Freitag,

dem 02. Dezember gelungen.

TonArt

Annette Günther (UNICEF Duisburg)

Renate Brunotte & Pfarrer

Stefan Klein

Ralf Runniger (AIDS-Hilfe)

Martin Schaper (Infostelle Dritte Welt)

Diese Solidaritätsveranstaltung der Veranstaltergemeinschaft

des Duisburger Aktionsbündnisses

gegen AIDS (i.e.: Kindernothilfe, Ev. Kirchenkreis

Duisburg, Infostelle dritte Welt, die ev. Kirchengemeinde

Alt-Duissern, die AIDS- und STD-

Beratungsstelle des Gesundheitsamtes und die

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.) fand wieder

in der Luther-Kirche in Duisburg-Duissern

statt. Etwa vierzig Besucher/innen waren –wie wir

alljährlich- sehr angetan vom Veranstaltungskonzept,

den z.T. authentischen Lebensbildern von

Menschen mit HIV und AIDS, den symbolischen

Aktionen sowie von den musikalischen Darbietungen.

In diesem Jahr unterstützte uns musikalisch

der hervorragende Chor „TonArt“ des evangelischen

Kirchenkreises Duisburg unter der Leitung

von Andreas Rabeneck mit mitreißenden Darbietungen.

Für diese hervorragenden Gesten der Solidarität

sagen wir ganz herzlichen Dank. Das

Duisburger Aktionsbündnis gegen AIDS ist weiterhin

offen für weitere Kooperationspartner. Interessierte

Personen und/oder Einrichtungen sind

immer willkommen.

Iris Sperg

(Gesundheitsamt

Duisburg)

Frank Mischo

(Kindernothilfe)

Allen, die uns zum Welt-AIDS-

Tag 2011 durch viel Engagement

und Kreativität unterstützt haben,

gilt an dieser Stelle noch

einmal unser ganz herzlicher

Dank !!! – Ein Engel hat Euch /

Sie geschickt.

Und: … nach dem Welt-

AIDS-Tag ist vor dem Welt-

AIDS-Tag! Interessierte, die

48


2012 dabei sein wollen, können sich jederzeit gerne

bei uns melden.

4.5. Berichterstattung in den Medien

Die Nachfragen von Seiten der Print-, Funk- und

TV-Medien, die unsere Arbeit zum Teil sehr aufmerksam

begleiten, stimmt uns zuversichtlich und

führt uns zu dem Eindruck, gute Arbeit zu leisten.

Wir waren unsererseits mit der Erreichbarkeit

und dem Echo bei Presse, Lokalfunk und –

fernsehen über das Berichtsjahr verteilt insgesamt

sehr zufrieden (s. Pressespiegel im Anhang). Der

Anlass unseres diesjährigen Jubiläums wurde gut

transportiert hat uns hier neben zusätzlicher Arbeit

eindeutig aber auch zusätzliche Motivation

geliefert.

Das schon mehrmals zitierte Stadtfernsehen

„Studio 47“ ist mittlerweile ein treues Begleiterund

Unterstützermedium, genau so wie die Lokalradios

von Radio DU inkl. dem Bürgerfunk und

Radio KW.

Im Printmedienbereich gab es im Berichtszeitraum

große Berichte über Menschen und Angebote der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Um das vergleichsweise niedrige Niveau der Neuinfektionen

im Berichtsjahr weiterhin halten zu

können und die neu ausgerichteten Kampagnenziele

der weiteren Akzeptanz und Toleranz gegenüber

Menschen mit HIV und AIDS umsetzen

zu können, müssen aus unserer Sicht aber auch

weitere Kommunikationsoffensiven folgen, um die

Präventionserfolge der vergangenen Jahre nicht

wieder zu gefährden. Aufklärung, sachliche Information

und Erinnerung müssen wahrnehmbar

bleiben.

4.6. Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Hier sind für den Stelleninhaber zu nennen :

Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. in verschiedenen regionalen Gremien

und Arbeitskreisen in Duisburg, dem Kreis Wesel

und auf Landesebene

Vorbereitung, Organisation, und Durchführung

von Informationsständen, Seminar- und Vortragsangeboten,

Organisatorische Begleitung und Pressearbeit

für Benefiz- und Kooperationsveranstaltungen,

Akquise von finanziellen Mitteln und personellen

Ressourcen (Ehrenamtleranwerbung)


Telefonische und persönliche Beratung,

Kontaktpflege zu Förderern und Kooperationspartnern,

Geschäftsführung,

U.a.m.

Abbildung :

Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung

im Jahre 2011 – Veranstaltungen

insgesamt

49


Zielgruppenspezifische Prävention

5. Zielgruppenspezifische Prävention

5.1 HIV/AIDS-Prävention bei Schwulen,

Männern die Sex mit Männern haben sowie

bisexuellen Männern

Das Projekt homosexuelle und bisexuelle Männer

sowie MSM (Männer, die Sex mit Männern haben)

im Kontext von HIV / STI´s der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e.V. ist durch Zielgruppenspezifische

Mittel des Landes NRW gefördert worden.

Durch diese Förderung konnte eine ½ Personalstelle

finanziert werden, mit der die strukturelle

Prävention im Arbeitsbereich „homosexuelle und

bisexuelle Männer sowie MSM im Kontext HIV /

STI´s“ auf der lokalen, regionalen und landesweiten

Ebene umgesetzt wurde. Zusätzlich hat das

Projekt auf der lokalen Ebene das Ziel, HIVpositive

Männer niedrigschwellig zu erreichen und

ihnen die möglichen Angebote in der Region zu

vermitteln bzw. die Begleitung durch die AIDS-

Hilfe anzubieten (Streetwork).

Auf der landesweiten Ebene erfolgte die Arbeit

ausschließlich in Gremien, die sich überregional

mit dem Thema „homosexuelle Männer sowie

MSM im Kontext HIV / STI´s“ befassen.

Auf der regionalen Ebene wurden in der Vernetzung

mit anderen Institutionen Kampagnen und

Präventionsaktionen erarbeitet und durchgeführt.

Durch diese Kooperationen konnten größere

Veranstaltungen geplant, koordiniert und umgesetzt

werden. Die in diesen Gremien vorhandenen

Ressourcen konnten so gebündelt werden

und es ergaben sich sinnvolle Synergieeffekte.

Auf der lokalen Ebene wurden gemeinsam mit

Kooperationspartnern, durch die Einbeziehung

von ehrenamtlichen Mitarbeitern sowie HIVpositiven

schwulen Männern die ausdifferenzierten

Angebote/Präventionsaktionen erfolgreich

umgesetzt. Durch diese Kooperationen konnten

die begrenzten personellen Ressourcen optimal

genutzt werden.

5.1.1 Vorwort

Auch im Jahr 2011 wurde ein Großteil unserer

Ressourcen für den Bereich der Prävention im

Sektor schwule und bisexuelle Männer sowie

MSM genutzt.

Die kompetente und qualifizierte Arbeit von

„Herzenslust“ hat ihren Ursprung in dem Ansatz

der strukturellen Prävention (hier vor allem

die Primär- und Sekundärprävention) sowie der

regelmäßigen Aus- und Fortbildungsarbeit der

haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern auf der

landesweiten Ebene. Herzenslust steht für die Arbeit

von schwulen Männern für schwule Männern.

Die Feldkompetenzen der einzelnen Mitarbeiter

können so für die Präventionsarbeit im Rahmen

der niedrigschwelligen Präventionsarbeit genutzt

werden. Weiterhin steht Herzenslust für lustvolle

und lebensstilakzeptierende Präventionsarbeit.

Auch der Schwerpunkt, die Zielgruppe ausreichend

zu informieren, damit jeder einzelne selbst

bestimmt entscheiden kann, welches Risiko er

eingehen möchte oder welches eben nicht, hat

sich bewährt. Auch die Einbeziehung von HIVpositiven

schwulen Männern in die Präventionsarbeit

(z.B. bei Beratung und Test) hat sich sehr bewährt

und sollte weiterhin unterstützt und forciert

werden. Die Datenlage aus der Bochow-

Studie (s. Schwule Männer und HIV/Aids: Lebenstile,

Szene, Sex 2007; Michael Bochow, Axel

J. Schmidt, Stefanie Grote; AIDS-Forum DAH;

2010) hat maßgeblich dazu beigetragen, die Rastplatz-Sommeraktion

im Kreis Wesel umzusetzen.

Nach Bochow, der eine breit angelegte Befragung

zu Risikoverhalten von schwulen und bisexuellen

Männern in regelmäßigen Abständen durchführt,

gehören MSM aus ländlichen Regionen zu einer

der Risikogruppen bezüglich einer HIV-Infektion.

Ebenfalls zur Risikogruppe gehören schwule Männer

aus sozial schwachen Verhältnissen; ein

Grund, warum die Testangebote auf dem Rastplatz

kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Die Arbeitsfelder im Berichtszeitraum können

wie folgt umrissen werden:

Die zielgruppenspezifische Präventionsarbeit der

AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. im Bereich

MSM hatte im Berichtszeitraum mehrere Arbeitsschwerpunkte.

Ein großer Schwerpunkt im Jahr 2011 war die

Entwicklung, Koordinierung und Umsetzung des

schwul lesbischen Straßenfestes

„Sommerlust“. Der Wunsch, dass sich die

Community in Duisburg präsentieren konnte, war

für die Mitglieder unseres Vereins von hoher

Wichtigkeit. Daraus erklärt sich sicherlich auch

die hohe Teilnahme unserer ehrenamtlichen Mit-

50


arbeiterInnen bei der Umsetzung des Festes

(weiteres siehe unten).

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt war die Umsetzung

des HIV-Schnelltestsangebotes im niedrigschwelligen

Bereich, welcher unter dem Label

„BuT“ (Beratung und Test) angeboten wurde. Die

Vorarbeit (Schulung der ehrenamtlichen Mitarbeiter,

konzeptionelle Planung der Umsetzung lokal

und in Arbeitskreisen landesweit, Absprache mit

Kooperationspartnern) nahm einen Großteil der

zeitlichen Ressourcen in Anspruch.

Die ausdifferenzierte Arbeit im Bereich der Primärprävention

bei MSM (z.B. GAY ROMEO

health support, Vor-Ort Arbeit, Beratung und

Test) fordert immer mehr eine detaillierte fachlich

qualifizierte Schulung der Mitarbeiter. Diese

neuen Anforderungen gehen mit einer hohen zeitlichen

Kapazität an Schulungsanteilen für die haupt

- und ehrenamtlichen Mitarbeiter einher. Dieser

Trend wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Hier

gilt es, einerseits die Mitarbeiter fachlich gut auf

die Arbeit vorzubereiten und andererseits die

Schulungsanteile für die einzelnen Trainer / Referenten

in einem „gesunden Maß“ zu halten. Durch

die geforderten Qualitätssicherungsmaßnahmen

und damit einergehenden Verpflichtungen

(Teilnahme an (Schulungs-) Veranstaltungen, Berichtswesen,

Datenerhebung) wurden zeitliche

Ressourcen ebenfalls gebunden.

5.1.2 Landesweite Vernetzung

Teilnahme an Arbeitskreisen

Arbeitskreis schwule Prävention

Unter dem Namen „Herzenslust“ wird strukturelle

HIV-Prävention im Bereich homosexuelle und

bisexuelle Männer sowie MSM in ganz NRW

durchgeführt. Herzenslust ist eine Kampagne der

AIDS-Hilfe NRW e.V.. Auf der landesweiten Ebene

finden regelmäßige Arbeitskreise unter dem

Namen „Landesarbeitskreis schwule Prävention“

statt, wo die Herzenslustgruppen sich inhaltlich

austauschen können. Der Projektnehmer hat regelmäßig

an diesen Arbeitskreisen teilgenommen.

In diesem Gremium wurden neu entwickelte Aktionen

vorgestellt, Tendenzen in der schwulen

Community erörtert sowie zu bestimmten Themenfeldern

Referenten eingeladen. Auf diesen landesweiten

Arbeitskreisen konnten so Ideen für

Präventionsaktionen ausgetauscht, Kampagnen

entwickelt und nicht erfolgreiche Projekte analysiert

werden. So wurde durch den Erfahrungsaustausch

und die fachliche Unterstützung der unterschiedlichen

lokalen Herzenslustgruppen die regionale

und lokale Arbeit sinnvoll modifiziert.

GAY Romeo / health support

Herzenslust hat auf der landesweiten Ebene die

Onlinepräventionsarbeitet konzipiert und umgesetzt.

Bei Gay Romeo, einem Onlineportal für

schwule und bisexuelle Männer, wurde ein health

support geschaltet. Hier werden Fragen von Ratsuchenden

zu HIV/AIDS, Hepatitiden und anderen

sexuell übertragbaren Krankheiten, schwuler Gesundheit

und Szeneorten in der Region von örtlichen

Herzenslustmitarbeitern beantwortet. Der

Projektnehmer hat für die lokale Herzenslustgruppe

ein Profil erstellt und Chatberatung durchgeführt.

An diesem Projekt sind neben dem Projektnehmer

ehrenamtliche Onlinepräventionisten

beteiligt. Das lokale Gay Romeo-Projekt war regelmäßig

bei den bundesweiten Austauschtreffen

vertreten. Diese Treffen dienen als Plattform, sich

zu Themenfeldern der Online-Beratung auszutauschen

sowie der Erarbeitung und Erhaltung von

Präventions- und Beratungsstandards.

Beratung und Test (BuT)

Das Pilot-Projekt der AIDS-Hilfe NRW e.V. hat

das Ziel, bestimmte Subgruppen aus dem Bereich

der MSM (Männer die Sex mit Männern haben)

mit Hilfe eines HIV-Schnelltest-Angebotes im Zusammenhang

mit einer davor durchgeführten intensiven

Beratung zu erreichen. Solche Subgruppen

(oder auch „Netzwerke“) sind von den bestehenden

HIV-Test-Angeboten nicht erreicht worden

(siehe auch Konzept BuT).

Der Projektnehmer hat an den Steuerungskreisen

von BuT auf der landesweiten Ebene teilgenommen.

Teilnahme an Landesweiten Präventionsaktionen

CSD in Köln

Unter dem Motto „united love air“ organisierte

Herzenslust NRW und die Herzenslustgruppe aus

Köln eine Fußtruppenaktion beim CSD in Köln.

Das Herzenslustteam Duisburg beteiligte sich bei

der Aktion (näheres siehe Sachbericht Herzenslust

NRW bzw. Herzenslust Köln).

51


Zielgruppenspezifische Prävention

5.1.3 Projektarbeit auf der regionalen Ebene

Auf der regionalen Vernetzungsebene arbeitete

der Projektnehmer eng mit den regionalen Herzenslustgruppen

im Ruhrgebiet zusammen. Im

Ruhrgebiet wurden aus dieser Vernetzung heraus

Aktionen entwickelt, koordiniert und durchgeführt,

welche einen überregionalen Charakter besaßen.

Gerade bei größeren Events können die

einzelnen Herzenslustgruppen nur schwer alleine

öffentlichkeitswirksame Aktionen durchführen. So

unterstützte z.B. das Herzenslustteam Essen unsere

Aktion auf dem Straßenfest „Sommerlust“. An

dieser Stelle danken wir unseren Kollegen aus Essen

für ihre Unterstützung!

5.1.4 Projektarbeit auf der lokalen Ebene

Kooperation mit lokalen Einrichtungen/

Selbsthilfegruppen

Auf der lokalen Ebene wurde mit verschiedenen

Einrichtungen, Vereinen und Selbsthilfegruppen

kooperiert (wie z.B. mit AkDuLuS e.V. sowie dem

Kommissariat Vorbeugung der Polizei Duisburg).

AkDuLuS e.V.

Der Projektnehmer hat an

den regelmäßig stattfindenden

Arbeitskreisen der regional

ansässigen schwullesbischen

Vereine und

Selbsthilfegruppen

„AkDuLuS e.V.“ teilgenommen.

Primärpräventive Aktionen auf der lokalen Ebene

Beratung und Test – Rastplatz Sommeraktion

In Kooperation mit der AIDS-Hilfe NRW e.V.,

dem Fachbereich Gesundheitswesen des Kreises

Wesel sowie mit der Unterstützung des Kommissariats

Vorbeugung des Polizeipräsidiums Duisburg

wurde Beratung und Test von dem Projektnehmer

umgesetzt.

Ziel der Beratung und Test - Rastplatz - Sommeraktion

war die niedrigschwellige Beratung von

MSM (hier vor allem Männer, die durch die bestehenden

Beratungs- und Testangebote nicht erreicht

werden), intensiv vor Ort zu HIV-

Übertragungsrisiken und dem Schnelltestverfahren

zu beraten und ggf. einen Schnelltest anzubieten.

Konzeptionelle Ausarbeitung:

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. hat

sich, nach dem erfolgreichen Beginn der Aktion

2009 und 2010 entschieden, dieses Projekt weiterhin

auf einem Rastplatz im Kreis Wesel umzusetzen.

Darüber hinaus wurde nach Absprache

mit dem zuständigen Arzt und sowie den ehrenamtlichen

Mitarbeitern das Angebot um eine Syphilis-Testung

erweitert.

Die ausschlaggebenden Argumente waren:

- Die Beratung der Zielgruppe steht im Vordergrund

der Vor-Ort-Aktion.

- Die Testdurchführung soll durch einen

Arzt des Gesundheitsamtes vorgenommen

werden (Aktive Einbindung des ÖGD).

- Die anvisierte Zielgruppe sind MSM, die

anonym Sex mit Männern auf den Rastplatz

haben, durch ihre allgemeine Lebensführung

(viele leben in „herkömmlichen“

Familienstrukturen) bedingt, jedoch keine

Möglichkeiten haben oder diese bewusst

ablehnen oder wegen Unkenntnis der Infrastruktur

die schon bestehenden Beratungs-

und Testangebote von Gesundheitsämtern

und AIDS-Hilfen in Anspruch

zu nehmen.

- Reaktiv getestete Personen können sich

durch Buddys (geschulte HIV-positive

schwule Männer) bis zum Ergebnis des regulären

HIV-Labortests begleiten lassen.

- Die Vor- und Nachteile des Schnelltestes

werden den Interessierten mitgeteilt. Die

Entscheidung für oder gegen den Test obliegt

einzig und alleine dem Ratsuchenden.

52


Nach der Entscheidung für die „Beratung und

Test - Rastplatz Sommeraktion“ wurden konkret

die weiteren Schritte besprochen:

1. Akquirierung sowie Fort- und Weiterbildung

der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter

(für die Beratung und für die Funktion des

Buddys).

2. Entwicklung der Qualitätsstandards für die

Beratung auf dem Rastplatz sowie die Testdurchführung

(Anonymität, Beratungssetting).

3. Absprachen mit dem Fachbereich Gesundheitswesen

der Kreisverwaltung Wesel zwecks

Beteiligung eines Arztes bei dem Projekt.

4. Behördliche Genehmigung zur Durchführung

des Angebotes auf einem Rastplatz.

Kosten für den „HIV-Schnelltest“ und den Syphilis

-Test.

Zu 1.

In der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist

es seit Jahren üblich, frisch HIV positiv getesteten

ratsuchenden Menschen ein Gespräch mit einem

HIV-positiven ehrenamtlichen Mitarbeiter anzubieten.

Diese Mitarbeiter wurden angesprochen

und ihnen das Pilotprojekt erläutert. Die ehrenamtlichen

Mitarbeiter waren sofort dazu bereit,

sich bei dem Projekt zu beteiligen und besuchten

das Grundlagentraining, welches von der AIDS-

Hilfe NRW e.V. zur Ausbildung der Beratung und

Test -Projektteilnehmer angeboten wurde.

Zu 2.

Die AIDS-Hilfe NRW e.V. konnte ein Wohnmobil

anschaffen, welches zu einem „Beratung und Test

-Mobil“ umgebaut wurde. So können in einem abgetrennten

Beratungsraum die interessierten

Männer beraten werden und in dem anderen

Raum der Schnelltest durchgeführt werden (Arzt-

Raum).

Den interessierten Männern sollten die Optionen

/ der Vorgang zum Testverfahren im Rahmen

der Beratung erklärt werden. Diese waren:

A) Im Falle eines reaktiven Testergebnisses

kann eine Fehldiagnose nicht

zu 100% ausgeschlossen werden.

Daher müsste sofort im Anschluss

intravenöses Blut zwecks Bestätigung

des Ergebnisses durch einen

herkömmlichen Antikörpertest erfolgen;

mit den damit einhergehenden

psychischen Belastungen, die

die Wartezeit dann mit sich bringen

könnte.

B) Im Falle eines reaktiven Testergebnisses

wurde den Ratsuchenden

angeboten, das ein Mitarbeiter des

Beratung und Test -Projektes (ein

Buddy; HIV-positiver schwuler

Mann) während der Wartezeit als

Ansprechperson zur Verfügung

steht.

C) Die getestete Person hätte die

Möglichkeit, mit einem Auto nach

Hause/zur nächsten Haltestelle des

ÖPNV gefahren werden zu können.

D) Es wurde angeboten, den Schnelltest

durchführen zu lassen, das Ergebnis

jedoch erst am nächsten Tag

im Gesundheitsamt „abzuholen“.

Zu 3.

Nach dem erfolgreichen Start der Kampagne

2009 und der Durchführung 2010 konnte der

Arzt des Gesundheitsamtes des Kreises Wesel für

die Mitarbeit an diesem Pilotprojekt weiterhin

gewonnen werden. Vor allem die Argumentation

(die sich durch die Datenlage aus 2009 / 2010

bestätigte), dass die Zielgruppe Männer sind, die

nicht vom bestehenden Beratungs- und Testangebot

der Gesundheitsämter und AIDS-Hilfen erreicht

werden, war ausschlaggebend zur weiteren

Kooperation. Vom Arzt wurde für diese spezielle

Form der aufsuchenden Arbeit eine Verfahrensanleitung

erstellt, einschließlich der erforderlichen

Genehmigung durch die Verwaltungsleitung des

Fachbereichs Gesundheitswesen des Kreises Wesel

und der Ärztekammer Nordrhein. Die ärztliche

Tätigkeit (spezielle Testberatung, Testdurchführung

und Ergebnismitteilung, sowie auf

Wunsch die Beratung zu anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten erfolgte unabhängig vom

Beratungs- und Betreuungsangebot der AIDS-

Hilfe-Mitarbeiter. Die ärztliche Schweigepflicht

wurde im gesamten Angebotsrahmen gewahrt.

Auch wenn den Getesteten vom Arzt das Angebot

der Begleitung durch einen Buddy unterbreitet

wurde, konnte der Getestete in jedem Fall

jedoch selbst entscheiden, dieses Angebot anzu-

53


Zielgruppenspezifische Prävention

nehmen bzw. über sein Testergebnis mit jemand

anderem zu sprechen.

Zu 4.

Eigentümer des Rastplatzes ist das Amt für Straßenbau

NRW. Die zuständige Mitarbeiterin gab

die Erlaubnis unter gewissen Auflagen (An- und

Abmelden der Aktion bei der zuständigen Autobahnmeisterei

sowie nur eine Parkbucht zu besetzen).

Im Vorfeld musste bei der Bezirksregierung

Düsseldorf abgeklärt werden, ob die Aktion mit

einer finanziellen Bereicherung einhergehen würde.

Da die AIDS-Hilfe die Testdurchführung kostenlos

anbietet, wurde daher auch von dieser Seite

die Erlaubnis erteilt.

Zu 5.

Da vor allem die Zielgruppe „MSM mit einem unterdurchschnittlichen

sozialen Status“ im Focus

unserer Aktion stehen, sollte der Test möglichst

kostenlos angeboten werden. Durch die Kooperation

mit dem lokalen Gesundheitsamt konnten

die Testkits durch das Gesundheitsamt kostenlos

bei dem zuständigen Ministerium bestellt werden.

Die Syphilis-Tests wurden von der AIDS-Hilfe bezahlt.

Die ärztliche Tätigkeit wurde als Dienstleistung

des Fachbereichs Gesundheitswesen Kreis

Wesel erbracht, so dass auch hier keinerlei Kosten

für die Aktion entstanden. Daher konnten wir

die Beratung sowie die Testdurchführung anonym

und kostenlos anbieten.

Auf einem der Rastplatz-Sitzbänke in der Nähe

des BuT-Mobils saßen die Mitarbeiter des Projektes.

Hier wurden für Gäste Kaffee, Wasser und

Kekse angeboten.

Zwei Mitarbeiter sprachen die Männer an und

verteilten Kondome sowie Visitenkarten mit einer

Erklärung zum HIV- / Syphilis- Schnelltestangebot.

Interessierte wurden zu den Mitarbeitern an der

Sitzbank weitergeleitet, wo Sie einen anonymisierten

Fragebogen zu sexuellen Vorlieben, Risikosituationen

etc. ausfüllen mussten.

Nach dem der Testwillige den Beratungsbogen

ausgefüllt hat, wurde ein Beratungsgespräch anhand

des Fragebogens im hinteren Teil des Beratung

und Test - Mobils durchgeführt. Hier wurde

explizit auf die Vor- und Nachteile des HIV-

Schnelltestverfahrens sowie der Syphilistestung

hingewiesen.

Nach einer ausführlichen Beratung und der Entscheidung

des Ratsuchenden wurde er ggf. zum

Arzt in den vorderen Teil des Beratung und Test

- Mobils weiter verwiesen. Nach einem Gespräch

mit dem Arzt wurde dann der Test bzw. die Tests

durchgeführt. Das ganze Verfahren dauert ca. 1

Stunde (vom Zeitpunkt der Ansprache, Ausfüllen

des Fragebogens, Beratungsgespräch, Testdurchführung

bis hin zum Testergebnis).

Sommerlust

Die Umsetzung:

In dem Zeitraum Mai-September 2011 wurde die

„Rastplatzsommeraktion“ am 1. und 3. Mittwoch

im Monat in der Zeit von 18.00-21.00 Uhr umgesetzt.

Das Beratung und Test -Mobil wurde in einer

Parkbucht, in der Nähe des Gehweges zu den

Toiletten geparkt. Unter der seitlich angebrachten

Markise des Busses wurde ein Tisch mit Kondomen

und Informationsmaterialien aufgestellt. Um

Aufmerksamkeit zu erregen, wurden Fahnen

(Tripols) mit dem Logo von Herzenslust aufgestellt.

54


Der Projektnehmer hat an den regelmäßig stattfindenden

Arbeitskreisen der regional ansässigen

schwul-lesbischen Vereine und Selbsthilfegruppen

„AkDuLuS e.V.“ teilgenommen und beteiligte sich

dort an der Entwicklung und Durchführung von

schwul lesbischen Angeboten für den Raum Duisburg.

Dieser Arbeitskreis hat z.B. die schwul lesbischen

Discos „Warm Up“ und „RadioActiv“ initiiert

und organisiert jährlich das schwul lesbische

Straßenfest in Duisburg.

Der Projektnehmer hat an den regelmäßig stattfindenden

Mitgliederversammlungen von AkDu-

LuS teilgenommen. Da AkDuLuS e.V. im Jahr

2011 keine personellen Ressourcen aufbringen

konnte, das schwul-lesbische Straßenfest zu organisieren,

hat sich der Projektnehmer dafür eingesetzt,

dass die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel

e.V. in Kooperation mit lokalen Organisationen

sowie Personen aus der schwulen Community

sowie schwulen Gastwirten, das Sommerfest umsetzt.

Herzenslust, als Hauptorganisator, entwickelte

den Namen des Festes „Sommerlust“.

Unter dem Motto „Lecker lecken, so schmeckt

Duisburg“ wurde am 30.07.2011 das Fest umgesetzt.

Neben 10 lokalen schwul-lesbischen Selbsthilfegruppen,

die sich auf dem Fest präsentieren konnten,

gab es Getränke- und Essstände sowie eine

Bühne mit einem Show-Programm.

Der Projektnehmer hat sich hauptsächlich um die

Beantragung bei der Stadt sowie dem Ordnungsamt,

die Koordinierung der ehrenamtlichen Mitarbeiter

beim Einsatz am Herzenslust-Infostand, die

regelmäßigen Vorbereitungstreffen der externen

Kooperationspartner sowie um den Auf- und Abbau

beim Straßenfest gekümmert.

Fachliche Anleitung der lokalen Herzenslustgruppe

Duisburg/Kreis Wesel

Der Projektnehmer hat regelmäßig mit der Herzenslustteilzeitkraft

die inhaltliche Arbeit der lokalen

Herzenslustgruppe erörtert und bei Bedarf

angeleitet. Neben der fachlichen Aufsicht des lokalen

Projektes Herzenslust wurden die ehrenamtlichen

Herzenslustmitarbeiter in den Bereichen

HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten

ergänzend zum bestehenden Schulungsangebot

der AIDS-Hilfe NRW geschult.

Veranstaltungen

Der Projektnehmer hat Vor-Ort-Aktionen in der

schwulen Szene und Örtlichkeiten, wo Männer

Sex mit Männern haben, zum Teil mit lokalen Kooperationspartnern,

durchgeführt.

Streetwork

Der Projektnehmer hat durch die regelmäßige

Vor-Ort-Arbeit und seine Anwesenheit in der

Szene, HIV-positive Männer erreicht und unterstützt

diese im Rahmen der psycho-sozialen Begleitung.

Durch dieses niedrigschwellige und anonyme

Angebot konnten Männer erreicht werden,

die sich durch eigenen Antrieb nicht an eine Hilfs-

Organisation wie die AIDS-Hilfe, gewendet hätten.

55


Zielgruppenspezifische Prävention

5.1.4.1 Die Herzenslustgruppe Duisburg /

Kreis Wesel

Der Projektnehmer für den Bereich MSM hat regelmäßig

mit der Herzenslustteilzeitkraft die inhaltliche

Arbeit der lokalen Herzenslustgruppe

erörtert und bei Bedarf angeleitet. Neben der

fachlichen Aufsicht des lokalen Projektes Herzenslust

wurden die ehrenamtlichen Herzenslustmitarbeiter

in den Bereichen HIV und anderen

sexuell übertragbare Krankheiten ergänzend zum

bestehenden Schulungsangebot der AIDS-Hilfe

NRW, qualifiziert.

Das Herzenslustteam hat im Jahr 2011 wie in den

vorangegangenen Jahren zielgruppenspezifische

Prävention im Bereich schwule und bisexuelle

Männer sowie Männer, die Sex mit Männern haben

entwickelt und durchgeführt. Hierbei ist die

konstante Begleitung der umgesetzten Präventionsaktionen

sowie die Begleitung der lokalen

Herzenslustgruppen durch die aus Eigenmitteln

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. finanzierte

Teilzeitkraft von sehr hohem Stellenwert.

Durch die Teilzeitkraft wurden folgende Aufgaben

erfüllt:

- Fachliche Begleitung der ehrenamtlichen Herzenslustmitarbeiter

Die Teilzeitkraft sowie punktuell der Projektnehmer

waren bei den primärpräventiven Vor-Ort-

Aktionen von Herzenslust anwesend. So konnten

Ratsuchende bei Bedarf von den ehrenamtlichen

Mitarbeitern des Herzenslustteams an die hauptamtlichen

Mitarbeiter weiter verwiesen werden.

- Begleitung der wöchentlichen Gruppentreffen

des Herzenslustteams

Durch die regelmäßigen Gruppentreffen, die

durch die Teilzeitkraft angeleitet wurden, wurde

die beständige ehrenamtliche Herzenslustarbeit

sichergestellt. Neben diesem Aspekt wurden mit

dem Herzenslustteam Veranstaltungen abgesprochen

und deren Umsetzung diskutiert und konzipiert.

- Die Pflege und Aktualisierung der Herzenslusthomepage

(www.herzenslustteam-du.de) war ein

wichtiger Arbeitsschwerpunkt der Teilzeitkraft,

da sich viele schwule Männer vorwiegend über

das Internet Informationen zu HIV, STD´s und

Angeboten in der schwulen Community beschaffen.

Auf der lokalen Ebene wurden folgende primärpräventive

Aktionen in Duisburg durchgeführt:

Das Präventionsteam Herzenslust hat regelmäßig

Aktionen auf der schwul-lesbischen Party Warm-

Up und im späteren Verlauf des Jahres auch auf

den Partys „RadioActive“ in Duisburg sowie

„Gaytower“ in Moers durchgeführt. Neben Informationsständen

und Walkingacts wurden mehrere

größere Aktionen durchgeführt.

Hier einige Beispiele von Aktionen:

Sommerlust

Unter dem Motto „lecker lecken, so schmeckt

Duisburg“ wurde eine Aktion neu umgesetzt, die

in Kooperation der Herzenslustteams in NRW

vor mehreren Jahren entwickelt wurde. Aufkleber

mit Bezeichnungen wie „Lecker Typ“ und „Leck

mich“ wurden mit Cruisinpacks an Gäste verteilt.

Die Herzenslustmitarbeiter bekamen T-Shirts, die

56


passend zu den Aufklebern, gestaltet waren.

WAT

Zum Welt-AIDS-Tag wurde in der schwulen

Kneipe Harlekin in Duisburg eine Infoaktion umgesetzt.

Weitere Aktionen auf lokaler Ebene waren:

- Szenerundgänge

Regelmäßig führte das Herzenslustteam Duisburg

/ Kreis Wesel einen Rundgang durch die

Duisburger Szene durch. Ziel der Rundgänge war

die Kontaktpflege mit den Szenewirten, Verteilung

von Informationsmaterialien zu HIV und andere

STD´s in den Lokalen sowie die Befüllung des

Kondomautomaten.

- Rastplätze

In regelmäßigen Abständen wurden Aktionen auf

Rastplätzen im Kreis Wesel durchgeführt, wo

Männer Sex mit Männern haben. Hier wurden

Informationsmaterialien und Kondompackungen

auf einem Informationsstand den Besuchern angeboten.

Da viele der dort verkehrenden Männer

sich nicht eindeutig als schwul oder bisexuell definieren,

wurde auf allgemeine Informationsbroschüren

der DAH / BZgA zurückgegriffen.

5.1.5 Projektkritik / Projektausblick

Das Projekt der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel

e.V. setzte die strukturelle Prävention im Arbeitsbereich

homosexuelle und bisexuelle Männer sowie

MSM auf den unterschiedlichen Ebenen

(landes-, regionaler- und lokaler Ebene) um.

Die Arbeit konnte auf den jeweiligen Ebenen mit

verschiedenen Aspekten und Zielsetzungen ausdifferenziert

und mit angemessenen Methoden

verfolgt werden. Die im Projektantrag formulierten

Ziele wurden realisiert und innovative Aktionen

/ Projektideen umgesetzt.

Projektnehmer ressourcenorientiert und zeitsparend

seine Projektziele umsetzen. Die Unterstützung

und Wirkung der Kampagne zeigte sich zum

einen durch die professionelle Öffentlichkeitsarbeit

der AIDS-Hilfe NRW (Homepage der Kampagne

Herzenslust mit der Verlinkung zu den regionalen

Herzenslusthomepages, Bewerbung der

Kampagne durch schwule Medien) und durch den

fachlichen Austausch bei den landesweiten Arbeitskreisen.

Ebenso sind die zentral eingekauften

Give-aways für eine professionelle Außendarstellung

in der Vor-Ort-Arbeit unabkömmlich (z.B.

Cruisingpacks in einer Herzenslust-

Umverpackung).

Um eine kontinuierliche und nachhaltige Präventionsarbeit

in dem Bereich homosexuelle und bisexuelle

Männer sowie MSM gewährleisten zu können,

müssen immer wieder neue Präventionsstrategien

entwickelt und umgesetzt werden, damit

die Präventionsbotschaften die Zielgruppe erreichen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist das auf der

überregionalen Ebene entwickelte Pilotprojekt

„Beratung und Test“, welches erfolgreich umgesetzt

wurde.

Die Umsetzung des Straßenfestes „Sommerlust“

hat erhebliche zeitliche Ressourcen gebunden.

Dank externer und interner Unterstützer konnte

das Fest umgesetzt werden. Wir hoffen, dass dadurch

andere örtliche Vereine „auf den Geschmack“

gekommen sind, sich bei der Umsetzung

eines schwul lesbischen Straßenfestes in und

für Duisburg einzusetzen.

Ein großer Dank gilt den ehrenamtlichen Mitarbeitern

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

(vor allem die große Resonanz bei dem Straßenfest

und die kontinuierliche Begleitung von dem

Projekt „Beratung und Test“) ohne deren Engagement

das Projekt „homosexuelle und bisexuelle

Männer sowie MSM“ nicht in diesem Umfang hätte

realisiert werden können.

Mittels der Kampagne „Herzenslust“ konnte der

57


Zielgruppenspezifische Prävention

5.2 Drogen und Substitution

Drogenpolitisch und angebotstechnisch hat sich in

Duisburg und dem Kreis Wesel nicht viel verändert.

Weiterhin gibt es, trotz Zulassung als Arzneimittel,

keine Diamorphinvergabe, da die Bedingungen

hierfür so hoch gesteckt sind, dass sie die

finanziellen Möglichkeiten einer Stadt wie Duisburg

mit Nothaushalt sprengen würden. Leider

gibt es auch keinen offenen, niedrigschwelligen

Cafébereich in Duisburg.

Wie im letzten Jahresbericht bereits thematisiert,

wird die Substitutionsbehandlung von Opiatabhängigen

für Hamminkeln, Wesel und Schermbeck in

der Nachfolge von Heinz-Joachim Lemm seit dem

1. Januar 2011 durch Dr. Michael Wefelnberg

(Hünxe) sichergestellt. Die Substitutionsbehandlung

in Wesel findet in Räumen des Evangelischen

Krankenhauses statt.

Herr Dr. Michael Wefelnberg behandelt mit seinen

beiden Kollegen/innen 150 Patienten und es

sind zurzeit noch 20 Plätze frei.

Im Evangelischen Krankenhaus Wesel werden

34 Patienten aus Wesel substituiert. Hinzu

kommen weitere 22 Patienten, die zwar aus

Wesel kommen, allerdings in Hünxe substituiert

werden. Das liegt an den unterschiedlichen

Zeiten, zu denen Substitution möglich ist. Da in

Wesel zwischen 12 und 13 Uhr und in Hünxe

zwischen 8 und 19 Uhr substituiert werden

kann, fahren berufstätige Patienten nach Hünxe.

Zum Ende des Jahres gab es besorgniserregende

Meldungen, dass in Bochum die Droge

„Krokodil“ (Desomorphin) aufgetaucht sei.

„Durch die illegale Herstellung über Codein, Jod

und rotem Phosphor in einem ähnlichen Prozess

wie zur Herstellung von Methamphetamin auf Basis

von Pseudoephedrin wird das Endprodukt unrein

und reich an stark toxischen Nebenprodukten.

Bei Injektion führen diese Nebenprodukte zu

schweren Gewebeschäden, Venenentzündungen

und Nekrose bis zur Gangrän oder Organversagen.

Irreversible Schädigungen (neurologische

Veränderungen, Nierenschäden, Gefäßschäden)

können bereits bei der ersten Verwendung entstehen.

Laut Aussage der Anti-Drogen-Initiative

„Stadt ohne Drogen“ in Jekaterinburg ist „Krok“

so aggressiv toxisch, dass die durchschnittliche

Überlebensdauer von Konsumenten nach Beginn

des regelmäßigen intravenösen Konsums gerade

noch ein Jahr betrage. Die Droge wird in Russland

„Krokodil“ genannt, da sie den Körper von innen

her schädigt, an der Injektionsstelle oft eine grünliche

Verfärbung der Haut auftritt und die diese

um die Injektionsstelle an eine Krokodilhaut erinnert,“

Zitat Wikipedia.

Vor allem in der Boulevardpresse wurden die

schlimmsten Horrorszenarien ausgemalt. Letztendlich

stellte sich heraus, dass es sich bei den

Vorfällen „nur“ um verunreinigtes Heroin handelte.

5.2.1 Primär- und Sekundärprävention

5.2.1.1 Spritzenaustauschprogramm

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel nimmt weiterhin

mit den von ihr betreuten Spritzenautomaten

am Projekt der AIDS-Hilfe NRW e. V. teil.

Die Standorte befanden sich in Wesel und Duisburg-Hochfeld.

Die Spritzenautomaten werden je

nach Frequentierung von uns regelmäßig in einbis

zweiwöchigem Rhythmus neu bestückt.

Obwohl die Drogenberatung sich nicht mehr im

selben Haus mit der AIDS-Hilfe befindet, wird

dieser Automat am meisten frequentiert und genutzt.

Weitere Spritzenautomaten wurden von uns im

Jahr 2011 nicht betrieben, da der vorgesehene

neue Standort am Bahnhof in Moers weiterhin

noch durch Bautätigkeiten im Umfeld beeinträchtigt

ist.

In Duisburg suchen wir für einen weiteren Automaten

noch nach einem geeigneten Standort.

5.2.1.2 Suchtprävention bei Partydrogen

@drugthive

Mit unserem Projekt @drugthive haben wir im

1. Halbjahr eine Aktion zur Suchtprävention bei

Partydrogen und Primärprävention zu HIV/AIDS

in der Diskothek RAJ in Wesel durchgeführt. Bei

58


der Party Lucky 7 arbeiten wir mit dem Veranstalter

reibungsfrei zusammen. Leider hat sich in

Duisburg keine weitere Partylocation gefunden,

die an unserem Angebot interessiert ist.

Zudem hat das RAJ in Wesel Mitte des Jahres seinen

Betrieb aufgegeben und somit gibt es auch die

Party Lucky 7 nicht mehr.

5.2.2 Substitution

5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe

Auch im Jahre 2011 haben wir über das komplette

Jahr an allen Sams-, Sonn- und Feiertagen die

Vergabe von Methadon in der AIDS-Hilfe in Duisburg

durchgeführt. Die Anzahl der Substituierten

lag im Durchschnitt weiterhin bei 88 Personen,

wobei die geringste Teilnehmerzahl 51 und die

höchste Klientenzahl 133 betrug, die die Vergabe

besuchten. Hier ist jedoch zu vermerken, dass die

Durchschnittszahl in den ersten Monaten des Jahres

bei 73 lag und bis zum Ende des Jahres auf

durchschnittlich 106 Klienten angestiegen ist. Die

Vergabezeit beträgt 1,5 Stunden. Weiterhin wird

die Vergabe von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter

und einem Arzt durchgeführt. Zur Vergabe

entsenden insgesamt sieben Ärzte ihre Patienten,

die Vergabe in der AIDS-Hilfe führen fünf Ärzte

durch.

Die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten und

unseren ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, den

Apotheken und der Polizei verlief weiterhin reibungslos.

An dieser Stelle einen Dank an die ehrenamtlichen

MitarbeiterInnen für ihr Engagement

und ihre Mithilfe.

Bei jeder Vergabe wird für die Substituierten Kaffee

angeboten und am letzten Sonntag im Monat

wurde weiterhin ehrenamtlich ein Frühstück für

die Substituierten organisiert. Dieses wird mit

Lebensmitteln der Duisburger Tafel und dem Verein

„Bürger für Bürger“ gespeist. So besteht die

Möglichkeit, sich über Sorgen und Nöte auszutauschen.

Unser Dank gilt den ehrenamtlichen Mitarbeitern

und der Duisburger Tafel e. V. und dem

Verein Bürger für Bürger e. V. für ihr solidarisches

Engagement.

5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter

(PSB)

Die psychosoziale Begleitung von HIV-Positiven /

an AIDS erkrankten Substituierten ist ein weiterer

Bestandteil der Drogenarbeit innerhalb der

AIDS-Hilfe.

Im Vordergrund der PSB steht die Stabilisierung

der Klienten, die in ihrer Lebenssituation gestärkt

und unterstützt werden. Die Zielsetzung der PSB

erfolgt dabei im Wesentlichen nach den Bedürfnissen

der Klienten. Das bedeutet in erster Linie,

dass das subjektive Wohlbefinden der jeweiligen

Person und die Lebensverhältnisse verbessert

werden sollen. Entsprechend dieser Zielsetzung

steht bei einigen Substituierten die Verbesserung

des Gesundheitsstatus im Mittelpunkt, während

bei anderen die Sicherung der materiellen Grundversorgung

oder der Aufbau sozialer Netze im

Vordergrund stehen kann.

Dies kann in medizinischer Hinsicht bedeuten,

dass wir in eine Substitution vermitteln. Da es

sich hier nur um wenige Einzelfälle handelt und

wir gute Kontakte zu den substituierenden Ärzten

pflegen, gelingt dies in der Regel problemlos. Des

Weiteren stellen wir den Kontakt zu HIV-

Schwerpunkt-Ärzten her und unterstützen die

DrogengebraucherInnen, die zum Teil starke Berührungsängste

mit Ärzten dieser Fachrichtung

haben, sich in eine adäquate Behandlung zu begeben.

Es ist jedoch schwierig, neue Klienten in ein

relativ schematisches Korsett zu bringen, welches

für eine HIV Behandlung notwendig ist

(regelmäßige Überwachung der HIV/AIDS-

Parameter, regelmäßige Tabletteneinnahme,

Compliance/Adhärenz).

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Hepatitis –

C-Beratung, da in den meisten Fällen bisher die

Hepatitis-Behandlung bei DrogengebraucherInnen

nicht durchgeführt wurde und die Behandlung

auch bei den Betroffenen große Ängste auslöst.

Da gerade im Bereich Hepatitis-C-Behandlung

neue Medikamente zur Verfügung stehen, gilt es

für uns, die Begleiteten entsprechend zu beraten.

Im Rahmen der PSB ist es für uns wichtig, die Ressourcen

der Begleiteten zu wecken. Durch die

eigene Bewältigung von Problemen und Aufgaben

erfahren sie eine Stärkung ihres Selbstwertgefühles.

59


Zielgruppenspezifische Prävention

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten

DrogengebraucherInnen

Im Berichtsjahr führten wir das Streetwork auf

der „Platte“ mit Ausnahme von Urlaub und

Krankheit wöchentlich durch, da es sich hierbei

um das einzige derartige Angebot in Duisburg

handelt. Neben einer kleinen Szene auf der Königstraße

trifft sich der größte Teil der drogengebrauchenden

Menschen im Kantpark.

Beim Streetwork

werden

Spritzen, Kondome

und Care

Sets verteilt,

Fragen zu HIV/

AIDS und Hepatitiden

beantwortet.

Auch

die Warnmeldung

zu „Krok“

wurde den

Drogengebrauchern

zugänglich

gemacht.

Der gute Kontakt

und die

vertrauensvolle

Basis haben sich

weiter entwickelt.

So konnten

auch Besucherinnen

und

Besucher der „Szene“ für eine aktive JES-Arbeit

gewonnen werden. JES

bedeutet: Junkies, Ehemalige

und Subsituierte

und ist eine Drogenselbsthilfeeinrichtung,

die landes- und bundesweit

vernetzt ist (siehe

auch www.jesbundesverband.de).

Hierzu besuchten der

hauptamtliche Mitarbeiter

mit den Interessenten

„Vision e. V.“ in

Köln, ein niedrigschwelliges

Angebot für User

und Ex-User in Köln.

Hieraus entwickelte sich das weitere Interesse an

der Arbeit, so dass zwei Männer und eine Frau im

Jahr 2012 an einer Basisqualifizierung für JES-

60

Einsteiger, einem Seminar der Deutschen AIDS-

Hilfe, teilnehmen werden.

Ein Teil des Streetworks beinhaltet sekundärpräventive

Arbeit, da auf der Platte auch einige HIV-

Infizierte Drogengebraucher bzw. Subsituierte

erreicht werden, die ansonsten die AIDS-Hilfe

selten aufsuchen.

Das Frühstück

für DrogengebraucherInnen

und

Interessierte fand

in der AIDS-Hilfe

im Berichtsjahr

achtmal statt.

Falls der letzte

Freitag im Monat

der Zahltag ist,

wird dieses

Frühstück einen

Freitag früher

durchgeführt. Im

Juli und August

fand eine Sommerpause

statt.

Das Frühstück

wird überwiegend

von zwei ehrenamtlichen

Mitarbeitern

vorbereitet und mit Lebensmittelspenden

vom Verein „Bürger für Bürger“ unterstützt.

Hierfür sagen wir recht

herzlichen Dank. Das

Frühstücksangebot wurde

unterschiedlich frequentiert.

Von Januar

bis März kamen zwischen

10 und 17 Interessenten,

im April, August

und September leider

nur 3 – 5. Im Oktober

stieg die Zahl auf 12 und

im November mussten

sogar BesucherInnen in

der Küche auf einen freien

Platz im Café warten.

Daher haben wir uns

entschlossen, das Frühstück auch im Jahr 2012

weiter fortzuführen.


5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene

DrogengebraucherInnen“ am 21. Juli

Zum Nationalen Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen

haben wir nachfolgenden

Pressetext versandt:

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. gedenkt

anlässlich des 21. Juli – dem nationalen

Gedenktag für verstorbene Drogengebraucherinnen

und Drogengebraucher – der

in Duisburg im Jahr 2010 an Drogen Verstorbenen

Erfreulicherweise sank die Zahl der verstorbenen

DrogengebraucherInnen im Jahr 2010 sowohl in

Duisburg als auch in NRW und deutschlandweit.

Somit setzt sich der positive Trend seit 2008 fort.

Die AIDS-Hilfe begrüßt, dass die rot/grüne Landesregierung

die geringe Menge zum Eigenverbrauch

wieder auf die früheren Werte

(verringert bei Cannabis und abgeschafft bei allen

anderen Substanzen durch Justizministerin Müller-

Piepenkötter CDU) angehoben hat. So kann die

Staatsanwaltschaft von der Verfolgung des Vergehens

gemäß § 31 a BTMG absehen, wenn die unerlaubten

Betäubungsmittel ausschließlich dem

Eigenverbrauch dienen, keine Fremdgefährdung

vorliegt und die nachfolgend aufgeführten Mengen

nicht überschritten werden:

Cannabisprodukte: 10 Gramm

Heroin: 0,5 Gramm

Kokain: 0,5 Gramm

Amfetamin: 0,5 Gramm.

„Hiermit wird eine Forderung von uns umgesetzt,

die Drogenkonsumenten zu entkriminalisieren

und somit die Strafverfolgungsbehörden und Jus

2010 2009 2008

Duisburg 7 11 26

NRW 289 344 380

Deutschland 1237 1331 1449

Drogentote 2008-2010

61


Zielgruppenspezifische Prävention

tizvollzugsanstalten zu entlasten“, erklärt Rolf Ringeler,

Vorsitzender der

AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V.

Leider gibt es für Duisburg aber auch Nachteiliges

festzustellen.

„So gibt es gerade in Duisburg ein sehr geringes

Angebot für drogengebrauchende Menschen und

Substituierte,“ führt Ralf Runniger, hauptamtlicher

Mitarbeiter der AIDS-Hilfe aus.

In Duisburg fehlt ein Kontaktladen mit offenem

Cafébereich und angeschlossenem oder eigenständigem

Drogenkonsumraum, welches in Städten

wie Wuppertal, Essen, und Bochum - allesamt

Städte unter Nothaushaltsrecht - vorgehalten

wird.

„Um hier, zumindest ein geringes Angebot aufrechtzuerhalten,

bietet die AIDS-Hilfe einmal im

Monat – am letzten Freitag – ein Frühstück für

Drogengebraucherinnen und Drogengebraucher

an,“ führt Ralf Runniger weiter aus. „Auch besteht

für die Substituierten, die am Wochenende in der

AIDS-Hilfe ihr Methadon erhalten die Möglichkeit

zu einem Austausch bei einem Kaffee und auch im

Rahmen der Methadonvergabe wird am letzten

Sonntag im Monat ein Frühstück angeboten,“ ergänzt

Ralf Runniger.

Mit Sorge betrachtet die AIDS-Hilfe auch, dass

immer mehr Substituierte, die täglich ihr Methadon

bei den substituierenden Ärzten in Empfang

nehmen müssen, wegen Schwarzfahrens zu Haftstrafen

verurteilt werden. Im Hartz IV Regelsatz

sind 22,78 € für Verkehr vorgesehen, das günstigste

Monatsticket kostet jedoch 44,70 €. Hier

fordert die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel,

dass ein Sozialticket eingeführt wird oder die

Fahrtkosten vom Jobcenter oder den Krankenkassen

übernommen werden. Es kann ja nicht sein,

dass Kranke aufgrund von fehlenden finanziellen

Mitteln in Gefängnissen weggesperrt werden, welches

unnötige Kosten bedeutet. Ein Knasttag kostet

ca. 90 €, da wäre es doch günstiger, die Subsituierten

mit einem Monatsticket auszustatten.

Generell sind in der Illegalisierung der Drogen die

meisten Probleme begründet. So führt der

Schwarzmarkt durch verunreinigte Substanzen zu

den gesundheitlichen Schäden und die

überteuerten Schwarzmarktpreise münden in der

Beschaffungskriminalität. Repression und

62


Strafverfolgung verschlingen Steuergelder, die an

anderer Stelle dringend benötigt werden.

Ein Fortschritt in der Behandlung von schwerst

Drogenabhängigen sollte eigentlich die zugelassene

Medikation mit Diamorphin sein. Auch hierzu

gibt es in Duisburg kein Angebot.

Am 21.07.2011 führten wir in der Fußgängerzone

in Nähe der Platte einen Infostand durch. Wir haben

sieben Kreuze mit Rosen und Grablichtern

versehen aufgestellt, die an die sieben verstorbenen

DrogengebraucherInnen erinnern sollten.

Medienresonanz gab es in diesem Jahr nur durch

das Studio 47.

5.2.5 Teilnahme an Arbeitskreisen

Ärzte) und an der PSAG Basisarbeitsgruppe

„Suchtkrankenhilfe“ vertreten.

5.2.6 Teilnahme an JES-

Mitgliederversammlung

Der Mitarbeiter für den Drogenbereich hat an

der Mitgliederversammlung von JES NRW teilgenommen.

Hier bieten sich wichtige Kontakte für

die Vor-Ort-Arbeit mit aktiven JESlern und ein

interessanter Austausch für den Arbeitsbereich ist

möglich.

Weitere Veranstaltungen konnten im Berichtsjahr

nicht besucht werden, da hierfür keine Kapazitäten

vorhanden waren, da die Ressourcen durch

langwährende Vertretungen im Begleitungsbereich

durch Krankheit der Kollegin und des Kollegen

gebunden waren.

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ist

durch den hauptamtlichen Mitarbeiter für den

vorgenannten Bereich in dem Arbeitskreis Suchtmedizin

(Qualitätszirkel der substituierenden

63


Zielgruppenspezifische Prävention

5.3 HIV und Strafvollzug

Das Angebot der „Strukturellen HIV- und STI-

Präventionsarbeit im Strafvollzug“ wurde auch

2011 durch die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel

e.V. auf der lokalen und landesweiten Ebene umgesetzt.

Auf der landesweiten Ebene erfolgte die

Arbeit ausschließlich in Vernetzung und Kooperation

mit Institutionen, die im Bereich „HIV und

Strafvollzug“ tätig sind (wie z.B. bei dem Landesarbeitskreis

Drogen und Haft der AIDS-Hilfe NRW

e.V.).

Auf der lokalen Ebene wurde mit den vorhandenen

Untersuchungshaftanstalten, dem offenen

Vollzug sowie den Gerichten und Staatsanwaltschaften

der Region kooperiert, um die Präventionsarbeit

für Bedienstete und Inhaftierte im Bereich

Strafvollzug zu platzieren. Ziel war die Wissensvermittlung

von Übertragungswegen und

Schutzmöglichkeiten im Themenfeld STD´s, vor

allem im Hinblick auf HIV und die Hepatitiden.

Weitere Arbeitsschwerpunkte waren die Begleitung

HIV-positiver Inhaftierter sowie die Einzelberatung

von Inhaftierten im Rahmen von Sprechstunden.

5.3.1 Einführung

Die Arbeit in den Untersuchungshaftanstalten

wurde, den Gegebenheiten des Vollzugsalltages

angepasst, umgesetzt. Hierbei ist eine beständige

und regelmäßige Arbeit unabdingbar, da der Vollzug

eher durch einen strukturierten Alltag und

durch ein hohes Maß an Regelmäßigkeit geprägt

ist.

Die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/

Kreis Wesel e.V. im Sektor Strafvollzug wurde

erfreulicherweise weiterhin über das Justizministerium

NRW zum Teil refinanziert. Wir sehen

dies als ein Zeichen, dass unser Ansatz über die

Region Duisburg hinaus anerkannt und gewürdigt

wird. Durch die anstehende Umstrukturierung

der Haftanstalt Duisburg Hamborn (Schließung

der Haftanstalten Innenstadt sowie Oberhausen)

war ein weiterer Schwerpunkt zum Ende des Jahres

2011 die konzeptionelle Arbeit an einer möglichen

Kooperation mit der Fachabteilung Strafvollzug

der AIDS-Hilfe Düsseldorf e.V. gewesen.

Die Grundlage dafür ist die Planung von Seiten

der Justiz, die Haftanstalt Düsseldorf und die o. a.

Zweiganstalten aus Duisburg zusammen zu legen

zu der im Bau befindlichen neuen Haftanstalt in

Ratingen.

5.3.2 Landesweite Vernetzung

Teilnahme an Arbeitskreisen

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig an

dem Landesarbeitskreis „Drogen und Haft“ der

AIDS-Hilfe NRW e.V. teilgenommen. Durch den

regelmäßig stattfindenden fachlichen Austausch

wurde die Arbeit kontinuierlich modifiziert, einheitliche

Standards erarbeitet und somit die lokale

Arbeit weiter professionalisiert.

Der hauptamtliche Mitarbeiter nahm im Rahmen

der landesweiten Vernetzung an verschiedenen

Arbeitskreisen und Tagungen teil.

Seit mehreren Jahren ist der hauptamtliche Mitarbeiter

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Sprecher des Landesarbeitskreises Drogen und

Haft. Mit dieser Tätigkeit ist ein erhöhter zeitlicher

Aufwand verbunden, da die Funktion des

Sprechers unter anderem die regelmäßige Absprache

mit der zuständigen Mitarbeiterin der Landesgeschäftsstelle

zu Themenschwerpunkten für Landesarbeitskreise

„Drogen und Haft“ sowie die

Vertretung bei landesweiten Gremien beinhaltet.

Aktion mit landesweiten Bezug:

Im Jahr 2011 wurde durch eine kleine Anfrage der

FDP im Landtag NRW das Thema „Zwangsouting

von Menschen mit HIV“ im Strafvollzug auf Landesebene

thematisiert.

Hintergrund hierzu: NRW ist das einzige Bundesland,

in dem Menschen, die von ihrer HIV-

Infektion wissen, in Haft es ihren ZellengenossInnen

sowie anderen Inhaftierten, mit denen sie

Abends für eine Stunde gemeinsam die Zeit in

einer Zelle verbringen möchten, mitteilen müssen.

Durch diese kleine Anfrage wurde auch die

Presse auf dieses Thema aufmerksam. So kam es,

dass durch unsere Einrichtung ein Interview mit

einer Ex-Inhaftierten und HIV-positiven Frau sowie

dem zuständigen Mitarbeiter der AIDS-Hilfe

geführt wurde. Der daraus resultierende Presse-

64


text hat „hohe Wellen“ geschlagen; sowohl bei

den MitarbeiterInnen aus den Haftanstalten als

auch bei der Politik. Daraus folgte eine Einladung

von Experten zu diesem Themenfeld zu einer Sitzung

des Rechtsausschusses vom Landtag NRW.

Neben Vertretern aus den Bereichen Sozialdienst,

JustizvollzugsbeamtInnen, Ärzten und Rechtsanwälten

wurde auch die AIDS-Hilfe NRW hinzugezogen.

Rüdiger Wächter nahm als ein Experte von

Seiten der AIDS-Hilfe an dieser Sitzung teil. Wir

hoffen, dass dieser Einsatz mit dazu beitragen

mag, den dem „Zwangsouting“ zugrunde liegenden

(anachronistischen) Erlass zu Fall zu bringen.

Diese Anfrage ist jedenfalls wieder einmal ein gutes

Beispiel dafür, dass unsere Arbeit in hohem

Maße wertgeschätzt und unsere Expertise sehr

gefragt ist.

5.3.3 Lokale Arbeit des Projektes ,HIV und

Strafvollzug’

Der Arbeitsbereich „Gesundheitsförderung für

Menschen in Haft“ bedient die Untersuchungshaftanstalt

Duisburg-Hamborn sowie die Zweiganstalt

Dinslaken und den offenen Vollzug in Moers-

Kapellen.

Inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit sind:

Primär- und Sekundärprävention zum Themenfeld

HIV/AIDS, Hepatitiden sowie anderen

sexuell übertragbaren Krankheiten

Begleitung und Interessensvertretung HIVpositiver

Inhaftierter

Einzelberatung von Inhaftierten

Mitarbeiterschulungen

Verschiedene Veranstaltungen

5.3.4 Gesundheitliche Belastungen von Inhaftierten

Die Hauptinfektionswege von HIV und Hepatitiden

sind das gemeinsame Benutzen gebrauchter

Spritzutensilien beim i.v. Drogenkonsum, sexuelle

Kontakte und Tätowieren / Piercen. Daher hat

die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/

Kreis Wesel e.V. eine starke Fokussierung auf diese

Übertragungswege.

Hier ein Umriss der Risikosituationen anhand statistischer

Forschungsergebnisse:

Drogenkonsum

I.v. Drogenkonsum ist bei inhaftierten Drogenabhängigen

zwar weniger verbreitet als außerhalb,

aber die Inhaftierten, die ihren Konsum in Haft

fortsetzen, tun dies unter hoch riskanten Bedingungen

und in der Regel in Form eines gemeinsamen

Gebrauches von Spritzen, Nadeln und Spritzutensilien.

Wedershoven (s. Wedershoven C. Katamnese

der HIV-Infektion bei drogenabhängigen

und nicht-drogenabhängigen Inhaftierten im Vergleich

im Justizvollzug des Landes Nordrhein-

Westfalen. 1998) bestätigt, dass unsterile Spritzutensilien

die Hauptinfektionsquelle der von ihr

untersuchten Gefangenen darstellt. Knapp fand,

dass bei den von ihm befragten Inhaftierten positiven

Strafgefangenen bis zu neun Personen eine

Spritze zusammen benutzten (s. Knapp R. AIDS

im Strafvollzug. Zur Situation HIV-Infizierter und

AIDS-Kranker Strafgefangener unter besonderer

Berücksichtigung der Problematik intramuralen

Drogenkonsums: Ergebnisse einer empirischen

Erhebung und rechtliche Konsequenzen. Bonn

(Unveröff. Diss.) 1996).

Sexuelle Beziehungen

Sexualität ist in den Haftanstalten genauso präsent

wie der illegale Drogenkonsum. Die Thematisierung

von gleichgeschlechtlicher Sexualität ist jedoch

so gut wie unmöglich. Wenige Haftanstalten

gestatten Langzeitinhaftierten heterosexuelle

Kontakte im Rahmen der Besuchszeit von (Ehe-)

PartnerInnen (z.B. JVA Werl, JVA für Frauen

Vechta) oder bei Haftlockerungen der Inhaftierten

sexuelle Kontakte im Rahmen des Urlaubes.

Es scheint jedoch, dass das „Verbot“ der Ausübung

von Sexualität als Teil der Strafe angesehen

wird. Dies wird nicht zuletzt von den Inhaftierten

selbst so gesehen. Der Drang nach sexuellen

Handlungen führt zu einer Abspaltung der Sexualität

von der allgemeinen sozialen Haltung der Inhaftierten.

Es werden gleichgeschlechtliche Handlungen

praktiziert, die konträr zur Haltung und

allgemeinen Aussage der Inhaftierten stehen.

Durch diese abgetrennte, nicht akzeptierte Sexualität

wird teilweise bzw. vollständig auf Kondom-

65


Zielgruppenspezifische Prävention

gebrauch verzichtet. Die Prävention steht hier vor

einem Dilemma. Der Thematisierung von gleichgeschlechtlicher

Sexualität in Präventionsveranstaltungen

wird mit Ablehnung begegnet. Um Inhaftierten

die Möglichkeit eines Beratungsgespräches

zu ermöglichen, wo Fragen zu Übertragungswegen

vertrauensvoll beantwortet werden, bietet

die AIDS-Hilfe daher seit 2007 eine Hepatitis- /

HIV-Sprechstunde in den Haftanstalten Hamborn

und Dinslaken an.

Tätowieren / Piercen

Tätowieren und Piercen ist wie das Benutzen unsteriler

Injektionsnadeln eine Übertragungsmöglichkeit

von Hepatitis C und, in geringerem Ausmaß,

von HIV. Leider wurden bis dato keine Studien

in Haftanstalten durchgeführt, um hier eine

Aussage in Richtung Risiko, Gebrauch und Infektionszahlen

von Inhaftierten über Tätowieren und

Piercen zu treffen.

Die AIDS-Hilfe thematisiert diese gesundheitsgefährdenden

Verhaltensweisen bei ihrer Präventionsarbeit

und bietet den Rahmenbedingungen

entsprechende Lösungsansätze an.

5.3.4.2 Begleitung

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI-

Präventionsarbeit im Strafvollzug“ bietet den inhaftierten

Frauen und Männern die Möglichkeit,

regelmäßig (in der Regel alle zwei Wochen) mit

einem Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e.V. zu sprechen. Die Erstgespräche werden

von dem hauptamtlichen Mitarbeiter durchgeführt.

Hier werden folgende Aspekte erörtert:

Bedarf des Inhaftierten, Stadium der HIV-

Infektion, medizinische Behandlung sowie die Angebote

der AIDS-Hilfe (z.B. Knastpakete, Therapievermittlung,

Resozialisierung nach der Haftentlassung

etc.). Die regelmäßigen Besuche werden

durch einen hauptamtlichen Mitarbeiter oder ggf.

von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter durchgeführt.

Im Sinne einer professionellen psychosozialen

Begleitung besteht für die ehrenamtlichen

Mitarbeiter das Angebot der „Drogen- / Knast-

Gruppe“. Ziel des zweiwöchentlich verfügbaren

Angebotes ist der fachliche Austausch von Begleitungsfällen,

Absprachen von Veranstaltungen und

eine supervisorische Beratung für die Begleiter.

5.3.4.3 HIV- und Hepatitissprechstunde

5.3.4.1 Primär- und Sekundärprävention

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig Informationsveranstaltungen

in den Justizvollzugsanstalten

durchgeführt. Neben den Übertragungswegen

von HIV und Hepatitiden wurden die Behandlungsmöglichkeiten

und mögliche Schutzmaßnahmen

angesprochen (Desinfektion von gebrauchten

Spritzen, Förderung des

„Blutbewusstseins“, Vorgehen bei Nadelstichverletzungen

und Safer Sex - Praktiken {bei Männern,

die Sex mit Männern haben sowie Frauen, die Sex

mit Frauen haben}).

Nach Absprache mit dem Anstaltsarzt der JVA-

Hamborn bietet die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e.V. seit 2006 in der Zweiganstalt Dinslaken

eine HIV- und Hepatitissprechstunde an und

seit 2007 in der Haftanstalt Hamborn.

Ziel der Sprechstunde ist es, in einem geschützten

Rahmen Fragen an den Mitarbeiter der AIDS-Hilfe

stellen zu können, die bei einer Informationsveranstaltung

im größeren Rahmen durch Scham, gesellschaftliche

Tabuisierung bzw. Sanktionsgefahr

von Seiten der Anstalten nicht thematisiert werden

(Needlesharing [das gemeinsame Benutzen

von Spritzen], Drogenkonsum, Mann-Männliche

Sexualität sowie die Thematik „Frauen die Sex mit

Frauen haben“). Die Sprechstunde wird durch

66

Außenansicht des neu erstellten Flyers


Plakate und den neu erstellten Flyer beworben

und Interessierte können sich durch einen Antrag

an den Sozialdienst für die Sprechstunde anmelden.

5.3.4.4 Mitarbeiterschulung

Durch den Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und

STI- Präventionsarbeit im Strafvollzug“ werden für

die Bediensteten der Justizvollzugsanstalten, die

Gerichte sowie die Staatsanwaltschaften Informationsveranstaltungen

angeboten (siehe hierzu: Infektionsschutz

„Gemeinsamer Runderlass des Ministeriums

für Inneres und Justiz (4550 – IV B. 65)

und des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie

und Gesundheit (V A 4 – 0392.3)“) . Inhalte der

Veranstaltungen sind vornehmlich die Einhaltung

der Hygienestandards, Vorgehen nach einer Nadelstichverletzung

und die Wissensvermittlung

von Übertragungswegen, Behandlungsmöglichkeiten

in Bezug auf HIV und Hepatitiden und darüber

hinaus die Impfmöglichkeiten bei einigen Hepatitiden.

5.3.5 Resümee

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI-

Präventionsarbeit im Strafvollzug“ kann auf ein

erfolgreiches Jahr zurückschauen. Die Kooperation

mit den Anstalten ist konstant, kontinuierlich

und produktiv. Die Angebote der AIDS-Hilfe wurden

sehr gut angenommen.

Gerade durch die vertragliche Grundlage mit den

Haftanstalten konnte eine regelmäßige und kontinuierliche

Arbeit sichergestellt werden. Jedoch ist

damit auch eine erhöhte Verbindlichkeit und

durch die Ausweitung des Betätigungsfeldes auf

die Haftanstalt Oberhausen auch ein erhöhter

zeitlicher Aufwand verbunden.

5.3.4.5 Veranstaltungen

Der hauptamtliche Mitarbeiter war bei mehreren

Veranstaltungen in den Justizvollzugsanstalten präsent,

um als Ansprechpartner bekannt zu werden.

Darüber hinaus wurden medienwirksame Veranstaltungen

selbst organisiert, um das Thema „HIV

und Strafvollzug“ in der Öffentlichkeit zu thematisieren.

Zu diesen Veranstaltungen zählte unter anderem

die Teilnahme am Sommerfest der Frauenhaftanstalt

Dinslaken. Neben einem Informationsstand

konnten die inhaftierten Frauen ihr Wissen an

einem Glücksrad testen. Um die Motivation zu

erhöhen, wurden den Frauen kleine Präsente nach

dem Glücksradspiel überreicht.

Innenansicht des neu erstellten Flyers

67


Zielgruppenspezifische Prävention

5.4 Frauen und AIDS -

Prävention bei Frauen in besonderen

Lebenslagen

XXelle Standort Duisburg / Kreis Wesel

Für Duisburg und den Kreis Wesel galt auch im

Jahr 2011, dass sich die Arbeit im Bereich ‚Frauen

und HIV / AIDS’ mit Hilfe der Bereitstellung der

Landesfördermittel für die zielgruppenspezifische

Prävention (ZSP) umsetzen ließ.

Im Jahre 2011 erfolgte im August ein Personalwechsel

innerhalb der Stelle, der den lückenlosen

Fortbestand der Tätigkeiten ermöglichte (s. 1.).

Die Projektinhalte umfassen die Begleitung von

HIV-positiven/ an AIDS-erkrankten Frauen,

die Gestaltung bedarfsgerechter Versorgungsstrukturen,

den Abbau von gesellschaftlichen Diskriminierungen

und die Primärprävention bei spezifischen

Zielgruppen innerhalb des Frauenbereiches.

Auch im Jahr 2011 war offensichtlich, dass für eine

erfolgreiche Arbeit auf den unterschiedlichen

Ebenen die Vernetzung ein wesentlicher Bestandteil

ist. Vernetzungen fanden auf der überregionalen

Ebene mit den benachbarten AIDS-Hilfen

Dortmund, Essen, Oberhausen, Bochum und Unna

sowie auf landesweiter Ebene innerhalb der

Landesarbeitsgemeinschaft Frauen und AIDS und

auf lokaler Ebene insbesondere mit dem Gesundheitsamt

Duisburg statt. So konnten vorhandene

personelle Ressourcen gebündelt werden, was

eine höchst effiziente Planung und Durchführung

der Projekte gewährleistete. Darüber hinaus ist

die Auseinandersetzung auf der kollegialen - ebenso

wie die auf der Selbsthilfeebene - unverzichtbar,

um das Projekt adäquat weiterzuentwickeln.

Das Projekt XXelle in Duisburg und dem

Kreis Wesel wurde auf 3 verschiedenen Ebenen

umgesetzt, der landesweiten, ruhrgebietsweiten

und der kommunalen Ebene.

Auf der landesweiten Ebene bestanden

68


die Ziele 2011 darin, durch die regelmäßige Teilnahme

an der Landesarbeitsgemeinschaft ‚Frauen

und AIDS’ den fachlichen Austausch fortzuführen

und die Marke XXelle politisch zu positionieren.

Die Landeskoordinatorin konnte durch die Teilnahme

an der Bundesarbeitsgemeinschaft Frauen

die landesweiten Interessen von XXelle bundesweit

vertreten. Ein Ergebnis der bundesweiten

Mitarbeit ist die Beteiligung an der Erstellung eines

Internetportals zu frauenspezifischen Themen

bei der Deutschen AIDS-Hilfe, wodurch das Thema

Frauen auch in der bundesweiten Fach-

Öffentlichkeit positioniert werden konnte (http://

www.frauenundhiv.info). Dieses Portal gewann

bereits nach nur drei Monaten online den dritten

Platz beim sog. „info:award“.

Durch den inhaltlichen Input und die Auseinandersetzung

mit den Fachfrauen auf der Landesebene

entwickeln sich neue Projektideen, die sich

auf der lokalen und regionalen Ebene umsetzen

lassen. So konnten gemeinsame Veranstaltungen

geplant und durchgeführt werden; hier sind die

Fachtagung Frauen und AIDS 2011 und frauenspezifische

Fortbildungen und medizinische Rundreisen

zu nennen.

Auf der ruhrgebietsweiten Ebene konnte die

sehr gute Zusammenarbeit der Ruhrgebiets-

Aidshilfen weiter fortgeführt werden. Durch die

vorhandenen Vernetzungsstrukturen konnten

auch im Jahr 2011 gemeinsame Aktionen geplant

und durchgeführt werden.

Hierbei handelte es sich sowohl um Angebote für

Klientinnen als auch um öffentlichkeitswirksame

Aktionen.

So konnte zum nunmehr achten Mal in Folge ein

Treffen für betroffene Frauen aus dem Ruhrgebiet

angeboten werden. In diesem Jahr stand das Treffen

unter dem Motto Gesundheitsförderung und

Selbstwahrnehmung.

Für die teilnehmenden Frauen stellt dieses Angebot

eine wichtige, weil oftmals einzige Möglichkeit

dar, Erfahrungen mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Die Schaffung dieser Plattform in einem geschützten

Rahmen hat einen hohen Stellenwert, da in

den jeweiligen AIDS-Hilfen das Angebot für HIVpositive

Frauen aus der Angst heraus, unwillentlich

als HIV-positiv erkannt zu werden, nur partiell

genutzt wird.

In Zusammenarbeit mit den AIDS-Hilfen Duisburg

/ Kreis Wesel, Dortmund und Essen wurde

dieses Angebot koordiniert, organisiert und umgesetzt.

Neben der Erfahrung, aus der durch die

Infektion oft hervorgerufenen sozialen Isolation

ausbrechen zu können, konnten die teilnehmenden

Frauen vor allem Strategien der individuellen

Gesundheitsförderung und Alltagsgestaltung und –

bewältigung erlangen.

Diese und zahlreiche andere Veranstaltungen zeigen,

wie effektiv die Vernetzung von XXelle Ruhrgebiet

ist. Durch die Bündelung von personellen

und finanziellen Ressourcen konnten die geplanten

Ziele umgesetzt werden.

Um die weitergehende Positionierung der Marke

XXelle Ruhrgebiet und die Qualität anhand gemeinsamer

Standards zu gewährleisten, wurde ein

einheitliches Konzept zur Präsentation des Arbeitsbereiches

„Frauen und HIV“ im Rahmen der

Ehrenamtlerschulungen sowie eine einheitliche

Stellenbeschreibung für Ehrenamtlerinnen erarbeitet.

Hier ist insbesondere der Film zur Vorstellung

von XXelle Ruhrgebiet zu nennen, der künftig in

diesem Rahmen präsentiert werden wird.

Im Zuge der Vereinheitlichung des Auftretens der

Marke erfolgte ebenso die Erstellung einer gemeinsamen

Einladungsvorlage für Veranstaltungen

im Ruhrgebiet, die individuell nutzbar ist. Ebenfalls

wurde die Homepage (www.xxelle-ruhrgebiet.de)

überarbeitet und aktualisiert. Diese kann nun

komplett selbstständig von den zuständigen Mitarbeiterinnen

gepflegt werden.

Ebenso fanden in regelmäßigem Turnus Treffen

der beteiligten Fachfrauen im Ruhrgebiet statt, in

denen unter anderem die Planung und Durchführung

folgender öffentlichkeitswirksamer Aktionen

erfolgte

69


Zielgruppenspezifische Prävention

Kindern konnten ebenfalls durch verschiedene

ruhrgebietsweite Veranstaltungen erreicht werden.

In Form von gemeinsamem Plätzchenbackens

zur Adventszeit und einem Ausflug für Mütter mit

ihren Kindern in den Erlebnispark Schloß Beck

wurde so der Austausch innerhalb der Zielgruppe

gefördert.

Diese Aktionen wurden von den Hauptamtlerinnen

vor Ort maßgeblich vorbereitet und von den

Kolleginnen aus der Vernetzung unterstützend

flankiert.

Neben den genannten Aktionen konnte die Marke

XXelle Ruhrgebiet auch anhand von Informationstischen

auf verschiedenen größeren Veranstaltungen

in der Öffentlichkeit positioniert werden (z.B.

auf dem Afro-Ruhr-Festival, bei Juicy Beats und an

der Fachhochschule Dortmund). Hierbei konnte

vor allem durch die bereits gemeinsam erstellten

Materialien die Marke XXelle visuell präsentiert

werden.

XXelle Roxx: Zum nunmehr dritten Mal fand

das Wanderkonzert statt, im Jahre 2011 im Duisburger

„DJäzz“. Dank des großen Einsatzes der 3

unentgeltlich teilnehmenden Bands war das Konzert

ein voller Erfolg und trug dazu bei, die Marke

XXelle Ruhrgebiet einem größeren Publikum präsentieren

zu können.

1 plus 1 Party: Die Tanzveranstaltung für heterosexuelle

Frauen und Männer fand zum zweiten

Mal im Ruhrgebiet statt, 2011 in Essen. Leider allerdings

mit äußerst mäßiger Resonanz.

Zudem erfolgte eine Fortbildung zum Thema Migration

in Dortmund.

Die Zielgruppen Migrantinnen und Frauen mit

Auf der lokalen Ebene konnte die bestehende

HIV-positive Frauengruppe stabil fortgeführt

werden. Die Frauen treffen sich einmal im Monat,

wobei der Ablauf der Nachmittage von den Frauen

nach eigenen Wünschen geplant und durch die

hauptamtliche Mitarbeiterin unterstützend begleitet

wird. Neben gemeinsamen Aktionen wie z.B.

einem Kinobesuch oder einem Besuch im Eiscafé

steht vor allem der gegenseitige Austausch im

Vordergrund. Oft sind diese Treffen die einzige

Möglichkeit für die betroffenen Frauen, sich über

ihre Infektion zu unterhalten und in einer geschützten

Atmosphäre den Umgang mit der Erkrankung

zu erleichtern. Erfreulicherweise ist es

im Jahre 2011 gelungen, eine höchst heterogene

Gruppe zu etablieren, die sowohl altersmäßig als

auch herkunftstechnisch sehr unterschiedlich ist.

Die Frauengruppe wird neben der Hauptamtlerin

XXelle Roxx Impressionen:

70


durch 2 ehrenamtlich tätige Frauen tatkräftig unterstützt,

die in engem Kontakt mit den Frauen

und der Hauptamtlerin stehen.

Auch im Jahr 2011 konnte durch die Projektnehmerin(nen)

für den Bereich Duisburg und den

Kreis Wesel eine feste Ansprechperson für Frauen

zu den Themen HIV und AIDS sichergestellt

werden.

Insbesondere für die betroffenen Frauen mit

Migrationshintergrund ist diese Form der geschlechtsspezifischen

Arbeit unabdingbar. Neben

verschiedenen sozialrechtlichen Fragen stand vor

allem die Reflektion der eigenen Situation und

Schaffung der Möglichkeit des Umgangs mit dieser

im Vordergrund.

Die Möglichkeit, bei akuten Beratungsanfragen

von Frauen an eine Fachfrau weiterleiten zu können,

wurde ebenso häufig in Anspruch genommen.

Ebenfalls auf der lokalen Ebene fand die Teilnahme

an verschiedenen Arbeitskreisen statt, in denen

die Frauenarbeit im Kontext HIV platziert werden

konnte.

Die Präventionsarbeit auf dem Duisburger

Straßenstrich wurde auch 2011 erfolgreich in

Verbindung mit dem Gesundheitsamt der Stadt

Duisburg durchgeführt. In ca. zweiwöchentlichem

Rhythmus wurden die Sexarbeiterinnen vor Ort

besucht. Mittlerweile sind die Projektnehmerin

und ihre Kollegin vom Gesundheitsamt durch den

regelmäßigen Besuch so bekannt, dass die Frauen

nicht nur aufgesucht werden müssen, sondern

von sich aus auf uns zukommen. Zeitlich wird darauf

geachtet, die Frauen möglichst noch vor Aufnahme

ihrer Tätigkeit zu erreichen, um die Möglichkeit

für individuelle Fragestellungen zu geben.

Thematisch geht es vor allem darum, sich über

sexuell übertragbare Krankheiten zu informieren,

sich zu schützen und ausstiegsorientierte Problemstellungen

zu bewältigen. Zudem besteht die

Möglichkeit, dass sich die Sexarbeiterinnen kostengünstig

mit Kondomen versorgen können, die

über das Gesundheitsamt erworben werden. Die

regelmäßige aufsuchende Arbeit ermöglicht einen

langfristigen Beziehungsaufbau zu den einzelnen

Sexarbeiterinnen. Darüber hinaus gewährleistet

die Kontinuität, dass die Projektarbeit den sich

ändernden Verhältnissen der Arbeit vor Ort angepasst

wird. Hierbei steht vor allem die Verbesserung

der Arbeitssituation der Frauen im Fokus.

In der Adventszeit wurde wieder eine Nikolausaktion

in den Bordellen durchgeführt, bei der Give-aways

und Informationen zum Beratungs- und

Untersuchungsangebot (Untersuchungen laufen

über das Gesundheitsamt, Beratung auch über die

AIDS-Hilfe) an die Sexarbeiterinnen verteilt wurden.

Im Rahmen des Projektes ist es ein wesentliches

Ziel, Arbeit in dem Bereich Primärprävention

bei Frauen in besonderen Lebenslagen zu leisten.

Im Rahmen der Primärprävention nahm die Projektinhaberin,

Sandra Kohlhase, ebenfalls vereinzelt

an Präventionsveranstaltungen in Regelschulen

(s. Youthwork, 5.6.) teil und konnte somit einen

weiblichen Gesprächspartner für die jungen

Mädchen darstellen.

Projektkritik

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das

Projekt XXelle Duisburg/ Kreis Wesel auch im

Berichtsjahr 2011 erfolgreich umgesetzt werden

konnte.

Besonders hervorzuheben ist die Erhaltung der

bestehenden Strukturen trotz eines Personalwechsels

auf der Stelle.

Sehr erfreulich ist die Stabilisierung einer eigenen

Frauengruppe und die damit verbundene kontinuierliche

Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlerinnen

vor Ort.

Aufgrund der zeitlich begrenzten Ressourcen

können über die genannten Tätigkeiten hinausgehende

Anfragen nur begrenzt umgesetzt werden,

da die Begleitungsarbeit mit den betroffenen Frauen

große Teile der Zeitkapazität beansprucht.

Der Standort XXelle Duisburg/ Kreis Wesel ist

ein wichtiger

Teil der

Ruhrgebietsvernetzung

und der

AIDS-Hilfe

Duisburg/

Kreis Wesel

e.V.

71


Zielgruppenspezifische Prävention

5.5. AIDS und Migration

5.5.1. Migration und Begleitung

Von den HIV-positiven / an AIDS-erkrankten

Menschen, die im Jahr 2011 von der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V. begleitet wurden,

hatten ca. ein Drittel einen Migrationshintergrund.

Insbesondere bei den Frauen zeigte sich erneut,

dass Migrantinnen unsere Institution für sich nutzten.

Besonders Menschen aus Subsahara-Afrika suchten

2011 die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. auf. Sie waren, wie auch in vorangegangenen

Berichtsjahren die zahlenmäßig größte Gruppe

der Migrant/innen. Als Herkunftsländer ragten

dabei schwerpunktmäßig Togo und Kamerun heraus.

Darüber hinaus begleitete die AIDS-Hilfe Menschen

mit italienischem, polnischem, serbokroatischem

und türkischem Migrationshintergrund.

Im Gegensatz zu der Gruppe aus Subsahara-Afrika

war diese jedoch zahlenmäßig deutlich kleiner.

Im Rahmen der aufsuchenden Arbeit, insbesondere

im Arbeitsfeld der Sexarbeit, war das Berichtsjahr

stark geprägt von Kontaktaufnahmen mit

Frauen aus Bulgarien und Rumänien, welche mittlerweile

die mit Abstand größte Gruppe von

„Anbieterinnen“ stellen. Sowohl im Kreis Wesel

als auch in der Stadt Duisburg ist ein sehr nennenswerter

Zuzug zu beobachten. Allein in Duisburg

wurden im Berichtsjahr mehr als 4000 Personen

aus diesem südeuropäischen Raum registriert.

Eine Gruppe, der man sich in den hiesigen

Sozial- und Gesundheitssystemen fortan intensiv

widmen muss. Nicht nur wegen gesundheitlicher

Problemlagen, die zum Teil durch katastrophale

Wohn- und Lebenssituationen noch verstärkt

werden, sondern eben bei nicht wenigen auch

wegen ihrer „Arbeitsmöglichkeiten“, die hinsichtlich

eines (vielfältigen) Infektionsgeschehens eine

Rolle spielen können rsp. werden. Problematisch

ist hier nicht nur der Umstand der Sprachbarrieren,

sondern nicht zuletzt auch, dass viele über

keinen Krankenversicherungsschutz verfügen.

Verstärken wird sich dieses Problem mit gewisser

Wahrscheinlichkeit, wenn im Jahre 2014 die letzten

Freizügigkeitsgrenzen für Bulgarien und Rumänien

in der EU und für das Niederlassungsrecht in

Deutschland fallen.

72

Unsere Projektnehmerin, Petra Kurek, hat sich

hier intensiv an der Arbeit der AG Wohnen, Gesundheit

& Soziales der Stadt Duisburg als Repräsentantin

für den Dachverband des PARITÄTI-

SCHEN für die Entwicklung eines Handlungskonzeptes

eingebracht und auch hier in enger Zusammenarbeit

mit der Kollegin Iris Sperg von der

AIDS- und STD-Beratungsstelle des Gesundheitsamtes

der Stadt Duisburg die besonderen Problematiken

aus Sicht unserer Einrichtungen vorgetragen.

Auch im Kreis Wesel gab es vereinzelte Einsätze

mit Blick auf die beschriebene Zielgruppe,

die zeigten, dass auch hier ein enormer Bedarf

entstanden ist und höchstwahrscheinlich wachsen

wird.

In der Begleitung zeigt sich, dass viele Thematiken,

die in der Beratungs- und Versorgungssituation

eine Rolle spielen, kulturell geprägt sind. Dieses

führt in Beratungssituationen leicht zu Missverständnissen,

Fehlentscheidungen und kontraproduktiven

Unterstützungs- und Behandlungsangeboten.

Oft wird die Verständigung durch die

sprachlichen Barrieren erschwert. Zusätzlich zu

den sprachlichen und kulturellen Barrieren ist die

Begleitung der HIV-Infizierten / an AIDSerkrankten

Migrant/innen durch deren spezifische

Lebenssituation gekennzeichnet. So sind die Regelung

des Aufenthaltsstatus und der Umgang mit

dem fremden Aufenthaltsland ein existentielles

Thema.

Darüber hinaus gilt für viele Migrant/innen, dass

sie ihre Familien in den Herkunftsländern zurück

lassen. Besonders in der Begleitung der Menschen

aus Subsahara-Afrika ist die Trennung von Eltern,

Geschwistern, Kindern und Ehepartner/innen

Thema. Die Einsamkeit und Isolation verstärkt

sich mit der Diagnose: ‚HIV-positiv’. In der Begleitung

der Schwarzafrikaner/innen stellten wir in

diesem Berichtsjahr erneut fest, dass die HIV-

Infektion in der Community der Schwarzafrikaner/innen

nicht Thema werden darf. Selbst die

eigene Familie wird in der Regel nicht informiert.

Diese spezifische Lebenssituation führt dazu, dass

die HIV/AIDS-Erkrankung gegenüber den psychischen

und existentiellen Belastungen in den Hin


tergrund treten kann.

5.5.2. Arbeitskreis ‚Migration’

Die aufgeführten Faktoren zeigen, dass die Begleitung

der Migrant/innen oftmals einen anderen inhaltlichen

Rahmen einnimmt. Die Problematik,

dass ein großer Teil der Migrant/innen kein

Deutsch verstehen bzw. lesen kann, nimmt darüber

hinaus größere zeitliche Ressourcen in Anspruch.

Da es keine Stelle gibt, die dafür zuständig

ist, Briefe (u. a. von den jeweiligen Ämtern) zu

übersetzen, geschieht dieses meist innerhalb der

AIDS-Hilfe.

Sowohl hinsichtlich der Inhalte als auch im Hinblick

auf die Zeitressourcen ist die Kooperation

mit anderen Institutionen bei der Begleitung von

Migrant/innen dringend notwendig.

Es zeigt sich auf der lokalen Ebene der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel, dass die Begleitungszahlen

der Menschen mit HIV / AIDS, die einen

Migrationshintergrund haben, die deutschlandweiten

Zahlen widerspiegeln. Die Begleitungsarbeit

bei dieser Zielgruppe erfordert spezifische

sprachliche, interkulturelle und fachliche Kompetenzen.

Da sich die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit

in der Zielgruppe der Migranten oftmals

problematisch darstellt, weil das Thema

‚HIV/AIDS’ weitestgehend tabuisiert wird, ist hier

ein langer Atem erforderlich und sind immer wieder

die Gelegenheiten zu nutzen, um die Thematik

auch öffentlichkeitswirksam wach zu halten.

Der Arbeitskreis Migration ist ein Zusammenschluss

von Organisationen, die regional im Bereich

Migrant/innen mit HIV / AIDS tätig sind

(AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V., Gesundheitsamt

der Stadt Duisburg - Beratungsstelle

zu AIDS und anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten, AIDS-Hilfe Düsseldorf e.V., AIDS-

Hilfe Oberhausen e. V., AIDS-Hilfe Krefeld e.V.,

Projekt Aids + Kinder, Köln, Deutsche AIDS-

Stiftung, Bonn).

Ziel ist der fachliche Austausch, die Vernetzung

regionaler Angebote und die Durchführung gemeinsamer

Projekte und Veranstaltungen.

Im Berichtsjahr wurden die Planungen und erste

organisatorische Schritte für die nächste Fachtagung,

die 2012 erneut in Duisburg stattfinden

wird, aufgenommen.

Die für das Berichtsjahr geplanten öffentlichkeitswirksamen

Aktivitäten (z.B. die Beteiligung an den

Interkulturellen Wochen in Duisburg) konnten

aufgrund der wachsenden Intensität von Einzelfallbegleitungen,

längerfristiger Krankheitsphasen,

des Stellenwechsels sowie durch die intensiven

Zusatzaktivitäten anlässlich unseres Jubiläums leider

nicht so umgesetzt werden, wie wir es geplant

hatten

73


Zielgruppenspezifische Prävention

5.6 Youthwork / Prävention in

der Allgemeinbevölkerung

„Jugendliche gehören bislang nicht zu den besonders

gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Da sie am

Anfang ihrer sexuellen Aktivität stehen, sind sie

jedoch eine wichtige Zielgruppe für die Primärprävention.

Jugendliche stehen vor der Herausforderung,

zu Beginn ihrer partnerschaftlich ausgerichteten

Sexualität sich sowohl mit Fragen der

Verhütung und des Schutzes vor sexuell übertragbaren

Infektionen als auch mit physischen und

psychischen Veränderungen auseinanderzusetzen.

Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass

personalkommunikative Ansätze in der Sexualaufklärung

und Prävention diese Lernprozesse besonders

fördern und unterstützen. Sie müssen

jedoch frühzeitig einsetzen, kontinuierlich weitergeführt

werden und sich an dem jeweiligen Entwicklungsstand,

der sexuellen Orientierung und

den sozialen, kulturellen und ethischen Hintergründen

der Jugendlichen ausrichten.

Da andere sexuell übertragbare Infektionen, insbesondere

Syphilis, Tripper und Chlamydien auch

Jugendliche betreffen und sich damit das Risiko

einer HIV-Infektion erhöht, müssen die Inhalte

der HIV/AIDS-Prävention und Sexualaufklärung

mit den Informationen zur Verhinderung der o.g.

Infektionen verknüpft werden. (…)

Seit 1989 ist „Youthwork“ (AIDS-Prävention in

sexualpädagogischem Kontext) ein fester und

wichtiger Bestandteil der Angebotspalette der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. Und

wenn auch das alte richtliniengestützte Förderprogramm

(1988 vom damaligen MAGS NRW

eingeführt, s. www.youthwork-nrw.de ) im Zuge

des Kommunalisierungsprozesses grundsätzlich

nicht mehr landesgesteuert ist, so ist aufgrund der

unzweifelhaften Sinnhaftigkeit nicht nur die Landesförderung

erhalten geblieben, sondern auch

die kommunalen Ergänzungsfinanzierungen (wenn

auch gedeckelt, s.o.). Und so untermauert der

Entwurf der neuen Landesregierung den spezifischen

Arbeitsansatz auch sehr eindeutig

(„Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention in

Nordrhein-Westfalen“; Entwurf – Stand 06. Juli

2011):

Die Angebote der Schule und der außerschulischen

Jugendarbeit werden durch HIV- und STI-

Präventionsmaßnahmen der AIDS-, Sexual- und

Jugendberatungsstellen unterstützt und ergänzt.

Notwendig sind kontinuierliche und strukturierte

Kooperationen und gemeinsame Projekte zwischen

AIDS-/STI- und Sexualberatungsstellen, Jugendhilfe,

Suchthilfe, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen

in öffentlicher und freier Trägerschaft.“

(Entwurf „Weiterentwicklung der HIV/

AIDS-Prävention in NRW“ vom Juli 2011; S. 13 f)

Weiter heißt es ebenda (S. 14): „Besonders zu

berücksichtigen sind männliche Jugendliche im

„coming out“, Jugendliche, die Drogen konsumieren,

und Jugendliche in schwierigen sozialen Verhältnissen,

da das Infektionsrisiko in diesen Gruppen

erhöht ist. Sie benötigen einen niedrigschwelligen

Zugang zu den vorhandenen Angeboten der

Information, Beratung und Untersuchung“

Einmal mehr gilt der Landes-Arbeitsgruppe Prävention

unter Federführung des Gesundheitsministeriums

mit der neu eingerichteten AG Aidsprävention

(s. www.aids-nrw.de ) ein Kompliment

für die Analyse und die daraus resultierenden

Handlungsempfehlungen. Diese sind auf der Höhe

der Zeit. Und - aufmerksame Leser/innen unserer

Jahresberichte haben es längst bemerkt – sie bestätigen

unsere Youthwork-Arbeit und ihre Ansätze

in eindrucksvoller Weise.

Die Zielgruppenanalyse erklärt auch die besondere

Eignung des Youthwork-Angebotes einer AIDS

-Hilfe, die seit nunmehr 25 Jahren Erfahrung in

der strukturellen und vor allem zielgruppenspezifischen

Präventionsarbeit besitzt und darüber spezifische

Kenntnisse und Feldkompetenzen in den

Themenfeldern Homosexualität, Drogengebrauch

und diversen Formen sozialer Benachteiligung bis

74


hin zu Stigmatisierungsproblematiken mit bringt

und jeweils flexibel auf Bedarfe in Gruppen oder

auf Einzelpersonen reagieren kann. Wie bei allen

Adressaten, so gilt auch und vielleicht besonders

für Jugendliche der didaktische Grundsatz, dass

(Präventions-) Angebote an der jeweiligen Lebenswelt

akzeptierend orientiert werden sollten.

„Die Berücksichtigung von sozialen, ethnischen,

kulturellen und geschlechtsspezifischen Besonderheiten

ist Voraussetzung, um Jugendliche emotional

und kognitiv zu erreichen“ (Landeskonzept, S.

28). Darüber hinaus können Themen durchaus

auch in Präventionsveranstaltungen in heterogenen

Gruppen (wie Schulklassen) integriert oder

exponiert platziert werden. Die Bedarfe werden

jeweils in Planungsgesprächen erhoben.

Das Kompliment für das zu erwartende Landeskonzept

gilt auch für die Forderung nach kooperativen

Projektformen, die wir seit je her propagieren,

initiieren und umsetzen und die in besonderer

Weise für nachhaltige Synergieeffekte prädestiniert

sind.

Auch darüber erklärt sich gewiss zu einem nicht

unerheblichen Teil, dass Jugendliche in Deutschland

und in unserer Region tatsächlich nicht zu

den besonders riskierten Zielgruppen zählen –

Prävention im Kontext von Gesundheitsförderung

wirkt und ist zielführend im Hinblick auf eine

Verankerung von Präventionswissen und die

Stärkung der Handlungskompetenzen für die individuelle

Gesunderhaltung sowie die Förderung

eines nachhaltigen Schutzverhaltens und dessen

Implementierung im persönlichen Lebensstil.

Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von AIDS-

Prävention in sexualpädagogischem Kontext mit

dem vorrangigen Ziel der Vermeidung von Primärinfektionen

hat also nichts an Bedeutung verloren

– und dass sie wirkt beweisen nicht zuletzt

die Infektions-Diagnose-Zahlen und Inzidenzannahmen

des RKI (s. www.rki.de ) für das Jahr

2011, wonach ein nennenswerter Rückgang der

Inzidenzen auf etwa 2700 zu konstatieren ist.

Bei Jugendlichen tragen die Schulen (gemäß ihrem

Auftrag, s. Richtlinien zur Sexualerziehung in

NRW) entscheidend zur Informationsvermittlung

bei. 94 Prozent der 16- bis 20-Jährigen geben heute

an, das Thema AIDS in der Schule behandelt zu

haben, vor 10 Jahren waren es 88 Prozent. Schulische

Sexualaufklärung gewinnt daher für die AIDS

-Aufklärung immer mehr an Bedeutung“ (BZgA

„aktuell“, 11/08, S.2), was sich auch daran zeigt,

dass die spezifischen Youthwork-Angebote der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. stabil bis

vermehrt nachgefragt werden.

Der niedrigschwellige, emanzipatorische und akzeptanzorientierte

Ansatz ist richtig. Repressive

Ansätze sind eindeutig kontraproduktiv. Die besondere

Akzeptanz dieses Ansatzes wird uns auch

vor Ort durch Rückmeldungen, Resonanzen und

Evaluationserfahrungen zu unseren Veranstaltungen

in diesem Sektor (s. Abb. Veranstaltungsverteilung

nach Arbeitsfeldern) bestätigt.

Dem Rechnung tragend gestalten wir unsere

AIDS-Prävention in sexualpädagogischem Kontext

und zielen auf einen Dialog in offener und angstfreier

Atmosphäre und ohne pädagogischen Zeigefinger.

5.6.1 Veranstaltungsinhalte

In aller Regel werden personalkommunikative

Formen massenmedialen vorgezogen. Das erfordert

allerdings auch eine jeweilige Reduktion auf

zielgruppenadäquate und bedürfnisorientierte

Themenbereiche. Um diese Reduktion pädagogisch

verantwortungsvoll vornehmen zu können,

finden entsprechende Vor- und Nachgespräche

mit den Veranstaltungspartnern statt.

Je nach Zielgruppe, Zugangsvoraussetzungen und

Rahmenbedingungen können u.a. folgende Themenfelder

behandelt werden :

- Medizinisch, biologische Grundlagen zu HIV und

AIDS, und andere STI`s (Virologie, Immunologie,

...)

- Verlaufsformen der HIV-Infektion

- Aktueller Forschungsstand und Therapieansätze

- Übertragungswege und –risiken

75


Zielgruppenspezifische Prävention

- Infektionsschutzmöglichkeiten

- Testverfahren und ihre Problematiken

- Epidemiologische Entwicklung und daraus resultierende

Präventionserfordernisse und –

strategien

- Lebenssituation von Betroffenen und An- oder

Zugehörigen

- Umgang mit HIV-positiven oder/und an AIDS

erkrankten Menschen

- Vorurteile gegenüber sog. Hauptbetroffenengruppen

- Drogen- und Substitutionsproblematik

- HIV und AIDS als gesellschaftliches Phänomen

- Juristische und ethische Fragestellungen

- HIV in der Arbeitswelt

- Sekundärpräventive Aspekte für Menschen mit

HIV

AIDSpräventive

Veranstaltungen in sexualpädagogischem

Kontext wurden von der AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel e.V. für Schülerinnen und

Schüler aller Regelschulformen sowie Kollegschulen

durchgeführt. In der Regel werden unsere Angebote

in den Jahrgängen ab der Klasse 9, in einzelnen

begründeten Ausnahmen auch in jüngeren

Jahrgängen platziert.

Form und Inhalte werden jeweils bedürfnis- und

lebensweltorientiert konzipiert. Das Angebotsspektrum

reicht hier von Formen eines

„Expertengespräches“ im Rahmen von Unterrichtsreihen

vor unterschiedlichem Fachhintergrund

bis hin zu Projekttagen und – wochen, die

günstigenfalls außerhalb des Schulrahmens durchgeführt

werden. Um darüber hinaus eine zumindest

grobe Übersicht über das „Produkt

Youthwork“, über Zielebenen, Methoden und Ansätze

bekommen zu können, sei an dieser Stelle

auf die Internetseite www.youthwork-nrw.de verwiesen.

- Liebe, Sexualität und Partnerschaft

- Geschlechterrollen und ihre Problematiken

- Normen, Werte und deren Wandel im Umfeld

der Sexualität

- u.a.m.

5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork

Wir bieten für Sie an:

Mit dem Berichtsjahr 2011 blicken wir im Bereich

Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung

auf ein wieder einmal sehr aktives Jahr zurück.

Weiterhin konzentrieren sich die schulischen

Veranstaltungsanfragen stark auf das erste

Halbjahr, allerdings im Vergleich zu den letzten

Vorjahren nicht mehr so geballt auf das erste

Quartal. Das Bemühen um terminliche Flexibilität

von Seiten der Schulen ist weiter gewachsen. Ein

Anstieg der Nachfragen war im 4. Quartal zu verzeichnen.

Unser Angebot scheint nach wie vor so

attraktiv, dass hier Bewegung zu vernehmen ist.

Angebote

AIDS-Präventionsveranstaltungen im

Rahmen von Sexualpädagogik und

ganzheitlicher Gesundheitsförderung

Beratung

Präventionsveranstaltungen

Fort- und

Weiterbildung

Kooperation,

Koordination,

Fort- und Weiterbildung für MultiplikatorInnen

und LehrerInnen

Beratung (telefonisch, persönlich,

schriftlich und via Internet) für

Jugendliche, Eltern, LehrerInnen,

ErzieherInnen etc.

Kooperation, Koordination und Vernetzung

Geschlechtsspezifische Angebote für

Mädchen und

76

- Probleme im Umgang mit der eigenen Sexualität

- Homosexualität (Schwul-lesbische Aufklärungsarbeit)

Einzel-, Paar, Gruppenberatung;

-telefonisch

-persönlich

-schriftlich

Gruppenarbeit, Moderation, Workshop,

Seminar, Expertengespräch, Diskussion,

Projekt, Fachtagung, Event, Vortrag, Referat,

Infostand etc.

Arbeitskreise, Gremien,

Ausschüsse,

Lobbyarbeit, etc.


Angesichts der Größe des Zuständigkeitsgebietes,

der wachsenden Bedarfe, der wachsenden Notwendigkeit,

auch andere sexuell übertragbare

Krankheiten einzubeziehen und der Einzigartigkeit

des Youthwork-Angebotes in der Region haben

wir in den letzten Jahren immer wieder die Sinnhaftigkeit

bekräftigt, eine weitere Fachkraft zu gewinnen.

Wünschenswert wäre insbesondere eine

Youthworkerin, die sich verstärkt der Mädchenarbeit

widmen könnte. Zumindest phasenweise und

themenabhängig sind geschlechtsspezifische Angebote

und Arbeitsweisen im Bereich der Sexualpädagogik

wichtig.

Die `Sinnhaftigkeit´ beginnt gewissermaßen bei

dem Eindruck, dass Defizite bzgl. des individuellen

Körperbewusstseins und –verständnisses aus

Sicht des Verfassers eher zunehmen und Basiskenntnisse

zu Körperbau und –funktionen, die

zum Verstehen von sexuellen Vorgängen unentbehrlich

sind, oft nur rudimentär vorhanden sind.

Dies gilt allerdings durchaus für beide Geschlechter.

Darüber hinaus können wir uns mit unseren Kapazitäten

leider nicht im gewünschten Maße um

sozial benachteiligte Schüler/innen kümmern, die

nicht nur, aber gewiss mit höherer Quote in

Haupt- und Förderschulen anzutreffen sind, für

die die beschriebenen Defizite in besonderem Maße

gelten und die bei den STI-Inzidenzen eine Rolle

spielen. Allerdings können wir hier immerhin

eine Etablierung bei einer Förder- und zwei

Hauptschulen in Duisburg feststellen.

Die Bemühungen, eine weibliche Fachkraft -aus

Eigenmitteln finanziert- in diesem Arbeitsfeld einzusetzen,

waren im ersten Halbjahr weiter von

Erfolg gekrönt. Sandra Kohlhase, Sozialarbeiterin/-

Pädagogin B.A. konnte im ersten Quartal als Honorarkraft

und im zweiten Quartal mit Praktikantinnenvertrag

(analog ehemaliges Anerkennungsjahr)

tatkräftig mitwirken und unterstützen. Im

zweiten Halbjahr half sie uns sehr, die vakant gewordene

Frauenstelle auszufüllen und hatte somit

leider keine Resoourcen mehr für die Youthwork

-Arbeit.

Grundsätzlich konstatieren wir für den Arbeitsbereich

weiterhin knappe personelle Ressourcen

und somit bleibt die Einbindung und entsprechende

Qualifizierung von ehrenamtlichen Kräften und

Multiplikator/innen ein zentrales Anliegen der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Unser Dank gilt hier insbesondere den aktiven

HIV-positiven Ehrenamtler/innen, die sich immer

wieder bereit erklären, in authentischer Weise

zur Frage „HIV-positiv sein – was heißt das?“ Rede

und Antwort zu stehen. Die Einbeziehung dieser

Selbsthilfeaktivisten ist hier, wie bei Bedarf

auch zum Thema „Homosexualität“ fester Bestandteil

vieler Präventionsveranstaltungen. Der

besondere Wert dieser Authentizität wird uns

auch immer wieder rückgemeldet. Hier gilt auch

den Mitarbeitern des Herzenslust-Teams ein

herzliches Dankeschön.

Den von uns (mit-) initiierten Präventions-

Vernetzungen in Duisburg und für die Region

um Dinslaken kommen ebenfalls besondere Bedeutungen

zu. Dabei geht es uns vor allem darum,

über Multiplikator/innen eine kontinuierliche Präsenz

der Präventionsthemen in den Institutionen

zu schaffen und von `nur´ punktuellen Veranstaltungen

wegzukommen. Durch die Vernetzung und

die damit verbesserte Kooperation und Koordinierung

werden Synergieeffekte erzielt. Durch

begleitende Öffentlichkeitsarbeit wird für die potentiellen

Kunden mehr Transparenz zu den Präventionsangeboten

geschaffen und den Schülerinnen

und Schülern die Beratungseinrichtungen und

ihre Mitarbeiter/innen bekannt gemacht. Leider

läuft der AK ProVer in Dinslaken zuletzt eher auf

Sparflamme, aber immerhin bleiben die guten Vernetzungskenntnisse

und –effekte zunächst noch

erhalten. Es zeichnet sich hier allerdings eine Auflösung

ab, da die Ressourcen bei den meisten beteiligten

Einrichtungen eher knapper werden und

die meisten Kolleg/innen bei ihren Trägern multifunktional

tätig sind.

„Lernvoraussetzungsanalyse – und didaktische

Konsequenzen“

Wir konstatieren weiterhin insbesondere Defizite

im Bereich von sprachlichen und kommunikativen

Kompetenzen im Feld von Liebe, Sexualität und

Partnerschaft. Ein Erklärungsansatz mag in der

neuartigen Nutzung von virtuellen Medien und

den damit verbundenen spezifischen Kommunikationsmustern

zu finden sein (SMS, Messenger- und

Chat-Plattformen, …). Ein anderer Ansatz ist ur-

77


Zielgruppenspezifische Prävention

alt, nämlich dass auch heute der Eintritt in das

Abenteuer „Liebe, Sex und Partnerschaft“ immer

noch mit ganz viel Aufregung, Nervositäten und

auch Ängsten und Sorgen verbunden ist, trotz

oder gerade wegen der vermeintlichen Banalisierung

der Thematik durch vielfältige einschlägige

Medien, die den Jugendlichen vermeintliche Realitäten

und / oder Normalitäten vorspiegeln. Hier

ist einfühlsame Sexualpädagogik gefordert.

Nach unserer Auffassung sind hierzu die Informations-

und Vermittlungsmethoden und der Zeitpunkt

der thematischen Auseinandersetzung von

entscheidender Bedeutung. Die Erkenntnis ist

nicht neu, dass AIDS-Prävention mit Jugendlichen

im Kontext von Sexualpädagogik anzusiedeln ist,

dass personalkommunikative Methoden (d.h.

„Veranstaltungen von Mensch zu Mensch“, vgl.

BZgA-Ansatz), die an der Lebenswelt der Schüler/

innen orientiert und hinsichtlich der ersten Erfahrungen

zeitnah zu platzieren sind, massenmedialen

oder eindimensionalen Vermittlungsformen vorzuziehen

sind, bzw. diese unbedingt ergänzen sollten

(vgl. Entwurf zum Landespräventionskonzept

o.).

In den Jahrgangsstufen bis zur 10. Klasse erscheint

uns zudem eine – zumindest phasenweise und

themenabhängige – geschlechtergetrennte Bearbeitung

sinnvoll (vgl. o.). Hier müssen einfach die

nicht selten durchaus großen Unterschiede im

Reife- und Erfahrungsgrad zwischen Mädchen und

Jungen einer Jahrgangsstufe Berücksichtigung finden.

In Anwesenheit des anderen Geschlechtes

fällt es manchmal schwerer, in offene und ehrliche

Kommunikationsprozesse hineinzufinden.

Erst recht, wenn die eigene Identitätsfindung

(Wer bin ich? Was mag ich? Was mag ich nicht?

…) noch in vollem Gange ist. Dennoch sind angesichts

der mehrheitlich heterosexuellen Orientierungen,

Erfahrungen gelingender Kommunikation

zwischen den Geschlechtern unentbehrlich und

nicht zuletzt besonders wichtig für die Verabredung

von Verhütungsmethoden, für die Durchsetzung

individueller Schutzbedürfnisse.

Verstärkt wird der Trend zu problematischer

bzw. nicht erfolgreicher Face-to-face-

Kommunikation durch die rasante Nutzung der

neuen Medien zur Kontaktanbahnung oder für

Verabredungen. Die anfängliche Anonymität wird

einerseits sehr geschätzt, aber andererseits auch

zunehmend missbraucht. Der Ansatz, kommunikative

Kompetenzen zu fördern wird aus unserer

Sicht immer wichtiger (vgl. o.).

Es bleibt dabei, Emanzipation, Selbstbewusstsein

und –bestimmung mit sozialer Verantwortung

und solidarischem Handeln in Einklang zu bringen,

ist eine zentrale Aufgabe von Erziehung, (Aus-)

Bildung und Präventionsarbeit.

Auch vor diesem Hintergrund ist eine optionale

Einbeziehung des Spezialthemas

„Homosexualität“, welches durch die Richtlinien

zur Sexualerziehung zum verbindlichen Thema

aufgewertet wurde, wichtig. Darüber hinaus gilt

dies auch vor dem Hintergrund der epidemiologischen

Daten zum HIV-Infektionsgeschehen, wonach

mann-männliche Sexualität weiterhin der mit

Abstand größte Infektionshintergrund ist. Die

nach wie vor stark klischeegeprägte Vorstellung

vom „Schwul-Sein“ gilt sehr häufig geradezu als

das Antivorbild für Jungen. Trotz aller gesamtgesellschaftlichen

Fortschritte im Feld der Akzeptanz

und Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen

Lebensweisen, gilt es hier aus Sicht des Verfassers

sehr genau zu beobachten und frühzeitig

den Anfängen neuer Diskriminierungstendenzen

zu wehren.

Hier sei wieder einmal der Hinweis gestattet, dass

beim Youthworker der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V. die sog. „SCHLAue Kiste“ des

Gesundheitsministeriums NRW mit Medien und

Materialien zur schwul-lesbischen Aufklärungsarbeit

prinzipiell auszuleihen ist. Darüber hinaus

können über den Youthworker der AIDS-Hilfe

(ggf. im Verbund mit dem „Herzenslust-Team der

AH) Multiplikatorenfortbildungen zu diesem Themenfeld

vereinbart werden.

Prävention in Zahlen:

Durch Veranstaltungen im Sektor Youthwork

und Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung

konnten wir im Berichtsjahr 2011

6.280 Personen mit personalkommunikativen

Formen erreichen, davon 281 sog. Multiplikator/

innen (Lehrkräfte und sonstige Pädagog/innen sowie

ehrenamtliche Mitarbeiter/innen). Allein im

schulischen Bereich (-> Youthwork-Angebote)

erreichten wir in 24 Schulen 2.408 Jugendliche

aus allen Schulformen, über 390 in außerschu-

78


lischen Zusammenhängen wie offener Jugendarbeit

u.a. und 3050 Jugendliche im Rahmen von

personalkommunikativen Formen bei Großveranstaltungen

(wie z.B. beim Jugendfestival in Wesel).

42 % der Jugendlichen kamen aus dem Alterssegment

zwischen 14 und 17 Jahren, 21 % der Jugendlichen

hatten einen Migrationshintergrund.

Umfeld des Welt-AIDS-Tages – sind direkte Kooperationen

mit Einrichtungen der offenen Jugendarbeit

eher selten. Dass wir hier allerdings

auch keine Offensiven starten konnten, hat unsererseits

einfach mit Kapazitätsgrenzen zu tun. Erwähnenswert

in diesem Zusammenhang ist allerdings

das tolle Angebot insbesondere für Jugendliche

im Rahmen des großen Aktionstages zum

Welt-AIDS-Tag im Duisburger FORUM (s. 4.4.,

z.B. die „Orientierungsrally“), welches auch in diesem

Jahr von Gruppen einiger Schulen wahrgenommen

wurde.

5.6.4 Multiplikatoren- und Erwachsenenbildung

5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für

Jugendliche und Multiplikatoren

Erfreulich war auch in diesem Berichtszeitraum

erneut die Nachfrage nach Präventionsberatungen

von Schüler/innen, die für Fach- oder Projektarbeiten

unseren Rat suchten. Dies ist gewiss auch

als Zeichen zu deuten, dass die AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel e.V. bei vielen Schulen als gute

und wichtige Anlaufstelle bekannt ist. Über das

direkte Aufsuchen lassen sich im Übrigen leicht

denkbare Schwellenprobleme abbauen. Zudem

können wir hierüber natürlich auch unsere

Youthwork-Angebote bekannt machen.

Aus dem Bereich berufsbildender Einrichtungen

(z.B. Berufskollegs, insbesondere der Sektor der

sog. Berufsgrundschuljahre) gab es im Berichtsjahr

stabil hohe Anfragen zu vermerken. Hier finden

wir in der Regel wichtige Zielgruppen; Jugendliche

im Alter zwischen 16 und 25 Jahren, die oftmals

problembehaftete Sozialisationen und einen geringen

Grad an Aufklärungsniveau (z.T. auch migrationsbedingt)

aufweisen.

Bis auf einzelne Ausnahmen – vorwiegend im Zusammenhang

mit schulischen Projekttagen und im

Wie bereits erwähnt, investiert die AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V. viel in die Aus- und

Weiterbildung ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen,

ohne die einfach die Vielzahl an

Anfragen auch aus diesem Präventionsfeld nicht

befriedigt werden könnten. Dies ist und bleibt

eine wichtige Aufgabe, der wir uns gerne widmen.

Dazu führen wir u.a. alljährlich intensive Grundlagenausbildungen

(s. 6.) im Verbund mit drei anderen

Ruhrgebiets-AIDS-Hilfen durch, um darüber

einerseits den Ehrenamtler/innen eine Möglichkeit

zu bieten, ein Einsatzfeld zu finden, dass Ihren

Ressourcen, Fähigkeiten und Neigungen entspricht

und andererseits sie gemäß unserer Qualitätsstandards

auszubilden und zu rüsten und die

vorhandene Motivation zu stärken. Es spricht vieles

dafür, ehrenamtliche Ressourcen gerade auch

im Bereich der (Primär-) Präventionsarbeit weiter

zu mobilisieren und zu qualifizieren, z.B. für den

peer-to peer-Ansatz. Die aktiven Ehrenamtler/

innen sind unsere wichtigste Ressource und die

wichtigsten Multiplikator/innen.

Eine weitere ganz wichtige Gruppe von potentiellen

MultiplikatorInnen sind in diesem Präventionsfeld

natürlich die Lehrenden in schulischen und

außerschulischen Einrichtungen. Die Anfragen

nach Lehrerfortbildungen im Hinblick auf und im

Vorfeld von Projektformen stagnieren auf sehr

niedrigem Niveau. Dies hat unter anderem mit

den vielfältigen Veränderungen im Schulbereich

mit erheblichen Zusatzbelastungen für die Lehrkräfte

zu tun. Fortbildungen, die mit Unterrichtsausfall

verbunden sind, sind nicht leicht zu

79


Zielgruppenspezifische Prävention

installieren. Dies hat auch damit zu tun, dass wir

überwiegend bei z.T. schon sehr lange etablierten

Projekten agieren und hier nicht mehr viel Überzeugungsarbeit

leisten müssen. Darüber hinaus

wirkt hier in sehr positivem Sinne die alljährliche

Fachtagung des AK Prävention Duisburg in genau

diese Richtung (s.u.). Natürlich wäre eine Ausweitung

des Angebotes (s.o.) wünschenswert, aber

wir sind nach wie vor froh, wenn wir mit unseren

begrenzten Ressourcen die Nachfragen weitestgehend

bedienen können.

Das Themenspektrum reicht hier von der Präsentation

des aktuellen Wissensstandes zu HIV und

AIDS über die epidemiologische Entwicklung und

daraus resultierender Präventionskonsequenzen

und –strategien bis hin zu Aspekten spezieller

Fortbildung im Feld der Kommunikation, wie Gesprächsführung

und Moderation.

Auch vor diesem Hintergrund erweisen sich die

erwähnten Präventionsvernetzungsaktivitäten als

höchst sinnvoll. Darüber lassen sich Synergieeffekte

erzielen, mittelfristig gesehen Ressourcen zusammenführen

und nicht zuletzt Chancen eines

ökonomischeren Haushaltens mit den vorhandenen

Kapazitäten entwickeln.

Umso mehr gewinnt das Feld der Multiplikatorenausbildung

an Bedeutung. Ein zentrales Anliegen

ist es, die Präventionsthemen und die damit verbundenen

Ziele an Schulen und in außerschulischen

(Jugend-) Einrichtungen möglichst ganzjährig

zu platzieren. Geschulte Pädagog/innen, Erzieher/

innen oder Sozialarbeiter/innen und –pädagog/

innen sollten diese repräsentieren, zumindest mit

Verweisungskompetenzen ausgestattet sein und

als AnsprechpartnerInnen für die Jugendlichen bekannt

sein / werden.

Der Vernetzungskreis „ProVer“ für die Region

um Dinslaken hat sich auf einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch

(1-2 x p.a.) verständigt, mehr

ist zur Zeit leider nicht leistbar. Dennoch erweist

sich der gepflegte Kontakt als ungemein sinnvoll,

weil einige Kooperationen über das Jahr verteilt

so leichter einzustilen und zu verabreden sind.

5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung

Hier sind im Wesentlichen Fortbildungsveranstaltungen

in Krankenpflegeschulen, bei sonstigen

Pflegeanbietern und im medizinischen Versorgungssystem

verortet. In diesem Bereich verzeichnen

wir sehr stabile Nachfragen und hocherfreuliche

Rückmeldungen. Insbesondere wird geschätzt,

dass wir von der medizinischen Seite bis zu den

Tiefen im psychosozialen Bereich die ganze Bandbreite

des komplexen Themenfeldes rund um das

Phänomen „HIV / AIDS und andere sexuell übertragbare

Krankheiten“ abdecken können. Nicht

zuletzt auch in diesem Tätigkeitsfeld bewährt sich

das „3-Säulen-Modell AIDS-Hilfe“ mit der Verbindung

von Selbsthilfe-, Interessen- und Fachverband

sowie der Ansatz der Strukturellen Prävention

immer wieder aufs Neue.

5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Anzuführen sind hier für den Stelleninhaber :

Einmal mehr gut angenommen wurde hier wieder

die im Berichtsjahr angebotene 10. Fachtagung

des Präventions-Vernetzungskreises Duisburg am

11. Mai. Unter dem Titel „Ich gehör dazu …“

befassten sich fast 80 Teilnehmer/innen schwerpunktmäßig

mit aktuellen Trends und Bewegungen

im Bereich der sozialen Netzwerke von und

für Jugendliche und lernten neben inhaltlichen Anregungen

und methodischen Zugangsformen die

Präventionsinfrastruktur in Duisburg kennen.


Beteiligung an der Grundlagenausbildung für

EhrenamtlerInnen in der Ruhrgebietsvernetzung

der AIDS-Hilfen

80


Präventionsvernetzungsarbeit im Kreis Wesel

und Duisburg

Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. bei den NRW-Youthworker-

Arbeitskreisen und dem Youthwork-

Qualitätszirkel

Evaluation und Qualitätssicherung – Fortführung

des Verfahrens beim Youthwork-

Förderprogramm-Controlling MGEPA,

NRW

Beratung / Information für Zeitungs- und

Radio-Redaktionen sowie für politische Entscheidungsträger

Koordinierung von haupt- und ehrenamtlichen

Einsätzen bei Informations- und Präventionsprojekten

Einarbeitung in und Bereitstellung von Materialien

für Lehrende und Multiplikator/innen

Beratung von pädagogischen Fachkräften

bzgl. der Unterrichts- oder Projektgestaltung

zum Thema HIV / AIDS und anderer

STI`s






Telefonische und persönliche Informationsund

Beratungsgespräche

E-mail Beratung

Unterstützung von Jugendvertretungs- und

SchülerzeitungsredakteurInnen

Geschäftsführung

u.a.m. (Vgl. 4. Öffentlichkeitsarbeit)

Abb.:

Veranstaltungsverteilung nach Arbeitsfeldern

81


Ehrenamtliche Mitarbeit

6. Ehrenamtliche Mitarbeit

6.1. Begleitung der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen

Im Berichtsjahr waren 20 Personen ehrenamtlich

für die AIDS-Hilfe tätig, da einige MitarbeiterInnen

die Arbeit aus gesundheitlichen und persönlichen

Gründen eingestellt haben.

Das ehrenamtliche Engagement ist für das Angebot

der AIDS-Hilfe Duisburg Kreis Wesel e. V.

weiterhin überaus wichtig. Ohne die freiwilligen

MitarbeiterInnen könnten wir unser umfangreiches

Angebot nicht aufrechterhalten. Daher an

dieser Stelle unser großer Dank an den unermüdlichen

Einsatz und die vielen unentgeltlich geleisteten

Stunden der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen.

Im Berichtsjahr wurde an einem Ehrenamtlerkonzept

gearbeitet, welches aber aufgrund von

Krankheit bei Vorstand und hauptamtlichen Mitarbeitern

noch nicht vollständig ausgearbeitet werden

konnte

Die AIDS-Hilfe bietet vielfältige Aufgabengebiete,

in denen sich die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen

engagieren können. Diese umfassen die Begleitung,

Knastarbeit, Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit,

Herzenslust, Substitutionsvergabe,

Telefon- und E-Mail-Beratung, Chat-Beratung,

Vorstandsarbeit, Freitagsfrühstück, Substitionsfrühstück

und Weihnachtsfeier. Einige ehrenamtliche

MitarbeiterInnen arbeiten in mehreren

Bereichen, andere unterstützen die Arbeit der

AIDS-Hilfe punktuell.

Die ehrenamtlichen MitarbeiterInnnen sind in den

unterschiedlichsten Berufen aktiv, sind HIVnegativ

oder HIV-positiv, setzen sich aus Frauen

und Männern aus allen sozialen Lebensbereichen

zusammen und stammen aus den unterschiedlichsten

politischen Richtungen. Dies bedeutet für

die Arbeit der AIDS-Hilfe einen enormen Erfahrungsschatz,

der in unsere Arbeit mit einfließt.

Eine Möglichkeit des Austausches bietet weiterhin

unser Mittwochs-Café (siehe auch Punkt 3.5).

Hier ist der zentrale Anlaufpunkt, um sich mit Betroffenen

zu treffen oder sich untereinander oder

mit den hauptamtlich Tätigen auszutauschen.

Im Berichtsjahr fanden zwei Aktiventreffen im

Juli und Oktober statt. Das Juni Aktiventreffen

wurde auf Juli verschoben, da unsere Mitgliederversammlung

aufgrund der Jubiläumsaktivitäten

erst am 7. Juni stattfand. Da das Aktiventreffen

dem Austausch der aktiven Mitglieder dienen soll,

bot es sich an, den Termin in den Juli zu verschieben.

Das Treffen im Juli beinhaltete folgende Themen:

Deutsch-Östereichischer AIDS-Kongress, das

schwul-lesbische Straßenfest „Sommerlust“, eine

Diskussion zum Mundschleimhauttest und die Benefiz-Comedy-Veranstaltung

am 11. September.

Das Treffen war mit sieben Teilnehmerinnen

nicht so gut besucht, es ergab sich jedoch eine

interessante Diskussion zu den Themen PräExpositionsProphylaxe,

Mundschleimhauttest und Eintrittspreis

für die Benefiz-Veranstaltung. Des Weiteren

konnten Ehrenamtler für die Mitarbeit beim

Straßenfest „Sommerlust“ akquiriert werden.

Das Oktober-Treffen hatte als Schwerpunkte die

WAT-Planung und die Organisation der Weihnachtsfeier

und war mit sechs Teilnehmern besucht.

Hier ging es weitestgehend um Informationen

zu den beiden Themen und Rekrutierung von

ehrenamtlichen HelferInnen.

Unser traditionelles Dezember-Aktiventreffen, bei

dem die hauptamtlichen MitarbeiterInnen die ehrenamtlichen

MitarbeiterInnen bekochen, musste

leider ausfallen da hierfür durch die lange Erkrankung

eines hauptamtlichen Mitarbeiters und somit

bereits eingeschränkte Manpower zum WAT die

Ressourcen für dieses Treffen fehlten. Allerdings

hatten wir bereits das 25-jährigen Jubiläum zum

Anlass genommen, mit unseren fördernden und

ordentlichen Mitgliedern, Begleiteten, Förderern

und Kooperationspartnern im Anschluss an unseren

Festakt zu feiern und den ehrenamtlichen Mitarbeitern

damit auch für Ihre Arbeit zu danken.

6.2. Schulung und Fortbildungen für ehrenamtliche

MitarbeiterInnen

Anfang des Jahres hat eine Ehrenamtlerschulung

82


für zukünftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in

Kooperation mit den AIDS-Hilfen Bochum, Essen,

Oberhausen und erstmalig Dortmund stattgefunden.

Die Schulung bestand aus sieben Abendterminen

und zwei Ganztagesveranstaltungen, die

mit folgenden Themen und Zeitrahmen konzipiert

waren:

Die Schulung war wie im Vorjahr strukturiert, da

die Zusammensetzung der Themen und der Ablauf

der Schulung in der Evaluation der Schulung

Termin Zeitrahmen Inhalt

Di 08.02.2011 19.00 – 21.30 Uhr Grundlagenwissen Teil

1

Di 15.02.2011 19.00 – 21.30 Uhr Grundlagenwissen Teil

2

Sa 19.02.2011 10.00 – 18.00 Uhr Kommunikation und

Wahrnehmung

So 20.02.2011 10.00 – 18.00 Uhr Liebe, Sexualität und

Partnerschaft

Di 22.02.2011 19.00 – 21.30 Uhr Positiv Sein – Was

heißt das? – AIDS verändert

sein Gesicht

Di 01.03.2011 19.00 – 21.30 Uhr MSM Lebenswelten,

männliche Prostitution

Di 15.03.2011 19.00 – 21.30 Uhr Sexuell übertragbare

Krankheiten

Di 22.03.2011 19.00 – 21.30 Uhr Frauen und AIDS /

weibliche Prostitution

Di 29.03.2011 19.00 – 21.30 Uhr Illegalisierte Drogen,

Knast und Substitution

2010 positiv bewertet wurde.

Im Vorfeld wurde von unserer AIDS-Hilfe eine

Ausschreibung der Schulung zur Bewerbung erstellt.

Von unserer AIDS-Hilfe waren zwei TeilnehmerInnen

vertreten und wir gratulieren zu erfolgreich

durchlaufener Schulung Yvonne Leuverink

und Steffen Wunderlich. Insgesamt hatte die Schulung

zu Beginn 23 TeilnehmerInnen, wobei vierzehn

von der AIDS-Hilfe Essen stammten. Letztendlich

erhielten am Ende der Schulung sechzehn

TeilnehmerInnen ein Zertifikat. Dieses erhielten

die TeilnehmerInnen, wenn sie an 80 vH des

Schulungsumfanges teilgenommen hatten. Auch

die nicht zertifizierten Interessierten nahmen bis

auf eine Person an fünf bis sechs Schulungsterminen

teil, so dass eine hohe Haltequote erzielt

wurde.

Von unserem Ehrenamtlerkoordinator wurden

Mappen für die zukünftigen EhrenamtlerInnen mit

Wegbeschreibungen zu den einzelnen AIDS-Hilfen

und Evaluationsbögen zu den Schulungseinheiten

zusammengestellt. Die Anwesenheit wurde von

ihm nachgehalten, um die Kriterien für die Ausstellung

des Zertifikats nachzuhalten. Dieses wurde

auch von unserer AIDS-Hilfe erstellt und am

letzten Abend bei Erfüllung der vorgenannten Kriterien

den TeilnehmerInnen überreicht. Des Weiteren

wurden vom Ehrenamtlerkoordinator die

Evaluationsbögen ausgewertet.

Aufgrund von Krankheit waren wir bei dieser

Schulung im Gegensatz zu früheren Jahren „nur“

bei fünf Schulungseinheiten mit Referentinnen und

Referenten beteiligt.

6. 3 Externe Fortbildungen

Weiterhin besteht in unserer Einrichtung ein

Fortbildungsetat für ehrenamtliche und hauptamtliche

MitarbeiterInnen. Nicht nur im eigentlichen

HIV/AIDS-Bereich, sondern auch bei anderen sexuell

übertragbaren Krankheiten und in der Sozialgesetzgebung

ergeben sich immer schneller Veränderungen.

Fortwährende Weiterbildungen garantieren

somit eine kompetente und aktuelle Beratung.

Im Berichtsjahr ist erwähnenswert, dass zwei

hauptamtliche und zwei ehrenamtliche MitarbeiterInnen

am Deutsch-Österreichischen AIDS-

Kongress teilgenommen haben und ihren Output

auf dem Aktiventreffen im Juli den Interessierten

zu Verfügung stellten.

In Kooperation mit der AIDS-Hilfe Oberhausen

führten wir je ein Fachgespräch in Oberhausen

und Duisburg durch (näheres im Kapitel Öffentlichkeitsarbeit).

6.4 Ehrungen von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen

Wie im Geschäftsbericht schon erwähnt, wurden

im Berichtsjahr Edgar Böhme und Andrea Täufer

vom paritätischen Wohlfahrtsband geehrt.

Im Rahmen des Jahresempfangs der AIDS-Hilfe

NRW wurden die Teilnehmer von Herzenslust

für die Präsentation bei der Eröffnungsveranstaltung

der Gay Games in Köln mit dem Ehrenamtspreis

„merk-würdig“ ausgezeichnet, wozu auch

einige unserer „Herzenslüstler“ zählten.

83


Bericht der Verwaltung

7. Bericht der Verwaltung

Finanzbuchhaltung

Bußgeldauflagen

Doppelte Buchführung, Kontierung, Monats-/

Jahresabschluss, Erstellung der jährlichen Einnahme-Überschuss-Rechnung

und Mitarbeit bei der

Erstellung des jährlichen Haushaltsplanes der

AIDS-Hilfe, Erstellung von Quartalsübersichten,

Kontoführung, Beleg- und Rechnungsprüfung, ordnungsgemäße

Belegablage, allgemeiner Finanzverkehr,

Korrespondenz

Kasse

Verwaltung von Bargeld (Einnahmen und Ausgaben),

Ausstellen von Quittungen, Belegprüfung,

Kassenbuchführung, Monatsabschluss, Kassenabstimmung

Personalwesen

Personalführung: Lohn-/Gehaltskarten, Fehlkarten

(für Urlaub, Sondertage, Krankheitstage)

Lohnsteuerkarten, Versicherungsnachweis, Lohn-/

Gehaltsabrechnung;

Krankenkassen: An-/Abmeldungen, Beitragsrechnung

zur Sozialversicherung (Kranken-/ Renten-/

Arbeitslosenversicherung);

Finanzamt: monatliche Lohnsteueranmeldung und

Abführung der Lohn- und Kirchensteuer;

EDV-Gehalts-Service: Prüfung der Abrechnungs-

Journale, Kostenverteilung, Meldungen und Beiträge

an die Berufsgenossenschaft, Fahrt- und Reisekostenabrechnungen;

Personalmittel: Anträge an Bund, Land NRW und

Kommunen, Zuwendungsbescheide, Verwendungsnachweise,

Verwaltungsarbeiten im Bereich

Zivildienst (Personalaktenführung, Soldabrechnung);

Arbeitszeitnachweis: monatliche Ausrechnung der

Soll-/Ist-/Überstunden für Mitarbeitende;

vom Land-/Amtsgericht zugunsten der AIDS-Hilfe;

Kontrolle der Bußgeld- bzw. Bußgeldratenzahlungen,

Verwendungsnachweise der Bußgelder gegenüber

dem Gericht, Korrespondenz

Vereinsmitglieder

Kontoführung über gezahlte Vereinsbeiträge,

Mahnungen bei Nichtzahlung, Zuordnung neuer

Mitglieder, Nummernvergabe, Mitgliedschaftsbestätigungen

Spenden

Vor- und Nachbereitung der rechtlichen und organisatorischen

Spendenformalitäten (z. Bsp. bei

Veranstaltungen und Straßensammlungen; Sammelerlaubnis;

Einnahmemeldungen), Dankschreiben

und Ausstellung von Spendenbescheinigungen,

Akquise von Spenden allgemein und zweckgebundenen

Spenden (z. Bsp. Positivenfreizeit oder

Weihnachtsfeier)

Terminsachen

Einhaltung von Terminen bei Korrespondenz und

Zahlungen, z. Bsp. Mitgliedsbeiträge der AIDS-

Hilfe an diverse Organisationen und Vereine, Versicherungen,

Kfz-Steuer, Lohnsteuer, Krankenkassenbeiträge,

Lohn- und Gehaltsüberweisungen,

Verwendungsnachweise, Mieten

Schreibarbeiten

allgemeine Korrespondenz, Protokolle. Konzepte,

Statistik, etc.....

84


Zusätzliche Bürotätigkeit

Bericht der Kassenprüfer /

Einkauf von Büromaterial, Inventarbeschaffung,

Spritzen, Tupfer, Kondome, Schleifen, telefonische

Beratungsgespräche, Überbrückung von Wartezeiten

bei Klienten und bei Krisenintervention,

Vorbereitung für die Jahreshauptversammlung der

Vereinsmitglieder

Wochenendvergabe Methadon

Organisation der Wochenendvergabe, am Freitag

bzw. vor Feiertagen Erstellen der Listen mit den

Klienten für die Methadonvergabe in der AIDS-

Hilfe. Annahme des Methadons von den Apotheken

und Aufteilung nach den Vergabeterminen.

Abgabe der Kassetten mit dem Methadon bei der

Kriminalpolizei.

Sonstiges

Teilnahme an Teamsitzungen (wöchentlich), Supervision

(monatlich), Fortbildungsseminare für

den Bereich Personalwesen, Telefondienst, Spritzentauschprogramm

Karl-Heinz Lemke und Tobias Wendler

Am 12.04.12 wurden von uns die Kassenbelege

und Bestände nach unserem besten Wissen und

Gewissen überprüft. Wir konnten keine Abweichungen

feststellen.

Alle Belege waren vollständig und fortlaufend

nummeriert, auch inhaltlich stimmten die Belege

mit den Statuten des Vereins überein.

Der Kassenbestand am 31.12.11 belief sich auf

579,74 €. Die Summe aller Bank und Sparkassenkonten

und Sparbücher betrug 108.441,90 €.

Alle Buchungseintragungen waren mit Belegnummern

versehen. Die Verbuchung aller Belege der

Monate Juli und August 11 wurden überprüft.

Dabei konnten keine Beanstandungen festgestellt

werden.

Spenden, sind durch Überweisungsbelege oder

Einzahlungsquittungen belegt.

Barauszahlungen waren durch den Empfang quittiert.

Der letzte Körperschaftssteuerfreistellungsbescheid

wurde am 31.08.2011 erteilt.

Weiterhin haben wir die Existenz von Vereinsträgern

überprüft (/ Haftpflicht, Feuer, Einbruch und

Leitungswasserschäden).

Der Verein kommt seiner gesetzlichen Pflicht zur

Unfallversicherung der Haupt- und Ehrenamtlichen

Mitarbeiter bei der Berufsgenossenschaft

nach.

Lohnsteuer und Sozialversicherungspflicht wurde

überprüft.

Die Beträge wurden ordnungsgemäß abgeführt.

Die Kassenprüfer empfehlen der Hauptversammlung

den Vorstand für das Jahr 2011 zu entlasten.

85


Anhang / Pressespiegel

Controlling-Daten für das Kalenderjahr 2011 -

Verteilung nach Arbeitsfeldern

1. Unmittelbare Kontakte im Berichtsjahr 2011 durch Maßnahmen primärpräventiver

Zielsetzung (personalkommunikativ) :

Gesamt 20.280

Davon im Arbeitsbereich :

1.1. Youthwork

Gesamt: 6280 (31,0 %)

Davon männlich 2974

Davon weiblich 3306

Mit erkennbarem Migrationshintergrund 1350

Ohne erkennbaren Migr.hintergrund 4930

Bis 21 Jahre 3890

Über 21 Jahre 2390

1.2. Beratung (persönlich, telefonisch, inkl. bundesweite Telefonberatung

Gesamt : 849 (4,2 %)

Davon männlich 626

Davon weiblich 223

Mit Migrationshintergrund 170

Ohne Migrationshintergrund 679

Bis 21 Jahre 53

Ab 22 Jahre 796

1.3. Frauen

…)

(inkl. überregionale Aktionen i. R. der Landesarbeitsgemeinschaft; AG XXelle-Ruhrgebiet ,

Gesamt : (100% weiblich) 1235 (6,1%)

Mit Migrationshintergrund 309

Ohne Migrationshintergrund 926

Bis 21 Jahre 175

Ab 22 Jahre 1060

1.4. Migration (in 2011 wegen Personalwechsel subsumiert in Beratung 1.2, Frauen 1.3)

Gesamt :

Davon männlich

Davon weiblich

Bis 21 Jahre

Ab 22 Jahre

1.5. Herzenslust regional

Gesamt : (100% männlich) 3940 (19,4 %)

Mit Migrationshintergrund 430

Ohne Migrationshintergrund 3510

Bis 21 Jahre 1120

Ab 22 Jahre 2820

86


1.6. Herzenslust (Knotenpunktarbeit im Ruhrgebiet, anteilig über ZSP-Landesmittel

gefördert) (inkl. Gay-online-Beratung über Health-Support-Profile, Beratung und Test-Projekt,

„Sommerlust“-Strassenfest)

Gesamt : (100% männlich) 3892 (19,2 %)

Mit Migrationshintergrund 778

Ohne Migrationshintergrund 3114

Bis 21 Jahre 973

Ab 22 Jahre 2919

1.7. Justizvollzug („Knastarbeit“)

Gesamt : (alle über 21 Jahre!) 311 (1,5 %)

Davon männlich 191

Davon weiblich 120

Mit Migrationshintergrund 100

Ohne Migrationshintergrund 211

1.8. Drogen (allgemeine Präventionsarbeit d. AH)

Gesamt : 973 (4,8%)

Davon männlich 681

Davon weiblich 292

Mit Migrationshintergrund 340

Ohne Migrationshintergrund 633

Bis 21 Jahre 50

Ab 22 Jahre 923

1.9. Spritzentausch

Gesamt : 200 (1,0 %)

Davon männlich 130

Davon weiblich 70

Mit Migrationshintergrund 35

Ohne Migrationshintergrund 165

Bis 21 Jahre 20

Ab 22 Jahre 180

1.10. Substitution (an Wochenenden und Feiertagen in Duisburg)

Gesamt : 2600 (12,8 %)

Davon männlich 1740

Davon weiblich 860

Mit Migrationshintergrund 258

Ohne Migrationshintergrund 1342

Bis 21 Jahre 160

Ab 22 Jahre 2440

2. Unmittelbare Kontakte im Berichtsjahr 2011 durch Maßnahmen sekundär- und tertiärer

Zielsetzung (personalkommunikativ)

Gesamt : 5302

2.1. (Psychosoziale-) Begleitung

Gesamt : 4975 (93,8 %)

Davon männlich 3480

87


Anhang / Pressespiegel

Davon weiblich 1495

Mit Migrationshintergrund 1740

Ohne Migrationshintergrund 3235

Bis 21 Jahre 149

Ab 22 Jahre 4826

2.2. Beratung (für 2011 in 2.1. integriert)

Gesamt :

Davon männlich

Davon weiblich

Mit Migrationshintergrund

Ohne Migrationshintergrund

Bis 21 Jahre

Ab 22 Jahre

2.3. Justizvollzug

Gesamt : 73 (1,4 %)

Davon männlich 39

Davon weiblich 34

Mit Migrationshintergrund 20

Ohne Migrationshintergrund 53

Ab 22 Jahre (alle!) 73

2.4. Frauen

Gesamt : 201 (3,8 %)

Mit Migrationshintergrund 12

Ohne Migrationshintergrund 189

Bis 21 Jahre 10

Ab 22 Jahre 191

2.5. Migration (s. 2.1. Begleitung und 2.4. Frauen)

2.6. Drogen

Gesamt: 45 (0,8 %)

Davon männlich 42

Davon weiblich 3

Mit Migrationshintergrund 7

Ohne Migrationshintergrund 38

Bis 21 Jahre 0

Ab 22 Jahre (alle!) 45

2.7. Youthwork (hier nur Personen! mit i.d.R. mehreren Kontakten!)

Gesamt : 8 (0,2 %)

Davon männlich 5

Davon weiblich 3

Mit Migrationshintergrund 1

Ohne Migrationshintergrund 7

Bis 21 Jahre 8

88


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