Wien Journal 2014 - Vienna

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Wien Journal 2014 - Vienna

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2014

Auf der Rampe der Albertina mit Blick auf die Staatsoper


Liebe Leserin, lieber Leser,

nirgendwo verstand und versteht man das Feiern so gut wie in Wien.

200 Jahre Wiener Kongress und die ebenso alte Ball-Tradition machen uns

da genauso sicher wie deren nicht minder nachgefragte Neuinterpretationen,

die von Life Ball über Rosen- und Regenbogenball bis hin zur Fête Impériale

reichen. Was auf den ersten Blick wie ein Gegensatz erscheinen mag, wenn

etwa traditioneller Walzerschritt mit zeitgenössischer, manchmal auch

schriller Inszenierung gepaart wird, ist vielmehr Facette einer Stadt, in

der auch Avantgarde-Kunst in geschichtsträchtigen Prunksälen ihren Platz

findet. Wir berichten über Franz West im Barockschloss Belvedere und Valie

Export im renovierten Winterpalais des Prinzen Eugen.

Ein faszinierendes Zusammentreffen animalischer mit humanen Lebensformen

bietet unser Beitrag über „tierische Wiener“. Immerhin ist in Wien

nicht nur der älteste, sondern auch einer der beliebtesten Zoos der Welt zu

finden, der zuletzt drei Mal in Folge auch zum besten Europas gewählt wurde.

Wiener Flair ist weltweit ein Begriff. Wann immer man mit internationalen

Spitzenmusikern zu tun hat, die in Wien zu Gast sind – sie kommen gleich

auf das angenehme Wiener Ambiente zu sprechen, wie auch Bassbariton

Erwin Schrott in der vorliegenden Ausgabe des Wien-Journals. Und Geigenvirtuose

David Garrett, der hier für den neuen Niccolò-Paganini-Film

drehte, und sich im Interview geradezu begeistert von der Welthauptstadt

der Musik gab.

Zu jenem attraktiven Umfeld gehört auch die Welt der Kaffeehäuser und

exzellenter kulinarischer Genüsse, die nicht erst seit dem LOHAS- und

Slow-Food-Trend auf hochqualitative heimische Delikatessen setzt. Und

selbstverständlich leisten sich Berühmtheiten aus aller Welt – von Vivienne

Westwood über Kate Moss bis zu Tom Cruise – den Luxus, exklusiv hier zu

shoppen und Sehenswürdigkeiten außerhalb der Öffnungszeiten zu besuchen.

Dass dieser Luxus vielen offenstünde, wissen nur wenige.

Das Lebensgefühl einer Stadt erfährt man am besten, wenn man sich abends

unter die Einheimischen mischt. In Wien findet sich jede Menge an gediegenen

Adressen zum Tanzen und Feiern mit feiner Musik aller Genres, von

klassisch bis „underground“. Und ständig kommen neue dazu, wie etwa das

neu interpretierte Vorstadtetablissement Gschwandner. Dass Nachtschwärmen

im entsprechenden Outfit noch mehr Spaß macht, liegt auf der Hand.

Die Wiener Mode-Avantgarde hält für Sie eine Vielzahl an Kollektionen bereit

– am besten, Sie überzeugen sich persönlich davon.

Viel Vergnügen bei der Lektüre dieses Wien-Journals wünscht Ihnen

Norbert Kettner

Wiener Tourismusdirektor

Medieninhaber: WienTourismus, A-1020 Wien, Obere Augartenstraße 40, www.wien.info · Konzept & Redaktion: Andrea Kostner · Projektkoordination: Paul Daniel · Text: Susanna Burger, Paul Daniel, Susanne Kapeller, Angelika Öttl,

Martina Polzer, Anneliese Ringhofer, Robert Seydel · Lektorat: Renate Hofbauer · Fotoredaktion: Anna-Elisabeth Menz · Fotorecherche: Elisabeth Freundlinger · Layout: Kreativ · Mag. Evelyne Sacher-Toporek · Kreation: Jung von Matt /

Donau · Printed in Austria by Niederösterreichisches Pressehaus · 2692/13/100

Alle Angaben ohne Gewähr. Irrtümer und Änderungen vorbehalten.

Bildnachweise

Titelseite: Albertina: WienTourismus / Peter Rigaud · Seite 2: Porträt Norbert Kettner: WienTourismus / Peter Rigaud · Seite 3: Details nachfolgender Abbildungen, siehe diese · Seite 4: Staatsoper: WienTourismus / Christian Stemper; Oper live: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn; Erwin Schrott: Fabrice Dall’Anese · Seite 5:

Rathausplatz: WienTourismus / Karl Thomas; Rathauspark: WienTourismus / Popp & Hackner; David Garrett: beide Bilder © Summerstorm/Dor/Construction/BR/Arte. Photo: W. Wehner · Seite 6: Panda: Daniel Zupanc; Pavillon: Daniel Zupanc; Elefanten: Tiergarten Schönbrunn / Norbert Potensky · Seite 7: Haie: Günther

Hulla; Schmetterling: Schmetterlinghaus; Hirsch: MA 49; Lipizzaner: Spanische Hofreitschule / ASAblanca.com_René van Bakel · Seite 8: Weinbergschnecken: Lukas Ilgner für Falter/ Best of Vienna; Orangerie: Bundesgärten; Bhuddas Hand: Bundesgärten · Seite 9: Staud: Staud’s_foto-kittel.at; Honig: Hotel Daniel Vienna;

Blühendes Konfekt: Beate Dorau; Weinberg: WienTourismus / Lois Lammerhuber · Seite 10: Tuchlauben: WienTourismus / Peter Rigaud; Solitär-Ringe mit Brillanten von Bucherer: Bucherer; Schwäbische Jungfrau: Zur Schwäbischen Jungfrau; Vivienne Westwood (Vivienne Westwood lud zu einer Couture & Gold Label

Show ins Kunsthistorische Museum in Wien): Andreas Tischler · Seite 11: Leica: WestLicht Photographica Auction; Bergl-Zimmer: Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. / Peter Olschinsky; Bösendorfer: 2010–2011 Bösen dorfer · Seite 12: Prückl: WienTourismus / Christian Stemper; Sperl: Julius Silver granted

rights to Café Sperl; Florianihof: Florianihof; Central: Café Central im Palais Ferstel · Seite 13: Hofburg: Fotostudio Schuster; Drechsler: cafe drechsler; Savoy: WienTourismus / Peter Rigaud; Kahlenberg: Terrasse Kahlenberg GmbH; Weimar: Cafe Weimar; Markusplatz: Cafe Markusplatz · Seite 14: Opernball: WienTourismus /

MAXUM; Strauss-Wohnung: Wien Museum / Hertha Hurnaus; Fête Impériale: Spanische Hofreitschule / Andreas Tischler · Seite 15: Tanzpaar (alle 4 Bilder): WienTourismus / Peter Rigaud; Life Ball: www.wulz.cc; Frack: Knize · Seite 16: Belvedere: Franz West (Endlich zwei gute Skulpturen, 2002; Dauerleihgabe Ernst

Ploil): Belvedere / Ian Ehm; Winterpalais: Bundesministerium für Finanzen / Elisabeth Kessler; KÖR (Franz Graf, SUED, Detailansicht): Iris Ranzinger · Seite 17: TBA 21 Installation view: Sharon Lockhart | Noa Eshkol, Thyssen-Bornemisza Art Contemporary – Augarten, 2012; Photo: Jens Ziehe / TBA21, 2012; Viennafair

(Fair View VIENNAFAIR 2012): VIENNAFAIR / Alexander Muraschkin; ÖBB (Hauptbahnhof Wien): ÖBB / Roman Bönsch; OstLicht / Marco Pauer; WU: boanet.at · Seite 18: Donaukanal: Österreich Werbung / Volker Preusser; Popfest: Simon Brugner / theyshootmusic.com; Babenbergerpassage: WienTourismus / Bryan

Duffy · Seite 19: On-Market: Philipp Horak; Puff: David Auner; Gschwandner: Carl Anders Nilsson; Gschwandner: Familienarchiv Ulrike Stadler · Seite 20: Petar Petrov: Christoph Pirnbacher; Hartmann Nordenholz: Hartmann Nordenholz; Superated: superated / slina de beauclair (Model: kira / tempo models, Location:

Hotel Altstadt); Brandmair: Gregor Ecker (Make-up: Wolfgang Lindenhofer, Model: Helena Severin@Wiener Models); Ute Ploier: Maria Ziegelböck; Niedersüß: 2007 Stefan Scholz Photographer · Seite 21: Park: Park; Stilrad: Stilrad; Song: Song; Saint Charles: Ruth Ehrmann; Augarten: Augarten / Lukas Gansterer · Seite 22:

Musikverein: WienTourismus / Manfred Horvath · Seite 23: Haus der Musik: Haus der Musik / Inge Prader; ImPulsTanz: Akram Khan Company „iTMOi“ / Jean-Louis Fernandez; Marathon: WienTourismus / Peter Koller; Donauinselfest: WienTourismus / Karl Thomas; Eistraum: WienTourismus / Günther Ezsöl; Konzerthaus:

Herbert Schwingenschlögl; Sommernachtskonzert der Philharmoniker: Wiener Philharmoniker / Richard Schuster; MuTh: Lukas Beck; Ostermarkt: WienTourismus / Karl Thomas; Vienna Design Week: kollektiv fischka / VIENNA DESIGN WEEK; Wiesn Fest: APA / Langegger; Mamma Mia: VBW / Littlestar; Weihnachtsmarkt:

WienTourismus / Günther Ezsöl; MAK: WienTourismus / Lois Lammerhuber; Pop-up: Rainer Fehringer

EU Ecolabel: AT/28/002


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In der Wiener Staatsoper gibt sich die

Hautevolee der internationalen Gesangskunst

die Klinke in die Hand.

2014 mit dabei: Anna Netrebko, Edita

Gruberová, Plácido Domingo und

Erwin Schrott. Weitere Hotspots der

Musikmetropole glänzten als Kulisse

für den neuen Niccolò-Paganini-

Film – bestätigt Geigenvirtuose David

Garrett im Interview.

Elysium

für OPERNliebhaber

Der Tiergarten Schönbrunn ist der älteste

Zoo der Welt. Und das ist nicht

sein einziger Rekord. So löste in den

letzten Jahren der Babyboom bei den

Pandas einen regelrechten Besucheransturm

aus. Auch andere tierische

Bewohner der Stadt wie die Haie im

Haus des Meeres oder die Falter im

Schmetterlinghaus locken mit ungewöhnlichen

Ein- und Ansichten.

Tierische

Wiener

In Wien sind regionale Produkte

buchstäblich in aller Munde. Kein

Wunder: Die hiesigen Landwirte produzieren

außer Obst, Gemüse und

jede Menge Wein auch Spezialitäten

wie Weinbergschnecken und Zitrusfrüchte.

Delikatessen, die nicht nur in

den Spitzenrestaurants der Stadt serviert

werden, sondern schon längst

zum Exportschlager avanciert sind.

Kulinarik

aus den

Gärten Wiens

Die Wiener Altstadt ist eine Goldgrube

für Luxus-Liebhaber, die hier, umgeben

von Prachtbauten, die Shops

internationaler Spitzen-Designer frequentieren.

Und weil es nicht immer

gleich Gold sein muss, gibt‘s ein paar

Tipps zu exquisiten und einzig artigen

Wiener „Mitbringseln“ sowie zu exklusiven

Führungen durch Wiens

Top-Sehenswürdigkeiten.

Wien de luxe

Wien, sagt man, ist um einige Kaffeehäuser

herum gebaut. Tatsächlich

findet sich hier an fast jeder Ecke ein

Café. Und keines gleicht dem anderen.

Dennoch haben sich einige Typen herausgebildet

– vom Traditions café bis

zu den mitunter schrillen, modernen

Vertretern des Kaffeehauses. Da ist für

jeden etwas dabei.

Wiener

Kaffeehaus-

Typologie

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Feiern auf

Wienerisch

Seit dem Wiener Kongress vor

200 Jahren feiern die Wiener im Walzertakt

– auf ihren Bällen. Und alle

Welt tanzt mit. Heute beleben u. a.

das Aids-Charity-Event Life Ball und

die Fête Impériale die Ballszene mit

neuen Impulsen. Ball-Tipps, die richtigen

Walzerschritte und eine Liste

der Wiener Top-Bälle sorgen für unbeschwertes

Tanzvergnügen.

Contemporary

Wien

In Wien hat sich eine bedeutende

zeitgenössische Kunstszene entwickelt.

Sie präsentiert sich in Museen

und Galerien, in der U-Bahn und in

der Architektur – z.B. auf dem neuen

Campus der Wirtschaftsuniversität.

Doch auch in barockem Ambiente

wird aktuelle Kunst ausgestellt, etwa

im renovierten Winterpalais von

Prinz Eugen.

Nachtschwärmereien

Wiens Clubszene blüht. Und das auf

bestem Nährboden aus feiner Musik

von Electronic bis Pop. Die ist auf

Open-Air-Festivals ebenso präsent

wie in den Tanztempeln. Noch mehr

Gründe zum Ausgehen hält manch

junge Wiener Lokalmeile bereit.

Ebenso wie das wiedereröffnete

historische Vorstadt-Etablissement

Gschwandner mit seinen Events.

Wien in Mode

Engagement, Leidenschaft und

Knowhow – damit haben Wiens

Designer sich selbst internationales

Renommee und ihren Kollektionen

weltweite Aufmerksamkeit beschert.

Die alteingesessenen Maßateliers stehen

diesen kreativen Höhenflügen

ebenso wenig nach wie die hiesigen

Parfümeure und die Betreiber heimischer

Concept Stores.

Über Wien

informieren

Wo Sie finden, was Ihren Wien-Aufenthalt

noch einfacher macht, erfahren

Sie hier – vom Hotelbuchungs-

Service über Tourist-Info und WLAN

bis zur Wien-Karte. Dazu gibt‘s ein

paar Tipps zu noch mehr Wien-Highlights.


Die Wiener Staatsoper zählt

zu den ersten Opernadressen

der Welt.

Elysium für

Opernliebhaber

Anna Netrebko, Angela Gheorghiu, Edita Gruberová, Rolando

Villazón, Plácido Domingo, Erwin Schrott: Das sind nur

einige jener Opernstars, die 2014 an der Wiener Staatsoper

zu erleben sind.

Operndirektor Dominique Meyer ist stolz auf die weltweite

Top-Position der Wiener Staatsoper: Kein anderes Opernhaus

kann behaupten, dass alle wichtigen Sänger regelmäßig dort

auftreten. Zu der Traum-Auslastung von 99,19 Prozent tragen

natürlich die Künstler als Publikumsmagnete bei. Die Wiener

Staatsoper ist aber auch das Haus mit dem größten Repertoire:

Die Spielzeit geht von September bis Juni und bietet über

300 Vorstellungen von mehr als 60 verschiedenen Opern- und

Ballettwerken. Letztere tanzt das Wiener Staatsballett, ein

Ensemble von Weltruf. Eine unverwechselbare künstlerische

Säule ist das 150-köpfige Staatsopernorchester, dessen Musiker

in Personalunion den Klangkörper der Wiener Philharmoniker

bilden – ein Qualitätszeugnis.

Die Inszenierungen sind eine Mischung, ein Kaleidoskop aus

50 Jahren Operngeschichte. Sie spiegeln eine bunte Opernwelt

wider, in der jeder Besucher sein Ideal findet, von zeitgenössischer

Regie bis zu bewährten Klassikern.

„Es war sehr schön …“

Dabei liegt den heutigen Erfolgen ein Anfang voll Zweifel und

Skandal zugrunde. Die beiden Wiener Architekten August

Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll errichteten vor

rund 150 Jahren dieses erste öffentliche Gebäude an der neuen

Ringstraße, doch schon in der Bauphase handelten sie sich beißende

Kritik der Presse, der Bevölkerung und angeblich auch

des Kaisers ein. Es waren Spottverse in Umlauf über die Verwendung

verschiedener Baustile, und durch die nachträgliche

Anhebung des Ringstraßenniveaus schien die Oper einen Meter

zu tief im Boden zu stecken – unter den fantasievollen Vergleichen

war „versunkene Kiste“ noch eine der charmanteren.

Die beiden Architekten sollten die Eröffnung „ihres“ Opernhauses

am 25. Mai 1869 mit Mozarts Don Giovanni in Anwesenheit

des Kaiserpaares Franz Joseph und Elisabeth nicht erleben: Der

sensible (bereits schwer kranke) van der Nüll beging Selbstmord,

sein Freund Sicardsburg erlag wenig später einem Schlaganfall.

Angeblich nahm sich der Kaiser van der Nülls Freitod so zu

Herzen, dass er von da an stets dasselbe höfliche Urteil abgab:

„Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“.

Oper für alle

Zurück in die Gegenwart, in der das Staatsopern-Team heftig

daran arbeitet, dass es „alle sehr freut“. Beispielsweise gibt es

im April, Mai, Juni und September „Oper live am Platz“, wenn

rund 20 Aufführungen pro Monat live auf den Platz neben die

Oper auf eine riesige Leinwand übertragen werden: Operngenuss

im Freien zum Nulltarif.

Die Wiener Staatsoper kann sich auf ihre Fahnen heften, mit

ihrem Kinderprogramm die nächste Generation zu Opernliebhabern

zu machen, sei es an der eigenen Spielstätte im Kinderopernzelt

am Dach oder bei Kindervorstellungen im Zuschauerraum.

Besonders günstig (ab drei Euro) und zugleich ein sehr „wienerisches“

Erlebnis ist ein Vorstellungsbesuch am Stehplatz,

Durchhaltevermögen vorausgesetzt. Hier trifft man eine verschworene

Stammpublikum-Clique, bestehend aus – im besten

Sinn – Opern-Freaks, die wegen ihrer Kritik gefürchtet sind. Sie

äußern nämlich sowohl ihre Zustimmung als auch ihr Missfallen

sehr lautstark.

Wer keinen der 1709 Sitz- und 567 Stehplätze ergattert, hat

Alternativen, denn nicht nur während der Vorstellungen ist

die Wiener Staatsoper sehenswert: Führungen rücken das

Architektur juwel ins rechte Licht und ein eigenes Museum

neben an widmet sich der Operngeschichte. Am 27. Februar

2014 verwandelt sich das Haus beim 58. Wiener Opernball in

einen großen Ballsaal. In dieser Nacht wird gelacht, getanzt und

gefeiert – eine der zahlreichen Facetten des Hauses.

Erwin Schrott über Wien

Der Bassbariton aus Uruguay präsentiert 2014 an der Wiener Staatsoper sein Solokonzert „Rojotango“ (5.2.). In Donizettis

„L’elisir d’amore“ verkörpert er den Doktor Dulcamara (3., 6., 9.3.), in Gounods „Faust“ steht er gemeinsam mit Anna

Netrebko auf der Bühne (2., 5., 10.5.). Schrott auf die Frage, was ihn an Wien fasziniert:

Oper live am Platz: Übertragungen ins Freie

Wien ist eine ruhige Stadt, aber nicht im

negativen Sinne, ganz im Gegenteil: Sie ist

groß genug, aber nicht zu groß, sie ist voller

Geschichte, doch gleichzeitig in der Gegenwart

verankert. Sie liegt mitten in Europa und überblickt

von einer privilegierten Lage die westliche und die

östliche Seite und übernimmt das Beste beider

europäischen Lebensweisen, ein wenig wie ein

Magnet, der den europäischen Zeitgeist in sich

auflädt – das ist ziemlich beeindruckend. Es ist

ein einladender Ort, ob man nun hier dauerhaft

wohnt oder die Stadt bloß sporadisch besucht.

Ich mag besonders die Kultur, die Vielzahl

an erstaunlichen Museen – über alles liebe

ich das MuseumsQuartier, freilich, und das

Kunsthistorische Museum mit der Kunstkammer,

die Albertina, die Kunsthalle Wien, das

Mozarthaus, das ZOOM Kindermuseum und

auch das Architekturzentrum Wien, um nur

einige zu nennen. Und natürlich schätze ich

die große Achtung, die in Wien der Musik

entgegengebracht wird. Ich persönlich

fühle mich daheim, wenn ich an der Wiener

Staatsoper arbeite, da ich dort jeden kenne. Ich

kenne ihre Hingabe und Leidenschaft zur Musik,

die meiner eigenen entspricht.“


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Musik-Hotspot

Rathausplatz

Hier spielt die Musik: am Wiener Rathausplatz. Ein dichter Open-Air-Veranstaltungsreigen

erstreckt sich über das Jahr – und ist gratis zugänglich.

Die Lage des Rathausplatzes ist fantastisch: Mitten in Wien, vor der beeindruckenden Kulisse

des neugotischen Rathauses, umgeben vom Grün des Rathausparks und angrenzend an die

Ringstraße, mit dem Burgtheater vis-à-vis.

Im Frühjahr hat hier die Eröffnung der Wiener Festwochen Tradition. Zigtausende feiern

2014 am 9. Mai am Rathausplatz ein Fest mit Top-Musikern.

600.000 Besucher bringt das Musikfilm-Festival im Juli und August auf den Rathausplatz.

Jeden Abend treffen sich Musikliebhaber zum Film-Schauen, von Oper bis zu Klassik-, Jazz-,

Pop- und Rock-Konzerten. Genießer konzentrieren sich auf die kulinarischen Köstlichkeiten.

Mittags treten hier Live-Bands beim sonntäglichen Jazz-Frühschoppen auf. Und das Jazz

Fest Wien (25.6.–9.7.2014) nützt die Bühne vor der Filmleinwand für einige Auftritte internationaler

Newcomer.

Im September findet die große Party Vienna Summer Break mit jeder Menge Live-Acts und

DJs statt: Der Rathausplatz ist Schauplatz des Streetfestivals.

Beim Silvesterpfad gibt es hier Partystimmung mit Walzer und Wienerlied, und am 1. Jänner

werden das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker aus dem Musikverein und Strauss’

„Fledermaus“ aus der Wiener Staatsoper live übertragen.

David Garrett als Niccoló Paganini in „Der Teufelsgeiger“.

Garrett: „Wien ist

wunderbar“

Geigenvirtuose David Garrett begeistert seine Fans mit Klassik und

Crossover. Er ist nun auch Kinostar: Als Niccolò Paganini im Film „Der

Teufelsgeiger“ (Premiere am 28.10.2013 in Wien).

Gedreht wurde unter anderem in der Wiener Hofburg, im Schönbrunner

Schlosstheater, im Theater an der Wien und am Zentralfriedhof. Garrett im

Interview über seinen Ausflug ins Filmgenre:

Im Sommer wird der Rathausplatz beim

Musikfilm-Festival zum Szenetreffpunkt.

Opern

Der Rathauspark lädt ein zum Flanieren.

Neben dem Flaggschiff Wiener Staatsoper und der

mit Oper, Operette, Musical und Ballett vielfältig

bespielten Volksoper Wien tut sich das Theater an der

Wien als jüngstes Wiener Opernhaus hervor: Es bietet

spannende Premieren im Monatsrhythmus von Barock

über Mozart bis zu Zeitgenössischem. – Auch während

der sonst üblichen Sommerpause gibt’s Operngenuss, im

Juli 2014 Verdis „La Traviata“ mit Marlis Petersen und Arturo

Chacon Cruz.

TIPP

Wie haben Sie die Stadt Wien bei den Dreharbeiten zu „Der Teufelsgeiger“

wahrgenommen?

Wien ist eine wunderbare Stadt, voller Geschichte, vor allem Musikgeschichte,

das entdeckt man in jedem Winkel. Als Paganini vor fast 200 Jahren in die

Stadt kam, war Wien das kulturelle Zentrum der kaiserlich-königlichen Monarchie.

Diese besondere Atmosphäre ist auch heute noch stark zu spüren.

Was hat Sie an Wien besonders

beeindruckt, das vielleicht nirgendwo

sonst zu finden ist?

Die Architektur von Wien ist

einzigartig, so etwas findet

man in keiner anderen Stadt.

Aber Wien hat auch vom

Lifestyle her einen ganz individuellen

Charme, den ich sonst

so noch nicht erlebt habe: Man

findet hier die interessantesten

und aktuellsten Trends genauso wie Kaffeehäuser, in denen man eine

Zeitreise in vergangene Jahrhunderte unternehmen kann. Diese Mischung ist

spannend.

Welche Bedeutung kommt den Wien-Sequenzen im Paganini-Film zu?

Wien als Drehort ist einmalig. Vieles, was man an anderen Orten aufwändig

nachbauen müsste, liegt hier buchstäblich „auf der Straße“, dafür gibt es

eigentlich keinen Vergleich.

Hat Wien schon einmal eine besondere Rolle in Ihrem Leben gespielt?

Ich verbinde mit Wien viele tolle Konzerterlebnisse. Ich habe hier wunderbare

Konzerte besucht und selbst gegeben. Das Wiener Publikum ist mit sehr

viel Herzblut dabei, und man spürt hier eine außergewöhnliche Begeisterung

für die Musik.

Das gesamte Interview mit David Garrett finden Sie in der iPad-Version des

Wien-Journals.

Text: Susanna Burger


Die Pandas zählen zu den

Publikumslieblingen des Tiergartens.

Nachwuchs in Schönbrunn ist immer

eine Sensation.

Tierische

Wiener

Mit Rekorden kennt sich der Tiergarten Schönbrunn aus: Seit über 260 Jahren gibt

es den ältesten noch bestehenden Zoo der Welt. Und was die Tierbabys betrifft,

blickt mittlerweile die ganze Welt auf Wien: Die Zuchterfolge bei Pandabären, Elefanten

und Co. sind unerreicht.

2007 passierte es das erste Mal, 2010 wieder, und 2013 bereits zum dritten Mal: Zuerst

kam Fu Long, dann Fu Hu und jetzt erneut ein Pandababy. Die Geburt der drei

Kleinen war eine Sensation. Keinem anderen Zoo in Europa ist es jemals geglückt,

die stark vom Aussterben bedrohten Bären auf natürlichem Wege zu züchten. In

Wien allerdings stimmt die Chemie. Und auch bei den Elefanten gibt es Nachwuchs

zu bewundern.

Der Babyboom im Zoo sorgt für eine traumhafte Bilanz: Mit 2,2 Millionen Besuchern

im Jahr 2012 ist der Tiergarten im Schlosspark von Schönbrunn eine der wichtigsten

Sehenswürdigkeiten Wiens. 1752 hat Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen, der umtriebige

Gatte Maria Theresias, den Grundstein für den heutigen Zoo gelegt. 1770 zog

der erste Elefant ein, 1828 sorgt die erste Giraffe für helle Aufregung in Wien. Noch

heute ist der ursprüngliche Charme der imperialen Bauten erhalten. – Nur eines der

Erfolgsgeheimnisse, so Direktorin Dagmar Schratter im Interview: „Gerade für Touristen

ist die ‚imperiale Komponente‘ ein wichtiger Faktor, den Tiergarten zu besuchen.

Das Zusammenspiel des barocken Ambientes mit zeitgemäßer Tierhaltung macht den

besonderen Charme unseres Zoos aus. Diese Tatsache macht ihn einzigartig, denn keiner

kann das kopieren.“

Neue Eisbärenanlage

Seit Schratters Vorgänger, Helmut Pechlaner, 1992 die Zoodirektion übernahm, wird

umgebaut und modernisiert. – Und dieser Bauboom hält bis heute an: Im Mai 2014

wird das neue Zuhause für die Eisbären eröffnet, das „Franz Josef Land“. Elf Millionen

Euro wurden investiert. Die Außenanlage ist 1.700 m² groß. Erstmals werden die Besucher

die Eisbären auch unter Wasser beobachten können. Vom neuen Polardom, der

in „kühler Atmosphäre“ Informationen zu Arktis und Antarktis liefert, hat man den

besten Blick auf die beiden weißen Bären, die ab Mai hier wohnen.

Doch der Tiergarten hat noch viel mehr als weiße oder schwarz-weiße Bären zu bieten.

Genauer gesagt, mehr als 8.000 Tiere aus mehr als 600 Arten. Bereits drei Mal wurde

der Tiergarten Schönbrunn zum besten Zoo Europas gewählt. Und daran wird sich

auch in Zukunft wenig ändern, denn das nächste Großprojekt steht schon in den Startlöchern:

Die Giraffenanlage muss umgebaut werden.

Auf Schratters Wunschzettel ganz oben steht auch noch eine weitere Baby-Premiere:

„Erfreulich wäre Nachwuchs bei unseren beiden Panzernashörnern Sundari und

Jange. Wir sind auch sehr bemüht, den beiden die besten Voraussetzungen dafür zu

schaffen.“ Wer wahrscheinlich nicht mehr für Nachkommen sorgen wird, ist die Seychellen-Riesenschildkröte

„Schurli“. Der alte Knabe hat nämlich mittlerweile mehr als

100 Jahre auf dem Buckel und ist das älteste Tier im Zoo.

Heißer Wüstensand

(Noch) ein Geheimtipp ist das frisch renovierte Wüstenhaus neben dem Tiergarten Schönbrunn, vis-à-vis

vom Palmenhaus: Auf rund 2.000 m² erwarten die Besucher Rötliche Saugbarben, auch als „Knabberfische“

bekannt, Große Wüstenspringmäuse, Zagrosmolche, Schwarzschwanzklapperschlangen und

Nacktmulle. Letztere sind zwar ausgesprochen hässlich, haben aber ein ausgeprägtes Sozialleben, das sich

in ihrem neuen 70 Meter langen Glasröhrenlabyrinth bestens beobachten lässt.

Auch Elefantenbabys sind Publikumsmagneten. Die Nachzucht in

Wien funktioniert hervorragend.

Vom ehemaligen kaiserlichen Frühstückspavillon aus lassen sich

die Schönbrunner Tiere bestens beobachten.

Museums

TIPP

Wenn im Tiergarten Schönbrunn

ein Tier das Zeitliche segnet, kann

es durchaus sein, dass es kurze Zeit

später im Naturhistorischen Museum

wieder auftaucht. Dort ist der eine

oder andere frühere Zoobewohner dann

(ausgestopft) zu bewundern.


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Im größten Aquarium Österreichs tummeln sich Haie

und die Meeresschildkröte „Puppi“.

Sattes Grün

Haie mit Ausblick

Wie man mehr als 10.000 Tiere auf 48 Metern Höhe unterbringt, zeigt das Haus des Meeres in Wien.

Der riesige Betonbau mitten im 6. Bezirk, unweit der Mariahilfer Straße, hat sich zu einem echten Besuchermagneten

entwickelt: Knapp 440.000 kommen jährlich ins Haus des Meeres. Und jetzt werden es bestimmt

noch mehr. Denn seit kurzem drehen die Hammerhaie im neu errichteten 150.000-Liter-Becken im 10. Stock

des ehemaligen Flakturms ihre Runden. Und im Herbst wurde ein Café samt Aussichtsterrasse im 11. Stock,

am Dach des Hauses, eröffnet. Der Rundumblick auf Wien von dort oben ist atemberaubend und nur schwer

zu übertreffen.

Doch auch auf den Stockwerken darunter hat das Haus des Meeres einiges zu bieten. Unter anderem das

größte Aquarium Österreichs: Schwarz- und Weißspitzenhaie, Bambushaie und die Meeresschildkröte

„Puppi“ tummeln sich in dem 300.000-Liter-Tank, der sich über zwei Etagen erstreckt. Tropenhaus und

Krokipark beherbergen Krokodile, frei fliegende Vögel und herumlaufende Äffchen, die aus nächster Nähe

beobachtet werden können. Eine Tropfsteinhöhlen-Grotte zeigt nachtaktive Tiere. Ein Tiefseeaquarium mit

japanischen Riesen-Seespinnen und ein Korallenriffbecken sind weitere Highlights. Darüber hinaus begeistern

Seepferdchen, Piranhas, Krabben, Schlangen, Chamäleons, Leguane, aber auch heimische Fischarten

Jung und Alt. Auch in der Nachzucht bedrohter Tiere ist das Haus des Meeres federführend: 2012 wurden

Vielschuppige Grundkärpflinge, die seltensten Fische der Welt, vermehrt. – Das Haus des Meeres ist eine

Oase in ungewöhnlicher Umgebung. Denn der Flakturm ist ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg, dessen

Geschichte auch in einer Dauerausstellung thematisiert wird.

Die beiden Orte könnten unterschiedlicher nicht sein, aber beide sind besonders

„grüne“ Naturjuwele in Wien: der Lainzer Tiergarten und das Schmetterlinghaus

im Burggarten.

Der Lainzer Tiergarten im Westen Wiens lädt auf 2.500 Hektar Wald und Wiesen zum

Wandern ein. Dabei begegnen den Besuchern Wildschweine, Rehe, Auerochsen,

Spechte, Salamander und Fledermäuse. Und inmitten des ehemaligen Jagdreviers

des Kaiserhauses steht die wunderschöne Hermesvilla, die Kaiser Franz Joseph für

Kaiserin Elisabeth erbauen ließ.

In einem historischen Bau in der Innenstadt geht es exotischer zu: Das 1901–1906 im

Jugend stil erbaute Schmetterlinghaus im Burggarten beherbergt hunderte Schmetterlinge,

die in dem tropischen Miniatur-Regenwald bei 26 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit

herumflattern. Hier fühlt sich auch der riesige, bunte Atlasfalter mit einer

Flügelspannweite von bis zu 30 cm (!) wohl.

Der Lainzer Tiergarten beherbergt imposante Hirsche und viele

weitere heimische Tierarten.

Im Schmetterlinghaus im

Burggarten sind hunderte

Schmetterlinge zu bewundern.

Die Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule sind weltberühmt.

Zum Wiehern

Die Spanische Hofreitschule ist die einzige Institution der Welt, die die klassische

Reitkunst in der Renaissance-Tradition der „Hohen Schule“ seit über 440 Jahren

pflegt. Die wunderschönen Lipizzaner sind die älteste Kulturpferderasse der Welt und

zeigen in der Spanischen Hofreitschule in Wien ihr Können. Zwar nicht von Lipizzanern

gezogen, dafür sehr gemütlich sind die Wiener Fiaker. Von einer der Kutschen

aus lassen sich Wiens Sehenswürdigkeiten am besten genießen.

Text: Robert Seydel


Andreas Gugumuck züchtet auf seinem Hof

die Wiener Weinbergschnecken.

KulinariK

aus den

Gärten

Wiens

Wiener Landwirte produzieren neben heimischem Obst und Gemüse auch kulinarische

Besonderheiten – von der Weinbergschnecke bis zu exotischen Zitrusfrüchten. In Wiens Spitzenrestaurants

gibt es diese Spezialitäten zu verkosten.

Pomeranze, Kumquat, Buddhas Hand und Kaiserzitrone – sie alle und noch viele andere Zitrusfrüchte

wachsen in der Zitrus sammlung von Schloss Schönbrunn. Rund 100 Sorten, darunter etwa

40 historische, macht die wertvolle Sammlung in der Orangerie Schönbrunn aus. Die Pflanzen

können während der jährlichen Zitrustage im Mai besichtigt werden. Wer die seltenen Früchte

verkosten möchte, hat das ganze Jahr über die Gelegenheit dazu. Einige Spitzenköche der Stadt –

wie Christian Domschitz vom Vestibül oder Heinz Reitbauer vom Restaurant Steirereck – setzen

die Zitrusfrüchte auf die Speisekarte. „Die Orangerie von Schloss Schönbrunn mit ihren mehr als

100 verschiedenen Zitrus varietäten, die seit der Kaiserzeit gezüchtet, gepflegt und für die Wiener

Köche kulinarisch nutzbar sind, ist sowohl ein historisches wie auch ein gelungenes Beispiel für

gelebte Wiener Kulinarik und Gastfreundschaft“, so Heinz Reitbauer jun. vom Steirereck, 2013

das neuntbeste Restaurant in der Liste der „World’s 50 Best Restaurants“ und mit zwei Michelin-

Sternen ausgezeichnet.

Regionale Produkte

Reitbauer legt viel Wert auf Regionalität und kocht bevorzugt mit saisonalen Produkten aus Wiens

Gärtnereien und deren Umgebung: „In den Wiener Gärten werden viele Produkte und kulinarische

Besonderheiten in außergewöhnlicher Qualität angebaut, die wir in unserer Steirereck-Küche besonders

schätzen.“ Der Spitzenkoch bezieht Artischocken aus dem Marchfeld bei Wien, Feigen holt

er vom malerischen Wiener Feigenhof, wo 25 verschiedene Feigensorten gezogen werden. Seine

Lieferanten und Produzenten kennt Reitbauer persönlich. So auch die Wiener Gärtnerei Bach, die

Gemüse in großer Vielfalt produziert. Neben dem Steirereck beliefert die Gärtnerei auch die Restaurants

Walter Bauer und Artner. Das Restaurant Mraz & Sohn holt sich hier die „Riesen von Aspern“,

„Buddhas Hand“ ist eine

der seltenen Zitrusfrüchte

aus der Sammlung in der

Orangerie Schönbrunn.

Die Zitrussammlung der Orangerie Schönbrunn kann während der jährlichen Zitrustagen besichtigt werden.

Wiener Zitrustage in der Orangerie Schönbrunn: 16.–18. Mai 2014

• Schneckenwochen zur Fastenzeit: März 2014

• Genussfestival im Wiener Stadtpark: 9.–11. Mai 2014

• Schneckenfestival: September 2014


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9

Ein Imker bei der Arbeit auf

dem Dach des Hotels Daniel.

Staud’s produziert heimisches Obst und Gemüse zum Mitnehmen.

Delikatessen

eine alte und von der Slow-Food-Organisation ausgezeichnete

Radieschensorte. Für das auf Wildkräuterküche spezialisierte

Restaurant Freyenstein werden in der Gärtnerei Bach sogar eigene

Kräuter gezogen.

Wiener Weinbergschnecke

Auch Andreas Gugumuck beliefert die Wiener Spitzengastronomie

– und zwar mit seinen regional gezüchteten Weinbergschnecken.

Dafür hat er den 400 Jahre alten Bauernhof seiner

Familie im Süden Wiens in eine Schneckenfarm umgewandelt.

Die Schnecken leben dort in Freilandhaltung und ernähren

sich von biologisch angebauten Pflanzen und Kräutern.

Gugumuck produziert auch die Delikatessen Schnecken kaviar

und Schnecken leber. Schneckenzucht hat in Wien übrigens

eine lange Tradition und reicht bis ins Mittelalter zurück.

Hinter der Peterskirche gab es sogar einen eigenen Schneckenmarkt.

Heute stehen die Wiener Weinbergschnecken wieder

auf etlichen Speise karten – etwa in den Restaurants Le Loft,

Vestibül, At Eight oder Beaulieu im Palais Ferstel. Während des

jährlichen Schneckenfestivals im September und während der

Schnecken wochen zur Fastenzeit gibt es die Spezialität in besonders

vielen Restaurants zu verkosten. Für seine innovative

Tätigkeit wurde Andreas Gugumuck 2012 vom EU-Parlament

zum besten Junglandwirt Europas gekürt.

Aus der Wildnis

Einer, der sich seine Zutaten teilweise sogar selbst von Wiens

Wäldern und Wiesen holt, ist der Pralinenkünstler Michael

Diewald. Für sein „Blühendes Konfekt“ experimentiert der

Aromaforscher mit selbst gesammelten Wildfrüchten, Wildkräutern

und Blüten und kombiniert diese mit Schokolade und

Marzipan. Aber auch die kostbaren Zitrusfrüchte aus Schönbrunn

verarbeitet Diewald in seinen Pralinen – etwa „Buddhas

Hand“ mit Chili in dunkler Schokolade.

Kulinarische Spezialitäten aus der Donaumetropole wecken

auch anderswo die Erinnerungen an Wien.

Heimisches Obst und Gemüse wandert direkt in die Gläser der

Firma Staud’s. In der kleinen Fabrik in Wien Ottakring werden

feinste Marmeladen und eingelegtes Gemüse produziert. Ein

saures Mitbringsel sind die Spitzenessige aus der Brauerei von

Erwin Gegenbauer. Rund 70 Sorten sind in seinem Geschäft am

Naschmarkt erhältlich. Guter Essig ist wie guter Wein. Auch den

hat Wien zu bieten: Der Gemischte Satz ist ein Weißwein aus unterschiedlichen

Rebsorten und seit Jahrhunderten eine Wiener

Spezialität. Ebenfalls eine regionale Delikatesse ist der Wiener

Gabelbissen. Dafür werden Gemüse, Eier, Fisch oder Wurst in

Mayonnaise gelegt und mit Gelee überzogen. Im Feinkostladen

Böhle gibt’s den Wiener Gabelbissen aus hauseigener Produktion,

im Supermarkt ganz klassisch von der Firma Wojnar.

Eine süße Spezialität ist Honig der Wiener Stadtbienen. Der berühmteste

Bienenstock befindet sich auf dem Dach der Staatsoper,

die Honigernte ist bei den Buffets der Staatsoper und dem

dortigen Souvenirshop erhältlich. Auch in den Hotels InterContinental,

Daniel, Vienna Marriott am Parkring und Imperial

Riding School Renaissance Vienna gibt es den schadstofffreien

Honig der hauseigenen Dachbienen zu kaufen. Manner-

Schnitten sind ebenso ein beliebtes süßes Souvenir. Die Nougat-Waffeln

in der rosa Verpackung dürfen als einzige Marke

den Stephansdom abbilden. Wien steht natürlich auch für die

Kaffee hauskultur. Aus der Rösterei des Cafés Hawelka stammen

die beiden Kaffeesorten „Josefine“ und „Leopold“, benannt

nach dem legendären Kaffeesieder-Ehepaar.

BAUERN

in der Stadt

Rund 230 Winzer bewirtschaften die

Wiener Weinberge.

Wien hat eine beachtliche Landwirtschaft zu bieten. Auf

17 Prozent der Gesamtfläche werden Lebensmittel angebaut.

Rund 700 Großstadtbauern gibt es in Wien. Sie produzieren vor

allem Gemüse, in Summe 61.000 Tonnen pro Jahr. Die Hauptsorten

sind Gurken, Tomaten, Paprika und Salat. Die Wiener

Obst- und Gemüsegärtner setzen auf eine naturnahe und schonende

Produktion. Die frische Ernte kommt auf direktem Weg

in die Supermärkte und zu den Wiener Märkten. Am Naschmarkt,

Karmelitermarkt, Kutschkermarkt, Yppenmarkt und

Rochusmarkt erledigen die Wiener ihre Einkäufe. Auch Wien-

Besucher gehen hier gerne einkaufen und genießen in den zahlreichen

Lokalen das Flair der Märkte. Denn die Wiener Märkte

sind nicht nur Nahversorger für die Bevölkerung, sondern auch

Treffpunkte für Feinschmecker.

Darüber hinaus ist Wien die einzige Metropole weltweit mit

nennenswertem Weinbau innerhalb der Stadtgrenzen. 700 Hektar

Weingärten prägen das Stadtbild und ihre Genusskultur. Auf

80 Prozent der Weinbaufläche werden Weißweine angebaut, vor

allem Grüner Veltliner, Riesling, Weißburgunder und der Gemischte

Satz – eine Wiener Spezialität, die sogar von Slow Food

ausgezeichnet wurde. Wiener Wein genießt man in zahlreichen

Lokalen in der Stadt oder beim Heurigen. Die gemütlichen

Heurigen-Lokale bieten Wein aus eigenem Anbau, kulinarische

Schmankerln und schöne Gastgärten.

Kulinarik

Spezielle Weinveranstaltungen laden das ganze Jahr

über zum Genießen ein: von der Winzertour im

April bis zum Weinwandertag im September. Ein Highlight

ist das internationale Weinfestival „VieVinum“ in

TIPP

der Hofburg (14.–16.6.2014).

Michael Diewald fertigt das „Blühende Konfekt“ aus Früchten,

Kräutern und Blüten von Wiens Wäldern und Wiesen.

Text: Susanne Kapeller


Das „Goldene Quartier“ ist eine Goldgrube für

Mode-Liebhaber, die sich gerne in Luxus kleiden.

In historischem Ambiente lässt es sich dort noch

schöner shoppen!

Wien

de luxe

Die Wiener Altstadt ist eine Goldgrube für Shoppinglieb haber,

die gerne in Luxus schwelgen. Dabei kann man auch noch

Wiens charmante Architektur genießen. Residieren doch

die internationalen Top-Designer in denkmalgeschütztem

Ambiente aus der Barock- bis Gründerzeit.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Doch im „Goldenen U“ oder

im „Goldenen Quartier“ kann man William Shakespeares Zitat

durchaus für bare Münze nehmen. Schließlich befinden sich

diese exklusiven Shoppingmeilen im Herzen von Wien, das

sich ob prachtvoller Architektur aus dem Mittelalter, Barock

und der Gründerzeit den Titel UNESCO-Weltkulturerbe gesichert

hat. Logo, dass sich in den altehrwürdigen Häusern immer

mehr Luxusmarken aus aller Welt heimisch fühlen. Mondäner

Chic trifft also auf Wiener Flair.

Elitäre Kultstätten

Während der Kaiserzeit waren in der Wiener Altstadt viele

k.u.k.-Hoflieferanten ansässig. Kaiserin Sisi flanierte deshalb

gerne heimlich von der Hofburg über den Kohlmarkt und Graben

bis zur Kärntner Straße und in diverse Seitengassen. Heute

nennt man diese Einkaufsstraßen gerne „Goldenes U“. Hochklassige

Designer-Fashionstores italienischer, französischer oder

Schweizer Herkunft befinden sich vorwiegend am Kohlmarkt:

Dolce & Gabbana, Gucci, Giorgio Armani, Ferragamo, Chanel,

Akris und schließlich noch Diesel mit einer High-Fashion-

Couture. Ein paar Gehminuten weiter am Graben hat Hermès

seinen Wiener Flagshipstore. Auf der gegenüber liegenden

Straßen seite, nahe dem Wiener Kult-Herrenschneider Knize,

kombiniert der Wiener Traditionskürschner Liska moderne

Pelzmodelle mit avancierter Designermode. „Zur Schwäbischen

Jungfrau“ am Graben 26 ist seit 1720 wohl die beste Wiener

Adresse für erlesene Tisch-, Bett- und Frotteewäsche. Aber

auch Preziosen brillieren im „Goldenen U“ – von hoch karätigen

Brands wie Tiffany & Co., Cartier oder Chopard und Wellendorf

bis zu den Wiener Luxus-Juwelieren Wagner, Bucherer

und Schullin. Historische und zeitgenössische Schmuckstücke,

Uhren und vieles mehr können im bereits seit über 300 Jahre

bestehenden Auktions haus Dorotheum erworben werden.

Feines Tuch

Seit Herbst 2012 sorgt das „Goldene Quartier“ für Aufregung

unter Fashionistas. Es liegt zwischen der Tuchlauben, die

die Verlängerung des extravaganten Kohlmarkts darstellt,

Bognergasse und Am Hof. In architektonisch wunderschön

adaptierten Gebäuden aus dem 17. Jahrhundert und Anfang des

20. Jahrhunderts lassen sich derzeit zahlreiche internationale

Luxus-Designerlabels wie Louis Vuitton (mit Europas zweitgrößtem

„Maison“), Prada (mit dem Wiener Flagshipstore), Miu

Miu, Saint Laurent, Emporio Armani, Etro, Roberto Cavalli,

Mulberry, Brioni sowie Brunello Cucinelli und viele mehr

nieder. Direkt auf der Tuchlauben, deren Name ins Mittelalter

zurückgeht, da hier Tuchhändler und Tuchschneider angesiedelt

waren, hat modischer Punk auf allerhöchstem Niveau das

Zepter in der Hand: Vivienne Westwood eröffnete hier 2012

ihren Wiener Flagshipstore, der sogar Couture-Maßmode wie

sonst nur im Londoner Stammhaus anbietet. Er befindet sich

übrigens in bester Gesellschaft, denn der famose Designer-

Lingerie-Laden Agent Provocateur ihres Sohnes Joseph Corré

liegt gleich nebenan. Hat es bloß den Anschein, dass das Who’s

who der Modewelt Wien liebt? Mitnichten.

Kultmode trifft Kunst: Graziler Punk à la Vivienne Westwood

im Kunsthistorischen Museum Wien anlässlich der Eröffnung

des Wiener Flagshipstores auf der Tuchlauben.

From Vienna with Love:

Solitär-Ringe mit Brillanten vom

Traditionsjuwelier Bucherer.

Seit 1720 wandern hier feinste Tisch-, Bett- und Frotteewäsche über den

historischen Ladentisch: „Zur Schwäbischen Jungfrau“ am Graben 26.

Text: Anneliese Ringhofer


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Die Leica M3D von LIFE-Fotograf

Duncan ging 2012 bei einer

WestLicht-Auktion um sagenhafte

1,68 Mio. Euro über den Tisch.

Exklusive

Entdeckungen

Es muss nicht

immer Gold sein ...

Modedesignerin Vivienne Westwood und Model-Ikone Kate

Moss begeisterten sich fürs „Kunsthistorische“, Tom Cruise

fürs Belvedere, Sharon Stone, Angelina Jolie und Brad Pitt für

die Albertina, Madonna und Yoko Ono fürs Leopold Museum:

Sie alle haben die Sammlungen bei exklusiven Führungen erlebt.

Ein Vorzug, den viele genießen können. Spezielle Angebote

zu „speziellen“ Preisen machen‘s möglich ...

Die Patina eines Vierteljahrtausends hat Leopold Mozarts Violine

geschwärzt. Manchmal holt ein Spitzenmusiker das wertvolle

Instrument aus seiner Vitrine. Dann erklingt eine Sonate

von Wolfgang A. Mozart, dem Sohn des einstigen Besitzers – vor

wenigen Zuhörern im Marmorsaal der Sammlung alter Musikinstrumente.

Und zwar außerhalb der üblichen Besuchszeiten.

Möglich wird dies durch das „Unique Experience“-Angebot,

bei dem man die Sammlungen des Kunsthistorischen Museums

Wien ungestört für sich entdecken kann.

Wer will, kann sich nachts vom Goldglanz der Kaiserkronen in

der Schatzkammer oder von Cellinis weltberühmter Saliera in

der Kunstkammer Wien bezaubern lassen. Manche stöbern mit

einem Kurator im Museumsdepot, blicken einer Restauratorin

über die Schulter oder verlieren sich frühmorgens in der Gemäldegalerie

zwischen Rembrandt und Bruegel. Auf Wunsch wird

nach solch individuellen Rundgängen ein Dinner in stilvollem

Ambiente serviert.

Schloss Schönbrunn bietet ebenfalls die Möglichkeit, imperiale

Pracht abseits der Besucherströme zu entdecken. Von den

1.441 Räumen der einstigen kaiserlichen Sommerresidenz sind

nur 40 öffentlich zugänglich. Und Schmuckstücke wie die

„Bergl-Zimmer“ überhaupt nur für Gruppen und nach Anmeldung.

In diesen Appartements von Maria Theresia hat in den

1770er-Jahren Johann Baptist Wenzel Bergl ein exotisches Kaleidoskop

gestaltet, Wandmalereien mit Palmen und Orchideen,

Pfauen und Flamingos. Auch die späteren Gemächer von Kronprinz

Rudolph nebenan, ebenso von Bergls Werkstatt dekoriert,

sind nur angemeldeten Besuchern vorbehalten.

Die Repräsentationsräume der Spanischen Hofreitschule erleben

ebenfalls nur Gäste, die eines der außergewöhnlichen Reitschul-Packages

buchen: Ein großformatiges, barockes Gemälde

des Pferdemalers George von Hamilton, altrosa gestreifte Seidentapeten,

Kristallluster und historistisches Mobiliar schaffen

hier eine exquisite Atmosphäre. Aperitif und Dinner gehören

zum Angebot, dazu eine Führung durch Stallungen, Sattelkammer

und durchs Dach der Winterreitschule. Höhepunkt des einzigartigen

Besuchs ist eine Vorführung des Pferdeballetts, dessen

Galopppirouetten und Kapriolen man aus der ehemaligen

Hofloge des Kaisers bestaunt.

... denn manch exquisites Wiener „Mitbringsel“ ist schon seiner

Einzigartigkeit wegen wertvoll.

So ist jeder Flügel der Wiener Traditionsmanufaktur Bösendorfer

ein Einzelstück (€ 60.000–250.000), das vom Holz bis zur

Klangfarbe nach Kundenwunsch handgearbeitet und weltweit

geliefert wird.

Ein Souvenir, das schon 1969 Queen Elisabeth erfreut hat, ist

die Nachbildung von Cellinis „Saliera“ aus dem Kunsthistorischen

Museum. Die Silberschmiede Jarosinski & Vaugoin fertigt

sie in verschiedenen Varianten, auch emailliert oder vergoldet

(€ 6.000–16.000).

Der exklusive, vielfach ausgezeichnete Weinkeller im Palais

Coburg gehört zu den besten der Welt und wartet mit absoluten

Raritäten auf – etwa mit einer Flasche Romanée-Conti aus 1934

(€ 34.000), einem der herausragendsten je gekelterten Pinot

Noirs.

WestLicht, der weltweit gediegenste Umschlagplatz für alte

Kameras, lockt zwei Mal jährlich mit rekordverdächtigen

Auktionen. Hier wechselte u.a. die Leica des LIFE-Fotografen

David Douglas Duncan um € 1,68 Mio. den Besitzer.

Auch die internationalen Auktionswochen im Dorotheum

bieten Kostbares – 2010 etwa ein Gemälde des Flamen Frans

Francken (1581–1642) um € 7,02 Mio. Wertvolles von Schiele

und Kokoschka ist bei Versteigerungen im Barock-Palais Kinsky

zu erwerben.

Jeder „Bösendorfer“ ein Unikat:

handgefertigt in der Manufaktur bei

Wien, frei Haus geliefert und vor Ort

nachgestimmt.

Nur für Gruppen nach Voranmeldung: die „Bergl-Zimmer“ im Schloss Schönbrunn –

exotisches Dekor, ergänzt von gemalten Ballustraden und Rokokovasen.

Text: Paul Daniel


Wiener Kaffeehaus-

Typologie

Einem charmanten Bonmot zufolge ist Wien „um einige Kafeehäuser herum gebaut“.

Tatsächlich begegnet man hier allerorten einem Café. Und die Gelegenheiten, sich in

eine dieser Oasen am Rande des Alltags zurückzuziehen, sind überaus vielfältig – wie

diese kleine Wiener Kaffeehaus-Typologie verdeutlicht.

Das RINGstraSSencafé

Für Fans von Retro-Design gilt das Café Prückel als eine der

ersten Adressen. Schließlich bietet seine Ausstattung alles, was

die „wilden 50er“ ausmacht – von der perforierten Leselampe

in Spitzkegelform bis zur nüchternen „Bahnhofsuhr“ über dem

Eingang. Geschaffen wurde dieses Interieur 1954 von Oswald

Haerdtl. Als Kontrapunkt zum „schwülstigen“ Ringstraßenstil,

in dem das Kaffeehaus 1903 gegründet wurde. Heute bietet das

Prückel neben Design-Erlebnissen und kulinarischen Hochgenüssen

auch drei Mal die Woche Live-Musik vom Piano sowie

in der Souterrain-Bühne Konzerte, Poetry-Slams und Kino.

1., Stubenring 24 / Luegerplatz

Tradition,

bestens erhalten

Wenn am Sonntagnachmittag der Piano-Spieler Beschwingtes zum Besten gibt,

ist das Café Sperl zum Bersten voll. Besser, man genießt das Original-Ambiente

der Wiener „Gründerzeit“ aus 1880 wochentags: Riesenfenster, Holzvertäfelung,

Logen-Bezüge mit dem Backhausen-Muster von einst, typische Kaffeehausstühle,

Tische mit Marmorplatte, ausladende Luster, große Spiegel und

Billardtische. Unverfälschte Wiener Kaffeehauskultur, die das Sperl seit jeher

zum Anziehungspunkt für Künstler aller Genres und heute zur begehrten Film-

Location macht (u.a. für Cronenbergs Psychoanalyse-Drama „Eine dunkle Begierde“).

6., Gumpendorfer Straße 11

Das

Vorstadtcafé

Vorstadtcafés sind für die Wiener eine Art verlängertes Wohnzimmer.

Und passionierte Kaffeehaus-Besucher sind hier angeblich

lieber als daheim. Das Café Florianihof ist ein gediegenes

Beispiel für diesen Kaffeehaustyp: Mitten in der gutbürgerlichen

Josefstadt punktet es mit hellen Räumen, weißen Tischtüchern

im Speisebereich, einem entspannenden Schanigarten und einer

„kleinen“ Karte, die mehr kennt als die üblichen Kaffeehausgerichte:

Ziegenkäse-Ravioli etwa oder Truthahn-Krautfleisch.

Und das Gratis-WLAN sorgt für ein Nebeneinander von Surfern

und Zeitungslesern. 8., Florianigasse 45

Die Legende

Café Central – schon der Name weckt vielfältige Assoziationen

zur Wiener Kaffeehauskultur. Das ist bei Legenden so. Diese

hier nahm ihren Ursprung um 1900, als das Central zu „dem“

Künstlertreff seiner Zeit wurde: Hugo von Hofmannsthal und

Adolf Loos gingen hier ein und aus. Und der Literat Peter Altenberg

begrüßt heute noch als lebensgroße Skulptur die Gäste im

Neorenaissance-Ambiente des Palais’ Ferstel mit seinen Säulen

und Spitzbögen. Tägliche Klaviermusik (17–22 Uhr) verführt zu

nostalgischen Träumen und erhöht den Genuss der exzellenten

Patisserie. 1., Herrengasse / Strauchgasse


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Tradition, neu

interpretiert

„Die Essenz des Kaffeehaus-Charakters zu erfassen, um die Tradition

fortzusetzen und dennoch eine Umgebung zu schaffen,

die fürs 21. Jahrhundert relevant ist.“ Diesen Anspruch stellte

niemand Geringerer als der Londoner Design-Altmeister Sir

Terence Conran, als er 2006 das ehrwürdige Café Drechsler (gegründet

1919) am Naschmarkt neu gestaltete. Seither findet der

Connaisseur hier beides: die alten Thonetstühle und Marmortische

ebenso wie eine moderne Theke und stylische Sitzbänke.

Dass feiner Chillout-Sound, serviert von kundigen DJs, nicht

fehlen darf, ist für die hier dicht versammelte Wiener Szene

selbstverständlich. 6., Linke Wienzeile 22

Das

Konzertcafé

Allein schon die Gäste aus Künstlern und Publikum der nahen

Volksoper prädestinieren das Café Weimar zum Konzertcafé.

Dass versierte Kaffeehauspianisten täglich Wiener Musik, Operette

und Jazz-Standards zu Gehör bringen, ist da nur selbstverständlich.

Patron Max Platzer, Doyen der Wiener Kaffee sieder,

hat das um 1900 gegründete Café mit seinen gemütlichen Logen,

den Kristalllustern und großen Spiegeln bis heute im

historistischen Stil erhalten. Und zuletzt sogar um Weimar’s

Deli erweitert, das gleich nebenan Sekt und Snacks serviert.

9., Währinger Straße 68

Das

imperiale Café

Der Ort kann geschichtsträchtiger nicht sein: Mitten in der

Hofburg, wo sich einst die Schaltzentrale des Riesenreichs der

Habsburger befand, serviert man heute im stilvoll-gediegenen

Café Hofburg exzellente Wiener Kaffeespezialitäten. Etwa den Sisi

Kaffee (mit viel geschäumter Milch) und den Kaffee Maria Theresia

(Mokka im Glas mit Cointreau). Dazu gibt’s süße Köstlichkeiten

wie Kaiserschmarrn, Törtchen oder gebackene Topfentorte aus

der hauseigenen Konditorei. Genießer schwelgen hier auf der

großen Terrasse im Burghof oder sonntags bei Klaviermusik.

1., Hofburg / Innerer Burghof

Café & mehr

Kenner besuchen ein Café nicht bloß zum Kaffeetrinken – sondern,

um allerlei angenehmen „Nebentätigkeiten“ nachzugehen.

So übt man beispielsweise im „1. Wiener Philosophen-Café“ im

Café Korb das gemeinsame Nachdenken (1., Brandstätte 9); redet

bei den Vienna Coffeehouse Conversations über „Gott und die

Welt“; und genießt im Café Kahlenberg nach einem Abstecher

zum nahen Waldseilpark oder zur Stefaniewarte mit der Familie

die Aussicht (19., Am Kahlenberg). Die Autorenlesungen der

Kriminacht sind alljährlich im Herbst Höhepunkt hiesiger Kaffeehausliteratur.

Das Gay-Café

Auch, wenn das Café Savoy als Aushängeschild der Wiener Gayszene gilt:

Hier sind alle willkommen. Und einen Abstecher ist dieses schmucke Kaffeehauses

beim Naschmarkt immer wert. Allein schon der riesigen Wandspiegel

wegen: Sieht man von Versailles ab, so hängen hier die beiden größten

in einem Stück gefertigten Exemplare

Europas. Sie dominieren das Ambiente

dieses 6,50 m hohen Raums aus der späten

Ringstraßenära (1896/97). Ägyptische

Statuen, ein imposanter Kronleuchter,

viel Samt, Plüsch, Marmor und Gold

sorgen zusätzlich für Schauerlebnisse.

6., Linke Wienzeile 36

Das Café-

Restaurant

Als „Café-Restaurant“ bezeichnen sich viele Wiener Kaffee häuser,

schließlich bieten die meisten von ihnen auch kleine Speisen.

Das Café Markusplatz aber verbindet mit der Bezeichnung einen

exklusiven kulinarischen Anspruch – der sich in Gerichten wie

Kalbsherz-Carpaccio oder Jungstier-Wadl in Krensoße niederschlägt.

Solches wird ab 19 Uhr serviert, wenn sich das erstklassige

Altstadt-Café zur Gänze in ein Restaurant verwandelt. Bis

dahin bietet es Wiener Kaffeehaus pur: internationale Zeitungen,

delikaten Kaffee aus einer Veroneser Rösterei und feine Torten.

1., Tuchlauben 16

Text: Paul Daniel


Wenn die Debütantenpaare ihre

Balleröffnung abschließen, ist mit

dem Ausruf „Alles Walzer!“ das

Parkett für alle freigegeben.

Feiern auf Wienerisch

Nirgendwo anders wird Feiern so zelebriert wie auf den Wiener

Bällen – eine Tradition, die von kräftigen neuen Impulsen

belebt wird.

Der Anfang der Wiener Ballkultur liegt vor genau 200 Jahren,

als 1814/15 Europa beim Wiener Kongress neu geordnet wurde.

Man bemühte sich, den Aufenthalt der verhandelnden Gäste

mit Bällen und gesellschaftlichen Ereignissen angenehm zu gestalten.

Das geflügelte Wort lautete: „Der Kongress tanzt“. Ganz

Wien wiegte sich im Dreivierteltakt und wurde zur Walzermetropole.

Popstars von damals

In Sachen Tanzmusik erwartete das Publikum laufend neue

Walzer oder Polkas. Komponisten – zugleich die Dirigenten –

wie Joseph Lanner, Johann Strauss Vater und Sohn lieferten

Menge und Qualität. Johann Strauss sen. (1804–1849) verfasste

den „Radetzkymarsch“ und würde 2014 den 210. Geburtstag

feiern. Der Junior (1825–1899) ging als Walzerkönig in die

Geschichte ein, seine Tourneen führten ihn bis Russland und

Amerika. Seine beiden Brüder Josef und Eduard musizierten

ebenfalls.

Faszination Ball

Der zeremonielle Ablauf verleiht den heutigen eleganten Bällen

ihr Flair: Die Bekleidungsvorschriften sind streng, auf ganz

noblen Bällen gilt Frackzwang für die Herren und bodenlanges

Abendkleid als Muss für die Damen.

Bei der Ankunft erhält jede Besucherin die sogenannte Damenspende,

ein ausgewähltes Geschenk. Die Debütantenpaare „tanzen

den Ball ein“, die jungen Damen ganz in Weiß. Traditionell

fordern die Herren die Damen zum Tanz, mit Ausnahme

der „Damenwahl“. Der Herr geleitet seine Partnerin am Arm

zur Tanzfläche. Für die Musik sorgt live das Ballorchester, bei

manchen Bällen gibt es mehrere Ensembles, beispielsweise eine

Jazzband dazu. Das Welttanzprogramm sorgt für Abwechslung,

von den Standardtänzen Wiener Walzer, Langsamer Walzer,

Slowfox, Quickstep und Tango bis zu den Latein-Tänzen Samba,

Rumba, Cha-Cha-Cha, Paso Doble und Jive.

Die Mitternachtseinlage ist entweder eine Showeinlage oder

Mitternachtsquadrille. Wer Glück hat, gewinnt bei der Tombola

einen Preis – vom Zuckerbäckerball gehen die meisten mit einer

Torte heim. Hungrige bestellen in den frühen Morgenstunden

ein Gulasch, andere stärken sich nach dem Ball beim Würstelstand.

Fast märchenhafte Bälle finden an den

schönsten Wiener Orten statt: Allen

voran in der Wiener Hofburg, auch im

Wiener Rathaus, im Musikverein und

Konzerthaus. Und natürlich in der Wiener

Staatsoper, deren Opernball rund

drei Millionen TV-Zuseher weltweit erreicht.

Die dichteste Zeit der Ballsaison

ist übrigens von Silvester bis Ende des

Faschings, 2014 am 4. März. Dann findet

fast täglich mindestens ein Ball statt.

Bälle ganz anders

Nicht nur zeitlich aus dem Rahmen fällt der Life Ball im Wiener

Rathaus, ein schrilles Aids-Charity-Event im Zeichen von Solidarität

und Toleranz im Mai. Die Outfits sind klassisch oder fantasievoll,

der Life Ball-Style Bible entsprechend. 40.000 Zaungäste

verfolgen jedes Jahr die opulente Eröffnungsshow am

Rathausplatz mit Modenschau eines berühmten Designers und

Auftritten internationaler Stars.

Die Fête Impériale ist mit fünf Jahren ein junger Wiener Ball,

den die Spanische Hofreitschule Ende Juni ausrichtet; ein wunderschönes

Sommerfest, auf dem die Society statt der Lipizzaner

tanzt. Das ist nichts Neues, wurde der Reitsaal doch schon zu

Zeiten Maria Theresias für Maskenbälle und Redouten genutzt.

Und Wien tanzt und feiert hier heute wie damals.

Johann Strauss Sohn komponierte den

Walzer „An der schönen blauen Donau“,

Wiens inoffizielle Hymne, in seiner mondänen

Wohnung in der Praterstraße (heute

Musikergedenkstätte).

Die Winterreitschule der Spanischen

Hofreitschule: der älteste noch existierende

Ballsaal von Wien, Schauplatz der Fête Impériale.


www.wien.info15

Wer an einem Abend zwölf Walzer tanzt, hat rund eine Stunde körperliche

Bewegung hinter sich, das entspricht 2.500 Drehungen, 5.000 Takten und einer

Wegstrecke von fünf Kilometern.

Eins, zwei, Walzer

Einst galt er als verrucht – heute ist er der Inbegriff des Wienerischen: der Wiener Walzer.

Die Wiener lieben ihren Walzer, die Musik – von Walzerkönig Johann Strauss vor 150 Jahren weltberühmt gemacht – ebenso

wie den Tanz, der anfangs aufgrund des Körperkontakts der Partner verpönt war. Heute darf die Dame ihre Fußknöchel

zeigen. Kein Wiener Ball kommt ohne den weltberühmten Dreivierteltakt aus.

Die schönsten

Wiener Bälle

In Wien finden jährlich über 450 Bälle statt, frequentiert von

300.000 tanzfreudigen Besuchern aus aller Welt. Darunter:

• Le Grand Bal, Hofburg (31.12.) – der Erste

• Blumenball, Wiener Rathaus (17.1.) – der Duftende

• Ball der Wiener Philharmoniker, Musikverein (23.1.) –

der Musikalische

• Jägerball, Hofburg (27.1.) – für Tracht & Dirndl

• Strauss Ball, Kursalon (15.2.) –

Feiern wie Johann Strauss

• Kaffeesiederball, Hofburg (21.2.) – der Elegante

• Regenbogenball, Parkhotel Schönbrunn (22.2.) –

der Bunte

• Opernball, Wiener Staatsoper (27.2.) – der Ball der Bälle

• Bonbonball, Wiener Konzerthaus (28.2.) –

der lockere Süße

• Life Ball, Rathaus (Mai) – der Schrille

• Fête Impériale, Spanische Hofreitschule (27.6.) –

der Sommerball

Der Weg vom Nicht-Tänzer bis zur Ballreife ist mit Hilfe der Wiener Tanzschulen ein kurzer. Die Tanzschule Rueff, gleich

hinter dem Rathaus beispielsweise, bietet sechs Mal die Woche den 60-minütigen Walzerkurs „Hop on Waltz“ speziell für

Wien-Besucher, ganz ohne Anmeldung.

Der Tanz besteht nur aus sechs Schritten, die Herausforderung ist die hohe Geschwindigkeit. Könner wechseln den Rechtswalzer

mit der schwierigeren Variante in die Gegenrichtung ab. Wer durch das rasante Drehen schwindlig ist (Tipp: Immer

in Tanzrichtung und vor allem nicht auf den Boden schauen!) oder im regen Treiben blockiert ist, verschnauft bei ein paar

ruhigen Pendelschritten am Platz.

Tanzschul-Inhaberin Yvonne Rueff erzählt, dass ihre Schüler aus aller Welt sich ganz locker auf das Abenteuer Walzer

einlassen, mit viel Spaß an der Sache. Im Gästebuch liest man zum Beispiel:

A wonderful opportunity to fulfill a fantasy. We‘ll keep practising. Thanks. Mary & Rod, N.Z.

Dancing is my passion – thank you for an enjoyable hour – one of the highlights of my visit to Vienna. Barbara, Australia

We came to Vienna to celebrate our 42nd wedding anniversary and to learn to waltz. Matthew was a wonderful teacher

and we enjoyed ourselves immensely. Thank you for a memorable time! Tak & Ets, USA

We had a great time in the lesson. Thank you so much for every step. We plan to come back soon for more.

Ran & Liat, Israel - 6 Monate später: We came back and once again had a great time. Thanks!

Beim Life Ball treffen Stars und

schrille Partyvögel aufeinander.

Ball-Checkliste

In fünf Schritten zum perfekten Ballvergnügen:

1. Ballauswahl: Soll es ein traditioneller oder einer der jungen Bälle sein?

2. Kartenbestellung: am besten Monate im Vorhinein; Opernball und Life Ball sind

Sonderfälle mit Kartenverlosung.

3. Kleidung: Die Nummer eins in Wien ist der Kostümverleih Lambert Hofer mit allem,

vom Frack bis zum Ballkleid.

4. Dresscode: Je nach Ball sind die Vorgaben streng (Dame: bodenlanges Abendkleid,

Herr: Frack / Smoking) oder leger (es reicht Anzug mit Krawatte).

5. Ball-Etikette: Die Dos und Don’ts schaut man sich einfach ab – der Herr geleitet die

Dame aufs Parkett, er behält die Jacke an etc.

Zur Seite stehen gerne die Wiener Incoming-Reisebüros mit Ball-Packages sowie die

Wiener Tanzschulen.

Text: Susanna Burger


In der Sala terrena (Erdgeschoßhalle) im Oberen Belvedere

ist Franz Wests Kunstwerk „Endlich zwei gute Skulpturen“

zu bewundern.

Im barocken Winterpalais des Prinzen

Eugen wird ab 2014 zeitgenössische

Kunst gezeigt.

Contemporary Wien

Große Meister, Klimt und Schiele repräsentieren nur eine der schönen Kunstseiten Wiens.

In den vergangenen Jahren hat sich hier auch eine bedeutende zeitgenössische Kunstszene

entwickelt.

Zeitgenössische Kunst inmitten von barocker Pracht – das gibt es vor allem in Wien: Allen voran

hat hier das Belvedere, die ehemalige Sommerresidenz des Prinzen Eugen von Savoyen, einiges

zu bieten. Im Oberen Belvedere werden seit 2007 jährlich zeitgenössische Interventionen, u. a.

eine Arbeit von Franz West, in der Sala terrena präsentiert. Ab 2014 wird das Belvedere auch im

Winterpalais des berühmten Feldherrn in der Himmelpfortgasse die renovierten, rund 850 m²

großen Prunkräume mit zeitgenössischen Werken von Valie Export, Erwin Wurm oder Heimo

Zobernig bespielen. Diese Interaktion soll in direktem Bezug zu Raum und Ausstattung stehen

und den Künstlern neue Werke abverlangen. Zum Belvedere gehört auch das 21er Haus, das

sich ganz der zeitgenössischen Kunst verschrieben hat und seinen Außenbereich seit 2013 als

Ausstellungsfläche nützt.

In historischem Ambiente hat sich auch Kunstmäzenin Francesca Habsburg angesiedelt: Der barocke

Augarten im zweiten Bezirk ist für sie das perfekte Umfeld, um zeitgenössische Kunst in

ihren Ausstellungsräumen der Thyssen Bornemisza Art Contemporary zu präsentieren. Simon

Starling wurde hier schon gezeigt, Marina Abramovic soll folgen. Im Sommer finden Performances

im Garten statt.

Kunst in der U-Bahn

Zeitgenössische Kunst gibt es in Wien aber nicht nur im Museum, sondern auch in der U-Bahn:

Im Herbst 2013 eröffnete die „Kunstpassage Karlsplatz“. Der wichtigste Verkehrsknotenpunkt der

Stadt, den täglich über 200.000 Menschen passieren, wurde mit einem zeitgenössischen Kunstwerk

des österreichischen Künstlers Ernst Caramelle aufgewertet: Zentraler Teil ist eine 70 Meter

lange Wandmalerei. Im Interview mit dem Wien-Journal verrät Caramelle: „Die Wandmalerei reagiert

auf die besondere architektonische Situation der langgezogenen Passage mit asymmetrischen

Farbfeldern, die den Raum optisch erweitern und aus verschiedenen Blickwinkeln neue

symmetrische Flächen entstehen lassen. Die Glaswand gegenüber bleibt unbearbeitet. Sie spiegelt

die Wandmalerei und wird somit in die Gesamtwirkung einbezogen.“ Abseits von Caramelles

Kunstpassage sind mehr als 20 weitere Werke zeitgenössischer Künstler in Wiens U-Bahn-Stationen

zu bewundern, u. a. von Peter Kogler und Ken Lum. Auch an vielen öffentlichen Plätzen

wurden durch die Organisation „Kunst im öffentlichen Raum“ Werke Kunstschaffender für alle

zugänglich gemacht.

Ein ganz neues Zentrum für zeitgenössische Kunst ist in der Ankerbrotfabrik im zehnten Bezirk

entstanden: Im einstigen Industriebau sind zehn Kulturinstitutionen untergebracht – Galerien,

Ateliers, Studios und Schauräume; darunter auch die Galerie Ernst Hilger, die neben ihrer

Die Passage der U1-Station Südtiroler Platz – Hauptbahnhof ziert eine

permanente Installation des österreichischen Künstlers Franz Graf mit dem

Titel „SUED“.


www.wien.info17

Jedes Jahr im Herbst lockt die Viennafair rund

120 Galerien und 17.000 Besucher nach Wien.

Im Augarten zeigt Kunstmäzenin Francesca Habsburg

zeitgenössische Kunst.

Kunst im Herbst und Frühling

Jährlich wiederkehrende Veranstaltungen zeitgenössischer Kunst haben sich längst in Wien etabliert und ziehen

ein großes Publikum an.

Höhepunkt des Wiener Kunstherbstes ist die Vienna Art Week, die Wien jedes Jahr im November zum Mekka für rund

35.000 Kunstinteressierte macht. Etwa 200 Einzelveranstaltungen finden statt: Podiumsdiskussionen, Vorträge, Künstlergespräche,

Performances, Vernissagen sowie Führungen durch Ausstellungen und Galerien.

Ebenfalls im Herbst, allerdings schon etwas früher, geht die Viennafair The New Contemporary in der Messe Wien

über die Bühne. Jährlich nehmen rund 120 Galerien daran teil. Die Messe hat sich erfolgreich auf Kunst aus Zentral-,

Ost- und Südosteuropa spezialisiert. Mehr als 17.000 Besucher lassen sich die Viennafair nicht entgehen.

Ausschließlich Kunst aus Österreich zu bewundern und zu kaufen gibt es bei der Art Austria, die im Frühjahr

(3.–6. April 2014) im Leopold Museum stattfindet und von rund 20.000 Menschen besucht wird.

Prominente Architekten wie Zaha Hadid waren an der Gestaltung

des neuen Campus der Wirtschaftsuniversität beteiligt.

Innen stadt-Location nun gleich zwei je 400 Quadratmeter große

Ausstellungsflächen bespielt, und die auf Fotos spezialisierte

Galerie OstLicht.

In den im 19. Jahrhundert erbauten und 2001 abgebrannten

Sofiensälen im dritten Bezirk gibt es seit Herbst 2013 eine

Ausstellungshalle im ehemaligen Ballsaal, die zwei Mal pro

Jahr bespielt werden soll. Die moderne Glas- Stahlkonstruktion

auf dem Dach ist die perfekte Ergänzung zur historischen

Bausubstanz.

Galerien erobern Wien

Doch Wien hat noch viel mehr Zeitgenössisches zu bieten: Das

mumok im MuseumsQuartier beherbergt rund 9.000 Werke,

u. a. von Lichtenstein, Oldenburg, Warhol, Richter und Baselitz.

Daneben bietet die Kunsthalle Wien wechselnde Ausstellungen

zeitgenössischer Künstler. Die Secession bietet Kunst von heute

im Jugendstil-Ambiente. BAWAG P.S.K. Contemporary, Sammlung

Verbund, Generali Foundation und MUSA (Sammlung der

Kulturabteilung der Stadt Wien) ergänzen das Angebot. Zahlreiche

Galerien im Zentrum und rund um die Schleifmühlgasse

im vierten Bezirk haben junge Künstler im Angebot. – Das imperiale

Wien ist also längst im aktuellen Kunstgeschehen angekommen.

Caramelle: „Wien hat sich zum Positiven verändert,

die Kunstszene blüht.“

2015 nimmt der neue Hauptbahnhof den

Vollbetrieb auf. Das riesige Stahldach ist

ein architektonischer Hingucker.

Zeitgenössische

Bauten

Auch architektonisch hat Wien einiges zu bieten: Gleich drei neue

Projekte werden Architekturfans erfreuen.

Neben dem Prater hat rechtzeitig zum Wintersemester 2013 der neue

Campus der Wirtschaftsuniversität Wien eröffnet. Um 492 Millionen

Euro wurde ein Universitätskomplex für über 25.000 Studenten von

prominenten Baumeistern geschaffen. Zaha Hadid Architects zeichnet

für das „Library & Learning Center“ verantwortlich. Weitere Gebäude

wurden vom Atelier Hitoshi Abe, von CRABstudio Architects und von

No.MAD Arquitectos entworfen. Führungen für Architekturinteressierte

finden regelmäßig statt.

Das Architektenteam Hotz / Hoffmann – Wimmer ist für die Entstehung

eines ganz neuen Stadtteils verantwortlich: den Hauptbahnhof

Wien und das daran anschließende Sonnwendviertel. 2015 wird der

Vollbetrieb aufgenommen. Mit 109 Hektar wird das Areal so groß sein

wie der achte Bezirk in Wien. Alleine das Stahldach, das die Bahnsteige

und Gleise schützt, ist 40.000 m² groß. Zusätzlich zum Bahnhof

werden 5.000 neue Wohnungen, ein acht Hektar großer Park, Schulen

und Kindergärten errichtet.

Ein weiterer Rekordbau entstand in Rekordzeit in der Donau City,

direkt an der Reichsbrücke, die über die Donau führt: der DC Tower.

Geplant von Stararchitekt Dominique Perrault, ist der moderne Gigant

mit 220 Metern Höhe nun das höchste Gebäude Österreichs. Restaurant

und Bar im obersten Stockwerk und eine Aussichtsterrasse in

207 Metern Höhe gewähren einen gigantischen Blick auf Wien.

Die Galerie OstLicht in der Ankerbrotfabrik hat sich ganz auf Fotos spezialisiert.

Text: Robert Seydel


Frischer Wind am

Donaukanal: Im Sommer

locken hier neben

Clubs auch zahlreiche

Strandbars.

Nachtschwärmereien

Wien ist die Stadt der Musik. Abseits der berühmten Sängerknaben

und Phil harmoniker blüht – ein bisschen im Verborgenen

– die Clubszene.

In der Wiener Clubszene gedeiht vor allem elektronische Musik.

Sie bringt international angesagte Musik-Acts wie Dorian

Concept, Ogris Debris, Ken Hayakawa, Her Voice Over Boys

(HVOB) und Sofa Surfers hervor. Einen Eindruck vom aktuellen

heimischen Musikschaffen bekommen Wien-Besucher am besten

bei einem der zahlreichen Festivals, deren Bandbreite von

Pop bis Electronic reicht. Ausschließlich Musik aus Österreich

gibt es im Juli beim fünften Popfest auf dem Wiener Karlsplatz.

Die gratis Open-Air-Konzerte werden hier stimmungsvoll auf

einer Bühne mitten in einem Brunnen präsentiert, zu späterer

Stunde dann in angrenzenden Indoor-Locations. Ebenso unter

freiem Himmel und bei freiem Eintritt finden zwei weitere

Festivals statt: Sowohl das Donaukanaltreiben im Juni als auch

der jährliche Gürtel Nightwalk Ende August widmen sich der

alternativen Musikszene Österreichs. Ein reines Club festival

ist Waves Vienna. Bei diesem hochkarätigen Festival, das in

Locations rund um den Donaukanal und Prater stattfindet, treten

neben heimischen Musikern auch internationale Bands und

DJs auf. Rund 80 Acts bieten eine riesige Auswahl – von Alternative

über Rock bis zu Elektronik und Clubmusik, von bekannten

Headlinern bis zu neuen Talenten.

Clubs mit Auszeichnung

Neben den Festivals gibt es in Wien auch zahlreiche Lokale, wo

man das ganze Jahr über gute Musik hören und feine Partys feiern

kann. Zum Beispiel in der Pratersauna, wo übrigens auch

das Austrian Artists Festival stattfindet: Einen Monat lang treten

nur DJs und Live-Acts aus Österreich auf und zeigen das breite

künstlerische Schaffen der heimischen Elektronik-Musikszene.

Die Leser des Musik-Magazins de:bug haben die Pratersauna

bereits dreimal in Folge zum zweitbesten Club im deutschsprachigen

Raum gewählt. Eine ähnliche Ehre wurde auch dem

kosmopolitischen Techno-Club Grelle Forelle zuteil, der es bei

dem Voting zuletzt auf Platz zehn schaffte.

Von Underground bis Schick

Am Donaukanal tut sich allerhand in Sachen Clubs, nicht nur

die Grelle Forelle ist dort angesiedelt. Ein Kontrast zur designten

Welt der Forelle sind das Flex und das Werk, beide für ihr improvisiertes,

industrielles Ambiente bekannt. Während im

Flex auch international bekannte Bands und DJs auftreten, ist

das elektrolastige Werk ein richtiger Underground-Club. Im

Laderaum des Badeschiffs werden ebenfalls Partys gefeiert.

Im Sommer ist am Donaukanal besonders viel los, da haben

zusätzlich jede Menge Strandbars und Terrassen geöffnet: Bei

der Strandbar Herrmann und beim Tel Aviv Beach gibt’s auch

DJ-Musik, bei der Summerstage Live-Konzerte.

Das jährliche Popfest am Karlsplatz präsentiert die heimische Musikszene.

Eine Mischung aus interessanten Live-Konzerten und angesagten

Clubnächten mit DJs bieten auch weitere Lokale: Im Fluc

mit seinen nackten Betonwänden und Musik abseits vom Mainstream

ist die Underground-Szene zuhause. Das alter native

WUK, dessen Architektur noch an die frühere Nutzung als

Lokomotivfabrik erinnert, ist heute eines der größten unabhängigen

Kulturzentren Europas. Viel Live-Musik gibt es auch im

Chelsea, Rhiz und B72 zu hören. Sie alle sind am Gürtel in den

ehemaligen, von Otto Wagner entworfenen Stadtbahnbögen untergebracht.

In Wien gibt es eine gewisse Vorliebe für Locations mit rohem

Industrie charme, die Stadt hat aber auch genügend schicke

Clubs zu bieten: Babenberger Passage, Albertina Passage, Volksgarten

Disco, Säulenhalle und Chaya Fuera sind gestylte und

designte Clubs, wo Abtanzen angesagt ist. Wer es ein bisschen

kuscheliger mag: Kleinere Clubs wie Sass, Roxy, Red Room, Bar

Italia, Tanzcafé Jenseits, Morisson Club, Club U, Donau, The Loft

und Auslage sind immer einen Besuch wert.

Das schicke Ambiente der

Babenberger Passage lädt

zum Abtanzen ein.


www.wien.info19

Das ON Market beeindruckt

mit Textilkunstwerken an den

Wänden und einer riesigen

Blütenlampe.

Junge Lokalmeile

Gute Unterhaltung

im Gschwandner

Die Vergangenheit als Rotlichtlokal diente als Inspiration

für den Namen der pittoresken Cocktailbar „Puff“.

Die Gegend rund um die Gumpendorfer Straße, zwischen

MuseumsQuartier und Naschmarkt, zählt derzeit zu den beliebtesten

Ausgehvierteln der jungen Szene.

Gleich am Beginn der Gumpendorfer Straße reiht sich ein

Szene lokal an das andere: Top Kino und Phil werden wegen

ihres gemütlichen Ambientes mit Vintage-Möbeln gerne als

verlängerte Wohnzimmer bezeichnet. Im Top Kino werden tatsächlich

auch Filme gezeigt, die Tickets dafür gibt’s an der Bar.

If Dogs Run Free und Puff sind zwei moderne Cocktailbars.

Erstere punktet mit modernem, puristischem Design, zweitere

hat eine verspielte Ausstattung inklusive fantasievoller Cocktailmaschinen,

gestaltet vom österreichischen Design-Duo

Walking Chair. Das Asia-Lokal Ra’mien beheimatet im Keller

einen üppig im China-Stil dekorierten Clubkeller. Gleich nebenan

gibt es im schummrigen ShanghaiTan exotisches Essen bis

weit nach Mitternacht und einen Keller mit kuscheligen Separees.

Liebhaber des klassischen Wiener Kaffeehauses statten

dem Café Sperl einen Besuch ab. Weiter in Richtung Haus des

Meeres kehrt man auf einen Drink im Joanelli ein. In dem ehemaligen

italienischen Eissalon gibt es sehr gute Weine. In der

Nähe befindet sich der besonders hippe Futuregarden, wo auch

DJs auflegen. Wenn in der Galerie nebenan eine Vernissage stattfindet,

ist es hier zum Bersten voll. Ein Abstecher in die Theobaldgasse

lohnt sich ebenfalls: Das Mon Ami ist eine charmante

Mischung aus Bar und Café. Nebenan im Wellmann gibt’s in

farbenprächtigem Ambiente (original 70er-Tapete!) DJs und

manchmal Live-Musik. Die Akrap Espressobar serviert feinen

Kaffee aus der eigenen Rösterei in Mailand. Neuester Hotspot

in Richtung Naschmarkt ist das ON Market: oben Restaurant

und Bar mit architektonischem Wow-Effekt, unten ein Club im

Shanghai-Stil der 1920er.

Das legendäre historische Vergnügungsetablissement der Vorstadt

erfährt 2014 eine neue Nutzung. Die Leute sollen wie früher wieder

sagen: Im Gschwandner ist immer was los.

Einst wurde im Etablissement Gschwandner im 17. Bezirk getanzt

und gefeiert. Der Betrieb startete 1838 als kleiner Heuriger. Mit der

Eröffnung des großen Saals im Jahr 1877 wurde das Gschwandner zu

einer der beliebtesten Vergnügungsstätten der Wiener Vorstadt. Bis

zur Schließung im Jahr 1960 fanden hier zahlreiche Bälle, Konzerte,

Filmvorführungen und sogar Boxkämpfe statt. Im Herbst 2014 öffnet

das Gschwandner nach umfangreichen Renovierungsarbeiten erneut

seine Pforten. In den beiden denkmalgeschützten Sälen finden wieder

Bälle und Veranstaltungen aus allen Kunstbereichen statt, von

Musik über Tanz, Theater und Film bis zu Festivals. Vor allem das alte

und neue Wienerlied soll hier ein Zuhause finden. Genussmärkte,

Weihnachts- und Flohmärkte gibt es dann im Gschwandner ebenso

wie ein auf Wiener Küche spezialisiertes Restaurant, ein Kaffeehaus

im Schützensaal, Wiener

Wein im Original-Weinkeller

der Familie Gschwandner

und eine Greißlerei mit

lokalen Produkten.

Lokal

TIPP

das Marea Alta.

Die Gegend im 6. Bezirk ist auch ein Hotspot

der Schwulenszene: Felixx, Café Savoy,

Mango Bar und Village Bar sind nur ein

paar Lokalbeispiele. Für Lesben gibt’s hier

Kunstaustellung von Alexander Übelhör

im „Großen Saal“ (1925).

Der denkmalgeschützte „Große Saal“ ist das Herzstück des Etablissements Gschwandner.

Text: Susanne Kapeller


Sublimer Luxus trifft auf sinnliche

Schlichtheit: In seinen Entwürfen lässt

der Wiener Modedesigner Petar Petrov

die Wiener Moderne wieder aufleben.

Wien

in Mode

So wie am Beginn des 20. Jahrhunderts in der „Wiener Moderne“ Aufbruchstimmung herrschte, tut es das seit

einigen Jahren in der Wiener Mode-Avantgarde. Inklusive internationalem Renommee.

Vom Entwerfen über das Auswählen der Stoffe bis hin zum Managen des Lookbook-Shootings oder der Präsentation

bei den Pret-à-Porter-Shows in Paris. Der Einblick in den Atelieralltag der Wiener Designerinnen und Designer – die

meisten sind Absolventen der Modeklasse an der Hochschule für Angewandte Kunst Wien – beweist, dass viel

Engagement, Leidenschaft und Knowhow notwendig sind, um ein Modelabel zum Erfolg zu führen.

Für große Aufmerksamkeit sorgt seit Anfang 2000 der Wahlwiener Petar Petrov. Der gebürtige Bulgare kreiert Damenund

Herren-Kollektionen aus qualitativ hochwertigen Materialien, ungewöhnlichen Farben und überraschenden

Details. Im Fokus seiner Arbeit stehen lineare Silhouetten, die sensibel und zugleich radikal wirken. Petrovs Kreationen

weisen Analogien zur Architektur von Adolf Loos auf – konstatiert auch die internationale Presse gerne. Und

tatsächlich nennt er die „Wiener Moderne“ als eine für ihn gültige Inspirationsquelle.

Intellekt & Gefühl

Vom Wiener Fin de Siècle nach Los Angeles des 21. Jahrhunderts und dem dort lebenden österreichischen Künstler

Gottfried Helnwein, von dem sich die Wiener Herrenmode-Designerin Ute Ploier schon mal inspirieren lässt.

Ihr konzeptueller Zugang zur Mode machen die Kollektionen zu einem eklektischen Gesamtkunstwerk mit durchdachten

Designelementen, wie Double-Layer-Looks, die mit Illusionen spielen. Dabei hinterfragt Ploier, die ihre Mode

im eigenen Shop in Wien Margareten präsentiert, gängige Männerklischees und Rollenbilder. Abseits fest gefahrener

Mode wege bewegt sich auch das Wiener Modelabel „superated“. Designer Peter Holzinger und Kompagnon Christian

Moser beweisen mit Mut, Humor und Diversität, dass hochwertige Mode auch Spaß machen kann. Zu kaufen ist

diese in ihrem eigenen Concept-Store „Samstag“. Die Looks des deutsch-österreichischen Designerduos Hartmann

Nordenholz – bestehend aus Agnes Schorer und Filip Fiska – sind eine Verbindung aus Theorie und hoher Handwerkskunst,

eine Hinterfragung von Bekleidungsnormen und ein persönlicher Versuch einer Definition von Eleganz.

Claudia Brandmair hingegen startet den Entwurfprozess ihrer Damenkollektionen sehr direkt und mit viel Gefühl.

Typisch klassisches Schneiderhandwerk eben. Doch bei „Brandmair“, wie sie ihr Label nennt, trifft diese auf puristisch-geometrische

Schnitte, raffinierte Stoffe und erotische Elemente.

Kunstvolle Bodenhaftung

Wer zur Mode passende Schuhe sucht, wird bei „rosa mosa“ fündig. Das österreichisch-japanische Designerduo

Simone Springer und Yuji Mizobuchi verbindet traditionelles Schuhhandwerk mit experimentellem Design. Im

Fokus ihrer Arbeit steht das Material: von Leder über Holz bis zu Makramee. So weisen die meist von Hand gefertigten

Modelle einen starken Objektcharakter auf. Kombiniert mit hoher Funktionalität sind die Schuhe von rosa mosa

auch sehr bequem. Genauso individuell wie die Schuhkollektion ist die Accessoires-Linie. Wie etwa handgeflochtene

Korbtaschen, inspiriert von einem Picknick mit der Wiener Kunstavantgarde rund um Gustav Klimt.

Die Wiener Mode-Avantgarde präsentiert sich in ungewöhnlicher Vielfalt: individuelle Formvollendung bei

Hartmann Nordenholz; mutig-verspielte Retrolooks bei superated; pure Eleganz bei Brandmair und

überraschende Konzeptmode mit Kunstanspruch bei Ute Ploier (von links nach rechts).

Mode nach Maß

Einige alteingesessene Maßateliers bezeugen, dass Wien einst zu den europäischen Modemetropolen

zählte. „Niedersuesz – ehemals C.M. Frank“ kleidete bereits das österreichische und französische Kaiserhaus

sowie den britischen König Eward VII. ein. Dank Maßschneider Bernhard Niedersüß (im Bild) wird

in dem exklusiven Salon in der Wiener Innenstadt dem „Wiener Stil“ nach wie vor gefrönt. Bei „Gino

Venturini“, ehemals „Hemden Herzog“, in der Wiener Spiegelgasse werden seit über 100 Jahren Maßhemden

genäht. Was dem österreichischen Kaiser lieb war, ist auch heute den honorigen Herren von Welt ein

modisches Highlight. Das Familienunternehmen „Rudolf Scheer & Söhne“ fertigt in sechster Generation

Maßschuhe für Damen und Herren. Mit dem Prädikat „k. u. k.-Hofschuhmacher“ versteht sich.


www.wien.info21

„Park“ ist der erhellendste Concept-Store Wiens.

Dort trifft man in minimalistisch-weißem Ambiente

auf Mode und Design allerhöchster Güte.

Bewegter Stil: Bei „Stilrad“ muss man kein

Radfahrer sein, um sich mit schicken Accessoires

der Wiener Designerin Eva Blut auszustatten.

Gutes Konzept

Shops mit Mehrwert boomen auch in Wien.

Mode, Bücher, Möbel, Musik, Kunst, Fahrräder oder gar Hairstyling sowie Kaffeegenuss unter einem

Dach? Klar doch! „Be a good girl“ im Kreativbezirk Neubau machte als erster Concept-Store Wiens von

sich reden: Coiffeur, Café, Modeboutique und Buchhandlung in einem. Ganz in der Nähe befindet sich

„Park“. In minimalistischem Ambiente vereint sich dort die internationale Fashion-Avantgarde, wie Ann

Demeulemeester & Co., mit Möbelklassikern, Kultbüchern und -zeitschriften. Exklusive Designermode à la

Dries van Noten oder Christopher Kane sowie anspruchsvolles Möbeldesign bietet „Song“ in der Praterstraße

im 2. Bezirk mit angrenzender Kunstgalerie „Song Song“. Wechselnde Ausstellungen gibt es auch

im „Magazin“ am Getreidemarkt nahe der Wiener Secession – in der Art-Lounge kann man zudem Kunstbücher

sowie eine feine Modeselektion studieren und kaufen. Mit ähnlichem Angebot lockt der Concept-

Store „Eigensinnig“ im 7. Bezirk. Dort geben sich progressive Modelabels und Street Photography die Klinke

in die Hand. Auf Retro-Möbeln seine Melange trinken, Bücher oder Zeitschriften lesen, Musik hören und

danach alles kaufen? „phil“ unweit des Wiener Naschmarkts machts möglich. Auf der anderen Seite des

Naschmarkts – in der Operngasse – befindet sich das „Radlager“. Der hippe Fahrradladen ist gleichzeitig

eine Espresso-Bar mit bestem italienischen Kaffee und leckeren Imbissen. Dafür, dass Fahrradfahrer mit

schönen Accessoires ausgestattet werden, sorgt „Stilrad“ inmitten der Wiener Innenstadt – zum Verkauf

angeboten werden dort auch schicke Taschen der Wiener Designerin Eva Blut.

Eine gehobene Auswahl an Kunst, Mode und Möbel bietet „Song“ – und

versprüht so internationales Flair im neuen Wiener Szenebezirk Leopoldstadt.

Duftklassiker

reloaded

Von unschuldig bis verrucht – Parfüms aus Wien erfüllen seit jeher alle Wünsche.

Zu einer orgiastischen Nacht verführt das weltweit erste Designerparfüm aus 98 %

natürlichen Inhaltsstoffen, die zu 95 % aus zertifiziert-biologischem Anbau stammen.

„Drop N°01“ ist außerdem zu 100 % made in Vienna. Das Wiener Modedesignerduo

„Wendy & Jim“ entwickelte den Unisex-Duft in Zusammenarbeit mit dem Wiener

Parfümphilosophen Wolfgang Lederhaas. Der Mix aus bitteren und süßen Zitrusarten,

Rosenblüten, Amyris sowie Myrrhe enthält spagyrische Essenzen, die als altes

Heilmittel bekannt sind. Die aufregend-morbide Wirkung wird durch den Fuchskopf-

Flakon verstärkt. Dieser sogenannte „Vulpini“ wird in Handarbeit von der traditionellen

Wiener Porzellanmanufaktur Augarten produziert und avanciert insbesondere in

der Optik „Wiener Rose“ zum Kultobjekt. Wendy & Jim lassen mit „Drop N°01“ die

Wiener Dufttradition wieder international aufleben.

Zur Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie war der „Wiener Lieblingsduft“

weit über die Grenzen des Kaiserreichs bekannt, der vom ehemaligen k.u.k-Hoflieferanten

J.B. Filz nach wie vor in einer modernisierten Form hergestellt wird. Auch

das legendäre Lavendelwasser „Eau de Lavande“ wurde anlässlich des 200-jährigen

Firmenjubiläums 2009 neu aufgelegt. Dufte Neuinterpretationen aus der österreichischen

Kaiserzeit kreiert „Wiener Blut“. Die Unisex-Parfüms versprühen

„Indisch Leder“, „Florentiner“, „Panasch“ oder „Volkamaria“.

Nach wie vor in Originalrezeptur aus den 1920er-Jahren erhältlich,

ist „Knize Ten“ – die erste Herrenduftserie der Welt

des berühmten Wiener Maßateliers Knize.

Parfum

„Saint Charles“ in der Wiener Gumpendorfer

Straße ist eine inter disziplinäre Apotheke,

in der nicht nur Gesundheit oberste

Prämisse ist, sondern auch Nachhaltigkeit,

naturnahe Lebensweise und Wellness. Im

Naturkosmetikladen „Cosmothecary“ gegenüber

der Apotheke ist auch das Parfüm „Drop N°01“

von Wendy & Jim erhältlich, für das „Saint Charles“ die spagyrischen

Essenzen beigesteuert hat.

TIPP

So duftet das morbide Wien: Das erste natürliche

Designerparfum der Welt nennt sich „Drop N°01“, wurde

vom Wiener Designerduo Wendy & Jim kreiert und

präsentiert sich im von der Wiener Porzellanmanufaktur

Augarten produzierten Fuchskopfflakon „Vulpini“.

Text: Anneliese Ringhofer


Über Wien

informieren

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Wien

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in den großen U-Bahnstationen und online unter

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Wien-Aufenthalt

In der Tourist-Info am Albertinaplatz liegen Wien-Stadtpläne in

Braille-Schrift auf.

Verkehr: Die öffentlichen Verkehrsmittel und Stationen sind

für besondere Bedürfnisse abgestimmt. So sind alle U-Bahn-

Stationen und Züge barrierefrei erreichbar. Taststreifen

weisen den Weg zu Stiegen, Rolltreppen und Aufzügen. Die

Wiener Autobusflotte besteht ausschließlich aus Fahrzeugen

in Niederflur-Bauweise. Die elektronischen Anzeigen bei

Straßenbahnstationen informieren mit einem Rollstuhlsymbol

darüber, wann die nächste barrierefreie Garnitur kommt.

Kunst: Einige Top-Sehenswürdigkeiten bieten Tastführungen an

und stellen Multimedia-Guides in österreichischer Gebärdensprache

zur Verfügung. Für weitere Infos dazu und für Hilfe bei

der Suche nach der geeigneten Unterkunft oder einem barrierefreien

Restaurant steht Ihnen das Team von Wien Hotels & Info

gerne zur Verfügung.

Wien auf

einen Blick

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• in der Tourist-Info in der Innenstadt

• am Naschmarkt, im Prater und auf der Donauinsel

• am Rathausplatz, am Stephansplatz

• am Westbahnhof in der Bahnhofshalle

• im MuseumsQuartier und in der wienXtra-jugendinfo

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Vienna (long version

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Austria; Vienna; Prater

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Text: Martina Polzer


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Genuss-Highlights 2014

Die Musikstadt Wien

beherbergt mit dem Haus

der Musik ein einzigartiges,

interaktives Klangmuseum,

das innovative Zugänge

zum Thema Musik bietet.

Der Musikverein und

das Konzerthaus bilden

mit Künstlern allerersten

Ranges den Mittelpunkt des

internationalen, klassischen

Wiener Konzertlebens.

Die Vienna Design Week

(Oktober) macht Wien zum

Schauraum für Design und

bietet mit zahlreichen Veranstaltungen

in der ganzen

Stadt neue Zugänge zum

Thema.

Europas größtes Tanzfestival

ImPulsTanz bringt von

Mitte Juli bis Mitte August

sowohl internationale Highlights

als auch innovative

Neuproduktionen auf zahlreiche

Wiener Bühnen.

Die Wiener Philharmoniker

laden am 29.5. zum bereits

traditionellen Sommernachtskonzert

mit musikalischen

Hochgenüssen

unter dem Dirigat von

Christoph Eschenbach.

Beim Wiener Wiesn-Fest

beim Prater sorgen von

25.9. bis 12.10. trachtige

Outfits, kühles Bier, heimische

Schmankerln und jede

Menge Musik für ausgelassene

Stimmung.

Zehntausende Läufer starten

beim 31. Vienna City

Marathon (13.4.) und passieren

dabei die attraktivsten

Sehenswürdigkeiten,

die Wien zu bieten hat.

Hofburg

Museums-

Quartier

Ende Juni verwandeln

zahlreiche Top-Acts auf

mehreren Themeninseln

Wiens beliebtes Freizeitparadies

beim Donauinselfest

in Europas größte Open-

Air-Bühne.

Für den Wiener Eistraum

(23.1.-9.3.) verwandelt sich

der Rathausplatz vor der

beeindruckenden Kulisse

des Rathauses in den wohl

schönsten Eislaufplatz der

Welt.

Donauturm

Donauinsel

Albertina

Sisi Museum

Schloss

Schönbrunn Heuriger

MAK

Riesenrad

Schatzkammer

Naturhistorisches

Museum

Das MuTh, der neue Konzertsaal

der Wiener Sängerknaben

beim Augarten,

besticht durch moderne

Architektur und brillante

Akustik.

Die beliebten Wiener

Ostermärkte verbreiten

frühlingshaftes Flair.

Musikalisch stimmt das

OsterKlang Festival

(13.-20.4.) auf die warme

Jahreszeit ein.

Das Raimund Theater bietet

Popkult auf Weltniveau:

Mit der deutschsprachigen

Fassung des ABBA-Musicals

Mamma Mia! kommt

der Klassiker ab 19.3.

erstmalig nach Wien.

Die prachtvollsten Plätze

Wiens werden ab Mitte

November zu zauberhaften

Weihnachtsmärkten und

-dörfern und verbreiten

eine herrlich romantische

Stimmung.

Die Ausstellung „Wege der

Moderne. Josef Hoffmann,

Adolf Loos und die Folgen“

(ab Dezember 2014) ist

eines der zentralen Jubiläumsprojekte

anlässlich

150 Jahre MAKMuseum

für Angewandte Kunst/

Gegenwartskunst.

Die Wien SpielKarten und

Pop-up Vienna gingen als

Sieger aus dem Wien-

Design-Wettbewerb hervor

und sind in der Tourist-Info

am Albertinaplatz sowie

im MAK Design Shop

erhältlich.

Tipp für 2015: Feiern Sie mit uns

150 Jahre Ringstraße.

Text: Angelika Öttl


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ab März 2014

www.musicalvienna.at

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