Ressource Boden – GIZ-Magazin akzente 02-2013

giz.de

Ressource Boden – GIZ-Magazin akzente 02-2013

akzentuiert

Die vergessene Ressource

Neben Wasser und Luft hängt das Leben auf der Erde auch von einer dritten

Ressource ab: dem Boden. Er liefert einer wachsenden Weltbevölkerung Nahrungsmittel,

Rohstoffe und Lebensraum. Jahr für Jahr gehen jedoch Milliarden

Tonnen dieser fruchtbaren Lebensgrundlage verloren höchste Zeit, zu handeln.

Text Petra Hannen Illustration Denise Graetz

Fotos: ddp images (12-13); Lars Tunbjork/VU/laif (14); Quelle Grafik: Soil Report 2012, Europäische Umweltagentur

Die Menschheit verliert den Boden unter den

Füßen. In jeder Minute verschwinden 5,5

Hektar unter Siedlungen und Straßen, verlieren

zehn Hektar ihre Fruchtbarkeit, drohen

23 Hektar zu Wüste zu werden. Über 24 Milliarden Tonnen

Erdkrume gehen der Menschheit nach Schätzungen der Ernährungs-

und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten

Nationen (FAO) Jahr für Jahr verloren unwiederbringlich,

denn die Neubildung von nur einem Zentimeter Boden dauert

mindestens 100 Jahre. Gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung,

bis 2050 wahrscheinlich auf rund neun Milliarden

Menschen: Immer weniger Boden muss die Bedürfnisse von

immer mehr Menschen stillen Nahrungsmittel, Rohstoffe

für Energie und Konsum, Raum zum Wohnen und Arbeiten.

Als „tickende Zeitbombe“ bezeichnet Klaus Töpfer diesen

aus seiner Sicht unterschätzten und damit viel zu wenig beachteten

Prozess. „Im Vergleich zu anderen Ressourcen wie

Wasser oder anderen Umweltproblemen wie Klimawandel

haben Böden bisher nicht die gleiche politische und öffentliche

Aufmerksamkeit erlangt“, sagt der Chef des Potsdamer

Klimaforschungsinstituts IASS. Das soll sich ändern. Im November

2012 organisierte das Institut in Berlin die erste Global

Soil Week: Akteure aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft

aus über 60 verschiedenen Ländern diskutierten

über die Bedrohung der Böden und entwickelten eine „Agenda

for Action“ für nachhaltiges Bodenmanagement und

nachhaltige Landbewirtschaftung. Gleichzeitig war die Glo-

bal Soil Week eine der Anschubveranstaltungen der Global

Soil Partnership: Die FAO-Initiative strebt im Zusammenhang

mit den Millenniumsentwicklungszielen seit 2010 eine

globale Bodenpartnerschaft für Ernährungssicherheit und

Klimaschutz an, Ziel ist die nachhaltige Bewirtschaftung von

Bodenressourcen. Und das Umweltprogramm der Vereinten

Nationen hat den Schwund fruchtbarer Böden im vergangenen

Jahr als eines der dringendsten Probleme identifiziert

auf einer Stufe mit der noch nicht beantworteten Frage nach

einem sicheren Endlager für Atommüll.

Bedrohung verkannt

Eine Premiere auf der politischen Bühne erlebt der Boden damit

nicht. Die bisherigen Auftritte waren kurze Gastspiele. In

den USA beispielsweise brachten schon in den 30er Jahren verheerende

Staubstürme in den Bundesstaaten der Great Plains

erste Aufmerksamkeit: Viele Bauern hatten großflächig Präriegras

gerodet, um Weizen anbauen zu können. In einer Phase

mit zu geringen Niederschlägen setzte daraufhin Erosion ein,

die so gravierend war, dass viele Bauern ihr Land verlassen mussten

unter anderem Anlass für die Gründung einer eigenen

US-Ressourcenschutzagentur und für spezielle Bodenschutzgesetze

wie den Soil Conservation and Domestic Allotment

Act. „Die Geschichte jeder Nation verläuft so, wie sie sich um

ihren Boden kümmert“, sagte US-Präsident Franklin D. Roosevelt

bei dessen Unterzeichnung. In den 70er Jahren rückte »

akzente 02/2013

15

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine