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pe lag das Betriebseirikommen der ökologisch wirtschaftenden Betriebe 1992/ 93 um

8 % höher (vgl. auch Tabelle ).

Die einzelbetrieblichen Ergebnisse unterliegen jedoch einer großen Spannbreite, da

die Erzeugerpreise stark schwanken (bei Getreide beispielsweise zwischen 50 und

150 DM/ dt 84 ). Dieses liegt u.a. darin begründet, daß nicht alle Erzeugnisse als

ökologisch erzeugte Produkte vermarktet werden können. So konnte 1990 nur 20 %

der kontrolliert biologisch erzeugten Milch als Biomilch mit einem entsprechend höheren

Erzeugerpreis vermarktet werden. Der Rest wurde mit konventioneller Milch

gemeinsam eingesammelt und erzielte entsprechend niedrige Preise 85 . Gegenüber

dem Durchschnitt der Wirtschaftsjahre 1989/ 90 - 1991/ 92 konnte sich die Einkommenslage

der Betriebe des ökologischen Landbaus nicht verbessern, was u.a. auf

die leicht rückläufige Tendenz der Erzeugerpreise durch das steigende Angebot zurückzuführen

ist. Es zeigt sich die Notwendigkeit einer Förderung der Verarbeitungsund

Vermarktungskapazitäten, damit alle ökologisch wirtschaftenden Betriebe ihre

Erzeugnisse zu (den höheren Produktionskosten entsprechend) höheren Preisen

absetzen können. Durch den allgemeinen Rückgang der betrieblichen Einkommen in

der Landwirtschaft können Betriebe des ökologischen Landbaus aber auch bei

gleichbleibenden Rahmenbedingungen in den nächsten Jahren ein höheres Betriebseinkommen

als konventionell wirtschaftende Betriebe erzielen 86 . Durch die

bestehenden Mittel zur Förderung extensiver und umweltgerechter Landwirtschaft

auf Bundes- und EG-Ebene besteht allerdings die Gefahr, daß bei vielen Betrieben

zwar ein Anreiz zur Umstellung auf den ökologischen Landbau geschaffen, der Absatz

der Produkte aber nicht gesichert würde. Zur Erlangung befriedigender betriebswirtschaftlicher

Ergebnisse sind dann Rationalisierungsschritte notwendig, die

große Betriebe begünstigten. Der in der konventionellen Landwirtschaft zu beobachtende

Strukturwandel würde somit den ökologischen Landbau ebenfalls betreffen.

Zwei Argumente, die häufig gegen die Möglichkeit eines flächendeckenden ökologischen

Landbaus werden, sind die geringeren Erträge, die die Ernährung nicht sichern

würden und zu hohe Produktpreise, die von vielen Verbrauchern nicht gezahlt

werden könnten. Untersuchungen von BECHMANN et. al. (1993) 87 zeigen, daß bei

Vollumstellung auf ökologischen Landbau eine physiologisch ausgeglichene Ernährung

gewährleistet wäre, das Nahrungsangebot sich aber verändern würde (die

pflanzliche Produktion wäre die Ernährungsbasis, während die Erzeugung von

Schweinen und Geflügel reduziert werden müßte). Unter der Annahme, daß die Verbraucherpreise

und die Einkünfte in der Landwirtschaft unverändert bleiben, wären

nach diesen Berechnungen 10,2 Mrd. DM als Einkommensaugleich für Mindererträge

notwendig. Dieses Finanzvolumen könnte durch Umverteilung derzeitiger Agrarsubventionen

(hauptsächlich aus dem Bereich der Stützung der Marktordnungspreise)

bereitgestellt werden. Die Autorinnen gehen bei ihren überschlägigen Berechnungen

von einer Schwankungsbreite von ca. 2 Mrd. DM aus.

84 ebenda

85 Umweltstiftung WWF - Projekt Wümmewiesen (Hrsg.): Leitfaden zur Extensivierung der (Grün-)Landwirtschaft, 1992,

Verlag Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft - Bauernbfatt e.V., Rheda-Wiedenbrück

86 Deutscher Bundestag - Agrarbericht 1994: a.a.O.

87 Bechmann, A., Meier-Schaidnagel, R., Rohling, I (1993): Landwirtschaft 2000 - Die Zukunft gehört dem ökologischen Landbau.

Szenarien für die Umstellungskosten der Landwirtschaft in Deutschland

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