IOEW SR 075 Ökonomische Alternativen zum Ausbau E..., Seiten 1 ...

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Auch im Bereich der Elbtalaue und der umliegenden Region existieren landwirtschaftliche

Großbetriebe in der Form von juristischen Personen, welche z.T. erhebliche

Anteile an der landwirtschaftlichen Fläche besitzen (s. auch C-1.33) Die Ansatzpunkte

hinsichtlich einer ökologischen Produktion für kleinstrukturierte einzelbetriebliche

Landwirtschaft wurden bereits oben diskutiert. Aber auch größere genossenschaftlich

o.ä. organisierte Betriebe können Anknüpfungspunkte liefern für eine

ökologische landwirtschaftliche Produktion. Neben den vergleichsweise großen Betriebsflächen

sind es vor allem folgende betrieblichen Organisationsstrukturen, welche

eine Umstellung auf ökologischen Landbau interessant erscheinen lassen:

• Größere Betriebs- bzw. Hofflächen können Möglichkeiten bieten, ausgewogenere

Fruchtfolgen zu praktizieren.

• Durch die Kombination verschiedener Produktionszweige kann eine innerbetriebliche

Kreislaufwirtschaft leichter praktiziert werden, als bei kleinen, weniger flexiblen

Betrieben.

• Maschinenparks können gemeinschaftlich und im Austausch mit Einzelbetrieben

genutzt werden.

• Aufgrund größerer Hofflächen, vielgestaltiger Produktion und höherem Kapitaleinsatz

können Weiterverarbeitungsanlagen aufgebaut und gemeinschaftlich betrieben

werden.

• Die Arbeitsgemeinschaft auf dem Hof kann vielfältige öffentliche und soziale Aufgaben

wahrnehmen, was Familienbetriebe vielfach nicht leisten können (z.B.

Hofladen, Informationsveranstaltungen, Führungen...).

• Aufgrund eingeteilter Arbeitsbereiche und -Zeiten können berechtigte Ansprüche

auf Freizeit, Urlaub und Verdienst in einem sozialverträglichen Maße bzw. in Anlehnung

an individuelle Bedürfnisse organisiert werden.

• Im Rahmen einer gemeinschaftlichen, genossenschaftlichen o.ä. Arbeitsgemeinschaft

bleibt Raum für Erwachsene und auch für die Kinder als mögliche nachfolgende

Betriebsgeneration, Interessen und Neigungen nachzugehen und sich individuell

zu entwickeln. In diesem Sinne wäre es wichtig, "die wirtschaftlichen und

sozialen Bedingungen so zu gestalten, daß die eigene Persönlichkeitsentwicklung

nicht zu kurz kommt und der ökologische Betrieb bereits selbst als Lernchance

begriffen werden kann." (Gahr-Krepold 1994)

Auch die Landschaftsschäden, die in der Vergangenheit gerade durch die Errichtung

der Großstrukturen in der ehemaligen DDR verursacht wurden (große Feldschläge,

Monokulturen, Erosionen, etc.), könten durch eine öklogische Bewirtschaftung der

Großbetriebe vermindert werden, da landschaftsökologische Pflegearbeiten im

Rahmen der Flächenbewirtschaftung eine große Rolle spielen. Die Gefahr besteht

allerdings, das die ausgeräumte Agrarlandschaft von Nachfolgebetrieben als Freibrief

für eine rein unter ökonomischen Gesichtspunkten betriebene durchrationalisierte

Landbewirtschaftung genutzt wird, statt sie als Erblast zu verstehen und durch

landschaftspflegerische Maßnahmen eine Revitalisierung der Landschaft zu bewirken.

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