IOEW SR 075 Ökonomische Alternativen zum Ausbau E..., Seiten 1 ...

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ökologischen Landbau informiert sind. Hier läßt sich als Schlußfolgerung ableiten,

daß das Informationsdefizit zum ökologischen Landbau und seiner Erzeugnisse

durch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit abgebaut werden muß.

Die prognostizierten Potentiale erschließen sich nicht von selbst. Bei Ausdehnung

des ökologischen Landbaus, besonders wenn er schwerpunktmäßig in einer Region

erfolgt, ist also das parallele Wachsen der Absatzmöglichkeiten für die wirtschaftliche

Situation der Betriebe entscheidend. Sonst kann ein Verdrängungsprozeß einsetzen,

der kleinere Höfe und Betriebe mit schlechteren Standort- und Strukturbedingungen,

die bisher oft im ökologischen Landbau eine Nische gefunden haben,

auch in diesem Bereich keine Existenzmöglichkeiten läßt.

Bei der Vermarktung ist von Seiten der Landwirtschaft wichtig, daß der höhere Preis,

den Konsumenten für Produkte aus dem ökologischen Landbau bereit sind zu zahlen,

auch tatsächlich den Erzeugern zugute kommt. Untersuchungen zeigen, daß der

höhere Preis für Produkte aus ökologischem Landbau nicht auf große Preisunterschiede

im Landwirtschaftsbereich zurückzuführen ist, sondern die wesentlichen

Aufschläge erst bei den nachgeordneten Verarbeitungs- und Handelsschritten erfolgen.

Zum Teil erklärt sich dieses durch höhere Verarbeitungs-, Verpackungs- und

Transportkosten. Andererseits bestehen bei Bioprodukten größere Handelsspannen,

wie eine dänische Untersuchung zeigt, die den Preis für ökologisch und konventionell

produziertes Weizenmehl aufschlüsselt. Während die Aufschläge für konventionell

erzeugtes Mehl 3-4% betragen, ergab sich für Mehl aus kontrolliert biologischem

Anbau eine Handelsspanne von 25% (Grennpeace 1992).

Die Preisentwicklung ist für die einzelnen Produkte sehr unterschiedlich und stark

von den Absatzmöglichkeiten des jeweiligen Betriebes abhängig, so daß verallgemeinerbare

Aussagen schwer möglich sind. Von der Tendenz her ist der Getreidepreis

langfristig sinkend, nachdem er bis zum Wirtschaftsjahr 1988/ 89 anstieg

(Zerger 1993). Hier wird u.a. der Preisdruck durch ein zunehmendes Angebot - auch

aus dem Ausland - deutlich. Andererseits zeigt das Beispiel der Münchener Großbäckerei

"Hofpfisterei", daß der Absatz von Brotgetreide aus kontrolliert biologischem

Anbau in erheblichem Maße steigerbar ist. Kartoffeln werden oft direkt vermarktet,

wodurch sich hier eine andere Situation ergibt. Der Preis liegt etwa doppelt

so hoch wie im konventionellen Bereich. Die Steigerung der Absatzmöglichkeiten ist

regional sehr unterschiedlich. Die Wendland-Kooperative in Lüchow sieht bei ihren

gegenwärtigen Absatzstrukturen einen Grenzwert für Kartoffeln erreicht. Milch kann

oft nur zum konventionellen Auszahlungspreis abgesetzt werden, da entweder die

getrennte Einsamlung oder die Weiterverarbeitung in der Region nicht möglich ist.

Für Fleischprodukte ist ebenfalls entscheidend, ob sie bei Schlachtereien oder

Metzgereien abgesetzt werden können, die einen entsprechend höheren Preis zahlen.

Da die Vermarktung von Bio-Fleisch über den Naturkosthandel nicht organisiert

ist, ist hier viel Eigeninitiative gefordert. Der Gemüseanbau ist sehr stark saisongeprägt,

so daß bei insgesamt positiv zu bewertenden Absatzmöglichkeiten saisonale

Überangebote auftreten können. In der Region gilt dieses besonders für Spargel,

sowohl aus kontrolliert biologischem wie aus konventionellem AnbaiF.

Die Erzeugerpreise sind dann hoch, wenn regionale Absatzmöglichkeiten bestehen.

Sie sind umso stabiler, je direkter die Ware an den Endverbraucher verkauft werden

kann. Dieser Vermarktungsweg stellt allerdings nur eine Vermarktungsnische da.

Nicht alle Verbraucherinnen können sich auf die besonderen Bedingungen der Di-

92 Mündliche Mitteilung der Wendland-Kooperative GmbH bzw. Herr Eggert, Kreisbauernverband Ludwigslust e.V.