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reichen. Dieses führt zu einer intensiveren Grünlandnutzung mit folgenden Entwicklungen:

• stärkere Düngung des Grünlandes mit Mineraldünger zur Ertragssteigerung

(dieses führt zu einer Veränderung und Verarmung der Pflanzengesellschaften),

• frühzeitigere Nutzung (Grasschnitt oder Beweidung) und häufigere Nutzungsintervalle

(4-5 Schnitte auf intensivem Grünland),

• Drainage, um Fläche noch früher bewirtschaften zu können (bei längerer Trokkenheit

im Sommer kann dann Bewässerung notwendig werden),

• Umbruch von Grünland, daß durch die Entwässerung auch als Ackerfläche nutzbar

ist, um weitere Anbauflächen für Futtermais zur Verfügung zu haben (in Überschwemmungsgebieten

und Hanglagen kann es hierdurch zu verstärkter Bodenersion

kommen).

Die früher weitverbreitete vielfältige Viehhaltung mit Rindern, Schafen, Ziegen, Pferden

und Schweinen ermöglichte eine differenzierte Nutzung des Grünlandes entsprechend

seiner Nutzungsmöglichkeiten und Pflanzenzusammensetzung. Die verschiedenen

Tierarten hatten unterschiedliche Ansprüche an Futter und Pflege. Der

Bauer konnte die Wiesen und Weiden ihrem Potential entsprechend bewirtschaften

und ein differenziertes Nutzungsmosaik entstand. Heute sind Rinder und Schweine

die dominierenden Arten in der intensiven Viehhaltung. Die Bewirtschaftung der

Wiesen und Weiden wird dem Rationalisierungsdruck angepaßt. Ertragsarme Flächen

fallen ganz aus der Nutzung heraus und verbuschen (oder müssen durch

Landschaftspflege erhalten werden), während die übrigen Flächen intensiver genutzt

werden. Entsprechend sind die Grünlandnutzungen vereinheitlicht.

Unter extensiven Bedingungen geworbenes Futter muß aber nicht grundsätzlich von

schlechterer Qualität sein, wenn auch die Erträge geringer sind. Während zur Ertragsentwicklung

bei zunehmender Intensivierung der Grünlandwirtschaft viele Untersuchungen

erfolgten, gibt es bisher über die Auswirkungen der Extensivierung nur

wenige wissenschaftliche Ergebnisse. Zusätzlich treten hier die Standortunterschiede

wesentlich deutlicher zutage, so daß die Übertragbarkeit auf andere Gebiete

nicht ohne weiteres möglich ist. Die Landwirtschaftskammern Weser-Ems 93 und

Hannover 94 haben Untersuchungen zu Ertragsausfällen unter Naturschutzauflagen

durchgeführt. Die Versuche in den "Borgfelder Wümmewiesen" ergaben einen 40-

prozentigen Ertragsrückgang bei der "Naturschutznutzung" (keine Dünugng, späte

erste Mahd) (WWF 1992). Bei den Versuchen der LWK Hannover konnten in der

Naturschutzvariante gleiche Trockenmasseerträge im Jahresdurchschnitt erzielt

werden, wie bei eineer mittelintensiven Nutzung (drei Schnitte, erste Mahd 15.6.,

100 kg Stickstoff/ ha pro Jahr) (ebenda). Unter extensiven Bedingungen scheint es

also große Ertragsschwankungen zugeben, wobei die Versuche auch zeigen, daß

eine genau abgestimmte Nutzung die optimale Ertragsentwicklung stärker beeinflußt

als bei intensiven Nutzungsformen. Hier sind also weitere Untersuchungen und Erfahrungen

notwendig.

Ein weiteres wichtiges Kriterium neben dem Ertrag ist die Futterqualität, die für die

Futterverwertbarkeit durch das Vieh ausschlaggebend ist. Eiweißgehalt und Rohfa-

93 "Versuch zur Ermittlung landwirtschaftlicher Nutzungsausfälle durch Naturschutzauflagen" im Naturschutzgebiet

"Borgfelder Wümmewiesen" bei Bremen von 1985 -1989

94 Landschaftspflegeversuche der Landwirtschaftskammer Hannover 1965 -1987; durchgeführt von v. Borstel (KTBL: Auswirkungen

von Naturschutzauflagen auf die Grünlandbewirtschaftung; Arbeitspapier 131, Darmstadt, 1988)

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