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gerechten Landwirtschaft im Großschutzgebiet Elbtalaue ist die Möglichkeit der

Qualitätsproduktion gegeben, die die Voraussetzung für gezielte regionale Verarbeitung

und Vermarktung ist. Zur Förderung des Absatzes regionaler Qualitätsprodukte

aus ökologischem Landbau bieten sich folgende Maßnahmen an:

Gründung einer Erzeugergemeinschaft für "Qualitätsfleisch aus dem Elbetal"

Die unter extensiven und artgerechten Bedingungen gehaltenen Rinder lassen sich

nur zu einem höheren Preis vermarkten, wenn zum einen eine hohe Qualität

(geringer Fettgehalt, Zartheit, geringer Bratenverlust) gewährleistet ist und zum anderen

diese Qualität für den Verbraucher durch Kennzeichnung und Marketing erkennbar

ist. Gegenüber der Fleischgüte haben die Haltungsbedingungen bisher kein

so hohes Gewicht bei der Kaufentscheidung. Krankheitsprobleme (BSE, Schweinepest,

etc.) und Skandale (unwürdige Tiertransporte), die hauptsächlich durch Massentierhaltung

und entsprechende Fütterungs- und Verarbeitungsbedingungen verursacht

werden, lassen aber die Sensibilität der Bevölkerung für artgerechte Tierhaltung

steigen.

Eine regionale Erzeugergemeinschafte mit einem Markenzeichen für Qalitätsfleisch

aus artgerechter Tierhaltung 96 ist für die Vermarktung ein gutes Instrument. Der finanzielle

und organisatorische Aufwand ist so eher zu leisten als bei einzelbetrieblichen

Aktivitäten. In den landwirtschaftlichen Betriebsablauf lassen sich Anforderungen

der Kundenlnnen oft schwer integrieren. Erzeugergemeinschaften können ein

vielfältiges und über das Jahr konstantes Angebot gewährleisten. Damit sind sie

auch für Großabnehmer, wie Großküchen, Gastronomie und Lebensmittelhandel

interessanter, als für Einzelbetriebe, da sie regelmäßig beliefert werden wollen.

Gleichzeitig kann eine Erzeugergemeinschaft eine stärkere Verhandlungsposition

aufbauen, als dies bei einzelbetrieblicher Vermarktung möglich wäre. Gleiches gilt

für das Verhältnis zu Verarbeitungsbetrieben.

Direktvermarktung ab Hof

Die Direktvermarktung von Obst und Gemüse ab Hof ist für viele Betriebe des ökologischen

Landbaus ein lohnendes Standbein. Ein Fleisch- und Wurstangebot kann

das Angebot abrunden. Untersuchungen zeigen, daß viele Kunden des Naturkosthandels

und von Hofläden zwar wenig Fleisch konsumieren, allerdings wäre für ein

qualitativ hochwertiges Fleischangebot aus artgerechter Tierhaltung eine Nachfrage

durchaus vorhanden. Günstige Bedingungen für eine Direktvermarktung haben

stadtnahe Höfe, so daß in der bevölkerungsarmen Elberegion hier nur einige Höfe

eine Nische finden können. Aufgrund der Hygienevorschriften für den Fleischverkauf

ist ein Kundenlnnenstamm von Vorteil, der eigene Vorratsmöglichkeiten hat und

größere Partien (1/8, 1/4, 1/2) in zerlegtem Zustand abnimmt.

Zusammenarbeit mit Metzgereien oder Schlachthöfen in der Region

Der direkte Verkauf von Schlachtvieh an Metzgereien bringt im allgemeinen höhere

Erlöse als der Verkauf an Schlachthöfe, da hier ein Handelsschritt ausgelassen wird.

Für Qualitätsfleisch können Metzgereien einen höheren Preis erzielen, besonders

96 Beispiele für entsprechende Markenzeichen sind Neuland (mit einem eigenem Netz von Metzgereien) und die Erzeugergemeinschaft

Eichhof aus Osnabrück (deren Mastbedingungen allerdings nur teilweise extensiven oder ökologischen Kriterien

entsprechen)

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