IOEW SR 075 Ökonomische Alternativen zum Ausbau E..., Seiten 1 ...

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Umweltfinanzierungsinstrumente, zu denen LIFE, LEADER u.a.m. gehören. Auf

Bundes- und Länderebene sind eine Vielzahl von Fördermaßnahmen im Rahmen

der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW-

Mittel), Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes

(GAK-Mittel), sowie Mittel nach dem AFG (ABM-Mittel, LKZ sowie § 249h-

Mittel) zu nennen.

Die Mittelvergabe und die Ausgestaltung der aus den genannten Förderprogrammen

resultierenden bundesländerspezifischen Programme differiert erheblich. Es wäre

die Aufgabe eines separaten Gutachtens, die unterschiedlichen Fördervoraussetzungen

zu analysieren und in ihren Konsequenzen zu beurteilen. Nach den

Ergebnissen der Expertenbefragung könne man beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern,

Dorferneuerungsmittel mit Fremdenverkehrsförderungsmitteln kombinieren,

unabhängig davon, ob ein Dorf bereits als Ganzes in die Dorferneuerung

einbezogen wurde. In Brandenburg existiere diese Möglichkeit jedoch nicht.

Hinzu kommt, daß die Möglichkeit auf mehr Mittel zurückgreifen zu können lediglich

eine notwendige, nicht jedoch hinreichende Voraussetzung für die integrierte ländliche

Entwicklung ist. Ebenso wichtig ist, daß bestimmte Mittelverwendungen Auflagen

unterworfen werden, um auszuschließen, daß z.B. Strukturförderungsmittel für

naturzerstörende Maßnahmen in Anspruch genommen werden. So wird in der Zeitschrift

"Elbtalaue" davon berichtet, daß die Gemeinde Gorleben den Bau eines

Sportboothafens in einem bisher unbebauten, naturräumlich sehr wertvollen Teil des

Gorlebener Hakens plant, und hierfür EG-Strukturförderungsfördermittel im Wert von

40 % der geplanten Investitionskosten in Anspruch nehmen kann. 103

Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß die Diskussion um die Ausweisung von

Großschutzgebieten als ein positives Element regionaler Entwicklung noch am Anfang

steht. Auch wenn die Wirkung auf die Wertschöpfung in einzelnen Wirtschaftsbereichen

noch eine Vielzahl ungeklärter Fragen aufwirft, so sind mit der Ausweisung

eines Großschutzgebietes für den Tourismus in der Summe positive Effekte zu

erwarten.

3.2.2 Fremdenverkehr im Spannungsfeld von Ökonomie und Ökologie

Fremdenverkehrspolitik auf der Ebene der Regionen und Gemeinden wird in der

Mehrzahl aller Fälle als Wirtschaftsförderungsaufgabe verstanden. Insbesondere in

strukturschwachen Regionen wie den Neuen Bundesländern wird Fremdenverkehrsförderung

als ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der sozioökonomischen

Lage der einheimischen Bevölkerung gesehen. Die Wertschöpfungsbeiträge

sowie die Arbeitsplatz- und kommunalen Einnahmeeffekte sind wichtige

Kennziffern, an denen die positiven wirtschaftlichen Beiträge des Tourismus festgemacht

werden. Desweiteren wird es durch Fremdenverkehrsförderung ermöglicht,

Infrastrukturen (beispielsweise Schwimmbäder, Verbesserung des ÖPNV) aufzubauen,

die gleichzeitig auch die materielle Lebensqualität der Einheimischen deutlich

verbessern. Insbesondere in strukturschwachen, dünnbsiedelten Regionen ist

die touristische Nachfrage der entscheidende Faktor, um eine hinreichende Auslastung

zu erreichen und ein wirtschaftliches Betreiberkonzept zu ermöglichen.

Eine allein auf diese ökonomischen Effekte abzielende Fremdenverkehrsförderung

hat jedoch in der Vergangenheit die ökonomischen und ökologischen Folgewirkun-

103 "Sportboothafen gefährdet Elbe-Biber, in: Zeitschrift "Elbtaiaue aktuell", Nr.1/1994, S. 9

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