IOEW SR 075 Ökonomische Alternativen zum Ausbau E..., Seiten 1 ...

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Im Jahre 2000, also bereits 4 Jahre nach Vollendung der Ausbaumaßnahmen, wurde

deutlich, daß das Landschafts- und Naturpotential der Region 'Elbtalaue' wesentlich

beeinträchtigt war.

Folgen der Ausbaumaßnahmen für die regionale Entwicklung

Angesichts der Forcierung der Ausbaumaßnahmen und der absehbaren ökologischen

Folgen wurde die Orientierung auf eine ökologische Gesamtentwicklung der

Region aufgeben. Vereinzelt wurden zwar Ansätze einer umweltschonenden und

extensiven Landwirtschaft fortgesetzt, die Maßnahmen zum Elbeausbau bestärkten

jedoch insgesamt die Kräfte, die auf eine traditionelle Intensiv-Landwirtschaft im

Rahmen der EG-Marktordnung setzten. Besonders drastisch war der Umschwung im

Fremdenverkehrsgewerbe. Die begonnene Ausrichtung auf umweltschonende Formen

der Urlaubsgestaltung in Kooperation mit der Naturparkverwaltung wurde als

zunehmendes Risiko angesehen. Bereits seit 1995 verfolgte man eine Doppelstrategie:

Zum einen versuchte man über einige Großprojekte, wie den Akquapark Lenzen

und den Sportboothafen Gorleben freizeitaktive Kurzurlauber zu gewinnen, zum war

man bei den Langzeiturlaubem bemüht die Zielgruppe der Ruhe und Naturnähe suchenden

Klientel anzusprechen. Insbesondere in den Sommermonaten führte dies

zu erheblichen Reibungen zwischen den einzelnen Urlaubergruppen.

Nachdem die Ausbaumaßnahmen an der Elbe vollendet waren und sich erste negative

Auswirkungen in Flora und Fauna der Elbtallandschaft zeigten, blieben die durch

die unklare Angebotsstruktur bereits verunsicherten naturorientierten Urlauber nach

und nach aus. Mit dem Ausfall dieses Marktpotentials waren für das Hotel- und

Gastgewerbe erhebliche Einbußen verbunden. Der Auslastungsgrad für die bereitgestellten

Kapazitäten verschlechterte sich erheblich, da sich die Umsätze nun auf

die traditionellen saisonalen Spitzen und die "Schön-Wetter-Kurzurlauber" konzentrierten.

Auch viele 'sanfte' Infrastruktureinrichtungen, wie Fahrradwege, Naturlehrpade,

Abenteuerspielplätze, für deren Aufbau die Gemeinden erhebliche finanzielle

Anstregungen unternommen hatten, wurden immer weniger frequentiert. Die hiermit

verbundene personelle Betreuung durch Einrichtungen der öffentlichen Hand und

private Vereine wurde nach und nach eingestellt.

Die Orientierung auf die klassischen Marktsegmente in den Bereichen Landwirtschaft

und Tourismus war mit erheblichen ökonomischen Risiken verbunden. Der Verzicht

auf eine qualitative Ausrichtung dieser Bereiche führte dazu, daß die Wettbewerbssituathn

in großem Maße durch quantitative und funktionale Leistungsmerkmale bestimmt

wurden. Da diese Leistungsmerkmale bundesweit von zahlreichen anderen

Anbietern auch angeboten wurden, verstärkte sich der Konkurrenzdruck erheblich.

Unter diesen Wettbewerbsbedingungen setzte ab 1996 ein Konzentrationprozeß sowohf

in der Landwirtschaft als auch im Fremdenverkehrsgewerbe ein. Viele kleine

und familienorientierte Betriebe gaben auf. Um im Preiswettbewerb mithalten zu können,

wurde in den größeren Betrieben in erheblichem Umfang personengebundene

Leistungen zurückgeschraubt. Aufgrund dessen gingen ab 1998 in diesem Bereichen

auch wieder zahlreiche Arbeitsplätze verloren, die Arbeitsplatzperspektiven verschlechterten

sich insgesamt. Der Prozeß der Abwanderung insbesonderer junger

Arbeitskräfte, der bis Mitte der neunziger Jahre gestoppt schien, setzte sich weiter

fort.

Die Ausrichtung der regionalen Landwirtschaft und des Tourismus auf klassische

Marktsegmente hatte zunehmend negative Rückwirkungen auf die Umweltsituation.

Durch die Intensivlandwirtschaft wurde insbesondere in Folge von Stoffeinträgen der

Wasserhaushalt der Region erheblich belastet. Die Verdichtung der Nutzungsiriter-