CARL SATTLER, MÜNCHEN

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CARL SATTLER, MÜNCHEN

Abb. i I Erholungsheim. Schloß Elmau

Architekt: Carl Sattler^ München

Vgl. Abb. 2 bis 4

CARL SATTLER, MÜNCHEN

Aus dem umfangreichen baukünstlerischen Schaffen des

Münchener Architekten Professor Carl Sattler werden hier einige

ältere und neuere Arbeiten veröffentlicht, die klar die Gesinnung

widerspiegeln, die dieses Schaffen bestimmt,

Sattlers Bauten fußen auf der gerade in München besonders

lebendig gebliebenen Überlieferung des Barock und des Klassizismus

und zeugen von einem ebenso sicheren Geschmack wie

von einer Beherrschung der Gestaltungsmittel.

Das Erholungsheim Schloß Elmau (Abb. 1—4) erinnert in

der Geschlossenheit seiner von hohem Dach gekrönten Baumasse

ah süddeutsche Kloster- und Stiftsbauten; wie jene fügt

es sich in die schöne landschaftliche Umgebung der Bergwelt

prachtvoll ein. Die vielfältigen Lebensbedürfnisse, denen der

Bau dient, werden innerhalb eines rechteckigen Grundrisses

(Abb. 4) erfüllt, dessen Räume sich um einen innern Hof mit

den stattlichen Abmessungen von 27,6 m zu 17,5 rn ordnen.

Durch die offene Vorhalle (Abb. 3) betritt man die große Eingangshalle

(Abb. 2), deren Gewölbe von zwei Säulen aus

poliertem Treuchtlinger Marmor gestützt werden und dessen

Fußboden mit Solnhofer Platten belegt ist. Von der Halle

W.M.B. XII. 2


Abb. 2 I Erholungsheim Schloß Elmau / Architekt: Carl Sattler^ München

Eingangshalle

Vgl. Abb. i, 3 und 4

aus führen kreuzgewölbte Gänge zu den Wohnräumen der

Gäste und zu den gemeinsamen Speise- und Gesellschaftsräumen,

Zeigt Elmau Formen, die an den süddeutschen Barock anklingen,

so ist in dem Gartenhaus des Landsitzes B. in Baden

(Schweiz) der klassizistische Architravbau in einer wirkungsvollen

und bei den geringen Abmessungen überraschend großzügigen

Weise verwendet (Abb. 7 u. 8).

Klassizistisch ist auch das Haus F. am Starnberger See empfunden

und streng durchgeführt (Abb. 9—14 und 20). Von der

Landstraße aus führt ein Zufahrtsweg zu dem von zwei Flügelbauten

umrahmten Ehrenhof, auf den sich die von zwei glattschäftigen

dorisierenden Säulen begleitete und von einem Balkon

überdachte Eingangstür öffnet. Diese Ausbildung der Eingangstüre

(Abb, 20) erscheint in ihren wohlabgewogenen Verhältnissen

und dem reizvollen Gegensatz zwischen dem leichten Gitterwerk

der Brüstung und dem bei alier Schlankheit doch schweren

Architravbau besonders glücklich gelöst, ergibt für die Auffahrt

einen willkommenen Blickpunkt und verleiht dem im

übrigen schmucklos gebliebenen Äußeren des Hauses einen

wertvollen Schmuck, Von den Innenräumen dieses Landsitzes

vermittelt der hier wiedergegebene Musiksaal (Abb. 14) einen

Eindruck Sattlerschcr Raumgestaltung, die vielfach gerühmt

wird und wofür das Musikzimmer eines Sanatoriums in Loschwitz

bei Dresden (Abb. 21 auf Seite 60) ein weiteres Beispiel

bietet. Während der Musiksaal der Abbildung 14 klassizistisches

Gepräge hat und die Überlieferung Münchens aus den Zeiten

Ludwigs I. weiterführt, klingt der Saal der Abbildung 21 leise

an das Dresdner Barock an.

Bei dem Hause F. ist wie bei Elmau die Einfügung des Baues

in die Landschaft besonders feinfühlig gelöst (Abb. 10 und 13).

Die Lage des Hauses inmitten des großen an den See stoßenden

Grundstücks erlaubt auch eine glückliche Entwicklung des

Gartens, eines wohltuenden Ineinandergreifens von Haus und

Landschaft (Abb. 10 und 11).

In hohem Maße ist auch bei dem Landhaus von Dr. L. in

Murnau die Einheit von Bauwerk und Garten erreicht (Abb. 5);

die dem Hause vorgelagerte Terrasse bildet mit dem reichen

Pflanzenwuchs ihrer Brüstungen einen schönen Übergang vom

Garten zum Hause; die breite Freitreppe verbindet Haus und

Garten in einer anspruchslosen und eben darum wie selbstverständlich

wirkenden Weise. Die Schwierigkeit, die für eine

befriedigende Verbindung zwischen einem hoch emporgehobenen

Erdgeschoß und dem tiefergelegenen Garten im allgemeinen be-


Abb. 3 I Erholungsheim Schloß Elmau j Architekt: Carl Saider, München

Haupteingang mit offener Jbrballe j l'ol. Abb. i, 2 und 4

Abb. 4 j Erholungsheim Schloß Elmau j Architekt; Carl Sattler^ München

Grundriß des Erdgeschosses 1:600


Abb. 5 / Landbaus Dr. L. ; Murnau / Architekt: Carl Sattler, München

steht, ist hier geschickt überwunden und der Garten durch die

offene und einladende Anordnung von Terrasse und Freitreppe

als Gartenwohnraum in das häusliche Leben der Bewohner rnit

einbezogen.

Das weit reichere Beispiel einer großen Tcrrassenanlage bietet

der Landsitz B. in Baden (Abb. 6); die Stützmauer der Terrasse

mit Freitreppen, Balustrade und Brunnennische gibt dem davor

liegenden Gartenteil einen strengen architektonischen Abschluß,

der in diesem regelmäßig aufgeteilten Garten den Übergang

von Haus und Grünfläche in seiner Weise ebenso günstig vermittelt

wie die berankten Terrassenbrüstungen bei dem Hause

in Murnau zwischen dem welhgen Gelände des Gartens und dem

aufgelockerten Baukörper vermitteln. Begleitet wird in dem

Badener Landsitz dieser Übergang durch die Behandlung des

Baumwuchses: der strengen Reihe von kugelförmig geschorenen

Bäumen auf der Terrasse steht eine gleichfalls streng geordnete,

aber in ihrem Laub sich frei entwickelnde Baumreihe gegenüber,

während am Fuße der Stützmauer geschorene Baumpyramiden

neben unbcschnittcncn Sträuchern den Übergang im Pflanzenwuchs

vermitteln.

Außer einer ausgedehnten Bautätigkeit haben Entwürfe für

Studentenheime Professor Sattler in den letzten Jahren vielfach

beschäftigt. Der in den Abbildungen 15—19 wiedergegebene

Entwurf ist 1925 entstanden. Auch hier sind, wie in Elmau,

Räume verschiedenster Größe und mannigfaltiger Verwendung

in einen straffen, in der Hauptsache symmetrisch gestalteten

Baukörper eingefügt, also unter Verzicht einer Hervorhebung

des Vortragssaales im äußeren. Nur die große, fast ebenerdige

Halle, die in der Mitte der Gartenseite liegt, wird durch die

hohen rundbogig geschlossenen Fenster mit der sich über der

Halle erstreckenden Terrasse besonders hervorgehoben. Das

niedrige Gartenzimmer mit der davorliegenden Terrasse durchbricht

zwar die strenge Symmetrie des Baukörpers, würde aber

jedenfalls infolge ihrer geringen Höhe den Übergang zum Garten

vermitteln und bei der Ausführung weniger fremd wirken wie

in der geometrischen Aufrißzeichnung (Abb. 17).

L.J.

Abb. 6 I Landsitz B. in Baden (Schweiz) j Architekt: Carl Sattler, München

„ ; Vgl. Abb. 7 und 8 _-,

54


Abb. 7 / Landsitz B. in Baden (Schweiz) Architekt: Carl Sauler, München

Vgl. Abb. 6 und 8

Abb. 8 I Landsitz B> in Baden (Schweiz) Architekt: Carl Sattler, München

l'gl. Abb. 6 und 7

55


Abb. 9 bis 12 / Haus F. am Starnberger

See

Architekt: Carl Sattler, München

Oben: Ansicht von Osten

Links: Lageplan 1:4000

Unten: Grundrisse 1:400

'• r gL Abb. JJ, 14 und 20


Abb. 13 I Haus F. am Stamberger See / Architekt: Carl Sattler^ München

Vgl. Abb. 9 bis 12, 14 und 20

Abb. 14 I Musiksaal im Hause F, am Stamberger See / Architekt: Carl Sattler, München

.:. • \ •>,„', .. ./ Vgl. Abb. 9 bis 13 und 20

57


i

r>

,4^^. 75 bis ig I Entwurf zu einem Studentenheim

Architekt: Carl Sattler, München

Ansichten und Grundrisse 1 ; 8oo y darüber Schaubild


0 / Starnberger See / Architekt: Carl Sattler^ München j Vgl, Abb, 9 A*"$

BÜCHERSCHAU (VGL, SEITE 89)

Städtebau. Jahrgang 1928. Heft 1 . . , Einzelpreis Mk. 2.25

Das Januarheft bringt die Vervollständigung des von

Alexander Klein in Wasmuths Monatsheften 1927 Heft 7

erstmalig veröffentlichten graphischen Verfahrens zur Bewertung

von Kleinwohnungs-Grundrissen. Klein hat inzwischen

sein Verfahren so ausgebaut und vervollständigt, daß es ein

wichtiges Mittel zur Untersuchung von Grundrissen in wirtschaftlicher

und wohntechnischer Hinsicht werden dürfte. Besondere

Bedeutung kommt ihm im Zusammenhang mit der

Wohnungsnot und ihrer Bekämpfung zu, die in einer in diesem

Heft besprochenen Denkschrift des Reichsarbehsministeriums

eingehend erörtert wird. Das Grenadier-Denkmal in Karlsruhe

und die Entwürfe für Fassaden in der Behrenstraße, Berlin,

sind nicht allein in städtebaulicher, sondern auch in rein baulicher

Beziehung interessant. Bilder aus dem Wien des 18. und 20.

Jahrhunderts, der Erweiterungsplan von Tschechisch-Teschen

und anderes vervollständigt das mit 90 Abbildungen versehene

Heft,

59


Abb. 21 I Sanatorium Dr. W. in Loschwitz bei Dresden I Musikzimmer

\ Architekt: Carl Sattler, München

NOCH EINMAL DIE WERKBUND-SIEDLUNG AUF DEM WEISSENHOF IN STUTTGART

Aus Stuttgart wird uns geschrieben:

„Zu Neujahr wurde die beigefügte Anzeige in allen Stuttgarter

Zeitungen veröffentlicht, die in merkwürdigem Gegensatz zu den

Äußerungen des Oberbürgermeisters im Herbst letzten Jahres steht,

daß für alle Einfamilienhäuser der Werkbund-Siedlung viele Liebhaber

vorhanden seien. Interessant sind in der Anzeige, daß fast

zwei Drittel der Einfamilienhäuser noch frei sind, weiter der Schlußsatz,

daß für nicht Wohnberechtigte Ausnahmen beantragt werden,

schließlich die nicht unerheblichen Mietspreise, die doch nur auf

die Kosten der Häuser zurückgeführt werden können."

Die erwähnte Anzeige lautet:

Einfamilienhäuser zu vermieten!

In der Werkbund-Siedlung auf dem Weißenhof sind noch frei:

Nr. 5 Eckhaus Oud zu 2000 RM.

,, 13, 14, 15 Häuser Corbusier zu 5/4J3000 RM.

„ 16, ij Häuser Gropius zu zgoo u> 3000 RM.

„ ig Haus B. Taut zu 2900 RM.

,, 23, 24 Häuser M. Taut zu 3000 u. 3400 RM.

„ 2$ Haus Rading zu 3000 RM.

„ 2g, 30 Häuser. Stam zu 24.00 RM.

„ 33 Haus Scharoun zu 3800 RM.

Angeb. an das Stadt. Liegenschaftsamt, Rathaus II, 'St,, Zimmer 143,

Für Nicht-Wohnberechtigte werden Ausnahmen beantragt.

Die Häusernummern beziehen sich auf den Lageplan, der

dieser Anzeige beigefügt ist und der der in W. M. B. 1927 auf

Seite 391 veröffentlichten Abbildung entspricht.

Die Mieten der übrigen Wohnungen der Weißenhof-Siedlung

sind nach uns vorliegenden Nachrichten vom Gemeinderat Stuttgart

wie folgt festgesetzt worden:

In dem Miethaus von Mies von der Rohe beträgt die Miete

für eine Zweizimmer-Wohnung je nach Größe 870 bis 1030 Mark,

für eine Dreizimmer-Wohnung 1110 bis 1500 Mark, für eine

Vierzimmer-Wohnung 15 80 Mark. Im Hause Behrens sind für eine

Dreizimmer-Wohnung 1050 bis 1150 Mark, für eine Vierzimmer-

Wohnung II20 bis 1400 Mark je nach Größe Miete zu zahlen.

Zu diesen Mieten treten die Kosten für Heizung, Warmwasser-

Versorgung usw. ? die auf die einzelnen Mieter umgelegt werden.

Für die Reihenhäuser von Oud beträgt der Mietspreis 1800 bis

2000 Mark, im Hause Schneck 2800 Mark, Haus Docker 2700 Mark,

Haus Hilberscimcr 3000 Mark, Haus Docker 3400 Mark und

Haus Frank je 2400 Mark. Hierbei ist zu bemerken, daß ein

Viertel der Baukosten der Einfamilienhäuser zu Lasten der

Ausstellung abgezogen sind.

i Aus diesen Mieten kann man auf die Baukosten schließen, die

soweit wir sehen, bis heute trotz aller öffentlich erhobenen

Forderungen nicht bekannt gegeben sind.

60


Abb, I I Wohnhaus L. in Preßburg j Architekt: Fritz Weinwurm,

Preßburg

BAUTEN VON FRITZ WEINWURM, PRESSBURG

Die hier veröffentlichten Bauten aus der Tschechoslowakei

sind Arbeiten des Preßburger Architekten Fritz Weinwurm aus

den letzten Jahren. Ihnen allen ist eine Schlichtheit eigen,

die sich von modernistischen Spielereien fernhält. Über seine

Auffassung zeitgemäßen Bauens äußerte sich Fritz Weinwurm

gelegentlich wie folgt:

„In den letzten 20 Jahren, in der Zeit der fiipsarchitektur\

wurde auf die Fassade ein unverhältnismäßig großes Gewicht gelegt,

was ein gewaltiges Hindernis für die günstige Lösung des

Innenbaues im allgemeinen war. Man dachte nicht daran, daß

die Fassade das Ergebnis des gut gelösten, inneren Organismus ist,,

sondern es wurden unbegründete Zierformen und Zierglieder gehäuft

die durch ein pawenühaftes Scheinen - Wollen keine ästhetische

Wirkung aufkommen ließen, Es ist ungerecht, zu behaupten,

daß ein großer 'Teil der heutigen Architekten die Fassadenausbildung

vernachlässigt und stets nur gute innere Ausbildung und Anordnung

der Räume vor Augen hat — das Laienpublikum erkennt

zwar letzteres an, findet aber die Fassade -meist zu schlicht und

einfach. Und doch entspringen beide dem gleichen Gesetz, und wer

das eine annimmt, muß die Berechtigung des anderen ebenfalls

anerkennen.

Würden meine Bauherren an der Fassade herumsteigen und

daran ein besonderes Vergnügen haben, würde ich mich vielleicht

entschließen, die Fassade durch dekorative Behelfe zu schmücken,

da aber meine Bauherren und deren Angehörige sich stets im

Innern des Hauses, in den Wohnräumen, Terrassen, Dachgärten

6l


Abb. 2 l Wohnhaus S. in Preßburg / Architekt: Fritz Weinwurm^ Preßburg

Vgl. Grundriß in Abb. ,?

Abb. j j Wohnhaus S, in Preßburg \ Architekt: Fritz Weinwurm, Preßburg

Grundriß i; 300

V - Vgl Abb. 2

Abb. 4 [ Wohnhaus V. in Nitra / Architekt: Fritz Weinwurm^ Preßburg

Grundriß 1:400

Vgl, Abb. 5 und 6


Abb. 5 und 6 I Wohnhaus K in Nitra j Architekt: Fritz Weinwurm, Preßburg / Vgl. Abb. 4


Abb. 7 / Wohnhaus L. in Preßburg / Architekt; Fritz Weinwurm, Preßburg

vgl. Grundriß in Abb. 8

i .1: J

Abb. 8 j Wohnhaus L. in Preßburg ( Architekt: Fritz Weimvurm, Preßburg

Grundriß i ; 300

. vgl. Abb. 7

Abb. 9 / Haus Dr. S. in Preßburg j Architekt: Fritz Weinwurm

Grundriß 1 :300

vgl, Abb. II


Abb. 10 I Wohnhaus in Preßburg J Architekt; Fritz Weinwurm, Preßburg

Abb. II j Wohnhaus Dr. S. in Preßburg / Architekt: Fritz Weinwurm, Preßburg / vgl. Abb. 9


Abb. 12 und 13 / Sanatorium in Preßburg j Architekt: Fritz Wdnwurm^ Preßburg


ILJl

Abb. 14 I Wohnhaus in Preßburg / Architekt: Fritz Weinwurm, Preßburg

bewegen, so halte ich es für nötig, das Äußere der inneren Anordnung

der Räume gemäß auszubilden"

Die Bauten Weinwurms bringen den Beweis, daß auch diese

zeitgemäßen Forderungen zu so klaren, einfachen Bauten führen

können, wie es die Wohnhäuser S. in Preßburg (Abb. 2 und 3)

und V. in Nitra (Abb. 4—6) sind. Letzteres ist ein auf spitzwinkligem

Grundstück errichtetes Einfamilienhaus, dessen geschickte

Einfügung in den ungünstigen Bauplatz ebenso wie

die durchgeführte Symmetrie der Klarheit der Erscheinung

zugute kommt.

Das Wohnhaus S. (Abb. 2 und 3) befindet sich im Preßburger

Villenviertel. Das Gartengeschoß enthält außer zwei Gästezimmern

am Vorgarten eine nach dem Wirtschaftshof zu gelegene

Hausmeisterwohnung und eine Waschküche. In den beiden

Wohngeschossen ist je eine Fünfzimmerwohnung untergebracht.

Das Haus L. in Preßburg (Abb. 7 und 8) enthält im Untergeschoß

Geschäftsräume und die Hausmeisterwohnung; in den

beiden Wohngeschossen je eine Sechszimmerwohnung mit Zentralheizung.

Bemerkenswert ist der beiderseitige Anschluß an

die verschieden hohen Nachbarhäuser.

Eine fast noch größere Ruhe zeichnet das Wohnhaus Dr. S.

(Abb. 9 und 11) aus. Es enthält im Untergeschoß die Hausmeisterwohnung

und die Waschküche, im Erdgeschoß die Gesellschafts-

und Speiseräume, im Obergeschoß die Schlafräume

der Familie und die Gästezimmer.

Nicht ganz die gleiche Klarheit wird im Sanatorium in

Preßburg erreicht (Abb, 12), wo der halbrunde Treppenturm

und die Brüstung der von der Liegeterrasse (Abb. 13) zum

Sonnenbad emporführenden Treppe die wagerechte Linienführung

in fremdartiger Weise unterbrechen. L. A.

5

W.M.B. XII. 2


Abb. 25 / Kassenhalle einer Bank in Preßburg

Architekt: Fritz Weinwurm^ Preßburg

68


Abb. i ( Mietsbhck nPestatozzihop l in Wien j Architektin: Ella Briggs } Wtm

WOHNHAUSBLOCK UND LEDIGENHEIM „PESTALOZZIHOF- IN WIEN

ARCHITEKTIN: E L LA BRIGGS, WI E N

Der „Pestalozzihof", der als ein Teil des großzügigen

Bauprogramms der Gemeinde Wien im Jahre 1926 vollendet

und der Benutzung übergeben wurde, ist nach den Plänen

der Wiener Architektin Ella Briggs und unter der Bauleitung

des Wiener Stadtbauamtes enistanden.

Das drei bis vier Stock hohe, für Wiener Gemeindebauten

also verhältnismäßig niedrige Gebäude enthält 119 Kleinwohnungen,

von denen 27 aus Küche, einem Zimmer, Kammer

und Nebenräumen, 10 aus Küche, zwei Zimmern und

Nebenräumen, 81 aus Wohnküche, einem Zimmer und Nebenräumen

und 1 aus einem Einzelzimmer mit Nebenräumen

bestehen. Die Gesamtfläche des unregelmäßigen Grundstückes

beträgt 3988 m 2 , von denen 2034 m 2 d. h. 51% bebaut sind.

Der Rest verbleibt als Hoffläche, die bis auf rund 200 m 2

als Gartenhöfe ausgebildet ist (Abb. 7 und 9).

Die Mitte der Anlage wird an der Philippovichgasse von

einem Straßenhof eingenommen, an dessen Rückseite im

Erdgeschoß ein Kindergarten von 97,81 m s untergebracht

ist (Abb. 5).

Die Gebäudegruppe enthält außer den 119 Wohnungen

noch 2 Ateliers, 5 Läden, 9 Waschküchen, 3 Wannen- und

4 Brausebäder.

Zu dieser ursprünglichen Baugruppe an der Lissbauer und der

Philippovichgasse trat später das Grundstück an der Billrothstraße



Abb. 2 und 3 j Mietsblock ,, Pcstalozzibof" in Wien / Architektin: Ella Briggs^ Wien


Abb. 4 und 5 / Mütsblock „ Pestalozzi'boj 1 ' in Wien j Architektin: Ella Briggs, Wien


hinzu (Abb. 6, 7, 8), das ein Ledigenheim aufnahm.

Es enthält 25 Einzelzimmer, 4 Gemeinschafts-

und 2 Aufenthaltsräume und die dazu

gehörigen Brause- und Waschräume, Kleiderablagen,

Teeküchen, Putzräume Sowie eine

Hauswart-Wohnung mit Wohnküche, Zimmer

und Nebenräumen.

In dem baukünstlerischen Chaos, das die

Wiener ,,Volkswohnungspaläste" über die Stadt

verbreiteten, darf der ,,Pestalozzihof" von Ella

Briggs zu den erfreulicheren Beispielen gerechnet

werden. Freilich sind gerade in der Mitte der

Baugruppe (Abb. 5) die dreieckig vorspringenden

Loggien, die halbrunden Treppentürmc, die

Lisenen des Mittelbaues und der wie nachträglich

eingefügte Kindergarten nicht zu einer ruhigen

Einheitlichkeit verschmolzen, aber bei den in

Wien herrschenden und in Wasmuths Monatsheften

schon 1926 eingehend geschilderten Verhältnissen

1 ) kann wohl auch in diesem Falle

die Verantwortung für den ,,Pestalozzihof L '

nicht allein der Planverfasserin zugeschoben

werden, die am gleichen Bau eine in ihren

Hauptzügen so viel klarere Lösung im Gartenhof

(Abb, 4) zu finden wußte. Noch jeder Architekt

ist inWien „mit seinem Projekt, das in zahllosen

Besprechungen von denBaubeamtcn begutachtet

und verbessert wird, vergewaltigt worden",

schrieben wir schon 1926 2 ). Viele Architekten,

unter ihnen auch Frau Briggs, haben inzwischen

Wien verlassen und die scharfe Kritik, die die

Bautätigkeit der Gemeinde Wien auf dem

Internationalen Städtebau - Kongreß 1926 In

Wien erhoben ist noch in frischer Erinnerung.

L.A,

Heft 9, Seite 362 ff. -) Heft 9, Seite 368.

Abb. 6 und 7 / Mietsblock „Pestalozzihof" in Wien

Architektin; Ella Briggs, Wien

Oben: Ansicht des Ledigenheims an der Billrothstraße

Unten: Grundriß des Erdgeschosses

PHllIPPOVlCHfiASSE


HOCHHÄUSER IN LONDON

Mr, Walter Tapper, Präsident des „Royal Institute

of British Architects", hielt bei Eröffnung der Wintersitzungen

ig2yJ28 im November xg2J die übliche Festrede,

deren Wortlaut im »Journal of the R. I. B. A."

(Heft i vom 12. November 192J) erschienen ist- Seine

Stellungnahme zur Frage von Hochhäusern in London

dürfte auch außerhalb Englands von Bedeutung sein:

„Wie Sie wissen, war die Forderung nach Zulassung

von Hochhäusern in London aufgetaucht.

Es ist ein Verdienst von Mitgliedern des Royal

Institute of British Architects, daß sie unter Außerachtlassung

ihres eigenen Vorteils sich gegen diese

Zulassung wandten. Sie betonten nachdrücklich,

daß höhere Bauwerke als die heute üblichen eine

Gefahr für die Volksgesundheit bedeuten würden.

In unserem nordischen Klima brauchen wir soviel

Sonnenschein wie nur möglich, er ist uns auch so

knapp genug zugemessen. Die Verkehrsfragen sind

in jeder Hinsicht verwickelt, und Hochhäuser

würden sie offensichtlich nur verschlimmern. In

allen südlichen Ländern entsprechen seit alters her

hohe Gebäude an engen Straßen den Lebensgewohnheiten

und sie sind als Sonnenschutz notwendig.

Im Norden sind niedrige Bauten an breiten

Straßen die Regel, um unnötigen Schatten zu vermeiden.

Ich hoffe daher, daß wir uns künftig nicht

wieder mit dem Wunsch nach Hochhäusern werden

auseinandersetzen müssen."

Im Zusammenhang mit diesen Worten darf daran

erinnert werden, daß 2. B.New Tork (40 0 42'') in einer

geographischen Breite mit Neapel (40 0 51*) liegt, während

London (51 0 33 1 ) und Berlin ('52° 30*) etwa auf

dem Breitengrade von Neufundland liegen.

Leo Adler

Abb, 8 i Mietshaus „Pestalozzihof^ tu Jl'ien j Architektin; Ella Briggs, Wien

Hof ansiebt des Mittelbaues

Abb, 9 / Mietshaus „Pestalozzibof* 1 in Wien

Architektin: Ella Briggs, Wien

Grundriß der Obergeschosse

Vgl Abb. 1 bis 8


Abb.T I Miethaus-Wohnung in Berlin-Wilmersdorf / Halle im Eckhause nach (Jrwufnß inAhb.n auf S.Xo j Architekt: Alexander K,,tn 7 Ji./lin

GRUNDRISSBILDUNG UND WO HX U X G S G E ST ALTU N G

BEMERKUNGEN ZU ARBEITEN VON ALEXANDER KLEIN, BKRLTN

Bereits vor etwa Jahresfrist warf ich in diesen Heften (W.M.B,

1927, Heft 6, Seite 252) die Frage auf, ob der Kleinwohnungsgrundriß

so weit entwickelt ist, daß es für seine Typisierung

genügt, die Abmessungen der Räume, ihre gegenseitige Lage usw.

als Norm festzulegen. Ich verneinte damals diese Frage und wies

auf Mängel hin, die Kleinwohnungen trotz aller Verbesserungen

heute noch aufweisen.

Inzwischen ist in der Reichsforschungs-Gcsellschaft für Wirtschaftlichkeit

im Bau- und Wohnungswesen (Berlin) eine Stelle

geschaffen worden, von der aus die Bestrebungen zur Typisierung

und Normierung im Bauwesen einheitlich geleitet werden sollen.

Eine wichtige Vorfrage im Sinne meiner oben erwähnten Ausführungen

wäre m. E. von der Reichsforschungs-Gesellschaft vor

allem zu lösen: Da es sich bei der jetzt angestrebten „künstlichen

Tyfisierung" um etwas grundsätzlich anderes handelt als

bei der von mir a. a. O. so genannten „natürlichen Typenbildung

während der geschichtlichen Entwicklung", erhebt sich die Frage,

ob die augenblicklichen Wohnsitten (und Unsitten!) als Grundlage

der Typisierung angenommen werden sollen; oder ob sie

als Mißbräuche, die auf die jahrzehntealten schlechten Wohnungsverhältnisse

(namentlich in den Großstädten) zurückzuführen

sind, selbst einer Wandlung bedürfen, die eben durch die Aufstellung

und Durchführung neuartiger Typengrundrisse beeinflußt

und gebessert werden müßten.

Die jetzige Wohnungswirtschaft ist unzweifelhaft verbesserungsbedürftig.

Trotz aller Beeinflussung der Wohnbautätigkeit

durch die dazu berufenen staatlichen und städtischen Behörden

mit Hilfe von Überteucrungszuschüssen, Hauszinssteuer-Hypotheken

usw. ist, wie Mimsterialrat Dr. Schmidt bei seinem im

Deutschen Archiv für Siedlungswesen E.V. in Berlin kürzlich

gehaltenen Vortrage feststellte, das gegenwärtige Verhältnis von

Klein- zu Mittel- zu Großwohnungen etwa 30 zu 60 zu 10 v, H.,

während dieser Hundertsatz den Einkommensverhältnissen des

deutschen Volkes entsprechend 80 zu 15 zu 5 v. H. betragen

sollte. Hierbei sind unter Kleinwohnungen solche mit I bis 3,

unter Mittelwohnungen die mit 4. bis 5 und unter Großwohnungen

die mit 6 und mehr Zimmern verstanden. Aus diesem zur Zeit

noch ungünstigen Verhältnis folgt, daß an Wohnungen, die für

Minderbemittelte zur Verfügung stehen, immer noch ein besonderer

Mangel herrscht und daß vielfach Wohnungen gerade

von jenen sozialen Schichten, für die sie eigentlich bestimmt sind,

gar nicht oder nur mit Hilfe von Aftervermietung benutzt werden


Abb. 2 I Blick auf eine Gruppe 'von Wohnhäusern in Berlin- Wilmersdorf / Architekt: Alexander Klein^ Berlin

können. Das kann schließlich zu ähnlichen Verhältnissen wie

in Schweden führen, wo, wie Steen Eiler Rasmussen in „Städtebau"

1927, Heft 5, S. 75 berichtete, es nicht möglich ist, als

Kleinstwohnungen größere als Einzimmerwohnungen zu bauen,

weil sonst in jede Wohnung zwei oder mehr Familien gemeinsam

einziehen würden.

Diese Sachlage führt zu einem verhängnisvollen Zirkel: Die

Grundrißbildung kann von dem Architekten nicht einem eindeutig

gegebenen Raumprogramm angepaßt werden, weil eben

die Mieter nur allzuoft ihre Räume nach Gutdünken und nicht

dem vorgesehenen Zweck entsprechend verwenden und schließlich

jeden Raum zur Schlafstättc machen, woraus dann die

bekannten schwerwiegenden Folgen des Wohnungselends in sittlicher

und hygienischer Hinsicht entspringen. Andererseits

glauben die Bauherren, den Architekten von eingehend durchgearbeiteten

und eindeutig festgelegten Grundrissen abhalten zu

müssen im Sinne des: „Ich bau' mein Haus für alle, dann paßt's

in jedem Falle."

Es ist, wie mir scheint, aus diesen Gründen eine berechtigte

Forderung Alexander Kleins, der in seinem „Graphischen Verfahren

zur Bewertung von Kleinwohnungs-Grundrisscn" einen

wichtigen Beitrag zur Erforschung einschlägiger Verhältnisse

geliefert hat 1 ), daß alle Wohnungen nach Größe, Zahl und Form

1) Vgl. „W. M. B." 1927, Heft 7 und „Städtebau« 1928, Heft 1.

ihrer Räume genau der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ihrer

Mieter und deren sozialer Schichtung entsprechen sollen. Diese

Aufgabenstellung führt zu einer exakteren Wissenschaft von

Grundrißbildung und Wohnungsgestaltung als wir sie bisher

kennen. Wichtig werden bei dieser Aufgabe vor allem auch die

meist über Gebühr zurückgedrängten städtebaulichen Gesichtspunkte,

die Fragen der Aufschließung, Gcländeausnützung, Randbebauung

usw. Bei Kleinstwohnungen erweisen sich auch die

gültigen baupolizeilichen Vorschriften als hemmend, besonders

wenn es sich um Klcinstwohnungen von 50, 4$ und noch weniger

Quadratmetern Wohnfläche handelt, mit einem Worte bei der

Zurückführung von Kleinstwohnungen auf das Wohnungsminimum,

wie es heute vielfach angestrebt wird. Das sind Forderungen,

die z. T. auch bereits in der Denkschrift des Reichsarbeltsmmisteriums

über die Wohnungsnot und ihre Bekämpfung

(vgl. Städtebau 1928, Heft 1) erhoben werden: „Wie praktische

Beispiele im In- und Ausland zeigten, ist es vielfach möglich,

mit etwa 50 qm Wohnfläche auszukommen. Das bekannte alte

Bremer Einfamilienhaus hat eine Wohnfläche von etwa 56 qm.

Es erscheint daher mit den Möglichkeiten unserer Zeit kaum

vereinbar, wenn die große Masse der neuen Wohnungen bis

vor kurzem durchschnittlich eine Wohnfläche von 70 qm hatte"

(Denkschrift, Seite 33).

Damit dürften diese theoretischen Forderungen künftig auch

75

W.M.B. XIJ. 2


Abb. 3 / Mietbaus- Wohnung in Berlin-Wilmersdorf j Blick aus dem Vorraum in die Halle

Architekt: Alexander Klein, Berlin j Vgl. Grundriß in Abb, n auf S. 80

praktische Bedeutung gewinnen, wie es überhaupt falsch wäre, Kleins Arbeiten lediglich als

Fragen bloßer Theorien zu betrachten. Vor dieser Gefahr schützt ihn seine enge Verbindung

mit der Praxis. Gerade seine praktische Erfahrung führte ihn schon vor zwei Jahren zu

seiner in „Städtebau" 1926, Heft 6, niedergelegten Erkenntnis, daß unsere Wohnungs-Wirtschaft

fehlerhaft sei und systematischer Verbesserungen bedürfe, zu deren Erforschung Klein

bereits dort die Gründung einer Forschungsgesellschaxt insofern anregte (a. a. O. Seite 103)

als er ausdrücklich hervorhob, daß ,,alle diese Neuerungen in der Wohnungs-Wirtschaft der

Initiative Einzelner nicht überlassen bleiben können".

In Verfolg solcher Gedankengänge hat jetzt Klein in „Städtebau" 1928, Heft 1, als vorläufiges

Ergebnis eine Zahlentabelle angegeben, nach der 36 grundlegende Angaben für die Bewertung

jedes Kleinwohnungs-Grundrisses zusammengestellt sind. Wichtig erscheint auch sein

Gedanke, Wohnungen nicht wie bisher nach der Wohn- oder bebauten Fläche zu beurteilen,

zu messen und zu finanzieren,

sondern nach der Zahl der Betten

(Baugilde 1927, Heft 22).

Über das baukünstlerische

Schaffen Kleins ist in diesen Heften

schon früher berichtet worden

(vgl. W. M. B. 1926, S. 341,

1927, S. 252 u. a.). Aus den

bereits 1926 in einigen Aufnahmen

veröffentlichten Miethäusern

Kleins in Berlin-Wilmersdorf folgen

hier namentlich Innenaufnahmen

und Grundrisse (Abb.l—13)»

die die praktische Anwendung einiger

der von diesem Architekten

theoretisch verfochtenen Gedanken

veranschaulichen mögen.

Das in Abbildung 2 ganz

links sichtbare Haus ist ein

Reihenhaus, das neun zusammengebaute

Häuser enthält (vgl. den

Gesamtgrundriß in W. M. B.

1926, S. 346 und die auf S. 80

dieses Heftes abgebildeten Einzelgrundrisse

in Abbildung 7—11).

Bei den hier geschaffenen Wohnungenhandelt

es sich um Grundrisse

von etwa 90 qm bebaute

Fläche. Diese geringe Grundfläche

führte dazu, in acht

von diesen Häusern die Räume

je einer Wohnung in vier Geschossen

(Keller-, Erd- und zwei

Obergeschosse) derart anzuordnen,

daß die Wirtschaftsräume

im Keller, Empfangs- und Wohnräume

im Erdgeschoß, Schlafzimmer

im ersten, Mädchen-j

Schrank- und Gästezimmer im

zweiten Obergeschoß angeordnet

wurden. Durch die von der

üblichen Art abweichende Anordnung

von drei Raumgruppen

hintereinander wird unter Verwendung

verglaster Türen eine

ausreichende natürliche Beleuchtung

erreicht und bei den geringen

Abmessungen doch der Eindruck

von Weiträumigkeit erzielt. Vorbereitet

wird dieser Eindruck schon

beim Eintritt in den an sich kleinen

Vorraum mit Kleiderablage

(Abb, 4) dadurch, daß sich an

der Rückwand der Halle sofort

eine ngurcngeschmücktc Nische

als Blickpunkt bietet (Abb. 3).

Die nahezu quadratische Halle,

deren eine Achse mit der Längsachse

des Hauses selbst fast genau

zusammenfällt, gewinnt, durch

ihre mittels zweier Pilaster erzielte

Zwcischiffigkeit (Abb. I)

eine über die wahren Maße hinwegtäuschende

Größe; durch

ihre Einschaltung zwischen Eß-


und Wohnzimmer (Abb. n) und

die achsial angeordneten Türen

kann der Blick vom Eßzimmer

durch Halle und Wohnzimmer

ungehemmt schweifen (Abb. 5 auf

S. 78). So entstehen angenehme

Raumfolgen, deren Einheitlichkeit

durch den zurückhaltenden

Schmuck von Decken, Wand

und einzelnen Schmuckgliedern

besonders hervorgehoben wird.

Wie diese, so zeigen auch die

Räume der zweiten hier dargestellten

Wohnung (Abb. 7 bis 9,

12 und 13) die Vorliebe Kleins

für die Formen des Empire.

Auch in Abbildung 12 und dem

d azugehörigen Grundriß in Ab •

bildung 9 ist die Durchführung

der Achse bemerkenswert.

Während die erörterten Mictswohnungen

bereits im Jahre 1922

entstanden sind, ist der in den

Abbildungen 14 bis 28 dargestellte

Entwurf eine Arbeit

Alexander Kleins aus dem Jahre

1^22. Es handelt sich hierbei

um ein Einfamilienhaus mit der

sehr geringen bebauten Fläche

von 98 qm. Das gesamte trapezförmige

Grundstück bedeckt

56ocjni(Abb.l5), Das Hauswendet

der Straße nur seine Schmalseite

(Abb. 22) und seine ganze Breite

dem Garten zu (Abb. 21). Von

der Eingangspforte aus wird

ein gepflasterter Weg zwischen

Hecken und davor gelegenen

Stauden zu dem in der Achse des

Hauses angeordneten Eingang

führen (Abb.14.). Durch denWindfang

betritt man den schmalen

aber langen Vorraum, in dessen

Mitte eine Tür gegenüber der

Eingangstür in den größten

Raum des Hauses, das eigentliche

Arbcii.3- und Wohnzimmer führt,

dem sich eine breite Glasveranda

vorlegt, durch die der Blick in den

Garten freigegeben ist (Abb. 15

und21). Davor liegt noch eine gepflasterte

und mit vorhandenen

Bäumen bestandene Terrasse, die

allmählich in den sich anschließenden

Rasen verläuft (Abb.15). Links

und rechts schließen sich an

den Hauptraum des Erdgeschosses

das Damenzimmer mit einer Sitzecke

auf der einen Seite und das

Eßzimmer auf der anderen Seite

an, mit dem die kleine Küche

in Verbindung steht. Die Fenster

der zuletzt genannten Zimmer

und ihre Verbindungstüren zum

Hauptraum liegen so, daß ein

Abb. 4 I Miethaus-Wohnung in Berlin-Wilmersdorf j Vorraum

Architekt: Alexander Klein, Berlin j Vgl. Grundriß in Abb. 11 auf S. 80

Durchblick möglich ist; so ist auch hier für eine optisch klar faßbare Raumfolgc gesorgt (Abb, 15).

Im Obergeschoß sah sich, der Architekt vor die schwierige Aufgabe gestellt, bei aller

Beschränktheit des Raumes zwei Schlaf-, ein Kinder- und ein Fremdenzimmer mit ihren

Nebenräumen und einem Mädchenzimmer unterzubringen (Abb. 16). Bei kleinster Fläche ist

es doch erreicht, den Räumen angenehme Grundrißformen und zusammenhängende Bewegungsflächen,

die gut belichtet sind, zu schaffen.

Die äußere Gestaltung des Hauses zeigt bei einfachster Behandlung und Verzicht auf alle

Schmuckformen wohl abgewogene Verhältnisse. Die Anordnung der Fenster in den Ecken ergibt

sich zwangsläufig aus der Notwendigkeit, in den kleinen Zimmern möglichst zusammenhängende

W'andflächen zu gewinnen. Der äußeren Durchbildung entspricht das ebenso

schlichte Innere, wie es die Abwickelung der W 7 ande im Schlafzimmer der Dame (Abb. 17—20)

zeigt.

Leo Adler

77


Abb. 5 / Mietbaus in Berlin-Wilmersdorf

l Durchblick aus dem

Eßzimmer in den Garten

Architekt: Alexander Klein, Berlin

Vgl. Grundriß in Abb. 11 auf S, 80

unten rechts.

sich feststellen, daß seitens des

Preisgerichts mit Recht klare

und einfache Lösungen bevorzugt

und ausgezeichnet wurden.

Wichtig ist im Urteil des Preisgerichts

die einstimmig erfolgte

Feststellung, „daß der von der

Reichstags-Verwaltung für den

Dienstbctrieb notwendig erachtete

Verbindungsgang über die

Straße aus künstlerischen Gründen

nicht ausgeführt werden

sollte". . I.A.

WETTBEWERB FÜR DEN ERWEITERUNGSBAU DES REICHSTAGES IN BERLIN

Das Preisgericht, dem u. a, Professor Grässel, München, Oberregierungsbaurat Gross, Berlin,

Geheimrat Ludwig Hoffmann, Berlin, Baudirektor Schumacher, Hamburg, Professor Vcil,

Aachen und Stadtbaurat W'agner, Berlin, angehörten, hat am 16. Januar über die 278 eingegangenen

Entwürfe entschieden.

Das Preisgericht war der Ansicht, daß keiner der Entwürfe die andern soweit überrage, um

ihm einen ersten Preis zuteilen zu können. Es beschloß daher einstimmig drei zweite Preise zu

je 6000 Mark, zwei dritte Preise zu je 3000 Mark und drei vierte Preise zu je 2000 Mark zu verteilen.

Je ein zweiter Preis fiel an Architekt Schaupp in Frankfurt a.M., Architekt H.H.Grotjahn

in Leipzig und die Architekten C. Leubcrt und H. Lehr in Nürnberg. Die zwei dritten

Preise erhielten Professor Straumcr in Berlin und Professor Fahrenkamp mit H. de Fries in

Düsseldorf* Mit je einem vierten Preise ausgezeichnet wurden die Arbeiten von Architekt

J. Tiedemann in Berlin, Architekten Leubert und Lehr in Nürnberg und Dipl.-Ing. F. Stamm

mit G. Holzbauer in München.

Auf die Ergebnisse des Wettbewerbs werden wir noch genauer eingehen. Allgemein läßt

ZUSCHRIFTEN AN DEN

HERAUSGEBER

Herr Oberbaudirektor M. Sternlieb,Ludwigshafen

a. Rh.,schreibt

zu dem A ufsa tz ,, Stuttgarter

Schildbürgerstreiche und Berliner

Bauausstellung 1930" in Heft 1

(vgl. auch S. 60 dieses Heftes) :

„In Ihrer mutigen und interessanten

Kritik der Stuttgarter

Weißenhof-Siedlung im

I, Heft der Monatshefte 1928

erwähnen Sie auch die hier geplant

gewesene Ausstellung mit

dem Anfügen „und aus Ludwigshafen,

wo man 1928 mit

den Stuttgarter Ausstcllungserfolgen

wetteifern möchte, wird

bereits gemeldet, daß dort ein

Haus von Le Corbusier als unentbehrlicher

Hauptschlager in

Aussicht genommen wird. Im

Notfalle wird man sich mit

einigen getreuen Nachahmungen

helfen". Nein: Wir wollten

hier das Gegenbeispiel von Stuttgartmachen.

Professor Schmitthenner

hatte bereits den Lageplan

gefertigt und Verhandlungen

mit einem Dutzend

Architekten von Namen waren

eingeleitet, als die Tätigkeit der

Rcichsforschungs - Gesellschaft

mit der Zurückstellung aller

Anträge einsetzte. Kommt es

trotzdem zu einer Einigung, so

werden Le Corbusier und seine

Trabanten hier in Ludwigshafen

a. Rh., der Stadt der

Arbeit, bestimmt nicht zu Wort

kommen,"

Wie man auch zu der Reichsforschungsgesellschaft

und ihrer

'Tätigkeit stehen mag: die Durch-


Abb. 6 I Miethaus-Wohnung in

Berlin-Wilmersdorf ( Diele

Architekt: Alexander Klein, Berlin

Vgl, Grundriß in Abb. 10 auf S. So

kreuzung der Ludwigshafener

Ausstellungspläne ist um so bedauerlicher,

als dort ein Gegenbeispiel

zu Stuttgart geschaffen

und damit Vergleichsmöglichkeiten

geboten worden wären.

Hoffentlich sind solche Vorgängenur

„Kinder-Kr•ankbeiten"

der jungen Forschungsgesellschafty

die in enger Zusammenarbeit

mit allen dazu berufenen

Fachverbänden usw. möglichst

bald überwunden werden mögen.

Daß ein Wille zu der so wichtigen

gemeinschaftlichen Arbeit, z. T.

wenigstens vorhanden ist, geht

u. a. aus dem folgenden Schreiben

hervor, um dessen Veröffentlichung

die Reichsforschungsgesellschaft

für Wirtschaftlichkeit

im Bau- und Wohnungszvesen

bittet:

An die

Rcichsforschungsgesellschaft

für Wirtschaftlichkeit im Bauund

Wohnungswesen e. V.

Berlin.

Sehr geehrte Herren!

Der Vorstand des Bundes

Deutscher Architekten hat in

seiner Sitzungvom 12.XII. 1927

nach Kenntnisnahme neuerdings

erfolgter Veröffentlichungen

(Deutsche Bauzeitung vom 30.

XI. 1927) Veranlassung genommen;,

den auf dem Bundestag

des Bundes Deutscher Architekten

im September 1927 in

Hamburg gefaßten Beschluß

ausdrücklich zu bestätigen, nach

welchem die Einrichtung der

Rcichsforschungsgesellschaft begrüßt

wird. Der Bundesvorstand

ist bereit, auch seinerseits dafür

zu wirken, daß der Bund Deutscher

Architekten seine Kräfte

für die Lösung der der Reichsforschungsgescllschaft

obliegenden

wichtigen Aufgaben zur

Verfügung stellt.

Wir freuen uns s Ihnen von

dieser Erklärung des Bundesvorstandes

Mitteilung geben zu

können.

Mit vorzüglicher Hochachtung

ergebenst

Bund Deutscher Architekten

Hauptverwaltung

gez.; Unterschrift, .

NORMEN FÜR

B L E N D R A H M E N - F E N S I E R

Der Deutsche Normen-Ausschuß E. V. bittet um Abdruck folgender Mitteilung:

„Die in den Jahren 1919 bis 1923 erschienenen Reichs- und Landesnornren für Blendrahmenfenster

haben sich für den praktischen Gebrauch als nicht ausreichend erwiesen. Die Reichshochbaunormung

hat daher d;ese Normen unter Verwertung der in der Praxis gesammelten Erfahrungen

und unter Zugrundelegung eines einheitlichen, auf Normung der einzelnen Fensterteile

(Glas, Holzwerk) beruhenden Aufbaues neu bearbeitet und in den Normblättern für Blendrahmenfenster

DIN 1240 bis DIN 1248 und 5 zugehörigen Beiblättern das Ergebnis der Arbeit zusammengefaßt.

Diese neuen Normen für Blendrahmcnfenster treten ab 1. Januar 1928 in Kraft.

Die Normblätter DIN 272 bis 284, DIN 441 bis 444, DIN 1100 bis 1104, DIN 1109 bis 1132

und II37 sind ab I. Januar 1928 ungültig!

In einem später erscheinenden DIN-Buche wird der der Normung der Blendrahmenfenster

zugrunde liegende Aufbau in allen Einzelheiten ausführlich behandelt. Das DIN-Buch wird

u. a. die nach den Normen möglichen Fenstertypsn enthalten, von denen nur die besonders

gebräuchlichen in den Beiblättern zu DIN 1240 bis DIN 1248 zusammengefaßt sind."


J4^^. 7 #25 9 (oben) j Grundrisse einer

Mietbaus- Wohnung in Berlin- Wilmersdorf

Ursprünglich als Büro und Ateliergebäude

erbaut und später zu Wohnungen und Privatbüro

umgebaut

Ton links nach rechts: zweiter Steck, erster

Stock, Erdgeschoß

Architekt: Alexander Klein,

Berlin

Maßstab T : 150

• . Vgl. Abb. 12 und 13

Abb. 10 und II (unten) / Grundrisse einer

Mietbaus - Wohnung in Berlin - Wilmersdorf

lAnks; Obergeschoß^ rechts Erdgeschoß

Architekt: Alexander Klein, Berlin

• ' , Maßstab 1: i$o

. • • Vgl. Abb. 1 und j bis 6 . ••; -,'.

80


Abb. 12 und 13 / Miethaus- Wohnung in Berlin- Wilmersdorf j Oben: Konferenzsaal umgebaut zurPrivatbücherei, darunter; Schlafzimmer

Vgl. Grundrisse Abb. 8 und 9 auf Seite 80

Architekt; Alexander Klein, Berlin

8i


Abb. 14 bis 16 (Mitte) / Entwurf

zu einem Wohnhause für

Dr. Th. Schulz in Berlm-

Dablem j Ansicht, Lageplan

und Grundriß 1; 200

Architekt; Alexander Klein t

Berlin

Vgl. Abb. 17 bis 28

— —


Abb. 21 j Entwurf zu einem Wohnhause für Dr. Tb. Schulz in Berlin-Dahlem / Gartenansicht i ; 200 j Architekt: Alexander Klein^ Berlin

Vgl Abb. 14 bis 28

Abb. 23 und 23 j Entwurf zu einem Wohnheime für Dr. Th. Schulz in Berlin-Dahlem

Straßenansicht und Querschnitt 1:200 f Architekt: Alexander Klein, Berlin

Vgl. Abb. 14 bis 28

m

ffl

w

u : u

i

j

li

1

Abb. 24 bis 2S I Entwurf zu einem Wohnhause für Dr. Th. Schulz in Berlin-Dahlem / FgL Abb. 14 bis 23

Längsschnitte T : 200 und Abwickelung der Küchenwände 1 ; 100

Architekt: Alexander Klein, Berlin

8.5


Abb. i j Konzertsaal Phyel in Paris / Längsschnitt j Architekten; Auhurtin-, Grand und Matbon,

Paris

KONZERTSAAL PLEYEL IN PARIS

ARCHITEKTEN: AUBURTIN, GRAN ET UND MATHüiV, PARIS

Der Bau eines Konzertsaales ist eine der heikelsten Aufgaben,

denn die Schwierigkeiten, die sich, einer guten Akustik

entgegenstellen, sind zahllos, und außerdem ist das Ergebnis

selbst bei der größten Vorsicht immer sehr unsicher.

Man weiß wohl theoretisch, welche Bedingungen 2u erfüllen

sind, aber man erzielt ziemlich selten eine völlig befriedigende

Lösung. Ein Konzertsaal, bei dessen Bau alle Berechnungen

aufs peinlichste durchgearbeitet wurden, kann mißlingen, wie

es in Paris z. B. dem Architekten Bernier ergangen ist. Bevor

er den Plan der Pariser Komischen Oper entwarf, machte er

Studienreisen in Italien, England, Deutschland und Österreich,

um die berühmtesten Theater zu studieren, und doch

brachte er einen akustisch nur mittelmäßigen Saal zustande.

Die Konstrukteure des Pleyel- Saales, unterstützt von dem

langjährigen Direktor der Klavk-rfabrik Pleyel, Gustave

Lyon, einem gediegenen Musiker und Sachverständigen in

akustischen Fragen, sind davon ausgegangen, daß es sich

beim Bau eines Konxcrthauses vorwiegend um eine mathematisch-physikalische

Aufgabe handele. Dieser Standpunkt hat

sehr viel für sich, besonders, wenn man in Betracht zieht,

daß die Tonwellen analogen physikalischen Gesetzen unterliegen

wie die Lichtwellen, Sie werden vom Material und der

Beschaffenheit der resonierenden Fläche ähnlich beeinflußt

wie die Lichtwellen von der Kurve der Linsen, der Dichtigkeit

des Glases und der Farbe der reflektierenden Fläche.

l ••.!

Abb. 2 und j I Konzertsaal Pleyel in Paris / Grundrisse

Architekten: Aubunin } Gfanet und Matbw, Paris

84


Abb. 4 und 5 / Konzertsaal Pleyel in Paris j Innenansichten des Großen Saales

. -. • Architekten: Aubunin^ Granet und Mathon, Paris • .- : •

Der große Saal enthält etwa 3000 Plätze, kann jedoch

bis auf 1300 Plätze verkleinert werden. Ferner wurden noch

zwei weitere Säle geschaffen; der Chopin-Saal mit 500 und

der Debussy-Saal mit 200 Plätzen (Abb, 1 bis 3).

Die Sitzplätze sind in schrägen Reihen angeordnet, so

daß man überall gleich gut sieht; auch die Bequemlichkeit

der Fauteuils ist überall gleich.

Die Lüftung ist in rationeller Weise eingerichtet; sie ist

besonders auf dem obersten Balkon sehr intensiv.

Die Ausgänge sind groß und zahlreich. Sechs geräumige

Treppen führen zu den Orchester- und Balkonsitzen; zwei

Aufzüge führen zusammen 40 Personen empor. Sie können

das gesamte Balkonpublikum befördern, ohne daß dieses

die Treppen zu benutzen oder lange zu warten braucht.

Die Kleiderablagen ersparen ihm jedes Drängen und Warten.

Für die Parterresitze bestehen zwei Garderoben, und

jeder Balkon hat ebenfalls eine (Abb. 2 und 3).

Die Eintrittshalle ist eine der interessantesten Neuerungen

des Hauses. Sie ist 50m lang, und 7Türcn führen das Publikum

in eine von Rundsäulen umgebene Rotunde (Abb. 8) mit einem

Durchmesser von 20 m. Daran schließt sich das eigentliche

Foyer des großen Saales. Hier befinden sich zahlreiche

Loggien, welche für Dekorateure, Verleger, Musikalien- und

Bücherhändler bestimmt sind.

Eigene Eingänge führen zu den kleinen Sälen; beide haben

eine Vorhalle, welche mit der des großen Saales in Verbindung

steht.

Die Dekoration der Säle ist absichtlich nüchtern gehalten,

um nicht die Aufmerksamkeit des Zuhörers abzulenken.

Abb. 6 I Konzertsaal Pleyel in Paris / Architekten: Auburtin, Granet

und Mathon, Paris

Sehern atischer Längsschnitt durch den Großen Saal

Abb. 7 (rechts) / Konzertsaal Pleyel in Paris j Deckenkonstruktion

zwischen Chopin-Saal und dem Musikerpodium im

Großen Saale / Architekten: Auburtin, Granet und Mathon

Vgl. Abb. 1 und 6


Abb. 8 I Konzertsaal Pleyel in Paris / Eingangsballe / Architekten : Auburtin, Grauet und Mathon.

Paris

iilHMiii

Abb. 9 / Konzertsaal Pleyel in Paris

Ansicht nach dem Modell

Architekten: Auburtin, Granet und Mathon^ Paris

Abb. IO l Konzertsaal Pleyel in Paris

Innenansicht des Chopin-Saales

Architekten: Aubttriin^ Granet und Mathon, Paris

86


Statuen und sichtbare Beleuchtungskörper sind vermieden, auch

die Wandbemalungcn verzichten auf die in Paris beliebten

Allegorien. Zwei Farben herrschen vor: dunkelviolett bis zur

Höhe des ersten Balkons; von dort an ist alles in Altgold gehalten.

Die Dekoration stammt von Jaulmes (Abb. 4, 5 und 10).

Die Musikerestrade ist io,6o m tief und 21,50 m breit. Sie

ist also rund 230 qm groß, und ein Orchester von 100 Musikern

und 600 Sängern findet mit Leichtigkeit auf ihr Platz.

Die Mauer, welche den Hintergrund des Konzertsaales bildet,

ist nicht senkrecht, sondern gewölbt; sie wirft die Töne ins

Parterre zurück. An sie schließt sich eine zweite schräge und

ebenfalls etwas gewölbte Decke, die dem ersten Balkon als Tonreflektor

dient. Die anschließende dritte und noch schräger

geführte Decke ist der Tonträger für den zweiten Balkon. So

gelangen die stafTclförmig reflektierten Töne ohne Echo zu den

verschiedenen Zuhörergruppen (Abb. 6).

Der Zuschauerraum, welcher, wie der ganze Saal von Lyon

entworfen und von dem (seither verstorbenen) Architekten

Auburtin, sowie Granet und Mathon ausgeführt wurde, ist

51,30 m lang und 30,50 m breit.

Die große Orgel ist unsichtbar, sie befindet sich hinter der

Rückwand der Musikerestrade und sendet ihre Tonwellen durch

einen 20 m langen und 2,50 m hohen, mit einem Gitter bedeckten

Spalt (Abb. I und 5 bis 6).

58 Übungszimmer vervollständigen diesen Bau, die gegeneinander

schalldicht abgetrennt sind. Pleyel hat in einem anderen

Teile des Gebäudes seine Geschäfts- und Ausstellungsräume usw.

Das neue Konzerthaus befindet sich im Faubourg St. Honore,

unweit des Triumphbogens auf der Place de FEtoile. Er ist dem

breitesten Publikum zugänglich, zumal die große Anzahl von

Plätzen billigere Eintrittspreise zuläßt.

Friedrich Marie, Paris.

CHRONIK

BAUAUSSTELLUNG BERLIN 1930

Herr Dr. Fritz Coerpcr, der seinerzeit die Werkbundausstellung

in Köln 1914 geleitet hat, ist von der Berliner Bauaussteilung

gemeinsam mit Herrn Dr. Georg Stöhn zum Geschäftsführer

gewählt worden.

Der Vorstand besteht aus den Herren: Baurat Dr. Ricpert,

Direktor Dr. Hill mann und Baumeister Heuer.

Da der Kunstausschuß des Vereins Bauausstellung noch im

Laufe dieses Monats gebildet werden soll, ist mit der Herausgabc

der Bedingungen für den Ideenwettbewerb, der für alle

deutschen Architekten offen ist, in Kürze zu rechnen.

bloßgestellt wurde — klotzige Brutalität als Symbol des Germanentums,

wie es kein Feind Deutschlands schlimmer hätte

symbolisieren können', schreibt Peter Meyer, Zürich, über das

Werk von Bruno Schmitz — und Sie sind ja derselben Meinung.

Aber was soll man erst über das Werk des Stahlhelmkünstlers

schreiben ?

Ist dies der Erfolg der kostspieligen Reisen des Reichskunstwarts

und seiner Getreuen? Hohles Pathos. — Sind Deutschlands

Opfer nicht mehr wert ? Haben wir nicht von Tannenberg

genug?"

Prof. Dr.-Ing. Paul Klopft*.

STAHLHELM ALS ÄSTHET -

Da es uns ferne hegt, irgendwie Politik und Kunst vermengen

zu wollen, sind wir gerne bereit, Professor .Klopfers nachfolgenden

Brief hier wiederzugeben, in dem er feststellt, daß „Politik und

Kunst zweierlei sind". Die Schriftleitung,

,,In der illustrierten Wochenrundschau' der Braunschweiger

Staatszeitung vom Sonntag, den 4. Dezember, fand ich fünf

Abbildungen, davon vier nach Photographien aus dem Berkaischen

Walde bei Weimar und eine nach einem Entwurf (vgl. Abb.),

die den Leser über Standort und Form des künftigen Reichsehrenmals

unterrichten sollen. Im Text dazu ist hervorgehoben,

daß ,allen — Erontkämpferverbänden — voran der Stahlhelm

sich für Bcrka eingesetzt hat', zugleich aber, daß__dejr Entwurf,

den die Abbildung zeigt ,_##£# vom Stahlhelm stammt.

Mich interessierte lediglich der Entwurf, der aber hat mich

im Innersten meines Herzens schaudern gemacht. Er verdient

m. E., in den architektonischen Fachzeitschriften veröffentlicht

-^Za werJen^^vicileichtT" 3Ü3T er auch dem Reichskunstwart zugänglich

gemacht wird, damit er rechtzeitig erkennt, was man

ihm da zum Gutheißen wieder einmal vorlegen will, Politik

und Kunst ist eben doch zweierlei; und der Stahlhelm mag noch

so überzeugt sein von seiner Mission — der Kunst ist dieser

Umstand gänzlich Wurst.

Das ist aber auch der Fluch der bösen Tat von Bruno Schmitz,

daß sie fortzeugend Böses muß gebären, und beim Stahlhelm-

Reichschrenmal ist das Ende wohl auch noch nicht abzusehen,

,Durch Massenhaftigkcit oder Wucht de$ Details suchte man

das- Gefühl für seine Leere zu betäuben, wodurch das Einzelne

nur von neuem an Bedeutung verlor oder in seiner Hohlheit

Entwurf des „Stahlhelms" für das Reichs ehr enmal in Berka bei Weimar

(vgl. nebenstehenden Text)


Abb. I j Wettbewerbsentwurj für das Völkerbundsgebäude m Genf / Architekten: Henri Paul Nenot, Parts und Julien Flegenheimer^ Genf

Abb. 2 I Weübewerbsentwurf für das Völkerbundsgebäude in Genf

Architekt: Giuseppe Vago, Rom

vgl W. M. B. 1927, Heft 8, S. 348

Abbi 3 l Wettbewerbsentwurf für das Völkerbundsgebäude in Genf

Architekten: Carlo Broggi,, Giuseppe Vacaro, Luigi Franzi, Rom

Ifilitillt

«M UlttR ÜtUMMMt

mmui

Abb. 4 / Wettbewerbsentwurf für das Völkerbundsgebäude in Genf

Architekt: Camille Lefevre : Paris

D I E E N T S C H E I D U N G Ü B E R DAS

G E B Ä U D E D E S V Ö L K E R B U N D E S

IN GENF (VGL. W. M. B. 1927, S. 452)

Der Fünfer-Ausschuß, über den wir in W. M. B. 1927,

S. 452 berichtet haben, hat seine Entscheidung gefällt.

Die Leitung des Baues wird dem Pariser Architekten

Paul Nenot (nach dessen Plänen 1884—1889 die Sorbonne

umgebaut wurde) gemeinschaftlich mit Julien Flegcnhetmer

in Genf übertragen, deren preisgekrönten Entwurf

die Abbildung 1 wiedergibt. Dieser Entwurf soll der

Ausführung zugrunde gelegt werden und von den Verfassern

gemeinschaftlich mit Vago-Rom, Broggi, Vacaro

und Franzi-Rom sowie Lefevrc-Paris bearbeitet werden.

Auch die von diesen Architekten eingereichten Entwürfe

sind mit Preisen ausgezeichnet worden (Abb. 2 bis 4).

Daß auch wir diese Entscheidung bedauerlich finden,

ergibt sich aus unserem Einsetzen für die Arbeiten von

Perretj Eriksson, Gerson u. a., die im letzten Jahrgang

veröffentlicht wurden und auf die der Herausgeber

nachdrücklich hinwies (W. M. B. 1927, S. 452). Es wäre

ein leichtes, die öffentlich erhobenen Proteste, die

satirischen und ironischen Glossen der Fach- und Tagcspresse

hier um eine weitere zu vermehren.

Gewiß entspricht der jetzt zu erwartende Bau des

Völkerbundes nicht der schlichten Würde und ruhigen

Einfachheit, für die wir uns stets eingesetzt haben und

weiter einsetzen werden. Gewiß ist wieder der Sinn

solcher Wettbewerbe, wie schon so oft, in Frage gestellt,

und Ivar Tengbom, das schwedische Mitglied des Preisgerichts,

hat hoffentlich nicht umsonst öffentlich seinem

Wunsche Ausdruck gegeben, daß der Beschluß des

Fünfer-Ausschusses Anlaß zu nachhaltigem Einspruch

gegen die von den erkorenen Architekten vertretene

Baugcsinnung hervorrufen möge. Ist aber die Entscheidung

der fünf Laien nicht irgendwie in der heutigen

Lage der Baukunst begründet ? Wir wissen, wie man in

Fachkreisen, die sich selbst als „sozusagen die Linke" bezeichnen,

aller ästhetischen Überlegungen müde geworden

ist, wie man den Satz geprägt hat; „Das Haus ist eine

Maschine zum Wohnen", wie man kurz gesagt alles Kunsttuollen

für veraltet erklärt und die Zweckerfüllung als


Abb. X I Haus Dr. Nottebobm, Hamburg / Architekten: Bans und Oskar Gerson^ Hamburg

(Aus: Hugo Kocb, Der Garten. Verlag Ernst Wasmuth A. C, Berlin)

laienhafte, so doch, wenn auch von den Vätern dieser Gedanken

gewiß nicht beabsichtigte, folgerichtige Fortführung solcher Gedanken,

auch das „Haus" des Völkerbundes als eine „Maschine"

anzusehen, bei der nur der Grundriß wichtig, die äußere Formgebung

eben Geschmacksache ist ? Bei solcher Schlußfolgerung

freilich ist nicht einzusehen, warum nicht eine „Gemeinschaft" von

Architekten diese „Hausmaschine" erfolgreich durchführen kann

wie Eisenbahnen und Dampfschiffe ja auch von einer „unpersönlichen"

Gemeinschaft von Konstrukteuren geschaffen

werden, die lediglich unter einer Oberleitung arbeitet ? Über einen

BRUNO LANG

Mit der Gagfah, der Gemeinnützigen Aktien-Gesellschaft für

Angestellten-Heimstätten in Berlin, beklagen wir das jähe Ableben

ihres Architekten und Vorstandsmitgliedes, des Regierungsbaumeisters

a. D. Dr.-Ing. Bruno Langkeit, der, erst 34Jährig

von einer tückischen Krankheit seinen Angehörigen, seinem

Wirkungskreise und unserer Kunst entrissen wurde.

Schon bei Veröffentlichung der nach seinen Plänen errichteten

Wohnhausgruppe in Lichterfeldc (W. M. B. 1926, Heft 11)

BÜCHERSC

Kocb, Hugo, Der Garten, Verlag Ernst Wasmuth A. G., Berlin.

370 Seiten Text und 450 Abb., 8 Farbentafeln und 8 Tiefdrucktafeln,

Format 24:32 cm. Preis in Ganzleinen geb. M. 42. — ,

für Bezieher unserer Zeitschriften M. 40.—

Die Einheit zwischen Garten und Haus ist die Grundforderung

Hugo Koch's, folgerichtig werden den gegenseitigen

Beziehungen beider die Hauptabschnitte des Werkes gewidmet,

und im Anschluß daran die Ausdrucksformen erörtert, die

zweckentsprechenden Grundriß werden sich die erwählten Baumeister

wohl verständigen, etwa wie sich Ingenieure über die

Führung von Eisenbahnlinien schlüssig werden — die „Maschine"

wird also wohl ihren Zweck schließlich erfüllen.

Vielleicht führt das bedauerliche Ergebnis dieses Wettbewerbes

zu einer Neu-Besinnung über die gegenseitige Beziehung von

Zweck und Schönheit, von Kunst und Technik, Dann würde

wenigstens der Wettbewerb um das Gebäude des Völkerbundes

nicht nutzlos gewesen sein.

...•.'••;•;;.. . .. ' Leo Adler

KE IT (1893—1928) ' . : V : ; ; ; ; ; ; j ;' '• :

wiesen wir auf seine Bedeutung als Baumeister und auf seine

aller lärmenden Selbstrcklame abholde Gesinnung hin. Von

seinen Bauten hofften wir, daß mit ihnen eine neue Zeit für

unseren Wohnhausbau anheben würde. Ist er nun auch dahin

gegangen, wo die Begriffe von Zeit und Raum ihren Sinn ver-

Heren, so hoffen wir doch, daß sein Geist im Kreise seiner Mitarbeiter

lebendig bleibe und jedes ihrer Werke Zeugnis ablege

von einer Gesinnung: in metnoriam Bruno Langkeit.

HAU (VGL. S. 59)

zu diesem Ziele führen können. Die den Text begleitenden Abbildungen

(vgl. hier Abb, 1 und 2) veranschaulichen Gcstaltungsmöglichkeiten

von Gärten im Sinne dieser Einheit durch Entwürfe

und ausgeführte Anlagen der besten deutschen und einiger

ausländischer Gartengestaher undArchitekten der Neuzeit,so daß

das Werk zugleich einen umfassenden Überblick über den Kunstgarten

gewährt, dem ein knapper Abriß der Geschichte der

Gartenkunst vorangestellt ist. L, A.


Abb. 2 I Haus Dr. Zadik, Hamburg j Architekten: Hans und Oskar Gerson, Hamburg

(Aus; Hugo Koch, Der Garten, Verlag Ernst Wasmuth A. G., Berlin)

Brandt, Paul. Schaffende Arbeit und bildende Kunst im Altertum

und Mittelalter. Verlag Alfred Kröncr, Leipzig, 1927. 324 S.

Großoktav mit 460 Abbildungen und 2 Farbtafeln. Preis in

Ganzleinen gebunden Mk. 18,—

Wie der Verfasser selbst betont, kam es ihm bei diesem Buche

weniger darauf an, der Wissenschaft zu dienen, als dem deutschen

Volke die Arbeit von einer anderen als der praktischen

Seite zu zeigen und damit die Freude an ihr zu heben. Mag man

bezweifeln, ob diese Absicht durch vorliegendes Buch erreicht

werden kann, so wird die Wissenschaft gewiß dem Verfasser

für die ungeheure Arbeitsleistung, die dieses Buch voraussetzt

und von der es Zeugnis ablegt, Dank wissen. Die Problemstellung,

die Darstellung der Arbeit, wie sie uns in der Malerei

und auf den Reliefs fast aller Völker und Zeiten begegnet, bedingt

zunächst eine chronologische und ikonographische Behandlung

des Stoffes an Hand der Monumente. Der Verfasser

geht von Ägypten aus, das zahllose Berufsdarstellungen aufzuweisen

hat, wendet sich dann dem Orient und der minoischen

Kunst zu, die ziemlich knapp behandelt werden, da hier dem

Verfasser offenbar die Denkmäler nicht bekannt genug sind,

erläutert sodann die griechischen und römischen Arbeitsbilder

und beschlief3t seine Untersuchungen vorläufig mit dem Mittelalter,

dessen Arbeitsdarstellungen meist religiös gebunden sind.

Der Band, der den Stoff" der Neuzeit verarbeiten soll, liegt noch

nicht vor. Über das Zusammentragen, Ordnen und Erklären

des Materials hinaus hat der Verfasser versucht, die kulturhistorische

Bedeutung der Arbeit, die sich in den Bildern widerspiegelt,

aufzuzeigen, die Kultur als die edelste Frucht der Arbeit

hinzustellen. Der ästhetische Gewinn wird dem Verfasser schließlich

Nebensache, der ethische, Liebe zur Arbeit im Hinblick

auf die Volksgemeinschaft, zur Hauptsache.

Den Architekten und Bauhandwerker werden vor allem Darstellungen

aus seinem Arbeitsgebiet interessieren, denen er auf

einer Reihe von Abbildungen im Buche begegnen wird. H. Th. B.

Das Textilwerk. Gewcbcornamente und Stoffmuster vom

Altertum bis zum Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. Mit

einer Einleitung von Professor Ernst Flemming. XXXVIII und

320 Seiten mit über 600 Abbildungen und 8 Farbtafeln. Großquart.

Wasmuths Werkkunst-Büchcrci, Band 4. Verlag Ernst

Wasmuth. A. G., Berlin. Preis gebunden Mk. 42,—

Seit Semper in seinem „Stil 4 * den Zusammenhang zwischen

Webkunst und Architektur untersucht und später Riegl in seinen

,,Stilfragen*' die Bedeutung der Webornamente für die Erkenntnis

von Stilwandlungen überhaupt nachgewiesen hat, ist

zwischen Textilkunst und Architektur ein Zusammenhang erschlossen

worden, der auch heute noch für alle Fachgenossen,

die „unzeitgemäß" genug empfinden, um sich darum zu kümmern,

die Textilkunst zu einem besonders aufschlußreichen Studiengebiet

macht. Für eine Beschäftigung mit diesen Fragen dürfte

das hier angezeigte Werk wegen seiner zahlreichen und wie üblich

ausgezeichnet wiedergegebenen • Abbildungen ein wertvolles

Studienmaterial abgeben, welches viele SonderverörTentlichungcn

ersetzt. Die 38 Seiten umfassende Einleitung von Professor

Ernst Flemming, dem Direktor der Höheren Fachschule für

Textilkunst in Berlin, führt in die Geschichte der Weberei ein

und verhilft auch dem Fernerstehenden zu einem raschen Überblick

über die Textilkunst. Z, A.


Umbau des Neuen Schauspielhauses in Königsberg i. J J r. J Proszenium nach dem Umbau / Architekt: Oskar Kaufmann^ Berlin

(Wiedergabe nach: Der Architekt'Oskar Kaufmann^ Verlag Ernst Pollak, Berlin)

Der Architekt Oskar Kaufmann. Vorwort von Oskar Bie.

Verlag Ernst Pollak, Berlin-Charlottenburg. Quart. 20 Seiten

Text. 140 einseitig bedruckte Tafeln und 5 Vierfarbentafcln.

Ganzleinenband, Preis Mk, 25,-—

Die Veröffentlichung der Arbeiten von Oskar Kaufmann

schließt sich den früher erschienenen Bänden des gleichen Verlages

über Frank Lloyd Wright (Herausgeber H. de Fries) und

über Otto Bartning (Herausgeber Ernst Pollak) an und will wie

jene einen Überblick über das Gesamtschaffen neuzeitlicher

Architekten geben.

Bei Durchsicht dieses Buches, das neben den bekannten

Theaterbauten auch weniger bekannte Arbeiten Kaufmanns enthält,

drängt sich erneut die Erkenntnis auf, daß Kaufmanns

schöpferische Phantasie in erster Linie nicht konstruktivtechnisch,

sondern spielerisch-dekorativ ist. Das unterscheidet

ihn von der Mehrzahl seiner Zeitgenossen und ist wohl zugleich

der Grund dafür, daß er als Theaterbaumeister gern bevorzugt

wird. Wie die Bühne vom „Schein" lebt, so sind auch Kaufmanns

Theaterräume von „Schein" erfüllt, und es ist von diesem

Gesichtspunkt aus nur folgerichtig, daß es ihm bei dem Umbau

der Kroll-Orje£ in Berlin gelang, auch mit wenig wertvollen

Materialien wie Tannenholz, Weißblech und Leimfarbe den Eindruck

einer reichen und festlichen Stimmimg zu erzeugen. Spiel

und Dekoration bringen, wie Oskar Bie in seinem Vorwort betont,

etwas Rokokohaftes in die Bauten und Räume Kaufmanns

hinein, sie verlangen Lichterglanz und Fcsttrubel; im

nüchternen Lichte des Alltags wirken sie fast fremd: Ein verschwenderisch

ausgestattetes Badezimmer wie das der Villa

Lewin in Breslau mag als dekorativer Raum köstlich sein —

aber die Wanne aus Feuerton steht wie verloren darin (Seite 66).

Neuzeitlicher wirkt eines der letzten von Kaufmann umgebauten

Theater: Das neue Schauspielhaus in Königsberg i. Pr.,

wo knappere Mittel zur Einfachheit zwangen (Abb. 1). Vielleicht

ist hier die Brücke von der vorwiegend dekorativen zu

einer strengeren Auffassung geschlagen, die nur den zurückhaltenden

Rahmen für den Bühnenglanz schafft, der sich innerhalb

solcher strenger gebundenen Räume entfalten mag — wie

es Euch gefällt.

L, A.

Domenech) Rajael und Bueno, Luis Perez. Muebles Antiguas

Espanoks, 19 Seiten Text, Quart, und 60 Tafeln. In Ganzleincnmappe.

Verlag M. Bayes, Barcelona.

Ein Möbelwerk, das in Deutschland wohl ziemlich unbekannt

geblichen ist, aber schon aus dem Grunde Beachtung verdient^

da es Werke über spanische Möbel so gut wie gar nicht gibt.

Vom Direktor des Madrider Kunstgewerbemuseums und seinem

Assistenten herausgegeben, führt es in systematischer Ordnung

die einzelnen spanischen Möbelstücke nachmaurischer Zeit vor:

Stühle und Sessel (12 Tafeln) aus dem 16. bis 18. Jahrh., Koffer

(7 Tafeln) aus dem 15, bis 17 Jahrh., alle mit interessanter Einlegearbeit

versehen, Sekretäre und truhenartige Behälter

(19 Tafeln) aus dem 15. bis 17. Jahrh., große Truhen (5 Tafeln)

aus dem 17. Jahrh., darunter Prachtstücke der Volkskunst,

Schränke (3 Tafeln) aus dem 16. und 17. Jahrh., Tische (5 Tafeln)

aus dem 17. und 18. Jahrh., Bänke mit reich geschnitzter Lehne

(3 Tafeln) aus dem 16. und 17. Jahrh., ein Bett aus dem 17, Jahrh.

(1 Tafel), einen kupfernen Kessel, der in einem kunstvoll gearbeiteten

hölzernen Gestelle ruht, aus dem 17, Jahrh., und zum

Schluß ein paar Tafeln mit Teilansichten von Möbelschnitzereien.

Alles in allem ein Werk, das geeignet ist, eine gute Vorstellung

von dem Reichtum spanischer Möbelformen zu geben und die

auf diesem Gebiete erst in den Anfängen stehende Forschung

weiterzuführen.

H. 7h.B.

Als Herausgeber verantwortlich: Architekt Werner Hegemann — Verlag von Ernst Wasmuth A.-G., Berlin W 8, Markgrafenstraße 31

©Presse: Dr. Selle-Eysler A.-G., Berlin W29, Zossener Straße 55

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ÜBER FASERAN STRICH-STOFFE UND DIE WIRTSCHAFTLICHKEIT VON

FASERSTOFF-ANSTRICHEN

Groß — allzu groß ist die Zahl der Neuerscheinungen auf dem

Gebiete der Anstrichmittel, die Jahr für Jahr den Baumarkt

überfluten. Allzu viele Produkte werden jährlich in großen

Quanten auf den Markt geworfen, um nach kurzer oder längerer

Zeit wieder stillschweigend zu verschwinden, weil sie sich den

schweren Anforderungen der Praxis nicht gewachsen gezeigt haben.

Aus diesem Grunde haben wir es auch bis heute vermieden,

zu den seit einigen Jahren am Markt befindlichen Faserstoffen

für Innenanstrich Stellung zu nehmen, obgleich sie von der

Fachpresse des Bau- und Malcrgewerbes seit etwa Jahresfrist

vielfach und überwiegend im lobenden Sinne erwähnt wurde.

Ist doch die Bewährungsfrist, um den jetzt so beliebten Ausdruck

zu gebrauchen, für Anstrichstoffe eine recht lange. Heute

scheint indessen der Zeitpunkt gekommen, wo uns, wenn nicht

eine Stellungnahme, so doch ernsthafte Beschäftigung mit dem

Problem der Verwendung von Fascranstrichstoffen in Neubauten

geboten erscheint.

Es darf aus den Veröffentlichungen der Fachpresse als bekannt

vorausgesetzt werden, was Faseranstrichstoffc sind: nach besonderem

Verfahren hergestelltes Papier in Teigform, das der

Maler durch Zusatz von Pulverfarbe einfärbt und durch Hinzufügung

der im Malergcwerbe üblichen Bindemittel — .sei es

Pflanzenleim, seien es Kasein-Ölemuisionen — abbindet, um den

ziemlich konsistenten, gefärbten Papierbrei wie jede gewöhnliche

Leimfarbe zu verarbeiten.

Über die chemische Zusammensetzung der Fascranstrichstoffe

ist wenig bekannt geworden, da die Fabrikantin des Freno, die

in sehr nahen Beziehungen zu einer führenden deutschen Farbenfabrik

stehen soll, nähere Einzelheiten über das Fabrikationsverfahren

aus begreiflichen Gründen bisher nicht veröffentlicht

hat. Angestellte Versuche haben lediglich ergeben, daß es sich

um dispers aufgeschlämmte Zellulose von allerfeinster Faserstruktur

handelt, deren kolloidale Absorptionsfähigkeit auf ein

Maximum gesteigert ist. Auch der Weg, auf dem den Präparaten

ihre außerordentliche Haftfähigkeit verliehen wurde, ist nicht

bekannt. Sicher ist nur, daß weder stärkehaltige Bindemittel

noch Kasein oder trocknende Öle im Freno nachgewiesen wurden;

auch Wasserglas ist in dem Erzeugnis nicht enthalten.

Über die qualitativen und technischen Eigenschaften des Faseranstrichstoffes

liegen eine hinreichende Anzahl durchweg auf

Freno bezüglicher gutachtlicher Äußerungen führender Fachzeitschriften

und Praktiker des In- und Auslandes, vor allem die

offiziellen Prüfungszeugnisse der Matcrialprüfungs-Kommissionen

der Berliner und Hamburger Malcrinnungen vor, deren objektive

Sichtung folgende Tatsachen ergibt:

Der warme Farbton des Faserstoffanstriches unterscheidet sich

vorteilhaft von der kalten, harten Farbwirkung des Leimfarbenarjstrichcs.

.Der Anstrich haftet auf jedem sauberen, festen Untergrund,

trocknet in kurzer Zeit fest auf und bildet eine elastische nahtlose

Papierschicht, in sich und mit dem Grunde fest verbunden,

blättert nicht ab und neigt selbst bei starken Temperatur- und

Feuchtigkeitsschwankungen nicht zum Reißen.

Der Faserstoffanstrich haftet auch auf noch baufeuchten Wänden

und kann in beliebig vielen Schichten übereinander gestrichen

werden, ohne zu platzen oder zu blättern.

Können somit die technischen und dekorativen Vorzüge des

Verfahrens auf Grund der umfangreichen, von objektiver Seite

vorgenommenen Versuche als erwiesen gelten, so sind über die

Wirtschaftlichkeit von Fascranstrichstoffen bisher hinreichend

zuverlässige Ziffern nicht veröffentlicht worden. Angesichts der

besonderen Eignung von Faserstoffanstrichen für noch baufeuchte

Neubauwände interessiert in erster Linie die Gegenüberstellung

mit den Preisen der Leimfarbe, und hier stellten sich

der Ermittlung exakter Werte erhebliche Schwierigkeiten in den

Weg, da beim Ansatz der Faserstoffarbe der Faserstoffzusatz in

ziemlich weiten Grenzen variabel ist, ohne daß die technischen

Eigenschaften des Anstriches nennenswert beeinflußt würden.

In dekorativer Hinsicht hängt natürlich die Wirkung des Fascrstoffanstriches

in erster Linie von der Höhe des Fasergehalts der

Faserstoffarbe ab. Zur Erziclung der rein technischen Vorteile

genügt indessen schon ein relativ geringer Faserstoffzusatz. Es

durfte ferner nicht außer Acht gelassen werden, daß die Höhe

des FascrstofTzusatzes die Preisbildung bei Anstrichen mit hochwertigen

satten Farbtönen genau im umgekehrten — nämlich

verbilligenden — Sinne beeinflußt wie bei Verwendung lichter,

große Prozentsätze Kreide enthaltender Anstriche. Auch die

Frage des Untergrundes spielte .für den Materialverbrauch eine

ausschlaggebende Rolle.

Es war also nötig, bei Vornahme von Versuchen diesen verschiedenen

Gesichtspunkten Rechnung zu tragen und überdies

noch zu berücksichtigen, daß von der Inhaberin der deutschen

Faserstoffpatcnte zwei Qualitäten, und zwar die eine Ercno

mit hohem, die andere, Frenolith, mit niedrigem Fasergehalt,

hergestellt werden, von denen die erste vorwiegend für hochwertige

Innendekorationen, die zweite für den Innenanstrich von

Zweckbauten bestimmt ist, bei denen dekorative Wünsche hinter

Gründen der Wirtschaftlichkeit zurücktreten müssen. Es ergab

sich also zwangsläufig die Notwendigkeit von zwei Versuchsgruppen

in je vier Versuchsreihen:

Gruppe I — Farbstoff billige Erdfarbe:

Reihe I — hoher Zusatz von hochprozentigem Faserstoff,

Reihe 2 — niedriger Zusatz von hochprozentigem Faserstoff,

Reihe 3 —• hoher Zusatz von niedrigprozentigem Faserstoff,

Reihe 4 — - niedriger Zusatz von niedrigprozentigem Faserstoff.

Gruppe 11 wiederholt diese Versuchsreihen, jedoch unter Verwendung

einer hochwertigen Buntfarbe.

Sämtliche Versuche wurden auf ungenlztcm sauberen Rohputz,

14 Tage alt, vorgenommen und ergaben das für den ersten

Augenblick verblüffende Resultat, daß sich selbst bei der Verwendung

billiger Farben mit Faserstoff Anstriche herstellen

lassen, die, zum mindesten im Materialverbrauch, kaum teurer,

ja selbst etwas billiger sind als gewöhnliche Leimfarbenanstriche,

mit gleicher Farbe, während bei Verwendung hochwertiger

chemischer Bunt- und Mineralfarben der verbilligende Einfluß

des Faserstoffes sich dahin auswirkte, daß nur bei Verwendung

des hochprozentigen Frcno-Faserstoffes in der höchstmöglichen

Zusatzmenge eine Verteuerung des Materialverbrauches um etwa

II Pfennig pro Quadratmeter eintrat. Bei einem Ansatz mit

niedrigprozentigem Frenolith-Faserstoff war dagegen je nach

Höhe des Faserstoffzusatzes eine Verringerung der Matcrialkosten

bis zu etwa 13 Pfennig pro Quadratmeter festzustellen.

Als Vergleichsmaßstab wurden die in der „Preisberechnungs-

Ordnung für das deutsche Malergewerbe", herausgegeben vom

Reichsbund des deutschen Malcrgcwerbes, Gau Norddeutschland,

angegebenen Ziffern für den Verbrauch von Leimfarbe herangezogen.

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