Komplette Ausgabe

Patrick1998

Komplette Ausgabe

Die Rache Nimué‘s

Der Krieg beginnt

Ein normaler

Wanderausflug geht

schief, eine grausame

Macht wird entfesselt.

Denn die Herrscherin

Nimué wurde erweckt.

Letztes Mal gelang es ihr

nicht, die Welt zu

unterwerfen, doch dieses

Mal soll alles anders

werden!

in Buch von einem Hobby- Autor


Die Rache Nimué’s

Der Krieg beginnt


Kapitel

1. Das einfache Leben

2. Der Saum des Finsterwaldes

3. Die Zeit der Orks ist gekommen!

4. Dunkle Zeiten

5. Die Macht der Hexe

6. Die Tochter des Lichts


Das einfache Leben

I

n einem fernen Land, in einer längst vergangenen Zeit, lebten

die Menschen einfach und schlicht. Doch viele waren sich gar

nicht bewusst, was sich außerhalb ihrer Landesgrenzen

abspielte. Sie waren zufrieden, mit dem was sie hatten, sie

schärten sich nicht um das Außenvolk. Sie kümmerten sich nicht um die

Elben, Elfen, Zwerge, Orks und seltsame Wesen, die in den fernen

Landen lebten. So auch nicht der Schmieds Junge Ben und sein

Kindsfreund Tom. Sie waren schon seit jeher unauffällig, sie bekamen

nie Ärger, noch verursachten sie ihn. Sie liebten ihre Bücher, die sie in

der kleinen Stadtbibliothek fanden, sie liebten das Rauschen des Flusses

und das sanfte Flüstern der Bäume.

Die Menschen, die in dem kleinen Land namens Brithaldien lebten,

waren stets höflich und freundlich. Sie lebten von dem, was in ihrem

Garten wuchs und in ihren Ställen lebten. Diebe waren selten zu Gast,

doch ihrer Freundlichkeit zu trotz konnten sie sehr Grausam zu

Verbrechern sein. Ihre große Begabung galt dem Bierbrauens sowie

dem Weinkeltern. Doch sie konnte die schönsten Feste feiern, zu diesen

Festen luden sie sogar „Außenseiter“ ein. Sie kamen haufenweise aus

dem Eichenwald, aus der Minenstadt Bur-khalass und aus den

Elfenhöhlen. Es kam auch jedes Jahr ein Zauberer, er schaute sich die

wunderbaren Feuerwerke an, die die Dorfbewohner abbrannten. Sie

waren faszinierend, Schmetterlinge aus gelben und weißen Funken

flatterten durch die Luft, Pfeile aus blauen Funken schnellten durch die

Nacht. Doch das Meisterstück der Dorfbewohner war „der alte Drache“.

Es war ein riesiger Sprengkörper, der wie ein in die Luft steigender

Drache aussah, er wurde nur zu besonderen Festen gezündet. Das

Jahrtausendfest war ein solches Fest, man feierte den letzten großen

Krieg, gegen die dunkle Herrin, die in ganzer Welt nur Nimué genannt

wurde.


„Der dunkle Wald, ich erinnere mich noch genau daran. Ich wurde von

Madril, dem Erschaffer, zum König geschickt, ich sollte den Lebewesen

des Lichts helfen Nimué zu besiegen. Die Elfen, Elben und Menschen

hatten ein Bündnis gegründet, sie marschierten mit vereinter Kraft auf

den dunklen Wald zu. Wir hatten fast 20.000 Mann, doch Nimué hatte

100.000 Orks, die in dem dunklen Wald auf uns lauerten. Der Weg war

lang und beschwerlich, alles in diesem verfluchten Wald wollte uns

töten. Die Bäume, die Tiere, einfach alles. Der Angriff war schwieriger

als wir dachten, Nimué hatte in ihrem Wald eine riesige Festung

aufgebaut, doch das Schlimmste war: Sie zog selbst in den Krieg. Sie

kam aus dem Tor heraus, eine schwarze Rüstung schützte sie vor

Pfeilen und vor Schwertern, selbst er, der damalige König konnte sie

nicht aufhalten, als seine Klinge auf ihre schwarze Rüstung traf,

zersplitterte sie. Seine Frau namens Elrà musste zusehen, wie ihr Mann

von dem Schwert Nimué’s durchbohrt wurde. Sein Gesicht wurde

bleich, seine Augen trüb. Die Klinge war mit einem starken Zauber

belegt, der jeden den es trifft an ihr Schattenreich bindet. Doch nicht

den König, er wusste es zu vermeiden. Er nahm sein Heft, an dem noch

ein Teil der Klinge war und rammte sie sich in sein Herz. Elrà raste vor

Wut, sie rannte auf die dunkle Herrin zu und zuckte einen mit Juwelen

bestückten Dolch. Er war ein Geschenk ihres Mannes, „Er gehört jetzt

dir, bewahre ihn gut.“, das hatte er zu ihr gesagt, bevor er in die

Schlacht zog. Sie wich einem Schlag von Nimué aus und konnte ihre

verderbte Seele in ihren Augen sehen. Voller Wut rammte sie den

Dolch in ihr Herz. Er durchbohrte ihre Rüstung, die nun wie eine Wolke

aus Düsternis zu sein schien. Nimué sank zu Boden und ihre Rüstung

verschwand und enthüllte ein Kleid aus Schatten. Und so hatten wir die

Schlacht gewonnen und rissen die Festung nieder. Doch den Wald

konnten wir nicht zerstören, er widerstand Äxten und Feuer. Bis Heute,

so sagt man, soll das Grab Nimué’s dort stehen und sich öffnen, sobald

„der Auerwählte“ es berührt. So das war’s, hoffentlich hat es euch

gefallen.“, sagte ein alter Mann, mit weißem, langem Haar und Bart, zu

einem Haufen kleiner Kinder. „Vielen Dank Herr Indul“, sagten sie alle

zusammen, „Ein alter Zauberer wie ich ist immer froh, wenn sich

jemand für seine Geschichten interessiert.


Es war ein Fest, wie man es selten erlebt, Wesen aus dem ganzen Land

kamen, sogar alte Ärgernisse wurden beiseitegeschoben, niemand

ärgerte sich, wegen nichts. Das Bier floss in Strömen, die Tafeln waren

reich gedeckt und Rauchringe schwebten durch die Luft. Eine

wunderbare Musik erfüllte die hell erleuchtete Nacht, das Lachen von

tausenden Menschen hallte durch die Lande. Man erlaubte sogar den

kleinsten Kindern bis zum Ende des Festes wachzubleiben, es ging

immerhin bis 3:00 Uhr morgens. Auf der riesigen Tanzfläche fanden

sich nicht nur alte Verliebte ein, sondern es fanden sich auch neue

Paare. Es war das beste Fest, das es seit langem gab. Dier Geschichten

von Indul, dem Zauberer, wurden die ganze Zeit erzählt, die Menschen,

und besonders die Kinder, waren fasziniert davon, auch wenn sie sonst

eher weniger Interesse für die Außenseiter hatten. Eine Sängerin der

Elben wurde auf die Bühne gebeten. Es war überall bekannt, dass Elben

(und besonders die Frauen) die schönsten Stimmen haben, die man sich

nur vorstellen kann. Sie kamen als erste in diese Welt, sie erfanden das

Singen, das Schreiben, nähten als erste, sie bauten als erste Häuser,

ernteten als erste und schmiedeten als erste Waffen und

Schmuckstücke. Und im Schmieden konnten nur die Zwerge sie

übertreffen. Die Zwerge, obwohl sie nur halb so groß wie ein Mensch

sind, waren sie um einiges stärker. Sie schmiedeten seit jeher die

schönsten Gegenstände und gruben die tiefsten Tunnel. Sie kamen 479

Jahre nach den Elben nach Aman, doch zwischen Elben und Zwergen,

gab es nie ein gutes Verhältnis, sie stritten sehr oft. Dann, 2850 Jahre

nach der Ankunft der Zwerge und 7439 Jahre nach der Entstehung der

Welt, kamen die Menschen, sie waren ein kurzlebiges Volk, denn bis

heute werden sie nur 235 Jahre alt. Was manchen als unvorstellbar

erscheint, erscheint das Alter der Zwerge noch viel seltsamer, denn sie

werden bis zu 1000 Jahre alt. Doch die Elben und Elfen waren

unsterblich, keine Krankheit konnte sie töten. Nur Waffen vermochten

ihnen zu schaden. Die Sängerin betrat die Bühne, einige ihres Volkes

folgten ihr. Sie trugen Harfen, Flöten und Geigen mit sich. Sie sang mit

einer Stimme, als wäre sie nicht von dieser Welt, jeder der ihr zuhörte

sah die Geschichte, von der sie sang, vor seinem inneren Auge. Die

Zusschauer fühlten sich wie in einen Traum versetzt, niemand

vermochte sich von ihr abzuwenden. Die Schönheit der Elben machte

jeden blind, denn sie sind die schönsten, reinsten und edelsten


Geschöpfe Amans. Die Sängerin verstummte und ein Sturm aus Beifall

kam über sie, es wurde gestampft, geklatscht, gepfiffen und gerufen.

Edel, aber geschmeichelt, verließ sie die Bühne. Ben und Tom, die sich

einen Platz in der ersten Reihe besorgt hatten, verließen das Fest, sie

hatten vor in Richtung der Bibliothek zu gehen. Sie kamen an

verschiedenen Ständen vorbei. Elfen, die Pflanzen verkauftem, Elben

die Vasen und Figuren aus Glas verkauften, Zwerge die edlen Schmuck

verkauften und Menschen die Möbel aus Holz unter die Leute brachten.

„Das ist ein tolles Fest!“, sagte Ben, „Du hast Recht, doch mir ist es zu

laut, ich ziehe die Stille der Bücherei vor.“, meinte Tom. „Hallo Jungs,

es ist schön euch wiederzusehen.“, sagte Indul. Er begleitete sie zur

Bücherei, er war genau wie sie ein Verehrer der Literatur, sowie ein

Freund, ein alter Freund. In Brithaldien war und ist er ein stets

willkommener Gast.

Sie kamen an den Eingang der Bibliothek, die Tür war aus reinem

Stahl, der Gebäudekomplex aus Marmor. „Ah, meine geliebten Bücher,

was habe ich sie vermisst!“, flüsterte Tom leise vor sich hin. Sie gingen

in die Abteilung für Geschichte, sie baten Indul, ihnen die Schlacht von

Dunkelwald noch einmal zu erzählen. Indul nahm ein Buch heraus und

begann zu lesen. „Indul, ist es war, dass das Grab Nimué’s immer noch

dort steht und geöffnet werden kann?“, fragte Ben neugierig. „Selbst

wenn es so wäre, der Rat der Zauberer hat einst diesen Wald mit einem

Bann belegt, sollte Nimué befreit werden könnte sie den Wald nicht

verlassen.“, sagte Indul, „Doch der Wald ist noch gefährlich, mal

abgesehen von den Pflanzen gibt es riesige Giftspinne und hungrige

Wölfe, von den Orks ganz zu schweigen. Sie mögen zwar ganz lustig

aussehen, mit ihren großen Augen und ihrem kleinen Körper, doch sie

sind hinterhältig und gemein!“. „Warum habt ihr denn nicht den Wald

mit eurer Magie zerstört, wenn ihr doch so mächtig seid wie Ihr immer

behauptet?“, fragte Tom verwirrt, „Der Zauber der Hexe wirkt immer

noch, uns ist keine Macht bekannt die ihn brechen könnte, der Wald ist

und bleibt verflucht.“ Sagte Indul schläfrig, „Ich werde euch mal allein

lassen, ich muss dringend ein Bier trinken“. Er schlenderte hinaus,

nachdem er die quietschende Tür geöffnet hatte. Ben und Tom sahen

sich einen Moment schweigend an. Ben spürte wie sich sein Mund

bewegte, doch die Worte schienen nicht seine eigenen zu sein: „Der

Wald ist nicht weit von hier, komm wir gehen morgen hin. Ich möchte


wissen ob die Geschichten Induls stimmen.“. Seltsamerweise stimmte

Tom dem Vorschlag zu. „Aber wir dürfen Indul nichts sagen, und auch

keinem anderen. Sonst werden wir einen riesigen Ärger bekommen.“,

antwortete er. Ben stieß Tom heftig am Arm und gerade noch

rechtzeitig, denn die Eisentür wurde aufgedrückt und Indul kam herein.

Er stützte sich mit der einen Hand auf einen großen hölzernen Stab, der

an der Spitze einen Kristall umschlungen hielt, in der anderen Hand

hielt er einen riesigen Bierkrug. Er lehnte seinen Stab an ein

Bücherregal und setzte sich hin. Er nahm einen Schluck aus dem Krug

und sagte lächelnd: „Letztes Jahr waren die Krüge größer, die sind ein

Witz dagegen.“. „Indul, was ist denn das für ein Stab?“, fragte Ben

neugierig, „Ich habe meinen Elbenfreund gebeten ihn mir zu reparieren,

er hatte letztes einen kleinen Riss, das kann manchmal eine Katastrophe

auslösen, die ich gerne vermeiden wollte. Beim letzten Mal begrub ich

das Nachbardorf unter einer riesigen Lawine…“, „Ok wir haben

verstanden“, warf Ben ein, „…und bei dem Mal davor habe ich

ausversehen den Aschewald in Brand gesetzt, wodurch er seien Namen

bekam, und beim ersten Mal erschuf ich die Wirbelebene, auf der

tagtäglich mehrere Stürme wüten.“. Indul brach in ein lautes Gelächter

aus. Er nahm seine Pfeife in die er etwas Kraut hineinstopfte und hielt

seinen Zeigefinger hinein. Auf wundersame Weise fing das Kraut

Feuer, und Induls Finger auch. Schnell tauchte er den Finger in den

Krug. Ein lautes Zischen war zu hören, danach stieg eine große

Rauchwolke aus dem Krug auf. Daraufhin fingen Ben und Tom laut an

zu lachen. Das grimmige Gesicht Induls wandelte sich in ein kleines

Lächeln um und er fing auch an unkontrolliert zu lachen.

„Seht, im Osten braut sich ein Sturm zusammen.“, sagte Ben. Indul

rutschte auf seinem Stuhl hoch, sein Gesicht war so rot wie ein reifer

Apfel: „Nimué kehrt zurück!“, flüsterte er. Er war schon sehr

angetrunken. Er fiel in den Stuhl zurück und fing an laut zu schnarchen.

Seine Pfeife qualmte noch immer, doch Indul schlief tief und fest.

„Sollen wir ihn einfach hier lassen?“, fragte Tom, „Das können wir

doch nicht einfach machen.“, antwortete er, „Wie willst du ihn denn

aufwecken, du weißt doch, wenn er schläft, dann schläft er auch“. Indul

ließ den großen Bierkrug fallen, er war völlig leer getrunken. Ben und

Tom sahen sich einen Moment lang an, standen auf und schlichen sich

leise davon. Selbst außerhalb der Bibliothek war das Schnarchen von


Indul nicht zu überhören. Die Feier ging munter weiter, an Müdigkeit

war noch lange nicht zu denken. Es wurde ein Biertrinkwettbewerb

begonnen. Der alte Boldur, der aus dem Dorf stammt, tritt gegen den

Elben Landuri und den Zwerg Naugra an. Sie alle waren berühmt für ihr

Talent im Biertrinken. Ihnen wurden 20 Krüge hingestellt, sie mussten

so lange trinken, bis der letzte Mann noch steht. Sie durften den Krug

weder absetzten, noch etwas verschütten. Das Startsignal wurde

gegeben und das Trinken begann In wenigen Sekunden waren die ersten

Krüge geleert, es wurde gerülpst und gehustet. Vor allem Naugra

hustete stark, er hatte sich überschätzt, er hatte sich zu viel auf einmal

hineingeschüttet und hatte sich verschluckt. Der Boldur und Landuri

lieferten sich ein tapferes Duell, es stand die ganze Zeit unentschieden,

Landuri hielt sich sehr wacker. Die Elben sind sehr anfällig für

Alkoholische Getränke. Doch Boldur taumelte. Er stellte den leeren

Krug hin und versuchte etwas zu sagen: „Wie isch schon g’sagt heb,

Isch Scheweweweeeeeee…“, mitten in dem Satz fiel er um und wurde

Bewusstlos. „Tja…“, sagte Landuri, „… Spiel vorbei:“. Aus den Reihen

der Zwerge ertönten verzweifelte Schreie, Naugra lag mit dem Kopf in

einem der Krüge. Die Elben jubelten, sie fingen an zu singen und zu

tanzen. Sie zeigten den Zwergen nicht gerade höfliche Gesten. Sie

ließen ihre Abscheu gegen die Zwerge frei heraus. Hier und dort wurde

eine Schlägerei angefangen, dort und da richtete ein Elb seinen Bogen

auf einen Zwerg und manchmal bedrohte ein Zwerg einen Elben mit

seiner frisch geschärften Axt. Ein lauter Tumult ertönte, die Menschen

mussten sich für eine Seite entscheiden, das Dorf wurde in zwei Teile

zerrissen, ein Teil stand für die Zwerge und ein Teil für die Elben. Nur

die Elfen hielten sich zurück, die setzten sich auf die Bänke die überall

standen, oder setzten sich auf die Bäume, und genossen den schönen

Streit. Sie schlossen Wetten ab und genossen die Unruhe. Sie rätselten,

wer nun eigentlich den Streit angefangen hat. Waren es die Elben mit

ihren unhöflichen Gesten, oder waren es die Zwerge mi ihrer

aggressiven Reaktion, vielleicht waren es auch die Elfen selbst, die das

Ganze auch noch unterstützten?

Indul war während dessen wieder aufgewacht und sah sich die ganze

Streiterei an. Genervt schüttelte er den Kopf: „Wie kann man nur so

hohl sein?“, fragte er sich leise. Er räusperte sich kurz und stellte sich

dann auf eine Holzbank. „SEIT RUHIG!“, schrie er, mit solch einer


Stimme, dass in der Nähe alle Biergläser platzten. „Wie könnt ihr euch

nur so benehmen. Eure Vorfahren würden sich schämen, wenn sie euch

so sehen könnten.“. „Sie haben geschummelt, wir haben ein Recht

darauf sauer zu sein!“, schrie ein Zwerg, „Wir haben nicht

geschummelt, was könne n wir dafür, wenn Naugra zu blöd zum

Trinken ist?“, schrie ein Elb. „Dann haben eben die Zwerge einen

Trinkwettbewerb verloren, was Solls?“. „Du hast Recht, wie immer.“,

sagte Naugra widerspenstig. „Warum feiert ihr nicht weiter?!“, rief

Indul der Menge zu. Nachdem er keine Antwort bekam streckte er

seinen Holzstab ‘gen Himmel. Ein Funkenstrom schoss aus der Spitze

und erleuchtete den gesamten Himmel. Langsam begann die Kapelle

wieder zu spielen und die Sänger zu singen. In kurzer Zeit war so das

Fest wieder voll in Gang. Indul schlenderte etwas zwischen den

Ständen umher. Jetzt da es so spät war, boten die Händler interessantere

Dinge an. So wurden aus einfachen Hühnereiern Dracheneier, jedoch

konnte ein gekonnter Blick den Schwindel sofort enttarnen, denn es

waren nur schön verzierte Fasan Eier. Doch ein Stand wies keinen

Schwindel auf: „Zaubertränke für alle Gelegenheiten“, stand über dem

Holzstand. Indul trat näher und erkundete sich nach den Angeboten:

Stimmstärkungstrank, Furunkulatrank, Tod in der Flasche…. „Ich habe

sie noch nie hier gesehen, sind sie neu im Land?“ fragte Indul den

Verkäufer. Doch er bekam keine Antwort, die seltsame Gestalt nickte

nur. Erst jetzt bemerkte Indul, dass der Verkäufer in schwarze Tücher

gehüllt war. Der Zauberer bückte sich ein Stück nach unten, so als hätte

er etwas fallen gelassen. Dabei versuchte er einen kurzen Blick in das

Gesicht des Geheimnisvollen zu erhaschen. Doch er sah kein Gesicht,

der Fremde wendete den Blick ab. Indul hörte ein keuchen, danach ein

husten. „Wollen sie etwas kaufen oder nur weiter meine Zeit

verschwenden?“, fragte der Verkäufer mit kratziger Stimme. Er klang

sehr nervös und genervt. Indul verließ den Stand, kurz nachdem er

einen Verjüngungstrank kaufte, er konnte jedoch noch lange den Blick

des Fremden auf ihm spüren. Die Leute wurden weniger denn die ersten

Sonnenstrahlen waren hinter den Berggipfeln zu erkennen. Indul, Ben

und Tom hatten schon lange das Bett aufgesucht. Jetzt da das Fest

vorbei war, musste jeder wieder an seine Arbeit gehen. Ben musste in

der Schmiede seiner Eltern aushelfen, Tom musste Inventur im Laden

seines Vaters machen und Indul, nun ja, er machte das, was er immer


machte. Doch niemand genau wusste, was er in seiner Freizeit machte.

Man sah ihn nur selten im Dorf. Manche hatten die Vermutung, er wäre

in einem Rat von Magiern, manche achten er wäre ein Pilger, der

irgendetwas suchte. Doch genau wusste es niemand. In den

Morgenstunden hörte man schon den Hammer des Schmiedes durch das

Tal. Der Morgen fing zwar sehr verschlafen an, doch gegen Mittag

wurde die Stadt wieder lebendig. Kinder rennten durch die Stadt,

Händler hielten am Marktplatz an, Ben lieferte die Schwerter für seinen

Vater ab und Tom half seinem Vater bei der Inventur im „alten

Lädchen“. Tom und Ben hatten vor, ihr Plan in wenigen Stunden in die

Tat umzusetzen. Sie hatten einen Kutscher gefunden, der sie die Nähe

des Waldes bringt und zwei Tage später wieder abholt, so hatten sie

auch genug Vorräte um mehrere Tage in der Wildnis überleben zu

können und hatten zwei Schwerter aus der Schmiede um sich zu

verteidigen, sollte etwas passieren. Doch Ben hatte immer noch seine

Zweifel, die Geschichten die er über Nimué gehört hatte, machten ihm

schon zu schaffen. Was wäre, wenn die Geschichten doch wahr waren,

wenn die böse Hexe doch wieder kommen würde? „Mach dir keine

Sorgen, es wird schon alles gut werden.“, sagte Tom beruhigend. Sie

gingen die die Straße entlang, sie sahen wie der Kutscher schon auf sie

wartete. „Also, wenn alle da sind, können wir los. Aber bevor ich fahre,

wolltet ihr nochmal hin, ihr seid ja wahrscheinlich nicht so dumm in

den Finsterwald zu gehen, oder?“, fragte der Kutscher misstrauisch,

„Nein, wir gehen vom Finsterwald aus zu den großen Wasserfällen.“,

antwortete Tom nervös. „Na dann ist ja gut.“, murrte der Kutscher.

„Steigt ein!“. Sie fuhren mehrere Stunden, dann konnten sie schon

einen dunklen Wald Saum sehen. „Da ist er“, sagte Ben ängstlich.

Plötzlich schrie er auf, „Reingelegt!“, rief Tom „Sei nicht so ein

Angsthase!“. Ben wusste, dass Tom Recht hatte, er musste wirklich

etwas mutiger sein. Was könnte denn schon passieren, die Geschichten

Induls waren immerhin nur Geschichten. Es waren noch einige

Kilometer bis sie ihr Ziel erreichten. Die Aufregung steigerte sich, bis

sie es fast nicht mehr aushielten. Doch plötzlich überkam sie eine

Müdigkeit, ihre Augenlieder wurden zu schwer um sie aufzuhalten. Sie

schliefen ein, ohne es zu wollen, doch es war kein ruhiger Schlaf, sie

fielen in einen tiefen Alptraum, aus dem es kein Entrinnen zu geben

schien.


Der Saum des Finsterwaldes

S

ie befanden sich in einer großen Halle, die Decke schien zu hoch

zu sein, um sie sehen zu können. Die Steine, aus denen die Halle

gebaut war, waren schwarz und glatt. Ben und Tom konnten

eine kälte spüren, noch kälter als der schlimmste Winter. Sie

bekamen einen Schock, als die Wände anfingen zu beben. Einige

Kreaturen kamen in die Halle, doch schienen sie Ben und Tom nicht zu

bemerken. Sie waren klein und liefen gebückt, sie trugen schäbige

Rüstungen, die teilweise schon verrostet waren. Sie stellten sich an die

Wände der Halle und zückten lange, rostige Säbel. Ein lauter Krach

ertönte, und ein Lichtschein kam in die Halle, als ein Schwarzes Tor

aufgestoßen wurde. Hinein kam eine große Gestalt, sie schien bloß ein

Schatten, gekleidet in einen Mantel, zu sein, doch trug er eine dunkle

Rüstung, welche bei jedem Schritt klirrte, seine schweren Stiefel

brachten den Boden zum Beben. Auf seinem Kopf trug er eine Krone,

welche sich verschlungen um seine Kapuze schmiegte. Man konnte

kein Gesicht erkennen, egal wie konzentriert man in die Dunkelheit

seiner Kapuze schaute.

Er kniete sich vor Ben und Tom, und plötzlich erklang eine hohle

Stimme, die Beiden waren verwirrt denn sie konnten nicht sagen, ob der

geheimnisvolle Schatten nun sprach, oder nicht. „Meine Herrin, die

Zeit drängt. Unsere Feinde haben soeben den Saum des Waldes

überquert. Wir erwarten eure Befehle.“, Ben und Tom drehten sich um,

sie bemerkten einen dunklen Thron, auf dem eine Frau saß, von

entsetzlicher Schönheit, doch ihre Ausstrahlung war voll von Bosheit.

Ihr Haar war ebenso schwarz, wie ihre Augen, und auch ihr langes

Seidenkleid war dunkler als eine Nacht ohne Mond und Sterne. „Geht

und bereitet einen Hinterhalt vor…“, ihre Stimme war gebieterisch und

verführend, „… Und sollten sie den dunklen Fluss Lòmatha überqueren,

werde ich persönlich verhindern, dass sie weiterschreiten. Und jetzt

schaff mir diese Orks aus den Augen“, „Jawohl meine Herrin!“, sagte

der Schatten und verschwand. Plötzlich schien die Halle sich


aufzulösen, schwarzer Rauch war nun dort, wo einst die Frau auf dem

Thron saß. Erneut wurde der Raum erschüttert, Ben und Tom wachten

auf und merkten, dass sie immer noch in der Kutsche waren.

Sie stiegen aus und gaben dem Kutscher 23 Dublonen, hektisch nahm er

sie entgegen und schwang sich auf den Wagen. Seine Peitsche knallte

und die Pferde rannten los. Der Schatten des Finsterwaldes lag wie ein

drohender Schatten über dem Land, kein Vogel war zu hören. Noch zu

sehen. „Es ist keine Wärme mehr in der Sonne“, sagte Ben, „Jammer

nicht so rum!“, sagte Tom und stieß ihn in Richtung des Waldes.

Es gab keine Pfade, auf denen sie gehen konnten, und die Bäume

standen eng beieinander. Die Bäume waren riesige, schwarze Gestalten,

die mit ihren dunklen Kronen keinen einzigen Sonnenstrahlen in den

Wald ließen. Je tiefer sie in den Wald gingen, desto dunkler und kälter

wurde es, und obwohl kein Tier zu sehen war hatten sie das Gefühl

beobachtet worden zu sein.

Kein einziger Windhauch wehte in dem Wald, die Luft war stickig und

erschwerte das Atmen. Je näher sie den Ruinen der alten Festung

näherten, desto schwerer schien das gehen. Ein Schatten der Betrübnis

legte sich über Ben und Tom, zuerst war es nur eine Betrübtheit, doch

sie schien immer schlimmer zu werden. Nach einigen Meilen brach Ben

zusammen. „Geht es dir gut?“, fragte Tom, „Soll ich dir helfen?“,

„Nein.“, antwortete Ben, „Mir geht es gut, ich muss mich nur kurz

ausruhen.“. Tom setzte sich neben ihn und fing an in seinem Rucksack

herumzukramen. Nach einigem Stöbern fand er schließlich ein kleines

Stück Brot, welches er Ben gab: „Hier, iss.“. Als er das tat, merkte er,

dass das kein normales Brot war, „Was ist das für ein Brot?“, fragte er,

„Auf dem Fest habe ich einen elbischen Bäcker getroffen, er sagte es sei

das beste Brot für Wanderer, denn nur wenige Bisse seien wie ein

ganzer Leib.“. Ben sah Tom ängstlich an, da er gerade die ganze

Scheibe hinuntergeschlungen hatte. Zuerst bekam er ein Gefühl, als ob

er satt wäre, danach hatte r das Gefühl, als wäre er vollgestopft. Doch

das war noch Garnichts im Vergleich zu dem jetzigen Gefühl, dass er

empfand, er fühlte sich, als würde das Brot bis zu seiner Kehle reichen.

Sofort griff Tom nach einer Flasche mit einer Flüssigkeit, die er ihm

hindrückte. Diesmal nahm er nur einen kleinen Schluck, seine Kehle

schien zu brennen, das Gefühl wanderte langsam zu seinem Bauch.


Nach wenigen Sekunden verschwand es und es ging ihm besser. „Ich

wusste, dass der Feuerbrand vom alten Glix helfen würde.“, sagte Tom

erleichtert. „Waren mich, bevor du versuchst mich umzubringen!“,

sagte Ben ernst, doch nach einer kurzen Zeit verließ ihn der Ernst und

er beginn zu lachen. So beschlossen sie weiterzugehen, weiter in die

Tiefen des Waldes. Das Gefühl der Beobachtung wurde stärker,

manchmal meinten sie eine leises Atmen zu hören, dass von Hinten

kam. „Ich glaube jetzt, was uns Indul gesagt hat.“, sagte Tom,

„Wieso?“, fragte Ben. Tom zeigte mit seiner Hand auf einen Felsen,

dicht mit schwarzem Moos überwachsen. Sie gingen hin und rissen es

weg. Auf dem Stein waren seltsame Zeichen eingeritzt.

Hier ruht der König Anoria,

erschlagen und in die heiligen

Hallen aufgefahren, von dort

blickt er auf die Welt der

sterblichen um sie zu bewachen

„Ich glaube ich kann das lesen.“, sagte Tom, „Woher?“, „In meiner

Kindheit war ich oft mit Indul unterwegs, er lehrte mich vieles, so auch

die alten Sprachen. Hier steht: „Hier ruht der König Anoria, erschlagen

und in die heiligen Hallen aufgefahren, von dort blickt er auf die Welt

der sterblichen um sie zu bewachen“.“. „War Anoria nicht auch der

König in der Geschichte von Indul?“, fragte Ben, „Ja, genau hier ist er

gestorben. Also sind wir nah‘ an Nimué’s Grab, komm gehen wir

weiter!“. Ben’s Blick ruhte noch eine Weile auf dem Grabstein, von

ihm ging eine Aura aus, die in Ben ein gutes Gefühl auslöste. Doch

sobald er sich entfernt hatte, kam der Schatten wieder über ihn. Sie

kamen an einer Ruine vorbei, sie sah aus als sei sie vor tausenden von

Jahren gebaut worden. Doch das einst so weiße Gestein war nun grau

und schmutzig, die goldenen Verzierungen waren zum Teil abgeblättert.

Sie sahen unter einer dicken Moosschicht noch einige Zeichen, denen

ähnlich, die sie am Grab entdeckten.


Überschreitet diese Grenze und

ihr gelangt zum Reich der

dunklen Herrin, in dem euch ein

grauenhafter Tod erwartet.

Ben sah Tom fragend an: „Knapp gesagt, wollen sie nicht, dass wir

hinein gehen.“. „Was meinst du Tom, sollen wir nicht doch lieber

zurückgehen?“, „ Vergiss es, wir gehen weiter bis wir das Grabmal der

dunklen Herrin erreicht haben!“. Mit diesen Worten gingen sie weiter,

doch hatten sie wäh5rend der langen Wanderung, in der sie nur wenige

Pausen machten, ein schreckliches Gefühl. Das leise Atmen hörte nicht

auf, er wurde durchdringender, sie sahen Schatten hinter den Bäumen.

„Was war das?“, fragte Ben und deutete auf die Bäume, „Die standen

vorhin aber nicht da.“. „Anscheinend sind die Bäume lebendig.“, sagte

Tom erstaunt, „Indul hatte mir davon erzählt. Die Elfen hatten den

Bäumen einst das Sprechen gelernt, doch die dunkle Herrin versuchte,

nachdem sie erfahren hatte das man Bäume zähmen konnte, sie unter

ihre Kontrolle zu bringen. Doch ihr Werk war nicht vollkommen, sie

konnte sie nie befehligen, sondern sie nur einschüchtern, sodass sie sie

in Ruhe ließen.“. „Verstehe, sprechende Bäume.“, sagte Ben

misstrauisch, „Wieso sollten Bäume reden, was haben sie denn zu

reden? Vielleicht über die Säurekonzentration des Bodens, oder die

Höhenlage des Geländes…“, Benn wurde immer aggressiver, „Nein, sie

wurden Beschützer des Waldes, und nebenbei die weisesten Geschöpfe

der Welt. Sie lernen Sprachen sehr schnell und vergessen sie nie. Sie

leben mehrere tausend Jahre und sammeln enormes Wissen an, welches

sie an ihre Nachfahren abgeben. Außerdem haben sie ein großes Wissen

über Kräuter- und Pflanzenkunde.“. „Das alles hat dir Indul

beigebracht? Kein Wunder, dass du dir nie was merken kannst, bei so

viel Wissen in deinem Kopf.

Nach vielem Wandern kamen sie zu einer Lichtung, die erste die sie

sahen, seitdem sie in den Wald gekommen sind. In Mitten der Lichtung

stand ein schwarzer Quader, und auf ihm eine Statue einer Frau. „Genau

so sah auch die Frau in meinem Traum aus.“, sagte Ben, „Hast du auch

von ihr geträumt?“, „Ja, ich schätze mal, dass das Nimué war.“, „Ist,


nicht war. Sie lebt immer noch, nur ist ihr Körper zerstört. Sie gingen

näher an das Grab heran und betrachteten es. Auch hier war in einer

Seltsamen Sprache etwas eingeritzt, doch konnte Tom sie nicht lesen.

Ein Tropfen reinen Blutes und

die Herrin wird wieder

auferstehen und erneut Arda

unterwerfen.

„Ich vermag es nicht zu lesen, keiner kann diese Schrift lesen, außer

vielleicht den weißesten Zauberern“, sagte Tom. Erneut hörten sie das

durchdringende Atmen, doch diesmal stieg es zu einem körperlosem

Flüstern an: „Ein Tropfen reinen Blutes und die Herrin wird wieder

auferstehen und erneut Arda unterwerfen.“. Ben und Tom drehten sich

um, konnten jedoch nur den leeren Wald sehen. „Verdammt!“, schrie

Ben auf, „Ich habe mich irgendwo geschnitten!“, rief er. Er sah sich

seine Hand an, in seiner Handfläche war ein eine Wunde, die sich über

die ganze Hand hinweg zog. Auf dem Grab sahen sie einen blutigen

Dolch liegen, der zuvor dort nicht lag. Tom nahm ihn in die Hand, doch

er zerfiel in seinen Händen zu Staub. Der Schmerz in Bens Hand war

ein kaltes Brennen, das Blut floss aus seiner Hand, und einige Tropfen

berührten den schwarzen Stein des Grabes. Sie hörten ein kaltes und

stimmloses Lachen um sich herum, ein Schatten huschte in Bens

Augenwinkel herum. „Lass uns schnellstens abhauen!“, schrie Tom.

Doch als sie anfangen wollten zu rennen, fiel ihnen auf, dass Bens Hand

mit dem Grab verbunden war. Ein schwarzer Kristall war um seinen

Arm gewachsen und hielt ihn am Grab fest. Die Statue fing nun an in

einem seltsamen Licht zu leuchten, das Grab fing an zu knirschen. Tom


suchte nach etwas, mit dem er den Kristall zerschlagen könne, nah an

einem kleineren Baum fand er einen riesigen Stein, er nahm ihn auf und

schlug damit auf den Kristall ein. Er begann zu splittern und fiel Stück

für Stück auseinander. Schnell rannten sie zum Wald und versteckten

sich panisch hinter einem Baum. Das Grab knirschte weiter, plötzlich

wurde das Grab in zwei Teile gesprengt, und eine Frau in einem

schwarzen Kleid kam aus ihm heraus. „Lange ist es her, dass ich Euch

erblickt habe, meine Herrin Nimué.“, „Schön euch zusehen

Schattenfürst, lange habt ihr gewartet, dafür werde ich euch bald

entlohnen.“ Nimué’s Stimme war verführerisch, am liebsten hätten sich

Ben und Tom einfach in die Lichtung gestellt. Ich habe die Trottel in

diesem Kuhdorf Bruthardi belauscht, ich gab mich als Händler für

Zaubertränke aus. Sie haben keine Ahnung, dass Eure Macht wächst.“,

„Und was ist mit diesem Narren Indul, hat er euch erkannt?“, „Er

schöpfte kurz Verdacht, hat mich aber nicht erkannt. Und eine

erfreuliche Nachricht meine Herrin, Eure Mutter Melia, man sagt dass

sie verschwunden ist.“, „Hoffentlich hat sie endlich der Tod ereilt, sonst

würde sie meinen Plan erneut durcheinander bringen!“. Als Nimué den

Namen Melia erwähnte, brach in ihrer Stimme eine Wut aus, ein Zorn

der nach Taten dürstete. Ben und Tom kauerten sich nun auf dem

Boden, sie hatten zu große Angst, um sich zu rühren, da sie sonst

erkannt werden könnten.

„Erneut benötige ich deine Loyalität.“, sagte Nimué, „Wie kann ich

Euch helfen?“, „Gehe in das Gebirge und „überzeuge“ die Orks wieder

in den Krieg zu ziehen.“, „Was soll ich tun, wenn sie sich nicht

überzeugen lassen?“, „Habe ich gesagt, dass sie ich überzeugen lassen?

Tut was immer auch nötig ist.“ Ein seltsamer Windhauch kam plötzlich

aus dem Wald heraus, der Schattenfürst löste sich auf, wie eine Wolke

aus Tinte, die sich im Wasser vermischt. Er glitt über die hohen

Baumkronen und stieg ‘gen Norden. Nun stand Nimué alleine in der

Lichtung. Sie sah sich um, als wüsste sie, dass Ben und Tom in der

Nähe waren. „Was machen wir jetzt?“, flüsterte Ben, „Ich weiß nicht,

wir könnten warten bis sie einfach weggeht.“, „Oh ja, super Idee. Aber

sie wartet hundert pro auf ihre anderen Schergen!“. Als er diesen Satz

gesprochen hatte meinten sie Pferde zu hören. Das Traben kam näher,

danach durchbrach ein schrilles Kreischen die unheimliche Stille. Sie

sahen auf die Lichtung und sahen drei schwarze Pferde, die dunkle


Gestalten trugen. Sie stiegen ab und verneigten sich vor Nimué. Ihre

Gewänder schienen aus Schatten, doch sahen sie aus als wären sie

Menschen, in Gewänder gehüllt. „Die geflügelten Schatten stehen Euch

zu Diensten Herrin. Der Schattenfürst berichtete uns von Eurer

Rückkehr.“, Die drei Gestalten gingen mit ihrer Herrin zu dem Grab,

Ben und Tom erkannten nun ihre Chance zu fliehen. Sie rannten los,

das nächste Versteck suchend. Sofort bemerkten die geflügelten

Schatten die Eindringlinge, sie schwangen sich auf ihre Pferde und

ritten hinterher. Ben dachte, dass sie nicht gut vorankämen, da die

Bäume ihnen den Weg versperrten, doch Nimué hob ihre Hand und

richtete sie auf die Bäume. Ein Knarren war zu hören, dann ein

Brummen, die Bäume bewegten sich zur Seite und ließen die

Schattenwesen durch, Eine Hand kam aus dem Boden hervor und

packte Ben, sie riss ihn in einem hohlen Baumstamm, der auf dem

Boden lag. Nachdem er den Schreck überwunden hatte, merkte er dass

es Tom war, der ihm den Mund zuhielt. Durch ein kleines Loch konnten

sie in den Wald schauen. Sie hörten das schnelle Trampeln der Pferde.

Die dunklen Pferde sprangen über den Stamm und landeten mit einem

Satz auf dem moosigen Boden und stürmten weiter.

Sie warteten noch einige Minuten, um sicherzugehen, dass die Gefahr

vorüber war, langsam schlichen sie aus dem Baumstamm heraus und

gingen zurück zum Saum des Waldes. Die Furcht war nahe, sie wagten

nicht zu sprechen, denn manchmal konnten sie das Traben der Pferde

sowie den Schrei der Schatten hören. „Ich wünschte ich hätte auf Indul

gehört.“, jammerten sie ich vor, „Wieso bin ich nur mitgegangen, ich

könnte jetzt gemütlich zu Hause sitzen und ein Buch lesen, oder so

was.“, dachte Ben. Sie waren nun viele Meilen gelaufen, sie dachten,

sie wären in Sicherheit und wagten die ersten leise Worte zu sprechen:

„Was machen wir denn jetzt?“, fragte Tom, „Wir schleichen uns jetzt

zum Waldrand zurück, danach müssten wir in Sicherheit sein.“, „Woher

willst du das wissen?“, Ben wurde etwas wütend, ihm schoss gerade

durch den Kopf, dass das alles nur Toms Schuld war und er nur zu

dumm war, um nein zu sagen. „Als ich mit Indul gereist bin, durfte ich

in alten Schrift6rollen lese, in denen Stand: „Der Schrecken der

Schatten weicht dem Licht“. Daher müssten wir, sofern noch Tag ist in

Sicherheit sein.“. Ohne Vorwarnung kam einer der geflügelten Schatten


hinter ihnen zum Vorschein, er hatte sein Pferd stehen lassen und war

ihnen zu Fuß gefolgt. Sie hörten ein Zischen und drehten sich um. Dort

sahen sie einen riesigen Schatten, größer als ein ausgewachsener Mann.

Nun konnten sie einen genauen Blick auf diese Gestalten werfen: Der

Schatten, der sich um sie schlang bildetet einen langen Mantel, der bis

zum Boden reichte. Eine Kapuze bedeckte seinen Kopf, auch hier

konnten sie kein Gesicht erkennen. Dort wo seine Hände seien sollten

waren stählerne Handschuhe, alt und leicht verrostet. Der Schatten

ballte seine Hand zu einer Faust, eine Wolke aus Finsternis schlängelte

sich spiralförmig von seiner Faust nach oben. Als sie sich verzogen

hatte, hielt der Schatten eine riesige Klinge in seiner Faust. Er holte zu

einem Streich aus. Gerade rechtzeitig konnten Ben und Tom sich

ducken um der geheimnisvollen Klinge auszuweichen. Sie verfehlte sie

nur knapp und hatte stattdessen einen Baum getroffen. Obwohl der

Baum sehr dick und hart war, konnte die Klinge ohne Probleme in den

Baum einschneiden und auf der anderen Seite wieder zum

Vorscheinkommen. Mit einem Stöhnen fiel der Baum um und

versperrte Ben und Tom den Fluchtweg. Erneut holte der Schatten zu

einem Schlag aus. Fast hätte er Ben getroffen, doch sein Fehlschlag

ermöglichte ihnen die Flucht. Denn er schlug den Baum entzwei, so

dass eine Lücke entstand, gerade groß genug um sich hindurch zu

quetschen. Sie rannten weiter, sie dachten dass dieser „Geist“ nicht

hindurch kommen könnte, doch sie hatten die Macht des Bösen falsch

eingesetzt, der Geist löste sich in einer Wolke auf, sie wanderte durch

den Spalt und manifestierte sich auf der anderen Seite wieder. Mit

einem erschreckenden Tempo rannte der Geist hinter ihnen her, jedoch

berührte er den Boden kaum, er wurde anscheinend von einer seltsamen

Macht getragen. „Da ist der Waldrand!“, schrie Tom, „Die Sonne

scheint, nun wird sich zeigen ob du richtig lagst!“. Sie stürzten aus dem

Wald heraus, zuerst geblendet von den Sonnenstrahlen. Doch dann

sahen sie, dass auch der Schatten herausgekrochen kam. Die Beiden

dachten, dass sie des Todes nahe waren, denn diesmal würde er sie

erwischen. Plötzlich erschütterte ein Schrei das ruhige Land. Der

Schatten krümmte sich, ließ seine Waffe fallen und schwebte schnell

zurück in die Dunkelheit. Interessiert sah sich Tom das Schwert an, es

war lang und glatt. Obwohl es den Baum durchschnitten hatte, war

seine Klinge erstaunlich dünn. Es löste sich wieder in den Schatten auf,


aus dem es entstand. Nun standen sie vor dem Wald und fragten sich,

was sie nun tun sollten. „Vor Einbruch der Nacht müssen wir weg

sein!“, sagte Ben hektisch, „Darauf wär ich alleine nie gekommen.“,

schrie Tom, „Wenn’s dir nicht passt, dann geh‘ zurück und diskutiere

das mit Nimué und diesen Geisterdingern!“, „Schon gut, sollte bloß ein

Witz sein.“. „Also, schlag du mal was vor.“, sagte Ben, mit einem

leichten Zorn in der Stimme. „Wir könnten wieder nach Hause gehen

und Indul suchen.“. „Indul wird schon längst nicht mehr dort sein. Die

Bauern dort können sich nicht gegen diese Macht verteidigen. Wir

könnten zur Festung der Rochon-Legion gehen. Ihre Vorfahren haben

einst gegen Nimué und ihre Armee gekämpft.“. Tom dachte eine Weile

nach, er musste seinen Entschluss schnell fassen, bevor die Sonne

anfangen würde zu sinken. „Einen Versuch ist es Wert, doch wir dürfen

niemandem sagen, dass wir für diese Katastrophe angerichtet haben.“.

Sie machten sich auf den langen und beschwerlichen Weg zu der

Festung. Es war nur eine kleine Burg, man hatte sie einem General der

Menschen übergeben, nachdem der große Krieg vorüber war. Dort

versammelten sich die letzten Überbleibsel der alten Ritterhäuser. Es

war ein Weg von 12 Stunden, wie die Krähe fliegt, doch Ben und Tom

mussten innerhalb weniger Stunden bei ihr sein, sonst wäre ihr

Schicksal besiedelt.

Sie ließen den Saum hinter sich als die Sonne ihren höchsten Punkt

erreicht hatte, sie hatten also nicht so viel Zeit gemütlich zu spazieren.

Sie rannten die meiste Zeit und machten nur kleine Pausen. Doch sie

hatten es trotz größter Anstrengung nicht rechtzeitig geschafft. Der

Himmel färbte sich rot, sie sahen die Sonne wie sie auf den Bergen

aufsetzte. Dann versank sie und es wurde dunkel. „Wir haben

Neumond!“, flüsterte Tom, „Was heißt das?“, fragte Ben, „Die Schatten

können sich ungestört durch das Gelände bewegen ohne von Licht

gestört zu werden. Sie wussten nicht was sie machen sollten: Nach

einem Versteck suchen und eventuell in eine Falle geraten. Oder

weitergehen und geschnappt werden. Jede Option verbarg eine Gefahr,

so groß wie die Andere. Sie entschlossen sich, nach langer Überlegung

weiter zugehen, mit etwas Glück würden sie die Festung schon bald

erreichen.


Die Zeit der Orks ist gekommen!

N

ach einer Stunde sahen sie in der Ferne einen Fackelschein.

Voller Freude und Erleichterung rannten sie auf das Licht zu,

doch ihre Hoffnungen wurden zerschlagen, als sie eine

schreckliche Stimme hörten. „Sind deine Orks bereit für den

Angriff gegen die Burg?“, fragte die Stimme. Sie war

körperlos. Sie warfen sich hinter einen nahegelegenen Stein.

„Ist das dieser Schattenfürst?“, fragte Ben. Tom blickte kurz hinter dem

Stein hervor, doch er konnte nichts erkennen, aber die Stimme sprach

weiter: „Sie müssen bis übermorgen einsatzbereit sein!“. Die Stimme

verstummte, nun hörten sie nur noch ein Pferd schnell davonreiten. Nun

sah auch Ben hinter dem Felsen hervor. Sie konnten ein riesiges Lager

erkennen, Hunderte Zelte standen auf der Wiese, einige seltsame Wesen

liefen in der Dunkelheit herum: Kleine Gebückte Gestalten wie sie

hässlicher nicht sein könnten. Manchmal konnten sie eines genauer

betrachten, wenn es in einen Fackelschein trat. Sie waren sehr

unterschiedlich, mache hatten Braune, manche weiße und andere gelbe

Haut, manche hatten Haare, andere nicht. Manche hatten Augen, so

groß wie Tennisbälle, anderen fehlte ein Auge. Manche hatten sehr

spitze Zähne, andere hatten richtige Stoßzähne. Die einen waren eher

klein und dünn, doch andere waren auch groß und dick. „Sind das

Orks?“, fragte Ben, „Ich denke schon, aber alles was mir Indul über sie

erzählte war, dass sie so hässlich sind, dass wen man sie sieht, sich erst

erbrechen möchte.“ Ein großer Ork kam in den Fackelschein. „Die

Streitmacht muss in zwei Tagen kampfbereit sein“. Seine Stimme hörte

sich an, als ob er keine Luft bekäme, es antwortete eine helle

kreischende Stimme: „Ja mein Herr!“, kichernd zog die Stimme von

dannen. Sie konnten den kleinen Ork in die Nacht hüpfen sehen, ein

schreckliches Lied singend:

Die Rochons sind bald tot,

Ihr Blut das glitzert rot.

Die Festung wird zerfallen,


Der Hauptmann auf den Boden knallen.

Das Tor wir dann zerbrechen,

Wir werden sie bald abstechen.

„Hast du das gehört, sie wollen die Rochon-Burg angreifen, wir müssen

schnell hin und sie warnen!“, flüsterte Tom. Er packte Ben am Arm und

riss ihn durch die Dunkelheit. Sie rannten fast drei Stunden durch die

Dunkelheit. Dann sahen sie, wie die Sonne wieder über die Berge stieg,

im blassen Morgenlicht konnten sie eine Burg sehen. Sie war nicht

groß, jedoch könnte sie, richtig verteidigt, monatelang einem Angriff

standhalten. Sie gingen zu einem Holztor, an dem zwei bewaffnete

Wachen standen. Sie hielten Speere in der einen und schilde in der

anderen Hand, doch hatten auch Schwerter an ihrem Gürtel. Sie

versperrten das Tor: „Wer seid ihr?“, fragte die linke Wache, „Und

warum wollt ihr in die Burg?“, fragte die Rechte. „Wir sind Wanderer

und müssen schnell zum Hauptmann.“, sagte Ben, „Wieso müssten

zwei Wanderer den Hauptmann sprechen?“, fragte die Rechte Wache.

„Wir haben Orks gesehen, welche einen Angriff auf die Burg

vorbereiten.“, sagte Tom. „Jeder weiß, dass es keine Orks gibt, es ist

nur ein Märchen aus alter Zeit.“, erwiderte die Rechte Wache, „Doch,

ich habe letztens erst einen gesehen, der von jemandem gehört hat, der

einen Ork im Gebirge gesehen hat.“, sagte die linke Wache, „Nun ja,

dann ist der Kerl, von dem der Typ gehört hat, der von einem gesehen

wurde, den du gesehen hast, ein Lügner.“, sagte die Rechte Wache.

„Also möchtest du sagen, dass es keine Orks gegeben hat?“, „Ja, so

etwas hat es nie gegeben.“, „Dann sind etwa tausend Männer, in einem

Krieg gegen etwas gestorben, das es nie gegeben hat?“, „Moment, das

habe ich nicht gesagt, was ich damit meine….“. Ben und Tom schlichen

sich um die streitenden Wachen herum und standen nun in einem

Steinernen Hof. In der Mitte stand ein Brunnen, und direkt hinter dem

Brunnen stand ein Gebäude, indem alle Abteile der Festung waren, wie

zum Beispiel die Unterkünfte, sowie die Waffenkammer. Sie gingen

durch eine große Stahltür und standen in einer Halle mit vielen

Treppen. Am anderen Ende war eine weitere Stahltür mit einem großen

Schwert. Sie gingen durch diese Tür und hofften Hilfe zu finden.


In dem Raum stand ein riesiger Tisch, vollbeladen mit Karte und

Büchern. Ein Mann mit silberner Rüstung, er beugte sich über eine

Karte und murmelte etwas Unverständliches. Ben und Tom traten vor

ihn und verbeugten sich tief. „Oh Alcar, Hauptmann der Rochon-

Legion.- Wir kommen mit einer dringenden Botschaft.“. Der Mann

setzte sich auf einen Stuhl und blickte die Beiden an. „Welche

Botschaft könntet ihr mir bringen?“, fragte der Hauptmann

misstrauisch. „Wir beobachteten eine Gruppe Orks und hörten sie

sagen, dass sie euch in zwei Tagen angreifen werden.“. Die Miene des

Hauptmannes wurde ernst und streng, „Wie viele?“, seine Stimme war

mit Furcht erfüllt, „Wir haben sie nur bei dunkler Nacht gesehen, aber

ich schätze mal mehrere Tausende.“, sagte Tom. „So viele, ich muss

sofort die Verteidigung einberufen!“. Plötzlich kam ein Diener herein,

„Mein Herr, das Frühstück wartet.“, „Vergesst das Frühstück, wir

stehen im Krieg! Die Garnison muss binnen 36 Stunden einsatzbereit

sein!“. Der Diener verbeugte sich und eilte hinfort.

Die Glocken erschallten und die Krieger riefen durcheinander. Vor der

Tür hörte man metallene Schritte von panischen Kriegern. Sie hatten

noch nie gekämpft, sie wurden nur in die Legion aufgenommen, da ihre

Vorväter auch in der Legion waren. Alcar stand von seinem Stuhl auf

und ging zur Tür, mit einem kräftigen Tritt stieß er sie auf. Er stellte

sich in die Mitte des Raumes und sah sich die Angst der Männer an.

„BERUHIGT EUCH!“, schrie er, „IHR SEID SOLDATEN DES

KAISERS, NUN WIRD ES ZEIT EUREN WERT ZU BEWEISEN!“.

Die Männer hielten an und hörten ihm zu, „Wir werden nicht zulassen,

dass die Orks wieder zurückkehren, wir werden sie aufhalten und wenn

es unser Leben kostet! Wir werden den Frieden bewahren, wir werden

als normale Soldaten in den Krieg ziehen, doch als Helden

zurückkehren! Für den Kaiser, für den Frieden!“. Die Truppen hatten

sich inzwischen gesammelt und jubelten dem Hauptmann zu: „FÜR

DEN KAISER, FÜR DEN FRIEDEN!“, riefen sie ihm nach. Die

Krieger zogen ihre Schwerter und stießen sie in den Himmel. Sie waren

nicht mehr die ängstlichen Krieger, sondern die Stolzen Krieger von

früher. „Also macht euch nun bereit!“, schrie Alcar, und sofort eilten

die Krieger hinfort um die Burg vorzubereiten. Der Hauptman erschien

Ben und Tom stolz und mutig. Wie ein Fels in der Brandung. Trotz des

nahenden Unterganges, war er fest entschlossen sich der Gefahr zu


stellen. Er drehte sich um und sah Ben und Tom in die Augen. „Wie

kann ich euch nur danken, dass ihr uns gewarnt habt?“, fragte er. „Wir

würden darum bitten, dass wir hierbleiben dürfen, bis die Gefahr vorbei

ist“, sagte Tom, „So sei es. Wir werden uns um euch h kümmern.“,

Alcar stieß einen lauten Pfiff aus, und sofort kam ein Ritter herbeigeeilt.

„Dies ist Vercan, er wird euch beschützen, sollte etwas passieren,

sowohl wird er euch auch die Burg zeigen.“. Er verbeugte sich und ging

eine der vielen Treppen hinauf. Ben und Tom sahen sich Vercan genau

an: Er trug eine silberne Rüstung und einen blauen Mantel, sein blondes

langes Haar schimmerte auf seiner Rüstung. Er war noch sehr jung,

hatte aber trotzdem ein Gesicht, das dem eines Prinzen glich. So wie

alle Männer hier war er ein großes Stück größer als Ben und Tom.

„Nun, meine kleinen Herren, wie kann ich euch dienen?“, fraget er

höflich. „Habt ihr irgendwo einen Raum, in dem wir uns ungestört

unterhalten könnten?“, fraget Ben, „Das wäre wohl die alte Bibliothek,

dort ist nur Parma, der alte Bibliothekar. Ich führe euch dorthin.“. Sie

gingen eine Treppe nach unten und gingen einen dunklen Gang entlang,

bis sie an eine kleine Holztür kamen. Vercan machte sie ganz langsam

auf, sie knarrte und quietschte als ob sie tausende Jahre alt wäre. Sie

kamen in eine niedrige Höhle, deren Decke ungefähr zwei Meter hoch

war. Die Wände waren mit Fackeln beleuchtet. Es war nicht kalt, wie in

normalen Höhlen, sondern angenehm warm. Es gab einen riesigen

Tisch und viele Bücherregale. Auf dem Tisch waren grüne, doch zum

Teil schon abgeblätterte Ornamente aufgemalt, sowie stand auf dem

Tisch eine Glocke. „Was wisst ihr über Nimué`“, fragte Tom, „Das ist

ein Thema über das wir normalerweise nicht sprechen, sie war das

schlimmste, was es je auf Arda gab. Ich habe kein großes Wissen über

sie, aber ich kenne jemanden, der viel über sie weiß.“. Er zog an dem

Seil der Glocke. „Ich komme!“, rief eine alte und gebrechliche Stimme

aus dem hintersten Teil der Höhle. Eine gebückte Gestalt kam hinter

einem der Bücherregale hervor, ein alter Mann mit Glatze und einem

Bart der bis zum Boden reichte.

„Wie kann ich euch helfen?“, fragte er „Wir brauchen die Chroniken

des Dunklen.“, sagte Vercan. „Ich werde es euch bringen und euch

helfen es zu lesen. Der alte Mann hinkte hinter ein Buchregal und kam

eine Zeit lang nicht hervor. Er kam wieder, doch er brachte ein Buch,

größer als ein Din-A2 Blatt mit. Er legte es auf den Tisch und setzte


sich hin. „Hier müssten einige Interessante Dinge stehen. Er schlug es

auf und wollte anfangen zu lese. Doch es zerfiel zu Staub. Ben und

Tom erschraken, doch Parma zuckte nicht mal mit der Augenbraue. Er

wischte mit seiner Hand über den Staub und fegte ihn vom Tisch. Der

Staub sprang wieder auf den Tisch und setzte sich wieder zu einem

Buch zusammen. „Immer wieder unterhaltsam.“, lachte der alte Mann.

„Was wollt ihr denn wissen meine Herren?“, „Was steht dort über ein

Wesen, namens Schattenfürsten?“, fragte Ben, „Woher wisst ihr von

ihm?“, fragte Parma, „Wir hörten, diesen Namen, wo tut nichts zur

Sache.“, antwortete Tom. „Einst war er ein stolzer Krieger, doch Nimué

verführte ihn und versprach ihm große Macht und Unsterblichkeit. Sie

verfluchte ihn und er wurde zu einer Gestalt, die nur aus Schatten

besteht. Seine Waffen können alles durchdringen, nur die Zauber der

Altvorderen können ihren Klingen wiederstehen. Er ist durch einen

besonderen Fluch an Nimué gebunden, erst wenn sie vollkommen

vernichtet ist, kann er sterben. Seine Diener sind die geflügelten

Schatten, welche einst seine Brüder waren. Er verführte sie auf die

dunkle Seite zu kommen. Auch sie kann man nicht so einfach töten, nur

wenn man ihren Bruder tötet, den man nur töten kann indem man

Nimué tötet, sterben sie. Das Licht und Feuer sind ihre großen

schwächen. Doch niemand vermag seine Handlungen zu kontrollieren,

wenn einer der geflügelten Schatten vor ihm steht.“. Parma war die

Furcht anzumerken, er wusste von diesem Schrecken, er hatte tausende

Geschichten über sie gehört und viele gesehen, die den Schatten selbst

gesehen haben. „Sagt, wisst ihr auch etwas über Nimué?“, fragte Ben,

„In dem Buch wird etwas über sie stehen.“. Er blätterte etwas in dem

dicken Buch herum, bis er etwas gefunden hatte. „Hier habe ich einige

Informationen über sie: „Tochter von Melia und Morgomir, sie erbte

die Bosheit ihres Vaters und lernte alles was er wusste. Sie ist die

Schwester von Elrà, sowie ihr komplettes Gegenteil. Sie ermordete

ihren Vater und stürzte die Welt ins Chaos. Sie tötete den letzten König

der Elben und verwandelte den Finsterwald in einen schrecklichen

Ort“. Hier endet die Schrift, sie ist unlesbar.“. „Vielen Dank.“, sagte

Tom, „Könntet Ihr uns jetzt zu unserer Unterkunft führen?“, „Ja, mein

Herr.“, sagte Vercan und führte sie in die Schlafzimmer. Ben und Tom

bekamen ein riesiges Zimmer für sich alleine. Es war nur ein ärmlich

eingerichteter Raum, doch Ben und Tom waren froh, ein normales Bett


zu sehen. Den nächsten Tag verbrachten sie nur damit, die Burg zu

erkunden. Dafür, dass sie von außen so klein Aussah, war sie innerlich

ziemlich groß.

Doch nun kam die Stunde, an der die Orks angreifen wollten. Ein Horn

erschallte und prallte an den Wänden der Burg zurück. Es hörte sich an,

wie tausende Männer. Sie gingen aus ihrem Zimmer heraus, bis sie

wieder in der Haupthalle waren. Hunderte Männer rannten die Treppen

hinauf, um die Brüstungen zu bemannen. Ben und Tom sahen Alcar

und rannten ihm hinterher. Sie stiegen eine Treppe hinauf, bis zu einem

Torbogen. Sie standen nun auf einer Mauer, auf der hunderte von

Bogenschützen hinter Schildträgern standen. Alcar ging auf einen

riesigen Turm hinauf, um einen Überblick zu behalten. Vercan sah Ben

und Tom und eilte ihnen hinterher. Als sie auf dem Turm waren, traf sie

ein riesiger Schock: Tausende von Orks marschierten auf die Burg zu.

Sie hielten vor den Toren an und bliesen in ihren Hörner. Ein

schreckliches Geräusch, als würde man mit einem Nagel an einer Tafel

kratzen. Die Orks fingen an schrecklich zu kichern. Die Schützen legten

den Pfeil an und spannten den Bogen. „PFEILE LOS!“, schrie Alcar,

und ein Pfeilhagel ging auf die Angreifer nieder. Sie fielen nach

einander um, doch die nächsten rückten an. „Ohne Leitern kommen sie

nicht hoch, also sind wir sicher.“, sagte Ben erleichtert, „Sei dir da nicht

so sicher, Orks sind hinterhältig, auch wenn sie dumm sind.“, sagte

Vercan. Einige der Orks hatten sich an die Mauer geschlichen. Wie

Spinnen krochen sie an der glatten Mauer herauf. Sie kletterten über die

Zinnen und zogen ihre Schwerter. Die Schildträger zogen ihre

Schwerter und mähten durch die Orks. Doch immer mehr kamen dien

Zinnen herauf. Sehr viele der Krieger wurden mit vergifteten Klingen

getötet. Endlich hatten sie es geschafft die Orks hinunterzubringen, da

kam auch schon die nächste List. Das Tor bebte, ein riesiger Troll

schlug mit seinen riesigen Fäusten gegen das Tor. Mehrere Männer

versuchten das Tor zu stützen. Sie lehnten Holzbanken gegen das Tor

und lehnten sich dagegen. Bei jedem Schlag wurden die Männer

zurückgestoßen. Die Bogenschützen versuchten den Troll zu Fall zu

bringen, doch mit jedem Schuss wurde er noch wütender. Letzten Endes

wurde das Tor zerbrochen und hunderte Orks stürmten in den Innenhof.

Immer noch kletterten Orks an der Mauer herauf, ein unablässiger

Sturm von Feinden. „ZIEHT EUCH ZURÜCK!“, schrie Alcar. Ben und


Tom rannten zwischen Alcar und Vercan in die Burg. Viele Männer

wurden erschlagen beim Versuch zu fliehen. Die Krieger verschlossen

sich in der Burg, die Trolle der Orks hämmerten nun an die Türen.

„Vercan, geh‘ Ben und Tom, flieh mit ihnen und warne den Kaiser!“,

sagte Alcar hektisch. Vercan nahm Ben und Tom und rannte mit ihnen

eine lange Treppe hinunter. Danach durch einen langen dunklen Gang,

der eine Sackgasse zu sein schien. Vercan tastete die Wand ab, bis er

einen Stein berührte, welcher ein Knopf war. Die Wand zog sich zu

einem Torbogen zurück und die Drei gingen hindurch. Als sich die

Wand wieder schloss, konnten sie noch Alcar schreien hören: „Sie sind

durchgebrochen!“. „Vercan, was ist mit den Anderen?“, fragte Ben,

„Für sie gibt es keine Hoffnung, wir müssen nun den Kaiser warnen,

dass er auf einen Angriff vorbereitet ist.“. Sie rannten mit Tränen in den

Augen durch einen langen dunklen Tunnel, bis sie ein Licht sahen. Sie

rannten auf es zu. Sie kamen in einer Berglandschaft aus dem Tunnel,

in der Ferne konnten sie noch die Burg sehen, und die Schreie der

Männer hören.

Erneut zog Vercan die Beiden am Arm, sie rannten über die Ebene und

suchten den besten Weg. Sie kamen erneut in eine Berglandschaft, die

Sonne war wieder gesunken. Sie sahen immer wieder hinter sich, da sie

glaubten Schritte zu hören. Plötzlich hörten sie Schreie von Orks. Sie

waren in einen Hinterhalt geraten. Viele Orks griffen sie an, und Vercan

zog sein Schwert, es schimmerte im Licht des Abendrots. „Lauft!“,

schrie er Ben und Tom zu. Er schwang sein Schwert und versuchte die

Orks auf sich zu lenken. Ben und Tom liefen so schnell sie konnten in

der Hoffnung ein Versteck zu finden. Sie rannten, bis sie außerhalb der

Sicht der Orks waren. Sie fanden alte Ruinen, in denen sie sich dazu

entschlossen, zu rasten und sich zu verstecken,

Währenddessen lockte Vercan die Orks weg, er rannte zurück in den

Tunnel und rannte in die Burg. Die Orks verfolgten ihn, die Mordlust

stand in ihren Augen. Im Tunnel hallte das Gelächter wieder, sie hörten

sich an wie eine ganze Armee. Endlich hatte er die Versteckte Tür

erreicht, als er sie durchschritt und die Treppe hinaufrannte, traf ihn ein

mächtiger Zorn und eine noch stärkere Trauer. Alle Männer, die er

kannte wie Freunde und liebte wie Brüder, lagen tot auf dem Boden.


Schrecklich verstümmelt. Er konnte seinen Zorn nicht mehr halten und

er schrie. Ein mächtiger Schrei war es, der die Orks hinter ihm in Angst

versetzte. Doch alle Orks hatten diesen Schrei gehört und rannten nun

in die Halle, um den Überlebenden zu töten. Lange vermochte er es sich

gegen die Orks zu verteidigen. Viele konnte er töten. Doch es waren

nicht nur Orks, die ihn angriffen. Ein Schatten manifestierte sich vor

ihm. Der Schattenfürst stand vor ihm, sein tödliches Schwert in der

Hand. Er holte zum Streich aus. Die Schwerter trafen aufeinander, doch

das verfluchte Schwert offenbarte seine Macht. Vercans Schwert

zerbrach wie ein Zahnstocher. Nun stach er ihm ins Herz, wie ein heißer

Dolch glitt er durch die Rüstung und durchstach Vercans Herz.

Langsam sank er zu Boden. Dunkelheit umfing ihn, er sammelte seine

letzte Kraft und rammte das Heft seines Schwertes in den

Schattenfürsten hinein. Es glitt durch ihn hindurch und ein tiefes

Lachen ertönte. Das war das Ende des tapferen Vercan und der

Rochon-Legion.

Ein Schrei erschütterte Ben und Tom, sie fuhren zusammen. „Das am

aus der Burg.“, sagte Tom, „Ich hoffe es geht Vercan gut.“, ihm kamen

die Tränen, und auch Tom war den Tränen nahe. Sie machten sich die

größten Vorwürfe: „Was, wenn er gestorben ist, dann ist das alles

unsere Schuld. Nur wegen uns ist die Burg angegriffen worden. Nur

wegen uns sind die vielen Soldaten gestorben. Sie verkrochen sich in

einer Felsspalte und lauschten. Sie hörten vereinzelt noch Schreie von

Orks, sowie ihre Lieder.

Leiche um Leiche liegt jetzt dort,

an diesem hübschen Ort,

Wir kriechen aus der Dunkelheit,

Zu der Menschen großem Leid,

Ihr Leben wird zerbrechen,

Denn wir werden sie abstechen.


Dunkle Zeiten

D

er Mond verschwand hinter den Bergen und über der Stadt

Òril hing ein Schleier der Dunkelheit und der Trauer. Der

König saß betrübt auf seinem Thron, verzweifelt über die

Lage in der sich die Welt befand. Die Orks kamen aus den Gebirgen

und zerstörten auf ihrem Raubzug Gehöft und Baum, sie hinterließen

ein ödes karges Land hinter sich. Die Krieger waren schwach geworden

und viele waren gestorben bei dem Versuch die Orks aus dem

Königreich zu vertreiben.

Vor ihm stand sein ganzer Kriegsrat, versammelt um das Problem zu

lösen. „Mein Herr, wir müssen die Orks frontal angreifen.“, „Seid ihr

verrückt? Dafür sind die Orks bei weitem zu Zahlreich, wir müssen sie

von der Seite her angreifen und danach einkreisen. Vertraut mir mein

Herr.“, „Nein, wir müssen die Elben um Beistand bitten, diesen Krieg

können wir nicht alleine gewinnen.“. „Nein, niemals! Ich werde nicht

zu diesen schleimigen Elben zurückkriechen! Habt ihr nicht vergessen

was sie unserem Volk angetan haben, sollen wir etwa jene so respektlos

behandeln?“. Des Königs Wut stieg ins unermessliche, sein Gesicht lief

Rot an. „Aber mein Herr, es ist die einzige…“, „ES REICHT! Wachen,

legt ich in Ketten, auf das er seine Lektion endlich lernt!“. Zwei riesige

Wachen kamen in den riesigen Saal hinein und rissen den Berater vom

Tisch. „Ihr werdet sehen, das wird Euer Verderben sein!“. Die großen

Türen knallten ins Schloss, danach herrschte eine schreckliche Stille.

„Ich möchte dass ihr wisst, dass ich auf keinen Fall vor dieses verlauste

Elben-Königinnen-Hexen-Weib treten werde.“, Die Hauptmänner sahen

sich alle an und nickten sich zu, dann versuchten sie wieder den König

für eine Ideen zu begeistern. „Ja mein Herr, diese Idee hat die beste

Chance auf Erfolg, Orks scheuen den direkten Kampf, wenn wir auch

noch bei Tag angreifen, so ist uns der Sieg sicher!“, „Ja lieber Dalius,

das mag ja sein, jedoch scheinen das keine normalen Orks zu sein.

Irgendetwas ist seltsam an ihnen.“ Vor der Tür erklang ein lauter Streit,


jedoch konnte niemand verstehen, worum es ging. Doch plötzlich, und

unerwartet, wurden die schweren Türen aufgestoßen und ein Bauer kam

herein, auf seinem Arm ein stolzer Adler. Doch jener Adler war

verwundet, sein Flügel wurde von einem Orkpfeil durchbohrt. „Mein

Herr, ich fand dieses Tier auf meinem Feld, er trägt eine Nachricht bei

sich.“,

„ungewöhnlich ist es, dass jemand einem Adler eine Botschaft gibt.“,

den König erfasste eine schreckliche Vorahnung, sein rotes Gesicht

färbte sich in wenigen Sekunden schneeweiß. Er nahm die Röhre, die

auf dem Rücken des Adlers befestigt war und nahm die Botschaft

heraus.

An den König:

Mein Herr, ich schreibe ihnen in Stunde größter Not, die Orks sind auf

dem Vormarsch, ich hoffe Aigru hat den Weg zu euch gefunden und ihr

lest dies.

Die Festung wird belagert und ich habe mich in der Bibliothek

verschanzt um euch dies zu schreiben: Sucht nicht nach uns, wir werden

es nicht schaffen, die Orks sind bei weitem zu zahlreich.

Irgendeine schwarze Magie steckt dahinter, sie begannen den Angriff

bei Sonnenschein und kletterten die glatten Wände hoch. Doch etwas

Wichtigeres ist geschehen, zwei junge Männer waren bei uns, sie flohen

mit Vercan, um euch zu warnen. Ich weiß, dass sie Hilfe brauchen

werden, deshalb ist es dringen dass ihnen Hilfe zuteilwird

Mit letzten Grüßen, Parma.

„Mein König, was steht denn nun da?“, „Die Rochon-Legion wurde von

den Orks ausgelöscht.“. Der Schrecken verbreitete sich, niemand wusste

genau, was man jetzt tun sollte.

„Wir müssen sofort Reiter aussenden!“, „Oh ja, das werden wir, jedoch

sollen sie sich auf die Suche nach zwei jungen Männern und einem

Soldaten machen, laut dem Schriftführer der Rochon-Festung, seien sie

die einzigen Überlebenden.“. Die Hauptmänner standen auf und

verbeugten sich, sofort rannten sie zu den Ställen um die besten Reite4r

auszusuchen, diese wurden dann unverzüglich losgeschickt um die

Überlebenden zu retten. Doch der König saß weiterhin auf seinem


Thron, alleine und betrübt. Seine Lage erschien ihm jetzt noch

aussichtsloser: „Ich frage mich, was nun?“.

Und so ritten nun die besten Reiter des Landes zur Rochon-Burg um die

Überlebenden zu suchen, sollten diese noch am Leben sein. Sie ritten

mehrere Stunden, bis sie in der Ferne Rauchwolken aufsteigen sehen

konnten, die Burg war nahe. Doch nun war Vorsicht geboten, denn sie

wussten nicht ob sich noch weitere Orks in der Burg verschanzt hatten.

Sie kamen der Burg näher, ohne dass sie jemand gesehen hatte, der

Boden war bedeckt mit Leichen, von denen die meisten Orks waren.

„Dafür werden die Orks bezahlen!“, sagte einer der Ritter, „Und das

werden sie auch!“. „Die Überlebenden werden wahrscheinlich den

geheimen Tunnel genommen haben.“, „Wo führt er denn hin?“, „Zu

dem alten Altar, Richtung Norden.“. Das Gefühl der Hoffnung mehrte

sich, je weiter sie dem Altar näher kamen, jedoch wuchs auch eine

Angst, die Angst keine lebendigen Menschen mehr zu finden.

Der Altar lag nun vor ihnen, er war nun noch eine Ruine, die ich aus

dem hügeligen Grasland erhob. Die Reiter stiegen von ihren Pferden

und begannen die Umgebung abzusuchen. Die Such war schnell zu

Ende, in einer Ecke fanden sie zwei kleine Gestalten, die fast aussahen

wie Jugendliche, in einer Ecke kauern. „Wer seid ihr?“, fragte einer der

Reiter, doch sie antworteten nicht, „Sie stehen wahrscheinlich unter

Schock, wir sollten sie zum König bringen.“, „Aber was ist mit dem

anderen Überlebendem?“, „Wenn er nicht hier ist, dann wird er es

wahrscheinlich nicht geschafft haben.“. Leute, hört mal…“, flüsterte

einer der Ritter. Sie konnten in der Ferne einige grässliche Stimmen

hören: „Ich habe doch gesagt, dass die Typen noch da sind, schnell zur

Ruine!“. „Schnell, packt sie auf die Pferde und weg hier!“, flüsterte

einer der Ritter. Sie warfen die beiden nicht gerade sachte auf die

Pferde und ritten in Windeseile davon.

„Da vorne sind ein paar Orks!“, rief ein Reiter, „Wir reiten um sie

herum, folgt mir!“. Sie ritten nahe an einer Felsformation, doch der

Schrecken der sie dort erwartete war nicht weniger gering. Sie hörten

das Schreien der Orks, das aus der Nähe zu kommen schien. Sie

schauten hinter sich, und dort sahen sie eine Horde kleiner Gestalten,

die auf allen Vieren in einem enormen Tempo krochen. „Sind das


Orks?“, „Es schein mir fast so.“. Die Panik wuchs, die Kreaturen kamen

immer näher. Das Lachen der Orks wurde immer schlimmer. Sie

schienen zu Kichern. Doch das Übel beschränkte sich nicht nur auf eine

Richtung, bald sahen sie schon Orks, die hinter den Felsen

hervorsprangen. Sie trieben die Pferde zu solch einer Hast, das nun

jeder Fehler fatale Konsequenzen haben würde. Die Landschaft

wechselte nun ihr Bild, anstatt eines felsigen kargen Landes, war es nun

grün und saftig, und Flüsse durchzogen das Land. „Wir müssen einen

Fluss überspringen, das ist die einzige Möglichkeit den Orks zu

entkommen!“, rief einer der Reiter, „Aber passt auf die Jungs auf, nicht

das ihr sie verliert!“. Es war ein reißender Bach, den sie als Rettung

sahen, wilder als der größte Löwe war er. Mindestens 16 Fuß breit. Sie

waren gewillt es zu versuchen. Sie formten eine Reihe und sprangen

nacheinander: Der 1., geschafft, der 2. Geschafft, der 3. Geschafft, doch

der Vierte hatte kein solches Glück, sein Pferd sprang zu früh ab und

blieb am Ufer hängen. Der Strom war zu stark und es wurde

mitgerissen, und sein Herr mit ihm. Doch der Plan hatte funktioniert,

die Orks blieben stehen, und fauchten die Reiter an und warfen sogar

ihre Schwerter nach ihnen. „Schnell weiter!“, rief einer der Reiter,

„Sonst kommen die Orks doch noch über den Fluss!“. „Aber was ist mit

ihm, wir können ihn doch nicht einfach so im Stich lassen. Vielleich

lebt er noch.“, „Vielleicht, aber unser Auftrag war es die Überlebenden

zum König zu bringen, mach dir um ihn keine Sorgen, wenn er noch

lebt, so wird er sicherlich wieder nach Hause finden.“. Die Orks

begannen nun schon gefundene Steine in den Fluss zu werfen um sich

eine Brücke zu bauen. Einer der Orks sprang von der Brücke auf einen

der Reiter, und traf ihn beinahe, gerade im letzten Augenblick riss der

Reiter die Zügel nach hinten und trieb sein Pferd an loszurennen. Doch

die Brücke war fertiggestellt und die Hetzjagd begann von neuem.

Doch die Reiter waren im Vorteil, die Grenze ihres Landes war nahe,

und an der Grenze gab es kleinere Lager der Soldaten. Doch die Orks

holten immer weiter auf, und obwohl die Zelte der Soldaten näher

rückten, schwand die Hoffnung immer weiter. Die Reiter begannen zu

rufen und zu schreien, in der Hoffnung Bogenschützen würden ihnen

helfen, doch es antwortete niemand. „Was ist da los?“, „Wahrscheinlich

wurden sie schon überfallen.“, „Aber wer lässt denn die Zelte unberührt

stehen?“; „Ich weiß es nicht, aber im Moment haben wir größere


Sorgen.“, denn die Orks kamen immer näher, ihre grässlichen Fratzen

wurden immer deutlicher. Einer der Orks hatte sich unbemerkt auf ein

Pferd geschlichen und zückte einen rostigen Dolch, bereit seine Beute

zu erlegen. Doch in jenem Moment, als er Schwung geholt hatte, da

geriet er ins Taumeln und fiel vom Pferd, die tote Gestalt rollte sich auf

dem Boden zusammen und wurde von den Jägern einfach liegen

gelassen. Die Zelte kamen immer näher, nun konnten sie etwas hören

das wie das Surren von Pfeilen klang.

Und so war es auch, mehrere Bogenschützen griffen aus Verstecken an,

die die Ritter nicht einmal bemerkt hatten. Nacheinander gingen die

Orks zu Boden, bis letztendlich keiner mehr stand. Erleichtert hielten

die Reiter vor den Schützen an, um sich zu bedanken: „Vielen Dank für

eure Hilfe.“, „Also seid ihr diejenigen, die diese Plage zu uns

schicken?“, fragte der Schütze, „Nein, im Gegenteil. Wir wurden von

König Arna gesandt, um Überlebende einer großen Schlacht zu retten.“,

„Was für eine Schlacht?“, „Hinter dem Bergland, dort steht die Rochon-

Burg. Ihre Bestatzung wurde komplett ausgelöscht, bis auf diese zwei

Kinder.“, „Sind die Zwei nicht etwas zu Jung, um in der Armee zu

sein?“, „Das versuchen wir herauszufinden, deshalb müssen wir so

schnell wie möglich zum König. Also wenn ihr uns bitte durchlassen

würdet.“, „Verstehe… Reitet schnell, ihr werdet immer noch verfolgt.

Wir halten sie auf. Beeilung!“. Die Reiter trieben ihre erschöpften

Pferde ein letztes Mal kräftig an. Hinter sich schon die Orks hörend,

ritten diese als hätte sei ein Blitz getroffen.

Das Gebrüll der Orks wurde leiser und verschwand darauf. Nun waren

es nur noch wenige Meilen bis zur Festung des Königs. Der Weg war

nun einfach und ungefährlich, sie ritten deshalb nur noch langsam. „Da

ist sie, die Festung, beeile dich, dass wir vor Einbruch der Nacht

angekommen sind!“.

Sie ritten durch das Tor und hasteten die Mauer entlang, bis sie endlich

den Apotheker erreichten. Sie klopften an die schwere Holztür, danach

ertönte eine leise Stimme aus dem Haus: „Nur weil ich alt bin, heißt

das noch lange nicht dass ich… ähm….öhm…. verdammt, ich habe das

Wort vergessen.“. Die Tür wurde geöffnet und hervor trat ein kleiner

bärtiger Mann, „Bitte kommt doch herein“. „Wir erbitten euch um Hilfe

Nodamin, wir müssen zum König, kümmert ihr euch solange um diese


zwei.“, „Okay, mach ich.“, damit gingen die Reiter ins Haus hinein,

legten die beiden Jungs auf Betten, welche nebeneinander an der Wand

standen, und verließen das Haus wieder.

„Nun, was macht man noch einmal bei ähm….Mist….ach…nicht schon

wieder!“. Wütend stampfte Nodamin durch sein Haus und riss sich ein

Haar nach dem anderen aus: „Wieso fällt mir das Wort nicht ein! Wenn

nachher der König kommt, und ich habe nichts getan, dann werde ich

wahrscheinlich in den Stall abkommandiert!“. Besorgt blickte er auf

seine zwei Patienten, „Oder ich lege einfach ein nasses Tuch auf ihre

Köpfe und sage ich hätte was gemacht. Ja, gute Idee!“. Er nahm zwei

Leinentücher und tauchte diese in einen Eimer voll Wasser, den er in

einer Ecke stehen hatte. Er legte sie ihnen auf die Köpfe und setzte sich

an einen Tisch, zu einem riesigen Buch.

Doch kurz nachdem er sich gesetzt hatte, ließ er seinen Kopf auf das

Buch fallen und schlief ein. Jedoch währte der ruhige Schlaf nicht

lange, denn wenige Minuten später hämmerte es schwer gegen die Tür.

Erschrocken fuhr Nodamin hoch und sprang zu ihr. Nachdem er sie

geöffnet hatte, kamen die drei Reiter zurück, hinter ihnen ein Mann,

gekleidet in einen dunkelblauen Königsmantel. Sein Langer Brauner

Bart verdeckte den Großteil seines Gesichtes, jedoch waren klar zwei

müde Augen zu erkennen. „Oh, mein Herr König. Schön euch zu

…ähm….wartet….“, „Macht euch nichts draus, wer sind nun diese

Beiden?“, „Von wem sprecht Ihr?“, „Na von den Beiden, die auf euren

Liegen ruhen.“, Was, da ist doch keiner.“, er drehte sich um, um dem

König zu beweisen, dass dort niemand war. „Ach du meine…nicht

schon wieder…meine Güte, seit wann liegen die denn da?“, „Seitdem

wir sie bei Euch abgeliefert haben.“, antwortete einer der Reiter, „Lasst

uns bitte alleine.“, sprach der König, die Ritter verbeugten sich und

verließen das kleine Haus. „So Nodamin, wann wachen sie denn auf?“,

„Wer?“, „Die Beiden!“, „Welche…. Ach so, die meint ihr. Nun ja, in

wenigen Stunden könnte es soweit sein.“, „Könnt Ihr sie nicht einfach

aufwecken?“, „Das könnte ich machen.“. Er ging zu dem Wassereimer

hinüber und hob ihn mit aller Kraft nach oben, „Das sollte sie

aufwecken.“ Er kippte den gesamten Eimer über die zwei Jungs.

Langsam begannen sie zu zucken, einer nach dem anderen öffnete

langsam die Augen. Gespannt saß der König an dem Tisch und


eobachtete das Geschehen. Nodamin kniete sich vor die Liegen und

lächelte: „Guten…äh… mein Herr, wie spät ist es noch einmal?“, „Geh

beiseite, du bist so unnütz wie schon lange nicht mehr.“. Der König

stieß ihn leicht beiseite und stand nun groß und mächtig vor den jungen

Männern. „Guten Morgen meine Herren, willkommen in Òril. Wenn ich

mich vorstellen dar, ich bin Arna, der König dieses Landes, wäret ihr so

freundlich und würdet mir eure Namen nennen?“. Einer der Jungs

begann zu stammeln: „I-i-ich bin B-b-Ben, u-und…“, „Nodamin, so

gebe ihnen doch etwas gegen diese Stotterei!“, „Wem?“, „Den beiden

Gästen hier!“, „Ach so, ihr müsst ja nicht gleich schreien, und für was

ist die Medizin?“, „Gegen ihre Stotterei!“. Nodamin ging zu einem

Regal, das mit hunderten Flaschen gefüllt war, er griff in das

Flaschengewirr hinein und gab den Jungen einen Trank. „So mein Herr,

es sollte gleich besser werden.“, er machte ein wütendes Gesicht, doch

er wendete seinen Blick gleich wieder ab. „So fahrt bitte fort.“, bat

Arna, „Ich bin Ben, und das ist mein Freund Tom.“, „Meine Reiter

haben euch in der Nähe der Rochon-Festung gefunden. Was habt ihr

denn dort genau gemacht?“. Ben wurde blass im Gesicht. „Nun, äh, wir

waren auf einem Wanderausflug, bis wir von komischen Kreaturen

entdeckt wurden. Daraufhin flohen wir zu dieser Festung. Jedoch wurde

diese angegriffen. Wir erhielten eine Begleitung die uns aber kurz nach

der Flucht verließ und zur Burg zurückkehrte.

Nun wachte auf, noch ganz geblendet von seinem langen Schlaf.

„Nun…“, begann der König, „…es wird euch schwerfallen mir zu

glauben, jedoch wurde jeder einzelne Bewohner der Burg getötet.“,

„Woher wisst Ihr dass?“, fragte Tom, „Ich sendete ein paar Reiter aus,

um Überlebende zu suchen, doch die einzigen die sie fanden wart ihr

zwei.

Ben und Tom sahen sich still und traurig an, so als ob alles ihre Schuld

gewesen war. „Macht euch keine Sorgen, hier seid ihr vor den Orks

sicher.“. „Wenn Ihr uns die Frage gestatten würdet, wo sind wir hier

denn jetzt eigentlich genau?“, fragte Ben, „Na ihr seid in Òril, in dem

wundersamen Land Nue-Dâ.“. Ben neigte sich zum König hin und

versuchte ihm ins Ohr zu flüstern, was jedoch schwer war, da sein Ohr

fast komplett von seinen langen Haaren bedeckt war: „Und wer ist

dieser Mann in der Ecke?“ „Das? Das ist Nodamin, er ist einer der


esten Heiler die es auf der Welt gibt, wenn auch etwas vergesslich.

Wenn man ihm etwas saht, vergisst er es nach ein paar Sekunden schon

wieder.“, der König begann zu kichern, doch Nodamin fand das Ganze

nicht sehr lustig, er grummelte leise etwas vor sich hin und zwirbelte

seinen langen grauen Bart. „Jetzt seid doch nicht gleich so beleidigt, Ihr

wisst doch, dass es stimmt.“, „Das was stimmt?“, „Na das Ihr so

vergesslich seid.“, „Und was ist damit?“, „Vergesst es einfach.“

Nun ja, er ist trotzdem einer der Besten.“. Es klopfte nun hart gegen die

Tür, und einer der Ritter kam herein: „Mein Herr Arna, Ihr müsst

zurück zum Kriegsrat.“, „Ich eile.“. Er stand vom Stuhl auf und ging

langsam zur Tür. „Nodamin, kümmert euch gut um die Beiden, bis ich

wieder da bin.“, „Ja, ja.“. Die Tür fiel wieder ins Schloss und Stille

kehrte ein.

Nodamin ging zu seinem Tisch und klappte das Buch zusammen, legte

es in eine Truhe und verschloss diese. Danach ging er zum anderen

Ende des Raumes und ging dort eine Treppe hinauf, so als ob er Ben

und Tom vergessen hätte. „Ich glaube der hat uns vergessen!“, flüsterte

Tom, „Es scheint so.“. „Was machen wir denn jetzt?“, fragte Ben, „Wir

warten ab, ob er zurückkommt.“.

Einige Minuten später hörten die Beiden langsame Schritte die Treppe

herunterkommen. Nodamin hatte gerade den Raum betreten, als er

zusammenzuckte und verwundert auf seine beiden Gäste starrte: „Wer

seid ihr, und woher kommt ihr?“, fragte er verängstigt. „Ich bin Ben

und das ist Tom, der König hat uns bei Ihnen gelassen, bis er

wiederkommt.“, „Und wohin ist er gegangen?“, „Ich glaube er trifft sich

mit irgendeinem Rat.“, antwortete Tom, „Und wer trifft sich mit dem

Rat?“, „Der König.“, sagte Ben.

„Und warum seid ihr nochmal hier?“…

Und so ging diese Tour unzählige Stunden, bis die Sonne hinter den

Bergen versank. Endlich hatten sie alles geklärt, Nodamin konnte sich

nun endlich merken, wie die beiden heißen, wo der König war und

warum er sie hier gelassen hatte.

Viele Stunden verstrichen, bis der König wieder zu den Jungs kam, er

sah erschöpft aus, als er im Türrahmen stand, jedoch versuchte er

freundlich zu sein. „Würdet ihr bitte mitkommen.“, bat Arna freundlich

„Wir müssen etwas mit euch besprechen.“. Sie standen langsam von


den Betten auf und folgten ihm. Er führte sie quer durch eine riesige

Stadt. Bis sie letzten Endes zu einer riesigen Halle kamen. Vor einer

schweren Stahltür standen zwei Wachen, sie verbeugten sich und

öffneten den Eingang. Skeptisch betrachteten sie die beiden Jungs, die

hinter dem König durch die Nacht stolperten.

„Bitte setzt euch.“, der König zeigte auf zwei Stühle die an einem

riesigen Tisch standen.

Um den Tisch saßen 11 Menschen, die allesamt reichgeschmückte

Rüstungen trugen. Und am Ende des Tisches thronte der König, er saß

auf einem riesigen Marmorthron. „Das sind also die Beiden?“, fragte

einer der Männer, „Ja, das sind sie.“, sagte Arna.

„So meine Lieben, was habt ihr denn eigentlich in der Nähe der

Rochon-Festung gemacht?“, fragte er, Ben und Tom sahen sich seltsam

an, als würden sie versuchen etwas zu verbergen, „Wir haben eine

Wanderung unternommen, als wir vor wenigen Tagen an einem

seltsamen Lager vorbeikamen.“, sagte Tom. „Beschreibt das Lager.“,

sagte einer der Männer, „Nun, ja. Überall waren Zelte, und hässliche

Kreaturen überall. Als wir uns vorbeischleichen wollten, hörten wir,

dass sie die Festung angreifen wollen.“, „und aus diesem Grund seid ihr

zur Festung gegangen?“, fragte ein anderer Mann, „Ja, genau aus

diesem Grund.“. „Und was geschah dann?“, fragte Arna, „Nachdem die

Schlacht verloren war, wurden wir von einem Soldaten weggebracht. Er

brachte uns zu einer Ruine.“, „Was geschah mit diesem Soldaten?“,

fraget einer der Männer, „Er ging zurück zur Burg. Seitdem haben wir

ihn noch nicht gesehen.“. „Nun, dann wird es euch nicht leicht fallen zu

verstehen, dass dieser Soldat wahrscheinlich tot ist.“.

Ben und Tom standen regungslos da, und silbrige Tränen flossen ihre

Wangen hinunter, und das leise Schluchzen hallte in dem großen Raum

wieder. „Was wollt Ihr denn von uns?“, fragte Ben schluchzend, „Was

wir von euch wollen? Unsere Späher sahen die schwarzen Schatten wie

sei um unsere Mauern schlichen.“, sagte Arna, „Anscheinend haben sie

bemerkt, dass ihr hier seid. Und wir alle wissen, dass die Boten der

dunklen Herrin niemals so weit in unsere Lande gingen, es sei denn sie

gingen einem Auftrag ihrer Herrin nach.“; fügte einer der Generäle

hinzu. „Und was sollen wir nun tun?“, fragte ein anderer General.

„Ich kann nicht fassen, dass ich das sage, aber wir sollten Nodamin

fragen.“, „Glaubt ihr wirklich, dass dieser alte, vergessliche


Heinzelmann uns helfen kann?“. „Wir könnten es ja mal versuchen, holt

mir Nodamin her!“, rief Arna.

Eine peinliche Stille trat in den Raum ein, jedem war der Ernst dieser

Lage bewusst, sie alle wussten in welch dunklen Zeiten sie lebten. Jene

Stille wurde bald durch das Aufschwingen der großen Türen

unterbrochen, sowie dem Klappern der Rüstungen der Soldaten, die

Nodamin in den Saal trugen. Sie setzten ihn auf seine Füße und

verließen den Saal wieder. „Wer seid ihr noch einmal“, fragen der alte

Mann verwirrt, „Seht euch das an, er hat sogar unsere Namen

vergessen!“, „So lasst ihn doch! Nodamin, sagt uns einfach was wir tun

sollen.“. Es verstrichen einige Minuten, jedoch gab Nodamin keinen

Ton von sich, „Die dunkle Herrin ist anscheinend wieder

zurückgekehrt, und hat ihre Schergen hierhin geschickt.“,

„EVAKUIERT DIE STADT, RETTET EUCH, BRINGT EUCH IN

SICHERHEIT, ALTE UND KINDER ZUERST!!!“, Nodamin rannte

umher wie ein junges Kind, und seine Glatze wurde rot wie Feuer.

„Nodamin, so beruhigt Euch doch!“, rief Arna, „Von was?“, „Wir

haben euch nur gesagt, dass die dunkle Herrin wieder zurückgekehrt

ist.“, „BEI DER HEILIGEN MELIA, WIR SIND ALLE

VERLOREN…“, brüllte er wieder, „Bleibt ruhig, wir müssen uns jetzt

eine Lösung einfallen lassen.“, „Eine Lösung für was?“…

Die Wachen vor der Tür bildeten inzwischen eine Räuberleiter um in

den Saal blicken zu können, das Geschrei und Gebrüll erschien ihnen

unterhaltsam zu werden. Doch Arna wurde dieser Spaß schnell

langweilig, mit jedem Satz, den er wiederholen musste, stieg seine Wut

weiter an.

„ICH HABE DIE NASE VOLL!“, „Warum seid Ihr denn so wütend

mein… ähm…. mein Herr?“, „Diese Vergesslichkeit ist die reinste

Plage, habt ihr denn euren Trank nicht genommen!“.

Die Wachen vor der Tür hatten sich inzwischen vervierfacht, alle

lachten sie sich krumm, bei dem bloßen Gedanken an den rotköpfigen

König und seinem kleinen vergesslichen Diener, doch auch die

Generäle, die alles hautnah miterlebten, hatten viel zu viel Spaß, um

etwas gegen die Wut des Königs zu tun. Ben und Tom kamen sich noch

unnötiger vor, als jemals zuvor,

denn sie waren die einzigen die darüber nicht so recht lachen konnten.


Stunde um Stunde verging, und der Mond verzog sich wieder hinter die

Berge. Die Generäle konnten Nodamin endlich die Situation

eintrichtern, sodass er in der Lage war eine Lösung zu suchen. „Das

Problem ist, denke ich, dass wir die geflügelten Schatten loswerden

müssen.“, „Exakt.“, Bestätigte Arna, „Mal sehen, dann müssen wir…

ach ja genau! Eine jungfräuliche Kreatur muss als Opfer dargebracht

werden.“ „Und das wird funktionieren?“, „Nun…“, „Wird es

funktionieren?!“, schrie einer der Generäle, „Es könnte auch sein, dass

ein Tropfen Blut reichen könnte.“, „Dann müssen wir das so schnell

wie möglich versuchen bevor die Schatten wieder zurückkommen. Was

müssen wir tun?“, „Nun, wir müssen eigentlich nur Wasser aus dem

heiligen Brunnen mit etwas Blut vermischen, das sollte theoretisch

funktionieren.“. „Los, holt mir sofort das Wasser! Unsere Gäste werden

wahrscheinlich so lieb sein und uns etwas Blut zur Verfügung stellen.“.

In Windeseile rannte Nodamin die steinernen Wege entlang, bis er am

heiligen Brunnen ankam.

Er stand auf einem großen Platz, mit riesigen Bäumen umgeben.

In der Ferne waren die Schreie der Schatten zu hören, Eile war nun das

oberste Gebot. Nodamin rannte auf dem Platz umher, „Einen Krug, ich

brauche einen Krug!“.

Die entsetzlichen Schreie der geflügelten Schatten hallten durch die

Nacht, die Lichter der Stadt wurden gelöscht, Wachen flüchteten von

ihren Posten und die Türen wurden vernagelt. Einzig und allein stand

nun der Kriegsrat vor dem Tor. „Wenn Nodamin nicht bald kommt,

wird die Situation gefährlich.“, sagte einer der Generäle,

„Wahrscheinlich hat er auf dem Weg zum Brunnen vergessen was er

machen wollte.“, zweifelte der König. In der Ferne waren nun vier

Gestalten zu erkennen, gebückt und schleichend wandelten sie über die

Wiesen. Das Licht des Mondes verzog sich und die Dunkelheit wurde

beinahe undurchdringlich.

Arna blieb fast das Herz stehen, eine kalte Hand wurde auf seine

Schulter gelegt. „Jetzt ist alles aus, die Schatten reißen mich in die

Unterwelt!“, dachte er. Doch es war Nodamin. „Wo habt ihr das

Wasser?!“, fragte Tom, doch Nodamin konnte nicht antworten, er

deutete hektisch auf seinen vollen Mund. Schnell gab man ihm einen


Eimer, in den er seinen Mund entleeren könne. Er lehnte sich über den

Eimer, und riesige Wassermassen kamen aus seinem kleinen Mund.

„Schnell, die letzte Zutat. Welche war das bloß…“. „Entschuldigt

Nodamin, doch dafür haben wir keine Zeit!“, sagte Arna als er seinen

Mantel bei Seite schlug. Aus einer reich verzierten Scheide zog er eine

scharfe, kurze Klinge. Gewaltsam nahm er Ben an sich und öffnete

seine Hand.

Mit der Klinge fuhr er quer über die Handfläche. Nun floss Blut aus der

Wunde, doch der Schmerz war unerträglich. Flehend sah er Tom an,

jedoch war dieser zu geschockt um zu reagieren. Schnell wurde Bens

Hand in den Eimer getaucht, und das Blut vermischte sich mit dem

Wasser. Langsam konnte Ben spüren, wie der Schmerz verschwand,

solange bis er ganz aufhörte. So blutete auch seine Wunde nicht mehr.

„Das war es, wenn wir das jetzt gegen die Schatten einsetzen, so

werden sie ganz schnell wegrennen.“, sagte Nodamin.

Gerade rechtzeitig hatten sie das Ritual beendet, denn nun waren die

Schatten so nahe, dass jeder ihre eisige Kälte spüren konnte. „Nehmt

das, ihr Unholde!“, schrie der König, und entleerte den Eimer über die

Diener Nimué’s. Gelähmt vor Schock blieben die Wesen stehen, sie

beäugten die Gruppe, anschließend sich selbst. „Sonst funktioniert das

doch auch immer!“, schrie Nodamin. „RETTET EUCH, ALLE ALTEN

MEDIZINER ZUERST!“, erneut rannte er wild umher. „Mein, Herr, es

wäre Zeit für einen taktischen Rückzug.“, flüsterte einer der Generäle.

Sie zogen ihre Schwerter, mit dem Wissen, dass sie diesen Kampf nicht

gewinnen konnten. Und so ergriffen sie die einzige Chance zur Flucht

die ihnen Einfiel: Sie warfen den Schatten die Schwerter entgegen, in

der Hoffnung in einem Moment der Verwirrung in die Stadt fliehen zu

können und das Tor zu schließen.

Und so warfen sie nun ihre Waffen hinfort, doch der Plan war zum

Scheitern verurteilt, die Schwerter glitten durch die Kleidung der

Schatten hindurch und fielen klirrend zu Boden. „Gebt uns die

Jungen!“, sagte der größte der Schatten, „Und wir werden euch

verschonen!“. Ein Schrecken zog über die Gesichter von Ben und

Tom, der Schatten ging auf sie zu. Der König stieß die Jungen in ihr

Verderben und rannte hinfort, gefolgt von seinen Generälen. Nun lagen

die durchbohrenden Blicke der geflügelten Schatten ganz und gar auf


Tom und Ben, die Schatten steckten ihre verfluchten Schwerter zurück

in die Scheide und kamen immer näher. Instinktiv ergriffen Tom und

Ben die Flucht, doch der oberste der Schatten ergriff sie am Nacken und

hob sie hoch in die Luft: „Meine Herrin, die große Nimué, wartet auf

euch. Es wäre unklug sie weiter warten zu lassen.“. Seine hohle und

kalte Stimme lähmten Tom und Ben und ließen sie in einen tiefen

Schlaf sinken.


Die Macht der Hexe

U

nd so ritten die dunklen Schergen auf ihren verfluchten

Pferden durch die Nacht, auf dem Weg zum Finsterwald.

Der Mond war verhüllt hinter den Wolken, nicht mutig

genug sich den Schatten zu zeigen, und es würde eine

Ewigkeit dauern bis die Sonne aufging. Für Ben und Tom

gab es nur noch wenig Hoffnung, denn niemand der je von

den Schatten gefangen genommen wurde kam jemals wieder zurück in

die lebende Welt.

Langsam verzog sich der Schleier auf dem Geiste der beiden Jungen,

sie konnten wieder sehen, sie konnten wieder hören, doch bewegen

konnten sie sich nicht. Sei es nun die Angst vor ihrer Zukunft oder sei

es ein Zauber schlimmerer Art.

Die Schreie der Schatten schnitten durch die Dunkelheit wie eine

Klinge, und die Hufe ihrer verdammten Reittiere stampften über die

Erde, wie ein unaufhaltsamer Sturm. Bald nun wurde ein großer

Schatten sichtbar, unheimlich und gewaltig. „Der Finsterwald!“,

dachte Ben, die Angst die er verspürte, war zu groß um sie in Worte zu

fassen, jedoch hatte er ein Gefühl, als ob er noch viel schlimmere Angst

verspüren würde. Der Wald war nun schon sehr nahe, unheimliche

Bäume beugten sich über einen alten, verwitterten Weg. Doch die

Macht der Schatten lies die Bäume weichen und offenbarte einen längst

vergessenen Weg. Tief in den Wald führte er hinein, bis zu der dunklen

Hexe. Der Wald war nicht mehr das, was er war, als Ben und Tom das

letzte Mal dort gewesen waren, denn nun standen überall Statuen,

Mauern und Türme. Überall schlichen die schrecklichen Orks herum,

die Gefangenen beäugend. „Seht, wieder diese da!“, „Dieses Mal

können sie nicht wegrennen!“, riefen sie. Auch erklangen die

schrecklichen Lieder, die die Orks bei der Belagerung der Rochon-Burg

gesungen hatten.


Die Reiter kamen an eine gewaltige Burg, aus schwarzem, glänzendem

Gestein. Ein riesiges Gitter wurde geöffnet, und die Schatten ritten in

eine Dunkelheit, die endlos schien. Ben und Tom konnten nichts sehen,

doch wussten sie, dass sie von den Pferden gehoben wurden, und hart

auf den Boden geworfen wurden. „Wartet hier, die Herrin wird bald

kommen.“, sagte einer der Schatten. Nun saßen Tom und Ben alleine in

der Dunkelheit, die Furcht steigerte sich hinauf, bis zur Unendlichkeit.

Andauernd hörten sie Orks, wie sie lachten, wie sie sangen. Auch

hörten sie das Klirren von Rüstungen; „Was war das?“, fragte Ben, „Ich

weiß es nicht.“, sagte Tom, „Hätten wir nur auf Indul gehört und wären

von diesem verfluchten Ort fern geblieben!“, sagte Ben, mit Tränen in

den Augen.

Das Singen der Orks verstummte, und für einen Moment war alles still.

Doch einen Moment später begann Alles im Chor zu klatschen, ein

Jubeln, noch schrecklicher als jeder Gesang. Mit einem Mal schwang

eine Tür auf und knallte gegen die Wände, die fünf Schatten traten ein.

Mit einem Mal entzündeten sich Fackeln im Raum, so dass Ben und

Tom erkennen konnten, dass sie sich in einem Thronsaal befanden. Nun

standen die Schatten an der Wand, bis auf einen, der größte von allen.

Nun verbeugten sie sich, denn ihre Herrin betrat den Saal.

Eine Frau, größer als ein Mann, und schöner als jeder Sonnenaufgang,

jedoch auch dunkler als die Nacht kam herein, bekleidet mit einem

Kleid, das jeden Moment zu zerfließen zu schien, denn es bewegte sich,

auch wenn seine Trägerin ruhte. Ihr langes schwarzes Haar war offen,

mit geflochtenen Strähnen. Sie ging auf einen schwarzen Sockel zu,

neben dem auch der größte Schatten stand. Ihre linke Hand glitt durch

die Luft, und eine Wolke aus dunklem Rauch stieg vom Sockel auf. Er

formte einen Thron, doch war es mehr als eine bloße Täuschung, denn

die Hexe setzte sich auf ihn, und blieb wie durch ein Wunder auf dem

Rauch sitzen. „Erneut hast du mir gute Dienste geleistet Schattenfürst.“,

sagte sie zu dem großen Schatten, „Habt Dank, meine Herrin.“ Nun

wandte sie ihr Gesicht Ben und Tom zu, wobei ihr Blick besonders auf

Ben ruhte, „Herzlich willkommen meine Freunde.“, doch Ben und Tom

antworteten nicht. „Entschuldigt meine Diener, sie hätten nicht so grob

werden müssen, jedoch wolltet ihr ja nicht mitkommen. Ich wollte mich


edanken, für eure Hilfe.“. Der Blick der Hexe schweifte von den

Beiden ab: „Nun kann ich meinen Plan endlich ausführen, den ich im

Reich der Toten plante. Schon bald wird die ganze Welt auf meinen

Willen hören.“. Ein seltsames Gefühl wuchs in Ben heran, ein Mut wie

er ihn nie gespürt hatte: „Plant was Ihr wollt, wir werden euch

aufhalten!“, schrie er hinaus. Tom blickte ich seltsam an, und auch die

Hexe blickte verwundert auf den Jungen. Langsam erhob sie sich von

ihrem Thron und ging zu Ben, „Ein mutiger Junge bist du, oder auch

nur das dümmste Wesen das ich je gesehene habe. Warte es nur ab,

meine Pläne werden in Erfüllung gehen, niemand kann es mit mir

aufnehmen, und jeder der es versucht wird vernichtet.“. Sie begann zu

kichern.

Die Hexe drehte sich zu ihrem Thron, doch ging nicht auf ihn zu:

„Mach dir keine Sorgen um deine Eltern, Ben. Bald werden sie von

ihrem Leid auf Erden erlöst.“. Mit diesen Worten setzte sie sich wieder

auf ihren Thron aus Rauch. „Woher wisst Ihr von meinen Eltern?“,

fragte Ben ängstlich, „Ich sehe Dinge die Waren, Dinge die sind und

Dinge die noch vor mir liegen, und meinen Sieg sehe ich, klarer als

jemals zuvor.“. „Euer Sieg bleibt euch verwehrt, denn wenn erst

bekannt wird, dass ihr wieder zurück seid wird ganz Arda hierher

kommen und euch besiegen, so wie früher!“, schrie Tom auf.

„In diesem Punkte magst du Recht haben, immer wenn ich meine Hand

nach dem Siege strecke, so entschwindet er meinem Griff. Doch der

Grund ist ein Anderer. Der Zauber der mich zurückgebracht hat währt

nur noch bis zum nächsten Vollmond. Wenn ich nicht in den nächsten 2

Wochen Melia finde und töte, so zerfalle ich zu Staub.“. „Gebt gleich

auf, Melia ist verschwunden, Ihr werdet sie niemals finden!“, sagte

Tom höhnisch. Die dunkle Gebieterin stand auf und glitt zu Tom. Zart

streichelte sie über seine Haare: „So ein mutiger Junge…“, ihr griff

erhärtete sich und sie griff Toms Haare, spielend leicht hob sie ihn in

die Luft, „…doch dein Mut wird dir im Kerker nichts nützen!“. Tom

wurde durch den Raum geschleudert und knallte gegen die Wand.

„Grìndûr, komm her und bringe diese zwei in den Kerker!“. Die Tür


wurde geöffnet, und es trat ein großer, fetter, hässlicher Ork hinein. Die

Kreatur schlenderte zu Tom, schulterte ihn und packte sich danach Ben.

Er zerrte sie durch die schier endlosen Gänge und Tunnel der Festung

Nimué’s. Bis sie endlich angekommen waren, wurde eine rostige Zelle

aufgeschlossen und Ben und Tom wurden hart in sie hineingeworfen.

„Meine Herren, willkommen in der schönen Festung N îm-Cardra!“.

Der fette Ork schritt lachend hinfort.

Im Laufe der Zeit, in der sie in der Zelle saßen, kamen allerlei

Kreaturen herbei um die neuen Gefangenen zu betrachten. Es kamen

nicht nur Orks, sondern auch Menschen, ab und zu kam sogar ein

Zwerg vorbei. Es dauerte eine Ewigkeit, bis sich die neugierigen

Gesichter verzogen hatten, doch die Situation verschlechterte sich nur

weiter, denn nun stand erneut einer der geflügelten Schatten vor der

Zelle. Mit einer Handbewegung öffnete er die Zelle und ergriff die

beiden mit seiner eisernen Hand. Erneut wurden sie brutal durch die

Gänge gezogen, und vor den Thron Nimué’s geworfen. Diese ging

nervös auf und ab, biss sich Fingernägel und murmelte vor sich hin.

„Meine Herrin, hier sind die Gefangenen.“, sagte der Schatten, „Gut,

Schattenfürst, lasst mich alleine.“.

Nimué sah Ben und Tom genau an: „Wie habt ihr das geschafft?“,

fragte sie wütend, „Was meint Ihr?“, fragte Ben, „Hör auf dich noch

dümmer anzustellen als du ohnehin schon bist!“, schrie sie, „Wir wissen

wirklich nicht, was Sie meinen.“, beteuerte Tom, „Dann erklärt mir,

wieso meine Späher mir berichtet haben, dass eine Armee, angeführt

von meiner Schwester Elrà, auf dem Weg hier her ist. Also wie habt ihr

sie verständigt, sagt es sofort!“. „Aber wir wissen…“, doch der Satz

wurde beendet, denn Nimué ließ ihrem Zorn und ihrer Verzweiflung

freien Lauf und erhob ihre Hand gegen Ben, der nun einen

Handabdruck auf der Backe bekam. „Hört auf mich anzulügen!“, rief

sie voll Zorn.

In dem auftretenden Moment der Stille konnte man seltsame Geräusche

hören, zum einen hörte man das Marschieren tausender Soldaten und


zum anderen das Schreien der Orks: „Sie sind hier, benachrichtigt

sofort die Herrin!“.

Der Schattenfürst stürmte hinein, das gezogene Schwert in der Hand,

„Meine Herrin, die Elben sind hier!“. Kurz nach dem Ende des Satzes

stürzte die Wand des Thronsaales ein und ein riesiger Felsbrocken flog

durch das Loch. Mitten im Raum, direkt neben Nimué, blieb er liegen,

verwundert sah die Hexe aus dem Loch, und was sie sah schockierte sie

zutiefst: Eine riesige Armee stand draußen im Wald, kurz vor dem Tor,

kurz davor es zu durchbrechen. „Bringt diese Maden wieder in ihre

Zellen zurück!“, rief sie dem Fürste zu, dann wurden Ben und Tom

erneut am Hals gegriffen und in die dunkeln Gänge gezogen.

Dumpf konnte man den Lärm der Schlacht durch die dicken Wände der

Festung hören, schreckliche Schreie und helles Klirren von Metall.

„Flieht!“, schrien die Orks draußen, kurz danach krachte ein riesiger

Felsbrocken in den Turm, und hätte beinahe Tom und Ben erschlagen.

Starr vor Schreck betrachteten sie den riesigen Stein. Sie sahen eine

Hand am Boden, eingeklemmt durch den Stein, sie versuchte

verzweifelt sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien. „Glaubst du er

kommt da raus?“, fragte Ben. Doch bevor Tom antworten konnte,

vernahmen sie lautes Schreien. Doch waren es keine Orks, es war eine

zivilisiertere Sprache, eine Sprache die sie schon früher gehört hatten.

„Elben!“, schrie Tom, „Wir sind in Sicherheit!“. Durch das große Loch

im Turm kam nun ein Bataillon Elben, mit glänzenden Rüstungen und

blitzenden Schwertern, hineingestürmt. An der Spitze ein Elb, mit

goldener Rüstung, und ein Gesicht so rein wie das eines Kindes. „Nû li

Kain!“, befahl er seinen Soldaten, woraufhin sie Ben und Tom

schulterten und mit ihnen fortrannten. Gerade als sich das Bataillon

zurückziehen wollte, stieg der Schatten des Fürsten wieder auf und

befreite sich von dem Stein. Dunkel stand er nun vor dem Elb mit der

goldenen Rüstung, neben ihm ein Soldat mit silberner Rüstung, doch

von gleicher Schönheit. Der Schattenfürst durchbohrte die beiden mit

seinen unsichtbaren Blicken, doch die Elben wichen nicht zurück,

sondern zogen ihre Schwerter.

Der Schattenfürst klammerte sich nun an sein Schwert, und die

Dunkelheit um ihn nahm zu. Dann stieß er sein Schwert in Richtung des

goldenen Elb, doch dieser wich trotz seiner schweren Rüstung elegant


aus und schlug seine Klinge auf die des Fürsten. Doch der Schattenfürst

gewann die Oberhand und war in der Lage die Klinge seines Feindes

von ihm weg zu stoßen.

Und noch bevor sich der Elb umsehen konnte, wurde er von einem

Faustschlag des Schattens die Treppen hinaufgeschleudert. Der andere

Elb, noch starr vor Schock, blickte auf seinen Meister, bevor er mit

einem Wutschrei auf den Fürsten stürmte.

Rasend schlug er mit seiner Klinge auf die Gestalt ein, doch jedes Mal

glitt seine Klinge durch das Böse hindurch, bis die beiden Klingen

aufeinander trafen. Mit einem lauten Klirren zerbarst die Klinge des

Elbes, und die Wucht der Explosion schleuderte auch ihn hinfort.

Nun stand einzig und allein der Schattenfürst noch auf den Beinen,

langsam auf seine Opfer zugehend. Doch der Zufall stand auf der Seite

der Elben, und es krachte erneut ein Felsbrocken durch den Turm.

Mit einem lauten poltern riss er die untere Seite des Turmes mit sich.

Nun hing der Schattenfürst klammernd an einer Treppenstufe, in dem

Versuchen sich in Sicherheit zu klimmen.

Gerade rechtzeitig wurde der goldene Elb wach, um mit anzusehen wie

das Wesen beinahe wieder auf den Füßen stand. Der Elb sah um sich

und nahm einen handgroßen Stein auf und schleuderte diesen auf den

Fürsten.

Mit einem markerschütternden Schrei fiel dieser nun in die Tiefe der

dunklen Festung.

Der Elb nahm seinen Schüler auf die Schulter und rannte die Treppen

nach oben.

Endlich sahen Ben und Tom das Sonnenlicht wieder, doch waren sie

noch nicht außer Gefahr, denn im Hofe der Festung tobte eine gewaltige

Schlacht.

Sie wurden mitten durch die Schlacht getragen, doch Nimué’s Plan

sollte nicht durchkreuzt werden. Denn nun stand erneut der

Schattenfürst vor den Elben, rasend vor Wut. Ben und Tom wurden auf

den Boden gelegt und die Krieger stellten sich dem Feind, und obwohl

dieser Kampf schon verloren war, kämpften sie mit Entschlossenheit.

Doch die Macht des Schattens war zu groß, einen Elben schlug er Meter

weit hinfort, den anderen Erstach er mit seinem Schwert. Der letzte Elb


positionierte sich so weit von Ben und Tom weg, wie nur irgendwie

möglich. Nun ging der Fürst auf ihn zu. Mit jedem Schritt schien er

größer zu werden, „Diese Kinder gehören Nimué!“, sagte er mit seiner

unheimlichen, hohlen Stimme. Danach stach er seine Klinge durch die

Rüstung des Elben, der danach Tod zu Boden sank.

Doch der Fürst hatte keine Zeit diese perverse Freude zu genießen, die

er verspürte, denn eine goldene Klinge durchbrach seinen Schatten,

„Nicht wenn ich es nicht verhindern kann!“, sagte eine Stimme. „Denkt

Ihr wirklich, Nimròdel, dass ihr mich töten könnt?“. Während dessen

nahm sein Schüler Ben und Tom und rannte mit ihnen in Richtung des

Tores. Der Schattenfürst war wie gelähmt, Nimròdel nutzte diesen

Augenblick, und zog seine Klinge aus ihm heraus und rannte zu seinem

Schüler. Geschwächt von diesem Angriff sank der Schattenfürst zu

Boden, seine Schreie ließen den Elben und Orks das Mark erfrieren.

Die Elben traten den Rückzug an, langsam zogen die Reihen durch das

zerbrochene Tor. Die letzten Elben zogen riesige Schilde, mit denen sie

die Pfeile der Orks abwehrten, doch dann wurden viele von ihnen

weggeschleudert. „Sie gehören mir!“, schrie Nimué, die wütend auf die

Elben zuging. Sie hob ihre Hand, in der sich eine schwarze, blitzende

Kugel bildete, diese schleuderte sie auf ihre Feinde.

Mit einem riesigen Krach explodierte die Kugel und schleuderte

hunderte von Elben hinfort.

Die dunkle Hexe schrie vor Wut und schleuderte immer mehr

Energiekugeln auf die Feinde, doch diese hielten ihre Formation bei

und gingen aus dem Tor. Ein mächtiges Katapult feuerte einen riesigen

Felsbrocken auf das Tor, welches unter der riesigen Last einstürzte.

Stolz zogen die Elben hinfort, zurück zu ihrer Heimat.

Ben und Tom konnten noch Nimué’s Hand sehen, die leblos aus dem

riesigen Steinhaufen ragte, doch dann verband man ihnen die Augen.

Die Elben nahmen einen langen, verschlungenen Pfad, durch viele

Höhlen und Wälder gingen sie. „Meister Nimròdel, woher kannte euch

diese widerwärtige Gestalt?“, fragte sein Schüler, „Nun ja, als ich noch

jünger war und Nimué zum ersten Mal versuchte die Welt zu

übernehmen, war der Schattenfürst ein Elb, namens Ir-Baíl, mein erster

Schüler. Doch er wurde von Nimué verführt, und versank in der


Dunkelheit…“. Der Blick Nimròdel’s wurde erfüllt von Trauer und

Sehnsucht, und eine kleine, silberne Träne floss seine Wange herunter.

„…Seit diesem Tage an, schwor ich nie mehr einen Schüler zu

unterrichten. Doch dann fand ich dich, und mit der Zeit lernte ich dich

lieben, wie einen Sohn. Und ich erkannte deine Talente, doch vor allem

hatte ich Mitleid mit dir. Der Augenblick, indem ich dich in dem Korb

in dem brennenden Haus gefunden habe, überwarf mich das Mitleid.“.

Nun wurde sein Gesicht fröhlich, doch immer noch flossen Tränen über

seine Wangen, doch es waren Tränen aus Freude.

Doch nun blickte Nimròdel wieder ins Leere: „Doch mit der Zeit

erkannte ich, dass du Ir-Baíl immer ähnlicher wurdest. Doch dein

Schicksal wird ein anderes sein, denn ich werde es nicht zulassen, dass

Nimué dich mir wegnehmen wird.“.

Das Gespräch wurde jäh unterbrochen, als ein alter Mann, gefesselt vor

den Elben, auf dem Boden lag. Seine Augen waren voller Qualen und

Leid, und seine Hände waren geschunden von endlosen Jahren voller

Folter.

Eine Handbewegung Nimròdel’s brachte den ganzen Zug zum stehen,

langsam näherte er sich dem alten Mann. Er beugte sich über ihn und reichte

ihm die Hand: „Freund, was ist geschehen?“, fragte der Elb, „Es tut mir

leid…“, schluchzte der alte Mann vor sich hin, „Was tut dir leid?“.

Der Mann zog einen Dolch aus seinen Lumpen hervor und stürzte sich auf den

Krieger. Die Bogenschützen reagierten blitzschnell, spannten ihre Bögen und

schossen Pfeile, so präzise, dass jeder Pfeil durch das Herz des alten Mannes

flog. Doch es war zu spät, Nimròdel stolperte rückwärts, seine goldene

Rüstung färbte sich rot. „Algahir…“, stammelte er vor sich hin, bevor er in die

Arme seines Schülers fiel.

Algahir untersuchte seinen Meister nach Verletzungen, bis er eine riesige

Wunde an dessen Hals entdeckte, auf die er sofort seine Hand legte. „Ich

werde euch retten!“, ihm rannen tausende von Tränen aus den Augen, doch

nicht nur er wurde von Trauer überrannt. Jeder Elb fing an, den verwundeten

zu beweinen. Algahir rief einen Elben an, die Wunde zu versorgen, während

er zu dem heuchelnden Mann ging. „Sag warum du das getan hast, dann

schicke ich dich schneller ins Jenseits!“, schrie er, „Die Dunkelheit wächst,

und wir müssen eine Seite wählen…“, „Doch du hast die falsche Seite

gewählt!“. Algahir entriss dem alten Mann den Dolch und stach ihm damit in

seinen Brustkorb. Wenige Sekunden atmete er noch, dann glitt er in den Tod.


„Mein Herr, wir haben keine Zeit, Meister Nimròdel ist schwer verletzt, wir

müssen ihn nach Nild-Gâen bringen.“, „So beeilen wir uns.“.

Nun schritt der Zug voran, Ben und Tom wurden geschultert und Nimròdel

auf ein Pferd gesetzt. Nicht lange dauerte die Reise, bis der nächste

Schicksalsschlag auf die Elben zukam. Einer der vordersten Elben, mit

Abstand der jüngste in der Gruppe, gab das Zeichen zum Anhalten. Auf

einmal wurde im Wald alles still, bis ein Geräusch hörbar wurde, es war der

schreckliche Klang von Orkstimmen: „Ich rieche diese Elben, da drüben, ich

kann sie sehen, fangt sie!“.

Dem Pferd gab man die Sporen, und die Elben schlugen sich gegenseitig, sie

versuchten alles um schneller zu werden, denn sie wussten dass sie keine

Chance gegen einen wütenden Ork hatten. Ihre einzige Hoffnung war, es, dass

jetzt gerade ein Wachwechsel stattfinden würde, und dass einige ihrer Truppen

in der Nähe wären.

Die Orks kamen immer näher, das Gebrüll wurde immer deutlicher.

„Schneller, wir haben gleich die Grenze erreicht!“, sie kamen immer näher an

einen kleinen, hellblauen Fluss, der für Ben und Tom jedoch nicht wie eine

Rettung aussah. Sie kamen immer näher an das kleine Rinnsal, bis auf Einmal

ein seltsames Geräusch das Gebrüll der Orks in Hilfeschreie verwandelte.

Tausende Pfeile schwirrten durch die Gegend, und genauso viele Orks sanken

tot zu Boden.

Doch Einige schafften es weit genug, um sich auf ihre Beute zu stürzen. Aber

ihre Rache sollten sie nicht bekommen, denn nun blieb der Zug stehen, mit

gezogenen Schwertern und einem Wunsch nach Rache für die Verwundung

ihres Meisters. Ihre Klingen glitten durch die Reihen der Orks, bis alle

Vernichtet waren.

„Wie schön dass wir uns treffen Algahir.“, rief eine Stimme vom Himmel

herab, „Schön dich zu hören Kilai, aber wir haben nur wenig Zeit, mein

Meister brauch die Hilfe Elrà’s.“, „Mach dir keine Sorgen, sie erwartet euch

bereits beim heiligen Baum.“

Die Elben in den Baumwipfeln entschlossen sich hier zu bleiben und auf Orks

zu warten, die vielleicht als Nachhut kamen, während der Zug der Elben den

Fluss überquerte um zur großen Elben-Königin zu gelangen.

Ben und Tom, welchen immer noch die Augen verbunden waren, merkten von

der Reise nicht viel, außer dass sie nun durch ein sehr ebenes Gelände gingen.

Hier und dort konnten sie das Singen von Elben, das Zwitschern von Vögeln

und das Plätschern von Wasser vernehmen. Man nahm den Beiden nun ihre

Augenbinden ab und was sie sahen verblüffte sie: Eine riesige Mauer, aus

Büschen und Bäumen, und dahinter eine riesige Stadt aus Baumhäusern.


Dahinter ein riesiger Baum, indem viele kleine Einbuchtungen, die wie Häuser

aussahen eingearbeitet, waren. In der Krone befand sich ein königliches Haus,

reich verziert mit silbernen Akzenten, doch ruhte es leicht auf dem Baum,

ohne einen einzigen Ast umzuknicken.

Man öffnete ein Tor, von außen sah es aus als wäre es ein Teil der

gigantischen hecke, doch innen sah man, dass das Tor, sowie die gesamte

Mauer, aus festem Stein bestand. Die Straßen in dieser Stadt waren mit

glitzernden Steinen gepflastert, und hier und da floss ein Bach.

Sie gingen sehr weit durch dieses Schöne Land, das sie faszinierte, als ob es

eine andere Welt wäre. Sie gingen auf den riesigen Baum zu, von dem aus sie

von hunderten von Augen beobachtet wurden. Auf den Ästen saßen Vögel, in

den Häusern saßen Elben und an den Ästen hingen kleine Affen, mit

hellbraunem Fell, großen Augen und einem langen Schwanz hangelten sie sich

zu den Neuankömmlingen. An dem Fuße des Baumes angekommen,

verbeugten sich die Elben, doch Ben und Tom wussten weder wieso noch vor

wem. Aber einer der Elben zog sie auf die Knie und verwies mit einem Blick

auf eine große Elbenfrau, die vor ihnen stand.

Mit langen goldenen Haaren, einem langen, grünem Kleid und einer

blendenden Schönheit stand sie da und begrüßte die Elben mit einem

herzlichen Lächeln. Sie verwies die Elben mit einer Handbewegung, Nimròdel

in den Baum zu bringen. Als Ben und Tom den Elben folgen wollten, warf die

Elbenfrau ihnen einen strengen Blick zu…


Die Tochter der Lichts

D

er Blick der Frau durchbohrte Ben und Tom, sie hatten das

Gefühl erneut vor der dunklen Hexe.

Ihr Blick war voll Wut, und er schien endlos zu sein, bis sie

endlich begann zu sprechen: „Kommt mit!“, ihre Stimme war

streng, jedoch auch lieblich, sie klang zauberhaft, würde nicht

eine extreme Wut in ihr schwingen. Sie drehte sich zum Baum

und ging zum Stamm, der sich als ein riesiges Tor entpuppte.

Ohne eine Berührung schwang es auf und die große Frau schritt

hindurch, gefolgt von Ben und Tom. Sie gingen eine lange

Treppe hinauf, welche sich um den gesamten Baum schlängelte. Die Affen,

die im Baum lebten sahen neugierig auf die Neuen, Ben hatte sogar das

Gefühl, dass sie miteinander tuschelten.

Sie gingen hoch hinauf, zu der riesigen Krone des Baumes, jedoch war es

keine Krone wie sie ein Baum normalerweise hat, denn in ihr war ein riesiger

steinerner Platz, umhüllt von Blättern und Ästen. In der Mitte des Platzes

stand ein riesiger Tisch, mit mehreren filigran gearbeiteten Holzstühlen, auf

jedem der Stühle saß jemand, und Ben und Tom merkten, dass sie einige

bekannte Gesichter erkannten.

Sie sahen Indul, und neben ihm saß der alte Nodamin, am anderen Ende des

Tisches saßen Nimròdel und sein Schüler Algahir. Außerdem erkannten sie

Arna, den großen König der Menschen, der grimmig auf seinem Stuhl saß.

Die restlichen Stühle waren von einigen Zwergen, ein paar Elfen und

mehreren Elben besetzt.

„Setzen!“, knurrte die Frau, und zeigte auf zwei leere Stühle, in der Nähe

Induls.

„ich bitte nun alle diesen Raum zu verlassen, die nicht in irgendeiner Weise

mit dieser Sache zu tun haben.“. „Ja Herrin Elrà.“, nun standen einige der

Elfen, einige der Zwerge und die meisten Elben auf, sodass nur noch Indul,

Nodamin, Nimròdel, Algahir, Arna, ein Elf und ein Zwerg hier saßen.

Tom saß nun neben Nodamin, der ihn sehr seltsam ansah: „Ich kenne dich

doch irgendwo her, aber wo….“, „…. Haltet die Klappe!“, schrie Elrà, „Haltet

eure Zunge im Zaum!“, sagte Indul, „Für solche Spinnereien haben wir keine


Zeit!“, „Aber seht doch, ihr habt ihn zum weinen gebracht.“. Nodamin lehnte

sich gegen Indul, in seinen Augen sammelten sich Tränen, und sein Gesicht

wurde rot.

Elrà begann nun hektisch hin- und herzulaufen: „Wann kommt den endlich

dieser…. Wie heißt er denn?“, „Genau so geht es mir, jetzt seht ihr Mal wie

das ist!“, zischte Nodamin. Nun sah ihn Elrà boshaft an, und er verbarg seinen

Kopf im langen Gewand von Indul. „Solltet ihr Cárnìr meinen, so wird er bald

kommen.“, sagte Indul, während er Nodamin die Schulter streichelte.

Plötzlich begann das Sonnenlicht zu schwinden und ein dumpfes Grollen war

zu hören, „Seht meine Herrin, er ist hier.“, sagte Nimròdel. Ben und Tom

sahen sich verwirrt an, denn sie konnten niemanden sehen, bis sie durch einen

lauten Knall auffuhren, direkt auf dem Tisch, an dem sie saßen, schlug der

Blitz ein, und eine Rauchwolke bildete sich. Sie löste sich langsam auf, und

ein alter Mann, mit grauem Mantel und weißem Bart stand auf dem Tisch, sich

auf einen langen Holzstab stützend. „Habt ihr auf mich gewartet?“, fragte der

alte Mann, „Setzt euch hin und seid ruhig Cárnìr, erst zu spät kommen und

dann noch eine dicke Lippe riskieren!“, zischte Elrà. „Wow, wir sind ja heute

richtig gut gelaunt….“, „Treibt es nicht zu weit!“.

„So meine Herren, ich bin mir sicher ihr alle, natürlich außer Nodamin, wisst

warum wir hier sind.“, „Wir müssen Nimué aufhalten bevor sie noch

mächtiger wird, wir konnten sie gerade noch so aufhalten, wenn sie erstmal

alle dunkle Kreaturen wieder auf ihrer Seite hat können wir sie nicht mehr

aufhalten.“, sagte Nimròdel, „Aber die interessanteste Frage ist: Wie konnte

sie zurückkehren…“, Ben und Tom warfen sich einen nervösen Blick zu, denn

Elrà lehnte sich nun gegen Ben; „… obwohl die Grenzen doch angeblich die

ganze Zeit von den Elfen bewacht werden.“.

Der Zwerg fing nun an zu lachen, er erfreute sich an der Schande, die der Elf

über sich ergehen ließ, doch Elrà war noch nicht fertig: „Und wie konnten die

Orks sich so vermehren, obwohl die Zwerge sie eigentlich in Schach halten

sollen?“.“.

Nun kicherte der Elf über den Zwerg, der sich vor Scham unter seinem Bart,

und Elrà konnte ein Schmunzeln Arna’s erkennen und nutzte auch diese

Gelegenheit um ihn niederzumachen: „Jedoch sind diese Taten nur hab so

peinlich, wie beim ersten Anzeichen der Boten der dunklen Hexe gleich die

einzige Hoffnung in ihre Richtung zu stoßen und sich ängstlich in die Stadt

zurückzuziehen.“.

Jedoch war Arna nicht zu solchen Späßen bereit, sein Gesicht lief rot an und

es wurden einige Adern sichtbar: „Ich habe nicht den langen Weg von meiner

Heimat hierher gemacht, um mich hier von einem zickigem Elbenweib


eleidigen zu lassen. Sollen die Orks euch doch holen, ich tue mir das nicht

an!“.

Er begab sich wütend zum Ausgang, „Geht jetzt, und ihr werdet Nimué alleine

gegenüber stehen, denn nur zusammen können wir diese Bedrohung

zerschlagen. Wollt Ihr jedoch wirklich gehen, so verlasst dieses Reich und

verkriecht euch in eurer popeligen Festung.“.

Nun trampelte Arna sichtlich blamiert wieder zu seinem Platz zurück.

„Die Frage ist nicht, wie sie zurückkehren konnte, sondern was wir machen,

nun da es soweit ist.“, sagte Indul „Ich würde vorschlagen, auch wenn ich

weiß dass Ihr es ablehnen werdet, dass ihr sie zu einem Duell herausfordert.

Ihr seid als einzige stark genug um sie zu besiegen.“, sagte Cárnìr, „Da habt

Ihr Recht, ich lehne es ab. Ihr könnt das nicht von mir verlangen, beim letzten

Mal konnte ich sie gerade so besiegen, ihre Macht hätte mich beinahe

vernichtet…“, sie sah sich ihren rechten Arm an, und spielte mit einem

glitzernden Ring. Als sie ihn von ihrem Finger zog, färbte sich ihr Arm

pechschwarz, er sah aus als wäre er verbrannt. Doch sobald sie den Ring

wieder überzog, verschwand die Schwärze und ihr Arm sah wieder normal

aus.

„Die einzige Hoffnung die mir einfallen würde, wäre dass wir Melia suchen,

sie besitzt die Macht sie zu besiegen.“, sagte Algahir. Nimròdel stieß ihn an:

„Hüte deine Zunge ein Junge.“, flüsterte er ihm zu. „Absurd, sie ist

wahrscheinlich tot, und wenn nicht, dann werden wir sie nie finden!“, sagte

der Elf, „Das sehe ich nicht so, ich habe eine Karte gefunden die Licht in die

Sache bringen sollte.“, sagte Indul, kurz danach breitete er eine riesige, alte,

bereits vergilbte Karte auf dem Tisch aus.

„Woher hast du das?“, fragte Cárnìr, „Als ich am Fest in Brithaldien

teilnahm, von dem du dich ja immer ferngehalten hast, habe ich bei

einem alten Händler diese Karte gesehen. Jedoch war ich mir nicht

sicher wofür sie gut war…“, „Aber Ihr habt sie vorsichtshalber

mitgenommen?“, fragte Elrà, „So ist es, meine Herrin. Der Aufenthalt

Melia’s steckt irgendwo in dieser Karte, jedoch besitze ich nicht die

Fähigkeit ihn zu finden.“, „Aber wer könnte sie besitzen?“, fragte

Nimròdel, „Ich sehe es!“, sagte Nodamin aufgeregt, „Ja, es ist ganz

offensichtlich!“. Er trocknete sich die Tränen und schniefte.

Nodamin beugte sich über die Karte und drückte seine Nase auf das

Pergament: „Ja, hier steht es… und hier auch…“, „Was steht da?“,

fragte Elrà aufgeregt, „Genau hier sind winzige Punkte, welche sich bei

genauer Betrachtung zu einem Text zusammensetzen. Und genau hier,


in der zweiten Zeile ist ein Rechtschreibfehler!“. „Das interessiert mich

nicht, sagt mir sofort, wo Melia ist!“, schrie Elrà vor Zorn.

„So lasst mich doch ausreden, dazu komme ich doch noch…“,

„Verzeiht, doch ich bitte euch, sprecht.“, „Dieser Rechtschreibfehler

sagt mir, dass diese Karte von einem alten Freund von mir gemacht

wurde, denn er hat immer die „Ghân-Ghûr-Fälle“ falsch geschrieben,

also müssen wir ihn nur noch suchen und er kann uns dann sagen wo sie

ist.“

„Und wo steckt er?“, fragte Cárnìr, „Wer?“, fragte Nodamin.

Der Elf ließ seinen Kopf auf den Tisch sinken, jedoch schreckte er kurz

danach auf, ein lauter Knall hatte die Stille durchbrochen. Nodamin trug

einen roten Handabdruck auf seiner Backe, die Hand Elrà’s. Jedoch

begann er nicht zu weinen, weder zu protestieren, er fing auf einmal an

zu schreien: „Ich weiß es, mir fällt alles wieder ein! Er heißt Faldo, lebt

nahe von Kando und ist ein deprimierter alter Sack!“, „Also müssen wir

umgehend nach Kando.“, sagte Algahir.

„Das ist Wahnsinn, wenn wir von dem Kando sprechen, dass ich kenne,

dann ist das der reinste Selbstmordversuch. Dort wimmelt es von Orks.

Und der einzige Zugang zu dem einzigen Haus, ist der alte Minenpfad

durch das Gebirge.“, sagte der Zwerg schockiert.

„Genau das ist der Weg!“, bestätigte Nodamin.

„Und wer soll da hingehen, wenn ich fragen darf?“, fragte der Zwerg,

„Eigentlich wollte ich ja Nimròdel und Algahir losschicken, aber wenn Ihr

schon so höflich fragt, dann dürft Ihr natürlich mitkommen.“, bot Elrà

spöttisch an, „Ich werde mitgehen!“, sagte Cárnìr , „Wenn dieser „Freund“

wirklich etwas weiß, so wird Nimué sicher nicht unversucht lassen, um sich

die Informationen zu holen.“, „Und aus diesem Grunde, mein lieber Freund,

werde ich dich begleiten, nur um sicherzugehen, dass du keinen Blödsinn

machst.“, ,einte Indul.

„So sei es, macht euch bereit, so früh wie möglich aufzubrechen, wir dürfen

keine Zeit verlieren!“, befahl Elrà.

Jeder, außer Ben und Tom, stand auf. Man verbeugte sich tief und jeder ging

seines Weges den Baum hinunter.

Ben und Tom saßen immer noch dort, denn sie wussten weder, was geschehen

ist, noch was sie jetzt tun sollten. „Komm, wir gehen zu Indul und fragen ihn

mal was hier los ist.“, schlug Tom vor. Jedoch war Indul nicht sehr gut

gelaunt, noch besonders froh die Beiden noch am Leben zu sehen:


„Was habt ihr Vollidioten euch nur dabei gedacht, wir werden wegen euch

noch alle draufgehen!“, schrie er, und sofort fiel ihnen wieder ein, was vor

wenigen Tagen im Finsterwald passierte, „Aber Indul, aber wir haben das

wirklich nicht mit Absicht getan, wir standen nur am Grab, bis es sich auf

einmal geöffnet hat“.

„Für wen haltet ihr mich eigentlich, dass ich so eine Geschichte glaube, das

Grab der Hexe kann nur durch einen Tropfen Blut eines bestimmten Wesens

geöffnet werden, und das warst, wie es aussieht du Ben.“, „Warum gerade

ich?“, protestierte er, „Tom sieht nicht ängstlich genug aus, um für die

baldiger Auslöschung der ganzen Welt verantwortlich zu sein.“.

Sie gingen die lange Wendeltreppe herunter: „Aber wir haben keinen Tropfen

vergossen. Das einzige, was passierte bevor sich das Grab öffnete, war dass

mich irgendetwas am Finger gestochen hat.“, „Und was soll das gewesen sein,

eine gemeine Biene, oder ein genervter Vogel?“, fragte Indul genervt, „Weißt

du was Ben, ich wette darauf, dass es einer dieser Geister war, die uns zur

Rochon-Festung verfolgt haben!“, „Moment, was für Geister?“, „Nun ja…“,

sagte Ben, „…kurz nachdem das Grab sich geöffnet hatte, erschienen vier

seltsame Gestalten, mit Umhängen, die wie Schatten aussahen, wir konnten

beobachten, wie einer sich in Luft auflöste und über die Baumwipfel flog,

nachdem er sich mit Nimué unterhalten hatte. Dann haben uns die anderen

angegriffen.“, „Genau, und sie hatten Klingen, die selbst einen ganzen baum

fällen konnten!“, „Und was sagte sie zu dem einen Geist?“, fragte Indul mit

großer Neugier, „Warte, das war glaube so etwas in der Art: „Schön euch

zusehen Schattenfürst, lange habt ihr gewartet, dafür werde ich euch bald

entlohnen.“. „Ich habe die Trottel in diesem Kuhdorf Bruthardi belauscht,

ich gab mich als Händler für Zaubertränke aus. Sie haben keine Ahnung, dass

Eure Macht wächst.“, „Und was ist mit diesem Narren Indul, hat er euch

erkannt?“, „Er schöpfte kurz Verdacht, hat mich aber nicht erkannt. Und eine

erfreuliche Nachricht meine Herrin, Eure Mutter Melia, man sagt dass sie

verschwunden ist.“, „Hoffentlich hat sie endlich der Tod ereilt, sonst würde

sie meinen Plan erneut durcheinander bringen!“, oder so ähnlich“, sagte Tom

„Natürlich, dass erklärt so einiges!“, sagte Indul. Kurz danach rannte er die

Treppe herunter, bis er Elrà, welche nervös auf den Fingernägel herumbiss,

eingeholt hatte: „Meine Herrin, wisst ihr noch von diesem vergifteten

Zaubertrank?“, „Wie könnte ich das bloß vergessen…“, sagte sie schwärmend,

„…Ihr wart es doch. Der ihn mich trinken lassen hat, ich falle immer noch

ständig in Ohnmacht!“, „Ich habe herausgefunden, dass der Verkäufer, der mir

so sonderbar erschien, in Wahrheit der verkleidete Schattenfürst war. Und

mein junger Freund hat mich darüber aufgeklärt, dass er es war, der dafür

gesorgt hat, dass sich das Grab öffnet, indem er ihm in den Finger stach.“.


So darf ich den Zaubertrank als Anschlag auf mein Leben betrachten, sowie

auch, dass der Schattenfürst all die Jahre die Rückkehr seiner Herrin

vorbereitet hat.“, „Genauso ist es. Doch wir müssen uns beeilen, anscheinend

weiß Nimué, dass eure Mutter si aufhalten kann, und ich denke nicht, dass nur

die bloße Hoffnung auf ihren Tod sie davon abhalten wird, mindestens einen

der geflügelten Schatten auf die Suche nach ihr zu schicken.“.

„Ich fürchte Ihr habt Recht Indul, so packt geschwind eure Sachen, noch vor

Sonnenaufgang müsst Ihr los, um diesen gewaltigen Vorsprung wieder gut

zumachen.“.

„Jawohl Herrin.“, rief Indul Elrà zu, als er die Treppen heruntersauste. „Doch

was euch beide angeht, so wird mein Zorn auf euch nicht weniger groß sein,

denn ihr seid immer noch an all dem Schuld. Denn wäret ihr nicht in den Wald

gegangen, dann hätte der Schattenfürst keine Möglichkeit gehabt seine Herrn

zu befreien!“.

Nun ging auch Elrà weiter, und sie begann wieder an den Fingernägeln herum

zu kauen.

„Und was machen wir jetzt?“, fragte Ben, „Na was wohl, wir gehen zurück

nach Hause, wir können hier nicht mehr helfen. Am besten wir verdrücken

uns, bevor man uns noch dazu zwingt, diesem ganzen Schlamassel

beizuwohnen!“.

Und so gingen die Beiden die Treppe herunter, die Straßen entlang und in

Richtung des Tores, bis sie jemanden von hinten rufen hörten: „Nicht so

schnell, wir kommen ja!“, als sie sich umdrehten, erkannten sie Nimròdel,

zusammen mit Algahir, Indul und Cárnìr. „Heißt das etwa, dass wir euch

begleiten müssen?“, Aber natürlich, glaubt ihr, ihr macht hier Dreck und lasst

uns das ganz alleine machen?“, fragte Cárnìr, Jedoch wartete niemand auf eine

Antwort, man warf ihnen einfach zwei Rücksäcke zu und ging durch das Tor.

Ben und Tom hatten keine andere Wahl, als hinterher zu gehen. „Sie es mal

von der positiven Seite, immerhin sind wir bei ihnen einigermaßen sicher, als

wenn wir zu Fuß nach Hause laufen würden.“, sagte Ben, „Vielleicht.“, sagte

Tom skeptisch.

„Indul, was war denn jetzt eigentlich mit diesem Elb, Nimròdel?“, fraget Tom,

„Er war verletzt, doch die heilenden Hände von Nodamin konnten ihn heilen,

es war ja nur ein kleiner Kratzer, jedoch wird er für die nächsten paar Tage

sehr schwach sein.“. „Nodamin scheint ein sehr guter Heiler zu sein.“, sagte

Ben, „Der Beste, wenn man Elrà nicht dazuzählt.“


„Der Weg wird lang und beschwerlich, doch ich glaube nicht, dass wir genug

Zeit haben gemütlich über die Lande zu wandern.“, sagte Cárnìr, „Hoffen wir

nur, dass wir keinen Orks begegnen.“, stimmte Indul zu, „Oder schlimmeren

Geschöpfen.“, fügte Algahir hinzu.

Sie verließen nun die schön gepflasterten Straßen der Elben und wagten sich

in die Wildnis, mitten durch den Wald.

Jedoch war dies nicht einfach eine Waldstraße, die keiner kannte, denn die

Elben hielten oben in den Bäumen wache. Der überraschende Angriff der

Orks hatte den Elben gezeigt, dass sie wachsamer sein müssten, um größere

Angriffe abschlagen zu können.

Obwohl sie niemanden sahen, oder gar hörten, so spürten sie, dass hunderte

Augen auf ihnen ruhten. „Diese Elben sind wirklich gut im verstecken.“, sagte

Ben, „Aber sei nicht zu herablassend, bis wir aus dem Wald heraus, und

mindestens 20 Meilen zwischen ihn gebracht haben. Elben sind ja oft beleidigt

und können gut mit ihren Bögen umgehen.“, antwortete Tom.

„Nimròdel, wenn ich Euch fragen dürfte: Was gedenkt Ihr zu unternehmen,

sollten wir auf die geflügelten Schatten stoßen, oder einer Armee aus Orks in

die Arme laufen?“, fragte Cárnìr, „Für diesen Fall, habe ich eine kleine

Überraschung. Meine Herrin gab mir kurz vor der Abreise eine Glaskugel. Sie

sagte, dass ich mit dieser Glaskugel eine Explosion aus Licht entfesseln

könne, welche uns einige Minuten zur Flucht bescheren sollte.“, „Ich hoffe,

dass ihre Zauberkunst nicht so schlecht ist, wie ihre Laune, sonst sind wir

verloren, noch bevor wir überhaupt die Hälfte…“.

Der Zug blieb stehen, denn ein kurzes Surren war zu hören. Danach steckte

ein Pfeil vor Cárnìr im Boden, nur wenig von seinem Fuß entfernt. „Besser Ihr

erweist Elrà etwas Respekt, sonst seid Ihr verloren, bevor wir aus dem Wald

sind.“, lachte Indul.

„Indul, kannst du uns jetzt bitte einmal erklären, was genau wir hier sollen,

und wo wir hineingeraten sind?“, fragte Ben, „Aber natürlich, so hört nun gut

zu, denn ich muss dafür bis an den Anfang der Zeit gehen, um euch alles

verständlich zu machen: Am Anfang, existierten zwei Wesen, Melia und

Morgomir. Melia verkörperte das Gute, und ihr Mann Morgomir das Böse. Sie

hielten sich in Einklang und erschufen zusammen eine Welt, um sie regieren

zu können.

Sie bekamen zwei Töchter, Elrà, die nach ihrer Mutter kam, sowie Nimué,

welche die Boshaftigkeit ihres Vaters in sich trägt. Melia und Morgomir

bereiteten sie auf die Aufgabe vor, die Welt im Einklang zu halten, jedoch war

dies nicht so einfach, denn seid ihrer Geburt hassten sie sich und versuchten

sich gegenseitig auszulöschen.

So wurde Elrà von ihrer Mutter, und Nimué von ihrem Vater ausgebildet, jede

einzelne in den Künsten der Magie, die ihr innewohnt. Jedoch wuchs in


Nimué ein Wahn heran, und jener Wahn trieb sie dazu, ihren Vater zu töten.

Nach seinem Tod, geriet das Schicksal ins Ungleichgewicht und die Welt

stürzte in ein endloses Chaos.

Melia, zerstört über den Verlust ihres Mannes, floh vor ihren Töchtern. Jedoch

kann niemand sagen, wohin.

Nimué erschuf sich dann auf der Welt, die ihre Eltern geschaffen hatten ein

Reich, und Elrà tat es ihr gleich, im Wissen sie müsse sie aufhalten. Jedoch

wusste sie genau, dass sie ihre Schwester nicht umbringen könne, da sie sonst

die Welt in ein noch größeres Chaos stürzen würde. Diese Gefühle machte

sich Nimué zu nutze, um die Welt zu erobern. Bis Elrà den Entschluss fasste,

einzugreifen. Nun folgte die große Schlacht, von der ich euch am Friedensfest

erzählt habe. Danach wurde nur ihr Körper zerstört, denn ihr geist lebte weiter,

wurde jedoch in einem Grab gefangen gehalten. Eigentlich hätten die

Menschen den Finsterwald bewachen sollen, doch was daraus geworden ist

kann ich nicht sagen. Jedenfalls kam, wie ich dank euch nun weiß, der

Schattenfürst ins Spiel. Die ganze Zeit hielt er Augen und Ohren offen und

fand einen Weg, seine Herrin zu befreien.

Und in all den Jahren, in denen ihr Geist ruhte stieg ihre Macht wieder an und

sie war in der Lage einen neuen Körper zu erschaffen. Nun ist Elrà klar

geworden, dass sie es einmal nicht seelisch fertigbringt, ihre Schwester zu

ermorden, und zum anderen wurde sie bei ihrem letzten Kampf gegen sie

verletzt, was ihre Kraft so beeinflusst, dass sie nun glaubt zu schwach dafür zu

sein. Nun hoffen wir eben, Melia, die Mutter der Beiden, zu finden, denn sie

ist die einzige die dieses Chaos aufhalten kann, solange es noch einigermaßen

kontrollierbar ist. Jedoch fürchten wir, dass Nimué versucht, ihre Mutter

ebenfalls zu finden, jedoch um sie umzubringen, da sie weiß, dass sie eine

Bedrohung für sie darstellt.

Elrà wird nun versuchen, alle Elben und elbenfreundlichen Kreaturen, die

Nimué fürchten, unter einem Banner zu vereinigen um so einen Angriff, sollte

es zum Krieg kommen, abwehren zu können. Jedoch wissen wir alle ganz

genau, dass wir bereits jetzt hoffnungslos unterlegen sind, was der Angriff auf

ihre Burg zeigt, den sie gestartet hat, um euch zu retten. Die Orks haben sich

zu tausenden vermehrt, und es werden wahrscheinlich immer mehr, je länger

wir herumtrödeln.“.

„Also ist die ganze Welt in Gefahr, da kommt mir jedoch die Frage, warum

Arna nicht kooperieren möchte.“, fragte Tom „Das kommt daher dass… lass

mich kurz überlegen….Ach ja, das war so: Als ein Hauptmann der Elben unter

den Menschen Truppen für einen Krieg gegen die Orks rekrutierte, so stellte

Arna seine halbe Armee zur Verfügung, am Anfang wurde dieses Geschenk

auch von allen gebilligt. Jedoch war der Angriff hoffnungslos. Alle wurden

getötet oder zu Sklaven gemacht. Und das hat der König als Verrat verstanden


und ist nun im Irrglauben, Elrà wolle nur ihn töten, damit sie sein Königreich

übernehmen kann.“, „Und was hatte eigentlich Nodamin mit der ganze Sache

zu tun, er ist doch nur ein vergesslicher Mediziner`“, fragte Ben, „Nun ja, ganz

so ist es nicht. Er ist ein Elb, der einzige Elb, dem es von Arna erlaubt wurde

bei ihm zu leben, da er ihm als Kind das Leben rettete. Und die

Vergesslichkeit kommt daher, da er vor tausend Jahren, Nimué in ihrer vollen

Macht erlebte. Sie versuchte sich in seinen Geist einzuschleichen und so Elrà

zu töten. Jedoch gelang es ihm ihr zu wiederstehen, was jedoch auch seinen

Geist zerstört hat.“, „Also ist Nimué an allen schlimmen Dingen Schuld, die

wir bisher gesehen haben.“, sagte Ben, „Und ich fürchte, es werden noch

einige mehr.“.

Ihre Reise führte sie an Wäldern und Wiesen, Flüssen und Bächen und Bergen

und Tälern vorbei. Es schien eine nicht enden wollende Reise zu sein, doch

zum Glück aller gab es bis jetzt noch keine besonderen Vorkommnisse.

„Herr Indul, seht Ihr das?“, fragte Nimròdel, „Meint Ihr diesen

Fledermausschwarm, so muss ich euch Recht geben.“, „Wir müssen

vermeiden in diese Richtung zu gehen, jedoch ist der einzige Umweg zu

lange, um noch rechtzeitig anzukommen.“

„Was hat das zu bedeuten?“; fragte Ben, „Nun ja mein Kleiner, Fledermäuse

stehen auf der Seite Nimué’s, und so viele Fledermäuse bedeuten, dass sie in

der Nähe ist.“, sagte Algahir, „Wir dürfen es nicht riskieren ihr zu begegnen,

Indul und ich können es wahrscheinlich nicht mit ihr aufnehmen.“, „Da hast

du Recht Cárnìr, jedoch bleibt uns keine Wahl, sie hat bereits einen zu großen

Vorsprung!“. „Das sehe ich nicht so.“, sagte eine Stimme hinter ihnen.

Sofort drehte sich jeder um, und blickte schockiert auf eine Frau, die dort

stand.

„Herrin, was tut Ihr hier, ich dachte Ihr wolltet…“, „…Ja, ich wollte zuerst

alles für einen Krieg vorbereiten, jedoch sah ich von weitem schon die

Fledermäuse, ihr braucht meine Hilfe.“.

Tom und Ben konnten Elrà kaum wiedererkennen, sie hatte nun ein sehr

kurzes und enges Kleid an, welches aber trotzdem sehr bequem erschien, ihre

langen Haare hatte sie teilweise offen, jedoch mit mehreren eingeflochtenen

Strähnen. Und auch ihre Bewaffnung war bemerkenswert, sie trug auf dem

Rücken einen edlen Bogen, mit einem Köcher voller silberner Pfeile, sowohl

zwei Dolchen. Und am Gürtel ihres Kleides hingen zwei lange Schwerter.

„Und was schlagt Ihr vor?“, fragte Cárnìr, „Sie hat den falschen Eingang, ich

dachte Ihr wusstet, dass der Berg einen versteckten Eingang hat, um

Eindringlinge zu vermeiden. Wir sind nahe dran, ihn zu erreichen.“. Sie zeigte

auf einen kleinen Hügel, keine 10 Meilen von ihnen entfernt, „Dort ist der


Eingang, nur ob wir ihn öffnen können, bis Nimué uns einholt ist noch

unklar.“.

So gingen sie auf den Weg, mit neuer Hoffnung Nimué zuvorzukommen. Der

Fledermausschwarm war bedrohlich nahe, doch die Gruppe wurde nicht

bemerkt, so hofften sie jedenfalls. „Aber wenn ich Euch nun die Frage stellen

darf, meine Herrin, wieso seid Ihr denn nun mitgekommen?“, fragte Indul.

„Ich habe zuerst versucht, die Armeen der freien Völker zu vereinen, jedoch

hat mir Nodamin jedes Mal dazwischen geplappert und ich habe es mit der

Zeit nicht mehr ausgehalten.“, „Und Ihr seid sicher, dass Ihr Euren Mut nicht

wiedergefunden habt?“, „Ganz sicher.“, Elrà wurde blass im Gesicht, und

kleine silbrige Tränen flossen ihre Wangen herunter, jedoch riss ein gewaltiger

Schrei sie aus ihrer Trauer.

Die Umgebung erbebte, nicht einmal der Wind wagte es, einen Ton von sich

zu geben. „Sie hat herausgefunden, dass die Tür eine Fälschung ist, rennt!“,

schrie sie, und die Gruppe rannte in einem erstaunlichen Tempo über die

Ebene. Selbst Cárnìr, der älteste der Gruppe, war in der Lage sich an die

Spitze zu setzen, er benutze seinen Stab als einen Sprungstab und hüpfte so an

Indul vorbei.

Endlich konnten sie sich ausruhen, denn sie hatten ihr Ziel erreicht. „Und wo

soll diese Tür jetzt sein?“, fragte Algahir, „Denkt daran, was euch euer

Meister beigebracht hat: Nicht alles ist so, wie es scheint, wir Elben sind der

lebende Beweis dafür.“. Ben und Tom sahen Elrà komisch an, denn sie hatten

keine Ahnung, was sie damit meinte. Und obwohl keiner eine Frage stellte,

drehte sie sich zu ihnen um, und klärte sie auf. „Seht mich zum Beispiel an,

wie alt würdet ihr mich schätzen?“, fragte sie, „Ähm… vielleicht 35, meine

Herrin?“, antwortete Ben nervös, „Nahe dran, ich bin 96.000 Jahre alt. Aber so

sind wir Elben, selbst im hohen Alter sehen wir noch aus wie ein junger

Mensch.“.

Während dieser Belehrung war Indul zum Hügel gegangen und klopfte mit

seinem Stab dagegen, „Diese Zwerge wissen wirklich, wie man eine Tür

versteckt.“, sagte er, „Ich würde sagen, wir sprengen sie auf!“, schlug Cárnìr

vor, „Jedoch würde die Explosion nur Aufmerksamkeit auf uns ziehen, und

dann hätte Nimué einfaches Spiel, uns zu folgen.“, sagte Nimròdel.

„Der einzige Weg ist, wir müssen kleine Runen finden, die uns einen Hinweis

geben. Oft werden diese Türen mit einem Rätsel verschlossen.“, sagte Algahir,

„Ein weiser Ratschlag, junger Krieger, Euer Meister kann stolz auf Euch

sein.“. Algahir wurde ganz Rot im Gesicht, doch auch Nimròdel stand der

Scham ins Gesicht geschrieben.


Sie suchten verzweifelt den ganzen Hügel ab, konnten jedoch nicht die leiseste

Spur finden. „Ach, ich weiß nicht weiter…“, sagte Cárnìr, und setzte sich auf

einen kleinen Busch in der Nähe, doch als er sich gerade hinsaß, sprang er

schmerzhaft auf. Tom ging zu jenem Busch, und entfernte die Äste, und unter

den Ästen befand sich ein weißer, spitzer Stein, kaum größer als eine

Kokosnuss. Jedoch waren auf diesem Stein seltsame Zeichen eingeritzt.

Nur der, der Frieden

spricht, wird Frieden

bringen

„Nur der, der Frieden spricht, wird Frieden bringen“, las Indul vor, „Und was

soll das denn jetzt bedeuten?“, fragte Nimròdel, „Es ist ein Rätsel, wenn auch

kein gutes. Wir müssen nur das Wort Frieden in der richtigen Sprache

sprechen, und die Tür wird sich öffnen.“, sagte Elrà, „Es ist ja nicht so, als

gäbe es tausend Wörter, die Frieden bedeuten, wie sollen wir da denn

rechtzeitig das richtige finden?“, fragte Cárnìr, „Durch Überlegungen können

wir sehr weit kommen, wir müssen nur herausfinden, wer diese Runen

gemacht hat.“, sagte Algahir.

„Er hat Recht. So lasset uns überlegen: Dieses Tor ist die Baukunst der

Zwerge, und die Zwerge kamen vor 3000 Jahren über das Schattengebirge in

das Blumental…“, sagte Elrà, „Zu dieser Zeit sprachen sie das Khi-laî, dann

trennten sie sich und gingen nach Osten und nach Norden, die nördlichen

Stämme sprachen danach das Li-Ho, und von jenen die nach Norden gingen,

gingen einige nach Westen, hierher…“, fügte Indul hinzu, „Und diese

sprachen das Nougran. Also wäre die Lösung im Nougranischen.“, löste

Algahir auf.

„Doch in dieser Sprache existiert das Wort Frieden nicht, also muss die

Überlegung falsch sein.“, sagte Cárnìr, „Oder das Rätsel ist schwerer, als Elrà

dachte.“, warf Tom ein, „Er hat Recht, nur weil ein Wort nicht existiert, heißt

es noch lange nicht, dass die Überlegung falsch sein soll. Es ist wahrscheinlich

ein Wort, welches etwas mit Frieden zu tun hat.“, stimmte Elrà zu.

„Kui!“, sagte Nimròdel, „Es ist die Freundschaft. Denn nichts ist den Zwergen

heiliger als ihre Freundschaften.“.


Die Erde erbebte, denn das Rätsel wurde gelöst. Der Hügel öffnete sich, er

teilte sich in zwei große Teile, die wie die Flügel eines Tores

auseinanderschwenkten, und einen Tunnel freigaben.

„Herzlichen Glückwunsch, Nimròdel, doch nun dürfen wir keine Zeit

verlieren, bald wird Nimué hier auftauchen!“.

Die Gruppe schritt durch das geöffnete Tor, und fand sich in einem Tunnel aus

Granit wieder, wunderschön gearbeitet, und mit filigranen Runen verziert.

Jedoch, kaum waren sie im Tunnel, so schwangen die Flügel wieder zu, und

sie saßen in der Dunkelheit.

Indul und Cárnìr schlugen mit ihren Stäben gegen den Boden, doch nicht um

sich zu orientieren, denn kurz darauf fingen sie an zu leuchten, und Ben und

Tom konnten Kristalle an den Spitzen der Stäbe erkennen, welche

schimmerten wie die Sonne.

Und obwohl das Licht der Stäbe weit in die Dunkelheit drang, so konnten sie

jedoch kein Ende des Tunnels sehen, noch einen Abzweig.

„Wir müssen diesem Tunnel nun einige Meilen folgen, danach müssten wir

eine Kreuzung finden, dort werden wir rasten, sollten wir die Gelegenheit

dazu bekommen.“, kommandierte Elrà, und ohne zu Zögern setzte sich die

ganze Gruppe in Bewegung.

„Was wohl mit all den Zwergen geschah, die hier lebten?“, wunderte sich

Algahir, „Nun ja, mein junger Elb.“, sprach Cárnìr, „Dass ist eine sehr

interessante Geschichte, auch wenn sie nur wenige kennen: Dies war einst

eines der größten Zwergen Reiche, die es in dieser Welt je gegeben hat, es

erstreckt sich mehrere tausend Meilen unter unseren Füßen bis unter das große

Meer. Jedes Lebewesen zollte den Zwergen großen Respekt, denn die Zwerge

die hier lebten, schufen wundervolle Dinge aus den Edelmetallen, die sie hier

schürften. Doch die Orks wurden neidisch, neidisch auf den Reichtum der

Zwerge und darauf, dass dieser Ort eigentlich ihnen gehören sollte.

Und wie es so ihre Art ist, nehmen sich Orks dass, was sie wollen. Doch die

Zwerge wollten nicht einfach kampflos aufgeben, sie versammelten eine

Armee, größer als jene Armee, die einst Nimué bezwang, und kämpften gegen

die Eindringlinge.

Doch die Orks sind im Gebirge zuhause, und können auch in völliger

Dunkelheit noch so gut sehen, dass sie einem die Kehle aufschlitzen können.

Sie gruben sich neue Tunnel, an den Wachposten der Zwerge vorbei, bis hin

zu den schlafenden Kriegern. Und dort verübten sie ihre blutige Tat. Jedem

schlafenden Krieger wurde die Kehle aufgeschlitzt. Doch für die Wachen war

es denke ich noch schlimmer. Denn dann griffen die Orks, welche

zurückgeblieben waren, die Wachen frontal an, bis ihre „Halsabschneider“,

wie sie sie gerne nannten, die Wachen von hinten attackierten. Und seitdem


hat kein Zwerg diese Stadt mehr betreten, dass überhaupt noch jemand, außer

den Orks hier lebt, ist ein großes Wunder für mich, ich dachte sie würden

jeden Eindringling sofort umbringen.“.

Diese Geschichte schürte die Furcht, die Ben und Tom verspürten, doch es

gab kein zurück mehr, denn vor den Toren würde nun wahrscheinlich Nimué

mit ihrer Armee warten.

„Seht Algahir, das sind die Tunnel, die die Orks gegraben haben.“, Cárnìr

zeigte auf ein kaum 1 Meter großes Loch in der Wand, das im Gegensatz zu

den Wänden sehr unsauber gegraben wurde.

„Orks können schöne Dinge erschaffen, wenn sie wollen, doch meistens

zwingen sie ihre Sklaven dazu.“, sagte Elrà düster.

Die ganze Zeit, in der sie in den Tunneln waren, hörten sie keinen Ton, und je

tiefer sie in die Erde eindrangen, desto schrecklicher wurde diese Stille. Es

würde wärmer, mit jeder Meile, die sie hinter sich brachten, und so langsam

wurden die Wände unsauberer, die Runen an den Wänden waren schon lange

nicht mehr zu sehen. „Und hier soll ein freundliches Wesen leben?“, fragte

Ben, „Ja, es ist kaum vorstellbar.“, antwortete Algahir, „Still jetzt!“, zischte

Indul, „Bis wir an sein Haus kommen, das ein einigermaßen sicherer Ort ist,

müssen wir durch das gesamte Orkreich. Hoffen wir, dass uns niemand

bemerkt.“.

Sie gingen Stunden, jedoch ohne das Gefühl, voran zu kommen. Indul und

Cárnìr dimmten ihre Stäbe, und die Gruppe stolperte durch die Stollen. „Ich

glaube dort drüben ist etwas.“, flüsterte Nimròdel, er zeigte in Richtung eines

kleinen Feuerschimmers, „In der Tat. Entweder ist es das Haus, nachdem wir

suchen, oder es ist ein Vorposten der Orks.“, stimmte Cárnìr zu. „Die einzige

Möglichkeit, das herauszufinden, wird wohl darin bestehen, dass wir hingehen

und nachsehen.“, sagte Elrà.

Die Stäbe wurden weiter gedimmt, und Elrà zog ihren Bogen und nockte einen

Pfeil ein. Sie spannte den Bogen leicht an und entschwand in die Dunkelheit.

Langsam folgte die Gruppe, jedoch konnten sie kaum einen Meter laufen, bis

Elrà wieder zu ihnen zurückkahm: „Es ist das Haus, nachdem wir suchen,

doch es ist jemand bei diesem Mann im Haus!“, flüsterte sie, „Ein Diener

Nimué’s?“, fragte Nimròdel, „ja, ich denke es ist einer der geflügelten

Schatten.“. „Also müssen wir jetzt mit sehr viel Geschick an die…“, doch

Cárnìr hatte keine Chance seinen Satz zu beenden, denn Elrà zog ihr Schwert

und ging erneut auf das Haus zu. Doch jetzt rannte die Gruppe eilig hinterher.

Elrà stieß die Tür auf, und trat herein: „Wen haben wir denn hier, das kleine

Goldlöckchen.“, spottete eine Stimme, „Hat meine Schwester sich getraut,

ihren Schoßhund wegzuschicken?“.


Nun hatte die Gruppe endlich das Haus erreicht, und sie sahen den

Schattenfürsten, in seinem dunklen Gewand, Auge in Auge mit der Tochter

des Lichtes. Obwohl der Schattenfürst riesig war, erschien er sogar kleiner zu

sein als Elrà, die stolz und stark vor ihm stand.

Der Schatten zog sein grauenhaftes Schwert und holte zu einem tödlichen

Streich aus, jedoch streckte Elrà ihm ihre Hand entgegen: „Weiche zurück in

die Dunkelheit aus der du stammst!“, befahl sie mit gebieterischer Stimme.

Und der schatten gehorch ihr, er sank nieder und löste sich in Rauch auf,

welcher durch die Tür des Hauses glitt.

„Oh ich danke euch meine Herrin, Ihr wisst nicht, was für Überredungskünste

der drauf hat…“, sagte der Mann, „Spart euch das Gerede. Ich habe gehört ihr

wisst wo Melia steckt, und nur deshalb bin ich hier.“. Der Mann wurde blass,

und fing an zu stammeln, „Da müsst Ihr etwas falsch verstanden haben, ich

bin nur einer der wenigen, die wissen wann sie zurückkommen soll.“, „Und

wann soll das sein?“, fragte Indul, „Sie kommt erst dann, wenn die letzte

Hoffnung des Guten zu Grunde geht wird sie vom Himmel stürmen, wie ein

Blitz“. Elrà drehte sich zu der Gruppe um, „Und was machen wir jetzt? Sie

war unsere einzige Hoffnung.“, sagte Cárnìr, „Die einzige Möglichkeit ist,

dass Ihr versucht sie zu bezwingen“, antwortete Indul, „Aber sie ist zu

mächtig für mich, vergesst nicht, an dem Tage, an dem ich sie bezwang ging

ein Teil ihrer Verdorbenheit auf mich über.“, „Eine Verdorbenheit, die Ihr

aber auch gegen sie einsetzen könnt.“, sagte Nimròdel. Indul nickte ihm zu,

jedoch schüttelte Elrà zweifelnd den Kopf. „Es tut uns sehr leid, Sie belästigt

zu haben, wir werden sie umgehend verlassen.“, sagte Algahir freundlich zu

dem Mann.

Gerade als sie aus dem Haus gehen wollten, hörten sie in lautes Krachen, und

die Stille wurde durch ein Beben, gestört, welches sogar die Luft in

Schwingung versetzte. Die Wände begannen zu beben, und Staub rieselte von

der Decke herab. „Sie ist vor dem Tor, sie wird es aufbrechen!“, sagte Indul,

„Ich fürchte es ist noch viel schlimmer, sie wird so auch die Orks auf uns

Aufmerksam machen.“, fügte Elrà hinzu, und kaum hatte sie diese Warnung

ausgesprochen, so hörten sie in den Tiefen der Tunnel grässliche Schreie, das

Geklirr von Waffen und das plätschern nackter Füße. „Es müssen tausende

sein, wir müssen fliehen!“, schrie Nimròdel.

Der Mann rannte in sein Haus zurück, er schloss die Tür und vernagelte sie.

BUMM. Die Wände bebten, die ganze Erde schien sich zu bewegen. Elrà

führte die Gruppe in einen abgelegenen Tunnel, noch tiefer in das Gebirge

hinein. „Was macht Ihr, dort geht es nur noch weiter in das Orkreich!“, schrie

Cárnìr.


Doch Elrà führte die gruppe unbeirrt in die Tiefe.

Das Plätschern der Orkfüße kam immer näher, die Schreie wurden deutlicher.

Die Gruppe hörte vor sich ein Klirren. „Die werfen ihre Schwerter!“, schrie

Tom. Und wirklich, die Orks warfen ihre Schwerter und Speere der Gruppe

hinterher.

Plötzlich wurde die Erde erneut in Schwingung gesetzt. Ein lautes Donnern

hallte durch die Tunnel. „Sie sind durchgebrochen!“, schrie Nimròdel. Das

Marschieren von unzähligen Truppen wurde hörbar. Nun stießen zu den

wilden Orks die disziplinierten Truppen Nimué’s hinzu.

Die Gruppe rannte schneller, nahm jeden Seitentunnel und rannte weiter in die

Dunkelheit.

Jedoch wirkte sich die Zauberkraft Nimué’s sich auf das ganze Tunnelsystem

aus. Und so kam die Gruppe von den dunklen Tunneln in einen riesigen, mit

Fackeln erleuchteten Raum. „Eine Falle!“, fluchte Elrà, „Wir sind wieder bei

diesem Haus!“, sagte Indul. „So kenne ich meine liebe Schwester, intelligent

sogar in einer Notsituation.“, lachte Nimué. „Was willst du?“, schrie Elrà

durch den Raum, „Das gleiche wie du. Ich möchte die Welt verbessern.“, „Du

meinst wohl in Chaos stürzen.“, Elrà und Nimué gingen aufeinander zu.

„Meine liebe Schwester, siehst du nicht wie ähnlich wir beide uns sind?“,

„Wir sind uns nicht ähnlich!“, zischte Elrà, „Ich versuche verzweifelt der Welt

den Frieden zu bringen, den Frieden den du ihnen verwehrst!“, „Elrà,

beantworte mir eine Frage: Wieso setzt du dich so sehr für diese Maden ein,

was haben sie je für dich getan?“. Elrà kamen Tränen in die Augen, sie

versuchte jedoch ihre Gefühle zu unterdrücken. „Genau, sie haben dir nur

Schmerz bereitet. Sei es nun dein „Mann“, der dich verließ, oder seien es die

Menschen, die dich loswerden wollen, um dein Reich zu kontrollieren. Sie

nutzen dich nur aus.“, „Nein Elrà, hört nicht auf Sie. Sie war es, die Euren

Mann tötete. Wehrt Euch gegen Ihren Zauber!“, schrie Indul.

„Wieso sollte ich dir glauben Nimué?“, fragte Elrà, „Lasse dir alles erklären,

Schwester: Ich habe deinen Mann nicht getötet, kaum berührt habe ich ihn.“,

„Aber er….“, „Starb in deinen Armen? Ja, das glaubtest du. Aber kurz danach,

als du dich in den Kampf gestürzt hast, floh er. Er lebt noch heute, und dort

steht er!“, sie zeigte auf den alten Mann, der vor seinem Haus stand.

„Geflohen ist er, vor derjenigen, die er vorgab zu lieben!“, Elrà begann zu

weinen, der Schmerz stand ihr ins Gesicht geschrieben. „Du lügst!“, schrie sie.

„Du glaubst mir nicht, dann schaue ihn dir genau an.“, Nimué führte eine

elegante Handbewegung aus und zeigte nun auf den Mann.

Langsam ging er auf Elrà zu, bei jedem Schritt, den er machte, sah er immer

mehr aus wie Elrà’s Mann. Der lange Bart wurde kürzer, seine Haare wurden

braun und die Falten verschwanden.

Elrà begann wütend zu werden und ihre Hand ballte sich zur Faust.


„Komm mit mir, und ich werde dir versprechen, du wirst es nicht bereuen.

Denke an diese Made von Elb, würdest du dich nicht freuen, ihn leiden zu

sehen, oder denke an deinen Arm, denn ich kann ihn heilen.“ Nimué stand nun

ganz nahe bei ihr, und zog ihr langsam den Ring vom Finger.

Elrà blickte auf ihren schwarzen, verbrannten Arm. Nun nahm Nimué die

Hand ihrer Schwester, und drückte sie in die ihrigen.

„Vertraue mir Schwesterherz, genau wie früher.“, die Wunden ihres Armes

verschwanden, und ihr Arm nahm wieder eine normale Farbe an. Elrà

begannen Tränen aus den Augen zu fließen.

„Alles was du dir wünschst, kann ich erfüllen, du musst mir nur vertrauen.“.

Elrà’s Mann begann zu schreien, und wenige Sekunden später rollte er sich

auf dem Boden herum, Schmerzensschreie ausstoßend.

„Hört nicht aus sie Herrin!“, schrie Nóstarion, „Sie legt Euch herein, das ist

nicht Anar, das ist nicht Euer Mann!“, „Schüttelt den Schleier aus Lügen von

euch!“, rief Indul.

Elrà riss ihren Arm zu sich, und sogleich wurde ihr Arm wieder zu dem, was

er immer war. Die Wunden kamen zurück, und auch die Farbe wurde wieder

pechschwarz. Nun sah Elrà auf den sich immer noch windenden Mann, jedoch

erkannte sie ihren Mann nicht mehr, sondern nur den alten grauen Mann, den

sie vorhin begegnet war.

„Du wirst mich nie dazu bringen, dich zu unterstützen. NIEMALS!“, schrie

Elrà, „Du hast es immer noch nicht begriffen, wie weit sich meine Macht

auswirkt. Sie hat sogar schon in euren eigenen Reihen begonnen sich zu

entfalten.“, sagte Nimué.

Nun schritt Cárnìr langsam auf die Beiden zu, jedoch lenkte er seinen Schritt

mehr in Nimué’s Richtung. „Verräter!“, rief ihm Indul zu, „Eine Üble

Wendung, ist der anderen Wert mein lieber Freund. Gegen die Macht Nimué’s

ist ein Sieg unmöglich.“, „Weise Worte mein lieber Freund.“, stimmte Nimué

zu, „Was sagst du Schwester, herrschen wir gemeinsam über die Schwachen,

so wie wir es immer hätten tun sollen?“.

„So verlockend dein Angebot auch sein mag… die Antwort lautet NEIN!“,

sagte Elrà.

Mit einer Handbewegung schleuderte sie Nimué an die hohe Decke der Höhle

und Cárnìr in die Orkmenge hinein. Sie rannte zu der Gruppe zurück, jedoch

stand Nimué wieder fest auf ihren Füßen. Sie streckte ihre Hand nach ihr aus,

und aus ihren Fingerspitzen zuckten Blitze. Sie rasten auf Elrà zu.

Jedoch, kurz bevor sie sie trafen, drehte sie sich um und strich durch die Luft,

und die Blitze trafen auf eine Wand aus Licht, welche die Blitze ablenkte. Sie

rasten auf die Decke zu. Daraufhin begann die Höhle einzustürzen.


Nun hatte Elrà Indul und die anderen erreicht, und Nimròdel nahm die Kugel,

die er von Elrà erhalten hatte in die Hand und zerschmetterte sie auf dem

Boden.

Nun wurde alles hell, denn aus der Kugel trat ein gleißendes Licht, noch heller

als die Sonne selbst. Die Orks waren wie gelähmt, doch einige nahmen gleich

danach die Verfolgung auf.

Riesige Felsbrocken stürzten von der Decke herab, doch gerade als sie Elrà

und ihren Gefährten die Flucht ermöglichten, blieben sie in der Luft hängen.

Es war Cárnìr, er hatte die Felsbrocken verhext.

Nun war Eile das Gebot der Stunde, denn erneut stand eine aussichtslose

Hetzjagd bevor.

„Schnell, kommt her!“, rief plötzlich eine leise Stimme aus der Dunkelheit. Es

war ein Zwerg, der an einer kleinen steinernen Tür stand.

Die Gruppe stürmte hinein, die Orks kamen immer näher. Alles war vorbei,

die Orks hatten sie eingeholt, doch dann schwang die Tür mit einem Mal zu

und hielt die Verfolger auf.

Nun saßen sie in der Dunkelheit, man konnte rein gar nichts erkennen.

Langsam ließ Indul wieder etwas Licht aus seinem Stab austreten, und sie

erkannten, dass sie von Zwergen umzingelt waren.

„Ihr müsst ja vollkommen verrückt sein, euch hierhin zu wagen.“, sagte einer

der Zwerge, „Was für ein Zufall, das selbe dachte ich über euch auch gerade.“,

sagte Indul, „Wir leben hier. Und verteidigen die letzten Heiligtümer unserer

Vorfahren.“, antwortete der Zwerg, „Wenn Ihr so freundlich währt, uns einen

Ausweg zu zeigen Herr Zwerg.“, sagte Indul, „Ich zeige euch natürlich gerne

einen Ausgang, jedoch würde ich gerne um eine Gegenleistung beten.“, „Da

haben wir es mal wieder!“, rief Algahir, „Zwerge denken doch immer nur an

sich!“, „Algahir hüte deine Zunge!“, rief Nimròdel, doch es war bereits zu

spät, Elrà erhob ihre Hand und schlug ihm mit solch einer Wucht auf den

Hinterkopf, dass Algahir ohnmächtig zu Boden sank.

Nun sahen alle Elrà seltsam an, jedoch lächelte sie jeden nur an: „Was wollt

Ihr von uns Herr Zwerg?“, fragte sie.

„Ihr sollt uns helfen, ein Juwel zurückzuholen, das uns die Orks vor langer

Zeit gestohlen haben.“

„Na wenn es weiter nichts ist…“, kicherte Tom.

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