[titelthema] - Seifert Logistics

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[titelthema] - Seifert Logistics

[titelthema] Ausgabe 35 | Oktober 2013 unternehmen [!]

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unternehmen [!] Ausgabe 35 | Oktober 2013

[titelthema]

DerrichtigeTakt

–undesbrummt

Die Straßen sind lausig, die Politik findet er mäßig hilfreich. Dennoch liebt

HaraldSeifertseinen Beruf, nennt ihn Berufung. Seine Seifert Logistics Group

bestimmt mit hunderten Lkw-Touren Tag für Tag den Takt der Wirtschaft und

montiert sogar Motoren für das Daimler-Werk in Rastatt vor.

Die Straßen und die Infrastruktur werden immer

schlechter. Wie schwierig ist es für die Logistik, die

richtigen Produkte zur richtigen Zeit zum richtigen

Ort zu bringen?

Ein heißes Thema. Unser Staat nimmt jährlich im Bereich

Mobilität 54 Milliarden Euro an Mineralölsteuer,

Kfz-Steuer, Maut und vieles mehr ein. Die Bundesregierung

gibt aber deutlich zu wenig für die Verkehrsinfrastruktur

aus: rund 9,5 Milliarden Euro jährlich.

Sichtbares Zeichen des daraus resultierenden

Sanierungsstaus an Brücken und Straßen sind die

vielen Schlaglöcher. Es sollten 3 bis 4 Milliarden Euro

pro Jahr für die Infrastruktur mehr sein. Die Lkw-Maut

bringt dem Staat jährlich circa 4 Milliarden Euro, diese

Einnahmen sind zweckgebunden, wurden aber im Vorhinein

vom Haushalt abgesenkt. Dies ist nicht korrekt

gelöst.

Gibt es weitere Gründe dafür, dass es mit der Verbesserung

der Infrastruktur in Baden-Württemberg

nicht so schnell vorankommt, wie es nötig

wäre?

Da gibt es viele Aspekte. Einer davon ist, dass der

Bund und das Land die Priorisierung unterschiedlich

sehen.

Inwiefern schadet das der Wirtschaft im Südwesten?

Wirtschaft braucht Mobilität. Die Volkswirtschaft

funktioniert nur mit guten Verkehrsanbindungen. Sie

sehen das entlang den Autobahnen: Dort siedeln sich

die Unternehmen an, dort blüht die Wirtschaft. Je weiter

entfernt von den Autobahnen, desto geringer ist die

Dichte an Industrie, weil die Logistikkosten dann einfach

zu hoch sind.

Was ist Ihr Hauptkritikpunkt?

Ich bemängle an der Politik, dass Baden-Württemberg

im Länderfinanzausgleich ein Geberland ist. In den vergangenen

Jahren hat man den Südwesten bei der Infrastruktur

einfach vernachlässigt. Jahrelang wurde in

Baden-Württemberg in die Infrastruktur zu wenig investiert.

Es fehlt einfach eine zweite Ost-West-Autobahn.

Wir haben nur die B 311, welche dreispurig ausgebaut

werden sollte. In Ostdeutschland weiß man

manchmal nicht, auf welcher Autobahn man eigentlich

fahren soll, weil es dort so viele gibt. Zum Beispiel

die A 20 von Rostock nach Hamburg – dort ist man mitunter

alleine unterwegs. Das kann man von der A 8

nicht behaupten. Die Osterweiterung der Europäischen

Union verschärft das Problem der mangelnden

Infrastruktur. Wir erweitern die EU nach Osten,

vergrößern den Wirtschaftsraum, aber vergessen die

Logistik!

Aber die gehört hierzulande zu den wichtigsten

Wirtschaftsbereichen.

Die Logistikbranche in Deutschland erwirtschaftet

jährlich 225 Milliarden Euro. Darauf sind wir stolz. Die

Bundesregierung sollte zur Kenntnis nehmen, dass die

Logistikwirtschaft der drittwichtigste Arbeitgeber in

Deutschland ist und entsprechend handeln. Untersuchungen

zufolge wird der Verkehr in Deutschland bis

zum Jahr 2030 um bis zu 70 Prozent wachsen. Um die

steigenden Warenmengen transportieren zu können,

müssen wir alle Verkehrsträger ausbauen: Straße,

Schiene, Luft und Binnenschiff.

Würde die Einführung einer Pkw-Maut helfen, den

Sanierungsstau in der Infrastruktur aufzulösen?

Ich bin für die Pkw-Maut. Aber die Einnahmen müssen

ZurPerson

Zeitistein knappes

Gut für den Ulmer

Unternehmer und

Vielfahrer (60.000 Kilometer

im Jahr) Harald

Seifert (57), der

sich selbst als „Autonarren“

bezeichnet.

Sein Tagesablauf ist

durchgetaktet, der

Laptop stets dabei.

Dennoch engagiert er

sich stark ehrenamtlich.

In der Freizeit

joggt er gerne, spielt

Golf oder erliegt der

Faszination von Oldtimern.

Er wuchs mit

drei älteren Schwestern

in Ehingen auf,

stieg nach einer Lehre

in Ulm in den väterlichen

Betrieb ein.

Seifert ist verheiratet

und Vater zweier Söhne

24/20), die studieren.

225 Milliarden Euro jährlich erwirtschaftet Deutschlands Logistikbranche. Ein Grund, stolz zu sein, findet Harald Seifert.

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zweckgebunden sein, und zwar für die Verkehrsinfrastruktur.

Aber ein tolles teures System, das erst in fünf

Jahren kommt, ist mir zu wenig. Ich bin durch und

durch Pragmatiker. Eine Vignetten-Lösung ließe sich

schnell umsetzen.

Wie ist die Situation der Lkw-Parkplätze?

Wir haben 25.000 Lkw-Parkplätze zu wenig in Deutschland.

Das Bundesverkehrsministerium ist bereits dabei,

das Problem zu bewältigen. Zurzeit werden etliche

gebaut, aber immer noch viel zu wenige: Es kann nicht

sein, dass Lkw auf der Autobahn auf dem Standstreifen

vor den Parkplätzen und Raststätten stehen. Die Unfallgefahr

ist riesengroß.

Stichwort Spritpreisentwicklung. Wie gehen Sie

mit dem kontinuierlichen Anstieg um?

Der Sprit macht im Transportbereich rund 30 Prozent

unserer Kosten aus. Mittlerweile hat sich in der Branche

eingebürgert, dass Spediteure mit ihren Kunden

sogenannte „Diesel-Floater“ vereinbaren. Den Preisen,

die man abrechnet, liegt eine Indexregelung zu Grunde.

Das ist das eine. Zudem kaufen wir als Unternehmen

sogenannte Slots ein, um uns längerfristig abzusichern.

Ich bemängle, dass die Politik es nicht schafft,

mehr Transparenz in den Markt zu bekommen. Ich fahre

jeden Morgen an einer Tankstelle vorbei und werde

auch im Unternehmen über die aktuellen, täglichen

Preise informiert, die Entwicklung der Preise im Tagesund

Wochenverlauf sind oft merkwürdig.

Ihr Unternehmen gibt es seit 1947. Was waren die

wichtigsten Schritte in der Firmenentwicklung?

Es sind drei Meilensteine: Erstens, mein Vater ist spät

aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Er

gründete ein Fuhrunternehmen, das mit eigenen Lastwagen

Transporte übernahm. Als Bub bin ich manchmal

mitgefahren. Zweitens, nach meinem Eintritt in

die Firma baute ich das Unternehmen in Richtung Spedition

weiter aus. Wir haben nicht nur eigene, sondern

auch Kollegen und Subunternehmen im nationalen

und internationalen Räumen eingesetzt. Drittens, vor

rund 25 Jahren haben wir eine eigene Tochtergesellschaft

für Logistik gegründet und bauten die Kontraktlogistik

systematisch aus.

Was bedeutet Kontraktlogistik?

Unsere Experten schauen sich die Prozesse und Wertschöpfungsketten,

die sogenannten Wertstromanalysen,

unserer Kunden an und finden heraus, wie sie sich

verbessern lassen. Dabei stehen Güter-, Daten- und Finanzströme

im Vordergrund. Das Schöne und Interes-

Eine Pkw-Maut einzuführen, hielte Harald Seifert an sich

für eine gute Sache. Aber nicht, wenn man fünf Jahre darauf

warten müsste. Also besser für den Anfang Vignetten.

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sante an der Logistik ist, dass es so vielfältige Aufgaben

und Herausforderungen gibt. Wie zum Beispiel unsere

Tank- und Siloinnenreinigungsanlage, eine der modernsten

in Europa. Wir reinigen vollautomatisch 100

Fahrzeuge mit 350.000 Litern Wasser am Tag und bereiten

das wieder auf.

In diesem Bereich sind Sie auch für den Daimler-

Konzern aktiv.

Diese Zusammenarbeit ist eines unserer größten

Kontraktlogistikprojekte. Zuvor hatten wir nur „just

in time“ zugeliefert, also Waren und Bauteile zur richtigen

Zeit an die Produktionsbänder gebracht. Mit

dem Projekt nun für Daimler versorgen wir von unserem

Standort Malsch, bei Karlsruhe, die Bandfertigung

der A- und B-Klasse und erledigen für rund 250 Lieferanten

die sogenannte Just-In-Sequence-Belieferung.

Dahinter steckt ein ausgeklügeltes System der Organisation

und Kommissionierung. Sogar Motoren montieren

wir vor.

Das klingt kompliziert. Können Sie es an einem Beispiel

für Laien veranschaulichen?

250 Daimler-Zulieferer liefern ihre Produkte zwei bis

drei Tage vor dem jeweiligen Produktionstermin an

unserem Standort an. Unsere Mitarbeiter entladen,

kommissionieren und sequenzieren etwa 25.000 Teile

täglich. Diese liefern wir in der richtigen Reihenfolge

zur richtigen Zeit für die richtigen Autos im halben

Stundentakt, rund um die Uhr, also 24 Stunden, produktionsgerecht

am Produktionsband an.

Logistik ist mehr, als nur eine

Fuhre von A nach B zu bringen.

Bei der sogenannten Just-

In-Sequence-Belieferung

montieren seine Leute sogar

Motoren für die A- und B-

Klasse von Daimler vor, berichtet

der Chef.

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2014 wird ein neues Logistikzentrum

im Ulmer Norden

gebaut. Direkt an der Autobahn,

direkt am Containerbahnhof.

„Der Logistiker

sucht immer den optimalen

Standort mit günstigen Verkehrswegen“,

erklärt Harald

Seifert.

Für wen bieten Sie solche Kontraktlogistik-Dienstleistungen

an?

Wir sind europaweit für Konzerne und mittelständische

Unternehmen in den sechs Branchen Automotiv,

Baustoffe, Chemie, Papier, Pharma und Konsumgüter

tätig.

Die Autoindustrie klagt, dass die

Umsätze in Europa nicht so gut

ausfallen. Spüren Sie da schon

etwas?

Nicht bei den Modellen, die wir betreuen:

A- und B-Klasse. Wir sind

sehr dicht an der Produktion und

bekommen die Auftragslage hautnah

mit. Bei diesen Modellen läuft

die Produktion sehr gut, und wir

sind voll ausgelastet.

Wirsind

hautnah

ander

Produktion

dran

Die Logistikbranche ist ein Frühindikator für die

Wirtschaft. Wie läuft es in den anderen Branchen?

Wir können froh sein, dass in Deutschland die Konjunktur

– auch dank politischer Entscheidungen – gut

läuft. In Baden-Württemberg und Bayern haben wir

zum Glück eine sehr gute Wirtschaftsstruktur mit vielen

Familienunternehmen. Da läuft das Geschäft gut.

Nimmt man das internationale Geschäft hinzu, spüren

wir einen Mini-Einbruch.

Wie sieht es in Ihrer Gruppe

aus?

Wir planen, 2013 mehr als 100

Millionen Euro umzusetzen. Wir

sind auf einem guten Weg, haben

gute Aufträge und neue gute Ideen.

Wir sind an 20 Standorten in

Deutschland und Polen mit rund

745 Mitarbeitern tätig. Es sind gerade

drei neue Standorte mit drei

neuen Projekten hinzugekommen. In Mannheim, im

Raum Leipzig und für Porsche ein 36.000 Quadratmeter

großes Warehouse in Ehingen-Berg. Außerdem werden

wir 2014 ein neues, modernes 24.000 Quadratmeter

großes Seifert-Logistikzentrum in Ulm-Nord bauen.

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Dies wird in drei Hallenabschnitten geplant. Bereits

jetzt sind 50 Prozent der Lagerflächen vergeben. Es entsteht

direkt an der Autobahnausfahrt und direkt am

Containerbahnhof. Denn der Logistiker sucht immer

den optimalen Standort mit den günstigen Verkehrswegen.

Wie gut ist denn der Speditions- und Logistikstandort

Ulm/Neu-Ulm?

Hervorragend. Und das sage ich nicht nur, weil ich Logistiker

bin. Externe Gutachter bescheinigen unseren

beiden Städten eine überdurchschnittliche Logistikstärke.

Die kann man sogar sehen, wenn man auf der

A 8 fährt. Logistik findet überall im Alltag statt. Die vielen

Produktionsunternehmen, die sich im Ländereck

Ulm angesiedelt und entwickelt haben, können nur so

erfolgreich agieren, weil sie von starken Logistikunternehmen

unterstützt werden. Ich gehe sogar noch weiter

und sage, dass eine starke Logistik in Ulm/Neu-Ulm

dazu beiträgt, dass sich zukünftig weitere Produktionsunternehmen

hier ansiedeln werden. Logistik ist ein

positiver Standortfaktor.

Ihr Unternehmen ist im Juni mit dem Eco Performance

Award ausgezeichnet worden. Was unternimmt

Ihre Gruppe, um Ökologie, Ökonomie und

Soziales zu verbinden?

Bei uns im Unternehmen gibt es ein Paket an Maßnahmen.

Wir haben – ohne gesetzlichen Zwang – schon 45

Lkw mit Euro VI-Motoren angeschafft, die 15 Prozent

weniger Treibstoff verbrauchen und dementsprechend

weniger Schadstoffe ausstoßen. Unsere Führungskräfte

sind weniger unterwegs, weil wir uns europaweit

häufiger per Videokonferenzen mit unseren Kunden

abstimmen. Wir stellen ein Fünftel unserer Energie

selbst her – regenerativ. Ich persönlich stelle an einer

roten Ampel über die Eco-Taste den Motor meines

Pkws ab. Wir haben Wasserspartasten im ganzen Unternehmen.

Die Reinigungsanlage ist mit der Biogasanlage

verbunden. Da sind wir eines der führenden Unternehmen.

Auch testen wir derzeit Wasserstoffstapler.

Das sind nur verschiedene Ausschnitte unseres Portfolios.

Ich als Unternehmer und wir als Seifert Gruppe

möchten vorne mit dabei sein.

Sie lassen Lkw-Fahrer am Simulator trainieren. Ist

so etwas üblich in der Branche?

Wenn man sich so umhört, ist das doch eher selten. Unseren

Leuten aber macht das riesigen Spaß.

Ein großes Reizthema sind die sogenannten

Lang-Lkw.

Lang-Lkw, Giga-Liner, 60-Tonnen-Monstrum: Hätte das

Umweltfreundliches Verhalten

ist ihm im Unternehmen,

aber auch als Privatmann

wichtig, sagt Harald Seifert.

An einer roten Ampel stelle er

natürlich den Motor ab.

bulthaup b3

Folgt keinen

schnellen Trends.

Sondern

Überzeugungen.

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Aus dem Transportbetrieb seines Vaters hat Harald Seifert ein Logistikunternehmen gemacht, das täglich 800 Lkw-Ladungen disponiert.

MitDienstleistungen

rasantgewachsen

InzweiterGeneration führt Harald Seifert

seine Logistikgruppe. 1976 trat er in

den Transportbetrieb seines Vaters ein,

der damals fünf Mitarbeiter beschäftigte.

Heute arbeiten für die Seifert Logistics

Group (SLG) 750 Mitarbeiter an 18 Stand

orten. 2012 steigerte die Gruppe ihren

Umsatz um 16 Prozent auf 92 Millionen

Euro. Seiferts Unternehmen disponiert

für mehr als 1000 Kunden aus den Bereichen

Automotive, Chemie, Pharma, Papier,

Konsumgüter und Baustoffe täglich

mehr als 800 Lkw­Ladungen. Der eigene

Fuhrpark umfasst 240 Fahrzeugeinheiten,

zudem fahren mehr als 270 festintegrierte

Subunternehmer für Seifert im Corporate

Design des Ulmer Unternehmers. Die

Lagerfläche entspricht der Größe von

rund 30 Fußballfeldern. Ein Schwer punkt

liegt auf der Kontraktlogistik. In deren

Rahmen reinigt SGL beispielsweise Silotanks

für die Chemie bran che. Firmenchef

Harald Seifert en ga giert sich stark ehrenamtlich.

Er ist unter anderem Regionalgruppensprecher

Allgäu/Bodensee der

Bundesvereinigung für Logistik, Mitglied

im Verkehrsausschuss des Deutschen Industrie­

und Han delskammertages, Mitbegründer

und zweiter Vorsitzender des

Logistik­Clusters Ulm/Neu­Ulm und Vizepräsident

der IHK Neu­Ulm.

AMB

Fahrzeug keinen so komischen Namen, gäbe es die Diskussion

auf der politischen Ebene gar nicht. Ich spreche

vom Öko-Liner. Von den Kritikern würde ich gerne

eine vernünftige Begründung hören, warum sie gegen

den Öko-Liner sind. Wenn diese Gründe stichhaltig

sind, überzeugen sie mich auch. Der baden-württembergische

Verkehrsminister Winfried

Hermann von den Grünen

findet aber keine. Das Ganze ist ein

an den Haaren herbeigezogener politischer

Nonsens.

Was macht den Lang-Lkw in

Ihren Augen zum Öko-Liner?

Wo heute drei herkömmliche Lkw

fahren, könnten auf bestimmten

Touren und mit speziellen Gütern

künftig zwei Öko-Liner fahren. Das verringert den

Spritverbrauch und den Schadstoffausstoß um circa

33 Prozent. Die Kosten für den Transport sinken. Das

kommt auch den Verbrauchern zugute.

Es heißt aber doch, dass die langen Lkw Brücken

und Fahrbahnen beschädigen.

DerStreit

umden

„Öko-Liner“

istpolitischer

Nonsens

Die Tonnage bliebe ja bei 40 Tonnen. Darum gäbe es

auch keine Probleme mit Brücken oder Straßen. Da

müsste nichts umgebaut werden. Es geht beim Öko-

Liner ums Volumen. Warum kann man für leichte Güter

wie zum Beispiel Styropor, Windeln oder Verbandsstoffe

nicht bestimmte Strecken festlegen und

freigeben?

Betrifft Sie das Thema Fachkräftemangel,

oder rennen

Ihnen die Leute die Bude ein,

weil Sie so interessante Jobs zu

bieten haben?

In der Spedition und Logistik

herrscht Fachkräftemangel, weil

unsere sehr interessante Branche

unterbewertet wird. Aber daran

arbeiten wir. Die Seifert-Gruppe sucht immer gute Leute.

Wir haben aber durch den langjährigen Mitarbeiterstamm

eine sehr gute Mannschaft, darauf bin ich besonders

stolz. Das Schöne ist, dass wir wachsen und

auch jungen Leuten Führungsnachwuchs-Positionen

anbieten können. Diese sind mit Leidenschaft in der

Logistik tätig. Überhaupt ist Leidenschaft ein gutes

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Wort. Denn Leidenschaft ist für mich der Grundgedanke.

Wenn ich Leidenschaft für einen Beruf habe,

dann ist es die Berufung. Meine Leidenschaft ist die Logistik.

Bleibt Seifert Logistik ein Familienunternehmen?

Ich habe das Glück, dass ich nicht wie manche Familienunternehmen

in Deutschland vom Nachwuchsproblem

betroffen bin. Da ich zwei Söhne habe, auf die

ich stolz bin. Beide studieren derzeit. Einer war gerade

als Werksstudent da, der andere kommt demnächst für

sechs Monate in die Firma, bevor er seinen Master

macht. Sie studieren in die richtige Richtung: International

Management der eine und BWL mit Schwerpunkt

Logistik der andere. Nach Auslandsaufenthalt

und Fremderfahrung steht dem Eintritt in die Firma

nichts entgegen. Beide Söhne sind bei den Strategieund

Führungskräftemeetings bereits dabei.

Und bis zur Übergabe?

Wir haben ein sehr langjähriges und gutes Führungskräfteteam.

In den vergangenen Jahren sind wir sehr

stark gewachsen und top aufgestellt gewesen – und

sind es immer noch.

Wie anstrengend ist es, mit Ihnen in Urlaub zu

fahren?

Ich bin Workaholic. Ich arbeite gerne und bin ein positiv

denkender und leidenschaftlicher Mensch. Ich

kann mich auf die Sekunde fokussieren. Meinen Ausgleich

finde ich bei meiner Familie, beim Golfen und

bei meinem Hobby, den Oldtimern.

DAS GESPRäcH FÜHRTEN

KAREN EMLER, LEITERIN

DER WIRTScHAFTSREDAKTION DER SÜDWEST PRESSE,

UND ALExANDER BÖGELEIN,

REDAKTIONSLEITER UNTERNEHMEN [!]

FOTOS: MARc HÖRGER

DOKUMENTATION: DANIEL GLANZ

Die Aussichten, dass die Seifert-Logistics-Gruppe

in Familienhand

bleibt, sind gut, erzählt

Harald Seifert im

Gespräch mit Karen Emler

und Alexander Bögelein.

Seine beiden erwachsenen

Söhne studieren schon „in die

richtige Richtung“.

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