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"Das ist wie lüften"

Veröffentlicht auf Chrismon (http://chrismon.evangelisch.de)

"Das ist wie lüften"

Hintergrund / Kirche und Religion

November 2011

Timon Müller [1] –

[2]Illustration: Maren Amini

„Kirchenferne haben oft ein schlummerndes Interesse an Glaubensfragen“, sagt Andreas Schlamm.

Der Referent vom Amt für Missionarische Dienste (AMD) in Berlin leitet seit 2009 das Pro-jekt

„Erwachsen glauben“ und hat für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die bundesweite

Kampagne „Kurse zum Glauben“ entwickelt. Dabei hat Andreas Schlamm auch mit Gemeinden

zusammengearbeitet, die solche Kurse schon länger anbieten. Sie stellen gerade bei Teilnehmern,

die sich von der Kirche entfremdet haben, ein Nachholbedürfnis fest. „Die Kirchenfernen merken,

dass der Glaube etwas mit ihrem Alltag zu tun hat und ihnen Orientierung gibt“, sagt Schlamm.

Außerhalb von Kirchenkreisen sind Glaubenskurse jedoch kaum bekannt. Und in Gemeinden mangelt

es in der Regel an Angeboten für die sogenannte „vergessene Mitte“ – Menschen, die im Berufs- und -

Familienleben stark eingebunden sind. Erwachsene, denen sich im Alltag grundlegende Fragen

stellen und die gerne mit anderen darüber reden würden: Ist ein Seitensprung Sünde? Soll ich mein

Kind taufen lassen? Was kommt nach dem Tod?

Wie drückt sich Glaube im Alltag aus?

„Glaubenskurse sind ein offenes Angebot, die Dauer ist begrenzt, die Teilnehmer sind zu nichts

verpflichtet“, sagt Schlamm. „Die Leute wollen keine theologischen Belehrungen hören“, ist seine

Erfahrung. Sie möchten Lebensgeschichten und Erfahrungen auszutauschen; und sie möchten

herausfinden, wie sich Glaube im Alltag ausdrückt.

„Glauben kann man nicht lernen“, meint Andreas Schlamm. So ein Kurs kann aber ein

Katalysator sein, der bei den Teilnehmern Prozesse in Gang setzt, die womöglich zum

Glauben führen. Die Studie „Wie finden Erwachsene zum Glauben?“ (2009) hebt eine

besondere Rolle dieser Kurse hervor, weil sie Kirchennahe ebenso ansprechen wie

Kirchenferne: Aktive Gemeindemitglieder vertiefen ihre Kenntnisse und vergewissern sich

ihres Glaubens. Wer mit der Kirche schon lange nichts mehr zu tun hatte, kann den Glauben

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neu entdecken. Wem Religion [3]Unter Religion versteht man die vielfältigen Beziehungen des

Menschen zu Gott, dem Göttlichen oder, ganz allgemein gesprochen, dem Transzendenten. Sie

zeigen sich in Gebeten und Festen, in Ritualen, Liedern und Bräuchen. Der Ursprung des Wortes

Religion liegt im lateinischen Wort religere (deutsch: zurückbinden). In diesem Sinne bedeutet

Religion die Rückbindung des Menschen an Gott. Heute hat sich im Christentum die Auffassung

durchgesetzt, dass sie nicht als einzige Glaubensgemeinschaft eine authentische Rückbindung an

Gott hat. Auch bei den maßgeblichen Führern anderer Weltreligionen gilt Toleranz zwischen den

Religionen zunehmend als erstrebenswert, da jeder Glaube an Gott auch kulturell geprägt ist. fremd

ist, der kann hier Antworten auf seine Fragen finden und seinem Leben vielleicht eine neue Richtung

zu geben.

Die Gemeinde als gastfreundlicher Lernort

Anfang 2011 hat die EKD die Kampagne „Kurse zum Glauben“ gestartet. In den Gemeinden soll

dieses Bildungsangebot für Erwachsene bald so selbstverständlich sein wie

Konfirmandenuntericht. Das Portal www.kurse-zum-glauben.de bietet auch einen

nichtöffentlichen Bereich, wo Haupt- und Ehrenamtliche ihre Erfahrungen austauschen können.

Als Arbeitsgrundlage wurde das Handbuch „Erwachsen glauben“ aufgelegt. Es enthält das

Rüstzeug zu neun bewährten Kursen. Bei „Spur 8“ zum Beispiel liegt der Schwerpunkt beim

Vermitteln christlichen Grundwissens. Der Kurs „Stufen des Lebens“ setzt darauf, Themen des

Alltags mit biblischen Geschichten zu veranschaulichen. „Expedition zum Ich. In 40 Tagen durch

die Bibel [4] Die Bibel (griechisch „biblia“ = Bücher) ist die Heilige Schrift der Christen. Die Bibel ist

in das Alte und in das Neue Testament aufgeteilt. Das Alte Testament ist ursprünglich in Hebräisch

geschrieben. Es beginnt mit der Schöpfungsgeschichte und enthält neben den Urgeschichten der

Menschheit Prophetenbücher, Weisheitstexte und die Geschichte des Volkes Israel. Viele

Schlüsseltexte der westlichen Kultur finden sich im Alten Testament, wie zum Beispiel die Zehn

Gebote. Das Neue Testament ist ursprünglich in Griechisch geschrieben. Es enthält unter anderem

die vier Evangelien, die vom Leben, von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi erzählen, und eine

Anzahl theologischer Briefe, von denen die des Apostels Paulus am wichtigsten sind. Bis ins 15.

Jahrhundert wurde die Bibel fast nur in ihrer lateinischen Übersetzung (Vulgata) gelesen. Martin

Luther übersetzte die Bibel von 1520 bis 1536 ins Deutsche. Alle christlichen Kirchen berufen sich in

ihrer Lehre und in ihrer Praxis auf die Bibel, auf das Alte und das Neue Testament, als wichtigste

Quelle.“ setzt stark auf offene Gespräche und Diskussionen.

Wie gewinnt man ausgerechnet die Menschen für einen Glaubenskurs, die der Kirche bisher fern

blieben? „Indem Gemeinden gastfreundliche Lernorte des Glaubens sind“, sagt Andreas Schlamm,

„und genau hinschauen, was für Leute im Umfeld ihres Kirchturms leben.“ Beim Planen helfen

Erkenntnisse aus der Sozialwissenschaft. Das Handbuch „Erwachsen glauben“ greift zehn

Milieutypen des Sinus-Instituts auf, die Lebenswelten der Bundesbürger beschreiben.

"Für alle, die nicht alles glauben"

Wohnen im Bereich der Gemeinde überwiegend bildungsferne „Konsummaterialisten“, die gern Sat 1

schauen und Mediamarkt-Kunden sind? Oder eher akademisch gebildete „moderne Performer“, die

Arte einschalten und im Fachgeschäft einkaufen? Die Einladungen können auf die jeweiligen

Personenkreise zugeschnitten werden. Zum Beispiel mit Plakatwerbung im Stadtteil. Die Projektstelle

stellt Motive zur Verfügung mit Botschaften wie: „Für alle, die nicht alles glauben“, „Für Skeptiker“

oder „Für alle, die schon kleine Wunder erlebt haben“.

Konsummaterialisten haben meist Hauptschulabschluss, sind an Mode, Spaß und Unterhaltung

interessiert. Häufig haben sie Probleme bei der Jobsuche, Schulden oder Stress in der Beziehung.

Eine Gemeinde könnte Halt und Lebenshilfe bieten. Für Konsummaterialisten wäre der Kurs „Stufen

des Lebens“ geeignet, der wie ein Religionsunterricht für Erwachsene ist. Die Kurse behandeln

Themen wie „Liebe ist nicht nur ein Wort“, „Alles hat seine Zeit (Josefsgeschichte)“ oder „Durch

Krisen reifen“. An vier Abenden werden Bibelgeschichten mit Bildern und Gegenständen erzählt und

dann zu den Biografien der einzelnen Teilnehmer in Beziehung gesetzt.

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Pilotprojekt in Heidelberg

„Moderne Performer“ sind jung, neugierig und leistungsorientiert. Karriere ist ihnen wichtig. Sie

wollen sich selbst verwirklichen und reflektieren ihr Leben. Aus den verschiedensten

Weltanschauungen greifen sie das heraus, was sie gut finden. Es sind Menschen, die sich in einer

Gemeinde – wenn überhaupt – eher projektbezogen engagieren. Für dieses Milieu wäre „Expedition

zum Ich“ geeignet, weil der Kurs viel Raum zur Selbstreflexion lässt. Das Begleitbuch ist in einer

modernen und anspruchsvollen Sprache geschrieben. Es eignet sich auch zum Selbststudium.

Wie erfolgreich sind Kampagnen, die sich gezielt an bestimmte Milieus richten? Das wird in einem

Pilotprojekt untersucht. Modellregion sind die beiden benachbarten Kirchenbezirke Heidelberg und

Weinheim-Ladenburg. 13 Gemeinden begleitet das Sinus-Institut beim Planen, Umsetzen und

Auswerten von Glaubenskursen. Im Herbst 2012 soll der Abschlussbericht vorliegen.

Langer Atem nötig

Pfarrer David Reichert von der Lutherkirche in Heidelberg verspricht sich viel von dem

„milieusensiblen“ Ansatz. Sein Stadtteil ist im Wandel begriffen. Die Fluktuation unter den 2100

Gemeindemitgliedern nimmt seit fünf Jahren zu. Neue Singlehaushalte, die Mieten steigen. Familien

ziehen weg, auch die kirchentreuen Älteren werden weniger. „Dafür haben wir mehr interessierte

Nichtkirchler“, stellt David Reichert fest. Die möchte er besser kennenlernen und zu Glaubenskursen

einladen. Das wäre ein erster Schritt. Früher oder später, hofft David Reichert, bringen sich

Menschen in die Gemeinde ein, die das bislang noch nicht gemacht haben.

Dazu ist langer Atem nötig, weiß Andreas Schlamm. Erfahrungen zeigen: Außenstehende kommen in

größerer Zahl erst ab dem dritten Kurs hinzu – in der Regel durch persönliche Empfehlungen. „Aber

die Kurse sind auch für die Gemeinde selbst“, sagt Andreas Schlamm. Ob Moderation, Technik oder

Bewirtung: Beim Organisieren der Kurse ergeben sich Möglichkeiten für ehrenamtliches

Engagement. Diskussionen mit kirchenfernen Skeptikern fördern die Sprachfähigkeit der

Gemeindemitglier in eigenen Glaubensfragen. „Das ist wie lüften“, findet Andreas Schlamm. „Wenn

frische Luft reinkommt, verbessert sich das Binnenklima.“

„Kirchenferne haben oft ein schlummerndes Interesse an Glaubensfragen“, sagt Andreas Schlamm.

Der Referent vom Amt für Missionarische Dienste (AMD) in Berlin leitet seit 2009 das Pro-jekt

„Erwachsen glauben“ und hat für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die bundesweite

Kampagne „Kurse zum Glauben“ entwickelt. Dabei hat Andreas Schlamm auch mit Gemeinden

zusammengearbeitet, die solche Kurse schon länger anbieten. Sie stellen gerade bei Teilnehmern,

die sich von der Kirche entfremdet haben, ein Nachholbedürfnis fest. „Die Kirchenfernen merken,

dass der Glaube etwas mit ihrem Alltag zu tun hat und ihnen Orientierung gibt“, sagt Schlamm.

Außerhalb von Kirchenkreisen sind Glaubenskurse jedoch kaum bekannt. Und in Gemeinden mangelt

es in der Regel an Angeboten für die sogenannte „vergessene Mitte“ – Menschen, die im Berufs- und -

Familienleben stark eingebunden sind. Erwachsene, denen sich im Alltag grundlegende Fragen

stellen und die gerne mit anderen darüber reden würden: Ist ein Seitensprung Sünde? Soll ich mein

Kind taufen lassen? Was kommt nach dem Tod?

Wie drückt sich Glaube im Alltag aus?

„Glaubenskurse sind ein offenes Angebot, die Dauer ist begrenzt, die Teilnehmer sind zu nichts

verpflichtet“, sagt Schlamm. „Die Leute wollen keine theologischen Belehrungen hören“, ist seine

Erfahrung. Sie möchten Lebensgeschichten und Erfahrungen auszutauschen; und sie möchten

herausfinden, wie sich Glaube im Alltag ausdrückt.

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"Das ist wie lüften"

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„Glauben kann man nicht lernen“, meint Andreas Schlamm. So ein Kurs kann aber ein

Katalysator sein, der bei den Teilnehmern Prozesse in Gang setzt, die womöglich zum

Glauben führen. Die Studie „Wie finden Erwachsene zum Glauben?“ (2009) hebt eine

besondere Rolle dieser Kurse hervor, weil sie Kirchennahe ebenso ansprechen wie

Kirchenferne: Aktive Gemeindemitglieder vertiefen ihre Kenntnisse und vergewissern

sich ihres Glaubens. Wer mit der Kirche schon lange nichts mehr zu tun hatte, kann den

Glauben neu entdecken. Wem ReligionUnter Religion versteht man die vielfältigen Beziehungen des

Menschen zu Gott, dem Göttlichen oder, ganz allgemein gesprochen, dem Transzendenten. Sie

zeigen sich in Gebeten und Festen, in Ritualen, Liedern und Bräuchen. Der Ursprung des Wortes

Religion liegt im lateinischen Wort religere (deutsch: zurückbinden). In diesem Sinne bedeutet

Religion die Rückbindung des Menschen an Gott. Heute hat sich im Christentum die Auffassung

durchgesetzt, dass sie nicht als einzige Glaubensgemeinschaft eine authentische Rückbindung an

Gott hat. Auch bei den maßgeblichen Führern anderer Weltreligionen gilt Toleranz zwischen den

Religionen zunehmend als erstrebenswert, da jeder Glaube an Gott auch kulturell geprägt ist. fremd

ist, der kann hier Antworten auf seine Fragen finden und seinem Leben vielleicht eine neue Richtung

zu geben.

Die Gemeinde als gastfreundlicher Lernort

Anfang 2011 hat die EKD die Kampagne „Kurse zum Glauben“ gestartet. In den Gemeinden soll

dieses Bildungsangebot für Erwachsene bald so selbstverständlich sein wie

Konfirmandenuntericht. Das Portal www.kurse-zum-glauben.de bietet auch einen

nichtöffentlichen Bereich, wo Haupt- und Ehrenamtliche ihre Erfahrungen austauschen können.

Als Arbeitsgrundlage wurde das Handbuch „Erwachsen glauben“ aufgelegt. Es enthält das

Rüstzeug zu neun bewährten Kursen. Bei „Spur 8“ zum Beispiel liegt der Schwerpunkt beim

Vermitteln christlichen Grundwissens. Der Kurs „Stufen des Lebens“ setzt darauf, Themen des

Alltags mit biblischen Geschichten zu veranschaulichen. „Expedition zum Ich. In 40 Tagen

durch die Bibel Die Bibel (griechisch „biblia“ = Bücher) ist die Heilige Schrift der Christen. Die Bibel

ist in das Alte und in das Neue Testament aufgeteilt. Das Alte Testament ist ursprünglich in

Hebräisch geschrieben. Es beginnt mit der Schöpfungsgeschichte und enthält neben den

Urgeschichten der Menschheit Prophetenbücher, Weisheitstexte und die Geschichte des Volkes

Israel. Viele Schlüsseltexte der westlichen Kultur finden sich im Alten Testament, wie zum Beispiel

die Zehn Gebote. Das Neue Testament ist ursprünglich in Griechisch geschrieben. Es enthält unter

anderem die vier Evangelien, die vom Leben, von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi erzählen, und

eine Anzahl theologischer Briefe, von denen die des Apostels Paulus am wichtigsten sind. Bis ins 15.

Jahrhundert wurde die Bibel fast nur in ihrer lateinischen Übersetzung (Vulgata) gelesen. Martin

Luther übersetzte die Bibel von 1520 bis 1536 ins Deutsche. Alle christlichen Kirchen berufen sich in

ihrer Lehre und in ihrer Praxis auf die Bibel, auf das Alte und das Neue Testament, als wichtigste

Quelle.“ setzt stark auf offene Gespräche und Diskussionen.

Wie gewinnt man ausgerechnet die Menschen für einen Glaubenskurs, die der Kirche bisher fern

blieben? „Indem Gemeinden gastfreundliche Lernorte des Glaubens sind“, sagt Andreas Schlamm,

„und genau hinschauen, was für Leute im Umfeld ihres Kirchturms leben.“ Beim Planen helfen

Erkenntnisse aus der Sozialwissenschaft. Das Handbuch „Erwachsen glauben“ greift zehn

Milieutypen des Sinus-Instituts auf, die Lebenswelten der Bundesbürger beschreiben.

"Für alle, die nicht alles glauben"

Wohnen im Bereich der Gemeinde überwiegend bildungsferne „Konsummaterialisten“, die gern Sat 1

schauen und Mediamarkt-Kunden sind? Oder eher akademisch gebildete „moderne Performer“, die

Arte einschalten und im Fachgeschäft einkaufen? Die Einladungen können auf die jeweiligen

Personenkreise zugeschnitten werden. Zum Beispiel mit Plakatwerbung im Stadtteil. Die Projektstelle

stellt Motive zur Verfügung mit Botschaften wie: „Für alle, die nicht alles glauben“, „Für Skeptiker“

oder „Für alle, die schon kleine Wunder erlebt haben“.

Konsummaterialisten haben meist Hauptschulabschluss, sind an Mode, Spaß und Unterhaltung

interessiert. Häufig haben sie Probleme bei der Jobsuche, Schulden oder Stress in der Beziehung.

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"Das ist wie lüften"

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Eine Gemeinde könnte Halt und Lebenshilfe bieten. Für Konsummaterialisten wäre der Kurs „Stufen

des Lebens“ geeignet, der wie ein Religionsunterricht für Erwachsene ist. Die Kurse behandeln

Themen wie „Liebe ist nicht nur ein Wort“, „Alles hat seine Zeit (Josefsgeschichte)“ oder „Durch

Krisen reifen“. An vier Abenden werden Bibelgeschichten mit Bildern und Gegenständen erzählt und

dann zu den Biografien der einzelnen Teilnehmer in Beziehung gesetzt.

Pilotprojekt in Heidelberg

„Moderne Performer“ sind jung, neugierig und leistungsorientiert. Karriere ist ihnen wichtig. Sie

wollen sich selbst verwirklichen und reflektieren ihr Leben. Aus den verschiedensten

Weltanschauungen greifen sie das heraus, was sie gut finden. Es sind Menschen, die sich in einer

Gemeinde – wenn überhaupt – eher projektbezogen engagieren. Für dieses Milieu wäre „Expedition

zum Ich“ geeignet, weil der Kurs viel Raum zur Selbstreflexion lässt. Das Begleitbuch ist in einer

modernen und anspruchsvollen Sprache geschrieben. Es eignet sich auch zum Selbststudium.

Wie erfolgreich sind Kampagnen, die sich gezielt an bestimmte Milieus richten? Das wird in einem

Pilotprojekt untersucht. Modellregion sind die beiden benachbarten Kirchenbezirke Heidelberg und

Weinheim-Ladenburg. 13 Gemeinden begleitet das Sinus-Institut beim Planen, Umsetzen und

Auswerten von Glaubenskursen. Im Herbst 2012 soll der Abschlussbericht vorliegen.

Langer Atem nötig

Pfarrer David Reichert von der Lutherkirche in Heidelberg verspricht sich viel von dem

„milieusensiblen“ Ansatz. Sein Stadtteil ist im Wandel begriffen. Die Fluktuation unter den 2100

Gemeindemitgliedern nimmt seit fünf Jahren zu. Neue Singlehaushalte, die Mieten steigen. Familien

ziehen weg, auch die kirchentreuen Älteren werden weniger. „Dafür haben wir mehr interessierte

Nichtkirchler“, stellt David Reichert fest. Die möchte er besser kennenlernen und zu Glaubenskursen

einladen. Das wäre ein erster Schritt. Früher oder später, hofft David Reichert, bringen sich

Menschen in die Gemeinde ein, die das bislang noch nicht gemacht haben.

Dazu ist langer Atem nötig, weiß Andreas Schlamm. Erfahrungen zeigen: Außenstehende kommen in

größerer Zahl erst ab dem dritten Kurs hinzu – in der Regel durch persönliche Empfehlungen. „Aber

die Kurse sind auch für die Gemeinde selbst“, sagt Andreas Schlamm. Ob Moderation, Technik oder

Bewirtung: Beim Organisieren der Kurse ergeben sich Möglichkeiten für ehrenamtliches

Engagement. Diskussionen mit kirchenfernen Skeptikern fördern die Sprachfähigkeit der

Gemeindemitglier in eigenen Glaubensfragen. „Das ist wie lüften“, findet Andreas Schlamm. „Wenn

frische Luft reinkommt, verbessert sich das Binnenklima.“

Quellen-URL: http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2011/das-ist-wie-lueften-12735

Verweise:

[1] http://chrismon.evangelisch.de/personen/timon-mueller-5863

[2]

http://delivery1.dam.contentpool.evangelisch.de/DeliveryServer/get?id=cGAvHN7iBrYc2k0lAh77bKyV

Adw0H-cQDBDhDtESTc6UMU5ho-Ghvj5kKjUacKVZD4oN1T1dfsgTx54le8KIwIfrjVvRuDIjsoRnbtoMT_R_

AoRILfCvJyvkMZE3TnwS

[3] http://chrismon.evangelisch.de/lexikalisch/term/1062

[4] http://chrismon.evangelisch.de/lexikalisch/term/953

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