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Infobroschüre - Gemeinde Lauerz

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Röm. kath. Kirche <strong>Lauerz</strong><br />

„St. Nikolaus“<br />

Ein Blick in unsere Kirche


Titelbild: Flugaufnahme Pfarrkirche <strong>Lauerz</strong> (Doris Dörig, 18. Juli 2006)<br />

2


Vorwort<br />

Geschätzte Gotteshausbesucherinnen und –besucher<br />

Als Tourist oder Pilger gehört es vielfach zum Programm, dass man im jeweiligen Ort die<br />

Kirche besichtigt. Dieser Kirchenführer soll Ihnen daher einen Überblick über die<br />

Geschichte, die Architektur und die künstlerische Ausstattung unserer Pfarrkirche „St.<br />

Nikolaus“ vermitteln.<br />

Die Pfarrkirche <strong>Lauerz</strong> wurde zwischen Juli 1982 bis Dezember 1983 für knapp 2,5<br />

Millionen Franken komplett renoviert. Da sich der Abschluss der Arbeiten nun zum<br />

fünfundzwanzigsten Mal jährt, nehmen wir dies zum Anlass, der interessierten<br />

Bevölkerung einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren.<br />

Wir möchten aber auch die Identifizierung mit diesem Gotteshaus fördern und Ihnen die<br />

Schönheiten der künstlerischen Werke näher bringen. Können Sie sich vorstellen, was es<br />

an Technik braucht, um die tonnenschweren Glocken zu schwingen und so ihre<br />

Botschaften weit über unser Dorf erschallen zu lassen? Zum Schluss gewährt Ihnen die<br />

Königin der Musikinstrumente eine Audienz und präsentiert sich von ihrer schönsten Seite.<br />

Wir wünschen Ihnen beim Besuch ein paar Minuten Ruhe und Besinnung. Wir hoffen,<br />

dass Sie sich von der Schönheit und Ausdruckskraft dieser Kirche gefangen nehmen<br />

lassen.<br />

<strong>Lauerz</strong>, im Dezember 2008<br />

3


Inhalt<br />

Vorwort ................................................................................................................................3<br />

Unsere Kirche als Bauwerk..................................................................................................5<br />

Architektur........................................................................................................................5<br />

Ausschmückung...............................................................................................................6<br />

Bilder ...........................................................................................................................6<br />

Statuen......................................................................................................................10<br />

Chronik der Pfarrkirche <strong>Lauerz</strong>..........................................................................................15<br />

Kirchturm ...........................................................................................................................17<br />

Abmessungen des Turmes ............................................................................................17<br />

Geschichte .....................................................................................................................17<br />

Uhrwerke........................................................................................................................20<br />

Glocken..........................................................................................................................21<br />

Vorgängerinnen.........................................................................................................21<br />

Heutiges Geläut.........................................................................................................21<br />

Läutordnung ..............................................................................................................23<br />

Orgel..................................................................................................................................25<br />

Geschichte .....................................................................................................................25<br />

Neue Orgel.....................................................................................................................26<br />

4


Unsere Kirche als Bauwerk<br />

Architektur<br />

Erstellt nach den Plänen von Bruder Jakob Nater aus dem Kloster Einsiedeln und durch<br />

sehr viel Fronarbeit der <strong>Lauerz</strong>er Bevölkerung.<br />

Der Grundriss weist die Form eines Kreuzes auf.<br />

Ausrichtung gegen Süd-Osten (Betlehem, Jerusalem), wie viele Kirchen früher gebaut<br />

wurden.<br />

Länge<br />

Breite Schiff<br />

Breite Chor<br />

Breite über Turm und Sakristei<br />

Höhe des Turms<br />

Dicke der Mauern<br />

36.5 m<br />

13.9 m<br />

9.9 m<br />

19.8 m<br />

ca. 30 m<br />

0,9 – 1,16 m<br />

Die architektonischen Elemente unserer Kirche<br />

<br />

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<br />

<br />

Schiff 4-jochig<br />

Kreuzgang<br />

Kanzel<br />

Seitenaltar links; zu Ehren Maria / rechts; zu Ehren Sebastian<br />

Empore mit Orgel<br />

Chor eingezogen / Altarraum mit Hochaltar, Zelebrationsaltar und Chorgestühl<br />

Sakristei<br />

Turm<br />

Allgemein weist die Kirche innen barocke Baukunst auf.<br />

Die Kanzel und die Seitenaltäre sind im leichten Rokoko-Stil gehalten.<br />

(1820 geschenkt von Gersau anlässlich der dortigen Kirchenrenovation)<br />

Die Kanzel wird geschmückt mit:<br />

-Lamm Gottes mit den 7 Siegeln<br />

-Bild mit Gleichnis vom Sämann<br />

-Bilder der 4 Evangelisten:<br />

Johannes = Adler<br />

Lukas = Stier<br />

Markus = Löwe<br />

Matthäus = Engel<br />

Der Zelebrations- oder Volksaltar weist leicht klassizistische Züge auf. Er wurde bei der<br />

Renovation 1982/83 eingesetzt. Bei seiner Einweihung wurden von Bischof Johannes<br />

Vonderach die Reliquien von der Hl. Fidelis und Felix von Sigmaringen eingesetzt.<br />

5


Ausschmückung<br />

Bilder<br />

• Kreuzweg mit seinen 14 Stationen<br />

• Die Deckenbilder, die zwei Bilder links und rechts beim Hauptportal sowie die Pietà<br />

vorne stellen die „sieben Schmerzen Mariens“ dar. Der Altdorfer Maler Josef<br />

(Joseph) Christian Heimgartner (*27.06.1868, †07.08.1939) fertigte die Bilder 1917<br />

an.<br />

• Beim Seitenaltar rechts ist im grossen Bild der Hl. Sebastian zu sehen. Darüber ist<br />

das ovale, kleine Bild der hl. Katharina (1749).<br />

• Beim Seitenaltar links ist Maria in jungen Jahren mit ihren Eltern Joachim und Anna<br />

dargestellt.<br />

• Über der Sakristeitür ist die Szene der Steuerfrage zu sehen, bei der die Pharisäer<br />

Jesus auf die Probe stellen wollten.<br />

• Über der Tür zum Turm ist die Szene vom angeheilten Fuss mit Antonius von<br />

Padua dargestellt. Darüber zeigt das grosse Bild unseren Landesheiligen Bruder<br />

Klaus, der über <strong>Lauerz</strong> schützend die Hand hält. Dieses Bild wurde aus<br />

Dankbarkeit nach dem 2. Weltkrieg angebracht.<br />

Kreuzweg<br />

Das Beten des Kreuzweges in der Fastenzeit hat den Sinn, dass wir uns an das Leiden Jesus<br />

erinnern. Durch seinen Tod hat Jesus Leben geschenkt.<br />

1. Station - Jesus wird zum Tod verurteilt.<br />

2. Station - Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern.<br />

3. Station - Jesus fällt zum 1. Mal unter dem Kreuz.<br />

4. Station - Jesus begegnet seiner Mutter.<br />

5. Station - Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.<br />

6. Station - Veronika reicht Jesus das Schweisstuch.<br />

7. Station - Jesus fällt das 2. Mal unter dem Kreuz.<br />

8. Station - Jesus begegnet den weinenden Frauen.<br />

9. Station - Jesus fällt das 3. Mal unter dem Kreuz.<br />

10. Station - Jesus wird seiner Kleider beraubt.<br />

11. Station - Jesus wird an das Kreuz genagelt.<br />

12. Station - Jesus stirbt am Kreuz.<br />

13. Station - Jesus wird vom Kreuz abgenommen.<br />

14. Station - Jesus wird ins Grab gelegt.<br />

1. Schmerz Mariens<br />

Das Deckenbild vom 1. Schmerz Mariens ist hinten über der Empore angebracht.<br />

(Josef Heimgartner, 1917)<br />

In jener Zeit trugen Maria und Josef ihr gottgeschenktes Kind hinauf zum Tempel nach<br />

Jerusalem, um es durch Priesterhand dem Herrn zu weihen. Da nahm Simeon, der<br />

6


Prophet, den Knaben Jesus auf die Arme und lobte Gott: „Nun lässt Du, Herr, im Frieden<br />

Deinen Diener scheiden, denn meine Augen haben das Heil geschaut, das Du bereitet<br />

hast für alle Völker!“<br />

Zur Mutter Maria aber sagte er: „Siehe, dieser Knabe ist bestimmt zum Falle und zur<br />

Auferstehung vieler. Doch Deine Seele wird ein Schwert durchbohren!“<br />

2. Schmerz Mariens<br />

Das Wandbild vom 2. Schmerz Mariens ist hinten links neben dem Haupteingang<br />

angebracht. (Josef Heimgartner, 1917)<br />

In jener Zeit erschien der Engel des Herrn Josef im Traum und sprach: “Steh auf und<br />

fliehe mit dem Kind und seiner Mutter nach Ägypten! Herodes stellt dem Kinde nach, um<br />

es zu töten.“ Und Josef wanderte mit Maria und dem Gotteskinde durch die Nacht und floh<br />

mit ihnen nach Ägypten.<br />

3. Schmerz Mariens<br />

Das Wandbild vom 3. Schmerz Mariens ist hinten rechts neben dem Haupteingang<br />

angebracht. (Josef Heimgartner, 1917)<br />

In jener Zeit gingen Maria und Josef mit dem Jesuskind zum Osterfest nach Jerusalem.<br />

Jesus aber blieb im Tempel zurück, ohne dass sie es merkten. Sie suchten ihn drei Tage<br />

lang und fanden ihn schliesslich im Tempel mitten unter den Gelehrten. Maria aber sprach<br />

zu Jesus: „Kind, warum hast du uns solches angetan? Siehe, dein Vater und ich, wir<br />

haben dich mit Schmerzen gesucht!“<br />

4. Schmerz Mariens<br />

Das Deckenbild vom 4. Schmerz Mariens ist im Bereich über den Seitenaltären<br />

angebracht. (Josef Heimgartner, 1917)<br />

In jener Zeit, da Jesus mit dem Kreuz beladen nach Kalvaria ging, folgte ihm, wehklagend<br />

und weinend, eine Menge des Volkes nach. Da war auch sie am Weg, Maria, wie es der<br />

Kreuzweg betet: „Jesus begegnet seiner betrübten Mutter.“<br />

5. Schmerz Mariens<br />

Das Deckenbild vom 5. Schmerz Mariens ist im Bereich über dem Kreuzgang angebracht.<br />

(Josef Heimgartner, 1917 – gestiftet mit Fr. 1000.-- vom Frauen- und Mütterverein)<br />

In jener Zeit, da Jesus an dem Kreuze hing, stand neben dem Kreuz auch seine Mutter<br />

Maria. Er neigte sich zu ihr und sprach: „Siehe da deinen Sohn!“ Dann sagte er zum<br />

Jünger, der ebenfalls dabei stand: „Siehe da deine Mutter!“<br />

7


6. Schmerz Mariens<br />

Das Gnadenbild vom 6. Schmerz Mariens ist über dem Hochaltar angebracht.<br />

Diese Statue wurde um 1500 angefertigt und hat eine bewegte Geschichte hinter sich.<br />

In jener Zeit, am Abend nach dem Tode Jesu, kamen Josef und Nikodemus und nahmen<br />

seinen Leichnam vom Kreuz ab. Und sie legten ihn, wie es der Kreuzweg betet, in den<br />

Schoss seiner Mutter.<br />

7. Schmerz Mariens<br />

Das Gnadenbild vom 7. Schmerz Mariens ist über dem Hochaltar angebracht.<br />

(Josef Heimgartner, 1917)<br />

In jener Zeit war aber an dem Ort, wo sie ihn gekreuzigt hatten, ein neues Grab. Sie<br />

hüllten Jesus Leichnam in Tücher und legten ihn in jenes Grab, das in der Nähe war.<br />

angeheilter Fuss<br />

Das Bild des angeheilten Fusses befindet sich im Chorraum über der Turmtür.<br />

Das Wunder ereignete sich bei Padua. Ein Mann, mit Namen Leonardo, beichtete beim<br />

heiligen Antonius von Padua, dass er seiner eigenen Mutter einen heftigen Fusstritt<br />

versetzt habe, so dass diese zu Boden stürzte. Antonius, der jede Boshaftigkeit<br />

verabscheute, sagte bestürzt zu dem Mann: „Der Fuss, der Mutter oder Vater trifft, gehört<br />

abgeschnitten“.<br />

Der einfache Mann, der den Sinn dieser Antwort nicht verstand, schämte sich seiner<br />

Schuld, ging nach Hause, und hackte sich mit einem Beil den Fuss ab.<br />

Bald darauf erfuhr dies der heilige Antonius. Sofort suchte er den Mann auf, betete ein<br />

besorgtes Gebet und fügte ihm den abgetrennten Fuss wieder an das Bein, wobei er das<br />

Zeichen des Kreuzes darauf machte. Der Mann erhob sich, begann zu laufen und lobte<br />

Gott.<br />

Joachim und Anna<br />

Das Bild von Joachim und Anna mit der jungen Maria ist über dem Seitenaltar der<br />

Frauenseite (links) in der Mitte.<br />

Joachim und Anna waren die Eltern Marias. Den Erzählungen nach war Joachim ein<br />

älterer Priester gewesen, der mit seiner Frau Anna in Jerusalem gelebt hat. Marias Geburt<br />

sei dem Joachim nach 20 kinderlosen Ehejahren durch einen Engel angekündet worden.<br />

Dargestellt werden sie meistens zu dritt, d.h. Anna, Joachim und Maria (vorwiegend als<br />

Kind).<br />

Joachim als alter Mann mit Buch oder Schriftrolle. Anna im Matronengewand ebenfalls mit<br />

Buch.<br />

8


Joachim gilt als Patron der Eheleute, Schreiner und Stoffhändler. Anna gilt als Patronin<br />

der Mütter, Witwen, Armen, Hausangestellten und Hausfrauen. In einigen Regionen auch<br />

Patronin der Bergleute, Drechsler, Weber und Müller.<br />

Hl. Katharina<br />

Das ovale Bild ist oben in der Mitte des Seitenaltares auf der Männerseite (rechts)<br />

platziert.<br />

Die Geschichte zur hl. Katharina können Sie unter „Statuen“ Seite 13 nachlesen.<br />

Hl. Sebastian<br />

Das Bild des heiligen Sebastian ist beim Seitenaltar der Männerseite (rechts) in der Mitte.<br />

Der Name Sebastian kommt aus dem Griechischen und bedeutet „der Erhabene“.<br />

Wahrscheinlich lebte er im 4. Jahrhundert. Geboren wurde er in Frankreich. Seine Eltern<br />

zogen aber bald nach Mailand, wo er das Christentum kennen lernte. Er hatte eine starke<br />

Neigung zum Militärdienst. Bald war er Offizier der Leibwache des Kaisers. Er war sehr<br />

zuverlässig. Seine hohe Stelle nutzte er aus, um den gefangenen Christen in den<br />

Gefängnissen zu helfen. Bald aber wurden seine Gefangenenbesuche bemerkt und<br />

wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt wurde er zum Tode durch Erschiessen<br />

verurteilt. Bogenschützen marterten ihn mit gezielten, aber nicht sofort tödlichen<br />

Schüssen. Sein Leichnam wurde in Rom an der Stelle begraben, wo heute eine der 7<br />

Hauptbasiliken, nämlich die Kirche San Sebastiano, steht.<br />

Der heilige Sebastian ist Patron der Schützen und der Soldaten. Ebenso ist er einer der<br />

„Pestpatrone“.<br />

Dargestellt wird er meist als entblösster Jüngling, der an einen Baum gefesselt und von<br />

Pfeilen durchbohrt ist. Sein Gedenktag ist der 20. Januar. Die <strong>Lauerz</strong>er Schützen halten<br />

ihm zu Ehren eine Messe an ihrem Gedächtnis im November.<br />

Steuerfrage<br />

Das Bild über die Steuerfrage der Pharisäer ist im Chorraum über der Sakristeitür platziert.<br />

Einige Pharisäer wurden beauftragt, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. Sie<br />

fragten ihn: „Lehrer, wir wissen, dass es Dir nur um die Wahrheit geht. Du sagst jedem, ist<br />

er noch so mächtig, er solle nach Gottes Willen leben. Dürfen wir nun nach Gottes Gesetz<br />

dem Kaiser Steuern zahlen?“ Jesus erkannte ihre Falschheit und antwortete: „Ihr wollt mir<br />

doch nur eine Falle stellen. Gebt mir eine Silbermünze, damit ich sie sehen kann.“ Sie<br />

gaben ihm eine, und er fragte: “Wessen Bild und Name ist hier aufgeprägt?“ Sie<br />

antworteten: „Des Kaisers!“ „Also gut“, sagte Jesus, „dann gebt dem Kaiser, was dem<br />

Kaiser gehört, aber gebt Gott, was Gott gehört!“<br />

9


Statuen<br />

• Hochaltar links: unser Kirchenpatron Nikolaus von Myra<br />

• Hochaltar rechts: hl. Theodul, er war Patron der Kapelle<br />

• Chor rechts an der Wand: hl. Antonius<br />

• Chor links an der Wand: hl. Marzellus (Patron der Kirche Gersau, aus der wir<br />

Seitenaltäre und Kanzel haben)<br />

• Seitenaltar links, oben von links nach rechts: hl. Agatha, hl. Erzengel Michael,<br />

hl. Katharina.<br />

• Seitenaltar rechts, oben von links nach rechts: hl. Jodokus, hl. Wendelin,<br />

hl. Nepomuk<br />

hl. Nikolaus von Myra<br />

Die Statue des heiligen Nikolaus steht in unserer Pfarrkirche im Altarraum (Chor) links<br />

vorne am Hochaltar. Er ist unser Kirchenpatron.<br />

Der Name Nikolaus bedeutet „Sieg des Volkes“. Er wurde im 3. Jahrhundert in der Nähe<br />

von Myra geboren. Seine Eltern waren vor seiner Geburt viele Jahre kinderlos geblieben<br />

und daher brachten sie viel Barmherzigkeit für die Armen auf. Als ihnen doch noch ein<br />

Sohn geschenkt wurde, erzogen sie ihn gottesfürchtig und schickten ihn auf gute Schulen.<br />

Er widmete sich der Erkenntnis Gottes und hasste die Sünde. Sein Onkel, der Bischof von<br />

Myra, weihte ihn zum Priester. In dieser Zeit starben seine Eltern an der Pest. Nikolaus<br />

erbte ein grosses Vermögen, welches er aber komplett unter den armen Menschen<br />

verteilte. Als sein Onkel ein neues Kloster erbaute, wurde er dort zum Abt gewählt. Er<br />

verwaltete es mit grosser Weisheit. Nach dem Tode seines Onkels begab er sich auf<br />

Wallfahrt in das heilige Land. Wieder zurückgekehrt, wird er der neue Bischof von Myra.<br />

Dieses Amt zur Zeit der letzten Christenverfolgungen brauchte sehr viel Mut und Klugheit.<br />

Er lebte weiterhin sehr barmherzig. Bekannt wurde er auch, weil er die Gläubigen immer<br />

vor Tagesanbruch versammeln liess. Nikolaus starb in hohem Alter um das Jahr 350.<br />

Seine Reliquien befinden sich in der Krypta der Basilika San Nicola in Bari, Italien. Er ist<br />

heute sicher einer der meistverehrten Volksheiligen.<br />

Um die Person des heiligen Nikolaus gibt es auch sehr viele Legenden. So soll er Schiffe<br />

in Seenot gerettet und unschuldige Gefangene befreit haben. Drei Mädchen verhalf er zur<br />

Aussteuer, indem er ihnen drei Goldbeutel durchs Fenster zuwarf.<br />

Jedes Kind kennt den heiligen Nikolaus unter dem Namen „Samichlaus“, der wie in der<br />

Geschichte und den Legenden sehr barmherzig ist und die Kinder beschenkt. Er hat auch<br />

sehr viele Patronate inne; so das der Seeleute, der Gefangenen, der Jugend, der<br />

Familien, der Notare und der Sozialarbeit. Viele Kirchen an Seen und Flüssen sind ihm<br />

geweiht. So auch jene hier in <strong>Lauerz</strong>.<br />

Dargestellt wird er als Bischof mit Buch und drei goldenen Kugeln. Sein Gedenktag und<br />

unser Kirchweihefest werden am 6. Dezember begangen.<br />

10


Hl. Theodul<br />

Die Statue des heiligen Theodul steht im Altarraum (Chor) rechts vorne am Hochaltar. Er<br />

war in früheren Jahren, noch vor dem Bergsturz, der Patron der <strong>Lauerz</strong>er Kirche.<br />

Geschichtlich ist von ihm nicht viel bekannt. Er lebte im 4. Jahrhundert und war der erste<br />

Bischof vom damaligen Octodurum. Dieser Ort ist heute besser bekannt als Martigny im<br />

Wallis. Der heilige Theodul soll die Gebeine des heiligen Mauritius gefunden haben und<br />

erbaute ihm zu Ehren eine Basilika im heutigen St. Maurice. Nach seinem Tod wurde der<br />

Bischofssitz nach Sitten verlegt. Dorthin wurden auch seine Gebeine gebracht. An diesem<br />

Ort entstand eine viel besuchte Wallfahrtskirche. Von Sitten her verbreitete sich der Kult<br />

des heiligen Theodul über das Kloster Engelberg in die übrige Schweiz sowie nach<br />

Oberitalien, Savoyen, Süddeutschland und Vorarlberg. Leider wurden seine Gebeine von<br />

den Franzosen 1798 gestohlen und sind seither verschollen. Einer Legende nach musste<br />

ihn der Teufel samt der Glocke, die der Papst aus Dankbarkeit Theodul geschenkt hatte,<br />

von Rom über den Theodulpass bei Zermatt nach Sitten tragen.<br />

Der heilige Theodul ist der Patron der Diözese Sitten sowie der Winzer, des Viehs und der<br />

Glocken.<br />

Dargestellt wird er als Bischof. Zu seinen Füssen sitzt der Teufel, der nach der Legende<br />

eine grosse Glocke trägt. Sein Gedenktag ist der 16. August.<br />

hl. Antonius<br />

Die Statue des heiligen Antonius steht im Altarraum (Chor) rechts oben an der Wand.<br />

Der heilige Antonius gehörte zu den ersten grossen Eremiten (Einsiedler), von deren<br />

Leben etwas überliefert wurde. Geboren wurde er 251 nach Christus in Keman in<br />

Mittelägypten. Mit 20 Jahren gab er sein reiches Erbe auf und folgte der Stimme Gottes<br />

und zog in die Wüste. Er vertiefte sich in den Heiligen Schriften und lebte 15 Jahre mit<br />

einem Minimum an Nahrung, Kleidung und Schlaf in einer Gruft und verdiente seinen<br />

Lebensunterhalt mit Flechten von Körben. Immer wieder wurde er von Versuchungen<br />

heimgesucht, denen er aber allen widerstand. Der Ruf seiner Weisheit zog Heerscharen<br />

von Leuten an, vor denen er predigte und lehrte. Im Jahre 312 versuchte er diesem<br />

Rummel zu entfliehen und zog in die Nähe des Roten Meeres. Doch auch hier wurde er<br />

bald von Pilgern besucht, sogar Kaiser Konstantin bat ihn um Rat. Er blieb bis ins hohe<br />

Alter von 105 Jahren bei bester Gesundheit. Schliesslich starb er in Alexandrien, wo er<br />

seine letzten Jahre verbrachte. Kurz nach seinem Tod wurde seine Biographie<br />

veröffentlicht, welche eine entscheidende Rolle bei der Ausbreitung des Mönchtums<br />

spielte.<br />

Eine Heilung nach seiner Anrufung im Jahre 1095 in Frankreich gab Anlass zur Gründung<br />

des Antoniter-Ordens. Sie widmeten sich vor allem der Pflege von Patienten mit Rotlauf<br />

(Antoniusfeuer), einer Krankheit, die auch vielfach Schweine befiel.<br />

So hat er heute das Patronat der Schweinehirte und der Haustiere inne. Im Volksmund<br />

wird er auch „Süütöneli“ genannt.<br />

Dargestellt ist er meistens als Eremit mit einem Antoniuskreuzstab (T-Form), aber auch<br />

mit Glocke und Schwein. Sein Gedenktag wird am 17. Januar begangen.<br />

11


Hl. Marcellus<br />

Die Statue des heiligen Marcellus (Marcel) steht im Altarraum (Chor) links oben an der<br />

Wand.<br />

Den Namen Marcellus tragen viele Heilige. Der bekannteste ist wohl Papst Marcellus I.,<br />

dessen Abbild in unserer Kirche steht. Er lebte im 4. Jahrhundert in der Gegend des<br />

heutigen Roms. Wie alle Christen in dieser Zeit wurde er verfolgt und verjagt, so dass er in<br />

der Verbannung starb. Er gilt deshalb als Märtyrer. In Rom ist ihm eine Kirche geweiht.<br />

Er ist Patron der Postboten und Stallknechte. Daher wird er in vielen Kirchen auf dem<br />

Lande abgebildet.<br />

Dargestellt ist er als Papst. Sein Fest wird am 16. Januar begangen.<br />

hl. Agatha<br />

Die Statue der heiligen Agatha steht oben auf dem Seitenaltar der Frauenseite (links) ganz<br />

links aussen.<br />

Die heilige Agatha lebte im 3. Jahrhundert in Catania in Sizilien und war eine Jungfrau von<br />

edlem Geschlecht. Sie diente Gott in grosser Heiligkeit. Ein Christenverfolger Namens<br />

Quintianus wollte die hübsche Agatha für sich gewinnen. Sie aber blieb ihrem Glauben<br />

treu. So liess er sie auf brutale Weise foltern, in der Hoffnung, dass sie ihm doch noch<br />

hörig werde. Als alles nichts nützte, liess er ihre Brüste abschneiden und ihren Körper<br />

legte er auf glühende Kohlen. So starb sie im Jahre 253. Für die Christenheit aber wurde<br />

sie eine sehr stark verehrte Märtyrerin. Ein Jahr nach ihrem Tod brach in der Nähe der<br />

Stadt Catania der Vulkan Ätna aus. Glühende Lava floss auf die Stadt zu. Die Leute<br />

hielten in ihrer Verzweiflung den Schleier, der das Grab der heiligen Agatha bedeckte,<br />

dem Lavastrom entgegen. Und siehe da, das Feuer konnte aufgehalten werden. Auch bei<br />

späteren Ausbrüchen des Vulkans half der Schleier. So auch beim bisher grössten im<br />

Jahre 1674.<br />

Vor allem im italienischen Raum wird die heilige Agatha verehrt. Sie gilt als Schutzpatronin<br />

der Feuerwehren und der Glockengiesser. Ihr Schutz wird bei Feuer, Erdbeben, Unwettern<br />

und gegen Krankheiten an der weiblichen Brust angerufen.<br />

Dargestellt wird sie als schöne Frau mit einem Tablett, auf dem ihre abgeschnittenen<br />

Brüste liegen und mit einem Palmwedel in der anderen Hand. Ihr Gedenktag wird am 5.<br />

Februar begangen. In <strong>Lauerz</strong> besucht an diesem Tag die ganze Feuerwehr die Heilige<br />

Messe.<br />

Hl. Erzengel Michael<br />

Die Statue des heiligen Erzengel Michael steht oben auf dem Seitenaltar der Frauenseite<br />

(links).<br />

Der Name Michael kommt aus dem Hebräischen und bedeutet „Wer ist wie Gott“. Der<br />

Legende nach soll er in Siponto, Süditalien, im Jahr 493 einen verirrten Stier vor einem<br />

Todespfeil geschützt haben, indem der Pfeil in wunderbarer Weise auf den Schützen<br />

12


zurückflog. Dies wurde Papst Gelasius I. gemeldet und nach angeordneter Fastenzeit<br />

erschien Michael nach 3 Tagen dem Papst. Dieser zog daraufhin mit dem Volk in einer<br />

Prozession auf den Berg zur Höhle, vor welcher der Stier gestanden war. In diese Höhle<br />

liess der Bischof dann eine Kirche mit Altar bauen und weihte sie zu Ehren des hl. Michael<br />

und aller Engel. Die letzte Erscheinung datiert aus dem Jahre 1658, als er Süditalien von<br />

einer furchtbaren Pestepidemie befreite.<br />

Der heilige Erzengel Michael wird vor allem in Süditalien und in Deutschland verehrt. Er<br />

erscheint als Seelenwäger. Er ist der Pestengel des Mittelalters, Bannerträger Christi,<br />

Patron der Apotheker und Kaufleute (wegen der Waage), ebenso der Bäcker, der Maler,<br />

der Schneider und der Glaser. Sein Schutz wird bei Pest, Blitz und Ungewitter angefleht.<br />

Dargestellt wird er als ritterlicher Jüngling mit Flammenschwert, Waage und einem offenen<br />

Buch. Sein Gedenktag wird am 29. September begangen.<br />

Hl. Katharina<br />

Die Statue der heiligen Katharina steht oben auf dem Seitenaltar der Frauenseite (links)<br />

ganz rechts aussen. Ebenso ist ein ovales Bild oben in der Mitte des Seitenaltares auf der<br />

Männerseite (rechts) zu sehen.<br />

Katharina war die Tochter des Königs Costus und lebte ums Jahr 300 in Alexandrien<br />

inmitten des Reichtums. Ihre Eltern aber verstarben sehr früh. Die Überlieferung sagt,<br />

dass sie sehr schön gewesen sei und eine hohe Schule besucht habe. Ein Einsiedler<br />

brachte ihr das Christentum näher, wobei sie Jesus Christus als den einzig wahren<br />

Bräutigam ansah. In dieser Zeit regierte Caesar Maximinus. Als dieser Christen zum<br />

Märtyrertod verurteilte, trat Katharina ihm entgegen und fragte ihn, weshalb nicht er zum<br />

Christentum übertrete, statt von den Christen Götzenopfer zu verlangen. In einer<br />

öffentlichen Diskussion, zu der der Kaiser seine besten 50 Philosophen und Gelehrten<br />

aufgeboten hatte, brachte Katharina so einleuchtende und gelehrte Argumente für das<br />

Christentum vor, dass sich alle fünfzig zum Christentum bekehrten. Weil sie nicht<br />

vermocht hatten, Katharina vom christlichen Glauben abzubringen, schickte der Kaiser sie<br />

alle auf den Scheiterhaufen. Von ihrer Schlagfertigkeit und Schönheit beeindruckt, bot der<br />

Kaiser Katharina mehrmals an, als „gewaltige und hochgezierte Königin“ an seiner Seite<br />

zu herrschen. Sie lehnte jedoch ab, wurde gegeißelt und ohne Nahrung zwölf Tage lang in<br />

einem finsteren Verlies eingekerkert. Die Kaiserin hatte Mitleid mit ihr und besuchte sie<br />

heimlich, wobei sie eine Erscheinung eines Engels miterlebte, der Katharina pflegte.<br />

Dieses Erlebnis liess die Kaiserin ebenfalls zur Christin werden. Darüber wiederum war<br />

Maximinus sehr erbost und liess Katharina rädern. Doch ein Engel kam und zerstörte die<br />

Räder. In seiner Wut liess er nun Katharina und die Kaiserin enthaupten. Der<br />

Überlieferung nach wurde der Leichnam Katharinas von Engeln aufgehoben und am Berg<br />

Sinai begraben.<br />

Die heilige Katharina gehört zu den „14 Nothelfern“. Sie gilt als Märtyrerin. Eines der<br />

schönsten Klöster, jenes auf dem Sinai, ist ihr gewidmet. Wegen ihrer guten Bildung und<br />

dem gebrochenen Rad ist sie Patronin der Wagner, Müller und Näherinnen, sowie von<br />

Schulen und Bibliotheken.<br />

Dargestellt wird sie als schöne Jungfrau mit gebrochenem Rad, mit Palme, Krone und<br />

Schwert oder mit Buch. Ihr Fest wird am 25. November begangen.<br />

13


hl. Jodokus<br />

Die Statue des heiligen Jodokus steht oben auf dem Seitenaltar der Männerseite (rechts)<br />

ganz links aussen.<br />

Jodok ist ein keltischer Name und bedeutet „der Kämpfer“. Er wurde um 600 nach Christus<br />

als Sohn einer Fürstenfamilie in der Bretagne in Frankreich geboren. Als sein Bruder sich<br />

im Jahre 640 in ein Kloster zurückzog, sollte er Herrscher über die Bretagne werden. Nach<br />

längerem Überlegen in der Einsamkeit und im Gebet lehnte er ab und stellte zum Zeichen<br />

des Verzichts die ihm angebotene Krone auf die Erde. Er begab sich auf eine Pilgerreise<br />

nach Rom und lebte als Einsiedler. Im Jahr 652 empfing er die Priesterweihe und gründete<br />

665 die Benediktinerabtei Saint-Josse-sur-Mer bei Boulogne in Nordfrankreich. Er verstarb<br />

im Alter von 69 Jahren.<br />

Der heilige Jodokus geniesst vor allem in Frankreich, Holland, Deutschland, Österreich<br />

und in der Schweiz hohes Ansehen. Er hat zahlreiche Patronate inne. So ist er<br />

Schutzheiliger der Pilger, Reisenden und Schiffer. Seine Hilfe wird angerufen bei Fieber<br />

und Pest, bei Feuersbrunst und Gewitter. Ebenso werden Obst, Früchte und Kellervorräte<br />

seinem Schutz empfohlen. Deshalb gilt er auch als Schutzpatron der Bäcker, Blinden und<br />

Kranken.<br />

Dargestellt ist er meistens als Pilger oder Einsiedler mit Wanderstab und Pilgerkleid.<br />

Manchmal liegt ihm eine Krone zu Füssen. Sein Gedenktag wird am 13. Dezember<br />

begangen.<br />

Hl. Wendelin<br />

Die Statue des heiligen Wendelin steht ganz oben auf dem Seitenaltar der Männerseite.<br />

Der Name Wendelin bedeutet im Althochdeutschen „Wanderer“ oder „Pilgerer“. Der<br />

Legende nach soll er ein irischer oder schottischer Königssohn sein, der ums Jahr 550<br />

geboren wurde. Trotz seiner adeligen Erziehung fühlte er sich immer stärker zur<br />

christlichen Lehre hingezogen. So verliess er als junger Mann den königlichen Hof, zog ein<br />

ärmliches Pilgerkleid an, wanderte durch England, pilgerte nach Rom und letztendlich<br />

nach Deutschland. In der waldigen Gegend von Trier baute er sich eine Zelle und lebte<br />

von Almosen. Für Essen und Trinken hütete er bei einem Edelmann die Schweine, das<br />

Vieh und die Schafe, welche alle unter seiner Obhut prächtig gediehen. Beim Viehhüten<br />

konnte er immer wieder im Gebet verweilen. Er war sehr mit der Natur verbunden und<br />

betrachtete all diese von Gott geschaffenen Schönheiten. Als er einmal kein Wasser für<br />

seine Herden fand, stiess er voll Gottvertrauen seinen Stab in den Boden und es tat sich<br />

eine Quelle auf, mit der er die Tiere tränken konnte. Diese Quelle trägt seitdem den<br />

Namen St. Wendelinsbrunnen. Er trat dann in die Einsiedelei des Klosters Tholey ein.<br />

Später baute er neben seiner Zelle eine Kapelle und setzte sein Büsserleben fort. Die<br />

Bauern kamen zu ihm, wenn sie mit dem Vieh in Nöten waren oder Viehseuchen drohten.<br />

Wendelin half ihnen jedes Mal, so dass er bald weit herum als Heiliger verehrt wurde. Als<br />

der Abt vom Kloster Tholey starb, wählten ihn seine Mitbrüder zu dessen Nachfolger. 20<br />

Jahre führte er das Kloster, bis er dann dort starb. Seine Kapelle wurde durch Stiftungen<br />

immer erweitert. Im 14. Jahrhundert erhielt dieser Ort in der Nähe von Saarbrücken offiziell<br />

mit Stadtrecht den Namen Sankt Wendel.<br />

14


Der heilige Wendelin wird vor allem auf dem Lande im Südwesten Deutschlands, in<br />

Frankreich, in der Schweiz und im Tirol verehrt. Er ist Patron der Landleute, von Flur und<br />

Vieh.<br />

Dargestellt wird er meistens als Hirte mit Hirtenstab und Tasche. Sein Gedenktag wird am<br />

20. Oktober begangen.<br />

hl. Nepomuk<br />

Die Statue des heiligen Nepomuk steht oben auf dem Seitenaltar der Männerseite (rechts)<br />

ganz rechts aussen.<br />

Johannes Nepomuk ist eine der beliebtesten Heiligengestalten der Kirche, vor allem im<br />

deutschen Raum. Er wurde um das Jahr 1345 in Pomuk geboren. Seine Ausbildung erhielt<br />

er in einem Zisterzienserkloster und später studierte er in Prag. Dort wurde er auch zum<br />

Priester geweiht. 1387 erwarb er den Doktorhut in Theologie und Rechtswissenschaft.<br />

Seine Sanftmut, seine Bescheidenheit sowie sein enormes Wissen wurden rasch bekannt.<br />

So ernannte ihn der Erzbischof zu seinem Sekretär und 1389 zum Domherr und<br />

Generalvikar von Prag. Vor allem in Rechtsfragen wurde er immer wieder um Rat gebeten.<br />

Am Anfang war ihm der damalige König Wenzel IV. wohlgesinnt und er war auch dessen<br />

Beichtvater. Doch allmählich trübte sich diese Freundschaft, da der König von Nepomuk<br />

verlangte, jeweils die Beichte seiner Frau ihm anzuvertrauen. Doch Nepomuk weigerte<br />

sich standhaft. Ebenso stand er immer wieder für die Rechte des einfachen Volkes ein,<br />

was ihm schliesslich auch zum Verhängnis wurde. So liess der König ihn im Jahre 1393 in<br />

einem Wutanfall mit Feuer foltern, Hände und Füsse zusammenfesseln, den Mund mit<br />

einem Holzpflock auseinanderspreizen und in Prag von der Karlsbrücke in der Moldau<br />

ertränken. Der Leib des im Wasser Treibenden soll dann von fünf Flammen umsäumt<br />

gewesen sein, weswegen Johannes von Nepomuk oft mit fünf Sternen um seinen Kopf<br />

abgebildet wird. Noch heute zeigt eine rote Marmorplatte auf der Brücke, wo die Tat<br />

geschah.<br />

So wird er liebevoll der „Brückenheilige“ genannt. Er ist der Patron der Beichtväter,<br />

Priester, Flösser, Schiffer, Müller, der Brücken und er schützt vor Wassergefahren. Er gilt<br />

als Zeuge für die Unverletzlichkeit des Beichtgeheimnisses.<br />

Dargestellt wird er als Priester mit einem Béret auf dem Kopf, mit einer Palme in der Hand<br />

und dem Zeigefinger auf dem Mund. Sein Gedenktag wird am 16. Mai begangen.<br />

15


Chronik der Pfarrkirche <strong>Lauerz</strong><br />

1303 Erstmalige schriftliche Nennung der Pfarrei <strong>Lauerz</strong><br />

1462 Streit zwischen Arth und Schwyz um die Pfarreizugehörigkeit von <strong>Lauerz</strong><br />

1480 <strong>Lauerz</strong> ist nun eine Filiale der Pfarrei Schwyz. Die Kapelle steht unter<br />

dem Patronat des Heiligen Theodul.<br />

1500 ca. Anfertigung des Gnadenbildes<br />

1506 Kapellenbrand, die Statue der Schmerzensmutter bleibt unversehrt<br />

1508/09 Neubau der Kapelle an der gleichen Stelle<br />

1520 Erstmals eigener Kaplan<br />

1581 Recht auf einen eigenen Taufstein sowie einen eigenen Friedhof<br />

1600 ca. Entstehung der selbstständigen Pfarrei <strong>Lauerz</strong><br />

1675 – 1684 Bau der Kirche Sankt Nikolaus<br />

1764 Dorfbrand in <strong>Lauerz</strong>, die Kirche bleibt wie durch ein Wunder unversehrt<br />

1766 Die Statue der Schmerzensmutter wird neu „ausgezieret“.<br />

1774 Erste Renovation der Kirche<br />

1806 Fast komplette Zerstörung der Kirche am 2. September beim Goldauer<br />

Bergsturz, 23 Tote in <strong>Lauerz</strong>, Turm wegen Einsturzgefahr abgerissen<br />

1807 Kirchenneubau an gleicher Stelle nach Plänen von Bruder Jakob Nater<br />

1810 Einweihung der neuen Kirche mit neuem Patron Niklaus von Myra<br />

1820 Seitenaltäre (1749/50), Kanzel (1780) und Stühle als Geschenk aus der<br />

ehemaligen Pfarrkirche Gersau<br />

1825 Konsekration der neuen Kirche durch den Bischof Carl Rudolf am 15. Mai<br />

1847 Erneuerung der Turmkugel<br />

1853 Einbau der 1. Orgel<br />

1887 Turmeindeckung mit Kupferblech<br />

1915 Elektrifizierung der Kirchenbeleuchtung (Petrolmangel wegen Weltkrieg)<br />

1917 Umfassende Innenrenovation unter Pater Kuhn aus Einsiedeln<br />

1925 Erneuerung des Turmverputzes<br />

1928 Erweiterung und Erneuerung der Orgel durch Gattringer<br />

1950 Friedhoferweiterung, Einbau elektr. Kirchenheizung<br />

1951 Einweihung einer neuen Glocke<br />

1967 Massive Beschädigung des Turmdaches bei starkem Föhnsturm<br />

1982/83 Umfassende Innen- und Aussenrenovation<br />

1984 Weihe der 4. Glocke.<br />

1998 Risssanierung im Innern nach starkem Föhnsturm, gleichzeitig<br />

Reinigung der Gewölbe und Stuckaturen<br />

1999 Behebung Feuchtigkeitsschäden an der Kirchmauer durch<br />

Wachsinjektion in die Grundmauer rund um die Kirche als Abdichtung,<br />

Ausbesserung der Turmfassade<br />

2007 Wiederholte Ausbesserungsarbeiten im Innern, Sanierung Risse,<br />

Auffrischung der Bilder sowie Reinigung der Gewölbe und Stuckaturen<br />

16


Kirchturm<br />

Abmessungen des Turmes<br />

Höhe<br />

Aussenmasse<br />

Treppentritte<br />

Zifferblätter<br />

ca. 30 m<br />

5,6 x 5,6 m am Fusse<br />

87 Stufen über 4 Zwischenböden bis zum Glockenstuhl<br />

Ø 2,4 m<br />

Geschichte (Kursivschrift entspricht den Originaldokumenten)<br />

Der Turm, als einziger beim Bergsturz noch stehen gebliebener Zeuge dieses Unglücks,<br />

wurde beim Neubau der Kirche von 1807 – 1810 ganz abgebrochen und neu aufgebaut.<br />

Dabei wurde in die Turmkugel die Geschichte der Zerstörung und des Wiederaufbaus der<br />

Kirche in Papierform wasserdicht eingelötet. Die Aufzeichnungen stammen von Joseph<br />

Ant. Linggi, Bischöflicher Commisar, im 9ten Jahre Pfarrer allhier. Vorher 20 Jahre Pfarrer<br />

bey der Wahlfarts Kirche zu Schattdorf, Kanton Uri. Resignat, 60 Jahre alt<br />

Kund und Wissen sey anmit unsrer fromen Nachkommenschaft, die einst nach uns die<br />

Wohltat dies unter Schmerzen u. Thränen erbauten Gottestempels geniessen werden,<br />

dass im Jahre 1806 den 2ten Herbstmonat die vorige Pfarrkirche das Beinhaus den<br />

Pfarrhof das Helferhause, sambt dem ganzen Unterbuosigen, mehrerer der hiesigen Pfarr<br />

angehörigen Haushaltungen (der Seel Zahl auf 115 sich beläuft, u. denen der gütige Gott<br />

gnädig und barmherzig sein wolle) durch den gegenüberstehenden einstürzenden<br />

Gnippen oder Spitzebüel Berg abends ein Viertel über 5 Uhr in zweyen Minuten Zeit mit<br />

allen Habschaften in’s Grab der allgemeinen Verwüestung hingestürzt worden. (…….)<br />

1847 Neue Inschriften in die Turmkugeln<br />

In nomine sanctissimi Trinitatis Patris et fili + Spiritus sancti + Amen<br />

Veranlasst bei Erneuerung dieser Kirchthurmkugel möchte ich Unterzeichneter<br />

auch einige Bruchstücke von den zeitlichen Erlebnissen seit 1810 bis heut hinauf,<br />

besonders dem unglücklichen Bergfall von dem hochw. Comissar Lingi Pfarrer allda<br />

bezeichnet. Auch da empfindet bis gegenwärtig 1847 der Nachwelt zum Andenken den<br />

hier befindlichen Schriften beisetzend. Grosse politische Ereignisse auf dem hier<br />

weltbekannten Napoleons Kriegsschauplatz, der hier also nicht zu bemerken ist. Wohl<br />

aber berühren und diese weitläufig. Zu schwer gestaltet sich der Mangel an Geld. Das<br />

schwere Strafgericht Gottes über die Völker von Europa, eine sich überall hin<br />

ausbreitenden und ernste Theuerung im Jahre 1817 wo das Brod à 5 und Gries à 70<br />

Schilling stand etc wo der Hungertod in der <strong>Gemeinde</strong> bang erfolgt etc. Im Jahre 1818<br />

erfolgte eine bedenkliche Krankheit, wo gegen hunderten die meisten Kinder<br />

hinweggerafft wurden.<br />

Seit diesen Jahren sind zu verschiedenen Zeitabschnitten bedenkliche Strafen Gottes<br />

über unser Vaterland eingetreten. Klauenkrankheiten während Scharen unter dem<br />

Vieh. Im letzt abgelaufenen Jahr 1846 ist in den letzten Tagen des August eine<br />

ungeheure Wasserflut in unsere Gegend hereingebrochen, wo der Wasserstand so<br />

hoch war, dass die Streue von hier bis auf Seewen winterlang tief unter Wasser stand.<br />

Erdschlipfe besonders in der <strong>Gemeinde</strong> Schwyz und Steinen in Menge haben<br />

greulichst Verwüstung gemacht indessen in unserer <strong>Gemeinde</strong> Lowerz blieb zur<br />

allgemeinen Verwunderung ziemlich verschont. Gleich auf diese Wasserflut zeigten<br />

17


sich im Schwyzerland, sowie weit in die Lande hinaus eine bedenkliche<br />

Erdäpfelkrankheit. Der unendliche Segen des Himmels lag tief zurück, und das Vieh<br />

und die Völker in Europa fingen an Mangel zu fühlen, es stiegen die Nahrungspreise zu<br />

bedenklicher Höhe das Brod à 5 zu 37 Sch. 2 P. die Erdäpfel das Körbli 2 bis 3<br />

Louisdores. Die Nahrungsnoth war gross, wenn nicht die Polenten von Italien in Menge<br />

hätten bezogen werden können, so wären bei dieser gänzlichen verdienstlosen Zeit,<br />

viele der ärmeren Kristen Menschen mit dem schändlichen Hungertod abgegangen.<br />

Aber alle diese augenscheinlichen Strafen Gottes über die Völker Europas waren ohne<br />

Erfolg auf die Sittenbesserung. Es hatten sich seit der Revolution in Frankreich von<br />

1830 eine Masse Menschen zusammengethan die in ihrem Unglauben gegen Staat<br />

und Kirche sich An- und Eingriffe, und Frechheiten erlaubten, die gegenwärtig den<br />

Ausbruch eines furchtbaren Hungers bringt, zur Folge hat. Während ich dieses<br />

schreibe, steht man in banger Sorge, dass die feindseligen Angriffe der<br />

bundestreulosen Kantone gegen die 7 bundestreuen Kantone ausbrechen werden. Ich<br />

bin wegen der Abforderung dieser Nacht gezwungen abzubrechen. Ich habe aber auch<br />

beizusetzen, dass die Angelegenheiten zum Frommen des Volkes dieser <strong>Gemeinde</strong><br />

gegenwärtig von den anstehenden Herren geleitet werden.<br />

Als Präsidenten Joseph Anna<br />

Franz Weber regierender Kirchenvogt<br />

Hr. Ratsherren<br />

Franz Dettling, Balz Anna von den Guntern, Balz Anna im Ottenfang, Balz Bürgi,<br />

Johann Leonhard Wiget und als vorzüglicher Wohltäter der Kirche der frühe<br />

Kirchenvogt Meinrad Dettling etc etc etc<br />

Ich habe in aller Eile das Wenig hinschreiben können weil die Anzeige zu dieser Schrift<br />

mir zu spät gemacht wurde. Ich habe was ich so gern getan hätte, viel Notwendigkeiten<br />

übergehen müssen. Ich werde zu einer gegebenen Zeit obiges nachholen und zu<br />

inständlichster und segensvollster und untertänigsten Verehrung ermahnen. Wer<br />

immer dereinst dieses finden wird, bitte ich um gütige Nachsicht und empfehle mich<br />

der frommen Nachwelt zum segensvollen Andenken.<br />

Lowerz den 1 ten September 1847<br />

Joseph Leonhard Loser<br />

Pfarrer allda<br />

1887 Wurde das Dach vom 8. Aug. bis 12. Sept. mit neuem, festem Kupferblech durch<br />

Spenglermeister Albert Küttel von Gersau zu einem Preis von 1'500.00 Fr. gedeckt.<br />

Dabei wurde eine weitere Schrift mit Zeitzeugnissen in die Turmkugel gelegt.<br />

Unter anderem wird erwähnt dass:<br />

Im gleichen Jahre sind schwere Heimsuchungen durch Naturereignisse verschiedener<br />

Art über manche Gegenden unseres Vaterlandes gekommen. Das grösste Unglück<br />

betraf die Stadt Zug, wo am 5. Juli in Folge dessen, dass der Seeschlam in’s Rutschen<br />

kam, 27 Häuser und etwa 13 andere Gebäude mitsamt den schönen Quaianlagen in<br />

den See versanken, 644 Personen obdachlos wurden, jedoch bloss 12 Personen zum<br />

grossen Glück mitten im Unglück den Tod fanden.<br />

Hiesiges Land hat der liebe Gott vor ähnlichem Unglück gnädigst bewahrt u. es konnte<br />

dieses Jahr ein gesegnetes genannt werden.<br />

Lowerz, den 12. Sept. 1887<br />

A. Kündig von Steinen<br />

derzeit im 3ten Jahre Pfarrer allhier<br />

Vorher 1 Jahr Kaplan in Sattel.<br />

18


1925 Anlässlich der Kirchenrenovation im Jahre 1925 möchte ich den in der alten<br />

Kirchturmkugel vorgefundenen drei Schriften noch einige Mitteilungen beifügen.<br />

Der Kirchturm war schon seit vielen Jahren stark verwittert und sehr schadhaft,<br />

besonders gegen die Wetterseite (Südwest) fing das Mauerwerk an abzubröckeln.<br />

Deshalb wurde auf Beschluss der Kirchgemeinde vom Januar 1925 der Turm gründlich<br />

renoviert, indem man den alten Verputz vollständig entfernte & nachher den Kirchturm<br />

mit der Feuerspritze, bedient von etwa 20 Mann, gründlich abspritzte. Bei der Kirche<br />

aber blieb der alte Besenwurf, der grösstenteils noch sehr gut erhalten war &<br />

wahrscheinlich noch der erste, ursprüngliche Verputz ist. Nur einzelne schadhafte<br />

Stellen & Risse wurden ausgebessert & dann neu gestrichen. Die vorstehenden<br />

Lessinen an der Kirche & am Turm sind neu erstellt worden, vorher waren sie glatt.<br />

Diese Verputzarbeiten mit der Erstellung des Gerüstes wurden Herrn Baumeister<br />

Heinrich Saredi in Küssnacht übertragen, der sie gut & solid & auch sehr preiswürdig<br />

ausführte.<br />

Sämtliche Spenglerarbeiten (Kennel, Ablaufrohre) an Kirche & Turm wurden neu<br />

erstellt und ausgeführt:<br />

a) Kirchturm, obere Hauptportalseite der Kirche von Hr. Albert Blum-Casagrande,<br />

Spenglermeister in Schwyz.<br />

b) Übrige Seiten der Kirche von Hr. Franz Dettling Sohn, Goldau.<br />

Die neu gefertigte Kirchturmkugel ist feuervergoldet 1) , die 4 kleinen ebenfalls neuen<br />

Kugeln auf den Windbergen sind blattvergoldet.<br />

Die Kirchturmuhr, die bisher nur Stundenzeiger hatte, erhält nun Minutenzeiger,<br />

ausgeführt von J.G. Baer, Turmuhrenfabrik in Sumiswald (Bern). Diese Umänderung<br />

kostet Fr. 1000.-<br />

Sämtliche Kosten der äusseren Renovation der Kirche und des Turmes werden sich<br />

ungefähr auf 9000.- Fr. belaufen & werden nach Mass berechnet.<br />

Kommission für die äussere Kirchenrenovation:<br />

1. Zimmermeister Martin Annen z. Rössli, Baupräsident<br />

2. Alois Schilter, Feld, jetziger <strong>Gemeinde</strong>präsident<br />

3. Ferdinand Dettling z. Säge<br />

4. Meinrad Dettling, Kantonsrat Sällenstücki, der sich bei dieser Renovation & vorher<br />

während 8 Jahren als <strong>Gemeinde</strong>präsident sehr verdient gemacht hat.<br />

5. Josef Heinzer, Pfarrer<br />

Amtierender Kirchenvogt ist Hr. Franz Josef Dettling, ob Huwelen.<br />

(….) Bemerkungen über die innere Kirchenrenovation im Jahre 1917…… sämtliche<br />

Kosten der inneren Renovation beliefen sich auf zirka Fr. 30 000.- Einige der<br />

grösseren Posten betrugen: Marmor schleifen, vergolden & Bereicherung des<br />

Hochaltars Fr. 2280.- der 2 Seitenaltäre Fr. 1980.- der Kanzel Fr. 900.- Fenster Fr.<br />

5000.- ….. Gemälde… Fr. 4600.- Ausmalung und Vergoldung Fr. 3500.- Gerüst Fr.<br />

1500.- Ausbessern Stuckaturen Fr. 1200.- Fussboden Fr. 500.- Orgelreparatur Fr.<br />

500.- Installation des elektrischen Lichtes Fr. 450.- erfolgte aber schon im Juli 1915,<br />

da infolge des Weltkrieges kein Petroleum mehr zu haben war, wurde das elektri.<br />

Licht allgemein in <strong>Lauerz</strong> eingeführt. (…..)<br />

<strong>Lauerz</strong>, den 24. Juni 1925<br />

Jos. Heinzer, Pfarrer & Sextar<br />

1)<br />

Neue Kugel mit einem Durchmesser von 40 cm und einer Höhe von 45 cm,<br />

feuervergoldet, da die alte Kugel zu schwach geworden war. (Anmerk. Red.)<br />

19


Uhrwerke<br />

1897 Mech. Uhrwerk mit Halb- und Stundenschlag mit Repetition der Firma Ungerer aus<br />

Strassburg<br />

Repariertes Uhrwerk Ungerer Frères,<br />

heute in Privatbesitz<br />

1925 Kirchturmuhr erhält neu auch einen Minutenzeiger (Umbau durch J.G. Baer,<br />

Turmuhrenfabrik Sumiswald, Bern, für Fr. 1000.00)<br />

1951 Elektromechanische Turmuhr (Nr. 4) der Firma Mäder, Andelfingen (altes Werk von<br />

Ungerer gerät defekt und stillgelegt in Vergessenheit)<br />

Mechanische Turmuhr von Mäder, Andelfingen<br />

Diese wurde mit elektrischen Komponenten ausgerüstet und diente<br />

als Versuchsuhr der Firma Jakob Muri, Sursee.<br />

Heute im Keller der Firma eingelagert, um im künftigen Museum<br />

weiter zu ticken.<br />

1959 Elektrische Glockenantriebe und Steuerung durch Firma Muff, Triengen<br />

Elektromechanischer Apparat fest mit<br />

Glockenantrieb gekuppelt zur Steuerung<br />

der Glockenschwingungen<br />

1967 Anlässlich der Reparatur eines Föhnschadens an der Turmhaube werden auch die<br />

unansehnlich gewordenen Zifferblätter durch die Turmuhrfabrik Mäder in<br />

Andelfingen unter Verwendung der alten Ziffern und Zeiger, die neu blattvergoldet<br />

wurden, für Fr. 7730.00 ersetzt.<br />

1971 Motorantrieb für Turmuhr, elektrische Schlagsteuerung<br />

1983 Zifferblätter (Ø 2,4 m) und Zeiger erneuert, Hauptuhr mit Läutautomatik (TUS 200<br />

und Digi 9), neu in der Sakristei, Revision der Glockenantriebe, Rückverkauf der<br />

Pendeluhr von 1951 für Fr. 500.00 an Fa. Muri Jakob in Sursee<br />

1998 Neue Hauptuhr und Läutautomatik (Fa. Muri)<br />

2008 Ersatz der Glockenantriebssteuerung von 1959 durch Elektronik der Firma Muff<br />

20


Glocken<br />

Vorgängerinnen<br />

Glocke 4<br />

Kleinste von 4 Glocken, 1951 an Zahlung für neue Glocke gegeben<br />

Giesserei Jos. Ant. Brandenberg, Zug<br />

Ton a”<br />

Inschriften “Jesus / Maria / Joseph / Joachim / Anna. Anno 1791. J.A.B.B<br />

(= Jos. Ant. Brandenberg) in Zug. J.B.U (= Ulrich) Kirchenvogt.”<br />

Bilder<br />

Hl. Familie mit Gottvater und Hl. Geist & Antonius von Padua<br />

Durchmesser Ø 450 mm<br />

Glocke 2<br />

Zweitkleinste von 4 Glocken, 1951 an Zahlung für neue Glocke<br />

gegeben<br />

Giesserei unbekannt, aber Jahrzahl 1520<br />

Ton f”<br />

Inschriften „Ave Maria gracia plena Dominus tecum, anno Domini<br />

MCCCCCCLXVIIII”<br />

Durchmesser Ø 600 mm<br />

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------<br />

Heutiges Geläut<br />

Glocke 1<br />

Giesserei<br />

Eingeweiht<br />

Ton<br />

Gewicht<br />

Durchmesser<br />

Kosten<br />

an Holzjoch<br />

H. Rüetschi AG, Aarau<br />

9. Dez. 1984, 15.00 Uhr<br />

dis’ (ursprünglich d’)<br />

1220 kg<br />

Ø 1290 mm<br />

ca. Fr. 46'000 ohne Montage<br />

Inschriften:<br />

Um den ob. Rand<br />

Auf dem Mantel<br />

Vorderseite<br />

„O REX GLORIAE, CHRISTE, VENI CUM PACE TUA“<br />

(König der Herrlichkeit, Christus komme mit deinem Frieden)<br />

„SANCTE NICOLAE DE FLUE PATER PATRIAE O.P.N“<br />

(Hl. Nikolaus von Flüe, Vater des Vaterlandes, bitte für uns)<br />

Auf dem Mantel<br />

Rückseite<br />

Auf dem Bord<br />

Rückseite<br />

„SANCTA M. MAGDALENA NUNTIATRIX RESURRECTIONIS O.P.N“<br />

(Heilige Maria Magdalena, Verkünderin der Auferstehung, bitte für uns)<br />

(in kleinen Lettern)<br />

„GLOCKENGIESSEREI H. RÜETSCHI AG AARAU“<br />

21


Glocke 2<br />

an Holzjoch<br />

Giesserei Ludwig Keiser, Zug<br />

Umgegossen 1797 Gebr. Jakob Philipp und Joseph Anton<br />

Brandenberg, Zug<br />

Eingeweiht 14. April 1797<br />

Ton<br />

fis’ (ursprünglich f’)<br />

Gewicht 1484 Pfund (742 kg)<br />

Durchmesser Ø 1100 mm<br />

Inschriften: „Laus Deo honorque in sanctis ejus. Anno 1797.<br />

Aus dem feur kom ich / Jacob Philipp und Joseph Brandenberg /<br />

Gebrüder haben mich in Zug gegossen.“<br />

Bilder<br />

Kruzifixus mit Maria und Johannes, Theodul und Nikolaus, Katharina;<br />

als Giesserzeichen Wappen mit Glocke und Kanone<br />

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------<br />

Glocke 3<br />

an Holzjoch<br />

Giesserei Gebr. Jakob Philipp und Joseph Anton Brandenberg, Zug<br />

Gussjahr 1804<br />

Ton<br />

ais’ (ursprünglich a’)<br />

Gewicht 540 kg<br />

Durchmesser Ø 960 mm<br />

Inschriften: „Et verbum caro factum est et habitavit in nobis. Anno 1804<br />

Aus dem Feur kom ich, Jakob Philipp und Jos. Anton Brandenberg in<br />

Zug gossen mich.“<br />

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------<br />

Glocke 4<br />

Giesserei<br />

Eingeweiht<br />

Ton<br />

Gewicht<br />

Durchmesser<br />

Inschrift 2)<br />

an Eisenjoch<br />

H. Rüetschi AG, Aarau<br />

1. Juli 1951, 13.30 Uhr<br />

cis”<br />

302 kg<br />

Ø 800 mm<br />

„Regina, in coelum assumpta, ora pro nobis“<br />

(Du Königin, in den Himmel aufgenommen, bitte für uns!)<br />

2)<br />

Nur Gravur, da Glocke für Versuchszwecke schon gegossen war und daher als<br />

Occasionsglocke geliefert wurde.<br />

22


Läutordnung<br />

Viertelstundenschlag auf Glocke 4, dann Glocke 3 (bim – bam)<br />

Stundenschlag (einfach) auf Glocke 2<br />

Beten läuten Sommerzeit 06.00 Uhr Glocke 3<br />

20.00 Uhr Glocke 3<br />

Beten läuten Winterzeit 06.00 Uhr Glocke 3<br />

19.00 Uhr Glocke 3<br />

Angelus 11.00 Uhr Glocke 2<br />

Vesper / Leiden Christi 15.00 Uhr Glocke 4: 3 Min., dann Glocke 3: 1 Min.<br />

Täglich ausser Samstag<br />

Sonntag einläuten 15.00 Uhr Glocke 4 – 1<br />

Samstags und Vortag Feiertag<br />

Totenglocke 12.00 Uhr Glocke 1<br />

Sonntagsmesse 10.00 Uhr Glocke 1 (Wisi läuten)<br />

10.20 Uhr Glocke 4 – 1 (Einläuten)<br />

Feiertagsmesse 09.00 Uhr Glocke 1 (Wisi läuten)<br />

09.20 Uhr Glocke 4 – 1 (Einläuten)<br />

Werktagsmesse 08.30 Uhr Glocke 1 (Wisi läuten)<br />

08.50 Uhr Glocke 4 + 3 (Einläuten)<br />

Nationalfeiertag 20.00 Uhr Glocken 4 – 1<br />

Silvester 23.45 Uhr Glocken 4 – 1 (Altes Jahr ausläuten)<br />

Neujahr 00.00 Uhr Glocken 4 – 1 (Neues Jahr einläuten)<br />

Läuten während der Messe<br />

Evangelium Glocke 4<br />

Wandlung Glocke 1<br />

Karwoche<br />

Nach dem Gloria am Hohen Donnerstag bis zum Gloria in der Osternacht schweigen die<br />

Glocken.<br />

23


Glocke Nr. 4<br />

Als einzige schwingt sie an einem Eisenjoch im eichenen Glockenstuhl. Links des Joches sieht man das<br />

Antriebsrad, über das die Glocke hin und her bewegt wird. Gut sichtbar sind die Anstossstellen des Klöppels.<br />

Um den Glockenrand möglichst zu schonen, wurde sie im Laufe der Jahre schon mehrmals etwas gedreht.<br />

Rechts der Glocke erkennt man den Hammer, der über einen Kettenzug von einem Motor ein Stockwerk<br />

tiefer betätigt wird und auf den Rand der ruhenden Glocke schlägt. Da sie die kleinste der vier Glocken ist,<br />

erklingt sie mit dem höchsten Ton und ist demzufolge beim Viertelstundenschlag für das „bim“ zuständig.<br />

24


Orgel<br />

Geschichte<br />

Am 08.06.1928 wurde mit Vertrag bestimmt, dass die alte Orgel in der Kirche <strong>Lauerz</strong> von<br />

der Firma Franz Gattringer, Rorschach gekauft werde und diese Firma dann eine neue<br />

Orgel einbauen soll. Teile des alten Orgelgehäuseunterbaus und der Mittelteil wurden<br />

übernommen. Die Orgel besass 19 Register verteilt auf 2 Manualen und einem Pedal.<br />

Diese Orgel wurde in einer Zeit erbaut, als die Orgelbauer auf die pneumatische Traktur<br />

wechselten. (P-Traktur: Bei Tastendruck öffnet sich ein kleines Ventil, das Luft durch<br />

dünne Bleiröhrchen bis in die Windladen gelangen lässt. Dort wird durch den Luftdruck im<br />

Bleiröhrchen das entsprechende Tonventil geöffnet. Die pneumatische Spieltraktur<br />

ermöglicht auch bei grossen Orgeln eine leichtgängige Spielweise. Allerdings erfolgt durch<br />

die oft langen Wege, die die Luft in den Bleiröhrchen zurücklegen muss, die Tonansprache<br />

verzögert.) Diese Erfindung revolutionierte die Orgelbautechnik in höchstem Masse, war<br />

aber sehr anfällig auf Störungen und die Spielweise der Organisten konnte mit den<br />

luftgesteuerten Tasten nicht präzise sein.<br />

Das Gehäuse dieser Orgel war sehr unpraktisch und vor allem sehr unschön auf der<br />

Empore platziert. Die platzverschwenderisch aufgestellten Pfeifen aus Zink und die<br />

billigeren, aber nicht so klangvollen aus Kupfer waren in einem insgesamt plumpen Kasten<br />

platziert. Dadurch wurden die hinteren Fenster halb überdeckt. Der Aufgang als Sänger<br />

zur Empore gestaltete sich akrobatisch über Treppe, unter vorstehendem Gehäuseteil<br />

durch und über den Luftleitungskanal des freistehenden Spieltisches endlich zur Nische<br />

für den Kirchenchor. Im Gutachten von Orgelexperte Otto Tschümperlin anlässlich der<br />

Kirchenrenovation in den Jahren 1982/83 heisst es wörtlich: Die Orgel ist bastlerhaft<br />

aufgestellt und man findet weder zum Stimmen noch zum Reparieren Zugang! Insgesamt<br />

wurde der Orgel kein weiteres Überleben mit normalem Kostenaufwand attestiert. So<br />

entschloss sich die <strong>Gemeinde</strong>, die Orgel für Fr. 8000.00 zu veräussern und durch eine<br />

neue zu ersetzen.<br />

Ab jetzt begann eine Irrfahrt der Orgel; Sie wurde demontiert und an Dr. Weiss-<br />

Stauffacher in das Musikautomaten Museum Seewen SO verkauft. Leider kam das dort<br />

geplante Ausstellungspalais nicht zustande und so verkaufte Dr. Weiss die Orgel an den<br />

Raritäten- und Kunstliebhaber Eberhard Layher in Güglingen-Eibensbach / BRD für einen<br />

Freundschaftspreis in einer fünfstelligen Schweizer Franken-Summe. Dieser wiederum<br />

vermachte die Orgel dann dem Auto & Technik MUSEUM SINSHEIM. Der<br />

Orgelbaumeister Gotthard Arnold in Bad Schönborn, 20 km von Sinsheim entfernt, wurde<br />

beauftragt, die Orgel wieder instand zu stellen. Offensichtlich aber nicht nur in ihren<br />

Originalzustand, sondern sie als grösste, selbstspielende Konzertorgel der Welt<br />

auszubauen. Sie ist inzwischen 8 m hoch, 6 m breit und 7 m tief. Die grösste Pfeife misst<br />

8,5 m und erzeugt mit ihrem Gewicht von 435 kg einen nicht mehr hörbaren Ton mit einer<br />

Frequenz von nur 16 Hz.<br />

Die Orgel wird nach Fertigstellung 4500 Pfeifen haben und durch die Aeolian-Grand-<br />

Automatik aus dem Herstellungsjahr 1928 gespielt werden, so als hätte der Organist 60<br />

Finger. Dieser Automatik der Firma Aeolian Company aus New York ist es zweifelsfrei zu<br />

verdanken, dass die Orgel nicht einfach verschrottet wurde. Nach heutigem Wissensstand<br />

existieren in Europa nur noch zwei dieser Automaten, die mit Papierrollen nach dem<br />

Lochkartensystem arbeiten.<br />

25


Neue Orgel<br />

Erbaut von Metzler in Dietikon 1984<br />

Register Anzahl Pfeifen Total<br />

PEDAL 72<br />

Subbass 16' 18<br />

Oktavbass 8' 18<br />

Oktave 4' 18<br />

Fagott 16' 18<br />

HAUPTWERK 589<br />

Prinzipal 8' 49<br />

Hohlflöte 8' 54<br />

Salicional 8' 54<br />

Oktav 4' 54<br />

Spitzflöte 4' 54<br />

Superoktave 2' 54<br />

Mixtur 1 1/3 216<br />

Trompete 8' 54<br />

BRUSTWERK 378<br />

Gedackt 8' 54<br />

Rohrflöte 4' 54<br />

Doublette 2' 54<br />

Nasard 2 2/3 54<br />

Terz 1 3/5 54<br />

Larigot 1 1/3 54<br />

Vox humana 8' 54<br />

Total Pfeifen 1039<br />

Kopplungen<br />

I-II/<br />

I-P/ II-P<br />

Tremulant<br />

26


1984 <strong>Lauerz</strong> Metzler II/P/19<br />

27


Spieltisch der Orgel<br />

28


Deckenbild vom 5. Schmerz Mariens (Josef Heimgartner, 1917)<br />

29


Texte und Bilder<br />

Patrick Bürgi, Stefan Kälin, Marzell Camenzind<br />

Quellen<br />

Kirchenarchiv, Privatsammlung, http://rm.gloria.tv/?media=142152 + 142153<br />

<strong>Lauerz</strong>, Dezember 2008<br />

2. Auflage im September 2011<br />

Mit bestem Dank an Nathalie Feusi für die Durchsicht und Korrektur der 2. Auflage<br />

31

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