Themenheft als PDF zum Download - Landentwicklung - Steiermark

landentwicklung.steiermark.at

Themenheft als PDF zum Download - Landentwicklung - Steiermark

genießbar

3/2012

ökologisch : perspektivisch : transparent

+ Nachlese

Österreichischer

AGENDA-Gipfel

2012


Impressum

Herausgeber:

Land Steiermark

8010 Graz, Landhausgasse

www.steiermark.at

Lebensressort

www.lebensressort.steiermark.at

Redaktion:

Johanna Reinbrecht (Projektl eitung)

Landentwicklung Steiermark

8010 Graz, Hans-Sachs-Gasse 5/3. Stock

johanna.r einbrecht@landentwicklung.com

Tel.: 0316 / 82 48 46 – 12

Johann Fink

Amt der Steiermärkischen Landesregierung

Büro Landesrat Johann Seitinger

8010 Graz, Herrengasse 16

johann.fink@stmk.gv.at

Tel.: 0316 / 877-2350

Dipl.-Ing iṇ Anita Mogg

Amt der Steiermärkischen Landesregierung

A10 – Land- und Forstwirtschaft

8052 Graz, Krottendorfer Straße 94

anita.mogg@stmk.gv.at

Tel: 0316 / 877-6932

Dipl.-Ing iṇ Gudrun Walter

Amt der Steiermärkischen Landesregierung

A14 – Wasserwirtschaft, Ressourcen und Nachhaltigkeit

8010 Graz, Bürgergasse 5a

gudrun.walter@stmk.gv.at

Tel: 0316 / 877-4267

Gestaltung:

www.kerstein.at

Fotos:

Landentwicklung Steiermark

Harry Schiffer

Sissi Furgler

BIG SHOT – Christian Jungwirth

Bergmann Kreiner

Sandra Höbel

Fachabteilung 14 – Wasserwirtschaft,

Ressourcen und Nachhaltigkeit

Büro Landesrat Seitinger

Foto Melbinger

Thema : Steiermark stellt in dieser

Ausgabe Fragen wie:

Wo und wie bestimmt der/die EndverbraucherIn

noch selbst?

Welche Wege legen Produkte bis zum

Konsumenten zurück?

Wie lange werden die Ressourcen weltweit

noch reichen und wie können wir

diese Ressourcennachfrage noch nachhaltiger

gestalten?

Nachgefragt:

Verantwortungsvolles

Konsumverhalten beginnt bei …

Ressourceneffizienz ist ein

wichtiges Anliegen, weil …

3 Sätze zu Regionalität

und Nahversorgung …

Unsere wertvollsten

Ressourcen sind …

Die Ressourcenwirtschaft

in der Steiermark

Ich verzichte gerne auf ………,

weil …

Druck:

Medienfabrik Graz

8020 Graz, Dreihackengasse 20

Tel. 03 16/80 95-0

www.mfg.at


Johann Seitinger Hermann Schützenhöfer Mag. Franz Voves

Landesrat für Land- und Forstwirtschaft,

Wasserwirtschaft und Abfallwirtschaft,

Wohnbau und Nachhaltigkeit

Landeshauptmann-Stv. der Steiermark

Landeshauptmann der Steiermark

… der richtigen und bewussten Auswahl

von Produkten. Es macht eben einen Riesenunterschied,

ob das Fleisch aus der

Steiermark oder aus Südamerika kommt!

… der Umgang mit unseren Ressourcen

das wichtigste Thema für unsere Zukunft

ist. Wir leben, als hätten wir eine Ersatzwelt

im Kofferraum, wir haben aber nur diese

eine!

1. In einer bewegten Zeit wird die Frage

der Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln

und Erneuerbarer Energie von zunehmender

Bedeutung.

2. Regionalität und Nahversorgung kann

man nicht übers Internet bestellen.

3. Ein guter Satz aus der Werbung: Man

muss rechtzeitig drauf schauen, dass

man’s hat, wenn man’s braucht!

… Zweifellos auf der Nr.-1-Position steht

das Wasser. Dieses kostbare Gut ist für uns

nur allzu selbstverständlich. Erst wenn

man einmal weg ist von daheim, gehen

einem die Augen auf, welch kostbaren

Schatz wir in reinster Form und im Übermaß

zur Verfügung stehen haben!

… ist eine große Chance für die heimische

Wirtschaft bzw. den heimischen Arbeitsmarkt.

Die Steiermark ist heute schon Vorreiter

auf dem Gebiet der Ressourcenwirtschaft

– Politik, Verwaltung und Wirtschaft

greifen hier vorbildlich ineinander – und

diese Führungsrolle gilt es konsequent

auszubauen und zur Cashcow zu machen.

Ich verzichte gerne auf diverse Getränke,

weil heimische Fruchtsäfte erstens nachhaltiger

sind und zweitens einfach besser

schmecken!

…mir in der eigenen Familie.

… man so den Ressourcenverbrauch in

der Steiermark/Österreich senken und das

Bewusstsein dafür weiter verbessern kann.

Denn natürliche Ressourcen wie Wasser,

Luft und Boden bilden die Grundlagen für

unser Leben und dürfen nicht auf Kosten

kommender Generationen überbelastet

werden.

In der Steiermark sind wir in der glücklichen

Lage, dass regionale Produkte und

Erzeugnisse einen großen Stellenwert haben

und über die steirischen Grenzen hinweg

immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Die Steirerinnen und Steirer setzten

auf regionale Nahversorger, die heimische

Produkte mit ausgezeichneter Qualität anbieten.

Vor allem auch in diesem Bereich

hat das Marketing besonders an Bedeutung

gewonnen und durch unsere vielfältigen

Dachmarken konnten wir Produkte

aus dem Grünen Herz Österreichs weltweit

wirtschaftlich gut positionieren, z.B. Steirisches

Kürbiskernöl oder Steirische Weine.

… das steirische Wasser, die grünen Wälder,

die guten Ackerböden und alle hochwertigen

Erzeugnisse, die daraus gewonnen

werden – das alles zeichnet die Steiermark

aus!

… wird von den Steirerinnen und Steirern

außerordentlich ernst genommen. Durch

unsere politischen und wirtschaftlichen

Initiativen konnte Bewusstsein geschaffen

werden.

Ich verzichte gerne auf Lebensmittel bzw.

Erzeugnisse, die lange Transportwege (z.B.

Asien, Nord- und Südamerika) hinter sich

haben, weil heimische regionale Produkte

einfach besser schmecken und die Umwelt

dadurch weniger belastet wird.

… der Wahl der gekauften Produkte.

dabei sollten unverfälschte Originalität,

Qualität und faire Preise sowohl für ProduzentInnen

als auch für KonsumentInnen

im Vordergrund stehen.

… eine qualitätsvolle und zuverlässige

Versorgung in allen Bereichen – von den

Grundnahrungsmitteln bis hin zur Energie

– auch für künftige Generationen gewährleistet

sein muss.

Die qualitative Aufrechterhaltung der

Nahversorgung trägt mit dazu bei, dass

den Menschen ihre Heimat erhalten

bleibt. Die Regionalität unseres Landes

zeigt sich nicht nur in der beeindruckend

facettenreichen Landschaft sowie der kulinarischen

Bandbreite, sondern auch im

Lebensgefühl der Steirerinnen und Steirer

– einer Mischung aus Herz und Verstand,

Fleiß und „erdiger“ Gemütlichkeit.

… die regionale Vielfalt sowie die enge Kooperation

zwischen Wirtschaft, Industrie

und Wissenschaft & Forschung im Innovationsland

Steiermark. Neben Auto- und

Werkstoffcluster verfügt die Steiermark

mit dem Green Tech Valley über das dichteste

und am rasantesten wachsende Ökotechnologie-Netzwerk

der Welt.

… basiert auf dem zentralen Thema der

Nachhaltigkeit: Mit der Energiestrategie

2025, deren Fokus auf Energieeffizienz

und erneuerbarer Energie liegt sowie dem

Klimaschutzplan mit rund 280 Einzelmaßnahmen,

wurden wichtige Schritte gesetzt

um die Sicherheit des Lebensstandorts

Steiermark auch in Hinkunft gewährleisten

zu können.

Ich verzichte gerne auf Wein aus Übersee,

weil die steirischen Weine in Bezug auf

ihre Vielfalt und Qualität zu den international

besten zählen.


Inhalt

| 2 |

Landentwicklung Steiermark

18 | Bürgermeister sind

Bodenschutzbeauftragte

Steirisches Vulkanland

20 | Almenland Energie – Erfolg durch

Partnerschaft

Praxisorientiert

Thema Steiermark

4 | Zwischen Entscheidungs findung

und kluger Arbeit

Alpbacher Perspektiven zur Jugend

6 | Die Zukunft Europas

Interview mit Prof. Dr. Dr. Klaus Töpfer

7 | 7. Österreichischer

Lokale-Agenda-21-Gipfel in Graz

„Ein Marktplatz der guten Ideen“

40 | „Marianne, die Tomatenfrau“

Schlusspunkt von Mag. a Sandra Höbel

countdown Alpine Ski-WM 2013

16 | Nachhaltig urlauben in der Ramsau

am Dachstein

Die „Ramsauer Bioniere“

17 | Das BürgerInnenkraftwerk

Gewinnbringende Investition in die

Zukunft – Photovoltaik

21 | Ländliche Vielfalt bewahren

Regionalität für mehr Sicherheit und

Transparenz

22 | Ein Weingut „biowegt“ die Zukunft

Lokale Agenda 21

23 | Schulgarten und Feld versuche

Die Natur neu entdecken

24 | Taschen aus besonderem Stoff

Projekt: Soziales und Recycling

25 | Steirisch essen

Bewusst regional

26 | Wertschätzung als Voraussetzung

Nachhaltige Abfallwirtschaft

27 | Nachhaltigkeit auf den Boden

bringen

Individuelle Lebensräume

28 | Franz Kappel – der erste Biobauer

der Steiermark

Porträt

29 | Lebensressort Steiermark

• „Murerleben“

• Steirischer Weinbau im Aufbruch

• Klimawandel bringt immer öfter

größere Schäden

LeserInnenbefragung zum Magazin „Thema : Steiermark“ 2012

An dieser Stelle möchten wir uns bei all jenen bedanken, die bei der LeserInnenbefragung

unseres Magazins im April teilgenommen haben.

Wir erhielten viele positive Rückmeldungen und Anregungen sowie konstruktive Kritik, die für eine

gelungene Weiterentwicklung des Magazins unentbehrlich sind. Bereits in dieser als auch in der letzten

Ausgabe haben wir uns bemüht, Ihre Anregungen bei der Gestaltung – inhaltlich sowie auch optisch

– umzusetzen.

Erfreulicherweise erhielt unsere Zeitschrift mit über 66 % der Befragten die Schulnote „Gut“, gefolgt

von der Note „Sehr gut“ mit mehr als 22 %. Der Rest teilte sich in Befriedigend (7,4 %), Genügend (2,9 %)

und 1,4 % der Befragten machten keine Angabe.

Auch wenn das „Streber-Dasein“ oft ein wenig verpönt ist, arbeiten wir in Zukunft auf einen „Einser“

hin und bedanken uns nochmals für Ihre Unterstützung.

Thema Thema 1/2012: Steiermark

wissenswert


Editorial

| 3 |

Die Bürgerinnen und Bürger

sind keine passiven Konsumenten

von Öffentlichkeitsarbeit mehr.

Christian Gummerer

Geschäftsführer der

Landentwicklung Steiermark

Ländliche Entwicklung

30 | Tierschutzpreis

Ausgezeichnete Tierhaltung

32 | Entwicklungen und

Heraus forderungen

Perspektiven im Agrarbereich

33 | Bildungssystem im Wandel

Junge Gedanken

34 | Alles neu in der steirischen

Landesverwaltung

Die Abteilung Land- und Forstwirtschaft

stellt sich vor

Nachhaltige Entwicklung

35 | Neu: A 14 – Wasserwirtschaft,

Ressourcen und Nachhaltigkeit

Land Steiermark

36 | Neue Serie: Nachhaltig leben

Verantwortungsvoller Konsum

37 | „Ökologischer Fußabdruck“ im

Nationalpark Gesäuse

Neues, begehbares, lebendiges

Bauwerk

38 | Europa-Preis für Nachhaltigkeit

geht in die Steiermark

39 | 10 Jahre WIN

Wirtschaftsinitiative Steiermark

„Der Gott, dem du dienst, ist die eigene

Begierde.“ Eine Feststellung, die Dr. Faustus

beschäftigt und wohl auch einiges mit

unserem heutigen Umgang mit Mutter

Erde gemein hat. Das aktuelle nun vorliegende

Themenheft hat genau diesen Inhalt

zum Schwerpunkt gemacht. Jene Länder,

welche mit einer wahren Rohstoffflut

ausgestattet sind, werden oft von uns beneidet.

Jedoch ein genaueres Hinschauen

fördert uns zu Tage, dass dies oft mit Armut,

instabilen politischen Verhältnissen

bis hin zu Kriegen einhergeht. Daher hat

die Fachliteratur den Begriff des „Ressourcenfluches“

und das Geflecht aus den Zusammenhängen

zwischen Rohstoffexporten

und der Währungsstabilität bzw. der

Zahlungsfähigkeit mit der „Holländischen

Krankheit“ geschaffen und bezeichnet.

Nur jene Länder, welche die Erlöse aus den

Rohstoffgewinnen staatlich kontrolliert in

langfristige Investmentanlagen überführen

und damit den Aufbau des Landes wie

durch das Engagement in Bildung setzen,

gehören auch zu jenen, die im Ranking der

Staaten aufsteigen. Beispiele sind Norwegen,

Alaska, aber auch die Arabischen Emirate.

Gerade in Deutschland setzt sich der Bundestag

intensiv mit der Frage der ganzheitlichen

Wohlstands- und Fortschrittsentwicklung

auseinander. Haben wir bislang

zwar beachtenswerte Einsparungen

und Begrenzungen von Emissionen erzielt,

wurden sie gleichzeitig durch verändertes

Verhalten wieder kompensiert oder

gar umgedreht. Als ideales Beispiel seien

hier die verbrauchsärmeren Verbrennungskraftmaschinen

in unseren Automobilen

angeführt. Die höhere Kilometerleistung

durch weniger Verbrauch und damit

gesenkten Ausstoß klimarelevanter Gase

wurde durch zusätzliche Verbraucher in

den KFZ hinsichtlich Behaglichkeit und Sicherheit,

vor allem durch die schwereren

und leistungsstärkeren Autos zumindest

wieder kompensiert. Man spricht hier von

Rebound-Effekten.

Diese beiden Beispiele zeigen, dass es

dringend an der Zeit ist, sich den Veränderungsprozessen

zu stellen. Dazu gehört

ein ganzheitlicher Indikatorensatz, der unsere

Zukunft, den Lebensstandard und

auch unsere Umwelt sichern kann. Ziehen

wir ein Indikatorenbündel wie den ökologischen

Fußabdruck (Bewertung des

ökologischen Ressourcenverbrauches) zu

Rate, so benötigen wir drei Erden, um

überleben zu können.

Für jeden von uns wird es immer spürbarer,

dass sich die Welt verändert. Seien

es die Finanzkrisen, welche in immer kürzeren

Abständen auftreten und immer

enorm ere Finanzmittel verschlingen, die

AKW-Havarie in Fukushima oder ganz in

der Nähe die fast täglich auftretenden Unwetter.

Der Ruf nach ganzheitlichen Lösungen

in Ökonomie, Ökologie und sozialem

Miteinander wird unter dem Titel

„Nachhaltigkeit“ immer lauter.

Dies führt dazu, dass die Politik vor der Herausforderung

steht, dass reine, bloße Information

der Bevölkerung nicht mehr

ausreicht. Die Bürgerinnen und Bürger

sind eben keine passiven Konsumenten

von Öffentlichkeitsarbeit mehr. Daher sollten

staatliche Institutionen neue Partizipationsformen

anbieten, um dem Bedürfnis

nach Mitgestalten Rechnung zu tragen.

Für das Etablieren eines neuen Maßstabes

für Wohlstand und Aushandeln eines

Generationen- und multikulturellen

Gesellschaftsvertrages heißt dies zuerst

Transparenz, Dialog und strategisches gemeinsames

ergebnisorientiertes Umsetzen,

welche die Menschen zu Beteiligten

und Handelnden macht.

christian.gummerer@landentwicklung.com

www.landentwicklung.com


Thema

Johanna Reinbrecht, Landentwicklung Steiermark

| 4 |

Zwischen Entscheidungsfindung

und kluger Arbeit

Alpbacher Perspektiven zur Jugend

Beim europäischen Forum in Alpbach im August wurden die

Perspektiven zu „Erwartungen – Die Zukunft der Jugend“ beleuchtet.

WissenschaftlerInnen, StudentInnen und VertreterInnen

aus Politik, Wirtschaft und Netzwerkorganisationen (jährlich

rund 4.000 TeilnehmerInnen aus 60 Ländern) diskutierten

die Herausforderungen und Weichenstellungen einer jugendtauglichen

Wirtschafts- und Arbeitswelt in Österreich.

Welche Welt werden wir den jungen Menschen anvertrauen

und ist die Jugend bereit dafür, sich in demokratiepolitischen

Fragen einzubringen? Ist sie flexibel, aber zu angepasst?

Ein Traum von Zukunft?

Wenn Menschen aus unterschiedlichen

Bereichen und Ländern in einen Diskurs

treten und eine Vielfalt an Themen bearbeiten,

decken sich nicht immer ihre Meinungen

zur Zukunft der Jugend. Während

sich einige Experten dahingehend äußern,

dass junge Menschen zu unauffällig, angepasst

und ohne Visionen aufwachsen,

versuchen andere Forscher wiederum ein

differenzierteres Bild zu zeichnen: Die Jugend

ist durchaus bereit, sich in der Gesellschaft

produktiv einzubringen und sich

zu beteiligen. Ihre Motivation, in ihrem Lebensumfeld

Spuren zu hinterlassen, ist

groß. Das bestätigt unsere Sichtweise zur

Jugend im ländlichen Raum – junge Menschen

sind in Vereinen, Organisationen aktiv

und möchten nach ihrer Ausbildung an

Universitäten, Fachschulen und diversen

Bildungseinrichtungen wieder in ihre gewohnte

Umgebung, wo sie ein attraktives

Lebensumfeld vorfinden – vorausgesetzt

die Infrastruktur vor Ort ist vorhanden.

Hier beginnen die Schwierigkeiten, denn

es werden nur vereinzelt qualifizierte Arbeitsplätze

angeboten – die Zukunft beginnt

für sie vielleicht woanders, womöglich

im städtischen Großraum.

Auf der anderen Seite eröffnen sich neue

Chancen für den ländlichen Raum. Wissensmanagement

und neue Technologien

im Bereich erneuerbare Energien, aber

auch auf interaktiver, interkultureller Basis

ergeben neue Perspektiven für den Arbeitsmarkt,

zudem könnten dezentrale

Wirtschaftsstrukturen die Regionen stärken.

Unternehmen sollten sich den neuen

Gegebenheiten öffnen und die Weichen

für die Zukunft setzen, so der Grundtenor

einiger ReferentInnen.

Die Beteiligungsbereitschaft der Jugend

ist durchwegs vorhanden, die „abrufbaren“

Potenziale, also jene, die bereit, aber

nicht beteiligt sind, sollten einerseits über

verschiedene Kanäle (Internet) und andererseits

in realen, sozialen Netzwerken abgeholt

werden. Das Wissen wird kurzfristig

aufgenommen, die Jugend bewegt sich in

unterschiedlichen Interessensbereichen

und bindet sich nicht mehr längerfristig.

Jugendliche treffen auf unterschiedliche

Herausforderungen auf dem Weg in die

Arbeitswelt – oft wird dieser Weg von befristeten

Arbeitsverträgen oder atypischen

Beschäftigungsverhältnissen begleitet.

Nicht weniger problematisch sind Unternehmensgründungen

für junge Menschen.

Die Arbeitswelt ist vielfältiger geworden.

Europa ist Hoffnungsträger für eine gerechtere

Welt, schreibt der US-amerikanische

Soziologe, Ökonom und Publizist,

Jeremy Rifkin, der auch oft als Idealist angesehen

wird. Europa hätte das Potenzial,

eine Supermacht hinsichtlich einer nachhaltigen

Entwicklung und der sozialen Gerechtigkeit

zu werden (The European

Dream/2004). Er greift auch die empathische

Zivilisation auf – Unternehmen investieren

in Ideen – und Projektentwicklung,

in die Kreativität ihrer MitarbeiterInnen.

Anna Ekström, Generaldirektorin der

Agentur für Bildungswesen in Schweden,

spricht davon, dass soziale und kreative

Kompetenzen im Bildungswesen vermittelt

werden müssen. Wir lernen in der

Schule, aber noch mehr im späteren Job

und investieren in Weiterbildung.

Die Zukunft der Arbeit beginnt

bei der Bildung – Interview mit

Anna Ekström*

Berufsbezogene Ausbildungsprogramme,

regelmäßige Evaluierung

an Schulen, Förderung sozialer und

kreativer Kompetenzen – all das soll

den Weg in den freien Arbeitsmarkt

ebnen. Was braucht ein gut funktionierendes

Bildungssystem und wie flexibel

ist Bildung?

Das Bildungswesen sowohl für Kinder als

auch Jugendliche steht derzeit enormen

Veränderungen gegenüber. Wir gehen in

eine neue Ära. Neben der Grundausbildung

sollte auch auf die sozialen und kreativen

Kompetenzen der Jugend einge-

Thema Thema 1/2012: Steiermark

wissenswert


| 5 |

Da das europäische Forum in Alpbach

den TeilnehmerInnen ein breites Spektrum

an Themen anbietet, konnten wir

nur einen kleinen Überblick zu den Perspektiven

und Erwartungen der Jugend

geben – mehr Informationen finden Sie

unter www.alpbach.org .

gangen werden. Eltern, Lehrer und auch

Schüler sind sich durchaus bewusst,

welche Resultate, welche Qualität sie von

einer schulischen Ausbildung erwarten

können und dürfen. Alle jungen Menschen

müssen einen Zugang zur Bildung

haben – es darf keine „Drop-out-Situation“

entstehen.

Ich würde sagen, dass wir eine große

Flexibilität in Anbetracht der Methoden

haben – wichtig ist aber, was die Kinder

lernen, wie individuell das Schulwesen

gestaltet wird und welche Qualität angeboten

wird.

Sie sagen, dass das Bildungswesen eine

Verbindung zum freien Arbeitsmarkt

herstellen muss. Kooperationen

zwischen Schulen und Business sind

die Zukunft.

Für Europa ist das ein sehr wichtiges Thema.

Österreich ist ein gutes Beispiel – vor

allem können andere europäische Länder

von Österreich lernen. Theorie und praktische

Anwendung oder das duale System

der Lehrlingsausbildung werden in Österreich

angeboten. Andere europäische Länder,

wo es eine derartige Ausbildung nicht

gibt, haben größte Probleme – Schüler

und Studenten können neben ihrer Ausbildung

ihre Erfahrungen in der Wirtschaft

sammeln – das ist ein sehr wichtiger Aspekt.

Die Österreicher sollten danach

trachten, dieses System zu erhalten.

Ich habe im Vorfeld mit einigen jungen

Menschen gesprochen und dabei herausgefunden,

dass die Jugendlichen

nach ihrer Ausbildung wieder in den

ländlichen Raum zurück wollen.

Welche Rahmenbedingungen sind dafür

notwendig?

Es hängt in erster Linie von den Arbeitsbedingungen

und Lebensumständen in

den ländlichen Gebieten ab. Für junge

Menschen mit einem Universitätsabschluss

ist das Land sehr attraktiv. Sie haben

so viel Zeit, Geld und Energien in ihre

Ausbildung investiert und wollen dann ihren

Beruf ausüben. Ich denke, dass hier

eine Offenheit gegenüber neuen Unternehmen,

neuen Feldern der Beschäftigung

und neuen Möglichkeiten für junge

Menschen der beste Weg wäre.

Die Multi-Generationen-Gesellschaft

birgt neue Herausforderungen.

Die Arbeitnehmer werden älter und

müssen länger arbeiten – junge

Menschen „drängen“ auf den Arbeitsmarkt.

Wie können wir hier Synergien

schaffen?

Für Unternehmen ist es in Zukunft sicherlich

wichtig, dass sie eine Verbindung zwischen

älteren und jüngeren Generationen

am Arbeitsplatz herstellen. Ein ausgewogenes

Verhältnis wäre optimal, zumal wieder

neue Ideen einfließen und ein interessanter

Dialog entstehen kann. Für die gesellschaftliche

Entwicklung wäre das ein

wichtiger Aspekt. Ich habe bei meinen

MitarbeiterInnen die Erfahrung gemacht,

dass es viel besser ist, eine Vielfalt verschiedener

Sichtweisen herzustellen.

Wenn man nur Fachexperten für einen Bereich

oder nur Männer oder nur Frauen in

einem Unternehmen beschäftigt, kann

man keine neuen Synergien schaffen. Eine

Ausgewogenheit der Generationen ist

sehr wichtig für die Entwicklung eines Unternehmens.

* Anna Ekström war unter anderem im Ministerium für Industrie tätig und bis

2011 Präsidentin der Dachorganisation SACO (Akademikergewerkschaft in Schweden).

Seit 2011 ist sie Generaldirektorin der schwedischen Nationalagentur für Bildungswesen.

In einer abschließenden Podiumsdiskussion

mit den Ministern Nikolaus Berlakovich,

Rudolf Hundstorfer, Reinhold Mitterlehner

und dem Wirtschaftskammerpräsidenten

Christoph Leitl beteiligten sich die

Jugendlichen auf interaktive Weise, indem

sie sich zu den Ministern auf die Bühne

begaben und damit ihr demokratiepolitisches

Interesse bekundeten. Dabei wurden

unter anderem das Pensionssystem,

die europäische Integration, die Einbindung

der Jugend in Entscheidungsfindungen

und schließlich die Generationenpartnerschaft

thematisiert. Worüber sich alle

einig sind: „Wir wollen ein konstruktives

Miteinander!“

Vielen Dank an Andre, Anni, Antonia,

Franz, Jenny, Hansi, Klara, Michael 1+2,

Stefan und viele weitere JugendvertreterInnen,

die uns vielfältige Einblicke zu

ihren Visionen gewährten und einen

wichtigen Beitrag zum Thema Beteiligung

leisteten.

Aspekte zur interaktiven BürgerInnenbeteiligung

in Deutschland

Eine Gruppe aus den Bereichen Politikund

Sozialwissenschaft sowie Internettechnologie

hat sich die Frage gestellt,

wie Demokratie in Hinblick auf den Gesellschaftswandel

wieder attraktiv werden

kann.

Daraus entstand der Verein Liquid Democracy

e.V. in Berlin, der an innovativen

Ideen und Projekten zur demokratischen

Teilhabe arbeitet. Der geschäftsführende

Vorsitzende Daniel Reichert ist der Ansicht,

dass ein Diskurs mit den BürgerInnen

wieder aufgenommen werden soll.

In einer Demokratie werden gemeinsame

Ziele in friedlicher Weise definiert.

Durch den Einsatz moderner Medien entstehen

neue Formen der Informationsaufbereitung,

Kommunikation und Interaktion,

die zu einer Stärkung der diskursorientierten

demokratischen Teilhabe

genutzt werden können.

www.liqd.net

Kontakt

Johanna Reinbrecht

Landentwicklung Steiermark

Öffentlichkeitsarbeit und Leitprojekte

johanna.reinbrecht@landentwicklung.com

Mobil: 0676/866 43 753


Nachhaltige Perspektiven

Interview mit Prof. Dr. Dr. Klaus Töpfer

| 6 |

Die Zukunft Europas

Nachhaltigkeitssymposium

im Unternehmen Saubermacher

Der ehemalige Umweltminister

Deutschlands und der zeitige

Vorsitzende der Ethikkommission

für eine sichere Energieversorgung,

Prof. Dr. Dr. Klaus Töpfer,

zeigte nachhaltige Wege für

die Zukunft auf. Es stellt sich die

Frage, in welche Welt wir

hineingehen und wie die künftigen

Generationen agieren werden.

Die Ressourcen effizienz ist

ein Kernthema, denn gerade in

Zeiten der Rohstoffknappheit ist

es notwendig, mehr Verantwortung

zu übernehmen.

Herr Prof. Töpfer, Sie sprechen von einer

räumlichen Veränderung in Europa

und vom so genannten Mezzogiorno-

Effekt, der Wanderungsbewegung vom

Süden in den Norden – die Menschen

gehen dorthin, wo Wohlstand herrscht.

Dadurch wäre die Stabilität in Frage gestellt.

Im Jahr 2050 liegt der europäische

Anteil an der Weltbevölkerung bei

5 Prozent. Wie können wir die Spannungsfelder

im Vorfeld ausräumen und

wie können wir uns eine Zukunft in Europa

vorstellen? Lässt sich das Glück in

Zahlen messen?

Das Glück des Menschen und der menschlichen

Gesellschaft kann man sicherlich

nicht nur in Zahlen messen. Es ist eine der

Ursachen der vielfältigen Krisen, denen

sich die Welt gegenwärtig gegenübersieht,

dass wir nur das als bedeutsam erachten,

was in Zahlen zu messen ist. Es

zeigt sich immer deutlicher, dass die Menschen

das Glück nicht nur am Bruttosozialprodukt

und am eigenen Bankkonto

messen. Die kulturelle Vielfalt Europas, die

regionalen Identitäten und die Vielfalt der

Natur – sie sind im Bruttosozialprodukt

nicht erfasst und sind doch entscheidende

Pfeiler europäischer Gemeinsamkeiten in

der Vielfalt. Diese zu nutzen vermeidet den

Mezzogiorno-Effekt .

Die Kurzfristigkeit steht der Nachhaltigkeit

im Weg. Wir werfen viel zu viel

Thema Thema 1/2012: Steiermark

wissenswert

Nutzenergie weg – dem entgegen sollten

wir in der Abfallvermeidung ansetzen

und die Kreisläufe hinsichtlich der

Wertschöpfung schließen.

Was verstehen Sie im Konkreten unter

Ressourceneffizienz und wie weit kann

sich Europa in der Frage der Energieautarkie

und der Entwicklung von

Technologien („Growing Green“) von

anderen abheben?

Das Gemeinsame aller aktuellen Krisen: Sie

sind ein Offenbarungseid des Diktats der

Kurzfristigkeit, dem wir uns unterworfen

haben. In allen Bereichen verschulden wir

uns auf Kosten der Zukunft – bei den

Staatsschulden ebenso wie bei der Übernutzung

der Natur. Nachhaltigkeit erfordert

gebieterisch die Betrachtung der mittel-

und langfristigen Konsequenzen heutigen

Handelns. Die Natur ist ein ständiger

Beleg für geschlossene Kreisläufe. Die Natur

kennt keine Abfälle. Ressourceneffizienz

bedeutet stets, Kreisläufe zu schließen

und damit Ressourcen und Energie verantwortlich

zu nutzen.

Rio +20: Global betrachtet hat sich die

Stimmung seit 1992 dramatisch verändert

– Europa hat an Relevanz verloren.

Sie sagen auch, dass die Lobby für die

Zur Person

Prof. Dr. Dr. Klaus Töpfer, Diplom-Volkswirt

und Lehrbeauftragter (1971–1978) an

der Hochschule für Verwaltungswissenschaften

(Speyer), Professor und Direktor

(1978–1979) des Instituts für Raumforschung

und Landesplanung (Hannover),

Honorar professor (1985–1986) an der

Johannes- gutenberg-Universität Mainz.

1985: Minister für Umwelt und Gesundheit

(Rheinland-Pfalz)

1987: Bundesminister für Umwelt, Naturschutz

und Reaktorsicherheit

1994: Bundesminister für Raumordnung,

Bauwesen und Städtebau

1998: Exekutivdirektor des Umweltprogramms

der Vereinten Nationen (UNEP)

2001–2010: Stv. Vorsitzender im Rat für

Nachhaltige Entwicklung

Seit 2009: Gf. Direktor Institute für Advanced

Sustainability Studies (Potsdam)

Seit 2011: Vorsitzender der Ethikkommission

für eine sichere Energieversorgung

der Bundesregierung.

Klaus Töpfer ist zudem Schirmherr des

deutsch-russischen Rohstoff-Forums.

Zukunft schwächer als die der Gegenwart

ist. Welche Prioritäten sind sowohl

für den Norden als auch für den Süden

zu setzen?

Die Zukunft wird eine Welt mit über 9 Milliarden

Menschen sein – bereits im Jahre

2050. Mein jüngstes Enkelkind ist dann 38

Jahre alt! Die Verpflichtung dieser unserer

Gesellschaft ist es, nichts zu tun, was ein

friedliches Zusammenleben dieser Menschen

in der Zukunft gefährdet. Das erfordert

Gerechtigkeit im Zugang zu den Leistungen

der Natur und einen verantwortlichen

Umgang mit den immer tieferen

Einblicken in die Bausteine von Natur und

Umwelt, die uns die Wissenschaft ermöglicht.

Jede Gemeinde/jede Region soll mit

ihren BürgerInnen in einen Dialog eintreten

und nachhaltige Leitbilder entwickeln

und umsetzen – das wurde

eben beim UN-Erdgipfel in Rio im Jahr

1992 von 180 Staaten beschlossen.

Wie sehen Sie die BürgerInnenbeteiligung

heute? Gibt es in Anbetracht der

Kurzfristigkeit noch Raum für die

Demokratie?

Das bereits genannte Diktat der Kurzfristigkeit

führt immer zu Alternativlosigkeit.

Fehlende Alternativen stellen eine parlamentarische

Demokratie in Frage. Die

Energiewende in Deutschland ist nur dadurch

denkbar geworden, dass in der Vergangenheit

Alternativen zur Kernenergie

und zu fossilen Energieträgern entwickelt

wurden. Wind- und Sonnenenergie sind

dezentral zu erntende Energien, ermöglichen

Beteiligung vieler Menschen, sind somit

auch ein wichtiger Beitrag zu einer lebendigen

demokratischen Gesellschaft.

Der Raum für den Bürger in der Entwicklung

von Wissenschaft und in der Umsetzung

ihrer Ergebnisse muss nicht nur erhalten,

sondern wieder erweitert werden.

Noch eine Frage zum Abschluss:

Worauf würden Sie persönlich niemals

verzichten?

Verzichten möchte ich nie auf die Möglichkeiten

und Verpflichtungen dort, wo andere

von Sachzwängen sprechen, Alternativen

für politische Entscheidungen zu

entwickeln.


LA 21 in Österreich

Christine Rossegger

| 7 |

7. Österreichischer Lokale-

Agenda-21-Gipfel in Graz

„Ein Marktplatz der guten Ideen“

MehrWert der Beteiligung

Am 14. und 15. Juni 2012 standen

die Grazer Helmut-List-

Halle und Räumlichkeiten der

FH Joanneum im Zeichen der

BürgerInnenbeteiligung:

„Mehr BürgerInnen – Mehr

Wert“ war der Leitgedanke

der Veranstaltung,

in der

immer wieder

dazu auf gefordert

wurde, das eigene

Lebensumfeld aktiv

mitzugestalten.

Inhalt

Dieses Jahr fand bereits der siebente

LA21-Gipfel statt, diesmal im Bundesland

Steiermark. EntscheidungsträgerInnen auf

Bundes-, Landes- und Gemeindeebene,

BürgermeisterInnen und weitere engagierte

Menschen hatten die Möglichkeit,

sich beim Gipfeltreffen auszutauschen,

Vorträge zu hören, an Exkursionen teilzunehmen

und sich schlussendlich auch

selbst im Rahmen der Projektlounges einzubringen.

Schon der erste Tag bot ein dichtes Angebot

an Informationen und Anregungen.

Zu Beginn begrüßte der Grazer Bürgermeister

Siegfried Nagl, der mit folgendem

Zitat den Kern der Veranstaltung traf:

„Freiheit ist gelebte Verantwortung.“

Das Thema Verantwortung in Zusammenhang

mit BürgerInnenbeteiligung zog sich

durch beide Tage des Treffens.

„Menschen müssen von Betroffenen zu

Beteiligten gemacht werden!“ Mit dieser

Aussage schloss sich auch Landesrat

Johann Seitinger seinem Vorredner an.

Weiters betonte er seine Befürwortung

der repräsentativen Demokratie, allerdings

solle sie gemeinsam mit Bürger-

Innen gestaltet werden.

Offiziell eröffnet wurde der 7. Österreichische

Agenda-21-Gipfel durch Generalsekretär

Mag. DI DDr. Reinhard Mang (Lebensministerium).

Bundesminister Niki

Berlakovich richtete per Videobotschaft

einen Gruß an die LA21-Gipfelbesucher.

Ein weiteres Thema, das sich durch den gesamten

Gipfel zog, war die Problematik

der Politikverdrossenheit, die paradoxerweise

hauptsächlich bei der Wahlbeteiligung

sichtbar wird, nicht aber bei lokalen

Aktivitäten. Dafür ist die Lokale Agenda 21

ein gutes Beispiel – auch der Politologe

Peter Filzmaier wies darauf hin, dass Mitwirkende

im LA21-Prozess Ausnahmen im

positiven Sinn in Hinblick auf BürgerInnenbeteiligung

darstellen.

Weiters wurden im Rahmen der Vorträge

vor allem soziale und ökologische Problemstellungen

betont, da diesen im Gegensatz

zu den wirtschaftlichen Aspekten

oft zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet

wird. Konkret wurde beispielsweise auf die

Thematik der Landflucht und Überalterung

der Bevölkerung eingegangen.

LAbg. Josef Ober kritisierte in seinem Referat

sehr stark die These: „Je mehr – desto

zufriedener“. Diese Auffassung des Allheilmittels

materiellen Wohlstands sei veraltet

und offenbar nicht zutreffend für die heutige

Zeit. Dies könne gut durch die Tatsa-


LA 21 in Österreich

| 8 |

Aktive Umsetzung

Der zweite Tag bot die Möglichkeit, wirklich

das zu tun, wofür im vorgehenden

Programm plädiert wurde – sich selbst einzubringen.

Nach einleitenden Worten von

Landesrat Johann Seitinger präsentierte

der Grazer Stadtrat Gerhard Rüsch verschiedene

Projekte, die in Graz umgesetzt

werden und in denen BürgerInnen sich aktiv

einbringen können. Zudem wurde das

Programm HISTCAPE von Alexandra Kulmer

vorgestellt, das die Erhaltung von kulturellem

Erbe in ländlichen Gebieten

durch BürgerInnen anstrebt.

Danach ging es schließlich an die praktische

Beteiligung. In den fünf Projektlounges

zu den unterschiedlichen Themenstellungen

Beteiligung, Netzwerke, Regionalität,

Zukunftsgemeinde und Wertschätzung

des Menschen konnten sich die TeilnehmerInnen

des Treffens einbringen und

über diverse Projekte austauschen. Die Ergebnisse

dieser Interaktion wurden im Anche

aufgezeigt werden, dass Nachhaltigkeit

das Bruttoinlandsprodukt mindert.

Eine neue Zukunftsvision ist also gefordert.

Symbolisch für diese Vision wurden

beim Gipfel die Begriffe Hardware und

Software aus dem Computerbereich zur

Veranschaulichung verwendet: die Hardware

kann als Infrastruktur verstanden

werden, die bereits vorhanden ist, und

nun liegt es daran, den Fokus auf die Software,

also auf das Inhaltliche, zu legen.

Bevor das Nachmittagsprogramm startete,

überreichte Johann Seitinger eine Auszeichnung

zur Regionenehrung den Kleinregionen

Kapfenstein (St. Anna, Frutten,

Gießelsdorf ), Kirchberg, Saßtal und dem

Vulkanland.

Danach folgten Exkursionen in LA21-Gemeinden

und Regionen. Besucht wurden

das Vulkanland, der Naturpark Südsteirisches

Weinland, Kapfenberg, Naturpark

Almenland und die Lipizzanerheimat. Vor

Ort wurden Beispiele aus der BürgerInnenbeteiligung

gezeigt und ein Austausch mit

der Bevölkerung ermöglicht.

Das Abendprogramm des ersten Tages

wurde von Orhan Kipcak von der FH Joanneum

eröffnet. Er stellte die Arbeit

Studierender der FH Joanneum

Graz vor, die sich mit dem

Schwerpunkt Kommunikation

auseinandersetzen und das

Design für die Veranstaltung

entwickelt haben. Sie behandelten

das Thema Kommunikation in

Bezug auf die LA21 durchaus kritisch

und boten Verbesserungsvorschläge an.

Leider gab es bei den Vorträgen keinen

Beitrag von den Studierenden selbst, der

sich im Rahmen der generationenübergreifenden

Zusammenarbeit angeboten

hätte.

DI Markus Hopfner (Lebensministerium)

zur ländlichen Entwicklung nach 2013

Ein weiterer Programmpunkt war der Vortrag

des Politologen Peter Filzmaier zum

Thema politische Beteiligung und direkte

Demokratie. Er forderte unter anderem zu

einer „Demokratisierung in allen Lebens-

Eröffnung durch Bgm. Helmut Mödlhammer (Präs. Gemeindebund Österreich),

Bgm. Siegfried Nagl (Stadt Graz), Landesrat Johann Seitinger, Generalsekretär

Dr.Dr. Reinhard Mang (Lebensministerium), Prof. Peter Filzmaier (Politologe)

bereichen“ auf, die beispielsweise schon

zuhause in der Familie bei der Entscheidung

des Urlaubsziels beginnen solle,

denn politische Beteiligung bedeute nicht

nur, alle paar Jahre den Gang zur Wahl urne

anzutreten. Die Demokratie in einem Land

könne somit auch nicht an der Wahlbeteiligung

gemessen und abgetan werden.

Die Schlussdiskussion mit Peter Filzmaier,

dem Präsidenten des Steiermärkischen

Gemeindebundes Erwin Dirnberger, der

Grazer Bgm.-Stellvertreterin Lisa Rücker,

Rita Trattnigg vom Lebensministerium

und Bürgermeisterin von Ottensheim (OÖ)

Ulrike Böker fiel aufgrund von Zeitmangel

nur sehr kurz aus und beinhaltete kompakte

Stellungnahmen, wie eine lebendige

Demokratie aussehen könnte.

schluss präsentiert. Zum Ausklang

des Tages erzählte Annemarie

Pichler, mit musikalischer Unterstützung

von Andreas Tatzl, in

Mundart Geschichten, die zum

Denken anregen sollten.

Rahmen

Die Veranstaltung wurde den LA21-Kriterien

entsprechend aufbereitet – es gab

viele Möglichkeiten, sich zu vernetzen. Natürlich

wurde das ganze Event als „green

meeting“ abgehalten und von „g’scheit feiern“

mit Produkten aus der Region versorgt.

Auch die musikalische Auflockerung

war mit Betty O und ihrer Band, der Band

Obsession und dem Harmonikaspieler

andreas Tatzl regional besetzt. Durch das

Veranstaltungsdesign, das Studierende

der FH Joanneum entwickelt haben, wurde

auch die Jugend eingebunden.

Steirisches Augenzwinkern mit Betty O.

Treffende Worte zum Abschluss und im

Sinne des zweitägigen Gipfeltreffens fand

Christian Gummerer, der Geschäftsführer

der Landentwicklung Steiermark, mit folgenden

Worten: „Wir alle sind politisch!“.

Landent wicklung Steiermark


Lösungsansätze

Margreth Kortschak-Huber, Landentwicklung Steiermark

| 9 |

Projektlounges beim LA21-Gipfel

Mehr Beteiligung – MehrWert!

Neue Formen der Partizipation

Moderation:

Margreth Kortschak-Huber

Nina Sulzenbacher

Projekte aus Österreich:

• z Lokale Agenda U21 in Tirol, Margit

Schennach, Gemeinderätin Ehrwald

• z Innenstadtagenda 21 in OÖ, Rupert

Doblhammer, Projektsteuerung Wels

• z Der echte BürgerInnen-Marktplatz in

NÖ, Marisa Fedrizzi, Dorf- und Stadterneuerung


Die Anforderungen an die BürgerInnenbeteiligung

haben sich in den letzten Jahren

und vor allem in Anbetracht der neuen

Kommunikationsformen sowie der Integrationsfrage

verändert, wobei die Herstellung

einer Kontinuität im Beteiligungsprozess

eine besondere Herausforderung darstellt.

Ein politisches Commitment, eine

rechtliche Verankerung der BürgerInnenbeteiligung,

die Finanzierung von Projekten

aus der BürgerInnenbeteiligung sowie

die Solidarität jedes Einzelnen entgegen

dem so genannten Gruppen-Egoismus

sind wichtige Anhaltspunkte für eine zukunftsfähige

BürgerInnenbeteiligung.

Wie gehen wir persönlich mit den

Herausforderungen um?

Mit einer aktiven Beteiligung muss schon

früh begonnen werden. Kinder und Jugendliche

erhalten in den Schulen politische

Bildung und lernen Verantwortung

zu übernehmen. Ziele erreichen und Umsetzen

schaffen Erfolgserlebnisse, dabei

Kommentar

Margreth Kortschak-Huber

Landentwicklung Steiermark

Prozess- und Projektmanagement

margreth.kortschak-huber@stmk.gv.at

Mobil: 0676/866 43 759

Rasche Umsetzung ist gefordert

Bürgerbeteiligung – viel wird darüber gesprochen

und geschrieben. Den BürgerInnen

brennt es unter den Nägeln, sie wollen

mitbestimmen. Das Auf und Ab der Finanzmärkte,

ganze Länder sind den Angriffen

der Finanzmärkte ausgeliefert. Wer sind die

Finanzmärkte? Für den „normalen“ Bürger

ist diese Entwicklung nicht mehr nachvollziehbar.

Die Geldsummen, um die es geht,

sind außerhalb unseres Vorstellungsvermögens.

Die Reichen werden reicher – der Mittelstand

driftet nach unten ab. Aber auch

ExpertInnen, so habe ich den Eindruck, verlieren

schön langsam den Überblick.

Wenn die Politik nicht sehr rasch einen Weg

findet, die BürgerInnen einzubinden und

mitbestimmen zu lassen, dann haben

Rechts- und Linkspopulisten leichtes Spiel.

In der Projektlounge war die größte Herausforderungen

der Zukunft die aktive und

kontinuierliche BürgerInnenbeteiligung.

Eine Voraussetzung dafür ist jedoch die objektive

Information über die Themen. Weiters

wurde eine rechtliche Verankerung von

Beteiligungsverfahren gefordert. Dazu gehört

auch die Schaffung von strukturellen

und strategischen Rahmenbedingungen

für die Zusammenarbeit zwischen Bevölkerung

und Politik.

PolitikerInnen müssen sich nicht vor BürgerInnenbefragungen

bzw. Abstimmungen

„fürchten“, wie es oft den Anschein

macht. Sie müssen nur zum Wohle der Bevölkerung

und nicht zum Wohle einiger

Gruppen regieren und agieren. Wir brauchen

eine Beteiligung mit möglichst niederschwelligem

und einfachem Zugang.

Man darf sich nicht erwarten, dass die BürgerInnen

monatlich aufs Gemeindeamt pilgern,

um ihren Standpunkt zu vertreten.

Um einen möglichst hohen Anteil der Bevölkerung

einzubinden, braucht es die

Möglichkeit, im Internet abzustimmen. Ein

Richtungswechsel ist angesagt: Offen und

ehrlich die Meinung der Bevölkerung einbinden

und umsetzen – das ist die Zukunft,

meint ihre Regionalbetreuerin Margreth

Kortschak-Huber

sollen auch unbequeme Themen zugelassen

werden. Die Stärkung des Vereinslebens

und der Eigeninitiative stehen genauso

im Vordergrund wie Vielfalt, Begegnung

und Information als Grundlage für

das gegenseitige Verständnis.

Zur rechtlichen Verankerung von

Beteiligungsverfahren:

• z Schaffung von strukturellen und

strategischen Rahmenbedingungen –

Zusammenarbeit zwischen Bevölkerung

und Politik

• z Politisches Commitment

• z Rückkoppelung Beteiligung – Politik

• z Angemessene Schwellensetzung

(Schwelle = % der Wahlbeteiligung

der letzten Wahl)

• z BürgerInnenhaushalte


Lösungsansätze

Astrid Hollerer, Landentwicklung Steiermark

| 10 |

Mehr Netzwerke – MehrWert!

Kooperationen, Vernetzungen, Partnerschaften

Moderation: Astrid Holler

Assistenz: Theresa Grillitsch

Projekte aus Österreich:

• z Agenda-21-Gemeinde in Südtirol:

Sand in Taufers, Bgm. Helmut Innerbichler

• z Naturparke Steiermark – Gesunde

dynamische Partnerschaften, GF

Bernhard Stejskal

• z Generationendialog-Netzwerk Schule

und Gemeindewesen, Andrea Binder-

Zehetner, GFin Verein LA21 Wien

In Anbetracht der demografischen Entwicklung

in den ländlichen Gemeinden/

Regionen stehen die BürgerInnen-Netzwerke

vor neuen Herausforderungen. In

der Projektlounge „Mehr Netzwerke –

MehrWert“ wurde einmal mehr deutlich,

dass neben der Entwicklung von eigenen

„Netzwerkzeugen“ auch neue Kooperationen

zu gelassen werden sollen. Die Gemeinschaft/Identität,

die Ideenpartnerschaft

sowie die Entwicklung von Beziehungs-

und Arbeitswelten stellen sich als

wichtige Ansatzpunkte für die Zukunft heraus.

„Qualität statt Quantität“ betrifft einerseits

die Vielzahl der Projekte/Themen,

andererseits gilt es auch, Netzwerke zwischen

Hochschulen und Gemeinden zu

entwickeln.

Gruppenergebnisse

• z Fokussierung, Schwerpunkte setzen

• z Partner für Ideen finden

• z Öffentlichkeit und Transparenz für die

Vielfalt der Projekte herstellen

• z Notwendigkeit sehen und Zeit

nehmen

• z nicht zu schnell in die Lösungen

gehen

• z genügend Konsens

• z gemeinsame Vision

• z Identität und Effizienz

• z Zufriedenheitsgefühl der

Bevölkerung muss erreicht werden

• z Herausforderung liegt in der Bekämpfung

des Neids und der Förderung

der Gemeinsamkeit

• z Werkzeuge entwickeln

• z Bestehendes nutzen

• z Leute aus Regionen mobilisieren

• z Beziehungswelt und Arbeitswelt

entwickeln

• z Zusammenarbeit von Hochschulen

und Gemeinden

Kommentar

Ing in . Astrid Holler

Prozess- u. Projektmanagement

8435 Wagna, Maburgerstraße 75

astrid.holler@stmk.gv.at

Mobil: 0676/866 43 758

Bereits in den Vorgesprächen mit den ReferentInnen

war zu spüren, dass es eine

immer größere Herausforderung in der

Regionalentwicklung darstellt, AktivbürgerInnen

zu finden und sie auch dauerhaft

an die Entwicklung und Umsetzung

nachhaltiger Initiativen zu binden. Es bedarf

neuer Methoden, Zugänge und Bindungen.

In den Diskussionen in der Projektlounge

2 „Mehr Netzwerk – Mehr

Wert“ wurde festgehalten, dass es zukünftig

ein Mehr an Zusammenarbeit

der Organisationen auf Länder- bzw.

Bundesebene geben muss. Einig war

man sich, dass die Konzentration auf die

Umsetzung eines Vorhabens wichtig ist

und man sich nicht in der Vielzahl der

Projekte verliert, ständig etwas Neuem/

einer neuen Innovation hinterherläuft

und damit nicht nur die Kommunen, sondern

vor allem auch die AktivbürgerInnen

überfordert.

Den Menschen vor Ort muss klar sein,

warum etwas initiiert wird. Es muss ein

gemeinsames „Einschwören“ auf die Sache

geben, um eine emotionale Bindung

zu erreichen und ein gemeinsames Handeln

folgen zu lassen.

Die TeilnehmerInnen in der Projektlounge

2 haben ihre Erfahrungen sehr

intensiv eingebracht und man konnte

das hohe persönliche und emotionale

Engagement deutlich spüren. Leider

konnten in der Kürze der Zeit viele Themen

nur angerissen werden und bedürfen

sicherlich einer genaueren Betrachtung.

Zum Abschluss der Lounge wurden

Kontaktdaten ausgetauscht – das heißt,

es werden neue Netzwerke entstehen –

ganz im Sinne von „Mehr Netzwerk –

Mehr Wert“.

Landent wicklung Steiermark


Lösungsansätze

Gudrun Gruber, Landentwicklung Steiermark

| 11 |

Mehr Mensch – mehr Wertschätzung

Sozialkapital, Ehrenamt, Lebensqualität

Moderation:

Gudrun Gruber, Alexandra Kulmer

Projekte aus Österreich:

• z Landesweiter BürgerInnenrat in

vorarlberg, Michael Lederer, Büro für

Zukunftsfragen

• z Soziale Dienste im Burgenland,

Bgm. Johann Lotter, Schattendorf

Die künftigen Herausforderungen im Bereich

Sozialkapital stützen sich vor allem

auf die Stärkung der Vertrauensbasis zwischen

BürgerInnen und Verwaltungsebene,

die noch stärker in das Netzwerk

eingebunden werden soll, und auf die einzelnen

Verwaltungsabläufe, die einer flexibleren

Gestaltung bedürfen. Neue Organisationsformen,

wie z.B. Genossenschaften

und eine an die Zeit angepasste Werteordnung

(Fortschritt), könnten mögliche

Gestaltungselemente für die Zukunft sein.

Ein weiterer Aspekt bezieht sich auf neue

Methoden, die den Zugang zu schwer erreichbaren

Personengruppen erleichtern.

Die wichtigsten Lösungsansätze:

• z Flexible Gestaltung von

verwaltungsabläufen und Verfahren

• z Struktur soll gestalten und ermöglichen

und neues Vertrauen schaffen

• z Begeistern statt (er-)ziehen!

• z Anderer Zugang zu den Menschen

notwendig – der Zeit angepasste

änderung!

• z Neue Organisationsformen

(z.B. Genossenschaften, …)

• z Genossenschaft 2.0

Kommentar

Die schon zu Beginn vorgestellten Projekte

im Bereich Sozialkapital zeigten,

dass viel machbar ist, wenn sich Entscheidungsträger

und Bevölkerung gemeinsam

für ein gutes Projekt einsetzen.

Durch die Präsentation des BürgerInnen-

Rates am Beispiel Vorarlberg wurde spürbar,

dass sich die Bürgerbeteiligung stärker

in Richtung Bürgergesellschaft entwickeln

sollte, wo sich BürgerInnen kommunal

und regional aktiv einbringen, um

gemeinsam neue Lösungsansätze zu finden.

Es wurde aber auch festgehalten, dass

immer mehr BürgerInnen einen starken

Vertrauensverlust der Politik gegenüber

erfahren und die Motivation, sich zu engagieren,

eher rückläufig ist. Einfachere

Verwaltungsabläufe und Strukturen

könnten einen anderen, der Zeit angepassten

Zugang zu den Bürgern und Bürgerinnen

schaffen, sie wieder begeistern

und ihnen ehrlich gemeinte Verantwortung

übertragen.

Gudrun Gruber

Prozess- u. Projektmanagement

8940 Liezen, Hauptstraße 43

gudrun.gruber@stmk.gv.at

Mobil: 0676/866 43 754

Steirischer Empfang zu

„Mehr BürgerInnen – MehrWert“

Katholische und Evangelische Krapfen

von den Aicher Bäuerinnen

Ganzheitliche Lösungen und neue

Formen der Partizipation

21 Projekte aus ganz Österreich und

Südtirol beim LA21-Schauplatz

Gudrun Gruber moderierte die Projektlounge „Mehr Mensch – Mehr Wertschätzung“

Netzwerken in der FH JOANNEUM


Lösungsansätze

Maria Mikulik, Kathrin Grillitsch, Landentwicklung Steiermark

| 12 |

Mehr Regionalität – MehrWert!

Regionale Marken und Produkte, Identität, Ökologie und Fairness

Moderation:

Maria Mikulik, Kathrin Grillitsch

Projekte aus Österreich:

• z 12 Jahre Bürgerbeteiligung im

Biosphärenpark, Vorarlberg, Ruth

Moser, Biosphärenmanagerin

• z Leben und Wohnen im Stanzertal,

tirol, GRin Maria Kössler, Anton

stabentheiner, Stanzertal

• z Agenda-21-Pilotprojekt – Jung-

BürgerInnenräte, OÖ, Karin Traxler,

Regionalmanagerin OÖ

Immer mehr Menschen vertrauen auf Produkte

und Marken aus ihrer Region/Gemeinde.

Durch die globale Bewegung

wurde und wird die Regionalität neu stimuliert

und erhält dadurch mehr Wert.

Das regionaltypische Produkt vermittelt

Transparenz und Sicherheit, zudem bleibt

die Wertschöpfung in der Region. Viele Gemeinden

und Regionen bearbeiten dieses

Themenfeld sehr intensiv. Das wurde auch

in den Impulsreferaten deutlich, die, obwohl

sehr unterschiedlich, einige gemeinsame

Grundlagen hatten – die Attraktivität

und das Wohlbefinden im eigenen Lebensraum,

die Identität mit der eigenen

Region und die Förderung und Stärkung

von Gemeinschaften.

In der Gruppenarbeit der Projektlounge

wurde an der Frage gearbeitet, wie man

zukünftigen Herausforderungen der Gemeinden/Regionen

mit mehr Regionalität

und dem daraus resultierenden Mehrwert

bewältigen kann.

Die Resultate der einzelnen Gruppen führten

eindeutig in eine gemeinsame Richtung.

Findet keine Verwurzelung und

Identität der Menschen mit einer Region/

Gemeinde statt, wird es auch nicht gelingen,

mehr Regionalität und mehr regionale

Wertschöpfung zu schaffen. Regionale

Marken und regionale Wirtschaftskreisläufe

können nur entstehen, wenn die Menschen

ein gesundes Fundament an Lebensqualität

vorfinden.

Landent wicklung Steiermark

Maria Mikulik

Landentwicklung Steiermark

Prozess- u. Projektmanagement

maria.mikulik@landentwicklung.com

Mobil: 0676/866 43 164

Die erarbeiteten Lösungsansätze gliedern

sich in folgende Hauptpunkte:

• z Bereits Kinder und Jugendliche

binden

• z Arbeitsplätze schaffen

• z Vermarktung regionaler Ressourcen

Bei der Bindung an die Region sollte schon

in der Volksschule angesetzt werden. Kinder

und Jugendliche müssen „Wertschätzung“

erfahren. Dies gelingt oftmals auch

in verschiedenen Gruppen oder Vereinen.

Durch ein starkes Zugehörigkeitsgefühl

entstehen starke Bindungen. Erfolgt eine

Ausbildung in weiterer Entfernung zum

Heimatort, sind rechtzeitig dafür Rückkehrbindungen

zu treffen. Bei der Problematik

der regionalen Arbeitsplätze sollte

eine vermehrte Vernetzung verschiedenster

Akteure vorangebracht werden. Die

Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft

könnte Fachkräftemängel mildern.

Dabei sollte auch auf eine Aufwertung der

Lehre geachtet werden. Die Zusammenführung

von Leerlokalmanagements mit

Ing in . Kathrin Grillitsch

Landentwicklung Steiermark

Prozess- und Projektmanagement

kathrin.grillitsch@stmk.gv.at

Mobil: 0676/866 43 755

Unternehmensgründern würde ebenso

manches Problem lösen.

Immer mehr verschwindet das Marktleben

von früher. Daher ist es notwendig, neue

„Märkte“ zu schaffen. Ein besonders interessanter

Ansatz für die Vermarktung von

regionalen Gütern ist die Ausrichtung des

Marktes auf die „Bewegungsachsen“ der

Menschen. Auch die Shop-in-Shop-Strategie,

wie sie durch die Bauernecken in der

Steiermark praktiziert wird, soll in anderen

Bundesländern verstärkt werden. Vermehrte

Vernetzungen bei der Vermarktung

regionaler Ressourcen werden notwendig

sein – z. B. organisationsübergreifende

Einkaufsführer für regionale Güter,

EIN gemeinsames Druckwerk.


Lösungsansätze

Hubert Langmann, Landentwicklung Steiermark

| 13 |

Mehr Zukunftsgemeinde – Mehr Lebensqualität

Neue Anreize für Gemeinden, Vielfalt, attraktive Zuzugsgemeinden

Moderation:

Hubert Langmann

Assistenz: Katharina Grabmaier

Projekte aus Österreich:

• z Eichgraben mittendrin in Niederösterreich,

Labg. Bgm. Martin

Michalitsch

• z Lebenswerte Grätzln in Wien, Ulrike

Böhm, Verein LA21 Wien

• z Die Zukunft liegt in unserer Hand in

Salzburg, Robert Bukovc,

prozesskoordinator/Bergheim

„Mehr Zukunftsgemeinde – mehr Wert“

erwies sich als ein sehr emotionales Thema,

denn die steirische Gemeindestrukturreform

agiert in einer heißen Phase und

österreichweit sind die meisten Gemeindebudgets

sehr angespannt. In der österreichweiten

Arbeitsgruppe von Bürgermeistern,

Gemeindevertretern, Interessierten,

regionalen und kommunalen Prozess-

und Projektbegleitern wurde intensiv

an den zukünftigen Herausforderungen

und deren strategischen Lösungsansätzen

gearbeitet.

In den Impulsreferaten wurden zwei Entwicklungsprozesse,

Eichgraben in Niederösterreich

und Bergheim in Salzburg, vorgestellt

und das Vereinsprojekt Grätzlgarten

9 in Wien.

Welche Herausforderungen kommen

in Zukunft auf uns zu?

• z Die finanziellen Rahmenbedingungen

der Gemeinden verschlechtern

sich, in Zukunft werden 75% der

gemeinden nicht mehr ausgeglichen

bilanzieren können

• z Erhaltung der Infrastruktur im

ländlichen Raum

• z Demographische Entwicklung, Leute

werden immer älter, Jugend fehlt

• z Potenziale der BürgerInnen für die

Gemeinde nutzbar machen

• z Immaterielle Fähigkeiten erkennen

und fördern

• z Nein sagen können, Mut der Politik in

der Gemeinde, im Land und im Bund

Strategische Lösungsansätze:

Identität schaffen und das Sozialkapital

stärken mit Hilfe von innovativen Bürgerbeteiligungsmodellen

und neuen Kommunikationsformen

• z Den Lebensraum lebenswert gestalten

durch gemeindeübergreifende

Kooperationen unter intensiver

einbindung der Vereine und der

ehrenamtlichen

• z Bewusstseinsbildung dauerhaft und

breit für die BewohnerInnen.

• z Professionalität beim Ressourcenund

Finanzmitteleinsatz

• z Gestaltungswille und Gestaltungskraft

sind nicht nur vom Geld

abhängig, weniger kann mehr sein

• z Mehr politischen Mut zur Bürgerbeteiligung

und Übertragung von

eigenverantwortung an die BürgerInnen

• z Klare Transparenz der politischen

entscheidungen und Prozesse

• z Nutzen des Mehrwertes darstellen

Kommentar

Ing. Hubert Langmann

Prozess- und Projektmanagement

8020 Graz, Bahnhofgürtel 77

hubert.langmann@stmk.gv.at

Mobil: 0676/866 65 155

Die Impulsreferate als auch die Ergebnisse

des Workshops zeigen, dass die österreichischen

Gemeinden mit ihrer infrastrukturellen

Hardware gut aufgestellt

sind, häufig sogar überproportioniert,

wenn man an die unzähligen Multifunktionshallen

oder an marmorsteinerne

Dorf- oder Marktplätze denkt, die Friedhofsstille

verbreiten. Arbeiten muss man

an der Software, wie man die Zukunftsgemeinde

mit den Lebenswelten der BewohnerInnen

optimal beleben und vernetzen

kann. Dieser Prozess kann aber

nur gemeinsam erfolgen: Gemeindeverantwortliche

und BürgerInnen auf

Augenhöhe mit aktiver Unterstützung

der Politik.

Ob wir den Herausforderungen „mehr

Zukunftsgemeinde – mehr Wert“ gewachsen

sind, wird sich daran zeigen,

wie wir es schaffen oder ob es überhaupt

gewollt ist, die BürgerInnen aktiv, ehrlich

und mit Verantwortung in die Entwicklung

ihres Lebensumfeldes oder ihrer

Gemeinde einzubinden …

Aktive Integration im Zusammenleben in Kapfenberg

5 Projektlounges zur BürgerInnen beteiligung mit Zukunft


LA 21 in Österreich

Gipfel-Splitter

| 14 |

Herzlichen Dank an alle, die bei der Veranstaltung mitgewirkt haben!

Märchenhaftes aus der Steiermark mit

Annemarie Pichler

Fortschritt im Motorikpark Gamlitz,

Südsteirisches Weinland

Mehr Regionalität im Arzbergstollen –

Präsentation des Käseprojektes

Das Steirische Vulkanland – Region der

Lebenskraft und das „HBI-Modell“ (Beteiligung

in 79 Gemeinden/14 Kleinregionen)

Über 240 TeilnehmerInnen aus ganz Österreich bei der Eröffnung in Graz

Innovative Beteiligungsprojekte in der

Stadt Bärnbach

ReferentInnen aus ganz Österreich

präsentierten Projekte aus der LA21

Auszeichnung von 5 Kleinregionen des Steirischen Vulkanlandes

Landent wicklung Steiermark


LA 21 in Österreich

Wolfram Tertschnig

| 15 |

Blick über die Schulter auf

den 7. LA21-Gipfel

Zivilgesellschaftliches

Engagement, die Lust zur

Beteiligung, zur aktiven

Mitgestaltung des eigenen

Lebensraums

Trotz angesagter oder tatsächlicher

Politikverdrossenheit in

Österreich sind oben genannte

Haltungen überdurchschnittlich

weit verbreitet.

Das zeigte nicht zuletzt der

große Ansturm an Interessierten

anlässlich des 7. Lokalen

Agenda-21-Gipfels in Graz.

Als bundesweites Netzwerkevent von und

für die Lokale Agenda 21 Community in

Österreich wurden bisher in regelmäßigen

Abständen sieben Lokale Agenda-21-Gipfelkonferenzen

mit insgesamt rund 1.600

TeilnehmerInnen veranstaltet. Der diesjährige

Gipfel stand ganz im Zeichen der BürgerInnenbeteiligung

und verdeutlichte

anhand von Exkursionen zu inspirierenden

LA21-Erfolgsbeispielen aus der Praxis,

informativen Workshops und spannenden

Referaten von hochkarätigen ReferentInnen

aus Politik, Wissenschaft und Verwaltung,

dass Lust und Frust in Sachen BürgerInnenbeteiligung

und direkte Demokratie

oft nahe beieinander liegen können.

Die LA21 stößt als Zukunftsinstrument in

den Regionen, Gemeinden und Bezirken

trotz immer knapper werdenden öffentlichen

Haushalten und wachsenden sozioökonomischen

Herausforderungen sowohl

bei den BürgerInnen als auch bei politischen

EntscheidungsträgerInnen auf

offene Ohren. Das Erfolgsrezept der LA21

liegt in deren Kern, und dieser birgt auch

in Zeiten wachsender Verunsicherung unverändert

politisches Potential: das Schaffen

einer fruchtbaren Basis für qualitätsvolle,

wertschätzende und wirkungsorientierte

Beteiligungs- und Gestaltungsprozesse,

wo der Mensch im Ort, vor Ort im

Mittelpunkt steht. So lassen sich mit relativ

geringen Ressourcen lokale Entwicklungsperspektiven

aufzeigen und in der

Agenda-Praxis auch langfristig tragfähige

Zukunftsprojekte realisieren, die nicht nur

die Gemeinschaft, die Wirtschafts- und Lebensräume

stärken, sondern auch unsere

Lebensqualität sichern. Nirgendwo lässt

sich „die Zukunft, die wir wollen“ (so der

Titel der Schlusserklärung der UN-Konferenz

zu nachhaltiger Entwicklung 2012 –

Rio+20), authentischer gestalten als auf

lokaler Ebene.

Das war der 7. Österreichische LA21-Gipfel

2012!

Damit dieses Good-Governance-Modell für

eine nachhaltige Entwicklung auf lokaler

und regionaler Ebene weiter gestärkt und

die Lust der BürgerInnen an der Agendaarbeit

nicht in Frust mündet, unterstützt

der Bund in ständiger Abstimmung mit den

Ländern die österreichische LA21-Community

durch Vernetzungsaktivitäten, Forschungsprojekte,

Förderungen und Kommunikationstools.

Gemeinsam sind wir bestrebt,

den Rahmen und die Basis für die

LA21 laufend weiter zu professionalisieren

und für neue Akteursgruppen sichtbar und

attraktiv zu machen. Die beachtliche Anzahl

an österreichischen LA21-Prozessen,

die mittlerweile auf 460 gesteigert werden

konnte, ist nur ein Erfolgsindiz dieses Zukunftsinstruments

und der nun schon langjährig

etablierte LA21-Gipfel Ausdruck dieser

guten Zusammenarbeit zwischen Bund

und Ländern und den vielen Agenda-AktivbürgerInnen

auf lokaler Ebene.

Info

Nähere Informationen zu den Anliegen und

Beiträgen des Bundes im Bereich der

Lokalen Agenda 21 erhalten Sie auf dem

Nachhaltigkeitsportal

www.nachhaltigkeit.at/la21

Round Table mit Prof. Peter Filzmaier, Bgm.-Stvin. Lisa Rücker (Stadt Graz), Landesrat

Johann Seitinger, Präs. LAbg. Bgm. Erwin Dirnberger (Gemeindebund Stmk.),

Bgmin. Ulrike Böker (Ottensheim/OÖ), Dr. Mag. a Rita Trattnigg (Lebensministerium),

Moderator: Michael Scheder (Antenne Steiermark)

Zur Person

Dr. Wolfram Tertschnig

Nachhaltigkeitskoordinator für den Bund

und Leiter der Abteilung II/3 des BMLFUW


countdown Alpine Ski-WM 2013

Nina Sulzenbacher | 16 |

Nachhaltig urlauben in der

Ramsau am Dachstein

Die „Ramsauer Bioniere“

Eine Gruppe von Bio-Bauern,

Kaufleuten und Gastronomen

zeigt, wie man mit der Philosophie

der Bio-Landwirtschaft

nicht gegen, sondern

mit der Natur Tourismus betreiben

kann.

Dabei wird beste Urlaubsqualität im Einklang

mit der Natur angeboten und auf

einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen

geachtet. Basis dafür sind die vollbiologische

Landwirtschaft, ein aktiver

Umweltschutz, eine sozial verträgliche

Produktbeschaffung, das Ernährungsbewusstsein,

eine umweltverträgliche Energie-

und Abfallwirtschaft sowie die Liebe

zu Natur und Mensch. Viele der Betriebe

haben individuelle Aktivitäten, um Wissen

an Gäste und Kinder weiterzugeben. Vorträge

über Kräutergärten mit alten Heilund

Genussmitteln gehören genauso

dazu wie geführte Wanderungen und spezielle

Kinder- und Aktivprogramme.

Interview mit Georg Berger, dem Obmann

vom Verein Ramsauer Bioniere.

Am Anfang einer jeden Bewegung

steht eine Vision. Wann und wie begann

die Vision der Ramsauer?

Die Nordische Ski WM 1999, die unter dem

Motto „Sport, Kultur, Natur“ stand, war der

Auslöser für die Ramsauer Bioniere. Bei

dieser Ski-WM 1999 in der Ramsau wurde

von den Verantwortlichen ein Bio-Dorf für

die Zuseher der WM errichtet. Bio-Bauern

aus der Steiermark präsentierten ihre

Produkte dabei einem großen Publikum.

Angespornt vom Erfolg dieses Bio-Dorfes

entstand die große Vision, sämtliche

Ramsauer Bauern und Gastronomen auf

biologische Produkte umzustellen, um so

Kontakt

Ramsauer Bioniere:

Georg Berger

Tel.: 03687/81835

www.bioregion-ramsau.at

Landent wicklung Steiermark

eine „Bio-Region Ramsau“ zu schaffen.

Diese Vision wird jetzt in einem kleineren

Maßstab von den „Ramsauer Bionieren“

gelebt, praktiziert und vermarktet.

Wie unterscheiden sich die „Ramsauer

Bioniere“ zu den konventionellen Gastgebern

in der Urlaubsregion?

Mit einer klaren Philosophie und Kriterien,

die der Gast jederzeit überprüfen und kontrollieren

kann. Wir denken, handeln und

wirtschaften entsprechend. Sämtliche Betriebe

der „Ramsauer Bioniere“ werden

von der ABG kontrolliert, besitzen das Österreichische

Umweltzeichen für Tourismusbetriebe

und erfüllen darüber hinaus

noch spezielle Kriterien. Hierzu zählen z. B.

100% Bio bei Essen und Trinken am Frühstücksbuffet,

die nachhaltige und sozial

verträgliche Energie- und Wasserwirtschaft

sowie die regionale Produktbeschaffung

zur Stärkung der Region.

Gerade in der heutigen Ökobewegung

ist es wichtig, den Nachhaltigkeitsanspruch

in der richtigen Sprache glaubwürdig

zu vermitteln. Welche Anforderungen

stellt der Gast, der bei den

„Ramsauer Bionieren“ Urlaub macht,

und wie wird diese Herausforderung

gemeistert?

Wir haben bei den Ramsauer Bionieren

sehr unterschiedliche Betriebe. Vom

4-Stern-Hotel bis zu Urlaub am Bauernhof.

Deshalb sind auch die Anforderungen

sehr verschieden. Gemeinsam haben alle

Betriebe 100 % Bio-Produkte, die wir unseren

Gästen anbieten. Das wird von Anfang

an von einer unabhängigen Bio-Kontrollstelle

geprüft.

Nicht nur regionale, frische Produkte,

auch das soziale und ökologische Engagement

zeichnen die Ramsauer Bioniere

aus – welche Maßnahmen werden

hier gesetzt?

„Regionale Produkte“ ist für mich zum gleichen

Unwort geworden wie „Nachhaltigkeit“.

Beide Wörter werden missbraucht.

Regional sagt nichts über die Qualität

eines Produktes (Lebensmittel) aus. Z. B.

kann man mit großen Mengen von genmanipuliertem

Soja in der konventionellen

Landwirtschaft Milch und Fleisch produzieren.

Nur weil wir große Teile Südamerikas

für die Tierfutterproduktion systematisch

zugrunde richten, können wir

zu diesen Preisen Milch- und Fleischprodukte

erzeugen und kaufen. Dieser

Wahnsinn geht hin bis zur Ausrottung von

indigenen Völkern. Das ist für mich weder

regional noch nachhaltig. Man darf nicht

nur das fertige Produkt sehen, sondern

muss auch seine Vorgeschichte (Düngung,

Spritzmittel usw.) kennen. Unser Motto

beim Einkauf unserer Produkte lautet:

REGIONAL, SAISONAL, aber in BIOQUALITÄT.

Neben Exkursionen für Schulen und Kindergärten

bieten wir immer wieder

veranstaltungen zum Thema Bio an: allen

voran das jährliche Bio-Hoffest am dritten

Sonntag im Juli.

„Ramsauer Bionier“ zu sein bedeutet

auch Investitionen zu tätigen. Wie wirtschaftlich

ist es, ein „Ramsauer Bionier“

zu sein?

Wir sind alle Unternehmer und führen unsere

Betriebe seit über zehn Jahren nach

unseren Richtlinien. Wäre es nicht

wirtschaftlich, würde es uns wohl nicht

mehr geben!

Wie sieht die Zukunft des Bio-Marktes

aus und welche Chancen sehen Sie im

Nachhaltigen Tourismus?

Immer mehr Menschen erkennen, dass

der Raubbau an unserer Mutter Erde

zweifellos in die Katastrophe führt. Wir

müssen andere Wege gehen. Bio zeigt einen

anderen Weg sowohl in der Landwirtschaft

als auch im Tourismus. Und es

sind immer mehr, die bereit sind, mitzugehen.

Nachhaltigkeit bedeutet für Sie?

Alles zu versuchen, um so zu wirtschaften

und zu leben, dass ich den nächsten

ge nerationen in die Augen schauen kann.

Wir können nicht das Wohlergehen

künf tiger Generationen gegen jetzigen

gewinn eintauschen.


countdown Alpine Ski-WM 2013

R e g i o n a l b e t r e u u n g

Nachhaltiger Tourismus –

Wie viel Nachhaltigkeit

wünscht der Gast?

Der österreichische Tourismus hat eine

lange und wirtschaftlich erfolgreiche Geschichte,

die auch dadurch gekennzeichnet

ist, dass sich weite Kreise der Bevölkerung,

insbesondere auch im ländlichen

Raum, für ein berufliches Engagement

in diesem Sektor entschieden haben.

Aber der Tourismus trägt, neben

seinen positiven Effekten für die Wirtschaft,

durch das erhöhte Verkehrsaufkommen

zum Klimawandel bei und ist

auch für einen massiven Ressourcenverbrauch

verantwortlich.

„Nachhaltiger Tourismus“ kann, wenn er

nicht nur als Schlagwort in Reiseprospekten

verwendet wird, sondern mit

Überzeugung getragen und umgesetzt

wird, in eine neue Richtung gehen, die

nicht nur authentisch, sondern auch ökonomisch

erfolgreich sein kann.

Kreativität, die dem Gast das unverwechselbare

Erleben von Natur, Kultur und

Gastfreundschaft ermöglicht, ist gefragt.

Eine Chance, die sich dem Tourismus bietet,

ist die wachsende Sehnsucht nach

Regionalität und gebietstypischen Eigenheiten.

Der verantwortungsvolle Umgang mit

Ressourcen gewinnt somit auch im Tourismus

stark an Bedeutung. Dazu zählen

die energieeffizienten Maßnahmen, die

Vernetzung mit der regionalen Landwirtschaft

und Partnern in der Region, ein

Verantwortungsbewusstsein in der Bevölkerung

und in der MitarbeiterInnenführung

sowie ein ausgeprägtes persönliches

Engagement der handelnden Personen.

Kontakt

Mag a . Nina Sulzenbacher

Landentwicklung Steiermark

Nachhaltigkeitskoordinatorin

der Schi-WM in Schladming 2013

nina.sulzenbacher@landentwicklung.com

Mobil: 0676/866 43 640

Ernst Nussbaumer | 17 |

Das BürgerInnenkraftwerk

Klima- und Energie-Modellregion Kleinregion

Schladming: Sich der Innovation und dem Fortschritt

anpassen – Veränderungen zulassen –

Sparen mit voller Energie

Gewinnbringende Investition

in die Zukunft – Photovoltaik

Eine Solarstromanlage ist

neben dem Beitrag zur

Reduzierung gefährlicher

Umweltgifte auch Ausdruck

der persönlichen Handlungsqualität

und Eigenverantwortung

hinsichtlich

kommender Generationen.

Das BürgerInnenkraftwerk bietet für alle

jene eine Chance, sich an einer sicheren,

umweltfreundlichen und zukunftsweisenden

Energieversorgung zu beteiligen, welche

selbst keine geeigneten Dach- oder

Grünflächen zur Verfügung haben.

Sonnenstrom für alle

Die Vision: Die Sonne

löst die Erde als Energielieferant

ab!

Durch die Nutzung von Sonnenenergie ist

jeder von uns erstmals in der Lage, energieunabhängig

zu werden.

Warum ein BürgerInnenkraftwerk

Jede(r) Einzelne soll die Energie der Sonne

nutzen können. Jedoch nicht jede(r) hat

die Fläche oder das Budget für eine eigene

Anlage. Beim BürgerInnenkraftwerk

stellen Gemeinden, Betriebe oder Private

Flächen zur Verfügung. Auf diesen Flächen

werden Gemeinschaftsanlagen errichtet.

Regional, transparent und fair

Unter diesen Gesichtspunkten initiiert die

EnergieAgentur Steiermark Nord GmbH

im Herbst 2012 eine breit angelegte BürgerInnenbeteiligung

im Rahmen der Klima-

und Energie-Modellregion – Kleinregion

Schladming zur Finanzierung von

Photovoltaikanlagen. Damit sind die Risiken

des Einzelnen äußerst gering und es

eröffnet sich zudem eine krisensichere Investitionsform.

Die EnergieAgentur übernimmt

Planung, Förderungsabwicklung,

Errichtung, Betrieb, Wartung und Versicherung

der Anlagen. Mit dem/der jeweiligen

DachflächeneigentümerIn wird ein Nutzungsvertrag

abgeschlossen. Der/Die BürgerIn

beteiligt sich (ab € 500,00) an der

GmbH in Form einer CO KG in seiner/ihrer

Gemeinde.

Statement

Ernst Nussbaumer

EnergieAgentur SteiermarkNord

Die Energiewende im Bezirk Liezen wird

mit viel Engagement seitens der Energie-

Agentur Steiermark Nord vorangetrieben

und wir setzen uns bei Veranstaltungen

und Beratungen dafür ein, Energieprojekte

zu realisieren, die Versorgung

krisensicher zu gestalten und den Energie-Selbstversorgungsgrad

im Bezirk

Liezen zu erhöhen. Dabei signalisieren

uns immer mehr Menschen ihre Bereitschaft,

sich bei nachhaltigen Gemeinschafts-Öko-Energieanlagen,

fernab von

Spekulationen, finanziell zu beteiligen.

Bei den Präsentationen „PV Bürgerbeteiligungen“

in den Gemeinden werden wir

uns immer klarer darüber, wie unabhängig

und selbstbestimmend die Bürger

sein wollen. Im Herbst werden wir in der

Kleinregion Schladming eine Veranstaltungsreihe

„PV Bürgerbeteiligung“ in

jeder Gemeinde starten, um auch in der

Tourismusregion Schladming ein Umdenken

und eine Energiewende voranzutreiben.

Kontakt

EnergieAgentur SteiermarkNord GmbH

Am Dorfplatz 400

8940 Weißenbach bei Liezen

Tel.: 03612/22207-14, Fax: 03612/22207-5

office@eaeg.at


Steirisches Vulkanland

Bürgermeister sind

Bodenschutzbeauftragte

Vier Bürgermeister aus dem

Steirischen Vulkanland haben

die Ausbildung zum Bodenschutzbeauftragten

abgeschlossen.

Damit verbunden sind

Aufgaben hinsichtlich der

Erhaltung gesunder Böden,

der Ausrichtung der Siedlungsentwicklung,

der

Lebensraumgestaltung und

der Bodennutzung.

Bodencharta ist unser erster Schritt

Aufgrund der gemeinsamen Vorgaben auf

europäischer und österreichischer Ebene

wird in den nächsten Wochen mit allen Akteuren

und regionalen Interessenten des

Steirischen Vulkanlandes eine BODEN-

CHARTA erstellt. Mit der Unterzeichnung

der Bodencharta ist die gemeinsame Verpflichtung

der Region zum Bodenschutz

dokumentiert.

Das Steirische Vulkanland beteiligt sich aktiv

an der Umsetzung des Bodenschutzes

und leistet damit einen wesentlichen Beitrag

zur Zukunftsfähigkeit der Region.

Kommunen sind eingeladen, vor Ort

Ankündigung:

2. Österreichische

Leerstandskonferenz

Der Berg schrumpft – Leerstand

im Alpenraum

11.–12. Oktober 2012

Eisenerz/Steiermark

| 18 |

Das Büro „nonconform architektur

vor ort“ veranstaltet 2012 zum zweiten

Mal die österreichische Leerstandskonferenz,

die dieses Jahr

schwerpunktmäßig dem Alpenraum

gewidmet ist. Mit dem Veranstaltungsort

Eisenerz findet die Konferenz

nicht nur in der geographischen

Mitte Österreichs, sondern

zugleich in der am meisten von

abwanderung betroffenen Region

statt. Kooperationspartner sind u.a.

redesign Eisenerz und die Landentwicklung

Steiermark.

Sparen Sie

über

€1.000,-

DAS

STEIRISCHE

HAUSHALTSSPARBUCH

im Jahr

Auf Ebene der Gemeinden und Kleinregionen

wurden erste Schritte seit 2011 umgesetzt.

(z.B.: Themenbeauftragte in den

Gemeinden, Agenda 21). Bodenschutz ist

für uns Schutz der Ressourcen und Schonung

der Naturräume. Eine wichtige Voraussetzung

dafür bildet das Bewusstsein

und Verständnis für nachhaltige und zukunftsfähige

Lösungen sowie die aktive

Mitbeteiligung der Bevölkerung im Rahmen

der Agenda21 Vulkanland.

Region Steirisches Vulkanland tritt

dem Bodenbündnis bei

Das Bodenbündnis ist ein Zusammenschluss

von Städten und Gemeinden in Europa,

die sich zum Ziel gesetzt haben, sich

aktiv für einen nachhaltigen Umgang mit

Böden einzusetzen.

beispielhafte bodengerechte Projekte zu

entwickeln und zu fördern. Wichtig sind

dabei die Bodenschutzbeauftragten bzw.

Themenbeauftragte aus der Agenda21 in

den Gemeinden, die mit konkreten Schritten

und Bewusstseinsbildung die Maßnahmenumsetzung

unterstützen.

Kontakt

Verein zur Förderung des

Steirischen Vulkanlands

Dörfl 2

A-8330 Kornberg

Tel.: +43-3152-8380-0

Fax: +43-3152-8380-4

office@vulkanland.at

Das Land Steiermark präsentiert

gemeinsam mit dem Lebensmittelhandel

Steiermark und der Energie

Steiermark das „Steirische Haushaltssparbuch“.

Der Ratgeber mit Praxisbeispielen

und Tipps zeigt auf, wie ein

Durchschnitts-Haushalt durch einfache

Verhaltens änderungen bei Wasser,

Strom, Heizung und Lebensmitteln

über 1.000 Euro pro Jahr einsparen

kann.

Das Haushaltssparbuch liegt im Lebensmittelhandel

auf und ist auf der

Homepage www.lebensressort. steiermark.at

als Download verfügbar.

Landent wicklung Steiermark


Steirische Gedanken

Roman Schmidt

| 19 |

Unser Lebensstil ist gefährlich

Wer bezahlt die Rechnung?

Wie kann ein Leiberl

1 Euro 99 kosten?

Warum zahlt man für

das Kilo Schnitzelfleisch

weniger als für dieselbe

Menge Katzenfutter?

Warum legt der Handel bei

Aktionsbier Geld dazu?

Wir verabscheuen Kinderarbeit

und ausbeuterische

Fabriken, kaufen aber

Schuhwerk im einstelligen

Eurobereich und das

Hühnchen ausschließlich

zum Diskontpreis.

Irgendjemand muss die offene Rechnung

bezahlen. Oft sind es Kinder in Entwicklungsländern,

Bauern in unserer Nachbarschaft

oder der kleine Nahversorger, der

uns erst dann so richtig fehlt, wenn er

nicht mehr da ist. Wir kaufen das Leid anderer

Menschen mit. „Wir kennen von allem

den Preis, doch von nichts den Wert“,

stellte Oscar Wilde vor langer Zeit fest. Diese

Beobachtung gilt für unsere globalisierte

Welt mehr denn je.

Wie geil ist Geiz auf Kosten anderer?

Allein in Österreich landen jährlich 96.000

Tonnen genießbares Essen im Müll. Anders

ausgedrückt wirft jeder Österreicher

im Schnitt 11,5 Kilogramm unverdorbenes

Essen in den Mistkübel. Damit gibt jeder

Die Weltressourcen für

das Jahr 2012 sind bereits

verbraucht, die kommenden

Wochen und Monate leben

wir auf Kosten unserer

Kinder und Enkel!

Bürger laut Erhebung der Bundesregierung

im Schnitt jährlich mehr als 300 Euro

für Lebensmittel aus, die schließlich im

Mülleimer enden. Gleichzeitig schlagen

Verbraucherorganisationen Alarm, dass

Lebensmittel für Konsumenten zu teuer

würden.

Kann sich eine Gesellschaft leisten, einen

Milliardenbetrag jährlich im Müll zu versenken

und gleichzeitig der „Geiz ist Geil“-

Mentalität zu frönen? Im Augenblick sparen

wir auf Kosten anderer, um im Gegenzug

großzügig wegzuwerfen?

Können wir uns diesen Lebensstil künftig

leisten in einer Welt, in der die Ressourcen

knapp sind und der Hunger groß ist? Ist

dieses Konsumverhalten tragbar in einer

Zeit, in der wir unsere Erde derart ausbeuten,

dass dieser Tage bereits die gesamten

Weltressourcen für das Jahr 2012 verbraucht

sind und wir die kommenden Wochen

und Monate auf Kosten unserer Kinder

und Enkel leben?

Keine Zeit für Ausreden

Es ist Zeit zu handeln. Ausnahmslos jeder

von uns ist verantwortlich, egal ob kleines

oder großes Einkommen, egal ob Landwirt,

Arbeiter, Angestellter oder Politiker.

„Sei du die Veränderung, die du dir für die

Welt wünscht“, brachte es Mahatma Gandhi

auf den Punkt. Doch wollen wir eine

Veränderung, wenn wir doch auf Kosten

anderer so gut leben? Wie lange noch?

Kontakt

Roman Schmidt

Regionsmarketing, Öffentlichkeitsarbeit

Steirisches Vulkanland

03152/8575-200

conterfei@imzentrum.at


Praxisorientiert

Hubert Klammler

| 20 |

Almenland Energie –

Erfolg durch Partnerschaft

Tun WIR was – sonst macht

es der Klimawandel.

Das ist ein wichtiger Leitgedanke

und prägt die Arbeit

der Akteure für den Bereich

Energie im Almenland.

Materialhybrides Wasserrad

Biomasseheizwerk Heilbrunn,

Fertigstellung 2012

Energie ist der Motor der Wirtschaft, ohne

Energie läuft gar nichts. Die Sonne bringt

das 10.000-fache des Bedarfs der Menschen

an Energie auf die Erde. Immer mehr

von dieser direkten Sonnenenergie zu nutzen

und möglichst wenig an fossiler Energie

zu verbrauchen, das hat sich das Almenland

auf die Fahnen geheftet.

In diesem netten Fleck von Österreich –

Almenland genannt – ist Reinheit und

Sauberkeit schon aus Gründen des Tourismus

sehr wichtig.

Biomasse

Erneuerbare Energie aus Biomasse von

den heimischen Wäldern in Form von

Scheitholz, Hackschnitzel, Fernwärme und

neuerdings auch in Form von Pellets hat

große Bedeutung und wird bald zur Gänze

eingesetzt. Öl, Gas oder Kohle verlieren

zunehmend.

Während in den Ortskernen schon 18 Biomasseheizwerke

und Mikronetze mit einem

Jahresbedarf von mehr als 35.000

srm Hackschnitzeln arbeiten, ist es Ziel,

auch in dezentralen Siedlungsanlagen auf

gemeinschaftlicher Basis zentrale Hackgutheizungen

zu initiieren und zu installieren.

Für diese Vorhaben hat das Almenland

mit der Fa. KWB eine Partnerschaft

zur professionellen Umsetzung derartiger

Projekte geschlossen.

Kinder der Naturparkhauptschule Breitenau bei einem Energie-Aktivtag

Wasserkraft

Wasserkraft ist ein weiterer wichtiger

Schwerpunkt. Hier hat das Almenland mit

der Verbundtochter ARP (Austrian Renewable

Power) eine gemeinsame Firma die

„Almenland Energie GmbH“, gegründet,

welche zum Ziel hat, bestehende Wasserkraftanlagen

zu optimieren und aufgelassene

zu reaktivieren. In Einzelfällen ist es

auch sinnvoll, neue Anlagen zu errichten.

Ökologie geht stets vor Ökonomie. Ökologische

Verbesserungen werden bei praktisch

allen Optimierungen erreicht.

Photovoltaik

Photovoltaik ist neben der Wasserkraft der

Schwerpunkt im elektrischen Bereich. Mit

mehr als 100 Interessenten an Neuerrichtungen

bei der letzten Förderaktion des

KLIEN (Klima & Energiefonds) haben die

Bewohner des Almenlandes bewiesen,

dass ihnen CO 2 -neutraler sauberer Strom

wichtig ist, und sie sind bereit, dafür zu investieren.

Um diesen Strom auch optimal

einzusetzen, werden Pumpspeicheranlagen

einen weiteren wichtigen Mosaikstein

zur Energieautarkie bis 2020 bilden.

Die Bereiche thermische und elektrische

Energie werden in Praxisprojekten, Maturaprojekten

und Diplomarbeiten laufend

bearbeitet und sind gut betreut.

Im Bereich Mobilität sind erste erfolgsversprechende

Ansätze getan, es gibt 100

e-Bikes in Verleihstationen zum Ausborgen

und sie bringen so Bewusstseinsbildung

und Naturerlebnis zugleich.

Über all den Bestrebungen für die erneuerbare

Energie steht stets der Gedanke des

Energiesparens und der Energieeffizienz.

Die eingesparte Energie ist die sauberste

Energie! Diese Bewusstseinsbildung im Inneren

durch Vorträge in Kooperation mit

Wirtschaftsbetrieben für die Bevölkerung

ist ebenso wichtig wie die Erfolge den Exkursionsbesuchern

aus allen Teilen dieser

Welt zu präsentieren.

Kontakt

Hubert Klammler

Almenland Energiebeauftragter

DI Werner Frissenbichler

GF Almenland Energie GmbH

www.almenland.at

Landent wicklung Steiermark


Vielfalt des Landes

Gudrun Gruber

| 21 |

Ländliche Vielfalt bewahren

Regionalität für mehr Sicherheit

und Transparenz

Im Rahmen der Nahversorger-

Tagung im Juni 2012 in Salzburg

hatte ich Gelegenheit,

mit Heiner Sindel, dem 1. Vorsitzenden

des Bundesverbandes

der Regionalbewegung in

Bayern, ein Interview zu

führen.

Sie sind seit vielen Jahren engagiert,

dem ländlichen Raum mehr wirtschaftliche

Bedeutung zukommen zu lassen.

Wie würden Sie „die Region“

definieren?

Eine Region kann sich geographisch definieren

im Bezug auf das, was sie in Zukunft

unternehmen möchte. Es kann aber

auch zu neu geschaffenen Regionen kommen,

wie z.B. die Region Hesselberg, die

von dem Bewusstsein vieler Bürger getragen

wird, wo es aber keine geografische

Zuordnung gibt. Einer der wichtigsten

Punkte ist es, eine regionale Dachmarke

zu schaffen, wobei man sich vorher klar

sein muss, welche Bereiche man mit einbeziehen

möchte. Dann muss man viele

Menschen an Bord holen, die den gleichen

Weg gehen wollen und sich den Rückenwind

der Bevölkerung sichern. Regionen

brauchen starke ländliche Räume und lebendige

Ortskerne.

Was wäre im Hinblick auf die demografische

Entwicklung des ländlichen

Raumes zu beachten?

Die ländlichen Räume müssen unsere Zukunft

sein, sonst werden sie weiterhin ausbluten.

Es ist das Ziel, die Vielfalt des ländlichen

Raumes zu bewahren und darauf

zu achten, dass die Versorgung gewährleistet

ist. Eine Vielzahl von Akteuren in

den Regionen sind Garanten ihrer Stabilität.

Gute Politik unterstützt diesen Prozess.

Wie sehen Sie die Wertschöpfung der

Jugend im ländlichen Raum?

Dieser Bereich ist seit über 30 Jahren nicht

behandelt worden. Junge Menschen sollten

selbst gefragt werden, warum sie den

ländlichen Raum verlassen und was sie benötigen

würden, um bleiben zu wollen.

Wir haben im ländlichen Raum einen hohen

Anteil an Abiturienten, die in den

städtischen Bereich abwandern, weil wir

diesbezüglich keine Angebote für das Berufsfeld

der jungen Menschen anbieten.

Diese Prognosen „Was steht für Arbeit in

Zukunft an?“ könnte man mittels einer

Studie erheben. Ich glaube auch, dass die

Lebensqualität vom schönen ländlichen

Raum zu wenig beworben wird. Die alten

Vereinsstrukturen müssten sich ändern

und das Vereinsleben sollte stärker auf Jugendliche

bezogen sein.

Was müssten Kommunalpolitiker in

Zukunft stärker beachten?“

Die Kommunalpolitiker sollten nicht den

einfachen Weg gehen und billiges Bauland

ausweisen, um ihren Bedarf zu decken,

sonst verlieren sie die Zukunft des

ländlichen Raums aus dem Blick. Im ländlichen

Raum muss die Vielfalt bewahrt

werden. Wenn einer aufhört, hört auch der

nächste auf. Wenn aber einer erfolgreich

ist, steckt er die anderen an. Die Globalisierung

ist nicht mehr umkehrbar, aber

man kann regionale Nischen schaffen, die

wieder marktwirtschaftliche Bedeutung

erlangen.

Pioniergeist ist wieder gefragt, denn wer

nicht wagt, hat schon verloren!

Zur Person

Heiner Sindel,

Feuchtwangen, Bayern

VerbraucherInnen für den regionalen und

fairen Einkauf zu gewinnen, das ist Heiner

Sindels Ziel.

Er ist Mitbegründer von Artenreiches Land

– lebenswerte Stadt und ist 1. Vorsitzender

des 2005 gegründeten Bundesverbandes

der Regionalbewegung.

Er schmiedet Allianzen für Stadt und Land,

denn „die Vielfalt des Landes“, davon ist er

überzeugt, „ist die Lebensqualität der

Stadt“.

www.regionalbewegung.de

www.region-hesselberg.de

R e g i o n a l b e t r e u u n g

„Mein Kaufhaus“ in Lassing

In Zuge der Nahversorger-Tagung wurden

Gemeinden präsentiert, die wieder

versuchen, gemeinsam mit einem Betreiber

die Lebensmittel-Nahversorgung in

ihrer Gemeinde zu gewährleisten. In der

Steiermark gibt es bereits 221 Gemeinden,

die keinen Lebensmittelversorger

mehr haben, das heißt, 40 Prozent der

steirischen Gemeinden sind ohne Lebensmittelgeschäft.

Vor fast sieben Jahren wurde in Lassing

im Rahmen der Lokalen Agenda 21 wieder

die Versorgung mit Lebensmitteln

für die Bevölkerung mit der Neueröffnung

eines Kaufhauses sichergestellt.

Die Betreiberin Heidrun Lackner bietet

im „Mein Kaufhaus“ – Nah & Frisch ihren

Kunden neben der üblichen Produktpalette

auch noch eine gemütliche Kaffee-

Ecke, Geschenksartikel und jeden Mittwoch

regionale Köstlichkeiten wie Bauernbrot

und Roggerne Krapfen an. Zusätzlich

werden auch Platten und Brötchen

auf Bestellung angeboten und bei

Bedarf die Waren auch nach Haus geliefert.

Großen Anklang innerhalb der Bevölkerung

findet auch der Fischmarkt,

der zeitweise durchgeführt wird.

Kontakt

Gudrun Gruber

Landentwicklung Steiermark

Prozess- u. Projektmanagement

gudrun.gruber@stmk.gv.at

Mobil: 0676/866 43 754


Lokale Agenda 21

Interview Astrid Holler

| 22 |

Ein Weingut „biowegt“ die Zukunft

Biologisch-dynamisch

Interview mit Alice und

Roland Tauss, an deren Wein –

ein Produkt ihrer Lebenshaltung

– immer mehr Menschen

Geschmack finden.

Was ist das Besondere an

Eurem Betrieb?

Es zieht sich in Sachen Nachhaltigkeit und

Umwelt ein ökologischer Faden durch unseren

Betrieb und durch unser tägliches

Leben. Das betrifft die Landwirtschaft, die

Energieversorgung, das Bauen und Wohnen

sowie die Gästebeherbergung und

Verpflegung. Es ist unsere Lebenshaltung,

die wir hier auf unserem Stück Land mit

unserem Tun zum Ausdruck bringen. In

Dankbarkeit und Respekt mit allen Pflanzen,

Tieren und Menschen.

Wie kommt man zu diesem ganzheitlichen

Ansatz?

Auslöser für die bewusste Auseinandersetzung

mit diesem ganzheitlichen Ansatz

der Bewirtschaftung und des Lebens war

vor ca. 15 Jahren die Neurodermitis unseres

Sohnes. Damals hat uns unser

Homöopath empfohlen, auf Produkte mit

Farb- und Konservierungsmitteln sowie

auf alle künstlichen Zusatzstoffe zu verzichten

und stattdessen auf Bioprodukte

zurückzugreifen, was sich auch innerhalb

kurzer Zeit sofort positiv auf Jakobs Gesundheit

ausgewirkt hat.

Wir haben uns neu orientiert und trotz

großer Investitionen in den Weinkeller die

Betriebsphilosophie geändert. Der letzte

Schritt war dann 2005 die Umstellung auf

biologisch-dynamische Landwirtschaft,

wir sind also ein Demeter-Betrieb.

Gab es Rückschläge?

Ja natürlich gab es die. Ein Großteil unserer

Kunden konnte sich mit diesem völlig

anderen Geschmacksbild der Weine nicht

identifizieren. Und so waren nicht nur die

geringen Erträge, sondern auch Verkaufsrückgänge

zu verzeichnen. Nach fünf

schwierigen Jahren haben sich genügend

neue Kunden gefunden, die unsere Weine

wertschätzen und uns auf unserem Weg

begleiten. BIO beim Wein war anfangs für

die Menschen viel schwerer zu verstehen

als bei den übrigen Lebensmitteln. Mittlerweile

hat sich aber das Bewusstsein der

Menschen so weit verändert, dass sie sich

fragen: Was tut mir gut? Was schmeckt mir

wirklich? Wo ist noch Lebendigkeit

vorhanden? Wen unterstütze ich mit meiner

Kaufentscheidung und was kann ich

persönlich beitragen zu einer gesunden

Natur? Es sind neue Werte im Entstehen

und genau das stärkt uns jetzt umso mehr.

Warum hat man sich für das

Umwelt zeichen für Tourismusbetriebe

entschieden?

Wir haben uns für das Umweltzeichen für

Tourismusbetriebe ebenso wie für die Biohotels-Mitgliedschaft

entschieden, damit

wir unser Angebot besser und gezielter

nach außen kommunizieren können und

so auch eine Kunden- bzw. Gästeschicht

erreichen, die bereits für den ganzheitlichen

Ansatz sensibilisiert ist.

Auch die Kooperation mit „Schmecke das

Leben“, die wir mit vier weiteren Winzer-

Familien eingegangen sind, bestärkt unser

aller Philosophie und unseren Weg der

bio-dynamischen Bewirtschaftung.

Was war/ist die Herausforderung, die es

aus Eurer Sicht zu bewältigen galt?

Je schwieriger der Weg geworden ist,

umso klarer ist er für uns geworden. Es gab

zwar wirtschaftliche Einbußen, aber die

persönliche Entwicklung und unsere Erfahrungen

auf diesem Weg waren unglaublich

erfüllend. Es war in Summe ein

großes Bewusstseinsbildungsprojekt. Es

hat uns Sicherheit gegeben, dass wir beide

dasselbe wollten und wir so auch nicht

vom Pfad abgekommen sind. Heute können

wir uns klar deklarieren und sehen

gestärkt und voller Zuversicht den kommenden

Jahren entgegen.

Mit der Natur zu arbeiten und im Sinne der

Schöpfung, das ist unsere Aufgabe. Daraus

entsteht für uns eine Freiheit, die sich im

Alltag genauso spiegelt wie in unseren

Weinen. Und das ist schön (lacht)!

Was hält andere Unternehmen aus

Eurer Sicht derzeit ab, ebenso diesen

Euren Weg einzuschlagen?

Wir denken, dass es in erster Linie

wirtschaftliche Überlegungen sind und

die Angst vor finanziellen Einbußen überwiegt.

Aber es wird auch hier ein Umdenken

geben.

Was würdet Ihr anderen

Betrieben empfehlen?

Kritisch zu sein, über sich und das Leben

und Wirken nachzudenken.

Ein Spruch, der mir in diesem Zusammenhang

sehr gefällt: „Hat der eingeschlagene

Weg ein Herz“ (Staudinger).

Wir haben den Mitbewerbern immer wieder

angeboten, ihnen unsere Erfahrungen

weiterzugeben und ihnen auf dem Weg

der Umstellung behilflich zu sein. Es wurde

bis jetzt nie angenommen.

Immer wieder wird gesagt – „Ich alleine

kann nichts ändern“ – das stimmt nicht;

gerade ich selbst kann aktiv werden, indem

ich handle und mein Leben selbst

bestimme (wie ich leben will, was ich esse,

wie ich produziere, was mir wichtig ist …).

Was fehlt Euch im Sinne einer nachhaltigen

Entwicklung in der Region?

Wo würdet Ihr ansetzen?

Es gibt so viele gute Beispiele von Ökoregionen.

Es ist wichtig, dass die Player

einer Region an einem Strang ziehen und

sich zu einer nachhaltigen Entwicklung

bekennen. (z. B. Bürgermeister, Naturpark,

…). Abschließend können wir nur sagen,

dass wir durch die bewusste Umstellung

auf eine nachhaltige Wirtschafts- und

Lebensweise ein Mehr an Lebensqualität

und Freiheit gewonnen haben.

Kontakt

Fam. Alice & Roland Tauss

Biologisch-Dynamisches Weingut

Schlossberg 80, 8463 Leutschach

Tel. 03454 6715

www.weingut-tauss.at

Landent wicklung Steiermark


Biologisch-Dynamisch

Bgm. Franz Hierzer

| 23 |

Schulgarten und

Feld versuche

R e g i o n a l b e t r e u u n g

Ing in . Astrid Holler

Landentwicklung Steiermark

Die Natur neu entdecken

Die Idee, einen neuen Schulgarten

zu errichten, ist

während des Lokalen Agendaprozesses

„Gabersdorf

Gemeinsam Gestalten“ unter

der Prozessbegleitung von

Ing. Astrid Holler von der

Landentwicklung Steiermark

entstanden.

Die Idee, einen neuen Schulgarten zu errichten,

ist während des Lokalen Agendaprozesses

„Gabersdorf Gemeinsam Gestalten“

unter der Prozessbegleitung von Ing.

Astrid Holler von der Landentwicklung

Steiermark entstanden.

Die Arbeitsgruppe Landwirtschaft, Wirtschaft

und Umwelt hat angeregt, vor allem

den Kindern unserer Gemeinde das Thema

Landwirtschaft und Wirtschaft näher zu

bringen. Dies zu erreichen, soll durch verschiedenste

Aktivitäten geschehen. Die

Anlage eines großflächigen Schulgartens

im Anschluss an den Trainingsplatz und

eines kleinen Gartens im Bereich der Multifunktionssportanlage

ist teilweise bereits

umgesetzt.

Ein Teil der angrenzenden Ackerfläche entlang

des Trainingsplatzes wurde von Ernst

Holler aufbereitet, ehe mit den Kindergarten-

und Schulkindern die händische Bepflanzung

durchgeführt wurde. Mit großer

Freude und viel Elan haben die Kinder unter

fachkundiger Beobachtung dann Salat,

Kraut, Erdbeeren, Kartoffeln, Kürbis, Mais,

Weizen, Gerste und Hafer angebaut und

ausgesät. Der kleine Garten, der vor allem

als Kräutergarten für die Schulküche gedacht

ist, wird erst in den nächsten Tagen

bepflanzt.

Ein weiterer Schwerpunkt im Rahmen der

Landwirtschaft ist ein jährliches Spezialthema.

Für heuer wurde alles rund um

den Kürbis gewählt. Andreas Reinisch ist

seitens der Landwirte dafür verantwortlich,

dass es während des Jahres verschiedene

Aktionstage gibt.

Den Kindern soll dabei das Thema Kürbis

vom Anbau, von der Pflege, von der Ernte

bis hin zum fertigen Kürbiskernöl bzw. bis

hin zur gesamten Vermarktung näher gebracht

werden. Die Landwirte gemeinsam

mit den Pädagogen sind gefordert, diese

sinnvollen Maßnahmen im Sinne einer aktiven

Bewusstseinsbildung, umzusetzen.

Ich weiß, dass solche Maßnahmen teilweise

sehr anstrengend sein können und sehr

viel zusätzliche Organisation notwendig

ist. Damit wir den künftigen Anforderungen

noch besser gerecht werden, aber vor

allem, damit wir die Zusammenhänge

menschlichen Wirkens im Einklang mit der

Natur wieder besser verstehen lernen, sind

solche Dinge ganz unablässig. Naturbeobachtung

ist etwas ganz Wichtiges, dies ist

gleichzusetzen mit „Das Leben besser verstehen“.

Natur verstehen, fördern und erhalten

ist ein Geschenk an uns selbst.

Ich bedanke mich wirklich bei allen, die

sich bereits jetzt in den Dienst der Sache

gestellt haben. Damit es keine Eintagsfliege

wird, sind wir aber auch in Zukunft auf

die Unterstützung weiterer freiwilliger

Helfer angewiesen.

Überlassen wir unser Essverhalten

und die Geschmacksbildung

nicht multinationalen

Konzernen!

Viele Kinder und Jugendliche wissen

mittlerweile kaum etwas über die Herkunft

unserer Lebensmittel. Es ist ihnen

gar nicht bewusst, dass es die Natur ist,

die sie ernährt. Was eigentlich gar nicht

verwunderlich ist, schließlich wird in vielen

Familien heute nicht mehr wirklich

gekocht, sondern aufgewärmt. Wir wissen

aber auch, dass gerade geschmackliche

Vorlieben und Essgewohnheiten

bereits in früher Kindheit geprägt werden

und Kinder die Konsumenten von

morgen sind.

Jedes Nahrungsmittel ist zu jeder Jahreszeit

im Supermarkt verfügbar und industriell

hergestellte Produkte haben die

Haushalte erobert.

Gerade Kinder können damit den Wert

hochwertiger, saisonaler, heimischer Lebensmittel

nicht mehr erkennen.

Mit der Anlage eines Schulgartens und

dem anschließenden Verarbeiten und

Verkosten der geernteten Lebensmittel

in der Schulküche, wie in der Agenda-21-

Gemeinde Gabersdorf, setzen wir einen

Beitrag, Bewusstsein für die Natur, die

Produktion von Lebensmitteln und den

unvergleichlichen Geschmack von frischen

Produkten bei unseren Kindern zu

schaffen. Die Kinder sollen die Natur mit

ihren Händen „begreifen“ und bei der

Ernte mit allen Sinnen genießen.

Da begeisterte Kinder bekanntlich in der

Lage sind, Berge zu versetzen, werden

sie es sein, die die Konsum- und Ernährungsgewohnheiten

ihrer Eltern positiv

verändern werden!

Kontakt

Prozess- u. Projektmanagement

astrid.holler@stmk.gv.at

Mobil: 0676/866 43 758


Der MehrWert von Ressourcen

Christine Rossegger

| 24 |

Taschen aus

besonderem Stoff

Statement

Christine Rossegger

Redaktion „Thema:Steiermark

Projekt: Soziales und

Recycling

Im Jahr 1999 startete die

Caritas Diözese Graz-Seckau

einen Pilotversuch, der junge

arbeitsmarktferne Menschen

unterstützt, um ihnen den

Zugang in einen geregelten

Arbeitsalltag zu ermöglichen.

Das Ergebnis kann sich sehen

lassen – das Jugendbeschäftigungsprojekt

„tag.werk“

entstand.

Landent wicklung Steiermark

stätte, beim Verkauf im hauseigenen Geschäft

oder im Bereich Postversand tätig

sein. Der Lohn, der etwa € 5,10/Stunde beträgt,

wird nach verrichteter Arbeit ausbezahlt.

Oft müssen Jugendliche aufgrund

des großen Andrangs auf einen Wartelistenplatz

verwiesen werden. Durch finanzielle

Kürzungen des Landes gebe es leider

nicht genügend Ressourcen, um mehr

junge Menschen aufzunehmen, so der

Projektleiter Mag. Bernhard Sundl. Derzeit

ist dieses jungendfördernde und ressourcenschonende

Projekt auf die Unterstützung

von Sponsoren angewiesen. Aber

auch Unterstützung der Bevölkerung

durch Sachspenden, wie beispielsweise

Möbelstoffe oder alte Lederjacken, wird

Begonnen hat alles mit den zu Recht als

„Kult“ bezeichneten Planentaschen. Diese

Taschen werden aus Recyclingmaterial,

hauptsächlich aus Zelt- und Werbeplanen,

produziert. Doch Planentaschen sind kein

gewöhnlicher, kurzlebiger Modetrend.

Jede Tasche ist ein Unikat und wurde von

arbeitsmarktfernen jungen Menschen im

Alter zwischen 15 und 25 Jahren im Rahmen

des Jugendbeschäftigungsprojekts

tag.werk gefertigt. Das tag.werk in der

Grazer Mariahilferstraße bietet Jugendlichen

in schwierigen Situationen, sei es das

Fehlen einer abgeschlossenen Ausbildung,

seien es finanzielle Probleme, Wohnungslosigkeit,

Sucht oder/und fehlende

familiäre Unterstützung, die Möglichkeit,

sich langsam an einen geregelten Arbeitsalltag

zu gewöhnen. Täglich können

etwa zehn Jugendliche für fünf Stunden

entweder direkt kreativ in der Nähwerkgerne

entgegengenommen. In der Nähwerkstätte

wird nicht nur Recycling, sondern

auch „Upcycling“ praktiziert – also bereits

Bestehendes, aber nicht mehr in ursprünglicher

Form Verwendbares zu einem

neuen Produkt umgestaltet.

Seit der Gründung des Projektes hat sich

auch das Sortiment erweitert. Mittlerweile

wird im Shop neben diversen Taschen auch

Mode von österreichischen Jungdesigner-

Innen angeboten. Zukünftig, so Mag.

Sundl, soll das tag.werk auch im Bereich

Mode Fuß fassen.

Kontakt

Geschäft und Nähwerkstätte:

Mariahilferstraße 13

8010 Graz

www.tagwerk.at

Bio, Fairtrade & Co – eine

Frage des reinen (Ge)Wissens?

Oft sitzt es uns unangenehm im Nacken.

Gesenkte und betroffene Blicke können

daraus resultieren. Auch Bauchschmerzen

sind mögliche Symptome, wenn es

einmal verunreinigt wurde, das Gewissen.

Immer wieder weist es uns auf

manchmal vermeintliche Fehltritte hin.

Gerne treten die unangenehmen Erscheinungen

eines unreinen Gewissens

auch bei Konsumentscheidungen auf.

Können, wollen oder sollen wir zu den

unterschiedlichsten Gütesiegeln – von

Fairtrade bis Bio – greifen? Können wir

uns ein reines Gewissen, so wie es die

Werbung oft suggeriert, mit so genanntem

nachhaltigem Konsum erkaufen?

Grundsätzlich scheinen all diese Gütesiegel

doch nur Gutes als solches erkennbar

zu machen. Ist doch schön, wenn Plantagenarbeiter

ein paar Cent mehr für ihre

Arbeit bezahlt bekommen. Ja natürlich

sollte Natur pur bevorzugt werden, wo

es möglich ist, um sich selbst und die eigene

Familie zurück zum Ursprung zu katapultieren

und mit qualitativ hochwertigen

Produkten zu versorgen. Schwierigkeiten

entstehen allerdings dann,

wenn es um die Entscheidung geht, die

höheren Ausgaben für mit Siegeln versehene

Produkte vielleicht doch besser

in ein Dach über den Kopf oder andere

essentielle Dinge zu investieren.

Die Gewissen verschiedener Menschen

sind unterschiedlich ausgeprägt und deren

„Besitzern“ stehen monetäre Mittel

in verschiedener Höhe zur Verfügung –

der finanzielle Aspekt spielt in diesem

Zusammenhang also auch eine wichtige

Rolle.

Schlussendlich ist es fraglich, wie weit es

sinnvoll ist, den Gütesiegel dschungel

finanziell zu unterstützen, denn durch

die Vielfalt dieser Auszeichnungen werden

tatsächliche Qualitätsunterschiede

weniger transparent. Somit wird dies

auch zur Frage des reinen (Ge)Wissens.

Spätestens dann, wenn es Schuhe mit

Sohlen gibt, die damit beworben werden,

dass die Sohlen innerhalb weniger

Tage biologisch abbaubar sind, ein Verkaufsschlager

werden, sollten wir unser

von der Werbung vermitteltes ökologisch

wertvolles Konsumverhalten noch

einmal überdenken.

Kontakt

christine.rossegger@landentwicklung.com


Bewusst regional

Kathrin Grillitsch

| 25 |

Steirisch

essen

Familie Petzl aus St. Peter am

Kammersberg „isst“ steirisch

Im letzten Sommer wurde

Barbara Petzl auf einen Zeitungsartikel

aufmerksam, der

einen Urlaub als Preis für eine

Beteiligung an der Aktion,

sich ein halbes Jahr nur mit

steirischen Produkten zu

ernähren, versprach.

Neugierig geworden, welche Bedingungen

zu erfüllen wären, meldete Barbara

Petzl sofort ihre Familie an. Aus 111 Bewerbungen

kam die Familie aus St. Peter am

Kammersberg zu einem Casting, zu dem

sich zehn Familien qualifiziert hatten. Über

Internetvoting wurden dann drei Familien

ausgewählt, ein halbes Jahr steirisch zu

essen, aber dabei den gewohnten Lebenswandel

beizubehalten.

Am 13. August 2011 begann eine sehr

spannende Zeit, die wohl beim Einkaufen

die größten Veränderungen brachte, nicht

aber im täglichen Leben, denn Frau Petzl

ist eine Frau mit Herz und einem gesunden

Hausverstand, die das intakte Familienleben

im Einklang mit der Natur gestaltet.

Ein 100-prozentiges steirisches Leben

ist nach Meinung von Barbara Petzl nicht

möglich, denkt man an Kaffee oder Kakao.

Diese Produkte gibt es einfach nicht in der

Steiermark. Diese wurden dann über „fairtrade“

gekauft. Als Alternative zum Kakao

gab es für die Kinder heiße Milch mit Honig.

Stolpersteine waren das Gemüse, die Gewürze

und das Salz, bei Zucker half man

sich mit dem Anbau der Pflanze Stevia im

Hausgarten, als Süßigkeiten für die Kinder

dienten getrocknete Früchte.

Im Zuge der Aktion wurde die Aufmerksamkeit

auf regionale Produzenten, Bauernmärkte

und Direktvermarkter gelenkt.

Zum Einkaufen benötigte man mehr Zeit,

denn im Supermarkt gibt es die Kennzeichnungspflicht

„Steirisch“ nicht, es wird

nur „Herkunft Österreich“ ausgewiesen.

Daher wurde dann das Kaufgeschäft in der

Bezirkshauptstadt aufgesucht, um den

Einkauf zu tätigen.

Obwohl es keine Kontrolle seitens der veranstaltenden

Zeitung gab, war der Druck

der Öffentlichkeit enorm, denn Barbara

Petzl fühlte sich beim Einkaufen von anderen

Frauen beobachtet.

Rückblickend waren die Einkaufswege länger,

um steirische Produkte zu erwerben.

Es haben sich neue Handelsbeziehungen

ergeben, der Gemüsehändler aus Leibnitz

hat nun auch in der Obersteiermark neue

Kunden gefunden. Finanziell gab es durch

die neue Art des Einkaufens keinen wesentlichen

Mehraufwand, denn es wurde

viel selbst erzeugt und im Hausgarten angebaut.

Das Arbeitspensum hat sich sicherlich

erhöht, da das Brot und die Mehlspeisen

selbst gebacken wurden und das

Schweinefleisch zu Hause eingepökelt

wurde. Kräuter mussten gesammelt und

getrocknet, das Gemüse angebaut und im

Herbst eingelagert werden.

Obwohl diese Aktion im Februar dieses

Jahres offiziell zu Ende ging, ernährt sich

Familie Petzl weiter steirisch, denn diese

ausgewogene, gesunde Ernährung wird

von der gesamten Großfamilie mitgetragen

und als sinnvolle Gestaltung ihres Lebens

angesehen.

Begleitet wurden die drei Familien von

LAbg. Ing. in Eva-Maria Lipp, Gesunde

Kochschule, Dr. Meinrad Lintschinger, Ernährungswissenschaftler,

Starkoch Willi

Haider, der ein Buch, „Steirisch essen“, ein

Führer durch steirische Produktvielfalt,

herausgegeben hat.


Nachhaltige Abfallwirtschaft

Gerhard Vötsch im Gespräch mit Helmut Prade

| 26 |

Wertschätzung

als Voraussetzung

Kinder als Botschafter für

die Wiederverwendung von

Abfällen

Man kann nicht früh genug

beginnen, bewusstseinsbildende

Maßnahmen gemeinsam

mit Lehrern, Eltern und

Kindern umzusetzen. Der Abfallwirtschaftsverband

Mürz

zeigt vor, wie es geht und was

man aus dem „Abfall“ noch

alles produzieren kann.

Mit unseren Jüngsten als Zukunftsforscher

– gemeinsam in eine neue

Bewusstseins-Zeit

Informationsarbeit zu Abfallvermeidung,

Trennung, Anti-Littering, Lebensmittel im

Restmüll etc., die oftmals auf „Schreckensszenarien“

beruht, erreicht die BürgerInnen

meist nicht. Mit dem 2010 gestarteten

Projekt „Nachhaltige Abfallwirtschaft in

Kindergärten und Volksschule (be)greifbar

machen – Zukunftsforscher unterwegs“

erfolgt vor allem mit einer wertschätzenden

„Sprache“ erfolgreich eine umfassende

und nachhaltige Bewusstseinsbildung.

„Abfall ist mehr als Müll – von der

Selbstverständlichkeit zur Wertschätzung“

ist das Projektziel und zugleich der rote

Faden.

Gesamtheitliche Denkweise als Basis

Das Denken vieler Menschen lässt sich –

wertfrei gesagt – kurz so beschreiben: Der

Strom kommt aus der Steckdose, das Essen

aus dem Supermarkt und den Müll

holt die Müllabfuhr. Alles, ob Produkte

oder Dienstleistungen, hat da zu sein und

zu funktionieren. Denn schließlich bezahlt

man ja dafür.

Durch die gedankliche und emotionale

Entkoppelung von der Natur, vom Ursprung

und der Herkunft von Gütern ist

sehr viel verloren gegangen. Vor allem das

Wissen über Zusammenhänge, Kreisläufe

und die Auswirkungen, die unser tägliches

Denken und Handeln nach sich ziehen.

Landent wicklung Steiermark

Wiederverwendung von Abfällen,

Kinder als Botschafter einer nachhaltigen

Lebensweise und PädagogInnen

als Multiplikatoren

Im Herbst 2012 wird erstmals eine „Kinderwerkstatt“

durchgeführt. Kinder lernen –

unterstützt von ExpertInnen – etwa, wie

man ein Fahrrad reparieren oder wie man

aus „Abfällen“ sinnvolle Produkte gestalten

kann. Kinder werden auch mit älteren

Menschen zusammentreffen, um sie über

das zu informieren, was sie zu Umweltbzw.

Abfallthemen erfahren haben. Kinder

werden so zu Botschaftern einer nachhaltigen

Lebensweise. Ein Netzwerk nimmt

Gestalt an.

Parallel erfolgt eine Fortbildung für PädagogInnen.

Eigene Unterrichtsmaterialien

werden erstellt und Hintergrundinformationen

zu verschiedenen Abfallarten werden

gegeben. Damit wird eine langfristige

bzw. nachhaltige Bewusstseinsbildung im

Kindergarten- und Volksschulbereich

sichergestellt. Eine Weiterentwicklung des

Konzeptes für Haupt- und höher bildende

Schulen ist geplant. Kinder und Jugendliche

geben ein großartiges Beispiel und

die Erwachsenen sind herzlich eingeladen,

diesem Beispiel zu folgen.

Eine Projektumsetzung erfolgt in den

Kindergärten Allerheiligen/Mürztal, Mürzhofen,

Mürzzuschlag, Stanz/Mürztal, Kindberg

sowie in den Volksschulen Allerheiligen/Mürztal,

Wienerstraße-Bruck/Mur,

Stanz/Mürztal, Hönigsberg. Zukunftsweisend

ist auch die Kooperation mit dem Institut

für Geografie und Raumforschung

der Uni Graz. Optimierungsmaßnahmen

im Verbandsbereich für die Abfallsammlung

sind dabei die Schwerpunkte.

Unterstützer des Projektes: Land Steiermark,

ARA, AGR, Lebensministerium, Rosalie

Factory, Fa. Saubermacher, Fa. Multikraft.

Kontakt

Helmut Prade

Umwelt- und Abfallberatungsstelle

AWV Mürzverband

Tel.: 03864/2736-13, Mobil: 0664/2155003

mv.allerheiligen@muerzverband.at

www.muerzverband.at

CULTEMA

Kultureller Wert für nachhaltige

territoriale Governance und für

Marketing

CULTEMA: South-East-

Europe-Projekt zur Entwicklung

von gemeinsamen

Marketing-Strategien und

zur Forcierung von Investitionen

in Kulturerbe sowie

zur Erstellung von neuen institutionellen

Kompetenzen

und innovativen Kontrollstrukturen.

Das Projekt CULTEMA untersucht und klassifiziert

historische Einrichtungen und

Gebäude zur Förderung und Aufwertung

der Ressourcen des Kulturerbes. Nach der

Erfassung und Bewertung des Bestandes

werden Prioritätslisten erstellt, welche in

die Entwicklungspläne der Projektpartner

aus Süd- und Osteuropa einfließen sowie

Pilot-Business-Modelle mit den lokalen Stakeholdern

und allen beteiligten Akteuren

initiiert.

Im CULTEMA-Projekt wird eine gemeinsame

Marketing-Strategie für Investitionen

in Kulturerbe entwickelt, indem institutio-


Individuelle Lebensräume

Sandra Krautwaschl

| 27 |

Nachhaltigkeit auf

den Boden bringen

oder: vom Wissen zum Tun kommen

nelle Kompetenzen und innovative Kontrollstrukturen

erstellt werden, um die administrativen,

sozialen und wirtschaftlichen

Barrieren zu erkennen und Strategien

zu ihrer Überbrückung zu entwickeln.

Das Institut für Städtebau der TU Graz koordiniert

als Arbeitspaketleiter Datenerfassung

und Schulungen zur Entwicklung von

nachhaltigen Entwicklungskonzepten und

Machbarkeitsstudien sowie zur Kompetenzsteigerung

im Bereich der Effektivität

von Kulturerbe-Sanierungen. Im Projekt

werden eine Web-Plattform, das CULTEMA-

Labor-Netzwerk, Seminare, Handlungsempfehlungen,

Richtlinien sowie Messeauftritte

für das Marketing von Kulturdenkmälern

entwickelt und durchgeführt.

Kontakt

Dipl.-Ing. Kersten Hofbauer

Projektbetreuung am Institut

für Städtebau

www.cultema.eu

Dass es höchst an der Zeit ist, mit unseren

Ressourcen vernünftiger, sparsamer

umzugehen, dass unser Konsumverhalten,

speziell bei Lebensmitteln

und täglichen Verbrauchsgütern, teilweise

mehr Schaden als Nutzen bringt,

ist längst keine Neuigkeit mehr. Obwohl

das Wissen über die global verheerenden

Folgen, die unser Lebensstil mit

sich bringt, stetig zu wachsen scheint,

gibt es nur wenige Ansätze zur tatsächlichen

Veränderung in unserem Alltag.

Als ich vor nunmehr drei Jahren nach zwei

Schlüsselerlebnissen (ein Urlaub am Meer

und der Film „Plastic Planet“) beschloss,

mit meiner Familie einen Monat lang

„plas tikfrei“ einzukaufen, war das ein mehr

oder weniger trotzig-verzweifelter

ver such, zu zeigen, dass Veränderung

möglich ist. Nach nunmehr fast drei

Jahren hat das ursprüngliche Familienexperiment

via Internet und Medienberichte

weite Kreise gezogen. Es gelang, die

Bürgermeister der Kleinregion JEGG

nördlich von Graz von einem Umweltprojekt,

„Change bag – Stofftaschen statt

Plastiksackerl”, zu überzeugen und letztlich

konnte ich unsere Erfahrungen aus

dem „plastikfreien“, ressourcenschonenden

Experiment in einem Buch veröffentlichen

(s. Buchtipp). Das Beeindruckende

des Experiments: Wir produzieren pro Jahr

nur mehr einen halben (!) gelben Sack voll

Plastikmüll, z. B. durch Postsendungen

und Mitbringsel und in unserem Haushal

befinden sich so gut wie keine Güter, die

in großem Stil beworben werden.

Der tägliche Bedarf unserer fünf-köpfigen

Familie lässt sich fast ohne bzw. mit stark

reduziertem Supermarktkonsum decken.

Insofern war und ist unser Experiment

nicht nur ein Plädoyer für regionales

Einkaufen, sondern der Beweis dafür, dass

es funktionieren kann.

Je nach individuellen Lebensumständen

– ob Großstadt oder im Leben am Land –

gibt es diverse Hindernisse und Schwierigkeiten.

Werbung und Industrie haben

unser Bedürfnis nach einem „besseren“,

einem zukunftstauglichen, gesünderen,

umweltbewussteren Lebensstil längst

„Überflüssiges“ Plastik zu Projektbeginn

Foto: Sandra Krautwaschl

erkannt und es ist nicht einfach, hier die

Spreu vom Weizen zu trennen.

Das genaues Hinsehen und Hinterfragen

lohnt sich in jedem Fall – und das geht am

besten dort, wo es direkten Bezug gibt, wo

man die Produzenten bestenfalls sogar

kennt und sich eine Vertrauensbasis entwickeln

kann.

Rahmenbedingungen und gesetzliche

Vorgaben verhindern oftmals eine unkomplizierte

Direktvermarktung und gerade

im Lebensmittelbereich stößt man vielerorts

an teilweise für den gesunden Menschenverstand

nicht nachvollziehbare

Bestimmungen. Was mich auch im Rahmen

unseres Experiments zum Schluss

brachte:

Mindestens ebenso wichtig wie der Einsatz

und die Beteiligung jedes Einzelnen

für die Entwicklung eines zukunftstauglichen

Lebensstils ist es, Rahmenbedingungen

(wieder) so zu gestalten, dass auch

eine zunehmende Zahl von Menschen

tatsächlich dazu motivert wird, etwas zu

verändern. Dies ist und bleibt in erster Linie

die politische Verantwortung derer, die

gesetzliche Vorgaben beschließen.

Zur Autorin

Sandra Krautwaschl

Initiatorin des Projektes „Change bag – vom

Kunststoff zum Wertstoff” und Autorin

mehrerer Sachbücher (Buchtipp: „Plastikfreie

Zone”, Heyne Verlag, 2012).

www.keinheimfuerplastik.at

www.biokontakte.com/artikel/recyling-entsorgung/change-bag-vom-kunststoff-zumechtstoff


PortrÄt

Johanna Reinbrecht

| 28 |

Franz Kappel – der erste

Biobauer der Steiermark

Von den Anfängen der

Bio-Landwirtschaft

Noch immer strahlt der heute

87-jährige Franz Kappel aus

St. Marein bei Graz einen

gesunden Idealismus aus,

wenn er von den Anfängen

seiner Bio-Landwirtschaft

1963 erzählt. Seine Frau Karoline

hat damals das erste Vollkornbrot

aus Sauerteig, vollem

Korn, Wasser, Germ, Gewürzen

und Salz gebacken – beide

sind wahre „Bioniere“ und

Wegbegründer der gesunden

Kreislaufwirtschaft in der

Steiermark.

Das Ehepaar Kappel mit dem Schweizer „Bionier“ Hans Müller (Mitte)

Franz Kappel übernahm Anfang der Sechzigerjahre

eine Pacht-Landwirtschaft in

Graz, wo er von interessierten und durchwegs

kritischen Kunden nach der Herstellungsweise

seiner Produkte gefragt wurde.

Zu dieser Zeit beanspruchte der Kunstdünger

einen rigorosen Aufschwung. Familie

Kappel wurde sensibler, suchte nach

Alternativen und hat sie schließlich im biologischen

Landbau in der Schweiz gefunden.

Franz Kappel und seine Frau besuchten

im darauf folgenden Herbst die eidgenössische

Anbau- und Verwertungsgenossenschaft,

die von Dr. Hans Müller begründet

wurde.

Voneinander viel gelernt

Der vollkommene Verzicht auf chemische

Düngemittel, stattdessen der Einsatz von

Gründüngung, Fruchtfolge und die Nutzung

der Fruchtbarkeit des eigenen Bodens

für mehr Unabhängigkeit in der

Landwirtschaft bekehrten schließlich die

SteirerInnen, die mit nur wenig Betriebskapital

auf Biolandwirtschaft in St. Marein

bei Graz umstellten und bald die ersten

Erfolge erwirtschafteten. 1966 erfolgte die

Gründung einer Gemeinschaft von rund

20 Biobauern, die sich regelmäßig in Arbeitsgruppen

trafen. Eines der Kriterien

Landent wicklung Steiermark

von Dr. Müller richtete sich auf die Beteiligung

von Frauen und Männern an den

Austauschtreffen. Chancengleichheit war

schon damals ein Thema: „Die Frauen

mussten dabei sein, denn nur dort, wo die

Familie dahinter steht, geht es voran. Wir

haben voneinander viel gelernt. Die große

Herausforderung war es, dass der Kreislauf

Boden – Pflanze – Mensch und Tier nicht

unterbrochen wird. Die Spritzmittel bringen

die Mikro-Organismen um und in weiterer

Folge entsteht Erosion“, so der passionierte

Bio-Landwirt, der seinen Betrieb

schon lange an seinen Sohn übergeben

hat.

Erstes Bio-Vollkornbrot

Karoline Kappel hat darüber hinaus das

erste Bio-Vollkornbrot aus eigenem Getreide

hergestellt. Sie hat viel ausprobiert,

das Rezept immer wieder weiter entwickelt

und sich bis zur besten Qualität vorgearbeitet.

Ihr Rezept hat bald darauf eine

namhafte Bäckerei übernommen und

auch ihr Neffe, ein gelernter Bio-Bäcker in

Klagenfurt, entlehnte ihre Backanleitung.

Dass er mit dem Pferd in die Arbeit trabt

und seine Getreidemühle mit einem Fahrraddynamo

betrieben wird, ist eine andere

Geschichte …

Berater für biologischen Landbau

1979 zeigte die Landwirtschaftskammer

Steiermark großes Interesse an der Bio-

Landwirtschaft, worauf Franz Kappel am

ersten Jänner 1980 als Berater für den biologischen

Landbau in der Kammer aufgenommen

wurde. Viele Idealisten haben

sich in der Förderungsgemeinschaft für

gesundes Bauerntum gefunden, später

wurde die Gemeinschaft in den Verband

biologisch wirtschaftender Bauern umbenannt.

Heute gibt es die Fachreferenten

unter anderem im Verband der Bio Ernte

Steiermark. Über 2.000 steirische Landwirte

wirtschaften nach strengen Bio-Richtlinien

von BIO AUSTRIA hinsichtlich Produktion

und Kontrolle (www.ernte-steiermark.at).

Und wie sieht Franz Kappel die Bio-Vermarktung

in Anbetracht der Angebotsvielfalt

im Bio-Bereich? „Bei den einzelnen

Verbänden gibt es eine gewisse Auseinanderentwicklung.

Nicht alle Bio-Bauern haben

die ökologische Kreislaufwirtschaft

berücksichtigt, manche arbeiten profitorientiert

und schrecken selbst vor dem

Einsatz von Propionsäure (Unkrautbekämpfungsmittel)

nicht zurück. Ein Bio-

Bauer kann eine Biowirtschaft nur mit natürlichen

Mitteln betreiben.“


Lebensressort Steiermark

| 29 |

„Murerleben“

Unter dem Titel „Murerleben – Inneralpines Flussraum-

Management Obere Mur“ wird in Zusammenarbeit zwischen

dem Land Steiermark, dem Bundesministerium für Landund

Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft sowie

den örtlichen Gemeinden und Fischereiberechtigten das

LIFE+ Natur-Projekt realisiert. Ziele sind u.a. die Verbesserung

des passiven Hochwasserschutzes sowie die Verbesserung

und langfristige Sicherung der naturnahen Flusslebensräume.

LIFE-Natur zählt zu den wichtigsten Förderinstrumentarien

für den Naturschutz. Viele Vorhaben wären

in der Vergangenheit ohne dieses Angebot der EU nur

schwer umsetzbar gewesen. Im Zeitraum zwischen 1996 und

2012 wurden aus Mitteln von LIFE-Natur bundesweit 45 Naturschutzprojekte

mit einem Projektvolumen von insgesamt

rund 154 Millionen Euro gefördert. „Murerleben“ ist in der

Steiermark das bereits sechste LIFE+-Projekt an einem steirischen

Fluss – ein Vorzeigeprojekt von europäischer Dimension.

Der Fluss ist Bildungs- und Erholungsraum für Kinder

und Jugendliche, aber auch für ältere Menschen. Hier wird

ein Bezug zum Wasser und seiner Wirkung geschaffen, hier

wird das Bewusstsein für Naturkreisläufe sensibilisiert.

Steirischer Weinbau im Aufbruch

Revolutionäres in der steirischen Weinwirtschaft: Erweiterung

der steirischen Weinbauflächen. Und erstmals steirische

Tafel trauben. Die Steiermark verfügt über eine Rebfläche

von rund 4.300 ha. Es sind in Summe rund 3.000 Betriebe,

darunter rund 400 WeinbaumeisterInnen, die für die Qualität

des steirischen Weines verantwortlich zeichnen. In der

Regierungssitzung vom 28. Juni 2012 wurde die Erweiterung

der steirischen Weinbaufläche um 100 Hektar beschlossen.

Bisher wurden Tafeltrauben aus Italien, Spanien, der Türkei,

Neuseeland und Südafrika importiert. Ab sofort dürfen erstmals

sechs Sorten Tafeltrauben auch in der Steiermark ausgebaut

werden. „Natürlich muss es hier eine klare Trennung

geben und ausgeschlossen werden, dass Tafeltrauben in die

Weinproduktion einfließen, denn es handelt sich hier um

zwei völlig unterschiedliche Qualitätskategorien“, betont

Seitinger. www.lebensressort.steiermark.at

Klimawandel bringt immer öfter

größere Schäden – Landwirtschaft

größtes Klimaopfer

Der Sonderbericht des Weltklimarates „Risikomanagement von

Wetterextremereignissen und Katastrophen“ zeigt deutlich, dass

Wetterextremereignisse wie Hitzeperioden und Starkniederschläge

in Österreich zunehmen werden und Anpassungen an den

Klimawandel unerlässlich sind.

Die Kernaussagen des Sonderberichts: Durch den vom Menschen

verursachten Klimawandel haben sich Wetterextreme verschlimmert

und werden in Zukunft häufiger, länger und intensiver auftreten.

In Europa ist auch der Alpenraum – und damit Österreich

– eine der am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffenen

Regionen. Auch in unserem Bundesland werden Wetterextreme,

zunehmende saisonale Wasserknappheit, Hochwasser-

und Naturgefahren, Gletscherschmelze und der Rückgang

von Dauerfrost-Böden in Zukunft die Alpen prägen.

Wie Dr. Reinhard Mechler, einer der Autoren des IPCC-Berichtes,

erklärt, unterstreicht der Bericht nicht nur die Notwendigkeit, die

globalen Treibhausgasemissionen stark zu verringern: „Nach

dem sehr enttäuschenden Weltklimagipfel in Rio de Janeiro muss

rasch gehandelt werden.“

Landesrat Seitinger: „Naturkatastrophen

verursachten allein in der Steiermark

1,6 Milliarden Euro Schaden in 11 Jahren!“

„Durch die Zunahme von Wetterextremereignissen ist der Agrarsektor

als Nahrungsmittellieferant das größte Klimaopfer der

Volkswirtschaft“, betont Landesrat Johann Seitinger. Hochwasser,

Dürre sowie die Stürme Paula, Emma und Kyrill verursachten

zwischen 2000 und 2010 katastrophale Schäden in der Steiermark.

Die Schadenssumme für die Katastrophen in diesem Jahrzehnt

liegt bei 704 Millionen Euro sowie 842 Millionen Euro Folgekosten

für bauliche Schutzwassermaßnahmen, Straßenbau,

Wiederaufforstung, Rutschhangsanierung und Wasserversorgung.

Hochwasserrückhaltebecken sind in der Steiermark bereits seit

Jahrzehnten ein wesentlicher Bestandteil der Strategien für den

technischen Hochwasserschutz. Diese Anlagen haben sich inzwischen

als wirkungsvolle Schutzmaßnahmen bestens bewährt.


Auszeichnung

| 30 |

Tierschutzpreis 2012

Ausgezeichnete Tierhaltung

Bereits zum dritten Mal wurde

der Preis für besonders

tierfreundliches Bauen im

ländlichen Raum in diesem

Jahr ausgeschrieben und von

Landesrat Johann Seitinger

gemeinsam mit Tierschutzombudsfrau

Dr. in Barbara

Fiala-Köck und Landwirtschaftskammer-Präsident

ÖkR Gerhard Wlodkowski am

5. Juli 2012 am Betrieb der Familie

Steiner in St. Georgen ob

Judenburg verliehen.

Der Preis für das schönste Tierfoto 2012 ging an Peter Prugger aus Aich für dieses Foto.

© Peter Prugger

Landwirtschaftliche Gebäude sind die

vi sitenkarten für einen Betrieb, aber auch

für eine Region, gleichzeitig sind sie aber

auch Arbeitsstätte und damit Arbeitsplatz.

Vor allem aber sind sie der Lebensraum

von landwirtschaftlichen Nutztieren. Ein

Expertenteam bewertete die eingereichten

Projekte des steiermarkweiten Preises,

dessen Ziel es war, besondere Leistungen

und gelungene Konzepte des tierfreundlichen

Bauens in der Nutztierhaltung zu

prämieren. Gleichzeitig sollte aber auch

die Motivation, im Agrarbereich auf hohem

Niveau zu planen und zu bauen, gesteigert

werden. Nominiert wurden dazu

Projekte in den Kategorien Rinder und

Schafe.

„Von 15 eingereichten Projekten wurden

vier ausgezeichnet“, zeigt sich die Tierschutzombudsfrau

über die Einführung

des Preises bestätigt. Ebenso wurden zwei

Anerkennungspreise in der Kategorie

Rinder vergeben sowie das beste Tierfoto

prämiert.

Preisträger 2012:

Johann Steiner,

St. Georgen ob Judenburg:

Die Hauptanforderungen an den Um- bzw.

Neubau des seit 1975 anerkannten Demeterbetriebes

waren einerseits die Möglichkeit

der Haltung von ausschließlich

behornten Rindern durch genügend Platz

und die Trennung verschiedener Gruppen

und andererseits das Erreichen hoher

Landesrat Seitinger, Dr.in Fiala-Köck und LK-Präsident Gerhard Wlodkowski mit den Preisträgern © Mag. a Kulmer, Landentwicklung Steiermark

Ländliche Ent wicklung


| 31 |

Luftqualität und ausreichendem Lichteinfall.

Fink-Paar OG, Hartberg:

Die Besonderheit dieses Betriebes besteht

darin, dass sich zwei Nachbarbetriebe zu

einem Kooperationsbetrieb zusammengeschlossen

haben, da sie alleine nicht ein

entsprechendes Einkommen erwirtschaften

konnten. In dieser Form der

Zusammenarbeit wurde ein moderner,

tierschutzgerechter Cucetten-Stall (ein

allseitig offener Stall, bei dem lediglich die

Futter- und Liegeflächen überdacht sind)

errichtet, der beiden Familien einen Arbeitsplatz

am bäuerlichen Betrieb sichert.

Tierschutzmusterland

Steiermark

Florian Kainrath, Eisenerz:

Nach der Übernahme des Betriebes von

den Eltern war die Hauptmotivation für

den Umbau neben der Umstellung des alten

Anbindestalls auf einen modernen

Laufstall auch die Erweiterung des Viehbestandes

und die Umstellung auf die

Rasse „Murbodner“ mit dem Ziel, den Betrieb

im Vollerwerb zu bewirtschaften.

Elisabeth und Michael Schneider,

Brodingberg:

Ausschlaggebend für den Stallneu- bzw.

-umbau war, dass das alte Stallgebäude

nach der Umstellung zum Biobetrieb nicht

mehr den gestellten Anforderungen entsprach.

Derzeit werden am Betrieb Krainer

Steinschafe als gefährdete Hausrasse gehalten,

welche durch ausreichend Licht,

Platz und die Möglichkeit zum freien Auslauf

optimale tiergerechte Bedingungen

vorfinden.

Die beiden Anerkennungspreise gingen

an Markus Reith, Fladnitz/Teichalm im

Bereich Bio-Mutterkuhhaltung und an die

HBLFA Raumberg-Gumpenstein für den

Milchvieh-Laufstall-Rinderforschungsstall.

Info

Aufgrund einer umfassenden Umstrukturierung

wurde die Tierschutzombudsstelle

mit 01. August 2012 der Abteilung 13

Umwelt und Raumordnung zugeteilt.

Kontakt

neu

Abteilung 13 Umwelt und Raumordnung

Geschäftsstelle Tierschutzombudsfrau

Dr. in Barbara Fiala-Köck

Karmeliterplatz 2

8010 Graz

tierschutzombudsfrau@stmk.gv.at

Am 1. August 2012 wurden

die Tierschutz agenden von

Landesrat Johann Seitinger

an Landesrat Dr. Gerhard

Kurzmann über geben – damit

werden alle amtlichen

Schutzregime von Umwelt-,

Natur- und Tierschutz unter

eine Regierungsverantwortlichkeit

gestellt.

Der in den vergangenen neun Jahren

für Tierschutz zuständige Landesrat

Johann Seitinger und Tierschutzombudsfrau

Dr. in Barbara Fiala-Köck präsen

tierten in Anbetracht dieser „Hofübergabe“

ihre Bilanz und ihre Erwartungen

aus der Sicht des Tierschutzes.

Landwirtschaftliche Tierhaltung:

1. Abschaffung der Käfighaltung bei

geflügel 2009 (auf EU-Ebene 2012)

2. Verbot der Anbindehaltung bei Kälbern

2005

3. Weideprämie bei Rindern ab 2009

mit verpflichtendem Austrieb

4. Verpflichtende Umstellung auf

gruppenhaltung bei Schweinen

Tiertransport:

1. Schaffung einer Tiertransportkontrollstelle

in der Stmk.

2. Befähigungsnachweis für

transporteure

3. Verstärkte Kontrolle internationaler

Tiertransporte und Kooperation mit

Polizei

Heimtiere:

1. Bau neuer Tierheime in Knittelfeld,

Leibnitz, Mürzzuschlag, Graz, Voitsberg

2. Einrichtung einer Tiervermittlungsdatenbank

3. Verpflichtende Kennzeichnung von

Hunden seit 1.1.2010

4. Qualitätskriterien für Tierheime in

Verbindung mit Verträgen

5. Jährliche Futtermittelaktion für

tierheime

6. Kastration für Streunerkatzen (10.000

Katzen)

Bewusstseinsbildung:

1. Einrichtung der Tierschutz-Ombudsstelle

2. Aktion Tierschutz macht Schule

3. Hundeguide

4. Hundeführerschein

(Hundekundenachweis)

5. Auszeichnung der besten Tierschutzbeispiele

in landwirtschaftlichen Betrieben


Perspektiven im Agrarbereich

xxxxxxxxxxx | 32 |

Entwicklungen und

Heraus forderungen

Die österreichische Landes-

Agrarreferenten-Konferenz

in der Steiermark im Juni

stand im Brennpunkt

schwierigster Verhandlungen

um die Zukunft der Bäuerinnen

und Bauern.

Jetzt, vor dem entscheidenden

Beschluss über die Ausgestaltung

der EU-Agrarpolitik

von 2014 bis 2020,

richtet sich der Fokus auf die

Grundfrage der Existenzsicherung

für Bergbauern

ebenso wie auf die Entwicklung

der landwirtschaftlichen

Betriebe im Acker- und

Spezialkulturenbereich.

Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft ändern sich

2007 bis 2013 stand in der Ländlichen Entwicklung

ein Gesamtbudget in Höhe von

8 Milliarden Euro zur Verfügung. Die derzeitige

Mammutaufgabe liegt neben der

Budgetabsicherung im Bereich der Leistungsabgeltungen

und Investitionshilfen.

Ein weiterer Meilenstein der zukünftigen

Agrarpolitik liegt in der Neugestaltung der

agrarischen Bildung. Sie ist die Grundlage

für die umfassenden, neuen Herausforderungen

im Landwirtschaftssektor. Der dritte

große Fragenkomplex bei der Landes-

Agrarreferenten-Konferenz widmet sich

den Verhandlungen um Einheitswerte, SV-

Gesetzgebung sowie Pauschalierung.

„Die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft

ändern sich. Zwar haben wir aktuell

auf den Märkten eine sehr gute Situation,

auf der anderen Seite wissen wir

nicht, wie viel Budget uns zukünftig für

den Agrarbereich zur Verfügung steht.

Umso wichtiger ist es, die Unternehmerkompetenz

der einzelnen Betriebe zu stärken.

Mir geht es darum, den Bäuerinnen

und Bauern Planungssicherheit zu geben

und gute Rahmenbedingungen für ihre

Arbeit zu schaffen. Genau das treiben wir

auch auf europäischer Ebene voran – im

Sinne unserer Bäuerinnen und Bauern.

Leistungsabgeltungen sind für die Zukunft

unserer Landwirtschaft existenziell

und entgegen bauernfeindlichen Aussagen

verhältnismäßig moderat. Nach

einer kürzlich veröffentlichten Studie sind

Beihilfen für landwirtschaftliche Betriebe

in den USA dreimal so hoch wie jene in der

EU“, so Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich.

Landesrat Johann Seitinger: „Eine optimale

Ausbildung ist deshalb so wichtig, weil

die Herausforderungen in der Landwirtschaft

immer breiter und anspruchsvoller

werden. Der Bauer der Zukunft ist nicht

nur Urproduzent, sondern ebenso Veredler,

Direktvermarkter, Lebensmittel- und

Energielieferant, eben Dienstleister für

den ländlichen Raum. Daher ist neben der

fachlichen Ausbildung in Spezialbereichen

auch die unternehmerische Komponente

ganz entscheidend. Derzeit wird gerade

intensiv an einem neuen Bildungsprogramm

für die Landwirtschaft gearbeitet,

das all diesen Facetten gerecht wird.

Ein künftiges Ziel der agrarischen Bildung

wird in der verstärkten Zusammenführung

von Kompetenzen liegen, und zwar im Bereich

von Schul-, Versuchs- und Forschungszentren

sowie Lehrbetrieben, die

auch räumlich möglichst nah beieinander

sein sollen.“

„In Österreich werden täglich rund 15 Hektar

landwirtschaftliche Fläche für Verkehr,

Industrie und Wohnbau verbaut, davon allein

sechs Hektar in der Steiermark. Das ist

eindeutig zu viel“, betont Landwirtschaftskammer-Präsident

Gerhard Wlodkowski.

Und weiter: „Österreichs Landwirtschaft

braucht diese Flächen, um die Versorgung

der Bevölkerung weiterhin zu gewährleisten“.

Die Landwirtschaftskammer verlangt

daher einen „Staatsvertrag“ zwischen

Bund und Ländern zur Reduktion der Flächenverschwendung.

Wlodkowski schlägt daher eine rasche

Bund-Länder-Vereinbarung gemäß Artikel

15a Bundesverfassungsgesetz vor, um den

Flächenverbrauch in der Raumordnung

wirksam zu verankern.

Massive Unwetterschäden

machen betroffen

Ungewöhnlich heftige Gewitter haben die

Steiermark getroffen. Riesige Flächen sind

durch Vermurungen und Überschwemmungen

massiv in Mitleidenschaft gezogen

worden. Auch Forststraßen, Zufahrtswege

und Brücken wurden beeinträchtigt,

deren Wiederherstellung jedenfalls mehrere

Monate in Anspruch nehmen wird.

„Angesichts der Schäden wird die Bedeutung

einer Risikoabsicherung in der Landwirtschaft

deutlich. Ich appelliere hier an

Bund und Land, die Unterstützungen für

die Hagelversicherung aufrechtzuerhalten

und die Katastrophenmittel nachhaltig

abzusichern“, verlangt Wlodkowski abschließend.

Ländliche Ent wicklung


Junge Gedanken

Angelika Mayer

| 33 |

Bildungssystem im Wandel

Eine Herausforderung für Österreich?

Auf der Suche nach einem

gerechten Schulsystem.

Kaum ein Politikbereich ruft

in Österreich so viele Diskussionen

wie die Reform des

Bildungs- und Schulsystems

hervor.

Das Schulsystem in Österreich beruht zurzeit

noch auf einer Trennung der 10-Jährigen

in Gymnasium und Hauptschule.

Währenddessen lassen die meisten anderen

EU-Länder die Schulpflicht in Gesamtschulen

abschließen. Die Kluft zwischen

Arm und Reich macht sich im österreichischen

Bildungssystem deutlich. Kinder

von wohlhabenden Eltern erreichen oft einen

höheren Bildungsgrad als solche, die

in ärmeren Schichten aufwachsen. Doch

wie lange kann dieses System in Österreich

weiter Bestand haben? Wie sollten

neue Ansätze im Bildungssystem aussehen?

Am Beispiel der skandinavischen Länder,

wie Schweden, lässt sich zeigen, wie ein gerechtes

Schulsystem funktionieren kann.

Ungleiche Bildungschancen

Besonders betroffen von den ungleichen

Bildungschancen in Österreich sind Kinder

und Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Sie sind an Haupt- und Sonderschulen

über- und an Gymnasien unterrepräsentiert.

Dies widerspricht sich aber

mit den ethischen und normativen Vorstellungen

eines öffentlichen, allgemeinen

Bildungswesen, welches darauf basiert,

dass die Bildungserfolgschancen eines

jeden Kindes und Jugendlichen so

weit wie möglich unabhängig von der

Herkunft sein sollten.

Am Beispiel der skandinavischen Länder,

wie Schweden, lässt sich zeigen, wie ein

gerechtes Schulsystem funktionieren

kann. Keinem anderen Land gelingt es so

gut, Kinder aus sozial schwachen Familien

zu hohen Bildungsabschlüssen zu verhelfen.

Alle Kinder, unabhängig von ihrem

Wohnort oder Herkunft, sozialen und finanziellen

Verhältnissen, haben hier den

gleichen Zugang zu Bildung. Die Förderung

der Kinder in Schweden beginnt bereits

im Kindergarten, der aufgrund seiner

vorbereitenden Funktion auch als Vorschule

bezeichnet wird. Es wird ein Lehrplan

erstellt, der auf den Schulstundenplan

abgestimmt ist, und die Erzieherinnen

müssen über die Fortschritte jedes

Kindes regelmäßig Berichte verfassen.

Nach der Vorschule beginnt die neun

Jahre dauernde Grundschule und anschließend

findet die dreijährige Ausbildung

im Gymnasium statt. Die Trennung

der Schüler erfolgt daher recht spät. Auch

Noten werden erst ab der 8. Klasse eingeführt,

was den Konkurrenzdruck und soziale

Benachteiligungen deutlich minimiert.

Wie ist ein faires System zu erreichen?

Der Umgang mit Vielfalt und Verschiedenheit

zählt zu den Herausforderungen des

öffentlichen Bildungssystems, welchen

sich auch Österreich stellen sollte.

Ansätze zur Erreichung eines fairen Systems

sind weit gestreut und werden bereits

häufig diskutiert. Eine Lösung für die

Problematik in Österreich könnte mit der

Einführung eines verpflichtenden Kindergartenjahres

gebildet werden. Hier erfolgt

eine Sicherstellung der Schulreife für alle

Kinder vor dem Eintritt in die Volksschule.

Des Weiteren würde die Umsetzung der

„neuen ganztägigen Pflichtschule“ einen

großen Erfolg darstellen. Diese sollte die

Gemeinschaft und die Talente der Kinder

im Alter von der 5. bis zur 9. Schulstufe

gezielt fördern. Auch die Förderung der

Sprachkompetenzen und der kulturellen

Aktivitäten in der Freizeit wäre ein möglicher

Ansatz.

Solange man aber nicht an Verbesserungen

arbeitet und Lehrerinnen und Lehrer

gezwungen sind, Kinder auf allen Stufen

des Bildungssystems zu sortieren, so lange

wird das System in Österreich keine

positiven Veränderungen zeigen.

Zur Autorin

Angelika Mayer ist Studentin der

Karl- Franzens-Universität in Graz und war

im Juli 2012 in der Fachabteilung 10A –

Agrarrecht und ländliche Entwicklung als

Ferialpraktikantin tätig. Der Artikel spiegelt

die Meinung der Autorin wider.


Land Steiermark

Helene Troger

| 34 |

Die neue A 10 Land- und

Forstwirtschaft stellt sich vor

Mit dem Inkrafttreten der

Reorganisation des Amts der

Steiermärkischen Landesregierung

am 1. August 2012

erfolgt u.a. auch eine Konzentration

und Straffung der

bisherigen Fachabteilungen

und Referate.

Ziele dieser großen Verwaltungsreform

sind die Vermeidung von Doppelgleisigkeiten,

die Reduktion von Kosten durch

die Nutzung von Synergieeffekten, die

Straffung der Verwaltung durch gemeinsame

Führung ehemals parallel arbeitender

Fachabteilungen sowie ein ziel- und

teamorientiertes Arbeiten mit klaren

Strukturen. Die Kundenfreundlichkeit der

Landesverwaltung und der Referate soll

und wird im Sinne eines Dienstleistungsbetriebes

gesteigert werden.

In diesem Zusammenhang wird in Erinnerung

gerufen, dass die elektronische Vernetzung

– wie zum Beispiel der direkte

zugriff und das Arbeiten mit der AMA-Datenbank,

der „papier-lose“ Landtag, die

stufenweise Einführung des „elektronischen

Aktes“ in der allgemeinen Verwaltung

etc. – in den letzten Jahren rasant zugenommen

hat. So kann beispielsweise

ein Antrag um Unterstützung aus Katastrophenfondsmitteln

von zu Hause aus

erfolgen, werden die erforderlichen Ergänzungen

von der Gemeinde bzw. dem

Sachverständigen elektronisch hinzugefügt

und erfolgt die Berechnung und

anweisung voll automationsunterstützt.

Dadurch werden Zeit für die Antragsteller,

aber auch Ressourcen in der Verwaltung

eingespart. Dies ist nur ein kleines Beispiel

für den Nutzen der Maßnahmen für die

Bürger und Bürgerinnen sowie die Bediensteten

des Landes.

Sachlich zusammengehörende Aufgaben

wurden unter einem Abteilungsdach gebündelt,

angemessene Abteilungsgrößen

ermöglichen eine bessere Steuerung des

Personaleinsatzes sowie die Zusammenführung

von Systemleistungen und es

wird mittelfristig eine Senkung der Vollzugskosten

erwartet.

Für die Abteilung 10 Land- und Forstwirtschaft

wurde dies wie folgt umgesetzt:

Die bisherigen Fachabteilungen 10A, 10B

und 10C wurden zu einer gemeinsamen

Abteilung 10 Land- und Forstwirtschaft

mit insgesamt 136 Mitarbeiterinnen und

Mitarbeitern zusammengeführt und wurden

damit auch 3 Sekretariate, 4 Stabstellen

und 14 Referate zusammengelegt und

neu geordnet:

Abteilungsleitung

Hofrat Dipl.-Ing. Georg Zöhrer

Standort Krottendorferstraße 94x

Abteilungsleiter: Hofrat Dipl.-Ing. Georg Zöhrer

Sekretariat: Helga Zierler

Stabstelle Innerer Dienst und Haushaltsführung:

Leiterin: Helene Troger

Haushaltsführung: Johann Brandstätter

Direkt dem Abteilungsleiter unterstellt:

Mag. a Gabriela Sagris

Jagd-, Fischerei-, Landarbeitsrecht

Dr. Roland Günther

Forstrecht, Grundverkehr, Tierzucht

Mag. Ing. Alois Höcher

Bodenreform, Landesagrarsenat,

Wein- und Buschenschankrecht

Referat 1 Landwirtschaft und ländliche Entwicklung

Leiterin: Dipl.-Ing. in Anita Mogg

Standort Brückenkopfgasse 6x

Referat 2 Landesforstdirektion

Leiter: Landesforstdirektor Dipl.-Ing. Michael Luidold

Fachteam Steirische Landesforstgärten:

Leiter: Dipl.-Ing. Reinhold Klausbauer

Standort Haideggx

Referat 3 Pflanzengesundheit und Spezialkulturen

Leiter: HR Dipl.-Ing. Josef Pusterhofer

Fachteam Versuchsstation für Spezialkulturen Wies

Leiterin: Mag. a Dr. Claudia Mack (Karenzvertretung)

Referat 4 Boden- und Pflanzenanalytik

Leiter: Mag. Dr. Wolfgang Krainer

Referat 5 Versuchsstation Obst- und Weinbau Haidegg

Leiter: Dipl.-Ing. Dr. Leonhard Steinbauer

Standort Admontx

Referat 6 Steiermärkische Landesforste:

Leiter: Forstdirektor Dipl.-Ing. Andreas Holzinger

Stabstelle

Innerer Dienst und Haushaltsführung

Direkt dem Abteilungsleiter

unterstellte JuristInnen

Referat 1

Landwirtschaft und

Ländliche Entwicklung

Referat 2

Landesforstdirektion

Referat 3

Pflanzengesundheit

und Spezialkulturen

Referat 4

Boden- und

Pflanzendynamik

Referat 5

Versuchsstation Obstund

Weinbau Haidegg

Referat 6

Steiermärkische

Landesforste

Kontakt

A10 Land- und Forstwirtschaft

Krottendorferstraße 94

8052 Graz-Wetzelsdorf

Tel.: 0316/877-6903

Fax: 0316/877-6900

abteilung10@stmk.gv.at

Ländliche Ent wicklung


Land Steiermark

Gudrun Walter

| 35 |

Neu: A 14 Wasserwirtschaft,

Ressourcen und Nachhaltigkeit

Die ehemalige Fachabteilung 19D wird

gemeinsam mit der Fachabteilung 19B

und Fachabteilung 19A zur A 14 Wasserwirtschaft,

Ressourcen und Nachhaltigkeit

unter der Leitung von Herrn Hofrat Dipl.-

Ing. Johann Wiedner. 129 MitarbeiterInnen

zählt diese Abteilung, die in 7 Referate

und 4 Bereiche gegliedert ist.

Bereich „Nachhaltige Entwicklung“:

Mit den Lokalen Agenda-21-Prozessen

konnten in der Steiermark viele Bürgerinnen

und Bürger aktiv in die Gestaltung ihres

Lebensumfeldes eingebunden werden

und viele Projekte wurden zur Stärkung

der regionalen Identität, der Verbesserung

Abteilungsleitung

HR DI Johann Wiedner

Abteilungsleiterstellvertreter

HR DI Dr. Wilhelm Himmel

Nachhaltigkeitskoordinator

der Wertschöpfung und der Lebensqualität

umgesetzt.

Das Förderprogramm der Wirtschaftsinitiative

Nachhaltigkeit – WIN ermöglicht

mit Fördermitteln des Bundes konkrete

Maßnahmen zur qualitativen Verbesserung

der steirischen Betriebe (das

Förderspektrum reicht von Nachhaltigkeitsstrategien

bis zu konkreten Umweltmaßnahmen).

Sekretariat

Referat

Leitungsassistenz und

zentrale Dienste

Bereich

Kanzlei und Assistenzdienst

Referat

Hydrografie

Referat

Informationssysteme,

Wasserbuch, Öffentliches

Wassergut

Referat

Wasserwirtschaftliche

Planung

Referat

Siedlungswasserwirtschaft

(Wasserversorgung und

Abwasserentsorgung)

Referat

Naturgefahrenmanagement

Wasser- und Gewässerentwicklung

Referat

Abfallwirtschaft und

Nachhaltigkeit

Statement

Bereich

Rutschhangsicherung und

Landschaftswasserbau

Bereich

Gewässerentwicklung

Bereich

Nachhaltige Entwicklung

Chancen nutzen

HR DI Dr. Wilhelm Himmel

Nachhaltigkeitskoordinator

Leitung Referat Abfallwirtschaft

und Nachhaltigkeit, Abteilung 14,

Wasserwirtschaft, Ressourcen

und Nachhaltigkeit

Veränderungen zulassen heißt auch, neue

Chancen nutzen. Nach der Verwaltungsreform

des Landes Steiermark, wonach die Abteilungen

sowie Fachabteilungen von 50 auf 25 halbiert

wurden, bedeutet das für die ehemalige

Fachabteilung 19D, Abfall- und Stoffflusswirtschaft,

dass sie seit 1. August 2012 als Referat

Abfallwirtschaft und Nachhaltigkeit in der

neuen Abteilung 14 – Wasserwirtschaft, Ressourcen

und Nachhaltigkeit weiterhin für die

Belange der kommunalen und betrieblichen

Abfallwirtschaft und für die Umsetzung von

Maßnahmen und Programmen für eine nachhaltige

Entwicklung in der Steiermark (wie

z.B. die Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit –

WIN) zuständig ist und unser gesamtes Team

sich auch weiterhin bemühen wird, den An-

forderungen hinsichtlich der Beratungs-, Informations-

und Vernetzungsaktivitäten gerecht

zu werden.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass

die nachhaltige Entwicklung in all ihren Facetten

und im Sinne künftiger Generationen

ein zentrales Thema in der Steiermark, im grünen

Herzen Österreichs ist. Dahin gehend

wurden zahlreiche Projekte und Initiativen

umgesetzt. In jüngster Zeit erging beispielsweise

der europäische Abfallvermeidungspreis

für die ALLWEG-Steiermark-Weinflasche

in unser Bundesland, 28 Footprint-Schulen

wurden vom Land Steiermark ausgezeichnet,

der steirische Umwelttechnik-Cluster ECO

WORLD Styria holte den RegioStars-Award

2012 für intelligentes Wachstum nach Österreich,

der TRIGOS Österreich Award 2012 in

der Kategorie „Markt“ ging ebenso in die

steiermark und mit dem österreichischen

Abfall innovationspreis PHÖNIX wurde die

ehemalige FA19D für die erfolgreiche

Kampagne „Der große steirische Frühjahrsputz“

und für das Onlinetool „Steirischer

Baurestmassenleitfaden“ von Umweltminister

Niki Berlakovich ausgezeichnet.

Letztendlich richtete das Land Steiermark gemeinsam

mit dem Lebensministerium im Juni

2012 den mittlerweile 7. Österreichischen

LA21-Gipfel in Graz aus – verbunden mit Exkursionen

in die Regionen und zukunftsweisenden

Workshops mit einer vielfältigen Themenauswahl

mit ReferentInnen aus ganz Österreich.

Auch hier beim größten Vernetzungstreffen

zur Lokalen Agenda 21 hat sich

gezeigt, dass das Instrument der BürgerInnenbeteiligung

immer mehr an Bedeutung

gewinnt. Nur durch eine intensive Vernetzungsarbeit

zwischen allen Ebenen, nämlich

Bund, Land, Regionen und Gemeinden sowie

den BürgerInnen kann uns auch in Zukunft

vieles im Sinne einer zukunftsfähigen Entwicklung

im Sinne von „Enkeltauglichkeit“ in

einem attraktiven Lebensraum gelingen.

Manchmal braucht es den Blick von außen,

um die Wertigkeiten im eigenen Land zu erkennen.

Nachhaltige Ent wicklung


Verantwortungsvoller Konsum

Gudrun Walter

Nachhaltig leben

Serie

| 36 |

Auf unserem Planeten leben

mittlerweile über sieben

Milliarden Menschen –

und pro Jahr kommen ca.

83 Millionen Menschen dazu.

Unsere Lebensgrundlage – die

Erde – kann sich aber nicht

vermehren und von der gesamten

Erdoberfläche sind

nach wie vor nur 13 Milliarden

Hektar nutzbar.

Mit dem ökologischen Fußabdruck

erhalten wir Auskunft

über unseren Lebensstil und

wissen, dass wir in Österreich

auf viel zu großem Fuß leben!

Jedem Menschen stünden

theoretisch rund 1,8 ha zur

Verfügung, wir verbrauchen

aber 4,9 Hektar.

Nachhaltige Ent wicklung

Aber nicht nur auf den Flächenverbrauch

bezogen haben wir bei weitem das Maß

des Verträglichen überschritten. Im Weltatlas

„Green Economies Around the World“

wird erstmals die Entwicklung des Rohstoffverbrauchs

und der Ressourceneffizienz

aller Länder weltweit in den letzten 30

Jahren dargestellt. Der weltweite Verbrauch

an Rohstoffen liegt mittlerweile

bei 70 Milliarden Tonnen pro Jahr – mit

stark ansteigender Tendenz. Auch hier gibt

es große Unterschiede zwischen den einzelnen

Staaten. Während der Durchschnittswert

weltweit bei rund 10 Tonnen

pro Kopf und Jahr liegt, sind es in Österreich

rund 24 to/EW.a. (Quelle: Ressourceneffizienz

Aktionsplan (REAP).

Es ist zwar gelungen, den Einsatz der Rohstoffe

in ihrer Effizienz zu steigern, aber

andererseits sind diese Verbesserungen

durch den Zuwachs an Konsum bei weitem

übertroffen und die Effizienzgewinne

werden durch das Wirtschaftswachstum

kompensiert. Der Konflikt und Kampf um

die Rohstoffe hat längst begonnen!

Durch den Einsatz von Elektro- und Elektronikgeräten

hat sich unser Lebensalltag

in den letzten 20 Jahren in vielen Bereichen

stark gewandelt. Viele Vorteile wie

beispielsweise automatisierte, beschleunigte

Abläufe, Verringerung körperlicher

Belastung und Gefährdung in der Arbeitswelt,

große Fortschritte in Wissenschaft

und Medizin sowie enorm gestiegene Informationsmöglichkeiten

genießen wir

täglich als Selbstverständlichkeit.

Nachhaltigkeit, Klimaschutz und globale

Verantwortung hängen sehr eng zusammen

und unser Lebensstil und Konsumverhalten

in der Steiermark hat globale

Auswirkungen.

Mit ihren bloßen Händen

für Ihr Handy

Wenn wir in immer kürzeren Abständen

ein neues Handy kaufen, dann sollten wir

dabei nicht vergessen, dass dafür im Kongo

Kinder mit ihren bloßen Händen das

wertvolle Coltan schürfen. Weltweit betrachtet

besitzen aber nur ca. 7 % der

Menschheit einen Computer und der Anteil

der Handybesitzer ist noch geringer.

Allein im Jahr 2011 wurden weltweit 1,8

Milliarden Handys verkauft, über 3 Millionen

davon allein in Österreich! Für die indischen

Arbeiterinnen wirft dieser Handyboom

aber keine besseren Löhne ab. Meist

verdienen Sie nicht einmal 1 % des Verkaufspreises

und können sich kaum Miete

und Essen leisten, während sich auf der

anderen Seite der Welt die Werbung Gedanken

macht, wie sie die neuesten Produkte

anpreist und dabei den Eindruck

vermittelt, dass man ohne diese neuesten

Produkte gar nicht mehr leben kann. Unsere

Solidarität ist gefordert. Von der Südwind

Agentur gibt es dazu auch eine Petition,

die gemeinsam die Hersteller von

Handys auffordert, Verantwortung zu

übernehmen und faire Löhne zu bezahlen.

Nähere Informationen dazu unter:

www.suedwind-agentur.at

Denkanstöße

Wir müssen nicht auf alles verzichten – wir

können gut leben – aber wir sollten uns

wieder auf die wesentlichen Dinge besinnen.

Facebook, Internet, Handy … sind

Gebrauchsgegenstände, die uns das Leben

erleichtern können, aber wahre

Freundschaften und soziale Kontakte erfordern

zum Glück noch immer uns Menschen

und können nicht virtuell sinnerfüllend

sein. Glück und Wohlstand hängen

nicht an materiellen Dingen.

Daher möchte ich mit dieser Serie immer

wieder Denkanstöße in Richtung nachhaltigen

Lebensstil geben und nicht moralisieren

oder demoralisieren, sondern ermuntern

zum Nachdenken und zu einem

kritischen Konsumverhalten. Werden wir

wieder neugierig wie Kinder und stellen

Fragen zur Herstellung/Herkunft und natürlich

auch zur Sinnhaftigkeit. Machen

wir uns aber auch Gedanken über unsere

Bedürfnisse und das, was uns wichtig ist.

Was kann jede/r Einzelne

mit seinem Konsumverhalten

beitragen?

• z Geräte, Gegenstände und Konsumartikel

länger verwenden

• z Re-Use statt wegwerfen: für die verschiedensten

Waren, Kleidungsstücke,

Möbel usw. gibt es die Möglichkeit

einer sinnvollen Weiterverwendung

über spezielle Sammelsysteme/Abgabestellen

• z Für Handys gibt es auch regelmäßig

gesonderte Sammlungen

• z Geräte bewusst abschalten, statt

immer laufen zu lassen

• z Beim Ankauf von Geräten auf den

Energiestandard achten, die Herstellung

hinterfragen

• z Bevorzugen Sie Waren mit dem

Fair-Trade-Gütesiegel – dieses gibt es

mittlerweile auch schon auf Textilien

und einzelnen Produkten

Sollten Sie persönlich gute

Tipps für einen nachhaltigen

Lebensstil haben, so teilen

Sie uns diese mit.

Wir geben sie gerne an unsere

Leserinnen und Leser weiter.

Kontakt

DI Gudrun Walter

Amt der Stmk. Landesregierung

A14 Wasserwirtschaft, Ressourcen und

Nachhaltigkeit

Referat Abfallwirtschaft und Nachhaltigkeit

Tel.: +43(316) 877-4267

E-Mail: gudrun.walter@stmk.gv.at

www.nachhaltigkeit.steiermark.at


Nationalpark Gesäuse

Petra Sterl, Nationalpark Gesäuse

| 37 |

Ökologischer Fußabdruck:

begehbar – erlebbar – begreifbar

Neues, begehbares,

lebendiges Bauwerk

An den Ufern der Enns im

Nationalpark Gesäuse gelegen,

hat vor nunmehr bereits

acht Jahren das größte lebendige

Bauwerk Österreichs, der

Weidendom, seine Wurzeln

geschlagen. Heuer wurde das

Areal des Weidendoms durch

ein weiteres lebendiges Bauwerk,

einen begehbaren

„ökologischen Fußabdruck“,

erweitert.

Der ökologische Fußabdruck zeigt auf, wie

sich unsere Lebensweise auf unseren Planeten,

die Erde, auswirkt. Er beschreibt die

Fläche, die notwendig ist, um den Lebensstandard

eines Menschen dauerhaft zu ermöglichen.

Hierzu gehören beispielsweise

Flächen für Nahrungsproduktion wie auch

für die Entsorgung des Mülls oder Verkehrsflächen.

In Österreich ist der ökologische

Fußabdruck dreimal so groß, wie er

global betrachtet sein dürfte.

Dieser tatsächliche, etwa 70 Meter lange

Fußabdruck ist ein weiteres spannendes

Angebot des Nationalparks Gesäuse für

seine Besucher/-innen: Herzstück dieses

Fußabdrucks ist ein Labyrinth aus Buchenhecken.

In der Ferse dieses überdimensionalen

Fußabdrucks befindet sich eine Tribüne

samt Bühne, die sich für Filmvorführungen

und Konzerte vor der Kulisse der

Hochtorgruppe anbietet. In den Zehen erhalten

interessierte Besucher/-innen weitere

Informationen zu den Bereichen des

ökologischen Fußabdrucks – Ernährung,

Wohnen, Mobilität und Konsum sowie zur

globalen Bedeutung dieses Konzeptes.

Das Labyrinth verkörpert die vielen Entscheidungen,

die wir täglich treffen: Radle

ich in die Schule oder Arbeit oder fahre

ich mit dem Auto? Wie oft in der Woche

esse ich eigentlich Fleisch? Welche Ideen

habe ich selbst, um meinen ökologischen

Fußabdruck zu verringern? Welcher Weg

kann zu einem Leben im Einklang mit Natur

und Ressourcen der Erde führen – so

dass die Erde in ihrer Schönheit auch noch

für viele andere Generationen nach uns

erhalten bleibt? Welche Wege führen in

die Sackgasse und haben Nebenwirkungen

wie Umweltverschmutzung oder

schlechtere Lebensbedingungen für andere

Menschen? Der Weg durch das Labyrinth

weist in Richtung eines zukunftsfähigen

Lebensstils. Eine Vielzahl von Aktivitäten

rund um das Fußabdruck-Labyrinth,

wie zum Beispiel der Bauerngarten,

zeigt Möglichkeiten auf, was jede/r von

uns tun kann. Wichtig ist uns einerseits die

globale Betrachtung und andererseits, lokale

Handlungsmöglichkeiten gemeinsam

zu erarbeiten und aufzuzeigen. Jede/r Einzelne

kann ganz persönlich einen Beitrag

leisten!

Eine „ausgezeichnete“ außerschulische

Bildungseinrichtung

Der Nationalpark Gesäuse wurde 2011 mit

dem Umweltzeichen für außerschulische

Bildungseinrichtungen ausgezeichnet. Es

ist uns daher sehr wichtig, nachhaltig zu

handeln und Wissen und Handlungsmöglichkeiten

rund um Nachhaltigkeit und

den ökologischen Fußabdruck nach außen

zu tragen.

An wen richtet sich der begehbare

Ökologische Fußabdruck

des National parks Gesäuse?

Individualbesucher/-innen

und Familien:

Das Nationalpark-Erlebniszentrum im Weidendom

ist gemeinsam mit dem begehbaren

ökologischen Fußabdruck in den

Monaten Mai bis Oktober jederzeit frei begehbar.

Schulklassen:

Für Schulklassen bietet der Nationalpark

Gesäuse mehrere unterschiedliche Programme

von einzelnen Projekttagen bis

hin zu Projektwochen an.

Gruppen:

Auch für Gruppen, seien es Betriebsausflüge

oder Pensionistengruppen, bietet

der Nationalpark Gesäuse ein vielfältiges

Programm an. Ein Beispiel dafür ist eine

Präsentation des Nationalparks Gesäuse,

kombiniert mit einer Führung durch das

lebendige Bauwerk des Weidendoms und

den begehbaren ökologischen Fußabdruck.

Gemeinsam mit dem Umwelt-Bildungs-

Zentrum Steiermark hat der Nationalpark

Gesäuse das pädagogische Konzept für

diesen begehbaren ökologischen Fußabdruck

erarbeitet. Sowohl das Umwelt-Bildungs-Zentrum

Steiermark als auch der

Nationalpark Gesäuse bieten Workshops

für Schulklassen an.

In diesem Schuljahr bekamen wieder 28

Schulen die Auszeichnungs-Urkunde

als „Footprint-Schule Steiermark“ vom

Land Steiermark dafür überreicht, dass

sie den ökologischen Fußabdruck und

Handlungsmöglichkeiten für eine nachhaltige

Entwicklung zu einem wichtigen

Schulthema gemacht haben.

Info

Projekttag zum Ökologischen Fußabdruck

im Nationalpark Gesäuse

Infobüro Admont

Dr. Isabella Mitterböck

Hauptstraße 35, 8911 Admont

Tel.: +43 (3613) 211 60 20

info@nationalpark.co.at

www.nationalpark.co.at

Footprint-Workshops in der Schule:

Umwelt-Bildungs-Zentrum Steiermark

Dipl.-Päd. Sabine Baumer

Brockmanngasse 53, 8010 Graz

Tel.: 0316/835404-5

sabine.baumer@ubz-stmk.at

www.ubz-stmk.at


Europäisch nachhaltig

| 38 |

Europa-Preis für Nachhaltigkeit

geht in die Steiermark

Die European Week for Waste Reduction wird von der EU …

… unterstützt und fand 2011 das dritte Mal statt. Europaweit

wurden 2011 Aktionen zur Abfallvermeidung umgesetzt.

RegioStars Award 2012

Steiermark ist Europas grüner

Wachstums-Star

Der steirische Umwelttechnik-Cluster ECO

WORLD STYRIA holt mit innovativen Clusterleistungen

und exzellentem Branchen-Wachstum

den „RegioStars Award 2012“ für intelligentes

Wachstum erstmals nach Österreich.

Die Europäische Kommission vergibt seit 2008

den „RegioStars Award“ – die höchste Auszeichnung

für exzellente Regionalprojekte.

Erstmals seit Bestehen des Preises wurde nun

ein österreichisches Projekt ausgezeichnet.

Die Koordination all dieser Aktionen übernahmen

in den einzelnen teilnehmenden

Staaten sogenannte „Organisers“. Österreichweit

war nur das Lebensressort des

Landes Steiermark als Organiser an diesem

Projekt beteiligt.

Vier steirische Aktionen unter den

Nominierungen für den Sieg

89 von diesen 7035 Aktionen wurden in

fünf Kategorien für den EWWR-Award nominiert.

Vier der Nominierungen waren

steirische Aktionen:

1. Die „ALLWEG Steiermark Flasche“

2. Change bag – vom Kunststoff zum

Echtstoff (Kleinregion JEGG,

Judendorf-Straßengel, Eisbach-Rein,

Gratkorn, Gratwein)

3. Nachhaltige Abfallwirtschaft in

Kindergärten und Volksschulen (be-)

greifbar machen (AWV Mürzverband)

4. Clevere Jause (AWV Voitsberg)

In Paris wurde am 19. Juni das Projekt

„ALLWEG Steiermark Flasche“ in der Kategorie

„Administration / public authority“

mit dem EWWR-Preis ausgezeichnet.

v. l. n. r.: Dr. Gerd Gratzer – Land Steiermark

A14, DI Sabine Seiler – ECO WORLD STY-

RIA, Luc Van den Brande – Jury-Präsident,

EU-Kommissar Johannes Hahn.

© Alexander Louvet

Landesrat Johann Seitinger: „Die Steiermark-Weinflasche ist ein einzigartiges

Marken zeichen für die Identität der steirischen Qualitätsweine. Mit der Wiederverwendung

der Flasche wird nun ein wichtiger Schritt in Richtung Umweltverantwortung

und Nachhaltigkeit gesetzt.“

www.ewwr.eu

Aus dem Pool aller rund 50.000 bis 100.000

Projekte pro Jahr, die mit EU-Regionalmitteln

aus dem Europäischen Fonds für regionale

Entwicklung kofinanziert wurden, konnten

die 272 europäischen Regionen jeweils ein

Projekt einreichen. Das Land Steiermark hat

aus dem EU-Programm „Regionale Wettbewerbsfähigkeit

Steiermark 2007–2013“ die

Aktivitäten der ECO WORLD STYRIA zum Preis

nominiert. In fünf Kategorien wurde ein Sieger

gekürt. EU-Regionalkommissar Johannes

Hahn überreichte dem Land Steiermark und

ECO WORLD STYRIA den „RegioStars Award

2012“ in der Kategorie „Intelligentes Wachstum“.

Ausschlaggebend für die europäische

Auszeichnung ist die Dynamik, mit der sich

die ECO WORLD STYRIA entwickelt und es damit

schafft, der Region neue Impulse im Bereich

der grünen Technologien zu geben.

Nachhaltige Ent wicklung


Wirtschaftsinitiative Steiermark

Silke Leichtfried

| 39 |

Qualität bewiesen:10 Jahre WIN

Steigende Öl- und Energiepreise,

Globalisierung, demographischer

Wandel etc. …

… führen zu stark veränderten

Märkten und zu steigendem

Wettbewerbsdruck. Um daher

als Unternehmen langfristig

wirtschaftlich erfolgreich und

wettbewerbsfähig zu sein, ist es

wichtig, innovativ zu denken

und neben ökonomischen Erfolgsfaktoren

auch seine ökologische

und soziale Verantwortung

wahrzunehmen.

Grund zur Freude über die Erfolgsstory der Wirtschaftsinitiaitve Nachhaltigkeit

Betriebe, die sich ihrer Verantwortung gegenüber

Umwelt und Gesellschaft bewusst

sind, schaffen einen Mehrwert – für sich

und die künftigen Generationen. Nachhaltiges

(also ökologisch und sozial verantwortungsvolles)

Wirtschaften unter Berücksichtigung

von Stakeholder-Interessen und

einer Mitverantwortung für das Gemeinwohl

verbessert die betriebliche Effizienz

des Unternehmens und macht es sowohl

für hoch qualifizierte MitarbeiterInnen als

auch für die wachsende Zahl umweltbewusster

KonsumentInnen interessant.

Die Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit

(WIN) wurde 2002 als Beratungs- und Förderplattform

für die Identifizierung und

Umsetzung von Maßnahmen des vorsorgenden

betrieblichen Umwelt- und

Klima schutzes bzw. nachhaltigen Wirtschaftens

in steirischen Unternehmen vom

Land Steiermark (FA19D – Abfall- und

stoffflusswirtschaft), der Steirischen Wirtschafts

förderungsgesellschaft (SFG) und

der Wirtschaftskammer Steiermark (WK-

Stmk) gegründet. Zusätzlich zur Beratungsförderung

war von Beginn an die eine entsprechende

Informations- und Öffentlichkeitsarbeit

zur Meinungsbildung zum Thema

„Nachhaltigkeit“ eine weitere wichtige

Säule der WIN.

Die Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit

wurde im Laufe der vergangenen Jahre

mehrmals von externen Evaluatoren im

Hinblick auf ihre Umweltwirkungen und

die Effizienz der eingesetzten Fördergelder

geprüft. Dabei wurde der Wirtschaftsinitiative

Nachhaltigkeit ein hoher Professionalisierungsgrad

und eine zunehmende

Etablierung in der steirischen

Wirtschaft als One-Stop-Shop für betriebliche

Nachhaltigkeit attestiert.

Sowohl die beratenen Unternehmen als

auch die derzeit 170 WIN-Konsul entinnen

und Konsulenten zeigen sich von Beginn

an überaus zufrieden. Die Qualität der Beratungsleistungen

sowie die Qualifikation

der Konsulent(inn)en werden als hervorragend

bewertet. Die WIN leistet somit

einen bedeutenden Beitrag zur Vermittlung

von Grundlagen und zur Bewusstseinsbildung

für nachhaltige Entwicklung

in der steirischen Wirtschaft.

Zusammenfassend lässt sich festhalten,

dass das steirische Regionalprogramm, die

„Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit“

(WIN) mit den bisher in den Jahren 2003

bis 2011 zugesagten und vom Land Steiermark

sowie von der WK Stmk. bereitgestellten

Fördermitteln von rund 3,44

Mio. Euro entscheidende Impulse gesetzt

hat und Maßnahmen im Bereich Umweltund

Klimaschutz verwirklicht werden

konnten. Dem Fördermitteleinsatz stehen

getätigte betriebliche Investitionen im

Ausmaß von 51,14 Mio. Euro gegenüber.

Kontakt

Dipl.-Ing. Silke Leichtfried

WIN - Leitstelle, Amt der Steiermärkischen

Landesregierung, A 14 - Wasserwirtschaft,

Ressourcen und Nachhaltigkeit

Referat Abfallwirtschaft und Nachhaltigkeit

Bürgergasse 5a, 8010 Graz

Tel: 0316/877-4505

Email: silke.leichtfried@stmk.gv.at

www.win.steiermark.at

Zukunft

Mit den Strategien auf

europäischer Ebene, z.B.:

• z EU 2020 – die Wachstumsstrategie für

Europa für das nächste Jahrzehnt mit

dem expliziten Kernziel „Klimawandel

und Energie“ (Verringerung der Treibhausgasemissionen

um 20 % gegenüber

1990; Erhöhung des Anteils erneuerbarer

Energien auf 20 %; Steigerung

der Energieeffizienz um 20 %).

• z Energie 2020 – eine Strategie für

wettbewerbsfähige, nachhaltige und

sichere Energie

• z Grundstoffmärkte und Rohstoffe: Herausforderungen

und Lösungsansätze

• z EU-Strategie (2011–14) für die soziale

Verantwortung der Unternehmen

(CSR)

• z EU-Strategie für nachhaltige Entwicklung

und deren nationale Umsetzungsmechanismen

(wie z.B.: Klimaschutzprogramm

des Bundes, Energieeffizienzgesetz

des Bundes, Ressourceneffizienz

– Aktionsplan des

Bundes, Österreichische Nachhaltigkeitsstrategie

[Bund/Länder], Klimaschutzplan

Steiermark, Wirtschaftsstrategie

Steiermark) werden die

herausforderungen an Betriebe im

Hinblick auf ökologisch und sozial

verantwortungsvolles Wirtschaften

weiter zunehmen.


Schlusspunkt

Sandra Höbel

| 40 |

„Marianne, die Tomatenfrau“

Weniger ist oft mehr.

Aber nicht immer.

Manchmal ist die auf wändigere

Variante die bessere. Warum?

Weil wir davon überzeugt sind.

Thema Thema 1/2012: Steiermark

wissenswert

gungs-Fieber und am ganzen Arm voll mit

Tomatenspuren. Sie braucht Basilikum.

Das kommt nämlich, feingehackt mit

Knoblauch, auch noch in das Sugo. Als mir

Marianne eine Kostprobe ihrer Kreation

überreicht, werde ich fast ehrfürchtig. Ich

hatte nie gewusst, wie viel Arbeit in einem

solchen Produkt stecken kann, hätte den

Wert dieser „Tomatensauce“, die man so

selbstverständlich und ohne lange darüber

nachzudenken, über die Nudeln gießt,

niemals zuvor derart schätzen können.

Und ich weiß: Dieses Nudelgericht mit Mariannes

Sugo werde ich bewusst und mit

Bedacht genießen wie selten eines zuvor!

„Das Beste“ ist eine persönliche

Entscheidung und

definiert sich über die Werthaltungen

jeder/jedes

Einzelnen.

Das Billigste ist nicht immer das Beste

Mariannes Beispiel zeigt, dass Konsumentscheidungen

nicht immer auf der rein

rechnerischen Basis eines Kosten-Nutzen-

Vergleichs getroffen werden. Und das ist

gut so! Wie viel Genuss, wie viel Qualität

und Lebenslust ginge uns damit verloren


Natürlich spielt der Preis in Zeiten wie diesen

immer eine Rolle. Aber die billigste Variante

ist nicht automatisch auch immer

die beste! Dazu gehört mehr als der Blick

in die Geldtasche!

Aber was ist das Beste? „Das Beste“ ist eine

rein persönliche Entscheidung und definiert

sich individuell über die Einstellungen,

Werthaltungen und Überzeugungen

jeder/jedes Einzelnen. Der eine schwört

auf Bio-Produkte, der andere nimmt sich

die Zeit, sämtliche Supermärkte nach Angeboten

abzuklappern, die dritte will ihrer

Familie etwas Gutes tun und geht täglich

einkaufen – immer frisch, immer genau

das, was gebraucht wird. Alles richtig!

Unser Konsumverhalten ist ein Abbild unserer

individuellen Lebenswelten und Lebenswirklichkeiten.

Kaufentscheidungen

sind nur selten rein rational. Sie passieren

vor dem Hintergrund der uns zur Verfügung

stehenden Zeit und Mobilität, der

verfügbaren Möglichkeiten und vor allem

unserer persönlichen Notwendigkeit. Eine

Meine Freundin Marianne ist eine Perle.

Wann immer man sie braucht, ist sie da.

Wort- und bedingungslos, völlig unkompliziert,

unendlich hilfsbereit. Und stets

mit einem Lächeln auf den Lippen. Ein Engel

auf Erden sozusagen.

Unlängst sitzen wir bei einem Kaffee auf

der Terrasse, als sie mir erklärt, sie müsse

jetzt heim, weil sie heute noch 30 Kilogramm

Tomaten geliefert bekommt. 30

Kilo Tomaten! Was um Gottes Willen macht

man mit 30 Kilogramm Tomaten? Marianne

macht mit 30 Kilo Tomaten Sugo. Um

sich und ihrer Familie etwas Gutes zu tun,

um Freunden und Bekannten etwa Gutes,

Selbstgemachtes zu schenken.

So weit, so gut. Dass die Tomaten steirische

sind, versteht sich von selbst. Als Marianne

allerdings beginnt, mir ihr Sugo-

Rezept zu schildern, wird mir allein beim

Zuhören schon schwindelig …

… Stangensellerie und Karotten kleinhacken,

die Tomaten (immerhin 30 Kilogramm)

kochen und schälen, das alles

ewig köcheln, bis es dunkelrot wird …

Ich denk mir im Stillen „Ja, um Gottes Willen,

was tut sich die Frau da nur an? Das

ist ja eine Sisyphus-Arbeit!“

Dann allerdings beobachte ich Marianne,

während sie spricht. Und ich sehe die Freude

und Begeisterung in ihrem Gesicht, das

Glänzen in ihren Augen. Dieses Sugo, das

Marianne die drei darauffolgenden Tage

beschäftigt, ist offensichtlich eine Leidenschaft

meiner Freundin. Und sie denkt keine

einzige Sekunde darüber nach, wie viel

Zeit, Arbeit und unter dem Strich auch bares

Geld sie sich ersparen würde, würde

sie das Sugo fertig im Supermarkt kaufen.

Die Qualität ihrer Eigenproduktion, das

Wissen um die Frische und Nähe der verwendeten

Produkte, der Genuss ihrer Familie

beim Verzehr ist ihr all die Arbeit

wert.

Ich finde das großartig und bin voll der

Bewunderung für dieses offenherzige Bekenntnis

zum Mehraufwand!

Einen Tag später schießt Marianne plötzlich

zur Tür herein, voll im Sugo-Erzeujunge

Mutter, die täglich ihre Familie bekocht,

kauft anders ein als ein vierzigjähriger

Single, der in der Kantine isst und

seine Freizeit im Mountainbikesattel verbringt


Ich bekenne mich schuldig!

So ein kühles Blondes kann schon was,

finden Sie nicht auch? Ich gebe es zu: In

meinem Einkaufswagen findet sich niemals

eine Bierkiste. Seit es die 0,3-Liter-

„Dreh und Drink“-Flaschen gibt, habe ich

keine 0,5-Liter-Bierflasche mehr geöffnet

(eigentlich habe ich zu Zeiten der Halbliter-Flaschen

kaum Bier getrunken)! Und

das, obwohl die Kiste doch so viel billiger

und damit wesentlich effizienter wäre!

Ganz ehrlich? Das ist mir völlig egal! Das

kühle Blonde mit dem Drehverschluss ist

für mich Lifestyle, Freude, Genuss! Jede

einzelne Flasche. Und in den Mengen, in

denen ich Bier trinke, ist mir dieser Genuss

die paar Euro allemal wert!

Ich weiß, dass viele das ganz und gar nicht

verstehen können und nur den Kopf

schütteln ob so viel „Unvernunft“. Aber genau

das ist es, was ich zum Ausdruck bringen

möchte: Jeder muss für sich seine

Konsum-Wahrheit finden! Und die des/der

anderen tolerieren.

Diese eine Wahrheit gibt es nicht

Jeder von uns muss sich die Kriterien für

seine Kaufentscheidungen selbst definieren

– und sie vor der Kulisse ausgeklügelter

Werbestrategien auch verantworten.

Und ich gehe davon aus, dass die Leserschaft

dieses Magazins aus durchwegs

„fortgeschrittenen“ Konsumenten besteht,

für die das Lammfleisch aus Neuseeland

und die Weintrauben aus Südafrika

ohnehin kein Thema mehr sind. Diese Stufe

haben wir längst überschritten, denke

ich! Hier geht es vielmehr um eine „Feinabstimmung“

der persönlichen Nachfrage

mit dem unermesslich vielseitigen Angebot,

in dem wir diese eine Konsum-Wahrheit

nicht finden. Wie bei allen Entscheidungen

in unserem Leben liegt die Wahrheit

auch hier einzig und allein in uns

selbst! Was uns überzeugt, ist richtig.

Denken Sie daran, wenn Sie das nächste

Mal beim Einkaufen durch die Regalreihen

gehen – auf der Suche nach „Ihren“ besten

Produkten.

Und das Allerwichtigste: Vergessen Sie

niemals den Genuss und die Freude!!


Gudrun Gruber

Mag a . Nina Sulzenbacher

Mag. Gerhard Vötsch

Maria Mikulik

Ing in . Kathrin Grillitsch

Ing. Hubert Langmann

Landesbüro Graz

8010 Graz

Hans-Sachs-Gasse 5

office@landentwicklung.com

Tel. 0316/82 48 46 – 11

Fax 0316/82 48 46 – 4

Ing in . Astrid Holler

Margreth Huber

VOR ORT FÜR SIE DA!

Landesrat Johann Seitinger

Obmann

johann.seitinger@stmk.gv.at

Christian Gummerer

Geschäftsführer

christian.gummerer@landentwicklung.com

Mobil: 0676 / 866 43 751

Johanna Reinbrecht

Öffentlichkeitsarbeit und Leitprojekte

johanna.reinbrecht@landentwicklung.com

Mobil: 0676/866 43 753

Mag a . Alexandra Kulmer

Fördermanagement

alexandra.kulmer@landentwicklung.com

Mobil: 0676/866 43 757

Gabriela Neuhauser

Buchhaltung u. Verrechnung

gabriela.neuhauser@landentwicklung.com

Mobil: 0676/866 43 752

Andrea Tackner

Office

andrea.tackner@landentwicklung.com

Tel.: 0316/82 48 46 – 11

Kontakt Büro Landesrat Seitinger:

Johann Fink

johann.fink@stmk.gv.at

Mobil: 0676/8666 2350

Ing in . Astrid Holler

Prozess- u. Projektmanagement

8435 Wagna, Maburgerstraße 75

astrid.holler@stmk.gv.at

Mobil: 0676/866 43 758

Margreth Kortschak-Huber

Prozess- und Projektmanagement

8330 Feldbach, Bismarckstr. 11-13

margreth.kortschak-huber@stmk.gv.at

Mobil: 0676/866 43 759

Ing. Hubert Langmann

Prozess- und Projektmanagement

8020 Graz, Bahnhofgürtel 77

hubert.langmann@stmk.gv.at

Mobil: 0676/866 65 155

Maria Mikulik

Prozess- u. Projektmanagement

8230 Hartberg, Rochusplatz 2

8010 Graz, Hans-Sachs-Gasse 5/3

maria.mikulik@landentwicklung.com

Mobil: 0676/866 43 164

Mag. Gerhard Vötsch

Prozess- u. Projektmanagement

80 10 Graz, Hans-Sachs-Gasse 5/3

gerhard.voetsch@landentwicklung.com

Mobil: 0676/866 43 756

Ing in . Kathrin Grillitsch

Prozess- und Projektmanagement

8750 Judenburg, Kapellenweg 11

kathrin.grillitsch@stmk.gv.at

Mobil: 0676/866 43 755

Gudrun Gruber

Prozess- u. Projektmanagement

8940 Liezen, Hauptstraße 43

gudrun.gruber@stmk.gv.at

Mobil: 0676/866 43 754

Mag a . Nina Sulzenbacher

Nachhaltigkeitskoordinatorin

der Schi WM in Schladming 2013

8970 Schladming, Coburgstraße 45

nina.sulzenbacher@landentwicklung.com

Mobil: 0676/866 43 640


GZ 02Z034178 M | P.b.b. Verlagspostamt 8010 Graz

Mit Unterstützung von Bund, Land und europäischer Union

Europäischer Landwirtschaftsfonds

für die Entwicklung des ländlichen

Raums: Hier investiert Europa in

die ländlichen Gebiete.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine