kundenzeitschrift der tüv austria gruppe ausgabe 03 / september 2008

tuev.at

kundenzeitschrift der tüv austria gruppe ausgabe 03 / september 2008

K U N D E N Z E I T S C H R I F T D E R T Ü V A U S T R I A G R U P P E A U S G A B E 0 3 / S E P T E M B E R 2 0 0 8


E D I T O R I A L

Der

Inhalt

„Sicher ist sicher!“ Das Kursprogramm

2009 der TÜV AUSTRIA Akademie.

Das Herz der OMV. Die Schwechater

Raffinerie feiert heuer den 50. Geburtstag.

Gewichtsprobleme. Die Wissenschaft

arbeitet an einer Neudefinition des Kilogramms.

Bis 2011 soll das „Urkilogramm“

in Sèvres ein Fall für das Museum werden.

Rückführbar messen – Eine Voraussetzung.

Gastkommentar von Dr. Michael

Kühne, Chairperson von EUROMET.

Antriebsysteme im Ex-Bereich. In

Österreich wurde der Standard ÖVE/

ÖNORM EN 60079-14 „Elektrische Betriebsmittel

für gasexplosionsgefährdete

Bereiche“ ratifiziert.

S E I T E 10

Pipelineprojekt WAG Plus 600. Entlang

der West Austria Gasleitung (WAG I) wurde

ein paralleler Leitungsstrang (Loop) errichtet.

Wenn der Puls am Anschlag ist. Die

österreichische Firma Aquarena aus Krems-

Stein hat eine neue Wasserrutsche von

völlig neuem Design errichtet. S E I T E 12

Symposium Anlagensicherheit. Am 28.

und 29. Mai 2008 fand im Technischen

Museum Wien das Symposium Anlagensicherheit

statt.

S E I T E 13

Ein Bus für alle Fälle. Im maltesischen La

Valletta verrichtet ein Touristenbus seine

Arbeit zu Lande und zu Wasser.

TÜV News:

Ende März 2008 wurde die TÜV AUSTRIA

CYPRUS Ltd. gegründet.

Wechsel in der Führung der ÖGfZP.

Reise in die Welt des Mikrokosmos.

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S E I T E 15

TÜV AUSTRIA GRUPPE IM INTERNET:

http://www.tuv.at

Coverfoto: okerland-archiv.de

Liebe Leserinnen!

Liebe Leser!

Was wäre die Welt ohne Maßeinheiten? Der

Handel, die Technik, der Verkehr, das Gesundheitswesen,

ja unser gesamtes tägliches Leben

wäre in unserer gewohnten Weise absolut

unvorstellbar. Gleichgültig, ob wir Lebensmittel

einkaufen, unsere Blutwerte kontrollieren lassen

oder in einem Verkehrsmittel unterwegs sind,

die jeweiligen Maßeinheiten, die auch international

vergleichbar sein müssen, sind immer

im Spiel. Und wir beschreiben, warum das

Urkilogramm ersetzt werden soll und warum

Sekunden auf milliardstel Teile akkurat ermittelt

werden müssen. Das ist das Thema

der Titelgeschichte dieser Ausgabe von TÜV

Times.

Im „Portrait“ steht das 50-Jahr-Jubiläum der

OMV im Mittelpunkt. Der Weg, vom Start in

der schwierigen Nachkriegszeit bis zu den

heutigenTagen, in denen die OMV internatio-

Foto: Kurt Keinrath

nal auf den Märkten kräftig mitmischt, war

nicht immer einfach, aber letztlich erfolgreich.

Dass der TÜV die OMV in Fragen der Sicherheit

und auch des Umweltschutzes durch

all die Jahre begleitet hat, soll nicht unerwähnt

bleiben.

Aus der Welt der Technik gibt es auch in

dieser Ausgabe von TÜV Times einige interessante

Berichte zu den Themen Amphibienbus,

Aqualoop, aber auch zu neuen Normen,

die sich mit dem komplexenThema des

Explosionsschutzes auseinander setzen.

Ein Bericht über eine sensationelle Ausstellung

über die Welt des Mikrokosmos im TÜV

Forum rundet das Themenspektrum ab.

Das TÜV Times-Redaktionsteam wünscht

Ihnen vielVergnügen beim Lesen der aktuellen

Ausgabe.

Ihr

Dir. Dipl.-Ing. Dr. Hugo Eberhardt

p

s

TÜV AUSTRIA Gruppe

Sitz und Geschäftsführung: 1015 Wien, Krugerstraße 16, Tel. 01/514 07-6001

FACHBEREICHE:

Druckgeräte: Kommerzialrat Dipl.-Ing. Gerhard Höltmann, 1015 Wien, Krugerstraße 16, Tel. 01/514 07-6101

Aufzugstechnik: Ing. Anton Marschall, 1200 Wien, Höchstädtplatz 3, Tel. 01/332 42 81-6900

Maschinen-, Hebe- und Fördertechnik: Ing. Karl Preissler, 1015 Wien, Krugerstraße 16, Tel. 01/514 07-6200

Elektrotechnik: Dipl.-Ing. Friedrich Bittermann, 1230 Wien, Deutschstraße 10,Tel. 01/610 91-6400

Medizintechnik, Nachrichtentechnik/EMV: Dipl.-Ing. Franz Josef Fegerl, 1230Wien, Deutschstr. 10,Tel. 01/610 91-6501

Werkstoff- und Schweißtechnik: Dipl.-Ing. Leopold Schöggl, 1230 Wien, Deutschstraße 10,Tel. 01/610 91-6600

Umweltschutz: Ing. Ludwig Pointner, 4600 Thalheim/Wels, Tel. 07242/441 77-0

Kraftfahrtechnik und Verkehr: Dipl.-Ing. Walter Bussek, 1230 Wien, Deutschstraße 10,Tel. 01/610 91-6450

Zertifizierung von Managementsystemen: Dipl.-Ing. Reinhard Fröhlich, 1030 Wien, Barichg. 40-42,Tel. 01/514 07-6060

Foto: PTB


T Ü V A K A D E M I E

Mag. (FH) Christian Bayer

„Sicher ist sicher!“

Als Beilage zur aktuellen Ausgabe

der TÜV Times finden Sie das Kursprogramm

2009 der TÜV AUSTRIA

Akademie. Damit wollen wir Sie

bei Ihrer Schulungsplanung in den

Bereichen Sicherheit – Technik –

Qualität – Umwelt unterstützen.

Technische Sicherheit ist vielfach durch gesetzliche

Vorgaben vorgeschrieben. Je nach

Betriebsgröße und Gefährdungspotenzial sind

qualifizierte Beauftragte zu benennen. Die

Sicherheitsfachkraft, Sicherheitsvertrauensperson

bzw. der Brandschutz- oder Umweltbeauftragte

tragen als Expert/innen und Berater/innen

entscheidend zum Unternehmenserfolg

bei. Die TÜV AUSTRIA Akademie hat

ein umfangreiches Angebot für Beauftragte

der Sicherheitstechnik, des Umweltschutzes

und des Qualitätsmanagements für Sie entwickelt.

Eine Aufstellung der wichtigsten Beauftragten

im Betrieb finden Sie auf der

Homepage der TÜV AUSTRIA Akademie.

www.tuev-akademie.at > Beauftragte im Betrieb

Vorbeugung ist Wirtschaftlichkeit

Gerade im Sicherheitsbereich überlassen Unternehmen

nichts dem Zufall.Vorbeugung gewinnt

angesichts der katastrophalen Ausmaße

von Produktionsausfällen immer mehr an Bedeutung.

Damit verbundenesTraining führt zu

einer Sicherheitskultur im Unternehmen, die

darauf abzielt, Risken zeitgerecht zu erkennen

Foto: Christophe Papke

und Gegenmaßnahmen zu setzen. Ein weiterer

Schwerpunkt im technisch-wirtschaftlichen

Bereich ist die Thematik der Energieeffizienz.

Die massiv gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten

zwingen dazu, verstärkt nach Möglichkeiten

der Einsparung und nach Alternativen

sowie neuen technischenVerfahren zu suchen.

Weiterentwicklung von Wissen

Ein Hauptziel der beruflichen Weiterbildung

ist es, im Unternehmen laufend dafür zu sorgen,

dass die notwendigen Kenntnisse und

Fertigkeiten im Unternehmen präsent sind

und angewendet werden können. Aus Sicht

des Unternehmens geht es dabei um die

Stärkung und Verbreitung von guter Praxis

und gleichzeitig um den Ausgleich von festgestellten

Defiziten in der Organisation. Für Mit-

arbeiterinnen und Mitarbeiter bildet eine

kontinuierliche Weiterbildung im Sinne des

„lebenslangen Lernens“ die Basis für die berufliche

Zukunft.

Strategische Personalentwicklung

In vielen Branchen ist der Mangel an qualifiziertem

Personal bereits evident. Besonders

im technischen Bereich ist daher eine gezielte

Förderung und Entwicklung des Personals eine

notwendige Investition in die Zukunft und ein

wesentlicher Vorteil als attraktiver Arbeitgeber.

Die TÜV AUSTRIA Akademie übernimmt

dazu in bestimmten Branchen eine

wichtige Weiterbildungs- und Qualifizierungsfunktion.

Für Ihre spezifische Schulungsplanung

stehen Ihnen die Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter der TÜV AUSTRIA Akademie

gerne zur Verfügung.

TÜV AUSTRIA AKADEMIE GMBH

1100Wien, Gutheil-Schoder-Gasse 7a, 3. Obergeschoß

Tel: 01/617 52 50 – 0, Fax: 01/617 52 50 – 8145

E-Mail: akademie@tuv.at,Web: www.tuv-akademie.at

p

TÜV AUSTRIA Akademie

TIPP!

DIE NÄCHSTEN LEHRGÄNGE:

Ausbildung zum/r Qualitätsmanager/in

ab 16.9.2008

Ausbildung zur SFK

ab 15.10.2008

Ausbildung zum/r Risikomanager/in

ab 20.10.2008

Foto:Yuri Arcurs

Information und Kontakt:

Frau Susanne Kolm 01/6175250-8193

oder kol@tuv.at sowie www.tuv-akademie.at

S E I T E 3


P O R T R Ä T

Das Herz

der OMV.

Fotos: OMV

Die Raffinerie Schwechat feiert

heuer ihren 50. Geburtstag. Die

Hightech-Anlage vor den Toren

Wiens ist eine der größten und modernsten

Binnenraffinerien Europas.

Der TÜV AUSTRIA hilft mit, dass

Schwechat weiterhin zu den sichersten

und saubersten Öl-Verarbeitungszentren

Europas zählt.

Industrieanlagen besitzen mitunter einen herben

Anflug an Schönheit.Wer in einem Nachtflug

am Wiener Flughafen landet oder die angrenzende

Autobahn nächtens passiert, hat

direkten Blick auf ein Lichtermeer aus Lampen

und Scheinwerfern der daneben liegenden

Ölraffinerie. Österreichs wichtigste

Energiedrehscheibe präsentiert sich als ein

gleißendes Bild aus Lichtbalken und Rohrbändern.

Die Raffinerie Schwechat ist eine hochkomplexe

Industrieanlage, die für die Mobilität

und das Wohlbefinden eines Großteils

der Österreicher verantwortlich ist. Warme

Wohnungen und fahrbereite Autos wären

ohne Schwechater Destillate seltene Güter.

Geburtstag

Am 24. April 2008 feierte Schwechat als eine

der größten und modernsten Binnenraffinerien

Europas den 50. Jahrestag ihrer Grundsteinlegung.

Rund 750 Mitarbeiter erzeugen

durch Destillation und Veredelung von Rohölen

Mineralölprodukte und petrochemische

Grundstoffe von jährlich mehr als 8 Mio. t.

Ein Großteil aller Mineralölprodukte in

Österreich wird in der OMV Raffinerie in

einer langen Bearbeitungskette destilliert,

entschwefelt, veredelt und gemischt. OMV Generaldirektor

Wolfgang Ruttenstorfer unterstreicht

die Bedeutung von Österreichs einziger

Raffinerie: „Schwechat gehört zu den

zehn größten und modernsten Binnenraffinerien

Europas. Wir decken mit dieser Anlage

einen wesentlichen Teil des österreichischen

Mineralölproduktebedarfs und stärken die

Versorgungssicherheit des Landes.“ Für OMV

Generaldirektor Stv. Gerhard Roiss ist die Anlage

„das Herz der OMV“. Gerhard Roiss:

“Die Raffinerie Schwechat hat in vielfacher

Hinsicht eine zentrale Bedeutung für Österreich.

Sie stellt die Energieversorgung des

Landes sicher und ist ein bedeutender Arbeitgeber

und Wirtschaftsfaktor in der Region.”

2,4 km 2 geballter Technologie

Die Zahlen für die gesamte Industrieanlage

sind beeindruckend: Das Raffineriegelände inklusive

Lobau ist mit einer Gesamtfläche von

2,4 km 2 größer als das Fürstentum Monaco.

Wenn man die jährlich vom HafenTriest über

Pipelines nach Schwechat verpumpten 8,2

Mio. t Rohöl aus rund 15 Ländern inTankfahrzeuge

füllt und diese aneinanderreiht, ergibt

das eine Strecke von 5.800 km – das entspricht

der Entfernung vonWien nach Karatschi, Pakistan.

Die Lagerkapazität der Raffinerie und des

Tanklagers Lobau entspricht einerTankwagenkolonne

von Wien bis London. Aus den über

100 chemischen Verbindungen, die im Rohöl

schlummern, werden von Bitumen und

Schwefel bis zum Superbenzin und dem Flugturbinentreibstoff

A1 alle Zutaten herausgeholt.

Die dickflüssige schwarze Flüssigkeit wird

in 2.100 km Rohrleitungen von 3.300 Pumpen

auf Trab gehalten – eine Zahl, die nur von den

4.240 Sicherheitsventilen übertroffen wird.

Hohe Investitionen in Anlagenentwicklung

und Umweltschutz

Modernisierung und Umweltverträglichkeit

der Anlagen sind in Österreich mittlerweile

Voraussetzung für erfolgreichen Wettbewerb.

In den vergangenen 25 Jahren wurden rund

2,5 Mrd EUR in die Raffinerie investiert. Die

Hälfte davon (rund 1,2 Mrd EUR) wurde seit

1983 für produkt- und anlagenbezogene Umweltschutzmaßnahmen

aufgewendet, z. B. für

die Produktion von bleifreien Ottokraftstoffen,

schwefelfreiem Diesel und zur Emissionssenkung.

Im Oktober 2007 wurde die

neue Rauchgas-Entschwefelungs- und Entstickungsanlage

(SNOx) in Betrieb genommen,

die vomTÜV AUSTRIA geprüft und abgenommen

wurde. Damit werden die Grenzwerte

für Schwefeldioxid und Stickoxide um

die Hälfte unterschritten. 2006 wurde gemeinsam

mit Borealis mit rund 400 Mio EUR

die bis dato größte Einzelinvestition in den

S E I T E 4


P O R T R Ä T

Der Raffinerie-Standort Schwechat 1936

Ausbau des Wachstumsmarktes „Petrochemie“

getätigt. Der OMV/Borealis Standort

Schwechat zählt seither auch zu den größten

Kunststoffproduktions-Standorten Europas.

Öl aus 15 Ländern

Insgesamt importiert die Raffinerie Schwechat

Rohöl aus 15 Ländern. Die breite Palette an

Bezugsländern ist ein wichtiges Element der

Versorgungssicherheit. Die Hälfte des in

Schwechat verarbeiteten Rohöls stammt aus

Kasachstan (21 %), Libyen (15 %) und Österreich

(13 %). Weitere wichtige Lieferländer

sind Syrien,Saudi-Arabien und der Iran.Das importierte

Rohöl wird vonTriest über dieTransalpine

Pipeline (TAL) und die Adria-Wien-

Pipeline (AWP) umweltfreundlich nach

Schwechat verpumpt. Die Lagerkapazität der

Raffinerie inklusive der dazugehörigen Tanklager

Schwechat, Lobau und St. Valentin

beläuft sich auf 3,4 Mio m 3 .

Blick auf die neue Rauchgas-

Entschwefelungs- und Entstickungsanlage

– SNOx in Schwechat

Ein gesunder Kreislauf

Sicherheit steht in einem Unternehmen, das

mit hochexplosiven Stoffen wie Benzin oder

Propan hantiert, an oberster Stelle. Ein Besuch

am Werksgelände ist strengen Regeln

unterworfen. Der Besucher muss sich legitimieren,

Schilder weisen auf Schritt und Tritt

auf das Handy-Verbot hin, das Auto ist trotz

der Betriebsgröße am Werkseingang abzustellen.

Denn explosive Dämpfe und Gase

sind im Raffinerieprozess natürliche Nebenprodukte.

In einem solchen Umfeld sind dichte

Rohrleitungen und funktionierender Explosionsschutz

bei Elektrogeräten eine Frage des

Überlebens.

Eine lückenlose Computerüberwachung sämtlicher

Anlagen sorgt für ein umfassendes Kontrollsystem.

Sonden in Rohrleitungen und Druckbehältern

liefern ständig Daten an die Überwachungszentren

der Raffinerie, die bei Veränderungen

entsprechende Schritte einleiten.

Auf dem Gebiet der Sicherheits- und Umweltvorschriften

wird von der OMV gezielt

der Rat desTÜV AUSTRIA gesucht. Daher ist

der TÜV AUSTRIA ständig mit 10 bis 15 Mitarbeitern

vor Ort. Diese Sicherheitsexperten

sorgen nicht nur dafür, dass die gesetzlich

vorgeschriebenen Abnahmen und Prüfungen

der einzelnen Anlagen erfolgen, sondern

bringen viel technisches Know-how ein.

p

S E I T E 5

GESCHICHTE DER

RAFFINERIE SCHWECHAT

1936: Die NOVA Öl- & Brennstoffgesellschaft AG erwirbt

Grundstücke einer ehemaligen Ziegelfabrik in Schwechat.

Geplant ist die Errichtung einer Raffinerie zur Verarbeitung

von rumänischem Kunstöl.

1938: Nach zwei Jahren Bauzeit erfolgt im Februar die Inbetriebnahme

der neuen Raffinerie.In den kommenden Jahren

kommt es zu beträchtlichen Ausbauten der Raffineriekapazitäten.

1944: Aufgrund der militärischen Bedeutung kommt es

zu gezielten Luftangriffen durch die alliierten Truppen.

Dabei wird die Raffinerie teilweise zerstört.

1945: Die Raffinerie Schwechat wird in die Sowjetische

Mineralölverwaltung (SMV) eingegliedert.

1956: Die Raffinerie Schwechat geht in die neu gegründete

Österreichische Mineralölverwaltung (ÖMV) über.

1958: Grundsteinlegung zum Neubau der Raffinerie.

1961: Die neue Raffinerie wird in Betrieb genommen.

1972: Bedeutende Investitionen in Entschwefelungsanlagen

(HDS2) und Vakuum- wie auch atmosphärische Destillationsanlagen

(FP2; RD4).

1978: Inbetriebnahme eines zweiten Heizkraftwerkes

(HKW2) am Werksgelände der Raffinerie.

1991: Inbetriebnahme der Jet A1 Pipeline zur direkten

Versorgung des Flughafens Wien mit hochwertigem Flugturbinentreibstoff.

2005: Ausbau der Ethylen-Crackanlage, welcher die größte

Einzelinvestition der Raffinerie seit 1978/79 darstellt.

2006: Erfolgreiche Kooperation mit Borealis.

2007: Zahlreiche Projekte wurden eingeleitet:Thermal Gas

Oil Unit, Biofuelsinbetriebnahme, Rauchgas-Entschwefelungs-

und Entstickungsanlage (SNOx).


G E W I C H T S P R O B L E M E

Gewichtsprobleme.

Das Kilogramm bereitet den

Metrologen Sorgen. Es ist immer

noch definiert als die Masse des internationalen

Kilogramm-Prototyps,

das einst vom Meter abgeleitet

worden ist. Das Problem dabei:

Die Kilogrammstandards verlieren

an Gewicht. Die Bemühungen, das

Kilogramm über Naturphänomene

zu definieren, gehören zu den

interessantesten Projekten der

weltweiten Grundlagenforschung.

Ihre Nummern erleichtern den Überblick.

Nummer 49 ruht in den Kellern des Bundesamtes

für Eich- und Vermessungswesen in

Wien, Nummer 52 lagert in den gesicherten

Räumen des deutschen Pendants zum BEV,

der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in

Braunschweig. Es handelt sich dabei um sogenannte

Kilogrammprototypen: Diese nationalen

Artefakte bestehen aus einer Platin-Iridium-

Legierung und werden etwa alle zehn Jahre

mit dem internationalen „Kilogramm-Prototyp“

verglichen.

Die „Ur-Mutter“ der Gewichtsnormierung ist

in den Tresoren des Pavillons de Breteuil im

französischen Sèvres bei Paris sicher verwahrt.

In dem Jagdschloss aus der Zeit von

Ludwig XIV. ist die Weltbehörde für Maße

und Gewichte, das Bureau International des

Poids et Mesures (BIPM) zu Hause. Das BIPM

beherbergt das Urkilogramm: Der kleine

Zylinder aus den Edelmetallen Platin und

Iridium – 39 Millimeter hoch, 39 Millimeter

im Durchmesser – ist unter drei Glashauben

zwar kaum zu sehen; doch garantiert das

kleine Richtmaß, dass der globale Handel kein

Gewichtsproblem hat, wenn Bananen oder

Arzneimittel, Weizen oder Schweinehälften,

Kohle oder Gold gewogen und gehandelt

werden. Für Metrologen, wie die Hüter der

Maßeinheiten genannt werden, weist das

Urkilogramm einen wesentlichen Nachteil

auf: Das Kilogramm ist die einzige Größe von

den sieben Basiseinheiten des Système International

d'Unités (SI-System), die nicht mit

einer definierten Messung in einem Labor bestimmt

werden kann. Es fehlt ein klares Experiment,

mit dem Masse absolut zu bestimmen

ist - ohne Unwägbarkeiten bei noch so vorsichtiger

Behandlung des Urkilogramms. Die

sieben Basiseinheiten sind Kilogramm, Meter,

Sekunde, Kelvin, Mol, Ampere und Candela,

mit denen – und den aus ihnen abgeleiteten

Größen – der Mensch versucht, die physikalischen

Phänomene der Welt in Zahlen zu fassen.

Historischer Zugang

Das Kilogramm (kg) ist gleich der Masse des

internationalen Kilogrammprototyps, so die

Definition für die weltweit bestimmende

Maßeinheit für Masse.Wie für den Meter liegt

der Ursprung des Kilogramms in der Zeit der

französischen Revolution. Schon unter Ludwig

XVI. wurde der Versuch unternommen, die

vielen unterschiedlichen Gewichtseinheiten

des Landes durch einen einheitlichen Stan-

S E I T E 6


G E W I C H T S P R O B L E M E

Das von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) koordinierte Avogadro-Projekt zur Neudefinition

des Kilogramms geht mit dem Erhalt einer isotopenreinen Siliziumkugel in die letzte Etappe

Fotos: PTB / Randy Montoya

Einmal im Jahr müssen die Masshüter nachschauen,

ob das kostbare Metall tatsächlich noch da ist.

dard abzulösen. Grundlage für diesen Standard

war die Masse eines Kubikdezimeters

Wasser bei der größten Dichte des Wassers

(also bei 4°C). Nach vielen aufwendigen Messungen,

die im Wesentlichen auf dem archimedischen

Prinzip beruhen, wurden zylindrische

Artefakte aus Platin hergestellt, die der

neu definierten Masseneinheit 1 Kilogramm

entsprachen. Einer dieser Prototypen wurde

1799 zum offiziellen Kilogrammstandard

Frankreichs erklärt, dem “Kilogramme des

Archives”. Bei der 1. Conférence Générale

des Poids et Mesures 1889 wurde ein neuer

Standard aus einer Platin-Iridium Legierung

(10 % Iridium) als internationales Massenormal

eingeführt. Das “Kilogramme des Archives”

diente dabei als Referenz. Kopien dieses Standards

(ebenfalls aus Platin-Iridium) werden seither

in den Mitgliedsstaaten der Meterkonvention

als nationale Normale verwendet. Die

Definition des Kilogramms ist seit damals gültig.

Schwund

Einmal im Jahr, so sehen es die Regeln vor,

müssen die Maßhüter nachschauen, ob das

kostbare Metall tatsächlich noch da ist. Aus

seinem Schrein aber holen sie es nur alle paar

Jahrzehnte heraus. 1990 haben die Physiker

den Metallzylinder das letzte Mal unter den

Schutzglocken hervorgeholt und mit anderen

ebenso alten Gewichten verglichen, den bereits

erwähnten nationalen Kilogrammprototypen.

Ergebnis in diesem 100-Jahre-Vergleich:

Relativ zum Urkilogramm bringen die

nationalen Standards heute bis zu 70 Mikrogramm

mehr auf die Waage, was in etwa dem

Gewicht eines gewöhnlichen Salzkorns entspricht.

Die fassbaren Auswirkungen: Bei einer

Weltjahresproduktion an Reis von 825 Millionen

Tonnen verursacht der Fehler beim Verkauf

einen Schwund von mehr als 60 Tonnen.

Es besteht der Verdacht, dass das Urkilogramm

1990 vor dem Wägen zu intensiv

gereinigt wurde. Auch wird erwogen, dass

nach und nach auch einzelne, in dem Metall

eingeschlossene Gasatome entwichen sind.

Genau weiß das niemand. Fest steht nur:Was

der Metallzylinder wiegt, definiert exakt ein

Kilogramm, und zwar per Definition.

Weg ist Geschwindigkeit mal Zeit

In Zeiten, in denen ein Meter als die Strecke

bestimmt ist, die das Licht im 299.792.458sten

Teil einer Sekunde im Vakuum zurücklegt, ist

für Naturwissenschafter eine derartige Unschärfe

schwer hinnehmbar. Im Grundsatz

sind sich darum die meisten Metrologen einig:

Sie wollen bis zum Jahr 2011, wenn die nächste

Vollversammlung der Welt-Maßhüter tagt,

möglichst viele Basiseinheiten auf Naturkonstanten

stützen.Welche Naturkonstante aber

kommt infrage, um dem Urkilogramm nur

mehr musealen Wert beikommen zu lassen?

Physiker wollen noch genauer definieren, wie

viele Teilchen ein Mol ausmachen.

6,02214179 x 10 23 mol -1 Teilchen sind es nach

derzeitigem Wissen. Aber nur die ersten

sechs Stellen (6-0-2-2-1-4) gelten als gesichert.

Die Physiker möchten diese Konstante

noch genauer bestimmen. Gelingt dies, könnten

sie diesen Wert der Avogadro-Konstanten

als neue Definition des Mols festlegen.

Und sie könnten angeben, wie viele Siliziumatome

ein Kilogramm ergeben. Wie Meter

und Kelvin wären zwei weitere Einheiten –

Mol und Kilogramm – auf eine fundamentale

Größe der Natur zurückgeführt.

Die Produktion der

perfekten Siliziumkugel

Eine ausreichend genaue Bestimmung der

Teilchendichte ist nur mittels Röntgenlaserinterferometer

möglich und setzt ein monokristallines

Material voraus.Wegen der Anforderungen

an die Genauigkeit der Materialkennwerte

kommt hierfür derzeit praktisch

nur chemisch höchstreines, isotopenreines

Silizium 28 in Frage. Bei natürlichem Silizium,

das ein Gemisch aus drei Isotopen ist, begrenzt

die relativ schlechte Bestimmbarkeit

der mittleren molaren Masse die Gesamtgenauigkeit.

Die genaue Volumenbestimmung

erfordert die Herstellung einer hochgenauen

Kugel aus dem Material. Ein Kilogramm

könnte schließlich nach Festlegung der

Avogadro-Konstante auf einen exakten Wert

durch eine bestimmte Anzahl von Atomen

dieser hochreinen Isotopenmischung definiert

werden.

Das Urkilogramm wird ersetzt

Noch 2002 scheiterten die Wissenschafter

bei der Herstellung einer derartigen Menge

hochreinen Siliziums – bis ein Speziallabor in

S E I T E 7


G E W I C H T S P R O B L E M E

Fotos: Invisigoth / Randy Montoya

Sankt Petersburg bekannt gab, eine besondere,

200 Gramm schwere Probe hergestellt zu

haben. Sie bestand zu 99,94 % aus Silizium

mit der Atommasse 28. Möglich wurde dies

mit Spezial-Zentrifugen, die früher dazu gedient

hatten, Uran anzureichern.

sich noch weiter umrechnen, sodass am Ende

die Masse fixiert würde. Derzeit ist die

Wiederholgenauigkeit des Experimentes

noch unzureichend.

p

Das Urkilogramm wird im Bureau International

des Poids et Mesures (BIPM) in Sèvres aufbewahrt

S E I T E 8

2005 gelang es den russischen Wissenschaftler,

die Reinheit des Silizium-28 auf 99,99 %

zu steigern. Derzeit wird daran gearbeitet, die

perfekte Kugel aus Silizium zu formen. Die

Ebenmäßigkeit der Kugel bestimmt die Genauigkeit

der Vergleichswägung. Im National

Measurement Institute in Australien wurden

bislang zwei 1-kg-Kugeln mit einer maximalen

Gestaltabweichung von 30 nm bei ca. 93,7 mm

Durchmesser hergestellt. Zur Zeit erfolgen

aufwändige Analysen, anschließend die Messungen.

Zweite Möglichkeit:Wattwaage

Im britischen National Physics Laboratory im

Londoner Vorort Teddington wird an einem

Konkurrenz-Experiment zur Avogadro-Kugel

gearbeitet, der sogenannten Wattwaage, einer

mannshohen Balkenwaage, in der Gewichte

mit einem speziellen Elektromagneten ausgewogen

werden. Mit Spannung und Strom in

dem Elektromagneten kann der Wissenschaftler

extrem genau bestimmen und auf

diese Weise elektrische und mechanische

Einheiten, darunter eben auch die Masse,

miteinander verknüpfen. Wenn die Präzision

in gewünschte Höhen gesteigert werden

kann, könnte das Pariser Urkilogramm gewogen

und dessen Gewicht in elektrischer

Größe ausgedrückt werden. Diese ließe

DIE KALIBRIERSTELLE DES TÜV AUSTRIA STELLT

DIE RÜCKFÜHRBARKEIT AUF NATIONALE UND INTER-

NATIONALE MASSEINHEITEN (NORMALE) SICHER

Die Kalibrierstelle des TÜV AUSTRIA verfügt unter

den vergleichbaren Einrichtungen in Österreich über

die meisten akkreditierten Messgrößen, wodurch Kunden

mit verschiedensten Mess- und Prüfgeräten mit einem

einzigen Partner zusammenarbeiten können. Eine

weitere Besonderheit der Kalibrierstelle ist ihre Mobilität:

Der mobile Einsatz wird angewendet, wenn die

für die Kalibrierung benötigte Zeit auf ein absolutes

Minimum beschränkt werden muss oder der zu kalibrierende

Gegenstand schwer zu transportieren ist.

Fachbereich für elektrische

Größen und Frequenz.

Die akkreditierten Messgrößen des Fachbereichs sind

Gleich- und Wechselspannung, Gleich- und Wechselstrom,

Widerstand und Frequenz. Folgende Geräte

werden in diesem Fachbereich kalibriert:

Multimeter

Voltmeter

Amperemeter

Messzangen

Widerstände

Kalibratoren

Oszilloskope

Schreiber

Fachbereich für Druck und Temperatur.

Der Akkreditierungsbereich umfasst die Messgrößen

Druck (Absolut-, Differenz- und Überdruck) undTemperatur

(Berührungs- und Widerstandsthermometer

sowie Thermoelemente). Betreiber von Dampf- und

Druckgeräten fordern oft eine Kalibrierung vor Ort,

die auch durchgeführt wird. Der Fachbereich bietet

seine Dienste hauptsächlich für folgende Geräte an:

Druckaufnehmer

Thermoelemente

Manometer

Widerstandsthermometer

Druckanzeigen

Temperaturfühler

Fachbereich für mechanische Größen.

In diesem Fachbereich ist die Kalibrierung der Kraftmesseinrichtungen

von Werkstoffprüfmaschinen eingebettet.

Außerdem ist der TÜV die erste in Österreich

akkreditierte Kalibrierstelle für die Messgröße

Drehmoment. Die Kalibrierungen werden hauptsächlich

für folgende Geräte angeboten:

Zug- und Druckkraftaufnehmer

Zug-, Druck- und Biegeprüfmaschinen

Drehmomentschlüssel

Hydraulische Drehmomentschrauber

Kranwaagen und Dynamometer

Haftzuggeräte

Drehmomentschlüsselprüfgeräte

Die Kalibrierstelle des TÜV AUSTRIA bietet als

Dienstleister mit dem breitesten Spektrum in Österreich

die Sicherheit, dass Untersuchungsergebnisse

auch im internationalen Wettbewerb hinsichtlich ihrer

Messgenauigkeit und Rückführbarkeit unanfechtbar

sind. Sie ist somit im Rahmen des Österreichischen

Kalibrierdienstes (ÖKD) ein wichtiger kompetenter

und verlässlicher Partner für die heimische Wirtschaft.


G A S T K O M M E N T A R

Prof. Dr. Michael Kühne, Chairperson von EUROMET

Rückführbar messen.

Eine Voraussetzung für Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft

EURAMET e.V. ist die Vereinigung

der europäischen nationalen Metrologieinstitute,

die in Europa für eine

international anerkannte Rückführung

von Messungen auf das internationale

Einheitensystem (SI) zuständig sind.

Die Institute aus 32 Ländern betreiben

dazu nationale Normale und

führen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten

durch, um auch in Zukunft

die messtechnischen Anforderungen

von Wissenschaft und Technik

erfüllen zu können.

Richtiges Messen ist von jeher eine Voraussetzung

für Handel und Produktion. Seit der

Gründung der „Meterkonvention“ in 1875

wird dazu ein international einheitliches

Maßsystem verwendet, seit 1960 das internationale

Einheitensystem (SI). Realisiert und

weitergegeben werden die SI-Einheiten von

den „Nationalen Metrologieinstituten“ (NMI).

In Österreich und Deutschland sind dies das

Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen

(BEV) bzw. die Physikalisch-Technische Bundesanstalt

(PTB). NMI betreiben als nationale

Normale primäre Realisierungen des SI-Systems

oder haben ihre nationalen Normale

an die anderer NMI mit primärer Realisierung

angeschlossen.

Prof. Dr. Michael Kühne

Seit 2003 Mitglied des Präsidiums der PTB

und ab 2006 Chairperson von EUROMET

(später EURAMET e.V).

International anerkannte

metrologische Rückführung

In den letzten Jahren hat der globale Handel

stark zugenommen, und für eine erfolgreiche

Teilnahme ist in vielen Fällen eine international

anerkannte Rückführung (metrological

traceability) der Messergebnisse auf eine

primäre Realisierung der SI-Einheiten erforderlich,

d.h. die Rückführungskette darf keine

Lücken aufweisen und muss auf nationale

oder internationale Normale zurückgeführt

sein. Das internationale Komitee für Maße

und Gewichte (CIPM) der „Meterkonvention“

hat in 1999 das CIPM-MRA (Mutual Recognition

Agreement) in Kraft gesetzt. Dazu weisen

die NMI ihre fachliche Kompetenz durch

Teilnahme an den internationalen Vergleichen

des CIPM nach. In Peer Review-Verfahren

evaluieren sie ihre Kalibrier- und Messkompetenz

und begutachten ihre Qualitätsmanagementsysteme.

Die anerkannte Kalibrier-

und Messkompetenz ist in der Datenbank

des CIPM-MRA (www.bipm.org) gespeichert

und kann dort von jedermann eingesehen

werden. So können z.B. die nationalen

Akkreditierungsstellen ersehen, ob ausgestellte

Kalibrierscheine der NMI durch

einen Eintrag in diese Datenbank international

abgesichert sind.

EURAMET e.V. – die

neue Organisationsstruktur

der europäischen NMI

Seit 1987 arbeiten die europäischen NMI

unter dem Dach von EUROMET zusammen.

Im vergangenen Jahr hat sich nun daraus der

eingetragene Verein EURAMET mit Sitz in

Braunschweig, Deutschland entwickelt. Ziel

der Umstrukturierung war es, juristische Person

zu werden und Strukturen aufzubauen,

die eine europäisch koordinierte, eigenverantwortliche

Durchführung von metrologischen

Forschungsprogrammen ermöglichen.

Diese Umstrukturierung konnte in 2007 erfolgreich

abgeschlossen und ein europäisches

Metrologie-Forschungsprogramm aufgestellt

werden. Erste Teile davon sind bereits

durch ein, von der EU im Rahmen von

ERANET-Plus ko-finanziertes Programm mit

einem Gesamtvolumen von ca. Euro 64,5 M,

Anfang 2008 begonnen worden.

Foto: EUROMET

Foto: spe-Fotolia.com

Zusätzlich zum neuen Schwerpunkt Forschungskoordination

hat EURAMET alle bisherigen

Aktivitäten von EUROMET übernommen.

Insbesondere ist EURAMET die

regionale Metrologieorganisation, die in Europa

für alle Aktivitäten im Rahmen des

CIPM-MRA zuständig ist.

p

Impressum:

s

Medieninhaber und Verleger:

TÜV Österreich, 1015 Wien, Krugerstraße 16

Herausgeber: Dir. Dipl.-Ing. Dr. Hugo Eberhardt

Redaktionskoordination: Renate Simkovics

Redaktionssitz: 1015 Wien, Krugerstraße 16

Gesamtproduktion: fabelhaft. Werbung + PR.

1080 Wien, Lederergasse 18/6

Grafik & Layout:Agent Orange®

1150 Wien, Graumanngasse 41/18

Reproduktion & Druck: Druckerei Berger

3580 Horn, Wiener Straße 80

S E I T E 9


I N N O V A T I O N

& W I S S E N S C H A F T

Dipl.-Ing. Friedrich Bittermann, Dipl.-Ing. Dieter Engel

Antriebsysteme mit variabler

Spannung und Frequenz

im Ex-Bereich.

In Bereichen mit Explosionsgefahr dürfen nur elektrische Antriebsmaschinen

eingesetzt werden, die hierfür konstruiert, gebaut und entsprechend

der EU-Richtlinie 94/9 - ATEX-Richtlinie durch einen Notified Body baumustergeprüft

wurden. Der nachträglich konzipierte Einsatz von Frequenzumrichtern

zur drehzahlgeregelten Anspeisung von Motoren für den Ex-

Bereich bringt sicherheitstechnische Probleme mit sich, da diese Motoren

stärker beansprucht werden als Motoren, die mit konstanter Drehzahl

durch ein 50Hz-Versorgungsnetz gespeist werden.

Gesetzliche Basis

Im Amtsblatt der Europäischen Kommission

werden zur EU-Richtlinie 94/9 harmonisierte

Normen für Geräte zur Verwendung in explosionsgefährdeten

Bereichen angeführt. In Österreich

wurde der Standard ÖVE/ÖNORM

EN 60079-14 „ Elektrische Betriebsmittel für

gasexplosionsgefährdete Bereiche“ ratifiziert,

welcher Festlegungen für den Einsatz von

Motoren mit variabler Spannung enthält.

Schutzziel

Ziel ist es, das aus einem Motor und einem

Umrichtergerät bestehende Antriebssystem

zu betreiben, ohne dass auch bei Auftreten

eines Fehlers oder zweier voneinander unabhängigen

Fehler in der Ausrüstung eine Zündung

und damit eine Explosion im explosionsgefährdeten

Bereich auftritt. Es ist nicht richtig

anzunehmen, dass Motoren in der Zündschutzartenausführung

„Druckfeste Kapselung“

mit einer Überwachung der Motortemperatur

mittels Temperaturfühlern ausreichend

explosionssicher sind.

Wissenswertes

für Planer/Errichter

Dem technisch sinnvollen Einsatz drehzahlgeregelter

Antriebe in explosionsgefährdeten

Bereichen in Industrie und industrienahen

Betrieben stehen erhöhte Kosten bei der

Planung, Prüfung und Errichtung gegenüber.

Frequenzumrichter erzeugen je nach innerem

Aufbau am Ausgang, also dem Stromkreis mit

dem der Motor gespeist wird, nicht sinusförmige

Spannungsformen mit großen Spannungsspitzen.

Diese unter Umständen steilen

Spannungsflanken und Spannungsspitzen überlasten

die Motorkonstruktion dynamisch, die

Leiterisolationen, die Anschlussklemmen und

Anschlussleitungen. Die Folge sind Erwärmungen,

dynamische Kräfte, und möglicherweise

unzulässige elektromagnetische Störaussendungen

über lange Anschlussleitungen.

Da diese Konstruktionsteile nicht für diese

Zusatzbelastungen ausgelegt wurden, führt

dies im schlimmsten Fall zu Spannungsüberschlägen,

also zu Zündungen, oder zu erhöhten

Betriebstemperaturen und in der Folge

auch zur Zerstörung der Ausrüstung und zu

einer Explosion.

Um diesen Effekten vorzubeugen kann man

z.B. folgend aufgezählte konstruktive Maßnahmen

anwenden:

Foto: TÜV AUSTRIA

Nennleistung des Motors reduzieren,

höherwertige innere Luftstrecken, bessere

Spannungsfestigkeit der Motorisolation

Motorlager elektrisch isolierend aufbauen

Motor und Umrichter mit einem isolierten

Leiter verbinden

Motoranspeiseleitungen mit einem Kabelschirm

versehen und beidseitig anschließen

Einsatz von elektrischen Filtern am Ausgang

des Umrichters

Grundsätzliche Möglichkeiten zur Motorauswahl

für den Umrichterbetrieb:

Einsatz eines ATEX-bescheinigten Systems,

bestehend aus Motor und Umrichter

Vorteil: geringer Planungsaufwand, sicheres

Antriebssystem; Nachteil: noch geringe

Verfügbarkeit am Markt

Projektierung unter Verwendung einzeln

ATEX-bescheinigter Geräte (Umrichter-

Motor-Kabel und der Schutzeinrichtung)

Vorteil: bessere Verfügbarkeit am Markt,

möglicherweise Preisvorteil beim Einkauf

der Einzelkomponenten; Nachteil: der Planer/Errichter

hat die Verpflichtung, den

Konformitätsnachweis gemäß ATEX-

Richtlinie zu erbringen und damit auch

das Risiko, dass dabei Probleme auftreten

Zusammenfassung

Die Projektierung und Errichtung eines Antriebsystems

mit Umrichterspeisung soll nur

durch erfahrene Fachleute ausgeführt werden,

deren Verantwortungsbereich auch alle

Komponenten dabei umfassen muss. Es sind

auch umfangreiche Kenntnisse der Normenserie

EN 50014, EN 50018, EN 50019,

und IEC 60034, und der EU-Richtlinie ATEX

94/9 erforderlich.

p

TÜV AUSTRIA Akademie

TIPP!

TÜV-SEMINARE „EXPLOSIONSSCHUTZ“:

Ex-Schutz Grundlagen

15.10.2008 Wien bzw. 11.11.2008 Innsbruck

Ex-Schutz Installation von Anlagen

19.11.2008 Wien bzw. 26.11.2008 Graz

Staub-Explosionsschutz, 18.09.2008 Graz

VEXAT, 23.10.2008 Graz

Information und Kontakt:

Frau Susanne Kolm 01/6175250-8193

oder kol@tuv.at sowie www.tuv-akademie.at

S E I T E 10


S E R V I C E

Dipl.–Ing. Ernst Schadenhofer

Pipelineprojekt WAG Plus 600

Loop Kirchberg – Lichtenau.

Im Zuge eines mehrstufigen Ausbauvorhabens der OMV Gas GmbH zur Erhöhung

der Transportkapazität wurde entlang der bestehenden West Austria

Gasleitung (WAG I) ein ca. 40,7 km langer paralleler Leitungsstrang (Loop) zwischen

Kirchberg amWagram und Lichtenau imWaldviertel errichtet. Dazu kam

der Einbau von zwei Molch- und einer Schieberstation für Wartungsarbeiten.

Die WAG I (Dimension 32“, DN 800, ausgelegt

für MOP 70 bar) führt von der Gasstation

Baumgarten an der March nahe der slowakischen

Grenze bis zur Übergabestation Oberkappel

im Mühlviertel an der deutschen Grenze.

Um die Kapazitäten der Pipeline auszubauen,

wurde die neue Erdgashochdruckleitung

WAG II in Angriff genommen. Sie verfügt

über einen Durchmesser von 48“ DN 1200

und einen Auslegungsdruck (MOP) von 90 bar.

Nach positivem Abschluss eines langwierigen

UVP-Verfahrens konnte Mitte September

2007 mit den Rohrbauarbeiten und dem Bau

der Stationen begonnen werden. Die Parallelleitung

beginnt am Ausgang der neu errichteten

Verdichterstation Kirchberg am Wagram

und endet in der Molchstation Lichtenau im

Waldviertel und wurde in Kirchberg und in

Lichtenau in die bestehende WAG I eingebunden.

Es wurden längsnahtgeschweißte

Rohre DN 1200 aus speziellem Feinkornbaustahl

mit einer Länge von ca. 18 m eingesetzt.

Prüfung von mehr

als 2.500 Schweißnähten

Von der deutschen Rohrbaufirma wurden die

Rundschweißnähte im Vorbau komplett mit

Automaten hergestellt. Es wurden 5 Schweißkabinen

mit je 2 MAG-Automaten eingesetzt,

die Verbindungsschweißungen zwischen den

vorgefertigten Rohrsträngen wurden traditionell

mit E-Handschweißung und Zelluloseelektroden

ausgeführt. Insgesamt wurden ca.

2.360 Schweißnähte an der Leitung DN 1200

und ca. 290 Schweißnähte bei den Stationen

hergestellt. Alle Schweißnähte wurden von

Experten des TÜV AUSTRIA geprüft. Alle

hochrangigen Straßen und zwei Eisenbahnen

mussten mit Produktrohrpressungen gequert

werden. Die Querung des Flusses Kamp wurde

mit einem betonummantelten Düker ausgeführt.

Nach Abschluss der Schweißarbeiten

und Durchführung der zerstörungsfreien Prüfungen

wurden abschnittsweise die Druckund

Dichtheitsprüfungen durchgeführt. Die

einzelnen Druckprobenabschnitte wurden

nach Entleerung mit Garantienähten verbunden

und die Schweißnähte geprüft (100 % RT,

100 % UT und 100 % MT bzw. PT). Anschließend

wurde eine Kalibermolchung der

gesamten Leitung durchgeführt.

In Betrieb

Nach Abschluss aller Prüfungen und Feststellung

der Mängelfreiheit wurde die WAG II

Loop Kirchberg – Lichtenau samt den Stationen

Ende März 2008 in Betrieb genommen.

Infolge der kurzen Bauzeit und der großen

Rohrdimension (Rohrgewicht ca. 10 t) wurden

hohe Anforderungen an Rohrbau- und Baufirma

im Hinblick auf Personal und technische

Ausrüstung gestellt. Für Rohrtransport, Rohrverlegung,

Herstellung des Rohrgrabens, Herstellung

und Einbringung des Dükers und

Produktrohrpressungen mussten geeignete

Spezialmaschinen eingesetzt werden.

Fotos:TÜV AUSTRIA

Der TÜV AUSTRIA war während der gesamten

Bauzeit im Auftrag der Bauherren vor

Ort. Vom TÜV AUSTRIA wurden folgende

Tätigkeiten durchgeführt:

Bauüberwachung

Abnahme der Leitung und der Stationen

(Bauprüfungen, Druck- und Dichtheitsprüfungen,

Beurteilung Kalibermolchung, Beurteilung

Trocknung, Beurteilung Isolationsprüfungen)

Durchführung und Beurteilung der zerstörungsfreien

Prüfungen (RT, UT, MT, PT)

Abnahme der elektrotechnischen Einrichtungen

Ausstellung der Abnahmedokumente

Die WAG-Erweiterung wurde nach höchsten

Umwelt- und Sicherheitsstandards errichtet

und wird in Zukunft genauso betrieben. In

weiteren Ausbaustufen soll die WAG II parallel

zur WAG I von Baumgarten bis Oberkappel

durchgehend fertiggebaut werden.

p

S E I T E 11


S E R V I C E

Ing. Robert Terp

Wenn der Puls am Ans

Wasserrutschen gibt es viele auf

dem Markt, aber diese Ausführung ist

wohl einzigartig. Die österreichische

Firma Aquarena aus Krems-Stein hat

in Moravske Toplice (Slowenien)

eine neue Anlage errichtet, die das

Sportlerherz höher schlagen lässt:

eine Wasserrutsche mit Looping.

Es ist dies nicht die erste derartige Installation

mit Looping. Aber es ist die erste, die nicht

gefährlich ist für Leib und Leben. In den

Vereinigten Staaten ist bereits eine Looping-

Wasserrutsche in Betrieb genommen worden.

Allerdings waren die Beschleunigungen in

dieser Rutsche so hoch, dass sie sich bereits

im Grenzbereich für einen Jetpiloten befanden.

Es ist leicht auszumalen, welche schweren

Folgen das für normale Benutzer hatte –

der Betrieb wurde daher eingestellt.

Bereits beim Betreten des Thermalbades in

Moravske Toplice bekommt man Respekt

beim Anblick dieser Novität. Die neue Wasserrutsche

ragt über die bereits bestehenden

Anlagen – die für sich bereits recht respektabel

sind – mehr als 20 m in den Himmel. Die

Spitze dieses wie ein gelbliches Gewürm aussehenden

Gebildes erinnert natürlich gewollt

an die Spitze einer Rakete. Wenn man sich

nun, natürlich mit etwas Ehrfurcht, dieser

gelben Rutschschleife nähert, erkennt man an

der Röhren-Außenseite zahlreiche Anbauten,

die von herkömmlichen Wasserrutschen

nicht bekannt sind.

SelbstentwickelteTÜV-Prüftechnik

DerTÜV AUSTRIA wurde nicht nur aufgrund

des bereits seit Jahren bestehenden Kontaktes

zur Errichterfirma mit der Prüfung dieser

Wasserrutsche beauftragt, sondern auch aufgrund

der Verfügbarkeit des erforderlichen

Messequipments. Die messtechnische Ausstattung

wurde im Zuge der Überarbeitung

der Europäischen Norm für Wasserrutschen

vom TÜV AUSTRIA entwickelt und erweist

sich nun als unentbehrlich zur Überprüfung

einer solchen komplexen Freizeitanlage.

Fotos:TÜV AUSTRIA

Wie bereits angedeutet, funktioniert hier alles

etwas anders. Am besten zu erklären ist das

wohl anhand eines gedachten Rutschvorganges:

Um in Startposition zu kommen, muss

der Benutzer erst einmal den 20 m hohen

Startturm vom Schwimmbeckenniveau aus

erklimmen. Nach kurzer Überredung durch

den am Start befindlichen Operator betritt

man die Startrakete, bringt sich in stehender,

leicht nach hinten geneigter Position in die

Wartestellung. Der Count Down beginnt.

Kommt es seitens des Benutzers zu keinem

Startabbruch, geht die Reise los.

Blitzartig öffnet sich ein Fallboden und annähernd

im freien Fall saust der Benutzer ab

in den Loop, der vorher leicht mit Wasser benetzt

wurde. Wehren hilft nun nichts mehr.

Mit einer Beschleunigung von annähernd 3 g

(Erdbeschleunigung) wird man an die Rutsche

gepresst, durchfährt den Scheitel des Loops

und wird dann mit einem Wasserschwall in

den Rutschenauslauf geschwemmt. Gutsitzendes

Badegewand ist hier vonVorteil, denn der

Bremsweg aus annähernd 65 km/h ist relativ

kurz. Unten angekommen war das sicher einer

der aufregendsten 8 Sekunden, die ein Rutschender

je erlebt hat. Hätte der Rutschvorgang,

aus welchen Gründen auch immer, nicht

so funktioniert wie geplant, so gibt es einen

Notausstieg in der Loopsohle, und ein Benutzer

kann hier gefahrlos gerettet werden.

S E I T E 12


S E R V I C E

chlag ist.

Die Entwicklung dieser Freizeitanlage war für

den Hersteller extrem aufwändig. Aber auch

die Prüfung stellte sich für die Experten des

TÜV AUSTRIA als technische Herausforderung

dar. Der TÜV AUSTRIA konnte durch

die Messungen die Berechnungen der Konstrukteure

bis auf die 1/10 Sekunde genau bestätigen

und auch die Auslegung der Sicherheitstechnik

der Wasserrutsche abnehmen.

Die Rutsche ist voll gespickt mit Überwachungseinrichtungen,

die die höchsten sicherheitstechischen

Ansprüche des Maschinenbaues

erfüllen. Zur Zeit der Erstellung dieses

Berichtes war die „Aqualoop", so der Markenname,

noch in Prüfung durch den TÜV

AUSTRIA. Ein positives Ergebnis ist in Aussicht.

E-Mail: tp@tuv.at

p

Symposium

Anlagensicherheit.

Am 28. und 29. Mai 2008 fand im

Technischen Museum Wien das

Symposium Anlagensicherheit statt,

das vom TÜV AUSTRIA veranstaltet

wurde. Unter zahlreicher Beteiligung

von Vertretern aus Industrie und

Verwaltung wurden aktuelle Themen

und Fragestellungen aus dem Bereich

der Sicherheit von Prozessanlagen

präsentiert und diskutiert.

Fotos:TÜV AUSTRIA

Durch den großenTeilnehmerkreis – mehr als

170 Personen – und die offene Gesprächskultur

wurde eine lebendige Diskussion zu aktuellen

legislativen, normativen und informativen

Anforderungen der Anlagensicherheit

geführt.Wesentlich war auch die Analyse von

Schadensfällen, aus denen rückblickend Erkenntnisse

und Lehren für künftige Prävention

gezogen wurden. Der Themenkreis spannte

sich von der Seveso II Richtlinie (Bedeutung,

Wandel und Ausblick – präsentier t von

Dr. Struckl vom BMWA), über Methoden der

Risikoevaluierung, Process Saftey Kennzahlen,

risikobasierendem Anlagenmanagement, Fragen

und Problemen der funktionalen Sicherheit

und des Explosionsschutzes, Risk Based

Inspection von Druckgeräten, Lernen aus

Schadensfällen, bis zu Notfall- und Störfallmanagement.

Der Erfolg der Veranstaltung wurde

insbesondere durch die Vortragenden aus

der Industrie, von den Behörden und der

TÜV AUSTRIA SERVICES GMBH ermöglicht.

Für jene Personen, die nicht teilnehmen konnten,

besteht die Möglichkeit, Kurzfassungen

der Vorträge von der Internetseite (Download-Bereich)

der TÜV AUSTRIA Akademie

(www.tuv-akademie.at) herunterzuladen.

Das Rahmenprogramm mit der Möglichkeit

der Besichtigung der Exponate des Technischen

Museums Wien und der gemeinsame

Heurigenabend in Grinzing trugen auch ihren

Teil zum Gelingen der Veranstaltung bei. Aufgrund

des positiven Feedbacks derTeilnehmer

ist eine Fortsetzung im Jahr 2009 geplant.

E-Mail: prr@tuv.at

p

S E I T E 13


V E R K E H R S W I R T S C H A F T

Prof. Dipl.-Ing. Dr. Markus Guggenberger, MBA

Ein Bus für alle Fälle.

Im maltesischen La Valletta

verrichtet ein Touristenbus seine

Arbeit zu Lande und zu Wasser.

Der Amphicoach gilt als große technische

und touristische Attraktion.

Die TÜV AUSTRIA AUTOMOTIVE

GMBH prüfte das vielseitige Fahrzeug

auf Herz und Wasserdichte.

Wer in der letzten Zeit im sonnenverwöhnten

Malta Urlaub macht, dem kann es passieren,

dass er seinen Augen nicht trauen will. Flink

tummelt sich im Hafenbecken von La Valletta

ein Reisebus, dessen Formen ihn zu Lande etwas

behäbig aussehen lassen – wie von übereifrigen

Designern entworfen. Doch gerade

diese Rundungen sind es, die den Bus auch zu

Wasser zu einem flotten Fortbewegungsmittel

machen. Die Rede ist vom Amphicoach,

einem Reisebus, der das Schwimmen gelernt

Fotos: G.S. Specialist Vehicles Ltd.

hat. Entstanden ist diese ungewöhnliche Idee

in den Gedanken von George Smith, einem

umtriebigen Geschäftsmann aus Schottland,

der Malta zu seinerWahlheimat auserwählt hat.

George Smith hatte die Idee, die mit einem

Schiff in La Valletta ankommenden Touristen

in einem Bus durch den Hafen zu führen und

anschließend einen Ausflug im umgrenzendes

Gebiet anzubieten, ohne dass die Fahrgäste

das Gefährt wechseln müssen. Aus diesen

Überlegungen entstanden die ersten Entwürfe

für einen Amphibienbus, einem in seiner

Kategorie weltweit einzigartigen Gefährt.

Lange Jahre der Entwicklung

und die erfolgreiche TÜV-Abnahme

Es folgten mehrere Jahre der Entwicklung, in

denen George Smith mit seinem Team das

Konzept des schwimmenden Busses immer

mehr präzisierte. Es stellte sich heraus, dass

zwei grundsätzlich unterschiedliche Welten in

einem Fahrzeugkonzept vereint werden mussten:

Die Eigenschaften eines Schiffes, das allen

maritimen Regeln entsprechen, und eines

Busses, der allen europäischen Straßen und

Beförderungsrichtlinien gerecht werden muss.

Das Fahrzeug wurde von Grund auf neu geplant.

Zwar wurden handelsübliche Komponenten

und Baugruppen verwendet, wie zum

Beispiel der Antriebsstrang eines Lkws, jedoch

wurden diese in einem einzigartigen Konzept

verschmolzen. Im Sommer 2006 wurde der erste

Prototyp einer umfassenden Zulassung in

Form einer maritimen als auch einer straßenverkehrstauglichen

Prüfung zugeführt.

Die Prüfung war besonders bemerkenswert,

da mehrere hundert Seiten europäische

Richtlinien und Regelwerke Anwendung fanden.

Das TÜV-Team musste jedes noch so

kleine Detail sorgfältig prüfen, und das bei

Temperaturen von knapp 40°C im Schatten.

Der Prüfumfang umfasste elementare Punkte,

wie zum Beispiel das Abgasverhalten und die

Geräuschemissionen. Die zugrundeliegende

Bus-Richtlinie beschreibt detailliert, welche Sicherheitsvorkehrungen

für die Passagiere zu

treffen sind. Und so musste auch ein aufwendiger

„Rollover-Test“, der ein Kippen des Busses

mit einem anschließenden Überschlag simuliert,

durchgeführt werden.

Jenseits des Normen-Dschungels

Nach mehreren Monaten Überarbeitung des

Prototyps konnte auch die Zulassung des

Busses für den Straßenverkehr in Malta positiv

abgeschlossen werden. „Wir wussten nicht,

wie umfangreich die gesetzlichen Grundlagen

für einen Bus sind, aber gemeinsam mit der

TÜV AUSTRIA AUTOMOTIVE GMBH ist es

uns gelungen, selbst die sicherheitsrelevanten

Punkte erfolgreich zu erfüllen“, so George

Smith, der Geschäftsführer der Firma GSSV

(George Smith Specialists Vehicles), der bereits

viele Anfragen für seinen Amphibienbus

aus aller Welt erhielt. Mittlerweile ist das Design

des Amphicoach komplett überarbeitet

worden, der Rumpf erhält mehr Auftrieb, der

Propellerantrieb wurde durch ein modernes

Wasserstrahltriebwerk und der Kabinenaufbau

durch eine moderne Leichtbauausführung

ersetzt. Bald erfolgt die Auslieferung

von mehreren Exemplaren nach Korea und

auch nach Europa. Grund genug, in Kürze

wieder nach Malta zu fliegen, um die Änderungen

einer abschließenden TÜV-Prüfung zu

unterziehen, denn das Vertrauen in die

Dienstleistungen der TÜV AUSTRIA Gruppe

ist weltweit ein Garant für Sicherheit.

p

S E I T E 14


T Ü V

N E W S

Aus der Nähe

besehen.

Unter dem Titel „Reise in die

Welt des Mikrokosmos“ wurde im

TÜV AUSTRIA Forum eine Ausstellung

von Kunstwerken zusammengestellt,

wie sie die Natur geschaffen hat.

Die Veranstaltung präsentierte Dinge des Alltags,

die unter dem Elektronenmikroskop betrachtet

Bilder liefern, die wahre Kunstwerke

sind. Auch Pflanzen und Lebewesen zeigten

fantastische Bilder, deren Entstehung vom Leiter

des Zentrums für Elektronenmikroskopie,

Univ. Professor Dr. Ferdinand Hofer, anlässlich

der Ausstellungseröffnung erläutert wurde.

Die Ausstellung wurde am 20.05.2008 im Rahmen

eines Festaktes von Frau Kommerzialrat

Renate Römer, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer

Österreich, eröffnet, und löste

Fotos:TÜV AUSTRIA

bei den fast 200 Gästen Bewunderung und

Begeisterung aus.

p

V.l.n.r.: Mag. Ulrike Stürzenbecher, Dipl.-Ing. Armin Zankel,

Dr. Julian Wagner, Margit Wallner, KR Renate Römer,

Univ. Prof. Dr. Ferdinand Hofer, Dipl.-Ing. Christian Gspan,

Ing. Albert Brunegger, Dipl.-Ing. Dr. Hugo Eberhardt,

Margit Brunegger.

TÜV auch auf Zypern. Wechsel in der

TÜV AUSTRIA Mitarbeiter in Zypern:

V.l.n.r.: Panicos Panayiotou, Symeon Kokkinis

Die Insel Zypern ist durch viele Besonderheiten

geprägt. Multikulturell, mediterran einerseits,

Linksverkehr und regional untypische

Gründlichkeit (Erbe aus der britischen Kolonialzeit)

andererseits. Auch ist Zypern auf

Grund seiner geographischen Lage ein wichtiges

Tor in den Nahen Osten (70 km Türkei,

100 km Syrien, 300 km Ägypten). Durch seine

junge Mitgliedschaft in der EU hat Zypern einen

großen Bedarf an technischen Dienstleistungen.

Aufgrund dieser besonderen Situation

Zyperns wurde Ende März 2008 die TÜV

AUSTRIA CYPRUS Ltd. als Joint Venture gegründet.

Ein maßgeschneidertes Dienstleistungsangebot,

vorerst auf den automotiven

Bereich beschränkt, bildet eine ideale Basis,

die Position des TÜV AUSTRIA in dieser

Region zu stärken.

Führung der ÖGfzP.

Die ÖGfZP ist die österreichische Gesellschaft für

zerstörungsfreie Prüfung, die sich mit Fragen der

Prüfung von Werkstoffen und Materialien auseinandersetzt,

aber auch die Zertifizierung von Prüfpersonal

auf Basis einer Akkreditierung vornimmt.

Diese für die Wirtschaft und Industrie so wichtige

Gesellschaft hielt am 10.06.2008 in Wien ihre

jährliche Vollversammlung ab. Im Zuge dieser

Vollversammlung wurde der langjährige Präsident,

Dipl.-Ing. Artur Salcher, verabschiedet und der Vorstandsvorsitzende

der TÜV AUSTRIA HOLDING

AG, Dipl.-Ing. Dr. Hugo Eberhardt, zum neuen

Präsidenten der ÖGfZP gewählt.

S E I T E 15


Auszug aus dem Programm der TÜV Akademie.

ABFALLWIRTSCHAFT / UMWELTSCHUTZ

KURSNUMMER

In 4 Tagen zum/r qualifizierten Abfallbeauftragten 10.-13.11.2008 Wien 950 € 08.112.014.03

Tag der Umwelt- und Abfallbeauftragten 30.10.2008 Wien 140 € 08.112.015.01

Betriebliche (Ab)Wasserwirtschaft 18.11.2008 Wien 450 € 08.112.008.01

AUFZUGSTECHNIK / GEBÄUDETECHNIK & BAUWESEN

Aufgaben und Haftung des Aufzugswärters 23.10.2008 Wien 250 € 08.102.070.02

Technische Gebäudesicherheit: Security & Safety 27.-29.10.2008 Wien 990 € 08.114.001.02

WINTERAKADEMIE: Der erfolgreiche Bau- und Projektleiter 27.-30.01.2009 Wien 1.470 € 09.114.012.01

BRANDSCHUTZ

Ausbildung zum/r Brandschutzbeauftragten 28.-30.10.2008 Salzburg 590 € 08.115.001.06

Ausbildung zum/r Brandschutzwart/in 28.10.2008 Salzburg 245 € 08.115.002.06

Brandschutzplan 06.11.2008 Salzburg 425 € 08.115.008.02

Brandmeldeanlagen / Interventionsdienst 27.11.2008 Wien 215 € 08.115.006.02

Rauch- & Wärmeabzugsanlagen 27.11.2008 Wien 150 € 08.115.014.02

DRUCKGERÄTE / WERKSTOFF- & SCHWEISSTECHNIK

Ausbildung zum/r geprüften Sachkundigen 17.-19.11.2008 Lenzing 820 € 08.101.013.04

Wartung und Betrieb von Dampfkesselanlagen 03.-05.11.2008 Wien 820 € 08.101.009.02

Hartlöterausbildung mit Zertifizierung 16.10.2008 Wien 430 € 08.106.004.03

Beurteilung von Schweißnähten und Gussteilen anhand von Röntgenfilmen 03.-06.11.2008 Wien 1.080 € 08.106.007.01

ELEKTROTECHNIK

Das österr. Elektrotechnikgesetz und seine Verordnungen 06.-07.11.2008 Wien 695 € 08.105.002.02

Explosionsschutz - Installation von Anlagen 26.11.2008 Graz 455 € 08.104.014.03

Schaltberechtigung für elektr.Anlagen in Nieder- und Hochspannungsnetzen 04.12.2008 Innsbruck 450 € 08.104.011.04

Notbeleuchtung in baulichen Anlagen für Menschenansammlungen & Krankenhäuser 02.10.2008 Linz 450 € 08.105.041.03

IT & DATENSICHERHEIT

Ausbildung zum/r Datenschutzbeauftragten 01.-02.12.2008 Wien 790 € 08.113.041.01

TRANSPORT

Der/die erfolgreiche Lagerleiter/in 28.-30.10.2008 Wien 750 € 08.103.013.01

Ausbildung zum/r Gefahrgutbeauftragten Straße & Schiene 10.-14.11.2008 Wien 1.290 € 08.107.001.02

Gefahrgutlenker/in Fortbildung 12.-13.12.2008 Wien 235 € 08.107.013.04

MANAGEMENT & RECHT

TÜV Symposium: Erleichterter Marktzugang für sichere Produkte 06.10.2008 Wien 250 € 08.111.068.01

Ausbildung zum/r zertifizierten Risikomanager/in 20.-22.10.2008 Wien 1.250 € 08.111.033.02

MEDIZINTECHNIK

Ausbildung zum/r zertifizierten Medizinprodukteberater/in 21.-23.10.2008 Wien 970 € 08.105.000.03

Eingangsprüfung, wiederkehrende Prüfung und Prüfung nach

Instandsetzung von medizinischen elektrischen Geräten

13.11.2008 Wien 450 € 08.105.011.02

Planung, Errichtung und Prüfung von Starkstromanlagen in Krankenhäusern 27.11.2008 Linz 450 € 08.105.010.05

QUALITÄTSMANAGEMENT / MANAGEMENTSYSTEME

Ausbildung zum/r zertifizierten Qualitätsmanager/in (15 Tage) 16.09.-11.12.2008 Wien 3.320 € 08.108.003.03

Ausbildung zum/r zertifizierten Prozessmanager/in (4 Tage) 01.-03. & 30.10.08 Wien 1.320 € 08.108.028.01

Ausbildung zum/r zertifizierten Qualitätsbeauftragten 11.-13.11.2008 Wolfern/OÖ 990 € 08.108.011.06

Auditor/in-Fortbildung nach ISO 19011 24.-26.11.2008 Wien 1.100 € 08.108.010.01

SICHERHEITSTECHNIK

Ausbildung zur Sicherheitsfachkraft (31 Tage + Hausarbeiten) 15.10.08-30.01.09 Wien 3.940 € 08.103.004.02

Ausbildung zur Sicherheitsvertrauensperson 29.09.-01.10.2008 Graz 345 € 08.103.003.09

Ausbildung zum/r Ersthelfer/in 06.-07.10.2008 Salzburg 160 € 08.103.044.06

Preise zzgl. 20% MWSt.

FAXANMELDUNG: 01/617 52 50-8145

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Anmeldung auch online: www.tuv-akademie.at

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