Mein Courbet» (Neue Zürcher Zeitung, 20.4.2013) - Museum Rietberg

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Mein Courbet» (Neue Zürcher Zeitung, 20.4.2013) - Museum Rietberg

Datum: 20.04.2013

Neue Zürcher Zeitung

8021 Zürich

044/ 258 11 11

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Neue Zürcher Zeitung

20.04.2013 Seite 1 / 3

Auflage/ Seite 119537 / 49 5947

Medienart: Print Ausgaben 300 / J. Themen-Nr.: 10804991

38.143

Medientyp: Tages- und Wochenpresse

Abo-Nr.: 1090617

Auflage: 119'537

Erscheinungsweise: 6x wöchentlich

Seite: 49

Fläche: 89'355 mm²

Der Buddha des Monte Veridu Eduard von der Ileyd ilscona, um 1930. Pahlo Picasso: «Ilarlekinfanzili 1908, Vonnler-Ileydt-Museurn Wupperlat. na iii

«Mein Courbet»

Die Welt eines Privatsammlers Eduard von der Heydt im Museum Rietberg Zürich

Das Museum Rietberg verdankt ihm seinen

Grundstock an Kunst aussereuropäischer

Kulturen. Eduard von der Heydt

war aber auch Sammler von europäischer

Kunst, insbesondere von Gemälden der

klassischen Moderne.

Philipp Meier

Noch heute ist sein Name verbunden mit dem

Hotel auf dem Monte Veritä bei Ascona im Tessin,

mit einem nach ihm benannten Museum für Kunst

der klassischen Moderne in Wuppertal und auch

mit der berühmten Sammlung aussereuropäischer

Kunst im Museum Rietberg. Eduard von der

Heydt (1882-1964) schenkte diesen Teil seiner Privatsammlung

der Stadt Zürich, was 1952 zur Gründung

des «Rietbergs» führte. Wer aber war der

deutsch-schweizerische Sammler und Mäzen, der

als Bankier des deutschen Kaisers galt und als

Opportunist zwischen den Fronten, der es verstand,

Kapital und Kunst erfolgreich zu verbinden

und mit strategischem Geschick den Grossteil seiner

Sammlung über die Kriegswirren zu retten?

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«Ars una»

Eine umfassende Biografie zur facettenreichen

und auch widersprüchlichen Figur Edward von der

Heydts stand lange aus. Im Zuge des wachsenden

öffentlichen Interesses an der Entstehungsgeschichte

von Museumssammlungen sowie an den

biografischen Hintergründen bedeutender Kunst-

Stifter auch im Zusammenhang mit Restitutionsforderungen

man denke etwa an die Sammlung

Bührle rückte aber auch der Wuppertaler Kunstsammler

in den Fokus der Historiker. So war es

längst überfällig, die bunten und weit verstreuten

Mosaiksteine zur Person von der Heydt zu einem

Ganzen zusammenzufügen.

Eine Biografie liegt nun in einem Bildband vor,

der den Kunstsammler, Bankier, Hotelier und

Mäzen von der Heydt an seinen Wirkungsorten in

Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz

ins Licht rückt. Zu diesem Werk beigetragen hat

unter anderen die Historikerin Esther Tisa

Francini, die seit 2008 am Museum Rietberg für die

Sammlungsgeschichte und Provenienzforschung

der Sammlung von der Heydt zuständig ist. Sie

kuratierte auch die Sonderausstellung, die ergänzend

zur Biografie dem Quasi-Museumsgründer

gewidmet ist. Entstanden ist dabei eine Schau,

die die schillernde Welt einer der ungewöhnlichsten

Sammlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts

beleuchtet.

Eduard von der Heydts erfolgreichstes Spielfeld

war die Kunst. Den Bankiersberuf verband er mit

seiner Berufung zum Kunstsammler. Die Rolle des

reichen Erben und Müssiggängers war nie die

seine, den Bankgeschäften ging er mit Beflissenheit

nach und setzte die finanziellen Mittel geschickt

für den Aufbau seiner Kunstsammlung ein.

Dabei war er auch stets Stratege genug, um zu wissen,

wie man sich mit Kunstausstellungen und

Museumsleihgaben einen Namen macht. Ungewöhnlich

ist die schiere Breite von Sammelgebieten,

welchen sich von der Heydt zugeneigt fühlte.

Die Ausstellung versucht aufzuzeigen, wie von der

Heydt mit seiner Kunst gelebt, wo er sie placiert

hat, bei welchen Händlern er sie erworben und

welchen Museen er sie geliehen hat.

Die Beschäftigung mit Kunst war Eduard von

der Heydt gleichsam als kulturelles Kapital mit in

die Wiege gelegt. In eine kaisertreue, nationalkonservative,

grossbürgerliche deutsche Familie hineingeboren,

hatte er in der Person seines Vater das

Vorbild eines Kunstsammlers stets vor Augen. Dieser

war für seine Zeit ein ausgesprochen progressiver

Sammler mit recht «unmonarchischem» Kunstgeschmack.

Eduard von der Heydt wuchs umgeben

von Werken Courbets, van Goghs, Gauguins und

Uzannes, aber auch zeitgenössischer Künstler wie

Picasso, Braque, van Dongen, Modersohn-Becker

oder Kokoschka auf. Die Familiensammlung erweiterte

er später um beträchtliche Zukäufe in den Bereichen

Altmeister, Malerei des 19. Jahrhunderts,

Symbolismus, Impressionismus, Expressionismus,

Fauvismus sowie auch Neue Sachlichkeit.

Als Kind seiner Zeit interessierte er sich aber

auch für aussereuropäische Kulturen und begann

mit dem Kauf der Petrucci-Kollektion im grossen

Stil ostasiatische Kunst zu sammeln. Als Legitimation

für seine breitgefächerte Sammelleidenschaft

legte er sich mit dem Begriff ars una das Konzept

einer «Weltkunst» zu. Unter dieser Formel liess

sich alles sammeln, was gefiel und dem ausgesprochenen

Ästheten von der Heydt gefiel vieles.

Dies wird auf einem Rundgang durch die Ausstellung

ersichtlich: Die rund 180 präsentierten Werke

sie stammen sowohl aus den eigenen Sammlungsbeständen

wie auch aus dem Von-der-Heydt-

Museum in Wuppertal, aus zahlreichen weiteren

Museen und aus dem Besitz des Kantons Tessin

stellen allerdings nur einen Bruchteil des einstigen

Kunstbesitzes dar. Auch sind hier nicht etwa ausschliesslich

Highlights aneinandergereiht, sondern

auch Zweitklassiges wird gezeigt, denn die Ausstellung

will vor allem den einstigen von-der-heydtschen

Kunstkosmos heraufbeschwören.

Grosse Fotografien der ehemaligen Wohn- und

Ausstellungsräume in von der Heydts diversen

Wohnsitzen ergänzen die Exponate. Darauf lässt

sich vieles an Kunst entdecken, das auch in der

Ausstellung zu sehen ist. So zeigt eine Fotografie

die Ausstellungshalle mit ostasiatischen Skulpturen

im Amsterdamer Haus. Eine andere gibt eine

Ansicht des Golfhauses in Berlin-Wannsee mit

Breuer-Möbeln und einer Plastik von Archipenko

wieder. Und auf einer Fotografie des Wohnzimmers

in der Casa Anatta auf dem Monte Veritä ist

in einer Ecke auf hohem Sockel die grosse Kameruner

Königsmaske zu sehen heute ein Highlight

in der Afrika-Abteilung des Museums Rietberg.

Einheit von Kunst und Leben

In dieser Ausstellung kommt aber vor allem auch

wieder zusammen, was heute längst nach Kategorien

getrennt in verschiedenen Museen untergebracht

ist. Van Goghs frühes Gemälde «Die

Kartoffelsetzer» fand bei von der Heydt im selben

Raum Platz wie ein Götterkopf der Khmer. Im

Hotel auf dem Monte Veritä gesellten sich chinesi-

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sche und japanische Malereien zu Holzschnitze- nisation der Ausstellungstournee im Vordergrund

reien aus der christlichen Ikonografie. Von der stand, als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Heydt zelebrierte gerne die Einheit von Kunst und Solche Ausstellungen mit eigenen Werken

Leben und umgab sich mit seinen Kunstwerken, durchzuführen, war übrigens eines der Erfolgswenn

er sie nicht gerade als Leihgaben in Museen rezepte von der Heydts. Denn bei aller Liebe zur

in Berlin, Paris oder auch in Amerika placiert hatte. Kunst war er als Sammler stets mehr Kopf- als Ge-

Seine geliebte «Leda» von Uzanne etwa liess er fühlsmensch und hatte immer auch die Aussicht

sich ins Zimmer mitgeben, wenn er für längere Zeit auf Wertzuwachs seiner Kunstwerke im Blick.

im Berliner Grand-Hotel Esplanade logierte.

Der selbstverständlich-unbekümmerte Umgang Von Buddha bis Picasso: Der Sammler Eduard von der Heydt, Museum

mit Kunst sowie der Besitzerstolz des Sammlers Rietberg, Zürich, bis 18. August. Biografie Fr. 65..

widerspiegeln sich auch in einer Fotografie von

einer der ersten selbst erstandenen Trophäen:

einem kleinformatigen Aktbild, das der junge von

der Heydt in seinem Freiburger Studentenzimmer

unprätentiös auf einen Lehnstuhl stellte. Auf der

Rückseite der Foto findet sich der handschriftliche

Vermerk «Mein Courbet». Diesem Bild begegnet

man ebenfalls in der Ausstellung. Im Zuge der Forschungsarbeiten

an der Sammlung von der Heydt

wurde daraus allerdings ein Werk von Diaz de la

Peiia auch dies gehört zu einem Sammlerleben.

Von der Heydt täuschte sich allerdings wohl nur

selten. Er kaufte stets bei den renommiertesten

Kunsthandlungen ein. Dazu zählten Thannhauser,

Cassirer, Nierendorf und Graupe in Berlin ebenso

wie Rosenberg und Loeb in Paris, Tanner und

Aktuaryus in Zürich und Rosengart in Luzern.

Kontroverse um Flechtheim

Zum Berliner Kunsthändler Alfred Flechtheim

pflegte von der Heydt langjährige geschäftliche

und freundschaftliche Beziehungen. Bei ihm kaufte

er Bilder von Picasso, Munch, Gris, Beckmann,

Maillol und Toulouse-Lautrec. Von letzterem

auch die «Dicke Marie», ein Aktbild, das ebenfalls

in der Ausstellung zu sehen ist und mit seiner provozierenden

Nacktheit eines der gewagteren Werke

in der Sammlung darstellte.

Während er Flechtheim Plattformen für Ausstellungen

bot, gab dieser von der Heydt Möglichkeiten,

in seiner Galerie-Zeitschrift aufzutreten.

Gemeinsam organisierten sie 1926 auch eine Wanderausstellung

mit Südsee-Plastiken, die von Berlin

bis nach Zürich tourte. Exponate aus jener Ausstellung

befinden sich heute im Museum Rietberg und

gaben im Herbst 2011 Anlass für eine kurze Kontroverse

zwischen den Erben Flechtheims und der

Stadt Zürich. Den Vorwurf, dass sie dem jüdischen

Kunsthändler gehört haben sollen und Raubkunst

darstellten, konnte Esther Tisa entkräften. Von der

Heydt hatte die Stücke bei der Kunsthandlung

Umlauff gekauft und Flechtheim, der bei der Orga-

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